TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Sonntag, 26. Dezember 2010

Fahrradfahrer

Entschuldigung.

Da ich gerade so weihnachtlich gestimmt bin, sehe ich mich zum Fest der Liebe gezwungen noch einmal die Kanzlerin zu zitieren.
Sie wird als Kompensation zu ihrer währungspolitischen, finanzpolitischen, ökonomischen, außenpolitischen und steuerpolitischen Beliebigkeit in einer Sache immer rabiater.

Beim Christentum.
In Berlin schimpft sie auf das "Multikulti-Eiapopeia". Am Samstag beim Deutschland-Tag der Jungen Union in Potsdam klingt das noch etwas schärfer: "Multikulti ist absolut gescheitert." In Berlin ruft Merkel der Basis zu, man brauche angesichts von 2,2 Millionen arbeitsfähigen Hartz IV-Empfängern "keinen Zuzug von außen". Dann beschwört sie das christliche Menschenbild und ruft in den Saal: "Wer das nicht akzeptiert, ist bei uns fehl am Platze." Applaus braust auf,……
(Taz, 19.10.2010)


Es gebe bei diesem Thema eine Zustimmung aus der Bevölkerung, wie er sie noch nie erlebt habe. Seehofer betonte: "Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein - Multikulti ist tot."
[…] Auch die CDU-Vorsitzende versicherte: "Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht." Wer das nicht akzeptiere, "der ist bei uns fehl am Platz". Gleichzeitig sollten die Deutschen über ihre Werte und die zunehmende Entfremdung von Religion sprechen, um sich über ihr Land und ihre Gesellschaft zu vergewissern.
(Spon 15.10.2010)

Da zeigt die Bundesmerkel Ellenbogen und erinnert korrekterweise daran, was die Religion mit dem Hingemetzelten meistens bedeutete:

WIR SIND BESSER ALS DIE!
(Und wer das nicht akzeptiert, kriegt was auf die Schnauze.)

Die mutmaßlich aggressivste Religion der Weltgeschichte, die gleich fünf Kontinente eroberte und unterjochte, 16.000 Schlachten religiös rechtfertigte und mehr Menschen zu Tode brachte als irgendeine andere Ideologie, hat sich schon einen passenden Gott ausgesucht:

Aus Unmut über seine eigene Schöpfung, erfreute er sich daran, wie sein eigener Sohn gematert und zu Tode gequält wurde.
Das gefiel dem Allmächtigen und an dieses überirdische elterliche Versagen werden wir tagtäglich durch den allgegenwärtigen Lattenhansel erinnert.
Am liebsten blutig, kannibalisch indem wir noch sein Blut trinken und seinen Leib essen sollen.

Und wer ganz besonders fromm ist, der geißelt sich mit speziellen Peitschen, schlägt sich selbst blutige Striemen auf den Rücken.
Zumindest ein mit Metallspitzen besetztes SM-Bein- oder Armband, wie es die Anhänger des Lieblingsordens des Papstes, des Opus Dei, tragen darf es schon sein.


Schmerzen und Leiden sind das was den Frommen auszeichnet.


Die Masochistenfraktion der Soutanenträger sieht explizit darin eine Wertschätzung des Sadisten (vulgo: Gott), der das alles verursacht.
Immerhin hat er schon seinen eigenen geliebten Sohn bestialisch foltern und töten lassen - natürlich nur AUS LIEBE zu den Menschen.
Wenn es dem heutigen Homo Sapiens ähnlich ergeht, soll man dankbar sein.

Insbesondere die körperlichen Qualen, die ein Mensch erLEIDen kann - Schmerzen - sind den Christenexperten hochwillkommen.
Unter Schmerzen wurdest du geboren, unter Schmerzen musst du sterben“ - das erklärte schon Gott persönlich in Gen, 3:

16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen.
17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens.
18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes musst du essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

"Gesegnet sei der Schmerz" erklärte der Heilige Josemaria Escriva (1902-1975. Gründer des Opus Dei)

Johannes Paul II, der Große, stellte schon zu einer frühen Phase seines Pontifikats klar, daß Leid generell zu begrüßen sei.
Im

heißt es:

Paulus: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage«.(2)
………Die Kirche, die aus dem Geheimnis der Erlösung im Kreuz Christi geboren wird, muß die Begegnung mit dem Menschen vor allem auf dem Weg seines Leidens suchen.
…. Das Leiden soll der Bekehrung dienen, das heißt, der Wiederherstellung des Guten im Menschen, der in diesem Ruf zur Buße die göttliche Barmherzigkeit erkennen kann.

Der Ratzinger-Papst könnte natürlich auch die alten Frauen und Männer auf normale Weise die steinernen Stufen hinauf auf den Hellen Berg des Paulinenklosters zur Schwarzen Madonna in Tschenstochau ziehen lassen.
Immerhin vier Millionen Menschen tun sich das jährlich an.
Der Vatikan erfreut sich aber daran, daß sich die Omen und Open dabei die Knie zerschleißen, indem sie auf Knien zu holperigen Steinstufen hochkrauchen.

Ebenso viele Menschen pilgern jährlich nach Fatima in Portugal, 2010 war ein gewisser Joseph Ratzinger einer von ihnen.

Er selbst wurde gefahren, aber seine Gläubigen verachtet er offenbar so sehr, daß er findet sie hätten allen Grund zur Buße und so gefiel es ihm zuzusehen, daß die Pilger als Buße den langen Weg zur Kapelle auf den Knien rutschten.
Haßt Ratzinger die Menschen generell oder gefällt ihm einfach nur die Demütigung und der Schmerz den die oft betagten Pilger bei der Tortur erleiden müssen?


Ein mitleidigerer Mann als der Pontifex würde keinen Spaß an der Myriaden-fachen Erniedrigung haben und in Sorge um Meniskus und Kniescheiben den Massen zurufen, daß Gott sie auch liebe ohne sich die Extremitäten zu zerschinden.

Merkel selbst habe ich noch nicht auf Knien vor einem protestantischen Bischof oder bei einer Pilgerfahrt gesehen; ebenso wenig wie Seehofer sich schon selbst die Knie für den Papst aufgerieben hätte.

Merkel kann aber durchaus vor den ganz wichtigen Personen kriechen und geht devot in die Knie, wenn sie Jürgen Grossmann, George W. Bush, Joseph Ackermann, der PKVen-Lobby oder einem Pharmaboss begegnet.

Das ist das Radfahrer-Wesen der konservativ-christlichen Politik; buckeln vor den Mächtigen und nach unten treten.
Wie ihre Klerusfreunde, präferiert die CDU-Chefgin ihrer Untertanten kriechend.
Aufrechter Gang, Mitdenken, Protestieren und Aufmüpfigkeit schätzt die Hobbytheologin gar nicht. Verglichen mit dem Jahr 2000 sind in Deutschland die Löhne langsamer als in allen (sic!) anderen EU-Ländern gestiegen.

Wir sind einsamer Letzter!

In Deutschland sind die Löhne und Gehälter in den vergangenen zehn Jahren deutlich langsamer gestiegen als im Rest Europas. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Grund dafür ist auch der steigende Anteil von Beschäftigten in prekären Jobverhältnissen. Während die Bruttolöhne und –gehälter im EU-Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren um 37 Prozent gestiegen sind, bildet Deutschland mit einem Anstieg von 22 Prozent das traurige Schlusslicht.
(Mindestlohn.de)

Nach den Angaben der Wiesbadener Behörde liegt Deutschland mit deutlichem Abstand am Ende der Tabelle der 22 EU-Länder. An der Spitze liegt Rumänien, wo die Löhne um 563,2 Prozent stiegen.
[…] In Frankreich, Osterreich oder Portugal liegen die Raten im Vergleich zum Jahr 2000 um 'Knapp ein Drittel hoher. Im gesamten Euroraum stiegen die Verdienste in diesem Zeitraum um 30,7 Prozent.
[…] "Es gibt in Deutschland keinen Mindestlohn und in Ostdeutschland tariffreie Zonen. Durch die Arbeitsmarktpolitik besteht schon seit Jahren ein großer Druck auf die Löhne hierzulande", sagt Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung der Süddeutschen Zeitung.
[…] Es sei "armselig", dass ausgerechnet im reichen Deutschland die Löhne hinterherhinkten. Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft sieht dagegen noch keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. "Dafür ist es zu früh, weil die Produktivität noch nicht wieder das Niveau von vor der Krise erreicht hat", sagt Schröder. Laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes mussten die deutschen Firmen im dritten Quartal 0,5 Prozent weniger je Arbeitsstunde zahlen als im Frühjahr. Der Rückgang ist damit so hoch wie zuletzt im Sommer 2005. Angesichts voller Auftragsbucher wird in Deutschland wieder langer gearbeitet, die Kurzarbeit spielt kaum noch eine Rolle. Auch hier ist Deutschland im europäischen Zehnjahresvergleich das Schlusslicht: Seit 2000 stiegen die Arbeitskosten um 19,4 im EU-Durchschnitt um 37,6 Prozent. Mit durchschnittlich 30,90 Euro je Stunde müssen Arbeitgeber in Deutschland derzeit knapp ein Fünftel mehr zahlen als vor zehn Jahren. Deutsche Firmen kommen somit im europäischen Vergleich besonders günstig weg.
(Süddeutsche Zeitung 10.12.10)

So ist das, wenn man sich von einer Mannschaft, die dem christlichen Leitbild verpflichtet fühlt, regieren läßt.
Und wenn diese europaweit in Relation sinkenden Löhne noch zu hoch sind, springen die Christlichen Gewerkschaften ein, die Spezialisten dafür sind die Löhne noch mehr zu drücken.

Der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB) hat es mit seiner U-Boot-Tätigkeit für Ausbeuter-Unternehmer inzwischen so weit getrieben, daß seine 'Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit' ('CGZP') vom Bundesarbeitsgericht als tarifunfähig eingestuft wurde.

Löhne von 4,83 Euro pro Stunde hatten die christlichen Gewerkschaftler „für“ ihre Arbeiter „ausgehandelt.“

Noch billiger wird es für den Arbeitgeber nur noch, wenn es sich um einen der eine Million direkt bei der Kirche Beschäftigten handelt.
Kirchen werden von der politischen Klasse so stark protegiert, daß sie als „Tendenzbetriebe“ überhaupt keine Arbeitsrecht-Regeln einhalten müssen.

Sie bezahlen ihre Mitarbeiter noch schlechter.

Ein weiterer Grund dafür, daß die Kanzlerin so vehement auf die „Christliche Leitkultur“ pocht, dürfte der Islamische Umgang mit Geld und Banken und Vermögen sein.
Bei Muslimen gelten Zinsen als Geld ohne Leistung – und damit als Wucher; welcher im Koran verachtet wird.

Das wäre nämlich nichts für Joseph Ackermann!

Die muslimische Welt sieht in der Finanzkrise die Stärke ihres Finanzwesens bestätigt. „Die islamischen Banken handeln nicht auf Pump, sondern mit tatsächlichen Guthaben – das bewahrt sie vor den Problemen, mit denen die Banken in Amerika und Europa gerade Bekanntschaft machen“, sagte der Chef der Qatar International Islamic Bank, Abdel Bassat El Schibi.
[…] Das islamische Finanzwesen unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten vom Kapitalismus. Zum einen unterliegt es einem Zinsverbot, das im Koran verankert ist; bei Muslimen gelten Zinsen als Geld ohne Leistung und damit als Wucher. Zum anderen sind bei den verschiedensten islamischen Produkten Risiken und Gewinne zwischen der Bank und dem Kunden geteilt. In der ganzen Welt gibt es derzeit mehr als 300 islamische Finanzeinrichtungen in 75 Ländern.
(Die Welt 16.10.2008)

Und dann erst die „Zakat“; das dritte Gebot des Islams; also eine der fünf Säulen des Islams.
Es gebietet Mildtätigkeit und verpflichtet den Vermögenden erkleckliche Teile seines Geldes an Bedürftige zu geben - und dies auch noch ohne damit zu protzen!
Dabei handelt es sich nicht um ein paar Münzen, die man in den Klingelbeutel tut, oder nicht.

Es ist eine ausdrückliche Pflicht.

Ein Ausspruch des Gesandten Muhammad (s*) lehrt uns: „Allah hat den Reichen in ihrem Reichtum den Betrag, der den Bedarf der Armen deckt, auferlegt. Die Armen leiden weder Hunger noch Nacktheit, außer als Folge des Handelns der Reichen. Allah wird sie genau prüfen und sie schwer bestrafen“ (at-Tabarani).
(Muslimehelfen.org)

Bei dem Geschrei, das hierzulande herrscht, wenn auch nur das Wort „Vermögenssteuer“ erwähnt wird, werden die 100 Milliardäre Deutschlands aber froh sein, daß Merkel sie vor Islamischen Sitten beschützt - dann würden sie nämlich jedes Jahr rund 7,5% ihres Vermögens an „Arme, Bedürftige, Verschuldete, Gefangene, Reisende, etc“ spenden müssen.
Und dies bei einem marginalen Jahresfreibetrag von 1895 Euro!

Das wären für die Familie Georg Enoch von und zu Guttenberg bei einem konservativ geschätzten Vermögen von 400 Millionen Euro (Platz 272 der reichsten Deutschen laut „Manager Magazin Spezial Oktober 2010“) immerhin 30 Millionen Euro jedes Jahr an die Hartz’ler!

Da würde unser Bundesverteidigungsbaron aber weit weniger gut gelaunt sein.

Die Familie seiner Frau Stefanie, die von Bismarcks aus Friedrichsruh (Platz 401, 250 Millionen) hätte weitere knapp 18 Millionen im Jahr zu entrichten.

Mittwoch, 22. September 2010

Haha, die Polen.

Der bedeutendste Pole aller Zeiten ist aus polnischer Sicht natürlich Santo-subito-Woytila.
Kurz danach kommt dann schon die eigentliche „Königin Polens“, die 1656 von König Johann Kasimir inthronisiert wurde und die es auch promt vermochte allerlei im Lande marodierende Armeen (schwedische, russische und brandenburgische) zu vertreiben.
In anderen Teilen der Welt ist die „Königin Polens“ übrigens auch bekannt - allerdings in einer anderen Funktion, nämlich als Mutter von Jesus Christus.

Nun ist es in der Weltgeschichte nicht ohne Beispiel, daß in Ermangelung geeigneter nationaler Kandidaten Könige von außerhalb geholt wurden.

Der Deutsche Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld begründete am 21. Juli 1831 als Leopold I. die Belgische Monarchie, nachdem zwei Kandidaten aus eigenen Landen abgesagt hatten.

Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich, der kleine Bruder Kaiser Franz Josefs, wurde 1864 Monarch von Mexiko und nannte sich Kaiser Maximilian I.

Norwegen, das erst 1905 unabhängig von Schweden wurde, holte sich Carl von Glücksburg, Prinz von Dänemark; den Sohn des Dänischen Königs Friedrich VIII ins Land, nannte ihn Hakon VII und setzte ihn als Begründer des Norwegischen Königtums ein.

Eine charmante Idee einen Prinzen aus einem anderen Land zu holen, wenn man eine Monarchie aufmachen möchte.
Das dämmt den Nationalismus auch gleich ein.

Es wäre zu überlegen, ob man nicht Deutschland in eine Monarchie umwandeln sollte - nachdem sich nun schon der zweite von Merkel ausgewählte Präsident in Folge als Fehlbesetzung herausstellt.
"Einen zweiten Fehlgriff können Sie sich nicht mehr leisten“ lachte einst der neue CDU-General Laurenz „Skinhead“ Meyer in Anspielung auf den Totalfehlgriff Polenz seine Chefin an. Falsch gedacht. Auch Mayer wurde wegen Unfähigkeit wieder entlassen.

Nachdem die nahe liegende Besetzung des noch zu schaffenden deutschen Throns; Rio Reiser, leider zur Zeit tot ist, sollten wir uns einfach mal bei anderen regierenden Familien umsehen.

Zum Beispiel der schwedische Prinz Carl-Philip, 31, gefällt mir.


Frei wäre er, weil seine große Schwester nächste Schwedische Königin wird. Er sieht phantastisch aus und weiß sich auf dem diplomatischen Parkett zu bewegen. Ich finde, der macht wirklich was her. Das hätte im Gegensatz zum Osnabrücker Provinzler Christian Wulff echt klasse.
Na gut, Prinz Carl-Philip soll nicht gerade der hellste Stern am Geisteshimmel sein; an einigen speziellen Fähigkeiten, wie lesen und schreiben beispielsweise, mangelt es ihm. Aber das passt doch gut zum PISA-Schlußlicht Deutschland.
Man soll auch nicht überkritisch sein. Jahrhunderte Inzucht bleiben eben nicht folgenlos.

Falls sich die Meinung herauskristallisieren sollte, daß ein Staatsoberhaupt einen höheren IQ als Zimmertemperatur haben sollte, schlüge ich Prinz Charles vor.
Die Briten wollen doch sowieso lieber Charming William als nächsten König.
Wenn bei uns demnächst ein Grüner als Kanzler regiert, passt es doch, wenn der deutsche König auch ein Öko ist. Die Briten hadern ohnehin mit Camilla, weil sie ihnen optisch nicht genug hermacht. Für Deutsche kann das kein Hindernis sein - nach Helmut Kohl und Angela Merkel an der Regierungsspitze sind wir optisch vollkommen schmerzfrei.

Aber zurück zu den Polen.

Unsere slawischen Nachbarn sind generell etwas anspruchsvoller und suchen sich ihre Wunschmonarchen nicht unter profanen Nachbarkönigreichen aus, sondern gehen gleich in die oberste Etage.
Die Polnische Königin ist die Gottesmutter Maria und da ist es doch nur naheliegend als König gleich Jesus einzusetzen.

Eben diese Forderung wird von polnischen Katholiken tatsächlich lautstark erhoben.

Betend, singend, Fahnen und Bilder eines gekrönten Christus schwenkend zogen mindestens tausend Teilnehmer vom Parlament zum Präsidentenpalast. Auch die blaue EU-Fahne war zu sehen, allerdings mit der Jungfrau Maria inmitten der Sterne. Was historisch korrekt ist: Die Sterne der EU hatten die Gründerväter der Gemeinschaft dem Sternenkranz der Gottesmutter entliehen. Allerdings verbanden diese Demonstranten mit Brüssel vor allem die „Beschneidung von Polens Souveränität“ und den Niedergang der Industrie des Landes. Nicht zufällig heißt die katholische Bewegung, die den Marsch organisierte, „Bewegung der Souveränität des polnischen Volkes“.
Sie beruft sich auf die Krankenschwester Rozalia Celakowna (1901-1944), die sich in Krakau um Prostituierte kümmerte und Ende der 30er-Jahre Visionen hatte. Demnach sollten Polen und nach ihm andere Nationen Abbitte leisten für ihre Sünden, indem sie Jesus Christus zum König erklärten. Andernfalls werde es zu einem schrecklichen Krieg kommen. 2006 verabschiedeten 46 Abgeordnete des polnischen Parlaments tatsächlich eine Resolution, in der sie die Inthronisierung Christi zum König von Polen forderten.

(Die Welt 22. September 2010)

Da muß man wohl von Glück sprechen, daß in Deutschland keine Bundestagsabgeordneten mehr die Visionen eines bekannten deutsch-österreichischen Katholiken aus den 1930er Jahren umsetzen möchten.

Die Polnischen Visionen sind glücklicherweise auch viel harmloser.
Was spricht schon dagegen Jesus zum Polen-Chef zu machen?
Wenn noch niemand das copyright auf die Idee hat, dann mal los.

Wenn die Frommen und Frömmsten im Sejm Erfolg haben möchten, sollten sie sich allerdings ranhalten. Denn eine Entwicklung geht auch an dem Lande der Königin Maria nicht vorbei:
Das atheistische U-Boot Joseph R., zur Zeit Vatikan-Chef, treibt die Polen in Rekordgeschwindigkeit aus der Kirche.

Während man sich in Warschau noch mit dem Superlativ „Katholischstes Land der Erde“ (96% Katholiken) sonnt, geben Umfragen ein ganz anderes Bild ab.

Die katholische Kirche in Polen hat laut einer Umfrage in den vergangenen Monaten deutlich an Zustimmung eingebüßt. Nur noch 54 Prozent bewerten die Arbeit der Kirche positiv, 35 Prozent negativ, ergab eine am Montag veröffentlichte Erhebung des Meinungsforschungsinstituts CBOS. Im Juni lag der Anteil der Zufriedenen dagegen noch bei 64 Prozent und der Kritiker bei 25 Prozent.
(Kath.web 21.09.10)

Die Umfrage bestätigt den seit zwei Jahrzehnten anhaltenden Trend, daß die gesellschaftliche Bedeutung der Kirche stetig abnimmt.

Bravo Polen! Willkommen in der Realität.

Freitag, 17. September 2010

Rechts blinken

Seit jener ominösen Emnid-Umfrage, die einer theoretischen Partei rechts der Union 20% vorhergesagt hatte, gackern sämtliche CDU-Granden, als ob man soeben eine Horde Füchse in ihrem Parteihühnerhaufen freigelassen hätte.

Es wird dabei noch nicht mal pro forma die Frage gestellt, ob konservativere Positionen inhaltlich gewollt oder gar sachlich richtig wären. Nein, das einzige Kriterium für eine mögliche Positionsverschiebung ist der drohende Machtverlust.

Das CDU-Dilemma ist in Wahrheit ein anderes: Da es weder überzeugende Regierungsarbeit noch überzeugende Persönlichkeiten in der Kanzlerinnenpartei gibt, bröckeln die Zustimmungsraten.
Unklar ist, ob die Anhänger vom rechten oder vom linken Flügel schneller weglaufen.
Offensichtlich befürchtet man in der CDU, daß der nationalkonservative Rand massiver erodiert.
Der Eindruck entsteht durch die Personalisierung des Exitus‘: Merz („Mehr Kapitalismus wagen!“), Koch („Jüdische Vermächtnisse“) und nun Steinbach („Polen hat zuerst mobil gemacht!“) haben die Führungsebene der Union verlassen.
Mancher CDU-Freund leidet nun an Phantomschmerzen am rechten Ellenbogen.

Umfragen belegen allerding eher das Gegenteil:
Das ergab eine Umfrage für den Deutschland-Trend von Infratest dimap im Auftrag des ARD-"Morgenmagazins". Demnach sind 37 Prozent der Meinung, dass die CDU mit ihren heutigen politischen Standpunkten zu konservativ aufgestellt ist. Die Gegenposition nehmen 32 Prozent ein. Sie finden, dass die Christlich Demokratische Union zu wenig konservativ ist.
(SPON 17.09.10)

Hin und her schwanken nun die Parteistrategen, ob es lohnender ist den 32 % oder den 37% hinterher zu laufen. Die Waage neigt sich scheinbar zu Seiter derjenigen, die die CDU für nicht konservativ genug halten.
Anders ist es nicht zu erklären, daß die hartnäckig antipolnisch hetzende Reaktionärin Steinbach, die sich sogar mehrfach dazu verstieg dem 88-Jährigen Ausschwitzüberlebenden Bartoszewski einen „schlechten Charakter“ zu attestieren, immer noch großen Rückhalt in der Fraktion hat.

Merkel, die rückgratlose Amöbe der Macht, soll Gerüchten zufolge wie die Pest von der braunen Erika genervt sein.
Ob das wahr ist, oder nicht, weiß ich nicht - verständlich wäre es, da es Merkel viel Zeit und Mühe kostet, die von Steinbach verursachten Einschläge in den deutsch-polnischen Beziehungen immer wieder auszubügeln.
Nicht das erste Mal mußte die Kanzlerin bei der polnischen Regierung vorstellig werden und sich für die verbale Amokläuferin Steinbach entschuldigen.

Kurt Beck verlangte mit Recht, daß Steinbach ihr Bundestagsmandat abgeben solle:

Bartoszewski sei eine Verbindungspersönlichkeit zwischen Polen und Deutschland, ein hoch untadeliger Mann, sagte Beck am Freitag. "Ihm den guten Charakter abzusprechen, das ist ein Skandal, wie ich ihn in internationalen Beziehungen sonst nur von Rechtsradikalen kenne."
Steinbach solle ihr Bundestagsmandat niederlegen und ihren Posten im CDU-Vorstand sofort aufgeben, forderte Beck. "Wer auf diese Art und Weise bewusst provoziert, herabsetzt, diskriminiert und internationale Beziehungen stört, der hat in einer demokratischen Partei nichts und schon gar nichts in einer Führungsposition zu suchen."
"Es kann und darf niemand für Deutschland sprechen, wenn man auf diese Art und Weise den wohl abgewogenen Interessen Deutschlands und Europas widerspricht", so Beck. Das sei in keiner Weise mehr tolerabel - das sei eine Widerlichkeit.
Er kenne den ehemaligen Außenminister des Nachbarlandes aus vielen Begegnungen in Deutschland und Polen persönlich sehr gut, sagte Beck. Bartoszewski sei ein Mann, der sich trotz schlimmer Erfahrungen im Konzentrationslager für Aussöhnung eingesetzt habe. Die Äußerungen Steinbachs könne er nur "als bewussten bösartigen Affront gegenüber Polen, aber auch gegenüber den deutsch-polnischen Beziehungen und damit auch gegen die Bundesregierung werten".
(SWR 17.09.10)

Die CDU verfügt aber über eine gehörige Portion schrägen Humors und so wurde die Menschenfeindin Steinbach, die einst wutentbrannt aus der evangelischen Kirche austrat*, nachdem die Synodalen ihrer Meinung nach nicht mehr scharf genug gegen Schwule hetzten, ausgerechnet zur Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, sowie zum ordentlichen Mitglied im Ausschuß für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe zu machen.

Linke-Chefin Gesine Lötzsch bekräftigte die Position ihrer Partei, im Menschenrechtsausschuss nicht mehr mit Steinbach zusammenarbeiten zu wollen. "Das ist wirklich eine Beleidigung, die Frau Steinbach ausgesprochen hat. Die ist für uns nicht hinnehmbar."
Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, sagte, es sei "außenpolitisch unverantwortlich und innenpolitisch unanständig, weiter an der außer Kontrolle geratenen politischen Dampfwalze Steinbach festzuhalten".
(Spon, 17.09.10)

*Steinbach auf ihrer homepage:
6. Ihr/e Lieblingsheld/in in der Geschichte, Gegenwart oder Dichtung?
E.S.: Papst Benedikt XVI. mit seiner Glaubensfestigkeit und Beständigkeit in bewegten Zeiten.

Die CDU-Bundestagsfraktion und die Parteichefin sind allerdings zu feige, um sich von Steinbach zu trennen. Zu sehr schlottern ihre Knie vor der vermeidlichen rechten Abspaltung.

Unionspolitiker aller Ebenen robben an die rechte Reaktionärin heran.

Ministerpräsident David McAllister: "Frau Steinbach bleibt eine von uns."

„Es freut mich ganz besonders, die höchste Auszeichnung des Freistaats Bayern an diesem besonderen Tag, dem Jahrestag der Charta der Heimatvertriebenen, an Erika Steinbach verleihen zu dürfen."
Mit diesen Worten hat Ministerpräsident Horst Seehofer am 5. August 2009 den Bayerischen Verdienstorden an die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen e.V. und Vorsitzende der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen verliehen. Erika Steinbach MdB habe sich durch ihren Einsatz für die Rechte der Heimatvertriebenen in Bayern und ihr Engagement zur Gründung der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen besonders verdient gemacht. „Durch Ihre Hilfe sind die Heimatvertriebenen wieder mehr in unsere gesellschaftliche Mitte gerückt. Somit können sie die Akzeptanz in unserer Gesellschaft deutlich besser spüren."

(ES-homepage)

Der CDU-Fraktionschef im sächsischen Landtag, Steffen Flath: "Wenn nur noch die NPD die Leistungen der Mütter würdigt, dann ist das ein deutliches Zeichen, dass man da etwas verkehrt gemacht hat"


Die CDU-Denker wollen auf keinen Fall das Schicksal der SPD teilen, die schon zwei starke Abspaltungen von ihrem Fleische erleben mußte und durch die Existenz von Grünen und der Linken dauerhaft von absoluten Mehrheiten entfernt ist.

Dabei sind SPD und CDU bei Abspaltungen traditionell nicht zu vergleichen.
Die Union war immer ein Kanzlerwahlverein, der devot jedem vorgegebenen Kurs der Parteiführung folgte.
Das ist ja gerade das Wesen des Konservatismus.

Auf der linken Seite des politischen Spektrums gibt es hingegen seit eh und je erheblich mehr Denkfreudigkeit und Aufmüpfigkeiten.
SPD-Parteitage waren immer von enervierender Diskussionslust geprägt; nicht selten haben sich Führungen gewaltige Klatschen eingehandelt, oder wurden gar, wie einst Rudolph Scharping, urplötzlich weggeputscht.
Linke sind Nörgler, Nachhaker, Hinterfrager und notorisch kritisch.
Der gemeine SPD-Wähler ist ein leicht verschreckbares Sensibelchen, das sich ziemlich leicht empört und verflüchtigt.

Ich behaupte, daß in einer SPD offensichtlich Korrupte, Lügner oder Kriminelle wie Roland Koch oder Helmut Kohl rausgeworfen, statt bejubelt würden.

CDU-Mitglieder sind für die Führung erheblich leichter zu handhaben.
Auf Parteitagen stehen die Redner nach dem ersten Vormittag meist vor verwaisten Rängen, weil sich die Delegierten hauptsächlich beim Gratis-Fastfood im Foyer ins Zeug legen.
Nahezu alle Anträge werden durchgewinkt.

Die hingerotzte Aussage der Meinungsforscher, daß eine Partei rechts der Union 18 oder 20 Prozent bekäme, ist aber deswegen besonders ärgerlich, weil damit unterstellt wird, daß es nur auf das Programm ankäme.
Das Gegenteil ist aber der Fall, wie die ständig unterschiedlichen Wahlergebnisse zeigen.
Die Parteiprogramme bleiben nämlich meistens gleich und dennoch kreuzen die Wähler nicht immer dieselbe Partei an.

Außerdem wird unterstellt es gäbe gar keine rechten Alternativen, obwohl es dort schon von Parteien wimmelt: NDP, AUF, CM, Republikaner, PBC, Stattpartei, DVU, Schillpartei, PRO und viele andere mehr.
Offensichtlich bekommen diese Querulanten aber nicht 20 % bundesweit, obwohl sie alle konservativer als die CDU sind.
Es fehlt also an Personal.


Ein Armutszeugnis für die CDU ist aber insbesondere, daß sie gar nicht erst die Frage zuläßt, ob Politik à la Steinbach wünschenswert, oder vernünftig oder gar richtig ist.

Ist es vernünftig heute noch Schwule zu verdammen? Hat es einen Sinn den polnischen Nachbarn immer wieder zu diffamieren? Was spricht dafür antitürkische Außenpolitik zu machen? Gibt es inhaltliche Gründe Atomkraft zu forcieren? Zeugt es von Klugheit der alleinerziehenden Hartzlerin das Elterngeld zu streichen, es aber der Millionärsgattin auszuzahlen?

Aber diese Diskussionen werden auf der inhaltlichen Ebene nicht geführt.
Man will nur vermeidlichen Stammtischen entgegen kommen.

Donnerstag, 16. September 2010

Schwache Rechte?

Eine besondere Perfidie der Konservativen ist es den pazifistischen und linken Parteien vorzuwerfen, sie hätten ein ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt.
Über 20 Jahren hielt sich die CDU mit diesem Argument die Grünen vom Leib.
Während in der Nachfolgepartei derjenigen, die Hitler ermächtigt hatten und ehemalige NSdAP-Mitgliedern zu CDU-Kanzlern und CDU-Vorsitzenden wurden, empörten sie sich um so lauter über den „Straßenkämpfer“ Joschka Fischer.
Helmut Kohl nannte die PDS „rotlackierte Faschisten“.
Ein seltsames Geschichtsverständnis für einen Historiker, der in seiner Partei revanchistische Altnazis der verschiedenen Vertriebenenvereine hofierte.

In der Hetze gegen alles Östliche durften Nazivergleiche nie fehlen.
So nannte der ewige Vorsitzende der CDU den DDR-Bürgerrechtler Thierse „den schlimmsten Parlamentspräsidenten seit Göring“ und verglich Michal Gorbatschows Glasnost-Politik mit Goebbels’ Propaganda.

Altnazis der CDU-Stahlhelmfraktion sterben vermutlich nie aus.
Aber sie plappern nicht mehr ganz so ungeniert und öffentlich daher, wie einst Dregger, Lummer, Herbert Czaja Herbert Hupka.
Heute kommen die verbalen Stahlgewitter aus einem weiblichen Mund.
In ihrem persönlichen Fritz Lang-Kosmos für Arme ist Erika Steinbach die Wiederkehrerin der Maria/Maschinenmensch.
In ihrer persönlichen Metropolis werden Polen auf immer die Untermenschen sein, während sie sich als Angehörige der Herrenrasse betrachtet.
Die CDU-Frau ist die Tochter eines Hessischen Feldwebels Wilhelm Hermann. Als knapp Zweijährige mußte sie das polnische Grundstück verlassen, welches der Nazi-Papa kurz zuvor geraubt hatte.
Dafür hasst sie noch 65 Jahre später die Polen und streicht unverdrossen ihre eigene Opferrolle raus.
Daß ihr Vater und seine Wehrmachtskollegen sage und schreibe 20 % der polnischen Gesamtbevölkerung ausgerottet hatten, ficht eine Steinbach nicht an.
Sie hetzte vor 20 Jahren gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie, stellte noch letzte Woche fest, daß eigentlich die Polen den Weltkrieg angefangen hätten (die deutsche Wehrmacht, die modernste Armee der Welt, hat sicher geschlottert vor Angst vor den dreieinhalb polnischen Reitern mit Lanzen) und schaffte es heute einen der ältesten Hasen der politischen Korrespondenten, nämlich Werner Sonne, komplett aus der Fassung zu bringen.

Ohne rot zu werden zog sie über den 88-jährigen ehemaligen Polnischen Außenminister und jetzigen Deutschlandbeauftragten Wladyslaw Bartoszewski her.
Bartoszewski war von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und im April 1941 schwer krank entlassen worden.

Der weltweit hochgelobte und mit Preisen* überhäufte Versöhner passt der braunen Erika einfach nicht - er habe einen „schlechten Charakter“.



Hätte Frau Merkel einen Hauch von Rückgrat, wäre Steinbach schon vor Jahren aus der CDU-Fraktion ausgeschlossen worden.
Sie fügt Deutschland schweren Schaden zu und ist in jeder Hinsicht untragbar.
Die Kanzlerin ist aber feige und stellt wie immer ihre persönlichen Vorteile über das Wohl des gesamten Landes.
Statt Ärger mit dem rechten CDU-Rand zu riskieren, läßt sie die ewig gestrige Hetzerin lieber weiterhin internationales Unheil anrichten.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) versuchte zu beschwichtigen und stellte sich demonstrativ hinter Bartoszewski. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte, Westerwelle schätze "Herrn Bartoszewski als eine ehrenwerte Persönlichkeit mit einer großen Lebensleistung für die deutsch-polnische Aussöhnung."
Die Opposition erwartete klare Worte der Kanzlerin: SPD-Fraktionsvize Gernot Erler forderte Merkel auf, sich von Steinbach zu distanzieren. Die Kanzlerin müsse dafür sorgen, dass die Vertriebenenpräsidentin das deutsch-polnische Verhältnis "nicht noch stärker" vergifte. Steinbach selbst bezeichnete er als "unbelehrbar, unverfroren, unerträglich".
"Eine derart demonstrative Verweigerung von Respekt gegenüber einer Person mit einer solchen Biografie und Lebensleistung disqualifiziert definitiv die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, das Mitglied im Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und das Mitglied des Deutschen Bundestages."
Aus Sicht der Grünen hat Steinbach eine Grenze überschritten. "Für uns ist sie nicht tragbar", sagte der Parteivorsitzende Cem Özdemir. "Ich nehme sie nicht ernst und ich sage alle meinen polnischen Freunden: Ignoriert das, lest nichts, was die Frau sagt."
Parteichefin Claudia Roth warf Merkel vor, indem sie an Steinbach festhalte, setze sie parteipolitisches Kalkül "vor das übergreifende Anliegen deutscher Aussöhnungspolitik". Steinbach wolle nicht versöhnen, sondern spalten, klagte Roth. Sie betätige sich "als Giftmischerin in den deutsch-polnischen Beziehungen."

(Tagesschau 16.09.10)

Frau Steinbach schlaegt weiter um sich: Unbelehrbar, unverfroren, unertraeglich. Ihr Opfer ist diesmal nicht die historische Wahrheit, sondern Wladyslaw Bartoszewski. Eine derart demonstrative Verweigerung von Respekt gegenueber einer Person mit einer solchen Biographie und Lebensleistung disqualifiziert definitiv - die Praesidentin des Bundes der Vertriebenen, das Mitglied im Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und das Mitglied des Deutschen Bundestages.
(Pressemitteilung der SPD-Bundestagsfraktion 1219, 16.09.10)


Auf dem rechten Auge ist diese Bundesregierung blöd.
Auf dem rechten Auge ist aber auch die gesamte Republik blöd.

Die „linke Gewalt“ ist ein großes Thema, das insbesondere in Hamburg und Berlin die Schlagzeilen der Tagespresse dominiert.
Die „linken Chaoten“ fackeln nämlich in den besseren Stadtteilen seit über einem Jahr regelmäßig Autos ab.
Was an diesen Taten „links“ ist, konnte mir zwar noch niemand erklären, aber Tatsache ist, daß schwerer Sachschaden entsteht.
Polizeipräsidien rotieren und legen einen nie geahnten Aktionismus an den Tag.

Billiger sind die Schäden durch rechte Gewalt allemal.

Es ist daher verständlich, daß Polizeiarbeit und Prävention bei den Neonazis und Skinheads vernachlässigt werden können.

Bisher sind sie noch nicht durch übermäßiges Zerstören von Luxuskarossen aufgefallen.
Sie konzentrieren sich auf sehr viel unwichtigere und billigere Opfer - nämlich Menschen.

Nach Recherchen der ZEIT und des Berliner Tagesspiegels starben zwischen 1990 und 2009 insgesamt mindestens 137 Menschen durch rechte Gewalt – etwa dreimal so viele, wie staatliche Stellen ausweisen. Die Behörden verzeichnen ab dem Jahr 2001 nur noch fünf Fälle, allesamt aus Ostdeutschland; zwischen 2003 und 2007 starb nach staatlichen Angaben hierzulande überhaupt kein Mensch an politisch rechts motivierter Gewalt. Genauere Recherchen jedoch ergeben für die Zeit von 2001 an mindestens 31 Tote, allein 14 davon in Westdeutschland; kein einziges Jahr endete ohne einen derartigen Todesfall.
(DIE ZEIT 16.09.10)

Das Hamburger Wochenblatt gibt nun den Todesopfern rechter Gewalt in Deutschland ein Gesicht.
Die ZEIT dokumentiert die Geschichte jedes einzelnen Opfers.

Aller 137 von Nazis Getöteten.

Skandalös ist aber das Auseinanderklaffen dieser Zahlen mit den offiziellen Zahlen der Bundesregierung. Die spricht von lediglich 47 Toten, etwa 100 Fälle rechtsextremer Gewaltkriminalität fehlen demnach in der offiziellen Statistik.
Der Grund: Das bestehende ausführliche Erfassungssystem zur politisch motivierten Kriminalität – auf dem die Zahlen von "Zeit" und "Tagesspiegel" basieren – wird in Teilen von Polizei und Justiz kaum wahrgenommen. Das Bundesinnenministerium spricht von einer "systemimmanenten Bewertungsbreite". Derart individuelle Ermessensspielräume bei der Bewertung von Tötungsdelikten sind jedoch nicht hinnehmbar.
(Pressemitteilung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Nr 1089 16.09.10)

In diesem Fall muß man der gescholtenen „Mainstreampresse“ wirklich für die Recherchearbeit danken.

Eine sehr löbliche Aktion, die den Politikerin ihr Versäumnis umso drastischer vor Augen führt.




*Ehrungen Wladyslaw Bartoszewskis.

1981 Ehrendoktorwürde der Universität London1983 Herder-Preis, Wien

1984 Ehrendoktorwürde der Universität BaltimoreBartoszewski hat sich besonders um die deutsch-polnische Aussöhnung verdient gemacht und wurde

1986 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet; die Laudatio hielt Hans Maier

1996 wurde er mit dem Heinrich-Brauns-Preis und Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet.

1997 erhielt Bartoszewski das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Unmittelbar nach seiner Ernennung zum Außenminister hielt er eine viel beachtete Rede im Deutschen Bundestag. Darin sprach er von einem „neuen Deutschland“, das die Vergangenheit positiv bewältigt hat.

1997 erhielt er die St. Liborius-Medaille für Einheit und Frieden des Erzbistum Paderborn

1997 verlieh ihm Ministerpräsident Erwin Teufel die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg

Am 3. September 2001 verlieh Johannes Rau das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

2002 erhielt er den Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbands sowie den Eugen-Kogon-Preis.

2002 Ehrendoktorwürde der Universität Warschau

2007 Jan-Nowak-Jeziorański-Preis der Botschaft der USA

Im Juni 2007 wurde ihm der Internationale Adalbert-Preis in Bratislava vom slowakischen Staatspräsidenten überreicht.

2008 erhielt Bartoszewski den mit 15.000 Euro dotierten ersten Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma.

2008 Verleihung des Adam-Mickiewicz-Preises für Verdienste um die Deutsch-Französisch-Polnische Zusammenarbeit (Weimarer Dreieck)

2008 Verleihung des Bürgerpreises der Stadt Kassel Glas der Vernunft

2009 erhält Bartoszewski den undotierten Kaiser-Otto-Preis der Stadt Magdeburg.

2009 wurde er zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt

2009 wurde er von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers in der Abtei Brauweiler als erster Preisträger mit dem „Richeza-Preis“ des Landes NRW für seine herausragenden Verdienste um Verständigung und Versöhnung zwischen Deutschen und Polen ausgezeichnet.

Samstag, 19. Juni 2010

Der Papst und die Psychologie.

Man kann ja schließlich nicht alles können.

Die menschlichen Begabungen sind meistens nicht sehr weit gefächert.

Joseph Ratzinger hat zweifellos Begabungen. Anders ist nicht zu erklären, daß er sich in der ältesten und strengsten Hierarchie des Planeten an die Topposition gekämpft hat.
So ein Pontifikat fällt einem schließlich nicht wie ein Lottogewinn in den Schoß.

Welche Qualitäten man genau mitbringen muß, um Weltkatholenboss zu werden, ist umstritten.
Karol Woytila war ein Sympath, ein Menschenfischer, ein sehr guter Schauspieler und extrem polyglott.
Notwendig sind diese Begabungen aber offenbar nicht, denn Ratzinger wirkt ungefähr so sympathisch wie Fußpilz und wenn man ihn auf Englisch mit dem „th“ kämpfen hört, ist es mit seiner Sprachbegabung offensichtlich auch nicht so weit her.
Angeblich soll seine erheblich begabtere Kommilitonin Uta Ranke-Heinemann ihm während des Studiums mit Altgriechisch und Hebräisch geholfen haben, weil das in die zukünftige Papstbirne einfach nicht hineinging.

Möglicherweise ist Ratzinger ein brillanter Theologe - das behaupten jedenfalls allerlei Journalisten.
Es könnte sich dabei allerdings auch um eine moderne Sage handeln.
So wie die Spinne in der Yucca-Palme.
Der Papst-Biograph Alan Posener („Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ Ullstein Verlag, Berlin 2009, ISBN 3550087934, Gebunden, 268 Seiten, 18,00 EUR) sieht das jedenfalls anders und hält Benedikt für wissenschaftlich unseriös.

Erwiesenermaßen sind Ratzinger Qualitäten in den Bereichen Diplomatie und Politik ebenfalls außerordentlich mau.
Keine Co-Religion, der er noch nicht ordentlich vor das Schienbein getreten hätte.

Die mühsam von seinem Vorgänger aufgebauten ökumenischen Brücken hat der aktuelle Pontifex systematisch eingerissen.

Ratzingers Auslandsreisen verlaufen ebenfalls mit umgekehrten Vorzeichen zu Woytila.
Während sein Vorgänger Wellen der Sympathie auslöste, erinnert Benedikts touristisches Programm eher an den Nero-Befehl.
Er schafft es immer wieder diplomtisch verbrannte Erde zu hinterlassen.
In Yad Vashem zeigte er demonstrativ Desinteresse, zuletzt in Malta schlief er gar bei seiner eigenen Messe ein.
Im Anflug auf Kamerun erklärte er den Afrikanern, daß sie keine Kondome benutzen dürften und vor dem England-Besuch mischte er die gesamte Insel auf.

In seiner Besuchsankündigung fordert er die katholischen Bischöfe nach Angaben der Internetausgabe der BBC auf, mit "missionarischem Eifer" gegen ein geplantes Gleichbehandlungsgesetz vorzugehen.
Das Gesetz soll die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz verhindern und durchläuft das parlamentarische Verfahren. Es könnte, wie der Papst befürchtet, dazu führen, dass die britische katholische Kirche gezwungen wäre, auch Homosexuelle in Führungspositionen zu akzeptieren. Dies brandmarkte der Papst als "Verletzung natürlichen Rechts".
In Großbritannien haben die Aussagen des Papstes Empörung ausgelöst. Der britische Europaabgeordnete Stephen Hughes zeigte sich empört. "Als Katholik bin ich von dem Verhalten des Papstes entsetzt", sagte er am Dienstag. «Religiöse Führungsfiguren sollten Ungleichheit ausmerzen und nicht bewahren."
(Zeit)

Gestern gab der Vatikan mal wieder eine Kostprobe seines psychologischen Ungeschicks, indem er den berüchtigten Sexualtäter Juliusz Paetz rehabilitierte.
Paetz, 75, ehemaliger Erzbischof von Posen, wurde 2001 von einer vatikanischen Kommission für schuldig befunden über viele Jahre systematisch Messdiener und Priesterseminaristen sexuell belästigt zu haben.
Woytila kam damit den weltlichen Gerichten zuvor und zog den Männer Molestierer im Jahr 2002 aus dem Verkehr.
Wie sich der triebhafte Erzbischof gegenüber seinen Schäfchen verhielt, war seit Jahren keinesfalls ein Geheimnis.
Groer grüßt. In Wien wußte ebenfalls jeder Geistliche im Bistum, daß der Chef einem bei jeder Gelegenheit ins Gemächt griff.

Erst als die Zeitung Rzeczpospolita* den grabbelnden Erzbischof an die ganz große Öffentlichkeit zerrte, kam seine Ablösung in Gang.

*Durch eine Veröffentlichung in der Zeitung Rzeczpospolita wurde im Februar dieses Jahres der Öffentlichkeit bekannt, dass eine Gruppe von meist angehenden Priestern von Erzbischof Juliusz Paetz sexuell genötigt wurde: „Sünde im Palast des Erzbischofs“ hieß die Überschrift. In diesem Artikel machte die Zeitung bekannt, dass sich bereits seit einiger Zeit innerhalb des Kirchenapparates in Posen eine Gruppe von Priesterseminaristen wie auch Priestern darum bemühen, eine innerkirchliche Untersuchung gegen Erzbischof Paetz zu initiieren, da er Seminaristen zu sexuellen Handlungen mit ihm gezwungen habe. Unterstützt wurden sie dabei u.a. vom Leiter des Priesterseminars in Poznań, der dem Erzbischof sogar das Betreten seines Seminars verbot. Auch andere geistliche und weltliche Persönlichkeiten versuchten, die Angelegenheit intern zu klären. Erzbischof Paetz aber änderte sein Verhalten nicht und es gelang ihm alle Maßnahmen zu unterlaufen. Schließlich übergab im Juni 2001 eine Gruppe von Geistlichen einen Brief über die Verfehlungen von Paetz den Delegierten des polnischen Episkopats in Rom, den auch der päpstliche Nuntius in Polen bekam. Der Nuntius erklärte gegenüber den Unterzeichnern, dass das ein lokales Problem sei und übergab den Brief Erzbischof Paetz. Als Ergebnis wurden Kirchenstrafen gegen einige der Unterzeichner verhängt. Trotzdem sprach es sich langsam in der Diözese herum, dass Erzbischof Paetz Angriffen ausgesetzt sei. Auf einem Treffen der 40 Dekanatsleiter der Diözese Posen im Oktober letzten Jahres initiierte Paetz einen Unterstützungsbrief zu seinen Gunsten, um so die Einheit der Kirche öffentlich zu manifestieren. Als der Brief in der Wochenzeitung der Kurie, Przewodnik Katolicki, veröffentlicht werden sollte, weigerte sich der verantwortliche Redakteur das zu tun, weswegen er in seiner Funktion durch einen anderen Priester ersetzt wurde. Auch in den folgenden Monaten versuchten verschiedene Gruppen, das Problem um Erzbischof Paetz innerkirchlich zu klären, aber es misslang. Deshalb entschloss sich die Redaktion von Rzeczpospolita den Fall Paetz öffentlich zu machen.

Gestern nun erklärte der Vatikan, daß der Ex-Erzbischof Paetz wieder öffentliche Messen feiern darf.

Das erzkatholische Polen ist geschockt. Auch der Publizist Tomasz Terlikowski schüttelt mit dem Kopf über die Rehabilitierung eines Mannes, der wegen der sexuellen Belästigung angehender Priester und Kapläne 2002 als Bischof zurücktreten musste: Die Entscheidung trage nur dazu bei, alle Worte, Gesten und Aktivitäten von Benedikt XVI. nach den Pädophilie-Skandalen bloßzustellen. "Denn einerseits fallen im Vatikan Worte der Entschuldigung, gleichzeitig aber verabschieden hochrangige Mitarbeiter der Kurie solche Dekrete. Wenn jemand den Papst kompromittieren wollte, dann ist es ihm leider zu einem gewissen Grad gelungen."
(Tagesschau)

Handelt es sich hier mal wieder um eine diplomatische Kopfnuss Ratzingers?

Nein, die Entscheidung des Papstes ist Ausdruck seines tiefen Unverständnisses für seelische Prozesse.
Er kann sich die psychologische Wirkung auf ein verstörtes Kirchenvolk nicht vorstellen, weil es ihm grundsätzlich an Empathie mangelt.
Vor allem aber hat der Papst keinerlei Kenntnis von „Täter-Psychologie“.

Sexualität und menschliche Triebe sieht Ratzinger als Handlungen des Teufels.
Damit entfällt aber de facto die Schuldfrage.

Wieso gibt es unter den zölibatären und sexualfeindlichen Priestern so viele Sexualstraftäter? Das sollte sich jeder Papst fragen und die Ursachen dafür abstellen.
Nicht aber Ratzinger, da er hier nicht Menschen, sondern den Teufel am Werk sieht und gegen Luzifer ist er selbst ad definitio schon das beste Gegenmittel.

Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang ein Gespräch mit Dr. Deininger* in der letzten Ausgabe der ZEIT (Die Zeit No 25, 17. Juni 2010)

* Bernd Deininger, geboren 1946 in Erlangen, ist Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychoanalyse, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Chefarzt Psychosomatische Tagesklinik, Leitender Facharzt Fachbereich Psychosomatik am Diakoniewerk Martha-Maria und Theologe. Deininger hat so intensiv katholische Geistliche psychotherapeutisch betreut wie kein anderer Analytiker in Deutschland. Er ist seit 1993 Supervisor des katholischen Therapiezentrums für Priester und Ordensleute am Recollectio-Haus in Münsterschwarzach.

Die „Entschuldigung“ des Papstes für die sexuellen Missbräuche in der RKK hängt er tief:

Deininger: Ich finde die Entschuldigung gut, weil es der katholischen Kirche bisher sehr schwerfiel, überhaupt zuzugeben, welch ein Problem pädophile Priester sind – und dass man sie nicht mit Buße zurück auf den Weg der Tugend bringt. Irritiert hat mich, dass der Papst die Schuld dem Teufel zuschiebt. Wenn ich Schuld eingestehe, nur um sie gleich wieder abzuwehren, ist nichts gewonnen.

Es sei wie im Mittelalter:

In den Hexenprozessen des Mittelalters sagten Geistliche gern, sie seien von Hexen verführt worden – da wurde die Angst vor Kontrollverlust immer auf die Frauen projiziert, weil sie eben Sexualobjekte waren. Wenn Sexualität unterdrückt wird, entsteht automatisch Aggression.
[…] Das Böse lässt sich nicht bändigen, indem wir es verurteilen. Wir müssen uns der Aggression stellen, statt zu jammern. Denn sie betrifft ja nicht nur das Individuum, sondern die gesamte Gesellschaft. Man müsste dem Papst jetzt sagen: Der Teufel ist keine nebulöse Figur, sondern ein verinnerlichter Teil.

Ganz offensichtlich will die katholische Kirche nach wie vor die Opfer der Sexattacken ausgrenzen und sich ihrer Verantwortung nicht stellen:

ZEIT: Vor Kurzem beim Ökumenischen Kirchentag waren die Opfer nicht eingeladen. Der Opfervertreter Norbert Denef musste sich Gehör verschaffen, indem er ein Podium stürmte.

Deininger: Ich hatte direkt danach ein Gespräch mit einem Geistlichen, der ernsthaft überlegte, ob er seinen Posten hinwirft. Er hielt die Verlogenheit einfach nicht mehr aus. Solange psychische Abwehrmechanismen wie Schweigen und Nichtwahrhabenwollen eine Institution lähmen, kann sie keinen echten Anteil am Schicksal von Opfern nehmen.

Ratzinger habe ein höchst naives Verständnis von der menschlichen Psyche.

Deininger: Ratzinger vertrat die Position, dass Psychotherapie die Menschen wiederherstellen soll, damit sie in die Kirche zurückkehren und zölibatär leben. Er konnte schwer akzeptieren, dass Therapeuten die Menschen befähigen, eigene Entscheidungen zu treffen. Er stellte sich Therapie wohl so vor, als wenn man bei einer Krankheit Antibiotika gibt und das Symptom dann weggeht.

Genau dieses Denken erleben wir jetzt beim Sex-Paetz.

Naivling Ratzinger glaubt, daß die Pille nun gewirkt habe, der Teufel sei verschwunden - da kann der Erzbischof ja auch wieder Messen lesen.

Simple as that.

Montag, 9. November 2009

Ja, so war das damals.

Habe gerade schon wieder ein Tabu entdeckt!

Ein Satz, den man nicht sagen darf, ist:
'Der 09. November 1989 und der Mauerfall interessieren mich nicht mehr!'

OK, bevor man mir den Kopf abreißen will: Ich meine nicht, daß das ein generell irrelevantes Ereignis ist, aber ich habe in den letzten 20 Jahren eine derartige Überdosis von frommen Politikersprüche à la „der glücklichste Tag aller Deutschen“ genossen, daß ich einfach keine Gehirnkapazität mehr habe, um noch weitere Selbstbejubelungen zu verkraften.

Heute habe ich nur mit einem Ohr vernommen, daß GUIDO WESTERWELLE den „Freedom Award“ des Atlantic Council of the United States überreicht bekommen hat.
Also hat Guido die Wiedervereinigung herbei geführt?

Und ich dachte früher immer, daß Klaus Uhltzscht ganz allein den Mauereinsturz bewältigt hätte!
Für meine Begriffe hat das Thomas Brussig in „Helden wie wir“ klar beweisen können.

Später allerdings habe ich von diversen katholischen Bischöfen gelernt, daß in Wahrheit Karol Woytila die Mauer gesprengt hat!
Er ganz allein hat auch Gorbi die Perestroika ausrufen lassen.
Naja, nicht ganz allein, sein Chef, dieser Herr Gott, hat da wohl auch irgendwie mitgeholfen.
Jedenfalls hat Ratzingers Vorgänger persönlich und mit bloßen Händen den Kommunismus besiegt.
Das steht angeblich auch in der Bibel - Gott hasst Kommunisten, weil die nämlich alle Atheisten sind und das ist wiederum auch nur ein Synonym für Satanisten.
Also hat Gott die Bibel geschrieben, da er - hellsichtig wie er ist - schon ahnte, daß rund 1900 Jahre nachdem er seinen Sohn aus Menschliebe kreuzigen und foltern ließ, die Kommunisten kommen.

Der Friedensnobelpreisträger und polnische Präsident a.D., Walesa, drückt es so aus:
"Die Wahrheit ist, dass Papst Johannes Paul II. zu 50 Prozent zum Mauerfall beigetragen hat, 30 Prozent die Solidarnosc und Lech Walesa und nur 20 Prozent der Rest der Welt"

Deswegen fand sich heute morgen auch tout Bundesrepublik in Kirchen ein, um sich zu ökomenischen Gottesdiensten zusammen zu rotten.
"Noch immer bewegen uns die Dankbarkeit und das freudige Staunen über dieses Ereignis", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch in seiner Predigt.
Er rief dazu auf, "gemeinsam in Ost und West, in Geduld und Ausdauer weiter Brücken zueinander zu bauen".
Zollitsch erinnerte daran, dass Freiheit ein Geschenk Gottes sei, und mahnte "zur fortdauernden Solidarität mit den Menschen und Völkern, die in Unfreiheit leben müssen".



Gerade hatte ich mir diese historische Wahrheit zu Eigen gemacht, da höre ich aus Gods own country, daß das auch nicht stimmt.
Nicht Klaus Uhltzscht, nicht Johannes Paul II haben die Mauer geöffnet.
Nein, es war Guido Westerwelle!

Mal sehen wie dieses neueste Forschungsergebnis beim nächsten runden Feiertag, am 9.11.2019 gesehen wird.

Ist Guido dann immer noch der Vater der Einheit, oder hat eine Historikerkommission dann womöglich einen neuen wahren Mauerbezwinger ermittelt?

Lothar Matthäus vielleicht, oder Verona Pooth.

Und so jubelt man also heute - am glücklichsten Tag der Deutschen.

Am 9. November 1923 marschierte Hitler in München mit einem bewaffneten Mob von Nationalsozialisten in Richtung Feldherrenhalle, um die Revolution mit Waffengewalt zu erzwingen.
Der 9. November wurde zu DEM Feiertag der Nazis.
Am 15. Jahrestag, dem 9.11.1938, fand die perfide euphemistisch so genannte Reichskristallnacht statt:
In ganz Deutschland gleichzeitig durchgeführte Überfalle auf jüdische Geschäfte, Privathäuser und Synagogen. Über 7000 Geschäfte, nahezu alle Synagogen und an die 30 Warenhäuser wurden in jener Nacht zerstört, 91 Menschen ermordet.

Dieses unfassbare Pogrom war einer der absoluten moralischen Tiefpunkte Deutschlands.
Das Volk schwieg und ließ es geschehen, daß in der Folge des 9.11.1938 systematisch das gesamte jüdische Leben in Deutschland zerstört wurde.

Der 9. November, der ultimative Alptraum - oder wie es Bundespräsident Köhler ausdrückt:

Ein "Tag der Freude".

Montag, 15. Juni 2009

Leserservice

Nur der Vollständigkeit halber, werde ich nach meiner grundlegenden Analyse der EU-Wahl noch ein paar Ergebnisse nachtragen, die sich auf meine Postings in den letzten Wochen beziehen.

1.) Ungarn.

Wie ich es schon am 10. und 11. Mai prognostizierte, ist Ungarn tatsächlich scharf nach rechts gerückt.
Die rechte FIDESZ kam auf 53,4% der Stimmen und erreichte damit neben der liberalen MLP in Malta (54,8%) das höchste Ergebnis aller Parteien von allen Ländern der EU.
Fidesz gewann damit 14 der 22 ungarischen EU-Sitze.
Es wird aber noch schlimmer, da die faschistoide, paramilitärische, antisemitische und rassistische JOBBIK zusätzlich noch 14,8 % bekam und damit drei Sitze errang.
Das sind zusammen also gewaltige 68,2 für die Ultrarechten!
Sie schicken 17 von 22 ungarischen Abgeordneten nach Brüssel - 77%!!!!!!
Ob sich die knapp 64% der wahlberechtigten Ungarn, die nicht abstimmten jetzt schämen?

2.) Italien.

Geht es noch peinlicher als Berlusconi? -fragt sich der Rest Europas und reibt sich die Augen. Mal abgesehen von den altbekannten Dutzenden Strafverfahren, Korruption und Rechtsbeugung, fiel der König der Blamagen in jüngster Zeit mit seinen Pimmel-Bildern, der gehörnten Ehefrau und 18-Jährigen Tittengirls als Kandidatinnen seiner Privatpartei auf.
Geschadet hat es nicht - nach 32,5 % im Jahr 2004 erreichte seine Popolo del. Liberta (Volk der Freiheit) nun 35,3 %. Die guten Katholiken verzeihen offenbar alles.
Zudem verdoppelte sich die fremdenfeindliche Lega Nord auf 10,2 %. An der Wahlbeteiligung kann es nicht gelegen habe - sie war doppelt so hoch wie in Ungarn

3.) Spanien.

Mein erklärte Lieblingsregierungschef der EU - Zapatero - mußte Federn lassen und kam nur noch auf 38,5 % (-5) Erstmals seit neun Jahren jubelte die konservative PP; die den regierenden Sozialisten (PSOE) eine halbe Million Stimmen abnahm und auf 42,2 % (+1) kam.

4.) Polen.

Ausgerechnet das Land der bizarren Zwillingskartoffeln lieferte einen Lichtblick. Dort konnte die EU-freundliche Bürgerplattform entgegen des europäischen Trends um sagenhafte 20 Prozentpunkte auf 44,4 5 zulegen.

5.) Irland.

Die seit immer und ewig regiereden konservativ-katholische Fianna Fáil war durch den Kommissionsbericht über die Zustände in den katholischen Kinderheimen schwer unter Beschuss geraten, da sie es war, die mit den pädophilen Klerikern kungelte.
Trotz dieses Megaskandals mußte sie gerade mal 5 Prozentpunkte abgeben und kam auf 24,1 %. Das ist immerhin ein ungewohnter zweiter Platz hinter der ebenfalls konservativen zur EVP gehörenden Fine Gael, die sich auf 29,1 % verbesserte.

6.) Thüringen.

Der wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Ministerpräsident, der sich statt seine Schuld anzuerkennen in der BILD beweinen läßt und einfach gar nicht mehr regiert, kam ebenfalls mit einem blauen Auge davon.
Die CDU wurde in Thüringen mit 31.1 % doppelt so stark, wie die oppositionelle SPD (15,7 %), die dort immerhin einen sehr vorzeigbaren Spitzenkandidaten für die bevorstehende Landtagswahl (30. August) zu bieten hat.
Der Creationisten-freundliche Hardcore-Katholik Althaus kam bei der gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahl auf sogar noch etwas höhere Werte - 33,4.
Wenigstens sieht es nicht so aus, als ob der Ski-Killer seine absolute Mehrheit verteidigen kann.

7.) Bizarres auch aus Bayern.

Die CSU hatte mit Seehofer und zu Guttenberg plakatiert - zwei Politiker, die beide NICHT für die EU-Wahl kandidieren und zudem diametral entgegen gesetzte Meinungen vertreten.
Seehofer ist neben Rüttgers der zweite Arbeiterführer der Union - Staatsknete verspricht er allen und jeden. Auch für Arcandor will er den Steuerzahler bluten lassen.
Die arme arme Frau Schickedanz - sie soll ja nur noch einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag auf dem Konto haben - wohnt schließlich in Fürth.
Sein Kollege Guttenberg vertritt genau die gegenteilige Linie und macht sich als Vertreter der reinen Lehre, der gegen Hilfen für Opel, Arcandor und Co argumentiert, einen Namen.
Wer tatsächlich für die CSU ins EU-Parlament gehen sollte, wurde lieber verschämt verschwiegen - das sind nämlich ausrangierte hochkorrupte über ihre erpresserischen Methoden gestolperte Gestalten wie Monika Hohlmeiner und der adipöse Steinbach-Epigone Bernd Posselt.
Die Bayern fanden es OK und ballerten der Gaga-CSU 48,1 rein, die damit VIER MAL so stark wie die zweitplatzierte SPD (12,9%) ist - auch die Grünen sanken leicht auf 11,5 %

Zusammenfassend kann man sagen, daß die von mir diagnostizierte totale Verdummung der Wähler in den Fällen USA, Italien und Deutschland offenbar noch in anderen Ländern ausgebrochen ist.

Samstag, 14. März 2009

Selektive Geschichte.

Die Steinbach’sche reckt jetzt schon wieder ihr braunes Köpfchen und will doch nicht
ausschließen in den Stiftungsrat des in Berlin geplanten Vertriebenenmuseums zu gelangen.

Einige tiefschwarze Unionspolitiker setzen sich immer noch für das rote Tuch Polens ein.
So unternahm Bundestagspräsident Lammert - der zweite Mann in der Hierarchie Deutschlands (nach Köhler) - gestützt auf ein gefälschtes Zitat eine weitere Attacke auf Polen und schrieb einen offenen Brief an den ehemalige Auschwitz-Häftling Wladyslaw Bartoszewski.

Mal wieder ein Grund sich zutiefst für einen CDU-Politiker zu schämen.

Wladyslaw Bartoszewski ist fassungslos.

"Als Europäer kann ich die von Frau Steinbach öffentlich forcierte falsche Geschichtsinterpretation nicht akzeptieren", schrieb der 87-Jährige. Einer Aussage Steinbachs in der Welt am Sonntag vom 8. März zufolge hätten die Polen den Vertreibungsprozess der Deutschen lange vor der Potsdamer Konferenz geplant und realisiert. "Dies ist eine Geschichtslüge, eine aus dem Ursache-Wirkung-Zusammenhang gerissene Darstellung", so der Exaußenminister. "Dieser Interpretation zufolge wäre die Barbarei Hitlers nur ein Vorwand für die Polen gewesen, mit den Deutschen abzurechnen."

Aber die schwarz-braunen Unionsmänner legen nach. Seehofer, die Inkarnation des Querulantentums, lud als CSU-Chef die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, zur Vorstandsklausur Anfang April ins oberfränkische Kloster Banz ein. Parteichef Horst Seehofer wolle damit ein Zeichen der Verbundenheit mit Steinbach setzen.

Seehofer und Lammert und Steinbach sind da ganz auf der Linie der NDP, die über ihre Fraktion in Sachsen verlauten läßt:

Die NPD-Fraktion befürwortet eine spätere Nominierung Steinbachs für den Stiftungsrat als auch die Errichtung eines unter Federführung des BdV stehenden „Zentrums gegen Vertreibungen“ …. Der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel bedauerte in seinem Debattenbeitrag, daß der Streit um Steinbachs Nominierung für den Stiftungsrat des „Zentrums gegen Vertreibungen“ in gewohnter Weise beendet worden sei, „indem den Erpressungen aus Polen und Erpressungen der SPD einmal mehr nachgegeben wurde“. Im Kampf gegen Frau Steinbach hätten die polnischen Medien „schon immer nur die peinlichsten Klischees“ bemüht, hier werde Steinbach „regelmäßig als blonde Bestie oder als mit Siegrunen und Hakenkreuzen geschmückte SS-Domina dargestellt“. Solche Äußerungen seien deutscherseits dann noch von der Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Bundesregierung und SPD-Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan bekräftigt worden, die in einem Interview kürzlich sogar noch stolz auf ihre Erziehung im „antideutschen Geist“ verwiesen hatte. Apfel äußerte dazu: „Eine antideutsche Gesinnung zu pflegen, ist wirklich eine kolossale Empfehlung für das höchste Amt in der BRD. Nun ja, wenngleich auch die Alternative nicht sonderlich attraktiv ist, darf ich Ihnen versichern, daß mir als Mitglied der Bundesversammlung wohl eher eine Hand abfaulen würde, als mit meiner Stimme dieser antideutschen Polen-Lobbiystin zur Bundespräsidentin zu wählen.

Die Deutsch-Nationalen bestechen in ihrem Polen-Hass abgesehen von ihrer abstrusen Sicht auf die Geschichte übrigens auch durch Defizite in Grammatik und Orthographie.
(Es fehlt ein „sowohl“, das Wort Lobbyistin schreibt sich anders, etc..)

Aber wie soll man von Jemand, der derart hirnlos ist, daß er Mitglied der NPD ist auch erwarten, korrektes Deutsch zu sprechen?



Sachsen regierte dankenswerterweise offiziell auf die schmierigen Nazi-Abgeordneten:
Sachsen hat sich bei Polen wegen verbaler Ausfälle der rechtsextremen NPD im Landtag entschuldigt. Damit beendete Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) am Freitag eine von der NPD beantragte Debatte zum geplanten Zentrum gegen Vertreibung. Der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel hatte mit Blick auf die Vertreibung infolge des Zweiten Weltkriegs von einen „Holocaust am deutschen Volk“ gesprochen, sein Kollege Jürgen Gansel von „frechen polnischen Einmischungsversuchen“. Nach mehreren Ordnungsrufen aus dem Präsidium wurde Gansel schließlich der Ton abgedreht.

Die BdV-Chefin wird bei ihren NPD-Claqueuren kaum Probleme haben ihren sogenannten „Anspruch“ zu begründen, aber diejenigen, die mehr als drei Gehirnzellen haben, fragen sich schon, wieso die braune Freundin Merkels überhaupt für ehemalige Heimatvertriebene spricht.

Polnische Gebiete als Steinbachs Heimat anzusehen, gelingt nur mit einem Höchstmaß an Rabulistik:
Ihr Vater Wilhelm Karl Hermann ist ein in Hanau (Hessen) geborener Feldwebel der Nazideutschen Luftwaffe.
Ihre Mutter, Erika Hermann stammt aus Bremen.
Ins seit dem deutschen Angriff auf Polen 1939 westpreußische und seit 1945 wieder polnische Rahmel, gelangt Feldwebel Hermann 1941 als Soldat Hitlers.
Dort wird Erika Steinbach 25. Juli 1943 geboren und verläßt Ihre Heimat, der sie 64 Jahre später noch nachweint, im Januar 1945 als 18 Monate altes Baby, da die Rote Armee die Konzentrationslager befreiend gen Westen vorrückt.

18 Monate in Polen als Teil der Hitler-Armee soll nun Maßstab sein?

Wieso fixiert sich der BdV eigentlich auf das Jahr 1943?
Polen ist schließlich schon einen Tick älter. Der Wawelhügel mitsamt Grotte in Krakau wurde schon vor 20.000 Jahren bewohnt. In der Bronze- und Eisenzeit dominierte die Lausitzer Kultur. Als bekanntestes Beispiel gilt die Pfahlbausiedlung in Biskupin, die um 700 v. Chr. gegründet wurde. Zur Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert kamen Slawen nach Polen. Um 960 gründete der westslawische Katholik Herzog Mieszko I. den Staat.

Tausende Jahre Geschichte interessieren Frau Steinbach aber offenbar einen Dreck - sie orientiert sich wie die NPD an einem anderen „1000-Jährigem Reich“.

1943 scheint ihr Lieblings-Status-quo zu sein.

Steinbach braune Kollegen von der Revanchisten-Truppe bemühen oft das „Deutschland in den Grenzen von 1937“.
1937 war Deutschland immerhin deutlich kleiner als 1941 zum Beispiel, aber Neonazis haben offensichtlich nicht die Eier, um so ein Gebiet zu fordern.

1937 ist für deutsche Großmachtsphantasien aber auch ein ordentlicher Brocken. Pommern, Niederschlesien, Oberschlesien und Ostpreußen waren schon vor der den weiteren „Anschlüssen“ unter Hitler Teil des Deutschen Reiches.

Traditionalisten könnten in der jahrtausendealten europäischen Geschichte durchaus auch weiter zurück greifen.

Wieso fordert eigentlich niemand ein Deutschland in den Grenzen von 1100?
Ottonen und Salier dominierten damals, "Deutschland" war wesentlich kleiner und westlicher. Also kein Vorbild für den BdV - die waren nämlich noch gar nicht dort eingefallen, von wo aus sie später mal vertrieben werden sollten.

Gehen wir mal weiter zurück ins Jahr 800. Da war hier ein gigantisches einheitliches Reich. Wäre das nichts, was sich Holger Apfel wünschen könnte?
Natürlich nicht, denn damals war das alles französisch - unter Karl, dem Großen und die Teutonen hatten gar nichts zu melden.

Gehen wir also lieber wieder ein paar Jahrhunderte in die andere Richtung:

1789 (französische Revolution) ist nichts für Nationalisten von 2009 - ein einziges Chaos aus Mikro-Staaten. Obwohl Friedrich der Große bereits wie die wilde Wurst Eroberungskriege angezettelt hatte.

Deutschland in den Grenzen vom Wiener Kongress (1815) wäre für NPD und Erika Steinbach auch eher ungeeignet. Die schlimmste Kleinstaaterei war zwar vorbei, aber dennoch waren es noch lauter eigenständige Staaten, die sich hier tummelten. 39 eigenständige Einheiten gab es noch - und wir sprechen heute mit 16 Bundesländern noch von föderaler Unregierbarkeit.

Eine schöne staatliche Einheit, auf die man sich bei dem BdV berufen könnte, war Deutschland aber wenige Jahre vorher: 1806.
Welch beeindruckend riesiges politisch einheitliches Gebilde findet man da in Europa! Aber davon lassen BdV-Tradis schön die Finger - denn das war damals ALLES Frankreich. Schon wieder.

Gar nicht so leicht sich einen passenden Deutschlandzeitpunkt auszusuchen, wenn man ein rechtsradikaler Revanchist ist.
Vollendes absurd wird das historische Phantasieren von Riesengebieten, die einst deutsch waren, wenn man in diese Überlegungen einbezieht, daß andere Nationen womöglich ähnliche abstruse Gedanken haben.
Da gibt es dann einige Überschneidungen.
Vielleicht gibt es Franzosen, die auch gerne ein Frankreich zur Zeit seiner größten Ausdehnung zurück hätten.
Das britische Empire war auch mal wesentlich größer.
Und ob Frau Palin einverstanden wäre, wenn Russland Alaska zurück will?

Für solche retro-territorialen Wunschkonzerte reicht leider der Platz auf dem Planeten nichts aus.

Ein letztes Wort zum Bund der Vertriebenen:
Gerne tun Frau Braunbach und ihre Bejubler so, als ob die einen Alleinvertretungsanspruch hätten, als ob nur sie stellvertretend für all diejenigen sprächen, die irgendwann mal woanders gesiedelt hatten und in Folge von Kriegsgeschehnissen nun nicht mehr dort sind.
Tatsächlich haben sich aber die allermeisten von Ihnen längst gruselnd vom geifernden, Trachten-tragenden und NPD-beklatschten Vertriebenen-Dasein des Stils Steinbach abgewendet.

Dazu schrieb Basil Kerski kürzlich:
Weitgehend in Vergessenheit geraten ist, dass die Ablehnung der Oder-Neiße-Grenze durch den BdV seit den 1960er Jahren zu einer Abkehr vieler deutscher Ostflüchtlinge, unter ihnen Marion Dönhoff, Klaus von Bismarck oder Siegfried Lenz, vom Vertriebenenverband geführt hat. Die meisten Deutschen mit kulturellen Wurzeln in Polen haben den Verlust ihrer Heimat lange vor der Wende 1989 akzeptiert und außerhalb der Vertriebenenverbände den direkten Kontakt zu ihren polnischen Heimatgemeinden gesucht: Sie und ihre Nachkommen zählen seit Jahrzehnten zur personellen Stammbesetzung des deutsch-polnischen Dialogs.

Da hier der Name „Dönhoff“ fiel:
Die Dönhoffs zum Beispiel haben im Gegensatz zu den Steinbach-Vorfahren nicht 18 Monate in Polen gelebt, sondern waren 800 Jahre in Ostpreußen. Sie bildeten dort einen integrierten Teil der Gesellschaft. Die Dönhoffs waren liberale Menschen, die nicht auf Kosten ihrer Umwelt gelebt haben. Marion Dönhoff hat von Anfang an gegen Hitler gekämpft und im Zuge des Attentats vom 20.Juli 1944 fast ihren gesamten Freundeskreis verloren. Daß sie selbst als Koordinatorin des Widerstands gegen Hitler in Ostpreußen nicht hingerichtet wurde, ist purer Zufall. Schließlich ist da noch ein Unterschied zu Erika Steinbachs Vater: Der Feldwebel Hitlers hatte kaum Landbesitz in Polen.
Das Dönhoff’sche Schloß „Friedrichstein“ war dagegen eins der Größten und Schönsten überhaupt in Europa. Es beherbergte eine unschätzbare wertvolle Bibliothek. Gerne hielt sich die preußische Kaiserin dort auf, deren Hofdame Marion Dönhoffs Mutter war. Ihnen gehörten riesige Ländereien. Großvater Dönhoff war schon ein Intellektueller, der als liberaler Abgeordneter in der Revolution von 1848 in der Frankfurter Paulskirche dabei war.

Ja, Marion Dönhoff hatte wirklich was verloren in Ostpreußen und zwar im Gegensatz zum Nazi-Vater der Steinbach vollkommen unschuldig, da sie gegen Hitler engagiert war.

Statt aber ihren PERSÖNLICHEN Verlusten hinterher zu jammern, akzeptierte sie die Folgen des Krieges und setzte sich nachdrücklich und vorbildlich für eine Aussöhnung mit Polen ein.
Ihre kämpferische publizistische Begleitung der Ostverträge Anfang der 1970er Jahre war maßgeblich.

Die CDU agitierte lauthals dagegen und noch 40 Jahre später zeigt die BdV-Chefin Arm in Arm mit Lammert, der NPD und Seehofer ihre ganze moralische Verderbtheit.

Pfui Teufel.