TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Blogosphäre

Linke Blogger der so genannten „Blogosphäre“ (das Wort kann ich leider nicht erklären, da ich nicht weiß wer eigentlich dazu gehört) haben sich offensichtlich auf einen gemeinsamen Wertekonsens verständigt.

Bei der Abstimmung darüber wurde ich nicht gefragt, weil ich viel zu unwichtig bin, aber die Koordinaten sind mir inzwischen deutlich geworden:

1.) Zensursula ist scheiße
2.) Wolfgang Schäuble ist ein antidemokratischer Verfassungsschleifer.
3.) Schröder, Steinmeier und Co haben sich am Sozialsystem versündigt - die Agenda 2010 ist durch und durch schlecht.
4.) Israel ist böse, alle Palästinenser sind lieb.
5.) Mainstreammedien sind grundsätzlich unseriös.
6.) Politiker streben nach Dienstwagen und werden viel zu hoch bezahlt.
7.) Alles aus Amerika ist schlecht.
8.) Die Netizens sind bessere Menschen, als die Offline-Konsumenten.


Wie mich das nervt.

Punkt 1) und 2) unterschreibe ich gerne.

Zum Thema Hartz-System mag ich im Moment nicht rumnölen, solange Guido W. diesen Bonbon gerade rundlutscht.

Die Anti-SPD-Propaganda von ganz links hat Schwarz-Gelb erst ans Ruder gebracht.

Die Kurzsichtigkeit der Wähler, die Grüne und (in Westdeutschland) Linke mit der Erststimme gewählt habe, brachte der Union 24 Überhangmandate.

Die Grünen plakatierten streckenweise ausdrücklich: Schwarz-Gelb verhindern! Die Linkspartei wollte das auch. Doch dazu hätten ihre und die Wähler der Grünen ihre Erststimmen SPD-Direktkandidaten geben müssen. Stattdessen wählten sie massenhaft mit beiden Stimmen Grün oder Dunkelrot – und halfen damit Schwarz-Gelb noch komfortabler ins Amt
kritisiert Frau Gaschke ganz richtig in der ZEIT.

Zehn Millionen Wähler sind der SPD seit 1998 weggelaufen.

Nach den einschlägigen Analysen, sind sie von Hatz-IV und Rente mit 67 so genervt, daß sie inzwischen durch Wahlenthaltung lieber Westerwelle und Merkel an die Hebel der Macht schicken.

Ich verstehe den Aufreger „Rente mit 67“ nicht.

Derzeit beträgt das durchschnittliche Renteneintrittsalter 63 Jahre.
Laut statistischem Bundesamt lebt derzeit eine Frau in dem Alter noch gute 22 Jahre, ein Mann 19.
Daß hier ein Finanzproblem auftritt, scheint mir vollkommen offensichtlich angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft.
Daß die SPD hier Handlungsbedarf sah, liegt doch offensichtlich nicht daran, daß Münte und Co böse Menschen sind, die aus sadistischen Erwägungen heraus ihre Wähler piesacken.

Schröder hätte sicherlich auch lieber fromme Wohltaten à la Blüm; „die Rente is sichä“, unter das Volk gestreut.
Aus der Tatsache, daß er sich aber an der Realität orientierte, wird ihm jetzt ein Strick gedreht.

Im Gegensatz zum Krankenversicherungssystem, das extrem kompliziert ist, kann doch jeder Hongo einsehen, daß es bei der Rente ein Problem gibt, wenn immer weniger Leute einzahlen und immer mehr Senioren ausgezahlt bekommen.
Außerdem war da 1989/90 irgendwas los, wenn mich ich recht erinnere.
Natürlich können die Ex-DDR’ler nichts dafür, daß sie im einem System gearbeitet haben, daß keine Kapitalvorsorge getroffen hat.
Aber da wir jetzt nun einmal ein Land sind, gibt es eine Menge Rentner in Ostdeutschland, die nie etwas in westdeutsche Rentenkassen eingezahlt haben.
Ostdeutsche Frauen bekommen sogar signifikant mehr Rente als ihre westdeutschen Geschlechtsgenossinnen, da sie viel häufiger und länger berufstätig waren.

Daß ich das Hartz-IV-System nicht verstehe, habe ich in einem anderen Post bereits ausführlich beschrieben.

Offenbar gibt es da Verlierer, wie alleinerziehende Mütter, die kaum über die Runden kommen, während eine fünfköpfige Hartz-Familie netto sogar deutlich mehr hat, als ein Handwerker, der nach Tariflohn bezahlt wird und davon Frau und drei Kinder ernähren will.
Buschkowsky sagt, daß gewisse Hartz-Familien ihr Einkommen über die Kopfzahl steuern, während der Arbeiter diese Freiheit nicht hat, da er mehr Variablen, wie die Miete zu berücksichtigen hat.

Als Politbeobachter ärgert mich das Dilemma:
Völlig unverantwortliche Prekariatler, die fünf, acht oder zehn Kinder bekommen, kann man nicht sanktionieren, da Geldkürzungen deren Kinder träfen, die aber nichts für ihre Situation können und bei noch weniger Haushaltseinkommen noch schlechtere Zukunftschancen hätten.

Andererseits kann man aber auch Menschen nicht davon abhalten Kinder zu bekommen.

Praktikable politische Daumenschrauben gibt es bei dem derzeitigen Sytem nicht.

Natürlich ist das System daher SCHLECHT.
2 Beispiele:
Es werden riesige Milliardenbeträge unter dem Oberbegriff „Familienförderung“ ausgegeben, die in Wahrheit nur Streicheleinheiten für die Reichsten sind.
So profitieren von dem Ehegattensplitting die Menschen, die einen Schein vom Standesamt haben - und nicht die Kinder.
Auch Kinderlose, Sterile und 70-Jährige splitten - ohne daß der Geldsegen tatsächlich Kindern zu Gute käme.
Ähnlich bekloppt ist das Gießkannen-artige Ausschütten von Kindergeld auch an Millionäre und Milliardäre.
Die Kinder von den Albrechts, Ottos, Quandts, Schaefflers haben keinerlei Vorteil durch Kindergeldzahlungen.
Wieso bekommen Deutschlands Steinreichste solche Zuwendungen?

Diese verplemperten Milliarden sollte man dringend einsparen und stattdessen den armen Kindern zukommen lassen und zwar nicht als Zusatzschecks, sondern in Form von wesentlich besserer Förderung (Gesundheit, Ganztagsschulen, Kitas, ..)

Das Ehegattensplitting zu beklagen ist aber müßig.

Solange die CDU was zu sagen hat, wird es da keine Abstriche geben, da es genau ihre Hauptwählerklientel träfe - ältere, gutverdienende Verheiratete.

Die CDU hatte auch in den Jahren 1998 - 2005 über ihre Dominanz in den Ländern stets genug Macht, um diese Milliardenumleitungen an ihre Wähler zu erhalten und am 27.09.2009 wurde das System noch einmal zementiert.

Die Wähler haben gesprochen und wollten mehrheitlich Guidola Merkelwelle.

Die linke Mehrheit ist nun nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch futsch.

Nun haben wir die Konsequenzen zu tragen.

„Blogtivisten“ machen nun, NACH der Wahl Alarm und empören sich über die Hartz-IV-Sanktionierungen.

Es geht darum, daß Sanktionierungsmaßnahmen der Ämter reihenweise an den Hartzgeldern herum kürzen.

Als Blogger soll man sich daher der Petition „Arbeitslosengeld II - Abschaffung der Sanktionen nach § 31 SGB II vom 20.08.2009“ anschließen, da diese Einschnitte unerträglich wären.

Eine Bundestagsdrucksache nennt Daten:
In den Jahren 2007 und 2008 wurden insgesamt 806 000 beziehungsweise 789 000 Sanktionen gegenüber erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ausgesprochen, davon 275 000 beziehungsweise 256 000 an unter 25-Jährige und 531 000 beziehungsweise 533 000 an 25-Jährige und Ältere.

Die „Blogtivisten“ stellen Banner („Sanktionen wegbloggen“) und ähnliches zur Verfügung.

Ich weise hiermit zwar auf diese Aktion hin, schließe mich der Forderung aber ausdrücklich nicht an.

Zum einen finde den selbstverliebten Ausdruck „Blogtivisten“ derartig bekloppt, daß ich mich schon allein deswegen davon fernhalte.

Zum anderen stellt sich bei mir angesichts der großpolitischen Lage ob dieser Praxis einfach nicht genug Empörungspotential ein.

Die Blogtivisten starten solche konzertierten Aktionen leider nie bei den Themen, die mir viel wichtiger sind - beispielsweise den Zuständen, die Millionen Uralte und Pflegebedürftige jeden Tag in Heimen zu ertragen haben, beispielsweise beim deutschen Waffenexportwahn oder der hochgradigen Absurdität, daß der deutsche Steuerzahler (außer der Kirchensteuer) noch einmal 14 Milliarden Euro jedes Jahr für die Privilegien der Christenorganisation rausblasen.
Ich will verdammt noch mal nicht mehr die Gehälter von menschenverachtenden Rechtsradikalen wie Bischof Mixa oder Kardinal Meisner mitbezahlen.

Moderate Kürzungen bei Alg-I und Alg-II lassen meine Cortisolpegel nicht explodieren.

Es geht hier weitgehend um befristete Kürzungen der Bezüge von 10% oder 20%.
Es trifft Gesunde und Arbeitsfähige, die den Anforderungen der Ämter nicht nachkommen, indem sie beispielsweise keine Bewerbungen schreiben.

In der Regel handelt es sich aber um Nichteinhaltung von Terminen.
Gerade die unter 25-Jährigen haben es nämlich keineswegs nötig zu Fortbildungen und Gesprächsterminen auch zu erscheinen.

Sorry, bei aller Liebe, aber wenn so ein ARGE-Mensch permanent von seinem Klienten versetzt wird, dann soll er dem auch mal zehn Prozent abziehen dürfen.

Ich ziehe eigentlich eher den umgekehrten Schluß - nicht, daß diese Kürzungen asozial und unzumutbar wären, sondern daß sie eher noch zu harmlos sind.

Offenbar sind die absolut verhängten Sanktionen von 2007 und 2008 auf ganz ähnlichem Niveau.
Die Sanktionen sind keineswegs deutlich zurück gegangen.
Also haben diejenigen, die schon 2007 phasenweise mit 90% oder 80% ihrer Bezüge auskommen mußten, nicht die Konsequenz daraus gezogen zukünftig zu allen Terminen zu erscheinen, um keine neuen Kürzungen zu riskieren.

Der Leidensdruck ist also nicht besonders groß.
Damuß Luft im System sein.

Ich kann mir keinesfalls vorstellen, daß eine alleinerziehende Mutter ohne das geringste andere Einkommen, die den ganzen Monat mit 700 Euro auszukommen hat, genauso gut alle ihre Unkosten mit 630 Euro (-10%) oder 560 Euro (-20%) decken kann.
Die 70, bzw 140 Euro dürften richtig schmerzhaft sein.

Wer hingegen wiederholt riskiert um 10 oder 20 Prozent gekürzt zu werden, muß über weitere Finanzquellen verfügen.

Soweit meine sicher zu pauschale These.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also was nen quatsch. Es sollte darum gehen die Arbeitslosen in Arbeit zu bringen. Was bringt es denn 5 Mio Menschen in 300000 freie stellen zu zwängen. Und diese übrigen dann in den 3. oder 4. Kurs zu stecken nur um die Statistik zu schönen. Es geht in den meisten Fällen eben nicht darum das Arbeitsangebote nicht wahrgenommen wurden weil es diese Arbeitsplätze einfach nicht gibt.In meiner Stadt sind 12000 Arbeitslos gemeldet wenn jeder von ihnen gezwungen ist 4 Bewerbungen abzuschicken pro Monat dann rechne mal wie viele dann bei den Firmen ankommen. Bei Firmen die gar nicht einstellen oder die schon Kurzarbeit angemeldet haben. Und wann kommt man dahin das man derselben Firma das zweite oder dritte mal seine Bewerbung schickt weil es nicht soviel Auswahl gibt und man dazu gezwungen ist. Aber man sollte denen ihr Existenzminimum kürzen weil sie nur 11 statt verlangten 12 Bewerbungen abgegeben habe weil es die 12. einfach nicht gibt.

Du hast Recht die sind nur Faul

TAMMOX hat gesagt…

Das mit den Bewerbungen in Gegenden, wo es effektiv keine Arbeitsplätze gibt, ist ja auch Schwachsinn.

Ich hatte viel mehr die unter 25-Jährigen im Auge, die einfach nicht zu ihren Terminen erscheinen. Das lese ich wirklich immer wieder, daß die einfach nicht auftauchen.
Da ist es dann doch letztlich egal, ob man eine Fortbildungsmaßnahme, ein Bewerbungstraining oder was auch immer für sinnvoll hält, oder nicht.
Aber als Jugendlicher, der keiner körperlichen Gebrechen hat, sollte man sich schon dazu bequemen pünktlich bei den Terminen zu erscheinen.
„Keine Lust“ oder „keine Einsicht“ ist keine Handlungsoption, wenn man nun mal Geld von denen bekommt.

Ich habe keinerlei Erfahrungen mit Sozialämtern.

Aber da ich Ausländer bin, habe ich schon oft genug in total überfüllten Auslandsämtern rumgestanden und um Arbeitsgenehmigungen und Aufenthaltserlaubnisse nachgefragt.
Natürlich auch beim akademischen Auslandsamt, um meinen Studienplatz zu bekommen.
Das war auch RICHTIG scheiße und demütigend.

Einmal mußte ich vier Tage in Folge morgens um 5.00 Uhr in klirrender Kälte am Hamburger Bieberhaus anstehen, bis ich überhaupt eine Nummer ergatterte, um da rein zu kommen.

(inzwischen läuft das übrigens viel besser, muß ich zugeben - nur erteilen die Ortsämter diese Genehmigungen und die sind wesentlich besser organisiert als das frühere zentrale Auslandsamt)

Aber bei solchen Sachen hilft doch das Lamentieren nicht.
Wenn man was von denen will, muß man da hin und die Prozedur mitmachen. Da KANN man nun mal nicht sagen, daß man lieber ein paar Stunden länger ausschlafen will.

Ich wage auch zu bezweifeln, daß das in anderen Ländern so irre viel besser läuft - mal abgesehen von kleinen reichen skandinavischen Ländern.

LG
T

Vogel hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Vogel hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Oberclown hat gesagt…

Ja die These ist ein wenig Pauschal. Und sie hat einen Fehler. Weil nur daraus dass die Zahl der Sanktionen etwa gleich ist, kann man noch nicht zwingend schließen, dass die Leute nichts daraus lernen, weil es müssen ja nicht die selben Leute sein, denen die Leistungen gekürzt werden. Es ist theoretisch denkbar, dass jeder aus seiner Kürtzung die Konsequenz zöge alles zu tun, dass ihn das nichtmehr trifft und dass aber genauso viele Neugekürzte nachkommen im Lauf des Jahres. Das ist vermutlich ziemlich falsch, aber die Wahrheit wird irgendwo zwischen 0% und 100% Wiederholungsgekürzten liegen. Wobei ich mich auch frage, wieso Leute nicht mal die Termine auf dem Amt wahrnehmen. Klug ist das sicher nicht außer man ginge in dieser Zeit einer Tätigkeit nach, die lukrativer ist als die 20% Kürtzung schaden. Wenn man das dem Amt nicht mitteilen kann, wenn es so ist, dann liegt der Verdacht nahe, dass die Tätigkeit nicht so ganz furchtbar legal ist. Und annehmen, dass die betreffenden dumm und faul sind möchte ich eigentlich nicht.

Das Wort Blogosphäre finde ich auch seltsam. Ich frage mich da immer, wo liegt diese Sphäre? Woher weiß man, dass sie kugelförmig und aus Blogos ist? Und was sind Blogos?

Oberclown hat gesagt…

Noch eine kleine Anmerkung. Mich beschleicht manchmal der Leise Verdacht sog. Blogtivisten sind auch nur Clowns wissen es aber nicht.

Paul Haber hat gesagt…

Die Schimpfe auf die Wähler die aus Überzeugung ihre Erststimme einer kleineren Partei gegeben haben regt mich wirklich auf. Ja, ich gestehe: auch ich habe mit meiner Erststimme nicht die SPD gewählt.
Das Problem ist, dass wenn mehr Leute die SPD gewählt hätten, es so, wie ich es eigentlich gedacht habe, es wieder zu einer großen Koalition gekommen wäre. Das war meiner Meinung nach zu verhindern, da sich die Sozialdemokraten in der vorangegangenen Legislaturperiode zu Kompromissen hinreißen ließen, die ich ihnen nicht zugetraut hätte, obwohl man es nach Rot-Grün hätte ahnen können (und komme bitte nicht mit 'wahlstrategischen Entscheidungen').
Der Stimmverlust (und auch die Anti-SPD-Haltung in der "Blogsphäre") hängt offensichtlich damit zusammen, dass man insgeheim doch noch gehofft hatte, dass diese Partei noch für ihre traditionellen Werte der "Arbeiterpolitik" einsteht und dieses bitter enttäuscht wurde. Bei CDU und FDP wusste man immer schon, woran man war.
Wo sind denn die Ansätze aus den 70ern und frühen 80ern zur besseren Aufteilung der Arbeit mittels 35-Stunden-Woche und Ähnlichem? Damals hat man sich wenigstens noch Gedanken wegen der 'technologischen Arbeitslosigkeit' gemacht, die uns nun in diese Situation gebracht hat. Anstatt dessen wird neoliberales Neusprech auch bei den Sozialdemokraten hoffähig, man besinnt sich auf christliche Werte und begibt sich (siehe Sarrazin) auf Bildzeitungsniveau, um die Rechten rechts zu überholen.
Glaubst du wirklich, dass unter einer großen Koalition alles besser würde?
Vielleicht bringt uns Schwarz-Gelb damit, wozu eine CDU/SPD-Regierung noch etwas länger gebraucht hätte, schneller in eine Situation, in der selbst der lethargischste politikverdrossene Nichtwähler merkt, dass es für jeden extrem wichtig ist, sich mit der Tagespolitik auseinander zu setzen und sich eigene Gedanken zu machen.
'Hartz-4' ist eine SPD-Errungenschaft, und glaube mir, es ist kein Vergnügen mit Menschen, die davon betroffen sind, so wie ich beruflich zu tun zu haben. Ich kann sehr wohl nachvollziehen, dass man, wenn man einmal verstanden hat, unter wessen Führung dieses Konstrukt zu Stande gekommen ist, nicht mehr unbedingt in der Laune ist, diese Partei zu wählen - und auch keine Alternative sieht.
Die SPD ist - zumindest dort, wo ich lebe - eine Partei, deren Mitglieder entweder aus Arbeitertradition noch zu ihr stehen, oder von genau jenen Wirtschaftsgläubigen unterwandert ist, die die Bibel nach Friedmann nachbeten, und auch alle anderen etablierten Parteien beherrschen. Ideen, wie man den (ehemals existierenden) Sozialstaat zurückbekommen und Arbeitnehmerrechte stärken kann gibt es in der 'modernen' SPD nicht mehr.
s. Forts.

Paul Haber hat gesagt…

...Fortsetzung

Nun zu den unter-25-jährigen ArGe-Verweigerern: ich hatte lange mit 'solchen' zu tun. Wenn man einmal eingesehen hat, dass man mit (oder ohne) Hauptschulabschluss eigentlich nur noch sehr wenig vom Leben in der Gesellschaft zu erwarten hat (wozu mehr Intelligenz gehört, als man 'denen' zutraut), ist es einem sch***egal, was man macht. Es wird höchstwahrscheinlich zu nichts führen. Die Leute sind frustriert. Blöderweise haben sie recht. Wie Herr oder Frau Anonym schon sagte: 5 Mio. Suchende und 300.000 freie Stellen - freie Auswahl. Das Verhältnis bei Lehrstellen sieht noch übler aus. Und bei den Leuten mit oder ohne Hauptschulabschluss, von denen ich aus persönlicher Erfahrung reden kann - ich weiß: nicht repräsentativ - , liegt es meist nicht an deren mangelnder Motivation oder Fähigkeit, sondern an anderen Umständen (Stichwort: Einsparungen im Bildungswesen/ in der Jugendarbeit/ in der Familienbetreuung etc.), dass nicht mehr daraus geworden ist. Wieso schafft es unsere aufgeklärte Gesellschaft nicht, solchen jungen Menschen eine Perspektive zu bieten? Stattdessen wird mit Repression versucht, sie trotz mangelnder Zukunftsaussichten gefügig zu machen und ihren Willen zu brechen. Machen wir uns doch nichts vor: es gibt keine Ausbildung und ganz bestimmt keinen (regulär bezahlten) Arbeitsplatz für sie. Alle Maßnahmen, die ergriffen werden, dienen einzig und allein dazu, zu verhindern, dass sie auf 'dumme' Gedanken kommen. Mit der unantastbaren Menschenwürde hat das wenig zu tun.

Nur mal so als Denkanstoß...

Anonym hat gesagt…

Sorry, Tammox, aber was diesen Artikel angeht bin ich eindeutig NICHT Deiner Meinung.

Schon nach der Aufzählung der Punkte 1-8 des sog. "Konsenses" habe ich das Weiterlesen gelassen.

Du manifestierst massive Vorurteile. Egal was dann sonst noch kommen mag (auf die anderen Punkte gehst Du erst gar nicht im Detail ein), das ist definitiv unter Deinem Niveau.

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

@all

Danke für die Kommentare.

Mir fällt es sehr sehr schwer beim Beantworten einen roten Faden zu behalten, weil so viele Aspekte da hinein spielen.

Ich habe es stattdessen noch einmal in einem neuen Posting erläutert:

http://tammox.blogspot.com/2009/10/wider-die-blogosphare-teil-2.html

Da geht es auch ein bißchen Kraut- und Rübig zu - sorry dafür, aber ich habe im Moment nicht soviel Zeit wie ich möchte.


@Nordstern -
natürlich brauchst und sollst Du nicht mit mir einer Meinung zu sein.

Allerdings finde ich es schon sehr bedenklich jemanden grundsätzlich das Niveau abzusprechen, wenn Du gleichzeitig erklärst gar nicht erst gelesen zu haben, worum es ging.
Das finde ich, nun ja, undemokratisch und unerwachsen.

Keiner muß meinen Blog lesen und keiner muß mir zustimmen, aber zu verdammen, ohne es gelesen zu haben, dagegen möchte ich mich schon protestieren!

LG

Tammox

Frank Benedikt hat gesagt…

Werter Tammox,

ich finde es bedauerlich, daß Du nicht einfach nachgefragt, bevor Du ausgeteilt hast. Die "Blogtivisten" (bzw. deren erstes "Aktionskommitee") existieren ja erst seit letzter Woche, die zwei Aktionen, die bisher gestartet wurden, sind völlig spontan entstanden, und wir werden uns noch vieler Themen annehmen, natürlich auch einiger, die Dir auf den Nägeln brennen.
Über den Namen magst Du Dich auch gerne lustig machen, aber wie würdest Du Blogger, die ihre soziale Verantwortung erkannt haben und aktiv werden, sonst benennen? "Sozialaktive Blogger"? "Besorgte Bürger"?

Sorry, aber es ist leicht, zu kritisieren, und so hart, wirklich was auf die Beine zu stellen! Wenn Du da lieber mitarbeiten würdest - statt nur zu maulen - könnten wir als eines der nächsten Probleme auch gemeinsam die Pflegemisere angehen. Und ja - ich kenne mich da neuerdings ganz gut aus, da ich selbst betroffen bin und auch Fussek seit Jahr und Tag zu schätzen weiß.

Vorurteile zahlen sich nicht immer aus ;-)

Beste Grüße
Frank, für "Blogtivisten.de" (denn es ist KEINE Marke!)

TAMMOX hat gesagt…

Werter Frank - ich bin jetzt ehrlich gesagt etwas irritiert.
Du sagst, daß Ihr erst so kurz aktiv seid und machst Euch so klein.
So sieht aber Eure Unterstützerliste nun gar nicht aus - die ist doch höchst beeindruckend und beinhaltet so einige Namen aus dem „Who is who“ der Blogs, die man oben in den Platzierungen der Blog-Charts findet.
Dagegen habe ich ja nun wirklich GAR NICHTS zu melden.
Ich habe ungefähr so viele Leser am Tag, wie der Spiegelfechter (der Eure Aktion ja massiv unterstützt) in der Minute.

Das mit der Ironie klappt bekanntlich nicht in geschriebener Form - offenbar ist nicht klar geworden, daß es NATÜRLICH EIN WITZ WAR Euch wegen des Namens abzulehnen.

Desweiteren habe ich Euch genannt und verlinkt - dazu bin ich auch massiv gedrängt worden - das ist doch auch eine Form der Unterstützung.

Was aber das konkrete Anliegen betrifft, so habe ich nun einmal in diesem Punkt eine andere Meinung: Ich finde es richtig, daß diese Sanktionen ausgesprochen werden, wie ich unter:

http://tammox.blogspot.com/2009/10/wider-die-blogosphare-teil-2.html

noch einmal ausgeführt habe.

Im Übrigen hänge ich mein soziales Engagement nicht an die große Glocke - das bedeutet aber keineswegs, daß ich „nur maule“. Ganz im Gegenteil.

Vielleicht haben wir uns auf dem falschen Fuß erwischt - ich wollte gar nicht so aggressiv rüberkommen.
Es ist nur so, daß nach meiner Ansicht Eure Aktion diejenigen unterstützt, die es eigentlich am wenigsten nötig haben - mal wieder.

Deswegen möchte ich nicht ausgerechnet auf meinem Blog so ein Banner haben - wobei wie gesagt mein Blog ohnehin so gut wie irrelevant ist (von der Klickzahl her betrachtet) in Relation zu den Unterstützern, die Ihr ja habt und die ich Euch auch gönne.

Beste Grüße
Tammox

Frank Benedikt hat gesagt…

Lieber Tammox,

wo fange ich jetzt an (zumal das hier mit dem Kommentieren recht schwierig ist, da man nicht stets den Text/die Texte, den/die man kommentieren möchte, vor Augen hat)?

Noch aus deinem OT: Warum Du nicht "gefragt" wurdest? Uns hat auch keiner gefragt, sondern wir sind spontan in die Rolle der ersten "Blogtivisten" reingerutscht. Nun lach einfach mal ;-) Wir haben inzwischen auch gelernt, daß bereits andere vor uns da waren, sich aber nicht so bezeichneten; egal - wir arbeiten jetzt zusammen. Wir konnten Dich da nicht fragen, da es "uns" einfach noch nicht gab, sondern wir eben spontan einander gefunden haben. Es haben sich einige Leute solidarisch erklärt (nur hinsichtlich der jeweiligen Aktion) und wir sind in's Gespräch gekommen. Das stand und steht doch auch Dir frei, statt Dich anscheinend wegen "Geringwertigkeit" exkludiert zu fühlen.

Selbstverständlich bist auch Du ein "Blogtivist", denn Du engagierst Dich im Interesse Deiner Mitmenschen und bedarfst dabei keiner Parteizugehörigkeit. Dem Begriff wirst auch Du nicht mehr entkommen :-P

Was Hartz IV angeht - da werden wir uns wohl hoffentlich mal darüber unterhalten, denn ich kenne genügend Betroffene und bin auch selbst noch weitere zwei bis drei Monate betroffen. Du könntest Dich auch bei Kolleginnen/Kollegen schlau machen ...

Für sich, und für "Blogtivisten.de"
Frank

TAMMOX hat gesagt…

So, jetzt habe ich den Faden verloren….

Ich denke, daß ich bei jeder Gelegenheit gesagt habe, daß man von „Hartz IV Betroffene“ nicht über einen Kamm scheren kann.
Der Kollektivsingular funktioniert nicht.

Dazu habe ich selbst oft genug Beispiele genannt und zitiere zum Beispiel immer wieder die Buschkowsky-Aussage, der das auch genau auseiander fummelt.

http://tammox.blogspot.com/2009/09/hartz-iv.html

Daraus wird ja eindeutig klar, daß es einigen mit Hartz IV ganz scheiße geht.

Ich finde nur die Fixierung auf den Begriff irgendwie zu einfach und habe auch bis heute von niemand erklärt bekommen, was denn die Alternative sein soll, wenn man Hartz IV abschafft.

Die sozialen Probleme in Deutschland sind ja nun wahrlich gewaltig und werden nicht verschwinden, wenn man ein bißchen an der Nomenklatur schraubt und ein paar Regelsätze rauf und runter schiebt:

Das eigentliche Problem in Deutschland, daß sich mehr und mehr Menschen total vom Leben entkoppelt sind und auch keinerlei Chance mehr haben ihrer Misere zu entkommen, wird nicht so leicht behoben. Dafür bedürfte es viel tiefgreifender Änderungen. Und zwar angefangen mit dem Bildungs - und Betreuungssystem.

Das ist aber nicht nur nicht in Sicht, sondern unwahrscheinlicher denn je durch die neue Bundesregierung.
Dass diese Bundesregierung da ist, haben wir vor allem den Armen zu verdanken - da die nämlich nicht gewählt haben und so schwarz/gelb mit absolut gesehen weniger Stimmen eine dicke Mehrheit im Parlament beschert haben.

http://tammox.blogspot.com/2009/10/die-soziale-frage.html

Nun lass mich wenigstens deswegen auch mal eine Zeitlang sauer auf die Hartz-IV-Empfänger sein.

Ach ja - und da Du es schon erwähnst: Ich finde noch jede Menge anderer Ausdrücke zum kacken: Blogosphäre, Netizens, Generation Golf, etc pp.

Wer hat eigentlich das Wort BLOG erfunden? Und dann auch noch mit sächlichem Artikel? Das schmeckt mir auch schon mal GAR NICHT….

Aber mich fragt eben wirklich niemand vorher……

;)
Tammox