TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Montag, 18. Januar 2010

Made in Germany.....

..…oder: Gott hat doch Humor.

In der K.O.alition ist nun wieder Ruhe und Frieden eingekehrt.
Gegen Halbsechs war schon Schluß mit Krisengipfel.

Mutti ging mit ihren beiden ungezogenen Gören Horsti und Guido essen.

REIN ZUFÄLLIG war dann beim „Steak-Tartare“ im Borchardt auch ein BILD-Reporter anwesend, der ein Exklusiv-Photo machen durfte.

Die C-Parteichefs tranken einen Weißwein, Westerwelle hatte Champagner geordert.

Nun ist also alles wieder gut - man versteht sich.
Laut Guido Westerwave ginge es lediglich der SPD „richtig schlecht“ - wie perfide von den Sozis der FDP zu unterstellen, daß sie die Milliardenentlastung für Hotels wegen der Finck’schen Spendenmillionen beschlossen hätten.
Schwarz-Gelb ist wieder richtig zufrieden mit sich - was laut Horsti auch daran lag, daß es sich so entspannt reden läßt, wenn sich alle duzen.

OK, es mag ein paar Kleinkarierte geben, die es wieder nicht lassen können darauf hinzuweisen, daß Merhoferwelle keins der strittigen Sachthemen angesprochen haben - geschweige denn an eine LÖSUNG gedacht hätten.

Steinbach-Hickhack? Kopfpauschale? Gesundheitsreform? Afghanistan-Strategie? Roland Kochs Arbeitspflicht für Hartzler? Steuerreform? Schuldenabbau? Bildungsmisere? Türkeipolitik?

Nun, dazu kam man nicht.
Es war ja auch nicht so viel Zeit.
Schließlich hat das Borchardt auch nicht ewig auf und das Harmonie-Photo sollte noch pünktlich vor BILD-Redaktionsschluß aufgenommen werden.

Aber wer wäre auch so dämlich ernsthaft von Politkaspern wie Merkel oder Westerwelle konkrete Aussagen zu Sachfragen zu erwarten?

Einer dieser unverbesserlichen Deppenreporter hatte die Stirn Seehofer zu fragen, OB und WANN es eine Steuerreform gäbe!
Tstststststs.
Da produziert der Bayer nur ein arg verlegen gedehntes „Das ... eh ... ist ... eh ... jetzt keine Frage ...“.

Friede, Freude, Eierkuchen.

Etwas verblüffend war es schon heute Morgen zu vernehmen, daß Merkel aus ihrem Kanzlerbüro ausgezogen sei.

Hatten Guido oder Horsti sie etwa doch mit konkreter Politik gefoltert, so daß sie plötzlich alles hinwerfen mußte?

Nein, weit gefehlt. Es war nur Gottes ureigener Humor.

Das Kanzleramt, im Jahr 2001 für schlappe 250 Millionen Euro erbaut, scheint echte deutsche Wertarbeit à la Merkel und Westerwelle zu sein.
Das Ding ist so gut wie Schrott. Marode. Ein Sanierungsfall.

Die Betonwanne ist undicht, es regnet durchs Dach, die Wände haben Setzrisse und Löcher, Brandschutz und Rauchabzug sind ausgefallen, alle Teppiche sind wellig und bilden Stolperfallen, Klima- und Wärme-Anlagen sind kaputt, Fenster müssen ausgetauscht werden, in der Tiefgarage tropft es, die Sprinkleranlage ist defekt, in der Decke der Hausbibliothek haben sich Löcher gebildet - kurzum: der gesamte Bau sei „allgemein in einem schlechten Zustand“ (so der ehemalige Bauleiter).

Tja, nun wird Merkel ausquartiert.

Für einen winzig kleinen 25 Millionen-Euro Zuschuß aus der Steuerzahlerkasse wird das Kanzleramt wieder instand gesetzt.

So lange muß Merkel aber leider ausziehen und kann ihr Büro im siebten Stock nicht betreten.
Nun erkennt man erst die Weitsicht der Kanzlerin!

Ein tatsächlich regierender Chef hätte natürlich damit ein Riesenproblem.

Aber Merkel hat sich vorausschauend schon vor Jahren das Einmischen in politische Dinge komplett abgewöhnt.

Und das Borchardt ist sicherlich in einer viel besseren Bauqualität errichtet worden.

Sonntag, 22. November 2009

Stolz

Deutsche Heroen gibt es eigentlich nicht mehr.
Heldentum ist out.
Ich bin schon froh, daß ich wenigstens aus dem politischen Bereich noch ein paar Gestalten erinnern kann, für die man Bewunderung empfinden kann.
Willy Brandts Kniefall, Gräfin Dönhoffs Versöhnungsengagement, Helmut Schmidts Vorsitz des Interaction Councils, Joschka Fischers mutiger Kampf gegen den Irakkriegsbeginn, …das sind „deutsche Momente“, die mich erfreuten.

Das Wort „Stolz“ benutze ich bewußt nicht, da ich die Bedeutung immer noch nicht verstanden habe.
Offensichtlich handelt es sich dabei um eine fehlgeleitete Dopamin-Reaktion.
Stolz ist ein Schmücken mit fremden Federn.
Gern sind zum Beispiel Leute stolz darauf „ein Deutscher“ zu sein.

Sie streichen sich also für etwas selbst Honig ums Maul, für das sie NICHTS geleistet haben und das sie nur durch puren Zufall erlangt haben.

„Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“ sagt beispielsweise ein Guido Westerwelle gerne - bizarrerweise zunächst auf Englisch in der FAZ: „I‘m proud to be a German“.

Wiglaf Droste kommentierte dieses komische Bekenntnis eines freidemokratischen Zwangscharakters: Dadurch, dass er die Idiotie drucksig ins Englische bringt, sie also gewissermaßen international anzupinseln versucht, wird die Sache sogar noch trüber.

Und Klaus Bittermann führt 2001 im „Who’s Who Der Peinlichen Personen“ aus:

‚Ich bin stolz darauf, Deutscher in Europa zu sein‘, formuliert Westerwelle verblasen – Deutschland liegt nun mal in Europa, aber wenn man eine ganz arme Sau ist, muss man eben darauf stolz sein. ‚Ich beanspruche den Respekt vor diesem Stolz‘, fährt Westerwelle fort, ‚so selbstverständlich, wie es Franzosen, Belgier oder Italiener tun.‘ Nationalisten gibt es überall, und immer berufen sie sich auf die Nationalisten anderer Nationen. Wer unbedingt stolz darauf sein möchte, ein Deutscher zu sein, soll sich den Satz auf ein Schild schreiben und sich damit in eine Fußgängerzone hocken. Für seine Groschengesinnung werden die Landsleute schon ein paar Groschen übrig haben.“

Fragt man Deutsche, die so stolz auf ihr Deutschsein sind, was sie dafür für Gründe anführen könnten, fällt unvermeidlich die „Schiller-Goethe-Kultur-Keule“.

Ja, für die GUTEN Sachen fühlt sich jeder verantwortlich; bei den SCHLECHTEN wird aber stets herausgestellt, daß man keine Verantwortung trage.

Eine Gestalt wie Westerwelle taugt eben für den BigBrother-Container oder den Titel des Krawattenmann des Jahres.

Man sollte ihn aber nicht mit offiziellen Ämtern betrauen, sonst wird es noch peinlicher - und das heißt schon etwas für eine Ikone des „Who’s Who Der Peinlichen Personen“.

Peinlicher geht’s immer und so reist der Mann, der einst kräftig im braunen Floskeltopf nach Formulierungen fischte, als oberster Deutscher Diplomat nach Israel.

Dazu Daniel Brössler:

Reisen nach Israel sind für deutsche Politiker, um es mit den Worten von FDP-Chef Guido Westerwelle zu sagen, "schwierig, aber auch notwendig". Siebeneinhalb Jahre ist es her, dass Westerwelle diese Formulierung gewählt hat. Es war im Mai 2002, der junge Vorsitzende der Liberalen flog ins Heilige Land. Nicht zu einem Besuch, sondern in einem Notfalleinsatz. Die FDP befand sich inmitten dessen, was unter der Überschrift "Antisemitismus-Streit" als unrühmliches Kapitel in die Parteigeschichte eingehen sollte. Wenn der an diesem Montag beginnende Antrittsbesuch Westerwelles noch ein bisschen schwieriger und notwendiger ausfällt als bei jedem neuen deutschen Außenminister, dann hat das mit den damaligen Vorgängen zu tun.

Damals hatte nämlich Westerwelles Vize Möllemann erklärt, daß die Juden selbst schuld am Antisemitismus wären, ohne daß sein Chef eingeschritten wäre.
Hildegard Hamm-Brücher verließ nach über 50 Jahren die Partei und Westerwelle geilte sich mit der Vorstellung auf mithilfe ehemaliger NDP-Wähler sein Projekt 18 umzusetzen.

Solche Leute sind stolz auf Deutschland und daß solche Leute zu Vizekanzlern gewählt werden ist ein Grund mehr nicht stolz auf Deutschland zu sein.

Der Stolz auf die eigene Nationalität ist für mich noch absurder.

Konsequent bin ich aber nicht.
So sehr ich es rational ablehne mich mit fremden Federn zu schmücken, so wenig kann ich es emotional verhindern mich dennoch für fremdes Gefieder zu schämen.

Diese Regierung ist mir ausgesprochen peinlich und es gelingt mir einfach nicht mich selbst aus der Verantwortung freizusprechen.

Formal bin ich tatsächlich nicht verantwortlich - immerhin habe ich Dank Frau Merkels 1999er „Wo kann man hier gegen Ausländer unterschreiben?“-Engagement in Hessen bis heute keine deutsche Staatsbürgerschaft und somit natürlich auch kein Wahlrecht in Deutschland.

(Vielleicht sollte ich Koch, Merkel und den anderen nationalistisch brummenden CDU’lern dankbar sein, daß sie mir wenigstens die Augen darüber geöffnet haben, daß ich der Mehrheit in diesem Lande keineswegs willkommen bin.)

Aber bin ich wirklich unschuldig daran, daß von der Leyen, Niebel, Westerwelle, Jung, Schäuble, Westerwelle und Merkel die Deutsche Regierung bilden?

Hätte ich nicht mehr tun können, mehr tun müssen?

Aufklären, warnen und mahnen sollen?

Nun schäme ich mich ein Deutscher zu sein, obwohl ich gar kein Deutscher bin…..

Dienstag, 11. August 2009

Liberale ohne Rückgrat Teil II

Die Bürgerrechtsvereinigung „Humanistische Union“, gegründet auf Anregung der berühmten Verlegers und Philosophen Gerhard Szczesny 1961, hat eine äußerst verdienstvolle Geschichte.

Zu Zeiten, als das wirklich noch niemand hörten wollte, traten sie schon für mehr bürgerliche Freiheiten, die Trennung von Staat und Kirche, sowie sie Reduzierung von Kirchenprivilegien in Deutschland ein.
Mitten in der kleinbürgerlichsten Miefzeit der Adenauerjahre schickte man sich an liberale Prinzipien hochzuhalten und insbesondere alte Zöpfe des Strafrechts, wie den § 175 (Homosexuelle), § 218 (Abtreibung) oder den § 166 (Gotteslästerung) abzuschneiden.

Vor dem Kulturschock der 68er war die Arbeit der HU extrem mutig und zukunftsweisend.

Die Beiratsliste liest sich noch heute ein bißchen wie das Who is Who der linksliberalen Intellektuellen und Politikern:
Walter Jens, Burkhard Hirsch, Prof. Dr. Erhard Denninger (Verfassungsgerichtshof des Freistaat Thüringen), Heidemarie Wieczorek-Zeul, Prof. Carl-Heinz Evers (Schulsenator a.D.), Helga Schuchardt (Senatorin und Landesministerin a.D.), Renate Künast, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Prof. Heide Pfarr (Senatorin und Landesministerin a.D.), Claudia Roth, etc.

Die HU ist heute grüner und sozialdemokratischer, als zu ihrer Gründungszeit.

Damals dominierten noch Bürgerrechtsvertreter aus der FDP.
Die tatsächlich Liberalen in der FDP sind aber inzwischen ausgetreten wie beispielsweise Hamm-Brücher und Schuchardt, oder mußten ob des antiliberalen Kurses unter Westerwelle ihre Ämter räumen - Sabine Leutheusser-Schnarrenberger trat 1995 als Bundesjustizministerin wegen des Großen Lauschangriffs zurück, Burkhard Hirsch trat aus Protest gegen die Einführung des "Großen Lauschangriffs" vom Posten als innenpolitischer Sprecher der FDP zurück.

Westerwelle („Ich bin stolz ein Deutscher zu sein“), der schon mit seinen braunen antisemitischen Zündeleien Hildegard Hamm-Brücher nach 56 Jahren Parteimitgliedschaft aus der FDP vertrieben hatte fällt unter anderem auch wegen seines religiösen Kurses hinter den bürgerrechtlichen Stand des HU-Gründungsjahres 1961 zurück.

Der Grövaz bläht öffentlich seine Gläubigkeit auf
- „Ich bin aus Glauben und Überzeugung in der Kirche. Beide großen Kirchen - und andere Religionsgemeinschaften - leisten einen beeindruckenden Dienst für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. …….Der Mensch - sein Geist, seine Seele, seine Liebe - ist mehr als ein physikalischer und biochemischer Prozess. Das ist für mich felsenfest klar.

Der Grövaz unterstütze mitsamt der FDP die durch und durch verlogene antiethische Pro-Reli-Propagandaschlacht der Berliner Bischöfe, um die Macht der Kirchen auszubauen.

Im FDP-Wahlprogramm ist von „Trennung von Staat und Kirche“ keine Rede mehr.
Unter dem Grövaz ist die einst liberale Partei glatt um 50 Jahre zurück gefallen.
Nun ergreift Westerwelle sogar Partei für die Kirchen und beklagt Vorurteile gegen die Milliardenschweren organisierten Christen in Deutschland:

Die FDP setzt auf die Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften durch den Staat. Entscheidend ist, dass das Menschen- und Gesellschaftsbild der jeweiligen Religionsgemeinschaft die Werteordnung der Verfassung achtet.
Die Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten einen positiven Beitrag zur Gestaltung des Zusammenlebens in der Gesellschaft. Immer noch bestehende Vorurteile gilt es abzubauen. Häufig bildet Unwissen den Nährboden für Vorurteile.
Es ist Aufgabe der Länder, in den jeweiligen n Lehrplänen für Curricula zu sorgen, die Vorurteile gegenüber Religionen abbauen, indem sie umfassend über diese informieren.
(s.41)

In Zeiten der Papstumarmungen für die neonazistischen, misogynen und homophoben Piusbrüder möchte der Grövaz also „Vorurteile“ gegen die Religion abbauen, weil sie so einen „positiven Beitrag“ leisteten.

Muslimische, Jüdische oder gar NICHTreligiöse Weltanschauungsgemeinschaften werden übrigens im FDP-Programm mit keiner Silbe erwähnt.

Der gläubige Westerwelle möchte nur die Christen fördern und fällt damit noch hinter den Präsidenten des Christlichsten Landes der Welt zurück.

Liberal war einmal in der FDP.

Angesichts der „Liberalität“ wie sie der Grövaz versteht, können HU-Vorkämpfer nur schreiend weglaufen.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Westerwelles Überzeugungen

Kirchliche Toleranz ist ausgesprochen selten zu finden.
Das Staatsverständnis der Oberklerikalen demonstrierte dieser Tage Kardinal Lehmann auf beeindruckende Weise.
Seine eigene Dummheit und Borniertheit wie eine Monstranz vor sich her tragenderweise diktierte er der Hessischen Regierung, wie sie sich zu verhalten habe.

Die Koch-Koalition mit der extrastarken FDP und ihrem FDP-Integrationsminister Hahn buckelte devot vor dem Mainzer Kirchenfürsten.
Sie machten sich eine Primitiv-Sicht des Mannes im Purpur-Kleidchen zu Eigen, die der Präsident der Stiftung Weimarer Klassik Helmut Seemann, der auch Jurymitglied ist, als höchstgeradig absurd einschätzt.

Nein, ich habe eine vollkommen andere Haltung dazu, was deswegen - ich sage das sonst nie, aber in dem Zusammenhang muss ich es, fürchte ich, jetzt doch sagen -, ich selber katholisch bin und deswegen über die Äußerungen von Karl Kardinal Lehmann wirklich entsetzt bin, weil sie zum Ausdruck bringen, dass er einen Text nicht verstehen kann. Und das finde ich eine ganz schlimme Sache, wenn es um einen Kulturpreis geht, wiederum. Denn hier sehen wir einen Menschen, der sich über ein Ärgernis - und das Kreuz ist gerade auch nach christlichem Verständnis ein Ärgernis - ärgert und nun im Anblick der Kunst sich mit diesem Ärgernis in einer sehr differenzierten Form verständigt, vielleicht sogar aussöhnt, das bleibt ein bisschen offen. Das ist ein hochinteressanter Text auf der Grenze zwischen Religion und Kultur und ist deswegen exakt das, worum es eigentlich bei diesem Preis gehen müsste. Und das wird nun von einem anderen Preisträger, von dem ich geglaubt hätte, dass er hermeneutisch über die Grundausstattung eines kulturellen Menschen verfügt, wird dies zum Anlass genommen, sich gegen Kermani auszusprechen. Ich finde das wirklich ganz schlimm. Und ich kann mir auch eigentlich nicht vorstellen, dass es der einzige Grund ist, der Kardinal Lehmann leitet, denn dieser Text ist nach meiner Meinung nicht in irgendeiner Weise blasphemisch, sondern er bringt etwas zum Ausdruck, was zum Beispiel auch Goethe zum Ausdruck gebracht hat. Ich bin ziemlich sicher, Kardinal Lehmann würde einen Goethe-Preis nicht deswegen nicht annehmen, weil Goethe in bestimmten Zusammenhängen schon auch mal vom Scheißkreuz spricht.

Wie kommt es nun, daß ein FDP-Parteichef Westerwelle sich plötzlich so offensiv zu seiner Kirchenmitgliedschaft bekennt?

Mann sollte eigentlich annehmen, daß ihm die ein oder andere biblische Aussage nicht wirklich gefällt.
Zum Beispiel:

Du sollst nicht beim Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel.
Leviticus, 18.22

Dennoch antwortete Guido vom Taka-Tuka-Land auf die Frage, ob er gläubig sei letzte Woche:


- Ja. Auch wenn einige das mit einem Liberalen auf den ersten Blick nicht verbinden mögen: Ich bin aus Glauben und Überzeugung in der Kirche. Beide großen Kirchen - und andere Religionsgemeinschaften - leisten einen beeindruckenden Dienst für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. …….Der Mensch - sein Geist, seine Seele, seine Liebe - ist mehr als ein physikalischer und biochemischer Prozess. Das ist für mich felsenfest klar.

Dienst für den Zusammenhalt der Gesellschaft - das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, während Westerwelles Integrationsminister Hahn von Kardinal Lehmann befehlen läßt wie man Intoleranz verbreitet und die Gesellschaft SPALTET.

Nun, das Kapitel 18 aus dem 3. Buch Mose (Leviticus) über die sexuellen Vorschriften ist allerdings auch ein besonders krasser Fall von biblischen Unsinn.
Eben Altes Testament, graue Vorzeit.
Das ist so steinalt, daß man diese Vorschriften ob der Perversionen, des Sadismus und der verbreiteten Kinderfickereien von Gottes Bodenpersonal glatt vergisst.

Es könnte sein, daß Gaga-Guido einfach ein Neutestamentarier ist und er nur die Lehren aus der Post-Jesu-Zeit ernst nimmt.
Das Neue Testament gibt immer direkt den Kern des Christentums wider, es ist das Evangelium.

Da hat es auch mehr Guido-Gefälliges! Der große Apostel Paulus, jener Evangelist, dessen Schriften als hochauthentisch gelten, hat da einiges zu bieten:

Die Juden haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen; sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen so das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Maß ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen.
Paulusbrief an die Tessalonicher (1, Thess 2, 15-16)

Das mit der und so die letzten echten Liberalen, wie Hildegard Hamm-Brücher nach 56 Jahren aus der FDP getrieben.

Aber noch mehr gefällt dem intellektuellen Leichtmatrosen, der sich als Ikone der Besserverdienenden versteht eine der Bibel-Kernaussagen über den Sozialstaat und Hartz-IV-Empfänger. Ebenfalls beim Evangelisten-Titan Paulus zu finden:

Denn als wir bei euch waren, haben wir euch die Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Wir ermahnen sie und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbst verdientes Brot zu essen.
(2, Thess 3, 10-12)

Genau! Dieses faule Sozialempfängerpack aber auch“, wird sich Westerwelle denken.
Wer nicht mehr arbeiten kann, muß dann eben euthanisiert werden - oder wie es der liberale Vordenker Karsten Vilmar ausdrückte: „sozialverträgliches Frühableben“.
Die Westerwelle-Vision der Eisschollenlösung für Rentner. Das Gejammere über die viel zu niedrigen Dumping-Löhne, daß Hartz-VI’ler vom Arbeiten abhielte, kann der streng gläubige Guido gleich noch mal mit dem Evangelium kontern.
Denn Jesus war auf der neoliberalen Schiene schon weiter fortgeschritten, verteidigte die Sklaverei und forderte die Sklaven zur Gehorsamkeit auf:

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! Dient freudig, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen. Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann.
(Paulusbrief an die Epheser, 6,5-8)

So wird das dann auch noch was mit Deutschlands Zukunft nach Vorstellungen des Christen Westerwelle:

Transferleistungen werden gestrichen, Sozialhilfeempfänger werden versklavt und Staatskohle bekommt nur noch der, der hat.

Amen!

Sonntag, 11. Januar 2009

Gaza, Israel und deutsche Ansichten dazu.

Im Bundestagswahlkampf 2002 polterte Möllemann gegen Sharon und Friedman.
Das war alles ein bißchen sehr ekelig, weil er das mit so einer Unschuldsmine tat, stets dieses „na, man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen“ vor sich her trug.

Ich erinnere mich gut an damalige Diskussionen und hörte mehr als einmal „dieser Möllemann ist zwar ein Arschloch, aber er traut sich ja was! Daß ENDLICH mal jemand was gegen Sharon sagt, ist gut“.

Komplizierte Gemengelage.

Was ist aber das Problematische daran gewesen?

Einiges!

Möllemann war natürlich UNEHRLICH - er blökte seine Kritik nicht heraus, weil er zufällig gerade zu der sachlichen Erkenntnis gekommen war, daß er das Vorgehen der Israelischen Regierung taktisch mangelhaft fand, sondern weil Wahlkampf war und er wußte, daß es genügend Antisemitismus gab, den man nur anzapfen brauchte.

Ja, in der Tat - seit Sharon 2000 als Oppositionsführer in äußerster Provokation auf dem Tempelberg gestiegen war und damit reichlich Öl ins Feuer goss, ist er international sehr unbeliebt geworden.
Andererseits funktionierte es: Sharon wurde MP.
Möllemann öffnete bewußt die antisemitische Schublade, indem er das Thema gründlich mit Friedmann und Karsli verquickte.
Friedmann war durch seinen provokanten Diskussionsstil ebenfalls hochumstritten in Deutschland - mit der israelischen Politik hat er allerdings GAR NICHTS zu tun - die Klammer setzte erst Möllemann.

Ins Spiel kommt aber die ganze Klaviatur des Antisemitismus - nicht nur der Offensichtliche, sondern der sogenannte „Sekundärantisemitismus“ erst recht.
Ein schwer zu definierender Begriff.
Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex drückte es sarkastisch aus: "Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nicht verzeihen."
Durch die pure Anwesenheit der Israelis auf der Welt, fühlen sich die Deutschen gewissermaßen stets an ihre größte Schande erinnert.
Judenfeindschaft gewissermaßen aus dem Motiv der Erinnerungsabwehr heraus. Da wird dann gerne mal relativiert - die Israelis benähmen sich ja „auch“ ganz übel…
Außerdem werden ständig nicht existente Denkverbote und Tabus gewittert.
Man fordert einen „Schlussstrich“.
Woran liegt das?
Die Forschung sieht in einem wenig gefestigten Selbstwertgefühl eine Ursache dafür, dass viele Deutsche der Vergangenheit nicht unverstellt ins Auge blicken wollten und wollen. Das Wissen um die deutschen Verbrechen führte und führt bei vielen zu Identifikationsproblemen mit dem nationalen Kollektiv. Dies geht einher mit einer persönlichen Abwehr der "Vergangenheitsbewältigung" und einem Überdruss an der weiteren Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit. (bpb)

Das hat mich im Jahr 2002 am meisten erstaunt - WÄHREND die Feuilletons und Meinungsartikel der großen überregionalen Zeitungen VOLL waren von teils bitteren Abrechnungen mit Sharons Politik, stellten sich Westerwelle und Möllemann dummdreist hin und taten so, als ob sie die armen kleinen Tabubrecher wären, die jemand mundtot machen wolle.
Der FDP-Chef spielte auch diese Seite der antisemitischen Klaviatur so perfide aus, daß bekanntlich am Wahlabend FDP-Urgestein Hildegard Hamm-Brücher nach über einem halben Jahrhundert Parteizugehörigkeit schweren Herzens aus dieser gruselig gewordenen Partei austrat.
Die perfiden Lügen des Guido W. waren ihr einfach unerträglich geworden.

Die Demoskopie gab zwar dem Spaßparteivorsitzendem und seinem Projekt 18 Auftrieb - derzeit stehen sie bei 13%, obwohl es nicht die geringste ökonomische Konzeption von ihnen gibt - aber die 13 % sind erkauft mit völligen Verlust von Rückgrat, Anstand und Moral.

Ich möchte noch einmal ausdrücklich festhalten:

Die Deutsche Seite ist die Unehrliche und Vergessliche!

Wie 2002, kann man jetzt auch diese alberne Frage lesen, so in der SZ:
Darf man das, kann man das: in Deutschland Israel kritisieren? Ohne als antiisraelisch, gar antisemitisch zu gelten?
Glücklicherweise gibt der Autor Matthias Drobinski sofort eine klare Antwort:
Natürlich kann man, es geschieht ja auch. In Deutschland ist die Meinung frei, auch wenn sie zugespitzt, einseitig, gar falsch ist.


Es ist aber dennoch höchst erstaunlich, daß diese Frage immer wieder auftaucht und sekundäre Antisemiten hartnäckig darauf rumreiten, daß die Deutsche Regierung angeblich immer vor Israel buckelten.

Das stimmt NICHT - sogar auf höchsten Ebenen rummste es immer wieder:

Israel Kinar, ab 1965 Israelischer Botschafter in Bonn, erinnerte an seine erste Begegnung mit Bundespräsident Heinrich Lübke, der ihn damals empört gefragt hatte, warum Botschafter Rolf Pauls in Israel "so beschimpft" worden sei. In einem zweiten Treffen habe er ihn gefragt, „wie lange werden Sie uns noch beschimpfen, bei allem, was wir für Sie zahlen?“ Dies als Hieb gegen die Wiedergutmachungsleistungen an Israel, "die inzwischen lange ausgelaufen sind", so der ehemalige Botschafter.

Im September 1974, nach der Rede des PLO-Chefs Yassir Arafat vor der UN-Generalversammlung, kam es zum Eklat. Die Bundesrepublik Deutschland forderte als erstes Land der westlichen Welt, das "Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes" anzuerkennen. Als Konsequenz dessen müssten die Palästinenser selber entscheiden, ob sie "auf dem von Israel zu räumenden Gebiet eine eigene Autorität errichten" wollen "oder eine andere Lösung wählen". Israel, das die Palästinenser nicht als eigenes Volk anzuerkennen bereit war, sah sich durch die Forderung Bonns maßlos enttäuscht.

Helmut Schmidt, enger Freund Muhammad Anwar as-Sadats, focht 1981 einige diplomatische Kabalen mit Menachim Begin aus Schmidt hatte bei seinem Besuch in Ägypten 1981 ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag der ägyptischen Regierung deutsche Leopard II-Panzer zugesagt, was in Israel helle Empörung ausgelöst hatte.

Im Juni 1982 gab es erneut harte deutsche Kritik an Israel, wegen der Libanon-Politik. Nachdem Christenmilizen unter Duldung der israelischen Armee in zwei palästinensischen Flüchtlingslagern (Sabra und Shatilla) ein Massaker an mehreren hundert Menschen angerichtet hatten, wurde der israelische Verteidigungsminister Ariel Sharon gedrängt, von seinem Amt zurückzutreten. Viele Deutsche fragten sich seinerzeit, wie ein Volk, das selber den Holocaust erfahren hatte, eine solche Vorgehensweise seiner Armee tolerieren konnte. Vergleiche der israelischen Armee mit den Nazis wurden insbesondere in linksradikalen Kreisen der Bundesrepublik erstellt.
Offensichtlich wurde und wird Israelische Politik in Deutschland kritisiert und Israel, die Demokratie, scheint das auch gut auszuhalten.

Wenn jemand also trotzdem meint die antisemitische Keule schwingen zu müssen, weil er Tabus und Bevormundung wittert, ist er charakterlich verkommen, oder zumindest sehr schlecht informiert.

Im Moment befindet sich Israel - WIEDER EINMAL - im Krieg.

Welches vor allem ein Propagandakrieg ist, den Jens Berger sehr gut beschreibt.

Oh ja, es gibt keinen Grund irgendetwas schön zu färben - den Kriegshergang sollte man durchaus recherchieren.

Die Aufgabe „Palästina versus Israel“ in ein „Palästina MIT Israel“ zu überführen, halte ich für de facto unlösbar.
Das Hauptproblem, welches ich an anderer Stelle immer wieder ansprach, ist die Religion.
Es braucht nun einmal Ratio und Vernunft, um zu einem Frieden zu kommen - aber Religiöse sind a priori NICHT vernünftig.
Solange die Menschen sowohl aus dem Koran als auch aus Bibel und Talmud ableiten, daß sie ALLEIN im Recht sind und auch allein Anrecht auf den biblischen Boden haben, kann es keine Frieden geben.
Die totale Vertreibung der Religion erscheint mir genauso wünschenswert, wie irreal.
Im richtigen Leben ist es wohl so, daß keine neutralen Parteien eingreifen werden.

Israel ist umzingelt und die Hamas kann unmöglich so doof sein, nicht damit zu rechnen, daß eine Israelische Regierung sich natürlich NICHT auf Dauer gefallen lassen wird, daß ihre Bürger ständig mit Raketen beschossen werden.

Genauso sicher ist allerdings, daß ein Angriff auf Gaza und das Auslösen einer humanitären Katastrophe dort erst recht nicht weiter hilft.

Eine klassische NoWin-Situation.

Beide Seiten scheinen mir eher der Eskalation in die Hände zu spielen und im Rest der Welt fehlt es an Ideen und Mut.
Europa legt genau wie die Arabische Liga einfach die Hände in den Schoß und guckt weg.
Amerika hat gerade keinen Präsident und selbst wenn Obama etwas unternehmen wollte, könnte er nicht, da die Amerikaner Dank seines Vorgängers jegliche Reputation im Nahen Osten völlig verspielt haben.
Es wäre die Stunde einer vollkommen neutralen Macht, die mit einer Million Blauhelmen einmarschiert und von beiden Seiten gleichermaßen akzeptiert wird.
Blöderweise fällt mir dazu außer den Marsianern niemand ein.

Und in Deutschland? Auch hier ein einziges Elend.

Rechte, Christliche und ganz linke Kreise kochen ungerührt ihr Antisemitensüppchen. Die katholischen Ultras von Kreuznet bringen täglich neue Hetzschriften gegen Israel im Besonderen und die Juden allgemein.
Keine offizielle katholische Stelle, kein Bischof, kein Prälat hält es für nötig der bräunlich faschistokatholischen Gülle ein Wort entgegen zu setzen.

Die gute alte wirklich friedliche Friedensbewegung bekommt gar scheußliche Gesellschaft.

Am vergangenen Samstag demonstrierten in Bremen 7000 Menschen gegen die israelische Militäraktion im Gaza. Auf YouTube kann man hören, was die Teilnehmer, darunter viele aus dem arabischen Raum, riefen: "Kindermörder Israel!" Und: "Juden raus aus Gaza". Juden raus, das klingt in Deutschland mörderisch. Erschrocken distanzierte sich das Bremer Friedensforum, doch es blieb, dass die Friedensgruppen gemeinsam mit Antisemiten aufgetreten waren.

Abschließend noch ein Wort zum Zentralrat der Juden in Deutschland:
In den Wochenendausgaben der großen Zeitungen erschienen jetzt Solidaritätsanzeigen mit Israel. So zum Beispiel gestern eine Viertelseite in der SZ - überschrieben mit „Gegen den Raketenterror der Hamas - Für eine Perspektive für die palästinensische Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen.“Wer wollte dem widersprechen, was das Zentralratspräsidium dort unterschreibt.
Aber WIE soll das gehen?
Die Schlußsätze, „Voraussetzung für Frieden im nahen Osten sind (…) Sicherheit, Vertrauen und Freiheit von der Diktatur des islamischen Terrors der Hamas. Europa ist gefordert“ klingen gut, sind aber vollkommen vage und irreal.
Sicherheit, Vertrauen…sehr schön - aber eben nur im Wolkenkuckucksheim erhältlich.
Und was genau soll Europa tun? Irgendwelche konkreten Ideen?

Einer genauen Faktenprüfung halten auch hier nicht alle Punkte stand und so diskreditiert sich leider auch Frau Knoblauch ein bißchen.
1.) „Die Hamas trägt die alleinige Verantwortung für die zivilen Opfer AUF BEIDEN SEITEN.“
Frau Merkel sagt das auch, aber daß die israelische Armee nun überhaupt keine Verantwortung für die Toten in Gaza hat, ist schon etwas abwegig.

2.) „Teheran schürt den ..Staatsterrorismus“.. auch das ist nicht die ganze Wahrheit - in erster Linie ist das Erstarken des Irans das Ergebnis der US-Politik seit 2003.

Ich befürchte, daß wir angesichts der weltweiten Akteure eher das Perpetuum mobile entwickeln, Stroh in Gold verwandeln und die Quadratur des Kreises bewerkstelligen.

Sonntag, 16. November 2008

Politdepp der Woche

Horst Köhler, 65, ist ist seit dem 1. Juli 2004 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Horst Köhler ist sehr beliebt.
Horst Köhler soll wieder gewählt werden.
Horst Köhler ist harmlos.
Horst Köhler ist ein miserabler Redner - zum Glück für die CDU, die von ihm keine beindruckenden Reden fürchten muß.

Besonders still ist er seit der Bankenkrise, die die Welt und Deutschland in die Rezession gedrückt hat.
Hunderte Milliarden Euro werden in atemberaubender Geschwindigkeit von der Bundesregierung locker gemacht.
Die großen Banken und nun auch Autobauer werden unterstützt.
Nicht unterstützt werden das Bildungssystem, die Pflegebedürftigen in Altenheimen, die Billig- und Multijobber oder der Kampf gegen den Klimawandel.
Die Kassen sind ja leer…
Köhler sagt dazu nichts.

Früher sagte er mehr - er polterte sofort los, daß „hoffentlich bald Angela Merkel Kanzlerin sein wird“ (ZDF am 13. März 2004).
Eine Woche zuvor erklärte er, daß die Agenda 2010 „bei Weitem nicht ausreichend“ sei! Die neoliberale Reform-Merkel vom Leipziger Parteitag mit ihrem Steuermann Paul Kirchhof müßte noch erheblich weiter gehen und bei den Sozialleistungen streichen.
Da kannte sich der Köhler aus.

Kann es sein, daß er einfach von Banken und Finanzen nichts versteht, so daß sein beredtes Schweigen im Jahr 2008 schlicht mit Nichtwissen zu erklären wäre?

Was hat er denn früher eigentlich gemacht, bevor er plötzlich 2004 Präsident wurde?
1990 bis 1993:
Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Er verhandelte den Vertrag von Maastricht und sorgte dafür, daß Papa Bush für seinen Krieg gegen den Irak 1991 von den deutschen Steuerzahlern 12 bis 18 Milliarden DM erhielt. Ein paar Hunderttausend Iraker wurden gekillt, Deutschland zahlte bereitwillig. Köhler war die finanzielle rechte Hand seiner Politikone Helmut Kohl.
Köhler gestaltete außerdem die Währungsunion, die das totale ökonomische Desaster der Ex-DDR zementierte. Sicher ist, dass die Akteure damals der DDR-Wirtschaft den Rest gaben und die Bundesrepublik auf ungewisse Zeit hinaus mit gigantischen Schulden belasteten. Es geht um 200 Milliarden Euro. Für Köhlers Bankenfreunde waren das jahrelange Festspiele.

Der Tagesspiegel zitiert den Bundesrechnungshof:

Die Treuhandanstalt, für die Köhler zuständig war, und das Bundesfinanzministerium hätten Steuergelder in Milliardenhöhe verschleudert, weil sie sich bei der Veräußerung der ehemaligen DDR-Banken an westdeutsche Kreditunternehmen von diesen hätten übervorteilen lassen. Bei Geschäftsbesorgungsverträgen mit der Deutschen Bank und der Dresdner Bank sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen, bei den Verkaufsverhandlungen der von den Banken gegründeten Joint-Venture-Unternehmen seien sogar „erpresserische Methoden“ angewandt worden. Banker wäre damals bestimmt so mancher gerne gewesen, leichter konnte man Geschäfte kaum machen. Die Berliner Bank zum Beispiel kaufte die aus der DDR-Staatsbank hervorgegangene Berliner Stadtbank für 49 Millionen Mark. Sie erwarb damit zugleich durch den Staat garantierte Altschuldenforderungen in Höhe von 11,5 Milliarden Mark – das 235-fache des Kaufpreises. Die Genossenschaftsbank West kaufte die Genossenschaftsbank Ost für 120 Millionen Mark und erwarb Altschuldenforderungen von 15,5 Milliarden Mark. Die Westdeutsche Landesbank Girozentrale zahlte für die Deutsche Außenhandelsbank 430 Millionen Mark, also eine knappe halbe Milliarde, und bekam dafür Altschuldenforderungen über sieben Milliarden Mark. Und so weiter. Die westdeutschen Banken mussten zwar auch Verbindlichkeiten übernehmen. Aber allein die Zinsen auf die übernommenen Altschulden reichten, um den Kaufpreis auszugleichen.

Daß Köhler bei Bankern sehr beliebt war, verwundert nicht und so stieg er weiter auf.

1993 bis 1998:
Präsident den Deutschen Sparkassen- und Giroverband.
1998 bis 2000:
Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE)
2000 bis 2004
Geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF)
2004 bis 2009
Bundespräsident.
Einer, der zur Finanzkrise und dem Zusammenbruch von Dutzenden von Banken leider gar nichts zu sagen weiß.
Dieser Mann soll nun unbedingt wieder gewählt werden.

Blöd nur, daß es in der Demokratie mitunter Gegenkandidaten gibt. Sogar kleinere Parteien maßen sich mitunter an eigene Persönlichkeiten zu präsentieren.
Jens Reich, Uta Ranke-Heinemann, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Hildegard Hamm-Brücher, Marion Gräfin Dönhoff… alles Kandidaten, alle ohne Chance.

Wieso eigentlich nicht?
Viele der Personen waren doch sehr beliebt, Prof Schwan im Jahr 2004 sogar wesentlich beliebter als Köhler.
Nun, das liegt daran, daß Bundespräsidenten nicht direkt gewählt, sondern ausgeküngelt werden.
Die CDU/CSU-Fraktion zerstritt sich 2003/2004 über die Kandidatur von Wolfgang Schäuble.
Schließlich mauschelten drei Parteiführer auf Socken in Guiiido Westerwelles Wohnung unter den großformatigen Homo-Bildern von PDS-Chef Biskys Sohn Norbert solange, bis sie sich auf Köhler einigten.
Merkel hat ja ein Händchen für Personal
:
Parlamentsbelüger und Verfassungs-Antagonist Schäuble wurde bei ihr Verfassungsminister.
Der Wirtschaftslaie Glos Wirtschaftsminister.
HRE-Pleitier Tietmeyer (Köhlers Staatssekretärs-Vorgänger) erkor sie zum Berater der Bundesregierung in Finanzfragen aus.
Etc.

Man hielt sich aber an die intimen Beschlüsse aus Westerwelles Butze, denn die Bundesversammlung wählt den Präsidenten.
Vertreten sind dort alle Bundestagsabgeordneten, sowie eine gleiche Anzahl Parlamentarier aus den Landtagen, welche sich allerdings in Einzelfällen durch Gaga-Persönlichkeiten wie den ultrarechten Filbinger oder die Ultrakatholikin Fürstin Gloria vertreten lassen können.

Im bekannten Polit-Fachmagazin GONG (Heft 47, vom 14.11.2008) wird eine Debatte der bizarren Art dokumentiert.
Darf die ARD noch Tatorte ausstrahlen, in denen der böse, böse Peter Sodann mitspielt?
Immerhin ist er als Kandidat der LINKEn im Rennen um das höchste Staatsamt und hat mit den 91 (von 1224) Stimmen ja ENORME Chancen zu gewinnen.

Und nun ENDLICH zum Politdepp der Woche:

Das denkt jedenfalls das Politgenie Sven Volmering, Landesvorsitzender der Jungen Union NRW und Vorsitzender des JU-Bezirksverbandes Münsterland, der bangend um die Wahl Köhlers massiv für ein Sodann-Verbot eintritt:

„Bis zur Wahl wäre jede Episode mit ihm ein 90-minütiger Wahlwerbespot für die Linken. Das kann nicht im Interesse einer öffentlich-rechtlichen Institution sein“

Entweder Volmering ist komplett verblödet und weiß nicht wie ein Bundespräsident gewählt wird, oder er hält seine Politkollegen von der CDU für komplett verblödet, daß er annimmt die Abgeordneten würden nach einer Tatort-Episode auf Sodann umschwenken.




(Danke Nordstern)

Montag, 4. Februar 2008

Linke Blogger-Traditionen.

Man kann GANZ linke und bizarrer weise genauso GANZ rechte Blogger daran erkennen, daß sie fast immer geradezu manisch auf Israel einhacken. Wobei sich aktuelle israelische Politik, Judaismus, die israelische Regierung, Nahost-Auseinandersetzung generell, US-Einfluß, die israelische Armee gerne mal so verquicken, daß auch wohlwollende und neutrale Beobachter Antisemitismus wittern. Vermutlich führt gerade diese Unschärfe und die Angst vor einem Antisemitismus-Vorwurf zu besonders subjektiver Sicht auf den Nahost-Konflikt.
Für mich war ein ganz privates Gespräch im September 2002 ein wirklicher Schock. Ich sprach mit einem promovierten und weitgereisten CDU-Wähler, der aber gesellschaftspolitisch liberal eingestellt war. Es war die Hochzeit des FDP-Gaga-Wahlkampf, als Guiiido im spaßigen Guidomobil umher fuhr, bei Frau Christiansen seine Schuhsohlen mit der aufgedruckten „18“ in die Kamera hielt. Damals verlor die FDP endgültig ihren Anspruch als Partei ernst genommen zu werden und folgerichtig musste die Grand Dame des Liberalismus, Hildegard Hamm-Brücher, nach über 50 Jahren Parteizugehörigkeit die Partei verlassen.
Kurzum – Möllemann und Westerwelle führten sich derart absurd und abstoßend auf, daß der anschließende Selbstmord Möllemanns nur zu verständlich war – ich wünschte manchmal, daß der heute immer noch amtierende Parteichef Möllemanns Beispiel gefolgt wäre. Nach der nun wirklich deutlich antisemitischen Anti-Sharon und Anti-Friedmann-FDP-Broschüre, öffneten sich jedenfalls endgültig die Schleusen des sekundären Antisemitismus.

Zur Erklärung – laut bpb bedeutet „sekundär“ in diesem Fall: Man kann das Phänomen "Sekundärer Antisemitismus" ein wenig überspitzt so auf den Punkt bringen: Judenhass nicht trotz, sondern wegen Auschwitz. Oder, wie es der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex sarkastisch sagte: "Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nicht verzeihen." Den "Sekundären Antisemitismus", die Judenfeindschaft aus dem Motiv der Erinnerungsabwehr heraus, beschreiben die Antisemitismus- und Rechtsextremismus-Forscher Werner Bergmann und Rainer Erb in wissenschaftlicher Sprache knapp so: "Wir vermuten, dass das Verhältnis von Deutschen und Juden heute außer von fortwirkenden traditionellen Vorurteilen zunehmend davon bestimmt wird, wie sich die Deutschen der NS-Vergangenheit und der daraus erwachsenen Verantwortung für die Juden stellen. Aus der Diskrepanz zwischen dem Wunsch zu vergessen bzw. nicht erinnert zu werden und der beständigen Konfrontation mit den deutschen Verbrechen ergibt sich u.E. ein neues Vorurteilsmotiv, das sich zum Teil in der Form revitalisierter traditioneller Vorwürfe an die Juden äußert (Rachsucht, Geldgier, Machtstreben)."

Zu der Zeit fand auch mein besagtes Gespräch mit dem CDU-Wähler statt.
Er sagte mir, daß er Möllemann nicht ausstehen könne, aber wirklich begeistert davon sei, daß dieses nun endlich mal „Das große Tabu“ bräche, daß man Israel nicht kritisieren dürfe. Ich kann das bis heute nicht fassen, denn seit Ariel Sharon am 28.September 2000 den Tempelberg in Jerusalem bestieg – also immerhin zwei Jahre vor der Anti-Sharon-Broschüre des FDP – gab es in den deutschen Feuilletons wirklich kein Halten mehr.
Diese extrem provokative Tat Sharons, die mehr oder weniger direkt die zweite Intifada auslöste, wurde zumindest in der deutschen Presse (andere kann ich nicht beurteilen) derart extrem kritisiert und verurteilt, daß sich schon vereinzelt arabische Journalisten zu Wort meldeten und für mehr Ausgewogenheit plädierten. Ich weiß nicht mehr wer es war -aber ich erinnere mich an die Schlagzeile: "Nicht alle Palästinenser sind echte Friedensengel"
Sharon wurde nach dem allseits beliebten und adorierten Rabin damit zum absoluten Buhmann des deutschen Feuilletons. Kein Tag verging, an dem nicht in deutschen Zeitungen schwere Kritik an der israelischen Regierung geäußert wurde.
Giordanos Buch Israel, um Himmels willen, Israel. Stammt übrigens auch schon von 1991. Der Film nach Motiven seines Buches. Regie: Jens-Uwe Scheffler entstand 1993.
Aber noch Ende 2002 im Bundestagswahlkampf musste ich mir von nicht verblödeten Deutschen anhören, daß „man“ ja nicht Israel kritisieren dürfe.
Die FDP brachte es damals übrigens statt der avisierten 18 Prozent auf 7,4 %.
Der mangelnde Erfolg dürfte auch der Grund sein weswegen sich Gaga-Guido auf seine antisemitische „Spaß-Zeit“ incl Bigbrother-Besuch nicht mehr gerne erinnern lässt.

Heute möchte ich nicht das Faß Nahost-Konflikt aufmachen. Daß ich die Politik der amerikanischen Regierung diesbezüglich für den falschsten und dümmsten Weg überhaupt halte, dürfte sich von selbst verstehen.
Aber wer unterstützt heute überhaupt noch Bush?
Es ist aber generell leicht zu äußern was man alles für falsch destruktiv hält.
Insbesondere ist es einfach und Fehler aus der Vergangenheit aufzulisten.

Eine Sache, die mir bisher an Barak Obama missfällt – bei jeder Frage nach dem Irak beginnt er sich damit zu brüsten, daß er gegen den Einsatz gestimmt hätte und zählt dann auf was die Bush-Regierung alles komplett falsch gemacht hätte. Die Liste ist in der Tat beeindruckend – denn so extrem hat wohl überhaupt noch nie irgendeine Regierung der Welt gestümpert und gelogen. Schlimmer geht’s nimmer. NUR: Die Rückschau nützt in der praktische Politik auch nichts und von einem Mann, der sich anschickt Präsident der USA zu werden. Wüsste ich schon gerne wie es ZUKÜNFTIG besser gemacht werden soll.

Für uns andere, die demnächst nicht zufällig Mitglieder der US-Regierung werden, kann ich aber nur empfehlen sich zu informieren, sich zu informieren, sich zu informieren.
Man muß sich in alle Seiten hineindenken und versuchen eigene Vorurteile abzulegen.
Konkret möchte ich das Buch von Leshem empfehlen:

RON LESHEM: Wenn es ein Paradies gibt. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Rowohlt, Hamburg, 2008. 352 Seiten, 19,90 Euro.
Leshem ist ein Journalist aus Tel Aviv, Anfang 30, aus einer linksliberalen Intellektuellenfamilie stammend.
Sein Buch, das in englisch einfach „Beaufort“ heißt, stand im hebräischen Original 2006 neun Monate auf Platz eins der Bestsellerlisten, insgesamt 140 000 Exemplare wurden verkauft, was in einem so kleinen Land wie Israel enorm ist.
Der Roman wurde mit dem Sapir-Preis, dem bedeutendsten Literaturpreis des Landes ausgezeichnet und unter dem Titel "Beaufort" verfilmt (der Film ist für den Auslands-Oscar nominiert).
Beschrieben wird ein Jahr (2000) im Südlibanon aus Sicht eines Leutnants der israelischen Armee namens Eres.
Eres, „seine Kinder“ (so werden die Soldaten von ihren Vorgesetzten liebevoll genannt) und die Festung Beaufort existieren wirklich.
Leshem ist aber „nur“ der Chronist, der aus einer anderen Galaxie zu kommen scheint, wie er selbst im Interview mit Deutschlandradio sagt:

"Ich stamme aus einer Wohngegend bei Tel Aviv, einer intakten Wohngegend. Meine Mutter ist Rechtsanwältin, mein Vater leitet ein Privatklinik-Unternehmen. Ich bin in einer Art Blase aufgewachsen. Geistig habe ich sie lange einfach nicht verlassen. Aber auch räumlich: Ich war damals nie im Gazastreifen. Meine Familie reiste nach Europa, aber den Schritt vor die eigene Haustür machten wir nicht. Während der zweiten Intifada kam er als Reporter erstmals mit Soldaten im Gazastreifen zusammen: "Sie waren so wütend auf mich, weil ich keine Ahnung hatte und nichts dagegen unternommen hatte, dass sie dort monatelang, abgeschnitten von der Welt, ihr Dasein fristeten. Sie erzählten mir ihre Geschichten und ich wurde immer wütender auf mich selbst. Aber es geht nicht nur um mich. Wir Israelis reden nicht wirklich miteinander, wir lieben uns nicht. Wenn wir die Armen und Schwachen aufs Schlachtfeld schicken, tun wir das, ohne das ausreichend in Frage zu stellen."

Als Nichtisraeli weiß man zwar von der allgemeinen Wehrpflicht dort so kann man sich eigentlich denken, daß die Heterogenität unter den Soldaten sehr viel größer sein muß, als beispielsweise in der US-Berufsarmee.
Heutzutage schaffen es aber immerhin 30 % der israelischen jungen Menschen nicht zur Armee zu kommen. Immerhin fast ein Drittel des jeweiligen Jahrgangs, die offensichtlich enorm daran interessiert sind ein möglichst normales und friedliches Leben zu führen.
So hat das Leshem-Buch wohl auch ein Tabu gebrochen – indem verschiedene Welten Israels, die in Wirklichkeit manchmal nur einen Katzensprung auseinander liegen plötzlich auf einander trafen.
"Wir schicken die Jungen aus den armen Familien an die Front", sagt Leshem, "und die, die neu ins Land kommen." Die meisten der Jungs in seinem Roman träumen nur davon, endlich von der trägen Mittelschicht akzeptiert zu werden. Sie stehen auf dem windzerzausten Hügel zwischen Betonschutzblöcken, seit vier Wochen ungeduscht, und sprechen ihr Testament in Handykameras, hoffend, dass das in den Abendnachrichten gesendet wird, im Lichtjahre entfernten Tel Aviv, falls sie sterben sollten.
Das Leben im sogenannten U-Boot, der von christlichen Kreuzfahren errichteten Feste Beaufort, umzingelt von Hisbollah-Kämpfern, wird geradezu physisch spürbar bei dieser Lektüre.
Ich konnte quasi die Fürze der eng an eng gekauerten Soldaten riechen, die unter andauerndem Mörserbeschuß ein Jahr in der Hölle durchmachten.
18-Jährige, denen es verständlicherweise nicht leicht fällt sich einzugestehen, daß ihr Einsatz möglicherweise sinnlos ist.
Wie gehen so junge Leute damit um, daß es vorkommt, wenn der Spaßvogel der Kompanie, den alle wegen seiner Sprüche lieben, von eben auf jetzt nur noch als Rumpf neben einem sitzt und daß sein Kopf im allgemeinen Kampfgetümmel leider nicht mehr auffindbar ist?
All dies findet 30 Autominuten entfernt von der vollkommenen Normalität statt, in der ihre Altersgenossen am Strand vom Surfen entspannen.
Für mich war die Lektüre ungeheuer lehrreich und geradezu unheimlich plastisch – das soldatische Rotwelsch, die Sprüche, die Mode, die Musik, die Interessen kamen mir schnell vor wie meine eigene Jugend, obwohl die ganze Situation ferner und fremder nicht sein könnte, wenn man zufälligerweise in einer friedlichen deutschen Großstadt ohne Krieg und Armee aufgewachsen ist.
Das beschriebene Sterben wird umso grauenvoller, da es nicht quantifiziert wird, sondern an wenigen dem Leser ans Herz gewachsenen Protagonisten vorgeführt wird.
Beginnt man auch noch über diese kleine Einheit hinaus zu denken und sich gar auszumalen, wie viele Menschen auf der „anderen Seite“ ganz genau so elend verrecken in einem Konflikt, der so unlösbar erscheint, kann man wirklich in Depressionen versinken. Leshem selbst tröstet sich übrigens über das Internet:

"Ich bin mir ziemlich sicher: Es wird keine Lösung geben. Aber seit einigen Monaten bin ich auf den Seiten von Facebook, einem sozialen Netzwerk wie Myspace, registriert und chatte mit jungen Menschen aus Teheran und Damaskus. Wir tauschen Bilder aus, sprechen über den Alltag, aber nicht über Politik. Wenn jeder der 300.000 bei Facebook registrierten Israelis mit einem Menschen im Iran spräche, würde das viel verändern. Plötzlich stellt man fest, dass sie ganz anders sind, als man dachte, oder als man zu denken erzogen wurde."

Na hoffentlich!

Ein Hoch auf das Internet.

Und lest trotzdem das Buch.

Montag, 21. Januar 2008

Ehre

Man kann ja durchaus mal gezwungen sein die Partei zu wechseln – so wie es die anständigen in der FDP 1982 tun MUSSTEN, als Genscher und Lambsdorff mit den Leihstimmen, die sie 1980 mit dem Versprechen bekamen damit Helmut SCHMIDT zum Kanzler zu wählen, schließlich Helmut Kohl auf den Thron hoben.
In Hamburg sind damals von rund 2000 FDP-Mitgliedern rund die Hälfte aus der Partei ausgetreten – alle diejenigen, die sich vollkommen verarscht fühlten, weil sie Helmut Schmidt als Kanzler wollten.
Ingrid Matthäus-Maier war auch so eine Frau mit Rückgrat – sie legte den Vorsitz des Bundestagsfinanzausschusses nieder und schied im Dezember 1982 aus dem Bundestag aus.
Zu nennen wären auch der damalige FDP-Generalsekretär Günter Verheugen und der parlamentarische Staatssekretär Andreas von Schoeler, die es ebenso wie Matthäus-Maier machten.
Andere irrlichtern ein wenig länger – so Oswald Metzger, der 1974 bis 1979 Mitglied der SPD war, 1987 – 2007 bei den Grünen Mandate wahrnahm und nun offenbar zur CDU tendiert. Immerhin gibt er aber auch sein Mandat (im BW-Landtag) zurück und immerhin hat er immer mit offenen Visier gekämpft.
Ein klassischer „Ehrenmann“ im besten Wortsinne (also das Gegenteil ds pervertierten Ehrenbegriffs, den CDU’ler wie Helmut Kohl oder Uwe Barschel benutzen) ist Gustav Heinemann gewesen, der im Kabinett Adenauer 1949 – 1950 Bundesinnenminister war und dann aus Protest gegen die von der CDU durchgepaukten deutschen Wiederbewaffnung aus der Partei austrat.
Klaus von Dohnanyi, der zwar als Hamburger Bürgermeister halbspöttisch auch mal Nadelstreifensozialdemokrat genannt wurde, sich aber insbesondere in der Hafenstraßenkrise extrem vorbildlich und gradlinig verhalten hat, drängt sich geradezu auf für den Begriff des Ehrenmannes – kann man eine beeindruckendere und anständigrer Herkunft als er haben?
Ich erinnere mich leicht gruselnd an den Wahlabend der Bundestagswahl 1994. Von Dohnanyi war damals (im Gegensatz zu mir!!!) kein Anhänger von Rot/Grün und äußerte dementsprechend auch seine Zustimmung zu dem Wahlergebnis des Abends, welches so ein Bündnis unmöglich machte – fair war er trotzdem, weil er diese Meinung NACH Schließung der Wahllokale kund tat.
Von allen Nachkriegspolitikern Deutschlands ist mit Sicherheit Hildegard Hamm-Brücher mit am meisten zu adorieren. 1948 in die FDP eingetreten war sie 54 lange Jahre das Urgestein der liberalen Idee – ein echtes Vorbild.
1982 bei der denkwürdigen Bundestagsdebatte zum unwürdigen Machtantritt Kohls, fand sie die einzig richtigen Worte, die man bis heute mit Gänsehaut nachliest, weil sie so gut waren.
Daß Kohl nie wieder mit ihr sprach und CDU-Generalsekretär Geissler ihr Verfassungsfeindlichkeit vorwarf muß man wohl als besondere Lob verstehen.
Ich frage mich – nebenbei bemerkt – ob sich wohl Geissler inzwischen mal bei ihr entschuldigt hat – seit einigen Jahren gehört Geissler ja auch zu den Guten...
Nach über 50 Jahren Parteizugehörigkeit ist es sicherlich besonders schwer das Parteibuch niederzulegen. Aber der unterirdisch miese, charakterlose, antisemitische, absurde Gaga-Projekt-18-Wahlkampf der rückgratlosen Witzfigur Westerwelle ließ ihr im Jahr 2002 einfach keine Wahl mehr.
Ein Jammer und ein Beweis der Nichtexistenz Gottes, daß so ein kleines arrogantes korruptes Bürschchen wie Westerwelle, der intellektuell noch Hamm-Brüchers kleinem Finger unterlegen ist, es verursacht hat die Grand Dame der Liberalen zu vertreiben.
VORBILDLICH allerdings wie es Hamm-Brücher anstellte: Ihr Austrittsschreiben warf sie am Wahlabend um Punkt 18.00 Uhr in den Briefkasten ein – so daß man ihr weder vorwerfen konnte sich nach dem Wahlergebnis zu richten, noch der FDP direkt zu schaden, indem ihr symbolträchtiger Schritt vor der Wahl bekannt geworden wäre.

Und dann gibt es noch die ganz ganz schlechten Beispiele – das illustriert Wolfgang Clement dieser Tage:
Zur Unzeit - nämlich eine Woche vor einer Wahl, die echt auf der Kippe steht, fällt er der eigenen Partei zur Freude der CDU in den Rücken.
Das auch noch ausgerechnet zugunsten des unbestritten Widerlichsten aller 16 CDU-Topfiguren in den Bundesländern, nämlich dem hessischen Hetzers und Heuchlers Roland KOTZ.
Herr Clement – das ist ein typischer Fall von „das tut man nicht“ und da ich finde, daß man so ein böses Foul besser mit schweigen betrafen sollte, fange ich auch nicht an Herrn Struck zu loben.
Bezeichnend ist aber schon das von links bis recht verheerenden Presseecho – schlimmer geht’s nimmer.
Sehr passend zum Beispiel Andreas Borchers im Stern:
...... Es ist schlicht eine Charakterfrage. Vor ein paar Wochen hätte Clement eine wie Andrea Ypsilanti weder wahr- noch ernstgenommen. Jetzt lässt er sich herab, für einen lumpigen Lohn in Springers "Welt am Sonntag" gegen ihre Wahl anzuschreiben. So weit ist es schon mit ihm gekommen. Man könnte auch sagen: So weit ist er heruntergekommen..........jedenfalls führt Clement sich auf wie im Dschungel-Camp. Ein abgehalfterter Star, der sich auf seine alten Tage für ein paar Kröten zum Larry macht. Im Prinzip bettelt er seit Monaten: Holt mich hier raus! Erlöst mich von diesem Übel!