TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Freitag, 3. Februar 2012

Rechts bläst sich auf, links lässt sich die Luft raus.


Die SPD scheißt in jede Hose, die man ihr hinhält"
 - so lautete die alte, von Dieter Hildebrandt aufgestellte Regel.

Sigmar Gabriel geht aber sogar noch einen Schritt weiter. Er antizipiert schon Monate vorher welche Hose ihm vielleicht eines Tages hingehalten werden KÖNNTE und scheißt schon mal prophylaktisch los.

Nach der 2009er Wahl hatte man geunkt die SPD wäre bald Geschichte. Eine Traditionspartei in Lyse.
Stattdessen löste sich aber die FDP auf und auch die CDU produzierte Skandal um Skandal, in dessen Folge grüne und rote Umfragewerte so anstiegen, daß eine erneute SPD-Kanzlerschaft geradezu wahrscheinlich schien.

Die SPD auf dem Weg zum Wahlsieg?

Das konnte die Parteispitze natürlich nicht auf sich beruhen lassen und machte sich mit Atheistenbashing, Papst-Schleimerei, unausgegorener Außenpolitik und debakuliernder Generalsekretärin wieder klein genug, um maximal als Juniorpartner einer CDU in die Regierung zu gelangen.

Merkel, die Frau, welche die Hauptverantwortliche für das über zwei Jahren anhaltende Regierungsdebakel ist, die den Unglückskoalitionsvertrag aushandelte und keinen Minister führen kann, wird von der SPD so sehr gefürchtet, daß Gabriels Darm-Peristaltik schon jetzt im Angesichts der Bundestagswahl im Herbst 2013 versagt.

Die SPD war in Klausur. Sitzungsthema: die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Als die Genossen fertig geredet hatten, hat Sigmar Gabriel gesagt: "Es geht nicht um einen Wahlkampf gegen Kanzlerin Merkel." Nur zur Erinnerung: Der Mann ist Parteichef der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Erster Gedanke: Ist ein Arzt im Raum?
Zweiter Gedanke: Wer rettet die deutsche Sozialdemokratie vor ihren Funktionären?
Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier treten zwar als Führungstrio der SPD auf. In Wahrheit sind sie aber die drei Fragezeichen der deutschen Innenpolitik. Es ist rätselhaft, wie ein Kurs, der im Jahr 2009 ins Abseits geführt hat, im Jahr 2013 ins Ziel führen soll. Was ist das? Ein freudscher Wiederholungszwang?
Steinmeier hat schon einmal versucht, die Kanzlerin in ihrem eigenen Spiel zu schlagen: Er hat jedes Profil vermieden und war freundlich bis zur Unkenntlichkeit. Aber Merkel ist die kühle Meisterin der Macht. Sie regiert, als habe sie fernöstliche Weisheit mit Stäbchen gegessen: Sie will nichts, weil im Wollen der Verzicht liegt. Sie hat keine Visionen, weil Visionen den Blick verengen. Sie bekämpft niemanden, weil der Kampf neue Feinde schafft. Wie wollte Steinmeier gegen die unkenntliche Kanzlerin mit noch mehr Unkenntlichkeit auftrumpfen? Hätten die Wähler würfeln sollen, wo sie ihr Kreuz machen?

(Jakob Augstein 02.02.2012)

Der SPD-Führung fällt nichts ein wofür man Frau Merkel kritisieren könnte?

Und das angesichts einer Merkel-Bilanz, die jeden viertklassigen Hobby-Blogger täglich mit Anti-Merkel-Material versorgt.

Ich fürchte ich kann jetzt nicht verbal darstellen, wie ich den Gabriel-Satz "Es geht nicht um einen Wahlkampf gegen Kanzlerin Merkel“ bewerte, weil ich dann indiziert würde.

Naja.
Immerhin haben wir hier mal wieder einen fundamentalen Unterschied zwischen SPD und CDU herausgearbeitet:

So sehr wie die Sozen vor Angst schlottern mit irgendeiner Meinungsäußerung anzuecken, fehlen den CDU’lern alle vernünftigen Hemmungen.

Auch ohne die geringste Sachkenntnis hauen sie die größten Klopfer raus. Statements, die von einer solchen geistigen Unterentwicklung zeugen, daß man instinktiv schon die „112“ wählt, um die Männer in den weißen Kitteln zu rufen.

Die vergangene Woche wimmelte mal wieder von derben Unions-Blödheiten, die eigentlich dazu führen müßten, CDU und CSU auf FDP-Niveau zu schrumpfen.
Gröhe und Dobrindt wollen die LINKEn wegen staatsfeindlicher Umtriebe verbieten lassen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling, Mitglied der Enquetekommission "Internet und digitale Gesellschaft" breitet im Handelsblatt eine geistig so retardierte Anti-Internet-Hetze aus, daß er binnen kürzester Zeit zur globalen Witzfigur avanciert.

Der Text ist auf eigentümliche Weise lesenswert, weil er schön demonstriert, was herauskommt, wenn man versucht, das komplexeste Gebilde in der Geschichte der Menschheit zur Person, zum Feind zu erklären. Die "Netzgemeinde" hat am Montag eine Menge Spaß mit Heveling, der im "Handelsblatt" das getan hat, was man im Netz "trollen" nennt: Provozieren um der Provokation willen. Nun trollt die Gemeinde zurück. Unter dem Hashtag #Hevelingfacts sammeln sich Anachronismus-Witze wie: "Ansgar Heveling ist in Eile, er muss das Drei-Uhr-Drehflügelflugzeug nach Belgisch-Kongo erreichen." Oder: "Ansgar Heveling hatte 1962 die Beatles weggeschickt mit den Worten: 'Gitarrenmusik ist ohnehin nicht gefragt.'"
(Christian Stöcker 30.01.12)

Wie kann es sein, dass dieser Mann für seine Partei in der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft sitzt - und dann folgende Sätze schreibt? "Auch die digitale Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel digitales Blut bis dahin vergossen wird."

(Stefan Plöchinger 30.01.12)

Nein, ernst nehmen kann man so einen offensichtlichen Volltrottel wie den CDU-Internet-Mann Heveling nicht. Er liefert aber gutes Witzmaterial und illustriert nebenbei, weswegen die Piraten so hipp sind.

Heveling ruft "Bürger" zum Kampf gegen die "digitalen Horden" auf, er hat offenbar eines nicht verstanden: Es geht nicht um ein paar netzaffine Hempel, die ihre randständigen Ansichten durchdrücken wollen. Leute, die große Teile ihres Arbeitslebens und ihrer Freizeit im Netz verbringen, die das Web 2.0 nutzen und das ohne zu große Beschränkungen auch gerne weiter tun würden, sind keine Minderheit - nicht mehr. Dieses Missverständnis ist in der Regierung weit verbreitet, das demonstrieren all die Uhls und Friedrichs in der Union im Wochentakt.
Heveling könnte es besser wissen. Er sitzt in der Enquetekommission für Internet und Digitale Gesellschaft - diesem Gremium, das seit fast zwei Jahren versucht, einen Dialog zwischen Netzöffentlichkeit, Lobbyisten und Politikern über netzpolitische Fragen zu stimulieren. Mit seinem Text dokumentiert Heveling, wie spektakulär dieser Versuch, ins Gespräch zu kommen, gescheitert ist.

(Maike Laaff 31.01.12)

Um die Troika der Trottel zu komplettieren, versuchte sich auch noch die tiefbraune Merkel-Freundin Erika Steinbach in den „Neuen Medien“ und twitterte ihre hetzerisch-verlogen-perfide Ansichten zur Nazivergangenheit in die Welt.
Polenschreck Steinbach liegt dabei ganz auf Kreuznet-Linie, denn sie weiß, daß die Nazis LINKE waren.

Eine Nachricht, die die Angehörigen der Myriaden Sozialdemokraten und Kommunisten, die von den Nazis gefoltert, in KZs gesperrt und ermordet wurden, sicherlich verblüffen wird.

Die Vorsitzende des Bundes des Vertriebenen, Erika Steinbach, hat sich mit einem Nazi-Vergleich heftige Empörung der Linkspartei zugezogen. Auf Twitter schrieb die CDU-Bundestagsabgeordnete: "Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI".
[…] Am Nachmittag legte Steinbach dann noch einmal nach. "Interessant, alle Linken sind aus ihren Löchern gekommen. Provokation hat sich gelohnt! Danke es war spannend."
(TS 02.02.12)

Aus der Union ist man an politischer Propaganda einiges gewöhnt.
Was ausgewiesene Konservative da zum Teil von sich geben, wird entweder aus der Mottenkiste des Antikommunismus hervorgeholt oder grenzt an den Tatbestand der Volksverhetzung. Mitunter auch beides. Wer sich regelmäßig im Ton vergreift, ist Erika Steinbach, Präsidentin des Bund der Vertriebenen und Menschenrechtspolitikerin der CDU. Erinnert sei an ihre Ausfälle zur »Mobilmachung« Polens vor etwa eineinhalb Jahren. Das jüngste Beispiel ihrer ganz besonderen Sicht auf die deutsche Geschichte: Die NSDAP sei eine linke Partei gewesen, behauptet sie.

(Christian Klemm 04.02.12)

Aber so ist das mit den CDU’lern - die trauen sich was und geben den größten Unsinn von sich. Schamgefühl Fehlanzeige.

Dem Urnenpöbel gefällt es deutlich besser, als die verdruckste „bloß nicht auffallen“-Strategie der Spezialdemokraten.

[Es gibt] für die schwarz-gelbe Koalition die beste Bewertung seit Amtsantritt im Herbst 2009. […]
Bundeskanzlerin Angela Merkel [
findet] breite Anerkennung über die politischen Lagergrenzen hinweg. Mit 64 Prozent Zustimmung erreicht sie die beste Bewertung seit Ende 2009. Vor allem aber gilt sie als integere Persönlichkeit .(ARD-Deutschlandtrend 02.02.12)

Montag, 23. Januar 2012

Es ist Deutschland hier.

Die 50er Jahre sind vorbei.
Gesellschaftlich betrachtet ist in dem halben Jahrhundert ein Quantensprung vollzogen worden. Uneheliche Kinder müssen sich nicht mehr für ihre Existenz schämen, Lehrer dürfen nicht mehr legal ihre Schüler verprügeln, Schwule werden Landesregierungschefs und Außenminister, ein adoptierter Asiate Vizekanzler und Kanzler ist gar eine geschiedene Frau.

So weit, so gut.

Die große Toleranz ist aber nicht wirklich in den Gehirnen angekommen; man ist nicht wirklich tolerant, sondern akzeptiert zähneknirschend.
Abgesehen davon, daß Westerwelle einfach ein abstoßender Typ und miserabler Politiker ist, wünschen sich sicher viele Konservative einen heterosexuellen Außenminister zu haben.

Die Verbrechen der NSU und Breiviks werden außerhalb der Redaktionsstuben von PI und Kreuznet sicher von der überwältigenden Mehrheit der Deutschen verurteilt.

Aber den halben Weg in die Denkrichtung „zu viele Ausländer, zu viele Muslime,….“ gehen nach verschiedenen Umfragen ein Viertel bis ein Drittel der Deutschen mit.

Der deutsche Antisemitismusbericht liefert - WIEDER EINMAL - Erkenntnisse, für die man sich nur in Grund und Boden schämen kann.
In Deutschland existiert ein Bodensatz aus rund 20% „latenten“ Antisemiten.

Judenfeindlichkeit und negative Stereotypen ziehen sich durch fast alle Bereiche der deutschen Gesellschaft, so das Fazit einer unabhängigen Expertenkommission, die den 204-Seiten-Report zum ersten Mal im Auftrag des Bundestags verfasste und am Montag in Berlin vorstellte.
Nicht nur in rechtsextremen und islamistischen Milieus, auch im Alltag ist der Antisemitismus in "erheblichem Umfang" in der deutschen Gesellschaft verankert, heißt es in der Studie. Es gebe mittlerweile eine "bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitete Gewöhnung an alltägliche judenfeindliche Tiraden und Praktiken". "Antisemitismus in unserer Gesellschaft basiert auf weit verbreiteten Vorurteilen, tief verwurzelten Klischees und auf schlichtem Unwissen über Juden und das Judentum", sagte der Historiker Peter Longerich.
(SPON 23.01.12)

Diese umfassende Studie wurde noch vom Vorgängerbundestag im Jahr 2008 in Auftrag gegeben.
Irgendwelche Aktivitäten der Bundesregierung gegen den Antisemitismus vorzugehen sind nicht bekannt.

Dabei ist Judenfeindlichkeit ein erstaunliches Phänomen - es tritt nämlich auch und vor Allem ohne Juden auf und ist unter ostdeutschen Jugendlichen aus ländlichen Gegenden am weitesten verbreitet.
Also dort wo praktisch überhaupt keine Juden leben.
Ebenso sieht sich auch die NPD in den Landkreisen "von Ausländern überschwemmt", wo es unter ein Prozent Migraten gibt.
In Hamburg hingegen gibt es fast 500.000 Menschen mit "migrantischem Hinetrgrund" - eine Quote von gut 27 %; aber keine NPD, die damit punktet vor zu vielen Ausländern zu waren.

Den Glatzköpfen in den Klassenräumen ist also auf irgendeine Weise über Dritte ein Hass auf eine Bevölkerungsgruppe anerzogen worden, die sie selbst noch nie zu Gesicht bekommen haben.

Psychologen weltweit erklären, daß Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Misogynie und Xenophobie nicht angeboren sind.
Kinder müssen das erst in ihren Elternhäusern, im Internet, in der Schule lernen.
Und sie erlernen es sehr schnell. „Schwule Sau“ oder „Jude“ sind schon auf dem Grundschulhof gängige Schimpfworte. Rechtsextreme Websites sind sehr effektiv.

Da läuft in der kindlichen Erziehung einiges völlig verkehrt.

Antisemitismus gibt es weltweit; vollkommen unabhängig davon, ob es an dem Ort überhaupt Juden gibt.

In Deutschland scheint der Anteil der antijüdischen Gedanken aber immer noch etwas höher als in anderen europäischen Ländern zu sein.
Der Grund ist offenbar der Holokaust, „den die Deutschen den Juden nie verzeihen werden.“

Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex hatte einst gewitzelt: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Damit wollte er sagen, die Juden seien lebende Denkmäler deutscher Schuld. Und Schuldgefühle wird man am besten los, indem man das eigene schlechte Gewissen auf andere projiziert: Die Juden sind an ihrem eigenen Unglück und dem anderer schuld.
(Josef Joffe 13.11.2003)

Ich halte viel von Zvi Rex‘ Theorie.
Juden erinnern die Deutschen immer an ihre Geschichte und das ist keine schöne Erinnerung. Das macht sie sauer.
Ähnlich sieht es der Soziologe Werner Bergmann, Professor am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, welcher einer der Autoren der Bundestagsstudie ist.

Bergmann: Ich denke, gerade in Deutschland fühlt man sich durch das Dritte Reich und den Holocaust mit Schuld belastet, die man dadurch abzuwehren versucht, dass man den Juden selber bestimmte "Schandtaten" oder negative Eigenschaften zuschreibt. In Bezug auf Israel ist deutlich, dass dort sehr häufig mit Begriffen operiert wird wie "Apartheids-Staat" oder "Rassengesetze". Man vergleicht den Gaza-Streifen mit dem Warschauer Ghetto, oft ist die Rede von einem Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser oder von Genozid - das sind deutliche Zeichen dafür, dass man sagen möchte: "Die Juden sind eigentlich auch nicht besser als wir, also dürfen sie uns nicht immer unsere Verbrechen während des Holocausts vorhalten."
Wenn man sich die Umfrageergebnisse anschaut, gibt es einen sehr hohen Anteil an Befragten, die sagen, sie ärgern sich, den Holocaust immer noch vorgehalten zu bekommen. Dann wird gefragt, wer ein Interesse daran habe und geschlussfolgert, dass die Juden dies aus wenig moralischen Interessen heraus täten. Der Nahost-Konflikt ist also ein Mittel, so eine Täter-/Opfer-Umkehr oder eine Aufrechnung zu formulieren.
[…]

tagesschau.de: Gibt es eine Vermengung von Rassismus und Antisemitismus?

Bergmann: Ich denke, dass es doch etwas Verschiedenes ist. Die Untersuchungen zeigen, dass die Ablehnung von Zuwanderung, von fremden Gruppen und der Rassismus sich primär auf ein Über- und Unterordnungsverhältnis gründen. Man sieht sich selbst als überlegene Gruppe und andere als weniger wert an. Ungleichwertigkeit ist hier das zentrale Moment.
Gegenüber den Juden besteht eigentlich eher umgekehrt ein Gefühl der Unterlegenheit. Man erkennt ihre Leistungsfähigkeit also durchaus an, sieht das aber als Bedrohung der eigenen Gruppe. Der Rassismus spielt Juden gegenüber nicht eine so zentrale Rolle. Auf der extrem rechten Seite geht das dann wieder zusammen, da spielt auch der Rassismus gegen die "fremde Gruppe" eine wichtige Rolle.

tagesschau.de: Wie haben sich judenfeindliche Einstellungen in Deutschland entwickelt?

Bergmann: Die Umfragen von 1949 zeigen, dass die am besten Gebildeten, die Akademiker, die am stärksten antisemitisch geprägte Gruppe waren, nicht etwa wie heute die am wenigsten Gebildeten. Da gibt es eine völlige Veränderung. Wir haben auch noch immer eine Altersstufung, das heißt, je älter die Leute sind, desto weiter sind antisemitische Einstellungen verbreitet. Das hat sich jetzt in den neuen Bundesländern etwas geändert, dort ist jetzt die jüngere Kohorte etwas stärker geprägt als die nächstältere Generation.
(TS 23.01.2012)

Wie weit der alltägliche Rassismus tief im bürgerlichen Milieu, konnte man gestern mal wieder in der Sendung „Cosmo-TV“ in der Geschichte über den kleinen Abel verfolgen.

Abel kam vier Monate zu früh mit einem Gewicht von 540 g auf die Welt.
Er hatte kaum Überlebenschancen. Seine leibliche Mutter war Roma, die sich zufällig in Köln befand und ihn zur Adoption freigab.
Antonia Manteras nahm ihn zu sich und Abel entwickelte sich zu einem Bilderbuchkind, das heute als Achtjähriger eine internationale Schule besucht, drei Sprachen spricht Geige spielt und jede Menge Interessen hat.

Ein Happy End?

Nun ja, als Frau Manteras ihren Nachbarn erzählte, daß Abels leibliche Mutter eine Roma sei, kam die völlig ernst gemeinte Frage:

“hast du nicht Angst, wenn er groß wird und anfängt dich zu beklauen?“

Antonia Manteras lernte hinzu und weiß heute, daß sie besser nicht jedem erzählt, daß die leibliche Mutter ihres Sohnes eine Roma ist.


Es ist Deutschland hier.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Wird alles gut?

Wie das so ist bei CDU’lern:
Sie finden alles liefe super unter Angela Merkel.

Zum Beispiel Maria Böhmer, die Integrationsbeauftragte sieht das so.

Na gut, vielleicht war es ein BIßCHEN unsensibel von den deutschen Behörden ein Mordserie an zehn Migranten zu übersehen und zu versuchen die Schuld den Angehörigen in die Schuhe zu schieben. Und irgendwie war es vielleicht auch nicht ganz ideal die Täter mit einer Hundertschaft von V-Leuten zu durchsetzen und zu cofinanzieren.

Staatsministerin Böhmer - eine der vielen ledigen und kinderlosen Pyknikerinnen, die Angela Merkel in ihrer Nähe besonders schätzt - sieht ihr Thema rosarot.

Böhmer stellte besonders die positiven Entwicklungen seit 2005 heraus: Seitdem machen mehr Ausländer Abitur, weniger Migranten sind arbeitslos und an den weiterführenden Schulen stieg der Anteil migrantischen Lehrpersonals sogar um deutliche 27 Prozent. Das Problem: Die Ungleichheit wird damit nur etwas weniger schlimm: Insgesamt bleiben Migranten im öffentlichen Dienst die Ausnahme, und auch wenn in den letzten Jahren tendenziell weniger Migranten ohne Abschluss von der Schule gehen, so sind es mit 7,6 Prozent immer noch mehr als dreimal so viele wie im Rest der Bevölkerung. Auch sind mit 12 Prozent Zuwanderer immer noch doppelt so häufig arbeitslos wie Einheimische.
(Gloria Veeser 12.01.12)

Die interessanten Fragen; beispielsweise ob sich zu wenige Migranten für Stellen in Öffentlichen Diensten bewerben, oder ob sie einfach nicht eingestellt werden, stellte Frau Böhmer besser gar nicht erst.

Die Zahlenreihen illustrieren auch weitere Defizite der Eingliederung, etwa bei der Anwerbung im öffentlichen Dienst. Hier hatten Bund und Länder vor Jahren vereinbart, sich mehr um Migranten zu bemühen, doch ihr Anteil hat seit 2005 sogar leicht abgenommen.
(Roland Preuß, SZ, 12.01.12)

Warum ist das so, wenn doch die Zahlen andererseits zeigen, daß Migranten besser gebildet sind, denn je?

Gute Qualifikation - gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Mit dem Irrtum räumte kürzlich eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn auf. Der zufolge erweist sich in Deutschland schon ein türkisch klingender Name bei der Bewerbungen als Handicap - obwohl der Bewerber die deutsche Staatsbürgerschaft hat und Muttersprachler ist. Experten warnen jetzt vor gravierenden Folgen, wenn der deutsche Arbeitsmarkt auf diese Weise weiterhin hoch qualifizierte Migranten verprellt.
Absagen trotz bester Qualifikation
(afp 10.03.10)

Zu klar ist es, daß bei gleicher Qualifikation die Bewerber mit den vielen „ü“s im Namen abgelehnt werden. Nicht von ungefähr strömen in Deutschland zu Akademikern ausgebildete Fachkräfte mit türkischen Wurzeln nach Istanbul.

Hinzu kommt nach Meinung der Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) eine verdeckte Diskriminierung von Migranten auf dem Arbeitsmarkt, die dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) entgegensteht. Denn danach dürfen unter anderem ethnische Herkunft, Abstammung und Nationalität keine Kriterien sein, um eine Person bei einer Bewerbung zu benachteiligen. Trotzdem müssen sich aber Migranten 3- bis 4mal häufiger bewerben als deutsche Arbeitnehmer.
(arbeits-abc)

Da bleibt gerade für die Vorzeige-Zuwanderer, deren Muttersprache deutsch ist und die einen Universitätsabschluß haben nur die Auswanderung.
Sie haben schließlich anderswo exzellente Chancen. Zurück in Deutschland bleiben dafür die Doofen und Ungebildeten.

Abwanderungsgedanken bei vielen türkischen Akademikern.
[Kamuran] Sezer, der mit seinem Marktforschungsinstitut futureorg unter anderem das Thema Arbeitsmigration beackert, verweist darauf, dass sich die Zahl der Auswanderer mit deutschem Pass in die Türkei seit 2002 auf 4600 pro Jahr vervierfacht hat. Sezer und andere Experten gehen davon aus, dass ein Großteil von ihnen Deutsch-Türken sind, unter ihnen auch viele Akademiker. Genauere Untersuchungen liefen gerade, sagt Sezer. Sein Institut fand in einer Studie heraus, dass 36 Prozent der türkischen Akademiker sich mit Abwanderungsgedanken trügen.
(afp 10.03.10)

Böhmers Bericht berücksichtigt das nicht, sondern listet die positiven Details auf.

Die Migranten gliedern sich zwar immer besser ein in die Gesellschaft, doch es bleiben gravierende Unterschiede zu den einheimischen Deutschen.
Dies macht sich bereits bei der frühkindlichen Bildung in Kindertagesstätten bemerkbar, die als Grundlage für gutes Deutsch gilt. Dem Bericht zufolge lassen Zuwandererfamilien ihre Kinder unter drei Jahren zu 12,2 Prozent und damit viel seltener in einer Kita betreuen als andere (27,7 Prozent). Bei Kindergartenkindern ab drei Jahren schrumpft diese Lücke deutlich (rund 86 Prozent im Vergleich zu 95), der Zuwachs bei Migranten sei sogar deutlicher ausgefallen als bei den übrigen Bürgern, schreiben die Autoren vom Kölner Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik sowie vom Wissenschaftszentrum Berlin.
(Roland Preuß, SZ, 12.01.12)

Diese verhaltenen Trippelschritte zum Guten versucht die Merkelregierung aber unter allen Umständen zu konterkarieren, indem sie eine Herdprämie an diejenigen auszahlt, die ihre Kinder vom Deutschlernen abhalten, indem sie nicht in KITAs gebracht werden.
CSU und Kristina Schröder stehen für diese vielleicht irrsinnigste politische Entscheidung einer deutschen Regierung seit der Torpedierung eines sinnigen Zuwanderungsrechtes von 1999.



Selbstredend lehnen CDU, CSU und FDP auch das Projekt „Anonymisierte Bewerbungen“ ab, welches solche Fälle verhindern soll:

Vor rund anderthalb Jahren verlor Nazir Ahmad* seinen Job als Ingenieur in einem Zulieferbetrieb für Siemens. Seine ganze Abteilung wurde geschlossen. 20 junge Ingenieure waren auf einmal arbeitslos. Mittlerweile haben alle wieder Arbeit gefunden - nur Ahmad schreibt noch immer Bewerbungen.
An seiner Qualifikation könne das nicht liegen, sagt er. Ahmad hat sein Ingenieursstudium in Hamburg mit Bestnoten abgeschlossen. Ahmad spricht fünf Sprachen fließend, hat internationale Erfahrungen - und seit zwei Jahren einen deutschen Pass.
Aber der 32-Jährige hat zwei Probleme: "Ich bin Moslem und ich bin schwarz." Ahmad glaubt, dass er auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert wird. Beweisen kann er dies freilich nicht.
"Es ist komisch, dass Nazir meist nicht einmal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommt", sagt Stefan Schmidt, einer von Ahmads ehemaligen Kollegen beim Zulieferer. Schmidt hatte schon nach sechs Wochen einen neuen Job in Stuttgart. Schmidt ist wie Ahmad 32 Jahre alt, hat wie Ahmad in Hamburg Ingenieurswissenschaften studiert, aber deutlich schlechter abgeschlossen. Schmidt war nie im Ausland und spricht nur Englisch als Fremdsprache. Für ihn steht fest: "Menschen mit Migrationshintergrund haben in Deutschland nicht die gleichen Jobchancen."
[…] Die ADS [Antidiskriminierungsstelle] hat das Projekt verschiedenen Unternehmen, der Stadt Celle und dem Familienministerium gestartet und hofft, dass das Verfahren Schule macht. (…) Anonymisierte Bewerbungen sind in den USA und Frankreich längst Usus. "Wir wollen den Blick auf die reine Kompetenz schärfen", sagt Christine Lüders. Die Personalmanager sollen allein anhand der Qualifikationen entscheiden, wer zum Vorstellungsgespräch geladen wird. Ab dann sind die Karten natürlich offen, das heißt, nachdem die Einladungen verschickt wurden, erhalten die Personaler alle Unterlagen der Bewerbenden. Theoretisch wäre es dann immer noch möglich, Ältere, Frauen oder Ausländer unter einer fadenscheinigen Begründung abzulehnen, "aber dann hatten sie wenigstens eine Chance und darum geht es", sagt Lüders.
(mig mag)

Statt sich frustriert hängen zu lassen, wählen überdurchschnittlich viele Menschen mit ausländischen Wurzeln den Weg in die Selbstständigkeit.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 300.000 von „Migranten“ betriebene Unternehmen. Migranten sind also ein gigantischer Jobmotor und bringen reichlich Steuern in die Staatskasse. In manchen Gegenden bilden sich regelrechte Ausländer-Cluster, die mit ihrer Energie die Wirtschaft pushen.

Laut einer Untersuchung des Essener Zentrums für Türkeistudien sind türkischstämmige Selbstständige ein wichtiger Motor für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen geworden. Seit 1985 hat sich die Zahl der türkischen Unternehmen von 7.000 auf 24.000 erhöht. Die Zahl ihrer Beschäftigten versechsfachte sich auf 120.000. Bis 2006 haben türkische Unternehmer 2,8 Milliarden Euro in Nordrhein-Westfalen investiert. Mehr als die Hälfte der 24.000 Selbstständigen ist in der Metropole Ruhr zu finden. Damit ist die Region die Hochburg türkischer Unternehmer in NRW. Im Jahr 2006 erwirtschafteten türkische Unternehmen ein Umsatzvolumen von 11,2 Milliarden Euro.
(Metropole Ruhr)

Aber natürlich werden nicht rein deutsch aussehenden Menschen bei der Unternehmensgründung Knüppel zwischen die Beine geworfen - „es ist Deutschland hier!“

Migranten haben es als Firmengründer schwerer.
Migranten gehören zu den dynamischsten Firmengründern in Deutschland, die längst auch hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Doch noch immer sind viele Banken nicht bereit, die Selbstständigkeit mit Krediten zu fördern.
[….] Während die Gründungen in Deutschland insgesamt rückläufig sind, steigt die Zahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund weiter an. Jede neunte Firma wird nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) heute bereits von Migranten gegründet. Angesichts der demografischen Entwicklung sei es "gesamtwirtschaftlich wichtig, das Gründungspotential von Migranten zu erschließen", heißt es im aktuellen Gründungsreport.
Denn es könnten noch viel mehr sein. Deutschland müsse ein stärkeres Interesse am Erfolg der Gründer entwickeln, sagt der Mittelstandsforscher René Leicht von der Universität Mannheim. Migrantenselbstständigkeit sei ein wichtiger Arbeitsmarktfaktor und müsse genutzt werden. "Es wird volkswirtschaftliches Kapital verschleudert, wenn die Gründer nicht gründen können, weil ihnen zum Beispiel das Geld fehlt", sagt Leicht.
(Welt 2008)

Eine von Fipsi in Auftrag gegebene Studie des Beratungsunternehmens Evers & Jung kommt zu dem Schluß, daß die Unternehmensgründungsfreude dennoch eher ansteigt.
Ein Drittel der in Deutschland neu gegründeten Betriebe hat inzwischen nichtdeutsche Wurzeln.
Dabei handelt es sich wohl auch um so eine Art Notwehr, da die alteingesessenen deutschen Firmen motivierten und gut ausgebildeten Ausländern keine Chance geben.

Geradezu hyperaktiv im Vergleich zu den trägen Deutschen sind die Polen, die schon ihr eigenes Land als einziges in der gesamten OECD mit einem Wirtschaftswachstum durch die Krisenjahre 2008 und 2009 gepusht hatten.

Verändert hat sich laut der Untersuchung in den vergangenen Jahren vor allem die Herkunft der selbstständigen Migranten. 2005 gingen noch fast ein Drittel der Existenzgründungen durch Ausländer auf das Konto von Menschen aus Ländern, aus denen die Bundesrepublik früher die sogenannten Gastarbeiter anwarb, wie Italien oder der Türkei. 2009 kamen nur noch etwa ein Fünftel der ausländischen Gründer aus diesem Kreis. Große Zuwächse gab es dagegen bei den Gründern aus Osteuropa. Dies spiegelt sich auch in der Selbstständigen-Statistik wider: 2003 waren darin noch die Italiener stärkste Gruppe, gefolgt von den Türken, die später in dieser Rangliste zur Nummer eins aufstiegen.
Inzwischen stehen die Polen auf Platz eins. Sie seien "mit Abstand am gründungsaffinsten. Bezogen auf ihren Anteil an allen Erwerbspersonen versuchten sie sich 15-mal häufiger mit der Selbständigkeit als Deutsche", schreiben die Forscher.
(Thomas Öchsner 29.12.2011)

Sonntag, 1. Januar 2012

Impudenz des Jahres 2011

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender zweimal die „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Jahres zu küren.

Das war eine schwere Geburt; bei all den Pleiten, Pech und Pannen war die Auswahl gigantisch.
Alles so schön bunt hier.
Ich fühlte mich ein wenig wie ein Ossi, der 1989 erstmals einen westlichen Supermarkt betritt und vor den endlosen Regalen glatt vergisst, was er eigentlich am dringendsten benötigt.

Guttenberg, Wulff, Landeskriminalämter, Verfassungsschutz, der ewige Ratzinger, Romney, Gingrich, Bachmann, Perry, Cain, Rösler, Merkel, K. Schröder, Cameron, Berlusconi, Nahles, Thierse, Matussek, Broder, PI, Krätznet, die USA, Assad, Mubarak, Maschmeyer, die Spanischen Wähler, Ungarn, Orban, Tebartz-van-Elst, Overbeck, ….und die Liste der Aspiranten für den Titel des größten Idioten des Jahres ließe sich beliebig verlängern.

Raptus, progressive Paralyse und vollständige geistige Verblödung überall.

Summa summarum war für mich aber der größte Ausbund an Verblödung die devote Unterordnung fast des gesamten Bundestages unter den Papst!

Trotz einer überwältigen Menge von hier in zehn Postings ausgebreiteten Argumenten, die gegen die Ehrung des obersten Beschützers der Pädophilen sprachen, übten bis auf einige wenige Grüne und Sozis, sowie der halben LINKE-Fraktion alle Volksvertreter den katholischen Kotau.

Sie demütigten all die Opfer der pädosexuellen Gewalt durch Katholische Geistliche a posteriori noch ein weiteres mal.
Sie traten die Verfassung mit Füßen.

Schon bevor der Pontifex überhaupt gesprochen hatte, wurden die Kritiker mit einer Kaskade aus Lügen und Verdrehungen vorgeführt.

Besonders unangenehm tat sich dabei der Bundestagsvizepräsident Thierse hervor, der die Atheisten mit Unwahrheiten, Diffamierungen und schweren historischen Patzern eindeckte. Solidarität mit den vom Papst Diffamierten und Gedemütigten kam dem Sozialdemokraten Thierse nicht in den Sinn.
Er inszenierte sich selbst beim Papstbesuch zunächst extrem unsolidarisch gegenüber der Mehrheit der Nichtkatholiken in Deutschland und demonstrierte dann insbesondere bei der Papstmesse seine tiefsitzende Abneigung gegenüber der Solidarität.

Er mochte keine Solidarität mit dem Toppolitiker Deutschlands und Co-Katholiken Christian Wulff zeigen.

Wie inzwischen jeder Lokalkolumnist ausgegraben hat, lebt Wulff in den Augen des Pontifex in wilder Ehe mit einer protestantischen "Kebse".
Damit hat er das heilige Sakrament der Ehe gebrochen und sich gewissermaßen selbst exkommuniziert.
Der Papst hat dazu eine klare Haltung: Strikte Unbarmherzigkeit.

Bei der Rede des Papstes im Bundestag saß [der Bundespräsident] staunend daneben, und aus seinem Gesichtsausdruck war der deutliche Wunsch abzulesen, wenigstens einmal im Leben auch so gut reden zu können wie der alte Mann am Pult. Und später dann, bei der Messe im Berliner Olympiastadion, musste Wulff, der geschiedene Katholik, bedröppelt am Rand sitzen bleiben, weil er als in Sünde Lebender von der Abendmahlsfeier ausgeschlossen war.
(Stefan Kuzmany 23.09.2011)

Wäre Thierse ein wahrer Sozialdemokrat, hätte er sich mit dem Kollegen Wulff solidarisiert und ihn nicht in der Schande allein gelassen, während Thierse sich die Mundkommunion verpassen ließ.

Was wäre das für ein starkes, SOLIDARISCHES Signal an den Unbarmherzikus Maximus gewesen, wenn die politischen Kollegen des ausgestoßenen Wulffs ebenfalls auf die Kommunion verzichtet hätten und den Papst auf seinen Hostien sitzen gelassen hätten!

Aber nicht so Thierse.

Ihm gefiel es umso mehr sich am Leib Christi zu laben, während Wulff neben ihm nach dem päpstlichen Segen dürstete.



Was ist das eigentlich für ein eigenartig-egoistischen Staatsverständnis, das Thierse (stellvertretend genannt) hier öffentlich zelebriert?????

Und schließlich gaben die Abgeordneten ihrer umfassenden Unbildung auch nach der Papstrede durch ihre stehenden Ovationen Ausdruck.
Das Auditorium klatschte begeistert für im Grunde unhaltbare Positionen.

Ratzingers Politik ist es Holocaustleugner zu rehabilitieren, Juden zu diffamieren, indem die Karfreitags-Fürbitte wieder eingeführt wurde und insbesondere den Juden „Schmerzen zu bereiten“ (Salomon Korn), indem er die Heiligsprechung des Hitler-Papstes Pius XII betreibt.

Es tat weh, daß auch ein gebildeter Mann wie Prantl seinen Verstand abschaltete und faktenwidrig in Lobeshymnen über die Papstrede ausbrach.

Unberührt von jeglicher historisch-philosophischer Bildung applaudierten alle Fraktionen dem alten Holocaustleugnerfreund zu seinen Ausführungen über das „Naturrecht.“

Ein Recht, das nach päpstlichen Verständnis über dem Grundgesetz steht und aus dem sich die diskriminierenden Vorschriften gegenüber Frauen und Homosexuellen ableiten lassen.

„Unwürdig“ war – abgesehen von wenigen Ausnahmen – auch die Berichterstattung in den deutschen Medien. Im Fernsehen, im Radio, in den Printmedien wurden regelrechte Jubelarien auf den Papst angestimmt. Unterschiede zwischen Boulevard-Journalismus und Feuilleton verschwanden zunehmend – nicht nur die BILD feierte „ihren“ Papst, auch die „seriöse“ FAZ stimmte fröhlich in den frommen Jubelchor ein. Dass die FAZ ihren Bericht über die Papstrede im Bundestag mit „Missionar der Vernunft“ betitelte, bezeichnete gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon als „besonders skandalös, da man davon ausgehen muss, dass die FAZ-Reporter im Unterschied zu anderen Berichterstattern verstanden haben dürften, was der Papst im Bundestag sagte“.

Krasse Geschichtsverfälschung

Als „krasse Geschichtsverfälschung“ wertete Schmidt-Salomon, dass der Papst vor dem Parlament behauptete, „dass die Idee der Menschenrechte und die Idee der Gleichstellung aller Menschen von der Überzeugung eines Schöpfergottes her entwickelt worden sei. Denn diese Rechte mussten von säkularen Kräften gegen den erbitterten Widerstand der kirchlichen Schöpfungsgläubigen erstritten werden. Über viele Jahrzehnte haben Päpste, Kardinäle, Bischöfe die Menschenrechte als gotteslästerliche Selbstanmaßung verdammt. Dies ist eine ebenso unbestreitbare Tatsache wie der scharfe Protest der katholischen Kirche gegen die Gleichstellung von Mann und Frau im deutschen Grundgesetz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass FAZ-Reportern diese historischen Hintergründe völlig unbekannt sind.“

Naturrechtsidee als Basis überholter Moralvorstellungen

Seriöse Journalisten sollten, so Schmidt-Salomon, auch wissen, warum Benedikt XVI. ausgerechnet das „Naturrecht“ zum zentralen Thema seiner Bundestagsrede machte: „Das Insistieren auf eine naturrechtliche Begründung von Rechtsnormen hat selbstverständlich nichts mit den Überzeugungen eines ‚grünen Papstes‘ zu tun, wie schlecht informierte Medienleute in die Welt hinausposaunten. Tatsächlich geht es hier um die vermeintliche ‚Natürlichkeit‘ beziehungsweise ‚Widernatürlichkeit‘ menschlicher Verhaltensweisen. Homosexuelle Handlungen beispielsweise gelten aus Sicht der katholischen Naturrechtslehre als ‚widernatürlich‘, da sie angeblich dem ‚göttlichen Heilsplan‘ widersprechen. Als Benedikt XVI. in seiner Rede gegen den Positivismus und für das Naturrecht argumentierte, verteidigte er damit nicht nur eine längst widerlegte philosophische Position. Letztlich rief er dazu auf, die säkularen Rechtsreformen der letzten Jahrzehnte, etwa die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen oder die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, rückgängig zu machen. Schließlich beruhte die Aufhebung der alten Sittlichkeitsparagraphen, die ab den 1970er Jahren eine Liberalisierungswelle in Deutschland einleitete, auf der Überwindung eben jener Naturrechtsidee, für die der Papst so energisch im Bundestag eintrat.“

Fazit des gbs-Sprechers: „Dass die überwiegende Mehrheit der Parlamentarier und medialen Berichterstatter den reaktionären, pseudointellektuellen, päpstlichen Unsinn beklatschte, verdient das Prädikat ‚Besonders peinlich!‘. Ich bin sicher, dass nur die wenigsten Parlamentarier und Journalisten die reaktionären Vorstellungen des Papstes wirklich teilen. Die meisten von ihnen dürften einfach nur zu ungebildet sein, um zu begreifen, worauf die päpstliche Verteidigung der Naturrechtsidee hinausläuft. Das wirft kein gutes Licht auf das intellektuelle Niveau der Politik und der Medien in Deutschland. Denn wer nicht einmal die durchsichtige Rhetorik des Vatikans richtig einzuschätzen vermag, dem kann man wohl kaum zutrauen, dass er schwierige politische Aufgaben, etwa die Lösung der Finanzkrise, meistert. Man kann es den Bürgerinnen und Bürgern wahrlich nicht verdenken, dass so viele von ihnen jegliches Vertrauen in die Politik verloren haben.“
(hpd 26.09.11)

Auch nach Monaten läßt das Gros der Abgeordneten keinerlei Lernfähigkeit erkennen.
Mir ist nicht ein der Papstrede stehend zujubelnder Volksvertreter bekannt, der inzwischen noch mal über das Gehörte nachgedacht hätte und seinen Applaus inzwischen bereute.

Die Bundestagsabgeordneten machen ihren Job nicht.

In vorauseilendem Gehorsam treten sie lieber die Verfassung mit Füßen, anstatt ihr Gehirn zu gebrauchen.

Es ist nichts als ein tragischer Witz, daß es inzwischen sogar dem Papst selbst nicht mehr gefällt jährlich 19 Milliarden unkeusche Steuerzahlermilliarden illegal einzusacken und er seinen Bischöfen nahelegt sich von derlei weltlichen Dingen zu trennen.

Die politische Klasse trägt aber das Geld penetrant der Kirche hinterher und beindruckt nach wie vor mit grenzenlosen Dümmlichkeiten.

Dafür seien zum Schluß nach all der Nahles/Thierse-Schelte stellvertretend zwei Unionisten genannt.

1.)

Thomas Goppel, CSU-Urgestein, der sich lobend zu Kreuznets Lieblingszeitung „Junge Freiheit“ bekennt, erläuterte am 26.07.2011, daß es gar keine fundamentalistischen Christen gäbe:

„Pfarrerin Adelheid Ruck-Schröder aus Saarbrücken hat recht: Fundamentalistische Christen gibt es nicht, kann es nicht geben. Zu einer solchen Schlussfolgerung kann jemand nur kommen, wenn er ein völlig falsches Bild vom christlichen Glauben hat.“
(zitiert nach Kathnet)

Es ist mir ein Rätsel wie ein Mann wie Goppel, der ganz offensichtlich noch nicht mal die Volksschule abgeschlossen hat, zu seinem Dr.-Titel kommen konnte.
Aber bei der CSU gibt es da ja spezielle Methoden, wie wir inzwischen wissen.


2.)

Das unbestreitbar größte Unglück der letzten 2000 Jahre, die Christliche Mission - keine Ideologie hat mehr Menschleben gefordert - will der CDU-Fraktionschef dringend intensivieren und fordert die Kirchen zum Handeln auf.

Kauder: Die Kirchen können die Verkündigung des Wortes Gottes durchaus noch etwas intensivieren. Es kann doch die Kirche nicht ruhig sein lassen, wenn der Besuch der Gottesdienste immer stärker abnimmt. Jede Organisation muss sich doch fragen, woran es liegt, wenn ihr Zuspruch geringer wird. Das gilt für die Parteien, aber auch für die Kirchen. Die Kirche hat doch einen Missionsauftrag, davon ist aber zu wenig zu sehen.
(Christ und Welt 35/2011)

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Mehr Hamburger Verlage

Da ich gestern dem SPIEGEL einen mitgegeben habe, ist es mir wichtig festzuhalten, daß die Produkte des SPIEGEL-Verlages allesamt noch Gold sind - verglichen mit 95% der Zeitschriften, die in den anderen großen Verlagen (Bauer, Burda, Springer,..) erscheinen.

Ich erspare es mir darüber zu orakeln welches der zumeist tiefkonservativen Verlagshäuser den schlimmsten Schund produziert.

Der Hamburger Heinrich-Bauer-Verlag (nennt sich jetzt „Bauer Media Group“) gehört jedenfalls auf einen der vordersten Plätze. Inhaberin Yvonne Bauer setzt mit ihren Beteiligungen an RTL-2 und den Billigzeitschriften deutlich mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr um.

Die zugkräftigsten Blättchen heißen:

TV Hören und Sehen, Alles für die Frau, Bravo, Bravo Girl, Das Neue, Fernsehwoche, inTouch, Laura, Selbst ist der Mann (?? Wat dat denn? Ein Masturbationsfachblatt?) Tina, tv14, TV Movie und Der Landser.

Der Landser ist natürlich ein echtes Juwel im Angebot der biederen Hamburger:

In DER LANDSER lesen Sie Woche für Woche Erlebnisberichte vom Frontgeschehen des Zweiten Weltkrieges. Aus der Sicht der kämpfenden Truppe und durch die Erinnerung einzelner Personen wird die größte kriegerische Auseinandersetzung der Weltgeschichte in ihrer ganzen Dramatik deutlich.
(Bauer Media Group)

Das nennt man wohl „zielgruppenorientiert“.
Bauer hat was für jeden. Für den TV-Junkie, für pubertierende Mädchen, für gelangweilte Hausfrauen und eben auch was für den gemeinen NPD’ler, der sich an Wehrmachtskitsch aufgeilt.

Die Zeitschrift "Der Landser", Fachorgan für die Verklärung der Wehrmacht, begeistert zunehmend junge Leser: Skinheads und Rechte in Ostdeutschland.
[…] Wie in den Anfangszeiten kommen die Geschichten über "kampferprobte Verbände", bestehend aus "Prachtkerlen" voller "Manneszucht", von ehemaligen Weltkriegssoldaten, die ihre militärromantisch geprägten Erinnerungen Jochim zur Gleichschaltung überlassen. Im Duktus der "Deutschen Wochenschau" der Jahre 1939 bis 1945 werden "durchgesickerte Rotarmisten niedergekämpft" und "Bunker unschädlich gemacht". Es geht "gegen einen Feind, von dem sie keine Gnade zu erwarten haben". Der "aufopferungsvolle Kampf im Westkaukasus" wird im "Landser" ebenso wie das "opferreiche Ringen" vor Leningrad als "unvergänglicher Beweis stummer Pflichterfüllung" gewürdigt.
[…] Rund 60 000 Stück werden Woche für Woche an Bahnhofskiosken von Berlin bis Guben vorwiegend an Jungs mit Glatzen oder strammgezogenen Scheiteln verkauft. Bei den Vorkämpfern für "national befreite Zonen" gehören die Fronterlebnisse der Großväter zum geistigen Rüstzeug, auch wenn der Feind diesmal nicht in einem sowjetischen Panzer, sondern in der nächsten Döner-Bude sitzt.
(DER SPIEGEL 03.08.1998)

Während wir über die unheimlichen Unterstützer der von Terrorgruppen wie dem „National Sozialistischen Untergrund“ (NSU) rätseln und unsere Betroffenheit ob der von Neonazis umgebrachten Migranten heucheln, sollten wir uns darüber im Klaren sein welche dunkeldeutsche Propaganda wir unterstützen, wenn wir am Kiosk eine Fernsehzeitschrift aus dem Hause BAUER kaufen.

Dabei ist „Der Landser“ noch nicht mal das Braunste, was der 1875 gegründete Verlag zu bieten hat.

Die Bauer Media Group vertreibt auch das rechtsradikale Magazin „Zuerst!“.

„Die erste Ausgabe im neuen Jahr verheißt eine wilde Verschwörungstheorie: "Bestellter Terror" ruft es vom Titelblatt des Magazins "Zuerst" und die Unterzeile fragt: "Wem nützt die 'rechte Gewalt'?" Die Redaktion des in Kiel erscheinenden Magazins hält die Zwickauer Terrorzelle offensichtlich für ein politisches Konstrukt - und verspricht "ganz andere Hintergründe" der Mordserie zu enthüllen. Die krude Geschichte gehört noch zu den harmloseren Seiten des rechtsradikalen Magazins aus Kiel. Wenn das Blatt etwa über "Deutschenmobbing" schreibt, wird der Ton offen rassistisch. "Der typische Serientäter ist männlich, arabischer Herkunft und bleibt auch als Erwachsener kriminell", heißt es an einer Stelle und an einer anderen: "In der Regel leben die kriminellen arabischen Familien in großen, eng verbundenen Clans, oft mit zehn bis 15 Kindern, von Sozialgeldern und von Kriminalität. (…) Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen." Den greisen Überfremdungs-Ideologen Theodor Schmidt-Kaler zitiert das Blatt mit den Worten: "Es ist keine Übertreibung, wenn ich heute sage: Unser deutsches Volk steht auf der Kippe zum Sterben."
(Spon 29.12.11)

Dem SPIEGEL ist übrigens nicht von allein aufgefallen, welche braune Soße der Bauer-Verlag verteilt.

Der vermeidlich so biedere DGB brachte vor drei Tagen den Stein mit einem Offenen Brief ins Rollen, den ich zitieren möchte und dessen Forderungen ich mich anschließe.

Offener Brief in Sachen Magazin „Zuerst!“

Sehr geehrte Frau Bauer, mit einiger Bestürzung habe ich erfahren, dass ihre 100%-ige Unternehmenstochter „Verlagsunion“ seit zwei Jahren den Vertrieb der Zeitschrift „Zuerst!“ regelt. Ich schließe mich auf diesem Weg dem Konzern-Betriebsrat des Bauer-Verlages an und appelliere ebenfalls dringend an Sie, diese Zusammenarbeit unverzüglich zu beenden.

Bei der Lektüre des Magazins „Zuerst!“ sträuben sich jedem aufrechten Demokraten alle Nackenhaare. Da fallen in Artikeln Sätze wie „Deutschenmobbing wird für Ausländerkinder zum Pausensport“, oder „der typische Serientäter ist männlich, arabischer Herkunft und bleibt auch als Erwachsener kriminell.“ Über Menschen mit arabischer Herkunft heißt es an anderer Stelle weiter: „In der Regel leben die kriminellen arabischen Familien in großen, eng verbundenen Clans, oft mit zehn bis 15 Kindern, von Sozialgeldern und von Kriminalität. (…) Sie haben eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die darauf abzielt, sich zu nehmen, was immer sie wollen und wann und so oft sie es wollen.“

In einem Interview sagt ein Prof. Dr. Theodor Schmidt-Kaler: „Aufgrund ihrer unzureichenden Schul- und Berufsausbildung haben die ausländischen Arbeitskräfte zudem eine Senkung des durchschnittlichen Qualifikationsniveaus des gesamten inländischen Arbeitspotentials bewirkt. (…) Es ist keine Übertreibung, wenn ich heute sage: Unser deutsches Volk steht auf der Kippe zum Sterben.“

„Zuerst!“ wird vom Verleger Dietmar Munier herausgegeben. In dessen Verlag „Lesen und Schenken“ vertreibt er auch Videos mit Titeln wie „Die Hitler-Show: Die Reichsparteitage der NSDAP“, „20. April 1939. Adolf Hitlers 50. Geburtstag, Berlin feiert den Führergeburtstag“ oder „Der Berghof – Hitler ganz privat.“

Sehr geehrte Frau Bauer, es ist etwa einen Monat her, da haben wir hier in Hamburg mit einem Schweigemarsch den Menschen gedacht, die – wie wir inzwischen wissen - von Neonazis aus Zwickau ermordet wurden. Ich habe zu diesem Anlass den „Aufstand der Anständigen“ gefordert. Denn ich meine: Wir alle müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass in diesem Land und überall auf der Welt Rechtsextreme mit ihrem rassistischen, menschenverachtenden und volksverhetzenden Gedankengut keine Chance haben.

Genau dieses Gedankengut findet sich in jeder Ausgabe von „Zuerst“. Über Ihr Unternehmen „Verlagsunion“ findet die Zeitschrift den Weg an die Kioske und an die Leser.

Setzen Sie ein persönliches Zeichen und sorgen Sie dafür, dass der Vertrieb dieses Magazins zukünftig nicht mehr durch ein Unternehmen ihres Konzerns stattfindet.

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Grund

(DGB Hamburg)

Montag, 26. Dezember 2011

Neues von Eva Braun

Eine unangenehme Eigenschaft des Internets ist die Unverschwindbarkeit der Peinlichkeiten und Fehlleistungen.
Bachmann, Perry, Gingrich und Co erleben das gerade in Form eines immerwährenden Youtube-Alptraumes.
Ich will zwar einräumen, daß die sieben Top-GOPer mit einer zuvor scheinbar nicht gekannten Ignoranz und Dummheit gesegnet sind, aber natürlich weiß man über frühere Politikergenerationen auch nicht so viele Intimitäten.

Man stelle sich vor solche Dampfplauderer wie Lübke, Kohl und Strauß wären in einer Zeit der allgegenwärtigen Handykameras aktiv gewesen.
Man stelle sich vor NS-Marinerichter Filbinger, NSdAP-Mitglied und CDU-Stahlhelm Dregger, NS-Karrierist Theodor Oberländer oder SA- und NSdAP-Mitglied Karl Carstensen wären der Versuchung von 100 wöchentlichen TV-Talkshows ausgesetzt gewesen.

Ich möchte nicht wissen welche Sprüche dann bekannt geworden wären, die sie zu ihrer Zeit nur hinter den verschlossenen Türen der ultrarechten CDU-Zirkel wie dem Schloß Weikersheim von sich gaben.

Neben der Promi-Spezies, die sich mit unfreiwilligem Youtube-Ruhm herumschlagen, gibt es noch die Kategorie der Gescheiterten, die geradezu manisch daran arbeiten ihre Medienpräsenz gezielt mit den „neuen Medien“ zu pushen.
Schließlich ist nicht jeder so steinreich und mit so willigen Großjournalisten wie Baron Guttenberg gesegnet.

Die reaktionäre Fundi-Christin Eva Herman ist so ein unangenehmes Beispiel.
Ganz im Gegensatz zu den immer wieder von rechtsradikalen Quellen (Kreuznet und Co) auftauchenden Vorwürfen das politisch korrekte Deutschland habe ihr „Berufsverbot“ erteilt, ist die blonde Braune unglücklicherweise beruflich extrem aktiv.

Wir sind eben eine freie Gesellschaft und daher darf auch ein dunkeldeutsch frömmelndes Kreuznet-Liebchen tun was es will.
Sie publiziert, verkauft fast ein Dutzend Bücher unter ihrem Namen, spricht auf dubiosen Parteineugründungen, wird bei ultrakatholischen Kongressen als Rednerin engagiert und ist nicht zuletzt das mediale Gesicht des Kopp-Verlages.

Dort versammelt sich das Who-Is-Who der rechtsnationalen Verschwörungstheoretiker, Ufologen (z.B. Erich von Däniken), Islamhasser wie Udo Ulfkotte und Esoterik-Freaks.

„Der Verlag bezeichnet sich selbst als Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen und Geheimgesellschaften. Verlegt werden unter anderem Bücher zu Themen der Prä-Astronautik, der Ufologie, des Erfundenen Mittelalters, des Kreationismus, der Astrologie, der Geomantie sowie der Germanischen Mythologie, des Islamismus, der Freiwirtschaftslehre und „Enthüllungen“ wie zu sogenannten „linken Lebenslügen.“
(Wiki)

Wie schön wäre es, wenn Herman tatsächlich mit Berufsverbot belegt wäre.
Aber mit Kopp bildet sie eine perfekte Symbiose.
Der finanzstarke Verlag füttert sie und dafür liefert die angebräunte TV-Frau regelmäßig mit ultrabizarren Ansichten (Loveparade-Katastrophe war Strafe Gottes, etc) die PR für den vorher eher im Schatten vor sich hin modernden rechten Verlag.

Anfang Dezember meldete sie sich in der Causa Ken Jebsen zu Wort.

Der RBB-Journalist und Radio-Fritz-Moderator war zuvor mit den üblichen 9/11-Gaga-Theorien („ein geschickt gestricktes Lügenkonstrukt der USA und der CIA“) und einer antisemitischen Email aufgefallen, die er an einen kritischen Zuhörer geschrieben hatte.

was ist das grösste problem der juden ? ihre führer. also wie in der restwelt auch. henry kissinger selber jude hat für juden überhaupt nichts übrig. er hat selber gesagt als er von russischen juden gebeten wurde ihre ausreise nach israel zu ermöglichen , das für ihn zitat “ eine vergasung der russischen juden höstens ein ökonomisches problem sei “ sie brauchen mir keine holocaus informatinen zukommen lassen. ich habe mehr als sie. ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays. in seinem buch propaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt. ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten krieges deutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller.
(Ken Jebsen im November 2011)

Der RBB hatte dann irgendwann genug von ihrem Radiojournalisten und trennte sich nicht nur wegen seiner Rechtschreibschwäche von ihm.

Dem Sender blieb am Sonntag nur ein Ausweg: „Eine umfassende Klärung der Vorgänge war nicht möglich, darum haben wir uns dazu entschieden, die Radio-Fritz-Sendung KenFM vorerst auszusetzen“, sagte Sendersprecher Volker Schreck dem Tagesspiegel und fügte hinzu: „Das ist aber keine Absetzung.“ Zuvor war Ken Jebsen, Moderator von KenFM, vorgeworfen worden, einem Hörer als Reaktion auf dessen Kritik eine Mail mit antisemitischem Inhalt geschrieben zu haben. „Bei solchen Vorwürfen ist der Sender sehr sensibilisiert“, sagte Schreck. Es werde nun senderinterne Diskussionen, aber auch Gespräche zwischen Jebsen und den Programmverantwortlichen geben.
(Tagesspiegel 19.12.2011)

Ein Fall für Eva Herman, die sich als ebenfalls wegen rechtsextremer Ausfälle gefeuerte NDR-Frau mit ihm in einem Boot wähnt.
Verschwörungstheorien hat sie sofort zur Hand und wendet sich am 05. Dezember 2011 in einem Offen Brief an ihren Gaga-Kollegen.
Juden und Grüne hätten einen armen Moderator, der sich nicht dem linken Meinungsdiktat unterwerfen wolle das Genick gebrochen.

Lieber Herr Jebsen,
nun sind Sie also draußen. Das ging vielleicht schnell, was? Raus aus dem rbb, raus aus dem öffentlich-rechtlichen System, raus aus der politisch-korrekten Gesellschaft. Die rotgrünen Gutmenschen haben gesprochen! […] Die Jüdische Gemeinde zu Berlin begrüßte übrigens die »konsequente Entscheidung des rbb«, sich von seinem langjährigen Moderator zu trennen. »Wir empfinden es als vorbildlich, wie die Leitungsebene des rbb letztlich entschieden hat«, betonte Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.
Die Leitungsebene, Herr Jebsen, das klingt doch bekannt, oder? Spätestens mit dem Zitat der Jüdischen Gemeinde Berlin war der Stab über Sie gebrochen.
[…] Lieber Ken Jebsen, wenn jemand einen rechten Stempel aufgedrückt bekommt, dann steckt allermeist noch etwas ganz anderes dahinter, das muss man sich immer merken. Der eine macht sich wegen seiner Kritik an der deutschen Migrantenpolitik unbeliebt, der andere prangert die familienzerstörerischen Maßnahmen der Regierung an.
[…] Tja, Herr Jebsen, eins dürfte klar sein, diese besagte Holocaust-Äußerung in der Öffentlichkeit zu machen, war dann nicht sehr klug. Auch wenn es sich nur um einen einzigen Hörer handelte, dem Sie geantwortet hatten. Man kann ja nie wissen, wer hinter »privaten Anfragen« in Wahrheit stecken könnte. Verschwörungstheorie? Sie hatten damit einen politisch unkorrekten Grund geliefert, dass man Sie ohne Bedenken feuern konnte: Die Nazikeule. Denn die funktioniert in Deutschland immer noch wie geschmiert.
Haben Sie nicht die Hetzjagd auf Thilo Sarrazin erlebt? Der Mann lebt doch, wie auch Sie, in Berlin. Oder den Fall Eva Herman? Oder kennen Sie die Geschichte des CDU-Politikers Martin Hohmann? Oder den Ausschluss des Brigadegenerals Reinhard Günzel? Oder die Causa Möllemann?
[…] Wie lange noch, fragen sich immer mehr Leute, wie lange noch wird das so weitergehen in diesem Land? Wie lange noch müssen wir schweigen, wenn es um heikle und unliebsame Themen geht? Wie lange noch müssen wir uns vorgeben lassen, was wir zu denken und zu äußern haben und was nicht? Ich bin der Überzeugung, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird. Denn wir befinden uns in einer schweren Umbruchphase: Falsches fällt, das Licht der Wahrheit durchdringt unseren Raum und entblößt die Lüge. Und die Lügner ahnen es auch schon. Deswegen schlagen Sie noch erbarmungsloser zu.
[…] Halten Sie durch, Herr Jebsen, Sie sind nicht alleine.
Herzliche Grüße
Eva Herman

Der RBB wird froh sein den Irren bereits gefeuert zu haben.
Jebsen, der auch schon im Kopp-Verlag publizierte und jede Menge Verschwörungstheorien parat hat, ist nun genau wie Eva Braun publizistisch nicht totzukriegen.

Er macht jetzt ohne öffentlichen Rundfunk weiter.

Und diese Themen wird sich Jebsen, nun völlig losgelöst, im Internet kaum nehmen lassen. Jebsens Wohnung in Berlin-Mitte beherbergt laut Medienberichten seine kleine Produktionsfirma. Es gibt eine wachsende Fangemeinde auf Facebook, die einen Märtyrerkult um Ken Jebsen beschwört und Zensur wittert. „KenFM“ soll via Youtube-Seite („Willkommen bei KenFM“) zu hören sein, erste Clips hat Jebsen schon ins Netz gestellt („KenFM über: Die Geld Sendung! Eine Sendung, die der RBB unbedingt verhindern wollte!“). Die User sind begeistert: „ja, ken, zeigs den schweinen!“
(Markus Ehrenberg, 19.12.2011)

Das ist eben die deutsche Meinungsfreiheit: Sie tut verdammt weh, denn sie gilt auch für die Sarrazins, Hermans und Jebsen.

Da ist es nur ein ganz geringer Trost, wenn solche Typen wenigstens nicht mehr vom Gebührenzahler direkt ihr Gehalt bekommen.



Die gute Nachricht des Tages:
Offensichtlich wurden die "Kopp-Nachrichten" soeben eingestellt.

Kurz vor Weihnachten hat uns eine gute Nachricht erreicht. Die “Kopp-Nachrichten”, zumeist vorgetragen von der Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Hermann, gibt es ab sofort nicht mehr. Bleibt nur die Frage: Cui bono?
Nun ist es vor­bei. Fast zwei Jahre waren die „Nach­rich­ten“ des rechts­po­pu­lis­ti­schen, eso­te­ri­schen und ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen „Kopp-​Ver­lags“ zu sehen, die Tag für Tag ins In­ter­net ge­stellt wur­den. Kurz vor Weih­nach­ten wurde das For­mat ein­ge­stellt. Mit den „Kopp-​Nach­rich­ten“ ver­sorg­ten sich die Ver­schwö­rungs­fans mit ihrer täg­li­chen Ra­ti­on Ver­schwö­rungs­theo­rie. Mo­de­riert wur­den die Nach­rich­ten, die die­sen Namen nicht ver­die­nen, durch die An­ti-​Fe­mi­nis­tin Eva Her­man.
(Publicative.org 25.12.2011)

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Arbeitsteilung.

Neulich fuhr ich abends über eine große mehrspurige Straße stadteinwärts nach Hause.
Es war ungeheuer nebelig und kein Mensch war unterwegs. Das war richtig nett. Hab' die Musik voll aufgedreht, sah und hörte nichts um mich rum und tuckerte durch die Suppe.
Total entspannend. Freie Fahrt.
Bis es auf einmal heftig mit Blaulicht hinter mir hupte und ein riesiges HALT-Schild blinkend in meinem Rückspiegel aufleuchtete. POLIZEI!
Beim Rechtsranfahren war ich gerade noch geistesgegenwärtig genug mich anzuschnallen. In dem Nebel konnte der Polizist glücklicherweise nicht sehen, daß ich unangeschnallt gefahren war.
Der gute Mann in Uniform war einer von der pädagogischen Sorte. Wie ich denn die Sichtverhältnisse einschätzte und welche Geschwindigkeit ich dafür wohl für angemessen hielte.

Das nennt man dann wohl „rhetorische Frage“ - wenn die Sichtverhältnisse GUT gewesen WÄREN, hätte ich den Polizeiwagen hinter mir gesehen und dementsprechend den Fuß vom Gas genommen.
Sich so ertappt zu fühlen nervt extrem.

Vor ein paar Monaten hatte ich das schon mal, als ich neben meinem Gemüseladen in meinen Geheimparkplatz rangierte. Da ist so eine Nische aus zwei Häuserwänden, die im 90°-Winkel stehen, sowie einem Radweg, der dazu die Hypotenuse bildet.
In dieses Dreieck passt mein Auto auf den Millimeter rein. Man muß nur von der Nische wissen und 20 m weiter über eine Auffahrt rückwärts hineinmanövrieren.
Blöd nur, daß das ein Polizist von der anderen Straßenseite aus beobachtete und mir dann in den Gemüseladen folgte, um mich zu befragen, ob ich noch Erinnerungen an meine Führerscheinprüfung hätte und ob der Fahrlehrer wohl empfohlen hätte über Fußgängerwege hinweg an Häuserwänden zu rangieren.

Das sind Fragen.

Ich finde es ja eigentlich nett von mir, daß ich in absoluter Parkplatznot oft ein Geheimplätzchen finde, wo ich wirklich niemanden störe und niemanden blockiere.
Das ist doch tausendmal besser als all die Idioten, die sich immer in die zweite Reihe stellen und andere Autos blockieren.
Offensichtlich ist die Straßenverkehrsordnung aber nicht dafür konzipiert flexibel ausgelegt zu werden.
Erst mal ein bißchen diskutieren, finden die Schupos meistens ganz schlecht.

Bevor ich jetzt anfange auf „die verdammten Bullen“ zu schimpfen, muß ich zugeben, daß der Mann im Nebel sehr nett war. Ich habe mich nicht rausgeredet, sofort betont, daß er vollkommen recht habe und schließlich wünschte er mir „weiterhin gute Fahrt“ und ließ mich ohne Strafzettel davon kommen.

Es ist aber schon erstaunlich mit wie viel Eifer und Geduld sich die Uniformierten um die Verkehrssünderchen kümmern.

Man kann das immer sehr schön sehen, wenn man samstags auf den Hamburger Goldbekmarkt geht - meiner Ansicht nach der beste Wochenmarkt der Stadt.
Liegt sehr hübsch am Goldbekkanal. Rechts ist also Wasser und links eine Häuserzeile.
Problem: Es ist mitten in einem Wohngebiet und da die Bewohner samstags alle zu Hause sind, gibt es keinerlei extra Parkplätze.
Um den Markt herum ist also von 8.00 bis 12.00 Uhr alles zugestellt.
Und jeden Samstag pünktlich um 8.00 kommen auch zwei Verkehrspolizisten, die jedem einzelnen Auto, das nicht auf den Zentimeter korrekt auf einem regulären Parkplatz steht, ein Knöllchen verpassen. Das lohnt sich natürlich. Da kommt ordentlich Bußgeld zusammen.
Es fragt sich nur wie lange jemand wohl auf dem Markt einkauft. Kaum vorstellbar, daß man dort länger als eine Stunde bleibt und spätestens um die Mittagszeit werden die Buden ohnehin abgebaut und dementsprechend fahren auch die ganzen kreuz und quer geparkten Autos weg.

Könnte man da nicht vielleicht für die paar Stunden ein Auge zudrücken?
Das sind immer so Fragen, die man sich stellt, wenn man jetzt zum Beispiel die ausführlichen Berichte über die Nazi-Terrortruppe NSU liest, die über eine Dekade in Ruhe Banküberfälle, Brandanschläge und Morde begehen konnten.

Gäbe es nicht für die Polizei Dinge zu tun, die wirklich wichtiger sind?
Rechtsterrorismus wäre doch schon mal ein lohnendes Aufgabenfeld.
Kein Mensch käme auf die Idee in Frage zu stellen, wenn die Polizei Zeit dafür aufwendete sich um Neonazis zu kümmern.
Aber „national befreite Zonen“, die es überall in Ostdeutschland gibt, also Gegenden, die de facto von Nazis kontrolliert werden, nimmt man hin. Gegenden, in die sich niemand wagen kann, der dunkelhäutig oder hippimäßig aussieht, weil er fürchten muß totgeschlagen zu werden.

Wann immer sich Journalisten in solche Wespennester vorwagen, dokumentieren sie jede Menge Gesetzesverstöße. Volksverhetzung, Verwendung von Nazi-Symbolen, Aufruf zu Gewalt, etc. Aber angeblich hat „die Polizei“ ja nicht genügend Kapazität, um sich auch um sowas zu kümmern.

Das können nur private Initiativen - denen allerdings die leicht angebräunte Familienministerin Schröder versucht den Garaus zu machen, indem sie die Mittel für den Kampf gegen Rechtsextremismus streicht.
Und die NPD wird über den Umweg von 130 V-Leuten sowie offizielle Wahlkampfkostenerstattung und Fraktionsgeldern vom Staat co-finanziert.

Ich kann nur kräftig applaudieren, wenn jemand mal die Initiative ergreift, so wie es die Amadeu-Antonio-Stiftung, Publikative, oder der Storch-Heinar-Shop tun.

Besonders erfreut mich aber die Methode Ulrich Eigenfeld.
Eigenfeld ist laut den Experten von publikative.org ein NPD-Urgestein aus den Voigt-Zeiten.

Vor allem der als zurückhaltend geltende Eigenfeld, seit Jahrzehnten der NPD treu verbunden, gilt als einer der besten Kenner des NPD- Innenlebens. “Der hat über jeden in der NPD-Szene etwas in seinem Keller“, heißt es aus Parteikreisen.

(Stefan Schölermann NDRInfo, 09.09.11)

Der ehemalige Bundesbahnbeamte Ulrich Eigenfeld, geb 1947 hat seit 1969 das NPD-Parteibuch und war bis 2009 Vorsitzender der NPD-Niedersachsen, sowie bis 2006 stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender.
Derzeit ist er Abgeordneter im Oldenburger Stadtrat.
Das erste mal seit einem halben Jahrhundert gibt es wieder einen Nazi im Stadtrat.
Das gefällt offenbar nicht jedem. Um ihn von seiner „politischen Arbeit“ abzuhalten, haben ihn Unbekannte kurzerhand „eingemauert.
Säuberlich wurde seine Haustür mit Ziegelsteinen und Mörtel verschlossen, sowie einem Schild „Hausarrest für Nazis“ versehen.



In der Nacht zum Montag rückten die Unbekannten beim Haus des NPD-Politikers Ulrich Eigenfeld in Oldenburg an. Sie müssen schnell gehandelt haben, zumindest aber leise gewesen sein. Denn Eigenfeld lebt in einem Mehrfamilienhaus und doch hat die Aktivisten niemand gesehen. Ihr nächtlicher Coup wird dafür zum Aufreger: Die Verantwortlichen haben die Eingangstür des ehemaligen NPD-Vize vermauert. Eigenfeld, der noch bis Ende des Jahres Bundesschatzmeister der rechtsextremen Partei ist, sitzt seit September für die NPD im Stadtrat.
(Sueddeutsche.de 20.12.2011)

Die NPD-Freunde waren not amused.

Die zornige Pose will an solch einem Tag nicht recht gelingen, wie im Online-Forum der "Germanischen Weltnetzgemeinschaft Thiazi" zu beobachten ist. "Erst kommt das Menschen-Einmauern", dröhnt dort ein User namens "Nordmann", und wenig später würden die "Kommunisten" bekanntlich "das Menschen-Abschießen" folgen lassen. Es ist eine Stimme, die in dieser Lautstärke weitgehend alleine bleibt: Die meisten anderen User in dem Neonazi-Forum setzen hinter ihre Kommentarzeilen, eher verzagt, kleine Smiley-Symbole, sprechen sarkastisch von einer "sehr kuhlen" Aktion - und der Betroffene selbst, ein 64 Jahre alter NPD-Funktionär, mag sich in der Presse nicht recht äußern zu den grauen Ytong-Steinen, die ihm am Montagmorgen plötzlich den Weg versperrten.
(Ronen Steinke 20.12.11)

Weiter so Antifa!
Wo die Polizei und Politik nicht weiter wissen, ist es nur zu begrüßen, wenn andere diese Arbeit übernehmen.
Immerhin zeigt das den Nazis, daß sie nicht beliebt sind.

In einer von den Aktivisten verschickten Pressemitteilung heißt es: "Unsere Mauer steht dafür, dass wir uns Nazis wie Eigenfeld entschlossen in den Weg stellen müssen. Die Grenze ist für uns bereits überschritten, wenn sie mit ihrem menschenverachtenden Gedankengut ihre Wohnung verlassen, ganz zu schweigen davon, an einer Stadtratssitzung teilzunehmen!" Und wohl nicht ganz ernst gemeint wird dort eine "bekennende Mauerbauerin" namens Olga Benario zitiert: "Wir meinen: Mauern einreißen! Bei Nazis machen wir da aber eine Ausnahme." Die echte Olga Benario war Kommunistin und wurde von den Nazis ermordet. Nun ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Nötigung - ein anderer Bewohner des Gebäudes hatte die Beamten gerufen, weil er am frühen Montagmorgen nicht aus dem Haus kam. Der Bewohner verständigte Eigenfeld.
(Spon 20.12.11)

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Wegen der Ausgewogenheit.

Mit der schwarzgelben Bundesregierung und der RKK verfüge ich über eine unerschöpfliche Quelle von Blog-Themen.
Einfach klasse, was einem jeden Tag entgegen springt, wenn man den Computer hochfährt.

Im ständigen Bestreben sich als neuer Mixa zu inkarnieren, brillierte der Salzburger Weihbischof Andreas Laun mit einer interessanten Variante des „so schlimm waren die Nazis nun auch wieder nicht“-Gedankens.
Die Bücherverbrennung war dem Moralexperten Laun offenbar ganz neu.

Am Vorabend des 1. Mai 1938 initiierten die nationalsozialistischen Lehrer die Bücherverbrennung auf dem Residenzplatz. Bücher jüdischer Schriftsteller wie Stefan Zweig, Arthur Schnitzler oder Franz Werfel, aber auch katholischer Autoren gingen damals in Flammen auf - in einer Art Ritus, begleitet von Feuersprüchen.Nach mehr als 73 Jahren konnte sich die Stadt Salzburg jetzt nicht nur zu einer Gedenkfeier, sondern auch zu einer bleibenden mahnenden Erinnerung durchringen.
[...] Erinnern setzt allerdings voraus, dass man vom Nazi-Feuergericht gewusst hat. Denn Salzburgs Weihbischof Andreas Laun hat erst „jetzt bei der Einladung“ von der Bücherverbrennung erfahren, wie er im „Salzburg heute“-Interview zugab.„Ich habe nicht gewusst, dass das in Salzburg stattgefunden hat. Und jetzt habe ich es gehört und habe mir gedacht: Gut, dass ich’s weiß und schön, dass ich hier eingeladen bin und ein paar Worte sagen darf.“
(Orf.at 25.11.2011)

Dennoch hatte der Bischof mit dem Rauschebart auf seiner ultrafundamentalistischen Lieblingswebseite „Kath.net“ einige Relativierungen parat.

Ich habe eine Bücherverbrennung erlebt, und das war so: Vor einigen Jahren fand in Berlin, wie jedes Jahr im September, eine Pro-Life-Demonstration statt, an der sich über 1000 Menschen beteiligten. Begleitet wurde sie von einer großen Zahl von Polizisten, die eine noch größere Zahl von hasserfüllten Gegnern auf Distanz hielten. Und dann geschah es: Ausgerechnet in der Nähe des Bebel-Platzes, auf dem die Nazis in Berlin jüdische und andere Bücher verbrannt hatten, warf man uns eine brennende Bibel vor die Füße, das heilige Buch der Juden und der Christen! Und wieder waren Juden und Christen vereint im Hass seitens der Gottes-Feinde.
(Bischof Laun 28.11.2011)

Dabei gerierte sich Laun derart rechts, verlogen und geschichtsfälschend, daß ihn sogar sein auch nicht eben liberaler Chef, Erzbischof Kothgasser wieder einfangen mußte - zum Ärger Kreuznets.


Und der Churer Bischof Huonder erklärt mal eben en passant, daß die Menschenrechte für ihn eine nachrangige Bedeutung hätten - zuerst kämen die katholischen Ansichten (Frauen minderwertig, Homosexuelle frönen der Kultur des Todes, etc).

Pünktlich zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember legt der Churer Bischof Vitus Huonder einen Hirtenbrief vor. Dieser soll am Sonntag in sämtlichen Kirchen des Bistums, zu dem auch der Kanton Zürich gehört, verlesen werden. Schon vorab ist klar: Huonders Worte werden zu reden geben. Sie lauten unter anderem: «Die Kirche nimmt die Menschenrechtserklärung zur Kenntnis.» Gleichzeitig, so schreibt Huonder, messe die Kirche deren Aussagen und Forderungen an der «Wahrheit der göttlichen Offenbarung». Den Menschenrechten voraus gehe «immer das göttliche Recht», und sie stünden und fielen letztlich mit dem Respekt vor dem Gottesrecht. Die Kirche nimmt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 durch die Vereinten Nationen zur Kenntnis? Mehr nicht? Die Aussagen des Bischofs seien «beunruhigend», sagt Walter Kälin, Direktor des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte und Professor für Völkerrecht an der Universität Bern. «Ich würde mir angesichts der weltweiten Gefährdung der Menschenrechte wünschen, dass ein Schweizer Kirchenoberhaupt diese nicht infrage stellt, sondern unterstützt.»
(Tagesanzeiger Zürich, 06.12.2011)

Nun quält mich allerdings das schlechte Gewissen wegen der Fokussierung auf Christen und deutsche Politik.
Dies ist eben nur zufällig der Kulturkreis, dem ich angehöre. Aber andere Religionen und Politführer sind natürlich auch großartige Komiker.

Ultraorthodoxe Juden stehen auf der nach oben offenen Geisteskrankheitsskala ebenso hoch wie evangelikale Christen.
Und daß amerikanischen Republikaner es in der Disziplin „Irrsinn verbreiten“ locker mit der FDP aufnehmen können, steht außer Frage.
Seit dem 11. September 2001 tue ich mich ein bißchen schwer damit Muslims ins Visier zu nehmen, da meiner Ansicht nach schon mehr als genug Islamophobie grassiert.
Breivik und die NSU haben davon eindrucksvoll Zeugnis abgelegt.

Heute möchte ich aber doch zwei wunderbare Einsichten Islamischer Kleriker erwähnen.

Prof Subhi prognostizierte in einem Saudi-Arabischen Gutachten, daß sich Sittenverfall und Homosexualität rasant ausbreiteten, wenn man Frauen erlaube Auto zu fahren.

Kamal Subhi [ist] ehemaliger Professor an der King Fahd University in Dhahran. In einem Gutachten, das er kürzlich dem gesetzgebenden Shura-Rat vorlegte, warnt er, es würde in zehn Jahren keine Jungfrauen mehr geben, wenn man das weibliche Geschlecht auf den Straßenverkehr loslasse. Damit nicht genug der absurden Prophezeiungen: "Frauen das Autofahren zu erlauben würde einen Anstieg von Prostitution, Pornografie, Homosexualität und Scheidungsraten provozieren", konkretisierte Subhi seine schlimmsten Befürchtungen laut dem britischen "Telegraph". Er begründet diese Prognose mit dem Sittenverfall, den er in anderen islamischen Ländern beobachtet haben will, wo Frauen das Autofahren erlaubt ist.
(Spon 03.12.11)

Na zum Glück wird in Merkels Lieblingsland des Nahen Ostens - niemand sonst wird so massiv mit deutschen Waffen aufgerüstet - konsequent mit zehn Peitschenhieben gegen Weiber am Steuer vorgegangen.
Wir wollen ja nicht, daß sich das Land der Heiligen Stätten Mekka und Medina in so eine Art arabisches GayRomeo verwandelt.


Der Hort der (sunnitischen) Islamischen Lehre ist immer noch die Universität Kairo.
Aus Ägypten stammt auch ein leider nicht namentlich genannter Kleriker, der sich ebenfalls um das Wohl der muslimischen Frauen sorgt.
Wie die beiden abrahamitischen Schwesterreligionen Judentum und Christentum weiß auch der Islam, daß Frauen minderwertig und geistig etwas zurück geblieben sind.
Insbesondere haben sie aber die Ursünde über uns gebracht und trachten auch heute noch danach keusche Männer zu verführen.
Unersättlich ist der teuflisch-sexuelle Appetit des schwachen Geschlechts.

Um die Weiber nicht noch zusätzlich aufzugeilen wird nun empfohlen ihnen Wurzeln, Zucchini, Gurken, Bananen und andere Lebensmittel, die phallische Assoziationen wecken, zu verbieten.

Präziser: Frauen dürfen schon Gurken essen, aber sie sollten sie nicht in ihrer Ursprungsform SEHEN - daher muß ein Mann dafür sorgen derart liederliches Gemüse vorher unkenntlich klein zu schneiden.

Islamic cleric bans women from touching bananas, cucumbers for sexual resemblance CAIRO: An Islamic cleric residing in Europe said that women should not be close to bananas or cucumbers, in order to avoid any “sexual thoughts.” The unnamed sheikh, who was featured in an article on el-Senousa news, was quoted saying that if women wish to eat these food items, a third party, preferably a male related to them such as their a father or husband, should cut the items into small pieces and serve. He said that these fruits and vegetables “resemble the male penis” and hence could arouse women or “make them think of sex.” He also added carrots and zucchini to the list of forbidden foods for women. The sheikh was asked how to “control” women when they are out shopping for groceries and if holding these items at the market would be bad for them. The cleric answered saying this matter is between them and God. Answering another question about what to do if women in the family like these foods, the sheikh advised the interviewer to take the food and cut it for them in a hidden place so they cannot see it.
(bikyamasr.com 06.12.11)

Hut ab, diese religiösen Moralexperten strotzen vor brillanter Ideen!

Sonntag, 27. November 2011

Unwürdiges Geschacher.

Der gegenwärtige Neonaziterror ist natürlich nicht so etwas wie eine braune RAF, keine BAF.
Die RAF hatte intellektuelle Wurzeln, eine politische „Mission“ und rechtfertigte sich mit etlichen komplizierten und ausführlichen Bekennerschreiben.
Der Neonaziterror ist auch nicht mit islamistischem Terror zu vergleichen.

Die RAF versetzte ganz Deutschland über zwei Dekaden in helle Aufregung, bescherte eine Fülle neuer strafrechtlicher Regeln, sogar den Bau eines speziellen Hochsicherheitsgefängnisses inkl Gerichtssaal und forderte 34 Todesopfer.

Helle Aufregung und jede Menge neue Sicherheitsgesetze verursacht auch der Islamistische Terror seit 2001. Er forderte in Deutschland bisher ein Todesopfer.

Der Neonaziterror hat in den letzten beiden Dekaden an die 200 Todesopfer gefordert, zehntausende in Angst und Schrecken versetzt und eine riesige Zahl Opfer produziert, die durch Prügelübergriffe gezeichnet sind. Seit Jahren sind die Zahlen erschreckend.

Im vergangenen Jahr [2009] sind insgesamt 19.468 politisch rechts motivierte Straftaten in Deutschland polizeilich erfasst worden. Darunter waren 959 Gewalttaten und 13.295 Propagandadelikte, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (17/1319) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (17/1115) mitteilt.
(NPD-blog.info)

Verglichen mit den anderen beiden Terrorformen ist der Naziterror aber kaum zur Kenntnis genommen worden.
Daß die Terroristen sich überall rechtsfreie Enklaven („ausländerfreie Zonen“) schafften, in denen sie herrschten und herrschen, läßt sich der Staat erstaunlich langmütig gefallen.

Daß die NSU überhaupt aufflog, ist nur ihr selbst zu verdanken - Staatsschutz und Polizei tappten desinteressiert im Dunkeln.

Kaum je haben Täter auf spektakulärere Weise auf sich aufmerksam gemacht als die drei Verdächtigten von Zwickau: ein abgefackeltes Wohnmobil, ein Doppelselbstmord, ein explodiertes Wohnhaus, eine Flucht - und eine großzügige Hinterlassenschaft von Waffen, die Gewalttaten zugeordnet werden konnten. Da blieb selbst dem verschlafensten Polizisten nichts anderes übrig, als aktiv zu werden. Hätten sich die drei ruhig verhalten: Ob sie dann bis ins Rentenalter unbehelligt geblieben wären?
(Bettina Gaus 11.11.11)

Ein Ermordeter ist tot. Das Unrecht ist immer gleich schlimm - egal ob der Täter links, rechts, religiös oder sonst was war.
Aber die Auswahl der Opfer beeinflusst ganz wesentlich die Reaktion der deutschen Gesellschaft.

Die RAF erkor die Stärksten der Gesellschaft zu Opfern, die braune Pest hat die Schwächsten im Visier. Werden Generalbundesanwälte, Chefs von Großbanken oder Toppolitiker ermordet, bebt die Republik.

Trifft es Asylbewerber aus Afrika, Obdachlose, Türkische Hausfrauen, Behinderte, Punks oder einfache Griechische Geschäftsleute ist alles halb so wild. Gesamtgesellschaftliches Achselzucken ist dabei noch nicht einmal die übelste Variante.

Bei den zehn Todesopfern der NSU setzte sofort ein gesellschaftliches Empfinden durch, daß die Opfer schon irgendwie selbst schuld wäre. Da müsse ja wohl „irgendwas Milieutypisches“ eine Rolle gespielt haben. Schutzgelderpressung, Mafia - was der gemeine Türke „eben so macht.“

Teilweise wurden sogar die entsetzten Angehörigen gleich mit zur Polizei geschleppt und stundenlang verhört.

Interessant zu erfahren wäre auch, weshalb eigentlich im Zusammenhang mit toten Migranten stets so schnell die Rede war von möglichen Kontakten der Opfer zum kriminellen Milieu. Stehen Minderheiten hierzulande unter Generalverdacht, selbst wenn sie umgebracht werden?
(Bettina Gaus 11.11.11)

Den Fall des verprügelten Teenagers aus Laucha hatte ich schon einmal ausführlich beschrieben.
Seine Mutter stammt aus Israel. Also ist er Jude und was sucht "so einer" auch in Ostdeutschland? Selbst Schuld, wenn er platt gemacht wird.

Als im April 2010 ein 17-Jähriger Junge einer aus Israel stammenden Mutter in Sachsen-Anhalt von Skinheads schwer verletzt wird, greifen sechs Passanten nicht ein.

Als Noam Kohen [Name geändert!] am 16. April mit dem Regionalzug aus Naumburg zurückkehrt, ist sein Leben in Deutschland noch in Ordnung. Es ist 18 Uhr, er kommt vom Friseur, alles sieht nach einem ganz gewöhnlichen Abend aus. Ein paar seiner Schulfreunde sitzen an der Bushaltestelle vor dem Bahnhof in Laucha, Sachsen-Anhalt. Noam setzt sich zu ihnen. Kurz darauf kommt Alexander P. vorbei. Er ist 20 und trägt Glatze. Ohne Warnung schlägt er Noam ins Gesicht und brüllt: »Geh zurück, wo du hergekommen bist. Du Judenschwein!«
(Zeit 14.6.2010)

Als die Tat später in Zeitungen auftaucht, stellt sich schnell ein besonderer Tenor ein - Noam sei ja auch selbst Schuld; denn wieso wollte er auch Fußball spielen, obwohl doch jeder wußte, daß der Fußballtrainer im Ort, »Lutz Battke«, der bekannteste und angesehenste Rechtsradikale ist.
Daß er seine Anhänger dazu bringen würde, das „Judenschwein platt zu machen“ sei abzusehen gewesen. Battke wäre zwar ein gewalttätiger Nazi, aber eben auch ein guter Fußballtrainer, da könne man ja auch nicht von der Stadt erwarten irgendetwas gegen ihn unternommen zu haben. [...]
Nein, die Finger sind auf die Familie des Opfers gerichtet.
Aus ISRAEL! Was kommen die auch nach Deutschland?
Michael Bilstein, der Bürgermeister von Lauche ist genervt.

»Dieser Vorfall ist nicht gut für die Stadt Laucha«, sagt er. Der Bürgermeister meint den Angriff auf Noam. Es klingt, als sorge er sich vor allem um den Ruf seiner Stadt. Was ist mit Lutz Battke? »Fragen Sie doch mal die Leute auf der Straße, was die über Battke denken. Die halten ihn für einen Schornsteinfeger, der ordentlich seinen Job macht und sich als Trainer nichts zuschulden kommen lässt.« Bilsteins eigener Sohn spielt auch in diesem Verein. Dann hat der Bürgermeister genug von dem Gespräch, dreht sich um und eilt davon.
(Zeit 14.6.2010)

Laucha ist aber überall.
Es berichtet nur kaum einer darüber. Das Thema ist unsexy und schwer zu recherchieren.

"Ausländer" werden hierzulande eben nicht geachtet.

Überraschen kann es ja nun wirklich niemanden mehr – neonazistische Exzesse in der Ex-DDR. Ein 50-Mann-starker brauner Mob jagt unter dem Gejohle und Amüsement der netten Mügelner eine Gruppe Inder in Lynchabsicht durch die Stadt. Gerade mal 2 ½ Wochen ist es her, daß in Burg rechte Prolls eine vietnamesische Familie in deren Wohnung überfielen, dabei ausländerfeindliche Parolen skandierten und einen 14-Jährigen schwer verletzten . In derselben Nacht verprügelten zwei Unbekannte auf einer Zugfahrt zwischen Magdeburg und Burg einen 27-jährigen Chinesen.

Am 18.Juli 2007 hetzten rechte Dumpfbirnen in Schwerin farbige Franzosen, grölten rassistische Parolen. Nur drei Tage vorher verprügelte ein Nazi-Mob in Magdeburg fünf Russlanddeutsche brutal. Keine 24 Stunden davor treten fünf Skins in Berlin einen Polen zu Brei. Nicht zu vergessen, wie in Halberstadt ein Dutzend Nazi-Untermenschen eine ganze Theatergruppe niedermachten.

Usw, usw,...

Das schlimme ist, daß man sich daran gewöhnt – es ist eine Irakisierung der Nachrichten aus Ostdeutschland – man kennt das ja alles schon. Es gibt dauernd Opfer, seit Rostock 1992 ist man aber zunehmend abgestumpft. Die Passivität der Einwohner schockiert gerade noch Claudia Roth; sie zog Parallelen zur Ausländerhatz in Rostock- Lichtenhagen vor 15 Jahren. Einer tagelangen Belagerung eines Wohnheimes für Vietnamesen folgten damals heftige Ausschreitungen, an denen Rechtsextreme und Anwohner beteiligt waren. «Solche abscheulichen Szenen eines Mobs wie in Mügeln; erinnern mich fatal an Rostock-Lichtenhagen. Auch hier hat die Bevölkerung tatenlos zugesehen», sagte Roth.
RECHT HAT SIE natürlich, aber was mich nun doch noch schockt, ist die Dummdreistheit der ostzonalen Kommunalpolitiker. Der Mügelner Bürgermeister Deuse vermutet öffentlich, dass es sich bei den Tätern um Auswärtige gehandelt haben könnte. "Wenn es rechtsextreme Geschehnisse waren, dann kamen die Täter nicht aus Mügeln", sagte er. Also unmügelsche Außerhalbdeutsche – dann ist
es ja nicht weiter schlimm.

(Tammox 2007)


Bettina Gaus stellte im vorletzten ARD-Presseclub die Frage, wie „wir“ (Presse, Polizei, Politiker, Normalbürger,..) wohl reagiert hätten wenn nicht hauptsächlich türkisch- und griechisch-stämmige Kleinunternehmer, sondern zehn Chefärzte ermordet worden wären.

Hätte es dann auch geheißen, das habe sicher irgendwelche milieutypischen Gründe - Abrechnungsbetrug, Konkurrenz um Veröffentlichungen - was der gemeine Chefarzt eben so tut?

Und nun der Bundeswulff, der überall gelobt wird, weil er sich mit den Opfern traf.

Dabei war das eine reine Selbstinszenierung!
Ihm ist vorher nie eingefallen sich um migrantische Mordopfer zu kümmern und nun ließ er zunächst die Öffentlichkeit per Pressemitteilung wissen, daß er die Hinterbliebenen zu treffen gedenke - BEVOR er sich selbst mit ihnen in Verbindung gesetzt hatte!

Besäße der Bundespräsident nur ein bißchen Anstandsgefühl hätte er sich ERST an die Verwandten der Opfer gewandt, sie gefragt, ob sie ihn überhaupt treffen wollen und DANN die Öffentlichkeit informiert.
Es ist ja wohl vorstellbar, daß eine von der deutschen Polizei als mögliche Täterin gedemütigte Tochter, deren Vater von Nazis hingerichtet wurde, möglicherweise nicht zu einem PR-Termin mit Christian Wulff erscheinen möchte.
Aber sowas fällt den Top-Repräsentanten dieses Staates immer noch nicht ein. Für ihn sind die Opfer nur Staffage.
Wulff und die anderen Staatsspitzen können sich ja noch nicht mal untereinander einigen.

Der Bundespräsident wollte eine „Feierstunde“ im Bundestag abhalten. Der Bundestagspräsident fand die Idee aber doof und schmollt nun.
Die beiden können sich ohnehin nicht leiden und reißen sich offensichtlich auch nicht zusammen, um die Nazi-Opfer zu würdigen.

Wulff wollte zunächst eine zentrale Gedenkfeier im Parlament, an der Vertreter von Bund und Ländern gemeinsam teilnehmen sollten. Ein Termin Anfang Dezember war ins Auge gefasst. Lammert hielt jedoch die Bundestagsdebatte in der vergangenen Woche bereits für ausreichend. Auch für die Opfer des RAF-Terrors oder für in Afghanistan gefallene Soldaten habe es keine Gedenkfeier im Parlament gegeben. Wulffs Amtschef Lothar Hagebölling gab schließlich während eines Telefonats in der vergangenen Woche nach. Nun will Wulff, den das Treffen mit den Angehörigen der Neonazi-Opfer am vergangenen Mittwoch tief bewegte, im Februar eine Veranstaltung mit der Bundesregierung durchführen - ohne Lammert.
(Spon 27.11.11)