TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Montag, 24. Oktober 2011

Kompliziertes komplizierter machen.

Das ist ja nun eine Binse.
Natürlich ist es für Beziehungen zwischen Staaten außerordentlich hilfreich, wenn sich die Chefs persönlich gut verstehen.

Gerd Schröder ist so einer, mit dem viele Staatenlenker wirklich gut konnten. Vermutlich machte es die Mischung aus Arbeiterklasse-Jovialität, Klugheit, Kumpelhaftigkeit, Allürenfreiheit und Zuhörtalent. Um mit Schröder auf Staatsmann-Ebene persönlich nicht zu Recht zu kommen, müßte man entweder sehr elitär und dünkelhaft sein, oder so wie GWB sehr irrational verblendet sein.
Es wundert mich gar nicht, daß Schröder insbesondere mit Putin und Chirac richtige private Freundschaften entwickelte.
Freundschaften, die später beim Irakkrieg sehr wichtig werden sollten.

Die Konstellation war an sich nicht so unkompliziert.
Russland und Frankreich sind beides „historische Feinde“ Deutschlands, die beide mehrfach von den aggressiven Teutonen überrannt wurden.
Moskau und Paris sehen sich heute noch als glorreiche Siegermächte, die historisch bedingt mit dem Edelstatus einer UN-Sicherheitsrat-Vetomacht belegt sind. Berlin kann schon froh sein überhaupt mal nicht-ständiges Mitglied in dem Gremium zu sein.
Russland und Frankreich sind ständige Sicherheitsratsmächte. Beides sind Präsidialsysteme, in denen das Staatsoberhaupt auch Regierungschef ist. Daraus ergibt sich, daß bei internationalen Treffen Chirac und Putin einen deutlich höheren protokollarischen Rang als Schröder hatten, mit mehr Ehren und mehr weißen Mäusen umschmeichelt wurden, während der Deutsche ja „nur“ Kanzler und somit protokollarische Nummer Vier seines Landes war.
Pikanterweise sind aber die Deutschen heute wirtschaftlich und finanziell dennoch viel stärker als die beiden ABC-Mächte mit ihren Flugzeugträgern.
Zur Minderwertigkeitskomplexkompensation gäbe es also viel Munition, aber Schröder hat sich brillant mit den Präsidenten arrangiert und ihnen neidlos ihren höheren diplomatischen Status gegönnt.

Mit Merkel ist das alles ganz anders geworden.
Zwar muß man ihr wohl zugestehen, daß sie (wenn die Presseberichte stimmen) ebenfalls diplomatisch unprätentiös ist und ganz im Gegensatz zu ihrem Ex-Vize Westerwelle überhaupt nicht dazu neigt beleidigt zu sein, wenn es an protokollarischen Ehren fehlt, aber dafür hat sie eine pestige Persönlichkeit.

Die emotional retardierte Phlegmatikerin kommt mit vielen anderen Regierungschefs einfach nicht zurecht.
Teilweise ist es ihre Schuld.
So zum Beispiel im Fall Obama, dem sie in seinem Wahlkampf partout die Tour vermasseln wollte und einen schon von Steinmeier genehmigten Auftritt am Brandenburger Tor untersagte.
In Treue fest zu George Bush wollte sie den aufstrebenden Demokraten unbedingt ächten.

Auch Putin nervte sie durch das demonstrative Abkühlen der Beziehungen zu Russland nach 2005. Merkel pochte auf einmal auf die Menschenrechte und schlug sich ausgerechnet auf die Seite des Folterbefürworters und Todesstrafen-Rekordhalters GWB, während sie den Russen (dort ist die Todesstrafe abgeschafft!) für menschenrechtsinkomaptibel hielt.

Teilweise ist es auch nicht ihre Schuld.

Berlusconi mag Merkel nicht, weil er grundsätzlich Frauen verachtet, die älter als 19 Jahre sind und von den 90-60-90-Idealmaßen abweichen.

Regelrecht ruiniert ist aber das Verhältnis zu Frankreich.
In schwierigen Zeiten mit unterschiedlichen Interessen verschärft die persönliche Animosität Merkel-Sarkozy das Problem noch.
Man kann heute wohl mit Sicherheit sagen, daß die beiden sich gegenseitig nicht leiden können.

Ich bin zwar der Letzte, der nicht verstünde, daß ein Staatspräsident, welcher dauernd mit Merkel zu tun hat, genug von ihr hat.
Aber der aufbrausende, selbstverliebte Sarko scheint auch eine Strafe für jeden rationalen Verhandler zu sein.

Man erzählt sich in Berlin, daß Merkel ihn schon seit seinem ersten offiziellen Besuch als Wahlkämpfer hasst.
Da er in der richtigen (=konservativen) Partei ist, hatte sie ihn im Gegensatz zu Barack Obama schon als Wahlkämpfer ohne Amt empfangen.
Im Frühjahr 2007 war er als Vorsitzender der konservativen gaullistischen UMP zu einem Treffen ins Kanzleramt geladen. Dort wartete er aber nicht, bis Merkel IHN begrüßte, sondern raste ihr wie Blücher auf Speed entgegen, um sie kräftig zu umarmen und abzuknutschen.

Eine der wenigen privaten Eigenschaften, die man von Merkel weiß, ist ihre enorme Abneigung gegen körperliche Kontakte.
Sie hasst die haptischen Angriffe, wie man unschwer sehen konnte, als GWB sie im Juli 2006 beim G8-Gipfel in St. Petersburg von hinten an den Schultern packte.



Seitdem beobachte ich sie übrigens immer gerne Bundestagssitzungen solange Westerwelle noch als Vizekanzler neben ihr sitzen durfte.
Gaga-Guido ist auch ein notorischer Grabbler, dem offenbar jedes Gefühl dafür abgeht, ob das seinem Gegenüber gefällt oder nicht. Dauernd greift er ihr an die Unterarme und es ist schon lustig zuzusehen, wie extrem sie sich vor den Kameras zusammenreißen muß nicht schreiend wegzulaufen.
Was allerdings verständlich ist - arme Angie. Es muß ja schon hart genug sein überhaupt neben Westerwelle sitzen zu müssen, aber die Vorstellung, daß er einen dabei auch noch befummelt, ist die ultimative Strafe Gottes.

Merkel hat es also bei dem gegenwärtigen Gipfelmarathon wirklich nicht leicht.

Einerseits ist sie selbst zu unentschlossen und zu zögerlich und zu desinformiert, um mal mutig den Kurs vorzugeben, andererseits verlängert sich dadurch das Elend des Zusammensitzens mit den Kanaillen, die nun einmal gegenwärtig die EU-Regierungschefs stellen.

Berlusconi geriet vor wenigen Wochen mit dem Spruch in die Schlagzeilen, daß er Merkel nicht durchbumsen würde, weil sie dazu einen viel zu fetten Arsch hätte.
(Die Kanzlerin sei eine „culona inchiavabile“ - so Berlusconi am 15.09.2011)

Gestern bekam der reichste Mann Italiens in Brüssel Hausaufgaben - der italienische Staat sei chaotisch und zu hoch verschuldet.
Nun beklagt man sich bitter über das "Kommissariat von Merkozy."

Die schweren Rüffel und das Hausaufgabenpaket, die Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi vom Brüsseler Euro-Gipfel nach Hause bringt, setzen ihn innenpolitisch unter Druck. Die Behandlung, die Berlusconi erlebt hat, löst in Italien zudem vielerlei Verstimmung aus. "Unangebracht" nennt Außenminister Franco Frattini die ironisch-amüsierte Reaktion von Nicolas Sarkozy und Angela Merkel auf Fragen nach dem Vertrauen in die römische Regierung. […] EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso führte dem Italiener das Beispiel Spaniens vor Augen. Ministerpräsident Zapatero habe schwere Reformen umgesetzt und zugleich den Weg für vorgezogene Neuwahlen eingeschlagen, gaben italienische Medien Barrosos Worte wieder. Der hatte beim Euro-Gipfel auch gesagt, "es ist nicht nur Italien in Gefahr, sondern Italien ist die Gefahr für ganz Europa". Das Staatsdefizit beläuft sich auf mehr als 1800 Milliarden Euro.
(Andrea Bachstein 24.10.2011)

Berlusconi tobt. Er betrachtet Italien als das so wörtlich „solideste Land Europas!“

"Niemand innerhalb der EU kann den Partnern Lektionen erteilen", sagte [Berlusconi] am Abend und regagierte damit auf Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy.
[…] Die italienischen Parteien forderte er auf, zum Wohle des Landes zusammenzuarbeiten. "Niemand hat etwas zu befürchten von der drittgrößten europäischen Volkswirtschaft, von diesem außerordentlichen Land, dem an der internationalen Kooperation ebenso viel liegt wie an seiner stolzen Unabhängigkeit." Betrachte man Staatsschulden und Privatverschuldung zusammen, sei Italien neben Deutschland "das solideste Land Europas", so Berlusconi.
(TS 24.10.11) [WTF....?]

Da Großbritannien keine Euro-Nation ist, vergisst man hin und wieder, daß die Engländer mit ihrem Cholerix-Ministerpräsidenten Cameron auch mit am Tisch sitzen, wenn die EU über Wirtschafts- und Finanzpolitik debattiert.

Der Konservative ist auch so einer, der seine Worte schwer zügeln kann.

Wenn die Abgehängten und Verarmten unserer Gesellschaften ihrem Frust riotig Luft machen (und das erleben wir nicht nur bei Occupy the world, sondern auch im August in London. Und zuvor gärte es in Tel Aviv, Athen, L.A. und Paris) dann wird gerne martialisch durchgegriffen.

Premier Cameron wählte am Mittwoch harte Worte. Einige Teile der Gesellschaft seien "schlicht und einfach krank". […] "Wir mussten den Kampf aufnehmen, und der Kampf ist im Gange." […] Der britische Premier drohte am Mittwoch erstmals mit dem Einsatz von Wasserwerfern und sagte, der "Gegenschlag" sei bereits im Gange. […] Er werde nicht zulassen, dass sich auf britischen Straßen eine "Kultur der Angst" breitmache. Die Regierung erlaubte den Einsatz von Wasserwerfern, die bislang nur bei den Unruhen in Nordirland zum Einsatz kamen. Es gebe neue Notfallpläne, nach denen Wasserwerfer innerhalb von 24 Stunden einsatzbereit seien, sagte Cameron. Auch Gummigeschosse seien erlaubt.
(rp-online.de 10.08.11)

Gestern in Brüssel gab Cameron schlaue Ratschläge über die Bewältigung der Euro-Krise, woraufhin dem Kollegen Sarkozy die Hutschnur durchbrannte.

Sarkozys Attacke sorgt heute für dicke Schlagzeilen auf der Insel: "Sie haben eine gute Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten", sagte der französische Staatspräsident gestern in einer großen Konferenzrunde. "Wir haben es satt, dass Sie uns ständig kritisieren und uns sagen, was wir tun sollen", erklärte Sarkozy und fuhr fort: "Sie hassen den Euro, wollen sich aber in unsere Beratungen einmischen."
(tagesschau.de 24.10.2011)

Ausnahmsweise muß man aber den konservativen Franzosen verstehen - denn der konservative Brite scheint sogar noch dümmlicher als die konservative Merkel zu agieren.

Der Premier macht eine äußerst unglückliche Figur“ analysiert heute der Spiegel:

Eigentlich wollte David Cameron am Mittwoch zu einer Reise nach Neuseeland und Australien aufbrechen. Während in Brüssel der entscheidende Gipfel zur Zukunft des Euro stattfindet, wollte der britische Premierminister sich auf den Weg zu den Commonwealth-Partnern machen, um die wirklich wichtigen Fragen wie die britische Thronfolge zu besprechen. Nachdem die Labour-Opposition den Premier am vergangenen Wochenende deswegen übel verspottet hatte, besann Cameron sich eines Besseren. Er verschob den Abflug. Und er setzte in Brüssel durch, dass vor dem Entscheidungsgipfel der 17 Euro-Länder auch noch ein Treffen aller 27 EU-Regierungschefs stattfindet, zu dem er selbst erscheinen wird. Es soll ein Signal sein, dass die Nicht-Euro-Länder bei der Gestaltung Europas auch noch ein Wörtchen mitzureden haben. Der Kurswechsel kommt jedoch zu spät, der Schaden ist längst angerichtet: Camerons geplanter Ausflug ans andere Ende der Welt wird zum Sinnbild der Bedeutungslosigkeit Großbritanniens in Europa. Politisch noch fataler ist die Euro-Rebellion in seiner eigenen Partei. Wie schon unter Camerons konservativen Vorgängern Margaret Thatcher und John Major tobt bei den Tories ein regelrechter Bürgerkrieg um Europa. Die Euro-Skeptiker sind so stark wie seit Jahren nicht und fordern den Pragmatiker Cameron offen heraus.
(Carsten Volkery 24.10.2011)

Armes Europa.

Ein Unglück kommt selten allein.

Donnerstag, 18. August 2011

In Rom drückt man gerne mal ein paar Augen zu.

Kürzlich hatte ich Gelegenheit mit einem klassischen Hamburger Unternehmer zu sprechen, der seinen kaufmännischen Familienbetrieb in sechster Generation führt.
Mittlerweile hat er in mehreren europäischen Städten Filialen und würde zu gerne, gewissermaßen als Krönung seiner Laufbahn, einen Shop in der Modehauptstadt Mailand oder der ewigen Stadt Rom aufmachen.
Diesen Plan hat er allerdings inzwischen begraben müssen, da er um die entsprechenden Konzessionen der Hersteller zu bekommen, eine ortsansässigen Laden der Branche aufkaufen müßte.
Natürlich gibt es eine Menge italienische Geschäftsinhaber, die ihre Läden verkaufen würden, aber es gibt leider keinen legalen Weg deren Warenlager zu übernehmen, da der Großteil ihres Sortiments nie in den Büchern auftaucht.
Es ist dort absolut üblich das Gros der Geschäfte unter der Theke abzuwickeln und lästige Nebensachen wie Umsatzsteuer und Gewerbesteuer zu umgehen.

Unser korrekter hanseatischer Geschäftsmann, der jedes Jahr von der Steuer geprüft wird und keinen Cent am Fiskus vorbeimogelt, kann sich gar nicht in Italien einkaufen, da er den italienischen Ladenbesitzer zunächst aus irgendwelche schwarzen Kassen auszahlen müßte, um dessen Waren zu übernehmen und dann aber immer noch vor dem Problem stünde die schwarzen Waren wieder legal in seine in Hamburg geführten Bücher zu bekommen.

Kurzum:
Für einen ehrbaren Hamburger Kaufmann, dessen Wort gilt (so was gibt es immer noch!) bleibt Italien verschlossen.
Diese Problematik ist so noch ein keinem anderen westeuropäischen Land aufgetreten.

In ihrem Ministerpräsidenten haben die Italiener das passende Vorbild für das Wirtschaften an der Legalität vorbei.
Ein Treppenwitz, daß es nun ausgerechnet Berlusconi ist, der aufgrund der Euro-Problematik anfängt rigider die Steuern einzutreiben.

Eine Guardia di Finanza, die durchgreift, war bisher im schönsten Land der Erde nicht unbedingt die Regel.

Beispiel Tourismus:

Die zwischen Fregene, Ostia und Nettuno überprüften Strandbäder geben fast die Hälfte ihrer Einkünfte nicht an. Irregulär beschäftigtes Personal, falsche Zahlen über vermietete Schirme und Liegen, fehlende Kassenbons an der Bar - vergangenes Jahr, schätzen die Behörden, sind so an den Stränden im Umkreis Roms fünf Millionen Euro an Steuern nicht entrichtet worden.
(SZ 18.08.11)

Und das meint nur die unmittelbare Umgebung von Rom!

Offiziell beläuft sich das Geschäft mit Strandbädern in ganz Italien jedes Jahr auf zwei Milliarden Euro. 25000 Strandpachten hat der Staat vergeben und bekommt dafür 97Millionen Euro im Jahr - 24,20Euro zahlen die Konzessionäre für jeden Längenmeter Strand. Fast genau so viel müssen Badegäste in Latium und Ligurien durchschnittlich für Schirm und Liegen ausgeben.
(SZ 18.08.11)

Der Guardia di Finanza mag es durchaus möglich sein mit manpower die Strandpächter zu überprüfen und gegebenenfalls abzumahnen.

Andere Brocken sind aber sehr viel größer.

Insbesondere natürlich die Mafia, die allein mit ihren Kerngeschäften Müllentsorgung, Sondermüllverschiffung und Schutzgelderpressung dreistellige Milliarden-Beträge im Jahr verdient.

Der gemeine Mafioso ist aber nicht besondere empfänglich für den Rat doch bitte schön in Zukunft ganz legal und korrekt abzurechnen.
Wer das ernsthaft einfordert, kann sehr schnell im Leichenschauhaus landen.

Allein in Sizilien ermordet die Cosa Nostra pro Tag durchschnittlich drei bis vier Menschen.
Die Camorra (rund um Neapel) oder die 'Ndrangheta (kalabrische Mafia) sind nicht zimperlicher.
Natürlich nicht.
Allein die 'Ndrangheta mit ihren rund 90 Familienclans (~ 7000 Mitglieder) setzt annähernd so viel um wie Italiens größter Konzern FIAT.

Die 'Ndrangheta kontrolliert in Europa das Geschäft mit Kokain und nimmt dabei laut Schätzungen von Experten etwa 44 Milliarden Euro pro Jahr ein, was etwa drei Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung entspricht.
(AFP, Reuters, 10.05.2009)

Es gibt natürlich in Italien Polizisten, Staatsanwälte und Richter, die mutig gegen die kriminellen Großklans vorgehen.
Der Erfolg ist durchwachsen, weil sich die Mafia erstens unglaublich brutal wehrt und immer wieder ihre Verfolger einfach ermordet und andererseits die moralischen Autoritäten Italiens abgestumpft sind.
Politik und Kirchen sind Mafia-indolent.

Der Vatikan ist mit der Massenmord-Organisation sogar vielfach verstrickt.

Die Verbindungen des Vatikan-Finanzinstitutes IOR zu Mafia-Logen sind bekannt und dokumentiert.


"Die Priester waren immer Freunde, und sie halfen, wo sie konnten - gewöhnlichen Kriminellen ebenso wie echten Mafiosi."
(Francesco di Carlo, früherer Cosa Nostra-Boss des sizilianischen Ortes Altofonte)


Da sich die Mörderklans immer besonders katholisch geben, herrscht unter den Bischöfen wenig Lust sich mit ihnen anzulegen.
Wozu auch?
Die Mafia spendet der Kirche großzügig und Moral ist der Ratzinger-Organisation offensichtlich völlig egal, wie man am Umgang der Kurie mit Kinderfickern und Holocaustleugnern und rechtsextremen Revisionisten sehen kann.

Fast alle Mafiafamilien zeigen sich als strenggläubig, lassen sich taufen und besuchen jeden Sonntag die Messe. Manche beten, bevor sie morden. Beim Klerus differenziert Roberto Scarpinato, Generalstaatsanwalt und der bekannteste Mafiajäger Siziliens: "Es gab exponierte Mafia-Priester, wie Agostino Coppola, der im Geheimen den obersten Mafia-Boss Toto Riina und Ninetta Bagarella traute.
(WDR.de)

Die von David A. Yallop in seinem Buch „Im Namen Gottes?“ 1984 dokumentierten Zusammenhänge über die Ermordung Johannes Paul I. (1978), weil er offenbar vorhatte die Zusammenarbeit des Vatikans mit der Mafia (Stichworte Erzbischof Paul Marcinkus, Bankier Roberto Calvi (Banco Ambrosiano), P2-Logen-Chef Licio Gelli, dem Opus Dei und Financier Michele Sindona) offenzulegen, setze ich an dieser Stelle als bekannt voraus.

Wie der Vatikan heute mit der Mafia umgeht, kann mehr sehr schön an Enrico De Pedis (1954 - 1990) sehen.
Er war einer der Bosse der Bosse der Banda della Magliana, der Mafia von Rom.

Er mordete fleißig vor sich hin, war gut bekannt mit dem Christdemokraten Giulio Andreotti und dem Kurienkardinal Ugo Poletti, bevor er schließlich von rivalisierenden Mafiagruppen selbst ermordet wurde.

Aber auch noch nach seinem Tod, zeigte der Vatikan auf abenteuerliche Weise seine enge Verbindung zu Enrico De Pedis.

Der Mafia-Killer erhielt das extrem unübliche Privileg zwischen Kardinälen und Päpsten in der zum Vatikan gehörenden Basilika und Titularkirche Sant'Apollinare alle Terme beerdigt zu werden.



Sein Sarkophag ruht dort noch heute Seit an Seit mit den verstorbenen Stellvertretern Gottes auf Erden.

Im selben Jahr 1990 übergab Papst JP-II die berühmte Kirche aus dem 7. Jahrhundert an den Opus Dei.

Daß der Vatikan jemals einem der Zehntausenden Mordopfern der Mafia das Privileg angeboten hätte in einer Papst-Basilika bestattet zu werden, ist nicht bekannt.

Hier ist die ARD-Reportage

Ein Amen für die Mafia - Paten, Priester und der Vatikan

zu sehen.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Damals und heute

Die Geistlichen des Klosters Ettal sind nun soweit.
Endlich, nach einem Jahr Abwarten, bieten sie den rund 100 Kindern, die von ihnen gequält, geschlagen, gedemütigt und vergewaltigt worden sind, eine „Entschädigung“ an.
Es ist die Summe geworden, über die lange gemunkelt wurde.
5000 € pro Kind - macht eine runde halbe Million für das Kloster.
In diesem Blog wurde die Höhe der Summe - ein halbes Bischofsmonatsgehalt - bereits ausführlich bewertet.

Wie auch immer man diese Form der „Bewältigung“ moralisch bewerten mag - es ist auf jeden Fall eine günstige Lösung. In anderen Teilen der Welt, wo schon das Servieren eines zu heißen Cafés Millionen Dollar Schmerzensgeld kosten kann, hat die RKK ganz andere Summen für ihre pädophil-sadistischen Pater auf den Tisch legen müssen.

Sie sitzen auf den ledernen Schwingstühlen der Anwaltskanzlei von Stephan Lang, ihrem Klassenkameraden. Männer Mitte 40, mit bürgerlichen Existenzen. Doch wenn Robert Köhler, Roman Hofer und Bernd Maier (die in Wahrheit anders heißen) erzählen, sind sie wieder Schüler. 13-jährige Internatskinder, die einsam sind, die Angst haben vor den Schlägen, sich bedrängt fühlen von den feuchten Gutenachtküssen des Paters M., der dabei den Jungs schon mal in die Hose griff, der mit seinen Lieblingsschülern morgens schwimmen ging und dann mit ihnen Sex hatte. Dann ist die Zeit in Ettal wieder da, im Internat des Benediktinerklosters.
(Matthias Drobinski 17.02.2011)

5000 Euro finden die Opfer tatsächlich „anerkennenswert“.

Und doch sagt Robert Köhler: "Emotional hat uns das Kloster nicht erreicht." Zu tief ist der Abgrund, zu sehr haben die Benediktiner geschwankt zwischen ehrlich betroffener Einsicht, Hilflosigkeit und Abwehr. Der Abgrund, die Hilflosigkeit, die Abwehr. Immer wieder war der pädophile Pater M. aufgefallen, doch bis zum Tod blieb er anerkanntes Mitglied der Klostergemeinschaft. Die Männer, die da Tür an Tür in geistlicher Gemeinschaft lebten, redeten nicht über Sexualität, ob einer keusch lebte, eine Frau hatte oder einen Mann - oder Kindern sexuelle Gewalt antat. Nie wurde das Prügelsystem des Internatsleiters G. hinterfragt, von dem Schüler berichten, er habe sich verhalten "wie der coole Chef einer Gang im Ghetto".
(Matthias Drobinski 17.02.2011)

Eine schöne Welt ist das, die der liebe Gott uns beschert.
Bischöfe wie Herr Müller, die das Leid der Kinder aktiv gefördert haben, indem er einem bestraften Pädophilen erneut einen Job in einer Gemeinde verschaffte, wo dieser erneut Kinder vergewaltigte, bekommen 10.000 Euro PRO Monat vom Staat und ein vergewaltigtes Kind bekommt 5.000 Euro pro Leben.

Früher war sowas undenkbar.

Undenkbar, daß Pater überhaupt je Reue zeigten.

Es ist ein neues Phänomen, daß die Gesellschaft in den westlichen Ländern sich so sehr von der Kirche emanzipiert, daß überhaupt Kritik an der Kirche und ihren Methoden laut wird.
Das bekommt der Kirche schlecht, wie ein Bericht aus Irland zeigt:

Der Gesandte des Papstes zur Überprüfung der Lage der katholischen Kirche in Irland zieht nach Informationen der irischen Presse eine verheerende erste Bilanz. Die katholische Kirche des Landes befinde sich nach der Missbrauchskrise „am Rande des Zusammenbruchs“ und habe nur noch fünf bis zehn Jahre Zeit, um radikale Gegenmaßnahmen durchzuführen, heißt es laut Tageszeitung „Irish Independent“ in einem Bericht von US-Kardinal Sean O’Malley an Benedikt XVI., der in den kommenden Monaten nach Rom übermittelt werde, wie Kathpress meldet.
(ORF.at Publiziert am 14.02.2011)

Das eigentlich Erstaunliche an dieser Meldung ist, wie die Kirchenoberen für sich selbst das Wort „Zusammenbruch“ definieren.
Es gelte eine Situation „wie in vielen anderen europäischen Ländern“ zu vermeiden, wo Religion nur noch eine marginale Rolle spiele.
Aus Päpstlicher Sicht ist der Katholizismus in Deutschland also bereits „zusammengebrochen.“
Was für eine Schmach für J.R., daß ausgerechnet in seiner Heimat eine geschiedene protestantische Frau und ein Schwuler herrschen.
Getoppt wird dieser akatholische Zustand noch dadurch, daß die beiden Sünder nicht zur verhassten Linken gehören, der man in Rom sowieso alles Schlechte zutraut, sondern dem eigenen konservativen Lager angehören.

In Rom läuft es auch bei der bürgerlichen Regierung besser. Berlusconi ist zwar auch nicht gerade ein Ausbund von Tugendhaftigkeit, aber dafür ist er, wie er selbst immer wieder betont „wenigstens nicht schwul“ und auch keine Frau.
Er ist vor Allem Katholik und hält J.R.s Wünsche in Ehren - keine Gleichstellung von Schwulen, keine legale Abtreibung, keine Sterbehilfe.

Aber früher hätte es das alles sowieso nicht gegeben.
Da bestimmte allein der Papst die moralischen Richtlinien, die er streng gegen andere und mit allen Augen, inklusive Hühneraugen, zugedrückt für den Vatikan selbst, durchsetzte.

Missionare wurden in alle Welt geschickt und setzten diese katholische Moral mit Peitschen, Ketten und Musketen durch.

In der jüngsten deutschen Kolonie Samoa, die der deutsche Kaiser im Jahr 1899 im Paket gekauft hatte*, trafen die katholischen Missionare allerdings auf eine Schwierigkeit:
Die Somoaner waren glücklich, lebten in geradezu paradiesischen Zustanden und übten eine erhebliche Anziehungskraft auf die deutschen Kolonial-„Herren“ aus.
Sie nahmen sich Samoanische Frauen, zeugten Samoanische Kinder, die noch nicht einmal wie es sich für Europäer gehörte als „Mischlinge“ diskriminiert wurden.
Auf Samoa waren sogar Frauen als gleichwertige Wesen akzeptiert - was für ein Frevel aus katholischer Sicht.

Und das Allerschlimmste: Sex war nicht tabuisiert und durfte sogar Spaß machen.

Pater Rascher, der deutsche Missionar auf der Insel Neupommern im Bismarckarchipel und seinen missionarischen Nonnen gefiel es überhaupt nicht, daß sie überall „wilde Ehen“ vorfanden.
Mann und Frau galten als Paar, wenn sie zusammen in eine Hütte gezogen waren und nicht etwa erst nach den Katholischen Ehesakramenten.
Diese Unbelehrbaren wollten nicht hören, als der Katholische Pater Matthäus Rascher und seine Ordensschwestern verlangten die fleischlichen Aktivitäten einzustellen.
Da mußte der Abgesandte Roms natürlich zur Tat schreiten.
Nicht katholisch verheiratete Ureinwohner-Paare wurden rigoros getrennt und in Ketten gelegt.
Fein säuberlich nach Geschlechtern sortiert verprügelten die Pater die Männer und die Nonnen peitschten die unkeuschen Frauen aus.

Obwohl bis heute Zehntausende Nachfahren deutsche Kolonialisten auf Samoa leben, die die kurze Herrschaft der Deutschen bei weitem nicht so unangenehm empfinden wie in anderen Teilen der Welt (Samoa zog damals eine frühe Form von deutschen Aussteigern an, die auch gerne dem Nudismus und der freien Liebe frönten), wurde es Einigen doch zu bunt, daß die Missionare ihre Stammesangehörigen kidnappten, in Ketten legten und auspeitschten.

Ein Dorfbewohner mit Namen TO MARIAS wollte sich von seiner Ehefrau scheiden lassen, nachdem er 14 Jahre Missionsgehilfe gewesen war. Seine Ehefrau, eine ehemalige Missionsschülerin, hatte er satt und wollte jetzt seine neue Geliebte SA VANUT ehelichen, die jedoch mit einem anderen Mann verheiratet war. Pater Matthäus Rascher, Leiter der Mission, lehnte das Ansinnen scharf ab, und das Liebespaar floh zu TO MARIAS Adoptivvater im Nachbardorf. Ein Rädelsführer des sogenannten "Baining Massaker" im Jahr 1904 kurz vor seiner Hinrichtung am Galgen mit Polizeisoldaten zur Bewachung. Drei Padres und fünf Nonnen einer Mission gingen durch Axthiebe zugrunde, aber auch mehrere farbige Missionsgehilfen.
Die Missionare liessen die Flüchtlinge wieder "einfangen" und mit einem Strick fesseln auf dem Rückweg nach Sankt Paul. Pater Rascher verprügelte den Ehebrecher, und eine kräftige Nonne peitschte dessen Geliebte erbarmungslos wegen aller begangenen Sünden. Das Ereignis brachte die Volksseele der Bainings zum Kochen, die schon lange die europäische Moral unerträglich einschätzten und frei sein wollten. Rascher war keineswegs beliebt bei seinen Glaubensbrüdern und beim Bischof Couppe, denn er galt als hochmütig und jähzornig ohne Fingerspitzengefühl für die Eingeborenen. Der Geistliche griff häufig zum Stock, um vermeintliche Sünder zu prügeln und erzwang Strassenbau-Zielvorgaben ohne Lohn. Einen Polizeiposten, wie vom Gouvernement angeboten, lehnte Rascher herrisch ab, denn er benötige keine Bewacher seines Seelenheils. TO MARIAS hatte jetzt Rache im Sinn und suchte Verbündete.
(Golf-dornseif.de)

Es war aber nicht die Zeit der Online-Medien und Zivilrechtsanwälten; also schritt man selbst zur Tat. Am 13. August 1904 überfielen Samoaner das Missionshaus und killten alle Missionare und Nonnen mit Machten.

Eine effektivere Methode, als die erbärmlichen 5000-Euro-Abschläge von Canisius und Ettal.
Pater Matthäus Rascher vergriff sich nie wieder an Samoanern.

Unglücklicherweise gibt es aber keine Gerechtigkeit.
Berlin empörte sich und seine Kolonialbeamten schafften es schließlich alle am Überfall auf das deutsche Missionshaus in Neupommern Beteiligten zu fassen und zu massakrieren.
Von ihnen überlebte ebenfalls keiner. 15 wurden erschossen, sieben kamen an den Galgen. Drei Köpfe von Erhängten liess der deutsche Gouverneur Dr. Hahl abschneiden und schickte sie der Universität Freiburg im Breisgau "zu wissenschaftlichen Studien."




*"WIR Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preussen etc. thun kund und fügen hiermit zu wissen: Nachdem durch den am 30. Juni 1899 zwischen Unserer Regierung und der Königlich Spanischen Regierung geschlossenen Vertrag die in diesem Vertrag näher bezeichneten Inselgruppen der Karolinen, Palau und Marianen an Deutschland abgetreten worden sind, nehmen WIR hiermit im Namen des Reichs dieses Inselgebiet vom Zeitpunkt der Übergabe an Unsere Behörden ab unter Unseren Kaiserlichen Schutz ..."

Sonntag, 30. Januar 2011

Gummirücken-Ethik.

Katholische Ethik ist absolut.

Determiniert von Gott und seinen in der Bibel niedergeschriebenen Worten, liegt es nicht in der Macht seiner Stellvertreter auf Erden die unumstößliche Tatsache zu ändern, daß Frauen irgendwie minderbemittelt und minderwertig sind. Daher kann Ratzinger gar nicht die Frauenordination zulassen - selbst wenn er es wollte.
Wer die Ehe bricht, schwul ist, der Völlerei oder Eitelkeit frönt, wer masturbiert, wer unverheiratet Sex hat oder Schalentiere ißt, begeht nun einmal eine Todsünde und muß in die Hölle. Roma Locuta, Causa Finita.
Allerdings sind nicht alle Sünder gleich.
Man muß schon abwägen und kann nicht jeden gleich exkommunizieren. Nur die wirklich schlimmen Typen trifft der Kirchenbann.

Da ist zum Beispiel die Mutter eines NEUNJÄHRIGEN Mädchens in Brasilien zu nennen.
Die Tochter wurde von ihrem Stiefvater brutal vergewaltigt und in Folge dessen auch schwanger. Eine Schwangerschaft, die ganz abgesehen von moralischen und kriminellen Aspekten sehr wahrscheinlich das Leben des nur 36 Kilo schweren Mädchen gekostet hätte - der liebe Gott sorgte nämlich dafür, daß es Zwillinge geworden wären.

Glücklicherweise konnte dem NEUN JAHRE alten Mädchen das grausame Schicksal erspart werden, indem die Schwangerschaft abgebrochen wurde.

Die christliche Kirche reagierte klar und zackig - indem sie exkommunizierte:

Trotz der Natur des Falls müsse die Kirche an ihrer Ablehnung der Abtreibungen festhalten, sagte Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender Globo. Als Folge dessen war die Mutter der Neunjährigen und das Ärzteteam exkommuniziert worden.

Der Vergewaltiger hingegen wurde NICHT aus der Kirche ausgeschlossen - sein Vergehen wird als minderschwer angesehen.
Die Mutter hätte aber das Leben ihrer 9-Jährigen Tochter nicht retten dürfen.

Weniger schlimm sind hingegen die Sünden eines Adolf Eichmann oder Adolf Hitler - sie wurden nie exkommuniziert. Warum auch? Nur weil sie ein paar kleine nicht ganz moralische Ausrutscher hatten?
Aber sie kämpften nach Ansicht des Papstes gegen das weit größere Übel, nämlich den gottlosen Kommunismus. Beim Hobeln fallen eben Späne - da wollte der Vatikan nicht allzu pingelig sein und hütete sich Hitler zu kritisieren.

Diese Relativierung der Ethik ist für den aktuellen Papst, dessen Hauptthema der Kampf gegen den "intellektuellen und moralischen Relativismus" ist, eine übliche Methode.

In Rom gibt es außer ihm noch einen weiteren Regierungschef - Silvio Berlusconi, der Verbal-Berserker mit den Bunga-Bunga-Parties, Dutzenden minderjährigen Prostituierten und so vielen Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Steuerhinterziehung, daß die Ermittlungsakten schon über 1500 Seiten füllen.

Der Mann, der nahezu alle Medien kontrolliert und sich außerhalb der Gerichtsbarkeit stellt, mag es gar nicht kritisiert zu werden. Als das jetzt dennoch in der Live-TV-Show "L'Infedele" des TV-Kanals La 7 passierte, griff er noch während der Sendung zum Hörer und zeigte sein sattsam bekanntes Gesicht:

Der 74-Jährige, der wegen Begünstigung der Prostitution im Visier der Mailänder Staatsanwälte steht, rastete am späten Montagabend in einer kritischen TV-Show aus und belegte den Moderator mit wüsten Schimpfworten. Er nannte das Programm ein "ekelhaftes Fernsehbordell". Insbesondere Moderator Gad Lerner bekam sein Fett weg. "Ich bin Zeuge einer widerwärtigen Talkshow unter einer verächtlichen, unflätigen und scheußlichen Moderation", wetterte Berlusconi. Der TV-Talker ließ sich nicht lange bitten, nannte den Ministerpräsidenten einen "unerzogenen Proleten" und Rüpel.
(kng/AFP/DPA 25.01.11)

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone mahnte letzte Woche öffentlich, ohne allerdings den Namen „Berlusconi“ auszusprechen: Wer öffentliche Verantwortung trägt, müsse sich standhafterer Moral und Recht und Gesetz verpflichtet fühlen.

Wäre Berlusconi zufällig nicht konservativ, steinreich und stramm katholisch, würde die Kirche über ihn herfallen.
Aber der Vatikan bleibt bemerkenswert undeutlich in der Causa Berlusconi.

Dies erklärt sich Italiens bester Vatikan-Kenner Marco Politi im letzten Europamagazin (ab 09:50) ganz klar mit einer Interessenabwägung. Berlusconis Italien ist von allen westeuropäischen Ländern das einzige, das knallhart bei Patientenverfügung, Schwangerschaftsabbruch, Homoehe und der Förderung nichtehelicher Gemeinschaften die Vatikanlinie vertritt.
(Nur bei seinen eigenen Leidenschaften ist der Ministerpräsident großzügig: In Italien ist Sex mit Prostituierten erlaubt)
Nirgendwo in der alten EU haben es Schwule so schwer wie m Lande des Klerikalfaschismus - Italien.

Zudem versorgt Berlusconi die Kirche auch noch mit Geld - und was hat der Vatikan schon lieber als Geld und Einfluss?

Ethik und Moral relativiert der Anti-Relativierungspapst bis zur Unkenntlichkeit, wenn es um Berlusconi geht.
Daß der Regierungschef Minderjährige für Sex bezahl, wird zwar im Vatikan inzwischen auch kritisiert, aber immerhin sehr euphemistisch verwurbelt als „Berlusconis Schwäche für die Jugend von Schauspielerinnen in der Blüte ihrer Jahre" ausgedrückt.

Das kommt einem sehr bekannt vor - die pädophilen Priester, die kleine Jungs vergewaltigt haben, sind in der Sprache des Vatikans ebenfalls „einer Schwäche erlegen.“

In der Gedankenwelt der Kurie würde offenbar jeder ganz gerne mal ein Kind missbrauchen.
Ein normaler Drang, dem man eben mal nachgibt, wenn man nicht aufpasst.

So wie ein Adipöser, der sich wider besseren Wissens doch noch abends eine Praline gönnt.

Endgültig dem Fass den Boden ausgeschlagen hat für mich hat diesbezüglich 1994 Bischof Degenhardt.
Im SPIEGEL, Heft vom 20.6.1994, erklärte er, daß an dem sexuellen Mißbrauch von Kindern die Frauen schuld seien, wenn diese sich erdreisteten berufstätig zu werden:

„WENN JUNGE MÄNNER STÄRKER MIT DER PFLEGE VON KLEINKINDERN BETRAUT SIND UND DABEI NACKTE ENTBLÖSSTE KÖRPER STÄNDIG SEHEN; SIE BERÜHREN UND SAUBER MACHEN MÜSSEN, IST DIE GEFAHR GROSS, DASS SIE BEGIERDEN NICHT WIDERSTEHEN KÖNNEN. DER VIELE KÖRPERKONTAKT MIT DEM JUNGEN KINDE BEI DER PFLEGE WÜRDE IHNEN SICHER OFT ZUM VERHÄNGNIS WERDEN.
UND DESWEGEN STELLEN WIR FEST; DASS AUCH DIESE KONSEQUENZ; DASS VÄTER HAUSMÄNNER WERDEN, AUCH NEGATIVE ASPEKTE HAT!“

Jeder kann mal fehlen und Berlusconi ist vielleicht kein Idealkatholik, doch immerhin besser als alles andere in Italien. Daher stützt Ratzinger den Ministerpräsident weiterhin.

Was der Papst und sein oberster Politikverantwortlicher sagen, ist mit Sicherheit nur eine Andeutung des Unmuts, der sich im Vatikan und in Italiens Kirche angestaut hat angesichts der erneuten Enthüllungen über den ganz und gar unkatholischen Lebensstil des Premiers. Es hat etwas gedauert, bis der Vatikan Worte gefunden hat zu dem würdelosen Spektakel um Prostituierte und zu dem Verdacht, Berlusconi habe Sex mit einer 17-Jährigen gehabt. Ein erstes Signal der Verstimmung gab die Hauszeitung Osservatore Romano: Sie druckte die Stellungnahme von Italiens Staatspräsidentem. Der spricht von öffentlicher Verstörung und verlangt Klarheit zu allen Vorwürfen. Auch dem hat Bertone sich explizit angeschlossen. Das kann nicht leicht sein für ihn. Bertone hat die Beziehungen gepflegt zu Berlusconi, nun muss er Wege finden im Dilemma des Vatikans zwischen Realpolitik und moralischen Grundsätzen. Die Regierung Berlusconi war immer kirchenfreundlich.
Und auf keine andere Partei konnte der Vatikan so sicher setzen wie auf Berlusconis PDL. Das galt für die Bioethik, bei Fragen der Sterbehilfe und künstlicher Befruchtung. Auch die Stellung nichtehelicher und homosexueller Partnerschaften sind Themen, bei denen PDL und Kirche sich nahestehen. Weder von der sozialdemokratischen PD kann die Kirche da viel Beistand erwarten, noch vom konservativen Berlusconi-Gegner Gianfranco Fini. Doch es geht nicht nur um Moral, sondern auch um Geld. Berlusconis Regierung verhält sich bei der Förderung kirchlicher Schulen großzügig.
(SZ 22.01.2011)

Donnerstag, 18. November 2010

Hilflosigkeit

„Vorgestern hat mich der Schauspieler B. zwischen neun und halb zehn Uhr abends auf dem Bildschirm mehrmals durchdringend fixiert. Sagen Sie ihm, daß er das in Zukunft unterlassen soll, sonst werde ich mich beim Präsidenten beschweren“
(Zuschauerbrief einer 82-Jährigen Italienerin aus Piacenza an den Sender RAI)


So ist das in unserer Medienwelt - die Leute können die Ebenen nicht mehr auseinander halten und vermischen Fiktionales und Reales.

Tatsächlich ist in Italien irgendwie alles Berlusconi. Fußball, Fernsehen, Regierung, Justiz, Presse - kaum ein Bereich des Lebens, den nicht der geliftete Mädchenschreck kontrolliert.
In Deutschland versteht man nicht, wieso der 74-Jährige Milliardär immer und immer wieder gewählt wird. So eine Verquickung von Medien, Markt und Macht ist hierzulande verpönt.

Merkel taucht in keiner Forbes-Liste auf.
Also alles gut hier?
Alles ein bißchen subtiler hier, würde ich sagen.
Die Verstrickung von Geld, Medien, Justiz und Politik ist aber ähnlich. Wünschen interessierte CDU’ler, daß Strafverfahren ausfallen oder sehr milde ausgehen, gelingt dies.
DDR-Strippenzieher und Stasi-Oberst Schalck-Golodkowski wußte zu viel über die Interna der Bundesrepublik. Während die kleinen Stasi-Glühwürmchen bis heute geächtet werden und reihenweise auf die Anklagebank kamen, handelte Schalck-Golodkowski mit Wolfgang Schäuble Stillschweigen aus und verblieb statt im Knast mitsamt seiner Millionen in einer Tegernseer Villa.
Straftäter aus den Reihen der Union selbst, wie Helmut Kohl, Manfred Kanther oder Otto Wiesheu sahen ebenfalle nie ein Gefängnis von innen.
Auch die Gesamtpartei CDU, die 2000 des Spendenbetrugs überführt wurde und 42 Millionen DM Strafe zahlen sollte, gelang es unter Frau Merkel sich um die Zahlungen herum zu mogeln.

Die Parteichefin ist gleichzeitig auch Regierungschefin und kann - günstig, günstig - auf Kosten des Steuerzahlers (3 Mio Euro) pünktlich zum CDU-Parteitag die Republik mit Merkel-Jubelanzeigen überziehen.

Ein interessantes Beispiel für politisches Unternehmertum! Der Kunde (Wähler) wendet sich angewidert vom Produkt (CDU) ab und der Hersteller (Merkel) reagiert darauf mit einer Millionenwerbekampagne (Info-Anzeigen der Bundesregierung in allen Zeitungen), um den Kunden (Wähler) wieder an das Produkt (CDU-Kreuzchen bei den Landtagswahlen im März 2011) zu binden und läßt sich die Kampagne vom Kunden (Urnenpöbel) bezahlen.

Anders als Berlusconi ist Merkel persönlich nicht Besitzerin von milliardenschweren Industriekonglomeraten, aber dafür besitzen eben diesen milliardenschweren Industriekonglomeraten sie. Daher setzt die Kanzlerin als treue Befehlsempfängerin das um, das ihr BILD, Atomlobby, Automobilindustrie und Pharmakonzerne diktieren.



Andere Medien kontrolliert sie sogar direkt.
Die Intendantenjobs sind mit CDU’lern besetzt, ihr Ex-Pressesprecher Wilhelm wird BR-Intendant, der nächste Pressesprecher Seibert war vorher Anchorman des ZDFs.
Jener Sender, in dem die CDU allzu kritisch fragende Journalisten wie Nikolaus Brender gegen Unions-freundliches Personal austauschen kann.


In den USA verquicken sich Wirtschaft und Politik und Justiz noch klarer.
Ein Anteilseigner einer Ölbohrfirma ist zufälligerweise auch der Richter, der Präsident Obamas Verbot im Golf von Mexico zu drillen, aufhebt.
Und wenn es mal mit den Mehrheiten nicht so klappt, wie gewünscht, sind die stets hilsbereiten von Papi ernannten Richter da, die das Ergebnis schon so zurecht biegen, wie es von den reichen Rechten gewünscht wurde (USA 2000).
Politische Kandidaturen gehen überhaupt nur dann, wenn man dreistellige Millionenbeträge zusammen gesammelt hat.

Laut Center for Responsive Politics gibt es mehr als 20 Kongresskandidaten, die bereits mehr als eine Million Dollar aus eigener Tasche ausgegeben haben. Die Invasion der Superreichen schaffe "wirkliche Probleme", warnt Politikprofessor Kelly. Die Millionäre müssten nicht durch die Ortsvereine ziehen und um Kleinspenden werben. Der Wahlkampf werde zur reinen Werbekampagne - zu Lasten der politischen Substanz.
(Peter Wütherich 25.10.10)

Es kommt regelmäßig vor, daß Milliardäre (in der Regel für die GOP) selbst kandidieren und ihr Vermögen dafür ausgeben.
Das kann Erfolg haben (Bloomberg), muß aber nicht (Whitman, Fiorino, Perot).
US-Politiker der ersten Garnitur sind oft mitsamt ihrer Familien Figuren des Showbiz (Ronald Reagan, Arnold Schwarzenegger, Fred Thompson) und /oder aktuelle TV- oder Radio-Größen.

Besonders in den USA waren die Grenzen zwischen Showbiz und Politik (oder sogar Religion) immer durchlässig. Die Ähnlichkeiten zwischen einer Varietévorstellung, einem Treffen der Evangelikalen und einem Parteitag stechen sofort ins Auge.
(Prof Ian Buruma für Project Syndicate, 2008.)

Da weiß der normale US’ler manchmal nicht mehr, ob er gerade eine politische Debatte, eine Werbesendung oder eine Realityshow ansieht.

Die omnipräsente Familie Palin, deren unterbelichtete Mutter sowohl eine eigene FOX-Show als auch eine Realityshow hat ($250.000 Gage pro Folge), setzt inzwischen ihren ganzen bizarr-benamten Clan zu Werbezwecken im TV ein.
Mutter Natur ködert ihre Wähler mit der Knarre.

So durfte die frühzeitig entjungferte Bristol Palin bei der TV-Show "Dancing With The Stars" zum Entsetzen der Juroren ihre Beine schwingen.
Die Jury wählte Sarahs Leibesfrucht raus.
Ohne Erfolg. Ein Zuschauervotum zwang sie zurück in die Show.

Einige Fernsehzuschauer glauben, hinter ihrem Erfolg steckten die Anhänger der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung, die Bristol wieder hineingewählt hätten. Deren Galionsfigur Sarah Palin rückt ihr Privatleben in einer eigenen Reality-Sendung in den Fokus der Öffentlichkeit und nährt damit Vermutungen, sie werde 2012 für das Weiße Haus kandidieren.
(SZ 18.11.10)

Not amused war TV-Zuschauer Steven Cowan, den dieser reale Polit-Irrsinn derart in Rage brachte, daß er zur Schrottflinte griff und auf die Bristol im Fernseher schoß.

Cowan, 67, and his wife were in the living room Monday night, watching the dance competition program that has featured the daughter of former vice presidential candidate Sarah Palin this season as one of the competitors. As Bristol Palin danced on the screen, Cowan raged. "The (expletive) politics," he yelled, according to the complaint. Cowan, a supervisor in the town of Vermont, Wis., was upset that a political figure's daughter was on the show when he didn't consider her a good dancer, his wife told authorities. Cowan went to his bedroom and came back about 20 minutes later, demanding that his wife find his pistols. Cowan's daughter had taken two handguns away for safety reasons, according to the complaint. Cowan had tracked down a single-shot shotgun in the house, he "slapped" shells down onto a TV tray, loaded a round and took out the TV, the complaint says. Cowan's face was bright red. He loaded the gun again. His wife put a blanket over her head, thinking that if her husband decided to shoot at her, she didn't want to see it. Cowan then demanded his pistols. His wife grabbed her purse and left the house and went to the local police department and the standoff ensued.
(SHARIF DURHAMS AND RYAN HAGGERTY 18.11.10)

Nun lacht ganz Amerika über Mr. Cowan.

Warum bloß?

Ich kann ihn verstehen und würde sehr gerne auch ab und an mit einer pumpgun in den TV schießen….wenn ich da nur an die Übertragung des CDU-Parteitags denke…..

Dienstag, 2. November 2010

Peinlichkeiten beiderseits des Atlantiks.

Vier Milliarden US-Dollar wurden in den US-Wahlkampf gepumpt.
Allein 140 Millionen Dollar aus ihrem Privatvermögen hat Meg Whitmann, die Milliardärin und Ex-Ebay-Chefin investiert um Chefin des vollkommen herunter gewirtschafteten Staates Kalifornien zu werden.
Der Medienhype hat das Land komplett hysterisiert.
Für den ernsthaften Austausch von Argumenten ist schon lange kein Platz mehr übrig.

Heute bekam ich noch eine Email mit dem Betreff:

The Eagle Has Been Replaced!


The skunk has replaced the Eagle as the new symbol of the American Presidency.
It is half black, half white, and everything it does stinks!
Go green - recycle Congress in 2010!

Es ist müßig die Highlights des Irrsinns der Republikaner aufzuzählen.
Man würde nie fertig werden.

Als Europäer ist man immer wieder verblüfft, daß OFFENSICHTLICH geisteskranke wie Christine O’Donnell, Sarah Palin, Rebecca Kleefisch oder Joe Miller* in Alaska nicht wie es sich gehört in Gummizellen gesteckt werden, deren Schlüssel man wegwirft.

*(Writing for the Alaska blog The Mudflats, Shannyn Moore reports that Miller pointed to communist East Germany as his inspiration on immigration policy: “When asked about illegal immigration, Miller offered up: Build a wall! ‘If the East Germans could do it, so can we!’”)

Nein, sie sind immer noch Kandidaten und wenn kein Wunder passiert, werden die irren GOPer heute durchmarschieren.
Möglich ist das, weil große Teile der Amerikaner vollkommen verblödet sind; schlimmer noch, sie sind nicht einfach doof, sondern Bildungs- und Intellektuellen-feindlich.
Menschen, die Bücher lesen oder Universitäten besuchen, flößen Skepsis ein gelten als unamerikansich.
Aus diesem Sumpf erblühen die vollkommen destruktiven Kräfte der amerikanischen Politik, die es immer wieder vermögen die ganze Welt in Mitleidenschaft zu ziehen.

Häme ist allerdings nicht angebracht.
Viel besser steht es nicht um Europa.

Oder wie konnte es möglich sein, daß Länder, deren Einwohner über einen höheren IQ als Wattwürmer verfügen, Politiker wie Lech Kaczynski, Viktor Orbán, Jörg Haider, Gert Wilders, Guido Westerwelle, Sarkozy oder gar Berlusconi in die Regierung wählen?

Der Italienische König der Korruption und Peinlichkeiten wurde sogar immer wieder gewählt.
Der kriminelle Hurenbock und Milliardär aus Mailand ist eine so zuverlässige Quelle der Beschämung, daß er zuverlässig ganz Italien zur Lachnummer werden läßt.
30.000 Euro zahlte der ephebophile Sexprotz für die Dienste der 17-Jährigen „Bauchtänzerin“ Ruby Rubacuori.


Dreimal soll Ruby der "Repubblica" zufolge in Berlusconis Villa San Martino im lombardischen Arcore zu Besuch gewesen sein, außerdem wertvollen Schmuck, Designermode, ein Auto und Uhren mit der Aufschrift "Gut, dass es Silvio gibt" von ihrem Gönner geschenkt bekommen haben. Nein, sie habe keinen Sex mit dem Premier gehabt, betonte die Minderjährige. Aber sie habe einen tiefen Einblick in das Leben der Schönen und Reichen bekommen, der Escort-Damen und Politiker, die dort ein- und ausgingen.
(Spon 31.10.10)

Daß die Orgie am Berlusconi-Hof die katholische Öffentlichkeit irritiert, irritiert den Regenten.

Minderjährige Frauen zu besabbern, sei doch ganz normal.
Es gäbe schließlich weit schlimmeres!

Berlusconi rechtfertigte nun sein Vorgehen, schließlich hätte er sich geschämt, nicht so gehandelt zu haben - so sei er eben: "Schon immer arbeite ich wie ein Besessener, und wenn es mir manchmal passiert, das Gesicht eines schönes Mädchens zu sehen, sage ich: Es ist doch besser, schöne Mädchen zu mögen als schwul zu sein." Letzte Äußerung hat für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Der Vorsitzende der Homosexuellenorganisation "Arcigay", Paolo Patanè, forderte eine öffentliche Entschuldigung: "Das sind so billige und vulgäre Worte, die können einen nur abstoßen." Patanè sieht in den Aussagen Berlusconis eine kulturell zurückgebliebene Machohaltung. "Sie beleidigen nicht nur die Homosexuellen in diesem Land, sie beleidigen auch die Frauen, die durch diese Sätze wieder mal als Objekte präsentiert werden."
(TS 02.11.10)

Dienstag, 3. November 2009

Brüsseler Spitzen

„Scheiß-EU-Bürokraten“ - den Spruch hat jeder schon mal gehört und nur zu gerne stimmt man in das Klagelied über das alles regulierende Europa zu, welches uns alle Freiheiten nähme.

Zuletzt auch noch die Glühbirne.

In 25 EU-Ländern gingen darauf die Verkäufe der herkömmlichen Glimmbirnen zurück - alle wollen in Erwartung der neuen Richtlinie lieber die energiesparenden moderneren Leuchtmittel haben.
Bis auf Deutschland (und Österreich).
In den Landen Kohls und Merkels schätzt man Veränderungen gar nicht, das Moderne ist der Feind und die Glühbirnen sollen gefälligst so bleiben wie bei Großmutter.
Scheiß EU also.
Daß „die EU“ die Glühbirnenregelung hauptsächlich auf Betreiben der deutschen Regierung erließ, wird dabei komplett ausgeblendet.

Erstaunlich, aber wahr - „die EU-Beamten“ werden nicht etwa vom Mars nach Brüssel gebeamt, sondern stammen aus den Mitgliedsstaaten und der Bevölkerungszahl entsprechend die allermeisten aus Deutschland.
Der Fisch stinkt dabei vom Kopfe her.

Hierzulande schickt man nicht etwa die besten Köpfe nach Europa, sondern faule Lügenbolde, wie Silvana Koch-Mehrin, die sich dazu berufen fühlt im primitiven Tittenblatt „Praline“ zu schreiben.

Jüngstes Entsorgungsbeispiel ist Deutschlands zweitpeinlichster MP Oettinger, der politisch stümpernd und mit einer persönlichen Beliebtheit wie Fußfäule, dringend aus dem Weg geschafft werden mußte.

Rainer Nübel fasst die causa wie folgt zusammen:
Absturz auf 34,4 Prozent bei der Bundestagswahl, und das im CDU-Stammland Südwest, Oettingers eigene Umfragewerte unterirdisch schlecht, das Porsche-Desaster, sein Mehrwertsteuervorstoß vor der Wahl, weitere Störfeuer, traumwandlerisch sicher gegen die Merkel-Linie, und - ja, natürlich - der unvergessene und unvergessliche Fehltritt im Frühjahr 2007, als er den ehemaligen NS-Marinerichter Hans Filbinger posthum zum Widerstandskämpfer erklärte: Die Giftliste war lang geworden. Zu lang, eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl. Wie aber in aller Welt, rätselten die schwarzen Granden in Stuttgart, sollte das "Problem" Oettinger denn gelöst werden, ohne Brutus-Stoß, ohne bleibenden Schaden fürs Ländle? Dann sprach sie, Dea ex Machina, in Berlin das erlösende Machtwort: Der Günther geht nach Brüssel. Dort würde er sicherlich auch vom Parlament (zähneknirschend) akzeptiert: Unwahrscheinlich, dass Mitglieder des EU-Parlaments vor seiner Anhörung bei Porsche-Leuten ein Empfehlungsschreiben anfordern werden. Die sind bei der Frage, wie effizient und präsent der Ministerpräsident im Machtpoker mit VW und Christian Wulff gewesen sei, in 4,7 Sekunden von null auf hundert. Und weg. Oettinger hat halt andere Stärken. Zum Beispiel kann er, und nur er, ad hoc und freihändig den Schraubenbestand oder die durchschnittliche Toilettenfehlzeit von Arbeitnehmern beim 12-Mann-Handwerksbetrieb Häberle & Pfleiderer herbeten. Eine Kernkompetenz.

Die gute Nachricht ist, daß andere Länder es Deutschland nicht nachtun, indem sie ihre unfähigsten Leute nach Europa schicken, sondern gerne auch mal Menschen mit Kompetenz und Rückgrat entsenden.
Beispiel Straßburg.
Dort wurde heute unter der Leitung der belgischen Richterin Françoise Tulkens am Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ein Urteil gesprochen, das Italien in Wallungen versetzt und den Vatikan deprimiert.

Die Klägerin Soile Lautsi, eine 1957 geborene Mutter von zwei Kindern, wollte die Kruzifixe aus den Schulklassen ihrer Kinder entfernen lassen und scheiterte damit in allen italienischen Instanzen.
Obwohl auch in Italien Kirche und Staat laut Verfassung getrennt sind, richtet man sich im Lande Berlusconis dennoch stets nach den Vorschriften des Vatikans.
Und wenn dann dabei so eine Petitesse, wie die eigene Verfassung im Wege steht, beugen italienische Gerichte eben die Rechtslage soweit, bis Ratzi zufrieden ist.
So beschied das zuständige Verwaltungsgericht Frau Lautsi, dass das Kreuz in öffentlichen Schulen nicht als religiöses Symbol anzusehen sei, sondern als Symbol der italienischen Geschichte, Kultur und Identität. Damit sei es auch ein Symbol der Prinzipien von Gleichheit, Freiheit und Toleranz sowie der Trennung von Kirche und Staat.

Bei der Begründung verknoten sich mir die Synapsen.

Ähnlich muß auch unsere italienische Klägerin empfunden haben und kämpfte sich bis zum EGMR durch, der ihr jetzt RECHT gab - das Urteil fiel zudem einstimmig.

Ihre Kinder dürfen nicht zwangsweise mit dem Lattenhansel molestiert werden; dies ließe sich aus der Menschenrechtskonvention folgern, die auch Italien unterschrieben hat.
Zudem stehe ihr eine Schadensersatzsumme von € 5.000, die der italienische Staat zu zahlen habe.
Die Schüler, die gezwungenermaßen die Schule besuchen, müssten vor staatlichen Glaubensbekundungen geschützt werden, so die Richter. Vielmehr sei der Staat nach der Konvention im Bereich der öffentlichen Erziehung zu Neutralität und Pluralismus verpflichtet. Das Kreuz als Symbol der katholischen Mehrheitsreligion könne kaum zugleich ein Zeichen des Pluralismus sein.

Italienische Politiker toben.
Das Land, das sich permanent selbst mit der Wahl Berlusconis zum Regierungschef demütigt, ist in Aufruhr.
Die SZ berichtet:
Mit solchen Entscheidungen entferne sich Europa von den Vorstellungen seiner Gründerväter und nähere sich "unausweichlich dem politischen Scheitern", meinte Kulturminister Sandro Bondi. Arbeitsminister Maurizio Sacconi sprach von einem schweren Schlag gegen die europäische Lebensgemeinschaft, "die nicht bedeuten kann, die Wurzeln unserer Herkunft zu tilgen".

Mein Kommentar dazu:

Ätschibätschi Italien, gut gemacht EGMR.

04.11.2009
Auch hier ein kleiner Nachtrag:

Die Hardcore-Katholen formulieren den Sachverhalt folgendermaßen:

Frau Lautsi ist Mitglied des antikirchlichen italienischen Gottlosen-Vereins ‘Unione degli Atei e degli Agnostici Razionalisti’.
...Der umstrittene Verein unterstützt neben der Gottlosigkeit die Kinderabschlachtung, die Homo-Perversion und das Evolutions-Märchen.Er benützte Frau Lautsi als Strohmann. Ihre verschiedenen Prozesse wurden von den Gottlosen koordiniert und praktisch durchgeführt
.

Dienstag, 14. Juli 2009

Immer mit der Ruhe

Einige Eigentümlichkeiten der deutschen Parteipolitik sind für mich auch nach Jahrzehnten immer noch schwer zu verstehen.

Die üblicherweise nicht eben an Schüchternheit leidenden Politakteure zeichnen sich durch einen erstaunlich zimperlichen Umgang mit dem Wort „Lüge“ aus.

Das wird kaum einmal beherzt in den Mund genommen.
Wenn es allzu offensichtlich ist, daß gerade das Blaue vom Himmel herunter gelogen wird, befleißigt sich der opponierende Politiker des Begriffs „die Unwahrheit sagen“.
Falls der jeweilige Redner sehr in Rage ist, fügt er nachdrücklich ein „wissentlich“ ein - so als ob es nur eine lässliche Sünde wäre „unwissentlich die Unwahrheit zu sagen“; vulgo „vor sich hin lügen, weil man keine Ahnung hat“.

Diese sonderbare Selbstbescheidung mit dem Wort „Lüge“ ist umso erstaunlicher, als es sich bei Lügnern in der Politik um ein weit verbreitetes Phänomen handelt.

Den Wähler stören lügende Politiker ohnehin nicht - einige der dreistesten Lügner sind bis heute die populärsten Polit-Gestalten.

Helmut Kohl beispielsweise wurde das erste mal klipp und klar 1984 einer glatten Lüge überführt - als er im Parteispenden-Untersuchungsausschuss über die 25 Millionen DM, die über Flicks „Staatsbürgerliche Vereinigung“ an die Parteien flossen log, daß sich die Balken bogen.
Heiner Geißler, der damals allmächtige CDU-Generalsekretär erklärte das offensichtliche Lügen des Kanzlers mit dem berühmten „Blackout“ Kohls.

Dennoch wurde dieser pathologische Lügner 16 Jahre immer wieder zum Kanzler gewählt - obwohl er fortan offensichtlich noch dreister und unverschämter gegen das Parteispendengesetz verstieß und das Schwarzgeld kofferweise illegal umher schob.

Ein anderer pathologischer Lügner war Franz-Joseph Strauß, der nicht nur perfide schmierte und schummelte, sondern auch noch nebenbei zu einem steinreichen Mann wurde.
Millionen Schmiergelder flossen auf seine privaten Konten im Gegenzug für politische Einflussnahme beispielsweise auf die Starfighter-Anschaffung.

FJS ist bis heute eine in Bayern angebetete Ikone, der bis zu seinem Tod mit absoluten Regierungsmehrheiten verwöhnt wurde.

Sein ewiger Widersacher hingegen, Bundeskanzler Helmut Schmidt, der dadurch aus dem Rahmen fiel, daß er tatsächlich ein ehrlicher und wahrhaftiger Mann ist, der auch Unbequemstes stets ausspricht, wurde 1982 gestürzt.

Man kann also schwerlich behaupten, daß der Wähler empfindlich auf Lügner reagierte.

Es ließen sich viele weitere Beispiele nennen - Old Schwurhand Friedrich Zimmermann, Silvana Koch-Mehrin, oder der Mann, der die Lüge in eine neue Höhe der Perfidie gehoben hat - Roland Koch, dem in Zuge der CDU-Mega-Lüge von den „jüdischen Vermächtnissen“ ein Dutzend klare Falschaussagen nachgewiesen werden konnten.
Der Mann wird aber auch andauernd wiedergewählt und ist nach über 10 Jahren immer noch im Amt.

Etwas unredlich ist es von empörungspotenten Journalisten Absichtserklärungen und Prognosen von Politikern bei Nichteintreffen a posteriori als „Lügen“ zu bezeichnen; so wie Schröders berühmtes Versprechen die Arbeitslosigkeit auf unter 3,5 Mio zu senken (was er übrigens FAST erreichte).
Gut, das hat nie geklappt, aber erstens sind die „Entschuldigungen“ nicht so weit hergeholt - tatsächlich waren Kriege, Ölpreisexplosion und New-Economy-Zusammenbruch außerordentliche Probleme - und zweitens ist es ohnehin hochgradig albern Zielvorgaben wörtlich zu nehmen.

In dem Zusammenhang fällt mir ein schönes Video aus der letzten Extra-Drei-Sendung über die nie eingehaltenen G8-Gipfel-Zusagen ein.
Jaja, es stimmt schon, daß die acht Wichtigtuer jedesmal großspurig ihre Absichten zum Schuldenabbau, Entwicklungshilfe, Klimaschutz sich selbst gratulierend und breit grinsend verkünden, ohne daß Taten folgen.

Aber wer diese unverbindlichen Absichten der Großkasper überhaupt ernst nimmt, ist doch als Journalist nicht mehr tragbar.
Merkel, Berlusconi, Bush (auch so ein HUNDERTFACH der Lüge überführter und dennoch wiedergewählter Politiker), Blair und Co würde ich noch nicht mal glauben, wenn sie mir erzählten, daß am Abend die Sonne untergeht.

Augenblicklich herrscht in Hamburg mal wieder düstere Stimmung.

Der SPD-Oppositionschef Neumann bezichtigt Ole von Beust und Finanzsenator Freytag „der Lüge“.
Die Morgenpost findet, dadurch sei das politische Klima vergiftet:

Das Millionen-Geschenk an den Chef der maroden HSH-Nordbank, Jens Dirk Nonnenmacher, vergiftet das politische Klima in der Stadt: Oppositionschef Michael Neumann (SPD) bezichtigt Bürgermeister Ole von Beust und Finanzsenator Michael Freytag (beide CDU) offen der Lüge. Trotz eines Beschlusses der Bürgerschaft, Vorstandsgehälter auf 500000 Euro im Jahr zu begrenzen, hat Nonnenmacher eine Abfindung für eine Änderungskündigung in Höhe von 2,9 Millionen Euro erhalten (MOPO berichtete). In einem Brief an die Bürgerschaft hatte von Beust erklärt, auch die SPD in Schleswig-Holstein habe der Zahlung zugestimmt - was diese vehement bestreitet!

Es ist schon richtig - hier geht es nicht um eine mindere Lüge in Form von Mangelinformationen, Unwissen, wolkigen Absichten, sondern um eine knallharte perfide Lüge der beiden CDU-Größen, aber so what?

Das sind wir doch insbesondere von Beust von Anfang an gewöhnt.


Der Mann ist eben auch ein pathologischer Lügner.

Gleich im Jahre 2001 ging es damit los, daß das volltönende CDU- und FDP-Wahlversprechen 1000 zusätzliche Lehrer einzustellen, so umgesetzt wurde, daß stattdessen 848 Lehrer entlassen und ein Dutzend Schulen geschlossen wurden.

Seitdem gab es noch zwei Bürgerschaftswahlen und Beust wurde immer wieder Bürgermeister.

Auch hier sieht man, daß die Wähler Lügner offenbar sogar sehr schätzen.

Insofern ist es auch nicht zu verstehen, daß sich das CDU-Hofberichterstattungsorgan „Hamburger Abendblatt“ um Michael Freytag sorgt:

Den Vorwurf, er habe in der Affäre um den Millionenbonus gelogen, weist Michael Freytag zurück. Doch es bleibt der schlechte Eindruck….Derzeit muss der Christdemokrat besonders häufig den Frust, den ihm sein Beruf bereitet, mit sich im stillen Kämmerlein abmachen. Stinksauer war Freytag zum Beispiel am Wochenende: Er war es, der - wieder einmal - öffentlich die Prügel dafür bezog, dass HSH-Nordbank-Vorstandschef Jens Nonnenmacher Sonderzahlungen in Höhe von 2,9 Millionen Euro kassieren soll. Freytag musste sich sogar den Vorwurf einer "dreisten Lüge" anhören, weil er im Haushaltsausschuss die Sonderzahlung verschwiegen hatte, als es um die Begrenzung von Nonnenmachers Gehalt auf 500 000 Euro ging. Der Christdemokrat empfindet solche Vorhaltungen als tiefes Unrecht. Und im Gegensatz zu früher zeigt er das inzwischen mitunter auch. "Ich fühle mich als Prügelknabe", sagte er schon im März im Abendblatt-Interview.

Die CDU-Claqueure vom Springer-Blatt nennen den Vorwurf an Freytag „ungerecht“.

„Dass er die HSH Nordbank noch im Herbst als "im Kern gesund" bezeichnete, wird ihm sogar innerparteilich als Schönreden angelastet. Und für den Satz "Es macht keinen Sinn, den Feuerwehrmann bei der Arbeit zu erschießen" als Replik auf sein HSH-Krisenmanagement erntete er im November nur Kopfschütteln. Die Heckenschützen waren da noch gar nicht in Position, es gab nicht mal eine Rücktrittsforderung. Die ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Als der Finanzsenator im Februar vor Haushaltspolitikern aus Hamburg und Kiel tönte, heute komme "alles auf den Tisch", aber die geplante 200-Millionen-Ausschüttung an stille Einleger nicht erwähnte, waren selbst Parteifreunde sprachlos. Freytag muss erleben, wie erbarmungslos das Gesetz der negativen Serie zuschlagen kann. Ob Bonuszahlungen für Manager, die Motoryacht, die Gemäldesammlung oder Kredite an Aufsichtsräte - jedes Mal, wenn der Name HSH fällt, setzt es Prügel für den Finanzsenator, und jedes Mal betont dieser, er sei doch nur eines von 20 Aufsichtsratsmitgliedern der Bank. Dass er sich nun als Kontrolleur zurückgezogen hat, ist auch ein Stück weit Selbstschutz.“


Der Arme! Mir kommen die Tränen.
Also, Ihr Jungs vom Abendblatt - Ihr habt das noch nicht recht durchschaut.

Mäkelt nicht an Freytag rum und zählt all seine Fehlleistungen und Tolldreistheiten auf.

Er ist ganz einfach nur erstens komplett unfähig und zweitens ein gewohnheitsmäßiger Lügner - das sind doch aber beides wirklich keine Dinge, die man ihm vorwerfen kann!

In der CDU jedenfalls sind das nicht im geringsten Karrierehindernisse und dem Wähler gefällt es auch!

Montag, 15. Juni 2009

Leserservice

Nur der Vollständigkeit halber, werde ich nach meiner grundlegenden Analyse der EU-Wahl noch ein paar Ergebnisse nachtragen, die sich auf meine Postings in den letzten Wochen beziehen.

1.) Ungarn.

Wie ich es schon am 10. und 11. Mai prognostizierte, ist Ungarn tatsächlich scharf nach rechts gerückt.
Die rechte FIDESZ kam auf 53,4% der Stimmen und erreichte damit neben der liberalen MLP in Malta (54,8%) das höchste Ergebnis aller Parteien von allen Ländern der EU.
Fidesz gewann damit 14 der 22 ungarischen EU-Sitze.
Es wird aber noch schlimmer, da die faschistoide, paramilitärische, antisemitische und rassistische JOBBIK zusätzlich noch 14,8 % bekam und damit drei Sitze errang.
Das sind zusammen also gewaltige 68,2 für die Ultrarechten!
Sie schicken 17 von 22 ungarischen Abgeordneten nach Brüssel - 77%!!!!!!
Ob sich die knapp 64% der wahlberechtigten Ungarn, die nicht abstimmten jetzt schämen?

2.) Italien.

Geht es noch peinlicher als Berlusconi? -fragt sich der Rest Europas und reibt sich die Augen. Mal abgesehen von den altbekannten Dutzenden Strafverfahren, Korruption und Rechtsbeugung, fiel der König der Blamagen in jüngster Zeit mit seinen Pimmel-Bildern, der gehörnten Ehefrau und 18-Jährigen Tittengirls als Kandidatinnen seiner Privatpartei auf.
Geschadet hat es nicht - nach 32,5 % im Jahr 2004 erreichte seine Popolo del. Liberta (Volk der Freiheit) nun 35,3 %. Die guten Katholiken verzeihen offenbar alles.
Zudem verdoppelte sich die fremdenfeindliche Lega Nord auf 10,2 %. An der Wahlbeteiligung kann es nicht gelegen habe - sie war doppelt so hoch wie in Ungarn

3.) Spanien.

Mein erklärte Lieblingsregierungschef der EU - Zapatero - mußte Federn lassen und kam nur noch auf 38,5 % (-5) Erstmals seit neun Jahren jubelte die konservative PP; die den regierenden Sozialisten (PSOE) eine halbe Million Stimmen abnahm und auf 42,2 % (+1) kam.

4.) Polen.

Ausgerechnet das Land der bizarren Zwillingskartoffeln lieferte einen Lichtblick. Dort konnte die EU-freundliche Bürgerplattform entgegen des europäischen Trends um sagenhafte 20 Prozentpunkte auf 44,4 5 zulegen.

5.) Irland.

Die seit immer und ewig regiereden konservativ-katholische Fianna Fáil war durch den Kommissionsbericht über die Zustände in den katholischen Kinderheimen schwer unter Beschuss geraten, da sie es war, die mit den pädophilen Klerikern kungelte.
Trotz dieses Megaskandals mußte sie gerade mal 5 Prozentpunkte abgeben und kam auf 24,1 %. Das ist immerhin ein ungewohnter zweiter Platz hinter der ebenfalls konservativen zur EVP gehörenden Fine Gael, die sich auf 29,1 % verbesserte.

6.) Thüringen.

Der wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Ministerpräsident, der sich statt seine Schuld anzuerkennen in der BILD beweinen läßt und einfach gar nicht mehr regiert, kam ebenfalls mit einem blauen Auge davon.
Die CDU wurde in Thüringen mit 31.1 % doppelt so stark, wie die oppositionelle SPD (15,7 %), die dort immerhin einen sehr vorzeigbaren Spitzenkandidaten für die bevorstehende Landtagswahl (30. August) zu bieten hat.
Der Creationisten-freundliche Hardcore-Katholik Althaus kam bei der gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahl auf sogar noch etwas höhere Werte - 33,4.
Wenigstens sieht es nicht so aus, als ob der Ski-Killer seine absolute Mehrheit verteidigen kann.

7.) Bizarres auch aus Bayern.

Die CSU hatte mit Seehofer und zu Guttenberg plakatiert - zwei Politiker, die beide NICHT für die EU-Wahl kandidieren und zudem diametral entgegen gesetzte Meinungen vertreten.
Seehofer ist neben Rüttgers der zweite Arbeiterführer der Union - Staatsknete verspricht er allen und jeden. Auch für Arcandor will er den Steuerzahler bluten lassen.
Die arme arme Frau Schickedanz - sie soll ja nur noch einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag auf dem Konto haben - wohnt schließlich in Fürth.
Sein Kollege Guttenberg vertritt genau die gegenteilige Linie und macht sich als Vertreter der reinen Lehre, der gegen Hilfen für Opel, Arcandor und Co argumentiert, einen Namen.
Wer tatsächlich für die CSU ins EU-Parlament gehen sollte, wurde lieber verschämt verschwiegen - das sind nämlich ausrangierte hochkorrupte über ihre erpresserischen Methoden gestolperte Gestalten wie Monika Hohlmeiner und der adipöse Steinbach-Epigone Bernd Posselt.
Die Bayern fanden es OK und ballerten der Gaga-CSU 48,1 rein, die damit VIER MAL so stark wie die zweitplatzierte SPD (12,9%) ist - auch die Grünen sanken leicht auf 11,5 %

Zusammenfassend kann man sagen, daß die von mir diagnostizierte totale Verdummung der Wähler in den Fällen USA, Italien und Deutschland offenbar noch in anderen Ländern ausgebrochen ist.

Freitag, 10. April 2009

What a way to spend easter

Ostern ist der höchste Feiertag der Christen - nicht etwa Weihnachten, wenn auch die Geschenke dann größer ausfallen.

Das liegt daran, daß der Tod Jesu - damit nahm er die Sünden der Menschheit auf sich - und seine Auferstehung - damit bewies er die Überwindung des Todes - schon irgendwie ungewöhnlicher ist, als eine Geburtstagsfeier.

Klar, daß Papa Ratzi jetzt Großkampftag hat - immerhin sind 1,2 Milliarden Katholen in Jubelstimmung.
Der Ex-Panzergeneral ist so in action, daß er zum Beispiel den italienischen Erdbebenopfern erst in vier Tagen betend zur Hilfe stehen kann - jetzt hat er keine Zeit.

Papst Benedikt XVI. will den Opfern "sobald wie möglich" Trost spenden - aber erst nach Ostern. Berichte über einen Papst-Besuch am Karfreitag wurden vom Vatikan dementiert. Er werde den unter nächtlicher Kälte, Wassermangel und Stromausfall leidenden Menschen in den Abruzzen erst später Trost zusprechen.

Klar, allein das Ankleiden der golddurchwirkten Prunkgewänder in 12 Lagen übereinander kostet schon Stunden. Derart aufgebrezelt läßt es sich auch so schlecht in einer Zeltstadt spazieren - auch wenn das laut Berlusconi eigentlich ein echter Spaß ist - er riet den Myriaden Landleuten, die alles verloren haben, ihr Schicksal als „Camping-Urlaub“ anzusehen.

Natürlich sei das "absolut provisorisch", sagte er dem Fernsehsender n-tv bei einem Besuch in einer der Sammelstellen nach dem Abruzzen-Erdbeben, "aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende." Es fehle an nichts, es gebe Medikamente, warmes Essen und Decken für nachts.

Aber ein Papst geht nicht campen und stolziert in seinen Gold-Kleidern dann doch lieber im Vatikan umher - die Queen würde in ihrer Parlamentseröffnungs-Robe mit den Kronjuwelen auf der Birne ja auch nicht in einen Pferdestall latschen.

Und Ostern ist nun mal JETZT - da müssen Diejenigen, die durch das Erdbeben alles verloren haben, eben etwas warten!
Die sollen sich mal nicht so anstellen - bei anderen, Galileo, etc, hat es mehrere Jahrhunderte gedauert, bis ein Papst dazu was Sinniges sagen konnte.

Wieso der Jahrestag des höchsten christlichen Festes ein beweglicher Tag ist, also frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fällt, mag zwar dem gemeinen Atheisten etwas seltsam vorkommen - aber das muß man eben GLAUBEN.
Immerhin mal eine praktisch anwendbare kirchliche Erfindung.

Ich bin dafür, daß wir andere Tage auch beweglich feiern - angefangen beim eigenen Geburtstag - schließlich passt es einem doch nicht immer am gleichen Tag.
Kommt ja auch mal was dazwischen.

Vielleicht wird dieser terminliche Wirrwarr auch nur deshalb angefangen, um von der eigentlichen Paradoxie abzulenken.
Daß Jesus, obwohl gerade noch tot, dann wieder die Äugelein öffnete, aus dem Grab spazierte, hat nämlich keiner gesehen.
Im Gegensatz zu anderen biblischen Gegebenheiten, wie seine Kreuzigung, die auch von nichtchristlichen Quellen beschrieben wurde.

Die Bibel hilft da auch nicht so wirklich weiter - das früheste Evangelium wurde von Markus 70 Jahre n. Chr. in Rom geschrieben.
90 Jahre n. Chr. wurde in Syrien das Matthäusevangelium verfasst und noch später wieder in Rom das Lukasevangelium.
Erst im Jahr 110 n. Chr entstand in Kleinasien das Johannesevangelium.
Es kann also nicht um Augenzeugen handeln - noch nicht mal Zeitzeugen.

Ich meine, ich war ja auch nicht dabei (obwohl ich mich echt schon sehr alt fühle), aber ich nehme doch mal an, daß Joe, Luke und Co kein Videomaterial, Internetdateien oder Photos zur Verfügung hatten.

Viel eigenartiger ist aber, daß sich die vier Phantasten nach all der Zeit keine in sich stimmigere Story ausgedacht haben - denn beides geht ja nun nicht:
Gott sein und gleichzeitig den eigenen Tod über Jahrtausende als ungeheuer altruistische Tat auszugeben, mit der die Sünden der Menschheit auf sich genommen wurden.

Das eine schließt das andere aus!!
Wenn man der Sohn von Gott ist und ohnehin flugs wieder aufersteht, sobald man den Löffel abgegeben hat, ist das eigene Sterben ja nun nicht so eine große Sache - da wird in jeder Kinderkrebsstation mehr gelitten.

Die Alternative, daß Jesus gar nicht der Sohn Gottes war, wird allerdings dem heutigen Christentum nicht ganz gerecht.

Vielleicht ist diese Paradoxie aber deswegen notwendig, um vom Charakter des Vaters von Jesus abzulenken.
Das ist schließlich auch nicht die feine englische Art; da stümpert er bei seiner eigenen Schöpfung, so daß haufenweise Tod, Sünde, Krieg und Unglück entstehen und dann steht er nicht zur seiner Verantwortung und läßt seinen Sohn die Suppe auslöffen.

Noch viel erstaunlicher:
Sünde durch weitere Qualen und Tod zu vergelten wird hier als Königsweg propagiert! Ein Gott, der zusieht, wie sein eigener Sohn dahin gemetzelt wird, soll so ein gutes Herz haben?

Benedikt, denk' doch noch mal genauer darüber nach - wenn Du mal wieder Zeit hast, nach Ostern und nach dem Erdbebengebet.

Aber vielleicht BEVOR Du wieder den nächsten Antisemitenklopfer vom Stapel läßt!

Dienstag, 13. Januar 2009

Klerikalfaschismus (ital.: clerofascismo)

Pio Nono, der überzeugte Antisemit, war der am längsten regierende Papst aller Zeiten.
Von 1846 bis 1878 saß er auf dem Thron und verkündete die bedeutenden Dogmen von der unbefleckten Empfängnis und - noch wichtiger für seine Nachfolger - das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes.
Daß der 1792 geborene Grafensohn Giovanni Maria Mastai-Ferretti Juden hasste und verfolgte, störte seinen Nachnachnachfolger Woytila gar nicht - zu wichtig war das Nono-Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit und so sprach JP-II ihn 2000 selig.



Das Wort „clerofascismo” hörte ich vor noch gar nicht allzu langer Zeit das erste mal auf den Ist-Zustand angewendet.
Luca Ragazzi sprach es aus in der Dokumentation "Suddenly, Last Winter" über die vatikanische homophobe Hetze gegen einen Gesetzesvorschlag, der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mehr Rechte einräumen sollte.
Diesbezüglich ist Italien nämlich eine westeuropäische Singularität - hier wird noch nach Herzenslust verdammt und diffamiert.Schutz vom Staat - Fehlanzeige.

Aber Klerikalfaschismus?

Italien ist in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall in Westeuropa.
Dort gibt es einen hochkorrupten Multimilliardär, der ständig als Ministerpräsident wieder gewählt wird, die Duce-Enkelin Alessandra Mussolini, die EP-Abgeordnete ist und in Straßburg vom deutschen NPD-Chef umgarnt wird.
Ihr ehemaliger neofaschistischer Parteichef Gianfranco Fini ist allerdings nicht etwa politischer Paria in Italien, sondern Parlamentspräsident, nachdem er 2004-2006 Außenminister war.

Ja, nett haben sie es da - an Berlusconis Regierung ist außerdem noch Umberto Bossi rechtsradikale Lega Nord beteiligt.

In Rom gibt es bekanntlich noch eine zweite Regierung, die vom Kardinalstaatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone gelitten wird.
Über ihm gibt es nur noch Ratzi und Gott - was ungefähr dasselbe ist.
Der Deutsche Joseph Ratzinger mischt sich gerne in italienische Innenpolitik ein, hält programmatische Reden und gibt klare Wahlempfehlungen.

Er mochte nämlich die italienische Regierung gar nicht - DIE VORGÄNGERREGIERUNG! Liberale und dann auch noch womöglich Homotolerante - Igittpfuibäh!
Aber mit Gottes Hilfe gibt es seit April 2008 nun die Regierung Berlusconi-IV, die Rechtsradikalen und Faschisten sind wieder in ihren Ämtern, die Korruption blüht wieder, etwaige Gay-freundliche Gesetzesinitiativen sind wieder vom Tisch.

Klappe zu, Ratzinger, der Unfehlbare, ist zufrieden.

Daß er zufrieden ist, hängt mit einem anderen Unfehlbaren zusammen - dem seligen Pio Nono!

Er wußte nicht nur was richtig ist - päpstliche Unfehlbarkeit und biologische Jungfrauengeburt - nein, er wußte insbesondere auch was falsch ist!

Auch dies für immerdar gültig - unbezweifelbar.

Sein Syllabus Errorum ("Verzeichnis der Irrtümer") von 1864 zählt klar wie Kleister auf, was durch und durch verderbt, übel und abartig ist:
80 Thesen aus den teuflischen Bereichen
Sozialismus, Liberalismus, Rationalismus, Naturalismus oder liberale Kleriker-Vereine kommen da zusammen.
Eine ist perfider und schlimmer als die nächste - nur unter Abscheu und Verachtung zitiere ich einige dieser verwerflichen Abwegigkeiten:

5. Die göttliche Offenbarung ist unvollkommen und daher einem stetigen und unbegrenzten Fortschritt unterworfen, der dem Fortschritt der menschlichen Vernunft entspricht

7. Die in der Heiligen Schrift dargelegten und erzählten Prophezeiungen und Wunder sind Erfindungen von Dichtern.

12. Die Dekrete des Apostolischen Stuhles und der Römischen Kongregationen behindern den freien Fortschritt der Wissenschaft

15. Jedem Menschen steht es frei, eine Religion anzunehmen und zu bekennen, die er im Lichte der Vernunft als die wahre Religion erachtet

23. Römische Päpste und Allgemeine Konzile haben die Grenzen ihrer Befugnis überschritten, sich Rechte der oberen Staatsgewalt angemaßt und sich in der genauen Festsetzung von Glaubens- und Sittenlehren geirrt

37. Es können staatliche Kirchen errichtet werden, die der Autorität des Römischen Papstes entzogen und völlig von ihr getrennt sind

55. Die Kirche ist vom Staat und der Staat von der Kirche zu trennen

57. Die Philosophie und die Sittenlehre, ebenso die bürgerlichen Gesetze, können und sollen von der göttlichen und kirchlichen Lehre abweichen

73. Durch einen rein weltlichen Vertrag kann unter Christen eine wahre Ehe zustande kommen.

74. Ehesachen und Trauungen gehören ihrem Wesen nach vor das weltliche Gericht

77. In unserer Zeit ist es nicht mehr denkbar, daß die katholische Religion als einzige Staatsreligion anerkannt und alle anderen Arten der Gottesverehrung ausgeschlossen werden.

Was für perfide Ungeheuerlichkeiten!

Und dann will in Italien eine SOZIALISTISCHE Regierung STAATLICHE eheähnliche Bündnisse zulassen?
Na, DAS ging natürlich nicht und so amalganisierte sich die Kurie flugs mit Neofaschisten, Faschisten und Lega Nord.
Ganz rechts außen fühlt sich der Kathole eben am wohlsten.

Hitler wurde nicht exkommuniziert, blieb bis zu seinem Ende Katholik.

Als Eichmann von israelischen Agenten in Südamerika aufgespürt wurde, protestierte der argentinische Kardinal und Leiter der Katholischen Aktion, Antonio Caggiano:

"Es ist unsere Christenpflicht, ihm zu verzeihen, was er getan hat."

6 Millionen Menschen umbringen ist also aus katholischer Sicht nicht nur theoretisch verzeihbar, sondern es ist sogar ChristenPFLICHT so eine Petitesse zu verzeihen.

Immerhin war Eichmann ja auch nicht schwul - dann läge der Fall natürlich anders und er müßte in der Hölle schmoren.

Die heilige Mutter Kirche ist doch wahrlich ein Ausbund der Moral!

Ebenso klar positioniert war auch die RKK in Argentinien.
Anders als in den anderen südamerikanischen Diktaturen, hatte sich die katholische Kirche in Argentinien ohne wenn und aber und zu 100 % auf die Seite der Diktatur gestellt und beteiligte sich ausdrücklich und lobend an der Folterung und Ermordung von Regimegegnern.
Nahm sich dennoch ein Priester der Armen und der Opfer an, wie im Falle des Bischofs Enrique Angelelli, wurde dieser kurzerhand von der Junta ermordet – so geschehen 1976.
Kein Problem für die Amtskirche in Argentinien – "linke" Bischöfe konnten die eh nicht brauchen und so sparte man sich auch Pensionszahlungen - bis heute ist ihnen nicht eingefallen auch nur mal anzusprechen die Umstände des Mordes an ihrem Mitbruder aufzuklären.
Nun ja, es wurde ja in den acht Jahren auch fleißig gemordet:
In der Kampagne der Militärregierung gegen ihre politischen Gegner wurden nach Angaben der Argentinischen Kommission für Menschenrechte nachweisbar etwa 2.300 Menschen ermordet und 10.000 verhaftet. Zwischen 20.000 und 30.000 Menschen, Desaparecidos genannt, verschwanden in dieser Zeit spurlos.
Begeisterter Mit-Mörder und Mit-Folterer war der Priester Christian Federico von Wernich, wegen der kürzlich Beteiligung an der Ermordung von sieben Regimegegnern, an 31 Folterungen sowie an 42 Entführungen während der Diktatur (1976-83) für schuldig befunden.
Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel sagte im Wernich-Prozeß aus, daß er Papst Johannes Paul II seinerzeit wegen 83 verschleppter Kinder um Hilfe gebeten hätte. Bekanntlich waren die Drähte der Katholischen Bischöfe zur Regierung besonders gut.


Ja, die Katholokleriker beziehen eben Stellung:
So zum Beispiel auch die Bischöfe Jan Sokol und Viliam Judak, die vor Verständnis und Lobhuldeleien über ihren ehemaligen Mitbruder Jozef Tiso überquollen.

(Tiso war katholischer Priester und slowakischer Staatspräsident. In Folge des Münchner Abkommens 1938 erklärte sich die Slowakei für unabhängig.
1939 ließ Josef Tiso sich zum „Vodca“ (Führer - in Anlehnung an sein deutsches Vorbild) erklären.
Vollkommen ohne Druck aus Deutschland und aus voller Überzeugung erließ der katholische Professor für Moraltheologie Tiso dann derart antisemitische Gesetze, daß diese noch die Nürnberger Rassengesetze in den Schatten stellten.
Für die 89.000 Juden in der Slowakei war es ein vorweggenommenes Todesurteil. („Judenkodex“ vom 9.9.1941). Schon im Jahr 1942 wurde die Deportation der slowakischen Juden mit eigenen administrativen Kräften durchgeführt.
Tiso brüstete sich dem Vatikan gegenüber sogar damit – Katholizismus und Antisemitismus war für ihn ein und dasselbe:
„Ich versichere bei meiner christlichen Ehre, daß die Deportationen unserem Willen entspringen und auf unsere Initiative hin durchgeführt werden! Ob es christlich ist ,was hier mit den Juden los ist?... .. Ich frage, ob es christlich ist, wenn ein Volk seinen ewigen Feind loswerden will. Dass das jüdische Element dem Slowaken das Leben bedrohte, davon muss hier niemand überzeugt werden. Es hätte noch schlimmer ausgesehen, hätten wir uns nicht rechtzeitig von ihnen gesäubert. Und wir taten es dem Gottesgebote nach: Slowake, schüttel sie ab, befreie dich von deinem Schadenstifter!“
Katholische Moraltheologie.)


Ach ja, die guten alten Zeiten, als Europa und der Vatikan noch faschistisch unter einer Decke steckten - daran erinnert sich Ratzinger zu gerne.
Im Oktober 2007 sprach nun der deutsche Benedikt XVI gleich 489 spanische Geistliche, die an der Seite des faschistischen Franco kämpften selig - die größte Massenseligsprechung der Geschichte.

Ich will gar nicht erst an die Ustaša-Regierung unter Ante Pavelić, den Austrofaschismus unter Engelbert Dollfuß, oder Rumänien unter der Legion Erzengel Michael erinnern.

Die katholische Kirche hatte immer ihren Platz im politischen Spektrum und daher wundere ich mich auch nicht über den gestrigen Gastkommentator des katholischen Nachrichtenportals Kreuznet.

Ein recht bekannter Mann, tot zwar zur Zeit, aber was heißt das schon bei den Experten für das ewige Leben?
Der Mann war so wegweisend, daß die Katholiban ihn gerne zitieren.
Der aktuelle Anlass: Israel vs. Hamas.

Da treffen wieder Welten aufeinander, die passen wie Arsch auf Eimer.

Wer glaubte, daß ihn an den Katholiken von 2009 gar nichts mehr überraschen kann; nun, vielleicht gelingt es mir doch, wenn ich nun den Namen des Mannes nenne, der auf Kreuznet den Artikel des Tages verfasst hat:

Heinrich Himmler! Für die Katholiban sind seine Worte von damals immer noch richtig:

Gestern Juden – heute Araber: „Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen.“

Noch Fragen?