TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
Posts mit dem Label Merz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Merz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. April 2011

Opfer obenauf.

Manchmal hat man das Gefühl Angela Merkel wäre schon tot.

Nicht nur wegen ihrer politischen Tatenlosigkeit, sondern weil in journalistischen Kommentaren oft eine rückblickartige Schau auf das Gesamtwirken der noch amtierenden Kanzlerin mitschwingt. So sicher wie das Amen in der Kirche werden dabei auch raunend und staunend all die innerparteilichen Gegner erwähnt, die Merkel „erledigt“ hat.
Köhler, Koch, Merz, Wulff, Müller, - lang ist die Liste der Unionsgrößen, die ihr Merkel-Antagonismus direkt in den politischen Tod führte.
Sie ist ein regelrechter Ein-Frau-Heuschreckenschwarm: Mögen auch noch so hoffnungsvolle Polittalente sprießen - wenn Merkel darüber zieht, wächst kein Gras mehr.

Aber wie das so ist, wenn man auf dem politischen Misthaufen landet; manch einer gedeiht auf dem Humus erst richtig.

Der Paradefall dafür dürfte Friedrich Merz sein. Jener Kurzzeit CDU-Fraktionsvorsitzende, der geradezu bemitleidenswert versuchte sich selbst als Kanzlerkandidaten ins Spiel zu bringen.
Leider hatte er nie verstanden, daß er sich mit seinen rechten Positionen zwar bei der Unions-Basis enorm beliebt machte, daß ihm diese Begeisterung aber gleichzeitig aus dem Kanzleramt fernhielt.
In Deutschland schafft es kein Polarisierer in die Berliner Waschmaschine.

Merz aber war der Vorkämpfer für Deregulieren, freie Fahrt für Finanzkapital und Privatisierung von Allem. Er schrieb das Antizeitgeist-Buch "Mehr Kapitalismus wagen" und sang damit als Letzter das Mantra des Neoliberalismus.
Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung sah er als Teufelszeug an.
Die Sozialleistungen wollte er radikal zusammenstreichen, den Katholizismus fördern und eine verpflichtende „deutsche Leitkultur“ postulieren.
Er war der Jünger des Kirchhof-Steuergedankens und klagte sich bis zum Bundesverfassungsgericht durch, um seine üppigen Nebeneinnahmen vor dem Bundestag geheim zu halten.
Als Erstunterzeichner des sogenannten „Energiepolitischen Appells“ mit dem Jürgen Grossmann und Co die Kanzlerin erpressen wollten, setzte sich Merz für Atomkraft ohne Ende ein.

Schon im Jahr 2005, als Merz noch Bundestagsfraktionsvize war, verschrieb er sich ganz den Interessen der TCI-Megaheuschrecke.

Merz war über seine Anwaltspraxis als Berater für den englischen Hedge-Fonds TCI tätig, der den Kampf um die Führung der Deutschen Börse AG gewonnen und den Rücktritt des Börsenchefs Werner Seifert erreicht hatte. Anschließend hatte sich Merz mit Aussagen gegenüber der "Wirtschaftswoche" für den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse ins Gespräch gebracht. TCI soll Merz sogar für den Vorsitz des Gremiums vorgeschlagen haben. Die Nebentätigkeit des CDU-Bundestagsabgeordneten Merz für einen hochspekulativen Hedge-Fonds werde auch in den Reihen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als "heikler Vorgang" eingeschätzt, berichtet die "Neue Presse" unter Berufung auf Unions-Kreise. Als "fast verantwortungslos" kritisiert die hessische SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Hauer die Nebentätigkeit von Merz: "Das Verhalten von Hedge-Fonds ist das eines skrupellosen Finanzhais. Das passt nicht zu einem verantwortungsbewussten Volksvertreter", betonte sie.
(Spon 12.05.2005)

Dabei ist TCI nur eins unter den vielen Pferdchen, das der Ex-CDU-Hoffnungsträger reitet:
Er gehört den Aufsichtsräten der AXA Konzern AG, der DBV-Winterthur Holding AG, der Deutsche Börse AG, der IVG Immobilien AG und der WEPA Industrieholding SE als Vorsitzender an.
Er sitzt in den Verwaltungsräten von der Commerzbank, BASF, der Bank HSBC Trinkaus, Borussia Dortmund und der Stadler Rail AG.

Ins Kanzleramt einziehen wird der Rechtsaußen aus dem Sauerland zwar nicht mehr, aber dafür muß er sich auch nicht mehr mit so einem lumpigen Peanuts-Gehalt wie Angela Merkel bescheiden.

Neben all seinen Pöstchen wirft insbesondere seine Partnerschaft in der Anwaltskanzlei Mayer-Brown ordentlich was ab.
Nachdem NRW-CDU-Politnulpen die West-LB in eine beispiellose Krise taumeln lassen hatte, beschloss die NRW-CDU-Regierung Rüttgers den NRW-CDU-Politiker Merz mit dem Verkauf der West-LB zu beauftragen.
Der nimmt 5000 Euro - PRO TAG!

Der Soffin sowie die Alteigentümer der nordrhein-westfälischen Landesbank, darunter die Landesregierung und die örtlichen Sparkassenverbände, hatten Merz im Juni 2010 beauftragt, einen Käufer für das Institut zu finden. Der vom Bund kontrollierte Soffin hatte die WestLB vor einem Jahr mit einer Stillen Einlage über drei Milliarden Euro gestützt.
(Handelsblatt 12.04.2011)

Das Merz-Honorar bezahlt - wie sollte es auch anders sein - der Steuerzahler.
Bisher hat Mayer Brown der West-LB für „Rechtsberatungsleistungen“ seit dem August 2009 die Kleinigkeit von 10.990.000 Euro in Rechnung gestellt.
Eine Entlohnung, die Merz als „branchenüblich“ darstellt. Die Ergebnisse, die Merz‘ Expertise beim West-LB-Verkauf erbracht haben, sind Politiker-typisch; nämlich NULL.
Mayer Brown hat keinen einzigen Kunden gefunden. Die West LBV liegt immer noch wie Blei in den Regalen des inzwischen rotgrün regierten NRW.

Seit Sommer 2010 sucht der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz einen Käufer für die marode Landesbank - und bezieht dafür ein Tageshonorar in Höhe von 5000 Euro. Grüne und SPD - zum Zeitpunkt der Beauftragung Oppositionsparteien in NRW, jetzt in der Regierungsverantwortung - fordern nun Aufklärung über das Merz-Honorar und kritisieren dessen Höhe: "Man muss nicht den Maximalgewinn machen, wenn man öffentliche Einrichtungen berät, bei denen der Staat mit einem großen Risiko reingeht. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl ist da sicher möglich", zitiert stern.de den SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider. Sein Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Martin Börschel, erhob Filzvorwürfe: "Wenn die hohen Tagessätze stimmen, riecht das nach Amigo-Konditionen." Dies wäre umso unbefriedigender, da "die Ergebnisse bisher alles andere als überzeugend sind". Die NRW-Grünen forderten Aufklärung über das Honorar von Merz. Es müsse zum Beispiel geklärt werden, ob Merz lukrative Unteraufträge an seine Kanzlei vergeben habe, sagte der Grünen-Finanzexperte Mehrdad Mostofizadeh. "Was hat Merz überhaupt geleistet?", fragte Mostofizadeh.
(Spon 12.04.2011)

Von CDU-Politikern und SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) profitiert nicht nur Friedrich Merz‘ Kanzlei.
Nach einer Soffin-Aufstellung vom 28.02.2011 für Herrn Schäuble wurden bisher mehr als 70 Millionen Euro für externe Berater bei der Bankenrettung ausgegeben.
Die 30.000 Fachleute im Finanzministerium reichen Herrn Schäuble entweder nicht aus, oder er möchte Freunden wie Merz ein bißchen unter die Arme greifen.
Nach einem Bericht aus dem STERN (15/2011) kassierte die Prüfungsgesellschaft PWC 15 Millionen Euro für „diverse Beratungen“ bei der mit einer dreistelligen Milliardensumme bezuschussten HRE und weitere 7,2 Millionen Euro für Verkaufsberatungen der West-LB.
Auch der SoFFin selbst ließ sich extern beraten und bezahlte der Kanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer schlappe 14 Millionen Euro.
Darüber hinaus kassierte Freshfield Bruckhaus Deringer weitere 9,7 Millionen Euro von der bundeseigenen Hypo Real Estate - ebenfalls mit dem bekannten Ergebnis: Gar Keinem.

Wieso bin ich nicht Finanzberater geworden?
Das Resultat "kein Käufer gefunden" hätte ich auch erbringen können.
Ich würde sogar für lumpige 4000 Euro am Tag bereit sein kein Ergebnis zu erzielen.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Von der Anstandslosigkeit der Konservativen

Als ich heute Morgen in der SZ eine ganze Seite über Baron Karl-Theodors durch Plagiate erschlichenen Dr.-Titel („Summa cum laude“) las, befürchtete ich sogleich, das Thema könnte schnell wieder unter den Tisch fallen.
Die Lichtgestalt Deutschlands hatte sich bisher immer als Kritik-immun erwiesen.
Tatsächlich hingen die ersten Meldungen dazu beispielsweise bei SPON bemerkenswert tief und so dachte ich mir immerhin ein schönes Blogthema gefunden zu haben.
Glücklicherweise habe ich mich aber getäuscht; news-google spuckt tausende Artikel zur Dissertation des Verteidigungsministers aus.
Bisher habe ich noch nicht einen einzigen Guttenbergophilen Kommentar gefunden, selbst WELT und FAZ gehen hart mit ihm ins Gericht; die Ebene der Häme ist längst erreicht.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: "Wie, Guttenberg hat die Bibel doch nicht selbst geschrieben", ätzt User "n303n" auf Twitter. "Wann entlässt Guttenberg seinen Doktorvater? Der hat ihn unzureichend informiert", schreibt "publictorsten". Und Nutzer Markus Trapp mutmaßt in einem Tweet: "Stephanie zu Guttenberg wird die Plagiatsvorwürfe in einer Sonderausgabe von "Tatort Internet' schonungslos aufklären."
(Stern.de)

Na schön, dann muß ich dazu jetzt auch nichts mehr schreiben.
Macht ja nichts.

Unsere nepotistische Lobbybeglückungsregierung bietet mehr als genug andere Angriffsfläche.
Da ist die Personalie Weidmann. Er, der enge persönliche Mitarbeiter Merkels wird zum neuen Bundesbankpräsidenten gemacht. Man staunt mal wieder, wie sich Wirtschaft und schwarzgelbe Regierung verzahnen.
Völlig ungeniert installiert die Bundeskrakerin mal wieder ihre Gefolgsleute in Schlüsselpositionen. Gerade erst war ihr Sprecher Ulrich Wilhelm neuer BR-Intendant geworden.
Selbst der neoliberale Journalist Marc Beise, das konservative Aushängeschild der SZ-Wirtschaftsredaktion, ist entsetzt.

Die Merkel-Republik:
Bei der Vergabe von Posten kennt die Kanzlerin keine Scham. Die dreiste Verquickung von Ämtern wird zum System. Man stelle sich einmal vor, der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hätte seinen Büroleiter zum Chef des Rechnungshofes gemacht - die kritische Öffentlichkeit hätte Kopf gestanden ob dieser dreisten Ämterverquickung. Stoibers mutmaßliche Rechtfertigung, seine Einser-Juristen seien natürlich über jeden Zweifel erhaben, wäre verlacht worden. Deshalb kam nicht mal der CSU-Chef, der von Seilschaften viel verstand, auf eine so absurde Idee. Angela Merkel dagegen kennt bei Personalentscheidungen keine Scham. Die Bundeskanzlerin schickt ihren obersten Wirtschaftsberater, den ehrenwerten Jens Weidmann, ausgerechnet an die Spitze der Bundesbank, eine der vornehmsten und unabhängigsten Adressen des Landes; ein absolut unübliches, ein haarsträubendes Verfahren. Die Amiga-Politik beginnt zum System zu werden. Vor Weidmann wechselte schon das andere Mitglied der Merkel'schen Boygroup, der ebenfalls ehrenwerte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, an die Spitze des unabhängigen Bayerischen Rundfunks.

(SZ 16.02.2011)

Neben den ohnehin sehr schwarzgelb-freundlichen großen Medienkonzernen Springer, Bauer, Burda, Bertelsmann und Co, zahlt es sich mal wieder aus, daß die CDU auch die öffentlich-rechtlichen Sender zur Raison gebracht hat.
Der stramm-christliche Prediger und glühende Merkel-Bewunderer Peter Hahne betätigt sich inzwischen mit professioneller Hofberichterstattung.



Daß der nicht von der CDU gängelbare Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur von Merkel, Koch und Seehofer abgesetzt wurde, zahlt sich inzwischen aus.
Schwarzgelb verlangt jetzt Linientreue vom ZDF und reagiert hysterisch, wenn einige wenige ZDF-Journalisten es immer noch wagen kritisch über Frau Merkels Partei zu berichten.
Geschehen war das unter anderem in FRONTAL-21 in einem Bericht über das von der Hamburger CDU angezettelte „Schulchaos“.
So geht’s nicht, befanden die Schwarzen im Rundfunkrat und demonstrierten ihre ganze Macht.
Die Deutungshoheit über politische Ereignisse reklamieren die CDU und FDP für sich.

Am Freitag vergangener Woche soll die schwarze Mehrheit im Programmausschuss Chefredaktion sogar eine Ermahnung des Politikmagazins durchgesetzt haben. Nach Meinung der Unionspolitiker hatte die Redaktion nicht ausgewogen über Schulpolitik berichtet - nicht die erste Einmischung. In den Monaten zuvor seien "Frontal 21"-Redakteure schon mehrfach vor den Chefredaktionsausschuss zitiert und von den dominierenden Christdemokraten scharf attackiert worden.
(DWDL.de)

Nach SPIEGEL-Informationen waren "Frontal 21"-Redakteure in den vergangenen Monaten mehrmals vor den Chefredaktionsausschuss zitiert und von Christdemokraten scharf attackiert worden. In dem Gremium sitzen mehrheitlich Politiker der Union, unter ihnen die Generalsekretäre Alexander Dobrindt und Hermann Gröhe, sowie Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung. An einem kritischen Bericht über die Atompolitik der Bundesregierung etwa bemängelten die Politiker die angeblich tendenziöse Bildsprache, berichten Teilnehmer der Sitzung. Mehrmals beschwerten sich die Unionsleute, das Magazin sei zu einseitig.
(Spiegel 12.02.2011)

Unterdessen setzt der einstige CDU-Hoffnungsträger, Hedge-Fonds-Anwalt, Ex- Fraktionsvorsitzende und Buchautor („Mehr Kapitalismus wagen“) Friedrich Merz seine ganz persönlichen Vorstellungen von gerechtem Arbeitsentgelt durch.
Der CDU-Filz seines NRW-Landesverbandes machte es möglich, daß Jürgen Rüttgers vor seiner Abwahl den Auftrag für den Verkauf der West-LB seinem Kollegen Friedrich Merz zuschob.

Landesaufträge von Landesvätern an CDU-Freunde haben mal wieder Konjunktur, wie auch der Rückkauf der EnBW-Aktien durch Herrn Mappus unmittelbar vor seiner möglichen Abwahl zeigt.
Von 200 Millionen Euro „Nebenerwerbskosten“ ist die Rede - fette Provisionen zu Lasten des Steuerzahlers also.

Kritische Fragen betreffen nicht nur den hohen Preis. Interessant ist auch, dass ein Mann den Deal abwickeln durfte, der Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (44) schon lange nahesteht: Dirk Notheis, seit zwei Jahren Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley. Der frühere Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) aus Ettlingen ist mit 42 Jahren fast ein Altersgenosse von Mappus. Beide sind langjährige Weggefährten, auch privat. Notheis saß mit Gattin auf der Empore im Stuttgarter Landtag, als Mappus am 10. Februar 2010 vereidigt wurde. Er war in der Delegation des Ministerpräsidenten beim Papstbesuch im Sommer. Und er ist Trauzeuge des Ehepaars Mappus. Notheis soll es gewesen sein, der die frühere Bundesgeschäftsführerin der JU, Susanne Verweyen, mit dem damaligen CDU-Aufsteiger aus Pforzheim zusammenbrachte. Notheis soll sich beim damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel dafür eingesetzt haben, dass Mappus 1998 zum Staatssekretär im Umwelt- und Verkehrsministerium befördert wurde. Auch er selbst hätte in der CDU viel werden können, wählte aber die Bankkarriere. Er ist ein großer Netzwerker. Mit Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) war er auf Delegationsreise, als dieser noch Bundeswirtschaftsminister war, bei EnBW-Vorstandschef Hans-Peter Villis sitzt er in einer losen Debattierrunde. Notheis ist einer der engsten finanzpolitischen Berater von Mappus. Er betont stets, sein Partei-Engagement – er ist Beisitzer im CDU-Landesvorstand…
(Gabriele Renz 10.12.10)

Vor dem Stuttgarter Finanzausschuss überraschte der Ministerpräsident mit einer kleinen Aufrundung. Statt 4,67 Milliarden, wird das Land wohl 6 Milliarden - also 1.330.000.000 Euro mehr als vier Tagen zuvor angekündigt - ausgeben.
Macht ja nichts - bei all den Nullen, verliert der selbsternannte Platzhalter der Konservativen in der CDU schon mal die Orientierung.

Nach dem Bekanntwerden dieses Deals, legten in Stuttgart FDP und CDU zu; sie können nun wieder mit einem Sieg bei der Landtagswahl im März 2011 rechnen, da die CDU mehr als doppelt so stark wie die CDU ist und sogar die erbärmliche Homburger-FDP in BW wieder auf 7% kletterte.

Auch Merz wird in siebenstelliger Höhe für den Auftrag von Parteifreund Rüttgers bezahlt.

Nachdem der Poker um die Milliarden-Risiken der WestLB auch nach Ablaufen des Brüsseler Ultimatums weiter andauert, gerät der "Veräußerungsbeauftragte" Friedrich Merz zunehmend in die Kritik. Der ehemalige Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion stellte für seine bisher erfolglosen Versuche, die einstige Landesbank Nordrhein-Westfalens als Ganzes zu verkaufen, bereits 1,2 Millionen Euro in Rechnung, erfuhr die taz aus dem Haushalts- und Finanzausschuss des Düsseldorfer Landtags. Außerdem versuche Merz, der heute als Rechtsanwalt für die internationale Wirtschaftskanzlei Mayer Brown arbeitet, die Honorare durch Vergabe immer neuer Unteraufträge noch zu treiben. Christdemokrat Merz war von der im Mai 2010 abgewählten schwarz-gelben NRW-Landesregierung von Exministerpräsident Jürgen Rüttgers mit dem Verkauf der einstmals drittgrößten Landesbank beauftragt worden. Von "Kungelei unter Parteifreunden" spricht der Finanzexperte der Linkspartei, Rüdiger Sagel, deshalb. Erst der "CDU-Filz [habe] zum millionenschweren Auftrag der Anwaltskanzlei von Herrn Merz" geführt. Auch in den Reihen der rot-grünen Minderheitskoalition, die heute die Landesregierung stellt, wächst die Wut: "Die Frage ist, welche Rolle Merz spielt - und wofür er sein Geld bekommt", so der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Mehrdad Mostofizadeh.
(Andreas Wyputta, 16.02.2011)

Im Bundesvolk erblüht allerdings eine breite und tiefsitzende Ataraxie.

(Personen, die an Ataraxie leiden, sind unfähig sich Sorgen zu machen; erleben keine Angst. Sie reagieren stoisch und emotionslos auf Schicksalsschläge jeder Art.)

Die neusten Eskapaden der CDU-Blockiererin von der Leyen, die sich hartnäckig weigert den HartzIV-Empfängern auch nur einen Cent entgegen zu kommen, die Mauschleien des Verteidigungsministers, das Totalversagen der FDP, die Lobbybauchpinselung der Kanzlerin - all das kann den Urnenpöbel nicht erreichen.
Zum ersten Mal seit Mai 2010 ist in einer bundesweiten Umfrage schwarzgelb wieder an Rotgrün vorbei gezogen.

Diese Art Regierung ist den Deutschen also lieber als die rotgrüne Alternative.


Gute Nacht.

Samstag, 16. Oktober 2010

Unsere Werte.

„Sarrazin hat doch vollkommen recht!“ dürfte wohl einer der häufigsten Sätze im Deutschland des letzten Monates gewesen sein.
Insbesondere diejenigen, die das Buch nicht gelesen haben und auch sonst vollkommen frei von jedem Wissen über das Thema Integration sind, hauen den Satz zu gerne raus.

Es ist das alte Dilemma; man kann die Leute, den Mob, den Urnenpöbel immer leicht GEGEN etwas motivieren, ganz besonders, wenn ein Sündenbock da ist, dem gegenüber sich die Masse superior fühlt.

Kein Wunder, daß jede Menge rechte Politiker, die auch sonst frei von jeder Moral sind, zu gerne auf den Zug aufspringen.

"Ich möchte keine Massenzuwanderung, etwa aus der Türkei,
die diese Gesellschaft nicht verträgt."
(Volker Bouffier (CDU), hessischer Ministerpräsident)

Kochs Nachfolger beindruckt durchaus mit seiner Fähigkeit das Blaue vom Himmel herunter zu lügen, ohne rot zu werden.
Während der rechte Hesse mit der Vokabel „keine Massenzuwanderung“ suggeriert, daß türkische Horden unser schönes Christliches Land überrennen würden, ist genau das Gegenteil der Fall. Gut ZEHNTAUSEND Türken verließen „unterm Strich“ im Jahr 2009 Deutschland
(In die Bundesrepublik wanderten im vergangenen Jahr 29.500 Türken ein. Gleichzeitig verließen 39.600 Menschen die Bundesrepublik in das Land.)

Die CDU, die Christliche Partei beeindruckt mal wieder mit ihrem Wahrheitsverständnis.
Während sie über Dekaden beschwor Deutschland sei KEIN Einwanderungsland, als Deutschland tatsächlich ein Einwanderungsland war, malen sie jetzt, da wir seit drei Jahren ein AUSWANDERUNGSLAND sind, den Teufel der Masseneinwanderung an die Wand!

Die Fakten auf den Kopf zu stellen und damit den xenophobische Sau durchs Dorf zu treiben, reicht den unverantwortlichen Scharfmachern von CDU, CSU und FDP aber noch nicht.
Nein, nun holen sie die olle „Leitkultur“ aus der Schublade.

Die hier lebenden Menschen müssten sich zur deutschen Leitkultur bekennen. Dies bedeute christliche Werte zu achten. Dabei sei es die wichtigste Aufgabe sich zu qualifizieren und zu integrieren, sagte Seehofer am Freitagabend auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Potsdam. "Wir dürfen nicht zum Sozialamt für die ganze Welt werden", warnte der CSU-Chef und erinnerte an den Zustrom von Asylbewerbern Ende der 80er Jahre.
(Stern 16.10.10)

Als Königin der Verlogenheit setzt die Kanzlerin noch eins drauf und mahnt an, sich auf die „Jüdisch-christlichen Wurzeln“ zu besinnen.
Deutsche Leitkultur sei nämlich von den christlich-jüdischen Wurzeln geprägt, stellt die geschichtsblinde Merkel wortgleich mit der Integrationsbeauftragten Böhmer und dem Hetze-Beauftragten Roland Koch fest.

Fördern und Fordern, das waren die Begriffe, mit der Merkel zur Integrationsdebatte überleitete. Wer sich nicht am christlichen Menschenbild orientiere, sei fehl am Platz, sagte sie unter großem Beifall. Unmissverständlich forderte sie ein Bekenntnis auf die eigene Identität. „Wer sich seiner Kultur selbst bewusst ist, kann auch andere überzeugen, warum es schön ist, mit unserem Grundgesetz zu leben“, sagte sie. Integration sei „unser ureigenstes Interesse“. Dem „Multikulti-Eiapopeia“ gab sie eine scharfe Absage. Deutschland sei ein offenes Land. Wer sich aber nicht integrieren lassen wolle, dem müssten Forderungen gestellt werden.
(Sabine Beikler im TS 15.10.10)

Sollen alle Atheisten, Agnostiker, Muslime, Buddhisten, Hindus und natürlich die Juden und alle anderen Deutschland verlassen???

Der Begriff „jüdisch-christliche Moral“, der das deutsche Wertesystem, ja sogar die deutsche Kultur, bzw LEITKultur bestimmen soll, ist an Perfidie wohl kaum zu übertreffen.
Nichts könnte ferner von der Wahrheit sein.

Daher noch mal zur Klarstellung ein paar ganz simple Fakten, die eigentlich jeder kennen sollte, die aber unserer geistig umnebelte politische Klasse völlig außer Acht läßt:

Wir haben in Deutschland mitnichten eine einheitliche Moral.
Im Gegenteil, wir praktizieren moralischen Pluralismus.
Es gibt hier genauso die Friedrich Merze, die für Hedgefonds (tci zum Beispiel) dem sharholder value verpflichtet sind und eine Auspresser-Moral leben.
Es gibt Merkels und Westerwelles, die mit der von ihnen verantworteten Landwirtschaftspolitik für fast eine Milliarde Hungernde* auf der Welt sorgen und achselzucken zusehen, wie täglich zehntausende Kinder verhungern.
Es gibt in diesem Land auch Menschen mit der gegenteiligen Moral, die Millionärssteuer, Tobin-Abgabe oder Mindestlöhne fordern, die Obdachlose bekochen, die „Tafeln“ organisieren und ehrenamtlich arbeiten.
Es gibt die Geis‘, die Bischöfe Overbeck und Müller, die Schwulenehen als Ausbund der Amoral ansehen, während viele andere Deutsche gerade den Bund fürs Leben und das gegenseitige für einander einstehen als höchstes moralisches Gut betrachten.
Unsere Kultur und unsere Moral sind völlig variabel und keineswegs von irgendeiner imaginären Leitstelle determiniert.

Etwas völlig anderes ist aber unsere gemeinsame Rechtsordnung, die uns alle zu Rechtsgehorsam verpflichtet.
Es ist völlig egal, welche Werte ein Bewohner dieses Landes lebt, ob er Alevit, Buddhist, Atheist, Katholik, oder Moslem ist; er muß sich aber in jedem Falle unserem Grundgesetz unterwerfen.
Simple as that.
(Das türkische Grundgesetz ist übrigens ganz ähnlich; nur ein bißchen säkularer. In der Türkei herrscht Laizismus!)
Dieses Grundgesetz ist geprägt durch das was wir aktuell unter „Menschenrechten“ verstehen.
Dabei handelt es sich um Überzeugungen, die fast alle vehement vom Christentum bekämpft wurden.
Unsere Rechtsordnung ist religionsgeschichtlich betrachtet geradezu ANTI-Christlich.

Dazu noch einmal MSS:
Denn Deutschland ist ein säkularer Staat. Die Werte, die diesen Staat konstituieren, entstammen weder dem Judentum, noch dem Christentum, noch dem Islam, sondern der reichen Tradition von Humanismus und Aufklärung, die Christian Wulff in seiner Rede peinlicherweise übersehen hat. Vergessen wir nicht, dass die Demokratie im antiken Griechenland erfunden wurde und nach der Machtübernahme des Christentums für ein Jahrtausend von der politischen Bühne verschwand. Vergessen wir auch nicht, dass die Werke der modernen Demokratietheoretiker, etwa die Schriften Rousseaus zur Volkssouveränität oder Montesquieus zur Gewaltenteilung, bald nach ihrem Erscheinen auf dem Index der verbotenen Schriften der katholischen Kirche landeten.
Angesichts der katastrophalen Unbildung, die in der Politikerkaste offensichtlich vorherrscht, muss man hier zudem noch auf die triviale Tatsache hinweisen, dass auch die Idee der Menschenrechte nicht auf religiösem Fundament, sondern im Zuge der Amerikanischen und Französischen Revolution entstand und dabei maßgeblich von dezidierten Freigeistern wie Thomas Paine und Thomas Jefferson geprägt wurde. Von Seiten der religiösen Führer Europas gab es in dieser Hinsicht keinerlei Unterstützung. Im Gegenteil: Bis ins 20. Jahrhundert hinein taten sie sich insbesondere dadurch hervor, dass sie die Menschenrechte als „gotteslästerliche Anmaßung des Menschen“ verunglimpften. Gleich welchen Aspekt des modernen Rechtsstaats wir auch fokussieren, ob die Freiheit der Meinungsäußerung, die Frage der sexuellen Selbstbestimmung oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau: Die Religionen waren summa summarum keine Motoren, sondern Bremsklötze des kulturellen Fortschritts – und sie sind es bis zum heutigen Tage geblieben!
(Wie blind sind unsere Politiker eigentlich? Ein Kommentar von Michael Schmidt-Salomon.)

Merkel, Seehofer und die enthusiastisch applaudierende Unionsbasis haben es mit der Lüge von der die deutschen Werte bestimmenden Christlichen Moral aber immer noch nicht auf die Spitze getrieben.
Nein, sie sind sogar noch weitergegangen und sprechen nun allesamt von den „jüdisch-christlichen Werten“, als ob es hierzulange eine lange Tradition der Symbiose der beiden Religionen gäbe.

Eine neue atemberaubende Eskalationsstufe der Unions-Geschichtslügen ist damit erreicht.

Die philanthropischen Juden und Christen gemeinsam gegen die Scharia-philen Muslims.
So stellt es nun auch die Kanzlerin in bester Hetz-Manier dar.

Die Frontstellung scheint klar: hier das christlich-jüdische Abendland, da der Islamische Orient. Je größer die Angst vor den Zuwanderern aus der muslimischen Welt, desto größer ist die Sehnsucht nach den intelligenten Juden von einst: Albert Einstein, der Maler Max Liebermann oder Walter Rathenau. Solche Menschen würden die Deutschen heute gerne als Zuwanderer sehen - nicht aber die "Ungebildeten" aus islamischen Staaten. Selbst die Konservativen entdecken neben den christlichen jetzt auch die jüdischen Wurzeln Deutschlands. Diese Entdeckung kommt reichlich spät. Jahrhunderte lang war die gemeinsame christlich-jüdische Vergangenheit geprägt von Gewalt, Glaubenskriegen und Unterdrückung - von der Shoah ganz zu schweigen. Und jetzt soll ausgerechnet das jüdische Erbe dafür herhalten, eine klare Trennlinie zu ziehen zwischen dem Abendland und dem Fremdkörper Islam? Eine absurde Konstruktion, fand schon der französische Philosoph Jacques Derrida. Für ihn waren Jüdisches und Islamisches eng verwoben. Der Versuch, die jüdische von der islamischen Tradition zu trennen, sei von vornherein zum Scheitern verurteilt, so Derrida. Die jüdisch-christliche Tradition sei eine Erfindung der Moderne. Ein Wunschtraum der vom Holocaust traumatisierten Deutschen.
(so nüchtern die Kulturzeit von gestern)

Die Perfidie besteht aber vor allem darin, daß das Christentum von Anfang an dem Antisemitismus frönte.
Die Kirchengeschichte ist eine Geschichte aus 2000 Jahren Judenhass, Pogromen und systematischer Vernichtung der angeblichen Gottesmörder.

Schon in der Bibel steht, Gott hasse die Juden.

14 Denn, Brüder, ihr seid den Gemeinden Gottes in Judäa gleich geworden, die sich zu Christus Jesus bekennen. Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von den Juden. 15 Diese haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen; 16 sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen.
(Der erste Brief an die Thessalonicher, Kapitel 2)

Über die Jahrhunderte haben Christen Juden verfolgt und ermordet, Päspte gaben entsprechende Befehle, Konzile setzen Regeln auf, Luther forderte direkt dazu auf die Juden umzubringen.
Auch noch in der Hitlerzeit, jubelten Bischöfe dem Führer zu.

Frau Merkel sollte das als Pastorentochter eigentlich wissen.
Antisemitismus ist Christen-immanent.
Eine gemeinsame „jüdisch-christliche“ Moral kann es also gar nicht geben.

Unglücklicherweise ist das Christentum des 21. Jahrhundert immer noch nicht auf dem Boden unserer Rechtsordnung angekommen.
Weder werden Frauen gleichberechtigt behandelt, noch werden Diskriminierungen unterlassen.

Die christliche Moral äußert sich ganz aktuell zum Beispiel durch den Chef der Belgischen Bischofskonferenz:

Der als erzkonservativ geltende André-Joseph Léonard bringt die Belgier nicht zum ersten Mal gegen sich auf: Nun aber hat das dortige Oberhaupt der katholischen Kirche mit einer Aussage zur "Gerechtigkeit" von Aids besonders große Empörung ausgelöst. Die Immunschwäche-Krankheit könnte eine "Art von immanenter Gerechtigkeit" für den Missbrauch der Liebe sein, schrieb Léonard in einem am Donnerstag auf Niederländisch erschienenen Werk. "Die tiefe Natur der menschlichen Liebe zu missbrauchen" ende immer mit "Katastrophen", hieß es darin.
(Spon 15.10.2010)

Solche Ansichten begeistern die antisemitischen, homophoben, misogynen Holocaustleugner von Hakenkreuznet, sind aber mit unserem Rechtsstaat schwer vereinbar.

Die christliche Moral ist und bleibt ein Ärgernis, das möglichst schnell aus unserem Lande verschwinden sollte.
Anders als es Merkel und Seehofer suggerieren, bilden die Konfessionslosen inzwischen eine relative Mehrheit der Deutschen.

Immer mehr Menschen haben genug von der Christlichen Moral - und das ist auch gut so.


*Keine Entwarnung: Jeder sechste Mensch hungert, weil die Politik versagt
Zum Welternährungstag am 16.10.2010 erklärt Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung:
Es ist ein Skandal ersten Ranges, dass fast ein Sechstel der Menschheit Hunger leidet, obwohl weltweit genügend Nahrungsmittel produziert werden. Zwar ist die Zahl der chronisch Unterernährten im vergangenen Jahr erstmals seit langer Zeit wieder etwas zurückgegangen; aber aufgrund der Flutkatastrophe in Pakistan und stark anziehender Getreidepreise steigt die Zahl der Hungernden wieder und wird wahrscheinlich erneut die Eine-Milliarde-Grenze überschritten haben.
Wir brauchen auf internationaler Ebene starke Institutionen, die den weltweiten Kampf gegen den Hunger koordinieren. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich auf der zurzeit in Rom tagenden Welternährungskonferenz für eine Reform und Stärkung des Welternährungskomitees (CFS) einsetzt und auch die Ausarbeitung von Leitlinien für den Zugang zu Land kräftig voranbringt.
Dem skrupellosen Aufkaufen von riesigen Ackerflächen ("land grabbing") durch Staats- und Hedgefonds sowie privaten Großinvestoren muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Jüngste Erhebungen der Weltbank sind alarmierend: Allein in den vergangenen beiden Jahren sind in Entwicklungsländern – vor allem in Afrika – 46,6 Millionen Hektar von ausländischen Investoren aufgekauft worden. Das ist eine Fläche so groß wie Deutschland und Österreich zusammen.
Wie schlimm dieser neue Scheckbuch-Kolonialismus ist, wird daran deutlich, dass nach dem Weltbank-Report bisher erst jede fünfte Vereinbarung über Landerwerb wirklich zu landwirtschaftlicher Nutzung geführt hat. Das mag teilweise an der Kürze der Zeit liegen. Es ist aber vor allem ein Hinweis darauf, dass in hohem Maße Spekulation im Spiel ist.
Sowohl in der Agrarpolitik der Entwicklungsländer als auch in der Entwicklungszusammenarbeit ist ein Kurswechsel nötig. Statt weiterhin auf den Anbau von "cash crops" wie Soja und Ölpalmen für den Export von Futtermitteln und Agro-Sprit zu setzen, sollten vor allem Kleinbauern darin unterstützt werden, auf nachhaltige Weise Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung zu produzieren.
(PM Nr 1225, der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen 15. Oktober 2010)

Donnerstag, 3. Juni 2010

Moderne Mythen.

Es war eine gewaltige Zäsur, als Ende 1998 die über ein Vierteljahrhundert andauernde Vorherrschaft Helmut Kohls über die CDU zusammenbrach.
In fast 50 Jahren Bundesrepublik wurde noch nie die Opposition in die Regierung geschickt und die Regierung komplett auf die Oppositionsbänke geschoben.
Eine Frau, die devot und buckelnd acht Jahre im Kabinett Kohls Mädchen gegeben hatte, war zur rechten Zeit am rechten Ort.
Sie wurde zu ersten CDU-GeneralsekretärIN überhaupt.
Es folgten weitere extrem ungewöhnliche Umstände. Der neue CDU-Vorsitzende log und schummelte, wie er es bei seinem Vorbild Schwarze-Kassen-Kohl gelernt hatte.
„Illegal" war aber nicht mehr ganz so „scheißegal“, wie es die Unionsherren über Dekaden gewohnt waren.
Schäuble belog vom Rednerpult des deutschen Bundestags aus das deutsche Parlament.
Ja, sicher alle Politiker lügen mal - aber es gibt immer Abstufungen.
Etwas weglassen, Andeutungen machen, beschönigen, in Hintergrundgesprächen flunkern - all das steht aber nicht auf dem Blatt der Schäuble-Lüge.
Der CDU-Chef hatte auf die direkte Frage „haben Sie denn auch einmal einen Koffer mit Geld angenommen?“ gelogen. Vor versammelten Plenum.
Später lieferte sich der Veneblungstaktiker noch eine bizarren Rechtsstreit mit der CDU-Schatzmeisterin darüber wer wann wo Koffer mit 100.000-DM-Inhalt abgestellt hatte.
Der Mann manövrierte sich so sehr ins Abseits, daß er die ganze Partei in den demoskopischen Abgrund auf die 20%-Grenze drückte.
Er wurde zurückgetreten und die CDU war über Monate führungslos. Die Chance der Generalsekretärin.
So verzweifelt war die Lage, daß nun auf einmal dieses Mädchen aus dem Osten sogar Vorsitzende der CDU wurde

Nun brach die Stunde der Politanalysten von der schreibenden Zunft an.
Angela Merkel könne selbstverständlich nur eine Übergangslösung sein.
Entweder die CDU würde sich komplett auflösen und damit der Italienischen Democrazia Cristiana (DC) folgen. Jener katholischen Großpartei, die über Dekaden fast alle Regierungschefs gestellt hatte und sich dann 1994 in Schimpf und Schande auflöste.
Oder aber die CDU käme wieder auf die Beine und würde beim nächsten regulären Parteitag einen westdeutschen katholischen Mann auf Merkel folgen lassen.

So mußte es eigentlich kommen, denn jeder Journalist kannte den hinter Kohls Rücken beinahe allmächtig gewordenen Andenpakt, den sagenumwobenen CDU-Geheimzirkel „PactoAndinoSegundo“, der alle wichtigen Personalentscheidung unter sich ausmachte.

Zustande kam die Geheimloge am 25. Juli 1979 in einer rumpeligen DC-8 auf dem Flug VA 930 von Caracas nach Santiago de Chile.
Es war eine Belohnungs-Reise der JU. Fernab der Heimat verabredete diese Superseilschaft, daß Mitglieder des Paktes niemals gegeneinander kandidieren sollen und keiner den anderen öffentlich zum Rücktritt auffordert.
Die 12 Männer der Zukunft sollten eigentlich nur (finanziert von der Konrad-Adenauer-Stiftung) eine nette Südamerika-Sause abhalten, aber es wurde zur sagenumwobenen Geburt der P2 der CDU.
Vollgepumt mit Chivas Regal notierte das dreckige Dutzend ein Geheimmanisfet, das erst 26 Jahre später erstmals offiziell von Öttinger und Wulff bestätigt wurde:

"In Sorge um die hochkarätig besetzte Delegation und zum Schutze der Gesundheit schließen wir uns hiermit zum Pacto Andino Segundo zusammen."

Wie ernst es den Gründern Matthias Wissmann, Friedbert Pflüger, Hans-Gert Pöttering, Elmar Brok und Bernd Huck (bis in die Gegenwart El Secretario General, Generalsekretär, des Bundes) war, kann niemand von außen sagen.
Fest steht aber, daß es sich um einen realen Verein mit Mitgliedskonto, jährlichen Hauptversammlungen, regelmäßigen Auslandsreisen und richtigem offiziellen Briefpapier handelt.

Es wurden weitere Mitglieder aufgenommen, die den ehernen Schwur leisteten niemals gegeneinander zu kandidieren und sich stets gegenseitig mit allen Mitteln zu unterstützen.

In den letzten 20 Jahren bestimmten offenbar neben den schon genannten Gründern Roland Koch, Peter Müller, Christian Wulff, Günter Oettinger, Christoph Böhr, Franz-Josef Jung, Volker Bouffier, Ole von Beust und Friedrich Merz den „PactoAndinoSegundo“.

Sie alle sind westdeutsche Männer, die das Mauscheln lieben und es bis heute Angela Merkel übel nehmen, daß sie sich urplötzlich das gesamte Bärenfell schnappte, das die mit schottischem Whiskey Geknallten einst 10.000 m über den Anden verteilt hatten.

2001 war die Macht des „PactoAndinoSegundo“ noch so groß, daß sie eine Kanzlerkandidatin Merkel verhindern konnten.
Sie schossen koordiniert auf die Parteichefin und installierten Edi Stoiber.

"Merkel am Ende!" wußten die allwissenden Schreibenden, als Merkel gedemütigt zu Stoibers Frühstückstafel nach Wolfratshausen pilgerte und kapitulierte.

Ob man sie nun mag oder nicht - aber es ist doch beeindruckend wie Merkel in den folgenden Jahren einer Rachegöttin gleich einen Andenpaktler nach dem Nächsten killte.

Heute hat sie es endgültig geschafft. Pflüger in Berlin verheizt, Müller an die Grünen gekettet, Merz in die Flucht geschlagen, Jung aufs Altenteil gejagt - das war die bisherige Bilanz.
Beust ist ohnehin amtsmüde und total deprimiert darüber, daß er Merkel immer wieder auf den Leim gegangen war.
Der SPIEGEL schreibt, daß sie ihn immer wieder mit einem Ministeramt in Berlin geködert habe und damit sein Wohlwollen erkauft habe.
Ole ist nicht der schlauste Fuchs, aber auch er scheint begriffen zu haben, daß sie ihn nur politisch kastriert hatte und doch am ausgetreckten Arm verhungern ließ.

Koch warf letzte Woche hin und den damit verbliebenen einzigen schwergewichtigen Andenpaktler Wulff hat sie heute besonders elegant entsorgt.
Ab ins Präsidentenschloss - und vor allem raus aus allen CDU-Parteigremien.

Ein begnadeter Redner ist er nicht - aber für einen peinlichen Judenvergleich ist er alle mal gut genug.

Wulff über Managergehälter:
"Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten"

Na bitte - ab ins Präsidentenamt.
Das war es dann mit den unendlich mächtigen Westmännern, die seit über 30 Jahren generalstabsmäßig kungeln: Da kam eine arme kleine Frau aus dem Osten und kastrierte alle - ganz ohne Seilschaften, ohne Hausmacht, ohne Erfahrung - und dazu auch noch ohne Charisma und Redetalent.

Sie benötigte dazu nur das allseits belächelte „Girlscamp“ mit der Kernbesetzung Beate Baumann, ihrer Bürochefin.

Dienstag, 12. Januar 2010

Renegat-II

Um aus der CDU auszutreten, muß man nicht unbedingt schlauer geworden sein - wie Peter Voß.

Manche werden auch noch dümmer und haben ihr Herz so sehr an die Braunen und Korrupten gehängt, daß ihnen Angela Merkel einfach zu lasch ist.

Zu dieser Kategorie zählt Werner Münch, der Ex-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, der polternd den jetzt Handelnden noch mal einen mitgab:

Darüber hinaus sind der interne und öffentlich zelebrierte Umgang der Parteivorsitzenden mit Personen, die der Union viele Jahre treu gedient haben, unerträglich. Hier sei beispielhaft erinnert an Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble, Friedrich Merz, Paul Kirchhof, Günther Öttinger und Michael Glos.

Glückwunsch!
Das Wort „beispielhaft“ in einen Satz mit Kohl, Glos, Merz und Oettinger unterzubringen, ist schon eine Leistung.

Glos und Kohl, das sind Ikonen für Herrn Münch.

Unter dem Applaus der rechtsradikalen Hetzer von Kreuznet verließ Münch im Februar 2009 nach 37 Jahren Mitgliedschaft die CDU.

Ganz auf Katholiban-Linie auch Münchs pawlowsche Aggression gegen Alice Schwarzer.

Nun gut, Schwarzer ist offensichtlich verrückt geworden, sonst hätte eine an sich intelligente Frau nicht 2005 massiv für Angela Merkel und gegen Rot/Grün werben können.

Aber Herrn Münch stört an Frau Schwarzer, daß sie Frau Schwarzer ist - und wenn sie noch so sehr CDU-Propaganda betreibt.

Mit so einer dürfe sich die Kanzlerin gart nicht einlassen.

Münch schäumt vor Wut, daß Merkel „jetzt mit Alice Schwarzer, der Vorkämpferin für die Freigabe der Abtreibung, in der Öffentlichkeit auftritt“.

Auch hier hat sich Münch bei Kreuznet eingehakt; seine braunen Freunde im Geiste beschreiben die Emma-Herausgeberin in einer besonders grotesken antisemitischen Volte:


Die deutsche Feminismus-Ideologin Alice Schwarzer (65) und ihre blutrünstigen Geiferinnen für die Kinderabtreibung forderten 1971 sogar ein „Recht auf die von den Krankenkassen getragene Schwangerschaftsunterbrechung“.
Schwarzer erhält am 4. Mai 2008 den mit 20.000 Euro dotierten Börne-Preis, der zur Erinnerung an den deutsch-jüdischen Kritiker Ludwig Börne († 1837) verliehen wird.
Indem die Linken seit vierzig Jahren die Verschleierungsvokabel ‘Schwangerschaftsunterbrechung’ aus der nationalsozialistischen Propagandasprache des Joseph Goebbels kritiklos nachsprechen, zeigen sie ihre abgrundtiefe Verkommenheit.


Um diese Kreuznet-Denke nachzuvollziehen, muß man sein Gehirn in die Schrottpresse stecken - rechte Antisemiten beschuldigen Linke, Nazis zu sein!

Kohls „rotlackierte Faschisten“ lassen grüßen.

Noch mehr als Glos, Merz und Kohl schätzt Münch allerdings die antijudaistische und antiislamische und misogyne und homophobe Politik Ratzingers.

Den Vatikan dürfe die Bundesangie nicht kritisieren.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Art und Weise, wie die Parteivorsitzende das Oberhaupt unserer katholischen Kirche, den deutschen Papst Benedikt XVI., öffentlich diskreditiert und gedemütigt hat, obwohl es dafür keine Veranlassung gab. Zusätzlich hat sie damit Grundregeln der Diplomatie, der „political correctness“ und des persönlichen Anstands in grober Weise verletzt, weil die Haltung des Papstes zum Holocaust und zu den Juden über jeden Zweifel erhaben ist. Allein sein Besuch in Auschwitz spricht Bände.

Das pseudokatholische, Hitler- und Himmler-verehrende Pack aus dem Dunstkreis des Holocaustleugner-Bischofs Williamson ist entzückt; in ihrer verdrehten Wahrnehmung ist die CDU-Kritik überfällig:

Die jüngste schamlose Diffamierungskampagne gegen den Heiligen Vater war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Die wegen ihrer politischen Hinterhältigkeit gegen frühere Freunde und Förderer in der Partei als „Abkanzlerin“ gescholtene Frau Merkel verliert zunehmend an Boden in der Wählerschaft.
Charakterlose Funktionärin
Für katholische Parteimitglieder und Wähler der Christdemokraten wird die charakterlose Vorgehensweise der ehemaligen Funktionärin der ‘Freien Deutschen Jugend’ gegen das Oberhaupt der Katholischen Kirche zum Stein des Anstoßes.
Sie fordern: Merkel muß sich beim Papst entschuldigen oder sie verliert unsere Stimmen!

Das Prophezeien von Merkels baldiger Abwahl erscheint a posteriori nicht so sonderlich gelungen.

Das ist das Problem der ganz, ganz rechtsradikal Verdrehten.
Sie können sich selbst nicht einschätzen und halten sich hartnäckig für mehrheitsfähig.

Dabei sind niederträchtige Faktenmanipulierer wie die ultrafundamentalistischen Bischöfe Mixa, Meisner und Müller und nun auch Münch (Gott erfreut sich offenbar an Alliterationen) nur als Antagonisten nützlich.

Wer diese M-Bande gegen sich aufbringt, muß irgendwas richtig machen.

Insofern wird Angela Merkel sich auch nicht über die Anti-CDU-Attacke des Münchner Erzbischofs Marx (auch ein M’ler - war ja klar) im aktuellen SPIEGEL grämen.

Im Gegenteil, das Kaltstellen von M-Extremisten wie Merz („Mehr Kapitalismus wagen“) ist Voraussetzung für die Reinkarnation der Konservativen als Kuschel-CDU.

Unglücklicherweise ist auch Werner Münch zu verwirrt, um zu erkennen, daß er mit seiner Abrechnung der Kanzlerin des Wolkig-Wabernden einen Gefallen tat.

Samstag, 14. Februar 2009

Etiketten

Image ist alles und Wirtschaft ist Psychologie.

Wird eine Marke oder ein Produkt erst einmal richtig negativ konnotiert, wird es sehr teuer und anstrengend für die PR-Abteilungen die Kunden wieder positiv zu stimmen.

Shell kann davon zum Beispiel ein Lied singen, nachdem der Milliardenkonzern 1995 mit der geplanten Brent-Spar-Versenkung im Atlantik einen weltweiten Image-SuperGAU erlebte.

Nokia ist ein anderes Beispiel.
2008 wurde das „Aus“ für das Werk in Bochum verkündet. Man wollte den Standort aus Kostengründen aufgeben und stattdessen in Rumänien fertigen. 2.300 Mitarbeiter flogen raus, nachdem die Firma 88 Mio Euro Fördergelder von der Rüttgers-Regierung erhalten hatte. Nahezu gleichzeitig verkündete die Konzernspitze das Geschäftsjahr 2007 mit einem Rekordgewinn von 7,2 Milliarden Euro abgeschlossen zu haben.
Das Betriebsergebnis in Bochum betrug 134 Millionen Euro Gewinn (pro Mitarbeiter 90.000 Euro) im Jahre 2007.

So ist das im Kapitalismus.

Friedrich Merz brachte ebenfalls zeitlich passend sein Buch „Mehr Kapitalismus wagen“ heraus und auch der neue Wirtschaftsminister von und zu Guttenberg singt diese Melodie:
"Umsetzung freimarktwirtschaftlicher Themenkomplexe" und "Freie Marktwirtschaft" wären seine Überzeugungen.
Dazu flirtete er ungeniert mit Guido Westerwelle, der ihm zum Amtsantritt ein Buch über Ludwig Ehrhardt schenkte.

Nokias PR-Abteilung hat dennoch so einiges zu tun im Lande der Westerwelle- und Guttenberg-Begeisterten.
Nach dem Beschluss von Bochum lagen die Handy wie Blei in den Regalen, der Marktanteil sank von 44 auf 36%.

Image ist eben doch viel wert.

So eine teure PR-Wiederaufpolierungsaktion kann man übrigens auch recht billig haben.

Der 1981 stillgelegte britische Nuklearkomplex Windscale an der Irischen See stümperte von Panne zu Panne.
Der Uralt-Brutreaktor aus den 50er Jahren stellte das Plutonium für die britischen Atombomben her.
1957 gab es dort den bis Tschernobyl schwersten GAU.
Die dortigen Atomtechniker debakulierten dermaßen, daß der Name „Windscale“ zum Synonym für die Unzuverlässigkeit der Atommafia (Eigentümer: United Kingdom Atomic Energy Authority) wurde.

Was also machen mit so einem steingewordenen PR-Inferno?
Da könnte man entweder die Technik generell überdenken und/oder Milliarden in Sicherheit investieren.
Oder aber man scheißt auf Umwelt und Verantwortung, will weiterhin Geld scheffeln und sieht eben zu, daß möglichst nicht die eigenen Kinder im Umkreis von 1000 Kilometer wohnen.

Letzterer Methode bediente man sich, indem man die lecke Plutoniumschleuder schlicht umbenannte.
Während bei weniger brisanten Produkten (Raider --> Twixx) viel Geld ausgegeben werden muß, um dem Publikum das neue Etikett bekannt zu machen, war das im Falle Windscale gerade unerwünscht und so firmierte das Ungetüm ab 1981unter dem jungfräulichen Namen Sellafield.

Neues Etikett, selber Inhalt, Problem gelöst.

Die Chuzpe zu glauben, daß man die Welt mit einer einfachen Umbenennung verarschen kann, läßt schon Rückschlüsse auf das Ticken der Hirne zu.

Kennt jemand eigentlich die Firma „Xe“ (ausgesprochen Sii)?

Klingt doch irgendwie ganz neutral.
Aber modern, technisch, antiseptisch. Könnte eine koreanischen Software-Firma sein, oder ein Klimaanlagenhersteller aus Taiwan?

„Xe“ ist aber weit weniger harmlos. Dahinter verbirgt sich der Milliardenkonzern BLACKWATER, der Lieblingsladen von Dick Cheney, Donald Rumsfeld und George Bush.
Unter der Bush-Präsidentschaft war der Tötungskonzern mit Steuermilliarden aufgepäppelt und steinreich geworden - insbesondere natürlich im Irak, der eine pure Goldgrube für Blackwater wurde.
Die erst 1997 von dem Ex-Seal David Prince geründete Söldnerfirma, Motto: „erst schießen, dann fragen“, entwickelte sich Dank der Bush-Kriege zu einer wahren Geldruckmaschine.
Man vermutet einen Milliarden-Umsatz mit einer Profitspanne von zehn Prozent.

Der Stern GWBs ist inzwischen untergegangen und Blackwaters Image ist durch wildes Geballere seiner Angestellten auf Zivilisten im Irak ebenso gründlich ruiniert.

Gestern also teilte die Konzernspitze mit, daß man sich ab sofort „Xe“ nenne.

Das besonders berüchtigte Blackwater Lodge & Training Center, das für die meisten Auslandseinsätze und die Ausbildung zuständige Tochterunternehmen, heißt künftig U.S. Training Center Inc.. Im Januar hat die irakische Führung angekündigt, sie werde die Lizenz für Blackwater zum Schutz von Diplomaten nicht erneuern, wenn diese im Mai ausläuft.
So berichtet ABC:

The scandal-ridden security firm Blackwater USA is officially changing its name effective immediately as the company moves to rebrand itself after being fired last month by the State Department from its job protecting diplomats in Iraq.

Ob das auch für „Xe“ gilt?

Erfährt Robert Gates von der Vergangenheit des nun einen Tag alten Söldnerkonzerns „Xe“?

Verarschen leicht gemacht - wie sich die Bilder gleichen.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Alles fließt……..

Chris Rock fasste die allgemeine Vorurteilsrochade im Jahr 2006 einmal so zusammen:

"You know the world is going crazy when the best rapper is a white guy, the best golfer is a black guy, the tallest guy in the NBA is Chinese, the Swiss hold the America's Cup, France is accusing the U.S. of arrogance, Germany doesn't want to go to war, and the three most powerful men in America are named Bush, Dick, and Colon.

Politisch kann man für das Jahr 2009 dieses Bild aus Schilda noch ein bißchen weitermalen.

Es ist in Deutschland der Sozialismus ausgebrochen.

Die Regierungschefin verstaatlicht Banken und Produktionsmittel.

Die Regierungschefin sorgte dafür, daß ein Marktliberaler wie Friedrich Merz („Mehr Kapitalismus wagen“) aus dem Parlament verschwindet.

Die Regierungschefin macht Wirtschaftspolitik mit Konjunkturprogrammen.

Die Regierungschefin verhindert eine vom Außenamt und Berliner Senat gewünschte Rede Barack Obamas vor dem Brandenburger Tor.

Die Regierungschefin verwarnt den US-Präsidenten mit deutlichen Worten.

Die Regierungschefin muß von den GRÜNEN ermahnt werden ihre antiamerikanischen Reflexe zu unterlassen und sich dem US-Präsidenten gegenüber viel offener und aufgeschlossener zu zeigen.

Die Regierungschefin hat einen christlichen Außenminister und Vizekanzler, der bei Pro-Reli unterschrieben hat, wünscht sich aber stattdessen einen Schwulen in das Amt des Vizekanzlers, der schon jetzt verkündete als Außenminister eine homosexuelle Agenda zu verfolgen.

Die Regierungschefin ist die erste deutsche Kanzlerin, die so direkt und heftig Papst und Katholizismus attackiert, daß nur eine Stunde später eine harsche und deftige Retourkutsche aus Rom folgte: Am Abend ließ der Sprecher des Heiligen Stuhls, Federico Lombardi, keinen Zweifel daran, dass der Kirchenstaat Merkels Forderung für unangebracht hält.

Die Regierungschefin kommt aus der DDR und wuchs im SED-Regime auf.

......

OK, bis jetzt ist das ein homogenes Bild.

Nur der nächste Satz will irgendwie nicht passen:

Die Regierungschefin ist Vorsitzende der CDU und nicht etwa der LINKEn.

Ich bin verwirrt.

Montag, 3. November 2008

Evangelische Gummirücken.

In Bremen tagt noch bis Mittwoch, das sogenannte Kirchenparlament, die evangelische Synode.
Oberbischof Huber weiß wie Populismus funktioniert und drischt zunächst einmal auf die Manager ein:
Die Menschen müssten befreit werden durch den "Abschied von der Vergötzung des Geldes".
Er kritisierte ein "an kurzfristiger Renditemaximierung orientiertes Verhalten"; für Christen seien "Gerechtigkeit, Solidarität und Nachhaltigkeit entscheidende Maßstäbe".
Gastredner war der bedeutende Arbeiterfreund Wolfgang Schäuble.
Das könnte so eine nette Synode werden, in der man sich kirchlicherseits dem Klimaschutz widmet und für dieses planetare Gigaproblem mal eben eine Lösung entwirft.
Zu blöd, daß es auch in den synodlichen Reihen die ewigen Querulanten gibt.
So forderte eine Gruppe um den Heidelberger Theologieprofessor Ulrich Duchrow, die Rücknahme der im Juli veröffentlichten Denkschrift "Unternehmerisches Handeln aus evangelischer Perspektive".

Benjamin Lassiwe schreibt in der Lausitzer Rundschau empört:
Eine Gruppe Theologen um den notorischen Kapitalismuskritiker und Alt-68er Ulrich Duchrow wirft der EKD vor, sich mit ihrer Unterstützung der sozialen Marktwirtschaft in Wirklichkeit für einen "neoliberalen Kapitalismus" einzusetzen, und "den herrschenden Mächten in Wirtschaft und Politik" nach dem Mund zu reden. Doch glücklicherweise sind diese Stimmen auch in der Evangelischen Kirche mittlerweile in der Minderheit. Denn wollen die Protestanten in der Öffentlichkeit gehört werden, und wollen sie mit ihren Positionen die Wirtschaftswelt verändern, ist für romantisierende Ideologien von Vorgestern kein Platz mehr da.

Genau!!! So ein sozialistisches Pack!

Bischof Huber is not amused und widerspricht vehement.
Seine Denkschrift sei "geradezu prophetisch" und nichts müsse man zurück nehmen.

Ach ja?
Gucken wir doch mal in den Wortlaut.

Bezeichnenderweise findet man ihn beim googlen nicht zuerst auf der ekd-Seite, sondern abgedruckt vom Bundesverband Deutscher Banken.

Die Herren des Geldes sind sehr zufrieden mit ihrer Kirche und schreiben:
15. August 2008 - Ein Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft und die Ermutigung zu unternehmerischem Handeln sind Kernelemente der kürzlich vorgelegten Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Sie begeistern sich geradezu für die evangelische Sicht auf ihre Tätigkeit.
Fröhlich zitieren sie aus dem Schlußwort der Evangelen-Denkschrift:
Ohne unternehmerisches Handeln kann keine moderne Gesellschaft überleben. Wir brauchen Menschen, die den Mut und die Vision haben, neue Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aufzubauen, neue Produkte kreativ zu entwickeln und für sie Märkte zu erschließen.

Besser hätte es ja auch eine PR-Agentur nicht für die von Arbeitgeberverbänden finanzierte „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“ formulieren können.
Das 129-seitige Dokument ist eine wahre Formulierungsfundgrube für echte Christen wie Friedrich Merz („Mehr Kapitalismus wagen“) oder Günther Öttinger.

Was andere als „Heuschrecken“ bezeichnen, ließt sich bei der Huberschen Denkschrift so:
„finden sich große, zumeist börsennotierte Konzerne, in denen Aktionäre, Aufsichtsratsmitglieder, Vorstände und leitende Mitarbeiter unternehmerische Verantwortung innehaben und sie mit anderen teilen. Sie alle tragen Erhebliches zur gesellschaftlichen Wertschöpfung bei – in rein ökonomischem Sinne, aber auch in sozialer Hinsicht.“ (s.24).

Statt sich um das ärmste Drittel der Bürger zu kümmern, haben die Bischöfe ein unternehmerisches Herz. Der Staat solle Unternehmern den roten Teppich auszurollen; dies obläge der Gesellschaft als Ganzes:
„Diesen Mittelstand des Unternehmertums zu fördern, zu diesem Unternehmertum zu ermutigen wie politisch die Rahmenbedingungen für ein weiteres Wachstum zu erweitern, muss Aufgabe der Gesellschaft und der Politik sein.“ (s.27)

So arbeitgeberfreundlich ist die evangelische Kirche nicht etwa aus ordoliberealer Überzeugung, sondern Gott will es so:
„Berufung zum unternehmerischen Handeln.
In christlicher Sicht erwächst die Motivation zu unternehmerischem Handeln aus Gottes Berufung. Sie ermutigt den Einzelnen, Verantwortung für sich und andere an seinem konkreten Ort zu übernehmen.“
(s.47)

Ganz selten einmal mögen vereinzelte Unternehmer nur an ihr eigenes Wohl denken - aber das käme kaum vor:
"In Einzelfällen kann das beschriebene Vorgehen der Beteiligungsunternehmen (»Buy – fix – sell!«) dem Prinzip nachhaltigen unternehmerischen Handelns widersprechen und destruktive Konsequenzen haben. Die Sorge aber, dass sich die neuen Investoren generell so verhalten und damit Unternehmenswerte vernichten, ist überzogen. (s.77)

Gegen die ökonomisch-marktradikalen Weisheiten der Protestantenbischöfe ist selbst die Bush-Regierung schon staatssozialistisch. Hubers Mitkirchenfürsten begeistern sich sogar für Hedge-Fonds und Private-Equity-Gierhälse. Die Kleinunternehmern sollten dies auch endlich einsehen:
"An dem starken Wachstum des Private-Equity-Marktes seit Mitte der 90er- Jahre waren aber die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland bisher wenig beteiligt. Dies liegt unter anderem an dem Misstrauen und der ablehnenden Haltung der mittelständischen Unternehmer gegenüber Private-Equity-Gebern. Vereinzelt befürchten Unternehmer, in Einzelfällen auch zu Recht, dass ihre auf langfristiges Denken beruhende Unternehmenskultur durch das an finanzwirtschaftlichen Kennzahlen ausgerichtete schnelle Verhalten der Finanzinvestoren beeinträchtigt werden könnte. Die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit wird zudem leicht als persönliches Scheitern empfunden.“ (s.79)

Wie rückständig von den nicht börsenotierten Unternehmern!!!

Und wie naiv, wenn unmaßgebliche Leute wie Helmut Schmidt den Kapitalmarkt regulieren wollen. Die evangelische Kirche hat dafür nur Bedenken übrig:
Eine direkte gesetzliche Regulierung von Hedgefonds scheitert nicht nur daran, dass sie international nicht durchsetzbar wäre und bei nationaler Begrenzung ein Abwandern auf unregulierte Finanzplätze hervorrufen würde. Angesichts der hohen Komplexität der von Hedgefonds eingesetzten und ständig weiterentwickelten Anlagestrategien könnte sie sogar den gegenteiligen Effekt erzielen. Zum einen würde dadurch die vorteilhafte Innovationskraft dieser Finanzinvestoren eingeschränkt werden; um andern besteht die Gefahr, dass unter den Anlegern ein falsches Gefühl der Sicherheit geschaffen wird, so dass das eigene Risikomanagement vernachlässigt wird.(s.81)

Weniger ergiebig ist die EKD-Denkschrift für Hartz-IV’ler - aber das darf man der Kirche auch nicht verdenken, denn was kommt bei denen Kirchensteuermäßig schon rum?

Dienstag, 14. Oktober 2008

Banken, Christdemokraten und Ehrlichkeit

In diesen Lafontaine-freundlichen Zeiten, in denen ihnen ausgerechnet die Bank-Manager jede Menge Polit-Dünger für künftige Wahlkämpfe zuschaufeln, kommt auch Kontorsiona Illusiona Maxima mal wieder erstaunlich gut weg.
Ach wie beherzt die Uckermarker Kanzlerdarstellerin jetzt zugreift, die deutsche Wirtschaft rettet und populistisch korrekt bei Gysi eingehakt davon spricht, daß Manager einen Tritt in den Hintern verdient haben:
Merkel schloss zudem gesetzliche Änderungen nicht aus, um Manager oder Aufsichtsräte in die Haftung zu nehmen.
Nun ja, die 1,5-Billionen-Milch ist vergossen und die der deutsche Michel goutiert die 500 Milliarden-Garantie des Bundes, wenn auch 20 Milliarden davon vermutlich in den Orkus gespült werden.
Das aktuellste Politbarometer stellt fest:
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte ihren Vorsprung vor SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier weiter ausbauen;
53 % : 31 %.
Auch die Beliebtheits-Top Ten wird angeführt weiterhin von Merkel.
Nun wissen wir also, wie man den Heuschrecken das Fürchten lehrt.
Sogar Friedrich Merz, der Hedge-Fonds-Anwalt („Mehr Kapitalismus wagen“), dessen Kanzlei ihrem Klienten Lone Star gerade noch für lächerliche 100 Mio die IKB ergattert hatte, in die der Steuerzahler gerade noch 10,7 Milliarden Euro gebuttert hatte, fraß bei Beckmann Kreide und sprach von besserer Regulation der Finanzwirtschaft.

Diese Managerhaftung ist das schon eine ganz passende Sache - denn wer würde nicht einsehen, daß die private Unantastbarkeit - das Wissen, daß eh immer andere die eingebrockte Suppe auslöffeln müssen, die Wurzel des finanziellen Amoks der Manager ist?

Der besonders dreiste Funke von der HRE, der Steinbrück so sehr in Rage brachte, daß er mit seinen lumpigen monatlichen ~ 47.000 Euro Pension in den Ruhestand gehen mußte, hätte sich in der Tat vorsichtiger ausgedrückt, wenn es um SEINE Kohle gegangen wäre, die er riskierte.

O-Ton Harald Petersen, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger:
„Wenn Sie berechnen müssen, dass Sie Ihr Vermögen verlieren, dann sind Sie sehr viel vorsichtiger in dem, was Sie tun. Wenn Sie nichts weiter zu befürchten haben, dann gehen Sie auch sehr viel lockerer mit dem Geld anderer Leute um.“
Wohl war - und was hatte der gute Funke alles so rausgehauen - der SPIEGEL filetierte genüßlich dessen Aussage zum Kauf der Depfa-Bank durch die Hypo Real Estate vom 6.August 2007:
„Die Depfa ist eine der weltweit größten Staatsfinanzierer. Dieses Geschäft ist langfristig profitabel, sehr solide und mit ganz geringem Risiko“
Sagenhaft versagt, Herr HRE-Vorstandsvorsitzender.
Die taz: Depfa-Bank k.o., Bund haftet, Chef hat 100 Millionen Euro bekommen.
Wichtig zu wissen: Die Depfa hieß mal „Deutsche Pfandbrief- und Hypothekenbank“, saß in Hessen und lebte fette Überschüsse einfahrend von den Bundesländern, denen sie Kredite verschaffte.
Diese parasitäre Daseinsform auf Kosten der Steuerzahler war den Raffkes aber nicht profitabel genug - also setzten sie sich 2002 nach Irland ab, um Steuern zu sparen:
Geld in Deutschland verdienen war schick - aber der deutsche Steuerzahler sollte nichts davon haben und so drehte man ihm eine lange Nase und arrangierte sich auf der schönen grünen Finanzinsel der Bankseligen. 2008 hatten die Depfas unter HRE-Dach gierig so viel Derivate herunter geschlungen, daß sie platzen.
Der Jammer war groß und auf der Stelle erinnerte sich der Oberboss Funke nun wieder an den Steuerzahler in Deutschland - jenem suspekten Wesen, denen man in guten Zeiten den Arsch zugedreht hatte. Die Steuerzahler sollten nun bürgen und sie taten es bekanntlich.
Nein, ich glaube nicht, daß Funke und Co ganz so locker die Milliarden im virtuellen Finanzmarkt vertickt hätten, wenn sie ein persönliches Risiko zu tragen gehabt hätten.

Schade, daß dieser Zusammenhang nun erst offenbar wird.
Schade, daß allein die HRE an die 80 Milliarden Euro Garantien vom Bund brauchte, bevor mal jemand einfiel zu handeln.

Unglaublich diese Vollkaskomentalität in den Vorstandtsetagen! Wieso ist eigentlich nie vorher einer Bundesregierung eingefallen, daß man da auch mal jemand in Haftung nehmen sollte?

Halt, Moment mal.

Leider funktioniert das kollektive politische Gedächtnis nur wenige Tage.
Sonst wüßte man vielleicht: In der Tat haben vorherige Regierungen genau dieses Problem erkannt und in der Tat hat Hans Eichel 2004 genau so eine Idee formuliert:
Der Gesetzentwurf war schon fertig. Danach sollten Spitzenmanager Schadensersatz leisten bei unrichtigen Angaben oder verschwiegenen Umständen und zwar bis zum vierfachen ihrer millionenschweren jährlichen Bruttovergütung. Eine Vollkasko-Versicherung für sie sollte nicht mehr möglich sein.
Der Grund weswegen wir so ein Gesetz nicht haben, das uns womöglich zig Milliarden Kosten erspart hätte, ist leicht auszumachen:
MERKEL!
O-Ton Hans Eichel, ehem. Bundesfinanzminister:
„Die Union war nicht bereit, der ging das zu weit, mitzumachen. Die FDP schon gar nicht, aber die hatten ja zusammen die Mehrheit im Bundesrat. Die Industrie ist regelrecht Sturm gelaufen.“
Diejenige welche Merkel, die nun liebesdienerisch buckelnd das Managerhaftungsrecht fordert, war vor vier Jahren diejenige, die genau das verhindert hatte.
Angestachelt wurde sie von ihrem Mega-Berater von Pierer. Panorama berichtete:
Ein Anführer der Front gegen die verschärfte Managerhaftung damals Siemens-Chef Heinrich von Pierer, den sein eigener Konzern inzwischen wegen des Schmiergeld- Skandals verklagen will. Pierer bescheinigte dem Eichel-Entwurf „völlig überzogene Haftungsregeln. Da wird doch unterstellt: Die Manager belügen die Öffentlichkeit. Das sind meines Erachtens großartige Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen des Landes.“ Auch der Bundesverband der deutschen Industrie war gegen eine verschärfte Managerhaftung – und ist es auch heute noch.

Prof. Thomas Möllers, Wirtschaftjurist, Universität Augsburg:
„Das ist Lobbyismus pur. Das ist ganz klar, dass wenn von einem Ministerium ein sorgfältig ausgearbeiteter Entwurf noch nicht mal in den normalen parlamentarischen Gesetzgebungsprozess eingespeist wird und dann durch Lobbyismus vorher gestoppt wird, dann ist das ungewöhnlich. Der Hintergrund war natürlich die Angst der Manager, gerade der Vorstandsvorsitzenden, der Vorsitzenden der börsennotierten Unternehmen, persönlich haften zu müssen.“
So ist das mit den Deutschen: Merkel, die Mrs. NJET von 1998-2005, die durch ihre Megablockade viel von dem verursacht hat, was uns jetzt pressiert, ist nun die Lieblingspolitikerin.

Arme irre teutonische Wähler - vollkommen verblödet.

NACHTRAG:

15. Oktober 2008, 10:05 Uhr
UMFRAGE
Merkel profitiert von Finanzkrise
Die Union ist in der Gunst der Wähler wieder gestiegen. Laut "Stern"- und RTL-Umfrage steigerten sich CDU und CSU gegenüber der letzten Woche um zwei Prozent. Speziell auch die Kanzlerin bekam mehr Zustimmung.

16.Oktober 2008:
Und so mogelt sich die FDP weg:

Helden der Finanzkrise

Sonntag, 21. September 2008

Auf zur Jagd

Halali.
(Schon im 17 Jahrhundert verwendete man diesen Ruf, um die Hunde während der Jagd zur Verfolgung des Tieres anzufeuern. Im Nouveau DICTIONNAIRE DES DEUX NATIONS, Allemand-François-Allemand, Strasbourg, chez Amand König, 1782, Tome II, Seite 519 steht: "haler" = antreiben, anhetzen; "haler les chiens apès un voleur" = die Hunde hinter einem Dieb herhetzen; "haler les chevaux" = die Pferde antreiben, anrufen.)
Die Jagd ist nun also eröffnet - auf Lafontaine.
Die Pressemeute hetzt den frechen Saarländer.
Aber mit den Analogien kann man es nicht zu weit treiben, denn anders als ein fliehendes Reh oder ein hinweg hoppelnder Hase, kann sich Lafontaine durchaus zur Wehr setzen.
Nachdem er den Damen Quandt und Scheffler seine lange Nase gezeigt hat, empört man sich gar sehr. So schreibt Reinhard Mohr heute bei SPON, Lafontaine wolle zurück in die 70er, das sozialistische Morgenrot habe sich längst in das Altersrouge einer Sammlungsbewegung der Sechzigjährigen verwandelt, die sich gegen den Wandel der Zeit stemme:
Was eben noch als vermufft, abgestanden und vorgestrig galt, scheint wieder in.
Mit Hilfe von ausufernder Mataphorik wird Lafo mal in die Schublade Demagoge, mal Populist, mal rechts, mal SED-Wurmfortsatz sortiert. Der ganze feuilletonistische Wochenend-Wort-Kanon prasselt auf ihn hinab. Holla Furia.
Es fragt sich nur wer der Adressat dieses Feuerwerks intellektuellen Schönsprechs sein soll.
Ob diesprichwörtlichen bildungsfernen Schichten, die Verlierer der Globalisierung, die sich von der LINKEn retten wollenden Armen tatsächlich alle die Feuilletons von FAZ, SPIEGEL und Co reinziehen?
Vielleicht deklinieren die 221 geschlossen zur LINKEn übergetretenen Saarländischen Busfahrer abends beim Fachhochschulseminar „Falsifizierbarkeit Heideggerscher Existenzphilosophie“ in der Mohr’schen Welt Zeile für Zeile die Programmatik Lafontaines.

Gegen die LINKE kommt man nicht auf die fein ziselierte Feuilletonart an.

Gegen die LINKE kommt man nicht auf die brachial bayerisch-derbe „Wir führen einen Kreuzzug“-Art an. Zumal Fettnäpfchenhopper Huber (im Nebenjob Finanzminister)gerade mal wieder ein paar hundert Millionen Verlust der Bayerischen Landesbank- auf Kosten der bayerischen Steuerzahler - zu verantworten hat. Bayerns FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil dazu: Huber stehe für einen "Abgrund finanzpolitischer Inkompetenz".

Was spricht denn eigentlich dagegen, sich auch faktisch mit Lafontaine zu streiten - wenn schon alle Parteien inzwischen seine Forderungen adaptiert haben?
Wird in den Raum gestellt, daß man Familienunternehmen enteignen sollte, kann man doch mal unter das Volk streuen, daß gerade die Familiengeführten Unternehmen noch am freundlichsten zu den Arbeitern sind, wie eine große Studie über die „Volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen“ (2003-2005) zeigt.
Darin ist insbesondere der Vergleich mit den DAX-Unternehmen interessant:
Bei der Messung der 500 größten Familienunternehmen an den Unternehmen mit 50 Mill. € und mehr Umsatz zeigt sich aber, dass die großen Familienunternehmen personalintensiver arbeiten als die Großunternehmen insgesamt, denn ihr Anteil an den Beschäftigten liegt wesentlich höher als ihr Anteil am Umsatz.
Demnach übersteigt der Anteil der Familienunternehmen an den Gesamtbeschäftigten den der DAX-Unternehmen um 2,5 Prozentpunkte. Hatten die DAX-Unternehmen eine halbe Million weniger Beschäftigte als die Familienunternehmen, so waren es 2003 nur etwa 300.000 weniger.
Entsprechend ist der Anteil der DAX-Unternehmen an den Gesamtbeschäftigten von 6,9 % 2003 auf 6,7 % 2005 zurückgegangen. Diesem zwar nur geringen Rückgang um 0,2 Prozentpunkte steht bei den Familienunternehmen ein Zuwachs von gut einem halben Prozentpunkt gegenüber.
400.000 sozialversicherungspflichtige Jobs haben die Inhabergeführten Unternehmen seit 2003 geschaffen. Die 500 größten Familienunternehmen heben sich hinsichtlich der Beschäftigtenentwicklung deutlich von der gesamtwirtschaftlichen Situation ab.
Die 30 Dax-Unternehmen bauten in der gleichen Zeit ihr Inlandspersonal sogar um 3,5 Prozent ab, auf knapp 1,6 Millionen Beschäftigte.

Eine sachliche Auseinandersetzung mit Lafo traut sich aber offenbar niemand so recht und so schaut man betroffen und paralysiert zu, wie die Finanzwirtschaft ein Wahlgeschenk nach dem Nächsten in die Büros der LINKEn schleudert.
Ich kann es beim besten Willen nicht satirisch überhöhen, was man nüchtern dargestellt letzte Woche überall lesen konnte:
Ulrich Schröder, der neue Vorstandsvorsitzender der staatseigenen Förderbank KfW hält sich selbst für so ausgesprochen kompetent, daß er sich eine Verdopplung des Gehalts seiner Vorgängerin (von 400.000 Euro auf 800.000 Euro) aushandelte - so in etwa das Dreifache der Bundeskanzlerin. Die Politiker im Verwaltungsrat nickten brav ab.
Zunächst hat er mal die IKB für ein Appel und ein Ei an den US-Investor Lone Star verscherbelt - nachdem vorher der Steuerzahler 10,7 Milliarden hinein gestopft hatte. Vermutlich nur 100 Mio statt der erwarteten knapp eine Milliarde Euro bekam Schröder. Andere Banken hatten zwar ein Vielfaches geboten, aber Lone Star hatte sich Friedrich Merz‘ Kanzlei als Beistand geholt - da kann man auf dem Rücken der Steuerzahler gerne auf ein paar Hundert Milliönchen verzichten.
Letzte Woche wurde es für den Fachmann Schröder noch bunter - als schon jeder Hans und Franz wußte, daß Lehmann Brothers in NY kollabiert war, warf die KfW ihnen noch 300 Euro Steuerzahlereuro hinterher.
Aufgrund von Wechselkurseffekten entstand der Bank dadurch ein Verlust von 350 Millionen Euro. Zusammen mit weiteren, älteren Geschäften mit Lehman verlor die KfW durch die Bankpleite eine halbe Milliarde Euro.
Man hätte sie auch gleich in den Schredder stecken können.
Was jeder Stadtkämmerer v on Hintertupfingen täte - sich informieren über Insolvenzen und betroffenen Firmen kein Geld mehr überweisen - ist den KfM-Fachmännern leider nicht geläufig.
Schön für die LINKEn im Bundestag -
Gysis hämischer Satz «Futsch sind 'se. Tolle Experten, die da sitzen.»
brennt sich gleich ein in die Hirne der Wähler.

Im KfW-Verwaltungsrat sitzen gleich 37 Politiker - Bundesminister, Ministerpräsidenten, Landesminister und auch ein Abgeordneter namens Oskar Lafontaine.
Letzterem ist aber auch nichts aufgefallen.
In der echten Realität ist es eben doch nicht so einfach, wie auf einer Wahlkampfveranstaltung mit vollem Mund.

Das könnten die 221 Busfahrer möglicherweise auch noch merken, wenn ab Herbst 2009 der Saarländische Ministerpräsident Lafontaine heißen sollte und die Landesangestellten mit wirklichem Geld, statt her phantasierten Milliarden bezahlen muß.