TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Sonntag, 15. Januar 2012

Der Heuchler schrumpft den Lügner.

Die Republikaner haben schon was.
Statt den auf der Straße liegenden Wahlsieg gegen einen schwachen und unbeliebten Präsidenten einfach nur einzusammeln, zerlegen sie sich selbst.

Gemessen an den gewaltigen Erwartungen und des exorbitanten Vertrauensvorschusses, mit dem der Tiger Obama („YES; WE CAN!“) 2008 gestartet war, liegt er jetzt als passiver Bettvorleger da. Die Wirtschaftsdaten zeigen ein „No, I cannot“ und die erbärmliche Bilanz bei der Nahost-Politik oder den Menschenrechten (Guantanamo,..) will ich erst gar nicht ansprechen.

Es ließe sich trefflich darüber streiten, ob Obama 2007 und 2008 den Mund viel zu voll genommen hat und unrealistische Erwartungen schürte, oder ob er es ab 2009 gar nicht erst versucht hat.

Die Grand Old Party aber tut dem Demokraten im Weißen Haus den Gefallen ihn a posteriori zu erhöhen, indem sie solch peinliche Politzwerge aufstellt, daß neben ihnen auch ein Hydrant imposant wirkte.

Die grotesken Geiferer Santorum, Gingrich, Cain, Perry und Bachmann blockieren sich gegenseitig, indem sie einander mit immer schrilleren Hassparolen die Wähler abnehmen.
Neben dem Quintett der Qualen, gibt es die drei Solitäre Paul, Huntsman und Romney.
Der alte Texaner Ron Paul nimmt sich Narrenfreiheit und tanzt so sehr aus der Reihe, daß ihn die anderen gewähren lassen, weil er ohnehin keine Chance hat die Nominierung zu gewinnen.
Huntsman versucht es mit einer für Republikaner ganz neuen Strategie und bringt so was wie Vernunft und Realitätssinn in die Primaries.
Ein Selbstmordkommando, denn für derlei Abstrusitäten sind die Fox-Viewer und Teebeutler nun wirklich nicht zu haben.
Der Auch der Mormone John Huntsman wird bald aufgeben müssen.

Bleibt noch der zweite Mormone Mitt Romney, der mehrere Vorteile mitbringt.
Er ist nicht ganz so geistig umnachtet wie Bachmann oder Cain, deren Intellekt hart an der Grenze zum Schwachsinn liegt.
Er ist zudem ultraflexibel und ist dementsprechend bereit so ziemlich alles zu sagen, das den Leuten gefallen könnte und last but not least ist er Multimillionär, der im Zweifelsfall hunderte Millionen aus eigenen Mitteln in seine Kampagne stecken kann.

Nun erleidet der Mormone mit dem Hang zu verbalen Ausrutschern den Nachteil des Frontrunners; alle sind gegen ihn und sezieren seine Sätze.

„Ich mag es, wenn ich Menschen feuern kann, die mir Dienste leisten“, hatte Mitt Romney, der Kandidat für die Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Republikaner, in einer Wahlveranstaltung gesagt. Nun fallen nicht nur die Demokraten, sondern auch seine Konkurrenten um die Kandidatenkrone über ihn her. „Gouverneur Romney genießt es, Leute zu feuern. Ich genieße es, Stellen zu schaffen“, sagt John Huntsmann, der frühere Gouverneur von Utah. Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Abgeordnetenhauses, zieht darüber her, dass Romney früher Unternehmen „ausgeplündert“ habe.
(FAZ 10.01.2012)

Es fällt leicht Romney anzugreifen, da er ohnehin als „Flipflopper“ gilt; also jemand, der ständig seine Meinungen wechselt.
Und das mögen GOPer gar nicht.


Schein bedeutet dabei mehr als Sein.
Newt ("Der Molch") Gingrich beispielsweise agiert gegen den Flipflopper-Verwurf nahezu immun, obwohl auch er alles andere als gradlinig ist.

Der Molch wird aber durch seine Vergangenheit zweifelsfrei rechtsaußen einsortiert.
Da schaden auch ein paar Lügen und Scheidungen nicht.
Romney hingegen muß der Parteibasis erst noch beweisen, daß er wirklich so stramm konservativ-fundamentalistisch denkt, wie er redet.

Noch nicht mal seine Homophobie wird ihm zu 100% abgenommen. Und nur wer Schwule wirklich glaubwürdig hasst und verdammt wird von der Parteibasis gemocht.

Immer noch schwirrt ein Flyer aus seiner Gouverneurszeit umher, auf dem er den Schwulen ein „great Pride Weekend“ wünscht.



Romneys Staat Massachusetts gilt insgesamt als Feindbild der Rechten - dürfen doch dort die verhassten Tunten heiraten.

Gingrich verhöhnt Romneys "Massachusetts-Kultur" (Codewort für "links") und ätzt: "Sie kandidieren doch seit den neunziger Jahren." Rick Santorum schimpft Romney einen Feigling, Rick Perry nennt ihn einen Insider. Und Jon Huntsman, für den es in dieser Woche um alles geht, echauffiert sich so über Romneys Tiefschlag vom Vorabend, dass seine breiten Lippen beben: "Deshalb ist diese Nation so gespalten - wegen so einer Attitüde".
(Mark Pitzke 09.01.2012)

Liberale Ansichten über Schwule sind echtes Urnengift!

Romney: Trust Me, I'm Homophobic!
Mitt Romney would like Republican base voters in Iowa to think he's as bigoted as they are. His record doesn't back up his assertions but he didn't get the nickname Flip Flop Mitt for naught and I'm willing to believe him on this one. His new radio ad-- for backward areas only (not something he's running in New Hampshire)-- is all about how homophobic he claims to be. According to a piece that went out over the AP this morning Romney "has come under criticism from conservatives for his past support of some gay rights issues. [He] says he is the only major GOP candidate backing a constitutional amendment to ban same-sex marriage."
(Howie Klein 2007)

Nächste Station auf dem GOPer-Vorwahlplan ist das weitgehend evangelikale South-Carolina, welches bereits von der geistig retardierten Teebeutlerin Gouverneurin Nikki Haley regiert wird.
Hohe Zeit für die Rechtsaußen sich gegen den davon stürmenden Romney zu vereinigen.

Traditionell wird es in dem konservativen Staat besonders schmutzig.
Hier hatte einst GWB den Mitbewerber John McCain mit einer bis dahin nie gesehenen Schmutzkampagne aus dem Rennen geschubst.
Die Ultrarechten rotten sich nun zusammen.

Es ist die Stunde der Super-PACs (Political Action Committee, politisches Aktionskomitee), jener berüchtigten, unregulierten Spendengruppen, die ohne irgendwelche Regeln die Gegner killen wollen

Allein Gingrichs Super-PAC „Winning Our future“ gibt in South-Carolina fast vier Millionen Dollar für Anti-Romney-Werbung aus.
Ziel sind dessen Behauptungen er habe als CEO der „Bain Capital“ 100.000 Jobs geschaffen. Eine Zahl, die außer ihm kaum jemand ernst nimmt.

Die Zeitung Wall Street Journal kam in einer Untersuchung zum Schluss, dass 22 Prozent von 77 Unternehmen, in die Bain Capital während der Romney-Jahre investierte, acht Jahre später sich im Konkurs sanierten oder pleite waren.
Vor diesem Hintergrund zündet die Empörung über die Zitate des Herrn Romney. Schon im vergangenen August erregte er in einer hitzigen Debatte auf der Iowa State Fair Aufsehen mit dem Satz „Unternehmen sind Menschen“. Auch das hört sich bizarr an, aber es trifft den Kern: Alle Einkommen, die Unternehmen erwirtschaften, flössen letztlich Menschen zu, argumentierte Romney.
(FAZ 10.01.2012)

Oberheuchler Gingrich, der selbst Millionen aus bailout-Steuermitteln* abgegriffen hatte, macht jetzt auf „Occupy-Newt“ und bezichtigt den Mormonischen Millionär eine üble Heuschrecke zu sein.

*Newt Gingrich made between $1.6 million and $1.8 million in consulting fees from two contracts with mortgage company Freddie Mac, according to two people familiar with the arrangement.
(Bloomberg.com 16.11.2011)

Ein PR-Film soll nun Romney töten.


(Kurzversion)

Der Film erinnert in seiner Machart an den linken Regisseur Michael Moore: Unidentifizierte Männer und Frauen schildern ihr Schicksal, Arbeitslosigkeit und Armut, und sie behaupten dann: 'Ich habe begriffen, dass dieser Mann unser Leben zerstört hat.' Man sieht Koffer voller Hundert-Dollar-Noten und hört den Kommentar: 'Man weiß nicht, was größer war, seine Gier oder die Bereitschaft, alles für einen hohen Gewinn zu tun.'
Das 20-Minuten-Video 'When Mitt Romney Came to Town', zu deutsch: Als Mitt Romney in unsere Stadt kam, auf der Internetplattform Youtube ist Wahlkampf vom Feinsten: Romney, der Favorit im Wettbewerb um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, wird darin ob seiner Karriere beim Finanzinvestor Bain Capital regelrecht hingerichtet - als Mann, der 'an der größten Vernichtung von Jobs in Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg' teilgenommen hat. Die Macher des Filmchens allerdings sind weder Michael Moore, noch die amerikanischen Gewerkschaften, noch die Demokratische Partei; sie kommen aus dem Umfeld des konservativen Kandidaten Newt Gingrich.
Es ist eine der erstaunlichsten Phänomene dieses Vorwahlkampfs: Die weit nach rechts gerückte Republikanische Partei streitet sich über die guten und schlimmen Seiten des Kapitalismus. Wobei der nicht ganz so konservative Romney vom äußerst rechten Newt Gingrich des Raubtierkapitalismus bezichtigt wird.
(Nikolaus Piper 14.01.12)


(Langversion)

Freitag, 13. Januar 2012

Hier und da.

In Amerika sind einige Begriffe völlig anders definiert.
Also vorsichtig beim 1:1-Übersetzen.

Das geht schon damit los, daß eine deutsche Billion (eine Million Millionen) gleich tausend amerikanische Billionen sind. Eine Ami-Billion besteht nämlich nur aus tausend Millionen.

In Deutschland sind ein Pfund 500g; in Amerika aber nur 453,59g.

Deutsche Schüler fangen im Erdkundeunterricht ca 4,6 Milliarden Jahre vor unserer Zeit und im Geschichtsunterricht vor 6000 Jahren an. Sie hören spannende Geschichten über Ägyptische Hochkulturen.

Amerikanische Schulen gehen teilweise davon aus, die Welt sei überhaupt erst vor 6000 Jahren gemacht worden.
Die Geschichte fängt bei ihnen theoretisch rund um 1500 n. Chr. an, aber das erste relevante Datum ist 1861 (Sezessionskrieg).

Politische Begriffe sind noch erheblich schwerer auseinander zu halten.

Deutsche Tagesschausprecher nennen beispielsweise die FDP grundsätzlich „die Liberalen“, dabei hat Liberalismus im klassischen Sinne, also das Streben nach möglichst großer Freiheit des Individuums, so ziemlich nichts mit der heutigen Klientel-Bedienungs-Gruppe FDP zu tun.
Liberalismus ist eine gute Sache, während die FDP, als Lobbybeglückungsverein der Reichsten und Mächtigsten ein Parasit im poltischen Getriebe ist.

Wer heute das Adjektiv „liberal“ als die Beschreibung der Politik Röslers und Westerwelles versteht, kann den Begriff also nur als schlimmes Schimpfwort verwenden.

In Amerika ist „liberal“ ebenfalls fast nur als vernichtendes Schimpfwort gebräuchlich. Es bedeutet aber genau das Gegenteil des deutschen „liberal“, nämlich linksextremistische Irrwege, die vom Pfad des Patriotismus, des Christentums und der Waffenvernarrtheit hinweg weisen.

Wenn eine Michele Bachmann den US-Präsidenten als „liberal“ bezeichnet, ordnet sie ihn damit in die Schublade mit Walter Ulbricht, Fidel Castro und Lenin ein.

Gemeint ist damit die Allmacht des Staates und die Aufgabe aller Individualität.

Phonetisch nur einen Hauch neben „liberal“ liegt das amerikanische „libertär“ (=libertarian), welches aber kurioserweise als Selbstbeschreibung einiger der mächtigsten rechten Lobbyisten, wie den Multimilliarden schweren Koch-Brüdern, dient.
In Deutschland ist Libertarismus im allgemeinen Politsprech völlig unbedeutend.
Mir fiele kein Politiker ein, der sich selbst als „libertär“ versteht.

Es gibt höchstens einige sehr linke Ideologen, die „libertär“ als völlige Loslösung von staatlicher Kontrolle, also gewissermaßen als Anarchie pur verstehen.
Aber die politische Anarchie hatte es nie leicht in Europa. Außer in Spanien hat die ursprünglich aus Russland stammende Idee nie eine praktische Rolle gespielt.

In Amerika haben Libertäre dagegen Aufwind.
Es gibt eine libertäre Partei und auch bei den Republikanern haben Libertäre Einfluß. Der Bekannteste ist Ron Paul, der allerdings den richtig rechten Rechten etwas suspekt erscheint, da er sich nicht für militärische Interventionen begeistern kann, die Truppen lieber alle heimholen möchte und auch nicht wirklich dafür brennt Schwule und Schwangerschaftsabbrüche zu verdammen.
Außerdem will er Marihuana für medizinische Zwecke freigeben und hält den „war on drugs“ für ineffektiv. Zudem bezweifelt er die Notwendigkeit Millionen Amerikaner wegen Drogendelikten in den Knast zu stecken.
Nach amerikanischem Verständnis ist das linksextrem.

Andere Positionen Pauls, etwa die totale Freigabe aller Waffen, Bezweifeln des Klimawandels, Abschaffung der Schulpflicht, Opponieren gegen alle Umweltschutzregelungen, das radikale Zusammenstreichen aller Steuern und die kategorische Ablehnung staatlicher Gesundheitsprogramme entzücken wiederum die Rechten.

Richtig rechts sind auch Pauls frühere Newsletter-Stellungnahmen zu Schwulen und Schwarzen.

The New Republic scanned in pages of the newsletters’ most jaw-dropping passages and believe us—they’re horrendous. Here are some of the most shocking:

“A Special Issue on Racial Terrorism” analyzes the Los Angeles riots of 1992: “Order was only restored in L.A. when it came time for the blacks to pick up their welfare checks three days after rioting began. … What if the checks had never arrived? No doubt the blacks would have fully privatized the welfare state through continued looting. But they were paid off and the violence subsided.”
An October 1990 edition of the Political Report ridicules black activists, led by Al Sharpton, for demonstrating at the Statue of Liberty in favor of renaming New York City after Martin Luther King. The newsletter suggests that “Welfaria,” “Zooville,” “Rapetown,” “Dirtburg,”and “Lazyopolis ” would be better alternatives—and says, “Next time, hold that demonstration at a food stamp bureau or a crack house.”
The September 1994 issue of the Ron Paul Survival Report states that “those who don’t commit sodomy, who don’t get blood a transfusion, and who don’t swap needles, are virtually assured of not getting AIDS unless they are deliberately infected by a malicious gay.”
The June 1990 issue of the Political Report says: “I miss the closet. Homosexuals, not to speak of the rest of society, were far better off when social pressure forced them to hide their activities.”
A January 1994 edition of the Survival Report states that “gays in San Francisco do not obey the dictates of good sense,” adding: “[T]hese men don’t really see a reason to live past their fifties. They are not married, they have no children, and their lives are centered on new sexual partners.” Also, “they enjoy the attention and pity that comes with being sick.”
(Daniel Villarreal 25.12. 2011)

Das sind Sprüche, die auch die Teebeutler erfreuen, die Pauls Außenpolitik („Lass den Iran doch machen was er will - geht uns nichts an“) scharf ablehnen.

Seine Fans hat der bizarre Texaner unter den jüngsten Wählern. Auch deutsche Linke fallen immer wieder auf ihn rein und begeistern sich für den GOP-Haudegen.

Der 76-jährige Ron Paul schneidet im republikanischen Vorwahlkampf erstaunlich gut ab. Vor allem junge Leute begeistern sich für die Botschaft des ältesten Bewerbers.
[…]
Seit vier Jahrzehnten kämpft Paul für seine Vision einer radikal-libertären, nur Gottes Fügung und der unsichtbaren Hand des Marktes gehorchenden Welt - und dieser 10. Januar 2012 ist sein größter politischer Moment: Bei der zweiten Vorwahl im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ist er Zweiter geworden, fast jeder vierte Wähler stimmte für den Außenseiter: "Dies ist ein Sieg für die Sache der Freiheit!", ruft Paul mit seiner typisch blechernen Stimme. "Yeah!", schallt es vom Parkett zurück, "President Paul, President Paul!"
[…] Er träumt von einem radikal anderen Amerika. Von zweierlei Unglück vor allem will er seine Nation erlösen: Vom "Spielgeld", zu dem der Dollar verkommen sei, weil der Greenback seit 1971 nicht mehr durch Gold gedeckt ist und "die Fed (die US-Zentralbank) uns ins Desaster einer Inflation treibt". Und von "der Hybris", die Amerika plage, weil es "wie ein Weltpolizist überall interveniert und uns per Verschuldung in die Verarmung treibt".
Bisweilen verirrte sich der politische Eremit und verbreitete Newsletter, die vor schwarzem Rassenkrieg, Aids oder übermächtigen Juden warnten. Heute wettert er gegen Krankenversicherung, Klimaschutz, Kampfeinsätze. Nimmermüde predigt er Amerikas Rückzug von der Welt - "und den Wiederaufbau der Freiheit in unserem Land". Denn sonst drohe Niedergang.
Der alte Mann löst helle Begeisterung aus mit seinen düsteren Szenarien, gerade bei Jungwählern.
(Christian Wernicke 12.01.12)

Es gibt aber eine Sache, in der sich wirklich alle Republikaner - vom Evangelikalen bis zum Ultraorthodoxen Juden bis zum Libertären einig sind:

„Europa ist scheiße“

Alles was aus Europa kommt, ist ihrer Ansicht nach schlecht.
Wirtschafts-, Klima-, Energie-, Finanz-, Sozial-, Umwelt-, Außen- und Militärpolitik darf keineswegs so wie in der EU betrieben werden.

Mitt Romney ist schier außer sich: "Präsident Obama will uns zu einer Nation der Leistungsempfänger machen", empört sich der Spitzenreiter im Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Nein, Amerika dürfe "nicht ein weiterer Staat Europas werden".
Das ist zwar im praktischen Sinne recht unwahrscheinlich, aber Romneys Warnung vor einem Wohlfahrtsstaat nach europäischem Vorbild zündet im Vorwahlkampf der Republikaner.
[…] "Zum Teufel", sagt Romney, "Europa funktioniert nicht mal in Europa." Die Abgrenzung von Deutschland, Frankreich und Co. war zwar noch in jedem Wahlkampf in den USA unverzichtbarer Bestandteil einer Kampagne. Doch jetzt gelten die Staaten Europas vielen Amerikanern seit Ausbruch der Euro-Krise zudem als Verlierer. "Ich glaube an Amerika. Ich glaube nicht an Europa", ruft Romney denn auch am Sonntagabend jubelnden Anhängern in einer High School von Exeter in New Hampshire zu.
"Ihr wollt das Amerika sehen, das Obama plant?", fragt der erzkonservative Kandidat Rick Santorum auf jeder seiner Veranstaltungen: "Dann fahrt mal nach Griechenland." Je nach aktueller Lage im europäischen Wirtschaftsraum werden weitere Krisenländer in diesen Spruch aufgenommen. Portugal, Italien, Irland. Zuletzt auch gern genannt: Frankreich.
Nehmt euch in Acht, unser Präsident ist ein verkappter Europäer! Das ist die Botschaft. Obama sei ein Sozialist, höhnt Newt Gingrich. Obama hole sich Rat bei Europas Sozialdemokraten, unkt Romney. Dabei mache das europäische Pro-Kopf-Einkommen nur die Hälfte des amerikanischen aus, behauptet er. Und für den Radikal-Liberalen Ron Paul ist Europa sowieso jenseits von Gut und Böse. Er will alle Truppen abziehen, damit das "sozialistische Deutschland" nicht weiter über US-Steuern finanziert wird.
(Sebastian Fischer, 09.01.2012)

Wenn die europophoben Darstellungen der GOPer nicht durch die Bank weg gelogen wären, käme ich glatt in Versuchung Merkel und Westerwelle zu verteidigen.
Ich würde schon gerne mal einen Paul und einen Romney fragen, wie es eigentlich angehen kann, daß dieses völlig lebensunfähige sozialistische Europa die Realwirtschaft dominiert und all die Dinge nach Amerika exportiert, die God‘s Own Country nicht selbst herstellen kann, weil das gesamte produzierende Gewerbe in den Staaten ausgestorben ist.

Amerikas Republikaner sind zu einer Partei der 'Nein'-Sager verkommen. Sie wissen vor allem, was sie partout nicht wollen: weder Staat noch Steuern, keine Abtreibung und keine Schwulenehe, weder Krankenversicherung noch Klimaschutz. Und, oh Gott bewahre, nie wieder Obama! Diese rein negative, beinahe destruktive Seelenlage der Opposition spiegelt sich nun im Ergebnis ihrer allerersten Vorwahl wider: Zum Caucus in Iowa erschien eine Partei, die weder weiß, was sie will, noch wer sie denn führen soll durch das Nichts. Alles ist Anti.
(Christian Wernicke, SZ, 05.01.12)

Aber wieso sollte man die beteebeutelten Republikaner ernst nehmen?
Die geistig Retardierten sind längst zu einer anti-intellektuellen Dagegen-Partei verkommen, die zwar in immer neuen Steigerungen so ziemlich alles ablehnen, aber keinerlei konstruktive Vorstellungen haben.

Bei der völligen geistigen Auszehrung der Obama-Herausforderer, bleibt ihnen gar nichts anderes als Bashing übrig und da es nun mal Rechte sind, hacken sie auf das Ausland ein.

Keine Rede vergeht, in der Mitt Romney nicht vor Europa warnt. Und davor, was der amtierende Präsident Schreckliches vorhabe mit den Vereinigten Staaten: 'Obama will Amerika in einen Wohlfahrtsstaat wie in Europa verwandeln', verkündet der Favorit für die republikanische Präsidentschaftskandidatur. 'Ich will das nicht, denn ich glaube an Amerika, nicht an Europa!' Dann legt Romney meist eine knappe Kunstpause ein, um den Beifall des konservativen Publikums zu genießen.
Und Romney verschärft sein rhetorisches Feuer gegen die Alte Welt. Seine Rede nach dem Vorwahl-Triumph in New Hampshire gehorchte einem simplen Muster: Die Nation stehe vor der Wahl zwischen Obama, dem verkappten Europäer - und eben ihm, dem wahren Amerikaner. 'Der Präsident holt sich seine Inspiration aus den Hauptstädten Europas', wetterte er in der Wahlnacht, 'wir schauen auf die Städte und Dörfer Amerikas.' Der nächste Satz zeigte, welch ideologischer Graben sich da auftut: 'Der Präsident vertraut der Regierung, wir vertrauen dem amerikanischen Volk.'
Romney appelliert an tradierte Aversionen gegenüber den vermeintlich arroganten Franzosen, Briten oder Deutschen.
(Christian Wernicke 12.01.12)

Yeah, we are hellish!

Freitag, 4. Januar 2008

Zurück gerudert

Daß ich ein großer Iowa-Kenner wäre, kann ich nicht behaupten.
Der Kartoffelstaat der USA ist für mich aber positiv konnotiert, weil ich zwei großartige Dinge damit assoziiere.
Zunächst einmal Phoebe Frost ( gespielt von Jean Arthur) in Billy Wilder MEISTERWERK „A Foreign Affair“ von 1948.
Falls jemand den Film nicht kennt: Bitte SOFORT die DVD oder VHS ausleihen und ansehen!!
Das ist lebenswichtig.
Die zweite Assoziation ist auch ein Film – nämlich Lasse Hallströms Augenschmaus „What's Eating Gilbert Grape“ von 1993, dem Iowa als Kulisse diente.

Mal sehen was ich aus den gestrigen Caucus-Resultaten noch Positives lesen kann:

1.) SEHR schön finde ich, daß die Wähler den Politknallkopp Ron Paul mit nur 10 % der Stimmen abgestraft haben. Soviel zum Thema „Grassroot-Revolution“, die so mancher Politblog-Autor schon diagnostiziert hatte und einen Durchmarsch des Waffenfreaks Paul fest eingeplant hatte. Der wird statt dessen hoffentlich möglichst schnell wieder in dem Loch verschwinden aus dem er gekrochen kam.
2.)...ähhhh. Nein doch kein Zweitens. Etwas anderes Positives kann ich den Vorwahlen in Iowa nicht abgewinnen.
Bei den GOPs setzte sich Mike Huckabee KLAR durch – jener irre Prediger, der die Wahlfreiheit von schwangeren Frauen als „Holocaust“ bezeichnet und mit hochbizarren Auftritten bewiesen hat, daß er nicht mehr alle Murmeln zusammen hat.

In repräsentativen Umfragen NACH der Wahl, die von CNN erstellt wurden, stellte sich heraus, daß Huckabee besonders gut bei Frauen ankam:
40 Prozent der republikanischen Wählerinnen gaben dem Ex-Gouverneur von Arkansas laut der repräsentativen CNN-Umfrage ihre Stimme. Äußerungen, Frauen sollten sich ihren Männern unterordnen, haben ihm offenbar nicht geschadet. Huckabees stärkster Konkurrent, Mitt Romney, bekam nur 24 Prozent der Frauenstimmen.
Am Wichtigsten ist natürlich, wie fanatisch-christlich sich die Kandidaten verkaufen:
Die religiöse Überzeugung des Kab
So gut wie irrelevant ist für die Entscheidung der GOP’ler dagegen die politische Erfahrung und Erfolgschancen in den Präsidentschaftswahlen; diese werden mehrheitlich Mitt Romney zugeschrieben - doch nur 7 Prozent halten dies für wichtig.
LOL!

Ich habe über Nacht noch mal mein Posting von gestern überdacht und beschlossen, daß ich doch nicht Hulsmans Argumentation folgen kann.
Gut, andere Präsidenten haben Amerika auch schon spektakulär in den Ruin geführt, weil sie komplett als Führer debakulierten – aber bei Bush ist die globale Komponente schon ausschlaggebend – immerhin hat er gleich die ganze Welt in ein Pulverfass überführt, mehrere internationale Kriege angezettelt und dafür gesorgt, daß man sich nirgendwo mehr sicher fühlen kann.
Zudem bemüht sich Bush ja auch noch redlich den Planeten insgesamt durch Blockade jeglicher Klimapolitik in den Hitzetod zu treiben.

Für mich ist also Bush doch einsame Spitze auf der Liste der schwachsinnigsten und schlechtesten Regenten überhaupt.

Wie sehr man dem Niedergang Amerikas hinterher weinen soll, ist angesichts der Meinung der GOPse über ihren DERZEITIGEN Präsidenten auch zweifelhaft:
Nur fünf Prozent der Befragten sind wütend auf die Regierung Bush. Die restlichen sind "begeistert" (20 Prozent), "zufrieden" (48) oder auch "unzufrieden" (26), auf jeden Fall gaben sie ihre Stimme mehrheitlich Huckabee.
Da beiße ich doch gleich noch mal kräftig in die Schreibtischplatte.....

Nicht wesentlich besser sieht es bei den Demokraten aus: Ob sich der Bewerber überhaupt von seinen Fähigkeiten und der politische Erfahrung her für das wichtigste Amt der Welt eignet, ist auch in den Augen der demokratischen Iowaren nicht so wichtig:
Politische Erfahrung, eine Eigenschaft, mit der Clinton im Wahlkampf zu punkten versucht, spielte keine große Rolle. Nur 20 Prozent sagten, dies sei die wichtigste Eigenschaft für einen Präsidentschaftskandidaten.
Hauptsache religiös (Edwards) oder irgendwie mal was Neues (Obama).

Dann mal GUTE NACHT Amerika

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Schade sind zwei Dinge

Zum einen, daß der Politblog nun offenbar endgültig die Metamorphose zu einem Pluralitätsfeindlichen Propagandaverein abgeschlossen hat.
Kommentare werden mal verboten, mal eingeschränkt, mal zensiert, mal gesperrt, mal gekürzt – ganz wie in das die Meinungsoligarchie der Macher passt.
Grundsätzliches Hinterfragen der eigenen Positionen findet nun offenbar gar nicht mehr statt und als Amerikaner frage ich mich wirklich wie es angehen kann, daß sich Deutsche mit einer so offensichtlichen Ferne zu der Realität des politischen Lebens in der USA, umso meinungsstärker und fanatischer an einer Person festgebissen haben, die im Grunde gar nicht ernst zu nehmen ist.
Ich gebe zu, daß ich nicht einschätzen kann, was der Umzug „der Heimat“ des Politblogs auf einen amerikanisches Server zu bedeuten hat.
Aber die Parallelität zum meinungsvielfaltfeindlichen Kreuznet, die auch anonym auf einem kalifornischen Server residieren, um nicht europäischen juristischen Regelungen zu unterliegen, ist doch ins Auge stechend.

Sie umschreiben das lapidar:
Zum Glück fand sich eine Lösung. Ein Freund von Politblog in den USA zeigte Interesse an der Seite, allen Artikeln und dem Archiv - also dem gesamten Content. Er hat das Team gebeten, ihm zu einem symbolischen Preis Politblog samt Domain zu verkaufen. Das erschien den Autoren und dem Administrator als eine der besten Lösungen.
Daß von den politisch naiven RonPaul-Schwärmereien der Politblog-Autoren bei genauerer Betrachtung seines Programms und seiner politischen Geschichte als strammer Rechts-Außen des amerikanischen Politspektrums nichts zu rechtfertigen ist, hat Nemetico lobenswerterweise in einer wahren Fleißarbeit zusammen getragen.

Zum anderen finde ich es außerordentlich betrüblich, daß laut Politblog-Autorin Luise aka Pünktchen, die sich hier nun wieder auf eine linksextreme Quelle bezieht, die netten Kindervertreibungsgeräte nicht mehr verkauft werden dürfen.
Sie zitiert einen Bericht der Jungen Welt
- Die junge Welt (jW) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit linkem, marxistisch orientierten Selbstverständnis. Redaktionssitz ist Berlin, Regionalbüros bestehen in München und Bremen. Der Verfassungsschutz des Bundes beobachtet die junge Welt und nannte sie im Bericht von 2006 „ein bedeutendes Printmedium im linksextremistischen Bereich.“

(Da soll sich einer zurecht finden - in den USA haben sie es gerne so rechts wie möglich und hier kann es nicht links genug sein...)
Mit hohen Frequenzen, die Erwachsene nicht mehr wahrnehmen könne, die aber von Kindern als extrem unangenhem empfunden werden sollen, kann man angeblich Jugendliche vertreiben. Voller Emphase, beschwert sich Pünktchen links und politisch überkorrekt:
Schulen sind für Schüler gebaut und gehören den Bürgern. Sie sind nicht dazu da, um die jungen Menschen nach dem Stillsitzen von Schulhöfen und Boltzplätzen zu vertreiben.
Auch in richtiger Rechtschreibung widerstrebt mir das Wort BOLZPLATZ so sehr, daß ich mal sehen möchte wer neben so einem Kinderlärmterrorgelände leben kann, ohne sich für so ein Kinderabschreck-Gerät zu erwärmen.
Gegenüber von mir ist ein betreuter Kindergarten und ich habe einige Feststellungen in den letzten Jahren machen müssen:

Kinder und auch ihre Mütter sind prinzipiell nicht dazu in der Lage sich in normaler Lautstärke zu unterhalten. Grundsätzlich brüllen sie sich derart gegenseitig an, daß ich durch eine geschlossene Schallschutzfensterscheibe, eine weitere geschlossene Zimmertür und ein Exemplar Mack’s silicone Earplugs von ihnen geweckt werde.
Sie kreischen ununterbrochen, sind zu kontemplativen Dingen nicht mehr in der Lage und vor allem sind Mütter offenbar allgemein nicht mehr Diskussionen zugänglich, sondern reagieren sofort aggressiv. (Nebenbei bemerkt ist hier von einen recht wohlhabenden Stadtteil die Rede, der Spielplatz ist betreut und die dazu gehörigen Eltern fahren allesamt Autos, die eine prekäre Herkunft ausschließen!)
Eine Mutter, die ich kürzlich besonders pöbeln hörte, als sie mit ihrer S-Klasse die ganze Fahrbahn blockierte und die Bitte der nachfolgenden Fahrzeuge doch ein wenig Platz zu machen, mit der Totschlag-Frage konterte, ob sie Kinder hassten, sah ich einige Wochen vorher übrigens dabei zu, als sie ihr circa dreijähriges Kind dermaßen ins Gesicht schlug, daß es buchstäblich einen Satz von einem Meter nach hinten machte.
Das sind also die liebenden Mütter.
Daß die Bälger pausenlos schreien wundert mich daher auch nicht mehr – man muß ja schon froh sein, wenn sie nicht von ihren liebenden Eltern in die Tiefkühltruhe gesteckt werden.

Ich persönlich hätte es doch gerne ein bisschen ruhiger und würde mit Freuden die 850 Euro ausgeben, um die Bälger ein bisschen auf Abstand zu halten.
Ob das überhaupt wirkt, wage ich ja ob meiner naturwissenschaftlichen Ausbildung stark zu bezweifeln – aber es wäre schon Vergnügen genug die Anschaffung eines solchen Gerätes beim Politblog zu posten und die empörte Reaktion abzuwarten.