TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Montag, 18. April 2011

Immer feste druff.

Neulich las ich beim Durchblättern der Fernsehzeitschrift einen kleinen Infokasten über die Entwicklung des Zuschauerinteresses der „Jackass“-Filme, die 2003, 2006 und 2010 erschienen.
Leider habe ich die Zahlen vergessen; aber ich kann immerhin noch sagen, daß sie rasant anstiegen. Jackass-III hatte schon in einer Woche so viele Zuschauer wie Jackass-II insgesamt und der hatte seinerseits Jackass-I locker übertrumpft.
No 1 spielte 79 Millionen Dollar ein, Nr. 2 brachte es auf 85 Mio und der dritte Teil hat bisher 170 Millionen Dollar eingebracht.
Für diejenigen, die wie ich keine Cineasten sind, sollte ich noch kurz erklären, worum es bei „Jackass“ geht und wieso diese Reihe es geschafft hat bei all dem Schund, der schon produziert wurde, einhellig als das Übelste und Niveauloseste, das es je gegeben hat, tituliert zu werden.
Das muß man erst mal angesichts der deutschen Heimatfilme der 50er Jahre schaffen!

Ein paar schlimme Proleten um Johnny Knoxville filmen sich gegenseitig dabei, wie sie gedemütigt und gefoltert werden. Besonders gern geht es dabei exkrementell zu. Ausscheidungen aller Art werden bevorzugt als Requisiten benutzt.
Ziel ist es möglichst effektiv verletzt zu werden, wobei es aber nicht genügt Schmerzen zuzufügen, sondern es ist unbedingt erforderlich diese mit einem möglichst hohen Ekelfaktor zu kombinieren.



Basis der Jackass-Sketche sind üblicherweise das Testen und Überstrapazieren von Helmen, Genitalschützern und anderer Polsterungen.
Mit großen Vergnügen werfen sich die Jackass-Protagonisten dann Billardkugeln in den Schritt oder schlagen sich mit Keulen auf den Kopf.

Offensichtlich ist das Konzept (finanziell) erfolgreich.

Die Frage ist, warum.

Scheinbar gibt es eine generelle menschliche Lust der Grenzüberschreitung.
So wie kleine Gorillas ausprobieren den Silberrücken zu nerven, um zu lernen wie weit sie in der Hierarchie gehen können, liebt auch der Homo Sapiens Mutproben, um seinen gesellschaftlichen Status zu vergrößern.
Das Eingehen von Risiken wird eigentümlicherweise auch in zivilisierten Gesellschaften generell sehr positiv konnotiert - auch wenn der Sinn solcher Gefahren längst nicht mehr mit dem biologischen Wohl der Spezies zu tun hat.
Überdurchschnittlicher Mut eines Neandertalers konnte durchaus belohnt werden, indem er mit einem erlegten Mammut seine Sippe ernähren konnte.
Heute beklatschen Medien die modernen Mutigen so wie einst die Neandertalerfrauen in den Höhlen die heimkehrenden Jäger.
Ein Arved Fuchs bringt natürlich kein erlegtes Wild nach Hause. Dafür geht er aber ins Fernsehstudio und zeigt im regionalen Nachmittagsprogramm stolz seine abgefrorenen Zehen, die er beim Rückwärts durch die Arktis kriechen verloren hat.
Künstliche Erschwernisse wie zum Beispiel das Besteigen eines Achttausenders ohne Sauerstoffgerät oder das Nackt-Krabbentauchen ausgerechnet im Polarmeer erkennt der moderne Homo Televisionis dankbar an.

Risiken können auch abstrahiert werden.
Männer oder Frauen, die enorme finanzielle Risiken eingehen, oder beispielsweise einer anderen nuklearen Supermacht mit Atomraketen in der Schweinebucht drohen, werden ebenfalls bewundert.
Das „auf Nummer sicher gehen“ wird hingegen verachtet.

Private Risiken, die lediglich eine Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit darstellen, wie „Russisch Roulette“, S-Bahnsurfen oder Pamplonisches Stierrennen, sind meiner Ansicht nach hochgradig idiotisch, sollten aber Erwachsenen nicht verboten werden.
Solange sie nur ihr Leben gefährden, ist es ihre persönliche Freiheit.

Beispielsweise bei Bergsteigern, die sinnfrei in Gletscherspalten rumkriechen oder Skifahrern, die bei Lawinengefahr unterwegs sind, sieht es schon ganz anders aus. Wenn sie auf die Nase fallen, müssen andere zwangsweise ihr Leben riskieren, um ihr zermatschten Knochen wieder zu finden.
Das gilt auch für dämliche Touristen oder selbsternannte christliche Missionare, die mit einem Rucksack voller Bibeln im Jemen herum steppen. Am Ende blockiert das nur Ressourcen des Außenamts und man muß womöglich Gaga-Guido dabei zusehen, wie er in Teheran schachert.

Die unverantwortlichste Form der Risikobereitschaft liegt natürlich dann vor, wenn einzelne Personen aus ihrer innenwohnenden Doofheit ganze Landstriche oder Nationen gefährden.

Zu nennen wäre GWBs Risikokalkulation über den Irakkrieg oder Angie Merkels unrühmliches Lavieren bei der "Eurorettung", das dem Steuerzahler vermutlich mehrere hundert Milliarden mehr als nötig kostet.
Tepco ging unverhältnismäßige Risiken ein.
Ebenso wie die amerikanischen Betreiber des AKWs „San Onofre“ welches strategisch geschickt genau auf dem extrem erdbebengefährdeten kalifornischen St.-Andreas-Graben gebaut wurde.

In diese Kategorie passt auch das Verhalten amerikanischer und deutscher Kampfjetpiloten, die ausgerechnet Kernkraftwerke als Wendepunkte benutzen und genau über den nuklearen Zeitbomben ihrer riskantesten Mannöver fliegen.

Kein Witz, sondern Realität in Deutschland, wie unter anderem MONITOR berichtete:

Es war Abend, als am 13. Dezember über dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Unterfranken der Luftkampf geübt wurde. Zuvor waren in Spangdahlem in der Eifel vier US-Kampflugzeuge vom Typ A-10 Richtung Grafenrheinfeld gestartet. Ihr Auftrag - so die US-Luftwaffe - mit Übungsmunition, den Luftkampf trainieren. Die deutschen Behörden bestätigen, die Kampfjets sind dabei um das Atomkraftwerk gekreist, eine dreiviertel Stunde lang. Es war nicht das erste Luft-Manöver, hier am Himmel über dem AKW. Das erzählt uns auch Oskar Heck.

Reporter: "Haben Sie die zunächst nur gehört, die Flugzeuge?"


Oskar Heck: "Ja, ja."

Erst vor wenigen Tagen sei wieder ein Kampfjet am Kraftwerk vorbei geschossen. Doch im Dezember, da sei es besonders extrem gewesen.

Oskar Heck: "Ich hab wirklich gedacht, das ist ein Ernstfall, da haut einer rein. Hab ich wirklich gedacht. Ich hab direkt darin so gezittert."
(wdr.de/tv/monitor)

Hans Fischer, der Bürgermeister des Ortes Schwebheim hat an die Bundeskanzlerin geschrieben und darum gebeten in Zukunft doch bitte die Luftkampfübungen nicht ausgerechnet über Atomkraftwerken zu fliegen.

Frau Merkel hat nie geantwortet.

Freitag, 18. März 2011

Neue Koalitionen.

Man probiert ja alles mal aus.

Ampel, Jamaika, Rot-rot-grün - strenge Regeln wann was erlaubt ist, gibt es nicht. Was in einem Bundesland unmöglich ist, kann in einem Anderen perfekt harmonieren.
Außerdem unterliegen die K.O.alitionskombinationen Moden.
Im Jahr 2011 sind die klassischen Farbkombinationen wieder hipp.
Mit der Atompolitik hatte Frau Merkel im Herbst 2010 den Graben zu den Grünen um einen Kilometer verbreitert. Das reichte der Kanzlerin noch nicht; also füllte sie den Graben auch noch mit kochender Schwefelsäure auf, indem sie sich als fanatische Suttgart21-Anhängerin outete und sogar die von Mappus‘ zusammengeprügelten Rentner und Schüler als „Dagegen-Partei“ verunglimpfte.
Es scheint ein Jahrhundert her zu sein, daß in Hamburg der schwarze Ole und die Grüne Hajduk in heißer Liebe zueinander entbrannten.
Daß sich nun Stefan Mappus und Winfried Kretschmann zusammen ins Koalitionsbettchen hüpfen, ist ähnlich wahrscheinlich wie eine Schwulenhochzeit zwischen George W. Bush und Kim Jong Il.
Nein, en vogue sind nur schwarz-gelb und rot-grün, alles andere ist im Moment so angesagt wie langgezogene Hemdkragen und Polyacrylpullover mit V-Ausschnitt.

Übermorgen in Sachsen-Anhalt gäbe es eine ganz gute Perspektive für einen Rauschmiss der CDU aus der Regierung durch Rot-Rot.
Magdeburg ist prädestiniert dafür. Die Linke gilt als ausgesprochen zuverlässig; man hat einschlägige Regierungserfahrungen zusammen und Linken-Boss Wulf Gallert gilt als intelligent, verlässlich und SPD-freundlich.
Er „kann“ mit dem SPD-Chef Jens Bullerjahn, der wiederrum ein anerkannter Fachpolitiker ist.

Unterdessen hat sich Bullerjahn in den vergangenen Jahren durch eiserne Haushaltspolitik einen Namen gemacht. Mehrfach gelang es ihm, einen Haushalt ohne Neuverschuldung vorzulegen. Überdies trieb er die Verabschiedung einer gesetzlich verankerten Schuldenbremse voran, wonach es Regierenden von 2012 an nicht mehr erlaubt ist, neue Schulden zu machen.
(SZ 09.03.2011)

Das große Problem ist die Stärke der Linken, die gagaeske Ausschließeritis-Reflexe der Spezialdemokraten verursacht.
Ja, man würde schon mit der Linken koalieren, aber nur als Seniorpartner.
Die SPD muß nach ihren vielen Ausschließeritis-Bruchlandungen - zuletzt in Hessen, Thüringen und im Saarland - offenbar weiterhin mit dem Kopf auf eine Betonwand zielen.
So könnte - wieder einmal - trotz deutlicher linker Mehrheit ein CDU-Mann im Chefsessel landen. Dummheit und Feigheit der Sozis machen es möglich.

Eigentümliche Koalitionen gibt es aber auf den übergeordneten Ebenen.

Im Bundestag lobt die Linke ausdrücklich Herrn Westerwelle, weil Schwarz und Gelb die antimilitärische Politik der Linken durchexerzieren.
Im hohen Haus ging es heute besonders hoch her, weil die Regierung der Weltgemeinschaft nicht helfen will eine Flugverbotszone in Libyen durchzusetzen und stattdessen lieber weiter zusieht, wie Gagagadaffi sein eigenes Volk massakriert.
Applaus kam nur von ganz links.

Wenn man nicht wüßte, daß unser Vize-Guido sich schon vor vielen Jahren operativ das Rückgrat entfernen lassen hat, müßte man seine Biegsamkeit bestaunen.

Noch bizarrer isolierte sich Deutschland im UN-Sicherheitsrat.
Dabei ist die Freiheitsstatue der Bundesrepublik, die nicht als Tourist in kurzen Hosen rumläuft und sagt was zählt doch so stolz auf die wichtige internationale Rolle im Security Council.

Nun findet sich Deutschland an der Seite Chinas und Russlands, aber gegen die europäischen Staaten und die USA.

Nicht einmal eine Stunde lang hatten UN-Diplomaten am Donnerstag im UN-Sicherheitsrat in New York über die von Frankreich, Großbritannien und dem Libanon beworbene Resolution 1973 diskutiert. Sie fordert in 29 Punkten militärische Maßnahmen zur Unterbindung des Flugverkehrs über dem nordafrikanischen Land und verschärfte Sanktionen. Zehn Mitglieder stimmten dem Papier schließlich zu, das sich auf Kapitel 7 der UN-Charta und dort vorgesehene Maßnahmen im Falle der „Bedrohung des Friedens, des Bruchs des Friedens und Handlungen der Aggression“ beruft.
Es gab keine Gegenstimmen. Aber im mächtigsten Entscheidungsorgan der Weltgemeinschaft enthielten sich die ständigen Mitglieder China und Russland und die derzeitigen Mitglieder Brasilien, Indien und Deutschland.

(Welt.de 18.03.11)

Richtig blamabel wurde Guidos Positionierungsverweigerung, als die Resolution gerade mal eine Stunde später die erwünschte Wirkung erzielte.
Das Gaddafi-Regime knickte ein und versprach die militärischen Aktionen einzustellen.

Merkel und Westerwelle können eben nicht in internationalen Dimensionen denken; ihnen sind nur die Landtagswahlen wichtig und Kriegseinsätze sind unpopulär.
Sie passen sich also an die parteipolitischen Bedürfnisse in deutschen Provinzen an statt an die echten Probleme der Welt zu denken.
Kleine Kleingeister eben.

Die Akteure wissen, dass ihre Entscheidung keine wirklich befriedigende Lösung ist, dass Europa und der Westen ein gespaltenes Bild abgeben. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz bringt das Dilemma auf den Punkt: Die Regierung habe einerseits immer gesagt, Gaddafi müsse weg, der Internationale Strafgerichtshof solle notfalls eingeschaltet werden, doch würden andererseits die von Deutschland befürworteten Sanktionen erst langfristig wirken.
"Da klafft natürlich eine operative Lücke", wendet sich Polenz in der Bundestagsdebatte direkt an Westerwelle.
Was sind die wirklichen Motive von Merkel und Westerwelle?
Der Verdacht liegt nahe, dass sie sich vor allem deshalb militärische Enthaltsamkeit verordnet haben, weil sie genau wissen, wie unpopulär der Einsatz deutscher Soldaten im Ausland in der eigenen Bevölkerung ist.
Gerade jetzt vor den wichtigen Landtagswahlen will man da offenbar kein Risiko eingehen. Hinzu kommt: Die Bundeswehr ist mit dem Einsatz in Afghanistan schon ausreichend beschäftigt und belastet.

(Veit Medick und Severin Weiland 18.03.2011)

Nun muß sich der FDP-Chef-Kämpe mit der großen Klappe aus anderen Ländern Feigheit vorwerfen lassen.
Generell halte ich es nicht für verwerflich von kriegseinsatzfreundlicheren Ländern für feige gehalten zu werden. Wenn mit „feige“ gemeint ist, daß man nicht voller Enthusiasmus in militärische Abenteuer stürmen will.
Das Gegenteil von „feige“ war Schröders und Fischers Haltung zum Irakkrieg, die offensiv, laut und deutlich erklärten weswegen sie GWBs Krieg für kontraproduktiv hielten.
Guido und Angie hingegen haben versucht unter dem Radar durchzufliegen und ihre Meinungen gar nicht erst kenntlich zu machen.

Britische Politiker reagieren verärgert auf Deutschlands Zurückhaltung.
[…] Während auf dem Brüsseler Diplomatenparkett generell Zurückhaltung herrschte, kamen aus einigen Mitgliedstaaten deutliche Reaktionen. In London sorgte die deutsche Enthaltung im Sicherheitsrat für Empörung. Ob man jetzt mit „Obstruktion durch Deutschland“ rechnen müsse, fragte der Tory-Abgeordnete Christopher Chope im Unterhaus. Das glaube er nicht, erwiderte Premierminister Cameron kühl: „Die Gründe für die Skepsis sollten Sie von den Deutschen direkt erfragen.“ Dem angestrebten permanenten Sitz im Sicherheitsrat habe das deutsche Abstimmungsverhalten „nicht weitergeholfen“, so der Konservative Chope zu "Welt Online". Berlin hätte auch zustimmen können, ohne eigene Truppen zu stellen, meint die Labour-Abgeordnete Gisela Stuart: „Die Position der Enthaltung zeugt von einer gewissen Feigheit.“ Wenn die drei größten EU-Länder sich in einer so wichtigen Frage nicht einig seien, könne man „den Traum von der gemeinsamen europäischen Außenpolitik“ begraben. Auch aus Frankreich kamen kritische Stimmen. Deutschland verhalte sich zynisch, sagte der Politologe Gilbert Casasus. „Es will sich nicht zwischen Diktatur und Demokratie entscheiden.“
( S. Bolzen, S. Borger und C. Schiltz, 18.03.2011)

Der Außenminister, wollte gehandicaped von seiner völligen Ahnungslosigkeit partout nicht sagen, was nun zu tun sei.
Stattdessen plapperte er von Nebensächlichkeiten wie Gadaffis Konten.
Herr Brössler von der SZ spricht von „Westerwelles Halbwahrheiten“. Die Position des Außenministers sei „unehrlich“.

( Westerwelle sagt nicht die Wahrheit? Was wird als nächstes enthüllt?
Daß Helmut Kohl dick ist, oder daß Jopi Heesters alt sein soll????
...Oder ist Ratzi am Ende gar katholisch?)


Während die verzweifelten Aufständischen in Libyen einer Niederlage entgegengehen, erweckt der deutsche Außenminister noch den Eindruck, als könne Gaddafi mit Kontosperrungen aus dem Amt getrieben werden. Das ist unehrlich. Westerwelle müsste das enorme Risiko benennen, dass das Regime sich - übrigens mit Militärtechnik auch aus Deutschland - über eine längere Zeit behaupten kann und der Westen zum Zuschauer einer blutigen Abrechnung wird. Weder wäre das anständig, noch würde diese Tragödie Deutschland zum Vorteil gereichen. […] Im Angesicht des libyschen Bürgerkrieges gibt es keinen eindeutig richtigen Weg für Deutschland und die Welt. Westerwelle sollte aufhören so zu tun, als hätte er ihn gefunden.
(SZ 16.03.2011)

Deutschlands Einfluss auf die Bürgerkriegs-Geschehnisse in Libyen ist allerdings auf andere Weise längst gegeben.
Großzügig hat die Bundesregierung Waffen, Überwachsungstechnik und Polizei-Knowhow an den Diktator verkauft.
Die Koalition Tripolis-Berlin steht, wie zum Beispiel das WDR-Magazin „MONITOR“ in seiner letzten Ausgabe berichtete.



2005 - wieder reisen deutsche Spezialisten nach Tripolis, ganz privat. 30 ehemalige Polizisten von der GSG-9, vom SEK. Wieder schulen und trainieren die Deutschen unter den Augen des Bundesnachrichtendienstes.

Hans-Christian Ströbele, Bündnis90/Die Grünen: "Und diese Ausbildung führt jetzt dazu, dass die Spezialtruppen, die Spezialeinheiten von Gaddafi besonders grausam, besonders brutal und besonders wirksam gegen die Aufstandsbewegung, gegen die Demokratiebewegung in Libyen vorgehen können."

Und Waffen wurden natürlich auch geliefert. 2007 - Panzerbrechende Raketen von der EADS im Wert 130 Millionen Euro - geliefert über Frankreich. EADS, das ist ein deutsch-französisches Rüstungsunternehmen. Hauptaktionär: Daimler Benz.

2009 - ganz aktuell, ein Großauftrag für deutsche Unternehmen im Wert von 53 Millionen Euro. Hochmoderne, hochsensible Kommunikationstechnik für Gaddafis Elitetruppen, darunter Störsender, Verschlüsselungstechnik, Überwachungsradar.

Michael Brzoska, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik: "Das sind schon Dinge, die für das Führen einer militärischen Kampagne, für das Führen eines Bürgerkriegs von großer Bedeutung sind. Und das sieht man vermutlich jetzt auch in Libyen, dass diese Geräte für die libyschen Streitkräfte möglicherweise sogar entscheidend für den Ausgang des Krieges sind."

Gestern in Bengasi, im Osten Libyens, der Hochburg des Widerstandes. Von der Front werden Leichen zurückgebracht. Gaddafis hochgerüstete Truppen rücken vor.

Die Führung der Aufständischen in Bengasi sagt zur Rüstungstechnologie aus Deutschland: Abd al Hafiz Ghoqa, Nationalrat für die Übergangzeit (Übersetzung MONITOR): "Seine Waffen sind modern. Sie sind von verschiedenen Ländern geliefert worden. Gaddafi führt jetzt mit modernen Waffen Krieg gegen das libysche Volk. Wir sind militärisch hoffnungslos unterlegen."
(wdr.de/tv/monitor 10.03.2011)

Merkel und Westerwelle schämen sich natürlich nicht - auch nicht, als ihnen die LINKE lautstark applaudiert.

Ich behaupte, daß die deutsche Kanzlerin und der deutsche Vizekanzler so extrem von ihren eigenen Pöstchen besessen sind, daß sie dem nationalen Machterhalt aber auch alles unterordnen.
Ihnen ist es einerlei was RICHTIG ist.
Politik durch Engagement für eine Sache ist ihnen fremd; sie sind gegenüber den Schicksalen anderer zutiefst indolent und mitleidlos.

Die Polittyp-Antipode dazu ist beispielsweise die frühere Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, der es tatsächlich ein inneres Anliegen war den Bedürftigen und Bedrohten zu helfen.
Aber so eine wurde vom Urnenpöbel auf die Oppositionsbank geschickt.

Die ehemalige Entwicklungshilfeministerin hat am Freitag einen emotionalen Auftritt. Die Sozialdemokratin, eigentlich als Friedenstaube bekannt, erinnert an die Schutzverpflichtung der internationalen Gemeinschaft gegenüber der Zivilbevölkerung. Sie sagt: "Ich finde es eine Schande, dass sich die Bundesregierung enthalten hat." Gegenüber Despoten könne es keine Enthaltung geben. Auch Außenpolitiker Rolf Mützenich ist ziemlich außer sich. Er wirft der Bundesregierung vor, sich nicht zu trauen, "gegen einen vorzugehen, der ein Mörder ist". Die Linken sind erzürnt. "Kriegstreiber!", schallt es ihm entgegen.
(Spon 18.03.2011)

Samstag, 5. Februar 2011

In das Intimste hinein.

Papst Benedikt XVI. ist in mancher Hinsicht typisch menschlich.
Er teilt ordentlich aus indem er in schöner Regelmäßigkeit Juden, Moslems, Atheisten, Schwule, Protestanten und die Opfer seiner pädophilen Priester beleidigt.
Daß sich die derart Angegriffenen natürlich auch verbal zur Wehr setzen, weil es beispielsweise Juden in Deutschland nicht angenehm finden, daß J.R. einen Holocaustleugner hofiert, scheint mir das Normalste der Welt zu sein.
Ratzi ist aber nur im Austeilen groß.
Beim Einstecken ist er eine echte Mimose.

Die Aufhebung der Exkommunikation [des Holocaustleugner-Bischofs Williamson - Red] habe zu einer Auseinandersetzung „von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben“, schreibt der Papst. […] Zugleich beklagt das Kirchenoberhaupt, dass „auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten“. Er habe gelegentlich den Eindruck gehabt, dass er selber ohne Scheu und Zurückhaltung mit Hass bedacht worden sei.
(Domradio, 11.03.2009)

Fast möchten einem die Tränen kommen.

Weswegen können Katholiken und Nicht-Katholiken nicht in friedlicher Koexistenz miteinander leben?
Sollte es einem Katholiken nicht herzlich egal sein, was jemand, der ohnehin nicht an den katholischen Gott glaubt, von ihnen hält?
Sollte es einem Ungläubigen nicht herzlich egal sein, was die Gottesanbeter denken?

Die Antwort ist 1. Nein und 2. Nein.
Beides hängt damit zusammen, daß Katholiken sich selbst so überschätzen, daß sie meinen für alles zuständig zu sein.

1)
Ihnen können Atheisten nicht egal sein, da sie aus der Bibel einen fundamentalen Evangelisierungsanspruch ableiten. Der alte imaginäre Mann, den sie als Weltenlenker in den Wolken sitzend wähnen, hat der katholischen Kirche mit dem Neuen Testament aufgetragen hinaus zu gehen und allen von Jesus zu erzählen.
Für den Fall, daß jemand die Botschaft gar nicht hören will, wurden Scheiterhaufen, päpstliche Armeen und der Welt beste Folterinstrumente ersonnen.

2)
Nein, ich befürchte nicht, daß mich demnächst die Schweizer Garde aus dem Bett zerrt, mich auf der Streckbank so lange ausweidet, bis ich Treue zum Papst schwöre.
Der Einfluß der Christen auf die deutsche Politik ist aber stark, daß ich bei intimsten Dingen meines Lebens der Freiheit beraubt bin.

Das Intimste, das es in meinem Leben gibt, ist das Leben selbst.
Ich war nicht frei zu entscheiden, wann es anfing.
Ich möchte aber unbedingt frei entscheiden, wenn ich es enden lassen will - es sei denn, das Ende käme verfrüht, also bevor ich freiwillig den Löffel abgeben möchte.
Scheinbar bin ich mit dieser Ansicht auch nicht ganz allein - es treibt offensichtlich viele Leute um, die es nicht wünschenswert finden langsam; womöglich über Jahre unter Qualen und Schmerzen zu sterben.
Die wenigsten Menschen stellen sich den idealen Tod vor, indem sie an Magensonden, Kathetern und zentralen Zugängen angeschlossen im Krankenhaus hilflos und unselbstständig abreisen.

Genau das ist aber der Regelfall.

Nicht viele haben das Glück wie Bernd Eichinger auf der Höhe ihrer Schaffenskraft im Kreise ihrer Familie bei einem üppigen Essen zum Herren abberufen zu werden.
Mit sprungbereitem Sadismus zwingen aber christliche Überzeugungen in Gestalt von politischen Rahmenbedingungen unter Umständen jeden von uns in Jahre oder gar Dekaden von Qualen, weil zum Beispiel Komapatienten ein würdiger Tod verweigert wird.

Mir schwebt eine christlich/atheistische Entkoppelung vor:

Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.

Für die Menschen, die nicht in den Mitgliederlisten des real existierenden Kirchismus geführt werden, entfallen alle diese Einschränkungen.

Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.

Da werden hoffnungslos Kranke gegen ihren und gegen den Willen der Familie ins Leben gezwungen.

Nach ihrem schweren Unfall wurde die Frau gefunden und überlebte, jedenfalls körperlich. Sie selbst weiß nichts von ihrem geretteten Leben. Seit 22 Jahren liegt sie im Koma, in einem Pflegeheim der Diakonie in Hessen, künstlich ernährt durch Sonden und Maschinen. Bis sich vergangene Woche ihre Betreuer durchsetzen konnten: Nun sind die Apparate abgestellt, die 68-Jährige wird nur noch palliativ versorgt, langsam stirbt sie. Damit ihr das nach mehr als zwei Jahrzehnten gewährt wurde, musste erst ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden: Wolfgang Putz.
Es gibt in Deutschland bis zu 40000 langjährige Komapatienten wie die Frau aus Hessen, schätzt Putz. Ein großer Teil von ihnen wird unrechtmäßig, also gegen ihren Willen, am Leben gehalten: 'Oft geschieht das aus weltanschaulichen Gründen oder aus Empathie, aber meistens, weil sich keiner traut, den Zustand zu beenden', sagt Putz.
[…] Die Patientin aus Hessen zum Beispiel war Ärztin. Sie wusste um die Möglichkeiten der Medizin und wusste, welche davon sie nie beanspruchen wollte. Doch vor 22 Jahren war die Rechtslage noch unklar, also akzeptierten ihre Angehörigen trotzdem die Maschinen. Erst als sie erfuhren, dass das rechtswidrig ist, wandten sie sich an Putz.
'Die Argumente in solchen Situationen sind immer gleich', sagt der Anwalt. 'Warum ausgerechnet jetzt?', lautet eine typische Frage oder: 'Warum sollte der Patient nach so vielen Jahren seinen Willen geändert haben?' Oft auch: 'Unser Haus ist dem Leben verpflichtet.' Der Anwalt eines Heims in Marburg verstieg sich kürzlich sogar dazu, auf das Gewohnheitsrecht zu verweisen, als Putz sich dafür einsetzte, eine Patientin nach 15 Jahren im Koma sterben zu lassen. Dann warf er Putz auch noch Euthanasie vor. 'Dabei hat die Frau eine perfekt formulierte Patientenverfügung', sagt der. Sie hat darin beschrieben, wer ihr Pferd bekommen solle, dass sie keinen Pfarrer am Grab wünsche und wie sie nie enden wolle. Genau so endet sie nun aber. Es ist ein Lebensende seit 15 Jahren, es ist gegen den Willen der Patientin, gegen den Wunsch ihrer Familie - und inzwischen auch gegen das Gesetz.
(SZ 05.02.2011)

Man muß aber nicht im Koma liegen, um die christliche Keule in Form von Qualen und Schmerzen übergezogen zu bekommen.
Tatsächlich behindern die Gesetze auch die normale Palliativmedizin massiv.

Wer todkrank ist und zuhause sterben möchte, kann das Glück haben, einen Palliativmediziner zu finden, der ihm hilft die letzte Zeit erträglich zu gestalten.

Unglücklicherweise gibt es aber einen FDP-Gesundheitsminister, der dem ZK der Katholiken angehört und dafür sorgt, daß solchen Patienten keine Opioide zur Verfügung da gelassen werden.
Systematisch werden Palliativmediziner kriminalisiert - das berichtete unter anderem letzte Woche MONITOR.
Ärzte, die ihren Patienten helfen wollen, bekommen es mit dem Staatsanwalt zu tun.

Harry Wilke, Staatsanwaltschaft Fulda: "Ja, wenn's eine Anklage gibt, könnte ihm natürlich auch eine Verurteilung drohen. Und da sieht das Gesetz Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor."

Das heißt, entweder landet Dr. Sitte dann im Gefängnis oder er darf seinen Patienten keine Opioide mehr aushändigen.

Thomas Sitte, Palliativmediziner: "Das kann ich moralisch nicht verantworten. Es ist medizinisch korrekt, es ist ethisch zwingend notwendig, es wäre Körperverletzung, es nicht zu tun, aber ich darf’s nicht tun, weil dann ist es ein Verstoß gegen das BTM-Gesetz."

[….]

Matthias Thöns, Palliativmediziner: "Das ist ein ganz schlimmes Signal, dass der betroffene Kollege praktisch das Handtuch hinwerfen muss durch diese staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren. Und wenn wir das weiterspinnen, dann kann man eigentlich diese schönen Erfolge, die wir jetzt im Aufbau von einer ambulanten Palliativmedizin mit einer vernünftigen Versorgung von den Menschen zuhause haben, dann kann man die bald wieder vergessen, weil es viele Kollegen geben wird, die einfach sagen, na gut, ich riskiere für mich keine Gefängnisstrafe."

Die Folge: Patienten würden unnötig leiden. Nur weil ein Gesetz Ärzte, die zum Wohl ihrer Patienten handeln, kriminalisiert. Ein untragbarer Zustand findet die Deutsche Hospizstiftung.

Eugen Brysch, Deutsche Hospizstiftung: "Verantwortung dafür trägt die Politik. Wir müssen die Ethik und das Gesetz in Einklang bringen, das heiß der Arzt will helfen, er kann helfen, also darf der Gesetzgeber nicht verhindern, dass er hilft."

Rösler kennt das Problem, erhält aber lieber den Apothekern ihre Privilegien statt den Sterbenden zu helfen.
Palliativmediziner haben nicht das Recht (und sollen es auch nicht erhalten) Patienten im Endstadium Morphium im Haus zu lassen.

Dieses Recht soll, wie bisher, allein den Apothekern vorbehalten bleiben. Schriftlich teilt uns das Ministerium mit, es sei "…besonders wichtig, den pharmazeutischen Sachverstand bei der Abgabe dieser Arzneimittel einzubinden."

Eugen Brysch, Deutsche Hospizstiftung: "Es ist absurd, dass man ein Recht für Apotheker schützt, damit Schwerstkranken und Sterbenden nicht adäquat geholfen wird."

Die Politik will es aber so. Thomas Sitte konnte es vor seinem Gewissen nicht verantworten, sich gegen seine Patienten zu entscheiden.

Thomas Sitte, Palliativmediziner: "Ich hab meine Praxis beendet und meinen Anteil verkauft und orientiere mich jetzt um.


Montag, 17. August 2009

War da was?

Stell dir vor es ist Wahlkampf und kein Politiker geht hin.

Daß sich die deutschen Wähler so sehr für das totale Politvakuum begeistern, irritiert inzwischen sogar die Merkelfreunde der alteingesessenen Presse.
Zum Beispiel „DER SPIEGEL“. Immer noch das Magazin mit der größten Reichweite.

Darin finden wir heute zwar einerseits die typische Hofberichterstattung - ein drei Seiten langes Interview mit Guido Westerwelle (Überschrift „Das werde ich durchsetzen“), ein paar Beißreflexe gegen die SPD - hat die Friedrich-Ebert-Stiftung womöglich gemauschelt? Alles nur mit vielen Fragezeichen und im Konjunktiv und ohne Fakten - aber interessanter ist dabei ohnehin, daß dem SPIEGEL das gerade kurz vor der Wahl berichtenswert erscheint.

Aber - und nun kommt es - auch das Presseorgan, das vor vier Jahren am heftigsten gegen Schröder/Fischer wütete und durch Gabor Steingart systematisch Merkel herbei schrieb, konstatiert, daß inhaltlich so gar nichts von der Kanzlerin kommt!

(Gut, ich habe das schon seit vielen Jahren erkannt und schreibe das andauernd - aber SPON kann vielleicht nicht so schnell sein.)

Die Union treibt es besonders weit: Sie will nicht verraten, was sie nach der Wahl gern machen würde. Merkel plant einen Wahlkampf, der gar keiner ist. Die Große Koalition? Die führe sie "mit großer Überzeugung", sagt die Kanzlerin bei ihrem ersten Auftritt. Der Deutschland-Plan ihres Herausforderers? Da gebe es "weitgehende Übereinstimmung". Selbst der Opposition bleiben Merkels Umarmungen nicht erspart. Die habe sich in der Krise verantwortungsbewusst verhalten. Inhaltliche Fragen hingegen ignoriert sie an diesem Abend mit eiserner Konsequenz. Das ist schwierig für Steinmeier, der sie nirgends zu packen kriegt.

In Springers WELT klingt das, wie ich gestern schon erwähnte, so:

Von Merkel hörte man in den vergangenen Wochen wenig Politisches, dafür umso mehr aus der Rubrik Buntes. In der „Bild am Sonntag“ war zu lesen, wie sehr die Kanzlerin ihre uckermärkische Heimat liebt. Von Blaubeeren schwärmte sie, von der Stille im Wald, dem „Knacken von Holz“ und dem „Zwitschern der Vögel“. Wenige Tage vorher hatte Merkel der Zeitschrift „Myself“ verraten: „Nachmittags esse ich oft einen Teller Mohrrüben, ich mag nämlich nicht so gern Obst.“

Auch der konservative FAZ-Kommentator Eckart Lohse sieht sich gezwungen zu erwähnen, daß seine CDU im Lethargie verfallen ist.

Was Themen angeht, die gesetzt werden könnten, so scheint bei CDU wie CSU noch eine gewisse Ideenlosigkeit zu herrschen. Mal fällt das Wort Steuerpolitik, mal der Begriff Mindestlöhne. Doch greifbar ist da noch nichts. Bis hinauf in die Unionsspitze sorgt es inzwischen für eine gewisse Unruhe, dass sich die hervorragenden Umfragewerte für Angela Merkel sechs Wochen vor der Bundestagswahl immer noch nicht auf die Unionsparteien übertragen. 2005 hatten CDU/CSU vier Monate vor der Wahl Umfragewerte von beeindruckenden 48 Prozent vorzuweisen. Die fielen dann immer weiter ab bis auf gut 35 Prozent. Von diesem Wert ist die Union bis heute nicht weggekommen. Ein mögliches Abfallen der Werte wie im Jahr 2005 wird nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert.

Für die alteingesessenen Parteien ist der 2009er Wahlkampf eine harte Nuß!

Es gibt keine offensichtlichen Pfunde, mit denen man wuchern könnte, wie zum Beispiel beliebten Personen, die wie Joschka Fischer auch noch mitreißend reden können.

Schon gar nicht gibt es irgendwelche politischen Leistungen, auf die man verweisen könnte.

Versucht man an die Zukunft zu denken und thematisiert, daß Deutschland nach vier Jahren Großer K.O.alition ökonomisch miserabel dasteht und ein total verrottetes, nicht zeitgemäßes Bildungs- und Steuersystem bietet, wird es ganz übel:
Konzepte und Fakten scheut der Wähler wie der Papst den CSD.

So rutschte die SPD auf irgendwas bei 20 Prozent.

Die CDU-Methode, einfach so zu tun, als ob man nicht dazu gehört und sich bis zum 27.09. weg zu ducken, ist da schon wesentlich erfolgsversprechender.
Aber Schiss haben sie im Konrad-Adenauer-Haus dennoch.
Womöglich spricht sich doch noch weiter rum, daß die CDU-Ministrablen allesamt Platzpatronen sind.

Politdarsteller, die ab und an mit einem großen Knall die Bundespressekonferenz heimsuchen und sich dann in Luft auflösen, wenn sie die bittere Realität einholt.

Das Paradebeispiel ist Superheptamutter von der Leyen, die schon mal ihre äußerst erfolgreiche Familienpolitik pries, bevor die EU bekannt gab, daß Deutschland das einzige Land Europas ist, in dem die Geburtenrate noch einmal sank:

"Außer in Deutschland stieg die Bruttogeburtenziffer zwischen 2007 und 2008 in allen Mitgliedstaaten an." Überall in Europa mehr Kinder - nur nicht in Deutschland.
Die ernüchternde Bilanz einer Studie des europäischen Statistikamts (Eurostat) bescheinigt Deutschland als einzigem EU-Mitglied keinen Geburtenzuwachs.
Darüber hinaus kommen, bezogen auf die Einwohnerzahl, in keinem anderen EU-Land so wenig Kinder zur Welt wie bei uns: Pro 1000 Einwohner wurden im vergangenen Jahr nur 8,2 Kinder geboren - der europäische Schnitt liegt bei 10,9.

Daraufhin ist v.d. Leiden erst mal abgetaucht und ward nicht wieder gesehen.
Ihr Internetstoppschild, das ihr den Spitznamen „Zensursula“ eintrug, ist ebenfalls auf Eis gelegt: Technisch zwecklos und in Punkto Datenschutz katastrophal.

Da konnte sich auch der SPIEGEL in seiner großen „das Internet ist bähbäh“-Geschichte nicht verkneifen zu erwähnen, daß Deutsche Politiker vor allem international NICHTS zu melden haben beim Thema Internetkriminalität - zu frappierend ist ihre Unkenntnis - sie würden von allen anderen Regierungen nur ausgelacht werden mit ihren vorsintflutlichen Vorstellungen aus dem letzten Jahrtausend.

Die Titelgeschichte endet mit eben dieser Feststellung: Die Bundesregierung ist bislang nicht mit wegweisenden Ideen zur künftigen Gestaltung der Internetgovernance hervorgetreten. Es mangelt nicht nur an einer umfassenden Strategie, sondern schlicht an Sachverstand, wie der Vorstoß von der Leyens in Sachen Internetsperren wieder gezeigt hat.

Nur die FDP hat es leichter.
Von Westerwelle nimmt ohnehin niemand an, daß er konzeptionell irgendetwas beizutragen hätte.
Zudem kann er großzügige Versprechen abgeben, ohne mit Nachfragen über die Realisierbarkeit genervt zu werden - zu gut weiß jeder, daß die FDP sowieso immer umfällt - in jede Richtung, die gerade opportun ist.

Da gab es letzte Woche mal wieder einen lustigen Monitorbericht:

2009 werden die Reallöhne vermutlich um bis zu 4 % sinken.
Die FDP schreit nach weiteren Lohnkürzungen.
Die Binnennachfrage (Importschwäche) ist durch das Lohnkürzen so katastrophal, daß Deutschland nach Japan den größten Absturz der Wirtschaft zu verzeichnen hat.

Es gibt allerdings eine Berufsgruppe, die ohnehin weit überdurchschnittlich verdient und deren Bezüge auch noch in den letzten Jahren rapide gestiegen sind.
Die Ärzte.
Ein Allgemeinmediziner bringt es im Schnitt nach Abzug aller Kosten und vor Steuern auf 116.000 Euro, ein Chirurg auf 148.000, ein Orthopäde auf 186.000 und ein Radiologe sogar auf 264.000 Euro - jährlich.
Die Honorarreform brachte ihnen Anfang dieses Jahr weiteren Zuwachs.
Demnach verdienten die rund 140.000 Ärzte in Deutschland rund 7,8 Prozent mehr. Bundesweit hätten 66 Prozent der niedergelassenen Fachärzte durch das zu Jahresanfang eingeführte neue Honorar-System gewonnen. Auch bis zum Ende des Jahres dürften die Honorare noch stärker steigen als bislang angenommen: von rund 29 Milliarden (2008) auf jetzt 31,6 Milliarden Euro.

Zum Dank hetzen die Ärzte gegen Ulla Schmidt und beklagen ihre eigene Pauperisierung.
Hier fühlt sich dann auch die Partei der Besserverdienenden zuständig und versorgt die Praxen direkt mit Wahlkampfmaterial.


Wer mehr als eine Viertelmillion im Jahr verdient, wird auch von Westerwelle, Niebel und Co unterstützt.
Denen stellt die FDP gern in Aussicht für Gehaltserhöhungen zu kämpfen.

Ein lohnendes Geschäft für die Truppen des Grövaz - wer könnte ein besserer Multiplikator als eine Arztpraxis sein?
Dem Halbgott in Weiß wird vertraut und wenn er seine Wartezimmer mit Anti-SPD-Propaganda aus der FDP-Zentrale vollklebt, wird es schon stimmen…

264.000 Euro Durchschnittsverdienst - die Liberalen, die vorher gerade noch die Kürzung der Hartz-Sätze um pauschal 30% forderten, sind voller Mitleid für die Fachärzte.

Nur knapp drei Milliarden Honorarzuwachs im Jahr?
Das wäre die FDP aber großzügiger.

Und die Deutschen scheinen mehr als bereit am 27.09. großzügig bei der FDP Kreuzchen zu machen - statt meinen vernünftigen Empfehlungen zu folgen.

Dienstag, 29. April 2008

Dumm, dümmer, CDU.

Da kann das deutsche Schulsystem noch so sehr von internationalen Studien und Pisa-Keulen in Richtung integrierende Schulformen gehämmert werden – solange es noch CDU-Landesregierungen gibt, wird hierzulande begeistert selektiert, diffamiert und stigmatisiert.
Politiker wie Günter Winands, CDU-Staatssekretär im NRW-Schulministerium, fühlen sich so sehr der allgemeinen Volksverdummung verpflichtet, daß sie mit beeindruckender Ignoranz alle wissenschaftlichen Erkenntnisse übersehen und hartnäckig weiterhin alles dafür tun, daß deutsche Schüler im internationalen Vergleich weiter absteigen.
Einem naiven Beobachter stellte ich hier die Frage, worin wohl das Interesse der Union liegen könnte dem deutschen Volk so massiv und nachhaltig zu schaden – aber die Tatsache, daß diese Gestalten immer wieder gewählt werden und derzeit 12 von 17 Regierungen in Deutschland stellen, zeigt deutlich, daß die erwünschte Verblödung des Durchschnittsdeutschen schon genügend fortgeschritten ist, um an der Macht zu bleiben.
Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
Dazu ein paar Zahlen:
In Deutschland machen jedes Jahr rund 400.000 Schüler das Abitur.
Das sind gute 40 % des Jahrgangs.
Nur 30 % beginnen allerdings tatsächlich ein Studium.
Die Abiturientenquoten sind von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Die niedrigste Quote hat Bayern mit lediglich 22 %; am besten schneiden die drei Stadtstaaten ab mit je gut 35%.
Im internationalen Vergleich sieht es einfach nur düster aus – das Möchtegern-Land der Dichter und Denker ist bildungspolitisch abgehängt und bringt viel zu wenig Hochschüler hervor.
Im OECD-Durchschnitt erwerben 65 % eines Jahrgangs die Hochschulreife. Schweden, Italien und Japan liegen bei rund 70 %, Finnland, das PISA-Musterland gar bei 91 % - wir, die Deutschen dümpeln bei 40%.

Möglicherweise denkt da der ein oder andere CDU-Bildungspolitiker, daß wir irgendwelche natürlichen Ressourcen oder Bodenschätze hätten, so daß es in der Globalisierung nicht auf Bildung ankäme.
Daher wird darauf hin gearbeitet, daß die Abiturientenquote möglichst schlecht ist. Ein Viertel der Schüler ist derzeit in Hauptschulen verwahrt – man nennt sie in diversen Artikeln „Restschulen“, weil hier alle diejenigen landen, von denen man eh nicht mehr erwartet, daß sie jemals einen Job finden und daher auch keine Qualifikation brauchen.
Die Hauptschulquote ist wieder einmal in Bayern am höchsten – 37 %.
Hauptschüler sind spätestens seit Rütli so vollständig stigmatisiert, daß sich schon jüngste Kinder – also nach der vierten Klasse – damit abfinden, daß ihnen nur eine Hartz-IV-Existenz für den Rest ihres Lebens bleibt.
Das deutsche Selektionssystem schafft es aber sogar jährlich Myriaden Kinder von den Schulen abgehen zu lassen, die noch schlechter dran sind:
100.000 Kinder gehen ganz und gar ohne Abschluß von der Schule und weitere 450.000 Schüler sind sogar noch von den Verwahrungsanstalten „Hauptschule“ auf Hilfsschulen ausgesondert worden.
Die große bildungspolitische Anstrengung bezüglich dieser 4 -5 % der Schüler insgesamt bestand in den letzten zwei Dekaden darin, daß die KMK die Hilfsschulen von ihrem gar üblen Ruf zu befreien suchte, indem sie eine große Umbenennungsaktion startete.
Jetzt steht sogar eine ganze Bandbreite verschiedener Bezeichnungen zur Verfügung. Ab Mitte der 1990er Jahre gehen immer mehr Bundesländer dazu über, den Begriff Sonderschule bei allen Sonderschulformen durch andere Begriffe wie Förderschule oder Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt zu ersetzen. Eine Förderschule – auch Sonderschule, Förderzentrum oder Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt – ist eine Schule für Kinder, die in der allgemeinen Schule nicht oder nicht ausreichend gefördert werden können, weil die notwendigen Rahmenbedingungen dort nicht vorhanden sind.

Problem gelöst?

Was man nur falsch machen kann, wird im deutschen Schulsystem gemacht – während in Italien gerade mal 1 % (!!!!) (Schweden 4 %, England 7%, usw) der förderbedürftigen Schüler auf Sonderschulen weggeschoben werden, sind es in Deutschland sage und schreibe 87 % (!!!), die dann auch noch zu über 99% für immer ausgesondert bleiben und nicht mehr den Sprung zurück zur Hauptschule schaffen.
Dadurch, daß die dann komplett stigmatisiert sind und überhaupt keine Stimulationen mehr haben sinkt der Durchschnitts-IQ dann systematisch ab.
Dazu hat die Uni Hamburg eine erschreckende Studie erstellt:
Liegt der durchschnittliche Intelligenzquotient der Schüler im ersten Jahr einer Sonderschule noch bei 87, sinkt er im Jahr 2 schon auf 86, im Jahr 5 auf 79 und nach sechs Jahren Hilfsschule ist die Verdummung so weit fortgeschritten, daß die Schüler bei nur noch 76 liegen.
Der deutsche Durchschnitts-IQ liegt (noch) bei ~ 100.
Im unteren Bereich unterscheidet man Lernbehinderung (IQ 85–70), leichte (IQ 69–50), mäßige (IQ 49–35), schwere (IQ 34–20) und schwerste Intelligenzminderung (IQ<20). style="font-weight: bold; color: rgb(255, 0, 0);" href="http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=954&sid=180#id589">Monitor-Sendung doch tatsächlich folgendes erklärte:
„Wir täten diesen Kindern Unrecht, wenn wir ihnen nicht eine differenzierte Förderung zukommen ließen, und sie dann in ein Regelsystem geben würden, wo diese Kinder weniger Chancen haben, als wie in einer Förderschule."
Der Prof. Hans Wocken, Erziehungswissenschaftler entgegnet:
"Genau das ist falsch! Es gibt Untersuchungen zur Wirksamkeit der integrativen Förderung von lernbehinderten Schülern. Und es ist internationales Forschungsergebnis, dass die lernbehinderten Schüler in allgemeinen Schulen in ihren Leistungen besser gefördert werden, als auf jeder Förderschule. Es gibt nicht eine einzige seriöse, wissenschaftliche Untersuchung, die eine höhere Lernwirksamkeit der Förderschule belegt.“
Aber es birgt eben auch Gefahren sich nach diesen Studien zu richten – womöglich machen dann mehr Schüler einen Abschluß, der Durchschnitts-IQ steigt und am Ende studieren noch mehr Schüler!
Das wäre natürlich eine echte Hiobsbotschaft für die CDU-Parteistrategen.

Wer soll dann die Merkel-Rüttgers-Partei noch wählen?

Samstag, 26. Januar 2008

Monitor ist Panorama.

Tja, da ist Herrn Michael Schlieben in der ZEIT ein Fauxpas unterlaufen.
Gestern hatte ich ihn mit folgendem Satz zitiert:

Der CDU-Fraktionschef im Landtag sagt dem ARD-Magazin Monitor, Menschen, die „Scheiß-Deutsche“ sagten wie jene Schläger in München, gehörten ausgewiesen. Eine völlig absurde Forderung.

Der Wagner von der Hessen-CDU ist zwar tatsächlich mit diesen abstrus-absurden Gaga-Aussprüchen aufgefallen, aber das hat PANORAMA recherchiert und nicht Monitor.
So geht es einem, wenn man nicht genau nachsieht.
Mea culpa.
Umso nachlesenswerter ist das Skript der Panorama-Recherche, das einmal mehr zeigt, daß es offenbar keine Hessen-CDU’ler gibt, die NICHT grundsätzlich lügen.
Hier tut sich unter anderem auch die hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler hervor. Erst 30 Jahre alt und erst seit 2002 im Bundestag, hat sie schon vollkommen das lügnerische Grundverhalten ihrer Co-CDU’ler übernommen und behauptet bei jeder Gelegenheit, daß es eine neue Deutschenfeindlichkeit gäbe. Sie drückt das in der ureigenen hessischen xenophobischen Aufhetzersprache so aus:

„Wir stellen fest, dass es in Deutschland zunehmend auch eine deutschenfeindliche Gewalt von Ausländern gegenüber Deutschen gibt, weil das Deutsche sind. Also dass es nicht zufällig ist, dass sich ein Täter mit Migrationshintergrund ein deutsches Opfer sucht, sondern, dass er sich gezielt ein deutsches Opfer sucht, weil es eben ein Deutscher ist.“

Auf die Frage woher sie diese Erkenntnis nähme, lügt sie so dreist das Blaue vom Himmel runter, daß man durchaus die Durchschlagskraft der Koch’schen Schule bewundern muß:

„Was wir mitbekommen ist, dass dieses Phänomen in immer mehr Fällen ne Rolle spielt. Das sagen uns Polizisten, das sagen uns Staatsanwälte, das sagen uns Richter.“

Panorama fragte bei den entsprechenden Stellen nach – natürlich bestreiten aber alle drei Gruppen diese Aussagen. Des weiteren bezeiht sich Pinocchia Köhler auf Nachfrage ausdrücklich auf Prof. Pfeiffer:

„Da handelt es sich um Prof. Pfeiffer, ein bekannter Kriminologe, der sich sehr stark immer zu dem Thema Jugendgewalt äußert.“

Dieser kann sich nur wundern und kontert:

"Es gibt keine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung, die belegen würde, dass die Deutschfeindlichkeit zunimmt.“

Glückwunsch Frau Köhler – damit haben Sie ja Ihr Gesellenstück als Mitglied der Hessen-CDU abgeliefert!
Offenbar sind die hessischen CDU-Mitglieder ja generell nicht gerade demokratischen und anständigen Verhaltensweisen verdächtig. Auf den Wahlveranstaltungen, die der CDU-Fraktionsvorsitzende mit seinen unterirdischen Klopfern wie -

"Wer zu uns „Scheiß Deutsche“ sagt, der hat hier nichts mehr verloren. So.“

vergiftet, hauen die Mitglieder der CDU-Basis frei von der Leber weg ihre frisch aufgehetzten Gedanken in die Kamera. Auf die Frage nach ihrer Meinung zu Menschen, die „Scheiß Deutscher“ sagen, jauchen sie einem entgegen:

O-Ton:
„Wenn irgendwas, dann verschwinden die hier, nicht wahr! Ich muss, wenn ich woanders bin, auch fügen. Und das, was sich die hier alle erlauben hier, nicht wahr, das ist nicht rechtens, nicht wahr. Also wenn irgendwie, weg, nicht wahr, sofort, ohne langes Fackeln hier.“
O-Ton:
„Die gehören in ein schönes Arbeitslager mal gesteckt. Oder wir haben in den Wäldern, da haben wir Arbeiten noch und nöcher.“
O-Ton:
„Also muss doch einer sagen: „Jungs, passt mal auf, wenn ihr nicht hört, kriegt ihr eins auf die Löffel.“ Wäre ich voll dafür.“

Hielte man die Hessen-CDU-Mitglieder für repräsentativ für Deutsche, könnte man sich da nur ein Urteil über das Volk erlauben:
„Scheiß Deutsche!!!“
Da ich nicht so verbohrt wie die Hessen-CDU bin, glaube ich aber eine pluralere, intelligentere und sympathischere deutsche Gesellschaft und will nicht verallgemeinern. Hoffentlich werde ich diesbezüglich morgen bestätigt.

Dienstag, 13. November 2007

Korrupte korpulente Korpora

Es gibt eine UN-Konvention gegen Korruption, die aber ausgerechnet in Deutschland beim besten Willen nicht ratifiziert werden kann. Insbesondere Unionspolitiker fürchten sich davor, daß Ihre Verbindungen zur Wirtschaft aufgedeckt werden – hat doch hierzulande die Lobby einen derartigen Einfluß auf die Politik, wie noch fast nirgendwo.
So diktierte die Tabakindustrie den Text für das Nichtrauchergesetz und ganz selbstverständlich empfingen Merkel und Zöller noch am Morgen der Abstimmung über die Gesundheitsreform die Cheflobbyisten der Privatkrankenkassen in ihren Büros. Von der Lobby bezahlte Mitarbeiter sitzen sogar in vielen BUNDES-Ministerien und LANDES-Ministerien und schreiben ihnen genehme Gesetzestexte, wie das Magazin MONITOR aufdeckte.
Obwohl Deutschland sogar dazu verpflichtet ist die UN-Beschlüsse umzusetzen, sitzt der Bundestag diese brisanten Fragen einfach aus, weil nun mal die CDU diesbezüglich nicht aktiv werden will.
Es fehlt schlicht der politische Wille. Die Skandale sind wohl nicht groß und nah genug an der Politik dran. – so Christian Ströbele.
Transparency International Deutschland hat nun ganz gezielt den Hamburger Senat attackiert.
Wie korrupt ist Hamburg? Zu korrupt, meint Peter Eigen, Gründer der Organisation "Transparency International". Er fordert den Senat auf, eine Schwarze Liste einzuführen. Firmen, die bestechen, sollen so keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten. Solch ein Korruptionsregister hatte die CDU erst 2005 abgeschafft. In den 90er Jahren hätte sich die Union im Bund vehement gegen Korruptionsgesetze gewehrt. "Erst Rot-Grün änderte das", so Eigen. Nur: Dann bremsten unionsregierte Länder wie Hamburg das Vorhaben im Bundesrat aus.
So hart sich die Union auch gerne gibt wenn es gegen Kleinkriminelle, Drogensüchtige, Schulschwänzer und Hartz-Betrüger geht, so lasch ist sie wenn es um die großen Millionen – und Milliardenschweren Nadelstreifenverbrecher geht.
Da werden sofort die sanftesten Samthandschuhe übergestreift und so blockiert Ole – der allseits beliebte Bürgermeister – jede Möglichkeit gegen Korruption vorzugehen.

Daß es auch ehrliche Unternehmen geben könnte, die durch die kriminellen Bestechungsmachenschaften zum Beispiel in der Baubranche geschädigt werden und die daher zu schützen wären, ist der CDU offenbar bisher noch nicht aufgefallen.