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Dienstag, 20. September 2011
Mal wieder ein Schwank aus meinem Leben.
Am 01.01.1995, noch unter Helmut Kohl wurde in Deutschland die Zwangs-Pflegeversicherung eingeführt.
Neben gesetzlicher Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung muß man in irgendeiner Form auch so eine Sozialversicherung abgeschlossen haben.
Irgendwie lustig, daß das halbe Amerika schon bei der Vorstellung jeder müsse eine Krankenversicherung bekommen STALIN schreit. Das sei purer Kommunismus.
Von Zwängen bin ich oft auch nicht über alle Maßen begeistert.
Die Zwangsmitgliedschaften in Innungen, der Meisterzwang oder meine Zwangsmitgliedschaft in der Hamburger Handelskammer finde ich eine absolute Zumutung!
Was für eine groteske Verbeugung vor den Lobbys zum Schaden der Verbraucher!
Ich mag mich auch nicht gerne zwangsversichern lassen, wenn es dabei um Pflege geht - aber ich sehe ein, daß es womöglich nicht ohne Zwang geht.
Ohne Zwang würden einfach zu viele durch die Maschen fallen.
Mit der Pflegeversicherung habe ich in den letzten gut zehn Jahren eine Menge Erfahrungen sammeln können (bzw „müssen“).
Zweifellos sind die vielen ambulanten Pflegedienste für viele Menschen nicht nur ein Segen sondern eine absolute Notwendigkeit.
Vor hundert Jahren war so ein Dienst noch viel entbehrlicher.
Die Armut zwang die Menschen ohnehin in Familienverbänden und Gruppen zusammen zu leben und die rückständige Medizin sorgte dafür, daß die Menschen lange bevor sie chronische schwere Krankheiten bekamen starben.
Man war tot, bevor man richtig krank wurde.
Eine praktische Sache eigentlich. Die medizintechnische Entwicklung sorgt nun aber dafür, daß wir alt genug werden, um einsetzende Demenz, Krebserkrankungen und Herzkreislaufprobleme aller Art ausführlich miterleben.
Die Pflegedienste, die ich bisher erleben konnte/durfte zeichneten sich bis auf eine Ausnahme durch engagierte gute Leute aus, über die ich kein böses Wort verlieren möchte.
Es ist aber allen Diensten gemeinsam, daß sie unter entsetzlicher Personalnot und unter enormen Zeitdruck leiden.
Die Fluktuation ist hoch - obwohl auch der Bedarf an Pflegekräften gigantisch ist.
Massiv werben die ARGEn für den Pflegeberuf und dennoch müssen wir Myriaden Osteuropäerinnen für den Zweck engagieren, oder unsere Dementen gleich nach Thailand auslagern, wo sie sich von ihren kargen Renten private Pfleger leisten können.
Warum wollen so wenige Menschen, oder genauer gesagt „so wenige Deutsche“ Altenpfleger werden?
Das dürfte leicht zu beantworten sein: Miserable Arbeitszeiten, Sonn- und Feiertagsdienst, Dauerstress, schwere körperliche Arbeit und das alles zu monatlich brutto 1000 Euro.
Nicht eben attraktive Bedingungen.
Wie kommt man nun zu einem Pflegedienst, wenn man so krank ist, daß man zu Hause nicht mehr ohne Hilfe leben kann?
Das ist relativ easy - man meldet sich bei seiner Krankenkasse und beantragt eine Visitation durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen).
Üblicherweise dauert es dann drei Wochen bis so ein Gutachter sich zu einem ca einstündigen Besuch ankündigt.
Man tut gut daran sich vorzubereiten, indem man Rezepte des behandelnden Arztes und sonstige Unterlagen zusammenträgt.
Oft bietet es sich auch an schon mal einen Pflegedienst auszusuchen, der schon die Situation kennenlernt und dann bei der Erstellung des Gutachtens anwesend ist.
Nach einer weiteren Woche bekommt man schließlich das Ergebnis, welches entweder gar keine Pflegestufe, oder aber die berühmten Stufen 0,1,2 oder 3 ausweist, die alle mit einem bestimmten Geldbetrag oder dem doppelten Sachwert (=Arbeitszeit Pflegedienst) verbunden sind.
Natürlich gibt es dabei weitere bürokratische Komplikationen - wir sind schließlich in Deutschland - Ärzte können beispielsweise unabhängig von Pflegestufen mehrfach am Tag Medikamentenzuteilungen anordnen, es kann Zusatzbedarf ermittelt werden etc. pp.
Wie der MDK entscheidet ist nach meiner Erfahrung relativ willkürlich.
Ein Beispiel, das ich letzten Monat miterlebte:
Patientin, 90 Jahre, DAK-versichert, lebt allein. 2010 Darmkrebs-OP, Februar 2011 Herzversagen, Mitralklappenabriss, OP verschließt Herzkammer notdürftig mit zwei Mitra-Clips.
August 2011: Schwerer Stammhirninfarkt gefolgt von einem stummen Herzinfarkt drei Tage später.
Nachdem in Leber, Lunge und Darm erneut Krebsmetastasen gefunden wurden, Abbruch der Therapie. Onkologische Behandlung zwecklos, da ob des sehr schwachen Herzens die verbleibende Lebenserwartung so kurz ist, daß der Tod eintreten wird, bevor der Krebs letal wird. Patientin gilt also als „austherapiert“.
Da sie in einer der von Ole von Beust an den privaten Krankenhauskonzern ASKLEPIOS verscheuerten Klinik behandelt wurde, erfolgte nach verweigerter Einwilligung zu den (lukrativen) Krebsoperationen vom Krankenhaus keinerlei weitere Hilfe.
Keine Schmerztherapie, kein Hinweis auf einen Palliativmediziner, kein Sozialdienst.
Patientin ist nun bettlägerig, an ein Sauerstoffgerät angeschlossen und ist finanziell in Vorlage gegangen, um den Sozialdienst, der zu Hause die Pflege übernahm zu ermöglichen.
Eine zweite MDK-Visitation (nach Widerspruch) ergab folgendes Ergebnis - ich zitiere die DAK-Pflegekasse wörtlich:
„Das mundgerechte Zubereiten der Nahrung bezieht sich ausschließlich auf die letzte Maßnahme vor der Nahrungsaufnahme, d.h. das Einschenken von Getränken sowie Zerkleinern bereits zubereiteter Nahrung, z.B. bei Kau- und Schluckbeschwerden. Das Kochen und Eindecken des Tisches gehört in den Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung. Für die hauswirtschaftliche Versorgung wurde das für die Pflegestufe I mögliche Höchstmaß von 45 Minuten angerechnet. Ein höherer Aufwand kann, unabhängig von den tatsächlich aufgewendeten Zeiten nicht anerkannt werden. Das Duschen wurde in der erneuten Begutachtung berücksichtigt.
Nach Berücksichtigung der Widerspruchsargumentation liegt der Hilfebedarf, trotz weiterer sechs Minuten für das tägliche Duschen, mit 29 Minuten noch unterhalb der Kriterien für die Einstufung in die Pflegestufe I.
[…] In den Bereichen der Körperpflege, Ernährung und Mobilität haben Sie einen Hilfebedarf, der mit 29 Minuten im Tagesdurchschnitt festgesetzt wird. Erforderlich für die Feststellung der Pflegestufe ist, dass der Hilfebedarf in diesem Bereich höher als 45 Minuten im Tagesschnitt ist.“
Also mehr als 29 Minuten benötigt die Dame keine Pflege - das steht nun doppelt begutachtet fest.
Nun ist es absolut kein Geheimnis, daß die Pflegekassen chronisch unterfinanziert und die Pflegedienste unterbesetzt sind.
Auch in diesem Blog wurde immer wieder auf die dramatische Not hingewiesen.
Allerdings haben Kranke und Alte keine Lobby und werden daher auch nicht von einem FDP-Minister berücksichtigt.
Die Milliarden werden per Lobbymacht, die wortwörtliche Formulierungen in schwarzgelbe Gesundheitsgesetze durchdrückt, stattdessen der Pharmaindustrie zugeschoben.
Neben der berüchtigten Hotelsteuer gehörden die Pharmawohltaten Röslers (IQWIG-Zähmung und Installation von PKV-Lobbyisten direkt im Ministerium) zu den wenigen Dingen, die unsere Bundesregierung überhaupt getan hat.
Die Pflegeversicherung hingegen, die dringend reformiert und aufgestockt gehört, erleidet gerade das gleiche Schicksal wie das Bundeswahlgesetz - die Koalition lässt das Thema aus purer Unfähigkeit liegen und tut nichts.
Das Bundesverfassungsgericht hatte der Koalition höchstrichterlich aufgetragen ein neues Wahlgesetz zu erschaffen, weil das alte Wahlgesetz nach dem der derzeitige Bundestag zusammengesetzt ist, verfassungswidrig ist.
Die Schande des Parlaments.
Ab 1. Juli gibt es in Deutschland kein gültiges Wahlgesetz mehr. Das Parlament hat die Anordnung des Bundesverfassungsgerichts missachtet, ein neues zu schaffen. Sollte also die Regierung Merkel platzen, fallen die Fetzen ins rechtlich Bodenlose, es würde eine Bundestagswahl stattfinden, der Legitimität und Legalität fehlen. Ein Albtraum..
(Heribert Prantl, 17.06.2011)
Bei Schwarzgelb denkt heute jeder an die katastrophale Euro- und Außenpolitik, aber man muß auch immer wieder darauf hinweisen, daß die CDU-FDP-CSU-Regierung auch in allen anderen Gebieten total versagt.
Um nicht ausfallend zu werden, zitiere ich (ganz ohne eigene Wertung) zur Pflegeversicherung heute nur ein paar Sätze der eigentlich sehr CDU-freundlichen SPRINGER-Zeitung „Hamburger Abendblatt:“
Auch in der Gesundheitspolitik läuft es in der schwarz-gelben Koalition derzeit nicht rund. Seit Monaten schaffen es CDU, CSU und FDP nicht, sich auf eine Reform der Pflegeversicherung zu verständigen. Was fehlt, ist eine Grundsatzentscheidung der Parteivorsitzenden, in welche Richtung die Reform gehen soll. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) weigert sich deshalb, wie geplant in dieser Woche erste Eckpunkte für die Reform vorzustellen.
Die Parteichefs Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Philipp Rösler (FDP) haben entweder keine Zeit oder keine Kraft, sich mit dem Thema zu befassen. Es ist auch kein Termin bekannt, an dem dies geschehen könnte.
Rösler selbst hatte das Jahr 2011 zum "Jahr der Pflege" ausgerufen, als er noch Gesundheitsminister war. Er hatte Eckpunkte für die Pflegereform noch vor der parlamentarischen Sommerpause versprochen. Sein Nachfolger Bahr wollte dieses Versprechen dann bis zum Ende des kalendarischen Sommers einlösen, also bis zu diesem Freitag. Nun aber machte er einen Rückzieher, weil CDU und CSU "ihre Grundsatzfragen nicht geklärt" hätten. Aus der Union hieß es postwendend, die ganze Koalition müsse eine Lösung für die Pflege finden. Sozialverbände sprachen von einem "Skandal", die Opposition von einem "Desaster".
(Philipp Neumann 20.09.2011)
Der Ruf der Pflegebedürftigen und Pflegenden, aller Verbände und Experten nach einer Pflegereform ist unüberhörbar. Die schwarz-gelbe Koalition aber stellt sich taub und verliert sich in Streitereien. Die Pflegebedürftigen und insbesondere die wachsende Zahl demenzkranker Menschen bleiben dabei auf der Strecke. Weder eine zukunftsfeste Finanzierung der Pflegeversicherung ist in Sicht noch die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs, die gerade für Menschen mit Demenz Leistungsverbesserungen bringen soll. Schwarz-Gelb schiebt alles auf die lange Bank.
Auch die von Ministerin Schröder geplante Familienpflegezeit ist eine einzige Baustelle. Die öffentliche Anhörung im Familienausschuss am 19. September war ein Fiasko für die Bundesregierung. Ein handwerklich schlecht gemachtes Gesetz mit etlichen Regelungslücken, so die einhellige Meinung selbst der Experten, die die Koalition geladen hatte.
(PRESSEMITTEILUNG der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen NR. 0824 vom 20. September 2011)
Neben gesetzlicher Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung muß man in irgendeiner Form auch so eine Sozialversicherung abgeschlossen haben.
Irgendwie lustig, daß das halbe Amerika schon bei der Vorstellung jeder müsse eine Krankenversicherung bekommen STALIN schreit. Das sei purer Kommunismus.
Von Zwängen bin ich oft auch nicht über alle Maßen begeistert.
Die Zwangsmitgliedschaften in Innungen, der Meisterzwang oder meine Zwangsmitgliedschaft in der Hamburger Handelskammer finde ich eine absolute Zumutung!
Was für eine groteske Verbeugung vor den Lobbys zum Schaden der Verbraucher!
Ich mag mich auch nicht gerne zwangsversichern lassen, wenn es dabei um Pflege geht - aber ich sehe ein, daß es womöglich nicht ohne Zwang geht.
Ohne Zwang würden einfach zu viele durch die Maschen fallen.
Mit der Pflegeversicherung habe ich in den letzten gut zehn Jahren eine Menge Erfahrungen sammeln können (bzw „müssen“).
Zweifellos sind die vielen ambulanten Pflegedienste für viele Menschen nicht nur ein Segen sondern eine absolute Notwendigkeit.
Vor hundert Jahren war so ein Dienst noch viel entbehrlicher.
Die Armut zwang die Menschen ohnehin in Familienverbänden und Gruppen zusammen zu leben und die rückständige Medizin sorgte dafür, daß die Menschen lange bevor sie chronische schwere Krankheiten bekamen starben.
Man war tot, bevor man richtig krank wurde.
Eine praktische Sache eigentlich. Die medizintechnische Entwicklung sorgt nun aber dafür, daß wir alt genug werden, um einsetzende Demenz, Krebserkrankungen und Herzkreislaufprobleme aller Art ausführlich miterleben.
Die Pflegedienste, die ich bisher erleben konnte/durfte zeichneten sich bis auf eine Ausnahme durch engagierte gute Leute aus, über die ich kein böses Wort verlieren möchte.
Es ist aber allen Diensten gemeinsam, daß sie unter entsetzlicher Personalnot und unter enormen Zeitdruck leiden.
Die Fluktuation ist hoch - obwohl auch der Bedarf an Pflegekräften gigantisch ist.
Massiv werben die ARGEn für den Pflegeberuf und dennoch müssen wir Myriaden Osteuropäerinnen für den Zweck engagieren, oder unsere Dementen gleich nach Thailand auslagern, wo sie sich von ihren kargen Renten private Pfleger leisten können.
Warum wollen so wenige Menschen, oder genauer gesagt „so wenige Deutsche“ Altenpfleger werden?
Das dürfte leicht zu beantworten sein: Miserable Arbeitszeiten, Sonn- und Feiertagsdienst, Dauerstress, schwere körperliche Arbeit und das alles zu monatlich brutto 1000 Euro.
Nicht eben attraktive Bedingungen.
Wie kommt man nun zu einem Pflegedienst, wenn man so krank ist, daß man zu Hause nicht mehr ohne Hilfe leben kann?
Das ist relativ easy - man meldet sich bei seiner Krankenkasse und beantragt eine Visitation durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen).
Üblicherweise dauert es dann drei Wochen bis so ein Gutachter sich zu einem ca einstündigen Besuch ankündigt.
Man tut gut daran sich vorzubereiten, indem man Rezepte des behandelnden Arztes und sonstige Unterlagen zusammenträgt.
Oft bietet es sich auch an schon mal einen Pflegedienst auszusuchen, der schon die Situation kennenlernt und dann bei der Erstellung des Gutachtens anwesend ist.
Nach einer weiteren Woche bekommt man schließlich das Ergebnis, welches entweder gar keine Pflegestufe, oder aber die berühmten Stufen 0,1,2 oder 3 ausweist, die alle mit einem bestimmten Geldbetrag oder dem doppelten Sachwert (=Arbeitszeit Pflegedienst) verbunden sind.
Natürlich gibt es dabei weitere bürokratische Komplikationen - wir sind schließlich in Deutschland - Ärzte können beispielsweise unabhängig von Pflegestufen mehrfach am Tag Medikamentenzuteilungen anordnen, es kann Zusatzbedarf ermittelt werden etc. pp.
Wie der MDK entscheidet ist nach meiner Erfahrung relativ willkürlich.
Ein Beispiel, das ich letzten Monat miterlebte:
Patientin, 90 Jahre, DAK-versichert, lebt allein. 2010 Darmkrebs-OP, Februar 2011 Herzversagen, Mitralklappenabriss, OP verschließt Herzkammer notdürftig mit zwei Mitra-Clips.
August 2011: Schwerer Stammhirninfarkt gefolgt von einem stummen Herzinfarkt drei Tage später.
Nachdem in Leber, Lunge und Darm erneut Krebsmetastasen gefunden wurden, Abbruch der Therapie. Onkologische Behandlung zwecklos, da ob des sehr schwachen Herzens die verbleibende Lebenserwartung so kurz ist, daß der Tod eintreten wird, bevor der Krebs letal wird. Patientin gilt also als „austherapiert“.
Da sie in einer der von Ole von Beust an den privaten Krankenhauskonzern ASKLEPIOS verscheuerten Klinik behandelt wurde, erfolgte nach verweigerter Einwilligung zu den (lukrativen) Krebsoperationen vom Krankenhaus keinerlei weitere Hilfe.
Keine Schmerztherapie, kein Hinweis auf einen Palliativmediziner, kein Sozialdienst.
Patientin ist nun bettlägerig, an ein Sauerstoffgerät angeschlossen und ist finanziell in Vorlage gegangen, um den Sozialdienst, der zu Hause die Pflege übernahm zu ermöglichen.
Eine zweite MDK-Visitation (nach Widerspruch) ergab folgendes Ergebnis - ich zitiere die DAK-Pflegekasse wörtlich:
„Das mundgerechte Zubereiten der Nahrung bezieht sich ausschließlich auf die letzte Maßnahme vor der Nahrungsaufnahme, d.h. das Einschenken von Getränken sowie Zerkleinern bereits zubereiteter Nahrung, z.B. bei Kau- und Schluckbeschwerden. Das Kochen und Eindecken des Tisches gehört in den Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung. Für die hauswirtschaftliche Versorgung wurde das für die Pflegestufe I mögliche Höchstmaß von 45 Minuten angerechnet. Ein höherer Aufwand kann, unabhängig von den tatsächlich aufgewendeten Zeiten nicht anerkannt werden. Das Duschen wurde in der erneuten Begutachtung berücksichtigt.
Nach Berücksichtigung der Widerspruchsargumentation liegt der Hilfebedarf, trotz weiterer sechs Minuten für das tägliche Duschen, mit 29 Minuten noch unterhalb der Kriterien für die Einstufung in die Pflegestufe I.
[…] In den Bereichen der Körperpflege, Ernährung und Mobilität haben Sie einen Hilfebedarf, der mit 29 Minuten im Tagesdurchschnitt festgesetzt wird. Erforderlich für die Feststellung der Pflegestufe ist, dass der Hilfebedarf in diesem Bereich höher als 45 Minuten im Tagesschnitt ist.“
Also mehr als 29 Minuten benötigt die Dame keine Pflege - das steht nun doppelt begutachtet fest.
Nun ist es absolut kein Geheimnis, daß die Pflegekassen chronisch unterfinanziert und die Pflegedienste unterbesetzt sind.
Auch in diesem Blog wurde immer wieder auf die dramatische Not hingewiesen.
Allerdings haben Kranke und Alte keine Lobby und werden daher auch nicht von einem FDP-Minister berücksichtigt.
Die Milliarden werden per Lobbymacht, die wortwörtliche Formulierungen in schwarzgelbe Gesundheitsgesetze durchdrückt, stattdessen der Pharmaindustrie zugeschoben.
Neben der berüchtigten Hotelsteuer gehörden die Pharmawohltaten Röslers (IQWIG-Zähmung und Installation von PKV-Lobbyisten direkt im Ministerium) zu den wenigen Dingen, die unsere Bundesregierung überhaupt getan hat.
Die Pflegeversicherung hingegen, die dringend reformiert und aufgestockt gehört, erleidet gerade das gleiche Schicksal wie das Bundeswahlgesetz - die Koalition lässt das Thema aus purer Unfähigkeit liegen und tut nichts.
Das Bundesverfassungsgericht hatte der Koalition höchstrichterlich aufgetragen ein neues Wahlgesetz zu erschaffen, weil das alte Wahlgesetz nach dem der derzeitige Bundestag zusammengesetzt ist, verfassungswidrig ist.
Die Schande des Parlaments.
Ab 1. Juli gibt es in Deutschland kein gültiges Wahlgesetz mehr. Das Parlament hat die Anordnung des Bundesverfassungsgerichts missachtet, ein neues zu schaffen. Sollte also die Regierung Merkel platzen, fallen die Fetzen ins rechtlich Bodenlose, es würde eine Bundestagswahl stattfinden, der Legitimität und Legalität fehlen. Ein Albtraum..
(Heribert Prantl, 17.06.2011)
Bei Schwarzgelb denkt heute jeder an die katastrophale Euro- und Außenpolitik, aber man muß auch immer wieder darauf hinweisen, daß die CDU-FDP-CSU-Regierung auch in allen anderen Gebieten total versagt.
Um nicht ausfallend zu werden, zitiere ich (ganz ohne eigene Wertung) zur Pflegeversicherung heute nur ein paar Sätze der eigentlich sehr CDU-freundlichen SPRINGER-Zeitung „Hamburger Abendblatt:“
Auch in der Gesundheitspolitik läuft es in der schwarz-gelben Koalition derzeit nicht rund. Seit Monaten schaffen es CDU, CSU und FDP nicht, sich auf eine Reform der Pflegeversicherung zu verständigen. Was fehlt, ist eine Grundsatzentscheidung der Parteivorsitzenden, in welche Richtung die Reform gehen soll. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) weigert sich deshalb, wie geplant in dieser Woche erste Eckpunkte für die Reform vorzustellen.
Die Parteichefs Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Philipp Rösler (FDP) haben entweder keine Zeit oder keine Kraft, sich mit dem Thema zu befassen. Es ist auch kein Termin bekannt, an dem dies geschehen könnte.
Rösler selbst hatte das Jahr 2011 zum "Jahr der Pflege" ausgerufen, als er noch Gesundheitsminister war. Er hatte Eckpunkte für die Pflegereform noch vor der parlamentarischen Sommerpause versprochen. Sein Nachfolger Bahr wollte dieses Versprechen dann bis zum Ende des kalendarischen Sommers einlösen, also bis zu diesem Freitag. Nun aber machte er einen Rückzieher, weil CDU und CSU "ihre Grundsatzfragen nicht geklärt" hätten. Aus der Union hieß es postwendend, die ganze Koalition müsse eine Lösung für die Pflege finden. Sozialverbände sprachen von einem "Skandal", die Opposition von einem "Desaster".
(Philipp Neumann 20.09.2011)
Der Ruf der Pflegebedürftigen und Pflegenden, aller Verbände und Experten nach einer Pflegereform ist unüberhörbar. Die schwarz-gelbe Koalition aber stellt sich taub und verliert sich in Streitereien. Die Pflegebedürftigen und insbesondere die wachsende Zahl demenzkranker Menschen bleiben dabei auf der Strecke. Weder eine zukunftsfeste Finanzierung der Pflegeversicherung ist in Sicht noch die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs, die gerade für Menschen mit Demenz Leistungsverbesserungen bringen soll. Schwarz-Gelb schiebt alles auf die lange Bank.
Auch die von Ministerin Schröder geplante Familienpflegezeit ist eine einzige Baustelle. Die öffentliche Anhörung im Familienausschuss am 19. September war ein Fiasko für die Bundesregierung. Ein handwerklich schlecht gemachtes Gesetz mit etlichen Regelungslücken, so die einhellige Meinung selbst der Experten, die die Koalition geladen hatte.
(PRESSEMITTEILUNG der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen NR. 0824 vom 20. September 2011)
Mittwoch, 20. April 2011
Der Christ des Tages - Teil XLIV
Es gibt keine Christen mehr in Norddeutschland.
- Von wegen!
Das Grocery-shopping is ohnehin eine Qual, aber mir geht das im Moment besonders auf die Nerven, weil der große TOOM-Markt, in den ich leider ab und an muß, gerade ein neues Gebäude hochzieht und während der einjährigen Umbauphase so eine Art Notverkauf auf dem Parkdeck stattfindet. Das Angebot ist trotzdem ziemlich üppig; es ist nur alles enger und voller.
Daß die Fleisch- und Fischtheke pausiert, kommt mir natürlich entgegen; der verdammte Pangasius stinkt immer hundert Meter weit. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Leute das Zeug kaufen.
Heute war es natürlich noch voller, weil sich alle für das lange Osterwochenende präparieren. Da werden Schokoladenhasen und gefärbte Eier Zentnerweise abtransportiert.
Als Lactovegetarier wühle ich natürlich besonders ausführlich an den Kühlregalen mit den Milchprodukten rum. Gerade hatte ich mich besonders lang gestreckt, um aus der hintersten Reihe einen Joghurt mit besserem MHD zu fischen, da piekst mich etwas in die Seite.
Ich befürchtete erst, daß es sich um einen Angestellten handelte, der mir erklären würde die Joghurts vorn wären auch noch gut.
(Herrgott - das ist doch das Konzept der SELBSTBEDIENUNG: Der Laden spart Personal, die Kunden machen die Arbeit selbst, aber dafür kann man sich auch aussuchen was man haben möchte)
Aber nein, es war ein blondierter Schopf einer mittelalterlichen Pyknikerin, der ich schon an der obligatorischen Petrus-Fisch-Brosche ansah, aus welcher Richtung der Wind nun wehen würde.
Was denn „heiba“ wäre.
Heiba? Wie meinen?
Die Fischgeschmückte war offensichtlich der deutschen Sprache nicht besonders mächtig. Freundlich, wie ich bin, werde ich dann ganz geduldig und setze ein Lächeln auf.
„Heiba“ oder „eiba“ stellte sich als „heilbar“ heraus und stammte natürlich von dem großen „Religion ist heilbar“-Button auf dem Revers meines Sakkos.
Wie erklärt man nun vor Heuschnupfen triefend mit einem Grieß-Jogurt in der Hand mal eben am Kühlregal einer Portugiesin, die sich hartnäckig als „gute Katholikin“ bezeichnet, daß ich mit „heiba“ nicht meine Unterstützung für’s Religiöse ausdrücken will?
Verdammt. An den anderen Sakkos habe ich meistens nur die drei Verbote-Buttons, mit dem durchgestrichenen Kreuz, dem durchgestrichenen Wort „Merkel“ und dem durchgestrichenen Wort „Papst“. Das ist irgendwie besser zu verstehen.
Scheinbar konnte ich mich aber doch verständlich machen, denn sofort rückte mir die drei Köpfe kleinere Dame mit beiden Zeigefinger Luftlöcher in meine Richtung pieksend auf den Pelz.
Das Universum sei ein „gross engine“ und das müsse ja wohl jemand mit einem Plan kreiert haben. Und im Übrigen solle ich doch endlich mal anerkennen welche Leistung Jesus, den sie sehr liebe (natürlich…) erbracht habe, indem er allen Kindern einen Vater gegeben habe.
Offensichtlich hatte ich da einige Buttons gepusht, denn nun ging die Bibelgeschichte à la Toom-Kühlregal erst richtig los.
Es sei doch in allen Religionen dasselbe - Männer kümmern sich nicht um ihre Kinder und verschwänden einfach. So sei es Maria, die sie auch ganz besonders liebe (hatte ich mir schon gedacht…), schließlich auch gewesen.
Nichtsnutz Joseph habe sich nicht richtig gekümmert und um den armen Jesus, der sich so vaterlos fühlte zu trösten, habe Maria ihm gesagt, Gott sei sein Vater.
Als Erwachsener sei Jesus dann Politiker geworden und habe das Gesetz erlassen, alle Kinder hätten einen Vater - nämlich Gott.
Das Evangelium von der nonkonformistischen Maria als alleinerziehende Mutter kenne ich leider nicht so gut, aber ich konnte es doch nicht lassen ihrem im Zweiminutentakt fallenden Satz „ich bin eine gute Katholikin“ zu widersprechen.
Höflich lächelte ich ihr zu und unterstützte sie in ihrer Interpretationsfreiheit - auch ich bin schließlich der Meinung, daß jeder das glauben kann, was er will.
Mit Joseph Ratzinger, der letztendlich bestimmt wer ein guter Katholik ist, bekäme sie allerdings Probleme.
Die Flexibilität der Religioten ist doch immer wieder beeindruckend:
Einerseits pochte die kajalumrahmte Toom-Agitatorin darauf, ich MÜSSE einsehen, es gäbe eine Gott, denn sonst gäbe s ja auch kein Universum und ich müsse anerkennen welch Großartiges Jesus und Maria geleistet hätten!
Aber andererseits kam auch ein herzliches „ist mir doch ganz egal“, als ich den Katholischen Katechismus oder Ratzinger ins Spiel brachte.
Darauf bohrte sie mir noch energischer ihre beiden Zeigefinger in die Brust - pah Ratzinger.
Sie glaube an Gott und Maria.
Soweit ich es aus meinen verbirkenpollten Augenwinkeln noch erkennen konnte, waren einige der uns umkreisenden Zuschauer ganz entzückt davon, wie es so eine kleine engagierte Christin dem großen bösen Atheisten zeigte.
Denn es ist ja Kar-Woche.
Im Unterschied zu den gläubigen Christen wissen Atheisten besser über die Jesus-Basics Bescheid. Was war am Karfreitag, was an Himmelfahrt, was zu Ostern?
If you are not sure, ask an atheist!
Verblüffend finde ich mit welcher Emsigkeit Fernsehmagazine und Lokalzeitungen zu jedem Pfingstfest und jedem Osterfest erklären, welche Christlichen Ursprünge diese Feiertage haben, obwohl sich die Erkenntnis nie verbreitet.
Was ist Pfingsten? ist die jährliche Standardfrage, die aber hartnäckig 90% der Christlichen Bevölkerung nicht beantworten können.
Irgendwie dringt die Kirche wirklich nicht mehr durch. Die immer wieder als Gastschreiber und Gastredner geladenen Kirchenvertreter, denen Zeitungen und Fernsehsender devot kostbare Sendezeit überlassen, verpuffen völlig wirkungslos.
Damit komme ich endlich zum Christen des Tages No 44. Es handelt sich um Pastor Hinrich C. Westphal, der im gestrigen Hamburger Abendblatt gleich auf Seite 2 erklären durfte, wieso sich die Menschen nach Gott sehnen.
Ebenso erfolgversprechend könnte der Pfaff erklären weswegen ich zwei Köpfe habe und der Schwerkraft trotze.
Eine ordentliche geistige Degeneration, die MSS dem Gottgläubigen attestiert, ist tatsächlich Voraussetzung, um Westphal zu folgen:
Wir verstehen die Ungerechtigkeit der Welt nicht und beklagen die Untätigkeit Gottes. Die Karwoche vor Ostern liefert jedem Antworten.
??? Dreimal nein, Herr Pfarrer.
1.) Die Ungerechtigkeit der Welt verstehe ich sehr gut. Um das zu erklären schreibe ich unter anderem diesen Blog.
2.) Auf die Idee große Schlaglöcher, Malaria oder das Aussterben der sibirischen Tiger mit der Untätigkeit Gottes zu erklären bin ich nie gekommen.
3.) Und ganz bestimmt erwarte ich keine Erkenntnisse von der Karwoche.
So einem Pfaff zahlt man als Steuerzahler die Ausbildung und mit meinem Abla-Abo zahle ich auch noch seine Werbeplattform.
DAS ist eine echte Ungerechtigkeit Gottes - wenn man an ihn glaubt.
Vor das lichthelle Auferstehungsfest hat die christliche Tradition "Karwoche" in unsere Kalender geschrieben, den Namen jener stillen Woche der Klage. Sieben Tage in Moll - muss das heute immer noch sein? Haben wir mit Unfällen und Krankheit, Fukushima und Kriegswirren nicht schon genug zu tragen? Täte uns nicht mehr Leichtigkeit gut? Seien wir realistisch: Das Leben ist kein Rosengarten und kein Streichelzoo. Es kann auch hart, schmerzhaft, bedrohlich und traurig sein. Das alles hat seine Zeit. Darum können wir nicht ganzjährig Weihnachtsbäume schmücken oder Eier bemalen, als nähmen wir die Probleme der Welt nicht zur Kenntnis. Wir können nicht pausenlos shoppen, feiern und Schweres verdrängen, das wäre kurzsichtig und ungesund. Stattdessen ist es sinnvoll und heilsam, sich einmal im Jahr der Leidensgeschichte Jesu zuzuwenden, wie sie in der Karwoche bedacht und begangen wird.
???
Es ist erstaunlich wie weit sich der Hamburger Pastor von der Lebensrealität entfernt hat.
Sieben Tage Moll? Mal abgesehen davon, daß Moll meine bevorzugte Tonart ist, sollte der Pfaff einsehen, daß sich 99 von 100 Menschen in Deutschland nicht aufgrund der Karwoche vorschreiben lassen deprimiert zu sein.
Wie sollte das auch gehen; es weiß ja kaum einer, was „Karwoche“ ist!
Dafür, daß niemand das Leben als „Streichelzoo oder Rosengarten“ missversteht, war die Kirche allerdings in den letzten 2000 Jahren sehr aktiv.
All die von Christen Massakrierten bei Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Missionierung, Inquisition und Judenpogromen haben ebenso wie all die von katholischen Geistlichen missbrauchten Kinder durchaus gelernt, daß das Leben kein Ponyhof ist.
Angesichts all der Todesopfer, die das Christentum verursacht hat, dahin zu plappern es sei „sinnvoll und heilsam“ sich reinzuziehen, wie der Lattenhansel abgemurxt wurde, schlägt allerdings dem Faß den Boden aus.
Offenbar ist an diesem leidenden Jesus, an den Texten und Gesängen von Liebe und Schmerz etwas dran, was viele Menschen im Innersten berührt. Offenbar fasziniert es sie, dass es hier nicht um eine Majestät geht, die in ferner Höhe über uns thront, sondern um einen Menschen, der wie wir leidet und uns zu einem glaubwürdigen Bruder in der Tiefe wird.
In welcher Welt leben Sie eigentlich Herr Pfarrer?
Ich würde Ihnen dringend vorschlagen einen Psychiater aufzusuchen. Offenbar fasziniert die Ostergeschichte eben NICHT, denn sonst würden nicht Europaweit Millionenfach die Menschen aus der Kirche austreten.
Die Christliche Grundkonzeption, daß ein allmächtiger Schöpfer die Menschen so fehlerhaft konstruierte, daß er aus Ärger über seinen eigenen Fauxpas seinen Sohn elendig krepieren ließ und wir uns zur Erinnerung an diesen Akt des Sadismus‘ für ewig den malträtierten und geschundenen Körper als so eine Art frühzeitliche Splatter-Actionfigur angucken sollen, ist doch mehr als fragwürdig.
Der Sohn scheint mir keinen allzu schlechten Deal gemacht zu haben - was macht es schon groß aus am Kreuz zu sterben, wenn man eh danach wiederaufersteht, so als ob nichts gewesen wäre?
Das ist doch ein Schnäppchenpreis für die Sünden der ganzen Welt.
Natürlich kann es sich auf Westphal, wie fast jeder Pfaff, nicht verkneifen auf Kranke und Sterbende hinzuweisen.
Die Texte und Melodien der Karwoche sind etwas, was die Angst und das Leiden vieler Menschen anspricht und auffängt, sie können an Krankenbetten und in Hospizen auch heute aktuell und tröstend sein.
Eine ausgesprochene Frechheit! Was maßt sich dieser Mensch an?
Das erinnert mich immer an die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg, die mit Hilfe Roger Kuschs Selbstmord beging und dann von Bizarra Käßmann verleumdet wurde.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Käßmann im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
Und wem die Karwoche allzu traurig ist, der sollte nicht vergessen: Sie ist der unerlässliche Auftakt für eine nachhaltige Osterfreude. Ostern wird alles anders und das Kreuz zum Siegeszeichen über den Tod.
Das soll Herr Westphal besser nicht den Müttern auf der Kinderkrebsstation erzählen, die über Monate und Jahre ihren Kleinen beim Sterben unter grausamen Schmerzen zusehen müssen.
Siegeszeichen über den Tod - ich glaube es hackt.
- Von wegen!
Das Grocery-shopping is ohnehin eine Qual, aber mir geht das im Moment besonders auf die Nerven, weil der große TOOM-Markt, in den ich leider ab und an muß, gerade ein neues Gebäude hochzieht und während der einjährigen Umbauphase so eine Art Notverkauf auf dem Parkdeck stattfindet. Das Angebot ist trotzdem ziemlich üppig; es ist nur alles enger und voller.
Daß die Fleisch- und Fischtheke pausiert, kommt mir natürlich entgegen; der verdammte Pangasius stinkt immer hundert Meter weit. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Leute das Zeug kaufen.
Heute war es natürlich noch voller, weil sich alle für das lange Osterwochenende präparieren. Da werden Schokoladenhasen und gefärbte Eier Zentnerweise abtransportiert.
Als Lactovegetarier wühle ich natürlich besonders ausführlich an den Kühlregalen mit den Milchprodukten rum. Gerade hatte ich mich besonders lang gestreckt, um aus der hintersten Reihe einen Joghurt mit besserem MHD zu fischen, da piekst mich etwas in die Seite.
Ich befürchtete erst, daß es sich um einen Angestellten handelte, der mir erklären würde die Joghurts vorn wären auch noch gut.
(Herrgott - das ist doch das Konzept der SELBSTBEDIENUNG: Der Laden spart Personal, die Kunden machen die Arbeit selbst, aber dafür kann man sich auch aussuchen was man haben möchte)
Aber nein, es war ein blondierter Schopf einer mittelalterlichen Pyknikerin, der ich schon an der obligatorischen Petrus-Fisch-Brosche ansah, aus welcher Richtung der Wind nun wehen würde.
Was denn „heiba“ wäre.
Heiba? Wie meinen?
Die Fischgeschmückte war offensichtlich der deutschen Sprache nicht besonders mächtig. Freundlich, wie ich bin, werde ich dann ganz geduldig und setze ein Lächeln auf.
„Heiba“ oder „eiba“ stellte sich als „heilbar“ heraus und stammte natürlich von dem großen „Religion ist heilbar“-Button auf dem Revers meines Sakkos.
Wie erklärt man nun vor Heuschnupfen triefend mit einem Grieß-Jogurt in der Hand mal eben am Kühlregal einer Portugiesin, die sich hartnäckig als „gute Katholikin“ bezeichnet, daß ich mit „heiba“ nicht meine Unterstützung für’s Religiöse ausdrücken will?
Verdammt. An den anderen Sakkos habe ich meistens nur die drei Verbote-Buttons, mit dem durchgestrichenen Kreuz, dem durchgestrichenen Wort „Merkel“ und dem durchgestrichenen Wort „Papst“. Das ist irgendwie besser zu verstehen.
Scheinbar konnte ich mich aber doch verständlich machen, denn sofort rückte mir die drei Köpfe kleinere Dame mit beiden Zeigefinger Luftlöcher in meine Richtung pieksend auf den Pelz.
Das Universum sei ein „gross engine“ und das müsse ja wohl jemand mit einem Plan kreiert haben. Und im Übrigen solle ich doch endlich mal anerkennen welche Leistung Jesus, den sie sehr liebe (natürlich…) erbracht habe, indem er allen Kindern einen Vater gegeben habe.
Offensichtlich hatte ich da einige Buttons gepusht, denn nun ging die Bibelgeschichte à la Toom-Kühlregal erst richtig los.
Es sei doch in allen Religionen dasselbe - Männer kümmern sich nicht um ihre Kinder und verschwänden einfach. So sei es Maria, die sie auch ganz besonders liebe (hatte ich mir schon gedacht…), schließlich auch gewesen.
Nichtsnutz Joseph habe sich nicht richtig gekümmert und um den armen Jesus, der sich so vaterlos fühlte zu trösten, habe Maria ihm gesagt, Gott sei sein Vater.
Als Erwachsener sei Jesus dann Politiker geworden und habe das Gesetz erlassen, alle Kinder hätten einen Vater - nämlich Gott.
Das Evangelium von der nonkonformistischen Maria als alleinerziehende Mutter kenne ich leider nicht so gut, aber ich konnte es doch nicht lassen ihrem im Zweiminutentakt fallenden Satz „ich bin eine gute Katholikin“ zu widersprechen.
Höflich lächelte ich ihr zu und unterstützte sie in ihrer Interpretationsfreiheit - auch ich bin schließlich der Meinung, daß jeder das glauben kann, was er will.
Mit Joseph Ratzinger, der letztendlich bestimmt wer ein guter Katholik ist, bekäme sie allerdings Probleme.
Die Flexibilität der Religioten ist doch immer wieder beeindruckend:
Einerseits pochte die kajalumrahmte Toom-Agitatorin darauf, ich MÜSSE einsehen, es gäbe eine Gott, denn sonst gäbe s ja auch kein Universum und ich müsse anerkennen welch Großartiges Jesus und Maria geleistet hätten!
Aber andererseits kam auch ein herzliches „ist mir doch ganz egal“, als ich den Katholischen Katechismus oder Ratzinger ins Spiel brachte.
Darauf bohrte sie mir noch energischer ihre beiden Zeigefinger in die Brust - pah Ratzinger.
Sie glaube an Gott und Maria.
Soweit ich es aus meinen verbirkenpollten Augenwinkeln noch erkennen konnte, waren einige der uns umkreisenden Zuschauer ganz entzückt davon, wie es so eine kleine engagierte Christin dem großen bösen Atheisten zeigte.
Denn es ist ja Kar-Woche.
Im Unterschied zu den gläubigen Christen wissen Atheisten besser über die Jesus-Basics Bescheid. Was war am Karfreitag, was an Himmelfahrt, was zu Ostern?
If you are not sure, ask an atheist!
Verblüffend finde ich mit welcher Emsigkeit Fernsehmagazine und Lokalzeitungen zu jedem Pfingstfest und jedem Osterfest erklären, welche Christlichen Ursprünge diese Feiertage haben, obwohl sich die Erkenntnis nie verbreitet.
Was ist Pfingsten? ist die jährliche Standardfrage, die aber hartnäckig 90% der Christlichen Bevölkerung nicht beantworten können.
Irgendwie dringt die Kirche wirklich nicht mehr durch. Die immer wieder als Gastschreiber und Gastredner geladenen Kirchenvertreter, denen Zeitungen und Fernsehsender devot kostbare Sendezeit überlassen, verpuffen völlig wirkungslos.
Damit komme ich endlich zum Christen des Tages No 44. Es handelt sich um Pastor Hinrich C. Westphal, der im gestrigen Hamburger Abendblatt gleich auf Seite 2 erklären durfte, wieso sich die Menschen nach Gott sehnen.
Ebenso erfolgversprechend könnte der Pfaff erklären weswegen ich zwei Köpfe habe und der Schwerkraft trotze.
Eine ordentliche geistige Degeneration, die MSS dem Gottgläubigen attestiert, ist tatsächlich Voraussetzung, um Westphal zu folgen:
Wir verstehen die Ungerechtigkeit der Welt nicht und beklagen die Untätigkeit Gottes. Die Karwoche vor Ostern liefert jedem Antworten.
??? Dreimal nein, Herr Pfarrer.
1.) Die Ungerechtigkeit der Welt verstehe ich sehr gut. Um das zu erklären schreibe ich unter anderem diesen Blog.
2.) Auf die Idee große Schlaglöcher, Malaria oder das Aussterben der sibirischen Tiger mit der Untätigkeit Gottes zu erklären bin ich nie gekommen.
3.) Und ganz bestimmt erwarte ich keine Erkenntnisse von der Karwoche.
So einem Pfaff zahlt man als Steuerzahler die Ausbildung und mit meinem Abla-Abo zahle ich auch noch seine Werbeplattform.
DAS ist eine echte Ungerechtigkeit Gottes - wenn man an ihn glaubt.
Vor das lichthelle Auferstehungsfest hat die christliche Tradition "Karwoche" in unsere Kalender geschrieben, den Namen jener stillen Woche der Klage. Sieben Tage in Moll - muss das heute immer noch sein? Haben wir mit Unfällen und Krankheit, Fukushima und Kriegswirren nicht schon genug zu tragen? Täte uns nicht mehr Leichtigkeit gut? Seien wir realistisch: Das Leben ist kein Rosengarten und kein Streichelzoo. Es kann auch hart, schmerzhaft, bedrohlich und traurig sein. Das alles hat seine Zeit. Darum können wir nicht ganzjährig Weihnachtsbäume schmücken oder Eier bemalen, als nähmen wir die Probleme der Welt nicht zur Kenntnis. Wir können nicht pausenlos shoppen, feiern und Schweres verdrängen, das wäre kurzsichtig und ungesund. Stattdessen ist es sinnvoll und heilsam, sich einmal im Jahr der Leidensgeschichte Jesu zuzuwenden, wie sie in der Karwoche bedacht und begangen wird.
???
Es ist erstaunlich wie weit sich der Hamburger Pastor von der Lebensrealität entfernt hat.
Sieben Tage Moll? Mal abgesehen davon, daß Moll meine bevorzugte Tonart ist, sollte der Pfaff einsehen, daß sich 99 von 100 Menschen in Deutschland nicht aufgrund der Karwoche vorschreiben lassen deprimiert zu sein.
Wie sollte das auch gehen; es weiß ja kaum einer, was „Karwoche“ ist!
Dafür, daß niemand das Leben als „Streichelzoo oder Rosengarten“ missversteht, war die Kirche allerdings in den letzten 2000 Jahren sehr aktiv.
All die von Christen Massakrierten bei Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Missionierung, Inquisition und Judenpogromen haben ebenso wie all die von katholischen Geistlichen missbrauchten Kinder durchaus gelernt, daß das Leben kein Ponyhof ist.
Angesichts all der Todesopfer, die das Christentum verursacht hat, dahin zu plappern es sei „sinnvoll und heilsam“ sich reinzuziehen, wie der Lattenhansel abgemurxt wurde, schlägt allerdings dem Faß den Boden aus.
Offenbar ist an diesem leidenden Jesus, an den Texten und Gesängen von Liebe und Schmerz etwas dran, was viele Menschen im Innersten berührt. Offenbar fasziniert es sie, dass es hier nicht um eine Majestät geht, die in ferner Höhe über uns thront, sondern um einen Menschen, der wie wir leidet und uns zu einem glaubwürdigen Bruder in der Tiefe wird.
In welcher Welt leben Sie eigentlich Herr Pfarrer?
Ich würde Ihnen dringend vorschlagen einen Psychiater aufzusuchen. Offenbar fasziniert die Ostergeschichte eben NICHT, denn sonst würden nicht Europaweit Millionenfach die Menschen aus der Kirche austreten.
Die Christliche Grundkonzeption, daß ein allmächtiger Schöpfer die Menschen so fehlerhaft konstruierte, daß er aus Ärger über seinen eigenen Fauxpas seinen Sohn elendig krepieren ließ und wir uns zur Erinnerung an diesen Akt des Sadismus‘ für ewig den malträtierten und geschundenen Körper als so eine Art frühzeitliche Splatter-Actionfigur angucken sollen, ist doch mehr als fragwürdig.
Der Sohn scheint mir keinen allzu schlechten Deal gemacht zu haben - was macht es schon groß aus am Kreuz zu sterben, wenn man eh danach wiederaufersteht, so als ob nichts gewesen wäre?
Das ist doch ein Schnäppchenpreis für die Sünden der ganzen Welt.
Natürlich kann es sich auf Westphal, wie fast jeder Pfaff, nicht verkneifen auf Kranke und Sterbende hinzuweisen.
Die Texte und Melodien der Karwoche sind etwas, was die Angst und das Leiden vieler Menschen anspricht und auffängt, sie können an Krankenbetten und in Hospizen auch heute aktuell und tröstend sein.
Eine ausgesprochene Frechheit! Was maßt sich dieser Mensch an?
Das erinnert mich immer an die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg, die mit Hilfe Roger Kuschs Selbstmord beging und dann von Bizarra Käßmann verleumdet wurde.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Käßmann im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
Und wem die Karwoche allzu traurig ist, der sollte nicht vergessen: Sie ist der unerlässliche Auftakt für eine nachhaltige Osterfreude. Ostern wird alles anders und das Kreuz zum Siegeszeichen über den Tod.
Das soll Herr Westphal besser nicht den Müttern auf der Kinderkrebsstation erzählen, die über Monate und Jahre ihren Kleinen beim Sterben unter grausamen Schmerzen zusehen müssen.
Siegeszeichen über den Tod - ich glaube es hackt.
Freitag, 14. Januar 2011
Seid umschlungen Millionen!
Es gibt da dieses nette KORSO-Faltblatt
„Jetzt reicht’s! Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!“,
das der „Koordinierungsrat säkularer Organisationen“ angefertigt hat.
Kurz und knackig ist da aufgeführt, wie sich die 540 Millionen Euro zusammensetzen, welche die Bundesländer 2009 den beiden Christlichen Kirchen nach Art. 140 GG i.V. mit Art. 138, 1 WRV zuschieben.
Das ist insofern besonders heikel, da die Kirchen mit insgesamt 19,3 Mrd Euro durch den Staat im Jahr alles andere als arm sind und die Leistungen nach der Weimarer Reichsverfassung abgelöst werden sollen.
Die gesamte Politik ignoriert das aber stillschweigend.
Und so wird aus dem allgemeinen Steueraufkommen, das zu einem guten Drittel von Atheisten aufgebracht wird, weiter Mixas Gehalt bezahlt.
Die genannte Broschüre schlüsselt die Zahlungen nach Bundesländern auf und zeigt am Beispiel Bayerns, wie sich 65,2 Mio Euro an die RKK und die 21,4 Mio Euro an die evangelische Kirche in Bayern zusammensetzen.
Inklusive der „Jahresbaulast“ von rund 51 Mio Euro überweist das Bundesland rund 138 Millionen Euro jedes Jahr an seine Kirchen, obwohl die rechtliche Grundlage dafür zumindest sehr zweifelhaft ist.
Die Jahresrenten der sieben bayerischen katholischen Bischöfe läßt sich der Freistaat € 772.500 kosten, die 42 Domvikare bekommen € 2,2 Mio, die 60 Bayerischen Kanoniker € 4,1 Mio. Noch nicht mal die normalen Seelsorger zahlt die Kirche aus eigenen Mitteln - fast 40 Millionen Euro für Katholische und noch einmal 15 Millionen Euro für evangelische Pfarrer zahlt Herr Seehofer.
Einige Posten muten hochgradig absurd an - so zahlt Bayern den gerade mal sieben Mesnern eine „Gehaltsergänzung“ von € 169.000.
Über so eine „Gehaltsergänzung“ freuen sich auch die 15 Leiter der bischöflichen Knabenseminare (€ 674.500).
Da wundert es kaum, daß bei „außerordentlichen Bedürfnissen“ der Pfarreien; wenn also mal ein Glockenklöppel abfällt oder die Kirchturmuhr hakt; auch sofort der Staat einspringt.
Die Kirchen betrachten die Landeshaushalte offensichtlich als Selbstbedienungsladen.
Nur in Hamburg und Bremen gibt es diese Zuschüsse nicht mehr. Das klamme Bundesland Berlin schiebt allerdings den beiden Kirchen immer noch € 10,6 Mio jährlich zu.
Wenn es ums Geld geht, ist die Kirche eindeutig positioniert und die Position lautet:
„Mir das Meiste!“
Bei den vielen Angestellten in kirchlichen Einrichtungen wird kräftig am Lohn gedrückt.
Wir erleben dabei ein absolutes Highlight der Bigotterie.
Wie anders, als pure Heuchelei soll man es verstehen, wenn Kirchenfürsten wie Bischöfin Ilse Junkermann die „soziale Schieflage“ beklagen und den Staat zu Hartz-Erhöhung auffordern, während sie ihre eigenen Diakonie-Mitarbeiter mit Dumpinglöhnen abspeisen.
Wie zum Hohn gegenüber den Gewerkschaften, die dieser Tage wider die Abzocke mit Leiharbeitern mobil machen, positionieren sich die organisierten Christen als häßliche Arbeitgeber.
Mit einem bundesweiten Aktionstag am 24. Februar will der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen Forderungen nach einem allgemeinen Mindestlohn und besserer Bezahlung in der Leiharbeit Nachdruck verleihen.
(Tagesschau 13.01.2011)
"Die miesen Tricks der Diakonie“ nennt der STERN die Kirchenmachenschaften.
Pflegeeinrichtungen der Diakonie drücken nach Recherchen des stern durch Dumpingmethoden die Löhne zehntausender Angestellter. Die Beschäftigten werden unter anderem über eigene Zeitarbeitsfirmen zu niedrigeren als den üblichen Löhnen eingestellt. Durch ein ähnliches Vorgehen war vor einem Jahr die Drogeriemarktkette Schlecker in die Schlagzeilen geraten.
Die Diakonie ist der Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche. Ihre Heime nutzen die unternehmenseigene Leiharbeitsfirma Dia Logistik, um neue Mitarbeiter zu den niedrigen Zeitarbeitstarifen einzustellen. Vor allem bei qualifiziertem Pflegepersonal spart das Unternehmen so kräftig: Nach Informationen des Magazins verdient eine examinierte Altenpflegerin nach zwei Jahren Berufserfahrung bei der Diakonie pro Stunde 14,28 Euro. Bei der Leiharbeitsfirma erhält sie nur in der Stunde nur 10,16 Euro – ein Minus von monatlich 640 Euro. Auch gründeten Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen GmbHs, um gekündigte Beschäftigte zu schlechteren Konditionen wieder neu einzustellen.
(Stern.de 13.01.2011)
Mutmaßlich 75.000 Diakonie-Mitarbeiter werden auf diese Art und Weise mit Dumpinglöhnen im Namen der Barmherzigkeit abgespeist.
Man denkt sofort an die „Diakonie Oldenburger Land“, die im Sommer 2010 in die Schlagzeilen geriet, nachdem der Diakonie-Boss Joachim von der Osten 180 Mitarbeiter dazu erpresste auf ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten und später damit auffiel in die Kassen gegriffen zu haben und für sich persönlich € 100.000 abzweigte.
Was in der Bibel über Nächstenliebe und Gerechtigkeit steht und gerne in Sonntagspredigen wiederholt wird, gilt in der Praxis eben doch nur für die Gehaltsschecks der Kirchenfürsten und Diakonie- und Caritas-Bosse.
Bei ihren Patienten und Klienten, sowie den Angestellten gilt das nicht.
Hier richtet die Leiharbeit ihren wahren Schaden an: beim diakonisch-caritativen Selbstverständnis. Sie ist ungerecht, weil sie Krankenschwestern und Putzfrauen trifft, nicht Ärzte oder Geschäftsführer. Sie trifft Beschäftigte, die sich moralischen Regeln unterwerfen und nicht streiken sollen, weil sie einen besonderen Arbeitgeber haben. Und der sie nun schlecht behandelt.
(Matthias Drobinski, SZ, 14.01.2011)
Bei den Kollegen von der Caritas sieht das auch nicht besser aus.
„Die Caritas-Legende“ nennt Carsten Frerk die Machenschaften der RKK in einem gastbeitrag für die FR.
Die „Wohltaten“ der Kirchen werden in Wahrheit vom Staat bezahlt, machen sich aber gut als PR und zwingen dazu noch die Mitarbeiter zur Beibehaltung ihrer Kirchenmitgliedschaft.
Würden sie austreten, verlören sie auf der Stelle ihren Job.
Kirchenmitgliedschaft durch Erpressung also.
Für konfessionelle Kindertagesstätten gaben der Staat und damit alle Steuerzahler 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro aus. Die Finanzierungsregeln sind Sache der Länder, die sie unterschiedlich handhaben. In Hamburg oder Bayern werden christliche Kitas ohne Geld der Kirchen betrieben, in Nordrhein-Westfalen steuern sie zwölf Prozent zu den Etats „ihrer“ Kitas bei. Mehr ist es nicht. Aber die Kirchen werden nicht müde zu beteuern, dass sie die Kirchensteuer für die kirchlichen Krankenhäuser, Kindertagesstätten und weitere soziale Einrichtungen brauchen. Das glauben dann auch die wohlmeinenden Christen.
In einer repräsentativen Umfrage unter Kirchenmitgliedern, ob sie aus der Kirche austreten würden, wenn die Kirchen nur wenig von der Kirchensteuer an ihre sozialen Einrichtungen geben würden, sagten 47 Prozent der Befragten: Wenn das so wäre – wie es ist –, würden sie aus der Kirche austreten. In der Altersgruppe der 14- bis 27-Jährigen sagten das sogar 60 Prozent. Das könnte erklären, warum die Kirchen über die öffentlichen und staatlichen Finanzierungen ihrer Sozial- und Gesundheitseinrichtungen schweigen oder sogar die Unwahrheit schreiben.
(Carsten Frerk 19.12.2010)
„Jetzt reicht’s! Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!“,
das der „Koordinierungsrat säkularer Organisationen“ angefertigt hat.
Kurz und knackig ist da aufgeführt, wie sich die 540 Millionen Euro zusammensetzen, welche die Bundesländer 2009 den beiden Christlichen Kirchen nach Art. 140 GG i.V. mit Art. 138, 1 WRV zuschieben.
Das ist insofern besonders heikel, da die Kirchen mit insgesamt 19,3 Mrd Euro durch den Staat im Jahr alles andere als arm sind und die Leistungen nach der Weimarer Reichsverfassung abgelöst werden sollen.
Die gesamte Politik ignoriert das aber stillschweigend.
Und so wird aus dem allgemeinen Steueraufkommen, das zu einem guten Drittel von Atheisten aufgebracht wird, weiter Mixas Gehalt bezahlt.
Die genannte Broschüre schlüsselt die Zahlungen nach Bundesländern auf und zeigt am Beispiel Bayerns, wie sich 65,2 Mio Euro an die RKK und die 21,4 Mio Euro an die evangelische Kirche in Bayern zusammensetzen.
Inklusive der „Jahresbaulast“ von rund 51 Mio Euro überweist das Bundesland rund 138 Millionen Euro jedes Jahr an seine Kirchen, obwohl die rechtliche Grundlage dafür zumindest sehr zweifelhaft ist.
Die Jahresrenten der sieben bayerischen katholischen Bischöfe läßt sich der Freistaat € 772.500 kosten, die 42 Domvikare bekommen € 2,2 Mio, die 60 Bayerischen Kanoniker € 4,1 Mio. Noch nicht mal die normalen Seelsorger zahlt die Kirche aus eigenen Mitteln - fast 40 Millionen Euro für Katholische und noch einmal 15 Millionen Euro für evangelische Pfarrer zahlt Herr Seehofer.
Einige Posten muten hochgradig absurd an - so zahlt Bayern den gerade mal sieben Mesnern eine „Gehaltsergänzung“ von € 169.000.
Über so eine „Gehaltsergänzung“ freuen sich auch die 15 Leiter der bischöflichen Knabenseminare (€ 674.500).
Da wundert es kaum, daß bei „außerordentlichen Bedürfnissen“ der Pfarreien; wenn also mal ein Glockenklöppel abfällt oder die Kirchturmuhr hakt; auch sofort der Staat einspringt.
Die Kirchen betrachten die Landeshaushalte offensichtlich als Selbstbedienungsladen.
Nur in Hamburg und Bremen gibt es diese Zuschüsse nicht mehr. Das klamme Bundesland Berlin schiebt allerdings den beiden Kirchen immer noch € 10,6 Mio jährlich zu.
Wenn es ums Geld geht, ist die Kirche eindeutig positioniert und die Position lautet:
„Mir das Meiste!“
Bei den vielen Angestellten in kirchlichen Einrichtungen wird kräftig am Lohn gedrückt.
Wir erleben dabei ein absolutes Highlight der Bigotterie.
Wie anders, als pure Heuchelei soll man es verstehen, wenn Kirchenfürsten wie Bischöfin Ilse Junkermann die „soziale Schieflage“ beklagen und den Staat zu Hartz-Erhöhung auffordern, während sie ihre eigenen Diakonie-Mitarbeiter mit Dumpinglöhnen abspeisen.
Wie zum Hohn gegenüber den Gewerkschaften, die dieser Tage wider die Abzocke mit Leiharbeitern mobil machen, positionieren sich die organisierten Christen als häßliche Arbeitgeber.
Mit einem bundesweiten Aktionstag am 24. Februar will der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen Forderungen nach einem allgemeinen Mindestlohn und besserer Bezahlung in der Leiharbeit Nachdruck verleihen.
(Tagesschau 13.01.2011)
"Die miesen Tricks der Diakonie“ nennt der STERN die Kirchenmachenschaften.
Pflegeeinrichtungen der Diakonie drücken nach Recherchen des stern durch Dumpingmethoden die Löhne zehntausender Angestellter. Die Beschäftigten werden unter anderem über eigene Zeitarbeitsfirmen zu niedrigeren als den üblichen Löhnen eingestellt. Durch ein ähnliches Vorgehen war vor einem Jahr die Drogeriemarktkette Schlecker in die Schlagzeilen geraten.
Die Diakonie ist der Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche. Ihre Heime nutzen die unternehmenseigene Leiharbeitsfirma Dia Logistik, um neue Mitarbeiter zu den niedrigen Zeitarbeitstarifen einzustellen. Vor allem bei qualifiziertem Pflegepersonal spart das Unternehmen so kräftig: Nach Informationen des Magazins verdient eine examinierte Altenpflegerin nach zwei Jahren Berufserfahrung bei der Diakonie pro Stunde 14,28 Euro. Bei der Leiharbeitsfirma erhält sie nur in der Stunde nur 10,16 Euro – ein Minus von monatlich 640 Euro. Auch gründeten Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen GmbHs, um gekündigte Beschäftigte zu schlechteren Konditionen wieder neu einzustellen.
(Stern.de 13.01.2011)
Mutmaßlich 75.000 Diakonie-Mitarbeiter werden auf diese Art und Weise mit Dumpinglöhnen im Namen der Barmherzigkeit abgespeist.
Man denkt sofort an die „Diakonie Oldenburger Land“, die im Sommer 2010 in die Schlagzeilen geriet, nachdem der Diakonie-Boss Joachim von der Osten 180 Mitarbeiter dazu erpresste auf ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten und später damit auffiel in die Kassen gegriffen zu haben und für sich persönlich € 100.000 abzweigte.
Was in der Bibel über Nächstenliebe und Gerechtigkeit steht und gerne in Sonntagspredigen wiederholt wird, gilt in der Praxis eben doch nur für die Gehaltsschecks der Kirchenfürsten und Diakonie- und Caritas-Bosse.
Bei ihren Patienten und Klienten, sowie den Angestellten gilt das nicht.
Hier richtet die Leiharbeit ihren wahren Schaden an: beim diakonisch-caritativen Selbstverständnis. Sie ist ungerecht, weil sie Krankenschwestern und Putzfrauen trifft, nicht Ärzte oder Geschäftsführer. Sie trifft Beschäftigte, die sich moralischen Regeln unterwerfen und nicht streiken sollen, weil sie einen besonderen Arbeitgeber haben. Und der sie nun schlecht behandelt.
(Matthias Drobinski, SZ, 14.01.2011)
Bei den Kollegen von der Caritas sieht das auch nicht besser aus.
„Die Caritas-Legende“ nennt Carsten Frerk die Machenschaften der RKK in einem gastbeitrag für die FR.
Die „Wohltaten“ der Kirchen werden in Wahrheit vom Staat bezahlt, machen sich aber gut als PR und zwingen dazu noch die Mitarbeiter zur Beibehaltung ihrer Kirchenmitgliedschaft.
Würden sie austreten, verlören sie auf der Stelle ihren Job.
Kirchenmitgliedschaft durch Erpressung also.
Für konfessionelle Kindertagesstätten gaben der Staat und damit alle Steuerzahler 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro aus. Die Finanzierungsregeln sind Sache der Länder, die sie unterschiedlich handhaben. In Hamburg oder Bayern werden christliche Kitas ohne Geld der Kirchen betrieben, in Nordrhein-Westfalen steuern sie zwölf Prozent zu den Etats „ihrer“ Kitas bei. Mehr ist es nicht. Aber die Kirchen werden nicht müde zu beteuern, dass sie die Kirchensteuer für die kirchlichen Krankenhäuser, Kindertagesstätten und weitere soziale Einrichtungen brauchen. Das glauben dann auch die wohlmeinenden Christen.
In einer repräsentativen Umfrage unter Kirchenmitgliedern, ob sie aus der Kirche austreten würden, wenn die Kirchen nur wenig von der Kirchensteuer an ihre sozialen Einrichtungen geben würden, sagten 47 Prozent der Befragten: Wenn das so wäre – wie es ist –, würden sie aus der Kirche austreten. In der Altersgruppe der 14- bis 27-Jährigen sagten das sogar 60 Prozent. Das könnte erklären, warum die Kirchen über die öffentlichen und staatlichen Finanzierungen ihrer Sozial- und Gesundheitseinrichtungen schweigen oder sogar die Unwahrheit schreiben.
(Carsten Frerk 19.12.2010)
Donnerstag, 22. Juli 2010
Aber die tun doch auch so viel Gutes.
Die Diakonie Oldenburger Land betreibt acht Altenheime.
Drei Einrichtungen - Büsingstift, Schützenweg und Stephanusstift - waren im März pleite und reichten bei den Insolvenzgerichten in Oldenburg und Delmenhorst Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein.
Den 180 Mitarbeitern und 220 Heiminsassen drohte eine ungewisse Zukunft.
Da trifft es sich gut, daß die Kirche als Arbeitgeberin all ihre moralischen Prinzipien konterkariert und legal nach Herzenslust auf den Rechten und dem Wohl der Arbeitnehmer herum trampeln kann.
Arbeitsrecht gilt für alle gleich - außer für „Tendenzbetriebe“, wie es die staatlich hochsubventionierte Kirche ist.
Bei den Kirchen Beschäftigte dürfen nicht streiken, haben keinen Kündigungsschutz und müssen erst recht nicht tariflich bezahlt werden.
“Gott kann man nicht bestreiken”, verkündete die Evangelische Kirche von Westfalen triumphierend am Tag nach dem Bielefelder Arbeitsgerichtsurteil zum Streikrecht in der Diakonie. Das erstinstanzliche Gericht hat den Diakoniebeschäftigten das Recht verweigert, mit Arbeitsniederlegungen Druck auf die Arbeitgeber für ihre Rechte auszuüben. Das verfassungsmäßige Recht der Kirchen, intern ihre Angelegenheiten “im Rahmen der geltenden Gesetze” zu regeln, stellte das Gericht über das Recht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, im Rahmen der grundgesetzlich garantierten Koalitionsfreiheit sich zusammen zu schließen und für ihre Rechte gegenüber dem Arbeitgeber einzutreten.
(Ulli Schauen)
Wie kann es sein, daß andere Pflegekonzerne Milliardenüberschüsse erwirtschaften und die Diakonie am Rande der Pleite manövriert?
Das DW Oldenburg weiß die Antwort.
Alle drei Häuser mussten in der Vergangenheit mit deutlich steigenden Lohn- und Energiekosten sowie mit einer wettbewerbsverzerrenden Marktlage wirtschaften. Die in der Diakonie gezahlten Mindestlöhne sind rund ein Viertel höher als vergleichbare Löhne privater Mitbewerber und ebenfalls deutlich höher als die anderer Wohlfahrtsverbände. Die durch die Kostenträger bewilligten Entgelte bleiben jedoch schon lange weit hinter der allgemeinen Preisentwicklung zurück und berücksichtigen auch keine tariflichen Unterschiede. Deutlich steigende Kosten stehen so stagnierenden Entgelten gegenüber.
(dw-ol.de)
Aha, die gierigen Mitarbeiter sind also Schuld.
Sie verdienen so ungeheuer viel, daß sie ihren Arbeitgeber Kirche ruinieren.
Der Ausweg, den die norddeutsche Diakonie fand, war dementsprechend wenig überraschend.
Die 180 Angestellten wurden gezwungen auf ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten.
In der euphemistischen DW-Sprache klingt das freundlich und einvernehmlich.
Alle Mitarbeiter der diakonischen Altenheime im vorläufigen Insolvenzverfahren haben neue Arbeitsverträge unterschrieben.
[…] Das Konzept des Diakonischen Werkes sieht die Gründung von drei neuen Betriebsgesellschaften vor. Diese Firmen führen den Pflegebetrieb der drei Einrichtungen in gewohnter Qualität weiter. Vor der Unterzeichnung der Anstellungsverträge hatte das Diakonische Werk allen 180 Mitarbeitenden Muster-Gehaltsabrechnungen vorgelegt. Daran konnte jeder Mitarbeitende genau sehen, was die Veränderung für ihn persönlich bedeutet.
(dw-ol.de)
Der Diakonie-Vorstand Joachim von der Osten sieht die um 20% reduzierten Gehälter immer noch als üppig an:
Die Mitarbeitenden der drei Altenpflegebetriebe werden auch künftig mehr verdienen, als bei privaten Anbietern. „Unter Berücksichtigung der Marktsituation sollen Mitarbeitende in der Pflege angemessen bezahlt werden“ stellt von der Osten fest.
(dw-ol.de)
Wie wir gelernt haben, sollte man aber Kirchen grundsätzlich nicht glauben.
Tatsächlich sind die Löhne der Diakonie-Mitarbeiter untertariflich und „am Rande des Legalen liegende Hungerlöhne“
(MIZ 4037)
Was sollte die Diakonie auch anderes machen?
Etwa bei den Top-Gehältern ihrer Bischöfe und Pröbste sparen?
Das kommt natürlich nicht in Frage und schließlich schieße man ohnehin schon reichlich aus dem Haushalt der Kirche zu.
„Die evangelisch-lutherische Kirche Oldenburg kann in dieser Situation keine weiteren Zuschüsse geben“, betonte ein Sprecher. Sie überweise einen jährlichen Gesamtzuschuss von 1,46 Millionen Euro und habe „bei besonderen Gegebenheiten bereits Bürgschaften und andere finanzielle Verpflichtungen übernommen“.
„Keine Landeskirche kann den normalen laufenden Betrieb einzelner Einrichtungen mit regelmäßigen Zuschüssen unterstützen. Die Kirchen können für gesellschaftspolitische Notwendigkeiten nicht einseitig haftbar gemacht werden“, stellte der Sprecher gestern klar.
(Kreiszeitung)
1,46 Millionen Euro klingen ganz nett.
Isoliert betrachtet.
Wenn man aber den Gesamthaushalt des Bischofs Jan Janssen betrachtet (die letzten veröffentlichten Zahlen stammen von 2008 - damals gab man knapp 79 Millionen Euro aus), stellt man fest, daß die Oldenburgische Kirche damit für sämtliche Sozialeinrichtungen insgesamt 1,46 Millionen Euro ausgab - also etwas weniger als zwei Prozent.
Wofür die anderen gut 98 % draufgehen?
Gute 100.000 Euro sind allein in den Taschen des oben genannten Diakonie-Chefs Joachim von der Osten gelandet.
Das ist die Mindestsumme, die der Kirchenchef unterschlagen hatte, bevor er Ende Juni 2010 gefeuert wurde.
Das ergab eine Sonderprüfung durch das Oberrechnungsamt der EKD.
Nun, nachdem er ertappt wurde, wird der Mann, der zuvor noch die viel zu hohen Gehälter der Altenpflegerinnen beklagt hatte, ziemlich kleinlaut:
Von der Osten hatte am 23. Juni sein Fehlverhalten eingeräumt und ein notarielles Schuldeingeständnis abgelegt, nachdem er mit den Vorwürfen konfrontiert worden war, sagte Feld. Dabei sei von der Osten sehr beschämt gewesen.
«Es gibt da einen deutlichen Konflikt zwischen seinem inneren Wertesystem und seinem tatsächlichen Handeln.»
(Kirche Oldenburg.de)
Das Geld wieder heraus zu rücken und womöglich die Pflegerinnen tariflich zu bezahlen, ist nicht geplant.
Drei Einrichtungen - Büsingstift, Schützenweg und Stephanusstift - waren im März pleite und reichten bei den Insolvenzgerichten in Oldenburg und Delmenhorst Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein.
Den 180 Mitarbeitern und 220 Heiminsassen drohte eine ungewisse Zukunft.
Da trifft es sich gut, daß die Kirche als Arbeitgeberin all ihre moralischen Prinzipien konterkariert und legal nach Herzenslust auf den Rechten und dem Wohl der Arbeitnehmer herum trampeln kann.
Arbeitsrecht gilt für alle gleich - außer für „Tendenzbetriebe“, wie es die staatlich hochsubventionierte Kirche ist.
Bei den Kirchen Beschäftigte dürfen nicht streiken, haben keinen Kündigungsschutz und müssen erst recht nicht tariflich bezahlt werden.
“Gott kann man nicht bestreiken”, verkündete die Evangelische Kirche von Westfalen triumphierend am Tag nach dem Bielefelder Arbeitsgerichtsurteil zum Streikrecht in der Diakonie. Das erstinstanzliche Gericht hat den Diakoniebeschäftigten das Recht verweigert, mit Arbeitsniederlegungen Druck auf die Arbeitgeber für ihre Rechte auszuüben. Das verfassungsmäßige Recht der Kirchen, intern ihre Angelegenheiten “im Rahmen der geltenden Gesetze” zu regeln, stellte das Gericht über das Recht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, im Rahmen der grundgesetzlich garantierten Koalitionsfreiheit sich zusammen zu schließen und für ihre Rechte gegenüber dem Arbeitgeber einzutreten.
(Ulli Schauen)
Wie kann es sein, daß andere Pflegekonzerne Milliardenüberschüsse erwirtschaften und die Diakonie am Rande der Pleite manövriert?
Das DW Oldenburg weiß die Antwort.
Alle drei Häuser mussten in der Vergangenheit mit deutlich steigenden Lohn- und Energiekosten sowie mit einer wettbewerbsverzerrenden Marktlage wirtschaften. Die in der Diakonie gezahlten Mindestlöhne sind rund ein Viertel höher als vergleichbare Löhne privater Mitbewerber und ebenfalls deutlich höher als die anderer Wohlfahrtsverbände. Die durch die Kostenträger bewilligten Entgelte bleiben jedoch schon lange weit hinter der allgemeinen Preisentwicklung zurück und berücksichtigen auch keine tariflichen Unterschiede. Deutlich steigende Kosten stehen so stagnierenden Entgelten gegenüber.
(dw-ol.de)
Aha, die gierigen Mitarbeiter sind also Schuld.
Sie verdienen so ungeheuer viel, daß sie ihren Arbeitgeber Kirche ruinieren.
Der Ausweg, den die norddeutsche Diakonie fand, war dementsprechend wenig überraschend.
Die 180 Angestellten wurden gezwungen auf ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten.
In der euphemistischen DW-Sprache klingt das freundlich und einvernehmlich.
Alle Mitarbeiter der diakonischen Altenheime im vorläufigen Insolvenzverfahren haben neue Arbeitsverträge unterschrieben.
[…] Das Konzept des Diakonischen Werkes sieht die Gründung von drei neuen Betriebsgesellschaften vor. Diese Firmen führen den Pflegebetrieb der drei Einrichtungen in gewohnter Qualität weiter. Vor der Unterzeichnung der Anstellungsverträge hatte das Diakonische Werk allen 180 Mitarbeitenden Muster-Gehaltsabrechnungen vorgelegt. Daran konnte jeder Mitarbeitende genau sehen, was die Veränderung für ihn persönlich bedeutet.
(dw-ol.de)
Der Diakonie-Vorstand Joachim von der Osten sieht die um 20% reduzierten Gehälter immer noch als üppig an:
Die Mitarbeitenden der drei Altenpflegebetriebe werden auch künftig mehr verdienen, als bei privaten Anbietern. „Unter Berücksichtigung der Marktsituation sollen Mitarbeitende in der Pflege angemessen bezahlt werden“ stellt von der Osten fest.
(dw-ol.de)
Wie wir gelernt haben, sollte man aber Kirchen grundsätzlich nicht glauben.
Tatsächlich sind die Löhne der Diakonie-Mitarbeiter untertariflich und „am Rande des Legalen liegende Hungerlöhne“
(MIZ 4037)
Was sollte die Diakonie auch anderes machen?
Etwa bei den Top-Gehältern ihrer Bischöfe und Pröbste sparen?
Das kommt natürlich nicht in Frage und schließlich schieße man ohnehin schon reichlich aus dem Haushalt der Kirche zu.
„Die evangelisch-lutherische Kirche Oldenburg kann in dieser Situation keine weiteren Zuschüsse geben“, betonte ein Sprecher. Sie überweise einen jährlichen Gesamtzuschuss von 1,46 Millionen Euro und habe „bei besonderen Gegebenheiten bereits Bürgschaften und andere finanzielle Verpflichtungen übernommen“.
„Keine Landeskirche kann den normalen laufenden Betrieb einzelner Einrichtungen mit regelmäßigen Zuschüssen unterstützen. Die Kirchen können für gesellschaftspolitische Notwendigkeiten nicht einseitig haftbar gemacht werden“, stellte der Sprecher gestern klar.
(Kreiszeitung)
1,46 Millionen Euro klingen ganz nett.
Isoliert betrachtet.
Wenn man aber den Gesamthaushalt des Bischofs Jan Janssen betrachtet (die letzten veröffentlichten Zahlen stammen von 2008 - damals gab man knapp 79 Millionen Euro aus), stellt man fest, daß die Oldenburgische Kirche damit für sämtliche Sozialeinrichtungen insgesamt 1,46 Millionen Euro ausgab - also etwas weniger als zwei Prozent.
Wofür die anderen gut 98 % draufgehen?
Gute 100.000 Euro sind allein in den Taschen des oben genannten Diakonie-Chefs Joachim von der Osten gelandet.
Das ist die Mindestsumme, die der Kirchenchef unterschlagen hatte, bevor er Ende Juni 2010 gefeuert wurde.
Das ergab eine Sonderprüfung durch das Oberrechnungsamt der EKD.
Nun, nachdem er ertappt wurde, wird der Mann, der zuvor noch die viel zu hohen Gehälter der Altenpflegerinnen beklagt hatte, ziemlich kleinlaut:
Von der Osten hatte am 23. Juni sein Fehlverhalten eingeräumt und ein notarielles Schuldeingeständnis abgelegt, nachdem er mit den Vorwürfen konfrontiert worden war, sagte Feld. Dabei sei von der Osten sehr beschämt gewesen.
«Es gibt da einen deutlichen Konflikt zwischen seinem inneren Wertesystem und seinem tatsächlichen Handeln.»
(Kirche Oldenburg.de)
Das Geld wieder heraus zu rücken und womöglich die Pflegerinnen tariflich zu bezahlen, ist nicht geplant.
Freitag, 13. November 2009
Nicht alles ist eine Frage des Geldes.
Wenn Parteien wie die FDP in den Wahlkampf ziehen, dann erwarten sie nicht nur einen Wahlsieg einzufahren, sondern sind außerdem davon überzeugt Dukatenscheißer zu werden.
Irgendwo in den Ministerialbürokratien müssten doch geheime Füllhörner vorhanden sein.
Ein sogenannter Finanzexperte wie der FDP-Prinz Solms, der seit Jahr und Tag im wichtigen Haushaltsausschuss sitzt und Zugang zu allen Akten hatte, wollte uns nach der Wahl weißmachen, daß vollkommen überraschend gar kein Geld mehr da sei.
So ein Pech. Wer hätte das geahnt?
Wirtschafts- und Finanzpolitik aus dem Wolkenkuckucksheim à la FDP funktioniert derzeit so, daß selbst die fest auf neoliberaler Ebene verankerten „Wirtschaftsweisen“, der offizielle Sachverständigenrat also, nur ungläubig über den Dilettantismus der Schwarz-Gelben staunen können:
"Nichtssagend und gänzlich mutlos" sei die Performance.
"Das ist mehr als unbefriedigend" schreiben sie in ihrem Gutachten.
Westerwelle und Merkel ergingen sich in „Tagträumereien“ über Steuersenkungen: „Angesichts der enormen Konsolidierungserfordernisse sind derartige Steuersenkungsversprechen mit einer seriösen Finanzpolitik nicht vereinbar".
Mich wundert an dieser Stelle ein bißchen wie lange Ökonomie- und Politologie-Professoren für so eine Einschätzung gebraucht haben.
Als Fachfremder habe ich genau das schon seit Jahren prognostiziert.
Anders als es die sogenannten Wirtschaftsweisen heute darstellen, erscheint es mir allerdings so, als ob in einigen Bereichen durchaus noch Geld da ist - dank der Pharmalobby-Partei (FDP) wird es nur nicht dorthin geleitet, wo es sein sollte.
Beispiel Gesundheitspolitik.
Dazu ein leider fast alltägliches Ereignis aus der Praxis, das ich heute am Rande miterlebte.
Ein Mann, 79, erleidet einen Herzinfarkt, kommt in die nagelneue für hunderte von Millionen errichtete Uniklinik, wird operiert und liegt anschließend auf der Intensivstation an diversen Schläuchen und Infusionen.
Gestern Abend rutscht er aus dem Bett, reißt dabei seine Bettdecke mit, die wiederum an den Kabeln so verheddert ist, daß er sich bei dem Sturz sämtliche Kanülen und Schläuche rausreißt.
Gefunden wird er erst am nächsten Morgen - total unterkühlt und vertrocknet.
Der Herzmonitor war ohnehin defekt und auf die dringenden Fragen, wie es denn angehen könne, daß ein Intensivpatienten eine ganze Nacht unentdeckt auf dem Boden liegt, erfuhr man nur ein achselzuckendes „das ist eben unsere Personalknappheit“. Da kann man nichts machen.
Alltag eben in großen Kliniken - dem Pflegepersonal kann man noch nicht mal einen Vorwurf machen - sie sind in der Tat total überfordert und haben nicht die Zeit nach jedem Patienten zu sehen.
Im ultramodernen Herzzentrum werden ganze Flure zudem nur von fachfremden Springerinnen aus Leihagenturen versorgt.
Freundliche Damen und Herren, die zuvor beispielsweise Altenpfleger waren und sich alle Mühe geben.
Nur daß sie eben von kardiologischen Dingen keine Ahnung haben.
Betrachten wir aber an dieser Stelle nur den finanziellen Aspekt:
Müßte es sich nicht amortisieren, wenn man mehr Pflegepersonal einstellte - am besten auch noch fachlich kompetente Leute - so daß extrem teure Folge-Probleme gar nicht erst auftreten?
Ich nenne da nur das leidige Beispiel MRSA.
Der tödliche Superkeim in Deutschen Krankenhäusern, der jährlich Zigtausende Todesopfer fordert, weil bedauerlicherweise kein Personal und keine Zeit für ausreichende Hygiene vorhanden ist.
Ein zu lösendes Problem, wie das Beispiel Holland zeigt.
Aber es gibt nun einmal Profiteure.
Zum Beispiel Philip Röslers Pharmafreunde, die für eine Packung Zyvoxid (30 Stück) knapp 3.000 Euro verlangen.
Es wird also gespart, um dann erst recht explodierende Kosten zu verursachen.
Kosten für die Patienten.
Jens Berger beschreibt heute wer unter FDP-Herrschaft auf der sicheren Seite ist:
Auf der Ausgabenseite will und kann man nicht sparen – schließlich gehören Ärzte und Apotheker zur Stammwählerschaft der FDP und auch die Gesundheits- und Pharmaindustrie kann fest darauf zählen, dass Schwarz-Gelb ihnen bei ihrem Renditestreben nicht in die Parade fährt.
Das nächste Beispiel für die Milliarden, die auf Kosten der Allgemeinheit an die Pharmamafia verschoben werden, entnehme ich einem SZ-Gespräch mit Klaus Fussek:
Fussek:
Ich gebe Ihnen ein Beispiel, von dem mir kürzlich erst ein Notarzt berichtete. Er kam zu einer ausgetrockneten Frau in ein Pflegeheim. Die Frau hat offenbar nichts zu trinken bekommen weil zu wenig Pflegkräfte da sind. Er legt ihr eine Infusion und hätte dann jemanden gebraucht, der zwei Stunden darauf achtet, dass die Infusion auch durchläuft. Es fand sich niemand.
sueddeutsche.de:
Und dann?
Fussek:
Der Arzt lässt die Frau ins Krankenhaus bringen. Das kostet hin und zurück 1000 Euro. Die Frau wurde drei Tage durchgecheckt, um eine Diagnose stellen zu können. Da geht es wieder um Tausende Euro. Ein Irrsinn, wenn man dagegenhält, was eine Pflegefachkraft gekostet hätte, die sich zwei Stunden zu der Frau gesetzt hätte.
sueddeutsche.de:
Die wäre aus einem anderen Topf bezahlt worden.
Fussek:
Genau das ist das Problem. Es ist unverantwortlich, Krankenkasse und Pflegeversicherung zu trennen. Beides gehört zusammen. Prävention, akute Versorgung, Nachsorge und Pflege - das gehört alles in eine Hand.
Wieso ist dieser Irrsinn möglich?
Daß Milliarden verpulvert werden, um wenige reich zu machen?
Weil die Deutschen Wähler leider zu doof sind, um diese Mechanismen zu erkennen und sich stets Pharma-freundliche Parteien heran gewählt haben.
Auch Rot/Grün konnte 1998 - 2005 nicht eingreifen, weil im Bundesrat stets Lobby-Merkel auf einer schwarzen Mehrheit saß und allen Plänen, die auch nur winzigste Abstriche bei Pharma- und Apothekenverbänden verursacht hätte, ein NJET entgegen stellte.
Noch am Tag der Abstimmung über die schwarz-rote Gesundheitsreform hatten die Privatkrankenkassenvertreter Termine in den Büros von Merkel und Zöller (Verhandlungsführer Gesundheit CDU/CSU), um den Schwarzen zu diktieren, wie sie zu stimmen hätten.
Schwarz und Gelb waren immer mächtig genug, um jegliche Freiheit und jeglichen Wettbewerb bei den Apotheken zu Lasten des Kunden zu verhindern.
Die FDP agiert hier streng staatlich und schützt ihre Apotheker vor Konkurrenz.
Filialverbot und Verhinderung der Reimportmedikamente waren stets die Toppunkte auf der Westerwelle-Agenda um die Preise und Gewinnmargen der Pharmamafia hoch zu halten.
Geld ist also da.
Geld wird in riesigen Strömen durch das Gesundheitssystem geleitet.
Geld, das aus den Taschen der Arbeitnehmer kommt - denn schwarz/gelb wollen die Arbeitgeber von den Gesundheitskosten entlasten und Hochverdiener damit beglücken nur noch eine Kopfpauschale bezahlen zu müssen.
WO landet all das Geld eigentlich genau?
Da kann ein Blick in die Liste der 100 reichsten Deutschen (Manager Magazin) weiterhelfen - allein 12 Milliardäre verdanken ihr Vermögen (u.a.) dem Gesundheitssektor:
Susanne Klatten (Altana-Pharmaka) 7 Milliarden
Familie Braun (Braun-Medizintechnik) 5,1 Milliarden
Ingeborg Herz (Beiersdorf) 3,9 Milliarden
Curt Engelhorn (vorm. Boehringer Mannheim) 2 Milliarden
Familie Schwarz-Schütte (Schwarz-Pharma Monheim) 2 Milliarden
Andreas Strüngmann (Hexal) 1,9 Milliarden
Thomas Strüngmann (Hexal) 1,9 Milliarden
Bernhard Broerman (Asklepios Kliniken) 1,8 Milliarden
Julia & Philipp Engelhorn (vorm. Boehringer Mannheim) 1,75 Milliarden
Lutz Mario Helmig ((Helios-Kliniken, Medizintechnik) 1,4 Milliarden
Familie Schnabel (Chemiehandel) 1,35 Milliarden
Familie Stoll (Festo Medizintechnik) 0,9 Milliarden
Wer sich also über steigende Zuzahlungen und höhere Krankenkassenbeiträge ärgert, braucht sich wenigstens nicht mehr zu fragen, wo all die Kohle bleibt.
Und auch wenn es hoffnungslos altmodisch ist, sei zum Schluß die Frage erlaubt:
Ist es ethisch vertretbar, daß Pflegeeinrichtungen, Altenheime, Krankenhäuser, etc rein marktwirtschaftlich betrachtet werden?
Müssen das Milliardeneinsammelmaschinen sein?
Sind das die richtigen Wirtschaftszweige, um zu Reichtum zu kommen?
Irgendwo in den Ministerialbürokratien müssten doch geheime Füllhörner vorhanden sein.
Ein sogenannter Finanzexperte wie der FDP-Prinz Solms, der seit Jahr und Tag im wichtigen Haushaltsausschuss sitzt und Zugang zu allen Akten hatte, wollte uns nach der Wahl weißmachen, daß vollkommen überraschend gar kein Geld mehr da sei.
So ein Pech. Wer hätte das geahnt?
Wirtschafts- und Finanzpolitik aus dem Wolkenkuckucksheim à la FDP funktioniert derzeit so, daß selbst die fest auf neoliberaler Ebene verankerten „Wirtschaftsweisen“, der offizielle Sachverständigenrat also, nur ungläubig über den Dilettantismus der Schwarz-Gelben staunen können:
"Nichtssagend und gänzlich mutlos" sei die Performance.
"Das ist mehr als unbefriedigend" schreiben sie in ihrem Gutachten.
Westerwelle und Merkel ergingen sich in „Tagträumereien“ über Steuersenkungen: „Angesichts der enormen Konsolidierungserfordernisse sind derartige Steuersenkungsversprechen mit einer seriösen Finanzpolitik nicht vereinbar".
Mich wundert an dieser Stelle ein bißchen wie lange Ökonomie- und Politologie-Professoren für so eine Einschätzung gebraucht haben.
Als Fachfremder habe ich genau das schon seit Jahren prognostiziert.
Anders als es die sogenannten Wirtschaftsweisen heute darstellen, erscheint es mir allerdings so, als ob in einigen Bereichen durchaus noch Geld da ist - dank der Pharmalobby-Partei (FDP) wird es nur nicht dorthin geleitet, wo es sein sollte.
Beispiel Gesundheitspolitik.
Dazu ein leider fast alltägliches Ereignis aus der Praxis, das ich heute am Rande miterlebte.
Ein Mann, 79, erleidet einen Herzinfarkt, kommt in die nagelneue für hunderte von Millionen errichtete Uniklinik, wird operiert und liegt anschließend auf der Intensivstation an diversen Schläuchen und Infusionen.
Gestern Abend rutscht er aus dem Bett, reißt dabei seine Bettdecke mit, die wiederum an den Kabeln so verheddert ist, daß er sich bei dem Sturz sämtliche Kanülen und Schläuche rausreißt.
Gefunden wird er erst am nächsten Morgen - total unterkühlt und vertrocknet.
Der Herzmonitor war ohnehin defekt und auf die dringenden Fragen, wie es denn angehen könne, daß ein Intensivpatienten eine ganze Nacht unentdeckt auf dem Boden liegt, erfuhr man nur ein achselzuckendes „das ist eben unsere Personalknappheit“. Da kann man nichts machen.
Alltag eben in großen Kliniken - dem Pflegepersonal kann man noch nicht mal einen Vorwurf machen - sie sind in der Tat total überfordert und haben nicht die Zeit nach jedem Patienten zu sehen.
Im ultramodernen Herzzentrum werden ganze Flure zudem nur von fachfremden Springerinnen aus Leihagenturen versorgt.
Freundliche Damen und Herren, die zuvor beispielsweise Altenpfleger waren und sich alle Mühe geben.
Nur daß sie eben von kardiologischen Dingen keine Ahnung haben.
Betrachten wir aber an dieser Stelle nur den finanziellen Aspekt:
Müßte es sich nicht amortisieren, wenn man mehr Pflegepersonal einstellte - am besten auch noch fachlich kompetente Leute - so daß extrem teure Folge-Probleme gar nicht erst auftreten?
Ich nenne da nur das leidige Beispiel MRSA.
Der tödliche Superkeim in Deutschen Krankenhäusern, der jährlich Zigtausende Todesopfer fordert, weil bedauerlicherweise kein Personal und keine Zeit für ausreichende Hygiene vorhanden ist.
Ein zu lösendes Problem, wie das Beispiel Holland zeigt.
Aber es gibt nun einmal Profiteure.
Zum Beispiel Philip Röslers Pharmafreunde, die für eine Packung Zyvoxid (30 Stück) knapp 3.000 Euro verlangen.
Es wird also gespart, um dann erst recht explodierende Kosten zu verursachen.
Kosten für die Patienten.
Jens Berger beschreibt heute wer unter FDP-Herrschaft auf der sicheren Seite ist:
Auf der Ausgabenseite will und kann man nicht sparen – schließlich gehören Ärzte und Apotheker zur Stammwählerschaft der FDP und auch die Gesundheits- und Pharmaindustrie kann fest darauf zählen, dass Schwarz-Gelb ihnen bei ihrem Renditestreben nicht in die Parade fährt.
Das nächste Beispiel für die Milliarden, die auf Kosten der Allgemeinheit an die Pharmamafia verschoben werden, entnehme ich einem SZ-Gespräch mit Klaus Fussek:
Fussek:
Ich gebe Ihnen ein Beispiel, von dem mir kürzlich erst ein Notarzt berichtete. Er kam zu einer ausgetrockneten Frau in ein Pflegeheim. Die Frau hat offenbar nichts zu trinken bekommen weil zu wenig Pflegkräfte da sind. Er legt ihr eine Infusion und hätte dann jemanden gebraucht, der zwei Stunden darauf achtet, dass die Infusion auch durchläuft. Es fand sich niemand.
sueddeutsche.de:
Und dann?
Fussek:
Der Arzt lässt die Frau ins Krankenhaus bringen. Das kostet hin und zurück 1000 Euro. Die Frau wurde drei Tage durchgecheckt, um eine Diagnose stellen zu können. Da geht es wieder um Tausende Euro. Ein Irrsinn, wenn man dagegenhält, was eine Pflegefachkraft gekostet hätte, die sich zwei Stunden zu der Frau gesetzt hätte.
sueddeutsche.de:
Die wäre aus einem anderen Topf bezahlt worden.
Fussek:
Genau das ist das Problem. Es ist unverantwortlich, Krankenkasse und Pflegeversicherung zu trennen. Beides gehört zusammen. Prävention, akute Versorgung, Nachsorge und Pflege - das gehört alles in eine Hand.
Wieso ist dieser Irrsinn möglich?
Daß Milliarden verpulvert werden, um wenige reich zu machen?
Weil die Deutschen Wähler leider zu doof sind, um diese Mechanismen zu erkennen und sich stets Pharma-freundliche Parteien heran gewählt haben.
Auch Rot/Grün konnte 1998 - 2005 nicht eingreifen, weil im Bundesrat stets Lobby-Merkel auf einer schwarzen Mehrheit saß und allen Plänen, die auch nur winzigste Abstriche bei Pharma- und Apothekenverbänden verursacht hätte, ein NJET entgegen stellte.
Noch am Tag der Abstimmung über die schwarz-rote Gesundheitsreform hatten die Privatkrankenkassenvertreter Termine in den Büros von Merkel und Zöller (Verhandlungsführer Gesundheit CDU/CSU), um den Schwarzen zu diktieren, wie sie zu stimmen hätten.
Schwarz und Gelb waren immer mächtig genug, um jegliche Freiheit und jeglichen Wettbewerb bei den Apotheken zu Lasten des Kunden zu verhindern.
Die FDP agiert hier streng staatlich und schützt ihre Apotheker vor Konkurrenz.
Filialverbot und Verhinderung der Reimportmedikamente waren stets die Toppunkte auf der Westerwelle-Agenda um die Preise und Gewinnmargen der Pharmamafia hoch zu halten.
Geld ist also da.
Geld wird in riesigen Strömen durch das Gesundheitssystem geleitet.
Geld, das aus den Taschen der Arbeitnehmer kommt - denn schwarz/gelb wollen die Arbeitgeber von den Gesundheitskosten entlasten und Hochverdiener damit beglücken nur noch eine Kopfpauschale bezahlen zu müssen.
WO landet all das Geld eigentlich genau?
Da kann ein Blick in die Liste der 100 reichsten Deutschen (Manager Magazin) weiterhelfen - allein 12 Milliardäre verdanken ihr Vermögen (u.a.) dem Gesundheitssektor:
Susanne Klatten (Altana-Pharmaka) 7 Milliarden
Familie Braun (Braun-Medizintechnik) 5,1 Milliarden
Ingeborg Herz (Beiersdorf) 3,9 Milliarden
Curt Engelhorn (vorm. Boehringer Mannheim) 2 Milliarden
Familie Schwarz-Schütte (Schwarz-Pharma Monheim) 2 Milliarden
Andreas Strüngmann (Hexal) 1,9 Milliarden
Thomas Strüngmann (Hexal) 1,9 Milliarden
Bernhard Broerman (Asklepios Kliniken) 1,8 Milliarden
Julia & Philipp Engelhorn (vorm. Boehringer Mannheim) 1,75 Milliarden
Lutz Mario Helmig ((Helios-Kliniken, Medizintechnik) 1,4 Milliarden
Familie Schnabel (Chemiehandel) 1,35 Milliarden
Familie Stoll (Festo Medizintechnik) 0,9 Milliarden
Wer sich also über steigende Zuzahlungen und höhere Krankenkassenbeiträge ärgert, braucht sich wenigstens nicht mehr zu fragen, wo all die Kohle bleibt.
Und auch wenn es hoffnungslos altmodisch ist, sei zum Schluß die Frage erlaubt:
Ist es ethisch vertretbar, daß Pflegeeinrichtungen, Altenheime, Krankenhäuser, etc rein marktwirtschaftlich betrachtet werden?
Müssen das Milliardeneinsammelmaschinen sein?
Sind das die richtigen Wirtschaftszweige, um zu Reichtum zu kommen?
Samstag, 10. Oktober 2009
Wider die Blogosphäre, Teil 2
Daß dieses Posting nicht auf viel Begeisterung stoßen würde, habe ich erwartet.
Man kann schließlich nicht von Hunderttausenden Betroffenen pauschal sprechen.
Das sind alles individuelle „Fälle“.
Vielen gegenüber tritt der Staat ungerecht hart auf.
Andere haben es drauf das System optimal auszunutzen.
Der Kollektivsingular funktioniert nicht.
Natürlich ist die Situation in einer reichen westdeutschen Stadt anders, als auf dem platten Land in MeckPomm.
So hat jeder eine subjektive Perspektive, die nicht zu verallgemeinern ist.
Meine Perspektive sieht aber zufällig so aus:
1.) Vor zwei Jahren habe ich in unserem Stadtteilblatt eine Anzeige aufgegeben, weil ich für eine bettlägerig gewordene Verwandet eine Einkaufs- und Haushaltshilfe suchte.
Die Resonanz war enorm; ich sprach mit Dutzenden Bewerbern.
Viele sehr nette Leute, die sich eigneten.
Das Problem war die Bezahlung - wir wollten das nämlich NICHT illegal, sondern MIT Sozialabgaben und offiziell handhaben.
Daraufhin haben fast alle gesagt, daß sie nur schwarz arbeiten würden.
Auf meine Frage, wieso sie denn kein Interesse an einem Vertrag mit Kündigungschutz und Urlaubsgeld, etc hätten, stellte sich raus, daß die meisten Hartz-Leistungen bezogen und keinesfalls daran rütteln wollten, weil das so praktisch wäre.
2.) Der soziale Bereich, von dem ich aus eigener Anschauung was verstehe, ist Altenpflege.
Da sieht es ganz anders aus - die Millionen Menschen, die da in der Regel eher schlecht als recht versorgt werden, können eben NICHT protestieren oder nebenher arbeiten.
Ich habe schon einmal erzählt, daß die Sozialfälle in einem mir gut bekannten Pflegeheim nach der Regierungsübernahme der CDU in Hamburg noch 70 Euro monatlich Taschengeld bekommen. (Verantwortlich dafür ist Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram von der CDU, die 2004 mit einem 21-Prozentpunkte-Plus wiedergewählt wurde.)
Davon sind aber so viele Dinge zu bezahlen (Telefon, Medikamentenzuzahlungen, etc), daß eine Pediküre, oder Haareschneiden, oder gar eine Tageszeitung absolut unerschwinglich sind.
Wer keine verwahrloste Frisur haben mag, hat eben Pech gehabt.
Ganz zu schweigen von persönlichen Wünschen.
Das nenne ich zutiefst menschenverachtend.
Bei denen, die sich nun wirklich nicht wehren können und keine Alternative haben, wird der Gürtel so eng geschnallt, daß buchstäblich beinahe die Hälfte mangelernährt sind.
Jeder weiß das und keinen kümmert es.
Dieses Wegsehen unserer gesamten Gesellschaft finde ich hochgradig verwerflich.
Gerade gestern habe ich (nicht das erste mal) die Wohnung einer 85-Jährigen, bettlägerigen Dame von der Feuerwehr aufbrechen lassen, weil sie nicht mehr zu erreichen war.
Sohn und Schwiegertochter weigerten sich zu kommen; der Pflegedienst ließ mich 30 Minuten in der Leitung, um mir dann mitzuteilen, daß sie so überlastet wären, daß ich mal lieber die Polizei anrufen solle.
Nachdem ich schon einmal eine leicht vom Hund angefressene Leiche gefunden hatte, war ich froh, daß es sich diesmal um ein abstruses Mißverständnis handelte.
Die Person gestern war bereits einen Tag vorher von jemand anderen in ein Krankenhaus gebracht worden - die Information ist nur beim Pflegedienst verloren gegangen.
Die Jungs von der Feuerwehr haben sich dennoch ausdrücklich bedankt - ihnen sei es allemal lieber eine Tür umsonst aufzubrechen, als später die „vier Monate vergammelten Leichen raus zu kratzen“ (O-Ton!)
Daher mag ich nun nicht ausgerechnet für diejenigen Stellung beziehen, die vergleichsweise gut dran sind, weil sie jung und gesund sind.
Meiner Beobachtung nach, funktioniert das Deutsche Sozial- und Subventionssystem so, daß derjenige was bekommt, der am lautesten schreit.
Wer sich sichtbar macht, hat immer die besten Chancen, daß die Regierenden die Kassen öffnen. Da sind natürlich die klassischen Lobbys (Arbeitgeberorganisationen, Pharmalobby, Atomforum, Waffenlobby, Bauernverband, etc) und da sind sogar Berufsgruppen, die sich eine Privatpartei leisten.
So wählten fast 60% der niedergelassenen Ärzte die FDP.
Kein Wunder - haben doch Mediziner das höchste Durchschnittseinkommen aller Berufsgruppen und die niedrigste Insolvenzquote aller Selbstständigen.
Der Hartmannbund begrüßt den anstehenden Regierungswechsel in Berlin. "Wir freuen uns, dass die FDP gestärkt in die neue Regierung eintritt", sagte Hartmannbund-Chef Professor Kuno Winn der "Ärzte Zeitung". Er sei sicher, dass die Ärzteschaft "mindestens einen Prozentpunkt" zum Erfolg der Liberalen beigetragen habe.
Starke haben starke Lobbyisten. Ein millionenschwerer Ackermann hat jederzeit Zugang zum Kanzleramt, er darf sogar den eigentlich Staatsgästen vorbehaltenen direkten Aufzug nehmen.
Schwache haben aber auch Lobbyisten - vor allem in Form der stets empörungsbereiten Boulevardpresse.
Ja, selbstverständlich haben es Alleinerziehende schwer, weil die Konservativen die Familienförderung in Form von Ehegattensplitting-Milliarden lieber in die Taschen der Reichsten fließen lassen.
Aber transferleistungsabhängige Kinder haben immerhin überhaupt eine Lobby - spätestens, wenn mal wieder „der kleine Justin“, die „kleine Chantal“, oder der „kleine Kevin“ in einer Tiefkühltruhe oder dem Blumenpott auf dem Balkon entsorgt wurde, ist das Gejammere groß. Die großbuchstabigen Zeitungen gießen jedes Mal hektoliterweise Krokodiltränen unter das Volk.
Nur die Allerschwächsten haben gar keine Lobby - für ein paarhunderttausend Demente, die mit Exsikkose und Dekubitus in ihren Exkrementen dahindämmern, regt sich nicht ein kleiner Zeigefinger der Blogosphäre.
Ein Klaus Fussek wird auch nicht im Kanzleramt empfangen.
Die Welt ist schlecht, es geht in Deutschland offenbar ungerecht zu - so viel ist sicher.
Was soll man dagegen tun?
Wer sich nicht persönlich engagieren kann oder will, hat immerhin die Möglichkeit eine Landes- und Bundesregierung zu wählen.
Wo meine Sympathien liegen, ist kein Geheimnis - irgendwo bei SPD und Grünen.
Ich halte es bei meiner persönlichen parteipolitischen Einstellung mit Michel Friedmann, der einmal gesagt hat, solange ich 51% Gemeinsamkeiten mit meiner Partei habe, bleibe ich Mitglied. In der Praxis sind diese (maximal) 49% Differenzen mit der eigenen Partei natürlich eine harte Nuss.
Erschwert wird die parteiliche Solidarität noch dadurch, daß Personen und Persönlichkeiten eine so große Rolle spielen.
Da gibt es Wichtigtuer, die ich einfach nicht leiden kann - obwohl sie oft Richtiges sagen.
Da gibt es fade Langweiler und Haudraufs à la Sarrazin, die sich gerade selbst zerlegen mit ihren Formulierungen.
Wer allerdings das ganze fünfseitige Interview im „Lettre International“ liest, bekommt einen anderen Eindruck: Der ist schlau, der Sarrazin und 95% seiner Berlin-Analyse ist brillant.
Inzwischen sind 98% der Deutschen keine Parteimitglieder - aber auch sie sollten wählen.
WEN sie wählen sollten und zwar WARUM, habe ich immer wieder detailliert aufgeführt; das brauche ich nicht zu wiederholen.
Nur zwei Anmerkungen:
Zu behaupten, daß Große Koalition, oder Schwarz/Gelb keinen Unterschied macht, halte ich für schlicht und ergreifend dumm!
Weswegen jauchzen sich wohl gerade Pharmalobby, Atomforum und Manager von einem Orgasmus zum nächsten?
Asse, Gorleben und Krümmel wären schon allein Grund genug einen SPD-Mann als Umweltminister in die Regierung zu wählen, auch wenn die SPD ansonsten reine CDU-Politik machte.
Ich stimme Kommentator Paul Haber in vielen praktischen Dingen zu, aber komme zu anderen Konsequenzen.
Er schreibt: „'Hartz-4' ist eine SPD-Errungenschaft, und glaube mir, es ist kein Vergnügen mit Menschen, die davon betroffen sind, so wie ich beruflich zu tun zu haben. Ich kann sehr wohl nachvollziehen, dass man, wenn man einmal verstanden hat, unter wessen Führung dieses Konstrukt zu Stande gekommen ist, nicht mehr unbedingt in der Laune ist, diese Partei zu wählen - und auch keine Alternative sieht.“
Hartz bedeutete, daß viele vorherige Leistungen, die man von verschiedenen Ämtern erhielt zusammengefasst wurden.
Auch das finde ich nach wie vor nicht nur richtig, sondern auch notwendig.
Beim Punkt „fordern und fördern“ hapert es allerdings gewaltig.
Und zwar auf allen Seiten.
Dies war aber eben NICHT ein reines SPD-Gewächs, sondern die Länder und Frau Merkel saßen bei der Ausgestaltung mit im Boot.
Rot/Grün hatte zu keiner Zeit (außer der ganz kurzen Periode von Okt 1998 bis Jan 1999) eine Mehrheit im Bundesrat.
Die Wähler haben also fast SOFORT nach dem Wahlsieg Schröders die Handlungsfreiheit beschränkt und verfügt, daß Merkel und Westerwelle immer im Bundesrat „Njet“ sagen konnten. Mit großer Mühe paukte Schröder Änderungen im Steuerrecht durch:
Unter Kohl lag der Eingangssteuersatz bei 26% und der Spitzensteuersatz bei 56%. Nun sind wir bei 15 % und 45 % und das bei höheren Freibeträgen!
Das haben Rot/Grün durchgeprügelt und zwar gegen "Mrs. No" Und Westerwelle, die alles blockierten.
Das ist nach wie vor die massivste Steuerentlastung für die Arbeitseinkommen, die es je gab und das hat die CDU eben NICHT hinbekommen, sondern stattdessen stets nur die Steuern erhöht.
Auf die Art und Weise sind das Zuwanderungsgesetz und die Niedriglohngesetze bis zur Unkenntlichkeit pervertiert worden.
Ja, natürlich hätte Rot/Grün viel besser kommunizieren und schneller in Gang kommen müssen.
Ja, natürlich gab es jede Menge handwerkliche Fehler und personelle Querelen.
So what?
Ich habe das nie anders erwartet nach 16 Jahren totaler Festgefahrenheit durch Kohl, der die Steuersätze auf absolute Rekordmarken raufgeschraubt hatte.
Und daß die Legislatur 1998 sofort mit einer internationalen Superkrise und ein paar Kriegen begann, haben sich Fischer und Schröder ganz sicher auch nicht gewünscht.
Ebenso wenig wie 9/11, das Platzen der New Economy-Blase, den Irakkrieg oder die Ölpreisexplosion.
Die linken Wähler sind weicheierige Feiglinge, die bei der kleinsten Reform sofort anfangen zu weinen und der Regierung Knüppel zwischen die Beine werfen.
Und wenn es nicht ganz so läuft, wie sie es gerne hätten, fangen sie an zu schmollen und verkriechen sich am Wahltag zuhause unterm Bett.
Die Rechten sind demgegenüber strategisch im Vorteil, wie ich ebenfalls bereits beschrieben hatte.
In der Konsequenz bedeutet dies, daß die Hauptursachen für die schwersten Probleme in Deutschland - Segregation, Auseinanderdriften der sozialen Schere, kulturelle Verblödung von Millionen, miserable Bildung und Beschneidung der Zukunft der Jugend - gerade wieder zementiert werden.
Soviel weiß man jetzt schon, von schwarz/gelb:
Festhalten am dreigliedrigen Selektionsbildungssystem, Herdprämie, zielverfehlendes wahlloses Ausgießen von Kindergeld und das Ganze auf Kosten der nächsten Generation.
Außerdem werden die Weichen wieder auf die problematische Uralt-Technologie Atomkraft aus den 1940er Jahren gestellt, statt zukunftsgerichtet die grünen Energietechniken zu fördern. Alles zum Wohle der milliardenschweren Mächtigen und Reichen.
So haben es die Wähler bestimmt.
Genauer gesagt, haben es die Wähler geschehen lassen - in absoluten Stimmen hat auch die CDU stark verloren - aber noch viel mehr Schuld haben die Schmoller der „Bäh-ich-bin-aber-böse-auf-die-SPD“-Fraktion, die durch ihr Wegbleiben ermöglichten, daß die Sitze-Waage im Bundestag ein fettes rechtes Übergewicht hat!
Man kann schließlich nicht von Hunderttausenden Betroffenen pauschal sprechen.
Das sind alles individuelle „Fälle“.
Vielen gegenüber tritt der Staat ungerecht hart auf.
Andere haben es drauf das System optimal auszunutzen.
Der Kollektivsingular funktioniert nicht.
Natürlich ist die Situation in einer reichen westdeutschen Stadt anders, als auf dem platten Land in MeckPomm.
So hat jeder eine subjektive Perspektive, die nicht zu verallgemeinern ist.
Meine Perspektive sieht aber zufällig so aus:
1.) Vor zwei Jahren habe ich in unserem Stadtteilblatt eine Anzeige aufgegeben, weil ich für eine bettlägerig gewordene Verwandet eine Einkaufs- und Haushaltshilfe suchte.
Die Resonanz war enorm; ich sprach mit Dutzenden Bewerbern.
Viele sehr nette Leute, die sich eigneten.
Das Problem war die Bezahlung - wir wollten das nämlich NICHT illegal, sondern MIT Sozialabgaben und offiziell handhaben.
Daraufhin haben fast alle gesagt, daß sie nur schwarz arbeiten würden.
Auf meine Frage, wieso sie denn kein Interesse an einem Vertrag mit Kündigungschutz und Urlaubsgeld, etc hätten, stellte sich raus, daß die meisten Hartz-Leistungen bezogen und keinesfalls daran rütteln wollten, weil das so praktisch wäre.
2.) Der soziale Bereich, von dem ich aus eigener Anschauung was verstehe, ist Altenpflege.
Da sieht es ganz anders aus - die Millionen Menschen, die da in der Regel eher schlecht als recht versorgt werden, können eben NICHT protestieren oder nebenher arbeiten.
Ich habe schon einmal erzählt, daß die Sozialfälle in einem mir gut bekannten Pflegeheim nach der Regierungsübernahme der CDU in Hamburg noch 70 Euro monatlich Taschengeld bekommen. (Verantwortlich dafür ist Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram von der CDU, die 2004 mit einem 21-Prozentpunkte-Plus wiedergewählt wurde.)
Davon sind aber so viele Dinge zu bezahlen (Telefon, Medikamentenzuzahlungen, etc), daß eine Pediküre, oder Haareschneiden, oder gar eine Tageszeitung absolut unerschwinglich sind.
Wer keine verwahrloste Frisur haben mag, hat eben Pech gehabt.
Ganz zu schweigen von persönlichen Wünschen.
Das nenne ich zutiefst menschenverachtend.
Bei denen, die sich nun wirklich nicht wehren können und keine Alternative haben, wird der Gürtel so eng geschnallt, daß buchstäblich beinahe die Hälfte mangelernährt sind.
Jeder weiß das und keinen kümmert es. Dieses Wegsehen unserer gesamten Gesellschaft finde ich hochgradig verwerflich.
Gerade gestern habe ich (nicht das erste mal) die Wohnung einer 85-Jährigen, bettlägerigen Dame von der Feuerwehr aufbrechen lassen, weil sie nicht mehr zu erreichen war.
Sohn und Schwiegertochter weigerten sich zu kommen; der Pflegedienst ließ mich 30 Minuten in der Leitung, um mir dann mitzuteilen, daß sie so überlastet wären, daß ich mal lieber die Polizei anrufen solle.
Nachdem ich schon einmal eine leicht vom Hund angefressene Leiche gefunden hatte, war ich froh, daß es sich diesmal um ein abstruses Mißverständnis handelte.
Die Person gestern war bereits einen Tag vorher von jemand anderen in ein Krankenhaus gebracht worden - die Information ist nur beim Pflegedienst verloren gegangen.
Die Jungs von der Feuerwehr haben sich dennoch ausdrücklich bedankt - ihnen sei es allemal lieber eine Tür umsonst aufzubrechen, als später die „vier Monate vergammelten Leichen raus zu kratzen“ (O-Ton!)
Daher mag ich nun nicht ausgerechnet für diejenigen Stellung beziehen, die vergleichsweise gut dran sind, weil sie jung und gesund sind.
Meiner Beobachtung nach, funktioniert das Deutsche Sozial- und Subventionssystem so, daß derjenige was bekommt, der am lautesten schreit.
Wer sich sichtbar macht, hat immer die besten Chancen, daß die Regierenden die Kassen öffnen. Da sind natürlich die klassischen Lobbys (Arbeitgeberorganisationen, Pharmalobby, Atomforum, Waffenlobby, Bauernverband, etc) und da sind sogar Berufsgruppen, die sich eine Privatpartei leisten.
So wählten fast 60% der niedergelassenen Ärzte die FDP.
Kein Wunder - haben doch Mediziner das höchste Durchschnittseinkommen aller Berufsgruppen und die niedrigste Insolvenzquote aller Selbstständigen.
Der Hartmannbund begrüßt den anstehenden Regierungswechsel in Berlin. "Wir freuen uns, dass die FDP gestärkt in die neue Regierung eintritt", sagte Hartmannbund-Chef Professor Kuno Winn der "Ärzte Zeitung". Er sei sicher, dass die Ärzteschaft "mindestens einen Prozentpunkt" zum Erfolg der Liberalen beigetragen habe.
Starke haben starke Lobbyisten. Ein millionenschwerer Ackermann hat jederzeit Zugang zum Kanzleramt, er darf sogar den eigentlich Staatsgästen vorbehaltenen direkten Aufzug nehmen.
Schwache haben aber auch Lobbyisten - vor allem in Form der stets empörungsbereiten Boulevardpresse.
Ja, selbstverständlich haben es Alleinerziehende schwer, weil die Konservativen die Familienförderung in Form von Ehegattensplitting-Milliarden lieber in die Taschen der Reichsten fließen lassen.
Aber transferleistungsabhängige Kinder haben immerhin überhaupt eine Lobby - spätestens, wenn mal wieder „der kleine Justin“, die „kleine Chantal“, oder der „kleine Kevin“ in einer Tiefkühltruhe oder dem Blumenpott auf dem Balkon entsorgt wurde, ist das Gejammere groß. Die großbuchstabigen Zeitungen gießen jedes Mal hektoliterweise Krokodiltränen unter das Volk.
Nur die Allerschwächsten haben gar keine Lobby - für ein paarhunderttausend Demente, die mit Exsikkose und Dekubitus in ihren Exkrementen dahindämmern, regt sich nicht ein kleiner Zeigefinger der Blogosphäre.
Ein Klaus Fussek wird auch nicht im Kanzleramt empfangen.
Die Welt ist schlecht, es geht in Deutschland offenbar ungerecht zu - so viel ist sicher.
Was soll man dagegen tun?
Wer sich nicht persönlich engagieren kann oder will, hat immerhin die Möglichkeit eine Landes- und Bundesregierung zu wählen.
Wo meine Sympathien liegen, ist kein Geheimnis - irgendwo bei SPD und Grünen.
Ich halte es bei meiner persönlichen parteipolitischen Einstellung mit Michel Friedmann, der einmal gesagt hat, solange ich 51% Gemeinsamkeiten mit meiner Partei habe, bleibe ich Mitglied. In der Praxis sind diese (maximal) 49% Differenzen mit der eigenen Partei natürlich eine harte Nuss.
Erschwert wird die parteiliche Solidarität noch dadurch, daß Personen und Persönlichkeiten eine so große Rolle spielen.
Da gibt es Wichtigtuer, die ich einfach nicht leiden kann - obwohl sie oft Richtiges sagen.
Da gibt es fade Langweiler und Haudraufs à la Sarrazin, die sich gerade selbst zerlegen mit ihren Formulierungen.
Wer allerdings das ganze fünfseitige Interview im „Lettre International“ liest, bekommt einen anderen Eindruck: Der ist schlau, der Sarrazin und 95% seiner Berlin-Analyse ist brillant.
Inzwischen sind 98% der Deutschen keine Parteimitglieder - aber auch sie sollten wählen.
WEN sie wählen sollten und zwar WARUM, habe ich immer wieder detailliert aufgeführt; das brauche ich nicht zu wiederholen.
Nur zwei Anmerkungen:
Zu behaupten, daß Große Koalition, oder Schwarz/Gelb keinen Unterschied macht, halte ich für schlicht und ergreifend dumm!
Weswegen jauchzen sich wohl gerade Pharmalobby, Atomforum und Manager von einem Orgasmus zum nächsten?
Asse, Gorleben und Krümmel wären schon allein Grund genug einen SPD-Mann als Umweltminister in die Regierung zu wählen, auch wenn die SPD ansonsten reine CDU-Politik machte.
Ich stimme Kommentator Paul Haber in vielen praktischen Dingen zu, aber komme zu anderen Konsequenzen.
Er schreibt: „'Hartz-4' ist eine SPD-Errungenschaft, und glaube mir, es ist kein Vergnügen mit Menschen, die davon betroffen sind, so wie ich beruflich zu tun zu haben. Ich kann sehr wohl nachvollziehen, dass man, wenn man einmal verstanden hat, unter wessen Führung dieses Konstrukt zu Stande gekommen ist, nicht mehr unbedingt in der Laune ist, diese Partei zu wählen - und auch keine Alternative sieht.“
Hartz bedeutete, daß viele vorherige Leistungen, die man von verschiedenen Ämtern erhielt zusammengefasst wurden.
Das war RICHTIG.
Keiner bestreitet zudem, daß sich für die allermeisten Menschen die Bezüge gegenüber der Sozialhilfe ERHÖHT haben. Auch das muß man wohl noch einmal sagen.
Es gibt nun mehr Bargeld, dafür aber keine Extraleistungen mehr. Man muß besser haushalten.Auch das finde ich nach wie vor nicht nur richtig, sondern auch notwendig.
Beim Punkt „fordern und fördern“ hapert es allerdings gewaltig.
Und zwar auf allen Seiten.
Dies war aber eben NICHT ein reines SPD-Gewächs, sondern die Länder und Frau Merkel saßen bei der Ausgestaltung mit im Boot.
Rot/Grün hatte zu keiner Zeit (außer der ganz kurzen Periode von Okt 1998 bis Jan 1999) eine Mehrheit im Bundesrat.
Die Wähler haben also fast SOFORT nach dem Wahlsieg Schröders die Handlungsfreiheit beschränkt und verfügt, daß Merkel und Westerwelle immer im Bundesrat „Njet“ sagen konnten. Mit großer Mühe paukte Schröder Änderungen im Steuerrecht durch:
Unter Kohl lag der Eingangssteuersatz bei 26% und der Spitzensteuersatz bei 56%. Nun sind wir bei 15 % und 45 % und das bei höheren Freibeträgen!
Das haben Rot/Grün durchgeprügelt und zwar gegen "Mrs. No" Und Westerwelle, die alles blockierten.
Das ist nach wie vor die massivste Steuerentlastung für die Arbeitseinkommen, die es je gab und das hat die CDU eben NICHT hinbekommen, sondern stattdessen stets nur die Steuern erhöht.
Auf die Art und Weise sind das Zuwanderungsgesetz und die Niedriglohngesetze bis zur Unkenntlichkeit pervertiert worden.
Ja, natürlich hätte Rot/Grün viel besser kommunizieren und schneller in Gang kommen müssen.
Ja, natürlich gab es jede Menge handwerkliche Fehler und personelle Querelen.
So what?
Ich habe das nie anders erwartet nach 16 Jahren totaler Festgefahrenheit durch Kohl, der die Steuersätze auf absolute Rekordmarken raufgeschraubt hatte.
Und daß die Legislatur 1998 sofort mit einer internationalen Superkrise und ein paar Kriegen begann, haben sich Fischer und Schröder ganz sicher auch nicht gewünscht.
Ebenso wenig wie 9/11, das Platzen der New Economy-Blase, den Irakkrieg oder die Ölpreisexplosion.
Die linken Wähler sind weicheierige Feiglinge, die bei der kleinsten Reform sofort anfangen zu weinen und der Regierung Knüppel zwischen die Beine werfen.
Und wenn es nicht ganz so läuft, wie sie es gerne hätten, fangen sie an zu schmollen und verkriechen sich am Wahltag zuhause unterm Bett.
Die Rechten sind demgegenüber strategisch im Vorteil, wie ich ebenfalls bereits beschrieben hatte.
In der Konsequenz bedeutet dies, daß die Hauptursachen für die schwersten Probleme in Deutschland - Segregation, Auseinanderdriften der sozialen Schere, kulturelle Verblödung von Millionen, miserable Bildung und Beschneidung der Zukunft der Jugend - gerade wieder zementiert werden.
Soviel weiß man jetzt schon, von schwarz/gelb:
Festhalten am dreigliedrigen Selektionsbildungssystem, Herdprämie, zielverfehlendes wahlloses Ausgießen von Kindergeld und das Ganze auf Kosten der nächsten Generation.
Außerdem werden die Weichen wieder auf die problematische Uralt-Technologie Atomkraft aus den 1940er Jahren gestellt, statt zukunftsgerichtet die grünen Energietechniken zu fördern. Alles zum Wohle der milliardenschweren Mächtigen und Reichen.
So haben es die Wähler bestimmt.
Genauer gesagt, haben es die Wähler geschehen lassen - in absoluten Stimmen hat auch die CDU stark verloren - aber noch viel mehr Schuld haben die Schmoller der „Bäh-ich-bin-aber-böse-auf-die-SPD“-Fraktion, die durch ihr Wegbleiben ermöglichten, daß die Sitze-Waage im Bundestag ein fettes rechtes Übergewicht hat!
Dienstag, 15. September 2009
Sprachregelung.
Im aktuellen SPIEGEL steht ein ausführlicher Artikel mit dem Titel „Afghanistan - Das Scheitern des deutschen Militäreinsatzes.“
What else is new?, könnte man einwenden.
Lustig ist aber die Charakterisierung des zuständigen Ministers.
Das Magazin, das 2003/2004/2005, als wir einen fähigen und anerkannten Verteidigungsminister Struck hatten, an der Spitze der „CDU must become governing party“-Bewegung stand, findet nun folgende Sätze über das selbst herbei geschriebene CDU-Regierungspersonal:
Der Spiegel-Autor dieser Zeilen ist allerdings Christoph Schwennicke, der zur Hochzeit der CDU-Jubelarien aus der Hamburger Brandstwiete noch bei der SZ war.
Daß Roland Kochs Rosettenschmeichler Franz Josef J. alles andere als ministrabel ist, sollte man spätestens auch bundesweit seit der CDU-Spendenaffäre wissen, als der Andenpaktler am 7. September 2000 als Chef von Kochs Staatskanzlei und Europaminister zurücktreten mußte.
Er war unter anderem als CDU-Generalsekretär in den 80ern für die Verschiebung der als „jüdische Vermächtnisse“ getarnten Schwarzgelder verantwortlich.
Mit den Sprachregelungen steht der Mann, der seine Jungs im Juni 2006 vor der „Schwulenszene“ schützte, immer noch auf Kriegsfuß:
Krieg oder robuste Stabilisierungsmaßnahme?
Gefallene oder Getötete?
Zivilisten oder Terroristen?
Da kommt der OB-FRIZ (Oberbefehlshaber in Friedenszeiten) schon mal durcheinander.
Kochs U-Boot könnte es sich einfacher machen, wenn er um die semantischen Fähigkeiten der organisierten Ärzteschaft wüßte.
Wer erinnerte sich nicht an das Unwort des Jahres 1998; sozialverträgliches Frühableben, das Ärztekammerpäsident Karsten Vilmar raus haute?
Die lästigen Dementen und sonstigen Pflegefälle halten sich eine Dekade später immer noch nicht an diese Devise, obwohl man von Regierungsseite her alles tut, um sie diesbezüglich zu lenken.
Eins der reichsten Länder der Welt, Deutschland, das sich eine christliche Kanzlerin und einen christlichen Präsidenten hält, ernährt die Senioren nicht ausreichend.
Gut jeder 2. Altenheim-Bewohner soll einer Studie der Universität Witten/Herdecke zufolge von Mangelernährung bedroht sein.
Besonders betroffen seien alte Menschen die sich nicht mehr bewegen können. Das mit 60 Prozent höchste Risiko liege jedoch bei Bewohnern mit Demenzerkrankung. Grund sei unter anderem der Personal- und Zeitmangel in den Heimen, heißt es in der Studie. Oft fehlt den Betroffenen Hilfe beim Halten eines Trinkgefäßes oder dem Zerkleinern des Essens. Auch sei der Ausbildungsstand der Pflegekräfte unzureichend, sodass sie eine Mangelernährung der Bewohner zu spät erkennen würden. Nur etwa die Hälfte der Pflegekräfte seien vollständig ausgebildete Altenpflegerinnen und -pfleger.
Da wundert es nicht, daß in einem Hitzejahr wie 2003 auch mal ein paar Tausend über 80 Jährige sozialverträglich frühabgelebt werden.
Um alten Menschen genügend Wasser zu geben, bedürfte es deutlich mehr Personal, das aber was kostet, das wir aber nicht haben, weil wir doch sparen müssen und schließlich gibt es dringendere Probleme, wie die „notleidenden Banker“, für die Merkel ganz ad hoc mal 500.000.000.000 Euro locker machen konnte.
In den letzten 10 Jahren wurden ein Siebtel aller Stellen gestrichen. Nach Angaben der Gewerkschaft wurden bundesweit 200.000 Stellen in Kliniken und Heimen gestrichen.
Patienten in Pflegeheimen, die es sozialschmarotzend wagen alt und krank zu sein und sich nicht mehr kosteneutral selbst zu versorgen, müssen in der real existierenden Bundesrepublik eben ein bißchen eher ins Gras beißen.
Schöne neue neoliberale Welt.
Was das alles mit Franz Josef Jung zu tun hat?
Er kann an der Pflegefront lernen, wie man mit Tausenden Toten unhysterisch umgeht.
Die vertrockneten Omen und Open sind nämlich nicht etwa perfide aus niederen finanziellen Erwägungen heraus zu Tode gequälte Mordopfer, sondern:
- wie es so schön in der Pflegebranche heißt.
Für diese Sprachschöpfung möchte ich doch glatt den imaginären Rabulist des Jahres vergeben.
Und es stimmt sogar!
Denn was ist das Leben anderes, als eine sexuell übertragene Krankheit mit 100 % Mortalität?
Nicht abzukratzen hat noch keiner geschafft.
Das ist urmenschlich.
Wir sind alle absolut sicherere Sterbefälle - das ist das Wesen unserer Existenz.
Wenn Jungs Jungs da mal den ein oder anderen Tanklaster wegbomben, sollte man sich also nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob es sich bei den Opfern um Zivilisten, oder Kombattanten oder was auch immer handelt.
Das sind einfach Sterbefälle, die vorweggenommen wurden.
„Vorweggenommene Sterbefälle“ - das ist alles.
Alles OK in Afghanistan.
What else is new?, könnte man einwenden.
Lustig ist aber die Charakterisierung des zuständigen Ministers.
Das Magazin, das 2003/2004/2005, als wir einen fähigen und anerkannten Verteidigungsminister Struck hatten, an der Spitze der „CDU must become governing party“-Bewegung stand, findet nun folgende Sätze über das selbst herbei geschriebene CDU-Regierungspersonal:
Merkels Altlast. Seit vier Jahren dilettiert Franz Josef Jung als Verteidigungsminister. Die Kanzlerin hätte alle Beteiligten längst von diesen Qualen befreien müssen. Jetzt sind seine Probleme auch ihre....... Der Mann, hinter dem die halbe, wenn nicht die ganze Nato herschimpft, der Mann, der - wie der britische "Guardian" schreibt - die "tödlichste Militäroperation Deutschlands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs" politisch zu verantworten hat, dieser Mann findet am vergangenen Donnerstagabend Zuflucht in der Mehrzweckhalle von Krempe, einem Ort mit 2400 Einwohnern in der Nähe von Itzehoe…….. Es ist mindestens umstritten, ob der deutsche Oberst richtig gehandelt hat. Weniger umstritten ist, dass Franz Josef Jung, Dienstherr des glücklosen Obersts, seither alles falsch gemacht hat........ Er stiftet mehr Verwirrung als Klarheit, sein Ministerium versinkt im Informationschaos............ Er sagt zum Entsetzen vieler in der Regierung, falls es denn zivile Opfer gegeben habe, so fordere dies "unser Mitgefühl und Anteilnahme heraus". ................ Jung dilettiert seit dem Amtsantritt der Großen Koalition als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt über eine Armee, die inzwischen an vielen Orten der Welt kämpft.............. Der Nachweis, dass der Hesse fehl am Platz ist auf diesem Posten, ist längst geführt.................... Deshalb fällt der Schatten seines tollpatschigen Tuns auch auf die Dame, die am Dienstag vergangener Woche im Bundestag eine Regierungserklärung abgibt.
Der Spiegel-Autor dieser Zeilen ist allerdings Christoph Schwennicke, der zur Hochzeit der CDU-Jubelarien aus der Hamburger Brandstwiete noch bei der SZ war.
Daß Roland Kochs Rosettenschmeichler Franz Josef J. alles andere als ministrabel ist, sollte man spätestens auch bundesweit seit der CDU-Spendenaffäre wissen, als der Andenpaktler am 7. September 2000 als Chef von Kochs Staatskanzlei und Europaminister zurücktreten mußte.
Er war unter anderem als CDU-Generalsekretär in den 80ern für die Verschiebung der als „jüdische Vermächtnisse“ getarnten Schwarzgelder verantwortlich.
Mit den Sprachregelungen steht der Mann, der seine Jungs im Juni 2006 vor der „Schwulenszene“ schützte, immer noch auf Kriegsfuß:
Krieg oder robuste Stabilisierungsmaßnahme?
Gefallene oder Getötete?
Zivilisten oder Terroristen?
Da kommt der OB-FRIZ (Oberbefehlshaber in Friedenszeiten) schon mal durcheinander.
Kochs U-Boot könnte es sich einfacher machen, wenn er um die semantischen Fähigkeiten der organisierten Ärzteschaft wüßte.
Wer erinnerte sich nicht an das Unwort des Jahres 1998; sozialverträgliches Frühableben, das Ärztekammerpäsident Karsten Vilmar raus haute?
Die lästigen Dementen und sonstigen Pflegefälle halten sich eine Dekade später immer noch nicht an diese Devise, obwohl man von Regierungsseite her alles tut, um sie diesbezüglich zu lenken.
Eins der reichsten Länder der Welt, Deutschland, das sich eine christliche Kanzlerin und einen christlichen Präsidenten hält, ernährt die Senioren nicht ausreichend.
Gut jeder 2. Altenheim-Bewohner soll einer Studie der Universität Witten/Herdecke zufolge von Mangelernährung bedroht sein.
Besonders betroffen seien alte Menschen die sich nicht mehr bewegen können. Das mit 60 Prozent höchste Risiko liege jedoch bei Bewohnern mit Demenzerkrankung. Grund sei unter anderem der Personal- und Zeitmangel in den Heimen, heißt es in der Studie. Oft fehlt den Betroffenen Hilfe beim Halten eines Trinkgefäßes oder dem Zerkleinern des Essens. Auch sei der Ausbildungsstand der Pflegekräfte unzureichend, sodass sie eine Mangelernährung der Bewohner zu spät erkennen würden. Nur etwa die Hälfte der Pflegekräfte seien vollständig ausgebildete Altenpflegerinnen und -pfleger.
Da wundert es nicht, daß in einem Hitzejahr wie 2003 auch mal ein paar Tausend über 80 Jährige sozialverträglich frühabgelebt werden.
Um alten Menschen genügend Wasser zu geben, bedürfte es deutlich mehr Personal, das aber was kostet, das wir aber nicht haben, weil wir doch sparen müssen und schließlich gibt es dringendere Probleme, wie die „notleidenden Banker“, für die Merkel ganz ad hoc mal 500.000.000.000 Euro locker machen konnte.
In den letzten 10 Jahren wurden ein Siebtel aller Stellen gestrichen. Nach Angaben der Gewerkschaft wurden bundesweit 200.000 Stellen in Kliniken und Heimen gestrichen.
Patienten in Pflegeheimen, die es sozialschmarotzend wagen alt und krank zu sein und sich nicht mehr kosteneutral selbst zu versorgen, müssen in der real existierenden Bundesrepublik eben ein bißchen eher ins Gras beißen.
Schöne neue neoliberale Welt.
Was das alles mit Franz Josef Jung zu tun hat?
Er kann an der Pflegefront lernen, wie man mit Tausenden Toten unhysterisch umgeht.
Die vertrockneten Omen und Open sind nämlich nicht etwa perfide aus niederen finanziellen Erwägungen heraus zu Tode gequälte Mordopfer, sondern:
„vorweggenommene Sterbefälle“
- wie es so schön in der Pflegebranche heißt.
Für diese Sprachschöpfung möchte ich doch glatt den imaginären Rabulist des Jahres vergeben.
Und es stimmt sogar!
Denn was ist das Leben anderes, als eine sexuell übertragene Krankheit mit 100 % Mortalität?
Nicht abzukratzen hat noch keiner geschafft.
Das ist urmenschlich.
Wir sind alle absolut sicherere Sterbefälle - das ist das Wesen unserer Existenz.
Wenn Jungs Jungs da mal den ein oder anderen Tanklaster wegbomben, sollte man sich also nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob es sich bei den Opfern um Zivilisten, oder Kombattanten oder was auch immer handelt.
Das sind einfach Sterbefälle, die vorweggenommen wurden.
„Vorweggenommene Sterbefälle“ - das ist alles.
Alles OK in Afghanistan.
Dienstag, 26. Mai 2009
Schlag ins Wespennest
Sarrazin und kein Ende. Der Berliner Ex-Finanzminister schafft es in der Tat immer dahin zu hauen, wo es wirklich weh tut.
Anders als andere Spitzenpolitiker, die sich stets bemühen dem Volk aufs Maul zu schauen und dann wohlig-wolkig das daher plappern, das die Mehrheit gerne hört, sorgt sich Sarrazin weniger um seine eigene Reputation als um die konkreten Probleme Deutschlands.
Geradezu revolutionär mutet sein Ansatz an, Probleme auch praktisch zu lösen!
Das mag der deutsche Michel eigentlich gar nicht.
Probleme sollen hübsch verschleiert, auf den St Nimmerleinstag verschoben oder einfach weggelogen werden.
„Ich verspreche blühende Landschaften“ und „die Deutsche Einheit können wir aus der Portokasse zahlen“ waren die Wahlkampfschlagerworte, für die die CDU immer wieder mit Mehrheiten belohnt wurde!
Warum aber regen sich so viele Menschen so massiv über die folgenden Sätze auf?
"Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden", sagte er dem Stern. Gegenwärtig würden manche Frauen zwei, drei oder mehr Kinder in die Welt setzen, obwohl sie "nicht das Umfeld" oder "die persönlichen Eigenschaften" hätten, "um die Erziehung zu bewältigen". Deswegen müsse das Sozialsystem so geändert werden, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist", sagte er.
Unter meinem Blogeintrag vom 16. Mai 2009 zu diesem Thema findet man unter anderem den folgenden Kommentar:
Es wäre durchaus an der Zeit, dass Menschen wie Sarrazin, wie Clement und wie Schröder, zur Rechenschaft gezogen würden, wegen ihrer Hetzparolen gegenüber jenen, die erwerbslos sind.
Ein zweiter Kommentator sprach von „faschistischen Lösungsansätzen“.
Ist es wirklich so schlimm auf eine massive Fehlentwicklung hinzuweisen?
Wir kennen doch alle die sich immer mehr häufenden Berichte von Transfergeldabhängigen, deren Kinder in Verwahrlosung hausen und/oder verhungern, in Kühltruhen gelagert werden, auf Balkons angebunden werden oder im Garten verscharrt werden.
Alles nur krasse Einzelfälle?
Mitnichten, wenn man den von Inga Klees und Anett Wundrak in der letzten FAKT-Sendung zitierten Experten glaubt. Das Video ist auf der Homepage unten zu sehen.
Dort wurde eine tatsächlich vollkommen mit der Kindererziehung überforderte Familie gezeigt, die gerade das siebte Kind erwartet.
Die 29-Jährige Mutter ist insofern interessant, weil sie nicht dem Horrorklischee der Presse-Skuas entspricht.
Die Kinder werden offenbar geliebt, nicht mißhandelt und hungern auch nicht.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Eltern nicht in der Lage sind ihre Kinder zu erziehen - alle sechs sind bereits geistig zurück geblieben und nicht auf dem altersentsprechenden Entwicklungsstand.
O-Ton: Ulrich Fegeler, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands
"Wir wissen heute, dass bei Kindern, die erhebliche Sprachstörungen haben zum Zeitpunkt des Schuleintritts, es wahrscheinlich 50 Prozent nur bis zum Schulabschluss schaffen werden. Also Sprache ist eine Schlüsselkompetenz, die erworben werden muss, um überhaupt zu verstehen, was im Unterricht gebracht wird."
Die Eltern lassen sich löblicherweise von vielen Ämtern helfen und wissen genau, daß sie es nicht alleine schaffen. Das fruchtbare Paar hat sich in eine Rundumbetreuung geben müssen; man kümmert sich um KiTa-Plätze für die Jüngeren und um Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder durch die Caritas. Das Sozialamt gibt Unterstützung bei der Schuldenregulierung, ein Familientherapeut kommt direkt ins Haus. Obwohl beide Eltern arbeitslos sind, ist sogar der Transport zur Schule abgesichert. Abends übernimmt den die Caritas. Und morgens kommt ein Privatchauffeur.
„Das Amt“ bezahlt eine 9-Zimmerwohnung.
Dieser gigantische Aufwand ist allerdings alternativlos, wenn man davon absieht, daß man alle sieben Kinder in Heime stecken könnte - was aber JÄHRLICH eine halbe Million Euro Kosten verursachte.
Dennoch sind die Aussichten düster.
O-Ton: Heinz Hilgers, Präsident Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.:
"Wenn jetzt richtig gearbeitet wird, haben sie vielleicht eine kleine Chance. Aber normal können Sie davon ausgehen, dass – wenn nichts Grundlegendes passiert – werden die Kinder auch wieder Leistungsempfänger werden."
Und hier liegt der Hase im Pfeffer - Eltern, die zwar erwiesenermaßen keineswegs in der Lage sind sich um ihre Kinder zu kümmern, die keiner Arbeit nachgehen, dem Staat jährlich Kosten in sechsstelliger Höhe verursachen, ohne je der Solidargemeinschaft etwas zurück zu geben und dennoch immer weiter gebären, sind leider keine Ausnahmeerscheinung mehr.
Nein, durch ihre Gebärfreude, die sich soziologisch auf deren Kinder überträgt, breiten sich diese Verhältnisse in Deutschland massenhaft aus.
Heinz Hilgers, Präsident Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. ":
Wir haben vermutlich in 20 Jahren 40 bis 50 Prozent der Kinder, die in solchen Verhältnissen leben. Und es ist unvorstellbar, dass die dann noch übrig bleibenden Kinder die gesamte Gesellschaft tragen und auch noch ihre eigene Generation unterstützen sollen, fast die Hälfte."
Im Klartext:
Sie müssten nicht nur das Problem der vielen Rentner schultern sondern auch die Hälfte der eigenen Generation alimentieren. Es gibt also keine andere Alternative als den Familien und damit den Kindern zu helfen – auch wenn das ein oft mühsamer Prozess ist.
Ich glaube in der Tat, daß nicht Sarrazin der Asoziale ist, der dieses Problem benennt, sondern daß sich diejenigen, die nicht nur in ihrem eigenen Leben niemals ohne staatliche Hilfe auskommen werden, sondern darüber hinaus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ihren Kindern keine Zukunft bieten können, fragen lassen müssen, ob sie sich sozial verhalten.
Nein natürlich kann man niemanden verbieten Kinder zu bekommen; ich rede keiner staatliche verordneten Geburtenkontrolle das Wort.
Aber ich stelle die „Kinderliebe“ der Eltern in Frage, die in solchen Verhältnissen unaufhörlich weiter Kinder bekommen. Gibt es nicht irgendwo eine Grenze?
Wenn man beispielsweise schon vier Kinder hat, die allesamt durch elterliche Schuld vernachlässigt, sprachgestört und geistig zurück geblieben sind, wie kann man dann noch ein fünftes, ein sechstes und siebtes Kind in eben diese Verhältnisse gebären?
Ich nenne das Egoismus.
Anders als andere Spitzenpolitiker, die sich stets bemühen dem Volk aufs Maul zu schauen und dann wohlig-wolkig das daher plappern, das die Mehrheit gerne hört, sorgt sich Sarrazin weniger um seine eigene Reputation als um die konkreten Probleme Deutschlands.
Geradezu revolutionär mutet sein Ansatz an, Probleme auch praktisch zu lösen!
Das mag der deutsche Michel eigentlich gar nicht.
Probleme sollen hübsch verschleiert, auf den St Nimmerleinstag verschoben oder einfach weggelogen werden.
„Ich verspreche blühende Landschaften“ und „die Deutsche Einheit können wir aus der Portokasse zahlen“ waren die Wahlkampfschlagerworte, für die die CDU immer wieder mit Mehrheiten belohnt wurde!
Warum aber regen sich so viele Menschen so massiv über die folgenden Sätze auf?
"Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden", sagte er dem Stern. Gegenwärtig würden manche Frauen zwei, drei oder mehr Kinder in die Welt setzen, obwohl sie "nicht das Umfeld" oder "die persönlichen Eigenschaften" hätten, "um die Erziehung zu bewältigen". Deswegen müsse das Sozialsystem so geändert werden, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist", sagte er.
Unter meinem Blogeintrag vom 16. Mai 2009 zu diesem Thema findet man unter anderem den folgenden Kommentar:
Es wäre durchaus an der Zeit, dass Menschen wie Sarrazin, wie Clement und wie Schröder, zur Rechenschaft gezogen würden, wegen ihrer Hetzparolen gegenüber jenen, die erwerbslos sind.
Ein zweiter Kommentator sprach von „faschistischen Lösungsansätzen“.
Ist es wirklich so schlimm auf eine massive Fehlentwicklung hinzuweisen?
Wir kennen doch alle die sich immer mehr häufenden Berichte von Transfergeldabhängigen, deren Kinder in Verwahrlosung hausen und/oder verhungern, in Kühltruhen gelagert werden, auf Balkons angebunden werden oder im Garten verscharrt werden.
Alles nur krasse Einzelfälle?
Mitnichten, wenn man den von Inga Klees und Anett Wundrak in der letzten FAKT-Sendung zitierten Experten glaubt. Das Video ist auf der Homepage unten zu sehen.
Dort wurde eine tatsächlich vollkommen mit der Kindererziehung überforderte Familie gezeigt, die gerade das siebte Kind erwartet.
Die 29-Jährige Mutter ist insofern interessant, weil sie nicht dem Horrorklischee der Presse-Skuas entspricht.
Die Kinder werden offenbar geliebt, nicht mißhandelt und hungern auch nicht.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Eltern nicht in der Lage sind ihre Kinder zu erziehen - alle sechs sind bereits geistig zurück geblieben und nicht auf dem altersentsprechenden Entwicklungsstand.
O-Ton: Ulrich Fegeler, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands
"Wir wissen heute, dass bei Kindern, die erhebliche Sprachstörungen haben zum Zeitpunkt des Schuleintritts, es wahrscheinlich 50 Prozent nur bis zum Schulabschluss schaffen werden. Also Sprache ist eine Schlüsselkompetenz, die erworben werden muss, um überhaupt zu verstehen, was im Unterricht gebracht wird."
Die Eltern lassen sich löblicherweise von vielen Ämtern helfen und wissen genau, daß sie es nicht alleine schaffen. Das fruchtbare Paar hat sich in eine Rundumbetreuung geben müssen; man kümmert sich um KiTa-Plätze für die Jüngeren und um Hausaufgabenbetreuung für die Schulkinder durch die Caritas. Das Sozialamt gibt Unterstützung bei der Schuldenregulierung, ein Familientherapeut kommt direkt ins Haus. Obwohl beide Eltern arbeitslos sind, ist sogar der Transport zur Schule abgesichert. Abends übernimmt den die Caritas. Und morgens kommt ein Privatchauffeur.
„Das Amt“ bezahlt eine 9-Zimmerwohnung.
Dieser gigantische Aufwand ist allerdings alternativlos, wenn man davon absieht, daß man alle sieben Kinder in Heime stecken könnte - was aber JÄHRLICH eine halbe Million Euro Kosten verursachte.
Dennoch sind die Aussichten düster.
O-Ton: Heinz Hilgers, Präsident Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.:
"Wenn jetzt richtig gearbeitet wird, haben sie vielleicht eine kleine Chance. Aber normal können Sie davon ausgehen, dass – wenn nichts Grundlegendes passiert – werden die Kinder auch wieder Leistungsempfänger werden."
Und hier liegt der Hase im Pfeffer - Eltern, die zwar erwiesenermaßen keineswegs in der Lage sind sich um ihre Kinder zu kümmern, die keiner Arbeit nachgehen, dem Staat jährlich Kosten in sechsstelliger Höhe verursachen, ohne je der Solidargemeinschaft etwas zurück zu geben und dennoch immer weiter gebären, sind leider keine Ausnahmeerscheinung mehr.
Nein, durch ihre Gebärfreude, die sich soziologisch auf deren Kinder überträgt, breiten sich diese Verhältnisse in Deutschland massenhaft aus.
Heinz Hilgers, Präsident Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. ":
Wir haben vermutlich in 20 Jahren 40 bis 50 Prozent der Kinder, die in solchen Verhältnissen leben. Und es ist unvorstellbar, dass die dann noch übrig bleibenden Kinder die gesamte Gesellschaft tragen und auch noch ihre eigene Generation unterstützen sollen, fast die Hälfte."
Im Klartext:
Sie müssten nicht nur das Problem der vielen Rentner schultern sondern auch die Hälfte der eigenen Generation alimentieren. Es gibt also keine andere Alternative als den Familien und damit den Kindern zu helfen – auch wenn das ein oft mühsamer Prozess ist.
Ich glaube in der Tat, daß nicht Sarrazin der Asoziale ist, der dieses Problem benennt, sondern daß sich diejenigen, die nicht nur in ihrem eigenen Leben niemals ohne staatliche Hilfe auskommen werden, sondern darüber hinaus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ihren Kindern keine Zukunft bieten können, fragen lassen müssen, ob sie sich sozial verhalten.
Nein natürlich kann man niemanden verbieten Kinder zu bekommen; ich rede keiner staatliche verordneten Geburtenkontrolle das Wort.
Aber ich stelle die „Kinderliebe“ der Eltern in Frage, die in solchen Verhältnissen unaufhörlich weiter Kinder bekommen. Gibt es nicht irgendwo eine Grenze?
Wenn man beispielsweise schon vier Kinder hat, die allesamt durch elterliche Schuld vernachlässigt, sprachgestört und geistig zurück geblieben sind, wie kann man dann noch ein fünftes, ein sechstes und siebtes Kind in eben diese Verhältnisse gebären?
Ich nenne das Egoismus.
Dienstag, 30. September 2008
Wenn das Grundgesetz für einen nicht mehr gilt…
»Für die alten Menschen, die in diese Mühlen hineinkommen, bedeutet es, dass sie eigentlich völlig rechtlos sind, dass das Grundgesetz für sie eigentlich dann gar nicht mehr gilt, und man froh sein muss, wenn man vorher sterben darf.«
Zu dem Schluß kommt Gerontopsychiater Rolf Hirsch.
Vorher hatte das unter anderem auch schon die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg erkannt, als sie mit Hilfe von Roger Kusch den Löffel abgab - BEVOR sie ins Pflegeheim mußte.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Das Thema Sterbehilfe, die Rolle Kuschs und die Rolle der Kamera-geilen Bischöfe habe ich bereits in einigen Post behandelt.
Natürlich sind da die Heuchler der Christenfraktion unübertrefflich - so sagte doch Bizarra Käßmann tatsächlich im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Letzte Woche habe ich mir gerade dazu zwei Bücher gekauft, die ich hier noch einmal empfehlen möchte:
1.) Claus Fussek und Gottlob Schober: „Im Netz der Pflegemafia - Wie mit menschenunwürdiger Pflege Geschäfte gemacht werden“ C. Berlelsmann 2008. ISBN 9-378-570-01009-9
2.) Claus Fussek und Sven Loerzer: „Alt und abgeschoben. Der Pflegenotstand und die Würde des Menschen.“ Herder Verlag 2005. ISBN: 978-3-451-05862-2
Zu den grausamen und menschenverachtenden Zuständen in deutschen Pflegeheimen, in denen Folter an der Tagesordnung ist, haben schon viele Menschen publiziert - aber insbesondere die in den Bundesländern regierende C(HRISTLICH) DU kürzt gerne bei den Alten und Pflegepersonal - wer erst einmal, schwach, hilflos und/oder verwirrt ist, wehrt sich auch nicht mehr, wählt vermutlich auch nicht und ist daher im Radar der CDU-Politiker unsichtbar.
Wir brauchen auch das Geld woanders dringender - gestern gab es gerade die Meldung, daß es nun eine Bundesbürgschaft von 26.600.000.000 Euro für die Rettung der Hypo Real Estate Bank gibt.
Wer jetzt noch nicht kotzt, sollte sich einen Bericht von Report Mainz ansehen, in dem dargestellt wird wie Amtsrichter Michael Irmler aus dem baden-württembergischen Nürtingen mit Pflegebedürftigen Menschen umspringt.
In 62 Fällen soll er, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, entgegen der gesetzlichen Regelung, vielfach keine Anhörung der Betroffenen durchgeführt und trotzdem Bettgitter und Fixierungen angeordnet haben.
Diese alten Menschen wurden mit Bettgurten und Gittern gefesselt. Gegen ihren Willen und ohne daß der liebe Herr Irmer sich die Mühe machte mit ihnen zu sprechen.
Acht der betroffenen Damen und Herren hatten „Glück“, denn zu dem Zeitpunkt, als der Richter angeblich die Anhörung mit ihnen durchgeführt haben will, waren sie bereits lange tot.
Die Methode Bettina Schardt/Kusch ist wohl der einzige Ausweg aus der Falle, in die unsere christliche Gesellschaft die nicht mehr produktiven Mitglieder stopft.
Schade, daß es hier keinen Ehrenkodex wie beispielsweise in Japan gibt - sonst würde man jetzt Irmler höflich dazu auffordern nachhause zu gehen, um Seppuku zu begehen.
Das ARD-Magazin zeigt dazu einige Bilder, die nichts für empfindliche Mägen sind, die aber ALLTAG sind - wir gucken aber alle weg:
Damit sind auch Richter Teil eines menschenverachtenden Systems. Viele Unfälle könnten womöglich verhindert werden. Das Bettgitter zum Beispiel brachte diese Frau in eine bedrohliche Situation. Ihr Bein war bereits blau angelaufen, als sie die Pflegerinnen befreiten. Hier wurde eine alte Frau am Bett festgebunden. Sie erstickte nach einem langen Todeskampf.
Richterin Andrea Fuchs vom Amtsrichterverband, der in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aktiv ist erklärt allerdings - quasi zur Ehrenrettung des Kollegen Irmler - davon, daß die deutschen Amtsrichter derart überlastet sind, daß sie diese Art Entscheidungen gar nicht seriös treffen können.
Erinnert mich an Roland Koch, der sich im letzten Hessischen Wahlkampf echauffierte, daß Jugendliche Straftäter nicht schneller abgeurteilt werden - bis herauskam, daß seine CDU-Regierung die Jugendrichterstellen so drastisch weggekürzt hatte, dass es in Hessen die längsten Verfahren gibt.
So ist es wohl in Deutschland 25 Jahre nachdem Helmut Kohl die „geistig moralische Wende“ erklärte:
Menschenwürde für alle, können wir uns leider nicht mehr leisten.
Mit der CDU an der Macht beschränkt man sich da auf die Würde von Banken und Unternehmen.
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