TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Montag, 3. August 2009

WAHLEMPFEHLUNG

Gestern bekam ich von olyly die Frage:

Aber sag doch bitteschön, Tammox, was soll man im Herbst wählen? Es ist doch nur die Frage: "Welchen Scheißhaufen wähle ich denn"?

Das wollte ich gerne in einem Extra-Blogposting beantworten.

Allerdings ist mir nun in der Nacht OBERCLOWN in einem Kommentar dazu zuvor gekommen ;)
Vielen Dank dafür.

Oberclowns Darstellung voraussetzend möchte ich aber dennoch einmal persönlich aufschreiben, was ich zur Wahl empfehle.

Ein Vorbemerkung noch:

Für mich ist es immer besonders bitter zu hören, daß jemand gar nicht wählt, weil es für mich so ein starkes Bedürfnis an den Bundestagswahlen teilzunehmen.
Wegen des Deutschen Ius Sanguinis, das die Staatsbürgerschaft nur aufgrund des VÄTERLICHEN Blutes gewährt (vor 1974 Geborene) bin ich aber nicht wahlberechtigt, obwohl meine Mutter Deutsche ist, meine Familie schon seit dem 15. Jahrhundert nachweislich im norddeutschen Raum lebt und ich in Hamburg geboren wurde.
Wie ich schon einmal ausführte, bin ich dennoch Ausländer - ein hochabsurder Zustand, den Rot/Grün schon 1998 beheben und an internationale Gepflogenheiten anpassen wollte.
Dann kamen allerdings Angela Merkel und Roland Koch mit ihrem 1999er „Wo kann man hier gegen Ausländer unterschreiben?“-Wahlkampf dazwischen und setzten sich damit durch.

Hätte Merkel damals diese Kampagne nicht abgesegnet und durchgeführt, wäre ich schon seit zehn Jahren Deutscher.
Ich fühle mich also persönlich von ihr und den CDU-Konsorten abgelehnt und um meine Rechte betrogen - dabei lebe ich schon deutlich länger in dieser Demokratie als die Kanzlerin!
„Ausländern“ wie mir wollte man aber auch mehrheitlich nicht die Doppelstaatsbürgerschaft zugestehen.
Koch gewann schließlich in Hessen.
Meine genaue Bezeichnung ist übrigens „Bildungsinländer“ wie ich erfuhr als ich anfing zu studieren und zunächst einmal keinen Studienplatz bekommen sollte.
Mir wurde der normale Zugang zur Hochschule verwehrt; es gab nur die Möglichkeit sich über das „akademische Auslandsamt“ zu bewerben, das für mein Fach genau EINEN Studienplatz zur Verfügung stellte.
Glücklicherweise war mein NC gut genug - ich mußte aber dennoch zum Deutschtest antreten.
Ob das wirklich notwendig sei, fragte ich - immerhin sei Deutsch meine Muttersprache, ich sei in Hamburg geboren, hätte in Deutschland Abitur gemacht und dabei übrigens den "Leistungskurs Deutsch" belegt.
Man ließ sich aber nicht erweichen und bedeutete mir in Sätzen ohne Adjektive und im Infinitiv (das Ganze in doppelter Phonstärke), daß keine Ausnahmen gemacht würden.
Kurz danach (beinahe 20 Jahre her) trat ich in die SPD ein.
Ich war (und bin) der Meinung, daß man sich politisch engagieren muß, um diese kafkaesken post-nazimäßigen Zustände zu beheben.

Wahlentscheidung 2009:

Bedauerlicherweise gibt es auch meiner Ansicht nach derzeit keine Politfiguren à la Willy Brandt oder Helmut Schmidt oder Egon Bahr für die man sich begeistern kann und dementsprechend wählt.

(Bei den bundespolitisch noch aktiven Großpromis mag ich noch am ehesten Trittin, Wiefelspütz, Zypries, Künast, Höhn, Gabriel, Lauterbach,..)

Also bleibt nur die Suche nach dem kleinsten Übel; das ist die lästige Pflicht, die Wahlberechtigte derzeit haben.
Ich prophezeie schon einmal, daß bei einer genaueren Betrachtung keine Partei da sein wird, die man mit Enthusiasmus ankreuzt.

Ich möchte, um zu einem Ergebnis zu kommen, ein Ausschlußverfahren durchführen:

- Kleine Parteien, die unter die 5%-Hürde zu fallen drohen, kommen nicht in Frage, da man damit seine Stimme nicht nur verschenkt, sondern mutmaßlich schwarz/gelb hilft.
Sogar auf zweierlei Weise; zum einen reicht bei mehr Parteien unter der 5%-Hürde eine dementsprechend kleinere Anzahl an Stimmen für die Mehrheit der Mandate und zum anderen profitiert die Union als mutmaßlich stärkste Partei sogar überproportional durch die (inzwischen verfassungswidrigen, aber doch noch mal akzeptierten…) Überhangmandate.

- Es bleiben als „wählbar“ übrig: Linke, Grüne, SPD, FDP, CDU/CSU.
Die Linke fällt aufgrund der taktischen Gegebenheiten auch weg, da ihre Stimmen nur Merkel helfen.
Wie das auch schon 2005 der Fall war - nur die Stimmen für die LINKE haben Merkel in den Kanzlersattel geholfen! Ich führte das bereits genauer aus.
Zur Erinnerung: Derzeit hat die CDU/CSU-Fraktion 222 Sitze und die SPD-Fraktion 221 Sitze!
Die LINKE hat weitere 53 Abgeordnete. Da die stärkste Koalitionsfraktion den Kanzler stellt, wäre also Merkel UM EIN HAAR nicht Kanzlerin geworden und würde nun nicht mit diesem Jubelamtsbonus antreten.
Gerade mal zwei Abgeordnete weniger von der Linken und mehr für die SPD hätten die Verhältnisse komplett auf den Kopf gestellt.
Vielleicht wäre Merkel sowieso inzwischen von ihrer eigenen Partei weggemobbt worden ohne die Kanzlerautorität.
Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE und SPD-Abtrünniger, schrieb zwar gerade “Nur eine starke LINKE kann Schwarz-Gelb verhindern“ - aber das ist nun mal echter Schwachsinn.

- Bleiben also als theoretisch „wählbar“:
Grüne, SPD, FDP und CDU/CSU.
Analog zu Oberclown kann man ebenfalls FDP und CDU/CSU ausschließend.

Zusätzlich zu seinen Argumenten (Atomfrage, Bildungspolitik, Steuern, Ehrlichkeit,..) möchte ich noch ein paar weitere fundamentale Unterschiede zwischen den sogenannten bürgerlichen Parteien (als ob SPD und Grünen-Wähler keine Bürger wären!) und Rot/Grün erwähnen:

- Die Bürgerlichen haben immer wieder Berührungen mit ganz BRAUNEN Angelegenheiten. Antisemitische Vergleiche kommen Koch oder Oettinger immer wieder über die Lippen. Stoiber warnte vor der "durchrassten Gesellschaft" und von Hubert Hüppe oder Martin Homann will ich erst gar nicht anfangen.

- Die Bürgerlichen betreiben eine konzernhörige absurde Gesundheitspolitik.

- Die Bürgerlichen kriminalisieren Schwerstkranke; nämlich Drogensüchtige; statt ihnen die Beschaffungskriminalität und Infektionen durch Abgabe von reinem Heroin zu ersparen.
Der Gipfel war diesbezüglich Justizsenator Roger Kusch, der 2001 in den Hamburger Gefängnissen die Spritzentauschautomaten abmontieren ließ.
Das war faktisch TOTSCHLAG, weil er damit Schwersüchtige zu HIV verurteilte.

- Die Bürgerlichen haben eine hysterische Angst davor Cannabis zu entkriminalisieren.

- Gesetzlicher Mindestlohn! Würde die eklatante Import-Schwäche und darbende Binnennachfrage ankurbeln. Gibt es in 22 EU-Ländern auch. Bekanntlich ist in GB und USA auch noch nicht der Sozialismus ausgebrochen, obwohl es da Mindestlohn zum Wohle der Binnennachfrage gibt. In Deutschland wollen SPD, LINKE und GRÜNE ebenfalls Mindestlohn. Nur CDU und FDP nicht und ausgerechnet DIE BEIDEN werden aber offenbar vom Wähler derzeit extrem favorisiert.

- Die Bürgerlichen stehen noch mehr auf Überwachung, Online-Trojaner, Internetsperren, Videoüberwachung und Lauschangriff.

- Thema "selbstbestimmtes Sterben". Die CDU/CSU will den Bürgern den freien Willen entziehen und stimmte am 18.06.2009 mit 209 von 210 (!) Stimmen gegen den Stünker-Entwurf. CDU’ler wollen einem also nicht zugestehen auch nur ein bißchen SELBST über den eigenen Tod zu bestimmen.

- Ich nannte schon die CDU-Position beim Staatsbürgerschaftsrecht. Ähnlich übel waren die CDU-Positionen bei der Zwangsarbeiterentschädigung, der Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren oder der Anerkennung von Prostituierten, die sich Dank Schröder/Fischer nun endlich krankenversichern können.

- Die CDU vertritt traditionell revisionistische Bestrebungen gegenüber den östlichen Nachbarn. Die von Willy Brandt initiierten Friedensverträge wurden ebenso wie seine ganze Ost-Politik, für die er mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, massiv und demagogisch von der CDU bekämpft. Noch 1990 sträubte sich Kohl bis zuletzt die Resultate des deutschen Überfalls auf Polen, der ab 1939 EIN FÜNFTEL der polnischen Bevölkerung das Leben kostete, zur Kenntnis zu nehmen und sträubte sich die Oder-Neiße-Grenze anzuerkennen. In der CDU von heute unterstützt Merkel die extrem rechtslastige, Polenhasserin Erika Steinbach. Auf keiner noch so schrillen Vertriebenenversammlung der Ewiggestrigen fehlt es an Unions-Größen, die vor der bizarren Trachtentruppe die Ergebnisse von 1945 umdichten wollen.

- Die CDU rannte unter Frau Merkel zum Bundesverfassungsgericht, um gegen die „Homo-Ehe“ zu klagen. Jetzt sieht es beim Thema „Adoptionen“ wieder genauso ewiggestrig aus.

- CDU und FDP sind hochverlogen bezüglich der Steuern! Sie sind die Steuererhöhungsparteien. Bis sie endlich 1998 abgewählt wurden stiegen nicht nur die Steuersätze, sondern vor allem die Lohnnebenkosten exorbitant. Dabei verfügten CDU und FDP über dicke Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat - wieso wurden denn 1982 - 1998 unter erheblich günstigereren Bedingungen nie die Steuern gesenkt?
Zur Erinnerung: Unter Kohl lag der Eingangssteuersatz bei 26% und der Spitzensteuersatz bei 56%. Nun sind wir bei 15 % und 45 % und das bei höheren Freibeträgen!
Das haben Rot/Grün durchgeprügelt und zwar gegen eine Merkel, die im Bundesrat hockte und allen ihren Schäfchen immer nur ein „Njet“ einprügelte.
Das ist nach wie vor die massivste Steuerentlastung für die Arbeitseinkommen, die es je gab und das hat die CDU eben NICHT hinbekommen, sondern stattdessen stets nur die Steuern erhöht.

- Außenpolitisch setzte Merkel auf Bush und den Irakkrieg - UNVERZEIHLICH!

- CDU-Familienpolitik stammt aus der Mottenkiste: Sie setzen auf Herdprämie und verschleppen die KITA-Platzversorgung.

- CDU und FDP unterstützten massiv die Lügenkampagne der Kirchen beim Berliner Pro-Reli-Volksentscheid. Merkel streitet für den Gottesbezug in der EU-Verfassung.

(An dieser Stelle werde ich sicherlich noch weitere Punkte einfügen)

Unterm Strich:
Union und FDP geben es den Reichen zu Lasten von Umwelt und dem untersten Einkommensdrittel.

Dabei ist die FDP noch wesentlich schamloser (Hartz IV um 30 % kürzen) und bei ihren Steuersenkungsversprechungen verlogener als die CDU.
Andererseits ist die CDU bei den gesellschaftspolitischen Themen noch gestriger als die FDP, die hier einige Einsichten weiter ist und neuerdings (vernünftigerweise) die Wehrpflicht abschaffen will.

- Bleiben also als „wählbar“ Grüne und SPD.
Ökologisch, gesellschaftspolitisch und energiepolitisch bin ich ganz auf Grünen-Linie; allerdings hat sich die SPD in jüngster Zeit dort fast ganz angepasst.

Dafür gefällt mir an der SPD besser, daß sie noch unideologischer als die Grünen ist.
Bei den Grünen gibt es doch etliche christlich Bewegte (Andrea Fischer, Katrin Göring-Eckhardt, ..), die heftig gegen Stammzellenforschung und Patientenverfügung sind.
Ideologischer Ballast, der meiner Ansicht nach nichts in der Politik zu suchen hat - hier ist wieder die SPD mehr auf meiner Linie.

Ich kann mit Stimmen für Rot oder Grün leben.

Im Moment würde ich aber eher SPD wählen, weil sie es einfach „nötiger“ haben.

Zum einen, weil sie ungerecht schlecht dastehen im Moment.

Sie dazu den Leitartikel „Gerechtigkeit für die SPD!“ von Matthias Geis (DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29)

Zum anderen kann man eine Wiederauflage der großen K.O.alition nicht ausschließen und dann sind Grüne irrelevant.

In dem Fall wäre es wichtiger, daß die SPD möglichst stark ist.

Der Hamburger Politologe Patrick Horst schrieb kürzlich „Stoppt Westerwelle!“
Das sei ein Thema, das das linke Lager einigen könne - ähnlich wie damals „Stoppt Strauß“ (1980).

Dem möchte ich mich anschließen - wenn WENIGSTENS dieser extrem verlogene Gaga-Guido nicht in der nächsten Regierung wäre, könnte ich schon mal „ein Glas Sekt aufmachen“ ….

Kommentare:

Milo hat gesagt…

Schön, dass sich doch ab und an Leute äußern zum Thema Bundestagswahl. Bislang habe ich nur wenig gefunden. Dabei sollte man doch darüber nachdenken, wie man möglichst im Sinne der Bürgerrechte in das Wahlgeschehen eingreifen kann.
Ich habe jedenfalls Deine Wahlempfehlung meiner Linksammlung hinzugefügt: http://internetausdrucker.wordpress.com/2009/07/16/und-wen-wahlst-du/

Ich selber plädiere in dem Beitrag allerdings für ein etwas anderes Vorgehen: Erststimme SPD, Zweitstimme Grüne oder FDP. Wobei ich mit der FDP auch Bauchschmerzen hätte.

Oberclown hat gesagt…

Nur mal interessehalber, warum fidnest du die FDP auch nur entfernt als möglichen Kandidaten für eine Zweitstimme?
Die sind die unverholenen Lobbyisten der Großindustrie und erzählen meiner Meinung nach kaum jemals etwas, was nicht erkennbar die Unwahrheit wäre.

An dieser Stelle noch ein Zitat vom Exmann meiner Freundin:
"wenn ich in Deutschland wählen dürfte würde ich FDP wählen, in Italien bin ich ja auch für die Faschisten".

Wenn man den Vergleich zu krass findet, ders sollte man vergleichen, was der zentrale Punkt beider Weltanschauungen ist:
Der Faschismus hat da ganz simpel die Unterdrückung, aller die sich nicht wehren können durch die, die unterdrücken können.
Die FDP redet ständig von Freiheit bzw. Liberalität, aber sie erzählen uns selten, was genau sie meinen. Aber gelegentlich eben doch, da können wir lernen, dass sie damit nicht die Freiheit Gewerkschaften zu gründen meinen, sehr wohl aber die Freiheit von Unternehmen beliebig niedrige Löhne zahlen zu dürfen. Auch die Freiheit bei Bedürftigkeit selber zu sehen wo man bleibt, statt durch Staatshilfe gegängelt zu werden ist bei denen hoch im Kurs.
Da entdecke ich doch einige inhaltliche Gemeinsamkeiten.

Besonders schön finde ich die Freiheit der FDP uns Blödsinn zu erzählen, die sie derzeit schon nutzen.
Geradezu ein Klassiker des Absurden Theaters finde ich die Realitätsverleugnung der FDP, wenn sie sagen, dass die berühmte Finanzkriese durch Staatsversagen und nicht Marktversagen verursacht wurde.

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Lieber Milo, Danke für den Kommentar und das Verlinken!
Ich freue mich immer über Interesse.
Was die Erststimme betrifft, ist es natürlich NUR möglich die SPD zu wählen - kleine Parteien wären ja sinnlos und die CDU würde ich niemals unterstützen.

Was die Möglichkeit betrifft mit der Zweitstimme die FDP zu wählen - da kann ich nur vollen Herzens Oberclown zustimmen!
Vor 20 Jahren und davor gab es zwar mal Zeiten, als ich die FDP viel weniger schlimm als die CDU fand, aber spätestens unter Westerwelle ist sie ja nun wirklich komplett unwählbar geworden - es sei denn, dass es einen nicht stört, daß Guido prinzipiell nicht in der Lage ist die Wahrheit zu sagen, nur seine reichen Unterstützer bedient, von Fachwissen gänzlich unbeleckt ist, gerne auch mal braun daherredet und ökonomischer Geisterfahrer ist.
Siehe dazu auch:

http://tammox.blogspot.com/2009/08/pluralismus.html


LG

Tammox

Anonym hat gesagt…

Dank an Euch, und besonders an Tammox für die Wahlempfehlung! So werde ich mich auch in diesem Jahr wieder für die Partei entscheiden, der ich seit fast 30 Jahren meine Stimme gegeben habe, wenn auch nicht immer mit voller Überzeugung: Die SPD! Zweitstimme: Die Grünen

Dass eine C-Partei für mich niemals in Frage kam und niemals kommt, dürfte so klar wie Klärchen sein.

Tammo Oxhoft hat gesagt…

@Olyly - und wieder hast Du jemanden glücklich gemacht - nämlich mich.

OK, daß man derzeit nicht gerade voller Elan und freudiger Erregung sein Kreuzchen macht, ist klar - aber bei der Auswahl, die nunmal da ist, handelst Du Tammox-konform!
;)

LG
T

Anonym hat gesagt…

Auch mit den Grünen habe ich meine Probleme.

Noch zu DM-Zeiten nahm ich als Vertreterin der Lokalpresse an einer Parteisitzung teil. Es galt, die nächsten Parteiziele festzulegen.

Unvergessen bleibt, dass sie hierbei herausposaunten, die Benzinpreise auf 5 DM/l hochzuschrauben zu wollen. Die Menschen sollen dadurch bewegt werden, generell mehr auf ÖV zurückgreifen und weniger auf Privatautos. Die hohen Benzinpreise haben wir bekommen. Doch jedes Mal, wenn die Preise für ÖV horrend anzogen, wartete ich auf einen Protest der Grünen. Vergeblich.

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Also in dem Fall bin ich ja FÜR die Grünen gewesen. Benzinpreis 5 DM war ja im Vorfeld der Wahl 1998 DER Aufreger und hätte Rot/Grün beinahe den Wahlsieg gekostet.
Man mußte gewaltig zurück rudern und abwiegeln, daß 5DM nur als Fernziel gedacht waren..

Ich war ausdrücklich dafür! Hätten wir mal bloß schon 1998 so einen Preis (€2,50) eingeführt! Dann wären unsere Autokonzerne längst dazu gezwungen worden mal weniger verbrauchende Motoren zu entwickeln und Deutschland hätte jetzt da einen Vorsprung, statt hinterher zu hinken.

Meine Traumvorstellung wäre natürlich dem einen nahezu kostenlosen ÖPNV entgegen zu setzen - aber so wie die Kommunen finanziell dastehen (auch alles politische Fehlentwicklungen) ging das natürlich nicht.

Als ich anfing zu studieren, hatte ich anfangs einen Fiat Panda mit 0,7-Liter-Maschine, Verbrauch um die 4 l.
Dennoch fuhr ich das erste Semester immer schön mit Bus und Bahn zur Uni. Als politisch korrekter Mensch, wollte ich natürlich nicht morgens die Luft verpesten und im Stau stehen.
In den ersten Ferien (sowas hatte ich nicht - das hieß „vorlesungsfreie Zeit“ und ich mußte immer zu Praktika erscheinen) dachte ich, daß dann weniger los ist an der Uni und man ja auch easy parken könnte - also bin ich mal probeweise mit meinem Auto gefahren. Ergebnis war, daß ich statt 30 Min nur zehn brauchte und mich das ganze Auto inkl Versicherung und Benzin gerade die Hälfte der Monatskarte kostete!
Seitdem bin ich dann gar nicht mehr Bus und Bahn gefahren und zum ÖPNV-Muffel geworden.
Der Panda war überhaupt konkurrenzlos billig - ich konnte damit erheblich günstiger nach Berlin fahren z. B. (300 km) als ein Bahnticket zu bezahlen.
Zumal ich dann IN BERLIN mir dort wieder die Busfahrkarten sparen konnte.

Das ist politisch betrachtet natürlich ein TOTALER IRRSINN - daß ausgerechnet die klimaschädlichste Methode (Auto) viel billiger ist als alles andere.

Ökonomisch wurde ich also dazu erzogen möglichst Unökologisch zu sein!

Das hätte die Politik längst ändern müssen und insofern fand ich es mutig, als Trittin/Röstel damals mit dem 5DM-Vorschlag kamen.
Genutzt hat es bekanntlich NICHTS.

LG
T

Anonym hat gesagt…

"Hätten wir mal bloß schon 1998 so einen Preis (€2,50) eingeführt! Dann wären unsere Autokonzerne längst dazu gezwungen worden mal weniger verbrauchende Motoren zu entwickeln und Deutschland hätte jetzt da einen Vorsprung, statt hinterher zu hinken."

Soso, der kleine Mann, der Student, die Auszubildende, kurz, Menschen, die auch wegen mangelhafter ÖPVN-Verbindungen ihr Auto brauchen, sollen die Zeche dafür zahlen, dass die Autokonzerne mit sparsameren Technologien nicht in die Pötte kommen?

Und dann ist immer noch die Frage offen, warum die Grünen nie lautstark gegen die Preiserhöhungen im ÖPNV protestiert haben. Wenigstens für den schönen Schein, so wie es Politiker so schön können, hätten sie zumindestens mal den Finger heben können.

Anonym hat gesagt…

Naja, es ist ja nun nicht nur so, daß „der kleine Mann“ nach billigem Benzin schreit. ALLE Deutschen sind diesbezüglich ja total hysterisch. Wenn man allein bedenkt wie viel Benzin man sparen könnte, wenn man endlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen durchsetzen würde. Das ist eindeutig ökologisch und ökonomisch vernünftig und rettet Menschenleben. Deswegen haben ja auch ALLE ANDEREN NATIONEN DER WELT Tempolimits. Nur die Deutschen frönen weiter ihrem Raserwahn und blasen noch ExtraBenzin raus. Da kann „der kleine Mann“ es ja noch nicht so knapp haben.
Ich bin der festen Überzeugung, daß der normale Mensch nicht von sich aus vernünftig ist - er muß gezwungen werden zu ökologischem Verhalten. Und das geht nur über den Geldbeutel.
NATÜRLICH wäre es viel besser, wenn der ÖNPV viel billiger wäre und es Anreize gäbe.
Der Wahnsinn liegt ja darin, daß ausgerechnet das Autofahren künstlich extrem billig gemacht wird, indem die Straßenbenutzung aus dem allgemeinen Steuertopf bezahlt wird - zig Milliarden gibt das Verkehrsministerium für die Straßen aus jedes Jahr - statt das den Autofahrern UND NUR den Autofahrern direkt aufs Auge zu drücken. Dann würden die Bahnfahrer etc entsprechend viel billiger weg kommen.

Bei den Grünen bist Du etwas unfair - google mal „Grüne + ÖPNV“ da siehst Du, daß sich die Grünen eigentlich immer und überall für bessere und billigere Öffis einsetzen.
Mehrheiten bekommen sie dafür allerdings nicht!
CDU und FDP haben hingegen kein Interesse den ÖPNV billig zu machen - sie wollen ja gerade die Autoindustrie pushen und inszenieren sich zusammen mit Oberlobbyist Matthias Wissmann und dem ADAC als oberste Autofahrerfreunde.
Und dafür bekommen sie auch Mehrheiten.
Die Wähler sind eben doof.

LG
Tammox

Anonym hat gesagt…

Ich will's mal etwas besser ausdrücken:

Solange solchen Forderungen wie die der Grünen kein gutes Gegenkonzept gegenübersteht, z.B. in Form von wirklich bezahlbaren ÖPNV für Menschen mit niedrigem Einkommen, oder auch gute Verkehrsnetze, halte ich so einen Appell für ziemlich unmoralisch.

Wenn man auf dem Lande wohnt weiß man, dass man schneller und preiswerter nach Rom fliegt, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Landkaff A bis zum 50 km entfernten Landkaff B fährt.

Anonym hat gesagt…

Häh, ich versteh nicht ganz:

Ein gewisser "Anonym" schreibt einen Kommentar und darunter steht:

LG
Tammox

Wer auch immer Du bist, "Anonym",

mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen geb ich Dir völlig Recht. Die wünsche ich mir seit langen. Und dass die CDU/CSU sowas ausbremst, ist klar.

Anonym hat gesagt…

Hi olyly - mein Broweser spinnt nur gerade mal wieder.
Ich muß mich jedesmal neu einloggen, wenn ich die Seite anklicke.
Ich kan ja auch schon lange keine Videos mehr spielen etc.
Bin leider zu doof, um das richtig einzustellen.

Jedenfalls habe ich bei nur kurzen Kommentaren manchmal keinen Bock erst Passowrt und Email einzugeben (speichert der Browser nämlich auch nicht mehr) und schicke das dann schnell "anonym" ab.

Die Letzten Posts war aber schon ich, Tammox - nur eben un-eingeloggt.

Verstehe einer die Technik - für sowas bin ich zu alt und habe dumemrweise keine Kinder, die ich fragen könnte...

LGT

Anonym hat gesagt…

"Verstehe einer die Technik - für sowas bin ich zu alt und habe dumemrweise keine Kinder, die ich fragen könnte..."

Och Tammox, "alt" bin ich auch. Naja, fast, ich gehe stramm auf die 50 zu. Und was Kinder betrifft: Die fragen mich, wenn was mit den PC's ist.

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Ach was?

Normalerweise ist es doch so, daß die Leute rätselnd vor dem Bildschirm sitzen und sich dann die 13-Jährigen Kinder ranholen, um die Technik erklärt zu bekommen.

Du bist also noch schlauer als Deine Kinder???
Boooohhhhh! Ich bin beeindruckt.

Aber wozu soll man dann überhaupt Kinder bekommen, wenn die einem noch nicht mal bei der modernen I-Technik helfen können?

Dann ist ja doch gut, daß ich keine Ableger habe.

Anonym hat gesagt…

Mit der Kinderfrage und dem Sinn der Elternschaft beschäftige ich mich gerade auf meinem Blog.

Ich glaub, es wird n Buch

Oberclown hat gesagt…

Also damit: "Zumal ich dann IN BERLIN mir dort wieder die Busfahrkarten sparen konnte." tust du speziell dem Berliner ÖPNV unrecht.
Aktuell kostet etwa eine Jahreskarte AB (grob gesagt bis zur Stadtgrenze) 690 Euro, bei Vorauszahlung für das ganze Jahr 670 Euro für einen Erwachsenen ohne irgendwelche Ermäßigung.
690 Euro / 12 = 57,5 Euro pro Monat.
Das ist durchaus eine Preislage, die im Vergleich mit Steuer + Versicherung + Benzin nicht so schlecht dasteht. Und, wenn man dann noch bei neuen Autos die Wertminderung bzw. bei alten Autos die Reparaturen einbezieht ist kein Auto haben eindeutig billiger.

Das ist aber leider von diversen Randbedingungen abhängig, etwa der, dass man an jedem Punkt von Berlin mit einem kurzen Fußweg eine Haltestelle erreicht und, dass auch entsprechend viel Busverkehr stattfindet. Ich habe auch mal in Unterfranken auf dem platten Land gelebt, da war das keine Option, weil nur wenige Busse pro Tag fuhren, Wochentags etwa zehn hin und zurück, Samstags einer pro Richtung, Sonntags garkeiner und die Fahrkarten wahren damals im letzten Jahrtausend schon teurer, als heute die in Berlin, selbst wenn ich mich noch ein Ganzes stück durch Brandenburg fahren lasse. Da ist Auto haben unumgänglich. Leider.
Auch die Bedingung, dass fast ständig ein Bus fährt ist in Berlin in guter Näherung erfüllt. Wenn man es durchrechnet, dann ist zumindest für Leute, die in Berlin wohnen ein Auto haben in vielen Fällen einfach unsinnig.
Das Problem dabei ist aber, dass meiner Erfahrung nach viele Leute falsch rechnen und nur Benzinpreise mit Fahrkartenpreisen vergleichen (was aber zumindest für Einheimische die falsche Rechnung ist).

Bei nicht einheimischen, die ein Auto haben, weil sie in irgendeiner Art von ÖPNVmangelgebiet leben ist die Rechnung mit nur Benzinpreise zwar schon richtiger, aber man muss dann wirklich rechnen, wieviel man fährt, weil den Gegenwert einer Wochenkarte für 26,20 Euro zu verfahren ist in diesem Zeitraum kein so schwieriges Kunststück, dass man das nicht doch in Betracht ziehen könnte.
Je nachdem wie lang man da ist sieht es günstiger oder ungünstiger aus.

Tammo Oxhoft hat gesagt…

@Oberclown:


Da gibt es das ein oder andere Missverständnis.
Mit
"Zumal ich dann IN BERLIN mir dort wieder die Busfahrkarten sparen konnte."

War natürlich nur gemeint, daß ich IN BERLIN keine Fahrkarten mehr kaufen mußte, wen nich ohnehin schon MIT AUTO aus Hamburg gekommen war.

Überhaupt so viel Auto zu fahren, lag in meiner Studentenzeit daran, daß die Monatskarten IN HAMBURG so exorbitant teuer waren. Mal ganz abgesehen von Fernbahnen.

Ich erinnere mich aber auch, daß ich damals kaum fassen konnte wie viel billiger gerade für Studenten der ÖPNV für Berlin war.
Das ging damit los, daß ich in HH immer nur zwei oder vier „Zonen“-Monatskarten hatte. Damit kam ich exakt von der Uni bis zu mir - hätte aber für drei Stationen weiter noch mal draufzahlen müssen. Eine Monatskarte für das GESAMTNETZ von Hamburg wäre damals absolut unerschwinglich gewesen für mich.
Deswegen konnte ich es kaum glauben, daß meine Berliner Freunde alle Gesamtnetzkarten hatten, mit denen sie in GANZ Berlin so viel fahren konnten, wie sie wollten. Wenn ich mich recht erinnere kosteten die damals (in den 80ern) sogar weniger als meine mickrigen Innenstadtzonen in Hamburg.

Die Preise für Monatskarten in Hamburg von HEUTE kenne ich nicht.
Habe gerade mal gegoogelt - in HH kostet derzeit schon eine GesamtTAGESkarte 16 Euro!
Monatskarte 176 Euro und Jahreskarte finde ich nicht.
Da kannst Du mal sehen, daß das auch heute noch gegenüber Deinen Berliner Preisen,
690 Euro / 12 = 57,5 Euro pro Monat, gepfeffert ist.
Zumal Berlin auch noch doppelt so groß ist!

57,50 Euro oder 176 Euro für eine halbsogroße Stadt ist ja wohl ein kleiner Unterschied!

LG
T

Anonym hat gesagt…

Du hast vielleicht ein Argument geliefert, warum man vor 4 Jahren nicht die Linke hätte wählen dürfen, und da magst du recht haben. Für diese Wahl ist es vollkommen unrealistisch, dass die SPD stärker wird als die CDU *und* zusätzlich hat sie in den letzten 4 Jahren bewiesen, dass es überhaupt nichts bringt, dass sie genauso groß wie die CDU ist, denn entweder sie vertritt inzwischen dasselbe, oder wirft sich völlig unproportional unter. Dafür brauchen wir keine starke SPD. Genau deswegen brauchen wir keine SPD mehr!
Dieses Jahr wählt keiner, der Linke wählt, "Merkel". (Westerwelle schon gar nicht, nicht mal mit dem "schwachen SPD"-Argument)
Wer hingegen SPD wählt, unterstützt diejenigen, die seit sehr, sehr vielen Jahren sehr viel falsch gemacht haben. Das kann es nicht sein...

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Wäre die SPD nicht mit im großen K.O.alitionsboot, sondern eine FDP/CDU-Regierung im Amt, könnte fröhlich weiter an Asse-, Morsleben- und Gorlebengutachten gefälscht worden. Die Atomindustrie hätte ausgesorgt und die Anbieter von alternativen Energien wären längst weggebissen.

Die SPD hat die Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 42% auf 45% durchgedrückt. Das wäre mit der FDP nie passiert.

Die Gesundheitspolitik würde ohne die SPD nach einem Kopfpauschalenmodell laufen, bei dem Pharmalobby und Ärzte über zusätzliche Selbstbeteiligungen abkassieren könnten.

Es gäbe überhaupt keine Mindestlöhne, wie sie die SPD nun gegen den Widerstand der Union immerhin in diversen Branchen durgedrückt hat.

Was Schäuble und Leyen in Punkto totaler Bürgerüberwachung durchsetzen würden, ohne Justizministerin Zypries, kann man heute wieder sehr schön sehen, angesichts Schäubles Wunschliste.

CDU und FDP hätten ohne SDP-Regierungsbeteiligung längst flächendeckend genveränderte Pflanzen in Deutschland anbauen lassen.

Die Bundeswehr würde als eine Polizeiarmee im Inneren die Bürger belästigen.

Das sind nur ein paar Punkte, weswegen es sehr wichtig war und ist, daß die SPD in der Bundesregierung ist.

Wer als potenzieller rot/rot/grüner Wähler seine Stimme der Linken gibt, minimiert den Einfluss der SPD und erhöht das Risiko, daß schwarz/gelb ihre Horrorvorstellungen ungehindert durchprügeln.

LG

Tammox

Anonym hat gesagt…

Atompolitik: Richtig, und eine der wenigen Punkte, in denen die SPD sich immerhin noch treu ist. Trotzdem sind alle anderen Parteien des linken Spektrums genauso oder noch mehr gegen Atomkraft. Außerdem ist dieser Punkt eigentlich - egal wie schwach die SPD ist - unverhandelbar in irgendeiner Koalition mit rot oder grün.

Allgemein: Sicher ist die GroKo bei weitem nicht so schlimm wie Schwarz/Gelb...sie ist...langsamer. Schwarz/Gelb fährt den Karren wesentlich schneller an die Wand, den Vorteil hat die SPD in der Regierung durchaus, ja. Das erklärt zumindest, dass es besser ist, SPD zu wählen, als CDU und FDP. Das mag ich auch gar nicht wirklich bestreiten...

Aber!:
Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 45%? Ja, nachdem er unter Rot/Grün stark gesenkt wurde! Wie ist das ein Fortschritt, den wir irgendwie der SPD zu verdanken hätten?

Gesundheitspolitik:
Ja, wir haben keine Kopfpauschale. Dafür haben wir jetzt unsere Gesundheitsreform, die alles teurer und nichts besser macht. Wie ist das wählbar?

Mindestlohn:
Ein partieller Mindestlohn ist quatsch. Das kann nicht nach dem Motto "ein bisschen ist besser als nichts" verlaufen!
Als Beispiel: Wenn ein Verkäufer in einer Bäckerei plötzlich einen Mindestlohn kriegen muss, werden irgendwo zwangsläufig die Preise erhöht. Das ist kein Argument gegen einen Mindestlohn! Aber wenn der Friseur für 3,30 die Stunde das nicht zahlen kann, bringt das eben nix. Durch einen flächendeckenden Mindestlohn würde man z.T. die Preise erhöhen, aber bei denen, die diesen Lohn erhalten, wäre trotzdem mehr in der Tasche. Ich weiß, dass der mit der CDU zusammen nicht umzusetzen ist. Dennoch fällt es mir schwer, einen partiellen Mindestlohn als Teilerfolg der SPD zu betrachten.

In Sachen Verfassung und Bürgerrechte kommt man nicht drum rum, als der SPD eine krachende Niederlage zu bescheinigen. Das wir noch keine Bundeswehr im Inneren haben, ist ein Tropfen auf den heißen Stein und auch mit der SPD nur noch eine Frage der Zeit, wenn man sich den sonstigen Trend ansieht.

Bei genveränderten Pflanzen kann man ihr - wie in der Atompolitik - immerhin noch irgendeinen Schein der Konsequenz anrechnen.

Fortsetzung...

Anonym hat gesagt…

...Fortsetzung:
Doch generell gilt:
Diese Regierung ist nicht gut, und sie ist stark CDU-lastig. Dass sie besser ist als Schwarz/Gelb, ist richtig. Wir hatten gerade 4 Jahre eine rot/rot/grüne Mehrheit im Bundestag, und diese Chance wurde nicht wahrgenommen. Der Grund dafür ist nicht bei der Linken, sondern bei der SPD zu suchen. Die SPD bescheinigt der Linken immer wieder eine unseriöse Außenpolitik, und da hat sie z.T. recht.
ABER: Erstens ist die LINKE von ihrer sofortigen Abzugspolitik auch schon wieder abgerückt & auch ein kritischer Umgang mit dem Staatswesen Europa muss erlaubt sein; außerdem ist zweitens der Grund, warum die LINKE nicht mit der SPD koalieren will, nicht ebenfalls der Vorwurf einer unseriösen Außenpolitik, sondern dass die SPD einfach nicht mehr sozial(demokratisch) ist!
Es wäre einfach, die LINKE in einer Koalition als Juniorpartner dazu zu bringen, weitgehend von ihrer Außenpolitik abzuweichen, um eine rote Regierung zu bilden! Es gibt nur eine Ursache, warum das nicht geschehen ist: Die SPD *ist* nun mal nicht mehr sonderlich links bzw. sozial. "Etwas linker als die CDU" ist kein ausreichendes Kriterium für eine sozialdemokratische Partei.
DAHER lohnt es sich wenig, die SPD zu wählen. Sie könnte weitere vier Jahre ein Stoßdämpfer der CDU werden. Doch die SPD wird sich in der Regierung niemals aus dem Sog der Profillosigkeit befreien können, das ist nicht realistisch. Die Frage ist also eher, ob wir jetzt Schwarz/Gelb wollen, oder in vier Jahren. Da die GroKo nun mal kein schmerzloses Vakuum, sondern sehr wohl einen langsamen Abstieg bedeutet, ist es besser jetzt als später. Die SPD wird erst wieder in der Opposition an Bedeutung und Profil gewinnen können. Eine rot/rot/grüne Opposition wäre außerdem immernoch ein vernünftiges Korrektiv für eine schwarz/gelbe Regierung und würde zumindest eine 2/3-Mehrheit ausschließen. Und vielleicht findet diese Opposition ja doch in diesen 4 Jahren zu ihren Gemeinsamkeiten, um irgendwann endlich bereit zu sein, gemeinsam zu regieren...

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Gesundheit:
Nun, das ist das klassische Beispiel eines faulen Kompromisses. Das Fond-Modell sollte zwei nicht vereinbare Konzepte vereinigen.
Für die sozial schwachen Patienten ist das aber dennoch besser, als das was CDU/FDP pur bedeuten würde.


Diese Regierung ist nicht gut, und sie ist stark CDU-lastig. Dass sie besser ist als Schwarz/Gelb, ist richtig. Wir hatten gerade 4 Jahre eine rot/rot/grüne Mehrheit im Bundestag, und diese Chance wurde nicht wahrgenommen. Der Grund dafür ist nicht bei der Linken, sondern bei der SPD zu suchen. Die SPD bescheinigt der Linken immer wieder eine unseriöse Außenpolitik, und da hat sie z.T. recht.


Das sehe ich ja genauso.
Als ein SPD-Mitglied, das 2005 noch extra Geld gespendet hat, weil ich unbedingt Merkel verhindern wollte, habe ich auch Magengeschwüre entwickelt, als dann die Partei, die ich massiv unterstützte Merkel, Jung, Schäuble und Glos auf die Ministersessel setzte - obwohl eine parlamentarische Alternative da war.

Aber da liegt der Knüppel beim Hund - wenn ich mich jetzt beleidigt zurück ziehe, bereite ich eben noch mehr FDP/CDU-Politik den Boden und allein die Tatsache, daß überhaupt Gabriel Umweltminister war und nicht eine Atom-hörige Schavan und allein die Tatsache, daß überhaupt ein Steinmeier Außenminister war und nicht ein Hohlkopf Westerwelle und allein die Tatsache, daß überhaupt eine Zypries Justizministerin war und kein Siegfried Kauder, war es wert froh über die SPD zu sein.

Je mehr SPD-Wähler zur Linken rüber rutschen, desto schwächer wird die SPD als CDU-Korrektiv.
Die Rechts- und Atompolitik allein reichen mir schon vollkommen aus, um die große K.O.alition deutliche schwarz/gelb vorzuziehen!
Das sind ja nun mal keine Kleinigkeiten.

Andererseits glaube ich, daß Du recht hast bezüglich der Befürchtung, daß die SPD in einer Merkel-Koalition bis 2013 noch weiter wegschrumpfen würde.
Zumal ohnehin nächstes Jahr diverse Grausamkeiten begangen werden müssen. Da wird eine große Unzufriedenheit herrschen und das wird vor allem wieder die SPD demoskopisch zu spüren bekommen, weil man ihnen soziale Härten nicht so leicht nachsieht, wie der CDU.

Da denke ich auch manchmal - soll das doch die FDP auslöffeln und sich den Unwillen der Wähler zuziehen!
Aber das bedeutet: Vizekanzler Westerwelle!

Was ist nun schlimmer?

Anonym hat gesagt…

Ich verstehe das Dilemma durchaus, wir sind uns ziemlich einig ;)
Aber es ist nichts zu machen. Die Wahl dieses mal ist Pest oder Cholera. Ich entscheide mich für den langfristig mehr Erfolg versprechenden Weg, Linke zu wählen.
Du beschwörst ein Korrektiv der CDU. Die CDU kann man natürlich nicht wirklich "korrigieren", sondern nur "dämpfen".
Die SPD ist diejenige Partei, die ein Korrektiv braucht, mehr als alle anderen. Und bei ihr ist es auch einigermaßen realistisch.

Ich finde, wenn du schon sagst, dass die GroKo bescheurert ist, und dass es mit ihr wohl so aussieht, dass dann die SPD weiter schrumpft, ergo Schwarz/Gelb in 4 Jahren wesentlich wahrscheinlicher macht, solltest du dich auch nicht so eindeutig gegen die LINKE aussprechen.

Was du gerade tust, ist die Vorteile unseres Mehrparteiensystems (Im Vergleich zu einem 2-Parteien-System, nicht ein... ;)) auszuhebeln, in dem du beschwörst, das kleinere Übel zu wählen, anstatt eine ernsthafte Alternative.
Solange es eine ernsthafte Alternative gibt, werde ich sie wählen. Und dafür lasse ich mich nicht verurteilen.
Wobei ich eben auch strategisch gesehen die LINKE wählen für richtig halte.

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Naja, nun ist der Drops ja gelutscht.

Die SPD ist raus und Guido ist drin.

Für mich persönlich ist Westerwelle ein derartiger Alptraum, daß ich gar nicht hingucken kann.

Dagegen wäre mir alles andere lieber.

Aber nun MUSS die SPD natürlich ihre Strategie überdenken und natürlich hoffe ich ganz stark, daß sie zumindest schon mal im Saarland, Thürigen, und Brandenburg GANZ KLAR eine Regierung oohne CDU-Beteiligung schafft.

Wenn die Sozis auch nur in einem dieser Länder ohne NOT die CDU wieder ins Boot holen, ertränke ich mich.


LG
Tammox