TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Sonntag, 20. September 2009

Ungezeugt und ungeboren.

Guckt man sich die politische Agenda christlicher Organisationen an, drängt sich der Eindruck auf, daß es nur zwei Themen von moralischer Tragweite gibt:

1.) Liberale Abtreibungspolitik zu verteufeln - auch wenn mittlerweile erwiesen ist, daß durch Aufklärung und enttabuisierten Umgang mit dem Thema viel weniger abgetrieben wird, als mit strengsten Gesetzen, wie es die Bibelfanatiker wollen.

2.) Schwule zu Verteufeln - auch wenn die liberaleren Gesetze in einigen westlichen Ländern zu dieser Angelegenheit keineswegs die Zwangshomosexualisierung der gesamten männlichen Bevölkerung verlangen, wie es Katholiken gerne suggerieren.

In den USA wird dieses Themenduo noch um eine dritte Komponente ergänzt, nämlich

3) Waffen!
Diese hätten als Gott-gegeben jedermann frei zugänglich zu sein.
Beim leidigen Thema Schwangerschaftsabbruch sind die extremistischen Hetzer von Kreuznet kaum von der real existierenden katholischen Kirche à la Mixa und Meisner, sowie realitätsnegierender Laienorganisationen wie „Christdemokraten für das Leben“ und gehirnamputierten Adeligen (Fürstin Gloria z.B.) entfernt.

Von Eva Herman über Urschl von der Leyen bis zu Radikalkonvertiten wie Gabriele Kuby wird das Schreckgespenst des Aussterbens an die Wand gemalt.

Teilweise wird zwar moralisch zwischen Verhütung und Abtreibung unterschieden - aber aus katholischer Sicht sind Kondome ebenso verwerflich, wie eine Ausschabung oder der Einsatz der RU86-Pille.

Argumentiert wird sinnentleert und streng abseits der Fakten.

So sind beispielsweise für Eva Herman und Kreuznet irgendwie auch immer die Schwulen an den Abtreibungen Schuld, wobei mir noch nicht ganz eingeleuchtet hat, wie das „Schokostechen“ - so der Kreuznet-Terminus für homosexuelle Praktiken - zwangsläufig zu Schwangerschaftsabbrüchen führt.

Aber dazu bin ich vermutlich nicht spirituell genug.

Da allerdings auch gewaltbereite Mobs, die Mediziner erschießen und Sozialeinrichtungen in die Luft sprengen von den organisierten Christen als „Lebensschützer“ dargestellt werden, sollte man gar nicht erst versuchen hier die Logik zu bemühen.

Wer sich gegen diesen Fanatismus äußert, wird sofort schwerstens diffamiert.

So schreiben die vom Papst umarmten irren Piusse just vor ein paar Stunden über einen ihrer Gaga-Demonstrationszüge:

Beim letztjährigen ‘Marsch für das Leben’ in Berlin entblößten zwei Frauen ihre unförmigen Oberkörper, auf denen sie ein auf dem Kopf stehendes Kreuz gemalt hatten.
Die beiden unzüchtigen Gotteslästerer wurden von Polizeibeamten abgeführt.

Wenn es darum geht Menschen zu beleidigen, die sich für Frauen in Not einsetzen, scheuen die moralisch Pervertierten vor keiner Perfidie zurück.

Hier seinen nur drei Beispiele von vielen genannt.

1. ) Bischof Mixa wies dieses Jahr darauf hin, daß der Holocaust weniger Opfer als Schwangerschaftsabbrüche gehabt habe:
Der Holocaust sei ein schreckliches Verbrechen, aber auch heutzutage würden Verbrechen gegen das Leben begangen. So sei die Zahl der sechs Millionen getöteten Juden inzwischen durch die Zahl der Abtreibungen überschritten worden. Neun Millionen Embryonen seien nach Expertenschätzungen in den vergangenen Jahrzehnten abgetrieben worden.

2.) Dem neuen Kongregationspräfekt, dem spanischen Kardinal Antonio Canizares Llovera, erscheinen die Myriaden sexuell von Priestern mißbrauchten Kinder als gutes Vergleichsobjekt.
Das Zehntausendfache priesterliche Durchpoppen von kleinen Jungs ist dagegen halb so wild; die sollen sich mal nicht so anstellen.
Gewiss - vielleicht ist das nicht wirklich freundlich von den Gottesmännern und man könnte sich womöglich auch dafür entschuldigen, aber das ist natürlich lange nicht so schlimm, wie eine selbstgefällte Entscheidung einer Frau über ihren eigenen Körper.
Die von Gottesleuten molestierten Iren sollten die Klappe halten- es gäbe Schlimmeres:

What happened in some schools cannot be compared with the millions of lives that have been destroyed by abortion.It (abortion) has legally destroyed 40 million human lives.

3.) Der selbsternannte “Lebensschützer” Martin Humer stellt fest:
In den Abtreibungskliniken werden die wehrlosesten aller Menschen ermordet. Für mich sind Abtreiber und ihre Helfershelfer schlimmere Verbrecher als KZ-Kommandanten.

In ihrem Wahn sich in den Unterleib von Frauen einzumischen, ist diesen Christen jedes Mittel recht.

Aber eins haben sie alle gemeinsam; nämlich die Fixierung auf das UNGEBORENE.

Was den Uterus verläßt und tatsächlich unstrittig ein lebendes Wesen ist, wird von Christlicher Seite beharrlich ignoriert.

Weder von der Leyen, noch die Christdemokraten für das Leben, weder der Vatikan, noch die amerikanischen „focus on the family“-Aktivisten scheinen sich im Geringsten daran zu stören, daß Millionen von Kindern einfach so, ganz und gar sinnlos sterben.

Wie Unicef just mitteilte, sind auch letztes Jahr wieder NEUN MILLIONEN Kinder unter fünf Jahren weltweit ums Leben gekommen.
Durchfall und Lungenentzündung sind die zwei häufigsten Todesursachen bei Kindern in Entwicklungsländern.
Die Sterberate von Kleinkindern liegt in Indien oder Nigeria bei über 60 Kindern pro 1000 Geburten.

Weltweit sterben nach diesen Zahlen also ungefähr 25.000 Kinder unter fünf Jahren PRO TAG.

Über 1000 Kinder PRO STUNDE.

Fast 20 JEDE MINUTE.

Die Kleinen stattdessen am Leben zu erhalten wäre vergleichsweise einfach.

Dafür bedürfte es Moskitonetze (gegen Malaria), Impfungen gegen Masern oder schlicht und ergreifend Vitaminpillen.

Bedauerlicherweise haben die geborenen Kinder keine Lobby bei den Christen.

Sie setzen ihre Millionen und Milliarden lieber für Kampf-PR in der Abtreibungsfrage ein.

Dienstag, 23. Juni 2009

Der Christ des Tages - Teil II

Oder: Alter schützt vor Torheit nicht.

Der berühmte linksliberale Publizist, Autor und Journalist Erich Kuby (1910-2005) schrieb für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, den Stern und die Frankfurter Hefte.
In seinen Artikeln bezog er eine linke und liberale Position und war eine wichtige Stimme gegen die deutsche Wiederbewaffnung und die Pläne zur atomaren Aufrüstung.
Im Alter von 34 kam seine Tochter Gabriele (*1944) zur Welt, die ihrem Elternhaus entsprechend bildungsbürgerlich aufwuchs.
Studium, Politische Referentin der Studentenvertretung (AStA), Soziologie-Abschluß bei Ralf Dahrendorf.
"International Academy for Continuous Education" in England, USA-Reportagen für GEO und berufliche Erfolge als Übersetzerin sind weitere Stationen auf dem Lebensweg der dreifachen Mutter.

Es hätte alles so schön weiter gehen können, aber 1996 wird Kuby von ihrem Mann verlassen und fällt daraufhin dem Wahnsinn anheim.
Die bis dato evangelische Journalisten konvertiert zum Katholizismus.

Das Klischee von den übereifrigen Konvertiten erfüllt sie 150% und geriert sich seitdem derartig ultrakonservativ-fundamentalistisch, daß Mixa dagegen wie ein luschiger Alt-68 wirkt.

Keine noch so abwegige ultrarechte katholoverwirrte Gaga-Position ist so abstrus, daß Kuby sie nicht lauthals vertreten würde.
Frauen an den Herd, Männer sind das Oberhaupt der Familie und selbstverständlich wettert Kreuznets Lieblingsfrau gegen Sexualkundeunterricht, den sie als „Zwangssexualisierung von Kindern“ brandmarkt.

Sie publiziert in rechtslastigen Blättchen wie der „Jungen Freiheit“ und ist Mitgründerin von Eva Hermans neuer Politheimat AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie.

Wie bei derart fundamentalistischen Enthirnten üblich, hat sie ein schwer gestörtes Verhältnis zur Wahrheit und verkündete in schönster Kreuznet-Manier, die flächendeckende Kinderbetreuung in Schweden habe dazu geführt, dass dort „jedes dritte Kind […] psychisch gestört“ (2007 bei Sabine Christiansen).

Sie schrieb eigens ein Buch, um die Deutsche Jugend vor dem zersetzenden Einfluß der Harry Potter-Bücher zu warnen.
Die Joanne K. Rowlings’schen Bücher betrachtet sie als, „globales Langzeitprojekt zur Veränderung der Kultur“ und Teil einer „Massenverblendung und Meinungsdiktatur“ mit der „das Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse“ zerstört werden solle, indem „im Leser und in der Gesellschaft“ die „Hemmschwelle zur Magie“ eingerissen werde.

Und wie könnte es anders sein - wie alle Hardcore-Katholiken ist sie manisch besessen von Schwulen, die sie als Wurzel allen Übels ansieht.

Bei der katholischen Sommerakademie in Dießen (2002) vermochte sie es sogar 9/11, sowie generell Katastrophen, Kriege, Korruption und Verbrechen mit dem allgemeinen Sittenverfall (=Gottlosigkeit) und der Homosexualität in einen Zusammenhang zu bringen.

Sie predigt, indem sie sich durch eine Flut von Sprüchen aus der Johannesoffenbarung mäandert und zweifelt nicht daran, daß Gott uns Strafen schickt - Leid, das uns willkommen sein soll.

Klar, eine Gesellschaft, die es duldet, daß sich zwei Männer lieben, verursacht damit Erdbeben, Vulkanausbrüche und eben auch, daß 19 Islamische Fundamentalisten ins WTC fliegen.
Es gäbe „nur noch eine Lehre, der es um das Wohl des Menschen“ gehe - das Evangelium!
Die Hauptaufgabe des fernsehen sei es „Unzucht und Ehebruch“ zu propagieren.

Wie sich jemand, die sich derart wortgetreu an Bibelverse hält, so viel öffentlich reden kann, obwohl sie gar keinen Penis hat, ist mir schleierhaft.

In Präsident Obama sieht sie eine linksradikalen „Homo-Aktivisten“ und schreibt entsetzt auf ihrer Homepage:

Für Christen bedeutet dies, dass das Wertefundament und die sozialen Strukturen, derer christlicher Glaube bedarf, zerstört werden. Christen glauben und wissen, dass es eine Schöpfungsordnung gibt, deren Anerkennung dem Menschen Freiheit und Glück schenkt. Sexualität ist für den Christen ein Weg der Liebeshingabe zwischen Mann und Frau, die offen ist für neues Leben. Der Bund zwischen Mann und Frau ist ein Abbild des Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Wer den Bund mit Gott aufkündigt, der verliert die Fähigkeit zum menschlichen Ehebund, und wer die Ehe als Ort der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau auflöst, der verliert die Möglichkeit zum Bund mit Gott. Wie soll die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation gelingen, wenn Kindern homosexuelles Verhalten als Verwirklichung von Freiheit und Gerechtigkeit.

Einige deutsche Christen sind ob der Kubyschen Gehirnschmelze so entzückt, daß sie sie mit Preisen würdigen:
Das auflagenstärkste evangelische Wochenmagazin idea wählte Gabriele Kuby 2008 zur „Journalistin des Jahres“.

Ihr neuster Streich - ONLY YOU, ein Projekt zur sexuellen Enthaltsamkeit bis zum Alter von 30 - wird wonnig auf Kathnet - alle Christlichen Konfessionen sind offenbar Kuby-Fans - bejubelt:

Die neue Bewegung – gegründet von Gabriele Kuby - will jungen Menschen helfen, sich „für den befreienden Weg der Keuschheit zu entscheiden, um so ihre Sehnsucht nach Glück in Ehe und Familie zu verwirklichen“ „Damit Liebe wieder eine Chance hat, muss die Sexualität die Wahrheit und Würde von Mann und Frau zum Ausdruck bringen. Wir wollen jungen Menschen helfen, sich für den befreienden Weg der Keuschheit zu entscheiden, um so ihre Sehnsucht nach Glück in Ehe und Familie zu verwirklichen. Wir wollen auf gesellschaftlicher Ebene die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen und so zu einer Erneuerung der Kultur beitragen.“

Klar, Sex ist natürlich ganz und gar bähbäh - außer bei den paar Myriaden kleinen Jungs, die von katholischen Priestern durchgebumst wurden - das ist natürlich halb so wild und darf getrost unter den Teppich gekehrt werden.

Die idea-Ausgezeichnete weiß aber wie der Hase löppt:

Gabriele Kuby sagt klar, dass dieser Weg der vorehelichen Keuschheit kein einfacher ist. „Du wirst dich am Anfang allein fühlen. Du wirst wahrscheinlich ein paar dumme Sprüche hören, vielleicht ertragen müssen, zu bestimmten Cliquen nicht mehr dazu zu gehören.
Aber du wirst deine Freiheit schon bald genießen. Du wirst neue, bessere Freunde finden, neue Interessen, ein neues Selbstbewusstsein; eine Quelle der inneren Freude wird sachte anfangen zu sprudeln. Deine Ausstrahlung wird sich verändern und eine Schönheit an dir sichtbar werden, die dir keine Beautyfarm, keine Schönheitsoperation und kein Fitnessclub geben kann. Reinheit ist wie ein Stern, der auf deiner Stirn steht. Du bist auf dem Weg, jemand zu werden, der Maßstäbe setzt.“

Zu dumm, daß ich schon über 30 bin - sonst würde ich mich sofort bei dem Kuby-Seminar anmelden.

Sonntag, 31. Mai 2009

Auf, auf!



In einer Woche ist Europa-Wahl. Das Interesse daran geht gen Null.
Das liegt zum Einen daran, daß der erfolgreich verdummte deutsche Urnenpöbel nicht in der Lage ist weiter als bis zur eigenen Nasenspitze zu denken und zum Anderen daran, daß die etablierten Parteien in absolut fahrlässiger Weise die EU negativ populistisch ausschlachten.
Vermeidliche bürokratische Exzesse werden auf Brüssel geschoben und die Politiker auf nationaler Ebene kanalisieren den Unmut auf eben jene EU-Bürokraten, die vom Mars stammen zu scheinen und höchst überheblich über die Köpfe und Interesse „der Menschen“ entscheiden.

Geschickt verschwiegen wird dabei allerdings woher die EU-Bürokraten tatsächlich stammen - nämlich aus den Parteien.Der Löwenanteil selbstverständlich aus Deutschland.

Die Crème de la crème sind das nicht gerade - im Gegenteil, nach Brüssel wird all das parteipolitische Kroppzeug abgeschoben, das sich auf nationaler Ebene ins Abseits manövriert hat.
Andererseits bieten die Europawahlen Chancen für Abseitige, Nörgler und Ewiggestrige aller Abstufungen die Gelegenheit sich zu präsentieren (und Wahlkampfkostenerstattung abzugreifen).

Es verwundert also nur wenig, daß auch Eva Braun, äh Herman, mal wieder ihr verwirrtes Haupt erhebt.
Die Ikone der Hakenkreuz.netler, die mit ihren vier Ehen das absolute Hardcore-Christenfamilienbild propagiert, robbte einen weiteren Schritt ins ganz rechte Abseits und warb für AUF - Partei für Arbeit, Umwelt und Familie, Christen für Deutschland!

Dabei handelt es sich um ein Konglomerat aus Frustrierten anderer christlicher Splitterparteien wie der PBC.
Sie selbst sprechen von „Bündelung politisch engagierter Christen und Organisationen mit Blick auf das Superwahljahr 2009 zum Ziel hat“ Die im Januar 2008 gegründete Groteskpartei wird geführt von Witzfiguren wie dem Konditor Mathias Gerhard Ernst Scheuschner, 45, der Ex Bayerische Landesvorsitzende der „Deutsche Zentrumspartei“, der als Qualifikation angibt bereits 22 Jahre verheiratet zu sein und bereits vier Kinder gezeugt zu haben - geb. 1986, 1990, 1998, 2000.

Beisitzer Dieter Steffen, der als Qualifikation „Hauptschulabschluss“ angibt, empfiehlt sich dem Wähler mit:

Mein Dienst für mein Land. Ja „Deutschland meine Liebe“ dieser Satz wird leichter zu sagen wenn man ihn öfter ausspricht und er wir uns motivieren es umzusetzen.

Zum Europawahlkampf dieses Sammelbeckens der aufklärerisch Zurückgebliebenen erklärte Stargast Eva Herman,dass sie keine Europagegnerin sei. Sie stelle sich aber die Frage, ob die Sache wirklich gut gehen könne, wenn man die christlichen Werte bewusst mehr und mehr aus der Politik ausklammere“.
AUF bejubelte die Rede der abseitigen Eva als „Stark und Eindrucksvoll“:
Bezugnehmend auf den fehlenden Gottesbezug in der EU-Politik und EU-Verfassung sagte Herman:
"Ich rede von dem Kapitän, der dieses Schiff steuern kann, ich rede von unserem Schöpfer. Ich spreche von Gott, den man aus der europäischen Verfassung gestrichen hat." Die Entchristlichung speziell der europäischen Politik machte Herman am Beispiel der sog. Gender-Politk fest: "Wer für Gender ist, muss gegen Kinder sein."
Amüsant auch die Schlußthese der vielfach geschiedenen Blondine.
Obwohl unter allen Experten Einigkeit besteht, daß das mit Abstand größte Problem des Planeten die Überbevölkerung ist, die Hunger, Elend, Naturkatastrophen, Kriege und Klimawandel verursacht, verkündet Herman:
„Wir sind eine Gesellschaft der Schrumpfung geworden, wir sind Schrumpfgermanen. Es ist eine Tatsache, dass wir aussterben!”
Glücklicherweise naht nun die Rettung - ob des verbalgewaltigen Einsatzes der Apologetin des familiären Mittelalters, dürfte “AUF” vermutlich alle deutschen Mandate für das EU-Parlament gewinnen und anschließend die Welt retten!

Der bombige Slogan "Wir schreiben €uropa mit C" überzeugt auf ganzer Linie.

Mittwoch, 23. April 2008

Neuerlicher Wahn

Neben Kreuznet gibt es noch jede Menge andere christliche Irre – so ist es ja nicht, daß die Katholiban die einzigen Gehirn-Entkernten wären.
Da gibt es beispielsweise noch den christlichen Versandhandel und Verlag Hänssler, der nach eigenen Angaben 28.000 christliche Titel vertreibt. Als Bestseller werden dort bizarre Gaga-Werke gepriesen, wie zum Beispiel:
Feiert Jesus-Vol. 3“ für nur € 9.95. Auch dieses Mal einfach ein Muss für jedes Lobpreisteam und ideal für Hauskreise, Jugend- und Freizeitgruppen. Mit mehr als 200 Liedern vieler deutscher und internationaler Künstler erhält man die optimale Vielfalt aus aktuellen, etablierten und unbekannteren Lobpreisliedern und somit die Mitsinghits von heute und morgen.
Aber außer Büchern und Filmen gibt es noch viele erstaunlich sinnige Dinge ohne die man sich ein Leben kaum noch vorstellen mag. Wie konnte ich nur bisher Geschenke verpacken ohne die praktische Box „Kleine Grüße zum Kleben - 32 Bibelverse“ ? Schmücken Sie Ihre Briefe, Karten oder Geschenke mit Bibelversen! Diese dekorative Aufkleberbox im Briefkastendesign enthält 32 ermutigende Bibelverse zum Verschicken. So verschönern Sie liebevoll jeden Gruß!
Nur € 6,95.
Allerliebst auch TESTAMINT – die Minz-Bonbons mit Bibelversaufdruck! Welcher ordentliche Christ kann auch die schnöden atheistischen TicTacs lutschen – so ganz nackt und gottlos wie sie sind?
Auch mein Auto soll nicht mehr so nackt aussehen und dank Hänssler kann ich nun den christlichen Aufkleber - Fahr nie schneller als Dein Schutzengel fliegen kann – für € 1,80 erwerben. So weit so wirr.
Leider ist das allerbeste Werk des Hauses, um das sich der Chef Friedrich Hänssler (81) höchstpersönlich in Form eines Frage-Buches kümmert, erst im Mai erhältlich: Das Überlebensprinzip - Warum wir die Schöpfung nicht täuschen können – Fragen an Eva Herman, die bekannte Expertin für alles Uterelle, Unsinnige und Ultrarechte.
Im Verlagsprogramm wird wenig neutral geworben:
Eva Herman hat einen Nerv getroffen. Wie geht man damit um, die Person zu sein, die unbequeme Wahrheiten anspricht? Friedrich Hänssler ist mit der ehemaligen Tagesschaumoderatorin ins Gespräch gekommen: über Familie und Kinder in Deutschland; über Karriere, Emanzipation und die 68er; über Glauben und den Mut, neue Wege einzuschlagen.
Die kruden antifeministischen Thesen der braunen Eva werden also als „unbequeme Wahrheiten“ dargestellt. Im September 2007 erregte Eva Herman Diskussionen, weil sie die "Wertschätzung" von Familie und Kindern unter den Nationalsozialisten als "gut" bezeichnete.
Während jede Frau mit mehr als drei Gehirnzellen, ob der reaktionären Tumbheit der Vierfachverheirateten würgten, waren die christlichen Ultras naturgemäß entzückt und hofierten sie durch ihre groteske Welt des alttestamentarischen Wahns.
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, dachte sich da wohl die blonde Blödblinze, verließ ihren bisherigen Pendo-Verlag und kroch gleich zu Hänssler.

Dienstag, 4. März 2008

Verschlimmbesserungen

Weil für die realitätsfernen Ideologen der CSU Kindergärten Teufelszeug, sind will sie Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, mit 150 Euro pro Kind und Monat unterstützen. Dies ist die als Unwort des Jahres gepriesene „Herdprämie“. Von allen Experten wird ein ausgesprochen destruktiver Effekt erwartet, da insbesondere die prekären und finanziell am strapaziertesten Familien sich am wenigstens werden leisten können auf das Geld zu verzichten – mithin würden also genau die Kinder, die am allerdringendsten betreut werden müßten, für die die größte Gefahr der sozialen Verwahrlosung besteht, ihrer Chancen endgültig beraubt.
Das sah auch Deutschlands bekannteste Legehenne von der Leyen ein und bekämpfte dieses retardierende Politinstrument zunächst. Dabei wurde sie von CDU-Granden wie Rüttgers unterstützt. Er könne "jede Mutter verstehen, die in den ersten Jahren bei ihrem Kind bleiben will". Dafür müsse es aber keinen staatlichen Zuschuss geben. Stattdessen könne er sich vorstellen, dass ,,Eltern, die ihre Kleinkinder selbst betreuen, im Alter mehr Geld bekommen‘‘. Deshalb müsse überlegt werden, ob die Erziehungszeiten bei der Rentenzahlung noch stärker gutgeschrieben werden könnten.
Für die SPD lehnte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Nicolette Kressl das Betreuungsgeld erneut ab: "Wir werden diesen Weg weder aus bildungspolitischen noch aus grundsätzlichen Erwägungen mitgehen", sagte Kressl. Gerade Kinder aus bildungsfernen Schichten benötigten frühe Förderung. Dagegen bestehe bei einem Betreuungsgeld die Gefahr, dass dieses von den Familien in den privaten Konsum investiert werde, statt die Kinder in Horten oder in Spielgruppen zu fördern, sagte Kressl.
Bayerns Sozialministerin Christa Stewens aber steckte ihre Hände ganz tief ins Klo, fingerte dort nach zweckfreien rechtsideologischem Murx und erklärte für die Landesregierung einen Gesetzentwurf erarbeitet zu haben. Danach sollen Eltern, die ihre Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr ausschließlich selbst erziehen, 150 Euro im Monat bekommen. Um das Geld zu erhalten, dürfe das Kind nicht in einer öffentlich subventionierten Kinderkrippe oder Tagespflege betreut werden.
Ihren Posten wollte die Bundesfamilienministerin aber auch nicht riskieren – scheiß auf die Prekariatskinder – und knickte schließlich ein.
Von dem Negativbeispiel inspiriert, verbog sich nun auch die SPD, stimmte ebenfalls zu. Es ist nur alles ein bißchen vager formuliert und das böse, böse Wort wird auch nicht mehr verwendet:
Im Gesetzentwurf der Familienministerin heißt es nun, dass "ab 2013 für diejenigen Eltern, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren nicht in Einrichtungen betreuen lassen wollen oder können, eine monatliche Zahlung (zum Beispiel Betreuungsgeld) eingeführt werden soll". Die Einzelheiten sollen später in einem Gesetz geregelt werden. "Der Gesetzgeber ist dabei in seiner Entscheidung frei", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.
Die SPD akzeptiert damit, dass das Betreuungsgeld Bestandteil des Gesetzes zum Ausbau der Kinderbetreuung bleibt. Ursprünglich wollten die Sozialdemokraten die von ihnen abgelehnte familienpolitische Leistung allenfalls in die Begründung des Gesetzentwurfs aufnehmen.
Also kein Steinbrück-Veto mehr.
Nun also Herdprämie, staatliche unterstütztes Fernhalten armer Kinder von Bildungseinrichtungen und dem frühen Erlernen sozialer Kompetenzen.
Falscher geht es wohl nicht, wie just eine Bertelsmann-Studie enthüllte:
Kinderkrippen erhöhen nicht nur die Wahrscheinlichkeit der Kinder in Deutschland erheblich, später ein Gymna­sium zu besuchen. Durch das zu erwartende höhere Lebenseinkommen führt er auch zu einem deutlich größeren volkswirtschaftlichen Nutzen. Dies gilt vor allem für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen. Dazu gehören Kinder mit Migrationshintergrund oder geringer Bildung der Eltern. Der Studie zufolge hat die frühkindliche Bildung einen hohen Einfluss auf den späteren Bildungs­weg. Für den Durchschnitt der Kinder aus den untersuchten Jahrgängen erhöht sich die Wahr­scheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, von 36 Prozent auf rund 50 Prozent, wenn sie vorher eine Krippe besucht haben. Für benachteiligte Kinder liegt die Verbesserung der Bildungschancen durch einen Krippenbesuch noch höher. Von diesen Kindern gehen rund zwei Drittel mehr aufs Gymnasium.
Unter jedem denkbaren Aspekt sind krippen, die die bayerische Scheuklappen-Partei als DDR-Relikt ablehnt, für die Kinder förderlich; der Spiegel fasst zusammen:
Die Erziehung von Kleinkindern hat einen hohen Einfluss auf den späteren Bildungsweg. Es zeigte sich, dass gut die Hälfte der Krippenkinder den Sprung aufs Gymnasium schafft, von den Nicht-Krippenkindern gelang das nur etwas mehr als einem Drittel. Die Bereitschaft, ein Kind betreuen zu lassen, ist bei bildungsfernen Familien schwächer. Von den 1000 untersuchten Kindern stammte nur jedes zwanzigste aus einem Elternhaus, in dem beide Eltern einen Haupt- oder überhaupt keinen Schulabschluss haben.
Der hochgradige Schwachsinn über die "Verstaatlichung" von Kindern, über die angebliche Degradierung von Frauen zu "Gebärmaschinen" durch Krippenerziehung (so der katholische Bischof Walter Mixa) und Eva Hermans ewiges Lob der Hausfrau und Mutter, welches rechte CDU’ler und CSU begeistert adaptierten ist – wieder einmal – ad absurdum geführt.
Sogar rein ökonomisch betrachtet ist der Ausbau von Krippen lohnend:
So steige durch den Krippenausbau die Zahl der Gymnasiasten, entstehe ein volkswirtschaftlicher Nutzen von fast 22.000 Euro pro Krippenkind. Die Kosten eines Krippenplatzes in Höhe von durchschnittlich etwa 8000 Euro, die überwiegend der Staat trage, würden dadurch leicht ausgeglichen.
Schön, aber wenn man schon weiß wie man es richtig macht, um Deutschlands Problem mit der Verwahrlosung kleiner Kinder und der im übrigen niedrigsten Rate von Hochschulreife-Schulabschlüssen in Europa zu beheben, dann seien da noch immer die CSU und Frau Merkel vor – die genau das Gegenteil dessen als Gesetz verabschieden.

Dienstag, 1. Januar 2008

Die Monats-Impudenz; Dez.

Zum 1.Januar küre ich heute den Depp des Monats, die Oberarschgeige des Dezembers, das imbezilste politische Individuum.
Es boten sich da einige Schwachköpfe an, die sich enorm dreist (Beust) oder verabscheuungswürdig (Koch) ins Rampenlicht drängten, aber da ich mit dem Begriff die größte Schamlosigkeit, die grandioseste Unverschämtheit handelt, fiel mir die Entscheidung doch ganz leicht – dazu muß man nur die Neujahrsansprache der Kanzlerin gehört haben.
Sie warnt doch tatsächlich vor Reformmüdigkeit und bemerkt, daß man nun nicht nachlassen dürfe!
LOL!!
ROFL!

Das ist wirklich der Gipfel und deswegen ist auch Angie die Monatsimpudenz!
Ökonomen stellen inzwischen heraus, daß es ein TROTZ-Merkel-Aufschwung ist.
Merkel, die nur eine einzige Sache anpackte – die Gesundheitsreform, die auch promt der zweckfreieste Monstermurx aller Zeiten wurde. Ein wahres Bürokratieförderungsprogramm zu Lasten der Patienten und zur Schonung der CDU-Spezis von Pharmaindustrie und der PKVn.
Dazu haben wir noch die größte Steuererhöhung aller Zeiten auf’s Auge gedrückt bekommen (Mehrwertsteuer von 16% auf 19%) und ansonsten schlingert sie durch zukünftige Wahlkämpfe im vorrauseilenden Gehorsam vor der immer linkslastigeren allgemeinen Stimmung.
Es gibt ein bisschen Mindestlohn bei der Post – das ALG-II wird ein bisschen verlängert.
Die wichtigen Baustellen tastet sie nicht an – immerhin haben wir immer noch das exorbitanteste Steuersystem der Welt, kacken bei PISA ab und dümpeln demographisch dem Rest der Erde hinterher.
Da haben gewisse Vorgänger Merkels trotz knappster Bundestagsmehrheiten und einer ewig blockierenden Bundesrats-Angie alles versucht und sich mit vollem Kanzlergewicht ins Zeug gelegt.
Merkel selbst hingegen – ausgestattet mit komfortablen riesigen Mehrheiten in beiden Parlamentskammern erklomm nun vor über zwei Jahren den Chefsessel im Kabinettssaal und verharrst seit dem in Kataplexie.
Sie ist die Inkarnation der Politik-Verweigerung. Sogar die Dinge, die sie tatsächlich verbal konkretisiert – wie den Klimaschutz – blockiert sie in Wahrheit überall wo es geht.
Da kommt ein dickes „NEIN“ aus Berlin zu Brüssels Plänen Autohersteller zu weniger CO2-Ausstoß zu zwingen und hierzulande werden Arm-in-Arm mit den Vattenfall-Losern ein Dutzend neue Braunkohlekraftwerke genehmigt.
Daß Merkel nun ernsthaft dem deutschen Volk zum Jahr 2008 erzählt, daß die Reformen weiter gehen müssen, ist ungefähr so stringent, als wenn Paris Hilton erklärt, daß sie weiterhin für intelligentes und bescheidenes Verhalten werben möchte.
Das ist so, als ob Günter Strack erklärte man müsse sich an ihm ein Beispiel für die schlanke Linie nehmen.
Das ist so, als ob Eva Herman erklärte sie stünde weiterhin an der Spitze der feministischen Bewegung.

Das ist die Impudenz des Monats.

Samstag, 8. Dezember 2007

Idiosynkratie

Der Wikipedia-Gründer, Jimmy Wales, der noch bei der Sache ist, hat im letzten Jahr eine Rede vor College-Studenten an der University of Pennsylvania gehalten. Es drängte ihn, seine Zuhörer von Wikipedia abzuhalten. Er bekomme dauernd E-Mails von Studenten, die sich darüber beschwerten, dass sie in Prüfungen mit falschem Wikipedia-Wissen durchgefallen seien. Er, Wales, kenne da kein Mitleid: "Um Himmels willen! Ihr seid doch auf dem College. Wie könnt ihr da diese Enzyklopädie für eure Studien nutzen!"
Diesen Vorgang schildert heute Bernd Graff in einem flammenden Plädoyer wider das Internet 2.0.
Das Internet verkäme zu einem Debattierclub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten.

Duplizität der Fälle – genau der Gedanke trieb mich auch die letzten Tage um. Da hatte ich mich doch endlich geistig von meinem Kreuznet-Abenteuer abgenabelt und mir fest vorgenommen nie wieder bei solchen extrem bornierten Ultrarechten meine Energie zu verschwenden, da diese im eigenen Saft schmorenden anaeroben Fanatiker eine bemerkenswerte Fähigkeit haben sich von der Realität abzukoppeln. Deren hochselektive und geradezu invers verzerrte Wahrnehmung ist komplett wirklichkeitsabweisend. Manche theologische Dinge sind bekanntlich nicht mathematisch exakt zu beschreiben, aber Randbemerkungen, wie zum Beispiel die, daß „der Jude“ Friedmann“ im NDR-Rundfunkrat säße und für den Herman-Rausschmiß gesorgt habe, dachte ich leicht richtig stellen zu können. Friedmann hatte damit nun wirklich nichts zu tun, war nie im Rundfunkrat des NDRs.
Offenbar haben Kreuznetler aber alle implantierte Kortexzerrspiegel – so daß alle Informationen über die tatsächliche Zusammensetzung des Rundfunkrats oder der Text des Rundfunkgesetztes nicht synaptisch weiter geleitet werden.
Man könnte also meinen, daß Graff Kreuznet-Protaginisten wie die vernagelten „Bruder Theophil“ oder „Dr Heger“ vor Augen hatte, als er schrieb, daß sie jedes Thema zerfledderten. „Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.“
Der Informationsstand so eines Netzdiskutanten sei miserabel, „ein Wissen ist es oftmals sogar gar nicht. Gemeint ist ja nicht nur die flirrende Suchmaschinenbildung, mit der man seinen Hausarzt demütigt. Gemeint ist auch pures Meinungswissen: Unüberprüfbar, kühn, behauptend, flatterhaft, und vor allem: Anonym in die Welt gesetzt, was Spaßvögeln und aber auch Denunzianten besonders entgegenkommt.“

Wieso mir diese Gräte nun wieder im Hals steckt?
Verdammt, es ist mir schon wieder passiert!
Zwar mache ich immer noch einen Bogen um die stramm rechten Katholiban, aber ich habe nicht dran gedacht, daß die Verhaltensmuster auf der ganz linken Seite identisch sind, als ich mich beim Politblog einmischte.

So viel déjà vu war nie:
Unbelastet von Sachkenntnis und historischem Überblick wird dort mit ergoogelten Schnipseln um sich geworfen und ernsthaft auf Telephonumfragen von FOX-TV verwiesen. Ihre eigene Meinung entwickelt sich daraus umso felsenfester und wird mit „Warste schonmal auf MySpace, FaceBook, MeetUp oder gar auf Ron’s YouTube-Seite?“ unterstrichen.
Mir fällt mein Mathelehrer Herr Einbeck ein, der uns vor vielen Dekaden erklärte, daß eine Gerade ein Kreis mit unendlich großem Radius sei.
Die Strecke zwischen Kreuznet- und Piolitblog-Kommentatoren (ganz rechts und
ganz links) ist offenbar so lang, daß sich der Kreis schon wieder geschlossen hat. Hier wie dort, wird vehement jeder inhaltliche Einwand mit dem Totschlagargument „Mainstreammedien“ niedergemacht.
Akzeptiert werden nur die eigenen hochwillkürlichen und streng selektierten Quellen. Der Maßstab ist stets nur die eigene Nasenspitze.
(„Die deutschen Mainstreamartikel zu Ron Paul die Du zitierst kenn ich. Aber die sind ja das Problem dass viele hier haben. Was da drin steht ist entweder schlecht recherchiert oder direkte Lüge um uns einzulullen.“, „unsere “demokratischen” Propagandamedien ala Spiegel, Focus, ARD, ZDF usw.“)

Bei Graff heißt es dazu:
„Obwohl etablierte Formen der Informationsbildung, zum Beispiel aus Tageszeitungen und Magazinen, als "Mainstream Media" verspottet werden (sie gelten als korrumpiert, hierarchisch, hirngewaschen, langsam und überaltert), obwohl der Schwarmgeist also triumphieren möchte, darf erinnert werden: Es macht immer noch den Unterschied, wer etwas sagt. Und wo er es tut.“

Er verweist dann auf Nicholas Carr. Der Journalist habe versucht, die Professionalität gegen die Me-Volution zu verteidigen: "Die ekstatischen Visionen des Web 2.0 setzen die Hegemonie des Amateurs voraus. Ich kann mir nichts vorstellen, was furchterregender wäre", schreibt er: "Das Internet vermindert unsere Wahlmöglichkeiten, anstatt sie zu erweitern. Die Wikipedia mag neben der Encyclopaedia Britannica verblassen, aber weil sie von Amateuren gemacht wird und nicht von Profis, ist sie gratis. Und gratis siegt stets über Qualität."

Mich hat vor allem beeindruckt, wie sehr sich die diametral entgegen gesetzten politische Pole „links“ und „rechts“ sich aber inzwischen auch inhaltlich gleichen.
Besonders augenfällig ist da der pathologische Hass auf Israel – bei den Kreuznetlern ist der Antisemitismus mitunter so extrem und ungeniert, daß auch Hitler gelobt und KZ’s a posteriori für notwendig erklärt werden.
Es ist ein Antisemitismus der schlimmsten, ideologischsten, eliminatorischsten und menschenverachtendsten Form. Da ist Holocaustleugnung geradezu üblich („So gesehen wären „Mythen“ wie die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, die Erschaffung des Menschen aus Lehm usw. durchaus akzeptabel, keinesfalls aber moderne
Mythen à la „Juden“-„Shoa“/„Holocaust“ (die jeder Erkenntnis unabhängier Wissenschaft widersprechen)…!“
)
Auch die regulären Artikel gehen ungeniert vor; so heißt es unter der Überschrift Juden sind Gutmenschen schlechthin
Natürlich sind die Juden völlig unschuldig, immer zu Unrecht verfolgt und grundlos geschlagen worden. Wo aber steckt der Schuldige? Von Leo G. Schüchter.

In den Kommentaren liest man dann vollkommen enthirnten Hass à la „meine Auffassung ist, dass Gott die Juden leiden lässt, damit sie eben darin auch das Leid Jesu nachempfinden und Teil haben am christlichen Mysterium, wenn auch widerwillig und dadurch auch Rechtfertigung erlangen.“

Bolitblogger kommen da politischer daher, aber der Hinweis auf „DIE ISRAELLOBBY“ fehlt in kaum einem Post. Es wird EXAKT wie bei den Kreuznetlern ein umfassender jüdischer Einfluss auf alle politischen Entscheidungsträger einfach voraus gesetzt.
Hinzu kommen aber auch gesellschaftspolitische Extreme, die absolut kongruent sind.

Waffenverliebtheit
Beim Politblog: „habe ich nichts gegen die Waffen. Sie sind einzig für den Fall, dass der Staat die Überhand über mein Leben nimmt.“, „Ist dir klar dass man Amokläufer auch stoppen kann, zum Beispiel wenn die Studenten einfach nachdem der Typ beginnt ihre Waffen aus dem Auto holen und ihn stellen und er sich ergibt?“ „Seit wann muss man alle anderen Formen der Konfliktbeilegung vergessen, nur weil es privaten Waffenbesitz gibt? Befürworter von privatem Waffenbesitz lassen alle Möglichkeiten zur Konflikteindämmung offen, während Waffenverteufeler die Optionen einschränken.“

Etwas drastischer bei Kreuznet: „Wir sollten uns treffen. Ich bring meine Schrotflinte Kaliber 12/20 mit. Das verkürzt die Prozedur (14. Juli 2007 20:19)“

Fremdenfeindlichkeit:
Beim Politblog: Speziell unter den Migranten aus Lateinamerika ist die Geburtenrate bis zu 4x höher als in der Normalbevölkerung, was nichts anderes bedeutet, als das die Bevölkerung in den USA in den nächsten 10 Jahren rasant ansteigen wird. Sollte das Gesetz doch noch durch den Senat kommen würden zusätzlich noch mehrere Dutzend Millionen Leute in die USA gehen! ein Großteil der US-Amerikaner und auch Europäer sich der Brisanz dieser Thematik nicht wirklich bewusst ist. Es häufen sich in letzter Zeit Fälle, wo US-Fahnen von öffentlichen Gebäuden heruntergerissen und durch die mexikanische Fahne ersetzt werden.

Bei Kreuznet schleicht man sich gleich an die NPD:
Wenn die NPD sich gegen die – mit dem wirtschaftlichen Zwang – durchzusetzende Fremdbetreuung von Kleinkindern wendet, sollte das gerade von ausländischen Familien dankbar begrüßt werden. Denn es ist offensichtlich, daß es einer der Zwecke dieser Zwangs-Fremdbetreuung ist, die ausländischen Kinder zwecks besserer „Integration“ aus ihren Familien zu lösen.

Schocking.


Nun ist das Aufstellen von politisch/historischen Vergleichen so eine Sache, die bei näherer Betrachtung nie standhält.
Natürlich ist Kreuznet eine sehr viel schlimmere Angelegenheit, als der Bolitblog, da bei letzterem doch prinzipiell gute Ansichten zu unterstellen sind.
Die lange Erfahrung bei Kreuznet hat mich hingegen gelehrt, daß die Macher dort tatsächlich bösartig sind. Erstaunlich eigentlich, daß man erst bei selbst ernannten strenggläubigen Christen eintauchen muß, um an das Böse an sich zu glauben.
So fundamental unterschiedlich ist es dann doch – aber der Tunnelblick, das Negieren anderer Meinungen, das verdrängen von Realitäten und die hohe Überzeugung, daß nur die eigene Moral richtig ist, gleichen sich.

Zu schade, daß sich die Linke generell - und das hat sich tatsächlich in der Geschichte immer wieder wiederholt – mit solcher Verve gegen Leute aus dem eigenen Umfeld vorgeht, Menschen mit ganz ähnlichen Zielen mit aller Macht bekämpft und mehr auf das Einhalten der eigenen reinen Lehre setzt, statt sich auf den eigentlichen politischen Gegner zu konzentrieren. Da ist die Rechte dann immer wieder der Gewinner, während man sich auf der anderen Seite nur zu gerne selbst zerlegt.
Aufspaltung SPD – USPD – KPD: Gewinner ist Hitler
Nader nimmt Kerry drei Millionen Stimmen: Gewinner ist Bush
Lafo und Gysi hacken an die 10 % aus der SPD raus: Gewinner ist die CDU

Nebenbei bemerkt ist auch die Rechtschreibung in beiden Lagern Stiefkind.

Dienstag, 27. November 2007

Ärger mit der Ex.

DU LIEBER GOTT – was haben sich Katholiken, Jörg Schönblöd, Mixa, Kreuznet’ler und auch alle anderen usual suspects über den Rauswurf von Eva Braun echauffiert.
Von Zensur und Berufsverbot war die Rede. Rechte und Christen haben praktischerweise viel Übung mit Heuchelei, Schizophrenie und Bigotterie, sonst wäre ihnen das Paradoxon schon eher aufgefallen:
Eine Frau soll angeblich darunter leiden totgeschwiegen zu werden, die aber quasi omnipräsent ist, das NEUNTE Buch geschrieben hat und von jedem zweiten Titelbild grinst.
Nun ja – das Thema hat sich erledigt, den E. Herman hat nun höchst selbst und offiziell erklärt wem sie die Kündigung beim NDR zu verdanken hat. Es war kein geringerer, als der liebe Gott persönlich, der sich um seine Eva bemüht hat. Bei einer Lesung in Plauen erklärte sie:
„Gott hat mir den Fernsehjob aus den Händen geschlagen. Das wird er vorsätzlich gemacht haben, weil ich jetzt Zeit für andere Dinge habe.
So kann ich heute zum Beispiel hier sein“

Immerhin scheint die 48-Jährige nicht nachtragend zu sein. Auf die Frage, woher sie die Kraft nehme, die derzeitigen Turbulenzen um ihre Person zu überstehen, antwortete sie:

„Ich bekomme viel Kraft von oben. Ich bete viel,
weiß,
dass viele Menschen auch für mich beten.
Das spüre ich.“

Evas Ehemann Nr. 1, Werner Hermann , der offenbar schon vor einiger Zeit die richtige Konsequenz gezogen hat – nämlich SCHEIDUNG – hält sie für überfordert und bescheinigt ihr eine „Profilneurose“.
"Die Eva sitzt zur Zeit völlig auf dem falschen Pferd“, sagte Werner Hermann der „Bild am Sonntag“. Wenn man im Rampenlicht stehe wie sie, sage man solche Dinge nicht. „Eva weiß einfach nicht, wovon sie redet. Möglicherweise ist sie intellektuell mit der ganzen Sache überfordert.“ Mitleid hat Hermans erster Ehemann deswegen nicht. „Immerhin hat sie sich das ganz allein zuzuschreiben“, sagte er dem Blatt weiter. Er sei was seine Ex-Frau betrifft völlig emotionslos. „Sie lässt sich durch ihre ausgeprägte Profilneurose in die völlig falsche Richtung drängen.“

Also Mixa – mach’ den Kopp zu: Es war nicht der böse NDR-Herres, der das Evchen abgeschossen hat, sondern DEIN Boss höchstselbst!

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Was hat die Herman eigentlich?

Der Irak unter Saddam war ein säkulares Land.
Es gab völlige Religionsfreiheit, der Außenminister z.B. war Christ und die 500.000 Christen samt ihres Bischofs in Bagdad waren sicher und geschützt. Frauen studierten und mussten keine Schleier tragen. Blöderweise wurde aber der Irak irgendwann von Amerika als „böse“ angesehen, während der engste und vertrauteste Freund Amerikas natürlich Saudi Arabien war und ist!
Als 1991 George HERBERT Bush seine Truppen in Saudi Arabien stationierte, um den bösen und unfreien Irak anzugreifen, hatte das wahabitisch-radikale Gesetz den saudischen Frauen bereits ultimativ das Autofahren verboten!
Ähnlich war es bei den anderen damaligen Verbündeten der USA – den Taliban. Ich bin zwar kein Koran-Experte, bezweifele aber doch, daß sich unter den genau den Tagesablauf regelnden Suren schon spezielle Frauen-am-Steuer-Regeln befinden.
In Riad gibt es so einige allerliebste Regelungen; so berichtet zum Beispiel diese Woche die saudi-arabische Zeitung "Okas“:
Mit jeweils 7.000 Peitschenhieben sind zwei Homosexuelle in Saudi-Arabien bestraft worden, weil sie Sex miteinander hatten. Die Wärter des Gefängnisses der Stadt el Baha im Süden des Königreichs hätten in der Nacht gestern mit der Auspeitschung begonnen. Die Hiebe würden den beiden Männern nicht auf einmal verabreicht, sondern über mehrere Tage verteilt.

Aber das sind ja Bush’s Freunde und in einigen Aspekten sind wir den saudischen Zuständen auch erstaunlich nahe:
So ermittelt das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Fortune“ jedes Jahr die wichtigsten Frauen in der internationalen Wirtschaft.
Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt gebietet Deutschland bekanntlich auch über eine Menge auch international als „groß“ einzustufenden Konzernen. Frauenmäßig seiht es bei und aber aus wie bei den Saudis – nachdem bisher nie auch nur eine einzige Deutsche auf der Liste der TOP 50 stand, ist aber in der just erschienenen Liste des Jahres 2007 doch verblüffenderweise erstmals eine Deutsche – nämlich Ingrid Matthäus-Maier als Chefin der KfW auf Platz Nr. 31.
Nr 1 außerhalb Amerikas ist Mrs Carroll – Chefin des britischen Bergbaukonzerns „Anglo American“.
Nr 2 ist Anne Lauvergeon (Boss der frz. Nuklearfirma Areva), Nr 3 Marjorie Scardino (Chefin des britischen Megaverlages „Pearson“).
Die amerikanische Liste wird gesondert geführt – dort ist die unumstrittene Nr 1 Indra Nooyi (51) - seit dem 1. Oktober 2006 ist die brillante Strategin Vorstandschefin von Pepsico.

Unter allen Vorstandsmitgliedern der 30 deutschen DAX-Unternehmen ist gerade eine einzige Frau: Bettina von Österreich – stellvertretendes Vorstandsmitglied des Münchner Immobilienfinanzierers „Hypo Real Estate“.
Gratulation Deutschland:
Nach Pisa, Wirtschaftswachstum, Akademikern, etc mal wieder ein grandioser LETZTER Platz in internationalen Rankings!

Zufrieden Eva Braun?

Donnerstag, 20. September 2007

Soweit ist es schon gekommen.

Morgen werde ich mir das erste mal in meinem Leben eine „BRIGITTE WOMAN“ kaufen.
Das Oktober-Heft beinhaltet als
"Das besondere Gespräch": Die Autorin Doris Lessing über Unheil, Optimismus und das Glück der Einsamkeit.
Wie vorab veröffentlicht wurde, gab Sie unter anderem bekannt,
«Für mich gibt es keine größere Langeweile als die Gesellschaft kleiner Kinder, auch wenn sie süß sind»
WIE WAHR!
Weiter meldet die ddp über Frau Lessing:
«Einsamkeit ist ein Luxus! Damit meine ich kein trauriges, unfreiwilliges Alleinsein, sondern etwas Segensreiches. Man muss darum kämpfen.»
Junge Frauen heute suchten «immer noch vor allem einen Ehemann.
"Den meisten liegt nicht viel daran, sich zur Höhe ihrer Möglichkeiten aufzuschwingen»
Da kann man nur hoffen, daß Eva Herman keine Brigitte Woman liest, sonst kriegt die gleich einen Herzinfarkt! Es könnte natürlich auch sein, daß sie nach ihrem Hitler-Hieb noch Lessing-Kabale anschließt, um die Buchverkäufe anzukurbeln.
Mit dem Amazon.de Verkaufsrang Platz 1.492, scheint „Das Prinzip Arche Noah“ ja nicht gerade wie geschnitten Brot wegzugehen; das dümpelt noch bei der Schwarte des letzten Jahres: Das Eva-Prinzip; Amazon Verkaufsrang- Platz 2.600.

Donnerstag, 13. September 2007

Beifall von der ganz falschen Seite!

Daß zu Eva Hermans NEUNTER Buchpräsentation nun wirklich niemand mehr kommen mochte, weil die Thesen der vierfach Verheirateten so derart altbacken sind, daß noch nicht mal die hysterischsten Feministinnen hinter dem Ofen herlocken konnte, muß wohl sehr geschmerzt haben.
In so einem Fall hilft eben nur noch der ganz braune Griff in die Scheiße.
Frl. Logorrhöe lobte also die ach so tolle NS-Familienpolitik, bei der Rassegesetze galten, jüdische Familienmitglieder erst entrechtet und dann vernichtet wurden.
Bei der behinderte Kinder systematisch getötet wurden.
Bei der Hunderttausende zwangssterilisiert wurden.

Der Plan wieder auf die Titelseiten zu kommen hat ja geklappt – fragt sich nur wie lange das anhält und ob die zusätzlichen Käufer aus der ganz rechten Nazi-Ecke, die an Dysbulie leiden, das Abspringen all der potentiellen Buchkäufer mit Gehirn kompensieren können.

Tja, Eva – wie man sich bettet, so liegt man: Nun kommt der Applaus von der NPD, Kreuznet, der „Jungen Freiheit“ und ähnlich obskuren seminazistischen Gruppen.
Die Geister, die man mal gerufen hat wieder loszuwerden, ist immer das Problem.
Ab jetzt wird Eva Herman eben weniger in den Konnotationsbereich „Journalismus“ oder gar „Tagesschau“ gehören, sondern sich auf einer assoziativen Schleife mit Magda Goebbels und dem NS-Mutterkreuz einrichten müssen.

Mir fiel ein hübscher Satz ein, den ich mir am 29.06.2001 aus einer Verlautbarung der Sittenpolizei der Taliban aufgeschrieben hatte:
„Dass Frauen Auto fahren, ist gegen die Tradition und schadet der Umwelt!“
Klingt für mich ähnlich kurios und zurück geblieben, wie Eva Herman.
Wäre das nicht vielleicht ein paar adäquate Gedanken für ihr zehntes Buch, Frau Herman?
Dem Tailban-Beispiel folgend brächte man sicherlich wieder mehr renitente Weiber, die es wagen sich zu bilden und selbst denken zu wollen zurück an Herd und Wickelkommode:

Seit 1992 haben die Taliban da richtig das Rad der Zeit und des Humanismusses zurück gedreht:

Zunächst einmal wurde der Gleichheitsgrundsatz gestrichen und den XX-Chromosom-Menschen zur Sicherheit auch das Recht auf Bildung und Arbeit aberkannt. Das bedeute allein in Kabul den kompletten Ausfall von über 40 % der Angestellten des öffentlichen Dienstes.
Geradezu besessen war (und ist!) man von der rigiden Kleiderordnung: Burka! Bloß nicht einen Millimeter Haut zeigen und falls eine Frau sich nicht daran hält, kann man sie ruhig totschlagen. Will ja schließlich Gott so!
Lackierte sich eine weibliche Person die Fingernägel, war die Hand mit einer Axt abzuschlagen. Krank werden dürfen Damen auch nicht – denn medizinische Versorgung ist ebenso wie überhaupt das Verlassen des Hauses verboten

Ungefähr zwei Jahre nach der Machtübernahme der Islamisten erließ eine aus neun Personen bestehende Kommission des Obersten Gerichts eine Fatwah zur Frauenfrage - das ist ein Verhaltenskodex für Frauen, der mit Gesetzeskraft ausgestattet ist - mit höchster geistiger Autorität versehen.
In dieser Fatwah wird Bildung und Alphabetisierung von Frauen als Quelle der Verführung und Verworfenheit bezeichnet, und festgestellt: Für eine Frau bestehe keine Notwendigkeit, das Haus zum Zweck des Erwerbs zu verlassen.
Nur unter Einhaltung von 16 Bedingungen - die sich vor allem auf Kleidung und auf ihr Verhalten beziehen - darf sie dies überhaupt. Dazu zählt die Genehmigung ihres Mannes und die Begleitung eines männlichen Verwandten; sie darf keinen fremden Menschen anschauen und nur aus zwingenden Gründen mit ihm sprechen.
Die Fatwah hat den Anspruch, den Alltag aller Frauen in Afghanistan zu reglementieren: "Von den Verantwortlichen in Staat und Regierung wird
entschieden gefordert, daß sämtliche göttlichen Gebote, besonders das Gebot der Verschleierung der Frau, unverzüglich zu verwirklichen sind, die Frauen aus den Büros zu entfernen, und Schulen für Frauen - in Wirklichkeit Zentren des Ehebruchs und der Prostitution - zu schließen sind."
(Aus der Fatwah, abgedruckt in "ai", Afghanistan-Info/ Pressespiegel, Juli 1994 und Oktober 1995.)

Frauen, die sich vermeintlich nicht an die Vorschriften halten, werden als "vogelfrei" erklärt. Jeder Gläubige, der meint, eine Frau verstoße z.B. gegen Kleidervorschriften, hat völlig freie Hand, sie zu züchtigen bis zum Tod.

Näheres aus dem Alltag afghanischer Frauen unter obigen Link.