TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Sonntag, 19. Juli 2009

Penis-Begeisterung.

Als eifriger Kreuznet-Leser weiß ich inzwischen um das immerwährende Faszinosum „Penis“.
Nichts scheint die Homophoben so nachhaltig zu beschäftigen, wie die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der männlichen Genitalien.
Darin sind die Rechts-Außen der Katholischen Kirche mit ihrem Papst einig.
Fast das gesamte Moralgebäude kreist um Masturbation, Analverkehr und Kondome.
Die eifrigen Neologisten bereichern den Wortschatz ihrer Leser dabei mit Ausdrücken wie "notorischer Sodomist", "Schokostecher" oder "Homo-Auflauf".
Bezeichnenderweise ignorieren die Männer in den Kleidern weibliche Genitalien fast vollkommen - offensichtlich können die auf untenrum fixierten Lustgreise ihre Phantasie nicht so weitgehend einsetzen.
Wie der Teufel das Weihwasser fürchten sie, daß auch mal eine Frau Priester werden könnte,
Ihre Imaginationskraft erschöpft sich im schwulen Geschlechtsakt.

Vermutlich werde ich die größte transnationale Schwulenorganisation der Erde (=RKK) nie verstehen.

Man(n und Frau) kann sich doch auch auf andere Weise mit Penissen beschäftigen, wenn man es unbedingt will.
Da gibt es beispielsweise das berühmte Penismuseum in der isländischen Stadt Húsavík.HIÐ ÍSLENZKA REÐASAFN, Héðinsbraut 3a, IS-640 Húsavík, Telefon 00354 5668668.

Dort hat der Pimmellophile die Gelegenheit 55 Phallen von 17 Walarten, Eisbären, 36 Dödel von 7 Robbenarten und knapp 114 Geräte von 20 weiteren Tierarten zu sehen.

Neben allerlei Kitsch sind die Präparate aber das Highlight des Bildungshauses.
Prachtstück ist ein Pottwalpenis, der fast 70 Kilo wiegt und 1,70m lang ist.
Wem das alles zu theoretisch ist, dem sei ein Trip nach Peking empfohlen.
Dort gibt es einen Kulturtempel für die eher am Felliatioaspekt Interessierten.

Das Penis-Restaurant Guo Li Zhuang (鍋裡壯). 1A Dongyan, Xihai (South of Deshengmen Qiao), Xicheng District.Tel: 6405 5966

Hier kann man sich Pimmel aller Art - vom Ochsen bis zum Seehund - schmecken lassen.

Die Köche scheinen sehr freundlich und auskunftsfreudig zu sein; so berichtet Stefan Gates in der Times:

I ask a chef to show us the preparation of a penis first, so that I can get a feel for the process. He enters holding aloft an eye-wateringly large yak’s knob. It’s about 45cm long, but thin, so thin. It’s been boiled gently and - I can’t believe I’m writing this - peeled, except for a hunk of foreskin still clinging on to the end. He cuts the thing in half lengthways with a pair of scissors. As he chops through the very tip of this impressive member, I feel an undeniable empathy twitch in my own penis and a bizarre feeling of nausea in my groin. (I didn’t think groins could experience nausea.) I can’t help yelping in sympathy. He then uses a knife to make hundreds of little snips along the side of the penis and chops the strips into 5cm pieces. When these are dropped into boiling stock, they curl up into little flower shapes that are so incongruous, I can barely believe my eyes. I ask the chef if he thinks it strange to deal exclusively in genitalia, but he shrugs and doesn’t know what to say. He’s just happy to have a good job, really.

Frau Zhu Yan, die Restaurant-eigene Ernährungsspezialistin berät bei der Auswahl. Verschiedene Pimmel haben verscheidene Wirkungen; wie die freundliche Dame geduldig - auch in englisch - erklärt:

Donkey – Good for the skin
Snake – Makes you hot and potent
Sheep, Horse and Ox – Helps the circulation of the blood
Dog – Boosting sex drive and treating all sorts of ailments.

Für Hartz-IV-Empfänger ist der Tempel des guten Gemächts allerdings nicht unbedingt geeignet.
Ein sehr einfaches Gericht, wie der in Streifen geschnittene und in Mehl panierte Ziegenbockpenis in Sojasoße kostet 300 Euro und bei seltenen Tieren geht es preislich noch deutlich aufwärts.
Bei einem Tiger-Penis-Fondue muß man schon an die 5000 Euro hinblättern.

Laut des (wirklich dilettantisch lektorierten und miserabel gestalteten) Buchs „Küsse, Kämpfe, Kapriolen - Sex im Tierreich“ (von Mario Ludwig und Harald Gebhard) verfügen Blauwale über die größten Penisse überhaupt:
So ein Ding ist drei Meter lang bei einem Durchmesser von eher mageren 30 Zentimeter.

Ob das Guo Li Zhuang auch Blauwaldödel-Ragout offeriert, habe ich leider nicht heraus finden können.

Dienstag, 3. Februar 2009

Zeichen setzen.

Ökonomisch und weltpolitisch bedeutend sind vor allem die großen Länder der Erde.
Wenn Volkswirtschaften wie China oder Amerika husten, schüttelt es die ganze Welt.
Kleine Länder haben dafür international betrachtet pro Einwohner erheblich mehr Bedeutung.
Sie können Zeichen setzen.

Es gibt Negativbeispiele.

Da ist der Vatikan, der dies im Moment vorexerziert.
Der Winzstaat mit der besonders winzigen Moral zeigt dem Rest der Welt gerade seine braune Kehrseite, indem er die naziphilen, homophoben, allodoxaphoben, cherophoben, enissophobischen, eurotophoben, genophoben, hamartophoben, kaligynephoben, kolpophoben, menophoben, peccatophoben, peladophoben, prosophoben, stygiophoben, wiccaphoben und antisemitischen Piusbrüder zurück an seine Brust zerrte.
So macht er sich zum weltweit verchteten Paria des Weltethos.

Es gibt Positivbeispiele.

Da ist Island, das eine funktionierende Demokratie vorexerzierte.
Die alte Regierung war wie so viele andere auch dem Finanzwahn verfallen und verspekulierte Milliarden. So machten es auch hierzulande geistig weggedämmerte Politiker - insbesondere von der CSU.
Zig Milliarden verschwanden in Staatsbanken, in denen Aufsichtsräte, wie Erwin Huber, Michel Glos oder Michael Freytag paralysiert ihre Tantiemen einstrichen.
Der deutsche Wähler zieht nur leider keine Konsequenzen, sondern beschäftigt sich damit DSDS und Barbara Salesch zu gucken, während die Unions-Geldvernichter weiter in ihren Ämtern hocken und sich in Umfragehöhen sonnen.
Das läuft in Island anders:
Der alte Regierungschef Geir H. Haarde wurde mit Demonstrationen aus dem Amt gejagt und stattdessen ist nun Johanna Sigurdardottir Chefin.
Die 66-Jährige Sozialdemokratin ist in Island außerordentlich beliebt, es heißt sie verkörpere Solidarität und all die guten Werte Islands von vor dem Finanzboom.
According to an opinion poll undertaken by Capacent Gallup in December 2008, Jóhanna Sigurdardóttir is the most popular minister—73 percent of respondents said they were satisfied with her work. Sigurdardóttir is also the only minister whose popularity had increased compared to a similar poll undertaken in December 2007.
(Iceland Review)
International konnte es sich kaum ein Kommentator verkneifen, daß die zuweilen als „heilige Johanna“ verehrte neue Premierministerin damit die weltweit erste homosexuelle Regierungschefin ist. Immerhin ist schwul/lesbisch zu sein in 83 Ländern verboten und teilweise mit der Todestrafe belegt.
Sigurdardóttir ist seit 2002 mit der 54-jährigen Autorin Jonina Ledsdottir verheiratet.
Ja, auch Amerika wählte ein Novum, den ersten schwarzen Potus - aber das war auch immer ein Riesenthema, obwohl Rasse, Geschlecht, religiöse Überzeugungen oder sexuelle Vorlieben allesamt absolut irrelevant für die Eignung als Regierungschef sind.
Das Sympathische an den Isländern ist, daß sie sexuelle Orientierung tatsächlich nicht die geringste Rolle spielt.
Die Frage ob „so jemand“ Regierungschefin werden kann, soll, darf, stellt sich erst gar nicht.

So verkörpert die kleine liebenswerte Insel die Normalität des 21.Jahrhunderts, indem etwas kein Thema ist, während der 3271 Kilometer weiter südlich gelegene Vatikanstaat unter Zerschlagung möglichst viel Porzellans seinen Weg zurück ins finstere Mittelalter angetreten hat.

Ratzi setzt extra Themen, die keine sein sollten.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

DAS Geschenk.

Manchmal gerate ich an Dinge, die mich sofort überschlucken.
Dinge, die so massiv in meinen Kosmos herein rauschen, daß ich auf der Stelle außerstande bin mir vorzustellen, wie ich es bisher ohne sie aushalten konnte.
So ein Ding donnerte heute in meine kleine Welt und blies sie in eine neue akustische Dimension auf.
Das 15-Minuten-Epos, „How We Left Fordlandia” von Jóhann Jóhannsson dürfte wohl das schönste Musikstück sein, das ich seit „A Choral Room“ und „Sunset“ (K.B. 2005) gehört habe.
Jóhann Jóhannsson also mal wieder.Der Mensch ist einfach großartig.
Isländer natürlich.
Auch wenn ich 1000 Schubladen durchgucke, finde ich wohl keine, in die er hineinpasst.
Sein Plattenlabel nennt es „Ambient“, in Rezensionen fallen üblicherweise die Begriffe „Sound-Tüftler“, „Klassik“ und „Elektro-Experimentierer“, die miteinander verknüpft werden.
Die Elektro-Keule würde ich allerdings etwas außen vor lassen - immerhin wurde dieses aktuelle Album, „Fordlandia“, wie schon der thematische Vorgänger IBM 1401, A User’s Manual vom City Of Prague Philharmonic Orchestra And Chorus unter Leitung von Miriam Nemcova in Prag aufgenommen
einer Truppe, die sich exklusiv für Schallplattenaufnahmen aus der Crème der besten Musiker verschiedener Tschechischer Orchester rekrutiert und der man ihre 20-jährige Tonstudioerfahrung anhört. (Victoriah Szirmai)
Wer also unbedingt eine Schublade braucht, kann eigentlich ruhig das Etikett “Klassik” aufkleben - wenn auch der ein oder andere fremde Ton dazwischen sein mag.
Jóhannsson benamst sein opulent-fragiles Meisterwerk erneut nach einer sich im Abstieg befindlichen amerikanischen Technik-Ikone.

Fordlandia ist dabei ein zu mannigfachen Konnotationen einladendes Wort:
In den 1920er Jahren hatte der Auto-Konzern Ford ein 10.000 km² großes Stück Regenwald in Brasilien gekauft.
Das ist in etwa viermal Luxemburg oder einmal das Kosovo.
Ohne die geringste Kenntnis von der dortigen Landwirtschaft, wollten die Ford-Großindustriellen dort eine gigantische Gummiplantage, inklusive einer Stadt nach amerikanischem Vorbild errichten. 8000 einheimische Arbeiter hatten ab sofort nach dem Ideal-Vorbild des amerikanischen Vorstadtbürgers zu funktionieren: Fastfood und american way of life.
Der erste Massenaufstand wurde noch vom brasilianischen Militär niedergeknüppelt, aber das Projekt wurde ein derartiges Desaster, daß sich Ford schließlich zurück zog.
Nämlich zu dem Zeitpunkt, als Naturkautschuk nicht mehr für die Reifenproduktion gebraucht wurde, da petrolchemische Alternativen entwickelt worden waren.

Während Fordlandia also seit 1945 kontinuierlich verkommt und verrottet und lediglich von ein paar Hundert Menschen bevölkert wird, schickt sich im Dezember 2008 der einst Gott-große Gründer in Michigan an, es seinem Dschungel-Humunculus gleich zu tun und bettelt in Washington um Almosen.
Der Isländer lockt uns in die ganz große Assoziations-Welt.

Was fasziniert ihn an diesen Titeln, wie inspiriert ihn das zu dieser so melodiösen tieftraurig-betörendschönen Fabelmusik?
Das Jóhannsson-Booklet versteckt unter der CD eine im Sumpf steckende Tin-Lizzy; offensichtlich aufgegeben im Dschungel - Ankor Wat läßt grüßen.
(Ja, verdammt! Man muß die CD schon kaufen und soll nicht immer in mieser Tonqualität billigheimernd downloaden)

Einen weiteren Hinweis finden wir in einigen Zeilen der viktorianischen Dichterin Elizabeth Barrett Browning (1806-1861), deren sozialphobisches, hypersensibles Wesen idealtypisch zu den epischen Klangdramen Fordlandias passt.
Bis zur Abschaffung der Sklaverei hatte sie auf einer Plantage auf Jamaica gelebt und den von Weißen malträtierten Dschungel selbst erlebt:

"And that dismal cry rose slowly and sank slowly through the air full of spirits melancholy and eternity's despair and they heard the words it said; Pan is dead - Great Pan is dead."

Sakral, distanziert, dennoch warm und empathisch wirken Jóhannssons Kompositionen.
Ich kann mich dem nicht entziehen - als ob am Ende doch die Kunst über die Technik obsiegte.

Kritiker überschlagen sich mit Lob und finden wohlige Wort-Wolken:
Jóhann Jóhannsson's spellbinding new album draws these tantalising threads together, weaving a musical tapestry of hypnotic richness and surprising emotional depth.

Na ja, klingt gut, sagt aber nicht viel aus, finde ich.
Muß man anhören - am besten LAUT und aufmerksam.
Ist kein U-Musik-Klangteppich für nebenbei.

Wer doch frevelhafterweise mal am PC rein hören will, kann eine auf 7.40 Minuten gekürzte Version des Titelsongs Fordlandia auf JJs Myspace-Seite anhören.


Aus "IBM 1401, A User’s Manual" von 2006 gibt es ein Video:

IBM 1401 Processing unit

Samstag, 11. Oktober 2008

Wochenendwilfing

Den Begriff gibt es schon zwei Jahre, aber die Wortschöpfung leuchtet mir noch nicht ganz ein.
Woher ich weiß was wilfing wirklich ist?
Gestern Nacht, bei Thea Dorns "Autorengespräche um Mitternacht" war u.a. Jakob Hein zu Gast (Ja, er IST der Sohn von Christoph Hein) und der erklärte „wilfing“ wie folgt:
„what in live was I looking for?“
Soll heißen: Man googelt nach einer bestimmten Sache, schweift ab und findet sich Stunden später beim Recherchieren der eigenartigsten Dinge wieder.

Eben suchte man noch nach dem Bruttosozialprodukt von Island, um es ins Verhältnis zur Kaupthing Bank zu setzen und - hoppladihopp - landet man bei der Wikipedia-Erklärung für
„figging“.
Figging ist eine Sexualpraktik bei der ein, vorbereitetes Stück Ingwer in den Anus eingeführt wird. Da die im Ingwer enthaltenen ätherischen Öle – vor allem die zu den Scharfstoffen gehörenden Gingerole – die Nozizeptoren in der Schleimhaut erregen (dies sind diejenigen Rezeptoren, die sonst auf Hitze- und abrasive Reize reagieren), führt dies zu einem sofortigen und anhaltenden Wärme- und Schmerzreiz („Brennen“) an dieser Stelle. Auch vaginal oder in der männlichen Harnröhre anwendbar.

Tolle Sache - wer auf Blasenentzündungen steht, aber gerade mal keinen brennenden Schmerz beim Wasserlassen spürt, kann sich also mit frischem Ingwer aushelfen.

Ich kannte Ingwer bisher immer nur als das Zeug, womit Jamie Oliver seine an sich interessanten Kochkreationen versaut, das aber andererseits als Kapsel recht gut gegen Seekrankheit wirkt. Die spinnen, die Briten - wer wirft schon ein Mittel gegen Übelkeit in seinen Eintopf?

Zurück zum Schriftsteller Jakob Hein, der übrigens promovierter Arzt ist:
Auf seiner Homepage gibt es eine sehr hübsche Rubrik, auf die ich heute gewilfingt bin:

Pardauz – Sammelalbum alter Jugendsprache

DAS FEHLTE mir in der Tat! Nichts stirbt schneller aus, als die hippe (?) Jugendsprache.
Wenn man die wichtigsten Begriffe erlernt hat, bedeutet das nur eins:
Sie sind wieder out (?).
Kaum etwas ist demütigender, als einem Teen (?) gegenüber mit Jugendsprache glänzen zu wollen und dann nur mitleidige Blicke zu ernten.
Ich hatte da einen Lehrer (in den frühen 80ern), der immer cool (?) sein wollte und uns gegenüber von „Penne“ und „Paukern“ sprach.
Zum Mitschämen.
Da hatte er sich um zwei bis drei Dekaden vertan.

Dank Jakob Hein gibt es nun ein Projekt, das antiquarische Jugendbegriffe archiviert.
Eine Fundgrube:

Fußhupe - kleiner Hund
Fußpils - Flasche Bier in der Hand auf der Straße (2000er)
Gammelfleisch - abfällig für Menschen > 30 (2000er)
Herrenhandtasche - 6er-Pack Bier
Komposti - Mensch, älter als 19
kopfschwul - ein Mann, der einen einzigen anderen Mann über alles liebt - sich selbst
Pornobalken - Oberlippenbart, wie man ihn nur noch bei den Hauptdarstellern erotischer Filme finden konnte (1990er)

Fragt sich nur, wieso diese Begriffe ganz ausstarben?
Für die Kids (?) waren sie natürlich nicht mehr frisch genug, aber wieso konnten sie denn nicht in die Erwachsenensprache rüber gerettet werden?

Anfügen möchte ich noch zwei etwas ältere Synonyme für „Pornobalken“:
Zum einen „Olb“ (Oberlippenbart), bzw: „Olb-Träger“.
Zum anderen das noch ältere Wort „Rotzbremse“

Immerhin wird doch deutlich, daß Pornobalken durchgehend modische Katastrophen waren, sind und bleiben.
In der Bayernwahlnachlese, fiel mir auf, wie viele CSU-Politiker Rotzbremsen haben - vermutlich liegt darin auch ein Grund für den 43%-Absturz.

Reinhold Bocklet, Helmut Brunner, Gerhard Eck, Peter Eismann, Hans Herold, Otto Hünnerkopf, Robert Kiesel, Reinhard Pachner, Georg Schmid, Blasius Thätter, Joachim Unterländer, Peter Winter....etc - alle haben sie diese alberen Männlichkeitsversicherungen über der Oberlippe.
Anderseits ist auch der FDP-Minister in spe, Martin Zeil mit Rotzbremse versehen.

Nun ja, aber wo ist auch der Unterschied zwischen FDP und CSU in Bayern?

Samstag, 21. Juni 2008

Með Suð í Eyrum Við Spilum Endalaust

Es zerfleddert heutzutage alles. Gibt keinen richtigen Beginn und ein Ende ist schon gar nicht erkennbar. Aber nachdem ich schon mit „Ágætis byrjun“ mal diesen Blog begann, kann ich heute mal wieder so peinlich sein lobpreisend von einer CD zu schwärmen.
Obwohl es kaum etwas Lahmeres gibt, als wenn Blogger ihre Seiten mit Schnipseln ihrer Lieblings Youtube-Filmchen und mp3’s und Photos füllen.
Das ist Kommunikation für Leute, die derart viel kommunizieren, daß sie gar keine Zeit mehr dazu haben einen Gegenstand der Kommunikation zu behandeln.
Herr Distelmeyer hat es schon 1992 in der Ich-Maschine beschrieben – definitiv vor dem Blog-Zeitalter.
AUS DEN KRIEGSTAGEBÜCHERN:

In einer Zyankalilaune sitz ich dann vor'm Telefon
und staune, daß niemand anruft um mich zu retten
und wenn wer spricht, möcht' ich wetten,
daß alles, alles bloß Selbstgespräch ist
Was ist anders wenn Du bei mir bist?
Etwas ist anders wenn Du bei mir bist!
Mein Selbstbetrugsdezernat bleibt beständig am Bohr'n
diesmal in jemand anders Ohren,
mit der ich gerne geredet hätte
ich denk an die Wette und frage:
Wovor hast Du Angst?
Dich interessiert doch nicht, was Du erlebst,
nur das, was Du davon erzählen kannst!

Mich interessiert in diesem Fall außerordentlich was ich gerade akustisch erlebe – ob ich nun davon erzählen kann oder nicht.
Sigur Rós, die weltbeste Musikcombo, hat gestern ihr sechstes Album in Deutschland veröffentlicht:
Með Suð í Eyrum Við Spilum Endalaust; erschienen bei EMI.
Vollständig und teilweise downloadbar zu verschieden Qualitäten.
Wieso weshalb warum werde ich nie verstehen – will ich nicht verstehen.
Eine mir persönlich bekannte Irre - nennen wir sie mal „A“ - die das Album schon vor einiger Zeit aus den tiefen glitschigen Gewölben des Internet saugte, teile mir desillusioniert mit, daß es ein enttäuschendes Album wäre.
Bevor hier Zweifel aufkommen – sie ist nicht nur irre, sondern irrte auch!
Das Album Með Suð í Eyrum Við Spilum Endalaust ist natürlich GROSSARTIG wunderbar, phantastisch, grandios, imponierend, bewundernswert, fabelhaft, bahnbrechend, überragend, formidabel, sagenhaft, epochal, spektakulär und brillant – damit diesbezüglich schon mal alles klar ist. Da gibt es keine zwei Meinungen.
„A“ ist entweder zu unreif, um zu erkennen welch Juwel sie da in den Ohren hatte, oder sie ist ein Opfer dieses unsäglichen mp3- und Download-Wahns.
Das macht noch jedes Hörvergnügen zunichte und sollte überhaupt verboten und mit Steinigung betraft werden.
Speziell will ich aber gar nicht viel zu dem Album schreiben, da ich jetzt schon toppgenervt bin von all den Schlaumeier-Analysen, die bereits im Netz kursieren. Woher die alle ihre Informationen haben, möchte ich mal wissen – zumal Sigur Rós inzwischen gar keine Interviews mehr geben.
Durchaus lobenderweise schreibt beispielsweise Thomas Welsch Jónsi“ Birgisson klingt ohne bombastische Orchestrierung sympathischer und einfach besser.“
Zu bombastisch wird es ihm bei „Ára bátur“, das „inklusive dem London Oratory Knabenchor ihren Höhepunkt erreicht und die mir nicht geheuer ist.“
Soso? Aha.
Das findet Herr Welsch. Ich sehe das vollständig anders.
Zum einen ist „Ára bátur“ für mich (derzeit) das allerbeste Lied der CD. Es ist unverkennbar Sigur Rós und doch auch ein Produkt der Abbey Road Studios und erinnert als solches an Kate Bush. Der Chor ist natürlich auch britisch und nicht das erste mal eingesetzt.
Aber war das nicht auch schon 1985 bei Herrn Mandels „Stories Of Johnny With The Westminster City School Choir“ grandios?
Zum Anderen ist es SCHWACHSINN den Sänger in die Kategorien "besser" und "schlechter" zu stopfen, nur weil Herrn Welsch ein Song nicht gefällt.
Da hat SVEN NIECHZIOL es in der Mopo noch besser gemacht, indem er erst gar nicht wertete und umherintellektualisierte:
Sigur Rós haben den Pop-Song für sich entdeckt, ohne dabei ihre andere, alte Seite zu vergessen: majestätisch hinreißende, verträumte Tracks, die sich bis zu zehn Minuten hinziehen. Das ist Musik, die einen in die innere Mitte führt, Musik, die Frieden und Zuversicht ausstrahlt.
???
Falls das jemand nicht verstanden hat – ich würde das in meinen Worten wie folgt übersetzen:
Trotz zusätzlichen Pepps durch den Starproduzenten Flood (Depeche Mode, U2, Nick Cave) haben sich Jonsi und Co nicht verbiegen lassen und ihre Extraklasse wieder einmal bewiesen.

Mittwoch, 21. Mai 2008

Frieden ist nicht alles - aber ohne Frieden ist alles nichts

Was haben alle internationalen Rankings gemeinsam?
Ganz einfach – ob es nun um Bildungschancen, Pisa, Armut, Spaltung der Gesellschaft geht - Deutschland fällt immer ab.
So auch im neuen Friedensindex, dem Global Peace Index 2008.
Die Idee zu dem Index stammt vom australischen Geschäftsmann Steve Killelea, der wissen wollte, was eigentlich ein friedliches Land ausmacht. Ausgeführt und untersucht wird er vom Economist Intelligence Unit, das im Auftrag von Killeleas Organisation 140 Länder nach 24 quantitativen und qualitativen Indikatoren abklopft - von der Zahl der Morde je 100 000 Einwohner über Korruption bis zum Zugang zu grundlegender Bildung.
Das EIU kann dabei auf eine Hundertschaft von Experten zurück greifen, die die Kriterien stets neu bewerten und prüfen:
Our 100 full-time country experts and economists, based in London, New York and Hong Kong, have a thorough grounding in economics, politics, risk and industry. Most have lived and worked in the region they cover; many are fluent in local languages; and three out of four have advanced degrees. To ensure that this expertise remains fresh and up to date, each country analyst focuses on two or three countries, and visits them regularly.
Der Friedensindex soll herausstreichen, dass es beim Frieden nicht nur darum geht, daß kein Krieg herrscht, sondern die Gewalt innerhalb einer Gesellschaft insgesamt wird mit einkalkuliert.
Die Absicht ist darauf hinzuweisen, dass nur eine Kooperation friedlicher Gesellschaften eine Lösung der globalen Probleme wie der Klimaerwärmung, dem Verlust der biologischen Vielfalt, dem Zugang zu Trinkwasser, der Bekämpfung der Armut und einer überlebensfähigen Bevölkerungsgröße bewirken kann.
Wie sieht nun die Reihenfolge dieses Jahr aus?
1 Island
2 Dänemark
3 Norwegen
4 New Zealand
5 Japan
6 Irland
7 Portugal
8 Finland
9 Luxembourg
10 Österreich
11 Canada
12 Schweiz
13 Schweden
14 Deutschland
15 Belgien
16 Slovenien
17 Tschechien
18 Ungarn
19 Chile
20 Slovakei

Island konnte an die Spitze rauschen, während das Mitglied von Bush’s Iraq-coalition of the willing Dänemark sogar noch einen Platz vorgerückt ist – 1997 lag es hinter Norwegen und Neuseeland auf Platz 3.
Insgesamt dominiert also Europa die vorderen Plätze – durchsetzt von den reichen Musterländern Neuseeland und Japan.
Deutschland ist zwei Plätze abgerutscht von 12 auf 14 und trotz Amstetten, wirren Axtmördern und Kampusch liegt Österreich noch in den Top Ten.
Interessant ist, daß sich einige bedeutende europäische Länder deutlich weiter hinten befinden: Frankreich auf Platz 36 (sogar um drei Plätze abgerutscht), England gar nur auf Nr. 49 – wie im Jahr zuvor.
Bei den Franzosen gibt es da wohl das ein oder andere soziale Problem in den Vorstädten und Großbritanniens Pudel-Aktionen im Irak werden wohl auch kaum geholfen haben.

Wenn wir ganz gaaaanz weit nach hinten gehen an der Liste – vorbei an Jordanien (65), dem Mitglied von Bush’s Achse des Bösen Syrien (75), Europas Problemland Albanien (79), dem noch vor kurzem als Bürgerkriegsland angesehenen Serbien (85), Kambodscha (91) und der brutalen weißrussischen Diktatur (Platz 94) finden wir dann auch immerhin auf Platz 97 – auch abgerutscht – die USA.
The Land of the FreeGods own country.

Der allerletzte Platz – Nr 140 geht übrigens wenig überraschend an den Irak, dem Herr Bush doch auch PEACE bringen wollte – hat ja toll geklappt.

Dienstag, 6. Mai 2008

Was man wissen muß

Das Gastland der Buchmesse ist im Jahr 2011 Island.
Höchste Zeit sich etwas genauer mit dem grandiosen Land zu beschäftigen, das so eine unfassbare Dichte von Künstlern hervorbringt.
Die These, daß das raue und bizarre Klima die Isländische Hirne immer wieder zu Höchstleistungen anregt, ist nicht bewiesen – aber doch plausibel. Wie sollte auch ein Südeuropäer auf grandiose neue Musikeinfälle stoßen, wenn er seine Freizeit von Hitze ermattet immer nur mit Siestas verbringen kann?
Island ist aber nicht nur kreativ, sondern auch noch reich und prosperierend – mit anderen Worten all das, dem die gegenwärtigen Deutschen dringend abschwören.
Vermutlich hat deswegen auch Helmut Kohl das Goetheinstitut in Reykjavik schließen lassen.
Der Kultur-Vergleich fiele wohl mittlerweile etwas dürftig für die Teutonen aus, deren Kultur sich derzeit eher auf Primitiv-TV, Lidlaldi-Billigshoppen und Neiddebatten reduziert.
Was also dem 80-Millionenvolk unter Helmut, dem Dicken als finanziell nicht mehr möglich erschien, schaffte jedoch anschließend ein Mann allein – Wolfgang Müller aus Berlin – Islandkoryphäe und Universalgenie; er schuf ein privates Goetheinstitut, das „Elfen-, Zwergen- und Sexualkunde” auf den Lehrplan setzte.
Die Goetheinstitutszentrale reagierte deutsch und drohte gleich mal rechtliche Schritte wegen des Namens an – wehe wehe!
Da sich das Original Goetheinstitut aber auf den Johann Wolfgang von G bezieht, wich Islandfreund Müller dem finanziellen Giganten aus, indem er seine Organisation in „Walther von Goethe Foundation” umtaufte – es ist ja nicht so, daß wir nur einen Goethe haben.
(Der schwule Goethe-Enkel erkannte sich selbst: „Mein Großvater war ein Hüne, ich bin ein Hühnchen.”)
Auf der Geysir-Webseite hilft einem das Institut bei jeder Frage, die man haben könnte und ermöglicht dem geneigten Islandophilen auch seine Islandtauglichkeit in einem Quizz zu checken.
Bei den wirklich kniffeligen Fragen hält uns dagegen Müllers neues Buch „Neues von der Elfenfront“ auf dem Laufenden.
Warum fehlte Island auf den ersten Euro-Scheinen?
Wer hat den Staren von Reykja- vík Kurt Schwitters’ »Ursonate« beigebracht?
Und stimmt es, daß ein isländischer Transsexueller nach der Operation vom Mann zur Frau sofort den weiblichen, geringeren Tariflohn erhalten sollte?
KRISTINA MAIDT-ZINKE von der SZ ergänzt begeistert:
Aus dem schier unerschöpflichen Repertoire an Kuriositäten, die das Eiland im Nordatlantik zu bieten hat, seien hier nur das Säugetierpenismuseum, der Papst aller Heiden, die Mäusefähre und der „reitende Urzwerg” (das kleinste Lebewesen der Welt) erwähnt.
Also bitte kaufen:
WOLFGANG MÜLLER: Neues von der Elfenfront. Die Wahrheit über Island. edition suhrkamp 2511. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 308 S., 11 Euro.

Montag, 10. März 2008

Olympiade.

Gut, daß ich mich wirklich überhaupt und gar nicht für Sport interessiere, sonst müßte ich jetzt langsam anfangen mir die Haare auszureißen.
Und was’n Glück erst, daß ich nicht selbst dort teilnehme, oder gar Brite bin, denn das mit dem Mund halten klappt bei mir erfahrungsgemäß nicht so recht – höhö ein HOCH auf Björk, die bei ihrem Konzert in Shanghai „Tibet, Tibet“-grölend auffiel. Dazu die Netzzeitung:
Mit ihrer Protest-Aktion hat Björk die Führung in China provoziert. Diese hatte nach dem Auftritt die Regeln für Konzerte ausländischer Musiker verschärft. Nach ihrem Song «Independence» schrie Björk auf einem Konzert in Shanghai: «Tibet! Tibet!». Damit habe sie gegen chinesisches Recht verstoßen und die Gefühle der Menschen verletzt, teilte das Kulturministerium am Freitag mit.
Oh ha – da hat aber jemand Angst. Die Führung des 1,3 Mrd-Volkes vor einer winzigen Isländerin. In vorrauseilendem Gehorsam, hatte das britische olympische Komitee gleich mal pauschal allen englischen Sportlern irgendwelche Meinungsäußerungen in Peking verboten – ist doch klasse, wie sich das Mutterland der Demokratie anpassen kann:
Die Maulkorbverordnung hat heftige Kritik in den britischen, aber auch in den US-Medien ausgelöst. Manche Kommentatoren verglichen das Redeverbot mit der Direktive des englischen Fußballverbandes, die dem Team 1938 beim Spiel gegen Deutschland im Berliner Olympiastadion den Hitlergruß beim Abspielen der Nationalhymnen vorschrieb. Eine US-Zeitung fragte sich, was die Queen wohl zum Redeverbot sagt, da auch ihre Enkelin, die Reiterin Zara Phillips, davon betroffen sei. Deren Onkel, Thronfolger Prinz Charles, hat seinen Besuch der Spiele in Peking wegen der chinesischen Menschenrechtsverletzungen in Tibet abgesagt. Taz.
Dabei gibt man sich in China schon so eine Mühe einen guten Eindruck zu machen:
Jedenfalls wird erst mal der Verkehr ordentlich geregelt – es gibt an Pekinger Hauptstraßen Verkehrsschilder mit mehr als 90 Vorschriften, wie der SZ-Korrespondent Wolf Kantelhardt entgeistert beschreibt:
Verboten ist zwischen 7 und 20 Uhr die Auffahrt von leichten Jeeps (ohne grüne Umwelt-Plakette), Motorrädern, leichten Pkw, Taxen ohne Fahrgast, kleinen Bussen (eine Ausnahmeregelung besteht für die Busse mit mehr als 1,6 L und weniger als neun Sitzplätzen mit "grüner Umwelt-Plakette"), zwischen 6 und 23 Uhr von Dreirädern ohne Motor (Lasten-Räder beziehungsweise Rikschas), sowie von Lastwagen und ganztags für Fahrzeuge, die gefährliche Produkte mit sich führen. Außerdem ist weiter oben noch ein weiteres Verbotsschild angebracht, was sich aber nicht sicher deuten lässt. Wegen der vielen schrecklichen Nachrichten aus dem Nahen Osten kommt einem als Erstes "Autobomben-Anschläge Verboten" in den Sinn.
50 Meter weiter wird zusätzlich zwischen 7 und 20 Uhr und zwischen der Guomao- und der Xinxing-Brücke für Pkw mit unter 1000 ml Hubraum die Benutzung der rechtesten Spur untersagt. Und während auf dem zweiten Stadtring, der etwas liberalere Auffahrtsbeschränkungen hat, tagsüber die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit immerhin noch 24 km/h beträgt, sind es auf der "Straße des Langen Friedens", für die die strengsten Regeln erlassen wurden und auf der die Menge der Fahrzeuge am stärksten eingeschränkt ist, bereits weit unter 20 km/h. Während der Rushhour ist jeder Fußgänger schneller.
Das mag vielleicht auch daran liegen, dass viele Autofahrer vor dem Passieren dieses Verkehrsschildes erst einmal bremsen und das eine oder andere Zeichen im Wörterbuch nachschlagen oder das eine oder andere Detail in ihrem Fahrzeugbrief nachsehen müssen.
Keine Sorge – wer sich das nicht sofort alles merken kann, hat die Möglichkeit in Ruhe alle Vorschriften beim Beijing Traffic Management Bureau nachzulesen.
Nicht leicht, was die Pekinger da zu wuppen haben – immerhin versprach die chinesische Führung, daß kein Athlet länger als 30 Minuten von seiner Unterbringung zu seiner Wettkampfstädte brauchen werde.
Da muss der VERKEHR FLÜSSIGER WERDEN;
zum Beispiel indem alternierend nur Autos mit geraden oder ungeraden Nummern fahren dürfen. Vier Tage wurde das bereits getestet – Ergebnis unbekannt, da dies notwendig machte, dass Zehntausende Polizisten auf den Pekinger Straßen herumstanden, um eins der 1,3 Millionen Fahrzeuge mit falscher Nummer rechts heranzuwinken und den Fahrer zu bestrafen, bemerkte man den Unterschied allerdings kaum.

Da werden andere Pekinger Bemühungen wohl von mehr Erfolg gekrönt sein - unter anderem die Veröffentlichung einer Briefmarkenserie mit dem Titel "Olympics with Civility and Public Spirit" und den Bau etlicher Kilometer Straße, beides etwa gleich sinnvoll, wenn es darum geht, Pekinger dazu zu bewegen, weniger Auto zu fahren - und in der Tat werden in Peking derzeit unvermindert circa 1200 Autos pro Tag neu zugelassen. Um zumindest die durch die vielen Fahranfänger entstandenen Probleme etwas abzumildern, veranstaltete die Regierung zwei weitere Aktionen: Zunächst wurde eine Zeremonie veranstaltet, die den Beginn des "Selection of Bringer of Traffic Safety Civilization for 2008 Olympics"-Events markierte.
Im Rahmen dieser von den jeweiligen Bezirks-Verkehrs-Unterabteilungen, Propaganda-Abteilungen der Bezirksausschüssse der Kommunistischen Partei Chinas, Hauptstädtischen Kultur-und Ideologie-Entwicklungsbüros sowie Bezirksverkehrssicherheitsausschussbüros organisierten Zeremonien unterschrieben Beamte, Berühmtheiten der Unterhaltungsbranche, Ausländer und Repräsentanten der Autofahrer eine "Einverständniserklärung für Verkehrssicherheit".

Hauptsache, daß keinem britannischen Sportler dazu der ein oder andere Kommentar rausrutscht!

Sonntag, 24. Juni 2007

Keine Sonntagsruhe

Kennt Ihr den Song „all the big trees“ von RICEBOY SLEEPS?

Der gute alte Jonsi rührt mich doch immer wieder zu Tränen.
Blöd nur, daß draußen jetzt Sonntag Nachmittag ist und ich ziemlich nah an einem Kinderspielplatz wohne. Da gehen jetzt all die Daddys mit ihren kleinen Nervensägen hin und offenbar scheinen alle Klinkinder heutzutage davon besessen zu sein maximal viel Krach zu machen; ich verstehe gar nicht, wie so kleine Resonanzkörper derartige Phonstärken produzieren können, daß ich noch 50 m weiter - abgeschirmt von zwei Wänden und einem Isolierglasfenster - vom Hocker kippe!
Ein startender Düsenjett ist nichts dagegen. Besonders rätselhaft ist mir, daß die Mütter, um sich zu unterhalten einfach noch ein paar Dezibel drauflegen, anstatt ihre Blagen dazu anzuhalten ein bisschen deren Organe runterzudrosseln.
Ich bin ernsthaft in Sorge um die strukturelle Stabilität meines Hauses, wenn das weiterhin mit diesen Extrem-Schallwellen der Brüllmammis traktiert wird.
Ich befürchte, daß ich mich doch mal dazu durchringen sollte ernsthaft eine Auswanderung auf eine einsame Insel in Betracht zu ziehen.... Nur WOHIN? Ich liebe ja Island, aber vermutlich müsste ich da verhungern. Ich bin Vegetarier und hasse Fisch. Die größte isländische Delikatesse ist aber Hákarl! Das ist ein an sich giftiger Eishai, den man vergammeln und vergären lässt, bis der Gestank so unerträglich wird, daß man sich nur noch mit Gasmaske nähern kann.

Ich zitiere aus einem Reisebericht des ZDF’s:
„Ungenießbarer Fisch!
Eishai gilt bei den Isländern als Spezialität
Übler Gestank, verrottetes Fleisch und nur mit einem starken Schnaps genießbar - das ist eine der isländischen Spezialitäten: Hákarl ...... Bestialischer Gestank .....Das Tier hat keine Nieren und behält Stoffwechselgifte wie Ammoniak im Körper - dementsprechend ist auch der Gestank. .......Der tote Hai wird zerlegt und sein Fleisch in offenen Kisten gelagert, wo er vier bis sechs Wochen verrottet. Früher vergrub man die Stücke unter der Erde (wohl, um den beißenden Geruch zumindest zeitweilig abzumildern). Nur mit Schnaps genießbar... Sind zwei Monate vergangen, wird der Hai noch einmal etwa vier Monate an der frischen Luft getrocknet. Doch selbst mit einer frischen Meeresbrise kann das strenge Aroma des Hais nicht gänzlich beseitigt werden. Den Isländern ist es egal. Sie lieben ihren Hákarl - besonders zum Mitwinterfest im Februar. Dann spülen sie die Würze des Hais mit einem Schluck Brennivin-Schnaps hinunter - dem isländischen Nationalgetränk.“

Naja, wem’s gefällt.....
Möglicherweise fördert der Hákarl-Genuß ja die Kreativität – davon scheint es ja reichlich in Island zu geben. Könnte aber auch sein, daß ich mich irre und daß Hákarl der Hauptgrund für die äußerst geringe Bevölkerungszahl auf der Insel ist; weil einem davon augenblicklich die Fortpflanzungsorgane degenerieren...

Man weiß es nicht.
So, jetzt muß ich aber wieder meine Mack’s Silicone Earplugs einsetzen!