TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Freitag, 17. Dezember 2010

Ora Et Labora

Wenn man sich die Riege der „bürgerlichen“ Minister, Ministerpräsidenten und Senatoren ansieht, fällt es schwer denjenigen auszugucken, den man am dringendsten loswerden möchte.
Weil sich da einfach zu viele dreiste Lügner drängeln.

Objektive Rücktrittsgründe gibt es ohnehin nicht - alles hängt von Stimmungen ab.
Stimmungen sind ungerecht und subjektiv. Für Guido Westerwelle herrscht beispielsweise schlechte Stimmung - selbst ein wohlgesonnener Westerwelle-Fan muß zugeben, daß dem Außenminister derzeit nichts gelingen kann, weil in allen Redaktionsstuben die Daumen bereits gesenkt sind.
Man stelle sich nur mal vor Guido W. täte dasselbe, das sein Kollege Guttenberg gerade aufgeführt hat: Guido und Michael Mronz würden mit privatem Fernseh-Team in einer Bundeswehr-Transall nach Afghanistan fliegen, dort ein bißchen ihre neueste Kaschmir-Modekollektion vorführen und dann in einer eigens zusammengestellten Kulisse aus Luftwaffen-Hardware seichte Yellowpressfragen à la „Lieber Herr Minister, wie geht es Ihnen?“ beantworten.
Statt der 78% Zustimmung, welche die Guttis für ihren PR-Coup erhielten, würde der Außenminister endgültig von der Presse und den Demoskopen zerrissen werden.
Guttenberg aber darf sich sehr viel mehr rausnehmen, ohne daß Rücktrittsforderungen kommen.
Er hat die "Original-Roland-Koch’s Unverwundbarkeitspille“ geschluckt.

Reichlich etwas auf dem Kerbholz hat auch die Niedersächsische Ministerin Astrid Grotelüschen, die von schweren Lügen über bestialische Tierquälerei bis hin zu Amtsmissbrauch alles abgedeckt hat.
Heute war allerdings dann doch Finito.

Nicht weil sie ihr Amt benutzte, um den familieneigenen Betrieben zu helfen und schon gar nicht weil in ihren Putenmastbetrieben grausame Tierquälerei (sie ist zuständige Ministerin für Tierschutz!) an der Tagesordnung ist; nein, das Arbeitsrecht hat ihr das Genick gebrochen.

Nicht nur die Puten, sondern auch die Menschen ihres Betriebes behandelte die Unternehmerin wie Dreck.

Als Prokuristin und Personalchefin der familieneigenen "Fitkost Geflügelverarbeitungs- und Vertriebsgesellschaft mbH" hatte die CDU-Ministerin ihre Arbeiter völlig indiskutablen Bedingungen ausgesetzt.
Sie ließ nach NDR-Recherchen offensichtlich die Putenschlachter bis zu 13 Stunden am Tag für einen Stundenlohn von 90 Cent (!) arbeiten.

„"Das war pure Sklaverei. Es war ein Horror morgens aufzustehen und zu wissen: Da muss ich hin. Es war ein einziges Verheizen von Leuten", sagte ein ehemaliger Arbeiter dem NDR.
Die Mitarbeiter berichten außerdem von "extremem Druck" in dem Schlachthof. Die Anzahl der täglich zu zerlegenden Puten sei von 6.500 auf 9.500 pro Tag gesteigert worden.
Durch die schwere Arbeit hätten die Beschäftigten massive Gesundheitseinschränkungen erlitten, beispielsweise an den Handgelenken. "Man hatte keine Rechte im Betrieb", so ein ehemaliger Angestellter. "Wenn man etwas wollte, hieß es: Vor dem Tor stehen genug Leute. Also hat man seinen Mund gehalten."
Die "Fitkost Geflügelverarbeitungs- und Vertriebsgesellschaft mbH" schlachtete und zerlegte Geflügel.“

(NDR 15.12.2010)

Nun wird sich Ex-Landwirtschaftsministerin Grotelüschen vermutlich darüber ärgern, daß sie ihre Lohndumping-Methoden nicht legalisieren lassen hat.

Man kann nämlich in Deutschland - und wir sind bereits das große Billiglohnland, in das McJobs aus Dänemark und Holland ausgelagert werden - die Löhne soweit runter drücken, wie man will, wenn man eine Gesetzeslücke nutzt.

Darauf kam in ihrer letzten Sendung (Panorama Nr. 734 vom 02.12.2010 Fleischbranche: Deutschland ruiniert seine Nachbarn) die großartige Anja Reschke zu sprechen:

Herzlich Willkommen zu Panorama. Wissen Sie, mit welchem Satz man als Unternehmer Politiker am besten erpressen kann? Ganz einfach: „Dann gehen wir ins Ausland.“ Seit Jahrzehnten funktioniert dieses Mantra der Arbeitgeber. Die Löhne sind nicht bezahlbar, die Lohnnebenkosten zu hoch, Arbeit ist zu teuer in Deutschland. Also wurde alles politisch daran gesetzt, die Löhne niedrig zu halten. Und nun: kommt das Ausland zu uns.“
(daserste.ndr.de)

In keinem anderen Europäischen Land entwickelten sich die Löhne seit 2000 so miserabel wie in Deutschland.
Dabei wünschen sich alle Europäischen Unternehmer niedrige Löhne und werden dies vermutlich auch öffentlich sagen.
Das Besondere in Deutschland ist, daß nur wir so willfährige Politiker haben, die devot all das umsetzten, was sich die Henkels, Ackermanns und Hundts wünschen.
Daher haben wir anders als fast alle anderen Industrienationen auch keinen Mindestlohn.

In Dänemark liegt der Einstiegslohn bei 21,20 Euro, auch in Belgien gibt es einen Mindestlohn. Hier sind es 11,60 Euro und in Frankreich über 9 Euro. Nur in Deutschland gibt es keinen Mindestlohn. 7,93 Euro zahlt zum Beispiel Danish Crown und andere Schlachtereien zahlen noch viel weniger. Billige Deutsche, damit geben sich einige Unternehmen noch nicht zufrieden, denn es geht ja noch viel günstiger. Mit Arbeitern aus Osteuropa. Bei der Putenschlachterei Geestland sind es Bulgaren. Vier bis fünf Euro verdienen sie hier für harte körperliche Arbeit. Eingekauft per Werkvertrag offenbar zu bulgarischen Konditionen. Manche erzählen uns, sie stehen bis zu 16 Stunden am Fließband.
(daserste.ndr.de)

Bei dem Wort „Geestland“ müßte es jetzt schon klingeln - ganz recht; es ist einer der Grotelüschen-Betriebe.



Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das Zauberwort wäre „Tarifvertrag“ gewesen.
Man muß nur eine Gewerkschaft finden, die besonders niedrige Stundenlöhne unter dem Flächentarif aushandelt und schon ist es legal seine Mitarbeiter auszubeuten.
Diese willfährigen Gewerkschaften, die auf den Rechten derer, die sie offiziell vertreten, herum trampeln und alles tun, was die Arbeitgeber wollen gibt es.

Es gibt sogar 16 davon, um genau zu sein und sie alle haben eins gemeinsam:

Sie sind CHRISTEN und ihnen gilt die Nächstenliebe und menschenwürdige Behandlung rein gar nichts.

Der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB) hat es mit seiner U-Boot-Tätigkeit für Ausbeuter-Unternehmer inzwischen so weit getrieben, daß seine 'Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit' ('CGZP') vom Bundesarbeitsgericht an diesem Mittwoch als tarifunfähig eingestuft wurde.

Löhne von 4,83 Euro pro Stunde hatten die christlichen Gewerkschaftler „für“ ihre Arbeiter „ausgehandelt“

„Für den Arbeitgeber, eine Berliner Firma, war dieser Haustarifvertrag ein Wertpapier, für dessen Beschäftigte ein Dokument der Ohnmacht: Wer für diesen Lohn einen Monat lang ganztags arbeitete, verdiente 869 Euro brutto.
[…]
[CGZP-] Verträge, von denen allein im Bonner Archiv mehr als 400 liegen, nähren den Verdacht, dass es die christlichen Gewerkschaften mit der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen nicht so genau nehmen. Wolfgang Rohde, Vorstandsmitglied der IG Metall, findet für die Konkurrenz mit dem 'C' im Namen jedenfalls kein gutes Wort: 'Sie können nur billig und verraten die Interessen der Arbeitnehmer', sagt er.
(Felix Berth und Thomas Öchsner, SZ, 17.12.10)

So ist das mit der Christlichen Nächstenliebe - sie taugt für Sonntagsreden, aber wehe dem, der ihr in der Praxis ausgesetzt ist.

Die alten Verträge der CGZP sind keine Ausnahme. In den vergangenen Jahren tauchten in anderen Branchen immer wieder Tarifabschlüsse von christlichen Gewerkschaften auf, bei denen sich vor allem eine Frage stellt: Gilt deren Nächstenliebe besonders den Arbeitgebern? Beim Kabelhersteller Nexans galt jahrelang ein Tarifvertrag der IG Metall. Dann wollte das Unternehmen die Löhne kürzen und fand in der Christlichen Gewerkschaft Metall einen Erfüllungsgehilfen, der unterschrieb - heimlich am Betriebsrat vorbei. Die Mitarbeiter hätten durch den neuen Haustarif teilweise bis zu 40 Prozent ihres Einkommens verloren, wenn nicht der Betriebsrat Proteste organisiert und das Unternehmen einen Rückzieher gemacht hätte. Ähnlich war das Modell '3 für 2' geplant, das die christlichen Metaller in Sachsen einführten: Drei Lehrlinge sollten sich zwei Gehälter teilen - was die Firmen mehr gefreut haben dürfte als die Lehrlinge.
Einen anderen Fall deckte die Fernsehsendung 'Report Mainz' auf. Als Investor für ein Pflegeheim getarnt, traf sich ein Mitarbeiter des TV-Magazins mit einem Funktionär der christlichen Gewerkschaft DHV. Dieser versprach dem 'Investor' einen Tarifvertrag, bei dem Nacht- und Sonntagszuschläge gestrichen und Weihnachts- und Urlaubsgeld weggefallen wäre. Die DHV hat nach Angaben der IG Metall mit privaten Kliniken und dem Roten Kreuz zahlreiche Dumping-Tarifverträge abgeschlossen.
(Felix Berth und Thomas Öchsner, SZ, 17.12.10)

Kommentare:

Homer Simpson hat gesagt…

Danke für die Globalisierung! Danke für den Euro! Danke für die Öffnung der Märkte! Damit das Kapital sich schnell verpissen kann, wenn hier menschliche Arbeitsbedingungen eingeführt werden.

Ich bin überzeugt, dass die Schaffung eines solchen Umfelds billiger ist, als manche glauben.

TAMMOX hat gesagt…

Gemach, gemach - solange Brüderle, Merkel und Westerwelle regieren, brauchst Du Dir keine Sorgen um das Kapital machen oder gar befürchten es käme zu menschlichen Arbeitsbedingungen!
Im Gegenteil; wir sind schon so weit ein Dumpinglohnland, daß das Kapital wieder freiwillig herkommt - wie auch das rasante Ansteigen der Topvermögen in den letzten 12 Monaten zeigt.

Sieh es mal so:
Die Bulgaren, die im Grotelüschenbetrieb 15 Stunden am Tag für 90 Cent Puten schlachten, haben wenigstens keine Zeit sich in „spätrömischer Dekadenz“ zu üben!
Die sollten dankbar sein, daß Schwarzgelb sie vor derartigem Müßiggang bewahrt!

;)
LGT

Homer Simpson hat gesagt…

Brüderle, Merkel und Westerwelle regieren ja nicht. Die faseln, sind unentschlossen oder halten dicke Bücher mit Sparvorschlägen hoch...

Gott MAMMON regiert in Gestalt der Deutschen Bank.

Oberclown hat gesagt…

Moment, das Kapital verpisst sich auch, wenn die Arbeitsbedingungen nicht menschenwürdig sind. Sogar schneller. Nur eben anders. Weil Ausbeuterlöhne in diversen Branchen sorgen dafür, dass deutsche Produkte hübsch billig bleiben und damit die Produkte anderer Länder vom Markt drängen. Juhu Exportüberschuss. An dieser stelle könnte man Jubelgeschwafel über Exportweltmeister oder beinahe Exportweltmeister einfügen, aber das ist ein Problem, weil wenn es Exportüberschüsse gibt, dann muss irgendein Land Exportdefizite haben. Besonders hart trifft sowas Länder mit gleicher, oder hinreichend ähnlicher Währung, so dass Handel leicht ist. Das ist die Ursache für die Defizite einiger Staaten. Wenn man den Griechen Ständig Dinge verkaufen will, muss das Geld dafür irgendwo her kommen. Seit es den Euro gibt, gibt man es ihnen nicht mehr einfach so (zu Zeiten des Blockfloatens hat man ziemliche Milliardenbeträge zur Stützung von Währungen verwendet). Unsere dolle "Geiz ist geil" Wirtschaftspolitik sorgt also dafür, dass wir ständig irgendwelche Staaten oder Banken retten müssen, meines Wissens übrigens immernoch ein Schnäppchen im Vergleich mit dem Blockfloaten, sondern auch dafür, dass bei uns die Reichen immer reicher Werden. Die Reichen sind jetzt aber von allen Bevölkerungsgruppen die, die anteilig am Wenigsten für den Konsum ausgibt. Das bedeutet, dass diese Leute Geld übrig haben. Was macht man jetzt mit Geld, das übrig ist? Man bringt es zur Bank. Oder legt es sonst irgendwie an. Möglichst profitabel. Wenn also das Geld, was man mit Parasitärer Lohngestaltung von Anderen Ländern einnimmt eine hohe Tendenz hat investiert zu werden und zwar möglichst profitabel, hat es durch das möglichst profitabel, eine hohe Tendenz in gleiche oder ähnliche Anlageprodukte investiert zu werden. Um es also kurz zusammen zu fassen, man lässt Leute bewusst verelenden, und ruiniert befreundete Staaten, mit denen man teilweise eng wirtschaftlich verflochen ist, sägt also am Ast, auf dem man selbst sitzt, damit das Geld, das dabei Rumkommt die nächste Finanzmarktblase aufpumpt.

Drollig ist an dieser Stelle übrigens auch, dass man die Pleiteländer wie etwa Irland und Griechenland dazu zwingt, den selben Parasitenkurs zu fahren. Das ist eine Logik, als ob man Leute, die aus Hunger Lebensmittel stehlen zwingen würde Heroindealer zu werden, um durch die bessere Einkommenssituation nicht mehr der Allgemeinheit zur Last zu fallen.

Also an dieser Stelle bleibt nur wieder mal Nasenpflich für diverse Politiker und Journalisten zu fordern.

satirgay hat gesagt…

...und die Gewerkschaftsluschen, die Gasgerd-Schröder-SPD, die Gutsituiertgrünen, die ostzonale Linke quatschen, quatschen, quatschen... zelebrieren Talkshowerregung ... und so lullen sich alle gegenseitig ein - wo Generalstreiks längst überfällig sind. Bundesrepublikbiedermeierland.

Oberclown hat gesagt…

Naja Generalstreiks hierzulande. Da sind die Deutschen nicht das RIchtige Volk für. Vielleicht sollten wir alle mal in Urlaub gehen und uns von den Franzosen vertreten lassen. Dann klappt das schon.

TAMMOX hat gesagt…

@Homer Simpson:
„Gott MAMMON regiert in Gestalt der Deutschen Bank.“
Da hast Du vordergründig Recht - aber letztendlich ist es eben dasselbe wie eine Regentschaft Merkels und Westerwelles. Letztere sind eben nur Platzhalter, Sockenpuppen, Marionetten an den Fäden der Ackermanns.

@ Oberclown:
„dann muss irgendein Land Exportdefizite haben“
Da kann ich Dir nur zustimmen. Und immerhin wird ja auch in der VERöffentlichten Meinung seit ein, zwei Jahren von der „eklatanten Importschwäche Deutschlands“ gesprochen.

http://tammox.blogspot.com/2009/08/schadensbegrenzung.html

Dein Problem, Oberclown, ist aber, daß Du volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich denken kannst.
Als schwarzgelber Minister muß man solche Zusammenhänge komplett ausblenden und stattdessen sinnentleert schwafeln.
Ich empfehle in dem Zusammenhang den TS-Kontrapunkt vom Freitag,“ Merkels Eurostrategie: Dumm stellen und irreführen“ in dem Harald Schumann lospoltert.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/merkels-eurostrategie-dumm-stellen-und-irrefuehren/3629290.html

@ Satirgay - „Bundesrepublikbiedermeierland.“
Natürlich. Das ist eben „das Deutsche“. Hier wird immer das gewählt, das am wenigsten Veränderungen verspricht.

@ Oberclown:
In einem Land, in dem nach dem letzten Jahr ein Guttenberg immer noch mit 80%-Bejubelungsraten überhäuft wird und von der Leyern, Schäuble und Merkel in den Top-5 der Beleibtheitsskala stehen, wird das nichts mit Revolution und Generalstreik.
Da sind RTL, Bild und BamS davor. Die lullen uns nun wieder schön mit Dschungelcamp und Sissi I, II und III ein.
Hier ist längst alles ins Koma gesendet worden.
LGT