TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Samstag, 5. Februar 2011

In das Intimste hinein.

Papst Benedikt XVI. ist in mancher Hinsicht typisch menschlich.
Er teilt ordentlich aus indem er in schöner Regelmäßigkeit Juden, Moslems, Atheisten, Schwule, Protestanten und die Opfer seiner pädophilen Priester beleidigt.
Daß sich die derart Angegriffenen natürlich auch verbal zur Wehr setzen, weil es beispielsweise Juden in Deutschland nicht angenehm finden, daß J.R. einen Holocaustleugner hofiert, scheint mir das Normalste der Welt zu sein.
Ratzi ist aber nur im Austeilen groß.
Beim Einstecken ist er eine echte Mimose.

Die Aufhebung der Exkommunikation [des Holocaustleugner-Bischofs Williamson - Red] habe zu einer Auseinandersetzung „von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben“, schreibt der Papst. […] Zugleich beklagt das Kirchenoberhaupt, dass „auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten“. Er habe gelegentlich den Eindruck gehabt, dass er selber ohne Scheu und Zurückhaltung mit Hass bedacht worden sei.
(Domradio, 11.03.2009)

Fast möchten einem die Tränen kommen.

Weswegen können Katholiken und Nicht-Katholiken nicht in friedlicher Koexistenz miteinander leben?
Sollte es einem Katholiken nicht herzlich egal sein, was jemand, der ohnehin nicht an den katholischen Gott glaubt, von ihnen hält?
Sollte es einem Ungläubigen nicht herzlich egal sein, was die Gottesanbeter denken?

Die Antwort ist 1. Nein und 2. Nein.
Beides hängt damit zusammen, daß Katholiken sich selbst so überschätzen, daß sie meinen für alles zuständig zu sein.

1)
Ihnen können Atheisten nicht egal sein, da sie aus der Bibel einen fundamentalen Evangelisierungsanspruch ableiten. Der alte imaginäre Mann, den sie als Weltenlenker in den Wolken sitzend wähnen, hat der katholischen Kirche mit dem Neuen Testament aufgetragen hinaus zu gehen und allen von Jesus zu erzählen.
Für den Fall, daß jemand die Botschaft gar nicht hören will, wurden Scheiterhaufen, päpstliche Armeen und der Welt beste Folterinstrumente ersonnen.

2)
Nein, ich befürchte nicht, daß mich demnächst die Schweizer Garde aus dem Bett zerrt, mich auf der Streckbank so lange ausweidet, bis ich Treue zum Papst schwöre.
Der Einfluß der Christen auf die deutsche Politik ist aber stark, daß ich bei intimsten Dingen meines Lebens der Freiheit beraubt bin.

Das Intimste, das es in meinem Leben gibt, ist das Leben selbst.
Ich war nicht frei zu entscheiden, wann es anfing.
Ich möchte aber unbedingt frei entscheiden, wenn ich es enden lassen will - es sei denn, das Ende käme verfrüht, also bevor ich freiwillig den Löffel abgeben möchte.
Scheinbar bin ich mit dieser Ansicht auch nicht ganz allein - es treibt offensichtlich viele Leute um, die es nicht wünschenswert finden langsam; womöglich über Jahre unter Qualen und Schmerzen zu sterben.
Die wenigsten Menschen stellen sich den idealen Tod vor, indem sie an Magensonden, Kathetern und zentralen Zugängen angeschlossen im Krankenhaus hilflos und unselbstständig abreisen.

Genau das ist aber der Regelfall.

Nicht viele haben das Glück wie Bernd Eichinger auf der Höhe ihrer Schaffenskraft im Kreise ihrer Familie bei einem üppigen Essen zum Herren abberufen zu werden.
Mit sprungbereitem Sadismus zwingen aber christliche Überzeugungen in Gestalt von politischen Rahmenbedingungen unter Umständen jeden von uns in Jahre oder gar Dekaden von Qualen, weil zum Beispiel Komapatienten ein würdiger Tod verweigert wird.

Mir schwebt eine christlich/atheistische Entkoppelung vor:

Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.

Für die Menschen, die nicht in den Mitgliederlisten des real existierenden Kirchismus geführt werden, entfallen alle diese Einschränkungen.

Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.

Da werden hoffnungslos Kranke gegen ihren und gegen den Willen der Familie ins Leben gezwungen.

Nach ihrem schweren Unfall wurde die Frau gefunden und überlebte, jedenfalls körperlich. Sie selbst weiß nichts von ihrem geretteten Leben. Seit 22 Jahren liegt sie im Koma, in einem Pflegeheim der Diakonie in Hessen, künstlich ernährt durch Sonden und Maschinen. Bis sich vergangene Woche ihre Betreuer durchsetzen konnten: Nun sind die Apparate abgestellt, die 68-Jährige wird nur noch palliativ versorgt, langsam stirbt sie. Damit ihr das nach mehr als zwei Jahrzehnten gewährt wurde, musste erst ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden: Wolfgang Putz.
Es gibt in Deutschland bis zu 40000 langjährige Komapatienten wie die Frau aus Hessen, schätzt Putz. Ein großer Teil von ihnen wird unrechtmäßig, also gegen ihren Willen, am Leben gehalten: 'Oft geschieht das aus weltanschaulichen Gründen oder aus Empathie, aber meistens, weil sich keiner traut, den Zustand zu beenden', sagt Putz.
[…] Die Patientin aus Hessen zum Beispiel war Ärztin. Sie wusste um die Möglichkeiten der Medizin und wusste, welche davon sie nie beanspruchen wollte. Doch vor 22 Jahren war die Rechtslage noch unklar, also akzeptierten ihre Angehörigen trotzdem die Maschinen. Erst als sie erfuhren, dass das rechtswidrig ist, wandten sie sich an Putz.
'Die Argumente in solchen Situationen sind immer gleich', sagt der Anwalt. 'Warum ausgerechnet jetzt?', lautet eine typische Frage oder: 'Warum sollte der Patient nach so vielen Jahren seinen Willen geändert haben?' Oft auch: 'Unser Haus ist dem Leben verpflichtet.' Der Anwalt eines Heims in Marburg verstieg sich kürzlich sogar dazu, auf das Gewohnheitsrecht zu verweisen, als Putz sich dafür einsetzte, eine Patientin nach 15 Jahren im Koma sterben zu lassen. Dann warf er Putz auch noch Euthanasie vor. 'Dabei hat die Frau eine perfekt formulierte Patientenverfügung', sagt der. Sie hat darin beschrieben, wer ihr Pferd bekommen solle, dass sie keinen Pfarrer am Grab wünsche und wie sie nie enden wolle. Genau so endet sie nun aber. Es ist ein Lebensende seit 15 Jahren, es ist gegen den Willen der Patientin, gegen den Wunsch ihrer Familie - und inzwischen auch gegen das Gesetz.
(SZ 05.02.2011)

Man muß aber nicht im Koma liegen, um die christliche Keule in Form von Qualen und Schmerzen übergezogen zu bekommen.
Tatsächlich behindern die Gesetze auch die normale Palliativmedizin massiv.

Wer todkrank ist und zuhause sterben möchte, kann das Glück haben, einen Palliativmediziner zu finden, der ihm hilft die letzte Zeit erträglich zu gestalten.

Unglücklicherweise gibt es aber einen FDP-Gesundheitsminister, der dem ZK der Katholiken angehört und dafür sorgt, daß solchen Patienten keine Opioide zur Verfügung da gelassen werden.
Systematisch werden Palliativmediziner kriminalisiert - das berichtete unter anderem letzte Woche MONITOR.
Ärzte, die ihren Patienten helfen wollen, bekommen es mit dem Staatsanwalt zu tun.

Harry Wilke, Staatsanwaltschaft Fulda: "Ja, wenn's eine Anklage gibt, könnte ihm natürlich auch eine Verurteilung drohen. Und da sieht das Gesetz Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor."

Das heißt, entweder landet Dr. Sitte dann im Gefängnis oder er darf seinen Patienten keine Opioide mehr aushändigen.

Thomas Sitte, Palliativmediziner: "Das kann ich moralisch nicht verantworten. Es ist medizinisch korrekt, es ist ethisch zwingend notwendig, es wäre Körperverletzung, es nicht zu tun, aber ich darf’s nicht tun, weil dann ist es ein Verstoß gegen das BTM-Gesetz."

[….]

Matthias Thöns, Palliativmediziner: "Das ist ein ganz schlimmes Signal, dass der betroffene Kollege praktisch das Handtuch hinwerfen muss durch diese staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren. Und wenn wir das weiterspinnen, dann kann man eigentlich diese schönen Erfolge, die wir jetzt im Aufbau von einer ambulanten Palliativmedizin mit einer vernünftigen Versorgung von den Menschen zuhause haben, dann kann man die bald wieder vergessen, weil es viele Kollegen geben wird, die einfach sagen, na gut, ich riskiere für mich keine Gefängnisstrafe."

Die Folge: Patienten würden unnötig leiden. Nur weil ein Gesetz Ärzte, die zum Wohl ihrer Patienten handeln, kriminalisiert. Ein untragbarer Zustand findet die Deutsche Hospizstiftung.

Eugen Brysch, Deutsche Hospizstiftung: "Verantwortung dafür trägt die Politik. Wir müssen die Ethik und das Gesetz in Einklang bringen, das heiß der Arzt will helfen, er kann helfen, also darf der Gesetzgeber nicht verhindern, dass er hilft."

Rösler kennt das Problem, erhält aber lieber den Apothekern ihre Privilegien statt den Sterbenden zu helfen.
Palliativmediziner haben nicht das Recht (und sollen es auch nicht erhalten) Patienten im Endstadium Morphium im Haus zu lassen.

Dieses Recht soll, wie bisher, allein den Apothekern vorbehalten bleiben. Schriftlich teilt uns das Ministerium mit, es sei "…besonders wichtig, den pharmazeutischen Sachverstand bei der Abgabe dieser Arzneimittel einzubinden."

Eugen Brysch, Deutsche Hospizstiftung: "Es ist absurd, dass man ein Recht für Apotheker schützt, damit Schwerstkranken und Sterbenden nicht adäquat geholfen wird."

Die Politik will es aber so. Thomas Sitte konnte es vor seinem Gewissen nicht verantworten, sich gegen seine Patienten zu entscheiden.

Thomas Sitte, Palliativmediziner: "Ich hab meine Praxis beendet und meinen Anteil verkauft und orientiere mich jetzt um.


Sonntag, 17. Mai 2009

Erwartungen erfüllt.

Für den Deutschen Papst, dessen Pontifikat bisher von Pleiten, Pech und Pannen geprägt war, lief der Staatsbesuch in Israel besser als erwartet.

Zu diesem freundlichen „besser, als erwartet“-Urteil trug er selbst am meisten bei, indem er im Vorfeld die Erwartungen mit sicherem Griff ins Klo stetig gen Null fuhr.
„Besser, als erwartet“, das ist die einst extra für Angela Merkel erfundene Propaganda-Kategorie der Bundestagswahlduelle 2005 mit Gerhard Schröder.
Sie ist eine miserable Diskutantin ohne Charisma und Witz. Daß sie gegen Schröder im direkten Vergleich untergehen würde, galt als sehr wahrscheinlich.
Tatsächlich schnitt sie bei den Elefantenrunden nach allen Zuschauerbefragungen deutlich schlechter als der damalige Amtsinhaber ab.
Drei mal angetreten, dreimal verloren.
Immerhin hatte sie aber geschafft eine PR-Katastrophe zu vermeiden und so jubilierte die ihr wohlgesonnene Presse von Spiegel über Springer bis Burda und Holtzbrinck, daß es immerhin besser als erwartet gelaufen sei.
Offensichtlich hatten ihre Claqueure aus dem Umfeld ihrer nahezu allmächtigen Fans Friede Springer, Liz Mohn und Sabine Christiansen nichts Gutes erwartet.
Da Merkel immerhin nicht dem Kanzler in den Schritt gegriffen hatte oder rülpsend in der Nase gebohrt hatte, war man zufrieden.
Besser als erwartet reichte immerhin, um Schröder das Amt abzujagen.

Ratzinger erging es jetzt ganz ähnlich; sein fahriger und emotionsloser Yad-Vashem-Besuch reichte, um zufrieden zu sein.
Er hat auch nicht an die Klagemauer uriniert und es immerhin mehrere Tage am Stück geschafft nicht irgendwelche rechtsradikalen Judenfeinde zu loben!

Dabei tat er es seinem geschätzten Vorgänger Pius XII gleich und verschwieg peinlich alle heiklen Punkte.
Kein Wort zur peinlichen Pius-Bruder-Pest, keine mea culpa zur Causa Williamson, kein Wort zur perfiden antijudaistischen Karfreitagsfürbitte nach Altem Ritus, kein Wort über die bevorstehende Pacelli-Seligsprechung, keine noch so kleine Gefühlsregung als Deutscher, keine Erwähnung der abscheulichen Rolle seiner Organisation als Betreiberin des weltweiten Antisemitismus.

Noch nicht mal das Wort „Mord“ mochte der Pontifex in den Mund nehmen.
Stattdessen schummelte er sich mit dem Hinweis auf seinen Ausschwitzbesuch aus der Affäre, nachdem israelische Zeitungen, wie die auflagenstärkste „Jediot Achronot“ beklagt hatten, daß Benedikt kein Wort der Entschuldigung über seine Lippen bekommen hätte.

Im KZ Auschwitz, sagte der Papst, seien die Leben "so vieler Juden - Mütter, Väter, Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Freunde - brutal vernichtet worden von einem gottlosen Regime, das Antisemitismus und Hass propagiert" habe.

Das angeblich “gottlose Regime”, dessen Hitlerjunge er war, befand sich in Wahrheit durchaus im Einklang mit den Kirchen.
Ich habe dies immer wieder ausgeführt und belegt - es sei daher nur stichwortartig angetippt:

Hitler war Mitglied der Kirche, bezog sich in „Mein Kampf“ explizit auf die Kirche, deren Werk er fortsetzen wolle. „Mein Kampf“ wurde NICHT vom Vatikan indiziert. Die Katholische Kirche war es, die als erstes Hitler den Ritterschlag erteilte, indem sie das Regime mit dem Reichskonkordat adelte, auf den Koppelschlössern der Wehrmacht prangte Hakenkreuz mit der Inschrift „Gott mit uns“, die Katholische Zentrumspartei stimmte geschlossen für Hitlers Ermächtigungsgesetz, Atheisten waren in der NSdAP nicht willkommen, 96% der Deutschen waren zur Nazizeit Christen.
Etc pp.

Es ist einfach nur abscheulich, wie sich auch noch 64 Jahre nach Kriegsende ausgerechnet der Vatikan mit dreisten Lügen aus der Verantwortung stiehlt.

Die Reaktionen von israelischer und jüdischer Seite auf diese Geschichtsklitterung waren meiner Ansicht nach erstaunlich euphemistisch - ich hatte drastischere Worte erwartet.

Vermutlich überschätzen wir in Deutschland das Interesse der Israelis am Papst ganz gewaltig.

Rabbiner Israel Lau, Holocaust-Überlebender und Vorsitzender des Yad Vashem-Rates, sagte dem israelischen Rundfunk am Dienstag, es sei "eine historische Stunde versäumt worden". Weder seien die für das Gemetzel verantwortlichen Deutschen oder Nazis beim Namen genannt worden noch habe es eine Entschuldigung oder ein Wort des Bedauerns gegeben.

Auch der israelische Parlamentspräsident Reuven Rivlin übte Kritik an der Rede des Papstes in Yad Vashem: "Er kam und sprach zu uns, als ob er ein Historiker wäre, jemand, der von der Seitenlinie zuschaut", sagte Rivlin am Dienstag im israelischen Hörfunk. "Und was soll man da machen? Er gehörte zu ihnen", fügte er hinzu. "Mit allem Respekt für den Heiligen Stuhl, wir können nicht die Bürde ignorieren, die er trägt als ein junger Deutscher, der der Hitlerjugend beitrat und als Person, die in Hitlers Armee eintrat."

Der bekannte israelische Historiker Tom Segev ("Die siebte Million") schrieb in "Haaretz", die Rede des Papstes sei überraschend banal gewesen. "Nichts ist leichter, als echte Erschütterung zu zeigen, wenn man über den Holocaust spricht, sich mit dem Leid, dem Schmerz und der Trauer zu identifizieren. Wenn man dies nicht tut - ist es ein Zeichen dafür, dass man dies absichtlich tut." Anders als sein Vorgänger Johannes Paul II., der in Israel begeistert aufgenommen worden sei und echte Wärme gezeigt habe, strahle Benedikt "etwas sehr Beherrschtes, fast Unterkühltes aus". Seine Worte über die Judenvernichtung hätten sich "zu bedächtig, zu diplomatisch, zu professionell", angehört. Der Papst sei sich seiner besonderen Verantwortung als Deutscher und Christ bewusst, schrieb Segev. "Aber in seiner Rede gestern sagte er, die Juden seien "getötet" worden, als handele es sich um einen bedauernswerten Unfall."

Enttäuscht reagierte der Zentralrat der Juden in Deutschland auf den ersten Besuchstag von Papst Benedikt XVI. in Israel. Die Enttäuschung sei vor allem dadurch entstanden, dass der Papst weder eine Distanzierung zu den Piusbrüdern und ihrem Holocaust-Leugner Richard Williamson noch zur Aufforderung zur Judenmissionierung in der Karfreitagsfürbitte habe erkennen lassen, sagte die Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch am Montagabend in den ARD- "Tagesthemen".

Der Spiegel schreibt morgen:
Das kleine Wort "slicha", hebräisch für Entschuldigung. Es blieb ein ungesprochenes Wort. Der Papst sprach nicht über die Täter. Er nannte keinen der 22 Orte, die vor ihm in den Boden der Erinnerungshalle eingelassen sind. Buchenwald, Auschwitz, Theresienstadt. Und er sagte kein Wort über die Haltung der Kirche zum Holocaust, über den Antijudaismus in der Kirchengeschichte.

Ratzinger dürfte froh sein die Pilgerreise hinter sich gebracht zu haben.
Zuhause in Rom liegt dann die "Positio super vita et virtutibus" auf seinem Schreibtisch - jenes 3000 Seiten-Gutachten, das den Pacelli-Papst zur Seligsprechung empfiehlt.

Der „Stellvertreter“, der sich kein Wort gegen den Holocaust über seine Lippen gebracht hatte, aber anschließend durch seinen Beauftragten Titularbischof Hudal dafür sorgte, daß die Nazi-Verbrecher mit Hilfe von vatikanischen Papieren vor der alliierten Justiz nach Südamerika fliehen konnten.

Diesem Pius XII bescheinigt das vatikanische Gutachten „immer tugendhaft und beispielhaft gehandelt zu haben“ - Ratzi muß nur noch unterschreiben.
Der Vatikan stellt Pacelli in ganz anderem Licht dar und bezichtigt seine weltweiten Kritiker des „Antikatholizismus“.

Klarheit schafft er aber nicht, da sich Ratzinger - es liegt nur an ihm! - weigert die Vatikanischen Archive aus der Nazizeit zu öffnen.

Auch das wird in Israel scharf kritisiert - und womit? Mit RECHT!

So bleibt ein schales Bild von einem emotionslosen erratischen Pontifex in Yad Vashem, der fahrig sein Manuskript ablas, ohne auch nur ein einziges mal vom Blatt zu gucken.
Die vor ihm aufgereihten Holocaustüberlebenden fertigte er schneller ab, als der Sprecher sie überhaupt vorstellen konnte.
Der Papst wirkte einfach nur uralt und vertrottelt.
Offensichtlich konnte er den englischen Ansprachen nicht folgen und verschlief mehrfach beinahe seine Einsätze, wenn ihn nicht sein Sekretär Gänswein von hinten angeschubst hätte.
Gänswein war beeindruckender als sein Chef, indem er in der verdunkelten Grab-ähnlichen "Halle der Erinnerung" mit sichtlichem Desinteresse ununterbrochen plappernd und zappelnd hinter dem Pilger in weiß stand, während der Yad-Vashem-Sprecher an die Shoa erinnerte.

Als Fernsehzuschauer sah man zwei phänotypisch ganz verschiedene Staatsoberhäupter nebeneinander sitzen:
Hier der senile Vatikanchef, der dem Geschehen kaum folgen konnte und mit seinen Augenringen denkbar unsympathisch wirkte.

Neben ihm der jugendlich wirkende, agile, lächelnde Peres, der mit seiner Energie den müden Opi aus Rom immer wieder vom Einschlafen abhielt.

Das Alter eben. Keiner entkommt dem geistigen und körperlichen Verfall und Ratzinger, geboren am 16. April 1927, ist immerhin schon 82 Jahre alt.
Das nannte man früher Greis.
Neben so einem Methusalem hatte es Peres; geboren am 2. August 1923 mit seinen gerade erst 85 Jahren leicht, frisch und geistig wach zu wirken.

Als Freund der katholischen Kirche mag man in der offensichtlichen Gebrechlichkeit des Papstes einen Fingerzeig Gottes sehen, der dieses kirchenschädliche Pontifikat bald beenden will.

Als Humanist wehre ich mich dagegen und wünsche dem Papst noch eine möglichst lange Regentschaft und einen langen Weg durch die Fettnäpfe der Weltpolitik!

Dienstag, 14. Oktober 2008

Banken, Christdemokraten und Ehrlichkeit

In diesen Lafontaine-freundlichen Zeiten, in denen ihnen ausgerechnet die Bank-Manager jede Menge Polit-Dünger für künftige Wahlkämpfe zuschaufeln, kommt auch Kontorsiona Illusiona Maxima mal wieder erstaunlich gut weg.
Ach wie beherzt die Uckermarker Kanzlerdarstellerin jetzt zugreift, die deutsche Wirtschaft rettet und populistisch korrekt bei Gysi eingehakt davon spricht, daß Manager einen Tritt in den Hintern verdient haben:
Merkel schloss zudem gesetzliche Änderungen nicht aus, um Manager oder Aufsichtsräte in die Haftung zu nehmen.
Nun ja, die 1,5-Billionen-Milch ist vergossen und die der deutsche Michel goutiert die 500 Milliarden-Garantie des Bundes, wenn auch 20 Milliarden davon vermutlich in den Orkus gespült werden.
Das aktuellste Politbarometer stellt fest:
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte ihren Vorsprung vor SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier weiter ausbauen;
53 % : 31 %.
Auch die Beliebtheits-Top Ten wird angeführt weiterhin von Merkel.
Nun wissen wir also, wie man den Heuschrecken das Fürchten lehrt.
Sogar Friedrich Merz, der Hedge-Fonds-Anwalt („Mehr Kapitalismus wagen“), dessen Kanzlei ihrem Klienten Lone Star gerade noch für lächerliche 100 Mio die IKB ergattert hatte, in die der Steuerzahler gerade noch 10,7 Milliarden Euro gebuttert hatte, fraß bei Beckmann Kreide und sprach von besserer Regulation der Finanzwirtschaft.

Diese Managerhaftung ist das schon eine ganz passende Sache - denn wer würde nicht einsehen, daß die private Unantastbarkeit - das Wissen, daß eh immer andere die eingebrockte Suppe auslöffeln müssen, die Wurzel des finanziellen Amoks der Manager ist?

Der besonders dreiste Funke von der HRE, der Steinbrück so sehr in Rage brachte, daß er mit seinen lumpigen monatlichen ~ 47.000 Euro Pension in den Ruhestand gehen mußte, hätte sich in der Tat vorsichtiger ausgedrückt, wenn es um SEINE Kohle gegangen wäre, die er riskierte.

O-Ton Harald Petersen, Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger:
„Wenn Sie berechnen müssen, dass Sie Ihr Vermögen verlieren, dann sind Sie sehr viel vorsichtiger in dem, was Sie tun. Wenn Sie nichts weiter zu befürchten haben, dann gehen Sie auch sehr viel lockerer mit dem Geld anderer Leute um.“
Wohl war - und was hatte der gute Funke alles so rausgehauen - der SPIEGEL filetierte genüßlich dessen Aussage zum Kauf der Depfa-Bank durch die Hypo Real Estate vom 6.August 2007:
„Die Depfa ist eine der weltweit größten Staatsfinanzierer. Dieses Geschäft ist langfristig profitabel, sehr solide und mit ganz geringem Risiko“
Sagenhaft versagt, Herr HRE-Vorstandsvorsitzender.
Die taz: Depfa-Bank k.o., Bund haftet, Chef hat 100 Millionen Euro bekommen.
Wichtig zu wissen: Die Depfa hieß mal „Deutsche Pfandbrief- und Hypothekenbank“, saß in Hessen und lebte fette Überschüsse einfahrend von den Bundesländern, denen sie Kredite verschaffte.
Diese parasitäre Daseinsform auf Kosten der Steuerzahler war den Raffkes aber nicht profitabel genug - also setzten sie sich 2002 nach Irland ab, um Steuern zu sparen:
Geld in Deutschland verdienen war schick - aber der deutsche Steuerzahler sollte nichts davon haben und so drehte man ihm eine lange Nase und arrangierte sich auf der schönen grünen Finanzinsel der Bankseligen. 2008 hatten die Depfas unter HRE-Dach gierig so viel Derivate herunter geschlungen, daß sie platzen.
Der Jammer war groß und auf der Stelle erinnerte sich der Oberboss Funke nun wieder an den Steuerzahler in Deutschland - jenem suspekten Wesen, denen man in guten Zeiten den Arsch zugedreht hatte. Die Steuerzahler sollten nun bürgen und sie taten es bekanntlich.
Nein, ich glaube nicht, daß Funke und Co ganz so locker die Milliarden im virtuellen Finanzmarkt vertickt hätten, wenn sie ein persönliches Risiko zu tragen gehabt hätten.

Schade, daß dieser Zusammenhang nun erst offenbar wird.
Schade, daß allein die HRE an die 80 Milliarden Euro Garantien vom Bund brauchte, bevor mal jemand einfiel zu handeln.

Unglaublich diese Vollkaskomentalität in den Vorstandtsetagen! Wieso ist eigentlich nie vorher einer Bundesregierung eingefallen, daß man da auch mal jemand in Haftung nehmen sollte?

Halt, Moment mal.

Leider funktioniert das kollektive politische Gedächtnis nur wenige Tage.
Sonst wüßte man vielleicht: In der Tat haben vorherige Regierungen genau dieses Problem erkannt und in der Tat hat Hans Eichel 2004 genau so eine Idee formuliert:
Der Gesetzentwurf war schon fertig. Danach sollten Spitzenmanager Schadensersatz leisten bei unrichtigen Angaben oder verschwiegenen Umständen und zwar bis zum vierfachen ihrer millionenschweren jährlichen Bruttovergütung. Eine Vollkasko-Versicherung für sie sollte nicht mehr möglich sein.
Der Grund weswegen wir so ein Gesetz nicht haben, das uns womöglich zig Milliarden Kosten erspart hätte, ist leicht auszumachen:
MERKEL!
O-Ton Hans Eichel, ehem. Bundesfinanzminister:
„Die Union war nicht bereit, der ging das zu weit, mitzumachen. Die FDP schon gar nicht, aber die hatten ja zusammen die Mehrheit im Bundesrat. Die Industrie ist regelrecht Sturm gelaufen.“
Diejenige welche Merkel, die nun liebesdienerisch buckelnd das Managerhaftungsrecht fordert, war vor vier Jahren diejenige, die genau das verhindert hatte.
Angestachelt wurde sie von ihrem Mega-Berater von Pierer. Panorama berichtete:
Ein Anführer der Front gegen die verschärfte Managerhaftung damals Siemens-Chef Heinrich von Pierer, den sein eigener Konzern inzwischen wegen des Schmiergeld- Skandals verklagen will. Pierer bescheinigte dem Eichel-Entwurf „völlig überzogene Haftungsregeln. Da wird doch unterstellt: Die Manager belügen die Öffentlichkeit. Das sind meines Erachtens großartige Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen des Landes.“ Auch der Bundesverband der deutschen Industrie war gegen eine verschärfte Managerhaftung – und ist es auch heute noch.

Prof. Thomas Möllers, Wirtschaftjurist, Universität Augsburg:
„Das ist Lobbyismus pur. Das ist ganz klar, dass wenn von einem Ministerium ein sorgfältig ausgearbeiteter Entwurf noch nicht mal in den normalen parlamentarischen Gesetzgebungsprozess eingespeist wird und dann durch Lobbyismus vorher gestoppt wird, dann ist das ungewöhnlich. Der Hintergrund war natürlich die Angst der Manager, gerade der Vorstandsvorsitzenden, der Vorsitzenden der börsennotierten Unternehmen, persönlich haften zu müssen.“
So ist das mit den Deutschen: Merkel, die Mrs. NJET von 1998-2005, die durch ihre Megablockade viel von dem verursacht hat, was uns jetzt pressiert, ist nun die Lieblingspolitikerin.

Arme irre teutonische Wähler - vollkommen verblödet.

NACHTRAG:

15. Oktober 2008, 10:05 Uhr
UMFRAGE
Merkel profitiert von Finanzkrise
Die Union ist in der Gunst der Wähler wieder gestiegen. Laut "Stern"- und RTL-Umfrage steigerten sich CDU und CSU gegenüber der letzten Woche um zwei Prozent. Speziell auch die Kanzlerin bekam mehr Zustimmung.

16.Oktober 2008:
Und so mogelt sich die FDP weg:

Helden der Finanzkrise

Dienstag, 17. Juni 2008

Wie der liebe Gott wohl die Demenz verteilt?

Das Wort ist lateinischen Ursprungs und bedeutet sowas wie „ohne Geist“.
Etwas hübscher definiert es das Alzheimerforum:
Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einen Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen und die dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können.
Soziale und kognitive Fertigkeiten des Hirns nehmen also ab und wenn man ganz gaga schließlich über den Jordan gegangen ist und der freundliche TV-Pathologe einem die Birne aufbohrt, findet er üblicherweise Ablagerungen und Verkalkungen.
Alzheimer ist dabei nur die bekannteste und häufigste Demenz – aber es gibt auch noch viele andere Geistlosigkeiten: Vaskuläre Demenz, Creationismus, CDU-Mitgliedschaft, neurodegenerative Demenz, Fußballfantum, Evanglikalismus, sekundäre Demenz, etc.
In Deutschland sind schon Millionen betroffen und es wird immer mehr Umnachtete geben, da wir auch immer älter werden. An einer Demenz leiden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen – mit steigender Tendenz.
Die Diagnose ist sehr umständlich – es gibt keinen eindeutigen Bluttest oder ähnliches – aber man sollte frühzeitig zu einem Neurologen gehen, damit eine Therapie rechtzeitig begonnen werden kann. Der Einsatz von Cholinesterasehemmern (ChE-Hemmer) ist beispielsweise bei vaskulären Demenzen vielversprechend.
Im Alter zwischen 65 und 69 Jahren jeder Zwanzigste an einer Demenz, aber zwischen 80 und 90 ist schon fast jeder Dritte betroffen. Weil in unserer Gesellschaft der Anteil älterer Mitbürger zunehmen wird, erwartet man auch eine Zunahme an Demenzkranken. So rechnen Experten für das Jahr 2030 mit 2,5 Millionen Betroffenen.
Die Quote der Enthirnten wird offenbar immer größer, je älter die betrachtete Gruppe ist, aber das ist nicht der alleinige Grund.
Viele unter 30-Jährige begeben sich in eine Art freiwillige Demenz. So veröffentlichte das NDR-Magazin ZAPP gerade erschreckende Zahlen über das Informationsbedürfnis der Quietscher:
Die Tagesschau um 20.00 Uhr, wurde im ersten Halbjahr 2008 nur noch von durchschnittlich 290.000 jungen Leuten im Alter zwischen 14 und 29 Jahren gesehen. Die Heute-Nachrichten vom ZDF haben im Schnitt 70.000 Zuschauer aus dieser Zielgruppe zu der über 15 Millionen Menschen gehören.

Wie sie die Straßen langgehen
So selbstverständlich und schön
Cool in der Gegend rumstehen
Wenn man sie sieht, kann man schon neidisch werden
Die Jungen so athletisch und männlich
Und auch die Mädchen sehen phantastisch aus
Manche meinen, sie wären vielleicht etwas dämlich
Doch wer so denkt, kennt sich mit Jungsein nicht aus

Diese rund zwei Prozent Nachrichtenblitzbirnen, die sich überhaupt noch in den seriösen Nachrichten informieren, verstehen leider zum großen Teil nicht worum es geht.
Laut einer Studie des Hamburger Gewis-Instituts verstehen nur 12 Prozent der Zuschauer jedes Wort und jede Meldung in der Tagesschau. Selbst die, die angeben den Inhalt der Meldungen verstanden zu haben, können sie oft aber nicht wiedergeben.
Zahlen sind dabei ein besonderes Rätsel. Hat der Bund Schulden in Millionen- , Milliarden- oder Billionen-Höhe? Man weiß es nicht.
Dazu passt auch der rasante Auflagenverlust der deutschen Qualitätsdruckerzeugnisse.
Alle seriösen überregionalen Zeitungen und Wochenmagazine zusammen erreichen eine Leserschaft von ungefähr 5 % der Deutschen.

Ein paar Auflagen:
"Süddeutsche Zeitung" 443.000
"Frankfurter Allgemeinen" 360.000
Frankfurter Rundschau 160.000
Financial Times Deutschland 100.000
Spiegel/Stern ~ 1 Mio.
"Focus" 730.000
Welt 240.000
Tagesspiegel 150 000
Financial Times Deutschland 100.000
Das sind alles zusammen also nur gute 4 Millionen Leser in toto.

Wobei ich allein schon vier der oben genannten täglich lese und auch kaum der einzige sein dürfte, der mehrere der Blätter abonniert hat. Damit sinkt die absolute Leserschaft natürlich noch weiter ab.
Aber allein die BILD-Zeitung verkauft täglich mehr als 3,5 Millionen Exemplare und brüstet sich mit einer Leserschaft um die 12 Millionen.
Hurra – bald ist ganz Deutschland dement.
Ich frage mich was wohl erst los ist, wenn die Jugend von heute erst in das Alter kommt, in dem auch noch die Alzheimer-Keule zuschlägt.

Wenn man es so sieht, kann man Mitleid haben
Und überall hört man die Eltern klagen:
"Mein Gott, was haben wir falsch gemacht?"
"Also wenn Du mich fragst, ich kann's Dir nicht sagen
Aber wenn das mal nichts mit dem System zu tun hat"

Denn das kommt bestimmt – ein Unglück bleibt nie allein.
Allerdings gibt es Ausnahmen.
Hendrikje van Andel-Schipper hatte ihr Hirn als 82-Jährige dem bedeutenden Neuroanatom Gert Holstege vom Medizinischen Zentrum der Universität Groningen vermacht.
Bevor Holstege sein Seziermesser zücken konnte, mußte er sich allerdings gedulden.
Im Jahr 2001 rief Frau van Andel-Schipper ihn noch einmal an und fragte nach, ob er denn immer noch an ihrem Hirn interessiert sei – immerhin war sie gerade 111 geworden und nicht mehr die Jüngste. (Sie starb mit 115 Jahren)
Der Professor war aber interessiert und veröffentlichte nun im Fachblatt Neurobiology of Aging seine Untersuchung, die er schon zu Lebzeiten von Hendrikje van Andel-Schipper begonnen hatte.
Neurologische und psychologische Tests hatten schon erstaunliche Ergebnisse geliefert: Sie war fitter als es Menschen zwischen 60 und 75 gewöhnlich sind. "Schon damals war ich extrem beeindruckt, sie war geistig hellwach", erinnert sich Holstege. "Deshalb habe ich auch erwartet, in ihrem Gehirn nicht viele Probleme zu finden.
Das Ergebnis post mortem war noch eigenartiger: Sie hatte nicht die geringsten feststellbaren Ablagerungen im Hirn. "Es gab auch keine Spur von Arterienverkalkung - weder am Herzen noch im Gehirn", so Holstege. Dass sie starb, lag an einem unentdeckten Magenkrebs.

We have had the opportunity to evaluate the performance of a 112–113-year-old woman and perform full pathological examination of her body immediately after death at the age of 115. The psychological tests revealed that her general performance was above average of healthy adults of 60–75 years. The pathological observations revealed almost no atherosclerotic changes throughout the body. In the brain almost no beta-amyloid plaques or vascular changes were found and only slight accumulation of hyperphosphorylated tau protein with a Braak-stage 2

KEIN PLAQUE! Wenn das BigBrother-Jürgen hören könnte!


Keine Demenz nirgendwo.

Vermutlich würde sie auch problemlos sogar die Tagesschau begreifen.

Jugend von heute - die Zukunft von morgen
Mit ihren Träumen in der Innenstadt
Beim Essen und Rauchen, zu nichts zu gebrauchen
Mit neuen Klamotten und mehr Taschengeld