Dienstag, 31. Januar 2012
Ungetäuftigkeit
Pfingstkirchler, Born-again-Christen und Evangelikale praktizieren ihren Glauben so, daß kaum noch Gemeinsamkeiten zum Katholizismus zu erkennen sind.
Dennoch würden sie die europäisch geprägten Römisch-Katholischen immer als Christen ansehen, während die phänotypisch ähnlicheren uramerikanischen Anhänger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage oft als keine „richtigen“ Christen betrachtet werden.
Viele der Südstaaten-Evangelikalen haben sich im US-Wahlkampf 2012 für den Katholiken Rick Santorum ausgesprochen - er ist so überzeugend homophob.
Dabei wage ich zu bezweifeln, ob Santorums Chef in Rom so zufrieden mit den Gottesdiensten wäre, wenn beispielsweise mit Giftschlangen* getanzt wird.
Dies wiederum kritisieren auch die Zeugen Jehovas*, die zwar als ausgesprochen fromm und konservativ gelten, aber schon deswegen von den Nazi-freundlichen Katholiken verachtet wurden, weil sie sich konsequent dem Kriegsdienst verweigerten und das KZ dem „Dienst“ in Hitlers Armee vorzogen.
Sie verweigerten sich also dem „Rückgrat des großdeutschen Reichs“, das wiederum vom Oberkatholiken Papst Pius XII bejubelt wurde.
Ich wünsche dem Führer nichts sehnlicher als einen Sieg.
(Papst Pius XII. Seligsprechung geplant von Joseph Ratzinger)
'Ich liebe Deutschland jetzt noch mehr.'
(Papst Pius XII, nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch deutsche Einheiten)
Der große Tag X ist nahe, der Tag des Einmarsches in die Sowjetunion.
(Papst Pius XII.)
Es ist also schwierig alle Christen unter einen Hut zu bekommen.
Gemeinsam ist ihnen allerdings die Taufe, die in allen Christlichen Konfessionen als zentral angesehen wird.
Durch das Sakrament der Taufe wird ein Mensch zum Kind Gottes und somit Teil der Glaubensgemeinschaft der Christen: der Kirche.
Das Eintauchen in Wasser – oder auch das Übergießen des Kopfes mit Wasser – versinnbildlicht den Tod, die Reinigung sowie die Wiedergeburt und Erneuerung.
Durch die Taufe werden die Erbsünde und alle persönlichen Sünden vergeben. Ein neues Leben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus und mit allen, die an ihn glauben, beginnt.
Die Taufe ist Voraussetzung, um weitere Sakramente empfangen zu können. Sie zählt neben Eucharistie und Firmung zu den Einführungssakramenten.
(Bistum Würzburg)
Unnötig an dieser Stelle zu wiederholen, daß ich es ausgesprochen mies und verantwortungslos finde Menschen zu taufen, bevor sie selbst entscheiden können, ob sie das überhaupt wollen.
Diesbezüglich sind die Amish People vorbildlich. Sie leben ihren Kindern ihr streng konservatives und entbehrungsreiches Leben vor und lassen sie dann mit 18 oder 19 Jahren für bis zu ein Jahr „herumhüpfen.“
In dieser Zeit können sie sich gehen lassen, Erfahrungen sammeln und anschließend ganz bewußt und selbstständig entscheiden, ob sie sich taufen lassen wollen und damit zu einem Mitglied der Amish-Gemeinde zu werden.
(Seit Jahren versuche ich immer wieder zu recherchieren, wie frei diese Entscheidung wirklich ist und ob das „Herumhüpfen“ irgendwie reglementiert wird.
Offenbar entscheiden sich aber je nach Gegend tatsächlich zwischen 10 % und 40 % der Amish-Jugendlichen gegen den Eintritt in ihre Gemeinden.)
Es hat durchaus seine Vorteile sich NICHT taufen zu lassen, dann mit dem Eintritt in die „Gemeinschaft mit Jesus Christus“ ist es so wie mit der Jungfräulichkeit; es gibt keinen Weg zurück.
Ist die Ungetäuftigkeit einmal weg, bekommt man sie nie wieder zurück!
Die Taufe eines Kindes kann nicht annulliert werden, wie soeben höchstrichterlich festgestellt wurde.
Ein Vater wollte die Taufe seiner Tochter rückgängig machen. Dazu hatte der Mann gegen die katholische Kirchengemeinde geklagt. Hintergrund war, dass die geschiedene Frau die damals dreijährige Tochter im Jahr 2010 taufen ließ, ohne den Vater zu fragen. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies die Klage jedoch ab (Beschluss v. 16.1.2012, Az.7 ZB 11.1569).
(dpa/cla/LTO-Redaktion 30.01.2012)
Die Ungetäuftigkeit zu behalten ist sogar schwieriger als Jungfrau zu bleiben.
Letzteres ist endgültig geschafft mit dem eigenen Tod. Man kann dann mit einem großen Pfund bei Petrus wuchern und ist dem Himmel einen großen Schritt näher.
Hat man aber sein Leben als Ungetaufter ausgehaucht, ist der Drops immer noch nicht gelutscht. Manchmal wird die Taufe sogar noch anschließend vollzogen - also wieder, ohne daß man sich wehren könnte.
Wie jetzt bekannt wurde, hat die Familie von Mitt Romney, eine der Präsidentschaftskandidatenbewerber in den USA, den verstorbenen atheistischen Vater seiner Ehefrau posthum, ein Jahr nach dessen Tod, als Mormone taufen lassen.
Edward Roderick Davis war Ann Romneys Vater, der 1992 starb, und der sein Leben lang als standhafter Atheist gelebt hatte. Ein Jahr nach einem Tod wurde er in einer kirchlichen Zeremonie in die Kirche der Heiligen der letzten Tage aufgenommen.
(Daily mail 30.01.12)
Jungfrau zu bleiben ist leichter, da posthumes Poppen kirchlich nicht vorgesehen ist.
Bevor jetzt der ein oder andere einwendet “ist mir doch egal, ob ich getauft wurde - ich bin eh ausgetreten” ist es wichtig auf unser künftiges Leben im Jenseits zu verweisen.
Hölle ist nämlich nicht gleich Hölle!
Da gibt es Abstufungen. Man kann in Satans Belle Etage die Ewigkeit verbringen, während man auf die übliche Weise geschmort wird.
Aber für besondere üble Typen gibt es auch noch den Höllen-internen Darkroom mit besonders schlimmen Foltermethoden.
Das hat der weiseste aller weisen Fernsehpfarrer, Pfarrer Buschor, die Ikone von K-TV klar definiert
Hochwürden Hans Buschor (79), emeritierter Professor im Kollegium Maria Hilf, Schwyz ist der geistliche Leiter des am 11. September 1999 gestarteten St. Gallener Senders.
Die Taufe zwingt niemand Gott und die Menschen zu lieben. Die Taufe ermöglicht nur. Ein Mensch kann die Taufgnade nur zerstören, wenn er die Gnade bekommen hat. Die Gnade von sich werfen, will sie nicht, sondern er will Gott nicht lieben, der Mensch hat die Freiheit Gott zu lieben. Und deshalb also: Die Taufe ermöglicht eine ganz besonders innige Liebe zu Gott.
ABER wenn ein Getaufter zu einem Atheisten wird, ist seine Verantwortung auch noch viel größer, weil er eine große Einladung Gottes, ein großes Gnadengeschenk Gottes verworfen hat und als Getaufter hat der es dann in der Hölle sehr viel schlimmer, als wenn er nicht getauft wäre. Das ist eine Tatsache.
(K-TV im Januar 2012, watch 3:55 - 4:50)
Zum Glück bin ich nicht getauft.
Aber ich weine mit den armen Atheisten, die als Babies gegen ihren Willen getauft wurden. Sie müssen die Ewigkeit in einem noch viel schlimmeren Höllenfeuer verbringen, als die Schon-immer-Atheisten!
Ich schmore später mal nur in der "Hölle-light", weil ich es quasi nicht besser wußte. Aber die, die einst die Gnade Gottes bei der Taufe erfuhren und sich dann ABGEWENDET haben, werden für diesen Frevel noch viel mehr gefoltert als Normal-Heiden wie ich!
*Im Südosten der Vereinigten Staaten wird in einigen charismatischen Kirchen beim Gottesdienst mit Giftschlangen hantiert. Manche legen sich so eine Schlange um die Schultern, andere nehmen gleich mehrere auf einmal in die Hand. Die Schlangen können dadurch aufgeschreckt werden und beißen dann auch schon einmal zu. Deswegen gab es im Lauf der Jahre bereits etliche Todesopfer.
Begründet wird das Schlangenritual mit Markus 16:17, 18, wo unter anderem steht: „Mit ihren Händen werden sie Schlangen aufheben.“ In der King James Version wie auch in manchen älteren deutschen Bibeln wird der Anschein erweckt, als ob diese Verse so im Originaltext gestanden hätten.
(Wachturm 2010)
Samstag, 28. Januar 2012
Abs und Abs.
Und tatsächlich; auf Landesebene entstandene Gruppen wie die Hamburger „Schill-Partei“ und „Statt-Partei“ oder die „Bürger für Bremen“ gerieten schnell wieder in Vergessenheit.
Haben sich aber Parteien einmal auf Bundesebene festgesetzt und sind in das Bewußtsein Gesamtdeutschlands eingedrungen, lösen sie sich nicht so schnell wieder auf.
1990 erreichten bei der Bundestagswahl die Grünen in Westdeutschland katastrophale 3,85 % und erhielten keinen einzigen Sitz. Bis 1994 vertraten nur acht Ost-Abgeordnete von Bündnis 90 die Grünen im Bundestag, da durch eine Sonderregelung im „Beitrittsgebiet“ die 5%-Hürde deaktiviert war.
Viele Konservative frohlockten, der Grüne Spuk sei bald erledigt.
Bei der Bundestagswahl 2002, mittlerweile galt die gesamtdeutsche 5%-Hürde für alle, rutschte die PDS auf 4,3% weg und konnte lediglich zwei Direktkandidaten in den Bundestag schicken. Drei wären notwendig gewesen, um auch den Rest der Liste ins Parlament zu hieven.
Petra Pau (Berlin-Marzahn-Hellersdorf) und Gesine Lötzsch (Berlin-Lichtenberg-Hohenschönhausen) galten als die letzten demokratischen Sozialisten, die der Bundestag sehen würde.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Im derzeitigen Bundestag sind beide Parteien zweistellig. 68 Grüne und 76 Linke bilden jetzt wieder stabile arbeitsfähige Fraktionen.
Für die 93 Freidemokraten hingegen könnte das Totenglöcklein, welches eher als Killer-Gong zu bezeichnen ist, tatsächlich geschlagen haben.
Die „Liberalen“ sind personell verwaist, thematisch ausgeblutet und taktisch überflüssig.
Als der letzte Vorsitzenden Westerwelle seine Spaßparteiphase hatte und im quietschegelben „Guidomobil“ umherfuhr, bei BigBrother auftrat und mit der aufgemalten „18“ unter den Schuhsohlen bei Sabine Christiansen saß, war man noch einigermaßen schockiert über den Umgang mit einer eben noch als seriös geltenden Partei.
Westerwelle regte auf, drängte die letzte echte Liberale, Hildegard Hamm-Brücher, aus der Partei und sein Strategie-Intimus Möllemann griff zum letzten Fallschirm.
Man war ehrlich beunruhigt über die Richtung, die die FDP einschlug.
Erst nachdem Möllemann aufschlug ließ Guido den gröbsten Unfug, bevor seine ganze Partei hinschlug.
Beim gegenwärtigen Parteichef Fipsi Rösler hat sich die öffentliche Wahrnehmung fundamental verändert. Die FDP wurde zunächst mit Ärger betrachtet, der dann in Häme und alsbald in Mitleid überging.
Diese Emotionen sind aber inzwischen vorbei; die FDP interessiert ganz einfach niemanden mehr, ihr wird niemand hinterher trauern.
Meldet sich ein FDP-Politiker zu Wort, weiß man ohnehin, daß nun großer Unsinn folgen wird, der keiner Replik würdig ist, weil der liberale Diskutant im Sterben liegt.
Die FDP taugt nur noch für die Satireseiten.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther ruft seine Fraktionskollegen zum Medienboykott auf und glaubt offenbar ernsthaft, daß es seiner Partei hülfe, wenn er wie ein kleines Kind vor der Realität die Augen verschlösse.
Die Medien wären „Hetzer“ und betrieben nur noch „linksgrüne Hysterie“, man solle sie bestrafen, indem man Zeitungen abbestelle und den TV auslasse.
Die Medien mit linksgrüner Hysterie-Berichterstattung werden immer mehr zur 1. Gewalt im Staat. Sie konnten uns vorübergehend suggerieren, dass man in Deutschland nicht einmal mehr einen neuen, modernen Bahnhof bauen darf.
[….] Wer stoppt diesen Kampagnen-Wahnsinn? Solange wir als Zeitungsleser, Radiohörer und Fernsehzuschauer uns weiter so an der Nase herumführen lassen, wird sich nichts ändern. […] Nun kann man unmoralische und unfähige Journalisten nicht einfach zum Rücktritt auffordern. Wohl aber kann man Zeitungen abbestellen, Radio- und Fernsehsender nicht mehr einschalten. Ich bin sicher, dann würde sich einiges ändern im medialen Bereich.
(Offener Brief von Joachim Günther 11.01.12)
Ich bin mir sicher, daß Spiegel und BILD schon schlottern vor Angst bei der Vorstellung die verbliebenen dreieinhalb FDP-Fans würden ihre Blätter nicht mehr lesen.
FDP-Stimmen zum Medien-Boykott.
Der Kategorie Günther gehört auch der Bayerische Ex-FDP-Landtagsabgeordnete Dietrich von Gumppenberg an, der seine Bestimmung darin sieht RTL wegen des Dschungelcamps zu verklagen. Moderator Dirk Bach ist wenig beeindruckt.
SPIEGEL ONLINE: Anlässlich der Dschungelcamp-Premiere protestierte nur noch der "Bund gegen Missbrauch der Tiere" wegen der Behandlung der Kakerlaken und Mehlwürmer, und ein FDP-Politiker zeigte RTL wegen "dringenden Tatverdachts der vollendeten Körperverletzung" an.
Bach: Die FDP hat sich inzwischen ja fast selbst erledigt. Und wenn jemand die Menschenrechte verteidigen will, soll er Mitglied bei Amnesty International werden.
(Spon 22.01.2012)
Auf mehr Interesse dürfte da schon die Klage der SPD gegen den FDP-Entwicklungshilfeminister stoßen.
Der SPD-Abgeordnete Sascha Raabe hat den Liberalen wegen des Verdachts der Untreue angezeigt. Hintergrund ist eine umstrittene Stellenbesetzung. Die FDP spricht von einer Hetzkampagne.
[….] Niebel eckt vor allem mit Personalbesetzungen und dem Neuzuschnitt seines einst von einer sozialdemokratischen Ministerin geführten Ressorts an. [….]
Nun gewinnt der Streit zwischen Niebel und seinem Hauptgegner Raabe an Schärfe. Der SPD-Politiker griff zu einem ungewöhnlichen Mittel, am Donnerstag stellte Raabe bei der Berliner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Bundesminister. Per Einschreiben ging ein vierseitiges Schreiben an die Behörde heraus. Der Vorwurf an die Adresse Niebels: "Verdacht auf Untreue."
Konkret geht es um die jüngst erfolgte Besetzung der Servicestelle "Engagement Global" im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
(Severin Weiland 26.01.12)
„Hetzkampagne“ gegen die FDP? Niebel geht d’Accord mit Joachim Günther.
Immerhin hat Günther überhaupt mal wieder für eine Schlagzeile gesorgt.
Wenn es sein Parteichef versucht - womöglich sogar mit politischen Themen - wird es einfach nur albern.
Röslers Anti-Solarenergie-Attacke nennt die gediegene „ZEIT“ euphemistisch „nicht intelligent“
Rösler macht Krawall.
Der Wirtschaftsminister kämpft gegen Solar-Subventionen. Wirklich intelligent ist das nicht.
[….] Für Schlagzeilen hat der Chef der ums Überleben kämpfenden FDP damit gesorgt, gesagt hat er allerdings wenig – weniger jedenfalls, als er vor rund zwei Monaten schon einmal zu diesem Thema sagte. Damals machte sich Rösler dafür stark, Solaranlagen nur noch bis zu einer jährlichen Gesamtleistung von 1.000 Megawatt zu fördern; im vergangenen Jahr sind mehr als 7.000 Megawatt gefördert worden. Doch inzwischen antwortet Rösler auf die konkrete Frage, ob er einen Deckel für die Förderung wolle, mit einem klaren »Nein«. Abenteuerlicher könnte die Wende kaum sein. Abstrakt mosern, aber konkret den Streit scheuen, das ist offenbar die Devise des Ministers.
(Fritz Vorholz 22.01.2012)
Röslers neue Obst-Werbekampagne verstehen die Medien allgemein als Beleg dafür, daß sich der Wirtschaftsminister endgültig aus der Realität verabschiedet hat.
Der Parteichef klärt umgehend auf. Die "Stimmung an der Basis ist hervorragend", teilt er freudig mit. "Absolut optimistisch", schiebt er noch hinterher. Was die Frage aufwirft, in welcher heilen Welt der Vizekanzler am Morgen aufgewacht ist. Oder ist das Galgenhumor?
[…] Am Morgen hat der neue Generalsekretär Patrick Döring das erste Wachstums-Plakat vorgestellt. Es zeigt ebenjene junge Frau, verkleidet als Obstverkäuferin. Zerzauste schwarze Haare, beide Hände in die Hüften gestemmt, grüne Schürze, drunter weißes T-Shirt, das Ganze vor einer Kulisse aus Äpfeln, Birnen, Orangen und Limetten. Und natürlich dieses breite Zahnarzttochterlächeln, das Rösler nachzuahmen sucht.
[…] Rösler gefällt das Wachstums-Plakat. Die Sache mit dem Wachstum ist auf seinem Mist gewachsen. "Das Wachstumsthema habe ich gesetzt", verkündet er stolz wie Tom Hanks in dem Film Cast Away, kurz nachdem es diesem gelungen ist, ein Feuer zu entfachen. Da haut er sich mit beiden Fäusten auf die nackte Brust und brüllt: "Jaaa! Seht, was ich getan habe! Ich habe Feuer gemacht!"
(Thorsten Denkler 23.01.12)
Ein Problem mathematischer Art haben die Demoskopen mit Röslers Partei.
Die Situation für die FDP wird immer dramatischer. Die Liberalen sind im aktuellen Politbarometer, das von ZDF und Tagesspiegel erhoben wird, auf ein historisches Tief gefallen. In der politischen Stimmung liegt die Partei demnach nur noch bei einem Prozent. Seit gut anderthalb Jahren rangiert der Koalitionspartner von CDU und CSU nun schon unterhalb der Fünf-Prozent-Marke - so weit drunter war sie bisher aber noch nicht.
(Christian Tretbar 27.01.12)
Das Problem an einer Ein-Prozentpartei ist, daß sie statistisch nicht mehr auswertbar ist in herkömmlichen Umfragen.
Bei durchschnittlich 1000 telefonisch Befragten bedeuten 1% FDP, daß gerade mal zehn Personen für die Partei sprachen.
Fragt man diese dann beispielsweise weiter nach ihrer Meinung Pro oder Contra Rettungsschirm, hat man zu wenige Informationen für ein seriöses Stimmungsbild.
Die wenigen Antworten sind statistisch schlicht nicht mehr sinnvoll interpretierbar.
[…] Jetzt finden sich bei Umfragen nicht einmal mehr genügend FDP-Anhänger, um zu einzelnen Themen ein verlässliches Meinungsbild zu erstellen. "Parteianhänger der FDP wegen zu geringer Fallzahl nicht ausgewiesen", heißt es auf den Schaubildern der Institute.
[….] Teilgruppen, die auf weniger als 30 Interviews basieren, gelten als statistisch nicht mehr sinnvoll interpretierbar, sagt Oliver Sartorius von TNS-Infratest.
(Peter Blechschmidt 27.01.12)
Die Demoskopie hat bei der FDP schon ausgedient.
Will man ein Meinungsbild der Partei erstellen, ruft man am besten jedes Parteimitglied einzeln an.
Das ist ja schnell erledigt.
Samstag, 21. Januar 2012
Trends.
Nachdem sich seine Partei als genau die debakulierende Schlangengrube erwies, die wir derzeit auch auf Landesebene (Saarland) und Bundesebene erleben, gab er im Januar 2011 seinen Austritt aus der Bürgerschaftsfraktion und der FDP bekannt.
Die Partei habe sich „im höchsten Maße charakterlos“ gezeigt. Das Erscheinungsbild der Lübecker FDP sei „geradezu desaströs“, die Qualität der Arbeit der Bürgerschaftsfraktion habe „rapide abgenommen“.
Von „nennenswerten politischen Aktivitäten oder Initiativen“ wäre „praktisch überhaupt nichts mehr öffentlich wahrnehmbar“.
Die FDP-Lübeck liefere „ein Bild der Selbstauflösung.“
Auf allen politischen Ebenen also das gleiche Bild.
Im Kopf der Ex-Bundesgenerals Christian Lindners dürften genau diese Überlegungen stattgefunden haben, als er im Dezember 2011 Fipsi Rösler seinen Posten vor die Füße warf.
Christian Schmitt, 30, bis zum 15.12.2011 FDP-Fraktionsvorsitzender im Saarländischen Landtag und somit einer von drei Organisatoren der dortigen Jamaika-K.O.alition folgte einen Tag später.
FDP-Schmitt hatte endgültig genug von dem Sauladen, warf den Fraktionsvorsitz und gleich auch noch die FDP-Mitgliedschaft hin.
Schmitt erklärte, mangelnde Loyalität und Verlässlichkeit im Umgang miteinander hätten ihn dazu gebracht, das Amt des Fraktionschefs niederzulegen und die FDP zu verlassen. «Wenn die persönliche Schmerzgrenze überschritten ist, hat es keinen Sinn mehr, ein Amt zum Schein weiterzuführen», führt er aus. Das Kapitel FDP sei für ihn abgeschlossen. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bedauert nach Angaben eines Sprechers die Entwicklung beim Koalitionspartner. «Denn eine Unruhe in der Fraktion eines Partners bedeutet zwangsläufig auch Unruhe in der Regierungsarbeit», sagte er.
(dpa 14.12.11)
Für die Saar-FDP sind das allerdings ganz normale Verhältnisse.
Vor einem Jahr erst war FDP-Fraktionschef Horst Hinschberger wegen interner Intrigen zurückgetreten. Und der Kopf des FDP-Vorsitzenden Wirtschaftsminister Christoph Hartmann rollte gleich auch noch.
Am anderen Ende der Republik, in Brandenburg, gibt es den ungewöhnlichen Fall einer erfolgreichen FDP-Kommunalarbeit.
34% holte die FDP Treuenbrietzen bei der letzten Wahl von 2008.
Doch bis auf ein Mitglied wollen nun alle acht FDP-Mitglieder die Partei bis März verlassen.
[…] Der Bruch der Jamaika-Koalition im Saarland wegen der Querelen in der Saar-FDP - genau zu dem Zeitpunkt als der Bundesvorsitzende Philipp Rösler beim großen Dreikönigstreffen der Partei in Stuttgart eine programmatische Rede halten wollte. Dass Rösler dann nicht reagiert habe, das habe "das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt Ortsverbandschef Andreas Gronemeier.
(Karen Grass 15.01.2011)
Die Bundes-FDP sei "ein Klotz am Bein" verkündeten die Treuenbrietzener - und wer könnte ihnen widersprechen?
In der hessischen Kommunalpolitik verbleiben noch einige Politiker in der FDP - aber die Lyse hat auch hier eingesetzt.
Brigitte Pöpel, FDP-Abgeordnete in Wiesbaden zog vor einer Woche die Reißleine und kehrte Röslers Rasselbande den Rücken.
"Es gab von Anfang an Mobbing", beschreibt Pöpel ihre Erfahrungen. Die 44-jährige Steuerberaterin kandidierte vor zwei Jahren erstmals für das Wiesbadener Stadtparlament. Ihre Plakate seien damals seltener aufgehängt worden als die der Jungs, die mit ihr kandidierten, berichtet sie. Als sie das zweitbeste Ergebnis erzielte und Fraktionsvize werden wollte, wurde ein junger Mann vorgezogen. Sie habe ja zwei Kinder zu versorgen, hieß die Begründung.
(Heide Oestreicher 13.01.2012)
Frauen sind in der Partei Westerwelles, Niebels und Röslers generell nicht gern gesehen.
"Die FDP ist ein Männerverein":
Nach dem Austritt ihrer Stellvertreterin kritisiert die Vorsitzende der Liberalen Frauen den frauenfeindlichen Ton in ihrer Partei - und die Arroganz der männlichen Führungsriege. [….]
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist die einzige prominente Frau bei den Liberalen. "Die FDP ist ein Männerverein", sagt Doris Buchholz, Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen. "Sie haben in der FDP unheimlich Gegenwind, wenn Sie zu den Liberalen Frauen zählen", so Buchholz in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.
So hätte die Männerriege der FDP-Oberen erfolgreich die Einführung einer Frauenquote torpediert. Und die Vorwürfe gehen noch weiter: Parteifreunde hätten es abgelehnt, FDP-Frauen zu plakatieren, die ihnen zu wenig attraktiv erschienen: "Ich habe schon erlebt, dass man mir gesagt hat, man möchte gutaussehende Frauen auf Wahlplakaten - nach dem Motto: Sex sells", sagt Buchholz.
(Oliver Klasen und Raimon Klein 12.01.12)
Hübsche Gesichter wie das der Hamburger Spitzenkandidatin Katja Suding und der EU-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin wurden von Gaga-Guido als Aushängeschilder gefördert und protegiert.
Frauen MIT Gehirn haben dagegen keine Chance in der FDP.
Aber wieso sollte auch überhaupt jemand bei klarem Verstand in Röslers Lobby-Club mitmachen wollen?
Bei den einfachen Mitgliedern sieht der Trend nicht anders aus. 5000 FDP’ler schickten allein im Jahr 2011 ihre Parteibücher zurück. Die Zahl der Mitglieder fiel demnach bundesweit um 7,5 Prozent auf 63.416.
Die Flucht aus der hepatisgelben Partei verläuft inzwischen nicht mehr kleckerweise; es wird geklotzt. So auch in Bayern.
Der komplette Vorstand des FDP-Kreisverbands Memmingen ist zurückgetreten. Darüber hinaus erklärte ein Großteil der 38 Memminger FDP-Mitglieder seinen Austritt aus der Partei. Als Grund wird in einer Pressemitteilung die Unzufriedenheit mit der Europa-, Bundes- und Landespolitik der Liberalen genannt.
Laut dem bisherigen Memminger FDP-Vorsitzenden und Stadtrat Albert Schweiger sind die Zurück- und Ausgetretenen nicht mehr einverstanden mit den Entscheidungen, „die fern der Basis getroffen wurden und werden“.
(Memminger Zeitung 03.01.2012)
Immer weiter so.
Freitag, 6. Januar 2012
Retardierte Süddeutsche.
Wulff und Rösler und Co sind ja sooooo lustig.
Wenn man mal drei Stunden offline ist, hat man gleich wieder ein Dutzend Realcomedy-Geschichten verpasst.
Wie lustig ist das denn - nachdem der alte (32-Jährige) Generalsekretär Lindner schreiend weggelaufen war, holte sich Fipsi Rösler einen Mappus-Lookalike-Contest-Sieger, der sofort eine Fahrerfluchtaffäre mitbrachte und dann im ersten großen Interview erklärte, daß der Parteivorsitzende unfähig wäre!
Der neue Generalsekretär Patrick Döring hält Parteichef Philipp Rösler für einen "Wegmoderierer". Rösler sei "kein Kämpfer", sagte Döring in einem Interview im neuen stern.
(Stern 04.01.12)
Darüber sackt die FDP im Deutschlandtrend auf ein Allzeittief von zwei Prozent.
Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dem stern, er sehe die FDP "zum ersten Mal in ihrer Existenz gefährdet". In der Vergangenheit hätten ihr jedes Mal Koalitionswechsel zu schaffen gemacht, weil ein Teil ihrer Wähler die Wende verweigerte. Doch davon habe sie sich stets berappelt. Doch "dass sie so lange wie jetzt unter fünf Prozent liegt, hatten wir noch nie", erklärte der Forsa-Chef.
(Stern 04.01.2012)
Beim ach so wichtigen Dreikönigstreffen bewertet Ex-General Niebel den suizidalen Kollaps der Partei in einer Weise, die man nur nach einer vollständigen Gehirn-Ektomie verstehen kann.
Entwicklungsminister Dirk Niebel hatte zuvor beklagt, dass die Deutschen die positive Lage ihres Landes nicht zu schätzen wüssten. "Deutschland ging es noch nie zuvor in seiner Geschichte so gut wie heute. Die Einzigen, die das nicht wissen, sind die Deutschen", sagte er am Freitag beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart. Deutschland gehe es auch so gut, weil die Liberalen regierten. Die Bundesrepublik sei die wohl stärkste Volkswirtschaft auf der Welt, weil FDP-Wirtschaftsminister Rösler in der Regierung sei.
Die Deutschen seien laut dem englischen Sender BBC derzeit das beliebteste Volk der Erde - "doch nicht trotz FDP und Guido Westerwelle als Außenminister, sondern weil es die FDP und Westerwelle in dieser Regierung gibt".
(Spon 06.01.12)
Seit Jahren vermeide ich penibel Emoticons - aber wann, wenn nicht hier, ist ein „LOL“ angebracht?
:)
Fipsi demonstriert anschließend eindrucksvoll was er nicht kann: Reden halten.
Blass, emotionslos und fade parliert er von der ungeheuer neuen Parole "Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand: Dafür setzen wir uns ein."
Die FDP wolle das Wachstum ankurbeln und dann werde alles gut.
Schwunglos, substanzlos, intellektuell harmlos:
Es ist verständlich, wenn die auf zwei Prozent abgestürzte FDP sich ein Wachstum um fast jeden Preis wünscht. Ein Rezept für die deutsche Gesellschaft ist das nicht. Rösler propagiert einen völlig antiquierten Wachstumsbegriff, einen, der weit zurückfällt hinter das Jahr 1971. Damals waren die Freiburger Thesen der FDP das erste deutsche Parteiprogramm, das einen Abschnitt zum Umweltschutz enthielt: "Umweltschutz hat Vorrang vor Gewinnstreben und persönlichem Nutzen", hieß es dort. Der derzeitige Parteichef sollte das einmal nachlesen und sich von Hans-Dietrich Genscher schildern lassen, wie unter dessen Ägide als Bundesinnenminister das Umweltbundesamt gegründet wurde.
(Heribert Prantl 06.01.12)
Kurz bevor der Zweiprozentmann sein Auditorium endgültig mit der Gaga-Vorstellung von der „Unverzichtbarkeit der FDP“ in den Tiefschlaf gelangweilt hat, klingeln die Smartphones und simsen den finalen Tritt ins FDP-Gemächt durch die Saarländische Ministerpräsidentin Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer rüber.
Die Koalition mit der FDP sei ab sofort beendet.
Die Talibanisierung der Saarländischen Landesregierung durch die FDP ließ ihr keine Wahl.
Die Saar-FDP ist ein so unfassbar desaströser Dilettantenhaufen, daß selbst Fipsi und Niebel dagegen noch seriös wirken.
Die nunmehr seit Monaten anhaltenden Zerwürfnisse innerhalb der FDP Saar stellen dieses notwendige Fundament aus Vertrauen, Stabilität und Berechenbarkeit in einem Maße in Frage, das aus Sicht der CDU Saar nicht mehr länger hinnehmbar ist. Die FDP-Landtagsfraktion, aber auch der Landesverband der FDP Saar befinden sich im Zustand der Zerrüttung. Hinzu kommen die bekannten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Umfeld der FDP sowie weitere personelle Unwägbarkeiten und Risiken. Eine nachhaltige Befriedung und eine Rückkehr der FDP Saar zu geordneten Verhältnissen ist aus meiner Sicht in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwarten. Damit ist auch eine stabile, verlässliche und vor allem sachorientierte Regierungsarbeit in dieser Konstellation nicht mehr voll umfänglich gewährleistet.
[…] Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich in den vergangenen Monaten und insbesondere auch in den letzten Wochen alles – auch persönlich – daran gesetzt habe, um in Zusammenarbeit mit der FDP die Situation zu stabilisieren und dass ich heute feststellen muss, dass diese Ergebnisse kein positives Ergebnis oder diese Bemühungen kein positives Ergebnis gezeigt haben.
(Erklärung von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Situation der Regierungskoalition. Pressekonferenz vom 06. Januar 2012)
Willkommen in der FDP-Realität des Jahres 2012: Selbst wenn die Mehrheiten da sind und alle Partner gewillt sind zusammen zu regieren, ist dies aufgrund der progressiven Paralyse der FDP nicht mehr möglich.
Ein anderes Signal aus Süddeutschland, nämlich der BW-Bank, die Christian Wulff quasi der Lüge bezichtigt, sollte eigentlich zum Rücktritt des Bundespräsidenten reichen.
Wir erinnern uns:
Kreditaffäre, Landtagsgeflunker, Drohanrufe, ein langweiliges Interview - die Medien sind sich einig: Christian Wulff ist ein Bundespräsident auf Bewährung. Wenn jetzt noch eine allerletzte, zwergwinzige Klitzekleinigkeit dazukommt, dann muß Bundespräsident Wulff auf jeden Fall zurücktreten, ganz bestimmt, da gibt es jetzt keine Schonfrist mehr, echt nicht.
(Titanic-Newsticker)
Es kam aber nicht ein solches Detail; die „zwergwinzigen Klitzekleinigkeiten“ schossen im Stundentakt aus dem Pressedschungel.
AB-Lüge, Behinderung der Veröffentlichung des Wortlauts, Verletzung der Aufsichtsratspflichten bei VW, Kleideraffäre Bettina Wulff, Erweisen von Gefälligkeiten für CDU-Parteispenden.
Während der bräsige „mir das meiste“-Präsident meint nun sei aber endgültig alles aufgeklärt, legt allein die niedersächsische Grünen-Fraktion einen Katalog von Einhundert Fragen an Christian Wulff vor.
Zum Beispiel:
27. Wie vielen Kunden der BW-Bank wurden die o.g. Konditionen in den letzten fünf Jahren zur Verfügung gestellt bzw. wie viele Kunden verfügen über Kredite mit entsprechenden Konditionen?
28. Nach welchen Kriterien legt die Bank fest, ob Kunden in den Genuss dieser außergewöhnlichen Konditionen kommen?
56. Haben Herr Dr. h.c. Carsten Maschmeyer, seine Familienmitglieder, der AWD, die MLP AG, die CM Vermögensverwaltungs-Geschäftsführungs GmbH (HRB 203765), die MM Vermögensverwaltungs-Geschäftsführungs GmbH, die CM Vermögensverwaltungs GmbH & Co KG, die MM Vermögensverwaltungs GmbH & Co KG, die Drachenfelssee 733. Vermögensverwaltungs GmbH, die Drachenfelssee 733. Vermögensverwaltungs GmbH & Co KG (HRA 7225), die PALADIN Asset Management GmbH, die MM Familien KG oder das Beratungsunternehmen Maschmeyer-Rürup AG oder Unternehmen, die zum Konsolidierungskreis der o.g. Unternehmen gehören oder sonstige Unternehmen, für die Herr Maschmeyer Aufgaben als wirtschaftlich Berechtigter wahrnimmt, seit 2003 Landesbürgschaften oder öffentliche Fördermittel erhalten, über die das Land unmittelbar oder mittelbar zu entscheiden hatte?
65. Haben Herr Manfred Schmidt, seine Familienmitglieder, die Feinschliff GmbH Produktionsagentur, (HRB 2219), die Feinschliff Verwaltungs GmbH, die Feinschliff GmbH, (HRB 63564), die Feinschliff GmbH, Pforzheim, die Feinschliff Grafik, Litho & Produktion GmbH, Wien oder Unternehmen, die zum Konsolidierungskreis der o.g. Unternehmen gehören oder sonstige Unternehmen, für die Herr Schmidt Aufgaben als wirtschaftlich Berechtigter wahrnimmt, seit 2003 Landesbürgschaften oder öffentliche Fördermittel erhalten, über die das Land unmittelbar oder mittelbar zu entscheiden hat?
(Kleine Anfrage Stefan Wenzel an die Niedersächsische Landesregierung)
Während sich also CDU-Mann Wulff und die gesamte FDP in einen überdimensionalen Witz verwandeln, mag die in Kreuth tagenden CSU nicht abseits stehen und startet ihr eigenes Comedy-Feuerwerk.
Parteichef Seehofer, der mindestens dreimal pro Tag seine Meinungen ändert und mit dem penetranten Widerrufen und Infragestellen einmal gefasster Beschlüsse die Bundesregierung chaotisiert, wie kein Zweiter, erklärte heute: In der Bunderegierung sei man ein "Stabilitätsfaktor."
Seehofer, der gerne Parteikollegen demütigt, hatte seine großzügigen Tage und stärkte ausdrücklich den beiden größten Lügnern und Betrügern des letzten Jahres - Guttenberg und Wulff - den Rücken.
Die Kabinettstotalausfälle Aigner, Ramsauer und Friedrich seien die "starke Bastion" der CSU.
Aber auch wer jetzt noch auf die „leicht debile bayerische Folklore“ wartet, welche zuverlässig von der CSU geliefert wird, wird nicht enttäuscht.
Für die Abteilung „originärer Schwachsinn“ hält sich die Noch-Regierungspartei eigens den Generalsekretär Doofbrindt.
Dieser hatte mit Blick auf den schwindenden Einfluss der beiden kleinen Koalitionspartner Merkels mal wieder das Angstbeißen praktiziert.
Opfer seiner Attacke war die LINKE, der er nicht nur die staatlichen Mittel streichen, sondern die seiner Ansicht nach überhaupt verboten gehört.
Dobrindt hatte in der Debatte über die Aussetzung der staatlichen Finanzierung verfassungsfeindlicher Parteien auch die Linkspartei ins Gespräch gebracht. Er ist auch für ein Verbot der Partei. 'Es darf keine Staatsgelder für die Gegner unserer Demokratie geben, egal ob braun oder dunkelrot', sagte Dobrindt der Passauer Neuen Presse. 'Ein Verbotsverfahren gegen die Linkspartei ist genauso zu prüfen wie das Einfrieren der staatlichen Mittel für sie.
(dapd 04.01.12)
Doofbrindts Idee ist allerdings so alt, daß selbst das LINKE-Parteiorgan „Neues Deutschland“ nur gähnen kann.
Es muss die Vorfreude auf das malerische Wildbad Kreuth gewesen sein, welche Alexander Dobrindt dazu verführte, eine seiner wohl populistischsten Forderungen aus der Mottenkiste zu holen: den Ruf nach einem Verbotsantrag gegen die Linkspartei. Etwas Besseres scheint dem CSU-Generalsekretär momentan jedenfalls nicht einzufallen, um die eigene desolate Lage der Christsozialen ein wenig zu kaschieren. Und so ist es kaum verwunderlich, dass Dobrindt allein im Jahr 2011 ganze drei Mal eben diese Verbotsforderung in den Blätterwald hinausposaunte.
(Robert Meyer 05.01.2012)
Man sollte aber nicht so überkritisch mit CSU und FDP sein.
Angesichts ihrer eigenen „Leistungen“ ist der Untergang der beiden unseriösen Schmarotzerparteien tatsächlich nur noch mit einem konsequenten Verbot aller anderen Parteien abzuwenden.
Mittwoch, 4. Januar 2012
War nur Spaß…..
Schule in Bonn, 1974 – 1976 Soldat auf Zeit beim Fernmeldebataillon 330 in Koblenz, anschließend verbrachte er noch knapp zwei Jahre an der Uni Bonn als Kunststudent.
Ohne Abschluss tingelt er dann weiter und landete über Umwege in diversen Lokalredaktionen schließlich als Redakteur bei der BILD-Zeitung, die ihn von 2005-2009 in der Zentralredaktion Hamburg beschäftigte.
Nach dieser bahnbrechenden Karrierestation bei der Crème de la Crème des Journalismus, erklomm Streiter eine weitere Stufe auf dem Weg in den Medien-Olymp.
Er wurde zum Pressesprecher der bedeutendsten Politikerin der EU, der bekannten Worcoholikerin Silvana Koch-Mehrin berufen.
Von 2010 bis September 2011 vertrat er die EU-Leuchte bis sie endgültig im medialen und akademischen Orkus untergegangen war.
Georg Streiter liebt es offenbar tote Pferde zu reiten und hopste vor drei Monaten auf den nächsten verendenden Gaul: Er wurde stellvertretender Regierungssprecher der Bundesregierung und spricht nun für Merkel!
Das legendäre Händchen der Kanzlerin für Personalentscheidungen war wieder in Aktion und holte sich den besten Mann.
Zur Causa Christian Wulff, der als Inkarnation des Salamitaktikers fast immer schwieg; wenn er denn redete nur das ohnehin schon Bewiesene einräumte und immer mehr Fragen aufwarf, fand der stellvertretende Regierungssprecher heute eindeutige Worte.
"Ich kann sagen, dass die Bundeskanzlerin volles Vertrauen darin hat, dass der Bundespräsident auch weiterhin alle anstehenden Fragen umfassend beantworten wird", sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter vor Journalisten in Berlin. Bereits jetzt habe Wulff viele Fragen beantwortet. Er gehe davon aus, dass Merkel mit Wulff telefonisch in Kontakt deswegen gestanden habe, wisse das aber nicht, sagte Streiter. "Alles andere wäre weltfremd."
(SZ 04.01.12)
Genau!
Die Erde ist eine Scheibe, Schweine können fliegen und Wulff wird „auch weiterhin alle anstehenden Fragen umfassend beantworten.“
Wulff, der insbesondere dadurch in der Kritik steht, daß er die Pressefreiheit mit Füßen tritt, wiederholt Printpresse-Vertretern mit „Krieg“, „endgültigem Bruch“ und „strafrechtlichen Konsequenzen“ drohte, traute sich dabei auch heute nicht sich den Vertretern der schreibenden Zunft zu stellen.
Feige duckt sich der Präsident erneut weg und läßt es nicht zu einer allgemeinen PK kommen.
Fragen nach wie vor unerwünscht.
Nur den nicht eben als harten Fragern bekannten Deppendorf und Schausten stellte er sich - und auch das nicht live, sondern in einer Aufzeichnung, die mit einer Sperrfrist bis zum Redaktionsschluß der großen überregionalen Blättern versehen war.
Ein ziemlicher Witz; schon lange vor der exklusiven Erstausstrahlung des Interviews um 20.15 Uhr hatte die Piratenpartei das gesamte Transskript online gestellt.
Natürlich läßt Wulff auch weiterhin Fragen offen, lügt mehrfach (zum Beispiel bezüglich der Kreditbedingungen: „Es sind ganz normale, übliche Konditionen“), sieht sich als unschuldiges Opfer einer Kampagne und tut sich vor allem selber leid.
Den größten Fauxpas bestreitet er nicht, entschuldigt sich aber gleich selbst.
Ein klassischer Fall eines Kleingeistes; offenbar weiß Wulff nicht, daß man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern höchstens um Entschuldigung BITTET.
Deppendorf: Sie haben in den letzten Tagen, sind Sie besonders in die Kritik geraten wegen der Anrufe beim Chefredakteur der BILD-Zeitung Kai Diekmann und beim Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns, Herrn Döpfner. Ihnen wird Verletzung des Grundrechts der Pressefreiheit vorgeworfen. Sie sollen auf dem Band, was in der Mailbox war, beide Herren bedroht haben. Sie sprechen von „Krieg führen“, von einem „endgültigen Bruch". Ist so was nicht unwürdig für einen Präsidenten, der eine kritische Berichterstattung auf diese Art und Weise verhindern will?
Wulff: Der Anruf bei dem Chefredakteur der BILD-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leid tut. Für den ich mich entschuldige.
Und überhaupt habe er sich nur deshalb so aufgebracht an Diekmann und Cio gewandt, weil er so ein selbstloser Beschützer seiner Familie wäre.
Wulff: Wo man also Vertrauensverlust erleidet, dann muss man sich auch vor seine Familie stellen, wenn das Innerste nach außen gekehrt wird […], wenn Freunde, […] in die Öffentlichkeit gezogen werden, dann hat man Schutzfunktionen, ….
Für Merkels Humunculus im Schloß Bellevue sind die Vorwürfe aber schon deswegen alle unproblematisch, weil er sich selbst einfach fabelhaft findet und sogar der Meinung ist alle anderen fänden ihn auch fabelhaft.
Wulff: ….ich hatte die ganzen Wochen über große Unterstützung von vielen Bürgerinnen und Bürgern, meiner Freunde, auch der Mitarbeiter. Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war und mache das mit Freude und aus Überzeugung….
Mal sehen wie das in den nächsten Tagen von den Journalisten bewertet wird.
Werden die derzeit mehrheitlich erbosten Schreiberlinge wieder nett zu ihm sein?
Bei Wulff gibt es ohnehin kein „Sein“, keine „Substanz“, keine „Leistungen“.
Es gibt nur den hohlen Schein, den BILD und BUNTE mit Jubelgeschichten über seine Betty und das junge Familienglück verbreiteten.
Wulff pur ist erledigt, er kann es nicht und konnte es nie. Gut möglich aber, daß Burda, Bauer und Springer ihn bald wieder zur ehrlichen Haut zurückstilisieren.
Die allerersten Stellungnahmen sehen allerdings nicht so aus:
An wirklicher Offenheit ist er nicht interessiert. Zwar entschuldigt er sich für Fehler. Doch im gleichen Atemzug stilisiert er sich zum Opfer, verfolgt von angeblich so grausamen Journalisten, die in seine Privatsphäre eindringen und sogar wissen wollen, wer das Hochzeitskleid seiner Frau bezahlt habe. Die Botschaft seines Auftritts lautet: Seht her, ich bin ein guter Präsident, und meine Kritiker übertreiben maßlos. Das ist dreist, war aber nicht anders zu erwarten. Wulff mimt einmal mehr die Unschuld vom Lande. Spätestens seit seinen Ich-bin-der-Präsident-Anrufen beim Springer-Verlag müsste nun auch dem letzten klar sein, dass er so ganz unschuldig nicht ist. Aber wen interessiert's? Ehrlich: Wer das schluckt, hat es nicht besser verdient. Die öffentlich-rechtlichen Journalisten machen ernste Gesichter, als sie die böse politische Einflussnahme von oben auf Berichterstattung da unten verteufeln. Ausgerechnet. Man könnte laut lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
(Roland Nelles 04.01.12)
Er ist nicht, wie es seinem Amtseid entspräche, damit beschäftigt, Schaden vom Volk abzuwenden, sondern Schaden von sich selbst. Er verbraucht all seine Kraft damit, sich zu erklären und seine Fehler zu entschuldigen. Er ist ein Präsident Laokoon - einer, der sich in seinen Widersprüchen verwickelt hat, von ihnen gewürgt wird und sich mit einer und noch einer öffentlichen Erklärung Luft zu verschaffen sucht. Er ist ein Präsident, der sich in seiner Schwäche an seinem Amt festhält, weil ihm das Amt den Halt gibt, den er ansonsten nicht hat. Der Bundespräsident übt, so steht es im Grundgesetz, das Gnadenrecht aus; Wulff ist der erste Bundespräsident, der sich selbst begnadigt.
(Heribert Prantl 04.01.12)
Besser wird es nicht mehr.
Dabei war doch Wulffs kurzzeitig verschollene Original-Weihnachtsansprache sehr gut und überzeugend.
Hätte er es mal dabei belassen:
Samstag, 24. Dezember 2011
Wie man doch noch religiös wird.
Oder gibt es immer noch Hoffnung der Hölle zu entrinnen nach all den Dekaden als Atheist?
Ratzi und seine protestantischen Nachäffer („Kirche im eigentlichen Sinne“ sind sie ja nicht) geben immerhin positive Signale.
Kaum eine Rede, in der nicht ob der allgemeinen Kirchenaustrittsbewegung von „Neuevangelisierung“ und „Missionierung Europas“ gesprochen wird.
Scham ist anders.
Immerhin dürfte die Missionierung, die immer Hand in Hand mit der Kolonialisierung ging, eins der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte sein. Ganze Völker wurden ausgerottet.
Nicht weiter schlimm für den Vatikan; dort spricht man von „einer glücklichen Schuld“.
Damit wird zwar eingeräumt, daß ein paar Hundert Millionen Unschuldige gekillt wurden - aber macht ja nichts; dafür sind sie jetzt alle Christen.
Die „neue Mission“ in Deutschland funktioniert allerdings verglichen mit früheren Zeiten schleppend.
Das mag damit zusammenhängen, daß die Hauptstrategie - bezirzen mit Glasperlen und anschließend die Nichtüberzeugten mit Schwertern niedermachen - in der Verfassungswirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland irgendwie aus der Mode gekommen ist.
Glücklicherweise ist die menschliche Dummheit groß genug, um sich selbst das Hirn abzuschalten. Es gibt immer noch geistige Zwerge, die freiwillig von DENKEN auf GLAUBEN umsteigen.
Als beispielhaft kann hierfür der vor 24 Jahren gegründete Österreichische Gesprächskreis „Loretto“ gelten.
5. Oktober 1987, Treffpunk Operngasse 4, 1010 Wien, in einer kleinen Studentenwohnung: Drei Jugendliche treffen sich, um gemeinsam den Rosenkranz zu beten und danach Wurstbrote zu essen. Anlass dafür war eine Wallfahrt nach Medjugorje wenige Wochen davor. In ihren Herzen wuchs die Sehnsucht das Erlebte zu Hause weiter zu leben. Das war der Anfang unseres ersten Gebetskreises, der Anfang der Loretto Gemeinschaft.
(loretto.at)
Und wieder fühle ich mich ausgeschlossen.
Wurstbrote also.
Und wenn man Vegetarier ist?
Den kannibalistischen Aspekt des Christentums werde ich nie verstehen.
Die Christen interessieren sich überhaupt nicht dafür, was Jesus sagte oder tat. Ihr Glaubensbekenntnis enthält nichts über ihn, wichtig ist nur sein Blut. Also, wenn ich im neuen Weltkatechismus lese: „Auf Bitte seiner Braut, der Kirche, hat Christus Leib und Blut hingegeben.“ Da kann ich nur sagen: Was für eine Vampirbraut und Draculakirche. Was für ein Kannibalismus ist die Messe, das Abendmahl, den Menschen Jesu Leib und Jesu Blut zu essen und zu trinken zu geben.
(Prof. Dr. Uta-Ranke Heinemann)
Völlig überzeugend hingegen ist die Namensgebung „Loretto“ - denn dorthin haben die Engel die Bude von Joseph und Maria einst ausgeflogen.
"Loretto" ist die deutsche Schreibweise des italienischen Wallfahrtsortes Loreto. In Loreto ist die "Casa Santa", also das Haus, in dem die Heiligen Familie in Nazareth lebte; das Haus, in dem sich die Verkündigung des Herrn ereignete (Lk 1,26). Wie kam die Casa Santa nach Loreto? Es heißt, Engel hätten die Casa Santa über's Meer nach Loreto getragen.
(loretto.at)
Schon praktisch, daß die Wiener Gebetsgemeinschaft gewissermaßen die Heilige Familie beherbergt - denn so können sie all denen ein religiöses Obdach bieten, die der Kirche verloren gegangen sind.
Wir sehnen uns nach einem neuen Feuer des Heiligen Geistes in unserem Land, nach einem neuen Pfingsten. Im Herzen der Kirche wollen wir daher für eine Erneuerung der Kirche beten, wirken und leben. Im Vertrauen auf die Gnade und Charismen Gottes schaffen wir Räume, in denen Gott erfahrbar wird. Wie im Haus von Nazareth kann er in unser Leben einziehen. Durch ein Leben in Gemeinschaft möchten wir uns auf dem persönlichen Weg der Heiligkeit begleiten.
(loretto.at)
Eine tolle Sache!
Wenn nur das mit der Wurstbrotfresserei nicht wäre.
Ich frage mich, ob man nicht eine Loretto-Schwestergemeinschaft der Käsebrotliebhaber schaffen sollte.
Denn die Erfolgsgeschichten, wie durch Loretto böse Atheisten zu guten Christen wurden, erscheinen mir so ungeheuer lebensnah, daß ich einen massiven inneren Drang fühle den Mitgliedsantrag auszufüllen.
Mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich die beispielhafte Geschichte des Deutsch-Ungarn Thomas lese.

Thomas wuchs im atheistischen Grauen auf; infiziert von Nietzsche* und Aufklärung bis er endlich in seine selbstgewählte geistige Unfreiheit einging.
*( „Der Glaube ist für die Menschen erfunden worden, die kein Rückgrat besitzen, um alleine durchs Leben zu gehen.“ „Gott ist Tot. Gott bleibt tot“)
Könnte ich nicht auch so ein Thomas werden?
Ich müßte mir nur lange genug mit einem Holzhammer auf den Kopf schlagen - denn ohne Hirnverletzung scheint die Metamorphose zum Strenggläubigen nicht möglich.
In dieser Hinsicht hat Thomas Glück gehabt - ihn traf es schon als Baby, als er „mit etwa 18 Monaten einen Unfall hatte, nach dessen Folgen ich Wochen und Monate gelähmt war, da ich mit dem Kopf auf ein altes, eisernen Stück Gitter aufgeschlagen war.“
Aber es ist ja offensichtlich so, daß der liebe Gott mit seinen Liebsten - man denke nur an Jesus und all die Märtyrer - nicht eben liebevoll umgeht.
Ohne eine gehörige Portion angeborenen Masochismus gefällt einem das nicht.
Auch für Thomas kam es nach dem folgenreichen Schlag auf die Birne noch richtig dicke und DER LIEBE GOTT half natürlich nicht.
Das Übliche also. Nur wer sich ordentlich vorher foltern lässt, kann mit SEINEM Wohlwollen rechnen.
„Auch Jahre später, als ich damals im Alter von 7 Jahren von fremden Jugendlichen vergewaltigt wurde, kam wieder diese provokante Frage: Wo war ER denn??? Ich wünsche heute niemanden, diese Dunkelheiten durchleben zu müssen. Auch nicht die Demütigungen, die ich später, als ich in die Pubertät kam, in Form von Nötigungen, Missbrauch, und ähnlichem durchmachen mußte.
Das Jahr 1989: eine Reihe von Revolutionen zieht sich durch die Ostblockstaaten. Ich sehe heute noch manchmal, als wär es erst gestern gewesen, wie aus Repetiergewehren Leuchtkugelreihen erst gen Himmel steigen, um den Abend zu erhellen und dann in die Massen sinken. Ich sehe manchmal noch vor mir, wie Menschen von Kugeln getroffen, tot zur Boden sinken und wie Müllsäcke in Gepäckträger eines Autos geworfen werden. Ich bekam mit, wie Verwandte meiner Freunde, wie Kollegen meiner Eltern, von Kugeln getroffen zusammenbrachen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort aus einer Straßenbahn stiegen. Auch Erinnerungen, die ich nie haben wollte. Jahre, Jahrzehnte also geprägt von Erniedrigungen, aber auch vom Haß, den ich erleben mußte da ich durch all das was ich durchgemacht habe, Gewalt jeglicher Art so gut ich konnte abgelehnt habe, aber auch durch mein Anderssein, durch meine deutsch-ungarische Abstammung“
(Loretto)
Och der arme Tommy.
Was für ein Drecksleben.
Aber dann kam er nach Österreich und wurde von Loretto erleuchtet.
Pfingsten 2008: Das allererste mal komme ich nach Salzburg, zum Pfingstfest der Loretto Gemeinschaft. Ich hatte damals keine Ahnung gehabt, was auf mich zukommt. Ich ahnte nicht wie mitreißend es wird, ich ahnte nicht, dass ER mich rufen würde, ich ahnte nicht welche Überraschungen ER für mich parat hatte.
[…] Und da oben, vor dem Altar zu knien, die Gebete zu hören, Christus, unseren Herrn im Blick, die Segnenden Hände der Priester auf dem Kopf zu spüren, das hat mich so bewegt, wie nie etwas vergleichbares zuvor. Und da passierte es auch, das, wie ein leises Säuseln, etwas durch mein Herz und meine Seele huschte, ein Gefühl der Freude, des Friedens, ein Glücklichsein, Glückseligkeit, die ich bis dato nie gekannt habe.
[….] Und beim Berühren der Monstranz hat der lebendige GOTT, dessen Existenz ich so lange weigerte anzuerkennen, erneut mein ganzes Sein berührt, mit einer Kraft, mit einer Liebe, das ich dachte , ich kann nicht anders, ich MUSS mich DIESEM GOTT hingeben, mich einfach in SEINE Hände fallen lassen. Als ich es auch tat, standen Tränen der Freude, des Glücks in meinen Augen. Mir, der nie weinen gelernt hatte, nicht damals mit 7, nicht später in der Schule, nicht 1989. Ich hab danach geheult, wie nur ein kleines Kind weinen kann. SEIN Kind. Da, dort oben, vorm HERRN begriff ich endgültig: es gibt IHN!!!
(Loretto)
Und wieder fühle ich mich ausgegrenzt.
Erst als Vegetarier und nun als jemand, der nicht auf Männersex steht: Die „Monstranz“ der Priesters zu befummeln, um seine „Liebe“ in mir aufzunehmen….?
Nee, nee, da bleibe ich lieber Atheist.
Mittwoch, 14. Dezember 2011
Wu Wei Lindi
Außerdem hatte ich spekuliert, ob Bundesmillionärsfreund Wulff vielleicht zurücktritt, aber wer hätte das gedacht; FDP-Generalkomödiant Linder wirft zuerst das Handtuch.
Er wolle eine „neue Dynamik" ermöglichen, sagte er in Berlin in einer knappen Erklärung.
Hätte Loriot auch nicht besser hinbekommen, den Satz.
War die „alte Dynamik“ nach zwei Jahren Generalsekretär Lindner, welche die Umfragewerte auf stabile drei Prozent geführt hatte denn nicht gut?
Westerwelle hatte das Grab für den Liberalismus ausgehoben, Rösler warf die Leiche hinein und Lindner schaufelt die Grube zu.
The work is done.
Rösler verlor ebenfalls nicht viele Worte über den Verlust seines Generalsekretärs. In einer eilig anberaumten Pressekonferenz bedauerte er den Rücktritt. Lindners Arbeit sei hervorragend gewesen; er habe sich große Verdienste erworben.
(SZ)
Humor hat er ja, der Wirtschaftsminister Fipsi: Die Arbeit des Generalsekretär, in dessen zweijähriger Amtszeit die Partei komplett paralysiert und von 15% auf zwei bis drei % zurückgeschrumpft wurde, nennt er „hervorragend!“
Wie sähe wohl die FDP heute aus, wenn ein Generalsekretär nicht ganz so hervorragend, sondern eher mittelmäßig gewesen wäre?
0%, bankrott und Parteiverbotsverfahren?
Die drei von der Zankstelle (vulgo „Boygroup“) gaben der FDP immerhin wieder ein klares Image als inhaltsleerer, handwerklich stümpernder Personalquerelenverein.
Christian Lindner sollte eigentlich mal ein neues Parteiprogramm überlegen, aber das schien er nicht überstürzen zu wollen.
Offensichtlich hatte auch er nicht mitbekommen, daß die Legislaturperiode schon läuft und wähnte sich immer noch in Koalitionsverhandlungen mit Frau Merkel und Herrn Seehofer. Also der Phase, in der man spätestens mal sondieren sollte, was man eigentlich zu tun gedenkt, außer den Lobbyisten Zuckerstückchen hinzuwerfen.
Es ist dabei allerdings bemerkenswert, wie das Führungsduo Rösler/Lindner Vorgänge wie den Mitgliederentscheid, der auch Werbung für die FDP hätte sein können, in ein PR-Desaster verwandelten, welches alle noch mehr beschädigt zurück lässt.
Immerhin haben SPD und Grüne mal was zu lachen.
Bei der Opposition dominiert dagegen die Schadenfreude. So twitterte Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen: "Warum bleibt Rösler, wenn Lindner geht? Fragen über Fragen? Wie wäre es mal wieder mit einem Neuanfang in der Koalition? Dem 100." Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin ätzte in der Online-Ausgabe der Welt: "Der erste von der Boy-Group ist weg. Jetzt sind alle gespannt, wann Rösler durch Kubicki ersetzt wird". Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke richtete Vorwürfe an Lindner. Er habe keinerlei Verantwortung "für das Desaster des Mitgliederentscheids übernommen", sondern der "schwindsüchtigen" Partei einen Fußtritt verpasst. Der Grünen-Abgeordnet Omid Nouripuour fasste sich etwas kürzer: "FDP kaputt! Lindner weg." Die SPD-Abgeordnete und ehemalige parlamentarische Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Ute Vogt bemerkte auf ihrem Twitteraccount: "Da verlässt einer eiligst das sinkende Schiff."
(SZ 14.12.11)
Ich denke allerdings nicht so wie SPD und Grüne.
Ich nehme einfach mal den Ex-General Lindner beim Wort.
Die Tatsache, daß noch nicht mal die eigenen Mitglieder in so einer extrem dramatischen Lage für die FDP die eigene Führung unterstützen wollten, indem sie sich an der Mitgliederbefragung beteiligten, deutete Chefrabulistiker Lindner mit der einem altchinesischen Philosophiekonzept.
Es brauchte auch einen tiefen Griff in die dialektische Trickkiste, um das Desaster der FDP noch schön zureden.
Rösler prescht vor und verprellt alle.
Letzter Tag der Mitgliederbefragung zur Euro-Rettung, und bei der FDP liegen die Nerven blank: Die Parteispitze wird des Mobbings bezichtigt. […] Hätte er doch geschwiegen.
[…] Hinter der Hand murmeln sie "unglücklich", "unnötig", "ungeschickt von Philipp". Auch Generalsekretär Christian Lindner musste am Montag viel Zeit darauf verwenden, Röslers Interview umzuinterpretieren. Der Parteivorsitzende habe bloß seine "Erwartungshaltung" kommunizieren wollen. Allerdings betonte Lindner, dass er den geringen Rücklauf als positives Signal für Rösler deute. Er berief sich dabei auf ein chinesisches Philosophiekonzept, Wu wei. Demnach habe sich die Mehrzahl der FDP-Mitglieder "aktiv" und "rational" zum Nicht-Handeln entscheiden. Weil sie, so Lindners Interpretation, den Kurs der FDP-Spitze unterstützten, sähen sie keine Veranlassung, sich an der Abstimmung zu beteiligen.
(Michael Schlieben 13.12.2011)
Durch seine augenblickliche Arbeitsniederlegung hat sich Christian Lindner demnach "aktiv" und "rational" zum Nicht-Handeln entschieden und somit ein positives Signal für Rösler gesetzt.
Gefällt mir.
Diese positiven Wu Wie-Signale würde ich gerne von den anderen Schwarzgelben auch noch hören.
Montag, 12. Dezember 2011
Mehr CDU/CSU-comedy.
So weit, so peinlich.
Als seine Pädotriebe allerdings ans Licht kamen, versuchte der konservative Diepholzer sich damit zu retten, daß er in 15 Monaten zur nächsten Landtagswahl ohnehin nicht mehr antreten wolle. Und außerdem könne er sich ja nicht immer erst eine Geburtsurkunde vorlegen lassen, wenn er mit jemanden spräche.
Konsequenzen ziehen ja - aber erst in über einem Jahr.
Blöd nur, daß inzwischen der Chat veröffentlicht wurde und nachzulesen ist wie frech der frivole Frank zur Sache ging.
Demnach stellte der 43 Jahre alte Abgeordnete der Jugendlichen, die sich bei ihm um einen Praktikumsplatz im Landtag bewerben wollte, sehr intime Fragen. Dem Protokoll zufolge schrieb Mindermann dem Mädchen, dass er selbst als 31-Jähriger eine Freundin gehabt habe, „die gerade 16 wurde“. Er erkundigte sich bei der Jugendlichen, ob bei ihr das „erste Mal“ so gewesen sei, wie sie es sich vorgestellt habe. Zudem fragte er danach, ob enge Kleidung und hohe Schuhe bei ihr normal seien oder ob sie Minirock und hohe Stiefel möge. Die Mutter der 15-Jährigen ist eine örtliche CDU-Kommunalpolitikerin.
(HHAbla 09.12.11)
Da wurde der Druck größer und Mindermann legte nun doch jetzt schon sein Mandat nieder.
Aber die CDU wäre nicht die CDU, wenn sie ein Problem nicht ordentlich vergrößern würde.
Heute wurde bekannt, daß die CDU-Fraktion schon länger durch die Mutter des belästigten Mädchen über diese Sex-Chats informiert war, aber vehement versuchte den Vorfall zu vertuschen.
Die CDU-Fraktionsspitze kannte den Chat nach eigenen Angaben bereits seit Ende November. Fraktions-Chef Björn Thümler soll als Erklärung für den Rückzug Mindermanns nur gesagt haben, Mindermann wolle ins Ausland gehen. Thümler wollte am Montag dazu keine Stellung nehmen. „So etwas kann man nicht einfach so auf sich beruhen lassen“, sagte die Grünen-Abgeordnete Gabriele Heinen-Kljajic unserer Zeitung. Die CDU-Fraktionsführung habe erst versucht, den Fall geheim zu halten, meinen die Grünen.
(Michael Ahlers, 12.12.11)
Eine nette Fraktion ist das da in Niedersachsen.
Neben dem Pädophilen hat es auch noch eine Rassistin.
Es ging hitzig zu im Landtag in Hannover. Für seine Flüchtlingspolitik musste sich Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) viel Kritik von der Opposition anhören. Aus Sicht einer seiner Parteikolleginnen wohl zu viel: Die Schwarmstädter Christdemokratin Gudrun Pieper konnte nicht an sich halten, als Filiz Polat von den Grünen von einer "menschenrechtswidrigen und inhumanen" Abschiebe-Praxis sprach.
"Am besten hätte man Sie abschieben sollen", rief Pieper der am Rednerpult stehenden türkischstämmigen Polat zu.
(NDR, 09.12.2011)
Die HNA dokumentiert die Szene in einem etwas anderen Wortlaut, aber was die Pieper meinte, ist wohl klar:
Als Grünen-Parlamentarierin Filiz Polat Beispiele für die ihrer Meinung nach unmenschliche Abschiebepraxis von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) aufzählte, polterte die Christdemokratin aus den hinteren Reihen: „Als nächstes schieben wir Sie ab.“
Polat, vor 33 Jahren in Bramsche (Landkreis Osnabrück) als Tochter eines türkischen Arztes und einer deutschen Kommunalpolitikerin geboren, rang mit Fassung und Tränen; ihre grünen Kollegen reagierten empört.
(HNA 08.12.2011)
Pieper von der Partei der deutschen Leitkultur macht es wie ihre CDU-Kollegen aus Hessen, die sich immer noch massiv daran stören, daß Tarek Al-Wazir, der Vorsitzende der Grünen-Fraktion so gar keinen deutschen Namen hat.
Im politischen Alltag spürt der Sohn einer Deutschen und eines jemenitischen Diplomaten [...] nicht selten offenen Hass aus den CDU-Reihen. Ein Christdemokrat sprach ihn in fast jeder Rede demonstrativ mit dem zweiten Vornamen "Mohammed" an.
Ein anderer CDU-Abgeordneter [es war Clemens Reich - Tam.] kommentierte eine Al-Wazir-Rede mit dem Zwischenruf, "Geh doch zurück nach Sanaa." [...]
(Der Spiegel 31.03.2008)
Es handelt sich aber nur um einen Skandälchen im Skandal.
Schlimmer ist der eigentliche Gegenstand der Debatte. SPD und Grüne hatten beantragt den Rechtsaußen-Mann und CDU-Innenminister zu entlassen.
"Sie schieben Menschen aus der Psychiatrie und dem Krankenhaus ab und Mütter, während ihre Kinder in der Schule sind", warf die Grünen-Politikerin Polat ihm vor. Die Linksfraktion bezeichnete Schünemanns Ausländerpolitik als "menschenrechtswidrig und inhuman". Auch sein Zurückrudern im Fall der Familie Nguyen sei "kein Gnadenakt außerhalb des geltenden Rechts, sondern eine Wiedergutmachung für begangenes Unrecht", sagte ihr Fraktionschef Hans-Henning Adler. Im November hatte Schünemann die Familie aus Hoya nach fast 20 Jahren in Deutschland nach Vietnam abschieben lassen. Erst nachdem der Fall bei Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und auch CDU-intern für Empörung sorgte, setzt sich Schünemann mittlerweile für die Rückkehr der Familie ein.
(taz 07.12.2011)
Gute Nachrichten dagegen für Niedersachsens CDU-Kultusminister Bernd Althusmann, der eigentlich damit rechnete seinen Dr-Titel zu verlieren nachdem unter anderem DIE ZEIT enthüllt hatte, daß Althusmann in Guttenberg-Manier die Hälfte seiner Dissertation abgekupfert hatte.
Nun stellte aber die Uni fest, daß Althusmanns Dissertation lediglich „großer Pfusch“ und kein Betrug sei. Die Uni habe die Arbeit schlampig geprüft.
Die Gutachter übernehmen – das ist ungewöhnlich – in Namen der Universität sogar einen Teil der Verantwortung für die liederliche Arbeit Althusmanns. Sie deuten an, dass die Betreuer der Promotion ihre wissenschaftliche Sorgfaltspflicht verletzt haben. Konkret hätten sie die Dissertation genauer prüfen müssen, zumal die Verstöße, so der Kommissionbericht, »zumindest teilweise ohne Weiteres erkennbar waren«. So hätte dem Doktorvater Althusmanns, dem Wirtschaftsprofessor Dieter Wagner, leicht auffallen können, dass der CDU-Politiker sogar Wagners eigene Werke nicht korrekt zitiert hat.
(ZEIT 12.12.2011)
CDU-Kollege Michael Braun aus Berlin, der bisher als Nepper, Schlepper und Bauernfänger zu Geld kam und nun ausgerechnet Justiz- und VERBRAUCHERSCHUTZSENATOR wurde, konnte seinen „ich weiß von nichts und mir kann keiner was“-Kurs wie Herr Mindermann nicht durchhalten.
Bis einschließlich gestern hatte der Nacht- und Nebel-Notar versucht sich rauszureden.
Es hat nicht gereicht.
Am Sonntag hatte Braun erklärt, es gehöre nicht zur Aufgabe eines Notars, den baulichen Zustand einer Immobilie zu überprüfen. "Ich habe die Vertragsparteien in allen Fällen ordnungsgemäß aufgeklärt, belehrt und ihnen den Vertragstext mit dem Hinweis vorgelesen, bei Unklarheiten und Fragen sofort zu unterbrechen", erklärte Braun. Nach verschiedenen Medienberichten vom Wochenende soll der CDU-Politiker schon vor seiner Amtsübernahme gewusst haben, dass es Beschwerden über die Immobiliengeschäfte gab.
(SZ 12.12.11)
Braun trat übrigens nicht zurück - denn das hätte bedeutet, daß ihm nach der 11-Tage-Amtszeit kein Übergangsgeld zustünde. Stattdessen bat er - ganz tricky Jurist - Wowereit um Entlassung. Das gibt jetzt sechs Monate Geld vom Steuerzahler. Ingesamt streicht Braun nun rund 50.000 Euro vom Staat ein.
Ulrich Zawtka-Gerlach nennt das im Tagesspiegel "Finanziell abgefederter Abgang"
Eine Comedymeldung ging heute fast komplett unter; dabei ist sie unter dem Gesichtspunkt „absurde Komik“ kaum zu übertreffen. Den Karlspreis der Stadt Aachen erhält für seine Verdienste um den Euro ausgerechnet Mr. „Eurobonds-NJET, automatische Sanktionen -NJET, EBZ-Geldausgabe-NJET“-Schäuble. Also der Mann, dem gar nichts einfällt und der gar nichts tut.
Große Ehrung für einen der erfahrensten Politiker Deutschlands: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erhält wegen seiner "herausragenden Verdienste" um Europa im kommenden Jahr den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. Das teilte das Karlspreis-Direktorium am Wochenende in Aachen mit. Schäuble ist der 54. Träger der renommierten Auszeichnung. Das Direktorium würdige mit dem Preis die "bedeutenden Beiträge" Schäubles zur Stabilisierung der europäischen Währungsunion und zur Vertiefung des Einigungsprozesses, sagte der Sprecher des Gremiums, Jürgen Linden.
(Abla 12.12.2011)
Wer immer noch nicht davon überzeugt ist, daß heute der 1. April ist, möge sich noch die Schildbürgermeldung über Baron Googleberg ansehen; er wird EU-Beauftragter für die Internetfreiheit!
Guttenberg hat in Brüssel auch noch gesagt, er habe "Erfahrungen mit Internetfreiheit gesammelt, als es um Sperrung von Kinderpornografie ging". Richtig wäre: Guttenberg hat Erfahrungen mit dem Versuch gesammelt, die Internetfreiheit um der populistischen Geste Willen einzuschränken. Als sich aus zutiefst demokratischen Gründen über 130.000 Menschen öffentlich und namentlich gegen das von Ursula von der Leyen angestrengte "Zugangserschwerungsgesetz" aussprachen, mit dem das Bundeskriminalamt gegen jedes rechtsstaatliche Grundprinzip zum obersten Zensor des Internets in Deutschland ernannt werden sollte, da sagte Guttenberg, damals noch Wirtschaftsminister: "Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornografischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich einer (sic!) der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht." Dass die Zeichner der Petition voll und ganz für die Bekämpfung von Kinderpornografie waren, ignorierte der Minister damals ebenso geflissentlich wie die Tatsache, dass schon damals zehn Minuten Internetrecherche gereicht hätten, um herauszufinden, warum das vorgeschlagene Gesetz zwar nutzlos im Kampf gegen Kinderpornografie gewesen wäre, dafür aber verfassungsrechtlich höchst fragwürdig.
(Christian Stöcker 12.12.2011)
Niemand würde bestreiten, daß der ehemals gegelte Baron über Chuzpe und Dreistheit im Übermaß verfügt. Sogar der FOCUS spricht jetzt von einer "krassen Fehlbesetzung":
[Netzaktivisten] ist der ehemalige Politstar seit längerer Zeit ein Dorn im Auge. Während der hitzigen Debatte um das Zugangserschwerungsgesetz im Jahr 2009 hatte er als zuständiger Bundeswirtschaftsminister schwere Vorwürfe gegenüber den Aktivisten erhoben. Zudem setzte sich Guttenberg für die verhasste Vorratsdatenspeicherung ein. Und schließlich trug auch das Engagement seiner Frau, Stephanie zu Guttenberg, nicht zur Entspannung bei. Sie trat als Unterstützerin einer TV-Sendung im Privatfernsehen auf, deren Ziel es unter anderem war, strengere Gesetze zur Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet durchzusetzen. Nur vor diesem Hintergrund ist der Sturm der Entrüstung zu verstehen, der am Montag im Netz losbrach....
(Focus 12.12.11)
Der Zensor von eben soll nun für Freiheit sorgen - ein Witz!
Während Netzaktivisten im Arabischen Frühling für ein unzensiertes Web gekämpft hätten, habe sich zu Guttenberg in Deutschland für Netzsperren eingesetzt, kritisierte Urbach - das sei ein Widerspruch. Telecomix versucht, Nutzern in diktatorisch regierten Ländern einen freien Internetzugang zu ermöglichen und Zensur zu umgehen.
(dpa 12.12.11)
Der CSU-Held agiert bar jedes Schamgefühls.
Guttenbergs neuer Auftrag wirkt wie die Fortsetzung einer Politsatire, die immer bizarrer wird. Ausgerechnet der Ex-Minister, der das Internet für seine Texträuberei missbraucht, der von Onlineaktivisten widerlegt und verspottet wurde, soll nun die Freiheitskämpfer im Netz beflügeln. Das ist unsensibel und grotesk. Schon die Pressekonferenz mit Guttenberg zeigte: Das ehrenvolle Ziel der Freiheit im Internet wird überlagert durch die Zweifel an Guttenbergs Glaubwürdigkeit. Seine Person wird fortan im Mittelpunkt stehen, nicht der Freiheitskampf in Nordafrika oder China. Auch der Ex-Minister selbst schadet sich mit diesem Schritt. Internet-Freiheit ist nicht nur das falsche Thema für ihn, der Freiherr kommt auch voreilig zurück. Die Erinnerung an den Skandal um seine Plagiate sind noch zu frisch.
(Roland Preuß, 12.12.2011)
Dem 600 Millionen Euro schwere Lügenbaron ist das scheinbar sogar selbst etwas peinlich und so geriete er sich extra pampig.
Mannomann, das sind aber heute wirklich sehr bizarre Träume, die während meiner REM-Phasen ausgebrütet werden.
Weckt mich mal bitte einer?
Samstag, 19. November 2011
Extra frech - Teil II
Chuzpe ist einer meiner Lieblingsausdrücke.
Chuzpe schreibt sich wirklich so, kommt aus dem Jiddischen und heißt: Unverfrorenheit, unbekümmerte Dreistigkeit, Unverschämtheit. Aber das trifft es noch nicht ganz. Besser erklärt es der jüdische Witz: Chuzpe ist, wenn der Elternmörder vor Gericht auf mildernde Umstände plädiert, weil er Vollwaise sei.
(Abla 27.08.2011)
Karl-Theodor zu Guttenberg ist die Inkarnation der Chuzpe.
Eine Dissertation zu veröffentlichen, die zu 95% abgeschrieben ist und dann über Wochen mit aller Ernsthaftigkeit in die Kameras zu lügen „meine Doktorarbeit ist kein Plagiat“, die Vorwürfe seien „abstrus“ und es sei ohnehin albern „sich wegen ein paar Fußnoten“ so zu echauffieren, ist schon ein starkes Stück.
Für sehr lange Zeit wird jetzt mit dem Namen des adeligen Multimillionärs der Gedanke „er hat abgeschrieben“ verknüpft sein.
Damit kommt KTG aber noch viel zu gut weg.
Tatsache ist, daß er ein politischer Totalausfall war, der in seiner Zeit als Wirtschaftsminister absolut rein gar nichts getan hat. Nicht eine einzige Initiative, nicht ein Gesetz nicht eine Idee sind aus seiner Amtszeit bekannt.
Im folgenden Amt versagte er sogar noch krasser, indem er über den Kundus-Zwischenfall - wieder einmal - dreist log und dann zwei Untergebene für seinen eigenen Fehler opferte.
Das Desaster Wehrpflichtarmee fiel seinem Nachfolger auf die Füße.
Der Freiherr hatte gänzlich ohne Konzeption einfach ein System umgestoßen und ein Vakuum hinterlassen. Wie die Bundeswehr umgebaut werden soll und woher zum Teufel nun die Rekruten kommen sollen - nicht mehr sein Problem.
Gestern tauchte der Mann, etwas wohlgenährter, entgeelt und entbrillt zu einem Vortrag in Kanada auf. Er sieht jetzt wie eine gemästete Kreuzung aus Jens Riewa und Markus Söder aus. Auf dem Halifax Security Forum, einem VIP-Treffen mit internationalen Sicherheitspolitikern leitet der Franke sein Comeback ein.
Den Pressebetreuern machte Guttenberg recht viel Arbeit. Journalisten im Auditorium, ließen sie kurzfristig im Auftrag des CSU-Politikers ausrichten, seien nicht erwünscht, sie würden nur "stören". Nach lautem Protest durften die Reporter dann aber doch einige Minuten einen Blick auf den gefallen Polit-Star werfen. Sich äußern zu seinem Rücktritt, seiner Zukunft, wie es ihm geht oder gar zum Ermittlungsverfahren wegen der Urheberverletzung in seiner mit Plagiaten gespickten Doktor-Arbeit will sich Guttenberg nicht. Schon vor Beginn der Konferenz wurde klargemacht, dass der CSU-Mann keinen Kontakt mit der Presse wünscht. Seit dem Rücktritt im März redet Guttenberg, früher nahezu süchtig nach dem Blitzlicht und den Mikrofonen des Fernsehens, gar nicht mehr mit den Medien. Nur im Sommer tauchte er einmal in der "Bild"-Zeitung auf, ließ sich am Grund Zero in New York fotografieren und redete abstrakt über die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Aber sonst hörte man gar nichts von dem Neu-Amerikaner, der seit Monaten im feinen US-Staat Connecticut residiert.
[…] Freunden hat er in den vergangenen Wochen erzählt, dass ihn der Presserummel um seine Person sehr störe. Überall werde er verfolgt von Fotografen oder Kamerateams. Doch solche Bilder sind bisher nirgendwo zu sehen. Guttenbergs Beschwerden wirken also eher ein wie die Entzugssymptome eines Medien-Junkies. So scheu sich Guttenberg auch gab, so sehr war sein Auftritt aber doch ein langsames Herantasten an seine neue Rolle. Im Spätsommer hat er ehrenamtlich einen Job bei der Denkfabrik für Strategische und Internationale Studien CSIS angenommen. Dort soll er als ehemaliger und trotzdem weltweit angesehener Staatsmann die transatlantischen Kontakte pflegen.
(Matthias Gebauer 19.11.11)
Politische Ideen hat er immer noch nicht, aber seine Chuzpe überragt jedes Maß.
Das Problem der EU wären die unfähigen Politiker, die von einer ad hoc-Lösung zur nächsten stolperten. "Niemand kann die Chancen Europas in einen verständlichen Satz pressen", sagte Guttenberg. Im Guttenberg-Kosmos gibt es nur einen Politiker, der geeignet ist, Europa zu retten: Guttenberg. Denn Guttenberg wird von den Menschen geliebt, Guttenberg hört man zu und nur Guttenberg kann sich dem Wähler verständlich machen. Alle anderen Politiker sind dagegen zweite Wahl.
Sie hätten die derzeitige Krise nicht im Griff und versäumten es, auf die Menschen zuzugehen, sagte er am Samstag auf einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax. "Es ist nicht nur eine Eurokrise oder eine Schuldenkrise", sagte Guttenberg. "Es ist vor allem eine Krise des Verständnisses und eine Krise der politischen Führung." Die meisten Deutschen würden mit den Schultern zucken bei den drängenden Themen. "Die Deutschen haben keine Vorstellung davon, wie die Europäische Union funktioniert, wie es zu dieser Krise gekommen ist und was sie bedeutet." Die Schuld sieht er bei den Politikern. "Die Politiker erreichen die Öffentlichkeit nicht, sie erreichen die Menschen nicht."
(SZ 19.11.11)
Der gescheiterte Minister, der mangels eigener Ideen entweder bei anderen klaute oder ganz ausfiel, weiß zwar nichts genau, aber dafür alles besser.
Der Mann, der sich nach Amerika abgesetzt hat und lieber in Sicherheit abwartet wie sein Verfahren wegen Urheberrechtsverletzung ausgeht, gibt dafür mit seinen frisch angefutterten Hamsterbäckchen Ratschläge auf dem Niveau seines Leib-und Magenblattes BILD:
Die Eurokrise sei irgendwie kompliziert und unverständlich, die Politiker zögen nicht an einem Strang, Entscheidungen dauerten zu lange, etc pp. Also ganz was neues, das noch niemand geahnt hat!
Comeback des Besserwissers.
Guttenberg mahnt seine Kollegen: "Wenn wir in Europa wenigstens eine Position gegenüber den asiatischen Staaten hätten. Ich sehe da im Moment nicht viel und es ist höchste Zeit damit anzufangen. Er spricht auch kurz über die von ihm eingeleitete Bundeswehrreform, preist sie als Modell für andere Staaten an. Guttenberg weiß noch immer, sich und seine umstrittenen Leistungen zu verkaufen.
(Guiseppe di Grazia 19.11.11)
Es ist anzunehmen, daß die personell ausgebluteten Unionsparteien ihm bald wieder den roten Teppich in Berlin ausrollen.
Urnenpöbel, um ihn zu wählen, haben wir genug in Deutschland.
Samstag, 5. November 2011
Persönliche Probleme.
Aber das steht auch nirgendwo in Stein gemeißelt; daher heute ausnahmsweise mal wieder eine intimere Litanei.
Mein Pass läuft noch im November 2011 ab!
Sich darum zu kümmern, gehört zu den unangenehmsten Dingen meines Lebens.
Nicht zu fassen; es ist schon zehn Jahre her, als ich das letzte Mal im US-Konsulat und bei der Ausländerbehörde vorstellig wurde.
Leider kann man sich auf diese Aktion nie einstellen, weil sich die Anlaufstellen immer ändern.
2001 hatte ich zum Beispiel die größten Probleme damit ins Konsulat zu kommen, weil es kurz nach den WTC-Anschlägen war und die Amis sich an der Hamburger Außenalster total verbarrikadiert hatten.
Am folgenden Tag wurde ich nur bei zwei verschiedenen Außenstellen der Ortsämter abgewiesen, um zu erfahren welches Bezirksamt meine neue Aufenthaltsgenehmigung ausstellen würde.
Schließlich landete ich gegenüber vom Hauptbahnhof in einer nahezu menschenleeren Abteilung und kam nach nur etwa zehn Minuten Wartezeit an die Reihe.
Dort erklärte man mir, daß ich da natürlich auch völlig verkehrt sei und die Akten zu meinem Fall gar nicht vor Ort wären. Die Deutschen waren aber scheinbar gerade in diese Bürger-Service-Points ausgelagert worden und die zuständige Sachbearbeiterin hatte nicht recht was zu tun, so daß sie freundlicherweise „mal rumtelephonieren“ wollte.
Nach kurzer Zeit geschah dann das Unglaubliche - auf welchem Wege auch immer, hatte sie erfahren, daß meine Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden soll und zack zack hatte ich das Ding in meinem nagelneuen Pass.
Beim Pass von 1991 war es genau umgekehrt: Da funktionierte es im US-Generalkonsulat wie am Schnürchen. Ich mußte noch nicht mal irgendwas mitbringen; weil die sogar einen Photoautomaten für die eigenartige Passphotogröße der Amis kostenlos zur Verfügung stellten.
Das war nett. Der Konsul kam sogar selbst plötzlich aus einer Geheimtür und überreichte mir meine neuen Papiere. Und das muß man den Amis lassen: Sie sind immer so höflich. Sogar die Wachsoldaten im Konsulat mit ihren bunten Kaiser-Bokassa-Uniformen grüßten und lächelten.
Aber dann ging das Drama mit der Aufenthaltsgenehmigung los.
Die war damals zentral im Biberhaus; zwischen Straßenstrich und Hauptbahnhof, untergebracht.
Wenn ich mich recht erinnere, wurden ab 7.00 Uhr am Haupteingang die Wartemarken ausgegeben. In Eiseskälte habe ich mich ca drei Stunden früher, mitten in der Nacht in eine sich endlos um das Gebäude mäandernde Schlange eingereiht.
Da stand man dann zwischen den verschiedensten Menschen sinnlos rum, bis man komplett eingefroren war. Dann kam es zu einem kurzen Handgemenge und um ca 7.05 Uhr hieß es die Wartemarken wären schon alle.
Erst nach der dritten Nacht (sic!) ergatterte ich auch eine der wertvollen Papiernummern und durfte das Biberhaus betreten.
Es herrschte ein unfassbares Chaos, weil die Wartenden nach den Anfangs-Buchstaben ihrer Nachnamen sortiert wurden.
Der Sachbearbeiter, der für meinen Buchstaben zuständig war, hatte also die ganze Bandbreite der Anfragen zu erledigen. Wenn man Pech hatte, war also vor einem einen ganze Familie ohne die geringsten Deutschkenntnisse an der Reihe, die einen Asylantrag stellten, so daß ein stundenlanges Verfahren ansetzte.
Wenn man Glück hatte, waren nur ein paar EU-Bürger vor einem, die eine schon bestehende Aufenthaltsgenehmigung übertragen lassen wollten - eine Sache von Minuten.
Wurde man endlich aufgerufen, verlangte die Amtsperson nach diversen Formularen und Gebührenwertmarken, von denen man aber erst in der Sekunde erfuhr, daß sie benötigt wurden.
Die Ausgabe der Antragsbögen fand auch nicht etwa dort statt, sondern unten im Foyer, so daß man seinen Warteplatz verlor.
In meinem Fall war es so, daß der Büromensch vorher eine ca 80-Jährige Dame aus der Kaukasusgegend so angebrüllt hatte, daß er schon einen ganz roten Kopf hatte.
Verblüffenderweise denken ja immer noch einige, daß jemand, der GAR KEIN Deutsch versteht, doch ein bißchen verstehen kann, wenn man nur laut genug brüllt.
Selbst rudimentärste Höflichkeits-Umstände kamen dabei unter die Räder.
Die Dame, die seine Großmutter hätte sein können, wurde selbstverständlich nicht gesiezt und die Grammatik reduzierte sich auf den Infinitiv.
„Du sitzen da!“ „Du holen Papiere!“, „DU RUHE JETZT!“
Auch ich erfuhr dieses rüpelige Behördensprech „DU HIERHER!“
Obwohl ich 1991 seit einigen Jahren studierte, mußte ich jede Menge Schulzeugnisse vorlegen. Offenbar weil ich den Status eines „Bildungsinländers“ hatte.
Ein außerordentlich sinnloses Prozedere, denn diesbezüglich hatte mich schon Jahre vorher das „Akademische Auslandsamt“ und das Arbeitsamt, welches mir eine befristete „Arbeitsgenehmigung für nichtselbstständige Tätigkeiten“ ausgestellt hatte, durch die Mangel gedreht.
Außerdem könnte man davon ausgehen, daß jemand mit einem deutschen Abiturzeugnis offensichtlich auch früher Schulzeugnisse bekommen hat.
Es war wieder einer dieser Schilda-Momente, mit jemanden in alte Zeugnisse zu gucken, die Noten noch mal vor Augen zu haben und dabei aber hartnäckig in dem „DU KÖNNEN KEIN DEUTSCH!“-Sprech angeredet zu werden.
Nicht, daß das neu gewesen wäre - schon bei der Immatrikulation mußte ich zum Deutschtest erscheinen und stieß mit meiner Frage, ob mein Abi-Zeugnis mit Leistungskurs Deutsch und einer hervorragenden Noten nicht als Beweis genüge, daß ich offensichtlich etwas deutsch kann, auf krasses Unverständnis.
Aber nein, so einfach ist das alles nicht.
Was blüht mir nun 2011?
Immerhin weiß ich, daß alles wieder anders ist.
Diese netten Service-Points der Meldeämter, die ich inzwischen auch von meinen Umzügen kannte, sind offensichtlich nicht mehr zuständig für Ausländerangelegenheiten.
Stattdessen muß ich nun in ein Bezirksamt - aber nicht etwa das in Hamburg-Mitte von 2001, sondern in ein ganz anderes, das ich aber zufällig auch kenne, weil ich dort meinen Gewerbeschein beantragt habe.
Viel schlimmer:
Das US-Konsulat in Hamburg hat aber seine Funktion sehr eingeschränkt - Amerika ist bekanntlich PLEITE - für einen neuen Pass muß man nun in die US-Botschaft nach Berlin oder das Generalkonsulat in Frankfurt.
Offenbar gibt es aber kurze Ausnahmen in Hamburg.
Wenn ich nur genug Bürkokraten-Englisch verstünde!
Hamburg: The American Citizen Services unit will hold an ACS Outreach Day on November 17, 2011 at the Consulate General in Hamburg. We will be accepting passport applications, reports of birth abroad and notarial services. You must register in advance, and services will be offered between 1030-1330. Please carefully read all the details.
(http://germany.usembassy.gov/acs/)
Aha - also gibt es hier vor Ort also tatsächlich ganze drei Stunden pro Jahr auch einen Passport-Service.
Aber was mag denn „ACS Outreach“ sein?
Renewals:
- Adult In-Person Passport Renewal (age 16 and older)
- Adult Mail-In Passport Renewal (age 16 and older)
- Children Passport Renewal (under age 16)
Adult In-Person Passport Renewals
In order to renew your passport, please submit the following:
- Form DS-82
- One passport sized (5cm x 5cm) photo.
- Your most recent U.S. passport
- A self-addressed stamped return envelope (EUR 3.50 if registered mail is required)
- Your application fee payment
- Photo Identification
- $110.00 (payments also accepted in EURO)
- $82.00 (payments also accepted in EURO)
Passport Cards
Adult First Time Passport Card
- U.S. $55.00 (payments also accepted in EURO)
Pass-Karten gibt es jetzt auch? Wat dat denn?
Ich bin überfordert.
Scheinbar kann man dieses DS-82-Formular auch schon mal per Post einschicken.
You must sign and date Form DS-82 on page 1 of the application.
[...]
STEP 3: Submit Completed Form + Additional Documents
Mail Form DS-82 in a padded envelope to the address listed on the form, along with:
- Your most recent U.S. Passport (book or card)
- One Passport Photo that is stapled to the application within the space provided using four vertical staples, one in each corner
- Current Passport Fees
- A marriage certificate or court order (only if your current name is different from what was recorded in your most recent U.S. passport)
NOTES:
- We strongly encourage you to mail your passport application and any personal documents using a traceable delivery method.
- In order to protect the contents of your mailing from the elements throughout the delivery process, it is strongly recommended that you mail your passport application and personal documents in an envelope large enough to fit the application without folding. Please do not use a standard letter-size #10 (4 1/8" x 9 1/2") envelope.
- For more information, please see Helpful Hints for Submitting Form DS-82.
If You Wish to Expedite Your Passport Application:
- Include a check or money order for $60.00 made payable to the U.S. Department of State. Do not send cash in the mail (See Passport Fees)
- Clearly mark ‘EXPEDITE’ on the outside of the padded envelope
- We recommend using an overnight delivery service for delivery to and from the Passport Agency
See Application Processing Times and How to Get a Passport in a Hurry for more information.
NEED A U.S. PASSPORT IMMEDIATELY?
You should make an appointment to be seen at a Regional Passport Agency only if:
- The U.S. passport is needed in less than 2 weeks for international travel
- The U.S. passport is needed within 4 weeks to obtain a foreign visa
Contact the National Passport Information Center to make an appointment or locate a Passport Agency.
Laut Wolfgang Schäuble ist die Nationalität ja eine zutiefst emotionale Angelegenheit, weswegen man auch keine zwei Staatsbürgerschaften haben darf - das könnte dann zu Schizophrenie führen.
Muß ich also zuerst einmal tief in mich hören und „empfinden“, ob ich mehr Deutscher oder Amerikaner bin?
Aber so leid es mir tut - ich bin diesbezüglich total unterentwickelt.
Ich kann weder patriotische Gefühle für das eine noch das andere Land empfinden.
Es gibt eigentlich gar nichts, das mir fremder als Nationalstolz ist.
Im Gegenteil, bei Hymnen und Flaggen wird mir sofort übel.
Nie im Leben würde ich mir irgendwelche Nationalfarben ans Revers heften - dabei finde ich schwarzrotgold ganz genauso absurd wie stars and stripes.
Wenn ich zu entscheiden hätte, würde ich mir lieber eine ganz andere Staatsbürgerschaft aussuchen.
Irgendwas Kleines und Bescheidenes, das in der Geschichte ein bißchen weniger Unheil angerichtet hat und sich nicht notorisch als den Nabel der Welt betrachtet.
Für „das Volk“ kann ich nichts empfinden, weil es sich dabei um viele Individuen handelt, die nicht über einen Kamm zu scheren sind.
Logischerweise gibt es in Amerika Arschlöcher und Nette. Genau wie in Deutschland.
Beide haben landschaftlich schöne Ecken - aber das ist ja wohl kaum ein Verdienst der derzeitigen Bewohner.
Und die Kultur?
Na ja. Dabei muß ich immer an eine grölende Crowd aus Skinheads in der Sächsischen Schweiz denken, die von einem TV-Reporter gefragt wurden WAS genau sie denn so stolz auf Deutschland mache.
Antwort: Schiller, Goethe, Mozart und Beethoven.
„Mozart“ ist tatsächlich eine ganz gewitzte Antwort, muß ich zugeben. Ist aber sicherlich nur aus Versehen aufgezählt worden.
Und ob der gemeine Skinhead üblicherweise abends Goethe und Schiller liest, wage ich auch mal zu bezweifeln.
Vermutlich rotieren die genannten Herren ohnehin in Lichtgeschwindigkeit in ihren Gräbern, wenn sie mitbekommen, wer sich alles auf sie bezieht und ihretwegen stolz auf Deutschland ist.
Am besten kann ich meine „Gefühle“ für eine Nation noch mit meinen Ansichten über die Regierungen verbinden - immerhin wurden die von einer Mehrheit gewählt.
Da wechseln sich die Grauen allerdings ab.
Schröder ist 1000 mal besser als Bush, Clinton cooler als Kohl und Obama finde ich netter als Westerwelle.
Aber das kann sich ja morgen schon ändern.
Es gibt für mich nur zwei echte Vorteile Deutscher zu sein - solange ich hier lebe, fällt das Theater mit den Passport-renewal/Aufenthaltsgenehmigung weg und ich darf endlich wählen.
Nachteil: Ich kann nicht mehr in den USA wählen und habe viel mehr Komplikationen, wenn ich mal in die USA reise.
Der Unterschied zu 1991 ist der, daß man heutzutage durch das Internet besser vorbereitet zu Behörden geht.
So habe ich mir mal den Antrag auf Einbürgerung (SIEBEN Seiten) ausgedruckt und ausgefüllt.
Damit spare ich mir die Fahrt nach Berlin - dachte ich.
War aber falsch gedacht - denn ich kann erst nach der offiziellen Entlassung als der alten Staatsbürgerschaft einen Deutschen Pass bekommen!
Also doch noch zur US-Botschaft?
1. Antrag
Zuerst müssen Sie einen Antrag auf Einbürgerung stellen. Bei der Einbürgerungsabteilung bekommen Sie Antragsformulare und ein Merkblatt. Das Antragsformular müssen Sie ausfüllen und mit den erforderlichen Unterlagen bei der Einbürgerungsbehörde abgeben. Bei Antragstellung wird die Gebühr sofort fällig (bis zu 255 Euro pro Person). [Das kann zu einem finanziellen Problem werden, wenn ein Familie mit vier Kindern eingebpürgert werden will! -T.] Nun prüft die Behörde Ihre Unterlagen.
2. Einbürgerungszusicherung
Wenn die Behörde Ihrem Antrag zustimmt, dann erhalten Sie zunächst eine schriftliche Einbürgerungszusicherung.
3. Entlassung aus der bisherigen Staatsangehörigkeit
Nun erst können Sie sich um die Entlassung aus Ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit kümmern. Das müssen Sie selber tun und alle Formalitäten, die Ihr Herkunftsland verlangt, selber erledigen. Sehr wichtig: Wir empfehlen Ihnen, sich alle drei Monate über den Fortgang dieses Verfahrens bei Ihrem Konsulat/ Botschaft zu erkundigen. Machen Sie dies schriftlich und heben Sie bitte alle Kopien des Entlassungsverfahrens auf.
4. Einbürgerungsurkunde
Sobald Sie aus Ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit entlassen worden sind, erhalten Sie Ihre Einbürgerungsurkunde. Mit der Urkunde wird Ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.
5. Beantragung und Erhalt des deutschen Passes
Gehen Sie nun mit Ihrer Einbürgerungsurkunde zu Ihrem Bezirks- oder Ortsamt und beantragen Sie dort Ihren deutschen Pass. Ihren Pass erhalten Sie dann ein paar Wochen später.
(Hamburg.de)
Den Antrag habe ich dennoch ausgefüllt und kann nun beginnen folgende Unterlagen zusammen zu suchen:
I.
Schriftlicher Antrag mit Begründung, ggf. von beiden Eheleuten mit der Angabe, auf welche Kinder sich die Einbürgerung erstrecken soll.
(Der Antrag kann ab dem 16. Geburtstag ohne Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten gestellt werden)
Handgeschriebener Lebenslauf mit Angaben über
- Schul- und Berufsbildung
- Aufenthalts- und Arbeitsverhältnisse
- bisherige Staatsangehörigkeit
Lebenslauf des Ehegatten (falls deutsch verheiratet: nur tabellarisch)
Pass (Reiseausweis, Fremdenpass) mit Nachweis der Aufenthaltserlaubnis bzw. Freizügigkeitsbescheinigung und Anmeldebestätigung
II.
Geburtsurkunde
Geburts- oder Heirats- oder Sterbeurkunde der Eltern
Heiratsurkunden und Unterlagen über die Auflösung früherer Ehen
Geburts- oder Heirats- oder Sterbeurkunden der Eltern des Ehegatten
(evtl. Staatsangehörigkeitsausweis des Ehegatten)
Geburtsurkunden der minderjährigen sowie unterhaltsberechtigten volljährigen Kinder
Sorgerechtsbeschluss oder Vormundsbestallung
III.
Schulzeugnisse, Integrationsbescheinigung, Deutsch-Zertifikat
Ausbildungsnachweise, z. B. Urkunden über Berufsabschlüsse
Versicherungsnachweise der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung oder Nachweis sonstiger Altersvorsorge (z. B. Lebensversicherungsschein)
Nachweis der gegenwärtigen Erwerbstätigkeit und des Einkommens (Brutto), z. B.
Arbeitsvertrag
Gehaltsabrechnung
Gewerbeanmeldung
Gesellschaftervertrag
Handelsregisterauszug
Jahresabschluss
letzter Einkommenssteuerbescheid
Rentenbescheid
Nachweis der Erwerbstätigkeit und des Einkommens des Ehegatten
IV.
- Gebührenvorschuss (Staatsangehörigkeitsgebührenverordnung vom 28.03.1974 mit Änderungen vom 18.06.1975, BGBl. I S.809/S. 1436)
Nachweis über die Höhe der Miete
Sonstiges
Ob ich dann Deutscher werden darf?
Vermutlich klappt der Plan aber ohnehin nicht, wenn in dem Verfahren meine finanzielle Situation überprüft wird.
Natürlich muß ich auch den Einbürgerungstest und den Deutschtest absolvieren - aber ich habe da so eine Ahnung, als ob mein rudimentäres Deutsch inzwischen ausreichen könnte.
Geldmäßig ist das aber schon schlechter, da ich ja nun mal selbstständig bin und wenig verdiene. Die wollen aber die Garantie haben, daß ich zukünftig nicht den deutschen Sozialsystemen zur Last falle.
Mein Plus ist, daß ich das bisher noch nie getan habe, aber theoretisch könnte ich ja morgen Hartz IV beantragen. Wenn man eine hochdotierte Festanstellung und Familie hat, ist das viel unwahrscheinlicher.
Aber wie soll ICH das beweisen?
Ich bin ja mal gespannt, ob ich aufgrund meiner mickrigen Einkommensverhältnisse überhaupt zugelassen werde in das Einbürgerungsverfahren zu kommen.
Wie mir eine Freundin 1999 so unnachahmlich klar sagte:
„ Du bist undeutsch. Das sieht man dir ja schon an, während ich eine typische Deutsche bin!“
Ob sie Recht behält??
Vielleicht sollte ich das Einbürgerungsverfahren nicht so kritisieren, sonst bin ich noch undeutscher.
Ich fühle mich auch schon ganz undeutsch.
Aber meinen US-Pass abzugeben, stört mich nicht.
Hmmm, vielleicht bin ich also auch noch UN-amerikanisch?
Nachtrag:
Ich schicke den Antrag nun doch noch nicht ab.
Neuerdings lese ich wieder von Gabriel und Trittin, daß sie sich für die Doppelte Staatsbürgerschaft einsetzen.
Die CDU und die CSU sind zwar STRIKT dagegen, aber die waren ja auch gegen eine Berufsarmee, den Mindestlohn und den Atomausstieg.
Das würde mich ja nun doch die Pest ärgern, wenn kurz nachdem ich den Amipass los bin, plötzlich zwei Staatsbürgerschaften in Deutschland legal werden.
