So ungerecht, so anachronistisch und so undemokratisch und das Volk liebt es.
Während anderswo die Autokraten, die nicht vom Volk gewählt wurden blutig aus ihren Palästen gejagt werden, sind die europäischen Könige fast alle extrem beliebt.
Die Dänen lieben ihre Margarete, ganz Holland feiert morgen am Königinnentag das Hape-Kerkeling-Double Beatrix und dem Spanischen Monarchen Juan-Carlos werden sie auch ewig dankbar sein für seine Rolle beim Militärputsch.
Selbst in Schweden, wo der König ein geistig etwas unterbelichteter Lustgreis ist, der wöchentlich in den Puff geht, will nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Bevölkerung eine Republik einführen.
Aber wozu sollte das auch gut sein? Damit man dann frömmelnde Deppen à la Köhler und Wulf als Grüßauguste an der Staatspitze hat?
Da muß man sich auch ständig an neue Namen und Gesichter gewöhnen.
Warum schlicht und republikanisch, wenn es auch mit Pomp geht, denken sich die meisten Briten. Ihr Königshaus, die Firma Windsor, ist der Rolls Royce unter den Monarchien.
Obwohl es weltweit eine ganze Reihe Königinnen gibt, versteht jeder unter „Queen“ immer nur die britische Königin Elisabeth II.
Immerhin bekommen die Engländer auch was für ihr Geld - denn sämtliche Kinder, Cousinen, Großcousinen und Enkel der Königin repräsentieren auch rund um die Uhr.
Jedes Familienmitglied meistert hunderte offizielle Termine im Jahr und rein rechnerisch hat jeder Brite schon mal die Hand eines Royals geschüttelt.
Rente mit 67 gibt es da nicht.
Queen Mum rackerte sich ab bis sie 102 war. Dreimal am Tag einen ordentlichen Krug Gin genügten ihr als Lebenselixier.
Natürlich gibt es bei so einer großen Familie auch Ausschuß.
Einige sind etwas auf den Kopf gefallen. Proll-Prinz Andrew, Prinzessin Edward und insbesondere die strunzdoofe Diana mit dem debilen Blick waren, bzw sind, echte Nervensägen.
Aber das kann einem auch bei gewählten Personen passieren, wie Helmut Kohl („You can say you to me“), Heinrich Lübke („Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!“) und Guido („Es ist Deutschland als Tourist in kurzen Hosen, der sagt was zählt“).
Über die heutige Hochzeit von William und Catherine nur drei Fragen, da ich wirklich kein Experte bin:
1.)
Es ist ja OK, daß so ein Ereignis im TV übertragen wird. Aber warum in allen Sendern gleichzeitig und das auch noch schon seit vier Wochen nonstop?
2.)
Was ist das für ein Gewese um das Kleid?
Alfons Kaiser von der altehrwürdigen F.A.Z. schreibt:
Ein Hochzeitskleid für die Ewigkeit. Der Schleier ist gelupft: Das Königshaus hat einen neuen Stil. Und das Londoner Modehaus Alexander McQueen hat eine Zukunft. Denn mit Kates Brautkleid beginnt eine neue Zeitrechnung der königlichen Mode.
Daraufhin habe ich mir zwei Internet-Bildstrecken über die Hochzeit angesehen und fand das Kleid erst gar nicht.
Das ist doch für mein wenig fachmännisches Auge ein relativ schlichtes Kleid, welches neben den ultrabunten und auffällig bestickten Gold-Kleidern der Bischofs-Tunten, die mit ihr am Altar rumstanden, völlig unterging.
3.)
Wieso gehen von königlichen Großereignissen in England immer so tödliche morphogenetische Wellen aus? Am Ende stirbt immer irgendjemand, um den es Schade ist.
Besonders ungarische Musiker sind gefährdet.
Dazu ein paar Beispiele:
Prinzessin Margaret, Schwester der Queen heiratet am 6. Mai 1960 Antony Armstrong-Jones, 1. Earl of Snowdon, gleichzeitig stirbt in Hamburg der berühmte ungarische Komponist Pál Ábrahám.
Prince Andrew, Sohn der Queen heiratet am 23. Juli 1986 Sarah Ferguson und gleichzeitig stirbt der Dirigent und langjährige Präsident des polnischen Komponistenverbandes Kazimierz Sikorski.
Prinzessin Anne, die Tochter der Queen heiratet am 12. Dezember 1992 Commander Timothy Laurence und gleichzeitig gibt es Indonesien ein Erdbeben der Stärke 6,8 mit etwa 2.500 Toten.
Am 5. September 1997 tut die debile Diana ihren finalen Blick in einen Pariser Tunnel und dann stirbt gleichzeitig der Weltklasse-Musiker Sir Georg Solti (74 Grammy-Nominierungen, 31 mal erhielt er die Auszeichnung).
Am 13. Juni 1999 heiraten Prince Edward und Sophie Rhys-Jones und gleichzeitig wird im Kosovo ein Blutbad veranstaltet:
Es war der Tod von deutschen Journalisten, der die Bundeswehr dazu veranlasste, das Seminar anzubieten: am 13. Juni 1999 waren die „Stern“-Reporter Gabriel Grüner, Volker Krämer und ihr Übersetzer Senol Aliti im Kosovo erschossen worden.
(constantinwissmann.de)
29.04.2011 heiratet Prince William diese Dings, …, (wie auch immer sie heißt; sie hat so ein Allerweltgesicht bar jeder Ausstrahlung, daß ich mir keinen Namen dazu merken kann.) und gleichzeitig stirbt Tosia Reich-Ranicki; eine der wenigen öffentlichen Menschen, die ich wirklich sehr mochte.
Neben ihrem blitzgescheiten und humorvollen Mann ging sie fast unter, dabei ist sie eigentlich die große Künstlerin der beiden.
Die unbekannte Teofila Reich-Ranicki. Sie war eine Meisterin der Beobachtung und der Unauffälligkeit. Ihre Erinnerung an Flucht und Verfolgung hat sie nicht in Worte gefasst, denn sie konnte nicht darüber reden. Aber allein durch ihre Anwesenheit triumphierte sie über die, die ihr nach dem Leben trachteten.
(Frank Schirrmacher 29.04.11)
Teofila Reich-Ranickis Buch mit den großartigen Aquarellen, die sie im Warschauer Ghetto malte, möchte ich bei der Gelegenheit empfehlen.


