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Mittwoch, 4. Januar 2023
Der Christ des Tages - Teil LIII
Bischof Heinz Josef Algermissen, seit 2001 Diözesanbischof von Fulda und damit Nachfolger des in der ultrarechten Szene legendären Erzbischofs Johannes Dyba (1983–2000) gilt in der Fundi-Szene als Rückschritt.
Obwohl er durchaus konservativ ist, fehlt es ihm an Frauenverachtung, wie sie die Ratzinger-inspirierten FSSPX’ler verlangen.
Voller Entsetzen wurde beobachtet, daß eine Frau als Seelsorgerin unter Algermissen arbeiten darf. Skandal!
Im Rahmen des ‘Engagiertentreffens 2010’ des Kolpingwerkes Deutschland zog Ursula Hüllen – sogenannte Diözesanseelsorgerin für das Kolpingwerk im Bistum Münster -am Sonntag, dem 3. Oktober um 11.30 Uhr, inmitten der konzelebrierenden Priester in die Hohe Domkirche zu Fulda ein. Anschließend zelebriert der Bischof von Fulda, Mons. Heinz-Josef Algermissen, ein neugläubiges Pontifikalamt. Die selbsterklärte Seelsorgerin nahm dazu ganz selbstverständlich in der ersten Bank Platz – eingerahmt von zwei Priestern im Meßgewand. Den Gläubigen des Kirchenvolkes, die dieses Schauspiel beobachteten, stand das Grauen ins Gesicht geschrieben.
(Brechmittelnet 22.10.10)
Wenigstens ist mit Pfarrer Werner Gutheil der Diözesan-Seelsorger für Trauernde im Bistum Fulda ein Mann.
Aber seit des plötzlichen Todes Dybas im Jahr 2000 stellt das Bistum Fulda nicht mehr den Militärbischof der Bundeswehr und schon geht alles den Bach runter.
Zwar sind dessen Nachfolger, Prügelbischof Mixa (2000-2010) und Homo-Schreck Overbeck (seit 2011) auch erzreaktionäre Oberhirten, aber die Bundeswehrsoldaten geben sich in verstärktem Maße lieber gleich selbst die Kugel.
Genau wie in der Armee des großen Bruders USA sterben auch deutschen Soldaten häufiger durch „friendly fire“ oder Suizide, als durch Gefechte.
Von den seit 1992 in die Auslandseinsätze entsandten Bundeswehrangehörigen starben 99 – 36 Soldaten fielen durch Fremdeinwirkung, 63 kamen durch sonstige Umstände ums Leben.
Insgesamt 19 Angehörige der Bundeswehr nahmen sich in Auslandseinsätzen das Leben.
(Bundeswehr.de)
Wie viele Soldaten sich nach ihrer Rückkehr von den Einsätzen in Folge posttraumatischen Stresses selbst umbringen, ist unbekannt.
Nach wie vor spart die Bundeswehrführung ebenso wie die US-Army bei der medizinischen und psychologischen Betreuung ihrer Soldaten.
Dabei sollen bis zu 40% von ihnen an Post Traumatic Stress Disorder / PTSD (einer Posttraumatischen Belastungsstörung) leiden.
Gegenwärtig begehen TÄGLICH mindestens 18 US-Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Irak und Afghanistan Selbstmord.
Aber auch die Zahlen der Selbstmorde während des aktiven Dienstes im Ausland sind grotesk; 432 waren es allein nach offiziellen Angaben im Jahr 2010.
Rep. Vicky Hartzler, R-Mo., a member of the subcommittee, offered the sobering numbers for 2010 – 37 Marines committed suicide, 39 sailors, 56 members of the Air Force and 300 in the Army.
(HuffPo)
Die Zahlen sind hoch, aber alles andere als verwunderlich.
Was würde man anderes erwarten, wenn man Hunderttausende blutjunge, schlecht ausgebildete, vorwiegend aus der Unterschicht stammende Amerikaner aus ihren Familien reißt und sie in sinnlose Kriege steckt?
Dort hocken sie dann isoliert und waffenstarrend in einer Umgebung, in der sie gehasst werden, in der sie niemand will, in der sie nicht sein wollen und in der es nur Gewalt gibt.
Kombiniert mit einer streng hierarchischen Atmosphäre, in der sich keiner erlauben darf Schwäche zu zeigen, in der nur Härte, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen gefragt sind, wundert mich kein einziger Selbstmord.
Nur der Spezialist zum Thema, der Diözesantrauerfachmann Pfarrer Gutheil, kann das nicht begreifen.
Dieser Tage ging diese Pressemeldung durch die Zeitungen. Diese Selbstmordrate, oder besser Suizid genannt, ist erschreckend. Sind doch die Soldaten mit dem Tod konfrontiert, ob es der von anderen oder der eigene ist. In diesem Kontext dann aber die Möglichkeit der Selbsttötung zu wählen, stellt viele Fragen: wie kann es kommen, dass die Menschen sich so etwas antun, wo sie doch „geschult sind“ und der Tod oder die Tötung anderer eine der Möglichkeiten in dieser Tätigkeit als Soldaten besteht? Die Belastungen müssen so groß sein, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Warum wählen sie diesen Weg? Was fehlt in diesem System, dass sie diesen Schritt gehen müssen?
(Gutheil, 13.09.2011)
Der Hanauer Pfarrer versteht es nicht und tritt lieber noch mal nach; denn Selbstmord findet er egoistisch:
Aber denken sie auch an die Hinterbliebenen, die die zurückbleiben? Auch wenn zu sagen ist: sie können es in dem Moment nicht, so wäre es ein Warnzeichen, ein Anker, der sie vielleicht doch am Leben halten würde, halten könnte. Es geht nicht um Vorwürfe, wenn ein Mensch durch Selbsttötung aus dem Leben tritt, sondern es geht darum jene, die mit dem Gedanken spielen, dem eigenen Druck ein Ende zu setzen, einmal diese Überlegung mitzugeben: Denk auch mal an die anderen.
(Gutheil, 13.09.2011)
Man fühlt sich an die Zeiten erinnert, als die Kirchen Selbstmördern ein christliches Begräbnis verweigerten und die Menschen, die in so fürchterliche seelische Not gerieten, daß sie sich nur noch das Leben nehmen konnten, a posteriori noch mal im Stich ließen, indem sie ihre Überreste lieber außerhalb der Stadtmauern anonym verscharren ließen.
Aber warum sich eigentlich groß aufregen?
Es ist ja auch nicht weiter schlimm, wenn demokratische Staaten ihre Armeeangehörigen in den Suizid treiben.
Gott ist das sowieso Wurscht:
„Eines mag aber jeden trösten, dass es dem Schöpfer egal ist, warum jemand vor ihn tritt!"
(Gutheil, 13.09.2011)
Pfarrer Gutheil ist der Christ des Tages Nr 53.
Samstag, 12. November 2011
Der Mann ohne Cojones.
Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Jeden Tag werden Millionen Menschen geboren und Millionen Menschen sterben.
Nur eines im Leben ist absolut sicher; wir alle werden sterben.
Der Tod ist also das natürlichste, das es überhaupt gibt. Kurioserweise ist der Tod gleichzeitig total tabuisiert; wird als das ultimative Unglück betrachtet.
„Unnötige Tode“ regen die Gesellschaft ganz fürchterlich auf.
Auf groteske Weise wird differenziert und das „WARUM????“-Geschrei schwillt an, wenn es sich um vermeidlich Unschuldige, Junge oder sonst irgendwie nicht ins Bild Passende geht.
Stirbt ein Kind, gilt das fast automatisch als größere Tragik gegenüber einem beispielsweise 60-Jährigen Toten. Dabei könnte man theoretisch auch genauso gut umgekehrt argumentieren, daß es viel tragischer ist einen 60-Jährigen zu verlieren, weil der viel mehr Bindungen und Beziehungen als ein Baby aufgebaut hat.
Kommt der Tod mit Politik in Kontakt, geht üblicherweise alles schief.
Politiker sind damit überfordert und treffen meistens abstruse und menschenfeindliche Entscheidungen. (PID, Patientenverfügung, Sterbehilfe, Organspende,...)
Gestorbene können sich in großen Zahlen verbergen und erregen dann keinerlei politische Aufmerksamkeit.
Wenn in einem extrem heißen Sommer zahntausende alte Menschen in Senioren- und Pflegeheimen an Dehydrierung und Exsikkose verrecken, handelt er sich tatsächlich um „vermeidbare Tode“.
Diese Menschen hätten leicht überleben können, wenn die Pflegeheime mit genug Personal ausgestattet wären, um den Insassen genügend Wasser zu trinken zu geben.
Aber Tote in Altenheimen sind permanent aus dem öffentlichen Focus.
Gleiches gilt für die jährlich 30.000 bis 40.000 an multiresistenten Krankenhauskeimen wie MRSA Sterbenden.
Man kennt das Problem schon viele, viele Jahre, weiß auch, was man dagegen tun könnte (Holland hat seine MRSA-Neuinfektionsrate auf nahezu Null gebracht), aber Hygiene ist teuer und erfordert politisches Handeln.
Wir haben aber Gesundheitspolitiker wie Bahr und Rösler, die lieber sechs sinnlose Milliarden für Mikrosteuerreförmchen rausprassen, statt Menschenleben zu retten.
Groteskerweise herrscht derzeit ein riesengroßes Geschrei, weil zwischen August und Oktober 2011 im Klinikum Bremen-Mitte drei Babies an Krankenhauskeimen verreckt sind.
Ja, und?????
Wenn man SEIT JAHREN VOLLKOMMEN TATENLOS ZUSIEHT wie durch Personaleinsparungen die Krankenhaushygiene so vor die Hunde geht, so daß Zigtausende an MRSA und Co sterben, dann ist es ja wohl das normalste der Welt, daß dabei auch ein paar Frühchen über die Wupper gehen.
Bei über 10.000 Toten pro Jahr liegt die Zahl der Selbstmorde in Deutschland; Dunkelziffer ungewiss.
Allerdings steht das politisch nicht auf der Agenda und daher gibt es in Deutschland eine drastische Unterversorgung mit Psychotherapieplätzen.
Ein psychisch kranker Mensch wartet durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch beim Psychotherapeuten. Diese Zeit kann je nachdem, wo er wohnt, noch deutlich länger sein: In Ostdeutschland sind es 16,1Wochen, im Ruhrgebiet sogar 17 Wochen. […] Während sich in Großstädten normalerweise knapp 40 Psychotherapeuten je 100000 Einwohner niederlassen dürfen, sind es zwischen Duisburg und Dortmund nur gut zehn, also etwa ein Viertel.
[…] Die Zahl der Psychotherapeuten reicht in ganz Deutschland nicht aus, weil die Häufigkeit psychischer Erkrankungen noch immer erheblich unterschätzt wird. […] Nur zehn Prozent der psychisch kranken Menschen in Deutschland erhalten - und das nach konservativen Schätzungen - eine im weitesten Sinne adäquat zu nennende Therapie. [...] Durch das Versorgungsstrukturgesetz droht sich die Versorgung psychisch Kranker weiter zu verschlechtern. Schon im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes könnte es 2000 psychotherapeutische Praxen weniger geben. […] Die amtliche Bedarfsplanung ist eine doppelte Täuschung, sie hat weder mit Bedarf noch mit Planung etwas zu tun.
(Rainer Richter, Professor für Medizinische Psychologie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Süddeutsche Zeitung 06. Oktober 2011)
Ziemlich wenig Tote gibt es in den Kriegen, die Deutschland führt.
In Afghanistan sind es bisher unter 100. Eine lächerliche Zahl - verglichen zu den Menschen die dauernd aufgrund von Siff in Krankenhäuser verrecken.
Von den seit 1992 in die Auslandseinsätze entsandten Bundeswehrangehörigen starben 99 – 36 Soldaten fielen durch Fremdeinwirkung, 63 kamen durch sonstige Umstände ums Leben.
Insgesamt 19 Angehörige der Bundeswehr nahmen sich in Auslandseinsätzen das Leben.
(Bundeswehr.de)
Zudem kann man bei Soldaten nicht unbedingt davon überrascht sein, wenn sie in Gefechten umkommen. Das ist ihr Beruf und bisher werden nur Freiwillige an den Hindukusch geschickt.
Mit der politischen Aufmerksamkeit verhält es sich bei „Gefallenen“ allerdings genau umgekehrt.
Bei jedem einzelnen Soldaten drängt es Politiker aller Couleur vor die Kameras, es werden aufwändige öffentliche Zeremonien veranstaltet, die von Ministern und Kanzlern besucht werden.
Eine mittelgroße Todeszahl machen die Toten im deutschen Straßenverkehr aus.
Im Jahr 2010 starben 3657 Menschen auf deutschen Straßen. Das waren zwölf Prozent (495) weniger als 2009.
Der zuständige Minister Ramsauer hat sich nun vorgenommen diese Zahl drastisch zu reduzieren.
Nun ja, das kann man, könnte man machen.
Wenn es möglich ist Tote im Straßenverkehr zu vermeiden, sollte man das tun.
Wenn man allerdings generell das Leben schätzte und möglichst wenige Menschen unnötig sterben lassen wollte, sollte man hingegen bei der Krankenhaushygiene oder der Suizidprävention ansetzen.
Aber wer versteht schon die Bundesregierung!
Peter Ramsauer, 57-Jähriger Burschenschaftler aus Bayern, stramm katholischer vierfacher Familienvater, sitzt seit 21 Jahren im Bundestag und zeigte im Jahr 1991 wie er denkt, als er gemeinsam mit ein paar Braunen um Erika Steinbach gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze stimmte.
Ramsauer ist seit 2009 Verkehrsminister und ein riesengroßer Feigling.
Ein vernünftiger Verkehrspolitiker könnte zwei Positionen einnehmen.
a)
Zehn Verkehrstote pro Tag sind eine absolut tolerierbare Zahl. Gemessen an den sehr viel mehr vermeidbaren Infektionen in versifften Krankenhäusern, die wir als Schwarzgelbe achselzuckend hinnehmen, sind die paar Zerquetschten auf den Straßen kaum der Rede wert.
b)
Zehn Verkehrstote pro Tag sind eine absolut inakzeptable Zahl. Wir kennen die Haupursachen für die Todesfälle und werden das abstellen.
Als klassischer CSU’ler macht Ramsauer aber etwas höchst Unvernünftiges und wählt die Heuchelvariante C:
Er gibt lediglich vor etwas gegen die vielen Verkehrstoten zu tun, hat aber nicht die Eier in der Hose, um die Ursachen abzustellen.
Die Ursachen sind nämlich Raserei und Alkohol.
Wenn man wirklich die Todeszahlen im Straßenverkehr drastisch reduzieren WOLLTE, muß man ein strenges Tempolimit, bsp 90 km/h auf Autobahnen, sowie eine 0,0 Promillegrenze einführen. Simple as that.
Das traut sich Ramsauer aber aus Furcht vor den bayerischen Wählern nicht.
Und so entscheidet sich der Bundesfeigling lieber für ein paar Tausend Tote mehr im Jahr.
Experten kritisieren Ramsauers Programm als inkonsequent und die Schritte als veraltet.
[…] Ramsauer versucht, mit seinem Programm den positiven Trend der vergangenen Jahre fortzuschreiben. Grundlegende Veränderungen wie die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen oder ein Alkoholverbot lehnt er aber ab. Mit kleinen Verbesserungen will der Minister die Zahl der Todesfälle im Verkehr bis 2020 um 40 Prozent auf rund 2300 senken.
[…] Anja Hänel vom ökologisch orientierten VCD warf Ramsauer eine Politik des "Weiter so" vor. Anders als Schweden oder Großbritannien verfolge der Minister nicht die "Vision Zero", also einen Verkehr ohne Tote. "Der Autoverkehr soll bei Ramsauer bleiben, wie er ist. Aber an den Autos, der Infrastruktur und den Menschen soll nachgebessert werden." […] Der VCD fordert zudem ein striktes Alkoholverbot für Auto- und Motorradfahrer. "Dann würde auch niemand mehr versuchen, sich an die Promillegrenze heranzutrinken", sagte Hänel. Notwendig sei auch der verpflichtende Einbau von Antiblockiersystemen in Motorrädern. In seinem Programm betont Ramsauer zwar, wie wichtig ABS in Motorrädern seien. Über eine Pflicht sei er aber mit der Industrie nur "im Gespräch". Der Minister sagte, dass er keine "Vision Zero" verfolge. "Zwangsmaßnahmen" wie 0,0 Promille halte er nicht für sinnvoll.
(FTD, 10.11.11)
Ramsauer möchte sich durchschlängeln, bloß keinem wehtun.
Er kneift auf ganzer Linie.
Er will kein Überholverbot für LKWs und setzt sich zudem auf Druck der Spediteur-Lobby für die Einführung 25m langer Monstertrucks ein.
Seine Knie zittern vor den bayerischen Weißbiertrinkern.
Selbst die Helmpflicht für Radfahrer ist für ihn so ein heißes Eisen, daß er sich zu sehr vor den Reaktionen der Betroffenen fürchtet, um sich zu einem Pro oder Contra durchzuringen.
Er setzt auf Freiwilligkeit. Falls sich die Helmchenträgerzahl von derzeit 9% nicht freiwillig auf über 50% steigere, wolle er über eine Pflicht noch mal nachdenken.
Ein echter Merkelminister.
Samstag, 8. Oktober 2011
Serviceorientierung.
Wat nich oans givt!
Soeben erschien der erste weltweite «Mord-Bericht» (2011 Global Study on Homicide) des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit tollen Erkenntnissen über das Sozialverhalten des Homo Sapiens.
Im Jahr 2010 sind weltweit 468.000 Menschen umgebracht worden.
Afrika (36 Prozent der Morde in Afrika) und Amerika (31 Prozent) sind absolute Spitze. Asien kann mithalten (27 Prozent), aber Europa und Australien mit ihren relativ hohen sozialen Standards sind weit abgeschlagen.
Fünf Prozent der Morde finden in Europa statt und ein Prozent wird in Ozeanien verübt.
Die Zahlen für Afrika und Amerika sind umso höher, wenn man den Anteil an der Weltbevölkerung berücksichtigt. 60 % aller Menschen leben in Asien; die Mordrate von 27% ist also weit unterdurchschnittlich, während Amerikas Rate von 31% angesichts eines Gesamtbevölkerungsanteils von 14% gewaltig ist.
Das Morden ist also sehr unterschiedlich ausgeprägt:
Some 80 countries (approximately 40 per cent of the total) show low homicide rates of less than 3 homicides per 100,000 population per year, a third of which show rates of under 1 homicide per 100,000. In contrast, 35 countries (approximately 17 per cent of the total) show high homicide rates of more than 20 homicides per 100,000 population, some going beyond 50 and others as high as 80 per 100,000 population.
(2011 Global Study on Homicide, p.22)
Betrachtet man Europa genauer, ist Deutschland eins der Schlusslichter.
Deutschland weist mit 0,8 Morden pro 100 000 Einwohner (insgesamt 690 Fälle) dagegen eine geringe Rate auf. In Frankreich liegt sie bei 1,4, in England bei 1,2. Russland ist mit einer Rate von 11,2 Europas Spitzenreiter.
(Abla 07.10.2011)
690 ist natürlich etwas lau - verglichen mit den 15.241 Morden allein in den USA.
So wie die Mordraten selbst sind auch die Methoden unterschiedlich. Amerika als Kontinent des Waffenwahns erledigt einen Großteil der Morde durch Schusswaffen, während Pistolen in Asien als feige und unmännlich gelten. Sie werden viel weniger zum Killen benutzt und so sinkt auch die Gesamtmordrate in Japan und Co.
In Ostasien werden gerade mal 5% der Morde mit Schusswaffen begangen.
Data based on criminal justice and public health sources provide different breakdowns of homicide mechanism committed in different regions. Using public health sources, it can be estimated that 74 per cent of homicides are committed by firearm in the Americas (based on 30 countries), as compared to 21 per cent in Europe (based on 32 countries). In contrast, sharp objects such as knives account for a greater proportion of violent deaths in European countries (36 per cent) than the Americas (16 per cent), while the use of any weapon accounts for 90 per cent of homicides in the Americas but for only 57 per cent of homicides in Europe.
(2011 Global Study on Homicide, p.41)
Ganz anders als es die GOPer-Fanatiker behaupten, sind Pistolen gefährlich.
Welch Überraschung.
Over the whole age range, a male in the Americas is around six times more likely to be killed by a firearm than a knife. In contrast, in 17 countries in Asia, firearm and sharp object homicides are much more equally distributed in the 15 to 34 age group: while a slightly higher proportion of violent deaths are caused by firearm in each group, a male in the countries examined in Asia is almost as likely to be killed by a knife as a firearm.
(2011 Global Study on Homicide, p.42)
Wie so oft dominieren Männer ganz stark das Geschehen.
Sie stellen mit vier von fünf Mordopfern (82%) die große Mehrheit und werden auch zu 69% von anderen Männern umgebracht.
Während die Gleichberechtigung in Europa schon fortgeschrittener ist - hier sind immerhin schon 27% der Getöteten Frauen - weist Amerika gerade mal einen Frauenanteil von zehn Prozent auf.
Männer sind nach wie vor mobiler und werden dementsprechend überall verteilt umgebracht.
Ganz anders die Frauen, die laut UNODC-Statistik eher ganz familiär erledigt werden.
Sie werden weit überwiegend in ihren eigenen vier Wänden umgebracht und können sich auch bei den Tätern auf die Familie verlassen; in weit über 50% der Fälle ist ihr Killer ein Verwandter.
80% der innerfamiliären Mordopfer sind Frauen. Home sweet home.
Deutschlands Mordrate ist so niedrig, weil Gang- und Drogendelikte selten sind.
Das hat aber zur Folge, daß der Prozentsatz der weiblichen Mordopfer, die eben eher von ihren Partnern umgebracht werden, weltweit der höchste ist. Nur die Schweiz kann da mithalten.
Countries with higher homicide rates are often affected by high levels of “street crime” related to drug trafficking, organized crime, street fights or other forms of violent crime. This is an environment traditionally dominated by young males who both commit the great bulk of the violence and make up the greatest share of its victims. At the other end of the spectrum there are countries with a very low homicide rate where the presence of gangs and organized crime groups only accounts for a small share of all homicides. The relative share (but not the absolute rate) of homicides related to domestic disputes and intimate partner/ family-related violence is therefore higher in those countries and the profile of the victim changes accordingly as women become more predominant among all homicide victims.
(2011 Global Study on Homicide, p.60)
Als Lebensmüder kann man sich also in Deutschland wenig Hoffnung machen aus seinem Elend erlöst zu werden.
Der Servicegedanke ist hier bekanntlich wenig ausgeprägt.
Also muß man alles selbst machen.
Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2005 wieder gestiegen. Mehr als 10.000 Deutsche nahmen sich selbst das Leben. Die Zahl stieg von 2009 um 405 Fälle auf 10.021 Selbstmorde in 2010, so das Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Damit seien in Deutschland deutlich mehr Menschen durch Suizid gestorben als durch Verkehrsunfälle (3648), Mord und Totschlag (2218), illegale Drogen (1237) und Aids (etwa 550) zusammen. Bei den Suizidmethoden dominierte den Angaben des UKE zufolge das Erhängen mit 4550 Fällen deutlich. Es folgen Medikamente (1442 Fälle), Stürze aus großer Höhe (850), Schusswaffen (772) und das „Sich-überfahren-Lassen“ (766). Die Zahl der Fälle von Selbsttötung durch giftige Gase stieg von 184 im Jahr 2007 auf 340 (2010).
[…] „Die über 10.000 Toten des Jahres 2010 bedeuten zugleich, dass weit über 100.000 Menschen einen Suizidversuch unternommen haben“, sagte Georg Fiedler vom Hamburger Therapie-Zentrum. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe davon aus, dass im Durchschnitt mindestens sechs nahe Menschen von einem Suizid betroffen sind. Das bedeute für Deutschland, dass mehr als 60.000 Menschen im vergangenen Jahr einen nahe stehenden Menschen verloren haben. Die Zahlen bedeuteten zugleich, dass sich in Deutschland alle 53 Minuten ein Mensch das Leben nehme, so Fiedler. Alle fünf Minuten finde ein Suizidversuch statt. Alle neun Minuten wird ein Mensch in Deutschland ein „Hinterbliebener“.
(Abla 07.10.2011)
Prinzipiell finde ich es absolut gerechtfertigt sich umzubringen und niemand sollte das Recht haben über die Stichhaltigkeit der Gründe zu urteilen, wie es sich die selbstverliebte, TV-affine Margot Käßmann anmaßt.
Wenn jemand Selbstmord begeht, weil er einen schlechten Haarschnitt hat, oder traurig wegen der Erhöhung der Benzinpreise ist, so mag das der Majorität der Menschen als lächerliche Begründung erscheinen.
Aber ich behaupte, daß so eine Entscheidung so individuell ist, daß man gar nicht urteilen darf.
Wo sollte das sonst enden?
Könnten etwa kirchlich besetzte „Ethikkommissionen“ von außen feststellen, wann die Leiden eines Kranken so groß sind, daß er sich selbst erlösen darf, oder ob er noch einen Monat durchhalten soll, bis die Schmerzen ein gesetzlich definiertes Maß erreicht haben?
Dennoch gibt es unter den über 100.000 Deutschen, die jährlich einen Suizidversuch unternehmen, sicherlich auch welche, die aufgrund von Depressionen, die behandelbar wären, unglücklich sind.
Depressionen sind mit rund 15% Mortalität eine tödlichere Krankheit als manche Krebsart.
Depressiven kann man auch helfen.
Allerdings steht das politisch nicht auf der Agenda und daher gibt es in Deutschland eine drastische Unterversorgung mit Psychotherapieplätzen.
Ein psychisch kranker Mensch wartet durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch beim Psychotherapeuten. Diese Zeit kann je nachdem, wo er wohnt, noch deutlich länger sein: In Ostdeutschland sind es 16,1Wochen, im Ruhrgebiet sogar 17 Wochen. […] Während sich in Großstädten normalerweise knapp 40 Psychotherapeuten je 100000 Einwohner niederlassen dürfen, sind es zwischen Duisburg und Dortmund nur gut zehn, also etwa ein Viertel.
[…] Die Zahl der Psychotherapeuten reicht in ganz Deutschland nicht aus, weil die Häufigkeit psychischer Erkrankungen noch immer erheblich unterschätzt wird. […] Nur zehn Prozent der psychisch kranken Menschen in Deutschland erhalten - und das nach konservativen Schätzungen - eine im weitesten Sinne adäquat zu nennende Therapie. Für die Betroffenen stehen im deutschen Gesundheitssystem bei weitem nicht die notwendigen Therapieplätze und finanziellen Mittel zur Verfügung, die für ihre ausreichende Behandlung erforderlich sind. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die ambulante Psychotherapie betragen im Jahr rund 1,3 Milliarden Euro. Die Kosten für Psychopharmaka liegen mit 2,5 Milliarden Euro fast doppelt so hoch. Selbst die Kosten für Krankengeld, das die Krankenkassen arbeitsunfähigen Arbeitnehmern aufgrund psychischer Erkrankungen zahlen, sind höher als jene für die Therapie und betragen zwei Milliarden Euro.
Dabei lohnt jeder Euro, der in die Psychotherapie investiert wird. […] Die derzeitige Versorgung hat also viele Lücken, die allesamt dazu führen, dass die Patienten länger und schwerer erkranken als notwendig - und damit natürlich auch erheblich mehr Geld kosten.
Wir brauchen deshalb zukünftig mehr psychotherapeutische Behandlungsplätze in Deutschland. Die Bundesregierung plant jedoch eine Verringerung. Durch das Versorgungsstrukturgesetz droht sich die Versorgung psychisch Kranker weiter zu verschlechtern. Schon im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes könnte es 2000 psychotherapeutische Praxen weniger geben. […] Die amtliche Bedarfsplanung ist eine doppelte Täuschung, sie hat weder mit Bedarf noch mit Planung etwas zu tun.
(Rainer Richter, Professor für Medizinische Psychologie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Süddeutsche Zeitung 06. Oktober 2011)
Ja, dann auch noch mal vielen Dank an Ex-Gesundheitsminister Rösler und seinen Nachfolger Bahr.
Die 10.000er-Selbstmordmarke knacken wir zukünftig wohl noch leichter.
Soeben erschien der erste weltweite «Mord-Bericht» (2011 Global Study on Homicide) des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit tollen Erkenntnissen über das Sozialverhalten des Homo Sapiens.
Im Jahr 2010 sind weltweit 468.000 Menschen umgebracht worden.
Afrika (36 Prozent der Morde in Afrika) und Amerika (31 Prozent) sind absolute Spitze. Asien kann mithalten (27 Prozent), aber Europa und Australien mit ihren relativ hohen sozialen Standards sind weit abgeschlagen.
Fünf Prozent der Morde finden in Europa statt und ein Prozent wird in Ozeanien verübt.
Die Zahlen für Afrika und Amerika sind umso höher, wenn man den Anteil an der Weltbevölkerung berücksichtigt. 60 % aller Menschen leben in Asien; die Mordrate von 27% ist also weit unterdurchschnittlich, während Amerikas Rate von 31% angesichts eines Gesamtbevölkerungsanteils von 14% gewaltig ist.
Das Morden ist also sehr unterschiedlich ausgeprägt:
Some 80 countries (approximately 40 per cent of the total) show low homicide rates of less than 3 homicides per 100,000 population per year, a third of which show rates of under 1 homicide per 100,000. In contrast, 35 countries (approximately 17 per cent of the total) show high homicide rates of more than 20 homicides per 100,000 population, some going beyond 50 and others as high as 80 per 100,000 population.
(2011 Global Study on Homicide, p.22)
Betrachtet man Europa genauer, ist Deutschland eins der Schlusslichter.
Deutschland weist mit 0,8 Morden pro 100 000 Einwohner (insgesamt 690 Fälle) dagegen eine geringe Rate auf. In Frankreich liegt sie bei 1,4, in England bei 1,2. Russland ist mit einer Rate von 11,2 Europas Spitzenreiter.
(Abla 07.10.2011)
690 ist natürlich etwas lau - verglichen mit den 15.241 Morden allein in den USA.
So wie die Mordraten selbst sind auch die Methoden unterschiedlich. Amerika als Kontinent des Waffenwahns erledigt einen Großteil der Morde durch Schusswaffen, während Pistolen in Asien als feige und unmännlich gelten. Sie werden viel weniger zum Killen benutzt und so sinkt auch die Gesamtmordrate in Japan und Co.
In Ostasien werden gerade mal 5% der Morde mit Schusswaffen begangen.
Data based on criminal justice and public health sources provide different breakdowns of homicide mechanism committed in different regions. Using public health sources, it can be estimated that 74 per cent of homicides are committed by firearm in the Americas (based on 30 countries), as compared to 21 per cent in Europe (based on 32 countries). In contrast, sharp objects such as knives account for a greater proportion of violent deaths in European countries (36 per cent) than the Americas (16 per cent), while the use of any weapon accounts for 90 per cent of homicides in the Americas but for only 57 per cent of homicides in Europe.
(2011 Global Study on Homicide, p.41)
Ganz anders als es die GOPer-Fanatiker behaupten, sind Pistolen gefährlich.
Welch Überraschung.
Over the whole age range, a male in the Americas is around six times more likely to be killed by a firearm than a knife. In contrast, in 17 countries in Asia, firearm and sharp object homicides are much more equally distributed in the 15 to 34 age group: while a slightly higher proportion of violent deaths are caused by firearm in each group, a male in the countries examined in Asia is almost as likely to be killed by a knife as a firearm.
(2011 Global Study on Homicide, p.42)
Wie so oft dominieren Männer ganz stark das Geschehen.
Sie stellen mit vier von fünf Mordopfern (82%) die große Mehrheit und werden auch zu 69% von anderen Männern umgebracht.
Während die Gleichberechtigung in Europa schon fortgeschrittener ist - hier sind immerhin schon 27% der Getöteten Frauen - weist Amerika gerade mal einen Frauenanteil von zehn Prozent auf.
Männer sind nach wie vor mobiler und werden dementsprechend überall verteilt umgebracht.
Ganz anders die Frauen, die laut UNODC-Statistik eher ganz familiär erledigt werden.
Sie werden weit überwiegend in ihren eigenen vier Wänden umgebracht und können sich auch bei den Tätern auf die Familie verlassen; in weit über 50% der Fälle ist ihr Killer ein Verwandter.
80% der innerfamiliären Mordopfer sind Frauen. Home sweet home.
Deutschlands Mordrate ist so niedrig, weil Gang- und Drogendelikte selten sind.
Das hat aber zur Folge, daß der Prozentsatz der weiblichen Mordopfer, die eben eher von ihren Partnern umgebracht werden, weltweit der höchste ist. Nur die Schweiz kann da mithalten.
Countries with higher homicide rates are often affected by high levels of “street crime” related to drug trafficking, organized crime, street fights or other forms of violent crime. This is an environment traditionally dominated by young males who both commit the great bulk of the violence and make up the greatest share of its victims. At the other end of the spectrum there are countries with a very low homicide rate where the presence of gangs and organized crime groups only accounts for a small share of all homicides. The relative share (but not the absolute rate) of homicides related to domestic disputes and intimate partner/ family-related violence is therefore higher in those countries and the profile of the victim changes accordingly as women become more predominant among all homicide victims.
(2011 Global Study on Homicide, p.60)
Als Lebensmüder kann man sich also in Deutschland wenig Hoffnung machen aus seinem Elend erlöst zu werden.
Der Servicegedanke ist hier bekanntlich wenig ausgeprägt.
Also muß man alles selbst machen.
Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2005 wieder gestiegen. Mehr als 10.000 Deutsche nahmen sich selbst das Leben. Die Zahl stieg von 2009 um 405 Fälle auf 10.021 Selbstmorde in 2010, so das Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Damit seien in Deutschland deutlich mehr Menschen durch Suizid gestorben als durch Verkehrsunfälle (3648), Mord und Totschlag (2218), illegale Drogen (1237) und Aids (etwa 550) zusammen. Bei den Suizidmethoden dominierte den Angaben des UKE zufolge das Erhängen mit 4550 Fällen deutlich. Es folgen Medikamente (1442 Fälle), Stürze aus großer Höhe (850), Schusswaffen (772) und das „Sich-überfahren-Lassen“ (766). Die Zahl der Fälle von Selbsttötung durch giftige Gase stieg von 184 im Jahr 2007 auf 340 (2010).
[…] „Die über 10.000 Toten des Jahres 2010 bedeuten zugleich, dass weit über 100.000 Menschen einen Suizidversuch unternommen haben“, sagte Georg Fiedler vom Hamburger Therapie-Zentrum. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe davon aus, dass im Durchschnitt mindestens sechs nahe Menschen von einem Suizid betroffen sind. Das bedeute für Deutschland, dass mehr als 60.000 Menschen im vergangenen Jahr einen nahe stehenden Menschen verloren haben. Die Zahlen bedeuteten zugleich, dass sich in Deutschland alle 53 Minuten ein Mensch das Leben nehme, so Fiedler. Alle fünf Minuten finde ein Suizidversuch statt. Alle neun Minuten wird ein Mensch in Deutschland ein „Hinterbliebener“.
(Abla 07.10.2011)
Prinzipiell finde ich es absolut gerechtfertigt sich umzubringen und niemand sollte das Recht haben über die Stichhaltigkeit der Gründe zu urteilen, wie es sich die selbstverliebte, TV-affine Margot Käßmann anmaßt.
Wenn jemand Selbstmord begeht, weil er einen schlechten Haarschnitt hat, oder traurig wegen der Erhöhung der Benzinpreise ist, so mag das der Majorität der Menschen als lächerliche Begründung erscheinen.
Aber ich behaupte, daß so eine Entscheidung so individuell ist, daß man gar nicht urteilen darf.
Wo sollte das sonst enden?
Könnten etwa kirchlich besetzte „Ethikkommissionen“ von außen feststellen, wann die Leiden eines Kranken so groß sind, daß er sich selbst erlösen darf, oder ob er noch einen Monat durchhalten soll, bis die Schmerzen ein gesetzlich definiertes Maß erreicht haben?
Dennoch gibt es unter den über 100.000 Deutschen, die jährlich einen Suizidversuch unternehmen, sicherlich auch welche, die aufgrund von Depressionen, die behandelbar wären, unglücklich sind.
Depressionen sind mit rund 15% Mortalität eine tödlichere Krankheit als manche Krebsart.
Depressiven kann man auch helfen.
Allerdings steht das politisch nicht auf der Agenda und daher gibt es in Deutschland eine drastische Unterversorgung mit Psychotherapieplätzen.
Ein psychisch kranker Mensch wartet durchschnittlich 12,5 Wochen auf ein erstes Gespräch beim Psychotherapeuten. Diese Zeit kann je nachdem, wo er wohnt, noch deutlich länger sein: In Ostdeutschland sind es 16,1Wochen, im Ruhrgebiet sogar 17 Wochen. […] Während sich in Großstädten normalerweise knapp 40 Psychotherapeuten je 100000 Einwohner niederlassen dürfen, sind es zwischen Duisburg und Dortmund nur gut zehn, also etwa ein Viertel.
[…] Die Zahl der Psychotherapeuten reicht in ganz Deutschland nicht aus, weil die Häufigkeit psychischer Erkrankungen noch immer erheblich unterschätzt wird. […] Nur zehn Prozent der psychisch kranken Menschen in Deutschland erhalten - und das nach konservativen Schätzungen - eine im weitesten Sinne adäquat zu nennende Therapie. Für die Betroffenen stehen im deutschen Gesundheitssystem bei weitem nicht die notwendigen Therapieplätze und finanziellen Mittel zur Verfügung, die für ihre ausreichende Behandlung erforderlich sind. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die ambulante Psychotherapie betragen im Jahr rund 1,3 Milliarden Euro. Die Kosten für Psychopharmaka liegen mit 2,5 Milliarden Euro fast doppelt so hoch. Selbst die Kosten für Krankengeld, das die Krankenkassen arbeitsunfähigen Arbeitnehmern aufgrund psychischer Erkrankungen zahlen, sind höher als jene für die Therapie und betragen zwei Milliarden Euro.
Dabei lohnt jeder Euro, der in die Psychotherapie investiert wird. […] Die derzeitige Versorgung hat also viele Lücken, die allesamt dazu führen, dass die Patienten länger und schwerer erkranken als notwendig - und damit natürlich auch erheblich mehr Geld kosten.
Wir brauchen deshalb zukünftig mehr psychotherapeutische Behandlungsplätze in Deutschland. Die Bundesregierung plant jedoch eine Verringerung. Durch das Versorgungsstrukturgesetz droht sich die Versorgung psychisch Kranker weiter zu verschlechtern. Schon im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes könnte es 2000 psychotherapeutische Praxen weniger geben. […] Die amtliche Bedarfsplanung ist eine doppelte Täuschung, sie hat weder mit Bedarf noch mit Planung etwas zu tun.
(Rainer Richter, Professor für Medizinische Psychologie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Süddeutsche Zeitung 06. Oktober 2011)
Ja, dann auch noch mal vielen Dank an Ex-Gesundheitsminister Rösler und seinen Nachfolger Bahr.
Die 10.000er-Selbstmordmarke knacken wir zukünftig wohl noch leichter.
Mittwoch, 3. August 2011
Sauteuer.
Vom Jahr 2000, als das US-Verteidigungsressort 341 Milliarden Dollar ausgab, bis zu den aktuellen Ausgaben von 910 Milliarden Dollar stiegen die Militärkosten um 167%.
Die amerikanische Staatsverschuldung stieg von einem Minimum 1981 unter den GOP-Präsidenten Reagan und Bush sen. KONTINUIERLICH AN.
Erst der Demokrat Clinton konnte ab ca. 1997 den Trend umkehren und das sagenhafte Schuldenmachen zurückführen.
Ab dem ersten Jahr Bush II ging der Anstieg dann rapide weiter.
Allein GWB ist für 43 % der amerikanischen Schulden verantwortlich.
Es ist also ein Treppenwitz, daß ausgerechnet rechte GOPer sich als Gralshüter der US-Finanzen aufführen und den Demokraten im Weißen Haus bis aufs Blut bekämpfen.

Die Hauptursache für die weltgefährdende amerikanische Finanzlage ist eindeutig die Kriegspolitik, die der Ober-GOPer Bush verfolgte.
Ein weiterer Treppenwitz ist die inzwischen fast vergessene Planung der damaligen US-Regierung, daß der Irak-Krieg so gut wie gar nichts kosten würde, da man sich anschließend aus den sprudelnden Öl- Quellen des Iraks bedienen könnte.
Auch das war, wie so ziemlich alles, das Angela Merkels Busenfreund anfasste ein großer Haufen Lügen.
Der Congressional Research Service, der unabhängige wissenschaftliche Dienst des US-Parlaments, beziffert die direkten Ausgaben fürs Militär bisher auf nicht weniger als 1,3 Billionen Dollar. 800 Milliarden davon wurden in den Irak-Krieg gesteckt, gut 440 Milliarden kostete die Operation in Afghanistan, der Rest wurde für den Ausbau von Stützpunkten rund um den Globus sowie für Hilfsprogramme in Afghanistan und Irak ausgegeben.
(Reymer Klüver, 28.07.2011)
Selbst wenn Obamas Abzugs-Planungen gut gehen sollten, werden noch mindestens weitere 500 Milliarden US-Dollar im Wüstensand versickern.
Berücksichtigt sind dabei allerdings nur die reinen Kosten für das Militär.
Insgesamt sind die Kriege noch wesentlich teurer.
Der Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz taxiert die Ausgaben auf mittlerweile mehr als drei Billionen Dollar. Forscher der Brown University prognostizieren sogar, dass die Kriegskosten sich am Ende auf etwa 3,7 Billionen Dollar belaufen werden - Zinszahlungen noch nicht mit einbezogen.
Hinzu kommt, was Stiglitz, 'ernüchternde Opportunitätskosten' nennt: 'Wären wir zum Beispiel ohne die Irak-Invasion noch immer in Afghanistan? Wären die Ölpreise ohne den Krieg in Irak auch so in die Höhe geschnellt? Wäre die Verschuldung so hoch? Wäre die Wirtschaftskrise so heftig ausgefallen?' Alle Fragen dürften mit einem klaren Nein beantwortet werden, so der Ökonom. Eine Truppenverstärkung, wie sie schließlich Präsident Obama im Dezember 2009 anordnete, hätte sechs Jahre zuvor wohl das Wiedererstarken der Taliban verhindert. Und ohne das Irak-Abenteuer wäre der Ölpreis heute mindestens zehn Dollar niedriger, meint Stiglitz. Zwischen 2003 und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008 stiegen die US-Schulden von 6,4 auf zehn Billionen Dollar. Fast eine Billion davon gehen nach Stiglitz" Einschätzung direkt auf das Kriegskonto. Und schließlich habe der Krieg gegen den Terror indirekt auch zur Krise beigetragen, weil die US-Regierung unter Präsident Bush sich zu einer 'desaströs lockeren Geld- und Regulierungspolitk' veranlasst sah, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. 'Ohne diesen Krieg ginge es unser Wirtschaft heute besser.'
(Reymer Klüver, 28.07.2011)
Ein weiterer Treppenwitz: Der damalige Senator Obama hatte als einer der ganz wenigen gegen den Irakkrieg votiert und muß nun die Suppe auslöffeln, die er verhindern wollte.
Falls sich jemand nicht vorstellen kann, wie man solche gigantischen Summen ausgeben konnte - eine BILLION US-Dollar sind 1000 Milliarden; also eine Million Millionen - für den habe ich zur Illustration eine Zahl.
Den verbliebenen 150.000 Soldaten in Afghanistan und im Irak ist in ihren Kampfmonturen sehr warm.
Amerikaner sind es aber - anders als beispielsweise in Europa - gewöhnt in dem Fall die Klimaanlage aufzudrehen. Benzin und Strom war schließlich über viele Jahrzehnte extrem billig und an die Umwelt und das Klima glauben bis heute viele GOPer nicht.
Also werden auch die Soldatenunterkünfte klimatisiert, was pro Jahr etwa 20 MILLIARDEN DOLLAR kostet.
Das ist mehr als der gesamte NASA-Etat.
Die aberwitzige Summe von 20.000 Millionen Dollar für schwitzende US-Soldaten kommt vor allem dadurch zustande, daß die Unterkünfte überhaupt nicht isoliert sind und die Klimaanlagen mit Benzin betrieben werden, welches umständlich in Tanklastern über irgendwelche sandigen Buckelpisten angekarrt werden muß.
Der pensionierte US-General Steven Anderson hat jetzt eine Rechnung aufgestellt, bei der viele Menschen in den USA aufhorchen dürften: Denn es geht bei Andersons Zahlenspiel nicht etwa um Geld für teure Präzisionswaffen - es geht um etwas ganz Profanes: Nämlich um die Frage, wie teuer es ist, dass US-Soldaten im Irak und in Afghanistan in ihren Zelten und Militärbasen nicht schwitzen müssen. Anderson zufolge verschlingt der Betrieb der Klimaanlagen für das US-Militär in den beiden Ländern gigantische Summen: mehr als 20 Milliarden Dollar jedes Jahr. Vor allem das Benzin, mit dem die Anlagen betrieben würden, sei teuer, sagte Anderson in "All things considered", einer Sendung des Rundfunksenders National Public Radio (NPR). Wenn man alles zusammenrechne, angefangen vom Transport des Treibstoffs in abgelegene Regionen mit sämtlichen Sicherheitsvorkehrungen bis hin zu der gesamten erforderlichen Infrastruktur, "dann sprechen wir von mehr als 20 Milliarden Dollar", sagte Anderson.
(SPON 27.06.2011)
Die naheliegende Frage, LOHNT SICH DER GANZE AUFWAND???????, wagt man gar nicht zu stellen; so offensichtlich ist der Irrsinn.
Die Bilanz des Irakkrieges ist aber auch nach offizieller US-Sicht ein Desaster.
Die Sicherheit des Landes hat sich im letzten Jahr wieder dramatisch verschlechtert. Allein in den letzten drei Monaten sind bei Terroranschlägen 248 irakische Zivilisten und 193 Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte getötet worden.
Schiitische Milizen haben im Juni insgesamt 15 US-Soldaten getötet und die politische Lage ist so prekär, daß beim völligen Abzug der US-Soldaten ein Bürgerkrieg unausweichlich scheint.
Der Irak würde, wie schon lange prophezeit, in einen Schiitischen, einen Kurdischen und einen Sunnitischen Teil zerfallen und dann die ganze Region weiter destabilisieren.
US-Bericht enthüllt katastrophale Sicherheitslage im Irak Barack.
[...] Obama hat den Irak-Krieg stets als falsch bezeichnet. Als er vor einem Jahr offiziell bekanntgab, alle Soldaten aus dem Land bis Ende 2011 abzuziehen, sagte der US-Präsident dennoch, die amerikanischen Truppen hätten "dem irakischen Volk die Möglichkeit zu einer besseren Zukunft eröffnet". Die Soldaten hätten daher ein großes Lob verdient. Dass auch Obama die Lage im Irak massiv beschönigt, zeigt der neue Vierteljahresbericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau im Irak. Stuart W. Bowen schreibt in seinem Fazit des 172-Seiten-Dokuments (Link hier), nach seiner Bewertung sei die Lage "unsicherer als vor zwölf Monaten".
(Spon 30.07.2011)
In den USA sind die Folgen des Irakkrieges dabei bei weitem nicht nur an den vollkommen zerrütteten Staatsfinanzen ersichtlich.
Mindestens ein Viertel der über zwei Millionen Irak- und Afghanistan-Veteranen leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), die immer noch nicht adäquat behandelt werden.
Daher bringen sich 18 Ex-Soldaten JEDEN TAG IN DEN USA UM!
Damit machen die jährlich knapp 7000 Selbstmorde von Kriegsveteranen ein Viertel aller US-Suizide aus und übertreffen sie Zahl der „Gefallenen“ deutlich.
Das menschliche Leid, das der Endloskrieg gegen den Terror über Hunderttausende Amerikaner gebracht hat, lässt sich nur ahnen, wenn man die Statistiken liest und die Doppelseiten mit den Fotos der Gefallenen betrachtet, die die großen Zeitungen des Landes regelmäßig veröffentlichen. 6100 tote Soldaten hat Amerika seit 2001 zu beklagen, fast 4500 von ihnen in Irak. […]
Fast 45000 Soldaten wurden seit 9/11 verwundet, nicht wenige verstümmelt in den Bombenattacken auf Militärfahrzeuge: Beinahe die Hälfte der Verwundeten wird medizinische Betreuung für den Rest ihres Lebens benötigen.
(Reymer Klüver, 28.07.2011)
Ein in jeder Hinsicht teurer Spaß, den die Amerikaner angezettelt haben.
Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausend, das nach dem Zusammenbruch des Kommunismus‘ eine amerikanische Vorherrschaft einläuten sollte, führte tatsächlich in eine neue Ära.
Amerikas Reputation ist dahin, die Armee ist vollkommen überlastet und zudem chronisch erfolglos.
Die Wirtschaft liegt am Boden und ausgerechnet das kommunistische Regime Chinas, welches allein 1,4 Billionen der US-Staatsschulden hält, steht mit erhobenen Zeigefinger da und ermahnt die einstige Mutternation des Kapitalismus zu Haushaltsdisziplin und vernünftigen wirtschaften.
Es verwundert nicht, daß die Seelenlage der stolzen Nation zerrüttet ist.
Die amerikanische Staatsverschuldung stieg von einem Minimum 1981 unter den GOP-Präsidenten Reagan und Bush sen. KONTINUIERLICH AN.
Erst der Demokrat Clinton konnte ab ca. 1997 den Trend umkehren und das sagenhafte Schuldenmachen zurückführen.
Ab dem ersten Jahr Bush II ging der Anstieg dann rapide weiter.
Allein GWB ist für 43 % der amerikanischen Schulden verantwortlich.
Es ist also ein Treppenwitz, daß ausgerechnet rechte GOPer sich als Gralshüter der US-Finanzen aufführen und den Demokraten im Weißen Haus bis aufs Blut bekämpfen.

Die Hauptursache für die weltgefährdende amerikanische Finanzlage ist eindeutig die Kriegspolitik, die der Ober-GOPer Bush verfolgte.
Ein weiterer Treppenwitz ist die inzwischen fast vergessene Planung der damaligen US-Regierung, daß der Irak-Krieg so gut wie gar nichts kosten würde, da man sich anschließend aus den sprudelnden Öl- Quellen des Iraks bedienen könnte.
Auch das war, wie so ziemlich alles, das Angela Merkels Busenfreund anfasste ein großer Haufen Lügen.
Der Congressional Research Service, der unabhängige wissenschaftliche Dienst des US-Parlaments, beziffert die direkten Ausgaben fürs Militär bisher auf nicht weniger als 1,3 Billionen Dollar. 800 Milliarden davon wurden in den Irak-Krieg gesteckt, gut 440 Milliarden kostete die Operation in Afghanistan, der Rest wurde für den Ausbau von Stützpunkten rund um den Globus sowie für Hilfsprogramme in Afghanistan und Irak ausgegeben.
(Reymer Klüver, 28.07.2011)
Selbst wenn Obamas Abzugs-Planungen gut gehen sollten, werden noch mindestens weitere 500 Milliarden US-Dollar im Wüstensand versickern.
Berücksichtigt sind dabei allerdings nur die reinen Kosten für das Militär.
Insgesamt sind die Kriege noch wesentlich teurer.
Der Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz taxiert die Ausgaben auf mittlerweile mehr als drei Billionen Dollar. Forscher der Brown University prognostizieren sogar, dass die Kriegskosten sich am Ende auf etwa 3,7 Billionen Dollar belaufen werden - Zinszahlungen noch nicht mit einbezogen.
Hinzu kommt, was Stiglitz, 'ernüchternde Opportunitätskosten' nennt: 'Wären wir zum Beispiel ohne die Irak-Invasion noch immer in Afghanistan? Wären die Ölpreise ohne den Krieg in Irak auch so in die Höhe geschnellt? Wäre die Verschuldung so hoch? Wäre die Wirtschaftskrise so heftig ausgefallen?' Alle Fragen dürften mit einem klaren Nein beantwortet werden, so der Ökonom. Eine Truppenverstärkung, wie sie schließlich Präsident Obama im Dezember 2009 anordnete, hätte sechs Jahre zuvor wohl das Wiedererstarken der Taliban verhindert. Und ohne das Irak-Abenteuer wäre der Ölpreis heute mindestens zehn Dollar niedriger, meint Stiglitz. Zwischen 2003 und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008 stiegen die US-Schulden von 6,4 auf zehn Billionen Dollar. Fast eine Billion davon gehen nach Stiglitz" Einschätzung direkt auf das Kriegskonto. Und schließlich habe der Krieg gegen den Terror indirekt auch zur Krise beigetragen, weil die US-Regierung unter Präsident Bush sich zu einer 'desaströs lockeren Geld- und Regulierungspolitk' veranlasst sah, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. 'Ohne diesen Krieg ginge es unser Wirtschaft heute besser.'
(Reymer Klüver, 28.07.2011)
Ein weiterer Treppenwitz: Der damalige Senator Obama hatte als einer der ganz wenigen gegen den Irakkrieg votiert und muß nun die Suppe auslöffeln, die er verhindern wollte.
Falls sich jemand nicht vorstellen kann, wie man solche gigantischen Summen ausgeben konnte - eine BILLION US-Dollar sind 1000 Milliarden; also eine Million Millionen - für den habe ich zur Illustration eine Zahl.
Den verbliebenen 150.000 Soldaten in Afghanistan und im Irak ist in ihren Kampfmonturen sehr warm.
Amerikaner sind es aber - anders als beispielsweise in Europa - gewöhnt in dem Fall die Klimaanlage aufzudrehen. Benzin und Strom war schließlich über viele Jahrzehnte extrem billig und an die Umwelt und das Klima glauben bis heute viele GOPer nicht.
Also werden auch die Soldatenunterkünfte klimatisiert, was pro Jahr etwa 20 MILLIARDEN DOLLAR kostet.
Das ist mehr als der gesamte NASA-Etat.
Die aberwitzige Summe von 20.000 Millionen Dollar für schwitzende US-Soldaten kommt vor allem dadurch zustande, daß die Unterkünfte überhaupt nicht isoliert sind und die Klimaanlagen mit Benzin betrieben werden, welches umständlich in Tanklastern über irgendwelche sandigen Buckelpisten angekarrt werden muß.
Der pensionierte US-General Steven Anderson hat jetzt eine Rechnung aufgestellt, bei der viele Menschen in den USA aufhorchen dürften: Denn es geht bei Andersons Zahlenspiel nicht etwa um Geld für teure Präzisionswaffen - es geht um etwas ganz Profanes: Nämlich um die Frage, wie teuer es ist, dass US-Soldaten im Irak und in Afghanistan in ihren Zelten und Militärbasen nicht schwitzen müssen. Anderson zufolge verschlingt der Betrieb der Klimaanlagen für das US-Militär in den beiden Ländern gigantische Summen: mehr als 20 Milliarden Dollar jedes Jahr. Vor allem das Benzin, mit dem die Anlagen betrieben würden, sei teuer, sagte Anderson in "All things considered", einer Sendung des Rundfunksenders National Public Radio (NPR). Wenn man alles zusammenrechne, angefangen vom Transport des Treibstoffs in abgelegene Regionen mit sämtlichen Sicherheitsvorkehrungen bis hin zu der gesamten erforderlichen Infrastruktur, "dann sprechen wir von mehr als 20 Milliarden Dollar", sagte Anderson.
(SPON 27.06.2011)
Die naheliegende Frage, LOHNT SICH DER GANZE AUFWAND???????, wagt man gar nicht zu stellen; so offensichtlich ist der Irrsinn.
Die Bilanz des Irakkrieges ist aber auch nach offizieller US-Sicht ein Desaster.
Die Sicherheit des Landes hat sich im letzten Jahr wieder dramatisch verschlechtert. Allein in den letzten drei Monaten sind bei Terroranschlägen 248 irakische Zivilisten und 193 Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte getötet worden.
Schiitische Milizen haben im Juni insgesamt 15 US-Soldaten getötet und die politische Lage ist so prekär, daß beim völligen Abzug der US-Soldaten ein Bürgerkrieg unausweichlich scheint.
Der Irak würde, wie schon lange prophezeit, in einen Schiitischen, einen Kurdischen und einen Sunnitischen Teil zerfallen und dann die ganze Region weiter destabilisieren.
US-Bericht enthüllt katastrophale Sicherheitslage im Irak Barack.
[...] Obama hat den Irak-Krieg stets als falsch bezeichnet. Als er vor einem Jahr offiziell bekanntgab, alle Soldaten aus dem Land bis Ende 2011 abzuziehen, sagte der US-Präsident dennoch, die amerikanischen Truppen hätten "dem irakischen Volk die Möglichkeit zu einer besseren Zukunft eröffnet". Die Soldaten hätten daher ein großes Lob verdient. Dass auch Obama die Lage im Irak massiv beschönigt, zeigt der neue Vierteljahresbericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau im Irak. Stuart W. Bowen schreibt in seinem Fazit des 172-Seiten-Dokuments (Link hier), nach seiner Bewertung sei die Lage "unsicherer als vor zwölf Monaten".
(Spon 30.07.2011)
In den USA sind die Folgen des Irakkrieges dabei bei weitem nicht nur an den vollkommen zerrütteten Staatsfinanzen ersichtlich.
Mindestens ein Viertel der über zwei Millionen Irak- und Afghanistan-Veteranen leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), die immer noch nicht adäquat behandelt werden.
Daher bringen sich 18 Ex-Soldaten JEDEN TAG IN DEN USA UM!
Damit machen die jährlich knapp 7000 Selbstmorde von Kriegsveteranen ein Viertel aller US-Suizide aus und übertreffen sie Zahl der „Gefallenen“ deutlich.
Das menschliche Leid, das der Endloskrieg gegen den Terror über Hunderttausende Amerikaner gebracht hat, lässt sich nur ahnen, wenn man die Statistiken liest und die Doppelseiten mit den Fotos der Gefallenen betrachtet, die die großen Zeitungen des Landes regelmäßig veröffentlichen. 6100 tote Soldaten hat Amerika seit 2001 zu beklagen, fast 4500 von ihnen in Irak. […]
Fast 45000 Soldaten wurden seit 9/11 verwundet, nicht wenige verstümmelt in den Bombenattacken auf Militärfahrzeuge: Beinahe die Hälfte der Verwundeten wird medizinische Betreuung für den Rest ihres Lebens benötigen.
(Reymer Klüver, 28.07.2011)
Ein in jeder Hinsicht teurer Spaß, den die Amerikaner angezettelt haben.
Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausend, das nach dem Zusammenbruch des Kommunismus‘ eine amerikanische Vorherrschaft einläuten sollte, führte tatsächlich in eine neue Ära.
Amerikas Reputation ist dahin, die Armee ist vollkommen überlastet und zudem chronisch erfolglos.
Die Wirtschaft liegt am Boden und ausgerechnet das kommunistische Regime Chinas, welches allein 1,4 Billionen der US-Staatsschulden hält, steht mit erhobenen Zeigefinger da und ermahnt die einstige Mutternation des Kapitalismus zu Haushaltsdisziplin und vernünftigen wirtschaften.
Es verwundert nicht, daß die Seelenlage der stolzen Nation zerrüttet ist.
Mittwoch, 20. April 2011
Der Christ des Tages - Teil XLIV
Es gibt keine Christen mehr in Norddeutschland.
- Von wegen!
Das Grocery-shopping is ohnehin eine Qual, aber mir geht das im Moment besonders auf die Nerven, weil der große TOOM-Markt, in den ich leider ab und an muß, gerade ein neues Gebäude hochzieht und während der einjährigen Umbauphase so eine Art Notverkauf auf dem Parkdeck stattfindet. Das Angebot ist trotzdem ziemlich üppig; es ist nur alles enger und voller.
Daß die Fleisch- und Fischtheke pausiert, kommt mir natürlich entgegen; der verdammte Pangasius stinkt immer hundert Meter weit. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Leute das Zeug kaufen.
Heute war es natürlich noch voller, weil sich alle für das lange Osterwochenende präparieren. Da werden Schokoladenhasen und gefärbte Eier Zentnerweise abtransportiert.
Als Lactovegetarier wühle ich natürlich besonders ausführlich an den Kühlregalen mit den Milchprodukten rum. Gerade hatte ich mich besonders lang gestreckt, um aus der hintersten Reihe einen Joghurt mit besserem MHD zu fischen, da piekst mich etwas in die Seite.
Ich befürchtete erst, daß es sich um einen Angestellten handelte, der mir erklären würde die Joghurts vorn wären auch noch gut.
(Herrgott - das ist doch das Konzept der SELBSTBEDIENUNG: Der Laden spart Personal, die Kunden machen die Arbeit selbst, aber dafür kann man sich auch aussuchen was man haben möchte)
Aber nein, es war ein blondierter Schopf einer mittelalterlichen Pyknikerin, der ich schon an der obligatorischen Petrus-Fisch-Brosche ansah, aus welcher Richtung der Wind nun wehen würde.
Was denn „heiba“ wäre.
Heiba? Wie meinen?
Die Fischgeschmückte war offensichtlich der deutschen Sprache nicht besonders mächtig. Freundlich, wie ich bin, werde ich dann ganz geduldig und setze ein Lächeln auf.
„Heiba“ oder „eiba“ stellte sich als „heilbar“ heraus und stammte natürlich von dem großen „Religion ist heilbar“-Button auf dem Revers meines Sakkos.
Wie erklärt man nun vor Heuschnupfen triefend mit einem Grieß-Jogurt in der Hand mal eben am Kühlregal einer Portugiesin, die sich hartnäckig als „gute Katholikin“ bezeichnet, daß ich mit „heiba“ nicht meine Unterstützung für’s Religiöse ausdrücken will?
Verdammt. An den anderen Sakkos habe ich meistens nur die drei Verbote-Buttons, mit dem durchgestrichenen Kreuz, dem durchgestrichenen Wort „Merkel“ und dem durchgestrichenen Wort „Papst“. Das ist irgendwie besser zu verstehen.
Scheinbar konnte ich mich aber doch verständlich machen, denn sofort rückte mir die drei Köpfe kleinere Dame mit beiden Zeigefinger Luftlöcher in meine Richtung pieksend auf den Pelz.
Das Universum sei ein „gross engine“ und das müsse ja wohl jemand mit einem Plan kreiert haben. Und im Übrigen solle ich doch endlich mal anerkennen welche Leistung Jesus, den sie sehr liebe (natürlich…) erbracht habe, indem er allen Kindern einen Vater gegeben habe.
Offensichtlich hatte ich da einige Buttons gepusht, denn nun ging die Bibelgeschichte à la Toom-Kühlregal erst richtig los.
Es sei doch in allen Religionen dasselbe - Männer kümmern sich nicht um ihre Kinder und verschwänden einfach. So sei es Maria, die sie auch ganz besonders liebe (hatte ich mir schon gedacht…), schließlich auch gewesen.
Nichtsnutz Joseph habe sich nicht richtig gekümmert und um den armen Jesus, der sich so vaterlos fühlte zu trösten, habe Maria ihm gesagt, Gott sei sein Vater.
Als Erwachsener sei Jesus dann Politiker geworden und habe das Gesetz erlassen, alle Kinder hätten einen Vater - nämlich Gott.
Das Evangelium von der nonkonformistischen Maria als alleinerziehende Mutter kenne ich leider nicht so gut, aber ich konnte es doch nicht lassen ihrem im Zweiminutentakt fallenden Satz „ich bin eine gute Katholikin“ zu widersprechen.
Höflich lächelte ich ihr zu und unterstützte sie in ihrer Interpretationsfreiheit - auch ich bin schließlich der Meinung, daß jeder das glauben kann, was er will.
Mit Joseph Ratzinger, der letztendlich bestimmt wer ein guter Katholik ist, bekäme sie allerdings Probleme.
Die Flexibilität der Religioten ist doch immer wieder beeindruckend:
Einerseits pochte die kajalumrahmte Toom-Agitatorin darauf, ich MÜSSE einsehen, es gäbe eine Gott, denn sonst gäbe s ja auch kein Universum und ich müsse anerkennen welch Großartiges Jesus und Maria geleistet hätten!
Aber andererseits kam auch ein herzliches „ist mir doch ganz egal“, als ich den Katholischen Katechismus oder Ratzinger ins Spiel brachte.
Darauf bohrte sie mir noch energischer ihre beiden Zeigefinger in die Brust - pah Ratzinger.
Sie glaube an Gott und Maria.
Soweit ich es aus meinen verbirkenpollten Augenwinkeln noch erkennen konnte, waren einige der uns umkreisenden Zuschauer ganz entzückt davon, wie es so eine kleine engagierte Christin dem großen bösen Atheisten zeigte.
Denn es ist ja Kar-Woche.
Im Unterschied zu den gläubigen Christen wissen Atheisten besser über die Jesus-Basics Bescheid. Was war am Karfreitag, was an Himmelfahrt, was zu Ostern?
If you are not sure, ask an atheist!
Verblüffend finde ich mit welcher Emsigkeit Fernsehmagazine und Lokalzeitungen zu jedem Pfingstfest und jedem Osterfest erklären, welche Christlichen Ursprünge diese Feiertage haben, obwohl sich die Erkenntnis nie verbreitet.
Was ist Pfingsten? ist die jährliche Standardfrage, die aber hartnäckig 90% der Christlichen Bevölkerung nicht beantworten können.
Irgendwie dringt die Kirche wirklich nicht mehr durch. Die immer wieder als Gastschreiber und Gastredner geladenen Kirchenvertreter, denen Zeitungen und Fernsehsender devot kostbare Sendezeit überlassen, verpuffen völlig wirkungslos.
Damit komme ich endlich zum Christen des Tages No 44. Es handelt sich um Pastor Hinrich C. Westphal, der im gestrigen Hamburger Abendblatt gleich auf Seite 2 erklären durfte, wieso sich die Menschen nach Gott sehnen.
Ebenso erfolgversprechend könnte der Pfaff erklären weswegen ich zwei Köpfe habe und der Schwerkraft trotze.
Eine ordentliche geistige Degeneration, die MSS dem Gottgläubigen attestiert, ist tatsächlich Voraussetzung, um Westphal zu folgen:
Wir verstehen die Ungerechtigkeit der Welt nicht und beklagen die Untätigkeit Gottes. Die Karwoche vor Ostern liefert jedem Antworten.
??? Dreimal nein, Herr Pfarrer.
1.) Die Ungerechtigkeit der Welt verstehe ich sehr gut. Um das zu erklären schreibe ich unter anderem diesen Blog.
2.) Auf die Idee große Schlaglöcher, Malaria oder das Aussterben der sibirischen Tiger mit der Untätigkeit Gottes zu erklären bin ich nie gekommen.
3.) Und ganz bestimmt erwarte ich keine Erkenntnisse von der Karwoche.
So einem Pfaff zahlt man als Steuerzahler die Ausbildung und mit meinem Abla-Abo zahle ich auch noch seine Werbeplattform.
DAS ist eine echte Ungerechtigkeit Gottes - wenn man an ihn glaubt.
Vor das lichthelle Auferstehungsfest hat die christliche Tradition "Karwoche" in unsere Kalender geschrieben, den Namen jener stillen Woche der Klage. Sieben Tage in Moll - muss das heute immer noch sein? Haben wir mit Unfällen und Krankheit, Fukushima und Kriegswirren nicht schon genug zu tragen? Täte uns nicht mehr Leichtigkeit gut? Seien wir realistisch: Das Leben ist kein Rosengarten und kein Streichelzoo. Es kann auch hart, schmerzhaft, bedrohlich und traurig sein. Das alles hat seine Zeit. Darum können wir nicht ganzjährig Weihnachtsbäume schmücken oder Eier bemalen, als nähmen wir die Probleme der Welt nicht zur Kenntnis. Wir können nicht pausenlos shoppen, feiern und Schweres verdrängen, das wäre kurzsichtig und ungesund. Stattdessen ist es sinnvoll und heilsam, sich einmal im Jahr der Leidensgeschichte Jesu zuzuwenden, wie sie in der Karwoche bedacht und begangen wird.
???
Es ist erstaunlich wie weit sich der Hamburger Pastor von der Lebensrealität entfernt hat.
Sieben Tage Moll? Mal abgesehen davon, daß Moll meine bevorzugte Tonart ist, sollte der Pfaff einsehen, daß sich 99 von 100 Menschen in Deutschland nicht aufgrund der Karwoche vorschreiben lassen deprimiert zu sein.
Wie sollte das auch gehen; es weiß ja kaum einer, was „Karwoche“ ist!
Dafür, daß niemand das Leben als „Streichelzoo oder Rosengarten“ missversteht, war die Kirche allerdings in den letzten 2000 Jahren sehr aktiv.
All die von Christen Massakrierten bei Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Missionierung, Inquisition und Judenpogromen haben ebenso wie all die von katholischen Geistlichen missbrauchten Kinder durchaus gelernt, daß das Leben kein Ponyhof ist.
Angesichts all der Todesopfer, die das Christentum verursacht hat, dahin zu plappern es sei „sinnvoll und heilsam“ sich reinzuziehen, wie der Lattenhansel abgemurxt wurde, schlägt allerdings dem Faß den Boden aus.
Offenbar ist an diesem leidenden Jesus, an den Texten und Gesängen von Liebe und Schmerz etwas dran, was viele Menschen im Innersten berührt. Offenbar fasziniert es sie, dass es hier nicht um eine Majestät geht, die in ferner Höhe über uns thront, sondern um einen Menschen, der wie wir leidet und uns zu einem glaubwürdigen Bruder in der Tiefe wird.
In welcher Welt leben Sie eigentlich Herr Pfarrer?
Ich würde Ihnen dringend vorschlagen einen Psychiater aufzusuchen. Offenbar fasziniert die Ostergeschichte eben NICHT, denn sonst würden nicht Europaweit Millionenfach die Menschen aus der Kirche austreten.
Die Christliche Grundkonzeption, daß ein allmächtiger Schöpfer die Menschen so fehlerhaft konstruierte, daß er aus Ärger über seinen eigenen Fauxpas seinen Sohn elendig krepieren ließ und wir uns zur Erinnerung an diesen Akt des Sadismus‘ für ewig den malträtierten und geschundenen Körper als so eine Art frühzeitliche Splatter-Actionfigur angucken sollen, ist doch mehr als fragwürdig.
Der Sohn scheint mir keinen allzu schlechten Deal gemacht zu haben - was macht es schon groß aus am Kreuz zu sterben, wenn man eh danach wiederaufersteht, so als ob nichts gewesen wäre?
Das ist doch ein Schnäppchenpreis für die Sünden der ganzen Welt.
Natürlich kann es sich auf Westphal, wie fast jeder Pfaff, nicht verkneifen auf Kranke und Sterbende hinzuweisen.
Die Texte und Melodien der Karwoche sind etwas, was die Angst und das Leiden vieler Menschen anspricht und auffängt, sie können an Krankenbetten und in Hospizen auch heute aktuell und tröstend sein.
Eine ausgesprochene Frechheit! Was maßt sich dieser Mensch an?
Das erinnert mich immer an die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg, die mit Hilfe Roger Kuschs Selbstmord beging und dann von Bizarra Käßmann verleumdet wurde.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Käßmann im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
Und wem die Karwoche allzu traurig ist, der sollte nicht vergessen: Sie ist der unerlässliche Auftakt für eine nachhaltige Osterfreude. Ostern wird alles anders und das Kreuz zum Siegeszeichen über den Tod.
Das soll Herr Westphal besser nicht den Müttern auf der Kinderkrebsstation erzählen, die über Monate und Jahre ihren Kleinen beim Sterben unter grausamen Schmerzen zusehen müssen.
Siegeszeichen über den Tod - ich glaube es hackt.
- Von wegen!
Das Grocery-shopping is ohnehin eine Qual, aber mir geht das im Moment besonders auf die Nerven, weil der große TOOM-Markt, in den ich leider ab und an muß, gerade ein neues Gebäude hochzieht und während der einjährigen Umbauphase so eine Art Notverkauf auf dem Parkdeck stattfindet. Das Angebot ist trotzdem ziemlich üppig; es ist nur alles enger und voller.
Daß die Fleisch- und Fischtheke pausiert, kommt mir natürlich entgegen; der verdammte Pangasius stinkt immer hundert Meter weit. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Leute das Zeug kaufen.
Heute war es natürlich noch voller, weil sich alle für das lange Osterwochenende präparieren. Da werden Schokoladenhasen und gefärbte Eier Zentnerweise abtransportiert.
Als Lactovegetarier wühle ich natürlich besonders ausführlich an den Kühlregalen mit den Milchprodukten rum. Gerade hatte ich mich besonders lang gestreckt, um aus der hintersten Reihe einen Joghurt mit besserem MHD zu fischen, da piekst mich etwas in die Seite.
Ich befürchtete erst, daß es sich um einen Angestellten handelte, der mir erklären würde die Joghurts vorn wären auch noch gut.
(Herrgott - das ist doch das Konzept der SELBSTBEDIENUNG: Der Laden spart Personal, die Kunden machen die Arbeit selbst, aber dafür kann man sich auch aussuchen was man haben möchte)
Aber nein, es war ein blondierter Schopf einer mittelalterlichen Pyknikerin, der ich schon an der obligatorischen Petrus-Fisch-Brosche ansah, aus welcher Richtung der Wind nun wehen würde.
Was denn „heiba“ wäre.
Heiba? Wie meinen?
Die Fischgeschmückte war offensichtlich der deutschen Sprache nicht besonders mächtig. Freundlich, wie ich bin, werde ich dann ganz geduldig und setze ein Lächeln auf.
„Heiba“ oder „eiba“ stellte sich als „heilbar“ heraus und stammte natürlich von dem großen „Religion ist heilbar“-Button auf dem Revers meines Sakkos.
Wie erklärt man nun vor Heuschnupfen triefend mit einem Grieß-Jogurt in der Hand mal eben am Kühlregal einer Portugiesin, die sich hartnäckig als „gute Katholikin“ bezeichnet, daß ich mit „heiba“ nicht meine Unterstützung für’s Religiöse ausdrücken will?
Verdammt. An den anderen Sakkos habe ich meistens nur die drei Verbote-Buttons, mit dem durchgestrichenen Kreuz, dem durchgestrichenen Wort „Merkel“ und dem durchgestrichenen Wort „Papst“. Das ist irgendwie besser zu verstehen.
Scheinbar konnte ich mich aber doch verständlich machen, denn sofort rückte mir die drei Köpfe kleinere Dame mit beiden Zeigefinger Luftlöcher in meine Richtung pieksend auf den Pelz.
Das Universum sei ein „gross engine“ und das müsse ja wohl jemand mit einem Plan kreiert haben. Und im Übrigen solle ich doch endlich mal anerkennen welche Leistung Jesus, den sie sehr liebe (natürlich…) erbracht habe, indem er allen Kindern einen Vater gegeben habe.
Offensichtlich hatte ich da einige Buttons gepusht, denn nun ging die Bibelgeschichte à la Toom-Kühlregal erst richtig los.
Es sei doch in allen Religionen dasselbe - Männer kümmern sich nicht um ihre Kinder und verschwänden einfach. So sei es Maria, die sie auch ganz besonders liebe (hatte ich mir schon gedacht…), schließlich auch gewesen.
Nichtsnutz Joseph habe sich nicht richtig gekümmert und um den armen Jesus, der sich so vaterlos fühlte zu trösten, habe Maria ihm gesagt, Gott sei sein Vater.
Als Erwachsener sei Jesus dann Politiker geworden und habe das Gesetz erlassen, alle Kinder hätten einen Vater - nämlich Gott.
Das Evangelium von der nonkonformistischen Maria als alleinerziehende Mutter kenne ich leider nicht so gut, aber ich konnte es doch nicht lassen ihrem im Zweiminutentakt fallenden Satz „ich bin eine gute Katholikin“ zu widersprechen.
Höflich lächelte ich ihr zu und unterstützte sie in ihrer Interpretationsfreiheit - auch ich bin schließlich der Meinung, daß jeder das glauben kann, was er will.
Mit Joseph Ratzinger, der letztendlich bestimmt wer ein guter Katholik ist, bekäme sie allerdings Probleme.
Die Flexibilität der Religioten ist doch immer wieder beeindruckend:
Einerseits pochte die kajalumrahmte Toom-Agitatorin darauf, ich MÜSSE einsehen, es gäbe eine Gott, denn sonst gäbe s ja auch kein Universum und ich müsse anerkennen welch Großartiges Jesus und Maria geleistet hätten!
Aber andererseits kam auch ein herzliches „ist mir doch ganz egal“, als ich den Katholischen Katechismus oder Ratzinger ins Spiel brachte.
Darauf bohrte sie mir noch energischer ihre beiden Zeigefinger in die Brust - pah Ratzinger.
Sie glaube an Gott und Maria.
Soweit ich es aus meinen verbirkenpollten Augenwinkeln noch erkennen konnte, waren einige der uns umkreisenden Zuschauer ganz entzückt davon, wie es so eine kleine engagierte Christin dem großen bösen Atheisten zeigte.
Denn es ist ja Kar-Woche.
Im Unterschied zu den gläubigen Christen wissen Atheisten besser über die Jesus-Basics Bescheid. Was war am Karfreitag, was an Himmelfahrt, was zu Ostern?
If you are not sure, ask an atheist!
Verblüffend finde ich mit welcher Emsigkeit Fernsehmagazine und Lokalzeitungen zu jedem Pfingstfest und jedem Osterfest erklären, welche Christlichen Ursprünge diese Feiertage haben, obwohl sich die Erkenntnis nie verbreitet.
Was ist Pfingsten? ist die jährliche Standardfrage, die aber hartnäckig 90% der Christlichen Bevölkerung nicht beantworten können.
Irgendwie dringt die Kirche wirklich nicht mehr durch. Die immer wieder als Gastschreiber und Gastredner geladenen Kirchenvertreter, denen Zeitungen und Fernsehsender devot kostbare Sendezeit überlassen, verpuffen völlig wirkungslos.
Damit komme ich endlich zum Christen des Tages No 44. Es handelt sich um Pastor Hinrich C. Westphal, der im gestrigen Hamburger Abendblatt gleich auf Seite 2 erklären durfte, wieso sich die Menschen nach Gott sehnen.
Ebenso erfolgversprechend könnte der Pfaff erklären weswegen ich zwei Köpfe habe und der Schwerkraft trotze.
Eine ordentliche geistige Degeneration, die MSS dem Gottgläubigen attestiert, ist tatsächlich Voraussetzung, um Westphal zu folgen:
Wir verstehen die Ungerechtigkeit der Welt nicht und beklagen die Untätigkeit Gottes. Die Karwoche vor Ostern liefert jedem Antworten.
??? Dreimal nein, Herr Pfarrer.
1.) Die Ungerechtigkeit der Welt verstehe ich sehr gut. Um das zu erklären schreibe ich unter anderem diesen Blog.
2.) Auf die Idee große Schlaglöcher, Malaria oder das Aussterben der sibirischen Tiger mit der Untätigkeit Gottes zu erklären bin ich nie gekommen.
3.) Und ganz bestimmt erwarte ich keine Erkenntnisse von der Karwoche.
So einem Pfaff zahlt man als Steuerzahler die Ausbildung und mit meinem Abla-Abo zahle ich auch noch seine Werbeplattform.
DAS ist eine echte Ungerechtigkeit Gottes - wenn man an ihn glaubt.
Vor das lichthelle Auferstehungsfest hat die christliche Tradition "Karwoche" in unsere Kalender geschrieben, den Namen jener stillen Woche der Klage. Sieben Tage in Moll - muss das heute immer noch sein? Haben wir mit Unfällen und Krankheit, Fukushima und Kriegswirren nicht schon genug zu tragen? Täte uns nicht mehr Leichtigkeit gut? Seien wir realistisch: Das Leben ist kein Rosengarten und kein Streichelzoo. Es kann auch hart, schmerzhaft, bedrohlich und traurig sein. Das alles hat seine Zeit. Darum können wir nicht ganzjährig Weihnachtsbäume schmücken oder Eier bemalen, als nähmen wir die Probleme der Welt nicht zur Kenntnis. Wir können nicht pausenlos shoppen, feiern und Schweres verdrängen, das wäre kurzsichtig und ungesund. Stattdessen ist es sinnvoll und heilsam, sich einmal im Jahr der Leidensgeschichte Jesu zuzuwenden, wie sie in der Karwoche bedacht und begangen wird.
???
Es ist erstaunlich wie weit sich der Hamburger Pastor von der Lebensrealität entfernt hat.
Sieben Tage Moll? Mal abgesehen davon, daß Moll meine bevorzugte Tonart ist, sollte der Pfaff einsehen, daß sich 99 von 100 Menschen in Deutschland nicht aufgrund der Karwoche vorschreiben lassen deprimiert zu sein.
Wie sollte das auch gehen; es weiß ja kaum einer, was „Karwoche“ ist!
Dafür, daß niemand das Leben als „Streichelzoo oder Rosengarten“ missversteht, war die Kirche allerdings in den letzten 2000 Jahren sehr aktiv.
All die von Christen Massakrierten bei Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Missionierung, Inquisition und Judenpogromen haben ebenso wie all die von katholischen Geistlichen missbrauchten Kinder durchaus gelernt, daß das Leben kein Ponyhof ist.
Angesichts all der Todesopfer, die das Christentum verursacht hat, dahin zu plappern es sei „sinnvoll und heilsam“ sich reinzuziehen, wie der Lattenhansel abgemurxt wurde, schlägt allerdings dem Faß den Boden aus.
Offenbar ist an diesem leidenden Jesus, an den Texten und Gesängen von Liebe und Schmerz etwas dran, was viele Menschen im Innersten berührt. Offenbar fasziniert es sie, dass es hier nicht um eine Majestät geht, die in ferner Höhe über uns thront, sondern um einen Menschen, der wie wir leidet und uns zu einem glaubwürdigen Bruder in der Tiefe wird.
In welcher Welt leben Sie eigentlich Herr Pfarrer?
Ich würde Ihnen dringend vorschlagen einen Psychiater aufzusuchen. Offenbar fasziniert die Ostergeschichte eben NICHT, denn sonst würden nicht Europaweit Millionenfach die Menschen aus der Kirche austreten.
Die Christliche Grundkonzeption, daß ein allmächtiger Schöpfer die Menschen so fehlerhaft konstruierte, daß er aus Ärger über seinen eigenen Fauxpas seinen Sohn elendig krepieren ließ und wir uns zur Erinnerung an diesen Akt des Sadismus‘ für ewig den malträtierten und geschundenen Körper als so eine Art frühzeitliche Splatter-Actionfigur angucken sollen, ist doch mehr als fragwürdig.
Der Sohn scheint mir keinen allzu schlechten Deal gemacht zu haben - was macht es schon groß aus am Kreuz zu sterben, wenn man eh danach wiederaufersteht, so als ob nichts gewesen wäre?
Das ist doch ein Schnäppchenpreis für die Sünden der ganzen Welt.
Natürlich kann es sich auf Westphal, wie fast jeder Pfaff, nicht verkneifen auf Kranke und Sterbende hinzuweisen.
Die Texte und Melodien der Karwoche sind etwas, was die Angst und das Leiden vieler Menschen anspricht und auffängt, sie können an Krankenbetten und in Hospizen auch heute aktuell und tröstend sein.
Eine ausgesprochene Frechheit! Was maßt sich dieser Mensch an?
Das erinnert mich immer an die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg, die mit Hilfe Roger Kuschs Selbstmord beging und dann von Bizarra Käßmann verleumdet wurde.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Käßmann im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
Und wem die Karwoche allzu traurig ist, der sollte nicht vergessen: Sie ist der unerlässliche Auftakt für eine nachhaltige Osterfreude. Ostern wird alles anders und das Kreuz zum Siegeszeichen über den Tod.
Das soll Herr Westphal besser nicht den Müttern auf der Kinderkrebsstation erzählen, die über Monate und Jahre ihren Kleinen beim Sterben unter grausamen Schmerzen zusehen müssen.
Siegeszeichen über den Tod - ich glaube es hackt.
Sonntag, 6. März 2011
Penisüberlegungen.
J.R. laufen in Europa nicht nur die Gläubigen weg; nein auch bei den Hirten herrscht Ebbe.
Viele Gemeinden sind verwaist, viele Priester müssen sich um ein halbes Dutzend oder mehr Kirchen kümmern.
Das Personal ist jetzt schon so knapp, daß die Pfaffen es noch nicht einmal mehr schaffen ihre wegsterbenden Gläubigen persönlich unter die Erde zu bringen.
Purer Not gehorchend mußten viele Bischöfe das Undenkbare wagen und Personen OHNE PENIS erlauben auf dem Friedhof auszuhelfen.
Der völlig überarbeitete Pastor Kossen der Christophorus Gemeinde Emmerich im Bistum Münster beispielsweise erwirkte bei seinem Oberhirten Bischof Felix Genn eine Sondergenehmigung mit der seine Pastoralreferentin Kirsten Ebben nun ein paarmal die Woche Beerdigungen durchführt.
Katholische Frauen sind so schön devot.
Statt der Amtskirche selbstbewußt gegenüber zutreten und zu sagen „das habt ihr nun davon, daß ihr uns nicht als Priesterinnen akzeptiert; nun seht zu, wie ihr klar kommt“, ist Frau Ebben auch noch dankbar dafür, daß sie nun ein bißchen aus der Bredouille helfen kann und akzeptiert klaglos, daß sie ob ihrer fehlenden Testikel und des fehlenden Gliedes keine Eucharistie feiern darf.
Ebben wird Trauerbesuche in den Familien, Predigten sowie Beisetzungen übernehmen. Lediglich die Eucharistiefeier ist einzig den Priestern vorbehalten. „Das ist schon eine Erleichterung“, meint Kossen. Die Beerdigungen ohne Messe (etwa die Hälfte) können ganz ohne Priester stattfinden. In anderen Regionen wie dem Ruhrgebiet sei dies längst Usus.
(Marco Virgillito , 24.02.2011)
Die Gläubigen akzeptieren auch eine Frau im Talar.
Aber der Vatikan ist besessen von Hoden und Penissen.
Es genügt noch nicht einmal überhaupt über derartige Geschlechtsorgane zu verfügen - nein, sie müssen auch einigermaßen groß und funktionstüchtig sein, um als Seelsorger, Priester oder Ehemann den kirchlichen Segen zu bekommen.
Um sich diesbezüglich keines Risikos auszusetzen, führten die Katholiken bei der Papstwahl ein ausgefeiltes Penisprüfverfahren ein; den Kotstuhl!!
„Der nach unten hin offene Sedes stercoraria. Auf dem Möbel mit dem irreführenden Namen mußten die neugewählten Päpste Platz nehmen und sich dann vom jüngsten Mitglied des Kardinal-Kollegiums unter die Soutane greifen lassen - um sicherzustellen, daß es sich bei dem zukünftigen Pontifex wirklich um einen Mann handelte. Fand der Gottesmann, wonach er suchte, sprach er die Worte: „Habet testes“ (er hat Hoden).Worauf die Kardinäle antworteten: „Deo gratias“ (dem Herrn sei Dank).
Dabei wäre der skurrile Greiftest - den die katholische Kirche wider besseres Wissen und alle Beweise heute leugnet - bei den meisten Päpsten überflüssig gewesen. Denn fast alle hatten schon vor ihrer Wahl bewiesen, daß sie Testes-Träger waren.“
(Der Spiegel 11/97)
"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."
(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)
Anderen Sekten, wie zum Beispiel den orthodoxen Christen, reicht noch nicht einmal die Tatsache überhaupt über männliche Genitalien zu verfügen - nein, sie müssen auch noch ausreichend groß sein - sonst ist’s Essig mit der Priesterlaufbahn.
Es kann dazu führen, daß armen kleinpimmeligen Menschen a priori der Weg zum Theologiestudium verwehrt bleibt.
So geschehen im Juli 1996 in Bukarest, als mehreren Männern das Kirchenstudium verboten wurde. Die Schule begründete die Ablehnung wie folgt:
Die Penisse der Kandidaten wären einfach zu klein und „in einer Pfarrersfamilie darf es nicht zu Scheidungen oder sonstigen Unannehmlichkeiten kommen“.
Klar - was könnte auch sonst ausschlaggebend sein für das Funktionieren einer Ehe außer der Penisgröße des Ehemannes!
Recht haben sie, die Rumänen!
Unter einer gewissen Mindestpenisgröße dürfte überhaupt nicht erlaubt sein zu heiraten.
Außerdem ist auf eine volle Funktionstüchtigkeit zu achten.
Als vorbildlich kann in dieser Hinsicht Bischof Lorenzo Chiarinelli in Viterbo angesehen werden:
Daß ein Paar sich liebt, zusammen leben möchte ohne laufend GV zu praktizieren, ist für Bischof Lorenzo Chiarinelli in Viterbo nicht nur NICHT vorstellbar, sondern sogar verwerflich.
Einem standesamtlich verheiratetem Paar verweigerte der Bischof den kirchlichen Segen, da der Ehemann durch einen Unfall gelähmt und zeugungsunfähig geworden war:
Kirchliche Trauung nur mit Erektion!
Zum katholischen Priesteramt taugen nun aber nicht alle Hodenträger.
Naive Menschen könnten meinen, daß in einem Beruf, der ohnehin zum Zölibat verpflichtet Penisgröße, Potenz und sexuelle Orientierung irrelevant wären - aber weit gefehlt:
Es ist außerdem zwischen guten (=heterosexuellen) und schlechten (=homosexuellen) Enthaltsamen zu unterscheiden.
Letztere dürfen auf Anweisung des aktuellen Pontifex‘ gar nicht erst zum Priesterseminar zugelassen werden.
Aufklären kann hier der stets brillante Erzbischof Dyba, der zwar zur Zeit tot ist, aber ob seines frommen Adlerblicks in die erotischen Abgründe mit Sicherheit bereits einen Ehrenplatz auf Wolke 7 in Gottes Himmel ergattert hat.
Im Bonifatiusboten verkündete er schon 1997, daß nur derjenige katholischer Priester werden könne, „der das Zeug zu einem gesunden und guten Familienvater“ hätte. Homosexuellen fehle dagegen das „Opferbewusstsein“ für das Priesteramt.
Anders als der selige Dyba hat sein Kollege Bischof Giovanni Scanavino (71) aus der mittelitalienischen Diözese Orvieto das spezielle heterosexuelle Opferbewußtsein nicht erkannt und dachte irrtümlich auch ein möglicherweise homophil veranlagter Zölibatärer könne ein einfühlsamer Seelsorger sein.
Der Durchgangsdiakon Luca Seidita aus Scanavinos Diözese sollte ursprünglich Ende 2010 von ihm zum Priester geweiht werden, obwohl Seitida angeblich „in der Vergangenheit“ homosexuelle Bekannte hatte.
(Ich weiß, man kann es kaum glauben - ein Diakon soll einen Schwulen kennen?)
Der Bischof fand Seidita gerade wegen seiner ausgeprägten Sensibilität zum Seelsorger geeignet.
Im letzten Moment griff aber der liebe Joseph Ratzinger ein und stoppte die Priesterweihe. Luca Seidita („Ich wollte Priester werden, ich hatte mein gesamtes Leben darauf ausgerichtet“) verzweifelte derart an der brutalen Haltung J.R.s, daß er sich nur einen Tag nach der Entscheidung des Papstes das Leben nahm.
Er sprang von einer Klippe in den Tod.
Er nehme sich das Leben wegen der Verweigerung der Priesterweihe, erklärte Seidita in einem Brief, der im Laufe des Tages in seinem Zimmer bei der Kurie von Orvieto gefunden wurde. Der Brief war auf Computer geschrieben. Laut den Ermittlern unter der Leitung von Staatsanwalt Francesco Novarese bestehen keine Zweifel, dass der Diakon der Autor des Dokuments ist. Laut dem Vatikan sei der Diakon Luca Seidita „nicht reif“ für eine Priesterweihe gewesen. Dies sagte der Bischof von Orvieto, Mons. Giovanni Scanavino, und sprach von Divergenzen mit den römischen Ministerien. „Für mich war er bereit Priester zu werden“, unterstrich Scanavino.
(suedtirolnews.it, 01.12.2010)
Die Personalie Seidita hatte der Vatikan damit glücklicherweise schnell vom Tisch, aber das größere Problem blieb der Bischof, der zickig noch nach der papalen Entscheidung, daß Seidita wegen der mangelnden theoretischen phallischen Ausrichtung auf Vaginen, kein Priester werden könne, darauf beharrte, der Diakon sei „doch geeignet“ gewesen.
Dabei sollte er als Bischof doch eins wissen: „Roma locuta, causa finita“.
Man hat gefälligst untertänig die Klappe zu halten, wenn J.R. etwas entschieden hat.
Renitente Bischöfe sind für Ratzi noch schlimmer als schwule Priester. Dafür war er zu lange Chef der römischen Inquisition, um sich auf der Nase herum tanzen zu lassen.
Integere Bischöfe mit eigener Meinung? Wo kämen wir denn da hin?
Dem außerordentlich beliebten Bischof Giovanni Scanavino wurde derart Druck gemacht, daß er zum Entsetzen seiner Schäfchen nun seinen Rücktritt anbot.
Ratzi was amused.
Papst Benedikt XVI. nahm am Samstag den vorzeitigen Rücktritt Scanavinos an und ernannte für eine Übergangszeit den emeritierten Erzbischof von Messina, Giovanni Marra (80), zum Nachfolger. Auslöser für die Spannungen war der Selbstmord eines Diakons im Vorjahr. Am 1. Dezember hatte sich ein Diakon von einem Felsen gestürzt, nachdem der Vatikan ihm die Zulassung zur Priesterweihe verwehrt hatte. Scanavino hatte den Mann zuvor aber als geeignet bezeichnet. Vorwürfe aus der Vergangenheit zu homosexuellen Neigungen des Kandidaten seien überwunden und aufgeklärt, hatte der Bischof damals gegenüber Klerikern seiner Diözese betont.
(Domradio 05.03.2011)
Wieder eine gewonnene Schlacht für den Vatikan; mutmaßliche Schwule und homo-tolerante Bischöfe rausgeekelt und zwei Seelsorger weniger.
Viele Gemeinden sind verwaist, viele Priester müssen sich um ein halbes Dutzend oder mehr Kirchen kümmern.
Das Personal ist jetzt schon so knapp, daß die Pfaffen es noch nicht einmal mehr schaffen ihre wegsterbenden Gläubigen persönlich unter die Erde zu bringen.
Purer Not gehorchend mußten viele Bischöfe das Undenkbare wagen und Personen OHNE PENIS erlauben auf dem Friedhof auszuhelfen.
Der völlig überarbeitete Pastor Kossen der Christophorus Gemeinde Emmerich im Bistum Münster beispielsweise erwirkte bei seinem Oberhirten Bischof Felix Genn eine Sondergenehmigung mit der seine Pastoralreferentin Kirsten Ebben nun ein paarmal die Woche Beerdigungen durchführt.
Katholische Frauen sind so schön devot.
Statt der Amtskirche selbstbewußt gegenüber zutreten und zu sagen „das habt ihr nun davon, daß ihr uns nicht als Priesterinnen akzeptiert; nun seht zu, wie ihr klar kommt“, ist Frau Ebben auch noch dankbar dafür, daß sie nun ein bißchen aus der Bredouille helfen kann und akzeptiert klaglos, daß sie ob ihrer fehlenden Testikel und des fehlenden Gliedes keine Eucharistie feiern darf.
Ebben wird Trauerbesuche in den Familien, Predigten sowie Beisetzungen übernehmen. Lediglich die Eucharistiefeier ist einzig den Priestern vorbehalten. „Das ist schon eine Erleichterung“, meint Kossen. Die Beerdigungen ohne Messe (etwa die Hälfte) können ganz ohne Priester stattfinden. In anderen Regionen wie dem Ruhrgebiet sei dies längst Usus.
(Marco Virgillito , 24.02.2011)
Die Gläubigen akzeptieren auch eine Frau im Talar.
Aber der Vatikan ist besessen von Hoden und Penissen.
Es genügt noch nicht einmal überhaupt über derartige Geschlechtsorgane zu verfügen - nein, sie müssen auch einigermaßen groß und funktionstüchtig sein, um als Seelsorger, Priester oder Ehemann den kirchlichen Segen zu bekommen.
Um sich diesbezüglich keines Risikos auszusetzen, führten die Katholiken bei der Papstwahl ein ausgefeiltes Penisprüfverfahren ein; den Kotstuhl!!
„Der nach unten hin offene Sedes stercoraria. Auf dem Möbel mit dem irreführenden Namen mußten die neugewählten Päpste Platz nehmen und sich dann vom jüngsten Mitglied des Kardinal-Kollegiums unter die Soutane greifen lassen - um sicherzustellen, daß es sich bei dem zukünftigen Pontifex wirklich um einen Mann handelte. Fand der Gottesmann, wonach er suchte, sprach er die Worte: „Habet testes“ (er hat Hoden).Worauf die Kardinäle antworteten: „Deo gratias“ (dem Herrn sei Dank).
Dabei wäre der skurrile Greiftest - den die katholische Kirche wider besseres Wissen und alle Beweise heute leugnet - bei den meisten Päpsten überflüssig gewesen. Denn fast alle hatten schon vor ihrer Wahl bewiesen, daß sie Testes-Träger waren.“
(Der Spiegel 11/97)
"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."
(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)
Anderen Sekten, wie zum Beispiel den orthodoxen Christen, reicht noch nicht einmal die Tatsache überhaupt über männliche Genitalien zu verfügen - nein, sie müssen auch noch ausreichend groß sein - sonst ist’s Essig mit der Priesterlaufbahn.
Es kann dazu führen, daß armen kleinpimmeligen Menschen a priori der Weg zum Theologiestudium verwehrt bleibt.
So geschehen im Juli 1996 in Bukarest, als mehreren Männern das Kirchenstudium verboten wurde. Die Schule begründete die Ablehnung wie folgt:
Die Penisse der Kandidaten wären einfach zu klein und „in einer Pfarrersfamilie darf es nicht zu Scheidungen oder sonstigen Unannehmlichkeiten kommen“.
Klar - was könnte auch sonst ausschlaggebend sein für das Funktionieren einer Ehe außer der Penisgröße des Ehemannes!
Recht haben sie, die Rumänen!
Unter einer gewissen Mindestpenisgröße dürfte überhaupt nicht erlaubt sein zu heiraten.
Außerdem ist auf eine volle Funktionstüchtigkeit zu achten.
Als vorbildlich kann in dieser Hinsicht Bischof Lorenzo Chiarinelli in Viterbo angesehen werden:
Daß ein Paar sich liebt, zusammen leben möchte ohne laufend GV zu praktizieren, ist für Bischof Lorenzo Chiarinelli in Viterbo nicht nur NICHT vorstellbar, sondern sogar verwerflich.
Einem standesamtlich verheiratetem Paar verweigerte der Bischof den kirchlichen Segen, da der Ehemann durch einen Unfall gelähmt und zeugungsunfähig geworden war:
"Kein Bischof, kein Priester kann eine Hochzeit zelebrieren,
wenn er weiß, dass eine Impotenz vorliegt".
wenn er weiß, dass eine Impotenz vorliegt".
Kirchliche Trauung nur mit Erektion!
Zum katholischen Priesteramt taugen nun aber nicht alle Hodenträger.
Naive Menschen könnten meinen, daß in einem Beruf, der ohnehin zum Zölibat verpflichtet Penisgröße, Potenz und sexuelle Orientierung irrelevant wären - aber weit gefehlt:
Es ist außerdem zwischen guten (=heterosexuellen) und schlechten (=homosexuellen) Enthaltsamen zu unterscheiden.
Letztere dürfen auf Anweisung des aktuellen Pontifex‘ gar nicht erst zum Priesterseminar zugelassen werden.
Aufklären kann hier der stets brillante Erzbischof Dyba, der zwar zur Zeit tot ist, aber ob seines frommen Adlerblicks in die erotischen Abgründe mit Sicherheit bereits einen Ehrenplatz auf Wolke 7 in Gottes Himmel ergattert hat.
Im Bonifatiusboten verkündete er schon 1997, daß nur derjenige katholischer Priester werden könne, „der das Zeug zu einem gesunden und guten Familienvater“ hätte. Homosexuellen fehle dagegen das „Opferbewusstsein“ für das Priesteramt.
Anders als der selige Dyba hat sein Kollege Bischof Giovanni Scanavino (71) aus der mittelitalienischen Diözese Orvieto das spezielle heterosexuelle Opferbewußtsein nicht erkannt und dachte irrtümlich auch ein möglicherweise homophil veranlagter Zölibatärer könne ein einfühlsamer Seelsorger sein.
Der Durchgangsdiakon Luca Seidita aus Scanavinos Diözese sollte ursprünglich Ende 2010 von ihm zum Priester geweiht werden, obwohl Seitida angeblich „in der Vergangenheit“ homosexuelle Bekannte hatte.
(Ich weiß, man kann es kaum glauben - ein Diakon soll einen Schwulen kennen?)
Der Bischof fand Seidita gerade wegen seiner ausgeprägten Sensibilität zum Seelsorger geeignet.
Im letzten Moment griff aber der liebe Joseph Ratzinger ein und stoppte die Priesterweihe. Luca Seidita („Ich wollte Priester werden, ich hatte mein gesamtes Leben darauf ausgerichtet“) verzweifelte derart an der brutalen Haltung J.R.s, daß er sich nur einen Tag nach der Entscheidung des Papstes das Leben nahm.
Er sprang von einer Klippe in den Tod.
Er nehme sich das Leben wegen der Verweigerung der Priesterweihe, erklärte Seidita in einem Brief, der im Laufe des Tages in seinem Zimmer bei der Kurie von Orvieto gefunden wurde. Der Brief war auf Computer geschrieben. Laut den Ermittlern unter der Leitung von Staatsanwalt Francesco Novarese bestehen keine Zweifel, dass der Diakon der Autor des Dokuments ist. Laut dem Vatikan sei der Diakon Luca Seidita „nicht reif“ für eine Priesterweihe gewesen. Dies sagte der Bischof von Orvieto, Mons. Giovanni Scanavino, und sprach von Divergenzen mit den römischen Ministerien. „Für mich war er bereit Priester zu werden“, unterstrich Scanavino.
(suedtirolnews.it, 01.12.2010)
Die Personalie Seidita hatte der Vatikan damit glücklicherweise schnell vom Tisch, aber das größere Problem blieb der Bischof, der zickig noch nach der papalen Entscheidung, daß Seidita wegen der mangelnden theoretischen phallischen Ausrichtung auf Vaginen, kein Priester werden könne, darauf beharrte, der Diakon sei „doch geeignet“ gewesen.
Dabei sollte er als Bischof doch eins wissen: „Roma locuta, causa finita“.
Man hat gefälligst untertänig die Klappe zu halten, wenn J.R. etwas entschieden hat.
Renitente Bischöfe sind für Ratzi noch schlimmer als schwule Priester. Dafür war er zu lange Chef der römischen Inquisition, um sich auf der Nase herum tanzen zu lassen.
Integere Bischöfe mit eigener Meinung? Wo kämen wir denn da hin?
Dem außerordentlich beliebten Bischof Giovanni Scanavino wurde derart Druck gemacht, daß er zum Entsetzen seiner Schäfchen nun seinen Rücktritt anbot.
Ratzi was amused.
Papst Benedikt XVI. nahm am Samstag den vorzeitigen Rücktritt Scanavinos an und ernannte für eine Übergangszeit den emeritierten Erzbischof von Messina, Giovanni Marra (80), zum Nachfolger. Auslöser für die Spannungen war der Selbstmord eines Diakons im Vorjahr. Am 1. Dezember hatte sich ein Diakon von einem Felsen gestürzt, nachdem der Vatikan ihm die Zulassung zur Priesterweihe verwehrt hatte. Scanavino hatte den Mann zuvor aber als geeignet bezeichnet. Vorwürfe aus der Vergangenheit zu homosexuellen Neigungen des Kandidaten seien überwunden und aufgeklärt, hatte der Bischof damals gegenüber Klerikern seiner Diözese betont.
(Domradio 05.03.2011)
Wieder eine gewonnene Schlacht für den Vatikan; mutmaßliche Schwule und homo-tolerante Bischöfe rausgeekelt und zwei Seelsorger weniger.
Montag, 31. Januar 2011
Kleinpatrioten
Jeder Mensch urteilt nicht nur rational und wohlabwiegend, sondern auch spontan, voreingenommen, „nach Bauchgefühl“ und aufgrund von Vorurteilen.
Pauschale Urteile sind immer ungerecht, aber dennoch bedient man sich der Abqualifizierungskeule im eigenen Kopf, um sich in der Welt zurecht zu finden.
Zugegeben; auch ich bediene mich auch Pauschalurteilen.
Zum Beispiel erwecke ich den Eindruck, daß ausnahmslos alle FDP-Politiker mies sind, daß jeder amerikanische GOPer ein Charakterschwein ist.
Dabei mag es da auch Ausnahmen geben.
Ein Urteilskriterium, das ich aber nie verwende, ist Nationalismus oder Patriotismus.
Nichts liegt mir ferner, als einen Menschen aufgrund des Stempels in seinem Pass zu bewerten.
Was sollte das auch schon aussagen?
In meinem Fall ist das ohnehin ein einziges Kuddelmuddel - Geburtsort stimmt nicht mit der Nationalität überein; der Vorname stammt aus einer dritten Gegend der Welt und der Nachname aus einer Vierten.
Ich bin mir aber sicher, daß ich auch mit deutschem Pass, geboren in Hessen mit dem Namen Hans Allemann niemals eine schwarzrotgelbe Fahne schwenken würde.
Die positiven Aspekte des Patriotismus, die immer wieder beschworen werden, zum Beispiel von einem „Es ist Deutschland hier“-Guido, der schon zu braunen Möllemann-Zeiten immer wieder verkündete er sei stolz ein Deutscher zu sein, sind mir vollkommen schleierhaft.
Guido ist stolz ein Deutscher zu sein? Weswegen?
Hat er irgendwas dafür geleistet den entsprechenden Pass zu bekommen?
Oder bewertet er es als ewig zu lobenden Eigenleistung, ausgerechnet in Bonn-Bad Honnef aus dem Uterus gekrochen zu sein?
Der kleine, aber harmlosere Bruder der Nationalismus ist der Lokalpatriotismus.
Er ist zwar genauso unverdient und sinnlos wie der Nationalpatriotismus, aber irgendwie natürlicher, da er sich auf eine überschaubarere Gruppe bezieht, der man sich zugehörig fühlt.
Ich finde zum Beispiel meinen Stadtteil gut.
Deswegen bin ich einst bewußt hierhin gezogen.
Vielleicht ist das ein Mikro-Lokalpatriotismus, wenn ich auch niemals das Wort „Stolz“ verwenden würde, da ich Stolz nicht empfinde.
Um stolz zu sein und diesen Stolz auch permanent zur Schau zu stellen, braucht man vermutlich ein Gemüt wie Guido Westerwelle, der sich ganz offensichtlich schon immer einfach fabelhaft fand.
Das mag subjektiv betrachtet für ihn angenehm sein. Vermutlich kommt man leichter durchs Leben, wenn man keine Selbstzweifel hat, sich für attraktiv, intelligent und anziehend hält.
Diese Ego-Sicht ist aber subjektiv und verkehrt sich objektiv eher ins Gegenteil.
Wer mag es schon, wenn jemand so offensichtlich von sich selbst begeistert ist und dann Dinge sagt wie „Ich bin die Freiheitsstatue der Bundesrepublik“?
Erstaunlicherweise wird offensiv transportierter Lokalpatriotismus in der Regel als Stärke empfunden.
Die stolzen Korsen, die selbstbewußten Briten und die bavariamanischen Bayern gelten aufgrund ihres Stolzes auf ihre Region als stark.
Ich hingegen finde es dagegen eher sympathisch, wenn jemand nicht so ein Aufhebens um seine eigene Herkunft betreibt.
Wie zum Beispiel die Sachsen-Anhalter, die nicht dafür bekannt sind, vor Stolz auf ihr Bundesland zu platzen.
Vielleicht sind die Sachsen-Anhalter (um irgendein Beispiel zu nennen) einfach gefestigte Charaktere, die es gar nicht nötig haben so einen Popanz um das eigene Sein zu veranstalten.
Bayern tragen dagegen ihr Bayerntum stets wie eine Monstranz vor sich - seht her, mir san mir.
Vermutlich sieht es aber anders aus, wenn die weiß-blauen Fähnchen eingerollt und die Krachledernen zurück in den Schrank gestellt wurde.
Eins muß man den Bayern lassen; sie können sich in einigen Aspekten deutlich von den anderen 15 Bundesländern absetzen und bundesweite Spitzenwerte erkämpfen:
Seit den Tagen Edmund Stoibers hat die bayerische Suizidrate nationale Spitzenwerte erklommen und die einst führenden Ost-Bundesländer allesamt abgehängt!
Gratulation.
Bayern liegt bei der Anzahl der Selbsttötungen seit Jahren an der Spitze aller deutschen Bundesländer. 2009 war sie sogar die höchste Deutschlands: In Bayern kamen auf 100000 Einwohner 12,9 Suizide. Das entspricht 1749 Selbsttötungen. Der deutsche Durchschnitt lag 2009 bei 10,6 Selbsttötungen je 100000 Einwohner. Das waren 9616 Menschen. Im Straßenverkehr kamen im selben Jahr nicht einmal halb so viele Menschen ums Leben wie durch Suizid.
Nicht immer stand der Freistaat in der Statistik so schlecht da. Bis Mitte der neunziger Jahre war er noch unter den Bundesländern mit den niedrigsten Zahlen. Doch inzwischen weist er sogar eine höhere Suizidrate auf als die ostdeutschen Länder, in denen seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert immer außergewöhnlich hohe Zahlen festgestellt wurden und die zu DDR-Zeiten traurige Rekorde schrieben. Jetzt hat sich das geändert. In Brandenburg zum Beispiel kamen 2009 nur 8,9 Suizide auf 100000 Einwohner. [… ]
(SZ, 31.01.2011)
Pauschale Urteile sind immer ungerecht, aber dennoch bedient man sich der Abqualifizierungskeule im eigenen Kopf, um sich in der Welt zurecht zu finden.
Zugegeben; auch ich bediene mich auch Pauschalurteilen.
Zum Beispiel erwecke ich den Eindruck, daß ausnahmslos alle FDP-Politiker mies sind, daß jeder amerikanische GOPer ein Charakterschwein ist.
Dabei mag es da auch Ausnahmen geben.
Ein Urteilskriterium, das ich aber nie verwende, ist Nationalismus oder Patriotismus.
Nichts liegt mir ferner, als einen Menschen aufgrund des Stempels in seinem Pass zu bewerten.
Was sollte das auch schon aussagen?
In meinem Fall ist das ohnehin ein einziges Kuddelmuddel - Geburtsort stimmt nicht mit der Nationalität überein; der Vorname stammt aus einer dritten Gegend der Welt und der Nachname aus einer Vierten.
Ich bin mir aber sicher, daß ich auch mit deutschem Pass, geboren in Hessen mit dem Namen Hans Allemann niemals eine schwarzrotgelbe Fahne schwenken würde.
Die positiven Aspekte des Patriotismus, die immer wieder beschworen werden, zum Beispiel von einem „Es ist Deutschland hier“-Guido, der schon zu braunen Möllemann-Zeiten immer wieder verkündete er sei stolz ein Deutscher zu sein, sind mir vollkommen schleierhaft.
Guido ist stolz ein Deutscher zu sein? Weswegen?
Hat er irgendwas dafür geleistet den entsprechenden Pass zu bekommen?
Oder bewertet er es als ewig zu lobenden Eigenleistung, ausgerechnet in Bonn-Bad Honnef aus dem Uterus gekrochen zu sein?
Der kleine, aber harmlosere Bruder der Nationalismus ist der Lokalpatriotismus.
Er ist zwar genauso unverdient und sinnlos wie der Nationalpatriotismus, aber irgendwie natürlicher, da er sich auf eine überschaubarere Gruppe bezieht, der man sich zugehörig fühlt.
Ich finde zum Beispiel meinen Stadtteil gut.
Deswegen bin ich einst bewußt hierhin gezogen.
Vielleicht ist das ein Mikro-Lokalpatriotismus, wenn ich auch niemals das Wort „Stolz“ verwenden würde, da ich Stolz nicht empfinde.
Um stolz zu sein und diesen Stolz auch permanent zur Schau zu stellen, braucht man vermutlich ein Gemüt wie Guido Westerwelle, der sich ganz offensichtlich schon immer einfach fabelhaft fand.
Das mag subjektiv betrachtet für ihn angenehm sein. Vermutlich kommt man leichter durchs Leben, wenn man keine Selbstzweifel hat, sich für attraktiv, intelligent und anziehend hält.
Diese Ego-Sicht ist aber subjektiv und verkehrt sich objektiv eher ins Gegenteil.
Wer mag es schon, wenn jemand so offensichtlich von sich selbst begeistert ist und dann Dinge sagt wie „Ich bin die Freiheitsstatue der Bundesrepublik“?
Erstaunlicherweise wird offensiv transportierter Lokalpatriotismus in der Regel als Stärke empfunden.
Die stolzen Korsen, die selbstbewußten Briten und die bavariamanischen Bayern gelten aufgrund ihres Stolzes auf ihre Region als stark.
Ich hingegen finde es dagegen eher sympathisch, wenn jemand nicht so ein Aufhebens um seine eigene Herkunft betreibt.
Wie zum Beispiel die Sachsen-Anhalter, die nicht dafür bekannt sind, vor Stolz auf ihr Bundesland zu platzen.
Vielleicht sind die Sachsen-Anhalter (um irgendein Beispiel zu nennen) einfach gefestigte Charaktere, die es gar nicht nötig haben so einen Popanz um das eigene Sein zu veranstalten.
Bayern tragen dagegen ihr Bayerntum stets wie eine Monstranz vor sich - seht her, mir san mir.
Vermutlich sieht es aber anders aus, wenn die weiß-blauen Fähnchen eingerollt und die Krachledernen zurück in den Schrank gestellt wurde.
Eins muß man den Bayern lassen; sie können sich in einigen Aspekten deutlich von den anderen 15 Bundesländern absetzen und bundesweite Spitzenwerte erkämpfen:
Seit den Tagen Edmund Stoibers hat die bayerische Suizidrate nationale Spitzenwerte erklommen und die einst führenden Ost-Bundesländer allesamt abgehängt!
Gratulation.
Bayern liegt bei der Anzahl der Selbsttötungen seit Jahren an der Spitze aller deutschen Bundesländer. 2009 war sie sogar die höchste Deutschlands: In Bayern kamen auf 100000 Einwohner 12,9 Suizide. Das entspricht 1749 Selbsttötungen. Der deutsche Durchschnitt lag 2009 bei 10,6 Selbsttötungen je 100000 Einwohner. Das waren 9616 Menschen. Im Straßenverkehr kamen im selben Jahr nicht einmal halb so viele Menschen ums Leben wie durch Suizid.
Nicht immer stand der Freistaat in der Statistik so schlecht da. Bis Mitte der neunziger Jahre war er noch unter den Bundesländern mit den niedrigsten Zahlen. Doch inzwischen weist er sogar eine höhere Suizidrate auf als die ostdeutschen Länder, in denen seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert immer außergewöhnlich hohe Zahlen festgestellt wurden und die zu DDR-Zeiten traurige Rekorde schrieben. Jetzt hat sich das geändert. In Brandenburg zum Beispiel kamen 2009 nur 8,9 Suizide auf 100000 Einwohner. [… ]
(SZ, 31.01.2011)
Mittwoch, 29. September 2010
Die tödlichste Gefahr der US-Armee
In Afghanistan und im Irak kam es bekanntlich nicht ganz so, wie es die Experten des Weißen Hauses prophezeit hatten.
Jubelnde Einheimische, die begeistert von den GIs Blumen werfen und dann über Nacht ihre Länder in säkulare Demokratien à la Deutschland und Japan verwandeln, waren in der Realität eher selten.
Am nächsten kam dem Bild noch der Irakische Journalist Muntadar al-Zaidi im Dezember 2008, der allerdings statt Blumen lieber seine Schuhe warf.
"Ein Abschiedskuss von den Menschen des Irak, du Hund" und "Dieser hier ist von den Witwen, den Weisen und den Getöteten im Irak." waren die Abschiedsworte an George W. Bush.
Während aber der potus und Commander in Chief nur Stunden später des lästige Land zwischen Euphrat und Tigris in seiner komfortablen Air Force One wieder verlassen konnte, mußte das Soldatenfußvolk die Bush-Politik weiter ausbaden.
Und so wird bis heute beinahe täglich in Amerikas Kriegen gestorben.
Die häufigste Todesursache bei US-Soldaten ist eine Unerwartete.
Al Kaida, Sprengfallen, die Taliban oder Saddams ominöse Massenvernichtungswaffen folgen erst auf den Plätzen.
Nein, die meisten US-Soldaten werden von US-Soldaten gekillt.
Die Kombination auf Hightech-Waffen, potenzierter Feuerkraft und immer jüngeren und unerfahrenen Soldaten, die plötzlich in einem Krieg ausgesetzt werden, den sie nicht verstehen, kristallisiert sich immer mehr als Kollektiv-Suizid-Strategie der US-army heraus.
Mehr als die Hälfte der Toten auf amerikanischer Seite sterben durch „friendly fire“.
Wenn auch die amerikanischen Soldaten nicht besonders klug und nicht sonderlich erfolgreich kämpfen, so können sie immerhin noch prima Euphemismen erfinden.
Versehentlich abgemurxte Zivilisten werden als „Collateral damage“ (~ Kollateralschaden. Also nebensächliches Geschehen.) verniedlicht.
In der Regel trifft es ohnehin „nur“ arme Einheimische, deren Angehörige sich eher selten von amerikanischen Top-Schadensersatz-Anwaltskanzleien vertreten lassen.
Ungünstig ist es allerdings, wenn diplomatische Einrichtungen “kollateral beschädigt“ werden, wie zum Beispiel am 8. Mai 1999 in Belgrad, als einige SFOR-Raketen mit „chirurgischer Präzision“ in die Botschaft Chinas einschlugen und drei Menschen töteten.
Beim „freundlichen Feuer“ handelt es sich um unbeabsichtigtes Töten eigener Soldaten, aufgrund schlechter Sichtverhältnisse, mangelnder „Freund-Feind-Erkennung“, Suff, Unfähigkeit, Leichtsinn und anderer Fehlleistungen.
Ein bekannter Fall ist der Tod des US-Football-Spielers Pat Tillman, der einen 3,6-Millionen-Dollar-Vertrag sausen ließ, um 2002 lieber zusammen mit seinem Bruder Kevin in den Irak zu gehen.
Eine Heldengeschichte, die das amerikanische Volk elektrisierte, entspann sich und wurde ins Absurde gehyped, als ausgerechnet die Tillmans an der Befreiung der US-Soldatin Jessica Lynch beteiligt sind.
Sportheld trifft heroische Soldaten-Heldin.
Jessica Lynch wird anschließend zur Erbauung der amerikanischen Öffentlichkeit als altruistische Kämpferin ohne Furcht dargestellt - eine Geschichte, die durch und durch erlogen war, wie sich später rausstellt. What else is new about the american Iraq-policy?
Pat Tillman stirbt Anfang 2004 in Afghanistan.
Es folgt ein bizarres und makabres Vertuschungsmanöver, denn weder Pentagon noch Weißes Haus wollen eingestehen, dass der Tod des prominenten Soldaten durch „Friendly Fire“ eintrat. Erst später erfahren die Angehörigen und die Öffentlichkeit die bittere Wahrheit sowie die Tatsache, dass nicht zuletzt grob fahrlässiges Verhalten anderer Soldaten zu den fatalen Ereignissen führte.
(www.kultur-in-bonn.de)
„Grob fahrlässig“ waren die Vorgänge allemal - Pat Tillman wurde bei Tag in einem Jeep durch eine Schlucht geschickt.
Statt eines Konvois, bildeten die Offiziere mehrere einzelne Ziele - Kevin Tillman folgte aufgrund eines direkten Befehls erst mit großem Abstand.
Es war also zumindest eine offensichtliche Todesfalle, in die Pat Tillman von seinen Vorgesetzen geschickt wurde.
Gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben später, daß der Sportheld sogar aus nächster Nähe erschossen wurde.
Was war da los? Hatte Tillmans Ermordung womöglich damit zu tun, daß er sich zu einem radikalen Kritiker der US-Militäraktion entwickelt hatte, daß er, der Atheist, womöglich bei seiner Rückkehr keine freundlichen Worte für die Christlichen Krieger im Weißen Haus finden würde?
Es darf spekuliert werden.
Die Geschichte hat der Top-Journalist Krakauer in einem investigativen Buch zusammengestellt.
Jon Krakauer: Auf den Feldern der Ehre. Die Tragödie des Soldaten Pat Tillman. 446 Seiten. Piper Verlag, München 2009. 19,95 Euro.
Krakauer ging auch dem „Phänomen freundliches Feuer“ nach und kam zu schockierenden Ergebnissen:
„Laut der umfassendsten Untersuchung der amerikanischen Kriegsopfer (Tote sowie Verwundete) konnten 21 Prozent der Opfer im Zweiten Weltkrieg auf Freundbeschuss zurückgeführt werden. In Vietnam waren es 39 Prozent und im ersten Golfkrieg 52 Prozent.“
Die GOP-Verteidigungsminister Rumsfeld und Gates sollten offensichtlich die Ausbildung der Soldaten dringend intensivieren und verbessern.
Daß sie es versäumen konnten, obwohl die massive medizinische Unterversorgung, das rasante Ansteigen der Suizid-Zahlen der US-Soldaten und der vierte-Welt-Siff im „Walter Reed“ (Walter Reed Army Medical Center) lange bekannt sind, dürfte an der sozialen Struktur der Soldaten liegen.
Schwarz, arm, aus prekären Verhältnissen stammend, ungebildet, jung, extrem gläubig - das sind die Jungs, die überwiegend für Amerika sterben.
Niemand also, um den sich Washington besonders schert.
Jubelnde Einheimische, die begeistert von den GIs Blumen werfen und dann über Nacht ihre Länder in säkulare Demokratien à la Deutschland und Japan verwandeln, waren in der Realität eher selten.
Am nächsten kam dem Bild noch der Irakische Journalist Muntadar al-Zaidi im Dezember 2008, der allerdings statt Blumen lieber seine Schuhe warf.
"Ein Abschiedskuss von den Menschen des Irak, du Hund" und "Dieser hier ist von den Witwen, den Weisen und den Getöteten im Irak." waren die Abschiedsworte an George W. Bush.
Während aber der potus und Commander in Chief nur Stunden später des lästige Land zwischen Euphrat und Tigris in seiner komfortablen Air Force One wieder verlassen konnte, mußte das Soldatenfußvolk die Bush-Politik weiter ausbaden.
Und so wird bis heute beinahe täglich in Amerikas Kriegen gestorben.
Die häufigste Todesursache bei US-Soldaten ist eine Unerwartete.
Al Kaida, Sprengfallen, die Taliban oder Saddams ominöse Massenvernichtungswaffen folgen erst auf den Plätzen.
Nein, die meisten US-Soldaten werden von US-Soldaten gekillt.
Die Kombination auf Hightech-Waffen, potenzierter Feuerkraft und immer jüngeren und unerfahrenen Soldaten, die plötzlich in einem Krieg ausgesetzt werden, den sie nicht verstehen, kristallisiert sich immer mehr als Kollektiv-Suizid-Strategie der US-army heraus.
Mehr als die Hälfte der Toten auf amerikanischer Seite sterben durch „friendly fire“.
Wenn auch die amerikanischen Soldaten nicht besonders klug und nicht sonderlich erfolgreich kämpfen, so können sie immerhin noch prima Euphemismen erfinden.
Versehentlich abgemurxte Zivilisten werden als „Collateral damage“ (~ Kollateralschaden. Also nebensächliches Geschehen.) verniedlicht.
In der Regel trifft es ohnehin „nur“ arme Einheimische, deren Angehörige sich eher selten von amerikanischen Top-Schadensersatz-Anwaltskanzleien vertreten lassen.
Ungünstig ist es allerdings, wenn diplomatische Einrichtungen “kollateral beschädigt“ werden, wie zum Beispiel am 8. Mai 1999 in Belgrad, als einige SFOR-Raketen mit „chirurgischer Präzision“ in die Botschaft Chinas einschlugen und drei Menschen töteten.
Beim „freundlichen Feuer“ handelt es sich um unbeabsichtigtes Töten eigener Soldaten, aufgrund schlechter Sichtverhältnisse, mangelnder „Freund-Feind-Erkennung“, Suff, Unfähigkeit, Leichtsinn und anderer Fehlleistungen.
Ein bekannter Fall ist der Tod des US-Football-Spielers Pat Tillman, der einen 3,6-Millionen-Dollar-Vertrag sausen ließ, um 2002 lieber zusammen mit seinem Bruder Kevin in den Irak zu gehen.
Eine Heldengeschichte, die das amerikanische Volk elektrisierte, entspann sich und wurde ins Absurde gehyped, als ausgerechnet die Tillmans an der Befreiung der US-Soldatin Jessica Lynch beteiligt sind.
Sportheld trifft heroische Soldaten-Heldin.
Jessica Lynch wird anschließend zur Erbauung der amerikanischen Öffentlichkeit als altruistische Kämpferin ohne Furcht dargestellt - eine Geschichte, die durch und durch erlogen war, wie sich später rausstellt. What else is new about the american Iraq-policy?
Pat Tillman stirbt Anfang 2004 in Afghanistan.
Es folgt ein bizarres und makabres Vertuschungsmanöver, denn weder Pentagon noch Weißes Haus wollen eingestehen, dass der Tod des prominenten Soldaten durch „Friendly Fire“ eintrat. Erst später erfahren die Angehörigen und die Öffentlichkeit die bittere Wahrheit sowie die Tatsache, dass nicht zuletzt grob fahrlässiges Verhalten anderer Soldaten zu den fatalen Ereignissen führte.
(www.kultur-in-bonn.de)
„Grob fahrlässig“ waren die Vorgänge allemal - Pat Tillman wurde bei Tag in einem Jeep durch eine Schlucht geschickt.
Statt eines Konvois, bildeten die Offiziere mehrere einzelne Ziele - Kevin Tillman folgte aufgrund eines direkten Befehls erst mit großem Abstand.
Es war also zumindest eine offensichtliche Todesfalle, in die Pat Tillman von seinen Vorgesetzen geschickt wurde.
Gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben später, daß der Sportheld sogar aus nächster Nähe erschossen wurde.
Was war da los? Hatte Tillmans Ermordung womöglich damit zu tun, daß er sich zu einem radikalen Kritiker der US-Militäraktion entwickelt hatte, daß er, der Atheist, womöglich bei seiner Rückkehr keine freundlichen Worte für die Christlichen Krieger im Weißen Haus finden würde?
Es darf spekuliert werden.
Die Geschichte hat der Top-Journalist Krakauer in einem investigativen Buch zusammengestellt.
Jon Krakauer: Auf den Feldern der Ehre. Die Tragödie des Soldaten Pat Tillman. 446 Seiten. Piper Verlag, München 2009. 19,95 Euro.
Krakauer ging auch dem „Phänomen freundliches Feuer“ nach und kam zu schockierenden Ergebnissen:
„Laut der umfassendsten Untersuchung der amerikanischen Kriegsopfer (Tote sowie Verwundete) konnten 21 Prozent der Opfer im Zweiten Weltkrieg auf Freundbeschuss zurückgeführt werden. In Vietnam waren es 39 Prozent und im ersten Golfkrieg 52 Prozent.“
Die GOP-Verteidigungsminister Rumsfeld und Gates sollten offensichtlich die Ausbildung der Soldaten dringend intensivieren und verbessern.
Daß sie es versäumen konnten, obwohl die massive medizinische Unterversorgung, das rasante Ansteigen der Suizid-Zahlen der US-Soldaten und der vierte-Welt-Siff im „Walter Reed“ (Walter Reed Army Medical Center) lange bekannt sind, dürfte an der sozialen Struktur der Soldaten liegen.
Schwarz, arm, aus prekären Verhältnissen stammend, ungebildet, jung, extrem gläubig - das sind die Jungs, die überwiegend für Amerika sterben.
Niemand also, um den sich Washington besonders schert.
Donnerstag, 12. August 2010
Altersfragen
Gelegentlich rutscht mir der Satz „wenn ich später mal groß bin….“ aus dem Mund.
Damit weine ich nicht verpassten Karrierechancen hinterher, sondern gebe nur zu erkennen, daß ich den Prozess des Erwachsenwerdens noch nicht abgeschlossen habe.
Man lernt ja nie aus.
Ständig zieht man sich Informationen rein und kommt zu weiseren Schlüssen.
Die Kehrseite meiner Denke ist die, daß ich jüngeren Menschen grundsätzlich misstraue.
Das sind Küken, die noch gar keine Ahnung vom Leben haben.
Am schlimmsten ist es im Krankenhaus, wenn da auf einmal ein Arzt Anordnungen und Diagnosen mitteilt, der oder die offensichtlich jünger als ich ist.
Pah. So jemanden kann man doch nicht ernst nehmen?
Was wissen die schon?
Daß nun schon Kinder Regierungsämter haben, kann ja nur ins Chaos führen.
Ich kann Politikern, die jünger als ich sind grundsätzlich nicht trauen.
Rösler, Schröder, Guttenberg, Christoph Ahlhaus und David McAllister KÖNNEN nicht gut sein, wenn die sogar jünger als ich sind.
(Allerdings gelegentlich älter aussehen)
Was wissen die denn schon?
Die Schröder lag noch in den Windeln als ich schon zur Schule ging.
Die Praxis zeigt ja auch ganz eindeutig, daß sie keine Ahnung von Politik hat.
Habe ich vielleicht ein etwas starres Altersbild?
Ich muß zugeben, daß ich durchaus erschreckt bin, wenn man über 30-Jährige Sportler gelegentlich liest, daß sie nun wirklich langsam aus Altersgründen aufhören müßten.
Ganz bestimmt könnten sie das Leistungsniveau der „Aktuellen Generation“ nicht mehr erreichen.
Im Tennis gelten 25- Jährige schon als alte Hasen.
Die Weißrussische Turnerin Swetlana Boginskaja, die dreifache Olympiasiegerin und fünffachen Weltmeisterin (1986 - 1992), stach aus dem Turnbetrieb hervor, weil sie riesengroß war - nämlich 1,61 m.
Damit überragte sie ihre Konkurrentinnen um Haupteslänge.
Boginskaja hatte darüber hinaus noch nie gesehene Körpermerkmale. Sie hatte sowas wie einen Busen und ansatzweise weibliche Rundungen. Shocking.
Bei den anderen brettartigen laufenden Metern wurden derartige Behinderungen strikt ausgesondert.
Ich erinnere mich an Swetlana Boginskaja, da ich einmal zufällig in eine Übertragung zappte, in der die damals 19-Jährige hartnäckig als „Turn-Oma“ bezeichnet wurde.
Die Gerontin des Leistungssports wagte sogar nach ihrem Rücktritt ein Comeback und gewann im wahrhaft biblischen Alter von 23 Jahren noch eine EM-Silbermedaille.
Was kommt als nächstes?
Jopi Heesters als BRAVO-Pin-up-boy?
Nein, Berufe haben spezielle Altersgrenzen, die man nicht über- oder unterschreiten soll.
Politiker sollen graumeliert sein, Nachrichtensprecher jungendlich, Ärzte nicht unter 50, Vlogger Teenager, Bischöfe über 60, Kardinäle über 70 und Päpste über 80.
Ein schöner Beruf für Twens ist „Popstar“. Sex, drugs and Rock’n Roll verkürzen die Lebenserwartung ohnehin ganz gewaltig.
Ein Forscherteam unter Mark Bellis von der Universität Liverpool analysierte die Lebensläufe von 1.064 Größen des Pop, die zwischen 1956 und 1999 berühmt wurden und deren Alben bei der Jahrtausendwende auf der Liste der "All time Top 1.000" rangierten.
(taz)
Lange hält der gemeine Superstar aber nicht durch.
Die sind einfach zu zerbrechlich.
Bellis ermittelte für die nordamerikanischen Stars eine durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren, und ihre Kollegen aus Europa kommen sogar nur auf 35 Jahre.
"Die Popstars haben nach dem Erlangen ihres Ruhms ein etwa doppelt so hohes Sterberisiko wie andere Menschen", so der Epidemiologe. Die Ursachen für das frühe Ableben reichen von Selbstmord über Aids bis zu Autounfällen, doch sie spielen allenfalls eine Nebenrolle gegenüber dem Drogenkonsum, der für mehr als jeden vierten Todesfall verantwortlich ist.
(taz)
Künstler und Kreative sind angeblich ja ohnehin alle Psychos - da greift man gewissermaßen zwangsläufig zur Droge.
Sie war die Erste, die völlig bedenkenlos zwischen Film und Leben pendelte und das Innerste zur öffentlichen Angelegenheit machte. Sie war eine wirkungsstarke, eine wirkungssüchtige Borderline-Heldin: Lange vor Britney Spears oder Lindsay Lohan oder Kate Moss hat.
[…] Sie nahm Männer, sie mischte Whisky in den Rotwein, sie nahm Tabletten, sie nahm fast jede Droge, doch eine vor allem: die Kamera.
[…] Sie und Meyen sind zwei Süchtige und Borderliner, die sich in ewigen Zyklen aus Selbstvergötterung und Leere, Hochstimmung und Angst und Einsamkeit aneinanderklammern. Sie nehmen Tabletten, Optalidon und Staurodorm in erster Linie. Dazu viel Alkohol.
Heute weiß die Kreativitätsforschung, dass die narzisstische Störung nicht Ergebnis des Ruhms ist, sondern dessen Ursache. Nicht die allgemeine Akklamation macht verrückt, sondern es ist die Verrücktheit, die zur Akklamation führt. Psychiater Borwin Bandelow, ehemaliger Rockgitarrist und Autor des Buchs "Celebrities.
Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein", in einem Gespräch mit dem SPIEGEL: "Wer es im Showbusiness bis ganz nach oben schafft, kann kein ganz gesunder Mensch sein." Romys Kollege Peter O'Toole weiß das längst: "Jenseits der Leinwand haben Schauspieler überhaupt kein Ego", sagte er. "Sie müssen eine Rolle spielen, um die Wirklichkeit zu spüren, und sie brauchen Aufmerksamkeit, um sich lebendig zu fühlen, sie schwanken ständig zwischen Hochstimmungen und Depression."
Wer Romy Schneiders Tragödie verstehen will, muss nicht das feministische oder politische Besteck bemühen, sondern er muss die Schauspielkunst verstehen. Sie und die Sucht, diese Krankheit der Kreativen. Die Sucht nach Liebe, nach Applaus, nach Alkohol, von allem immer mehr, und das gilt nicht nur für die "Rampensäue", sondern für viele Künstler - von den ersten sechs US-Literaturnobelpreisträgern waren fünf Alkoholiker.
(Matthias Matussek über Romy Schneider am 21.05.2007)
Der Göttinger Psychiater Borwin Bandelow sieht hingegen in den inneren, charakterlichen Dispositionen der Musiker einen Hauptkeim für deren Probleme: Nicht der Showrummel mache sie psychisch auffällig, sondern viele würden es nur deshalb nach oben schaffen, weil sie eben nicht "normal" seien. "Sie zeigen die Merkmale einer Borderlinestörung: Depressionen, Suizidversuche, Selbstverletzungen, ein Hang zu Drogen und Impulskontrollstörungen", so der Angstexperte. Hinzu kämen Bindungsängste sowie eine dauernde Unzufriedenheit, "ein Gefühl der Leere, das die Betroffenen ständig durch neue Kicks zu vertreiben suchen".
(taz)
So einfach ist das - alle Künstler sind irre Borderliner, müssen sich deswegen mit Drogen vollpumpen und geben daher unweigerlich mit Mitte 30 den Löffel ab.
Gut zu wissen.
Also ist der künstlerische Zug in meinem hohen Alter schon lange abgefahren.
Damit weine ich nicht verpassten Karrierechancen hinterher, sondern gebe nur zu erkennen, daß ich den Prozess des Erwachsenwerdens noch nicht abgeschlossen habe.
Man lernt ja nie aus.
Ständig zieht man sich Informationen rein und kommt zu weiseren Schlüssen.
Die Kehrseite meiner Denke ist die, daß ich jüngeren Menschen grundsätzlich misstraue.
Das sind Küken, die noch gar keine Ahnung vom Leben haben.
Am schlimmsten ist es im Krankenhaus, wenn da auf einmal ein Arzt Anordnungen und Diagnosen mitteilt, der oder die offensichtlich jünger als ich ist.
Pah. So jemanden kann man doch nicht ernst nehmen?
Was wissen die schon?
Daß nun schon Kinder Regierungsämter haben, kann ja nur ins Chaos führen.
Ich kann Politikern, die jünger als ich sind grundsätzlich nicht trauen.
Rösler, Schröder, Guttenberg, Christoph Ahlhaus und David McAllister KÖNNEN nicht gut sein, wenn die sogar jünger als ich sind.
(Allerdings gelegentlich älter aussehen)
Was wissen die denn schon?
Die Schröder lag noch in den Windeln als ich schon zur Schule ging.
Die Praxis zeigt ja auch ganz eindeutig, daß sie keine Ahnung von Politik hat.
Habe ich vielleicht ein etwas starres Altersbild?
Ich muß zugeben, daß ich durchaus erschreckt bin, wenn man über 30-Jährige Sportler gelegentlich liest, daß sie nun wirklich langsam aus Altersgründen aufhören müßten.
Ganz bestimmt könnten sie das Leistungsniveau der „Aktuellen Generation“ nicht mehr erreichen.
Im Tennis gelten 25- Jährige schon als alte Hasen.
Die Weißrussische Turnerin Swetlana Boginskaja, die dreifache Olympiasiegerin und fünffachen Weltmeisterin (1986 - 1992), stach aus dem Turnbetrieb hervor, weil sie riesengroß war - nämlich 1,61 m.
Damit überragte sie ihre Konkurrentinnen um Haupteslänge.
Boginskaja hatte darüber hinaus noch nie gesehene Körpermerkmale. Sie hatte sowas wie einen Busen und ansatzweise weibliche Rundungen. Shocking.
Bei den anderen brettartigen laufenden Metern wurden derartige Behinderungen strikt ausgesondert.
Ich erinnere mich an Swetlana Boginskaja, da ich einmal zufällig in eine Übertragung zappte, in der die damals 19-Jährige hartnäckig als „Turn-Oma“ bezeichnet wurde.
Die Gerontin des Leistungssports wagte sogar nach ihrem Rücktritt ein Comeback und gewann im wahrhaft biblischen Alter von 23 Jahren noch eine EM-Silbermedaille.
Was kommt als nächstes?
Jopi Heesters als BRAVO-Pin-up-boy?
Nein, Berufe haben spezielle Altersgrenzen, die man nicht über- oder unterschreiten soll.
Politiker sollen graumeliert sein, Nachrichtensprecher jungendlich, Ärzte nicht unter 50, Vlogger Teenager, Bischöfe über 60, Kardinäle über 70 und Päpste über 80.
Ein schöner Beruf für Twens ist „Popstar“. Sex, drugs and Rock’n Roll verkürzen die Lebenserwartung ohnehin ganz gewaltig.
Ein Forscherteam unter Mark Bellis von der Universität Liverpool analysierte die Lebensläufe von 1.064 Größen des Pop, die zwischen 1956 und 1999 berühmt wurden und deren Alben bei der Jahrtausendwende auf der Liste der "All time Top 1.000" rangierten.
(taz)
Lange hält der gemeine Superstar aber nicht durch.
Die sind einfach zu zerbrechlich.
Bellis ermittelte für die nordamerikanischen Stars eine durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren, und ihre Kollegen aus Europa kommen sogar nur auf 35 Jahre.
"Die Popstars haben nach dem Erlangen ihres Ruhms ein etwa doppelt so hohes Sterberisiko wie andere Menschen", so der Epidemiologe. Die Ursachen für das frühe Ableben reichen von Selbstmord über Aids bis zu Autounfällen, doch sie spielen allenfalls eine Nebenrolle gegenüber dem Drogenkonsum, der für mehr als jeden vierten Todesfall verantwortlich ist.
(taz)
Künstler und Kreative sind angeblich ja ohnehin alle Psychos - da greift man gewissermaßen zwangsläufig zur Droge.
Sie war die Erste, die völlig bedenkenlos zwischen Film und Leben pendelte und das Innerste zur öffentlichen Angelegenheit machte. Sie war eine wirkungsstarke, eine wirkungssüchtige Borderline-Heldin: Lange vor Britney Spears oder Lindsay Lohan oder Kate Moss hat.
[…] Sie nahm Männer, sie mischte Whisky in den Rotwein, sie nahm Tabletten, sie nahm fast jede Droge, doch eine vor allem: die Kamera.
[…] Sie und Meyen sind zwei Süchtige und Borderliner, die sich in ewigen Zyklen aus Selbstvergötterung und Leere, Hochstimmung und Angst und Einsamkeit aneinanderklammern. Sie nehmen Tabletten, Optalidon und Staurodorm in erster Linie. Dazu viel Alkohol.
Heute weiß die Kreativitätsforschung, dass die narzisstische Störung nicht Ergebnis des Ruhms ist, sondern dessen Ursache. Nicht die allgemeine Akklamation macht verrückt, sondern es ist die Verrücktheit, die zur Akklamation führt. Psychiater Borwin Bandelow, ehemaliger Rockgitarrist und Autor des Buchs "Celebrities.
Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein", in einem Gespräch mit dem SPIEGEL: "Wer es im Showbusiness bis ganz nach oben schafft, kann kein ganz gesunder Mensch sein." Romys Kollege Peter O'Toole weiß das längst: "Jenseits der Leinwand haben Schauspieler überhaupt kein Ego", sagte er. "Sie müssen eine Rolle spielen, um die Wirklichkeit zu spüren, und sie brauchen Aufmerksamkeit, um sich lebendig zu fühlen, sie schwanken ständig zwischen Hochstimmungen und Depression."
Wer Romy Schneiders Tragödie verstehen will, muss nicht das feministische oder politische Besteck bemühen, sondern er muss die Schauspielkunst verstehen. Sie und die Sucht, diese Krankheit der Kreativen. Die Sucht nach Liebe, nach Applaus, nach Alkohol, von allem immer mehr, und das gilt nicht nur für die "Rampensäue", sondern für viele Künstler - von den ersten sechs US-Literaturnobelpreisträgern waren fünf Alkoholiker.
(Matthias Matussek über Romy Schneider am 21.05.2007)
Der Göttinger Psychiater Borwin Bandelow sieht hingegen in den inneren, charakterlichen Dispositionen der Musiker einen Hauptkeim für deren Probleme: Nicht der Showrummel mache sie psychisch auffällig, sondern viele würden es nur deshalb nach oben schaffen, weil sie eben nicht "normal" seien. "Sie zeigen die Merkmale einer Borderlinestörung: Depressionen, Suizidversuche, Selbstverletzungen, ein Hang zu Drogen und Impulskontrollstörungen", so der Angstexperte. Hinzu kämen Bindungsängste sowie eine dauernde Unzufriedenheit, "ein Gefühl der Leere, das die Betroffenen ständig durch neue Kicks zu vertreiben suchen".
(taz)
So einfach ist das - alle Künstler sind irre Borderliner, müssen sich deswegen mit Drogen vollpumpen und geben daher unweigerlich mit Mitte 30 den Löffel ab.
Gut zu wissen.
Also ist der künstlerische Zug in meinem hohen Alter schon lange abgefahren.
Montag, 2. August 2010
Taliban und USA in einem Boot?
Daß Ende 2001 der komplett enthirnte GWB Kabula rasa machte, war zu erwarten.
US-Politik ist in der Regel von Ideologie und Psychologie bestimmt.
Geltungsdrang und Minderwertigkeitskomplexe sind entscheidende Antriebsfedern. Am 11. September war die Demütigung so gigantisch, daß der US-Präsident ein Ventil finden mußte.
Ich erinnere mich an Stimmen von durchaus liberalen New Yorkern, die zu der Zeit wie von Sinnen forderten „Der Taliban muß weg!“
Plural oder Singular war egal, Hintergrundinformationen wollte niemand.
Die Länder waren ohnehin so weit weg und hatten komischen Namen.
Wie sollte das ein Durchschnittsamerikaner wissen, der schon in arge Schwierigkeiten gerät, wenn er Mexiko oder Kanada auf der Weltkarte finden soll?
Michael Moore forderte damals, daß der Kongress ein Gesetz erlassen möge, nach dem es Amerika nur erlaubt sei Kriege gegen die Länder zu führen, die sie auch auf der Weltkarte finden könnten.
Guter Witz - das hätte die Bush-Administration zum Dasein als echter Friedensengel verdammt.
Da gab es jedenfalls diesen einen fiesen Herrn Taliban und der sollte bitte schön büßen - aber pronto.
GWB, der nach denkwürdigen Auszählungsdesaster frisch im Oval Office saß und so sehr darunter litt 500.000 Stimmen weniger als sein Gegenkandidat Gore bekommen zu haben, daß er seine Amtszeit bis dato im Urlaub auf seiner Ranch verbracht hatte, witterte die Gelegenheit und spielte Rambo.
Schnell schossen seine Beliebtheitswerte gen 90 %.
Man wollte Blut sehen und das sollte doch wohl klappen gegen eine Steinzeitgesellschaft am hintersten Ende der Welt, wo die Frauen in Burkas rumlaufen und die Männer in Lumpen durch die Pampa krochen.
Die größte Hightech-Armee des Planeten gegen eine ausgemergelte Horde Clochards, die zivilisatorisch irgendwo bei Pfeil und Bogen stehen geblieben waren.
Mit einer knappen Dekade Verspätung ist die Erkenntnis, daß die US-Einschätzung wohl ein bißchen falsch war, sogar bis ins Weiße Haus gedrungen.
Soviel wissen wird durch die über Wikileaks veröffentlichten 92.000 Afghanistan-Dokumente:
Die Kette der Fehlschläge und Niederlagen ist nahezu unendlich.
Es klappt nichts, die Taliban sind stärker denn je, die NATO-Soldaten haben einfach keinen Bock mehr, die Afghanischen Zivilisten sind vollkommen entnervt, wollen nur noch, daß die ausländischen Truppen verschwinden und die Afghanischen Kämpfer sind nicht das geringste bißchen demotiviert.
Treue US-Verbündete setzen sich ab.
Nach vier Jahren in Urusgan verschwinden soeben die knapp 2000 Niederländischen Soldaten.
Bis September werden sie sich samt ihrer F16-Bomber nach Europa zurück gezogen haben.
Nächstes Jahr folgt dann der nächste große Player; Kanada zieht seine 2800 Mann aus dem Hindukusch ab.
Die Deutschen können nicht abziehen, weil wir erstens die allertreusten der treuen US-Verbündeten sind und zweitens bedauerlicherweise eine realitätsentrückte Regierung haben, die entweder urlaubt, oder wie der Vizekanzler vor dem Bundestag feststellt, daß in Afghanistan eigentlich alles wunderbar liefe.
Vielleicht handelt es sich da um die unerhörte Leichtigkeit der Kinderlosen - Merkel, Westerwelle, Guttenberg - daß die Bundeswehrpräsenz am Hindukusch nicht überdacht wird.
Der Chef der Niederländischen Truppen, Peter van Uhm, weiß sicherlich etwas konkreter was es mit der Sterberei der Soldaten auf sich hat.
Einer der 24 am Hindukusch getöteten Holländer war sein Sohn.
Die USA zahlen den Blutzoll leichter, denn die Politelite Washingtons schickt ihre Kinder nicht in die Kriege.
Den Kopf halten vorzugsweise die Ärmsten und Ungebildetsten hin. Jungs aus dem platten Land von Arkansas, die ihre Brillengläser mit Gummibändern hinter Ohr festmachen, weil sie sich kein neues Gestell leisten können.
Der Juni 2010 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) war bisher der Top-Todesmonat für ausländische Truppen in Afghanistan - 102 Soldaten „fielen“.
Hauptbetroffene sind die Amerikaner, deren GIs sich auch ohnehin in Lyse befinden.
Exorbitanter Drogenkonsum, kriminelle Energien (über 1000 US-Soldaten sind bereits wegen zwei Straftaten in der Truppe verurteilt, aber immer noch nicht entlassen) und dann die Suizide!
Allein 32 US-Soldaten brachten sich im Juni 2010 selbst um.
Seit Jahresbeginn eine deutliche Steigerung - hatten sich in der US-Armee von Januar bis Mai 2010 genau 80 aktive und 65 Afghanistan-Reservisten das Leben genommen.
Wen wundert es, daß Depressionen und posttraumatischer Stress extrem sind?
Kümmern kann man sich auch nicht um die Soldaten, denn eine psychologische Betreuung würde Geld kosten und das fließt in Billionengrößenordnung in die Rüstungskonzerne ab.
Die Toten auf Afghanischer Seite zählt ohnehin niemand.
Wozu auch - ein Leben dort ist verdammt billig.
Als der deutsche Oberst Klein mutmaßlich absichtlich über 100 Zivilisten abschlachtete, fand das der Verteidigungsminister zunächst einmal „angemessen“, bestraft wurde niemand und die Entschädigung kostete die Bundesrepublik nur ein paar zehntausend Euro!
Schade eigentlich für OB Sauerland, daß die Toten in Deutschland so viel teurer sind - sonst würde die 7,5-Millionen Haftpflichtversicherung der Duisburger Loveparade ja locker ausreichen, um 21 Zerquetschte finanziell ruhig zu stellen. Hätten doch bloß mehr Afghanen beim Ruhr-Rave mitgemacht.
Das Sterben am Hindukusch ist weit weg und deswegen auch akzeptiert.
Zwar legte Peter Chiarelli, Vize-Generalstabschef der US-Armee, soeben eine Studie zur Selbstmordprävention vor, aber die wird auch wieder in den Schubladen verschwinden.
Dem Bericht zufolge ist das Selbstmordrisiko bei Soldaten, die erst spät mit etwa 28 oder 29 Jahren in die Armee eintreten, dreimal höher als bei anderen. Möglicherweise hätten diese Soldaten mehr persönliche oder finanzielle Probleme, mutmaßt der Bericht. Besonders häufig seien Suizide außerdem im ersten Jahr in der Armee, mit der Dauer des Dienstes nehme das Risiko ab.
Beunruhigt zeigte sich Chiarelli von den vielen Selbstmorden ohne offensichtlichen Grund. Zwei- bis dreimal pro Monat nähmen sich Soldaten das Leben, bei denen es keinerlei Hinweise auf schwerwiegende Probleme gegeben habe. "Das sind die, die uns so verwirren und schwer zu verstehen sind", sagte Chiarelli bei der Präsentation des Berichts.
(Spon)
Armer Chiarelli - er versteht es nicht und ist verwirrt.
Ich war bisher noch nie in Afghanistan und noch in keiner Armee - aber ich verstehe es durchaus.
Die Methode „Totschweigen“ der Probleme ist auf perfide Weise real geworden.
Eine Methode, die auch unser deutscher Superguttenberg gerne kopiert, wie man heute en passent in einer Buchbesprechung der SZ nachlesen kann:
In seinem Roman 'Kennedys Hirn' schrieb der schwedische Krimiautor und Afrikafreund Henning Mankell den klugen Satz: 'Wir wissen fast alles darüber, wie die Afrikaner sterben, aber kaum etwas darüber, wie sie leben.' Ein ähnliches Desinteresse oder besser: eine ähnliche Ignoranz bringen wir auch den deutschen Soldaten in Afghanistan entgegen.
Von ihrem Einsatz erfahren wir, wenn sie sterben oder wenn sie töten - wie im Fall des Oberst Klein. Aber wie sie in Afghanistan leben, was sie leisten, was sie bewegt, wovor sie Angst haben, was sie von dem Einsatz halten, wie es ihnen danach ergeht: Darüber wissen wir kaum etwas.
Und wenn es nach der Bundeswehrführung geht, soll das anscheinend auch so bleiben. Nur so lässt sich die Blockadepolitik erklären, mit der das Verteidigungsministerium so ziemlich jeden Versuch, den Alltag und die Gefühle der deutschen Soldaten zu erklären, auflaufen lässt oder gar zu unterbinden versucht.
Das bekam vor einigen Monaten das SZ-Magazin zu spüren, als es Feldpostbriefe von deutschen Soldaten aus Afghanistan veröffentlichen wollte, um einmal die zu Wort kommen zu lassen, die diesen Einsatz leisten, und um einmal ein etwas anderes Bild der Lage vor Ort zu zeichnen.
Die Bundeswehrleitung beziehungsweise das Verteidigungsministerium versprachen erst Unterstützung, sagten diese dann ab und suchten schließlich - ohne Erfolg -, das Projekt auf allerlei Ebenen zu verhindern, dies mit dem absurden Bundeswehr-internen Hinweis, die SZ-Journalisten wollten 'den Lesern einen möglichst realistischen Einblick in den Alltag des deutschen Kontingents geben'. Was wäre daran in einer Demokratie nicht unterstützenswert oder gar problematisch?
(Bastian Obermayer über das im Fackelträger Verlag erschienene Buch 'Ich krieg mich nicht mehr unter Kontrolle', das auch von der Bundeswehrführung blockiert wurde)
Wenn schon Deutschland nichts vom Sterben am Hindukusch wissen will, wieso sollte sich die USA um ihre toten Jungs sorgen? Ob nun gekillt by own fire oder durch Taliban.
Immerhin ist dort das Töten weit mehr akzeptiert als in Europa.
Soeben gibt es aktuelle Zahlen der Menschenrechtsgruppe „Hands Off Cain“ mit Sitz in Rom, welche Exekutionen weltweit dokumentiert und sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzt.
Die Welt ist sich ziemlich einig, daß Todesstrafe barbarisch, unethisch und absolut nicht zu rechtfertigen ist.
Länder wie Russland, die sonst nicht übertrieben zimperlich bei Menschenrechten sind, haben die Todesstrafe längst abgeschafft.
Dementsprechend ging auch im Jahr 2009 weltweit abermals die Zahl der staatlichen Exekutionen um 50 % zurück.
Es gibt aber Ausnahmenationen, die keine Bedenken haben - China, Iran, Irak und die USA:
In den USA wurden im vergangenen Jahr 52 Häftlinge hingerichtet, im Jahr zuvor waren es 37.
US-Politik ist in der Regel von Ideologie und Psychologie bestimmt.
Geltungsdrang und Minderwertigkeitskomplexe sind entscheidende Antriebsfedern. Am 11. September war die Demütigung so gigantisch, daß der US-Präsident ein Ventil finden mußte.
Ich erinnere mich an Stimmen von durchaus liberalen New Yorkern, die zu der Zeit wie von Sinnen forderten „Der Taliban muß weg!“
Plural oder Singular war egal, Hintergrundinformationen wollte niemand.
Die Länder waren ohnehin so weit weg und hatten komischen Namen.
Wie sollte das ein Durchschnittsamerikaner wissen, der schon in arge Schwierigkeiten gerät, wenn er Mexiko oder Kanada auf der Weltkarte finden soll?
Michael Moore forderte damals, daß der Kongress ein Gesetz erlassen möge, nach dem es Amerika nur erlaubt sei Kriege gegen die Länder zu führen, die sie auch auf der Weltkarte finden könnten.
Guter Witz - das hätte die Bush-Administration zum Dasein als echter Friedensengel verdammt.
Da gab es jedenfalls diesen einen fiesen Herrn Taliban und der sollte bitte schön büßen - aber pronto.
GWB, der nach denkwürdigen Auszählungsdesaster frisch im Oval Office saß und so sehr darunter litt 500.000 Stimmen weniger als sein Gegenkandidat Gore bekommen zu haben, daß er seine Amtszeit bis dato im Urlaub auf seiner Ranch verbracht hatte, witterte die Gelegenheit und spielte Rambo.
Schnell schossen seine Beliebtheitswerte gen 90 %.
Man wollte Blut sehen und das sollte doch wohl klappen gegen eine Steinzeitgesellschaft am hintersten Ende der Welt, wo die Frauen in Burkas rumlaufen und die Männer in Lumpen durch die Pampa krochen.
Die größte Hightech-Armee des Planeten gegen eine ausgemergelte Horde Clochards, die zivilisatorisch irgendwo bei Pfeil und Bogen stehen geblieben waren.
Mit einer knappen Dekade Verspätung ist die Erkenntnis, daß die US-Einschätzung wohl ein bißchen falsch war, sogar bis ins Weiße Haus gedrungen.
Soviel wissen wird durch die über Wikileaks veröffentlichten 92.000 Afghanistan-Dokumente:
Die Kette der Fehlschläge und Niederlagen ist nahezu unendlich.
Es klappt nichts, die Taliban sind stärker denn je, die NATO-Soldaten haben einfach keinen Bock mehr, die Afghanischen Zivilisten sind vollkommen entnervt, wollen nur noch, daß die ausländischen Truppen verschwinden und die Afghanischen Kämpfer sind nicht das geringste bißchen demotiviert.
Treue US-Verbündete setzen sich ab.
Nach vier Jahren in Urusgan verschwinden soeben die knapp 2000 Niederländischen Soldaten.
Bis September werden sie sich samt ihrer F16-Bomber nach Europa zurück gezogen haben.
Nächstes Jahr folgt dann der nächste große Player; Kanada zieht seine 2800 Mann aus dem Hindukusch ab.
Die Deutschen können nicht abziehen, weil wir erstens die allertreusten der treuen US-Verbündeten sind und zweitens bedauerlicherweise eine realitätsentrückte Regierung haben, die entweder urlaubt, oder wie der Vizekanzler vor dem Bundestag feststellt, daß in Afghanistan eigentlich alles wunderbar liefe.
Vielleicht handelt es sich da um die unerhörte Leichtigkeit der Kinderlosen - Merkel, Westerwelle, Guttenberg - daß die Bundeswehrpräsenz am Hindukusch nicht überdacht wird.
Der Chef der Niederländischen Truppen, Peter van Uhm, weiß sicherlich etwas konkreter was es mit der Sterberei der Soldaten auf sich hat.
Einer der 24 am Hindukusch getöteten Holländer war sein Sohn.
Die USA zahlen den Blutzoll leichter, denn die Politelite Washingtons schickt ihre Kinder nicht in die Kriege.
Den Kopf halten vorzugsweise die Ärmsten und Ungebildetsten hin. Jungs aus dem platten Land von Arkansas, die ihre Brillengläser mit Gummibändern hinter Ohr festmachen, weil sie sich kein neues Gestell leisten können.
Der Juni 2010 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) war bisher der Top-Todesmonat für ausländische Truppen in Afghanistan - 102 Soldaten „fielen“.
Hauptbetroffene sind die Amerikaner, deren GIs sich auch ohnehin in Lyse befinden.
Exorbitanter Drogenkonsum, kriminelle Energien (über 1000 US-Soldaten sind bereits wegen zwei Straftaten in der Truppe verurteilt, aber immer noch nicht entlassen) und dann die Suizide!
Allein 32 US-Soldaten brachten sich im Juni 2010 selbst um.
Seit Jahresbeginn eine deutliche Steigerung - hatten sich in der US-Armee von Januar bis Mai 2010 genau 80 aktive und 65 Afghanistan-Reservisten das Leben genommen.
Wen wundert es, daß Depressionen und posttraumatischer Stress extrem sind?
Kümmern kann man sich auch nicht um die Soldaten, denn eine psychologische Betreuung würde Geld kosten und das fließt in Billionengrößenordnung in die Rüstungskonzerne ab.
Die Toten auf Afghanischer Seite zählt ohnehin niemand.
Wozu auch - ein Leben dort ist verdammt billig.
Als der deutsche Oberst Klein mutmaßlich absichtlich über 100 Zivilisten abschlachtete, fand das der Verteidigungsminister zunächst einmal „angemessen“, bestraft wurde niemand und die Entschädigung kostete die Bundesrepublik nur ein paar zehntausend Euro!
Schade eigentlich für OB Sauerland, daß die Toten in Deutschland so viel teurer sind - sonst würde die 7,5-Millionen Haftpflichtversicherung der Duisburger Loveparade ja locker ausreichen, um 21 Zerquetschte finanziell ruhig zu stellen. Hätten doch bloß mehr Afghanen beim Ruhr-Rave mitgemacht.
Das Sterben am Hindukusch ist weit weg und deswegen auch akzeptiert.
Zwar legte Peter Chiarelli, Vize-Generalstabschef der US-Armee, soeben eine Studie zur Selbstmordprävention vor, aber die wird auch wieder in den Schubladen verschwinden.
Dem Bericht zufolge ist das Selbstmordrisiko bei Soldaten, die erst spät mit etwa 28 oder 29 Jahren in die Armee eintreten, dreimal höher als bei anderen. Möglicherweise hätten diese Soldaten mehr persönliche oder finanzielle Probleme, mutmaßt der Bericht. Besonders häufig seien Suizide außerdem im ersten Jahr in der Armee, mit der Dauer des Dienstes nehme das Risiko ab.
Beunruhigt zeigte sich Chiarelli von den vielen Selbstmorden ohne offensichtlichen Grund. Zwei- bis dreimal pro Monat nähmen sich Soldaten das Leben, bei denen es keinerlei Hinweise auf schwerwiegende Probleme gegeben habe. "Das sind die, die uns so verwirren und schwer zu verstehen sind", sagte Chiarelli bei der Präsentation des Berichts.
(Spon)
Armer Chiarelli - er versteht es nicht und ist verwirrt.
Ich war bisher noch nie in Afghanistan und noch in keiner Armee - aber ich verstehe es durchaus.
Die Methode „Totschweigen“ der Probleme ist auf perfide Weise real geworden.
Eine Methode, die auch unser deutscher Superguttenberg gerne kopiert, wie man heute en passent in einer Buchbesprechung der SZ nachlesen kann:
In seinem Roman 'Kennedys Hirn' schrieb der schwedische Krimiautor und Afrikafreund Henning Mankell den klugen Satz: 'Wir wissen fast alles darüber, wie die Afrikaner sterben, aber kaum etwas darüber, wie sie leben.' Ein ähnliches Desinteresse oder besser: eine ähnliche Ignoranz bringen wir auch den deutschen Soldaten in Afghanistan entgegen.
Von ihrem Einsatz erfahren wir, wenn sie sterben oder wenn sie töten - wie im Fall des Oberst Klein. Aber wie sie in Afghanistan leben, was sie leisten, was sie bewegt, wovor sie Angst haben, was sie von dem Einsatz halten, wie es ihnen danach ergeht: Darüber wissen wir kaum etwas.
Und wenn es nach der Bundeswehrführung geht, soll das anscheinend auch so bleiben. Nur so lässt sich die Blockadepolitik erklären, mit der das Verteidigungsministerium so ziemlich jeden Versuch, den Alltag und die Gefühle der deutschen Soldaten zu erklären, auflaufen lässt oder gar zu unterbinden versucht.
Das bekam vor einigen Monaten das SZ-Magazin zu spüren, als es Feldpostbriefe von deutschen Soldaten aus Afghanistan veröffentlichen wollte, um einmal die zu Wort kommen zu lassen, die diesen Einsatz leisten, und um einmal ein etwas anderes Bild der Lage vor Ort zu zeichnen.
Die Bundeswehrleitung beziehungsweise das Verteidigungsministerium versprachen erst Unterstützung, sagten diese dann ab und suchten schließlich - ohne Erfolg -, das Projekt auf allerlei Ebenen zu verhindern, dies mit dem absurden Bundeswehr-internen Hinweis, die SZ-Journalisten wollten 'den Lesern einen möglichst realistischen Einblick in den Alltag des deutschen Kontingents geben'. Was wäre daran in einer Demokratie nicht unterstützenswert oder gar problematisch?
(Bastian Obermayer über das im Fackelträger Verlag erschienene Buch 'Ich krieg mich nicht mehr unter Kontrolle', das auch von der Bundeswehrführung blockiert wurde)
Wenn schon Deutschland nichts vom Sterben am Hindukusch wissen will, wieso sollte sich die USA um ihre toten Jungs sorgen? Ob nun gekillt by own fire oder durch Taliban.
Immerhin ist dort das Töten weit mehr akzeptiert als in Europa.
Soeben gibt es aktuelle Zahlen der Menschenrechtsgruppe „Hands Off Cain“ mit Sitz in Rom, welche Exekutionen weltweit dokumentiert und sich für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzt.
Die Welt ist sich ziemlich einig, daß Todesstrafe barbarisch, unethisch und absolut nicht zu rechtfertigen ist.
Länder wie Russland, die sonst nicht übertrieben zimperlich bei Menschenrechten sind, haben die Todesstrafe längst abgeschafft.
Dementsprechend ging auch im Jahr 2009 weltweit abermals die Zahl der staatlichen Exekutionen um 50 % zurück.
Es gibt aber Ausnahmenationen, die keine Bedenken haben - China, Iran, Irak und die USA:
In den USA wurden im vergangenen Jahr 52 Häftlinge hingerichtet, im Jahr zuvor waren es 37.
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