TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Mittwoch, 4. Januar 2012

War nur Spaß…..

Georg Streiter, Jahrgang 1955 glänzt nicht gerade mit beeindruckenden Etappen in seinem Lebenslauf.
Schule in Bonn, 1974 – 1976 Soldat auf Zeit beim Fernmeldebataillon 330 in Koblenz, anschließend verbrachte er noch knapp zwei Jahre an der Uni Bonn als Kunststudent.
Ohne Abschluss tingelt er dann weiter und landete über Umwege in diversen Lokalredaktionen schließlich als Redakteur bei der BILD-Zeitung, die ihn von 2005-2009 in der Zentralredaktion Hamburg beschäftigte.
Nach dieser bahnbrechenden Karrierestation bei der Crème de la Crème des Journalismus, erklomm Streiter eine weitere Stufe auf dem Weg in den Medien-Olymp.
Er wurde zum Pressesprecher der bedeutendsten Politikerin der EU, der bekannten Worcoholikerin Silvana Koch-Mehrin berufen.
Von 2010 bis September 2011 vertrat er die EU-Leuchte bis sie endgültig im medialen und akademischen Orkus untergegangen war.
Georg Streiter liebt es offenbar tote Pferde zu reiten und hopste vor drei Monaten auf den nächsten verendenden Gaul: Er wurde stellvertretender Regierungssprecher der Bundesregierung und spricht nun für Merkel!
Das legendäre Händchen der Kanzlerin für Personalentscheidungen war wieder in Aktion und holte sich den besten Mann.

Zur Causa Christian Wulff, der als Inkarnation des Salamitaktikers fast immer schwieg; wenn er denn redete nur das ohnehin schon Bewiesene einräumte und immer mehr Fragen aufwarf, fand der stellvertretende Regierungssprecher heute eindeutige Worte.

"Ich kann sagen, dass die Bundeskanzlerin volles Vertrauen darin hat, dass der Bundespräsident auch weiterhin alle anstehenden Fragen umfassend beantworten wird", sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter vor Journalisten in Berlin. Bereits jetzt habe Wulff viele Fragen beantwortet. Er gehe davon aus, dass Merkel mit Wulff telefonisch in Kontakt deswegen gestanden habe, wisse das aber nicht, sagte Streiter. "Alles andere wäre weltfremd."
(SZ 04.01.12)

Genau!
Die Erde ist eine Scheibe, Schweine können fliegen und Wulff wird „auch weiterhin alle anstehenden Fragen umfassend beantworten.“

Wulff, der insbesondere dadurch in der Kritik steht, daß er die Pressefreiheit mit Füßen tritt, wiederholt Printpresse-Vertretern mit „Krieg“, „endgültigem Bruch“ und „strafrechtlichen Konsequenzen“ drohte, traute sich dabei auch heute nicht sich den Vertretern der schreibenden Zunft zu stellen.
Feige duckt sich der Präsident erneut weg und läßt es nicht zu einer allgemeinen PK kommen.
Fragen nach wie vor unerwünscht.
Nur den nicht eben als harten Fragern bekannten Deppendorf und Schausten stellte er sich - und auch das nicht live, sondern in einer Aufzeichnung, die mit einer Sperrfrist bis zum Redaktionsschluß der großen überregionalen Blättern versehen war.

Ein ziemlicher Witz; schon lange vor der exklusiven Erstausstrahlung des Interviews um 20.15 Uhr hatte die Piratenpartei das gesamte Transskript online gestellt.

Natürlich läßt Wulff auch weiterhin Fragen offen, lügt mehrfach (zum Beispiel bezüglich der Kreditbedingungen: „Es sind ganz normale, übliche Konditionen“), sieht sich als unschuldiges Opfer einer Kampagne und tut sich vor allem selber leid.

Den größten Fauxpas bestreitet er nicht, entschuldigt sich aber gleich selbst.
Ein klassischer Fall eines Kleingeistes; offenbar weiß Wulff nicht, daß man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern höchstens um Entschuldigung BITTET.

Deppendorf: Sie haben in den letzten Tagen, sind Sie besonders in die Kritik geraten wegen der Anrufe beim Chefredakteur der BILD-Zeitung Kai Diekmann und beim Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns, Herrn Döpfner. Ihnen wird Verletzung des Grundrechts der Pressefreiheit vorgeworfen. Sie sollen auf dem Band, was in der Mailbox war, beide Herren bedroht haben. Sie sprechen von „Krieg führen“, von einem „endgültigen Bruch". Ist so was nicht unwürdig für einen Präsidenten, der eine kritische Berichterstattung auf diese Art und Weise verhindern will?

Wulff: Der Anruf bei dem Chefredakteur der BILD-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leid tut. Für den ich mich entschuldige.

Und überhaupt habe er sich nur deshalb so aufgebracht an Diekmann und Cio gewandt, weil er so ein selbstloser Beschützer seiner Familie wäre.

Wulff: Wo man also Vertrauensverlust erleidet, dann muss man sich auch vor seine Familie stellen, wenn das Innerste nach außen gekehrt wird […], wenn Freunde, […] in die Öffentlichkeit gezogen werden, dann hat man Schutzfunktionen, ….

Für Merkels Humunculus im Schloß Bellevue sind die Vorwürfe aber schon deswegen alle unproblematisch, weil er sich selbst einfach fabelhaft findet und sogar der Meinung ist alle anderen fänden ihn auch fabelhaft.

Wulff: ….ich hatte die ganzen Wochen über große Unterstützung von vielen Bürgerinnen und Bürgern, meiner Freunde, auch der Mitarbeiter. Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war und mache das mit Freude und aus Überzeugung….

Mal sehen wie das in den nächsten Tagen von den Journalisten bewertet wird.
Werden die derzeit mehrheitlich erbosten Schreiberlinge wieder nett zu ihm sein?
Bei Wulff gibt es ohnehin kein „Sein“, keine „Substanz“, keine „Leistungen“.
Es gibt nur den hohlen Schein, den BILD und BUNTE mit Jubelgeschichten über seine Betty und das junge Familienglück verbreiteten.
Wulff pur ist erledigt, er kann es nicht und konnte es nie. Gut möglich aber, daß Burda, Bauer und Springer ihn bald wieder zur ehrlichen Haut zurückstilisieren.

Die allerersten Stellungnahmen sehen allerdings nicht so aus:

An wirklicher Offenheit ist er nicht interessiert. Zwar entschuldigt er sich für Fehler. Doch im gleichen Atemzug stilisiert er sich zum Opfer, verfolgt von angeblich so grausamen Journalisten, die in seine Privatsphäre eindringen und sogar wissen wollen, wer das Hochzeitskleid seiner Frau bezahlt habe. Die Botschaft seines Auftritts lautet: Seht her, ich bin ein guter Präsident, und meine Kritiker übertreiben maßlos. Das ist dreist, war aber nicht anders zu erwarten. Wulff mimt einmal mehr die Unschuld vom Lande. Spätestens seit seinen Ich-bin-der-Präsident-Anrufen beim Springer-Verlag müsste nun auch dem letzten klar sein, dass er so ganz unschuldig nicht ist. Aber wen interessiert's? Ehrlich: Wer das schluckt, hat es nicht besser verdient. Die öffentlich-rechtlichen Journalisten machen ernste Gesichter, als sie die böse politische Einflussnahme von oben auf Berichterstattung da unten verteufeln. Ausgerechnet. Man könnte laut lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
(Roland Nelles 04.01.12)

Er ist nicht, wie es seinem Amtseid entspräche, damit beschäftigt, Schaden vom Volk abzuwenden, sondern Schaden von sich selbst. Er verbraucht all seine Kraft damit, sich zu erklären und seine Fehler zu entschuldigen. Er ist ein Präsident Laokoon - einer, der sich in seinen Widersprüchen verwickelt hat, von ihnen gewürgt wird und sich mit einer und noch einer öffentlichen Erklärung Luft zu verschaffen sucht. Er ist ein Präsident, der sich in seiner Schwäche an seinem Amt festhält, weil ihm das Amt den Halt gibt, den er ansonsten nicht hat. Der Bundespräsident übt, so steht es im Grundgesetz, das Gnadenrecht aus; Wulff ist der erste Bundespräsident, der sich selbst begnadigt.
(Heribert Prantl 04.01.12)

Besser wird es nicht mehr.

Dabei war doch Wulffs kurzzeitig verschollene Original-Weihnachtsansprache sehr gut und überzeugend.

Hätte er es mal dabei belassen:

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Mehr Hamburger Verlage

Da ich gestern dem SPIEGEL einen mitgegeben habe, ist es mir wichtig festzuhalten, daß die Produkte des SPIEGEL-Verlages allesamt noch Gold sind - verglichen mit 95% der Zeitschriften, die in den anderen großen Verlagen (Bauer, Burda, Springer,..) erscheinen.

Ich erspare es mir darüber zu orakeln welches der zumeist tiefkonservativen Verlagshäuser den schlimmsten Schund produziert.

Der Hamburger Heinrich-Bauer-Verlag (nennt sich jetzt „Bauer Media Group“) gehört jedenfalls auf einen der vordersten Plätze. Inhaberin Yvonne Bauer setzt mit ihren Beteiligungen an RTL-2 und den Billigzeitschriften deutlich mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr um.

Die zugkräftigsten Blättchen heißen:

TV Hören und Sehen, Alles für die Frau, Bravo, Bravo Girl, Das Neue, Fernsehwoche, inTouch, Laura, Selbst ist der Mann (?? Wat dat denn? Ein Masturbationsfachblatt?) Tina, tv14, TV Movie und Der Landser.

Der Landser ist natürlich ein echtes Juwel im Angebot der biederen Hamburger:

In DER LANDSER lesen Sie Woche für Woche Erlebnisberichte vom Frontgeschehen des Zweiten Weltkrieges. Aus der Sicht der kämpfenden Truppe und durch die Erinnerung einzelner Personen wird die größte kriegerische Auseinandersetzung der Weltgeschichte in ihrer ganzen Dramatik deutlich.
(Bauer Media Group)

Das nennt man wohl „zielgruppenorientiert“.
Bauer hat was für jeden. Für den TV-Junkie, für pubertierende Mädchen, für gelangweilte Hausfrauen und eben auch was für den gemeinen NPD’ler, der sich an Wehrmachtskitsch aufgeilt.

Die Zeitschrift "Der Landser", Fachorgan für die Verklärung der Wehrmacht, begeistert zunehmend junge Leser: Skinheads und Rechte in Ostdeutschland.
[…] Wie in den Anfangszeiten kommen die Geschichten über "kampferprobte Verbände", bestehend aus "Prachtkerlen" voller "Manneszucht", von ehemaligen Weltkriegssoldaten, die ihre militärromantisch geprägten Erinnerungen Jochim zur Gleichschaltung überlassen. Im Duktus der "Deutschen Wochenschau" der Jahre 1939 bis 1945 werden "durchgesickerte Rotarmisten niedergekämpft" und "Bunker unschädlich gemacht". Es geht "gegen einen Feind, von dem sie keine Gnade zu erwarten haben". Der "aufopferungsvolle Kampf im Westkaukasus" wird im "Landser" ebenso wie das "opferreiche Ringen" vor Leningrad als "unvergänglicher Beweis stummer Pflichterfüllung" gewürdigt.
[…] Rund 60 000 Stück werden Woche für Woche an Bahnhofskiosken von Berlin bis Guben vorwiegend an Jungs mit Glatzen oder strammgezogenen Scheiteln verkauft. Bei den Vorkämpfern für "national befreite Zonen" gehören die Fronterlebnisse der Großväter zum geistigen Rüstzeug, auch wenn der Feind diesmal nicht in einem sowjetischen Panzer, sondern in der nächsten Döner-Bude sitzt.
(DER SPIEGEL 03.08.1998)

Während wir über die unheimlichen Unterstützer der von Terrorgruppen wie dem „National Sozialistischen Untergrund“ (NSU) rätseln und unsere Betroffenheit ob der von Neonazis umgebrachten Migranten heucheln, sollten wir uns darüber im Klaren sein welche dunkeldeutsche Propaganda wir unterstützen, wenn wir am Kiosk eine Fernsehzeitschrift aus dem Hause BAUER kaufen.

Dabei ist „Der Landser“ noch nicht mal das Braunste, was der 1875 gegründete Verlag zu bieten hat.

Die Bauer Media Group vertreibt auch das rechtsradikale Magazin „Zuerst!“.

„Die erste Ausgabe im neuen Jahr verheißt eine wilde Verschwörungstheorie: "Bestellter Terror" ruft es vom Titelblatt des Magazins "Zuerst" und die Unterzeile fragt: "Wem nützt die 'rechte Gewalt'?" Die Redaktion des in Kiel erscheinenden Magazins hält die Zwickauer Terrorzelle offensichtlich für ein politisches Konstrukt - und verspricht "ganz andere Hintergründe" der Mordserie zu enthüllen. Die krude Geschichte gehört noch zu den harmloseren Seiten des rechtsradikalen Magazins aus Kiel. Wenn das Blatt etwa über "Deutschenmobbing" schreibt, wird der Ton offen rassistisch. "Der typische Serientäter ist männlich, arabischer Herkunft und bleibt auch als Erwachsener kriminell", heißt es an einer Stelle und an einer anderen: "In der Regel leben die kriminellen arabischen Familien in großen, eng verbundenen Clans, oft mit zehn bis 15 Kindern, von Sozialgeldern und von Kriminalität. (…) Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen." Den greisen Überfremdungs-Ideologen Theodor Schmidt-Kaler zitiert das Blatt mit den Worten: "Es ist keine Übertreibung, wenn ich heute sage: Unser deutsches Volk steht auf der Kippe zum Sterben."
(Spon 29.12.11)

Dem SPIEGEL ist übrigens nicht von allein aufgefallen, welche braune Soße der Bauer-Verlag verteilt.

Der vermeidlich so biedere DGB brachte vor drei Tagen den Stein mit einem Offenen Brief ins Rollen, den ich zitieren möchte und dessen Forderungen ich mich anschließe.

Offener Brief in Sachen Magazin „Zuerst!“

Sehr geehrte Frau Bauer, mit einiger Bestürzung habe ich erfahren, dass ihre 100%-ige Unternehmenstochter „Verlagsunion“ seit zwei Jahren den Vertrieb der Zeitschrift „Zuerst!“ regelt. Ich schließe mich auf diesem Weg dem Konzern-Betriebsrat des Bauer-Verlages an und appelliere ebenfalls dringend an Sie, diese Zusammenarbeit unverzüglich zu beenden.

Bei der Lektüre des Magazins „Zuerst!“ sträuben sich jedem aufrechten Demokraten alle Nackenhaare. Da fallen in Artikeln Sätze wie „Deutschenmobbing wird für Ausländerkinder zum Pausensport“, oder „der typische Serientäter ist männlich, arabischer Herkunft und bleibt auch als Erwachsener kriminell.“ Über Menschen mit arabischer Herkunft heißt es an anderer Stelle weiter: „In der Regel leben die kriminellen arabischen Familien in großen, eng verbundenen Clans, oft mit zehn bis 15 Kindern, von Sozialgeldern und von Kriminalität. (…) Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen.“

In einem Interview sagt ein Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kaler: „Aufgrund ihrer unzureichenden Schul- und Berufsausbildung haben die ausländischen Arbeitskräfte zudem eine Senkung des durchschnittlichen Qualifikationsniveaus des gesamten inländischen Arbeitspotentials bewirkt. (…) Es ist keine Übertreibung, wenn ich heute sage: Unser deutsches Volk steht auf der Kippe zum Sterben.“

„Zuerst!“ wird vom Verleger Dietmar Munier herausgegeben. In dessen Verlag „Lesen und Schenken“ vertreibt er auch Videos mit Titeln wie „Die Hitler-Show: Die Reichsparteitage der NSDAP“, „20. April 1939. Adolf Hitlers 50. Geburtstag, Berlin feiert den Führergeburtstag“ oder „Der Berghof – Hitler ganz privat.“

Sehr geehrte Frau Bauer, es ist etwa einen Monat her, da haben wir hier in Hamburg mit einem Schweigemarsch den Menschen gedacht, die – wie wir inzwischen wissen - von Neonazis aus Zwickau ermordet wurden. Ich habe zu diesem Anlass den „Aufstand der Anständigen“ gefordert. Denn ich meine: Wir alle müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass in diesem Land und überall auf der Welt Rechtsextreme mit ihrem rassistischen, menschenverachtenden und volksverhetzenden Gedankengut keine Chance haben.

Genau dieses Gedankengut findet sich in jeder Ausgabe von „Zuerst“. Über Ihr Unternehmen „Verlagsunion“ findet die Zeitschrift den Weg an die Kioske und an die Leser.

Setzen Sie ein persönliches Zeichen und sorgen Sie dafür, dass der Vertrieb dieses Magazins zukünftig nicht mehr durch ein Unternehmen ihres Konzerns stattfindet.

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Grund

(DGB Hamburg)

Mittwoch, 2. November 2011

Tendenzen.

Wenn sich Fernsehtalkmaster eine Runde aus Pfaffen zusammensuchen, sprechen sie immer wieder von der „Renaissance der Religionen“.
Es sei zwar richtig, daß die beiden großen Kirchen in Deutschland mit Austritten zu kämpfen hätten, aber allgemein herrsche eine riesengroße „Sehnsucht nach Sinn“, wie der Blick auf die Bestsellerlisten beweise.
Gerne erzählt dann ein Mann wie Overbeck oder Mixa „aus seiner täglichen Praxis“, daß so viele junge Leute mit Fragen zu ihnen kämen.

Geht es nach den Bücherkäufen, bin ich für diese Typen auch ein sehr religiöser Mann. Sehr viele Bücher, die ich kaufe, finden sich in den Buchhandlungen unter der Rubrik „Religion“.
Aber daß ich den Neuner-Roos besitze bedeutet nicht, daß ich Katholik bin.
Abgesehen davon befinden sich auch die Werke Michael Schmidt-Salomons, Richard Dawkins und Karl-Heinz Deschners unter dem Label „Religion“.

Teenager, die sich in einem seelischen Konflikt befinden nachdem sie masturbiert haben und sich deswegen an einen katholischen Bischof wenden, mag es auch geben.

Anzunehmen, daß diese Bischöfe in ihrem Umfeld ein repräsentatives Bild der Jugend in Deutschland erleben, ist genauso sinnvoll wie die Annahme, daß alle Deutschen dunkelhäutig sind, nachdem man einen Abend in einem Reggae-Club auf der Reeperbahn verbracht hat.

Fernsehpastor Jan Dieckmann, Moderator der Phoenix-Talkrunde „Tacheles“ ist einer dieser unerträglichen Schwätzer, der die Religionen auf dem Vormarsch sieht und „die Jugend“ millionenhaft auf Sinnsuche wähnt.

Das Thema der letzten Sendung kündigte die Redaktion so an:

Sehnsucht nach Sinn: Wie viel Kirche braucht das Land?
Elterninitiativen formieren sich gegen Gebete in der Schule. Die Papstrede im Bundestag erzürnte einige Abgeordnete. Zugleich registrieren die Kirchen ein wachsendes Interesse vielfach junger Leute an Glaubensfragen. Sollen Eltern Ihre Kinder taufen lassen? Ist es richtig, dass der Staat die Kirchensteuer einzieht? Und wohin gehört die Religion – ins Privatleben oder auch in die Politik?
(tacheles.tv/rueckschau)

Er ist der Frosch, der davon quakt, daß der Teich gar nicht austrockne.

Was heißt soziale Gerechtigkeit? Wollen wir aus der Atomkraft aussteigen?
Um in diesen brennenden Fragen eine gute Entscheidung zu treffen, braucht man einen verlässlichen Wertekompass. Wie der aussehen könnte, darüber wollen wir reden. Als Christen haben wir da einiges einzubringen: Die zehn Gebote, die Bergpredigt, das Wort Jesu von der Nächstenliebe. Aus Reflektion über grundlegende biblische Texte entstehen Werthaltungen. Und die sind das, was eine Gesellschaft als verlässlichen Orientierungsrahmen braucht, wenn sie nicht auseinanderbrechen will.
(Jan Dieckmann)

Fernsehpfarrer sind eben auch nur Pfarrer und halten es mit der Wahrheit so wie ihre Vorgesetzten, die Bischöfe: Fakten sind irrelevant.
Es darf gelogen werden, bis sich die Balken biegen, um die Kirche gut dastehen zu lassen.

In Wahrheit aber kann keineswegs von einer Rückkehr der Religionen gesprochen werden.
Zumindest nicht, wenn man sich auf Fakten stützt, statt auf subjektive Wahrnehmungen, wie es die von Fernsehgebührenzahlern finanzierten Dieckmanns und Flieges dieses Landes tun.

Das Statistisches Bundesamt und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung haben in Zusammenarbeit mit dem Sozio-ökonomischen Panel am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und der redaktionellen Verantwortung der Bundeszentrale für politische Bildung den Datenreport 2011 herausgegeben, einen „Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland“.
[…] Erfassen lässt sich diese Säkularisierung als ein Rückgang von Durchschnittswerten der Religiosität. Dabei werden fünf Formen der Religiosität unterschieden: die formale Kirchenmitgliedschaft, der öffentlich-kirchliche Gottesdienstbesuch, die religiös-private Praxis des Gebets, dann die diffuse Religiosität, gemessen an einer religiösen Selbsteinschätzung, und schließlich die Bedeutung religiöser Weltbilder.
Für einen deutsch-deutschen Vergleich wurden Daten von 1990 bis 2008 betrachtet. Ausgangsthese dabei war, dass in den staatssozialistischen Staaten Osteuropas die Religion von der Politik bekämpft worden war, während die Religion in den kapitalistisch-demokratischen Ländern Westeuropas ohne jeden Zwang ihre Anhänger verloren hat. Die Untersuchungsfrage war nun, ob der ostdeutsche Säkularisierungsvorsprung bis 2008 bestehen geblieben ist oder sich verringert hat. Für alle fünf Formen der Religiosität lässt sich feststellen, so Meulemann, dass in Ostdeutschland die zwangsweise „Entkirchlichung“ stabil geblieben ist. Im Unterschied zu dem durch seinen Zusammenbruch diskreditierten Staatssozialismus und die Desorientierung einer „sozialistischen Moral“ in einer Gesellschaft, die nach 1989 durch unterschiedliche Interessenlagen und Konflikte geprägt ist, hat sich die säkulare Weltsicht in den ostdeutschen Ländern stabil erhalten, da sie mit der neuen Sozialordnung vereinbar sei.
In Westdeutschland schreite die „freiwillige Säkularisierung“ dagegen weiter voran. Die Weltbilder der Menschen in Westdeutschland „liegen gleichsam wie Schichten übereinander, die die Historie spiegeln: Die Religion des Abendlandes wird von modernen Weltanschauungen, dem Naturalismus und dem Existentialismus, überlagert. Das Christentum ist heute in Westdeutschland nicht mehr die vorherrschende religiöse Weltdeutung.“ (S. 356) Insofern ergibt sich die abschließende Schlussfolgerung zwingend: „Von einer Wiederkehr der Religionen kann also in keinem Landesteil die Rede sein.“ (S. 357) Insofern zeigt sich, dass die behauptete Rückkehr der Religionen, wie sie beständig immer wieder von Vertretern der beiden Amtskirchen beschworen sind, ein Wunschdenken darstellt.

(hpd.de 01.11.2011)

Nimmt es ein Talkshowgast nicht einfach so hin, wenn von der wachsenden Bedeutung der Kirchen palavert wird und nennt konkrete Zahlen über die massenhaften Kirchenaustritte, antwortet der Alibi-Pfaff, der in jeder Talkrunde sitzen darf immer mit dem Argument, es handele sich dabei um einen Sondersituation in Deutschland (oder Westeuropa) - weltweit sähe es ganz anders aus.
Ratzis Botschaft möge für dekadente Deutsche etwas konservativ klingen, aber in den anderen Erdteilen wachse die RKK rasant.

Wirklich?

Brasilien war und ist das größte katholische Land der Welt, zumindest zahlenmäßig. Aktuell veröffentlichte Daten belegen jedoch einen deutlich fallenden Katholikenanteil in der Bevölkerung des südamerikanischen Landes. Dieser Anteil ist von 2003 auf 2009 von 73,8 auf 68,4 Prozent gesunken. Ein Negativ-Rekord.
[….] "Wenn die Rate von einem Prozentpunkt Verlust pro Jahr so weiter geht, wird in weniger als 20 Jahren nur noch die Hälfte der Bevölkerung katholisch sein." Doch seien es erstaunlicherweise nicht wie in den 1990er Jahren pfingstchristliche Kirchen, die zulegten, sondern traditionelle Protestantengemeinden wie Baptisten, Lutheraner, Presbyterianer.
Auch der brasilianische Kardinal, Dom Odiolo Pedro Scherer, äußert sich zum Mitgliederschwund: "Was wir brauchen, ist eine neue Evangelisierung." Laut ihm verlören jedoch einige protestantischen Gemeinden prozentual noch mehr Mitglieder als die Katholiken.
Noch 1970 bekannten sich über 90 Prozent der Brasilianer zum Katholizismus. In den 1980er und 1990er Jahren ging es dann steil bergab. Im Jahr 2000 waren es nur noch 73,9 Prozent. Im Jahr 2003 gingen viele Katholiken davon aus, dass der Mitgliederschwund gestoppt wurde. Doch 2009 sind nur noch 68,4 Prozent der Brasilianer katholisch.
(pro 02.11.2011)

Der nächste große Schlag droht Brasiliens Katholiken im Jahr 2013, wenn zum Weltjungendtag in Rio de Janeiro der beste Undercover-Agent des IBKA eintrifft und mit seinen Gruselbotschaften die Jugendlichen noch schneller aus der RKK treibt.

Auf unseren Doppelnullagenten Joseph R. können wir uns verlassen.

Samstag, 10. September 2011

Wie Schwarzgelb wieder Wahlen gewinnen will.


Jutta Ditfurth saß Ende der 80er Jahre (kann auch 1990 gewesen sein) mal in einer der legendären monothematischen Kirchenrunden Freitagabends bei Lea Rosh (eine der letzten guten Moderatorinnen für Talkshows).
Für die Kirche sprachen dort üblicherweise Elisabeth Motschmann, Frau Waschbüsch oder der damals noch als kommender Superstar der Konservativen geltende Weibischof Kurt Krenn.
Damals war er noch fett und (selbst-)zufrieden. Noch nicht von Pädo-Pornoaffären und Krankheit gezeichnet. Dennoch verstand er es wunderbar sich um Kopf und Kragen zu reden.
Er wurde zum Aushängeschild für all diejenigen, die sich endgültig von der RKK lösten.
Schon vor 20 Jahren rannten der Kirche die Mitglieder weg und auf Lea Roshs Frage an Ditfurth, was sie dem Bischof raten würde, damit die Gläubigen der Institution Kirche wieder mehr vertrauten, lehnte sie sich zurück und sagte: „Gar nichts.“
Sie habe gar kein Interesse daran der Kirche zu helfen und begrüße es, wenn diese Mitglieder verliere.
Das war damals noch ziemlich starker Tobak!
Die meisten Kritiker bischöflicher Widerlinge à la Krenn meinten es schließlich gut mit „der Kirche“ und rieten zum Wohl des Christentums zu weniger aggressiven Tönen.

Es war auch deshalb eine schöne Antwort Ditfurths, weil es ohnehin so offensichtlich war, was man tun müsste, um die Kirche sympathischer erscheinen zu lassen.
Nämlich das Gegenteil all dessen, was Krenn sagte.


Mit geht es mit den sogenannten bürgerlichen Parteien ganz ähnlich.
Was sie alles falsch machen ist offensichtlich.
Ich maße mir an, daß ich durchaus einige Ratschläge geben könnte, wie FDP und CDU es anstellen könnten wieder sympathischer und erfolgreicher zu werden.

Aber da ich ein schlechter Mensch bin, werde ich das natürlich nicht tun.
Ich begrüße schließlich die Entwicklung der Wahlumfragen für Schwarzgelb.
Die FDP will sich selbst abschaffen? Perfekt!

Ich bin heute ganz Ditfurth und lehne mich genüßlich zurück während die Röslers, Pofallas, Westerwelles, Merkels, Friedrichs, Söders, Niebels und Schäubles mit ihrem kollektiven Parteien-Suizid auf Raten beschäftigt sind.

(Außerdem ist das ausgleichende Gerechtigkeit! Wie lange gibt es schon die automassakrierenden Tendenzen in der SPD!)

Aus dem niedersächsischen Kommunalwahlkampf erreichen mich allerdings zwei schöne eigene Ideen der Wespenfarbigen, die ich als bemerkenswert erachte.
Da haben CDU und FDP immerhin mal klar analysiert wie ihre Lage ist und womit man den Wähler noch locken könnte.

Beispiel FDP:

Die Ratsfrau Brigitte Glinka aus Schwanewede weiß womit sie noch punkten kann:

„152 cm. Wählen Sie das kleinere Übel. Brigitte Glinka. FDP“



Dass man zumindest versuchen kann, den Wahlkampf mit Humor zu nehmen, zeigt eine liberale Kandidatin in Schwanewede, die - auf ihre Körpergröße von 152 Zentimetern anspielend - für sich als das "kleinere Übel" wirbt. Das offenbart tiefe psychologische Selbsterkenntnis, Brigitte Glinka! Doch ob klein oder groß - Übel bleibt Übel, oder nicht?
(Michael Rabba 03.09.2011)


Beispiel CDU:

Selbst in einer der bundesweit stärksten CDU-Hochburgen Vechta dämmert es der Jungen Union, daß ihre Partei so abstoßend ist, daß man sie nur unter Drogen ertragen kann.
Daher füllt sie nun Erstwähler mit Alkohol ab.
CDU schöntrinken - der letzte Rettungsanker?

Die CDU in Steinfeld lockt junge Wähler mit Freibier. Am Abend vor der Kommunalwahl am Sonntag laden der Ortsverband und die Junge Union zur Erstwählerparty. Die Unabhängige Wählergemeinschaft kritisierte die Feier: Der CDU sei beim Stimmenfang jedes Mittel recht. "Der Einsatz von Alkohol als Wahlkampfmittel bei Jugendlichen ist wirklich das Allerletzte."
(dpa, 09.09.2011)

Sonntag, 22. Mai 2011

Markwort devastated.

Das deutsche Fernsehen ist schon eine vielsagende Angelegenheit.
Während eine ungezogene Göre mit schlechtem englisch und noch schlechterer Musik über Wochen täglich mit hunderten TV-Berichten bedacht wird, konnten ARD und ZDF heute nur mühsam ihr Desinteresse für eine deutsche Landtagswahl überspielen.

„Aus gegebenem Anlass“ behauptete CDU-U-Boot Schausten im ZDF immer wieder, müsse man jetzt, 18.30 Uhr, die Wahlberichterstattung (seit 18.00 Uhr) abbrechen.
Ich dachte schon, ich hätte irgendwas Weltbewegendes nicht mitbekommen. Hat Al Kaida ein paar Amerikanischen Hochhäuser gesprengt? Wurde eine Industrienation von einem Tsunami verschluckt? Sind mal wieder ein paar AKW-Reaktorblöcke explodiert? Hat Kim Jong Irr einen Atomkrieg begonnen?
Nein, es war dann doch nur eine Programmkonserve, Faszination Erde mit Dirk Steffens („Mythos und Wirklichkeit am Kilimandscharo: Tansania“), die das ZDF unbedingt ab 18.30 Uhr senden mußte.
Die Kollegen von der ARD hielten immerhin noch bis 18:49 Uhr durch. Dann kam „Ein Platz an der Sonne“ (Wochengewinner der ARD-Fernsehlotterie), gefolgt von „Lindenstraße“ der Mutantenshow für miese Schauspieler.

Zu den Wahlergebnissen fiel den Polit-Journalisten ohnehin nichts ein.
Es war so gekommen, wie erwartet: Rot-Grün bestätigt (beide Parteien legten zu), Schwarz-Gelb vernichtet (beide Parteien verloren).

Wahlberichterstattungen bestehen aus Ritualen, wie den unvermeidlichen Live-Schaltungen zu den verschiedenen „Wahlpartys“ der Parteien.
Bei jeder sitzt ein Nachwuchsreporter herum, der Redundantes wortreich umschreibt. So heißt es beispielsweise vor der Schließung der Wahllokale alles warte gespannt auf die Ergebnisse (Wer hätte das gedacht???!!).
Nach der Veröffentlichung der 18.00 Uhr-Prognose werden dann nacheinander die Gesichter der Partygäste beim Anblick der Ergebnisse abgefilmt.
Die Reaktionen sind immer wieder außerordentlich überraschend: Die Wahlgewinner freuen sich und die Wahlverlierer sind enttäuscht. (Donnerknispel!)

In den ersten Stunden nach dem Ende der Wahlen sind ohnehin nur Zahlen sexy.
Zahlen, die die Gewinner als harte Fakten begreifen („der Wähler hat uns bestätigt,… wir haben den klaren Auftrag….“), während die Abgewatschten stets darauf hinweisen, daß es sich lediglich um Prognosen handele („Nun warten wir erst mal den Abend ab…, es hat sich noch oft etwas zu Gunsten meiner Partei verschoben…“).

In Bremen allerdings gab es keine Knappheiten wie zuletzt in BW, als SPD und Grüne darum kämpften wer die Nase vorn haben würde und die Konservativen ob des CDU-begünstigenden Wahlrechts doch noch hofften einen Sitz mehr als Grün-Rot zu bekommen.

In Bremen ist die Sache einfach.
Rot/Grün hatte schon vorher eine komfortable Mehrheit und ging mit einem extrem populären Amtsinhaber und einer kompetenten und anerkannten Grünen-Spitzenkandidatin ins Rennen.
Von den Schwarzgelben kam dagegen gar nichts außer reichlich Gegenwind aus Berlin.

Die Neo-FDP unter Rösler hat immerhin gezeigt, wie ihre Parole vom Rostocker Parteitag - WIR SIND WIEDER DA! - vom Wähler adaptiert wird:
Minus 50%. Und raus aus dem Parlament. (FDP 2007: 6,0 %, 2011: ~ 2,7%, sechste oder siebte Kraft in der Weser)

Da Frau Schausten vom ZDF sich keinen Reim aus den Zahlen machen konnte, hatte sie ihre traditionellen Studiogäste da; schön ausgewogen: LOCUS-Herausgeber Markwort und SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo.

Letzterer erkannte etwas, das noch niemand analysiert hatte: Die Grünen hätten einen Lauf und für die FDP sehe es schlecht aus.

Sein konservatives Pendant Markwort versuchte sich im Kopfrechnen und addierte die Berliner Koalitionsparteien erschrocken auf „gerade mal 30%“ zusammen, um sich sofort zu korrigieren: „auf zusammen sogar unter 25%!“

Und dann entfuhr ihm zum Ende der ZDF-Sendung das Zitat des Tages „Das ist ja lächerlich!“

Gemeint war das Ergebnis für Schwarzgelb.

Gepasst hätte der Spruch auch auf die Wahlberichterstattung und die Senderchefs, die die allseits beliebte „Berliner Runde“ gleich ganz ausfallen ließen.

Zu schade.
Auch wenn die besten Zeiten vorbei sind und mein gestern verstorbener Kanarienvogel Karl-Heinz mehr Charisma als alle Generalsekretäre zusammen hatte, so ist das Postwahl-Gezicke um 19.30 Uhr eine schöne Tradition.
Und da bin ich konservativ; ich mag Traditionen.

Der dicke Bernd Protzner ist meiner Meinung nach zu Unrecht in Vergessenheit geraten.
Seine Spenden- und Steueraffären wurden zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt publik. Just in dem Zeitfenster, als die CDU ein paar Bauernopfer schassen mußte.
Protzner verlor seinen Bundestagswahlkreis an einen gewissen Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg und wurde vergessen.

Der inzwischen leider verstorbene Journalist Wolf Heckmann würdigte ihn ein letztes mal, als er von der „TV-Bundestagsrunde" nach der Hessenwahl berichtete:

Müde Runde ohne Protzner.
Bonner TV-Plauderei mit neuen Partei-Generälen und alten Ritualen.
Am Abend der Hessen-Wahl gab es bei der Besetzung der „Bonner Runde“ gewiß ein paar Erleichterungen: Natürlich muß man als Journalist heftig bedauern, daß auf Seiten der CSU der Herr Protzner nicht mehr dabei war: Was hat er nicht immer für wunderbare Bemerkungen abgelassen, die man nicht unbedingt in die rechtsradikale Kiste, sondern in die leicht debile bayerische Folklore einordnen konnte. […]“
(HH MoPo 08.02.1999)

Aber in Punkto „debile bayerische Folklore“ kann Herr Dobrindt ihm absolut das Wasser reichen.

Übrigens; falls jemanden doch das Ergebnis der Bürgerschaftswahl in Bremen interessiert:
Jens Böhrnsen, der mein augenblicklicher Lieblings-MP ist, wird weiter Bürgermeister bleiben und regiert fortan in einer GROßEN KOALITION aus SPD und Grünen.

Die CDU ist mit ~ 20 % nur dritte Kraft.
Ich finde es aber eher "lächerlich", daß sie überhaupt noch von jedem Fünften gewählt wurde.
Warum bloß?
Wer macht denn sowas?

Dienstag, 1. Februar 2011

Impudenz des Monats Januar 2011

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Zu den Dingen, die man im Leben nicht braucht, gehören die Vielzahl der privaten Regionalsender, von denen einer schlechter und platter als der nächste ist.
In Hamburg gibt es einen Sender mit dem ungeheuer kreativen Namen „Hamburg1“, der in Ergänzung zum zu 90% von Springer dominierten Tageszeitungsmarkt ebenfalls Springer gehört.
Das ist praktisch; können doch die CDU-affinen Redakteure des „Hamburger Abendblattes“ (=Springer) auch gleich noch die Polittalkshows im TV-Sender „HH1“ übernehmen.
Synergie nennt man das wohl, wobei „Synergie“ auch hier wie so oft das Antonym zu „Pluralismus“ ist.

Vorgestern lud Moderator Karl Günther Barth zum Thema "Wechselstimmung? König Olaf regiert doch schon! Warum die SPD so stark und die CDU so schwach ist." in die „Hamburger Presserunde“, die immer parallel zu Anne Will ausgestrahlt wird. Besetzt war die Runde diesmal überregional mit „Verena Herb (Deutschlandradio), die sagt: "Die CDU ist raus aus dem Rennen. Doch sind nach wie vor sämtliche Koalitionsoptionen möglich." Ralf Wiegand ("Süddeutsche Zeitung"): "Selten war eine Wahl früher entschieden, aber trotzdem spannend." Matthias Krupa ("Zeit"): "Die CDU macht alles falsch, was man nur falsch machen kann." Gunther Latsch ("Spiegel"): "Die CDU tut nur so, als mache sie Wahlkampf. In Wahrheit hat sie schon kapituliert."
(Abla 29.01.2011)

Die Sendung war bemerkenswert kurzweilig, wenn man bedenkt, daß es kaum Meinungsunterschiede gab.
Die SPD mache weitgehend alles richtig, Olaf Scholz sei gereift und habe sich seit seiner „Scholzomaten“-Zeit weiterentwickelt. Die Grünen hätten kein einziges Thema mehr - da alle ihre Anliegen aus dem letzten Koalitionsvertrag gescheitert wären.
Die FDP in Hamburg ist ein einziger Witz und schon seit sieben Jahren nicht mehr in der Bürgerschaft vertreten - kombiniert mit dem derzeitigen Bundestrend könne das kaum über die 5%-Hürde tragen.



Bleibt die Impudenz des Monats Januar - nämlich die CDU-Hamburg.

Die Elb-Union macht sich systematisch zum Gespött der Presse.
Alle anwesenden Hamburg-Korrespondenten in Barths Runde prophezeiten einmütig, daß die CDU am 20. Februar nicht über 25 % kommen könne.
Personell, strategisch und thematisch böten Angela Merkels Ableger in der Hansestadt ein einziges Bild des Jammers.

Dabei ist die in diesem Blog hundertfach dargestellte erbärmliche Regierungsbilanz nur ein Teil des CDU-Problems.
Mit traumwandlerischer Sicherheit schafft sie es aber, sich in der heißen Phase des Wahlkampfs lächerlich zu machen.

Während sich die CDU einen massiven Personalabbau bei der Polizei (inkl Zusammenlegung von Wachen und desaströsen Ausrüstungsmängeln) zu verantworten hat, plakatiert sich ausgerechnet das Thema „Kriminalität“.
Offensichtlich ist die CDU-Führung komplett von der Stimmung der Stadt entkoppelt.

Der Aufmacher der Hamburger Morgenpost von heute über die Autozündler lautet: Hat die Polizei aufgegeben?
Der Auftrag ist klar formuliert: Die Serie der Autobrandstiftungen stoppen! Doch die Jagd auf die Feuerteufel entpuppt sich für die Soko „Florian“ mit ihren 200 Beamten als eine schier unlösbare Aufgabe.
[…] Polizeiintern hatte die Truppe schnell den Namen „Soko Sinnlos“ weg. Die Zahl der Festnahmen von Autobrandstiftern liegt im einstelligen Bereich. 2010 zählte die Polizei (trotz der Riesen-Soko) rund 150 Fälle von Brandstiftungen an Autos – Fälle wohlgemerkt. Die Zahl der vernichteten Autos liegt um ein Vielfaches höher. Und auch in diesem Jahr gehen die Brandstiftungen weiter. Zuletzt standen in der Nacht zu Montag auf St. Pauli (Thadenstraße) und in Ohlsdorf (Stübekamp) sieben Fahrzeuge in Flammen.
[…] Die Personalnot ist zu groß: Die „Florian“-Mitarbeiter werden – weil der geringe Erfolg den großen Aufwand nicht rechtfertigt – mittlerweile für andere Schwerpunkte (Einbrüche, Kiez, Demos, Fußball-Spiele) eingesetzt. Nach MOPO-Informationen wurde die ehemals 200 Mann starke Soko auf eine Rumpftruppe von 20 bis 40 Beamten reduziert.

Mit der Warnung „Rot-Grün“ führe in ein „Neues Schulchaos“ erinnert sie CDU extra noch mal an ihr eigenes größtes Versagen - nämlich das Scheitern der Primarschulreform im Sommer 2010, welches den Sturz des CDU-Bürgermeisters von Beust zur Folge hatte.
Ausgerechnet jenen Kesseltreiber, der im Alleingang den einzigen Wahlkampfschlager der CDU, nämlich Ole von Beust abschoss, holte sich die CDU als Gallionsfigur in ihr Schattenkabinett:
Kik-Anwalt und Gucci-Protestler Scheuerl tritt nun für die CDU an.

Matthias Krupa von der „ZEIT“ sagte er müsse immer lachen, wenn die CDU in Hamburg nun verkünde „sich auf die Stammwähler“ zu konzentrieren, indem nun „CDU pur“ gelte.
Welche fünf Stammwähler wären damit gemeint?
Daß die CDU in einer so liberalen Stadt wie Hamburg überhaupt zehn Jahre regieren konnte, grenze schon an ein Wunder und läge ausschließlich daran begründet, daß Ole von Beust liberaler und moderner als die CDU regierte und präsidierte.

Und genau diesen einen großen Vorteil habe die CDU inzwischen eifrig abgesägt, indem sie sich geradezu manisch von Beust und allen seinen Inhalten distanziere.

Abgesehen davon, daß so ein Verhalten menschlich zutiefst unanständig ist, da die aktuellen CDU-Pöstchenbesitzer alle ihre Jobs Ole von Beust verdanken, machten sie sich beim Wähler unmöglich.

So ganz ganz langsam dämmert es der CDU, daß ihr Wahlkampfkurs direkt in den politischen Orkus führt und so wurde diese Woche urplötzlich „Ole“ als Werbefigur wiederentdeckt.
Der Mann, den man eben noch weggebissen hatte und aus dem Wahlkampf raushalten wollte.
Natürlich geriet der entsprechende Werbespott auch unfreiwillig zur Peinlichkeit.

Beust an der Würstchen-Bude: Wie ist das denn gemeint? CDU wirbt im Wahlspot mit Ole von Beust und einer boomenden Wirtschaft in Hamburg. "Wer arbeitslos wird, findet hier schnell wieder einen Job".
[…] Ole von Beust steht am Mönckeberg-Grill und beißt in eine Wurst. Das kann er sich leisten. Der Altbürgermeister hat nach seinem Rücktritt eine neue Stelle gefunden, bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Da ist ein dickes Würstchen drin. So einfach geht das auf dem Arbeitsmarkt in Hamburg, schließlich regiert hier ja die CDU.
(Abla 01.02.11)

CDU-Hamburg TV-Spot "Stadtrundfahrt" from CDU Hamburg on Vimeo.


(Tammox postet CDU-Wahlwerbung!)
Scharf geschossen wird hier nur noch unter der Bettdecke - knack, knack!

Primitiver geht es nicht.

Das größte Problem der CDU ist aber Spitzenkandidat Ahlhaus, der mit sicherem Gespür für Peinlichkeiten stets das Falsche tut und sagt.
Geradezu manisch demonstriert der joviale Süddeutsche, daß er zum Amigo-Politiker-Typus gehört, über den Hanseaten die Nase rümpfen.

„Interimsbürgermeister“ spottet Gunther Latsch im aktuellen SPIEGEL und erwähnt noch einmal genüßlich die Prunksucht des feisten Heidelbergers, der sich in royaler Pose mit seiner „Fila“ als Fürstenpaar von Hamburg in der BUNTEn inszenierte.

„Dass sein Traumhaus ausgerechnet an der Reichskanzlerstraße steht, dafür kann Hamburgs Bürgermeister Christoph Ahlhaus nichts. Dass die denkmalgeschützte Villa im feinen Westen der Hansestadt allerdings einen Zaun bekommt, der auch der Reichskanzlei Ehre gemacht hätte, dafür schon. Für 170 000 Euro werden in diesen Tagen die spitzen schwarzen Metallstäbe zwischen quadratischen Betonpfeilern montiert. 650 000 Euro sollen die Sicherheitsfenster und -türen kosten, 185 000 sind für die Videoüberwachung des über tausend Quadratmeter großen Grundstücks fällig. Macht zusammen über eine Million Euro auf Kosten der Hamburger Steuerzahler. Das ist deutlich mehr als die rund 770 000 Euro, die die Hansestadt in den vergangenen zehn Jahren für Schutzmaßnahmen an privaten Häusern und Wohnungen aller Senatsmitglieder zusammen ausgegeben hat. Irgendwann, vermutlich im Sommer, wird Ahlhaus in sein neues Heim ziehen. Dass er dann noch Bürgermeister sein könnte, damit rechnet er selbst nicht.“

Die peinliche Citymautlüge der CDU bleibt ebenfalls nicht unerwähnt. Auf breiter Front behauptet die CDU die Sozis wollten diese ominöse Maut einführen, obwohl es nicht einen einzigen SPD-Politiker gab, der das je gefordert hätte. Citymaut stand hingegen im CDU-GAL-Koalitionsvertrag von 2008.

"Wann hat sich die SPD für eine Citymaut ausgesprochen?", fragt ein Journalist bei der Vorstellung der Kampagne am Freitag vorletzter Woche. "Mir ist keine diesbezügliche Äußerung von Olaf Scholz oder anderen SPD-Politikern bekannt", antwortet CDU-Wahlkampfleiter Gregor Jaecke. "Und warum schreiben Sie das trotzdem?" Nun ja, die Grünen würden schon dafür sorgen, meint Jaecke. Grinsen im Saal. "Und welche Agentur hat Ihre Kampagne entwickelt?", will eine Reporterin wissen. Auf den Wangen des CDU-Manns erscheinen rote Flecken. "Aufgrund der Knappheit der zur Verfügung stehenden Zeit haben wir uns diesmal für eine Inhouse-Lösung entschieden", antwortet der Wahlkämpfer in verschwurbeltem Deutsch, "wir haben auch ein paar kreative Köpfe bei uns."

Selbst die CDU-Mitglieder haben gründlich die Schnauze voll von ihrem Führungspersonal. Auf dem Wahlparteitag wurde Parteichef Schira mit desaströsen 64% abgestraft und Ahlhaus ist zum parteiinternen Mobbing freigegeben.

Gern weisen Parteifreunde in diesen Tagen deshalb auf die vielen Fehltritte des Kandidaten hin und genauso gern auf jene, die sich Ahlhaus bereits als Innensenator leistete. So ließ er sich und seine Gattin im Oktober 2008 zum Privatvergnügen mit Dienstwagen und Chauffeur durch Paris kutschieren. Als die Sache rauskam, musste er der Staatskasse für Privatfahrten rund 1200 Euro erstatten. Auch an eine kaum beachtete Episode aus dem September 2009 wird nun wieder erinnert. Sie weckt in der Tat Zweifel, dass sich Ahlhaus nur dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Als Innensenator legte er damals einen Gesetzentwurf vor, der vorsah, die sogenannte Spielbankabgabe drastisch zu senken. Es ging um den Gewinnanteil, den die Betreiber an den Staat für die Glücksspiellizenz abführen müssen. Davon hätten vor allem die Spielbankbetreiber profitiert, zu denen auch mehrere Mitglieder der Unternehmerfamilie Jahr gehören. Das Ahlhaus-Gesetz hätte ihnen, nach Berechnungen des Senats, in den Jahren 2009 und 2010 etwa 30 Millionen Euro mehr in die Kasse gespült. Der Zufall will es, dass einige Angehörige des Jahr-Clans auch Gesellschafter der Dahler & Company Group GmbH sind. Und die hält 80 Prozent der Immobilienfirma Dahler & Company, bei der die Ahlhaus-Ehefrau Simone schon damals in leitender Stellung arbeitete. (Spiegel 31.01.2011)

Angesichts des schwer debakulierenden CDU-Amtsinhabers sind Peinlichkeiten zur „Umwelthauptstadt 2011“ nur Petitessen.

In meiner ganzen Straße gibt es beispielsweise immer noch nicht eine einzige Altpapiertonne, keinen Altglascontainer oder auch nur eine gelbe Tonne für die „Grüner Punkt“-Abfälle.

Auf meine gelegentlichen Nachfrage, daß ich als Verbraucher schließlich seit 20 Jahren für das „Duale System Deutschland“ zahle und vielleicht so ganz langsam auch mal eine entsprechende Tonne angeschafft werden könnte, wurde mir immer nur bedeutet, daß ich meine Joghurt-Becher und Nudelverpackungen selbst zum Recyclinghof fahren solle, wenn mir so viel an der Umwelt läge.
( Hin und zurück sind das für mich 14 Kilometer Autofahrt - prima Ökobilanz also.)

Offenbar bin ich aber nicht allein in der Misere.
Zehn Jahre CDU bedeutet auch zehn Jahre kein Umweltschutz!
Und davon waren die ersten acht Jahre ohne die GAL noch Gold. Erst mit der Grünen Umweltsenatorin wurde Moorburg genehmigt und begann das manische Baumfällen.

Rückschlag für die Umwelthauptstadt: Hamburg ist Schlusslicht bei der Mülltrennung.
Die große Recycling-Offensive von Umweltbehörde und Stadtreinigung in Hamburg droht zum Flop zu werden. Seit knapp vier Wochen ist es für jeden Hamburger Pflicht, grüne Bio- und blaue Altpapiertonnen aufzustellen - doch die Vorschrift wird weitgehend ignoriert. Lediglich 3000 grüne und 1500 blaue Tonnen wurden seit Beginn des Jahres bei der Stadtreinigung bestellt. Schon bisher ist Hamburg, die "Umwelthauptstadt 2011", mit einem Rekord-Aufkommen von 339 Kilogramm Hausmüll pro Kopf Schlusslicht der deutschen Müllstatistik.
(Abla 28.01.2011)

Donnerstag, 20. Januar 2011

Hüben und Drüben

Eins der beherrschenden Themen in Amerika ist im Moment der Besuch von Herrn Hu bei Obama.
Den Rechten missfällt es, daß „der Kommunist“ so hofiert wird.

Es frappiert mich dabei immer wieder zu erleben, wie ahnungslos und der Realität entrückt konservative Amerikaner denken, bzw eben nicht denken!
Ob ihnen China gefällt oder missfällt ist herzlich irrelevant. Die USA sind schon lange nicht mehr in der Position Peking großkotzig ignorieren zu können.
Ich staune ernsthaft, daß Amerika, das kaum noch irgendetwas herstellen kann, die Fähigkeit zur Warenproduktion komplett verloren hat, stattdessen alles importiert und sich das Geld für diese Importe leiht, immer noch glaubt in der Position zu sein auf denjenigen, der all die Waren liefert und dem die Schuldscheine gehören, hinab blicken zu können.
14 BILLIONEN Dollar Miese haben sich in den USA angesammelt, weil die maßlosen Konsumenten geliehenes Geld mit vollen Händen zu Wal Mart schleppen.
Umgekehrt gibt es (außer Waffen und Pornos) fast nichts, das auf dem Weltmarkt bestehen könnte.
Wer will schon ein amerikanisches Auto? Die Produktion von Haushaltsgeräten und Gebrauchselektronik hat das ehemalige Land der unbegrenzten Möglichkeiten ohnehin schon aufgegeben.
Und wer einmal in Amerika produzierte Klamotten gekauft hat, tut das nicht wieder.

Aber man soll nicht immer nur das Negative sehen.

Ein paar Bereiche gibt es natürlich, in denen die Amis wirklich gut sind.
Dazu gehören zum Beispiel das Musik-Business und TV-Produktionen.
Es gibt dort mutige Produzenten, sehr intelligente (und gut bezahlte) Autoren und auch noch Talente.

Als Deutscher muß man sich in Grund und Boden schämen angesichts des unterirdischen Niveaus, das die hiesigen TV-Produktionen haben.
Unglücklicherweise sind die deutschen Zuschauer durch die jahrzehntelange systematische Geistlosigkeit deutscher Serien dermaßen in die Verblödung gesendet worden, daß sie intelligentes, komplexes und überhaupt anspruchsvolles Fernsehen à la „Sopranos“ gar nicht mehr verstehen können.

Besonders krass fällt mir die deutsche Provinzialität immer auf, wenn sich die Medienmogule hierzulande daran machen die großen US-shows zu plagiieren und Bambi, Echo und sonstige Verleihungen à la Hollywood inszenieren.

Die „Stars“ sind dann aber eben nicht Robert de Niro und Sean Penn, sondern Mutter Beimer und Janette Biedermann.
Statt Barbra Streisand kommt die Sangeseinlage von Sarah Connor; die Moderation macht nicht Jon Stewart, sondern Oliver Pocher.
Das kann natürlich nur in unfreiwilliger Komik enden.

Dabei sind schon die Originale, also die Oscar-Gala und die Verleihung der Golden Globes kaum an Pathetik zu überbieten.

Die Golden-Globes-Show hat letzte Woche allerdings ein echtes Highlight; das war der Moderator in Gestalt des britischen Komikers Ricky Gervais.
Ein Mann, der sich was traut und genau das tut was die einheitlich freundlich neutralen deutschen TV-Luschen à la Jauch, Beckmann und Kerner nicht können.
Gervais riskierte aber eine so dicke Lippe, daß er seinen Job vermutlich los ist.

Tatsächlich hatte Gervais mit seinen Scherzen da und dort weit unter die Gürtellinie gezielt. Allen voran bei einem Gag, der wohl John Travolta und Tom Cruise gelten sollte: Der Film „I Love You Phillip Morris“ sei nicht nominiert worden: „Jim Carrey und Ewan McGregor, zwei heterosexuelle Schauspieler, die vorgeben, schwul zu sein. Also das komplette Gegenteil zu einigen berühmten Scientologen.“ Vor allem hier war das Raunen im Publikum lauter als das Gelächter. „Meine Anwälte haben mir bei der Formulierung dieses Witzes geholfen“, ergänzte Gervais.
(ORF.at)

Schandmaul Gervais hat sich aber auch alle Mühe gegeben, so ziemlich jede Größe der Filmmetropole tödlich zu beleidigen.
[…] Der Preis der Spezialeffekte müsse an das Plakat für "Sex and the City 2" gehen. "Ich weiß, wie alt ihr seid, Mädels", sagt der Brite über die Hauptdarstellerinnen. "Ich habe eine von euch in 'Bonanza' gesehen." Die Westernserie lief in den 60er-Jahren; den Damen wird es das Herz gewärmt haben. Filmstar Robert Downey jr. ("Chaplin", "Sherlock Holmes", "Iron Man"), der früher drogensüchtig war und mit dem Gesetz in Konflikt geriet, wurde von Gervais mit den liebevollen Worten eingeführt: "Die meisten in diesem Raum kennen ihn am besten aus der Betty-Ford-(Entzugs-)Klinik und dem Los-Angeles-Bezirksgefängnis." Besonders dicke kam es für den deutschen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und seinen Film "The Tourist". Alles sei in diesem Jahr dreidimensional, sagte Gervais mit Blick auf die 3-D-Technik - "nur nicht die Charaktere in 'The Tourist'". Er habe den Film allerdings nicht gesehen, gab der Brite zu, "aber wer hat das schon".
(Abla 20.01.11)



Wegen der kräftigen Tritte unter die Gürtellinie, die Gervais austeilte, mache ich mir eigentlich keine Sorgen um seine zukünftige Karriere.
Ich glaube, gerade die offiziell zu prüden Amerikaner mögen solche Derbheiten.
Gerüchten zu Folge, wurde der spaßige Brite noch während der Sendung von seinen Bossen zusammengestaucht und gebeten sich zu mäßigen. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Tatsache ist aber, daß sein Schlußgag für Amerika dann doch zu viel war.
In gods own nation haute er abschließend dieses Statement raus.



Das dürfte der Karriere in etwa so förderlich sein, wie die Hoffnung eines Priesters Bischof zu werden, nachdem er dem Papst auf die Soutane pinkelt.

Mittwoch, 11. August 2010

Tut noch einer was? - Teil II

Neben der gestern aufgezeigten schwarzgelben Polit-Imitationsvariante sich Lobbyisten ins Ministerium zu holen, die sich dort Gesetze auf den Leib schreiben, gibt es noch die direkte Volksverarschungsmethode.

Anders als beispielsweise Norbert Röttgen, der manchmal immerhin versucht den Anschein zu erwecken ein Umweltminister zu sein, während er in Wahrheit Atomlobbyisten atomfreundliche Weichenstellungen ausarbeiten läßt, ist unser aller Lieblingsbundespräsident Wulff noch einen Schritt weiter gegangen.

Das Superministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung des zweitgrößten Bundeslandes Niedersachsen besetzte er gleich mit einer waschechten Vertreterin der Agrarindustrie.

Das Gleichgewicht zwischen Ökobauern, Biolandwirten, Großagrarik, Umweltschützern und Tierfreunden ist somit schon durch die Person der Amtsinhaberin auf die Seite der Natur- und tierantagonistischen Großindustrie verschoben.

»Ich halte das für unerträglich, muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen, für unerträglich, dass jemand, der in dieser Art und Weise Tiere hält, dann für den Tierschutz in einem Bundesland zuständig ist, das schwerpunktmäßig ein Agrarland ist.«
(O-Ton, Dr. Karl Fikuart, Bundestierärztekammer)

Die erst dieses Jahr vom fundamental-christlichen Ministerpräsidenten Wulff installierte streng katholische Astrid Grotelüschen, 46, findet sich selbst fabelhaft.
Sie sei als „rheinische Frohnatur geboren“ und habe aus der Praxis alles Wissen, das man für das Amt brauche:

»Für mich jetzt eine hervorragende Ausgangsposition, um dieses Wissen, was ich in der Praxis auch erworben habe, auch hier noch mal einbringen zu können.«
(A. G.)

Unter den Oberbegriff „Landwirtschaft“ fällt vieles.
Vom engagierten Naturschützer, Biolandwirt und Ökobauern, zum traditionellen Mäster bis hin zu den Monokultur-Agrarriesen, denen es gar nicht genug Pestizide, Insektizide, Fungizide, Anabolika, Hormone, Tiermehl, Gülle und Antibiotika sein können.

Am Tiefpunkt der nach unten offenen Tierquälerskala stehen sicherlich die Geflügelzüchter und Legebatterie-Betreiber.

Astrid Grotelüschen war ab 1995 Prokuristin des familieneigenen Putenfolterzentrums „Mastputenbrüterei Ahlhorn“.

Diese Zusammenhänge deckte vorgestern REPORT MAINZ auf.



Die sehr in die Enge getriebene Ministerin, wehrte sich einen Tag später mit zwei Aussagen, die Zweifel an der Darstellung säen, daß die Bilder von zu Tode gequälten und verwesenden Puten aus einem der familieneigenen Betriebe stammten.

Offensichtlich lügt aber die CDU-Ministerin.
Report Mainz konnte heute die Beweiskraft der Aufnahmen absichern.

Die Zustände in dem Betrieb, der nun von dem Ehemann der CDU-Ministerin geführt wird (Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Garlich Grotelüschen) gehören zu den schlimmsten Tierquälereien, die man sich vorstellen kann.

»Sie standen also so dicht gedrängt, dass es uns am Anfang schwer fiel, einzelne verletzte oder tote Tiere zwischen den Lebenden auszumachen. Tier an Tier. Man merkt das auch zum Beispiel daran, dass wir also unter anderem auch eine Pute gefunden haben, die schon komplett verwest war. Die war kaum noch als Pute zu erkennen.«
( O-Ton, Stefan Bröckling, Tierrechtsvereinigung Peta)

Eindeutig handelt es sich also um strafbare Tierquälerei.
Zu praktisch, daß die zuständige Ministerin die Ehefrau und Mitbesitzerin der Mastputenbrüterei Ahlhorn ist.
Gut für die Großmäster, schlecht für die Tiere, die Umwelt, die Gesundheit und den Verbraucher.

Über die Moral solcher Menschen, die mit Tierquälerei reich werden, will ich erst gar nicht reden.

»Frau Grotelüschen und ihr Mann Garlich Grotelüschen, die leben davon, die leben vom Elend der Tiere, die sind auf jeden Fall mitverantwortlich, sie haben ihr Geld auch in diese Erzeugergemeinschaften investiert und sie profitieren finanziell davon.«
(O-Ton, Stefan Bröckling, Tierrechtsvereinigung Peta.)

Das ist die Politik eines Christian Wulffs, der schon wieder von einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung - 80 % - zustimmend bewertet wird.

Bei so einem Volk, das solche Wahlentscheidungen fällt, muß man sich nicht wundern, daß eine Person wie Grotelüschen statt im Knast auf dem Ministersessel zum Zwecke der Selbstprotektion sitzt.

Eine andere niedersächsische Ministerin, auf die Wulff sich so viel einbildete, Aygül Özkan, wollte es gar nicht erst so weit kommen lassen, daß daher gelaufene Journalisten sie kritisieren und erarbeitete einen Pressekodex („Mediencharta“).

Journalisten sollten ab sofort fügsam sein und sich a priori selbst enteiern, bevor sie über CDU-Minister schreiben.

"Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen", kommentierte der Chefredakteur der Oldenburger "Nordwest-Zeitung", Rolf Seelheim.
(Tagesspiegel, 24.07.10)

So scheint es tatsächlich in den Köpfen von CDU-Ministern zuzugehen: Mir das meiste, und Kritik wird verboten.

Ich muß zugeben, daß mich die völlige Schamgefühl-Freiheit der CDU-Größen doch beeindruckt - ebenso wie die enormen Zustimmungswerte, die sie dennoch einheimsen.

Wulff ist da auf besonders gutem Weg.

Erst vor ein paar Monaten ließ sich das Ehepaar auf hartnäckiges Hinterherhaken von Bettina Wulff kostenlos einen Flug in die USA upgraden - Wert 3056 Euro.

Kurz danach, im Juli 2010, machten sie Luxus-Urlaub in der Maschmeyer-Supervilla auf Mallorca. Die Villa "Paradise Castle" ist ein zig Millionen teures Anwesen nahe dem Hafenort Port d'Andratx.

Schade, daß der Urlaub früher abgebrochen werden mußte, um zum Duisburger Loveparade-Gottesdienst zu kommen.

Bettina Wulff rächte sich auf ihre Weise - sie imitierte Brigitte Seebacher und erschien in einem derart kurzen Minirock in der Kirche, daß man eher von breitem Gürtel sprechen sollte.

Es fiel mir ohnehin schon schwer das Geseiere der Bischöfe Schneider und Homophobo Overbeck zu ertragen, aber daß dabei auch noch die First Lady Basic-Instinct-Einblicke bot, war dann doch zu viel für mich.

Und übrigens Villa "Paradise Castle" - ja genau, das ist DER Carsten Maschmeyer, der auch soeben von Familienministerin Kristina Schröder mit Aufträgen versorgt wurde.
Sie ließ Gutachten bei der MaschmeyerRürup AG erstellen.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Ein Volk besteht aus Idioten

Wenn man wissen möchte was WIRKLICH pervers ist, dann empfiehlt es sich immer ein Buch von Jean Ziegler, 76, zur Hand zu nehmen.
Wenn der Schweizer Soziologe und Menschenrechtler zur Feder greift und Werke wie „Der Hass auf den Westen. Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren“ (Bertelsmann 2009), „Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung (Bertelsmann, 2005) oder „Die Schweiz wäscht weißer. Die Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens“ (Droemer Knaur 1992) verfasst, stockt einem beim Lesen der Atem.
Da es so unerträglich ist zu wissen wie grausam und perfide Menschen auf Kosten anderer Menschen und der Natur agieren, verdrängt man diese Zusammenhänge am besten gleich wieder.
Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Ziegler weist häufig auf den UN- World-food-report hin. Dort findet man die Erkenntnis, daß die gegenwärtige Landwirtschaft problemlos 11 Milliarden Menschen ernähren könnte. KÖNNTE.
Die reichen Nationen des Nordens vernichten aber im großen Maßstab Lebensmittel und drangsalieren die Landwirtschaft der südlichen Hemisphäre.

Die Folge:

JEDEN TAG sterben auf diesem Planeten 100.000 Menschen an Hunger oder den unmittelbaren Folgen des Hungers.

Alle FÜNF SEKUNDEN verhungert ein Kind unter zehn Jahren.

Alle vier Minuten verliert ein Mensch sein Augenlicht wegen Vitamin A-Mangel, etc pp.

Das sind keine tragischen Zahlen.
Denn ein „tragisches Ereignis ist ein schicksalhaftes und unausweichliches Ereignis“ (Prantl).
Es ist keine Tragik, daß 100.000 Menschen JEDEN TAG elendig an Hunger eingehen, während wir jeden Tag Kohlrabi- und Maisfelder unterpflügen.
Es ist schlicht und ergreifend eine Perversion, die maßgeblich durch die EU- und US-Agrarpolitik verursacht wird.
Man könnte dieses Massensterben sehr leicht abstellen. Allein es fehlt der Wille dazu.

Die Zahl „100.000 Tote am Tag“ ist einfach zu groß, als daß man sich damit beschäftigen würde.
21 Tote sind eine griffige Zahl.
Über die Ereignisse in Duisburg können wir daher trefflich über eine lange Zeit klagen und lamentieren.
Das treibt die Untertanten des Ich-sag-gar-nichts-Sauerland zu Tausenden in den Tunnel zum Kerzen-aufstellen. Immer beliebt auch die selten debilen "WARUM???"-Schilder; als ob man nicht genau wüßte warum.

Das öffentliche Meinungsbild wird von kleinen Anlässen bestimmt - sofern sie schön plastisch und medial aufgepeppt daher kommen.

Heute treiben die Hamburger Boulevard-Medien schon die nächste aufgeblasene Sau durchs Dorf.
In maximal hysterischer Wortwahl
- „D I E T I C K E N D E Z E I T B O M B E !!!!!“ (Mopo) -
wird über den nach 30 Jahren Haft freigelassenen Sexualstraftäter („Der sadistische Serienvergewaltiger“) hyperventiliert, der nun in Hamburg lebt.
Nun dürfte so ziemlich alles gefährlicher sein, als dieser eine Ex-Knasti, da ihm rund um die Uhr 24 (!!) Polizisten auf den Fersen sind.
Innensenator Ahlhaus geht auf Nummer sicher.

Gefährlich ist aber etwas anderes. Zum Beispiel ins Krankenhaus zu gehen.
An MRSA-Keimen sterben jedes Jahr bis zu 40.000 Menschen in deutschen Krankenhäusern. Das sind über 100 Todesfälle pro Tag.
Vermeidbare Todesfälle wohlgemerkt. Man müßte nur dem Beispiel Holland folgen und etwas mehr auf Hygiene achten.
Allerdings kostet das Geld und Personal. Das ist im deutschen Gesundheitswesen nicht vorgesehen - da gehen die Milliarden lieber in die Taschen von Pharmaindustrie, Kassenärztlicher Vereinigung und Apotheken.

Viele Dinge in Deutschland sind wirklich gefährlich.
Über die Straße gehen zum Beispiel - immerhin 4000 - 5000 sterben jedes Jahr im Straßenverkehr.

Ein paar Myriaden Alte verrecken jedes Jahr in ihren Pflegeheimen an Austrocknung und ähnlichem, weil es nicht genügend Personal gibt ihnen schluckweise Wasser zu geben.

Knapp hundert Menschen ertrinken jedes Jahr, ebenso viele vergiften sich.

Ein paar Hundert ersticken, weil sie beim Fressen den Mund zu voll genommen haben, etwa 200 trifft ein tödlicher Stromschlag, rund 300 verbrennen und weit über 5000 kommen bei unglücklichen Stürzen ums Leben.

Die Relation von Todesfurcht zu Todesursache ist absolut nicht rational.
Das menschliche Gehirn ist dazu zu klein, um das richtig einzuschätzen.

So hat fast jeder Strandurlauber Angst vor Haien.
Vor den hübschen Kokospalmen am Strand hat dagegen niemand Angst.
Dabei sind Kokosnüsse um 1500 % gefährlicher! (Jährliche Todesfälle durch Haiangriffe (weltweit): Unter 10. Jährliche Todesfälle durch fallende Kokosnüsse (weltweit): 150)

Die Menschen fürchten sich vor Spinnen und Schlangen, weniger vor Hunden.
Dabei sagt die Statistik etwas ganz anderes.
Durchschnittliche Anzahl jährlicher Todesfälle durch Spinnen- und Schlangenbisse in den USA: 10; durch Hundebisse: 15; durch Wespen- und Bienenstiche: 44; durch Blitzschlag: 141
(NZZ)

Der gemeine Homo Sapiens ist nicht in der Lage realistische Einschätzungen abzugeben und sollte daher auch gar nicht erst gefragt werden.

Das überlasse man lieber Experten.

Eine absurdes Umfrageergebnis lieferte gestern FORSA.

Die meisten Deutschen sind für mehr direkte Demokratie.

Eine Umfrage für mehr Umfragen sozusagen.


Die meisten Bürger finden es sinnvoll, Volksentscheide auch auf Bundesebene einzuführen. In einer Umfrage für den stern sagten dies 61 Prozent der Befragten.

(Stern)

Anders ausgedrückt: Die hohe Zustimmungsrate dieser Umfrage erklärt gleichzeitig, wieso es keine bundesweiten Volksentscheide (vulgo „Umfrage“) geben sollte.

Die Stimmung, die heute im Hamburg ob eines de facto handlungsunfähigen Ex-Vergewaltigers erzeugt wurde, läßt mich mit Gruseln daran denken, was eine Volksbefragung zum Umgang mit diesem Mann ergäbe.

Das Volk hat gerade bei Kriminalität den ganz falschen Riecher und verlangt chronisch nach härteren Strafen.
Ein psychologischer Abgrenzungsreflex, der aus Furcht resultiert.
Wenn man dem nachgibt, bekommt man Verhältnisse wie in den USA.
Dort werden Sheriffs und Staatsanwälte vom Volk gewählt. Natürlich gewinnen dann die harten Hunde, die drakonische Strafen verlangen und möglichst brutale und unangenehme Haftbedingungen herstellen.
Im Ergebnis sitzen bald drei Millionen Amerikaner hinter Gittern.
Tendenz stark ansteigend. Es gibt Berechnungen, nach denen in 50 Jahren die eine Hälfte der Amerikaner im Knast sitzt und die Andere in der Gefängnisindustrie arbeitet.
Tolle Aussichten.
Unter den US-Bedingungen der hoffnungslosen Überfüllung und ständigen Demütigung in Gefängnissen wird dann eine regelrechte Desozialisierung erreicht.

Rückfallquote nach der Entlassung mindestens 90%.

Den diametral entgegengesetzten Weg geht Norwegen.
Der letzte WELTSPIEGEL erhellte diesbezüglich.

Die im Oslo-Fjord gelegene Insel Bastøy verfügt nicht nur über einen der schönsten Strände Norwegens, sondern fungiert gleichzeitig als vermutlich schönstes Gefängnis der Welt.
112 Insassen - allesamt Schwerverbrecher- leben hier bewacht von insgesamt fünf Vollzugsbeamten in solchen Zuständen, daß der US-Filmemacher Michael Moore sein dort gedrehtes Material nie ausstrahlte.
Er ist überzeugt davon, daß kein Amerikaner das glauben würde:

Bastøy ist ein offenes Gefängnis. Nach der Arbeit kann Martin mit seinem Freund Kjetil, der hier sonst die Kühe füttert, über die ganze Insel streifen. 18 Tage pro Jahr, verrät ein Insasse, dürfe er sogar da rüber. Urlaub also, da drüben, vier Kilometer entfernt, in der Freiheit. Doch Freiheit - die gibt es in Norwegen auch im Knast: "Bei schönem Wetter gehen wir Baden. Wenn das Wetter nicht so doll ist, spielen wir Billard oder Tischtennis. Oder wir gehen ins Fitness-Studio. Wir können in unserer Freizeit viele verschiedene Sachen machen."
Keine Mauern, keine Gitter, keine Wachen. Martin und Kjetil leben hier zusammen mit sechs anderen Gefangenen in einer Art WG. Jeder hat sein eigenes Zimmer, kann es ausschmücken, wie es ihm gefällt. Und wie in jeder WG, muss jeder einmal zum Putzen ran. So will es der Chef von Bastøy, Gefängnis-Direktor Arne Nilsen. Die Kriminellen sollen aber bitte nicht mehr gestraft werden als unbedingt nötig: "Wir stellen die Insassen ganz in den Mittelpunkt. Menschlichkeit steht im Zentrum. Wir geben ihnen die Chance, sich zu entdecken, Selbstvertrauen zu entwickeln und ihren Lebensstil zu ändern."
(NDR)

Rückfallquote der ehemaligen Bastøy-„Insassen“ unter zehn Prozent!

Eine Resozialisierung von der man in Amerika Lichtjahre entfernt ist.

Genauso weit entfernt wie die Möglichkeit, daß ein Gefängniskonzept wie Bastøy jemals genehmigt würde, wenn man das Volk dazu befragte.

Mittwoch, 28. April 2010

Unser Mann in Amerika

Gestern habe ich gezappt und bin ziemlich lange bei einer MTV-Reality-show hängen geblieben:
Real World XXIII: Washington DC.
Das ist nicht nur irgendeine weitere Reality-show, sondern laut MTV sogar die Urmutter des Genres:

Lange vor Big Brother kreierte MTV ein Format mit dem Titel 'The Real World' – das alle anderen Real-Life-Shows überdauert hat! Dies ist die wahre Geschichte von ein paar Unbekannten, die ausgewählt wurden, um zusammen in einem Haus zu wohnen und um herauszufinden, was passiert, wenn man irgendwann damit aufhört immer nur höflich zu sein, sondern sein wahres Gesicht zeigt.

Offenbar gilt auch für The Real World, was für die Ableger 20 Jahre später und 10.000 km entfernt immer noch gilt: Reality-TV ist der Bodensatz des TV - schlimmer geht es kaum.
Abgesehen von Volksmusiksendungen und Übertragungen von FDP-Parteitagen.

Für nicht in Amerika Lebende ist das aber doch mal ganz interessant nicht synchronisiert junge Amerikaner zu hören, die nach Ami-Maßstäben sehr heterogen zusammengewürfelt sind, jedoch aus Europäischer Perspektive homogen amerikanisch wirken.

Wie schnell und selbstverständlich sie von ihrer Liebe zu Gott reden, daß sie gemeinsam in die Kirche gehen wollen und welche enorme Rolle Rasse und sexuelle Orientierung spielen.

(Sämtliche Episoden kann man im Netz ansehen - vielleicht ziehe ich mir irgendwann noch mal eine rein.)

Was ist das nur mit den Amerikanern, das die so dermaßen auf einem anderen Planeten leben läßt?
Ich habe auch immer noch nicht rausgefunden, was eigentlich genau die optischen Merkmale sind, daß man Amerikaner gleich in der ersten Sekunde aus 100m Entfernung als Amerikaner erkennt.
Da müssen sie gar nicht wie Real-World-Darstellerin Calli, 21, aus Texas, gleich in der ersten Minute erklären „Oh my gosh - I am so not liberal and Ronald Reagan is my favourite president!“

Liberal scheint immer noch DAS Schimpfwort schlechthin zu sein.

Immerhin haben wir uns da inzwischen Amerika angeglichen - nur spiegelverkehrt:
Während im Lande Guidos „liberal“ zum Synonym für rechte Arbeitsgeberlobbytätigkeit verkommen ist, steht das Wort bei den meisten Amerikanern immer noch für staatssozialistisches Sektierertum.
Eine politische Ausrichtung, die nur für schwule schwarze kommunistische Junkies akzeptabel ist.

Wir Deutsche finden bis weit in die politische Rechte hinein, daß Obama noch viel zu zögerlich agiert.
Wir finden es zwar sehr schön, daß er von atomarer Abrüstung spricht und sich so für die Gesundheitsreform (health-care für alle!) einsetzt, aber nach den enormen Erwartungen aus dem Jahr 2008 geht uns das alles viel zu langsam.

Worauf nimmt der Kerl denn so eine Rücksicht und wieso läßt er anderthalb Jahre tatenlos verstreichen, ohne daß es irgendwelche erkennbaren Ansätze in der internationalen Klimaschutzpolitik gibt, ohne daß es irgendwelche nennenswerten Initiativen zum Israelisch-palästinensischen Konflikt gäbe?
Guantanamo existiert immer noch, Baghram wird auch weiter existieren und natürlich können die internationalen Investmentbanker auch weiterhin ohne internationale Regeln und ohne Tobinsteuer weiter ihr zerstörerisches Unwesen treiben.

Für amerikanische Sinne ist Obama aber trotzdem so ultralinks, daß bei den Kongresswahlen dieses Jahr ein Debakel für die Demokraten erwartet wird.
Sogar Kalifornien droht verloren zu gehen.
Aufwind haben nur die Teabagger um Palin, Rush Limpballs und Glenn Beck und FOX TV, die 24 Stunden pro Tag über den Marxisten im Oval Office herziehen.

So sehr die Vollidioten von der Teebeutelfraktion den Linksdrall der amerikanischen Regierung beklagen, so klar ist Obama inzwischen nach rechts gerutscht.

Das große Klimaschutzgesetz, das Obama über zwei Jahre im Wahlkampf gebetsmühlenhaft angekündigt hatte, wird nun verschoben - und zwar auf den St. Nimmerleinstag.
Nicht, daß das Klima plötzlich nicht mehr gerettet werden müsste, aber noch dringender möchte der US-Präsident seine eigene Macht retten, wie auch Christian Wernicke heute in der SZ analysiert.

Denn ab sofort geht es, politisch jedenfalls, nur noch ums Überleben von Obamas Präsidentschaft. Im Herbst lauern Kongresswahlen, und sämtliche Umfragen verheißen den Demokraten am 2. November 2010 ein abscheuliches Blutbad: Drei bis vier Dutzend von Obamas Parteifreunden müssen bei diesem Urnengang den demokratischen Exitus fürchten. Damit verlöre die Regierungspartei ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die Republikaner könnten per Fundi-Opposition dann fast alles (und allemal jedes Gesetz) blockieren. Der Traum von Obamas "Change", vom großen Wandel, wäre endgültig dahin.
Also laviert Barack Obama. Zur Erinnerung: Es ist dieser Mann gewesen, der 2008 das sprichwörtlich Blaue vom Himmel herunter versprochen hatte. Seinem Schwur, als 44. Präsident wolle er "die Nation heilen" und obendrein gleich "die Welt reparieren", entsprach nichts so sehr wie das Versprechen einer neuen, zukunftsfähigen Energie- und Klimapolitik. Auf diese Weise wollte der Demokrat daheim im eigenen Land Millionen grüne Jobs schaffen - und der Welt draußen beweisen, dass ein erneuertes Amerika seinen Teil der Verantwortung für den Erdball schultert. Das Weiße Haus beteuert, diese große Strategie gelte weiterhin. Nur, jetzt regiert die pure Taktik.

Ähnlich verhält sich der projizierte Messias der Europäer auch bezüglich der Religion.
Zeter und Mordio hatten Teebeutler im ganzen Lande aufgeschrien, als Vertreter von Atheistengruppen im Februar 2010 im Weißen Haus empfangen wurden.
Nicht etwa von Obama selbst, aber daß diese Gottlosen überhaupt in das Gebäude gelassen wurden, brachte Amerikas Evangelikale zur Raserei:

Zum ersten Mal in der Geschichte hat gestern Abend die US-amerikanische Regierung eine humanistisch-säkulare Organisation getroffen. 60 Mitglieder der Secular Coalition for America (Säkulare Koalition für Amerika), einem Dachverband für bislang zehn atheistische, freidenkerische, humanistische und säkulare Organisationen, trafen Regierungsvertreter aus dem Jusitz- und dem Gesundheitsministerium. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Themen wie die Ungleichbehandlung religiöser Einrichtungen, die religiöse Diskriminierung im Militär und die Bevorzugung kirchlicher Organisationen bei der Zuweisung von Finanzmitteln.

Obama, der einst so selbstbewußt auftrat, hat seine Eier im Evangelikalen Schraubstock verloren und kuscht vor Sarah Palin und Co, indem er den Godfather der Christlichen Rechten umschmeichelt wie noch kein US-Präsident zuvor.
Obama goes Billy Graham.

Noch einmal Christian Wernicke
:

… Noch kein Präsident ist dem evangelikalen Massenprediger so weit entgegen gekommen wie dieser. Nach einem erholsamen Wochenende mit Frau, Kindern und viel Golfspiel in North Carolina ließ sich Obama hinauf nach Montreat chauffieren, zum Kaffee mit Keks auf jenem Hügel, wo Graham seit jeher die Kraft und die Eingebung suchte für seine wortgewaltigen Predigten wie für seine weltweiten "Kreuzzüge".
Beide Männer strahlten, da sie sich am Kamin zum Gespräch niederließen….

Anschließend schlachteten Obamas Presseleute den Gebetstermin bei dem rechten Todesstrafen-begeisterten, antisemitischen und homophoben Hetzer aus:

Sprecher des Weißen Hauses scheuten sich hernach nicht, von einer "Pilgerfahrt" ihres Dienstherrn zu sprechen. Beide beteten füreinander. Obama, so erzählte später Grahams Sohn Franklin, habe schlicht Gott "für das Leben meines Vaters gedankt". Und im Gegenzug erbat Graham Senior des Himmels Segen und Weisheit für den jungen Präsidenten.

Immerhin konnte der 91-Jährige Massenprediger dem Präsidenten einen guten Rat geben:

"Der einzige Weg, den Job anständig zu erledigen, ist, aus der Quelle des Glaubens zu schöpfen."

Na dann - Helleluhja alle zusammen.

Sonntag, 17. Januar 2010

Die Christen des Tages - Teil XIII und XIV

Nein, nett ist das wirklich nicht was der liebe Gott den Haitianern angetan hat.
Als News-Junkie hat man schon allerlei Naturkatastrophen „miterlebt“, aber das Erdbeben in Haiti dürfte eine der fiesesten Ereignisse der letzten Dekaden sein.

Folgt man der Ansicht des evangelikalen US-Fernsehpredigers Pat Robertson sind die Menschen auf Haiti allerdings selbst schuld.

Der Milliardär, Buchautor, Verschwörungstheoretiker, Präsident des American Center for Law and Justice, republikanischer Präsidentschaftskandidat von 1988, Gründer der Christian Broadcasting Network, Träger der von der Zionist Organization of America verliehenen Friends of the State of Israel- Auszeichnung, Gründer der fundamentalistischen Christian Coalition of America und Präsident der Regent University Robertson weiß nämlich, daß „Haiti“ im 18. Jahrhundert einen Pakt mit dem Teufel schloss, um die französische Kolonialmacht loszuwerden.

Dafür strafe Gott jetzt.

"(...)etwas passierte vor langer Zeit in Haiti und die Bevölkerung mag vielleicht nicht gerne darüber reden. Sie befanden sich damals unter der Herrschaft der Franzosen, Napoleon, dem Dritten oder so. Und sie kamen zusammen und schwörten zum Teufel, sie schlossen einen Pakt. Sie sagten: 'Wir werden dir dienen, wenn du uns von den Franzosen befreist.' Eine wahre Geschichte - und so gab der Teufel zur Antwort 'OK, der Handel gilt!'. Und sie warfen die Franzosen aus dem Land. Wie Sie wissen, revoltierten die Haitianer und befreiten sich. Seither trifft die vezweifelten Armen ein Fluch nach dem anderen. Die Insel Hispaniola ist eine Insel, aber sie ist in der Mitte geteilt. Auf einer Seite befindet sich Haiti, auf der anderen Seite die Dominikanische Republik. Die Dominikanische Republik gedeiht, ist gesund und wohlhabend, voll von Touristen. Haiti bleibt in verzweifelter Armut.

Klar, daß Robertson von mir einen „Christ des Tages“-Titel bekommt.

Aber ich möchte den Blick von diesen offensichtlich vollkommen gehirnamputierten Hassfanatikern aus der US-Evangelikalen-Szene abwenden.

Auch die durchschnittlich irren Christen fangen natürlich das altbekannte „WARUM???“-Gejaule an.

Ihr Verstand ist also ganz offenbar zu unterentwickelt, um einfache seismologische, plattentektonische und geologische Zusammenhänge, die man im Erdkundeunterricht der fünften Klasse lernt, zu verstehen.

Die seit Jahrhunderten jeden Tag myriadenfach gestellte Theozidee-Frage kommt mal wieder auf.

Die große Theodizee-Frage [ˌteodiˈt͜seː] (frz. théodicée, v. altgriech. θεός theós „Gott“ und δίκη díke „Gerechtigkeit“) wird immer wieder gestellt - seit Jahrtausenden, seit Epicur.

Sextus Empiricus, der Arzt und Philosoph des 2. Jahrhunderts, formulierte das Dilemma folgendermaßen:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Ich persönlich halte mich da an die Antwort des Ausschwitzüberlebenden Yehuda Bauers- die ich logisch einfach bestechend finde.
„In letzter Zeit war die Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade überwältigend." Er könne nicht zugleich allmächtig und gerecht sein - denn wäre er es, hätte er Ausschwitz nicht zugelassen. Doch offensichtlich konnte er es nicht verhindern.
Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber nicht konnte?

Auch dazu hat Bauer eine einfache Antwort: „Ein armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß - einen solchen Gott brauche ich nicht!“


Interessanter als die große Theodizee-Frage an sich finde ich die Tatsache, daß professionelle Priester, Ordensleute und klerikaler Hochadel nach 2000 Jahren Kopfzerbrechen immer noch keine Alibi-Antwort gefunden haben.

Daß die Frage immer wieder gestellt wird, ist schließlich nicht gerade überraschend.

Aber 65 Jahre nach Auschwitz kann keiner der Hunderttausenden Priester weltweit eine befriedigende Antwort auf das immer wiederkehrende
Warum lässt Gott so etwas zu?
geben.

Die naheliegenden Antworten, wie zum Beispiel „ich weiß es nicht!“, „Gott ist eben auch ein Sadist“ oder „offenbar gibt es Gott doch nicht.“ wollen keinem Kirchenfürsten über die Lippen kommen.

Aber statt zu schweigen, versuchen sie es gerne mit wolkigen Allgemeinplätzchen und Volksverdummung.

So ein Beispiel gab der Christ des Tages Nr XIV, der Hamburger Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke am 16. Januar 2010 angesichts der Haiti-Katastrophe im Hamburger Abendblatt ab.

Springer räumt einem Bischof doch immer gerne Platz ein.


Jaschke wörtlich:

"Gott - warum? Warum lässt du das zu?"
Bei aller Ratlosigkeit muss er doch auf ein anderes Bild hinweisen. Es zeigt den Menschen am Kreuz, erschöpft, am Ende.
Sein Ruf: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" ist der Schrei der Menschen, seit es Menschen gibt.
Der Schrei geht nicht ins Leere. Gott selber, unendlich und unbegreiflich, geht am Ende mit ihnen. ..
Gott lässt die Prozesse dieser Welt ihren Lauf nehmen, mit allen Katastrophen. Aber er mischt sich ein, nicht von außen, sondern von innen. So glaube ich, dass die Opfer von Haiti jetzt Gott schauen. Mit den Lebenden will ich kämpfen: um einen neuen Anfang, um Gerechtigkeit, um ein gesundes Haiti.

Das nenne ich DREIST!

Die Opfer sind nun also gewissermaßen missioniert?

Hat Gott also eine "GLÜCKLICHE SCHULD" auf sich geladen, wie es Papst JP-II euphemistisch formulierte angesichts Abermillionen indigenen amerikanischen Opfer der christlichen Conquistadores???

Sie „schauen Gott“ - muß ja unglaublich tröstlich sein für die Millionen, die auf grausamste Weise Angehörige verloren haben und dort hungernd und durstend im bestialischen Verwesungsgestank umher robben.

Dabei mischt sich Gott also „von innen“ ein?

Wie soll man das verstehen?

Hält er beim Plündern und Morden die Hand derjenigen, die sich mit Macheten ihr Recht nehmen?

Oh Bischof Jaschke - hätten Sie mal lieber geschwiegen!

Freitag, 15. Januar 2010

Gib dem Kind einen Namen.

Ausnahmsweise war „Hart aber Fair“ diese Woche mal ganz lustig.
Dieter Hallervorden, Alice Schwarzer, Hans-Ulrich Jörges, Arnulf Baring, Klaus Bednarz und Schülerin Miriam Böhm hatten sich vor 100 Tagen schon an selbiger Stelle getroffen und ihre Hoffnungen über Schwarz-Gelb geäußert.
Nur Bednarz war skeptisch.
Wie sieht ihre Einschätzung jetzt aus?
Bednarz ist verwundert - daß es so chaotisch käme, hatte selbst er nicht gedacht.

Natürlich ist war da nicht gerade die geistige Elite versammelt; aber es hatte eben eine gewisse Komik die Schlauköpfe mit ihren eigenen Prognosen zu konfrontieren.

Hans-Ulrich Jörges, derzeit ein Merkel-Kritiker hielt gleich einmal fest, daß zu Guttenberg und Rösler „sehr gute Männer“ wären.
Der ultrakonservative Baring wies darauf hin Außenpolitiker Westerwelle noch nie Paris oder Washington war. ("Undenkbar"!)
Die angebliche ultrafeministische Alice Schwarzer findet „das Bashing der Kanzlerin“ ganz und gar unangebracht.
Aber daß durch die FDP die Internetsperrungen à la Leyen zurück genommen wurden, gefällt ihr nicht.

Kurzum; eine lustige Comedy-Show, die man sich im Internet immer noch ansehen kann.

Lacher sind garantiert.
Warum aber regiert Merkel nun so gar nicht?

Positionen hat sie noch nie bezogen; so viel weiß man.
Auch nach Dekaden wissen Politexperten immer noch nichts über ihre wirklichen Überzeugungen.

(Meine Ansicht ist, daß Merkel gar keine Positionen hat. Sie gibt sich den Lobbyisten hin in dem einzigen Interesse an der Macht zu bleiben)

Wozu aber sich in das Minenfeld der Sachpolitik begeben, wenn der Urnenpöbel Politiker viel mehr goutiert, die sich wabernd-wolkig aus Allem raushält.
Jens Berger hat kürzlich die vollkommen substanzlosen Plattitüden der Ministerin Leyen dargestellt.
So wird man aber eine beliebte Arbeitsministerin!

Kristina Köhler, ebenfalls Bundesministerin, wird auch gelobt.
Sie ist so jung und frisch und gutaussehend.
Was will man mehr? - so macht man Karriere.
Seit ihrer Ernennung vor sieben Wochen, ist Köhler abgetaucht und hält sich komplett aus der Politik raus.
Nach fast zwei Monaten Arbeitsverweigerung tritt sie nun erstmals vor die Öffentlichkeit und promt gibt es Ärger, die CSU kündigt ihr einen „harten Kampf“ an.
Hätte sie mal lieber weiter geschwiegen.

Die Lehre lautet also:

Sage nichts, halte dich schön bedeckt und beziehe nie Position
- so steigt man in der Beliebtheit.

Die Label „Arbeitsverweigerung“ oder „Lethargie“ klingen allerdings nicht so recht positiv.
Zu der Strategie will man sich nicht gerne öffentlich bekennen.

Merkels persönlicher Demoskopie-Guru und Neologismen-Experte Matthias Jung, der Geschäftsführer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen, findet daher schönere Etiketten.

Die CDU-Wahlkampf-Strategie nennt er „asymmetrisch Demobilisierung“; vulgo:
Wenn man selber kein Programm hat, kann einen der Gegner auch nicht angreifen.
Die politischen Mitbewerber werden systematisch eingeschläfert, bis die Wahlbeteiligung so zurück geht, daß „relativ“ immer noch genügend Stimmen bei der allseits beliebten Amtsinhaberin bleiben.

Spon zitiert Jung weiterhin mit dem wunderbaren Begriff "bewusste ideologische Diffusität".

"Zum Wahlkampfkurs der CDU gab es unter den gegebenen Voraussetzungen keine realistische Alternative", sagt Jung und lobt, was die Kritiker als Profillosigkeit geißeln. "Eine Volkspartei kann heute nur erfolgreich sein, wenn sie sich nicht nur für eine Klientel stark macht, sondern unterschiedlichste Gruppen anspricht."

Solange der Wähler solchen Typen mit Mehrheiten ausstattet, dürfte die "bewusste ideologische Diffusität" die Politik der Zukunft sein.