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Donnerstag, 10. November 2011
Bischöfliche Werte.
Die bizarre Margot, ehemalige Chefbischöfin der Evangelen in Deutschland liebte das Rampenlicht so sehr, daß sie einen Exklusivvertrag mit dem rechten Einpeitscherblatt BILD abschloß.
Eine echte Symbiose. Da hatten sich zwei gefunden.
Auf der einen Seite die Agitatoren, die Journalismus mit Kampagnen verwechselten, die mal PRO Sarrazin und Guttenberg oder CONTRA („Ihr griecht nix von uns!“) austeilten.
Auf der anderen Seite die Bischöfin, die sich mangels eigener Substanz zu jedem Lautverstärker ins Bett legt und diesem die Aura des Gutmenschentums überstreift.
Margot Käßmann wurde zur Marke, die sich am enthirnten BILD-Publikum eine goldene Nase verdienen konnte.
Dutzende völlig inhaltsfreie Bücher, hat Europas bekannteste Bischöfin auf den Markt geworfen. Keine Bestsellerliste, auf der sich nicht einige der verstandesantagonistischen Titel Käßmanns finden.
Auf gutem Grund. Standpunkte und Predigten. 2002, Erziehen als Herausforderung. 2002, Was können wir hoffen – was können wir tun? Antworten und Orientierung. 2003 Kirche in gesellschaftlichen Konflikten. Kirchenleitende Predigten. 2003, Gut zu leben. Gedanken für jeden Tag. 2004, Gesät ist die Hoffnung. 14 Begegnungen auf dem Kreuzweg Jesu. 2007, Mehr als fromme Wünsche. Was mich bewegt. 2007, Mit Herzen, Mund und Händen. Spiritualität im Alltag leben. 2007 Mütter der Bibel. 20 Porträts für unsere Zeit. 2008, In der Mitte des Lebens. 2009, Meine Füße auf weitem Raum. 2009, Was ich dir mitgeben möchte. Orientierungspunkte auf dem Weg. 2009, Wie ist es so im Himmel? Kinder fragen nach Gott und der Welt. 2009, Einfach Evangelisch Band 3. Das große Du: Das Vaterunser, 2010 Fantasie für den Frieden oder: Selig sind, die Frieden stiften. 2010 Zur Geborgenheit finden. Antworten auf Fragen des Lebens. 2010, Vergesst die Gastfreundschaft nicht! 2011, Kirche in Bewegung. 50 Jahre Deutscher Evangelischer Kirchentag.1999,Gewalt überwinden. Eine Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen. 2000, Ökumene am Scheideweg. 2003, In der Welt habt ihr Angst. Hannover 2004, Wenn eure Kinder morgen fragen. Zur Zukunft der evangelischen Kirche. 2005, Wurzeln, die uns Flügel schenken. Glaubensreisen zwischen Himmel und Erde. 2005, Ökumene bewegt. Die Kirchen auf dem Weg zueinander 2006, Mit Leib und Seele auf dem Weg. Handbuch des Pilgerns in der hannoverschen Landeskirche. 2007, In Gottes Hand gehalten. Frauengebete. 2011
Käßmanns Tantiemen dürften astronomische Höhen erreicht haben.
Leider konnte ich nicht recherchieren welche Drogen man einnehmen muß, um sich diese Titel einfallen zu lassen.
Das Auffüllen des Platzes zwischen den Buchdeckeln, ist dagegen einfach - die immer gleiche Soße aus Gutmenschenstichworten wird einfach immer wieder in den Miefquirl gehalten und erneut gedruckt.
Der arme Denis Scheck, der all die Käßmann-Bücher tatsächlich gelesen hat, fand angemessene Worte.
Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"
Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.
Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.
Bis heute hadere ich sehr mit dem Begriff „Gutmenschentum“.
Einerseits läßt sich dieses Zeitgeistwort nur diffus definieren, andererseits ist es zu einem der Lieblings-Totschlagargumente der ultrarechten und islamophoben Pest von PI und Co avanciert.
Schon deswegen möchte ich instinktiv eine Lanze für die Gutmenschen brechen.
Was soll auch schlecht daran sein, fair gehandelten Kaffee zu kaufen, Bananen aus ökologischem Anbau zu essen und Jutesäcke statt Plastiktüten zu verwenden?
Aber Gutmenschentum wird durch die schwere Heuchelei der Gutmenschen diskreditiert.
Da macht Käßmann ein großes Bohei mit dem geflügelten Satz „Nichts ist gut in Afghanistan“, sitzt aber gleichzeitig mit den mächtigsten Unterstützern des Afghanistankrieg-Befürworters Guttenberg, nämlich der BILD-Zeitung in einem Boot und läßt sich von Springer bezahlen.
Afghanistan ist ein kompliziertes Thema.
Nach zehn Jahren sind tatsächlich jede Menge Abhängigkeiten von den Besatzungstruppen entstanden.
Für Mädchen in Schulen, für arbeitende Frauen oder Musiker wäre es womöglich ein Todesurteil, wenn plötzlich alle NATO-Leute abzögen und die Taliban wieder ans Ruder kämen.
Es gibt jetzt, NACH der grandiosen Fehlentscheidung dort überhaupt einzumarschieren, nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Ich habe einiges Verständnis für den Ärger der Konservativen über Käßmanns Simple-Satz.
Sie macht sich dadurch beliebt - hilft aber niemanden.
Für Bundeswehrgeneral a. D. Klaus Naumann war ihr Satz „Nichts ist gut in Afghanistan“ ein „hochmütiges, ... in jeder Hinsicht falsches Pauschalurteil“, das den für das Retten bedrohter Menschen verantwortlichen Soldaten die tröstliche Vergebungshoffnung entzogen, ihr Tun als verfehlt und ihre Opfer als vergeblich bezeichnet habe. Zwei in Afghanistan stationierte Militärdekane warfen ihr öffentlich vor, sie habe deutsche Soldaten beleidigt, ihnen die Solidarität aufgekündigt und moralischen Rückhalt entzogen. Sie polarisiere auf ihre Kosten zwischen militärischen und zivilen Optionen. Ihre Mahnung zu mehr Fantasie sei realitätsfern, da sie keine praktikablen Alternativen aufgezeigt habe. Der Militäreinsatz müsse verstärkt werden, um die afghanische Bevölkerung vor getarnten Selbstmordattentätern zu schützen. Reinhold Robbe (SPD), Bundeswehrbeauftragter des Bundestages, warf Käßmann Naivität und „populistische Fundamentalkritik“ vor. In den meisten Regionen Afghanistans gebe es keine kriegsähnlichen Zustände. Die EKD erlaube Militärinterventionen mit humanitären Zielen als äußerstes Mittel. Er hätte sich Dank für zivile und militärische Aufbauleistungen gewünscht. Hans-Ulrich Klose (SPD) warf ihr vor, gegen die Bundestagsmehrheit die Position der Linkspartei zu vertreten. Für die Soldaten dürfe „nicht der Eindruck entstehen, dass sie keine Christen seien, weil sie unter Umständen töten müssten“.
(Wiki)
Da hält Käßmann auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 1.10.03 die Eröffnungsrede mit hübschen Sätzen wie:
Kurs nehmen, unser Land nachhaltig verändern und dabei die Frage nach weltweiter Verantwortung stellen, darum geht es. Sie werden vielleicht denken: Verantwortung klingt nach Appell, Erziehung, Gutmenschentum oder auch: typisch Kirchenfrau.
[…] Ich meine, wir brauchen eine neue Praxis von Verantwortung und neue Ideen, wie denn Veränderung möglich, gestaltet und akzeptabel werden kann. Dabei ist die Idee der Nachhaltigkeit unverzichtbar, weil sie Orientierung und Übersicht gibt. […] Verantwortung für Nachhaltigkeit ist vor allem die Übernahme von Verantwortung, die über den eigenen unmittelbaren Bereich hinausgeht. Das gilt für jeden und jede einzeln genauso 5 wie für große Unternehmen, die das dann Corporate Social Responsibility nennen mögen. Der Großteil der Menschen ist m.E. durchaus bereit, Verantwortung für Zukunft und Nachhaltigkeit zu übernehmen – aber sie können das Wort „Reform“ nicht mehr hören. Es ist zerrieben und zerredet in der alltäglichen politischen Praxis. Der Grundstoff für Verantwortung ist Vertrauen. Die Frage ist berechtigt: Ist genug Vertrauen vorhanden in die Politik beim Bund und Ländern, in das Agieren der Wirtschafts- und Lobbyverbände, in die Wahrhaftigkeit von Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit? Und wie kann verloren gegangenes Vertrauen neu gewonnen werden?
(Nachhaltigkeitsrat)
Acht Jahre später wissen wir schon mal eins sicher:
Der größte Konzern Deutschlands (gemessen an den über eine Million Beschäftigten) kümmert sich immer noch einen Dreck um Nachhaltigkeit. Um Lebensmittel aus fairem Handel oder Ökoanbau macht man einen großen Bogen.
Ach ja, dieser Konzern ist übrigens Käßmanns evangelische Kirche.
Der Einkauf von Lebensmitteln aus ökologischem Anbau oder Fairem Handel ist für die evangelischen Kirchen noch immer ein Randthema. Nach einer Studie von „Brot für die Welt“ und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) werden kaum zehn Prozent der jährlichen Beschaffungssumme in Kirchen und Diakonie für diese Produkte ausgegeben. Trotz gegenteiliger Beschlüsse setzen kirchliche Einrichtungen ihre Marktmacht bislang kaum zugunsten ökologischer und fairer Nahrungsmittelproduktion ein. „Der Ruf der Kirchen nach einer gerechten Wirtschaftsweise und einem nachhaltigen Lebensstil richtet sich nicht nur an andere, sondern zunächst an sie selbst“, so Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin „Brot für die Welt“. „Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit und des klugen Einsatzes der eigenen Marktmacht.“
(eed.de, Stuttgart/ Bonn, 08.11.2011)
Oder Arbeitnehmerrechte.
In einer DGB-Kampagne für die Wahl der Betriebsräte gab auch Margot, die Gute werbewirksam ihr arbeitnehmerfreundliches Statement ab.
Es ist nicht das Geld, und es sind nicht die Maschinen, die unsere Arbeitswelt menschlich bleiben lassen: Es sind die Menschen in den Betrieben. Sie sorgen dafür, dass die Wirtschaft im Dienste der Menschen steht und nicht der Mensch im Dienst der Wirtschaft. Für diese Ziele setzen sich Betriebsräte ein und lassen nicht zu, dass Arbeitsplätze wegfallen, um an anderer Stelle Gewinn zu machen. Sie sind dicht bei den Sorgen und Nöten der Menschen. Es gab viele Enttäuschungen in letzter Zeit. Aber es ist wichtig, die demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten in den Betrieben zu erhalten. Deswegen: Gehen Sie wählen! Setzen Sie ein Zeichen gegen Ellenbogenmentalität und Misstrauen.
(brw.dgb.de/betriebsrat/prominente.htm)
Käßmanns Kampf gegen „Ellenbogenmentalität und Misstrauen“ hat allerdings enge Grenzen.
Den kirchlichen Mitarbeitern, die nach dem Motto „Juden unerwünscht“ eingestellt werden, verweigert die Bischöfin Arbeitnehmerrechte.
Selbst essen macht fett.
Laut Grundgesetz dürfen Kirchen in Deutschland 'innere Angelegenheiten' selbst ordnen, inklusive Teile des Arbeitsrechts - die Kirchen verhindern so in ihren Zehntausenden Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindergärten und sonstigen sozialen Einrichtungen Dinge, die in der Arbeitswelt selbstverständlich sind: Tarifverträge, Streiks, Betriebsräte.
[…] Gegen das Kirchenarbeitsrecht regt sich nie dagewesener Widerstand. Hinter den Protesten steht eine groß angelegte Kampagne der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Deren Chef Frank Bsirske nennt das kirchliche Arbeitsrecht einen 'Verfassungsbruch'.
[…] Der Protest wird auch die Synode erreichen, die Tagung des evangelischen Kirchenparlaments. […] Auf der Synode soll ein neues Kirchengesetz erlassen werden, das die Praxis des Streikverbots in Gesetzesform gießen soll. Für den Bremer Arbeitsrechtler Bernhard Baumann-Czichon, der das Kirchenarbeitsrecht seit Jahren kritisiert, ein Irrweg: Über die Grundrechte bestimme immer noch der Staat, ein solches Verbot liege nicht im Kompetenzbereich der Kirche. 'Das ist ein alberner Versuch, ganz so, als ob der ADAC für seine Mitglieder die Aufhebung aller Tempolimits beschließt', so der Anwalt. 'Wir halten es für falsch, Grundrechte per Kirchengesetz auszuschließen', sagt Reinhard Haas, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gesamtmitarbeitervertretungen der EKD.
(Süddeutsche Zeitung, 02. November 2011)
Auch hinter den Kulissen schämten sich einige des Synodalen ein wenig für ihre Heuchelei und das Auspressen der Mitarbeiter durch Konzern-eigene Leiharbeitsfirmen.
Wie viel Leiharbeit es genau in der Kirche gibt und wie weit unter den normalen Tarifen kirchliche Krankenschwestern und Altenpfleger verdienen, geben die Kirchenchefs aber nicht preis. Transparenz bei den Finanzen gibt es nicht.
Zweifel am Dritten Weg.
Am Montagabend aber, als die Synode in einer ersten Runde über das Gesetz diskutiert, wird überraschend viel Grundsatzkritik laut. Kerstin Griese, die SPD-Bundestagsabgeordnete, wünscht, dass das Streikverbot aus dem Gesetzentwurf gestrichen wird. Der Hamburger Probst Horst Gorski springt ihr zur Seite: Wie kann die evangelische Kirche eine 'Kirche der Freiheit' sein, wenn sie ihren Arbeitnehmern verbietet, mit Hilfe der Gewerkschaft Tarife auszuhandeln? Edeltraud Glänzer, Mitglied im Rat der EKD und im Hauptvorstand der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, spricht sich für Flächentarife im Sozialbereich aus, um faire Löhne zu sichern.
(SZ, 09. November 2011)
Inzwischen ist die Sache entscheiden.
Käßmanns Kirche entschied sich gestern - GEGEN ARBEITNEHMERRECHTE:
EKD POCHT AUF STREIKVERBOT
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält am besonderen kirchlichen Arbeitsrecht fest, bei dem die Arbeitnehmer nicht streiken und die Arbeitgeber nicht aussperren dürfen.
[…] Sie forderte 'ernsthafte Konsequenzen' für 'Missstände wie Outsourcing mit Lohnsenkungen, ersetzende Leiharbeit und nicht hinnehmbare Niedriglöhne'. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte den Synodenbeschluss scharf. 'Die Festschreibung des Streikverbots im Kirchengesetz ist skandalös', sagte Verdi-Chef Frank Bsirske dem Evangelischen Pressedienst. Die EKD regiere als Staat im Staate und verweigere Hunderttausenden Mitarbeitern ein elementares Grundrecht.
(Matthias Drobinski 10.11.11)
Gutmenschentum à la Bischof - sich stets für die Armen und zu kurz gekommenen in Sonntagsreden einzusetzen, aber in der Praxis genau das Gegenteil tun - ist tatsächlich ätzend.
Eine echte Symbiose. Da hatten sich zwei gefunden.
Auf der einen Seite die Agitatoren, die Journalismus mit Kampagnen verwechselten, die mal PRO Sarrazin und Guttenberg oder CONTRA („Ihr griecht nix von uns!“) austeilten.
Auf der anderen Seite die Bischöfin, die sich mangels eigener Substanz zu jedem Lautverstärker ins Bett legt und diesem die Aura des Gutmenschentums überstreift.
Margot Käßmann wurde zur Marke, die sich am enthirnten BILD-Publikum eine goldene Nase verdienen konnte.
Dutzende völlig inhaltsfreie Bücher, hat Europas bekannteste Bischöfin auf den Markt geworfen. Keine Bestsellerliste, auf der sich nicht einige der verstandesantagonistischen Titel Käßmanns finden.
Auf gutem Grund. Standpunkte und Predigten. 2002, Erziehen als Herausforderung. 2002, Was können wir hoffen – was können wir tun? Antworten und Orientierung. 2003 Kirche in gesellschaftlichen Konflikten. Kirchenleitende Predigten. 2003, Gut zu leben. Gedanken für jeden Tag. 2004, Gesät ist die Hoffnung. 14 Begegnungen auf dem Kreuzweg Jesu. 2007, Mehr als fromme Wünsche. Was mich bewegt. 2007, Mit Herzen, Mund und Händen. Spiritualität im Alltag leben. 2007 Mütter der Bibel. 20 Porträts für unsere Zeit. 2008, In der Mitte des Lebens. 2009, Meine Füße auf weitem Raum. 2009, Was ich dir mitgeben möchte. Orientierungspunkte auf dem Weg. 2009, Wie ist es so im Himmel? Kinder fragen nach Gott und der Welt. 2009, Einfach Evangelisch Band 3. Das große Du: Das Vaterunser, 2010 Fantasie für den Frieden oder: Selig sind, die Frieden stiften. 2010 Zur Geborgenheit finden. Antworten auf Fragen des Lebens. 2010, Vergesst die Gastfreundschaft nicht! 2011, Kirche in Bewegung. 50 Jahre Deutscher Evangelischer Kirchentag.1999,Gewalt überwinden. Eine Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen. 2000, Ökumene am Scheideweg. 2003, In der Welt habt ihr Angst. Hannover 2004, Wenn eure Kinder morgen fragen. Zur Zukunft der evangelischen Kirche. 2005, Wurzeln, die uns Flügel schenken. Glaubensreisen zwischen Himmel und Erde. 2005, Ökumene bewegt. Die Kirchen auf dem Weg zueinander 2006, Mit Leib und Seele auf dem Weg. Handbuch des Pilgerns in der hannoverschen Landeskirche. 2007, In Gottes Hand gehalten. Frauengebete. 2011
Käßmanns Tantiemen dürften astronomische Höhen erreicht haben.
Leider konnte ich nicht recherchieren welche Drogen man einnehmen muß, um sich diese Titel einfallen zu lassen.
Das Auffüllen des Platzes zwischen den Buchdeckeln, ist dagegen einfach - die immer gleiche Soße aus Gutmenschenstichworten wird einfach immer wieder in den Miefquirl gehalten und erneut gedruckt.
Der arme Denis Scheck, der all die Käßmann-Bücher tatsächlich gelesen hat, fand angemessene Worte.
Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"
Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.
Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.
Bis heute hadere ich sehr mit dem Begriff „Gutmenschentum“.
Einerseits läßt sich dieses Zeitgeistwort nur diffus definieren, andererseits ist es zu einem der Lieblings-Totschlagargumente der ultrarechten und islamophoben Pest von PI und Co avanciert.
Schon deswegen möchte ich instinktiv eine Lanze für die Gutmenschen brechen.
Was soll auch schlecht daran sein, fair gehandelten Kaffee zu kaufen, Bananen aus ökologischem Anbau zu essen und Jutesäcke statt Plastiktüten zu verwenden?
Aber Gutmenschentum wird durch die schwere Heuchelei der Gutmenschen diskreditiert.
Da macht Käßmann ein großes Bohei mit dem geflügelten Satz „Nichts ist gut in Afghanistan“, sitzt aber gleichzeitig mit den mächtigsten Unterstützern des Afghanistankrieg-Befürworters Guttenberg, nämlich der BILD-Zeitung in einem Boot und läßt sich von Springer bezahlen.
Afghanistan ist ein kompliziertes Thema.
Nach zehn Jahren sind tatsächlich jede Menge Abhängigkeiten von den Besatzungstruppen entstanden.
Für Mädchen in Schulen, für arbeitende Frauen oder Musiker wäre es womöglich ein Todesurteil, wenn plötzlich alle NATO-Leute abzögen und die Taliban wieder ans Ruder kämen.
Es gibt jetzt, NACH der grandiosen Fehlentscheidung dort überhaupt einzumarschieren, nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Ich habe einiges Verständnis für den Ärger der Konservativen über Käßmanns Simple-Satz.
Sie macht sich dadurch beliebt - hilft aber niemanden.
Für Bundeswehrgeneral a. D. Klaus Naumann war ihr Satz „Nichts ist gut in Afghanistan“ ein „hochmütiges, ... in jeder Hinsicht falsches Pauschalurteil“, das den für das Retten bedrohter Menschen verantwortlichen Soldaten die tröstliche Vergebungshoffnung entzogen, ihr Tun als verfehlt und ihre Opfer als vergeblich bezeichnet habe. Zwei in Afghanistan stationierte Militärdekane warfen ihr öffentlich vor, sie habe deutsche Soldaten beleidigt, ihnen die Solidarität aufgekündigt und moralischen Rückhalt entzogen. Sie polarisiere auf ihre Kosten zwischen militärischen und zivilen Optionen. Ihre Mahnung zu mehr Fantasie sei realitätsfern, da sie keine praktikablen Alternativen aufgezeigt habe. Der Militäreinsatz müsse verstärkt werden, um die afghanische Bevölkerung vor getarnten Selbstmordattentätern zu schützen. Reinhold Robbe (SPD), Bundeswehrbeauftragter des Bundestages, warf Käßmann Naivität und „populistische Fundamentalkritik“ vor. In den meisten Regionen Afghanistans gebe es keine kriegsähnlichen Zustände. Die EKD erlaube Militärinterventionen mit humanitären Zielen als äußerstes Mittel. Er hätte sich Dank für zivile und militärische Aufbauleistungen gewünscht. Hans-Ulrich Klose (SPD) warf ihr vor, gegen die Bundestagsmehrheit die Position der Linkspartei zu vertreten. Für die Soldaten dürfe „nicht der Eindruck entstehen, dass sie keine Christen seien, weil sie unter Umständen töten müssten“.
(Wiki)
Da hält Käßmann auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 1.10.03 die Eröffnungsrede mit hübschen Sätzen wie:
Kurs nehmen, unser Land nachhaltig verändern und dabei die Frage nach weltweiter Verantwortung stellen, darum geht es. Sie werden vielleicht denken: Verantwortung klingt nach Appell, Erziehung, Gutmenschentum oder auch: typisch Kirchenfrau.
[…] Ich meine, wir brauchen eine neue Praxis von Verantwortung und neue Ideen, wie denn Veränderung möglich, gestaltet und akzeptabel werden kann. Dabei ist die Idee der Nachhaltigkeit unverzichtbar, weil sie Orientierung und Übersicht gibt. […] Verantwortung für Nachhaltigkeit ist vor allem die Übernahme von Verantwortung, die über den eigenen unmittelbaren Bereich hinausgeht. Das gilt für jeden und jede einzeln genauso 5 wie für große Unternehmen, die das dann Corporate Social Responsibility nennen mögen. Der Großteil der Menschen ist m.E. durchaus bereit, Verantwortung für Zukunft und Nachhaltigkeit zu übernehmen – aber sie können das Wort „Reform“ nicht mehr hören. Es ist zerrieben und zerredet in der alltäglichen politischen Praxis. Der Grundstoff für Verantwortung ist Vertrauen. Die Frage ist berechtigt: Ist genug Vertrauen vorhanden in die Politik beim Bund und Ländern, in das Agieren der Wirtschafts- und Lobbyverbände, in die Wahrhaftigkeit von Bekenntnissen zu Nachhaltigkeit? Und wie kann verloren gegangenes Vertrauen neu gewonnen werden?
(Nachhaltigkeitsrat)
Acht Jahre später wissen wir schon mal eins sicher:
Der größte Konzern Deutschlands (gemessen an den über eine Million Beschäftigten) kümmert sich immer noch einen Dreck um Nachhaltigkeit. Um Lebensmittel aus fairem Handel oder Ökoanbau macht man einen großen Bogen.
Ach ja, dieser Konzern ist übrigens Käßmanns evangelische Kirche.
Der Einkauf von Lebensmitteln aus ökologischem Anbau oder Fairem Handel ist für die evangelischen Kirchen noch immer ein Randthema. Nach einer Studie von „Brot für die Welt“ und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) werden kaum zehn Prozent der jährlichen Beschaffungssumme in Kirchen und Diakonie für diese Produkte ausgegeben. Trotz gegenteiliger Beschlüsse setzen kirchliche Einrichtungen ihre Marktmacht bislang kaum zugunsten ökologischer und fairer Nahrungsmittelproduktion ein. „Der Ruf der Kirchen nach einer gerechten Wirtschaftsweise und einem nachhaltigen Lebensstil richtet sich nicht nur an andere, sondern zunächst an sie selbst“, so Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin „Brot für die Welt“. „Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit und des klugen Einsatzes der eigenen Marktmacht.“
(eed.de, Stuttgart/ Bonn, 08.11.2011)
Oder Arbeitnehmerrechte.
In einer DGB-Kampagne für die Wahl der Betriebsräte gab auch Margot, die Gute werbewirksam ihr arbeitnehmerfreundliches Statement ab.
Es ist nicht das Geld, und es sind nicht die Maschinen, die unsere Arbeitswelt menschlich bleiben lassen: Es sind die Menschen in den Betrieben. Sie sorgen dafür, dass die Wirtschaft im Dienste der Menschen steht und nicht der Mensch im Dienst der Wirtschaft. Für diese Ziele setzen sich Betriebsräte ein und lassen nicht zu, dass Arbeitsplätze wegfallen, um an anderer Stelle Gewinn zu machen. Sie sind dicht bei den Sorgen und Nöten der Menschen. Es gab viele Enttäuschungen in letzter Zeit. Aber es ist wichtig, die demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten in den Betrieben zu erhalten. Deswegen: Gehen Sie wählen! Setzen Sie ein Zeichen gegen Ellenbogenmentalität und Misstrauen.
(brw.dgb.de/betriebsrat/prominente.htm)
Käßmanns Kampf gegen „Ellenbogenmentalität und Misstrauen“ hat allerdings enge Grenzen.
Den kirchlichen Mitarbeitern, die nach dem Motto „Juden unerwünscht“ eingestellt werden, verweigert die Bischöfin Arbeitnehmerrechte.
Selbst essen macht fett.
Laut Grundgesetz dürfen Kirchen in Deutschland 'innere Angelegenheiten' selbst ordnen, inklusive Teile des Arbeitsrechts - die Kirchen verhindern so in ihren Zehntausenden Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindergärten und sonstigen sozialen Einrichtungen Dinge, die in der Arbeitswelt selbstverständlich sind: Tarifverträge, Streiks, Betriebsräte.
[…] Gegen das Kirchenarbeitsrecht regt sich nie dagewesener Widerstand. Hinter den Protesten steht eine groß angelegte Kampagne der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Deren Chef Frank Bsirske nennt das kirchliche Arbeitsrecht einen 'Verfassungsbruch'.
[…] Der Protest wird auch die Synode erreichen, die Tagung des evangelischen Kirchenparlaments. […] Auf der Synode soll ein neues Kirchengesetz erlassen werden, das die Praxis des Streikverbots in Gesetzesform gießen soll. Für den Bremer Arbeitsrechtler Bernhard Baumann-Czichon, der das Kirchenarbeitsrecht seit Jahren kritisiert, ein Irrweg: Über die Grundrechte bestimme immer noch der Staat, ein solches Verbot liege nicht im Kompetenzbereich der Kirche. 'Das ist ein alberner Versuch, ganz so, als ob der ADAC für seine Mitglieder die Aufhebung aller Tempolimits beschließt', so der Anwalt. 'Wir halten es für falsch, Grundrechte per Kirchengesetz auszuschließen', sagt Reinhard Haas, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gesamtmitarbeitervertretungen der EKD.
(Süddeutsche Zeitung, 02. November 2011)
Auch hinter den Kulissen schämten sich einige des Synodalen ein wenig für ihre Heuchelei und das Auspressen der Mitarbeiter durch Konzern-eigene Leiharbeitsfirmen.
Wie viel Leiharbeit es genau in der Kirche gibt und wie weit unter den normalen Tarifen kirchliche Krankenschwestern und Altenpfleger verdienen, geben die Kirchenchefs aber nicht preis. Transparenz bei den Finanzen gibt es nicht.
Zweifel am Dritten Weg.
Am Montagabend aber, als die Synode in einer ersten Runde über das Gesetz diskutiert, wird überraschend viel Grundsatzkritik laut. Kerstin Griese, die SPD-Bundestagsabgeordnete, wünscht, dass das Streikverbot aus dem Gesetzentwurf gestrichen wird. Der Hamburger Probst Horst Gorski springt ihr zur Seite: Wie kann die evangelische Kirche eine 'Kirche der Freiheit' sein, wenn sie ihren Arbeitnehmern verbietet, mit Hilfe der Gewerkschaft Tarife auszuhandeln? Edeltraud Glänzer, Mitglied im Rat der EKD und im Hauptvorstand der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, spricht sich für Flächentarife im Sozialbereich aus, um faire Löhne zu sichern.
(SZ, 09. November 2011)
Inzwischen ist die Sache entscheiden.
Käßmanns Kirche entschied sich gestern - GEGEN ARBEITNEHMERRECHTE:
EKD POCHT AUF STREIKVERBOT
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält am besonderen kirchlichen Arbeitsrecht fest, bei dem die Arbeitnehmer nicht streiken und die Arbeitgeber nicht aussperren dürfen.
[…] Sie forderte 'ernsthafte Konsequenzen' für 'Missstände wie Outsourcing mit Lohnsenkungen, ersetzende Leiharbeit und nicht hinnehmbare Niedriglöhne'. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte den Synodenbeschluss scharf. 'Die Festschreibung des Streikverbots im Kirchengesetz ist skandalös', sagte Verdi-Chef Frank Bsirske dem Evangelischen Pressedienst. Die EKD regiere als Staat im Staate und verweigere Hunderttausenden Mitarbeitern ein elementares Grundrecht.
(Matthias Drobinski 10.11.11)
Gutmenschentum à la Bischof - sich stets für die Armen und zu kurz gekommenen in Sonntagsreden einzusetzen, aber in der Praxis genau das Gegenteil tun - ist tatsächlich ätzend.
Samstag, 30. Juli 2011
Freunde in der Not.
Plagiator Guttenberg hat erlebt auf wen man sich verlassen kann, wenn es wirklich eng wird.
Als schon offensichtlich war, daß er 95% seiner Summa-cum-laude-Doktorarbeit aus Zeitungsartikeln abgeschrieben hatte, sich seine Ministerkollegin Schavan öffentlich für ihn schämte und die Doktoranden der Bundesrepublik gegen ihn Sturm liefen, beharrte er immer noch darauf „in mühseliger Kleinarbeit über viele Jahre“ jedes Wort selbst geschrieben zu haben.
„Meine Dissertation ist kein Plagiat“ ließ der vielfach überführte Profilügner wissen.
Der Mann, der auch sein zweites juristisches Staatsexamen nicht geschafft hatte und nur mit Sondergenehmigung ob seiner vorherigen grottenschlechten Leistungen als Jurastudent überhaupt zur Promotion zugelassen wurde (eine Guttenberg-eigene Firma „spendete“ mehrere Hunderttausend Euro an die Uni Bayreuth), behielt bis zum Schluß mächtige Unterstützung vom den Profis der Lüge: Springers BILD.
Pikantes Detail: Der BILD-„Chef vom Dienst“ heißt Karl Ludwig Johann Nepomuk Gotthelf Hubertus Maximilian von und zu Guttenberg und ist ein Onkel des Ex-Verteidigungsministers.
Die BILD ist eben treu und hält zu ihren erklärten Lieblingen.
Ein anderer Liebling von Europas größter Zeitung ist Thilo Sarrazin, der in sehr fruchtbarer Symbiose mit den Hetzern von der BLÖD lebt. Sie machen beständig Werbung für sein Buch, so daß er längst zum Millionär geworden ist, während er ihnen laufend verkaufsfördernde Schlagzeilen liefert.
Sarrazin ist dabei ein ebenso abstoßender wie tragischer Charakter.
Der Sproß einer großbürgerlichen Familie entschied sich bewußt für die Sozialdemokratie und leistete ziemlich unbestritten eine erfolgreiche Arbeit als Finanzsenator.
Das ist nicht zu unterschätzen, denn in den Jahren der Berliner Herrschaft Diepgens hatten CDU’ler die Hauptstadtfinanzen vollkommen zerrüttet und allein durch den berüchtigten Berliner Bankenskandal der Stadt Milliarden Euro Miese aufs Auge gedrückt.
Aber da war auch Sarrazins Lust an der Provokation, die anfangs noch belächelt -„nirgendwo sieht man so viele Leute in Trainingsanzügen durch dir Stadt schlurfen wie in Berlin“ - kontinuierlich immer fanatischer und erratischer wurde.
Sarrazin ist durchaus kein Blödmann, wie sein berühmtes Interview in der 17 Euro teuren Zeitschrift „Lettre International Nr 86“ vom Herbst 2009 beweist.
Seitenlang gibt er darin hochinteressante sachliche Analysen über den Standort Berlin zum Besten und macht dann alles selbst kaputt, indem er verächtlich die „Kopftuchmädchen“-Warnung einfließen läßt.
Seitdem hat der Banker offensichtlich endgültig die Bodenhaftung verloren und verschrieb sich ganz und gar dem rechten Populismus.
Erkennbar ging es ihm nun gar nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um die Lust an der faschistoiden Hetze.
Untergangsszenarien und Antiislamismus waren nun seine einzigen Themen. Garniert mit völkischer Genetik à la Mengele provozierte er ein allgemeines Daumensenken der politischen Klasse.
Er schoß sich selbst aus dem Mainstream. Von Kanzlerin bis zur SPD-Spitze gruselte sich auf einmal jeder öffentlich über Sarrazins Schriften.
Er wurde zum Paria der politischen Klasse.
Darüber mußte er allerdings nicht in Depressionen verfallen, denn gleichzeitig mutierte er zum Helden des Boulevards, zur Ikone der BLÖD-Zeitung und zum Millionär.
Gerne würde der Ex-Bundesbanker noch ein paar Jahre weiter auf der bräunlichen Welle der Hirnlosigkeit reiten und Tantiemen einstreichen.
Ich habe keinerlei Zweifel daran, daß sein Hirn durchaus in der Lage ist noch viele neue NPD-schmeichelnde Schocker-Thesen auf den Markt zu werfen.
Genügend potente publizistische Multiplikatoren gibt es allemal in Deutschland.
Seine radikalen Kumpel Broder und Baring werden auch weiterhin gerne zu Hilfe eilen und in den Talkshows Sarrazin-Lanzen brechen.
Aber dann kam Breivik.
Der droht nun Sarrazins Höhenflug zu stoppen.
Denn niemand hat gerne den selbsternannten christlichen Kämpfer, der gerade 77 Menschen killte auf seiner Seite.
Der sprunghafte SPD-Chef Gabriel, der in der causa Sarrazin-Parteiausschluß eine sagenhafte Bauchlandung hinlegte und daher immer noch auf Rache sinnt, sah die Gelegenheit ordentlich zuzuschlagen und tat das.
Er stellte den Zusammenhang Sarrazin-Breivik ex cathedra her.
„In einer Gesellschaft, in der Anti-Islamismus und Abgrenzung von anderen wieder hoffähig wird, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden.“
(Gabriel gegenüber der dpa)
Und da er gerade so schön am Austeilen war, gab er der FDP auch noch einen mächtigen Kinnhaken:
„Die FDP muss mit ihrem Ruf nach Steuergeschenken ohne Gegenfinanzierung und ihrer Euro-Blockade bei einigen Abgeordneten aufpassen, dass sie nicht zur deutschen 'Tea-Party-Partei' wird.”
(BamS)
Während aber die FDP gar keine Freunde mehr hat und sich selbst verteidigen muß…..
....."Sigmar Gabriel sollte mal lieber in Ruhe eine Tasse trinken, bevor er uns in die Nähe der Tea Party rückt", sagt Lasse Becker, Vorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberalen (Julis) zu sueddeutsche.de. "Wir sind sicher keine Neokonservativen, Herr Gabriel betreibt hier geistige Brandstiftung. Wir haben vom Wähler den Auftrag, das Haushaltsdefizit auszugleichen, das uns die SPD hinterlassen hat. Das tun wir eben unter der Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen." (sueddeutsche.de 30.07.11)
…kann sich Sarrazin auf die mächtige BILD mit ihrer 15-Millionen-Leser-Reichweite verlassen:
Die „Bild“-Zeitung warf sich für den umstrittenen Buchautor und Immer-Noch-Genossen Thilo Sarrazin in die Bresche und fragte: „Was hat Sarrazin mit der Killer-Bestie von Oslo zu tun, Herr Gabriel?“
(Tagesspiegel 30.07.11)
Als schon offensichtlich war, daß er 95% seiner Summa-cum-laude-Doktorarbeit aus Zeitungsartikeln abgeschrieben hatte, sich seine Ministerkollegin Schavan öffentlich für ihn schämte und die Doktoranden der Bundesrepublik gegen ihn Sturm liefen, beharrte er immer noch darauf „in mühseliger Kleinarbeit über viele Jahre“ jedes Wort selbst geschrieben zu haben.
„Meine Dissertation ist kein Plagiat“ ließ der vielfach überführte Profilügner wissen.
Der Mann, der auch sein zweites juristisches Staatsexamen nicht geschafft hatte und nur mit Sondergenehmigung ob seiner vorherigen grottenschlechten Leistungen als Jurastudent überhaupt zur Promotion zugelassen wurde (eine Guttenberg-eigene Firma „spendete“ mehrere Hunderttausend Euro an die Uni Bayreuth), behielt bis zum Schluß mächtige Unterstützung vom den Profis der Lüge: Springers BILD.
Pikantes Detail: Der BILD-„Chef vom Dienst“ heißt Karl Ludwig Johann Nepomuk Gotthelf Hubertus Maximilian von und zu Guttenberg und ist ein Onkel des Ex-Verteidigungsministers.
Die BILD ist eben treu und hält zu ihren erklärten Lieblingen.
Ein anderer Liebling von Europas größter Zeitung ist Thilo Sarrazin, der in sehr fruchtbarer Symbiose mit den Hetzern von der BLÖD lebt. Sie machen beständig Werbung für sein Buch, so daß er längst zum Millionär geworden ist, während er ihnen laufend verkaufsfördernde Schlagzeilen liefert.
Sarrazin ist dabei ein ebenso abstoßender wie tragischer Charakter.
Der Sproß einer großbürgerlichen Familie entschied sich bewußt für die Sozialdemokratie und leistete ziemlich unbestritten eine erfolgreiche Arbeit als Finanzsenator.
Das ist nicht zu unterschätzen, denn in den Jahren der Berliner Herrschaft Diepgens hatten CDU’ler die Hauptstadtfinanzen vollkommen zerrüttet und allein durch den berüchtigten Berliner Bankenskandal der Stadt Milliarden Euro Miese aufs Auge gedrückt.
Aber da war auch Sarrazins Lust an der Provokation, die anfangs noch belächelt -„nirgendwo sieht man so viele Leute in Trainingsanzügen durch dir Stadt schlurfen wie in Berlin“ - kontinuierlich immer fanatischer und erratischer wurde.
Sarrazin ist durchaus kein Blödmann, wie sein berühmtes Interview in der 17 Euro teuren Zeitschrift „Lettre International Nr 86“ vom Herbst 2009 beweist.
Seitenlang gibt er darin hochinteressante sachliche Analysen über den Standort Berlin zum Besten und macht dann alles selbst kaputt, indem er verächtlich die „Kopftuchmädchen“-Warnung einfließen läßt.
Seitdem hat der Banker offensichtlich endgültig die Bodenhaftung verloren und verschrieb sich ganz und gar dem rechten Populismus.
Erkennbar ging es ihm nun gar nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um die Lust an der faschistoiden Hetze.
Untergangsszenarien und Antiislamismus waren nun seine einzigen Themen. Garniert mit völkischer Genetik à la Mengele provozierte er ein allgemeines Daumensenken der politischen Klasse.
Er schoß sich selbst aus dem Mainstream. Von Kanzlerin bis zur SPD-Spitze gruselte sich auf einmal jeder öffentlich über Sarrazins Schriften.
Er wurde zum Paria der politischen Klasse.
Darüber mußte er allerdings nicht in Depressionen verfallen, denn gleichzeitig mutierte er zum Helden des Boulevards, zur Ikone der BLÖD-Zeitung und zum Millionär.
Gerne würde der Ex-Bundesbanker noch ein paar Jahre weiter auf der bräunlichen Welle der Hirnlosigkeit reiten und Tantiemen einstreichen.
Ich habe keinerlei Zweifel daran, daß sein Hirn durchaus in der Lage ist noch viele neue NPD-schmeichelnde Schocker-Thesen auf den Markt zu werfen.
Genügend potente publizistische Multiplikatoren gibt es allemal in Deutschland.
Seine radikalen Kumpel Broder und Baring werden auch weiterhin gerne zu Hilfe eilen und in den Talkshows Sarrazin-Lanzen brechen.
Aber dann kam Breivik.
Der droht nun Sarrazins Höhenflug zu stoppen.
Denn niemand hat gerne den selbsternannten christlichen Kämpfer, der gerade 77 Menschen killte auf seiner Seite.
Der sprunghafte SPD-Chef Gabriel, der in der causa Sarrazin-Parteiausschluß eine sagenhafte Bauchlandung hinlegte und daher immer noch auf Rache sinnt, sah die Gelegenheit ordentlich zuzuschlagen und tat das.
Er stellte den Zusammenhang Sarrazin-Breivik ex cathedra her.
„In einer Gesellschaft, in der Anti-Islamismus und Abgrenzung von anderen wieder hoffähig wird, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden.“
(Gabriel gegenüber der dpa)
Und da er gerade so schön am Austeilen war, gab er der FDP auch noch einen mächtigen Kinnhaken:
„Die FDP muss mit ihrem Ruf nach Steuergeschenken ohne Gegenfinanzierung und ihrer Euro-Blockade bei einigen Abgeordneten aufpassen, dass sie nicht zur deutschen 'Tea-Party-Partei' wird.”
(BamS)
Während aber die FDP gar keine Freunde mehr hat und sich selbst verteidigen muß…..
....."Sigmar Gabriel sollte mal lieber in Ruhe eine Tasse trinken, bevor er uns in die Nähe der Tea Party rückt", sagt Lasse Becker, Vorsitzender der FDP-Jugendorganisation Junge Liberalen (Julis) zu sueddeutsche.de. "Wir sind sicher keine Neokonservativen, Herr Gabriel betreibt hier geistige Brandstiftung. Wir haben vom Wähler den Auftrag, das Haushaltsdefizit auszugleichen, das uns die SPD hinterlassen hat. Das tun wir eben unter der Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen." (sueddeutsche.de 30.07.11)
…kann sich Sarrazin auf die mächtige BILD mit ihrer 15-Millionen-Leser-Reichweite verlassen:
Die „Bild“-Zeitung warf sich für den umstrittenen Buchautor und Immer-Noch-Genossen Thilo Sarrazin in die Bresche und fragte: „Was hat Sarrazin mit der Killer-Bestie von Oslo zu tun, Herr Gabriel?“
(Tagesspiegel 30.07.11)
Sonntag, 16. Januar 2011
Willkommener Redner - Teil III
Ende September 2011 wird der Kondomifex Maximus für ein paar Tage in Deutschland weilen.
Das gefällt nicht jedem und ich gehöre zu den Gegnern einer Papstrede vorm Bundestag.
In loser Folge möchte ich bis September, neben den schon Genannten, weitere Argumente folgen lassen.
Bei aller Kritik an Papst Benedikt XVI. und seinen immer wieder aufs Neue verstörend reaktionäre Positionen, würde ich nicht so weit gehen ihn für so verblendet zu halten, daß er gar nicht in der Lage wäre auch mal etwas der Situation Angemessenes von sich zu geben.
So war sein Besuch in Jerusalem im Mai 2009 extrem heikel, da Ratzi mit der antisemitischen Karfreitagsfürbitte und der Pro-Holocaustleugner-Piusbrüder-Entscheidung ordentlich Öl ins katholisch-jüdische Feuer gegossen hatte.
In Israel sagte der Papst dann einfach gar nichts und inszenierte sich als wackeliger Greis, dem mit seinen damals 82 Jahren, geb 1927, eben nicht allzu viel Kritik zugemutet werden könne.
Zu blöd, daß der neben dem Papst agil, frisch und dynamisch wirkende Israelische Staatschef Peres, geb. 1923, vier Jahre älter ist.
Benedikts fahriger und emotionsloser Yad-Vashem-Besuch reichte, um zufrieden zu sein.
Er hat auch nicht an die Klagemauer uriniert und es immerhin mehrere Tage am Stück geschafft nicht irgendwelche rechtsradikalen Judenfeinde zu loben!
Dabei tat er es seinem geschätzten Vorgänger Pius XII gleich und verschwieg peinlich alle heiklen Punkte.
Kein Wort zur Pius-Bruder-Pest, keine mea culpa zur Causa Williamson, kein Wort zur perfiden antijudaistischen Karfreitagsfürbitte nach Altem Ritus, kein Wort über die bevorstehende Pacelli-Seligsprechung, keine noch so kleine Gefühlsregung als Deutscher, keine Erwähnung der abscheulichen Rolle seiner Organisation als Betreiberin des weltweiten Antisemitismus.
Noch nicht mal das Wort „Mord“ mochte der Pontifex in den Mund nehmen.
Stattdessen schummelte er sich mit dem Hinweis auf seinen Ausschwitzbesuch aus der Affäre, nachdem israelische Zeitungen, wie die auflagenstärkste „Jediot Achronot“ beklagt hatten, daß Benedikt kein Wort der Entschuldigung über seine Lippen bekommen hätte.
Immerhin aber kein Skandal und immerhin kein wirklich falsches Wort.
So viel kann man vom Pontifex auch vorm Berliner Bundestag erwarten.
Er wird irgendein harmloses Blabla von sich geben und ein paar strenge Ermahnungen erklingen lassen, die zum linken Ohgr rein und zum rechten Ohr raus gehen.
Ratzinger wird aber kaum vor Westerwelle, Kahrs und Beck ausspucken und dabei fluchen „ihr dreckigen Schwuchteln kommt alle in die Hölle“.
Möglicherweise wird der Papst sogar verklausuliert in Nebensätzen erwähnen, daß es irgendwie, eventuelle, unter Umständen, vielleicht nicht ganz optimal war, daß Tausende deutsche Kinder von katholischen Geistlichen missbraucht und verprügelt wurden.
Bis zum September wird ohnehin Gras über die Knabenfummler in den Soutanen gewachsen sein. Schon jetzt wurde aus Ratzingers engster Umgebung dafür gesorgt, daß die schlimmsten Vertuscher wie der St. Pöltener Regens, in dessen Priesterseminar 40.000 Schwulenpornobilder UND Pädophilen-Bilder gefunden wurden, wieder in Amt und Würden sind.
Das trifft auch auf die Prügel-Abte von Ettal zu, die zunächst der damalige Erzbischof Marx abgesetzt hatte.
Denn das ist sicher beim Papst - zeigt er sich mal aus politischen Erwägungen ob der Skandale seiner Leute zerknirscht und gelobt Besserung - es folgen doch keine Konsequenzen.
Bei seinem Besuch in Malta (Mai 2010) hatte sich Ratzinger, der so desinteressiert an dem Geschehen war, daß er während seiner eigenen Messe fest einschlief, mit einigen Mißbrauchsopfern getroffen , mit ihnen gebetet und Hilfen zugesagt.
Passiert ist aber rein gar nichts.
Das päpstliche Ehrenwort hat weniger Wert als ein Fliegenschiss.
Die Vertreter der Opfer sind - wie so oft - enttäuscht und empört.
Aber da sich die Aufmerksamkeit der Weltpresse schon längst anderen Dingen zugewendet hat (im Moment sind es die verfolgten Kopten, die Ratzinger wie gerufen kommen, um Christen generell als arme Opfer zu inszenieren) kommt die RKK mit ihren nicht eingehaltenen Versprechen durch.
Benedict XVI is all talk and no action and his pathological lies go on and on. He shed a tear at his few minutes meeting with Maltese victims of pedophile priests but up to today those pedophile priests are free to roam and sodomize little boys in Malta.
(pope-ratz.blogspot.com 12.01.2011)
Kein Wunder, daß Ratzinger bei Schwarz-Gelb in Berlin so schwer willkommen ist - gerade die Kanzlerin ist berühmt dafür, daß sie sich auf internationalen Katastrophen-, Klima- und Entwicklungshilfe-Gipfeln als globale Gutmenschin inszeniert, die großzügige Finanzzusagen macht.
Nur, daß diese Zusagen eben nie eingehalten.
Das Geld fließt nie tatsächlich.
Die von Klerikern molestierten Kinder müssen ebenso auf ihre Entschädigungen und das Schmerzensgeld warten.
Auch in Deutschland hat die RKK noch keinen Cent rausgerückt.
Etwas besser sieht es aufgrund der Rechtslage in den USA aus. Dort haben die pädophilen Priester schon so manche Diözese in die Pleite gepoppt.
Organisationen wie SNAP sei Dank:
If you've been victimized by clergy, please know that you are not alone. You can get better. You can reach out to others who've been hurt just like you have. Together, we can heal one another.
We are SNAP, the Survivors Network of those Abused by Priests.
We are the nation's largest, oldest and most active support group for women and men wounded by religious authority figures (priests, ministers, bishops, deacons, nuns, brothers, monks, and others). We are an independent and confidential organization, with no connections with the church or church officials. And we are here to help.
SNAP was founded by Chicago's Barbara Blaine in 1988. Since then, SNAP has helped thousands of survivors. We offer support in person, (via monthly self-help group meetings in chapters across the country), over the phone, on line, and at twice-a-year national meetings.
We also provide a safe and productive outlet for the passion many survivors feel toward preventing future abuse.
Our web site exists to provide support and knowledge to all victims of clergy abuse, to help educate the public, and to help ensure that in future generations, children will be safe.
Aber auch SNAP hat letztendlich resigniert vor den Beharrngskräften des Vatikan.
This past June, Pope Benedict XVI said the church must promise "to do everything possible" to ensure that the sexual abuse of children by Catholic priests "will never occur again."
But the president of the Survivor Network of those Abused by Priests (SNAP) was not satisfied. She said, "Right now, kids are being assaulted by priests and bishops are concealing the crimes. And the pope continues taking no action to stop this." She said that the pope still ignores the main problem: "the ongoing recklessness, deceit, and callousness of bishops who, even now, protect predators instead of children."
(Randall Hoven 16.01.11)
SNAP kennt das schon. “For the second time in recent years, carefully chosen clergy sex abuse victims who met with Pope are ending up disappointed.”
Zusagen des Papstes sind nichts wert.
Abuse victims complain to pope over lack of sanctions.
SEVEN MALTESE clerical sex abuse victims have written to Pope Benedict XVI to complain about the church’s failure to impose sanctions on the priests accused of abusing them, according to Italian and Maltese media reports last weekend.
The seven victims, who were among a group of survivors who met Pope Benedict in a much publicised private encounter during his pastoral visit to Malta last April, complain that eight years after criminal charges were filed against three priests, neither clerical nor state judicial authorities have yet to impose sanctions.
In October 2003, criminal charges were filed against three priests – Fr Charles Pulis, Fr Conrad Sciberras and Br Joseph Bonnett – accusing them of sexually abusing young boys in their care at the St Joseph’s Home in Santa Venera, Malta, during the 1980s and 1990s. The case, which has not concluded, received huge international attention last April when, on the eve of the pope’s visit, the victims chose to speak out about their ordeal.
In their letter last weekend, the victims accuse both the Maltese judicial authorities and the church of dragging their feet, notwithstanding the fact that the three priests, back in 2003, originally admitted the abuse. Furthermore, they claim, both an archdiocesan response team and the Vatican’s own “promoter of justice” in the Congregation for the Doctrine of the Faith, Malta native Msgr Charles Scicluna, concluded that the victims’ allegations were well founded.
“In Malta, the church, political power and the judiciary are all the same thing. For example, a government minister came into the court to testify on behalf of the priests. Few people, even amongst the opposition, are on our side. People here are very religious and are frightened of accusing priests,” say the victims.
The victims claim that it is unclear whether the Vatican or the Archdiocese of Malta will eventually rule on the accused priests, adding in the letter: “We are very disappointed that these priests are still going about in clerical clothes.”
On the state judicial front, the criminal case against the three priests now risks a further lengthy delay given that last week the accused filed a constitutional application alleging that their right to a fair trial has been undermined by media publicity. When the case originally came before the Maltese courts, defence lawyers successfully requested a ban on the reporting of court proceedings.
(PADDY AGNEW The Irish Times - Monday, January 10, 2011 in Rome)
Das gefällt nicht jedem und ich gehöre zu den Gegnern einer Papstrede vorm Bundestag.
In loser Folge möchte ich bis September, neben den schon Genannten, weitere Argumente folgen lassen.
Bei aller Kritik an Papst Benedikt XVI. und seinen immer wieder aufs Neue verstörend reaktionäre Positionen, würde ich nicht so weit gehen ihn für so verblendet zu halten, daß er gar nicht in der Lage wäre auch mal etwas der Situation Angemessenes von sich zu geben.
So war sein Besuch in Jerusalem im Mai 2009 extrem heikel, da Ratzi mit der antisemitischen Karfreitagsfürbitte und der Pro-Holocaustleugner-Piusbrüder-Entscheidung ordentlich Öl ins katholisch-jüdische Feuer gegossen hatte.
In Israel sagte der Papst dann einfach gar nichts und inszenierte sich als wackeliger Greis, dem mit seinen damals 82 Jahren, geb 1927, eben nicht allzu viel Kritik zugemutet werden könne.
Zu blöd, daß der neben dem Papst agil, frisch und dynamisch wirkende Israelische Staatschef Peres, geb. 1923, vier Jahre älter ist.
Benedikts fahriger und emotionsloser Yad-Vashem-Besuch reichte, um zufrieden zu sein.
Er hat auch nicht an die Klagemauer uriniert und es immerhin mehrere Tage am Stück geschafft nicht irgendwelche rechtsradikalen Judenfeinde zu loben!
Dabei tat er es seinem geschätzten Vorgänger Pius XII gleich und verschwieg peinlich alle heiklen Punkte.
Kein Wort zur Pius-Bruder-Pest, keine mea culpa zur Causa Williamson, kein Wort zur perfiden antijudaistischen Karfreitagsfürbitte nach Altem Ritus, kein Wort über die bevorstehende Pacelli-Seligsprechung, keine noch so kleine Gefühlsregung als Deutscher, keine Erwähnung der abscheulichen Rolle seiner Organisation als Betreiberin des weltweiten Antisemitismus.
Noch nicht mal das Wort „Mord“ mochte der Pontifex in den Mund nehmen.
Stattdessen schummelte er sich mit dem Hinweis auf seinen Ausschwitzbesuch aus der Affäre, nachdem israelische Zeitungen, wie die auflagenstärkste „Jediot Achronot“ beklagt hatten, daß Benedikt kein Wort der Entschuldigung über seine Lippen bekommen hätte.
Immerhin aber kein Skandal und immerhin kein wirklich falsches Wort.
So viel kann man vom Pontifex auch vorm Berliner Bundestag erwarten.
Er wird irgendein harmloses Blabla von sich geben und ein paar strenge Ermahnungen erklingen lassen, die zum linken Ohgr rein und zum rechten Ohr raus gehen.
Ratzinger wird aber kaum vor Westerwelle, Kahrs und Beck ausspucken und dabei fluchen „ihr dreckigen Schwuchteln kommt alle in die Hölle“.
Möglicherweise wird der Papst sogar verklausuliert in Nebensätzen erwähnen, daß es irgendwie, eventuelle, unter Umständen, vielleicht nicht ganz optimal war, daß Tausende deutsche Kinder von katholischen Geistlichen missbraucht und verprügelt wurden.
Bis zum September wird ohnehin Gras über die Knabenfummler in den Soutanen gewachsen sein. Schon jetzt wurde aus Ratzingers engster Umgebung dafür gesorgt, daß die schlimmsten Vertuscher wie der St. Pöltener Regens, in dessen Priesterseminar 40.000 Schwulenpornobilder UND Pädophilen-Bilder gefunden wurden, wieder in Amt und Würden sind.
Das trifft auch auf die Prügel-Abte von Ettal zu, die zunächst der damalige Erzbischof Marx abgesetzt hatte.
Denn das ist sicher beim Papst - zeigt er sich mal aus politischen Erwägungen ob der Skandale seiner Leute zerknirscht und gelobt Besserung - es folgen doch keine Konsequenzen.
Bei seinem Besuch in Malta (Mai 2010) hatte sich Ratzinger, der so desinteressiert an dem Geschehen war, daß er während seiner eigenen Messe fest einschlief, mit einigen Mißbrauchsopfern getroffen , mit ihnen gebetet und Hilfen zugesagt.
Passiert ist aber rein gar nichts.
Das päpstliche Ehrenwort hat weniger Wert als ein Fliegenschiss.
Die Vertreter der Opfer sind - wie so oft - enttäuscht und empört.
Aber da sich die Aufmerksamkeit der Weltpresse schon längst anderen Dingen zugewendet hat (im Moment sind es die verfolgten Kopten, die Ratzinger wie gerufen kommen, um Christen generell als arme Opfer zu inszenieren) kommt die RKK mit ihren nicht eingehaltenen Versprechen durch.
Benedict XVI is all talk and no action and his pathological lies go on and on. He shed a tear at his few minutes meeting with Maltese victims of pedophile priests but up to today those pedophile priests are free to roam and sodomize little boys in Malta.
(pope-ratz.blogspot.com 12.01.2011)
Kein Wunder, daß Ratzinger bei Schwarz-Gelb in Berlin so schwer willkommen ist - gerade die Kanzlerin ist berühmt dafür, daß sie sich auf internationalen Katastrophen-, Klima- und Entwicklungshilfe-Gipfeln als globale Gutmenschin inszeniert, die großzügige Finanzzusagen macht.
Nur, daß diese Zusagen eben nie eingehalten.
Das Geld fließt nie tatsächlich.
Die von Klerikern molestierten Kinder müssen ebenso auf ihre Entschädigungen und das Schmerzensgeld warten.
Auch in Deutschland hat die RKK noch keinen Cent rausgerückt.
Etwas besser sieht es aufgrund der Rechtslage in den USA aus. Dort haben die pädophilen Priester schon so manche Diözese in die Pleite gepoppt.
Organisationen wie SNAP sei Dank:
If you've been victimized by clergy, please know that you are not alone. You can get better. You can reach out to others who've been hurt just like you have. Together, we can heal one another.
We are SNAP, the Survivors Network of those Abused by Priests.
We are the nation's largest, oldest and most active support group for women and men wounded by religious authority figures (priests, ministers, bishops, deacons, nuns, brothers, monks, and others). We are an independent and confidential organization, with no connections with the church or church officials. And we are here to help.
SNAP was founded by Chicago's Barbara Blaine in 1988. Since then, SNAP has helped thousands of survivors. We offer support in person, (via monthly self-help group meetings in chapters across the country), over the phone, on line, and at twice-a-year national meetings.
We also provide a safe and productive outlet for the passion many survivors feel toward preventing future abuse.
Our web site exists to provide support and knowledge to all victims of clergy abuse, to help educate the public, and to help ensure that in future generations, children will be safe.
Aber auch SNAP hat letztendlich resigniert vor den Beharrngskräften des Vatikan.
This past June, Pope Benedict XVI said the church must promise "to do everything possible" to ensure that the sexual abuse of children by Catholic priests "will never occur again."
But the president of the Survivor Network of those Abused by Priests (SNAP) was not satisfied. She said, "Right now, kids are being assaulted by priests and bishops are concealing the crimes. And the pope continues taking no action to stop this." She said that the pope still ignores the main problem: "the ongoing recklessness, deceit, and callousness of bishops who, even now, protect predators instead of children."
(Randall Hoven 16.01.11)
SNAP kennt das schon. “For the second time in recent years, carefully chosen clergy sex abuse victims who met with Pope are ending up disappointed.”
Zusagen des Papstes sind nichts wert.
Abuse victims complain to pope over lack of sanctions.
SEVEN MALTESE clerical sex abuse victims have written to Pope Benedict XVI to complain about the church’s failure to impose sanctions on the priests accused of abusing them, according to Italian and Maltese media reports last weekend.
The seven victims, who were among a group of survivors who met Pope Benedict in a much publicised private encounter during his pastoral visit to Malta last April, complain that eight years after criminal charges were filed against three priests, neither clerical nor state judicial authorities have yet to impose sanctions.
In October 2003, criminal charges were filed against three priests – Fr Charles Pulis, Fr Conrad Sciberras and Br Joseph Bonnett – accusing them of sexually abusing young boys in their care at the St Joseph’s Home in Santa Venera, Malta, during the 1980s and 1990s. The case, which has not concluded, received huge international attention last April when, on the eve of the pope’s visit, the victims chose to speak out about their ordeal.
In their letter last weekend, the victims accuse both the Maltese judicial authorities and the church of dragging their feet, notwithstanding the fact that the three priests, back in 2003, originally admitted the abuse. Furthermore, they claim, both an archdiocesan response team and the Vatican’s own “promoter of justice” in the Congregation for the Doctrine of the Faith, Malta native Msgr Charles Scicluna, concluded that the victims’ allegations were well founded.
“In Malta, the church, political power and the judiciary are all the same thing. For example, a government minister came into the court to testify on behalf of the priests. Few people, even amongst the opposition, are on our side. People here are very religious and are frightened of accusing priests,” say the victims.
The victims claim that it is unclear whether the Vatican or the Archdiocese of Malta will eventually rule on the accused priests, adding in the letter: “We are very disappointed that these priests are still going about in clerical clothes.”
On the state judicial front, the criminal case against the three priests now risks a further lengthy delay given that last week the accused filed a constitutional application alleging that their right to a fair trial has been undermined by media publicity. When the case originally came before the Maltese courts, defence lawyers successfully requested a ban on the reporting of court proceedings.
(PADDY AGNEW The Irish Times - Monday, January 10, 2011 in Rome)
Montag, 8. November 2010
Das Ende der Staatsraison.
“Das Fundament unseres Wertesystems droht auseinanderzubrechen.“
(Präsident des Bankenverbandes Andreas Schmitz)
(Präsident des Bankenverbandes Andreas Schmitz)
Im Herbst 2010 hat sich etwas geändert in der Wahrnehmung von bürgerlichem Widerstand und in der medialen Berichterstattung darüber.
In den 1970ern und 1980ern waren die Atombefürworter und sonstigen Konservativen in der bequemen Situation sich kaum inhaltlich mit den Anliegen von Umweltschützern, Verbraucherschützern oder sozialen Aktivisten auseinander setzen zu müssen.
Man konnte sich darauf verlassen, daß das Gros der Wähler ohnehin diesen Müslis mit langen Haaren in den Parkern mißtraut.
Klammheimlich freuten sich die Bürgerlichen in den Vorstadthäuschen darüber, wenn die linken Querulanten mal verdroschen wurden.
Einige Politvertreter aus Merkels schwarzgelber Truppe sind noch im letzten Jahrtausend stecken geblieben. Zum Beispiel der CSU-Wadenbeißer Dobrindt, dem mehr oder weniger unabsichtlich rausrutschte, wie störend er die Demokratie empfindet.
«Die Grünen outen sich als politischer Arm von Aufrührern, Brandstiftern und Steinewerfern. Was Trittin, Roth und Özdemir im Wendland abziehen, ist moralische Unterstützung für Landfriedensbruch», sagte Dobrindt am Montag laut Mitteilung in München. «Sie machen sich in skandalöser Weise mitschuldig an der Zerstörung von Bahngleisen und Gewalt gegen Polizeibeamte.» Die Grünen hätten «eine antidemokratische Bewegung im Sinn, die eine Diktatur von Minderheiten auf dem Rücken unserer Ordnungskräfte und Polizisten anstrebt», sagte Dobrindt. Scharfe Kritik übte er insbesondere an Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin. «Als Trittin selbst Umweltminister war, hat er Castor-Blockade verurteilt, heute in der Opposition mischt er sich selbst unter die Blockierer. Das ist schäbig und unanständig», sagte der CSU-Generalsekretär.
(SZ 08.11.10)
Der Nachfolger von CSU-General Guttenberg scheint zu glauben, daß er mit dem Schreckgespenst Trittin (=Kommunist = Satan = Ruin Deutschlands) immer noch den Urnenpöbel auf die Hinterbeine bekommt.
Dabei hat sich Trittin längst als praxistauglicher Politprofi erweisen, der durchaus der nächste Bundeskanzler werden könnte.
Tatsächlich ist es so, daß Jürgen Trittin staatstragend und seriös den wahren Sachverhalt darlegt
Herr Dobrindt beschimpft Bürgerinnen und Bürger, die von ihrem verfassungsmäßigen Recht auf Demonstrationsfreiheit und gewaltfreien Widerstand Gebrauch machen. Dieser antidemokratische Reflex fällt auf seine Urheber zurück. Fakt ist und bleibt: Die Union hat sich in skandalöser Weise zum politischen Handlanger der Atomkonzerne gemacht. Sie missbraucht Tausende von Polizisten, um ihr Lobbyinteresse gegen die Bevölkerung durchzusetzen. Merkels Willfährigkeit gegenüber RWE, E.On und Co. ist skandalös. Es ist schäbig und unanständig, hunderte von Tonnen Atommüll zusätzlich zu produzieren und ohne atomrechtliche Genehmigung in Gorleben ein Endlager als Schwarzbau zu errichten. Der vieltausendfache Protest und die gewaltfreien Blockaden gegen den Castor, an denen sich in diesem Jahr mehr Menschen denn je beteiligen, sind die angemessene Reaktion auf die Arroganz der Macht der Berliner Regierungskoalition.
(PM der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Nr. 1309 vom 8. November 2010)
Das ist das Problem in Deutschland 2010 - die Politdarsteller von Merkels Gnaden haben innerhalb eines Jahres das Vertrauen der Bundesbürger in ihr politisches System so nachhaltig erschüttert, daß der Graben zwischen ihnen und dem Volk unüberwindbar scheint.
Selbstherrlich, arrogant und in noch nie da gewesener Weise lügen CDU-, CSU- und FDP-Minister ihr Volk an.
Die einzig verbliebene Richtschnur der Schwarzgelben ist der Lobbygehorsam.
Selbst die klassischen Symbole des Staates, die Polizisten, haben gründlich die Nase voll davon die dreisten Manipulationen dieser Regierung auszubaden. Was Merkel und Co gemütlich in Kanzleramt und Staatskanzleien ausgemauschelt haben, bekommt die Polizei bei Demonstrationen zu spüren.
[Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad] Freiberg kritisierte zugleich die Entscheidung der schwarz-gelben Regierung zur Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke. "Es muss doch jedem klar sein: Wer einen Konsens aufkündigt, ruft einen gesellschaftlichen Konflikt hervor", sagte er der "Rheinischen Post". Die Proteste gegen den jüngsten Castor-Transport nach Gorleben werden durch die Akw-Laufzeitenverlängerung offenbar stark angeheizt und ziehen mehr Menschen an als in den vergangenen Jahren.
(AFP 08.11.10)
Der Vorstandssprecher des Bankenverbandes Schmitz schreibt in einem Gastkommentar für das Intelligenzblatt und CDU/CSU-Propagandaorgan BILD über seine Sorgen.
Laut einer Ipsos-Untersuchung ist das Vertrauen der Bundesbürger in ihre Eliten völlig zerrüttet.
Nur 15 Prozent der Deutschen meinen, dass führende Politiker ihren Aufgaben gerecht werden; Wirtschaftslenker bestehen nur bei 26 Prozent der Deutschen. Das ist bedenklich. Während man in den USA zu erfolgreichen Führungskräften aus der Wirtschaft aufschaut, geht hierzulande jeder Respekt vor Eliten verloren.
[…] Erfolg braucht eben Vorbilder. Und Autoritäten. Deswegen müssen wir in Deutschland den Respekt vor dem Erfolg zurückgewinnen. Wir als Privatbanken wollen durch gute Arbeit das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen.
(BILD 07.11.10)
Herr Schmitz ist offensichtlich ein wenig verwirrt, wenn er meint, daß die derzeitigen Eliten aus Politik und Bankenwelt so ungeheuer erfolgreich wären und nun das Volk dafür nur noch Respekt zeigen müsse.
Nein, das Problem ist das totale Versagen der Eliten, die noch nicht mal ihre Desaster zugeben und sich die Welt mit angeblich „revolutionären Energiekonzeptionen“ und schöngerechneten Arbeitsmarktzahlen so malen wie es ihnen gefällt.
Solchen Politikern zollt man keinen Respekt - das wundert vermutlich nur Herrn Schmitz.
Donnerstag, 13. Mai 2010
Diaspora Hamburg.
Das römisch-katholische Erzbistum Hamburg (lat.: Archidioecesis Hamburgensis) ist mit 32.489 km² Fläche die größte Diözese Deutschlands und umfasst zweieinhalb Bundesländer.
Diese enorme Größe bedeutet allerdings nichts anderes als kleine Katholikenanteile unter der Bevölkerung.
Unter den 27 deutschen Bistümern verantwortet Erzbischof Dr. Werner Thissen das fünftkleinste Bistum bezogen auf die Mitglieder.
Gerade mal 390.000 Schäfchen in 96 Pfarreien gehören formal zum Erzbistum.
(Zum Vergleich: Mixas Ex-Diözese Augsburg beinhaltet 1,5 Millionen Katholiken mit über 1000 (!) Pfarreien.)
Von den Katholiken des Erzbistums leben in Hamburg 180.479 (von 1.770.629 Einwohnern, 10,3 %), in Schleswig-Holstein 169.868 (von 2.837.373 Einwohnern, 6,1%) und in Mecklenburg 42.765 (von geschätzten 1,2 Mio, ca.3,5 %).
Viel zu tun ist in der Archidioecesis Hamburgensis also nicht gerade.
Weihbischof Norbert Werbs bemerkt man dementsprechend gar nicht; selbst ich mußte eben noch seinen Namen googeln.
Kollege Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke dagegen ist einer der prominenteren Bischöfe Deutschlands, da er eine ausgesprochene Talkshow-Vorliebe hat und von Plasberg bis Illner nirgendwo fehlt, wenn es darum geht den Zölibat zu idealisieren.
Dessen Abschaffung findet er schwachsinnig.
Weihbischof Hans-Jochen Jaschke tat den Vorschlag jedoch mit dem Hinweis ab, im Zölibat müsse man „nichts unterdrücken“, sondern könne sexuelle Energie durch „Sublimierung“ sogar in geistige Energie wandeln.
(Welt)
Seine Co-Chefs Werbs und Thissen beherrschen die Sublimationsmethode offenbar nicht so gut.
Sie wirken gänzlich energielos und finden in der Öffentlichkeit nicht statt.
Vielleicht ist aber Jaschke auch nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Und zwar die Regel, daß Hamburger zum Understatement neigen, sich nie mit Titel ansprechen und auch keine Orden annehmen dürfen.
Der feine Hanseat fällt nicht auf.
In dieses Bild passt auch die evangelische Kollegin Maria Jepsen, die für bischöfliche Verhältnisse eine durchaus angenehme Person mit modernen Ansichten ist.
Sie kümmert sich um ihr Geschäft, also die Kirchenmitglieder. So wünsche ich mir als Atheist einen Christen - jemand, der die Konfessionslosen in Ruhe läßt.
In Talkshows verschlägt es sie selten; offenbar ist sie nicht der Typ, den es vor jede Kamera zieht.
Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, 16.525 km² mit über zwei Millioen Mitgliedern, ist in die zwei Sprengel Hamburg und Lübeck sowie Schleswig und Holstein unterteilt, denen jeweils eine Bischöfin oder ein Bischof vorstehen.
Im Jahr 2012 will man sich zu einer Super-Nordkirche mit einem Bischof fusionieren.
Bischöfin Maria Jepsen ist derzeit Chefin des Sprengels Hamburg und Lübeck.
Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, 2001 bis 2008 Chefin des Sprengels Holstein-Lübeck war ebenfalls eine presseferne Person des Typs Jepsen - mithin also das diametrale Gegenteil ihrer extrem geltungssüchtigen und eitlen Ex-Kollegin Käßmann aus Hannover, die noch vor dem Zähneputzen das erste mal bei der BILD anrief um dafür zu sorgen stets in den Schlagzeilen zu bleiben.
Egal ob Klimakterium, Scheidung oder Brustkrebs - nichts war Margot von Hannover intim genug, um es nicht sofort in die Öffentlichkeit zu tragen.
Eine Gemeinsamkeit gibt es bei Protestanten und Katholiken - der Typ Rampensau macht Karriere und kommt in höhere Ämter.
So wurde Bischöfin Käßmann EKD-Vorsitzende und Bischof Mixa konnte das vergleichsweise unbedeutende Bistum Eichstätt mit 431.573 Mitgliedern 2005 gegen das mehr als dreimal so große Augsburg tauschen.
In beiden Fällen ist allerdings auch die Fallhöhe groß.
Es knallt eben deutlich lauter, wenn man einem so prall aufgeblasenen Kirchenfürst die Luft rausläßt.
Wenn dieser Tage Meldungen über einfache Priester, die Kinder sexuell missbraucht haben in die Presse gelangen, schaffen sie es nur noch als ganz kleine Meldungen auf die hinteren Seiten der Zeitungen.
Am Montag war es das katholische Erzbistum Hamburg, das einen seiner Hirten „suspendierte“. Der Mann ist geständig - nannte aber nur verjährte Fälle von mehreren Jungs, die er sexuell mißhandelt hatte.
Er sagte aus, dass es zwischen 1972 und 1984 zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. "Er hat Namen genannt", sagte Bistumssprecher Andreas Herzig. Die zuständigen Gemeinden seien mittlerweile informiert worden. Diese sollten nun Kontakt mit den Opfern aufnehmen. Laut NDR "Hamburg Journal" sei der Priester noch vergangene Woche in seiner Gemeinde tätig gewesen. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat nun ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir prüfen die Anzeige nun auf strafrechtliche Relevanz", sagte Oberstaatsanwalt Schultz. Darunter falle auch, ob die Taten womöglich bereits verjährt sind.
(Abla)
Hier sehen wir einen weiteren Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Christen im Norden:
Nicht-Zölibatäre Pfarrer fielen nicht durch Kinderfickereien auf, aber allein in den letzten zwei Monaten (!) mußte das Erzbistum Hamburg schon 13 Kindersex-Priester bei der Staatsanwaltschaft anzeigen!
Seit Februar hat das Erzbistum Hamburg bereits 13 seiner Priester wegen sexuellen Missbrauchs bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Zuletzt versetzte es im April einen Pfarrer in den Ruhestand.
(Abla)
Das ist offenbar auch sehr katholisch - statt sich geistige Eigenenergie hinzu zu sublimieren, lassen viele Zwangszölibatäre lieber kleine Kinder für ihren Triebstau bluten.
13 Sexpriester in zwei Monaten gefeuert - und das in einem Bistum, das nur 20 % der Mitglieder des evangelischen Pendants hat.
Aber Bischof Jaschke weiß, daß der Zölibat rein gar nichts mit dem Kindesmissbrauch zu tun hat.
Na dann.
Diese enorme Größe bedeutet allerdings nichts anderes als kleine Katholikenanteile unter der Bevölkerung.
Unter den 27 deutschen Bistümern verantwortet Erzbischof Dr. Werner Thissen das fünftkleinste Bistum bezogen auf die Mitglieder.
Gerade mal 390.000 Schäfchen in 96 Pfarreien gehören formal zum Erzbistum.
(Zum Vergleich: Mixas Ex-Diözese Augsburg beinhaltet 1,5 Millionen Katholiken mit über 1000 (!) Pfarreien.)
Von den Katholiken des Erzbistums leben in Hamburg 180.479 (von 1.770.629 Einwohnern, 10,3 %), in Schleswig-Holstein 169.868 (von 2.837.373 Einwohnern, 6,1%) und in Mecklenburg 42.765 (von geschätzten 1,2 Mio, ca.3,5 %).
Viel zu tun ist in der Archidioecesis Hamburgensis also nicht gerade.
Weihbischof Norbert Werbs bemerkt man dementsprechend gar nicht; selbst ich mußte eben noch seinen Namen googeln.
Kollege Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke dagegen ist einer der prominenteren Bischöfe Deutschlands, da er eine ausgesprochene Talkshow-Vorliebe hat und von Plasberg bis Illner nirgendwo fehlt, wenn es darum geht den Zölibat zu idealisieren.
Dessen Abschaffung findet er schwachsinnig.
Weihbischof Hans-Jochen Jaschke tat den Vorschlag jedoch mit dem Hinweis ab, im Zölibat müsse man „nichts unterdrücken“, sondern könne sexuelle Energie durch „Sublimierung“ sogar in geistige Energie wandeln.
(Welt)
Seine Co-Chefs Werbs und Thissen beherrschen die Sublimationsmethode offenbar nicht so gut.
Sie wirken gänzlich energielos und finden in der Öffentlichkeit nicht statt.
Vielleicht ist aber Jaschke auch nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Und zwar die Regel, daß Hamburger zum Understatement neigen, sich nie mit Titel ansprechen und auch keine Orden annehmen dürfen.
Der feine Hanseat fällt nicht auf.
In dieses Bild passt auch die evangelische Kollegin Maria Jepsen, die für bischöfliche Verhältnisse eine durchaus angenehme Person mit modernen Ansichten ist.
Sie kümmert sich um ihr Geschäft, also die Kirchenmitglieder. So wünsche ich mir als Atheist einen Christen - jemand, der die Konfessionslosen in Ruhe läßt.
In Talkshows verschlägt es sie selten; offenbar ist sie nicht der Typ, den es vor jede Kamera zieht.
Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, 16.525 km² mit über zwei Millioen Mitgliedern, ist in die zwei Sprengel Hamburg und Lübeck sowie Schleswig und Holstein unterteilt, denen jeweils eine Bischöfin oder ein Bischof vorstehen.
Im Jahr 2012 will man sich zu einer Super-Nordkirche mit einem Bischof fusionieren.
Bischöfin Maria Jepsen ist derzeit Chefin des Sprengels Hamburg und Lübeck.
Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, 2001 bis 2008 Chefin des Sprengels Holstein-Lübeck war ebenfalls eine presseferne Person des Typs Jepsen - mithin also das diametrale Gegenteil ihrer extrem geltungssüchtigen und eitlen Ex-Kollegin Käßmann aus Hannover, die noch vor dem Zähneputzen das erste mal bei der BILD anrief um dafür zu sorgen stets in den Schlagzeilen zu bleiben.
Egal ob Klimakterium, Scheidung oder Brustkrebs - nichts war Margot von Hannover intim genug, um es nicht sofort in die Öffentlichkeit zu tragen.
Eine Gemeinsamkeit gibt es bei Protestanten und Katholiken - der Typ Rampensau macht Karriere und kommt in höhere Ämter.
So wurde Bischöfin Käßmann EKD-Vorsitzende und Bischof Mixa konnte das vergleichsweise unbedeutende Bistum Eichstätt mit 431.573 Mitgliedern 2005 gegen das mehr als dreimal so große Augsburg tauschen.
In beiden Fällen ist allerdings auch die Fallhöhe groß.
Es knallt eben deutlich lauter, wenn man einem so prall aufgeblasenen Kirchenfürst die Luft rausläßt.
Wenn dieser Tage Meldungen über einfache Priester, die Kinder sexuell missbraucht haben in die Presse gelangen, schaffen sie es nur noch als ganz kleine Meldungen auf die hinteren Seiten der Zeitungen.
Am Montag war es das katholische Erzbistum Hamburg, das einen seiner Hirten „suspendierte“. Der Mann ist geständig - nannte aber nur verjährte Fälle von mehreren Jungs, die er sexuell mißhandelt hatte.
Er sagte aus, dass es zwischen 1972 und 1984 zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. "Er hat Namen genannt", sagte Bistumssprecher Andreas Herzig. Die zuständigen Gemeinden seien mittlerweile informiert worden. Diese sollten nun Kontakt mit den Opfern aufnehmen. Laut NDR "Hamburg Journal" sei der Priester noch vergangene Woche in seiner Gemeinde tätig gewesen. Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat nun ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir prüfen die Anzeige nun auf strafrechtliche Relevanz", sagte Oberstaatsanwalt Schultz. Darunter falle auch, ob die Taten womöglich bereits verjährt sind.
(Abla)
Hier sehen wir einen weiteren Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Christen im Norden:
Nicht-Zölibatäre Pfarrer fielen nicht durch Kinderfickereien auf, aber allein in den letzten zwei Monaten (!) mußte das Erzbistum Hamburg schon 13 Kindersex-Priester bei der Staatsanwaltschaft anzeigen!
Seit Februar hat das Erzbistum Hamburg bereits 13 seiner Priester wegen sexuellen Missbrauchs bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Zuletzt versetzte es im April einen Pfarrer in den Ruhestand.
(Abla)
Das ist offenbar auch sehr katholisch - statt sich geistige Eigenenergie hinzu zu sublimieren, lassen viele Zwangszölibatäre lieber kleine Kinder für ihren Triebstau bluten.
13 Sexpriester in zwei Monaten gefeuert - und das in einem Bistum, das nur 20 % der Mitglieder des evangelischen Pendants hat.
Aber Bischof Jaschke weiß, daß der Zölibat rein gar nichts mit dem Kindesmissbrauch zu tun hat.
Na dann.
Samstag, 8. Mai 2010
Wes Brot ich ess, des Lied ich sing…
Als kleines winziges Rädchen in der Blogosphäre hat man selbstverständlich nicht die Ressourcen eigenständig Recherchen anzustellen, die nach journalistischen Maßstäben als „investigativ“ gelten könnten.
Eine Information einfach so als gesichert anzunehmen, weil sie bei Wikipedia steht, oder aber in einigen Zeitungsartikeln erwähnt wird, ist unseriös.
Ein redlicher Journalist würde jeweils ein direktes Gespräch suchen, nachfragen, oder zumindest die Betroffenen über die man schreibt, vorher anrufen.
Eine Quelle darf man nie als gesichert ansehen, bevor man nicht selbst ein Original eingesehen hat.
Praktisch ist so ein Vorgehen für „normale Journalisten“, die für eine Zeitung oder einen Sender arbeiten, schwierig und umständlich - für die rund 200.000 Blogger sogar nahezu unmöglich.
Einige Legenden werden so massiv beworben und so oft wiederholt, daß offenbar gar keiner mehr auf die Idee verfällt die Story zu hinterfragen.
Beispiele:
1.)
Baron zu Guttenbergs angebliche Wirtschaftskompetenz, die von nahezu allen deutschen Medien euphorisch gelobt wurde, als er im Februar 2009 vollkommen überraschend Glos nachfolgte.
Guttenberg käme selbst aus der Wirtschaft und habe außerordentlich erfolgreich ein mittelständisches Unternehmen geleitet.
Das CDU-PR-Organ BILD jubilierte:
Er war geschäftsführender Gesellschafter im Familienbetrieb (Trockenbau, Isoliertechnik, Dämmstoffe).
Die Springersche Schwesterzeitung Hamburger Abendblatt schrieb:
Dem Vorhalt, das wirtschaftspolitische Profil zu Guttenbergs sei ausbaufähig, begegnet Seehofer mit dem Hinweis auf dessen Praxiserfahrung. Tatsächlich war er geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe.
Der Freiherr selbst erklärte sich in den Tagesthemen vom 09. Februar 2009 für besonders erfahren:
Ein teilwirtschaftliches Fundament durfte ich mir in der Zeit vor der Politik bereits aneignen. Durch die Verantwortung, die ich im Familienunternehmen getragen habe.
ZDH-Präsident Kentzler:
Ihm ist aufgrund seiner bisherigen Leistungen in der Politik viel zuzutrauen.
Gleichlautendes von Karl-Theodor zu Guttenberg im „heute journal“ vom 09.02.2009:
...und habe vor dem Eintritt in die Politik in der freien Wirtschaft gearbeitet. War dort tätig, habe dort Verantwortung im eigenen Familienunternehmen getragen.
Wenn das alle sagen, wird das ja wohl stimmen.
Tatsächlich handelte es sich um eine gigantische journalistische Fehlleistung, deren Aufklärung nie recht ins Bewußtsein der Öffentlichkeit geriet, da lediglich ZAPP nachfragte und kaum einer das Ergebnis aufgriff:
Bei der angegebenen Firma - Von Guttenberg GmbH Uhlandstraße 15 · 85609 Aschheim · Tel. 089/909983-0 - ist man irritiert. Sie beschäftigt sich tatsächlich mit Trockenbau, WKSB-Isoliertechnik, Dämmstoffe für Dach, Fassade und industrielle Weiterverarbeitung. Allerdings hat ein Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg dort nie gearbeitet.
Wovon spricht also der telegene Freiherr, wenn er auf seine „Erfahrungen“ verweist?
Auch das hat ZAPP nach langer Mühe ermittelt und zitiert einen Auszug aus dem Handelsregister, nachdem es sich um eine zwar gleichnamige aber ganz andere Firma handelte:
„die Guttenberg GmbH“ mit Sitz in München. Sie hatte lediglich „3 Beschäftigte“. Deren Aufgabe (Zitat aus Handelsregister):... „die Verwaltung des eigenen Vermögens.“ Es ist das Vermögen der Familie von und zu Guttenberg. Seit fünf Jahren gibt es auch diese Firma nicht mehr.
2.)
Ein weiteres Beispiel sind die just zum fünfjährigen Pontifikatsjubiläum myriadenfach aufgewärmten Lobeshymnen darüber, daß Ratzinger „ein Theologe auf dem Heiligen Stuhl“ sei.
Donnerschlach! Was wir als Nächstes enthüllt? Daß der Papst womöglich auch noch Katholik ist?
Welcher Papst oder Kardinal der letzten hundert Jahre war denn NICHT Theologieprofessor?
Machen üblicherweise habilitierte Mathematiker oder Ägyptologen im Vatikan Karriere?
Letzte Woche bei „West.art am Sonntag“ (Ist die katholische Kirche noch zu retten?) sang Ansgar Wucherpfennig (Jesuit Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen) mal wieder dieses Lied.
Der Papst könne sich sogar auf Augenhöhe mit Küng und Habermas unterhalten.
Erstaunlich; ein Papst, der etwas von Kirche versteht!
Daß Ratzinger ein wissenschaftliches Großhirn sei, wird munter weiterverbreitet, ohne daß mal jemand genauer hinsieht.
Alan Posener hat das dann doch mal getan bei seinen Recherchen für das Buch „Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ (Ullstein 2009, Preis: 18 Euro).
Das Ergebnis war erschreckend.
Ratzinger ist alles anderes als wissenschaftlich korrekt, er fälscht Zitate und presst sich bei seinem großen Thema „Vernunft und Glaube“ Immanuel Kant auch mal so hin, wie es ihm gerade passt.
Offenbar kommt aber kaum einer der bei Papst-Vorträgen andächtig Lauschenden überhaupt auf die Idee mal Zitate nachzuschlagen und auf Korrektheit zu überprüfen.
Die Beispiele Zapp und Posener sollen zeigen, daß man sich auch als Otto Normalblogger einige Informationen zugänglich machen kann, die scheinbar bei großen Teilen der etablierten Presse nicht ankommen.
Das einzige Rezept, das einen davor bewahrt allzu vielen Fehlinformationen aufzusitzen, ist und bleibt „viel lesen“ und dabei möglichst unterschiedliche Quellen verwenden.
Insbesondere ist es sehr wichtig sich stets darüber bewußt zu sein, woher die Informationen stammen.
Hiermit komme ich auf das große Thema „Medienjournalismus“ - also das absolute Stiefkind der Presse.
Medienjournalisten werfen kritische Blicke auf ihre eigene Branche.
Das einzige Fernsehmagazin, das sich ausdrücklich und regelmäßig damit die Finger schmutzig macht, ist die NDR-Sendung „Zapp“, die man in diesem Zusammenhang gar nicht genug loben kann.
Man sollte sie möglichst immer verfolgen - denn nur dort werden einer größeren Öffentlichkeit Informationen über die Profi-Informanten zugänglich gemacht.
Einen sehr aufschlußreichen Aufsatz zu dem Thema veröffentlichte der einstige SPD-Vordenker und heutige Herausgeber der „NachDenkSeiten“ Albrecht Müller am 30.04.2010.
Den Text möchte ich hiermit ausdrücklich als Lektüre empfehlen.
Obwohl ich einige Sätze für übertrieben halte, wie ich auch generell die Nachdenkseiten für etwas blind auf dem linken Auge halte, stimme ich mit dem Grundtenor weitgehend überein.
Sehr wichtig finde ich seine Warnung vor sich unabhängig und seriös gebenden Experten und Instituten, die in Wahrheit einer klaren politischen Strömung entstammen:
Von Medienjournalisten würden wir erwarten, dass sie ihre Kollegen in den Zeitungen und Redaktionen bei den Sendern bedrängen, wenn diese immer wieder Organisationen und Institute zitieren, die eigens für die Public Relations-Arbeit gegründet worden sind: namentlich zum Beispiel die INSM, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, BerlinPolis, das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), das Institut für die Zukunft der Arbeit (IZA) in den Händen der Deutschen Post AG und des Berliner Professors Klaus Zimmermann, das MEA, ein Mannheimer Institut unter Leitung von Professor Börsch-Supan, finanziert von der Versicherungswirtschaft und dem Land Baden-Württemberg, das Freiburger Institut von Raffelhüschen, das IW, das Institut der deutschen Wirtschaft, usw.
Es erscheint mir überhaupt als eins der Hauptübel des politischen Journalismus, daß intensiv verfolgte Absichten stets unter dem Deckmantel der Neutralität und Unabhängigkeit verkauft werden.
Wenn man sich die Titelseite von Springer-Blättern ansieht, prangt einem ein selbstbewußtes „unabhängig, überparteilich“ entgegen.
Auch auf der BILD. Ein guter Witz.
Aber man weiß auch was man von der BILD zu erwarten hat - Lügen im Allgemeinen und Propaganda gegen SPD, Linke und Grüne im Besonderen.
Viele andere Blätter sind aber genauso wenig „unabhängig, überparteilich“ - das muß man immer im Hinterkopf haben.
Ich lobe an dieser Stelle das kleine Boulevardblättchen „Hamburger Morgenpost“, das in Hamburg einsam im Billigsegment (60 Cent) gegen die Springerübermacht steht.
Der „MoPo“-Kommentar bezieht wenigstens Position, so daß man weiß wes Brot man da gerade isst.
Über die bei „hart aber fair“ schwer debakulierende Silvana Koch-Mehrin und ihr Verlangen nach einem generellen Burka-Verbot, schrieb Kommentator Dorschel am 3. Mai 2010
Heute, am Tag vor der NRW-Wahl lautet die Überschrift des Mopo-Kommentars von Mathis Neuburger
Eine Information einfach so als gesichert anzunehmen, weil sie bei Wikipedia steht, oder aber in einigen Zeitungsartikeln erwähnt wird, ist unseriös.
Ein redlicher Journalist würde jeweils ein direktes Gespräch suchen, nachfragen, oder zumindest die Betroffenen über die man schreibt, vorher anrufen.
Eine Quelle darf man nie als gesichert ansehen, bevor man nicht selbst ein Original eingesehen hat.
Praktisch ist so ein Vorgehen für „normale Journalisten“, die für eine Zeitung oder einen Sender arbeiten, schwierig und umständlich - für die rund 200.000 Blogger sogar nahezu unmöglich.
Einige Legenden werden so massiv beworben und so oft wiederholt, daß offenbar gar keiner mehr auf die Idee verfällt die Story zu hinterfragen.
Beispiele:
1.)
Baron zu Guttenbergs angebliche Wirtschaftskompetenz, die von nahezu allen deutschen Medien euphorisch gelobt wurde, als er im Februar 2009 vollkommen überraschend Glos nachfolgte.
Guttenberg käme selbst aus der Wirtschaft und habe außerordentlich erfolgreich ein mittelständisches Unternehmen geleitet.
Das CDU-PR-Organ BILD jubilierte:
Er war geschäftsführender Gesellschafter im Familienbetrieb (Trockenbau, Isoliertechnik, Dämmstoffe).
Die Springersche Schwesterzeitung Hamburger Abendblatt schrieb:
Dem Vorhalt, das wirtschaftspolitische Profil zu Guttenbergs sei ausbaufähig, begegnet Seehofer mit dem Hinweis auf dessen Praxiserfahrung. Tatsächlich war er geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe.
Der Freiherr selbst erklärte sich in den Tagesthemen vom 09. Februar 2009 für besonders erfahren:
Ein teilwirtschaftliches Fundament durfte ich mir in der Zeit vor der Politik bereits aneignen. Durch die Verantwortung, die ich im Familienunternehmen getragen habe.
ZDH-Präsident Kentzler:
Ihm ist aufgrund seiner bisherigen Leistungen in der Politik viel zuzutrauen.
Gleichlautendes von Karl-Theodor zu Guttenberg im „heute journal“ vom 09.02.2009:
...und habe vor dem Eintritt in die Politik in der freien Wirtschaft gearbeitet. War dort tätig, habe dort Verantwortung im eigenen Familienunternehmen getragen.
Wenn das alle sagen, wird das ja wohl stimmen.
Tatsächlich handelte es sich um eine gigantische journalistische Fehlleistung, deren Aufklärung nie recht ins Bewußtsein der Öffentlichkeit geriet, da lediglich ZAPP nachfragte und kaum einer das Ergebnis aufgriff:
Bei der angegebenen Firma - Von Guttenberg GmbH Uhlandstraße 15 · 85609 Aschheim · Tel. 089/909983-0 - ist man irritiert. Sie beschäftigt sich tatsächlich mit Trockenbau, WKSB-Isoliertechnik, Dämmstoffe für Dach, Fassade und industrielle Weiterverarbeitung. Allerdings hat ein Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg dort nie gearbeitet.
Wovon spricht also der telegene Freiherr, wenn er auf seine „Erfahrungen“ verweist?
Auch das hat ZAPP nach langer Mühe ermittelt und zitiert einen Auszug aus dem Handelsregister, nachdem es sich um eine zwar gleichnamige aber ganz andere Firma handelte:
„die Guttenberg GmbH“ mit Sitz in München. Sie hatte lediglich „3 Beschäftigte“. Deren Aufgabe (Zitat aus Handelsregister):... „die Verwaltung des eigenen Vermögens.“ Es ist das Vermögen der Familie von und zu Guttenberg. Seit fünf Jahren gibt es auch diese Firma nicht mehr.
2.)
Ein weiteres Beispiel sind die just zum fünfjährigen Pontifikatsjubiläum myriadenfach aufgewärmten Lobeshymnen darüber, daß Ratzinger „ein Theologe auf dem Heiligen Stuhl“ sei.
Donnerschlach! Was wir als Nächstes enthüllt? Daß der Papst womöglich auch noch Katholik ist?
Welcher Papst oder Kardinal der letzten hundert Jahre war denn NICHT Theologieprofessor?
Machen üblicherweise habilitierte Mathematiker oder Ägyptologen im Vatikan Karriere?
Letzte Woche bei „West.art am Sonntag“ (Ist die katholische Kirche noch zu retten?) sang Ansgar Wucherpfennig (Jesuit Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen) mal wieder dieses Lied.
Der Papst könne sich sogar auf Augenhöhe mit Küng und Habermas unterhalten.
Erstaunlich; ein Papst, der etwas von Kirche versteht!
Daß Ratzinger ein wissenschaftliches Großhirn sei, wird munter weiterverbreitet, ohne daß mal jemand genauer hinsieht.
Alan Posener hat das dann doch mal getan bei seinen Recherchen für das Buch „Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ (Ullstein 2009, Preis: 18 Euro).
Das Ergebnis war erschreckend.
Ratzinger ist alles anderes als wissenschaftlich korrekt, er fälscht Zitate und presst sich bei seinem großen Thema „Vernunft und Glaube“ Immanuel Kant auch mal so hin, wie es ihm gerade passt.
Offenbar kommt aber kaum einer der bei Papst-Vorträgen andächtig Lauschenden überhaupt auf die Idee mal Zitate nachzuschlagen und auf Korrektheit zu überprüfen.
Die Beispiele Zapp und Posener sollen zeigen, daß man sich auch als Otto Normalblogger einige Informationen zugänglich machen kann, die scheinbar bei großen Teilen der etablierten Presse nicht ankommen.
Das einzige Rezept, das einen davor bewahrt allzu vielen Fehlinformationen aufzusitzen, ist und bleibt „viel lesen“ und dabei möglichst unterschiedliche Quellen verwenden.
Insbesondere ist es sehr wichtig sich stets darüber bewußt zu sein, woher die Informationen stammen.
Hiermit komme ich auf das große Thema „Medienjournalismus“ - also das absolute Stiefkind der Presse.
Medienjournalisten werfen kritische Blicke auf ihre eigene Branche.
Das einzige Fernsehmagazin, das sich ausdrücklich und regelmäßig damit die Finger schmutzig macht, ist die NDR-Sendung „Zapp“, die man in diesem Zusammenhang gar nicht genug loben kann.
Man sollte sie möglichst immer verfolgen - denn nur dort werden einer größeren Öffentlichkeit Informationen über die Profi-Informanten zugänglich gemacht.
Einen sehr aufschlußreichen Aufsatz zu dem Thema veröffentlichte der einstige SPD-Vordenker und heutige Herausgeber der „NachDenkSeiten“ Albrecht Müller am 30.04.2010.
Den Text möchte ich hiermit ausdrücklich als Lektüre empfehlen.
Obwohl ich einige Sätze für übertrieben halte, wie ich auch generell die Nachdenkseiten für etwas blind auf dem linken Auge halte, stimme ich mit dem Grundtenor weitgehend überein.
Sehr wichtig finde ich seine Warnung vor sich unabhängig und seriös gebenden Experten und Instituten, die in Wahrheit einer klaren politischen Strömung entstammen:
Von Medienjournalisten würden wir erwarten, dass sie ihre Kollegen in den Zeitungen und Redaktionen bei den Sendern bedrängen, wenn diese immer wieder Organisationen und Institute zitieren, die eigens für die Public Relations-Arbeit gegründet worden sind: namentlich zum Beispiel die INSM, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, BerlinPolis, das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), das Institut für die Zukunft der Arbeit (IZA) in den Händen der Deutschen Post AG und des Berliner Professors Klaus Zimmermann, das MEA, ein Mannheimer Institut unter Leitung von Professor Börsch-Supan, finanziert von der Versicherungswirtschaft und dem Land Baden-Württemberg, das Freiburger Institut von Raffelhüschen, das IW, das Institut der deutschen Wirtschaft, usw.
Es erscheint mir überhaupt als eins der Hauptübel des politischen Journalismus, daß intensiv verfolgte Absichten stets unter dem Deckmantel der Neutralität und Unabhängigkeit verkauft werden.
Wenn man sich die Titelseite von Springer-Blättern ansieht, prangt einem ein selbstbewußtes „unabhängig, überparteilich“ entgegen.
Auch auf der BILD. Ein guter Witz.
Aber man weiß auch was man von der BILD zu erwarten hat - Lügen im Allgemeinen und Propaganda gegen SPD, Linke und Grüne im Besonderen.
Viele andere Blätter sind aber genauso wenig „unabhängig, überparteilich“ - das muß man immer im Hinterkopf haben.
Ich lobe an dieser Stelle das kleine Boulevardblättchen „Hamburger Morgenpost“, das in Hamburg einsam im Billigsegment (60 Cent) gegen die Springerübermacht steht.
Der „MoPo“-Kommentar bezieht wenigstens Position, so daß man weiß wes Brot man da gerade isst.
Über die bei „hart aber fair“ schwer debakulierende Silvana Koch-Mehrin und ihr Verlangen nach einem generellen Burka-Verbot, schrieb Kommentator Dorschel am 3. Mai 2010
„Populistische Trittbrettfahrer
[…] Und wenn promt auch die deutsche FDP Burkas verbieten will, ist das beängstigend. Denn Burkas sind bei uns ungefähr genauso verbreitet wie Bananenröcke. Kann man verbieten, kann man auch lassen - am Leben im Land ändert das nichts. Schürt aber kräftig Unmut gegen alles Fremde - so wird die FDP zum populistischen Trittbrettfahrer einer Debatte unter Nachbarn. Nur ein paar Wochen ist die Hetze gegen Hartz-IV-Bezieher alt, da karrt die FDP wieder ein Feindbild heran. Das ist nicht liberal, das ist nicht seriös. Sondern stinkt zum Himmel."
[…] Und wenn promt auch die deutsche FDP Burkas verbieten will, ist das beängstigend. Denn Burkas sind bei uns ungefähr genauso verbreitet wie Bananenröcke. Kann man verbieten, kann man auch lassen - am Leben im Land ändert das nichts. Schürt aber kräftig Unmut gegen alles Fremde - so wird die FDP zum populistischen Trittbrettfahrer einer Debatte unter Nachbarn. Nur ein paar Wochen ist die Hetze gegen Hartz-IV-Bezieher alt, da karrt die FDP wieder ein Feindbild heran. Das ist nicht liberal, das ist nicht seriös. Sondern stinkt zum Himmel."
Heute, am Tag vor der NRW-Wahl lautet die Überschrift des Mopo-Kommentars von Mathis Neuburger
„Die FDP und die Steuern. Bitte stoppt die Geisterfahrer.“
Darin heißt es unter anderem:
„Wozu braucht an eigentlich die FDP? Gut, man kann sich prächtig über sie lustig machen. […] Allerorten brennt die Hütte lichterloh - und die Liberalen tun immer noch so, als wäre ein warmer Geldregen für alle Bürger die beste Feuerversicherung. Ja, ticken die noch richtig? Sechs Milliarden Euro Schulden nimmt allein Hamburg in den kommenden Jahren auf. Rückzahlung höchst unwahrscheinlich. Trotzdem werden Gebühren erhöht und Leistungen zurückgeschraubt. Und das wird erst der Anfang sein. Die FDP hat sich derweil nicht getraut auch nur einen Vorschlag zu machen, wo für Steuersenkungen gekürzt werden soll. Im Sozialen? Bei der Bildung? Bei den Familien? Wer so feige ist, darf nicht ernst genommen werden. Man kann nur an die Nordrhein-Westfalen appellieren: Stoppt morgen diese Geisterfahrer. Bitte!“ Das kann man nun nicht mehr als „überparteilich“ bezeichnen.
Das nicht. Aber wo sie recht haben, haben sie recht.
Ich schließe mich der Bitte Herrn Neuburgers an die NRW’ler an.
Das nicht. Aber wo sie recht haben, haben sie recht.
Ich schließe mich der Bitte Herrn Neuburgers an die NRW’ler an.
Mittwoch, 14. April 2010
Außenpolitik und Menschenrechte
Im aktuellen SPIEGEL gibt es eine Dreiseitengeschichte über Guido, den Freizeitdiplomaten.
Der Tenor:
Die Deutschen mögen nicht wie kreischig er bei den Themen Sozialpolitik und Steuern auftritt. Darüber wird aber übersehen, daß seine Performance als Außenminister auch außerordentlich mies ist.
Er hat einfach keine Lust zu den komplizierten diplomatischen Fragen.
Akten lesen war noch nie sein Ding. Wenn Guido mit angeblichen „Fakten“ um sich wirft, wie bei der armen Kellnerin, die weniger als ein Hartzler verdiene, hat er sie der BILD-Zeitung entnommen und dementsprechend falsch ist die Chose auch.
Außenpolitik ist dummerweise noch erheblich komplizierter und erfordert enormes Hintergrundwissen.
Für einen wie Westerwelle, der sich noch nie mit solchen Fragen beschäftigt hat, ist dieses Amt also denkbar ungeeignet.
Als Großsprecher, der darüber hinaus auch noch stinkendfaul ist, kann man nur peinlich auffallen.
Dazu der Spiegel:
Das passte zu dem Westerwelle, den man als Oppositionsführer kannte, stets zu laut und oft an der Grenze zum Unseriösen. […] Er ist nicht nur der unbeliebteste Außenminister seit Jahrzehnten, er ist der unbeliebteste Spitzenpolitiker überhaupt. In einer Umfrage der vergangenen Woche landete er noch hinter Linken-Fraktionschef Gregor Gysi auf dem letzten Platz einer Beliebtheitsrangliste. Westerwelle erweckt bislang nicht den Eindruck, dass er sich seinem Amt voll und ganz verschrieben habe. Bisweilen scheint es, als verstehe er es mehr als Nebentätigkeit, als nette Ergänzung zum Parteivorsitz. Vielleicht sollte er endlich mal zeigen, dass er auch die Kunst der Diplomatie beherrscht, dass er auch still kann, nicht nur schrill.
Auch off-camera ist unser Guido einfach nur eine Fehlbesetzung.
Zum Beispiel während der Afrikareise im April 2010:
Westerwelle steht in einem Besprechungsraum des Ocean Road Hospital von Daressalam und soll ein paar Worte zur Begrüßung sagen. In dem deutschen Kolonialbau hat Robert Koch vor rund hundert Jahren an Malaria geforscht. Es war für lange Zeit das einzige Krebskrankenhaus in Ostafrika.
Westerwelle könnte jetzt einiges zur interessanten Geschichte des Hospitals sagen, aber er legt ein fast aufreizendes Desinteresse an den Tag. Er habe über das Krankenhaus gelesen, sagt er und murmelt etwas von Respekt und harter Arbeit. Westerwelle weiß offenbar wenig über das Haus. Es ist heiß und schwül. Er will schnell weg. […]
Westerwelle liebt seinen Status, er schätzt es, von Staatschefs und Ministern empfangen zu werden. Leider hat man selten den Eindruck, er interessiere sich für das, was seine Aufgabe ist. […]
"Ich will mir nicht ein paar schöne Jahre im Auswärtigen Amt machen und die Welt kennenlernen", hat Westerwelle auf dem Höhepunkt des innenpolitischen Streits um Hartz IV gesagt. Ein paar schöne Jahre, das ist Westerwelles Idee von Außenpolitik. Im Auswärtigen Amt kam das nicht gut an.
Die Beamten haben registriert, dass Westerwelle sich selten länger für ein Thema interessiert. Er will nur Dinge wissen, die ihm über das nächste Gespräch, die nächste Pressekonferenz hinweghelfen: Wo sind Streitpunkte, was ist die deutsche Position, die offensichtlichen Fragen eben. Im Amt heißt es, dass er auf dem Flug nach Peking im Januar zum zuständigen Referenten gesagt habe: "Sie haben sieben Minuten Zeit, mir China zu erklären."
China ist für den Mövenpickparteichef ein unwichtiges Land mit nur 1,3 Milliarden Menschen, einer gerade mal 6000 Jahren alten Geschichte.
Es ist ja auch nur eine Atommacht, eine UN-Sicherheitsrat-Vetomacht und der Exportweltmeister.
Guido weiß aber nur, daß da irgendwas mit den Menschrechten zu sagen ist.
Nicht, weil das irgendeinen Chinesen interessierte, was der groteske deutsche Vizekanzler dazu zu sagen hat, sondern weil das zuhause als Gradmesser dafür dient, ob man Eier hat.
Und weil er Westerwelle ist, weiß er nicht welcher Tonfall angebracht ist.
Er kann nur schrill und immer eine Umdrehung zu viel.
So wie in Ankara, als er bereits deutlich gesagt hatte, daß er im Gegensatz zu Merkel für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei ist. Jeder hatte verstanden.
Er kann sich aber nicht zügeln und schob dann zunächst ein „Was ich hier sage, zählt!“ nach und als alle schon peinlich berührt waren, kam dann noch sein „Ich bin schließlich nicht als Tourist in kurzen Hosen hier!“
Es gibt einen richtigen Weg der Diplomatie und es gibt das diametrale Gegenteil davon - Westerwelles Methode.
So also auch in Peking.
Eier will Guido unbedingt haben - also haut er dem chinesischen Amtskollegen bei der Abschlußpressekonferenz das Thema Menschenrechte und Tibet gleich um die Ohren.
Aber Westerwelle schafft es selten, die Dinge im rechten Moment gut sein zu lassen. Also sprach er noch einmal Menschenrechte und Minderheitenschutz an, und damit es auch der Letzte begriff, noch ein drittes Mal. Die Kritik an der chinesischen Menschenrechtspraxis wirkte plötzlich wie ein Ritual. Man kann eine Botschaft auch durch Wiederholung schwächen.
(Spiegel)
Soweit Westerwelle.
Mein inhaltliche Anmerkung dazu:
Ja, ich finde die chinesischen Methoden mit sogenannten Dissidenten umzugehen auch grauenvoll. Es widert mich an, daß dort vielerorts offenbar das Wohl und die Würde des Einzelnen nichts gelten.
Es ist eine herzlose Gesellschaft, die kein soziales Netz kennt und kapitalistischer agiert, als alles was sich Marx in seinen schlimmsten Träumen ausdenken konnte.
Ein Bekannter, der lange in China lebte, erzählte mir jede Menge „Anekdoten“ aus dem dortigen Alltag, die vehement unserem europäischen Sozialgefühl widersprechen.
So fuhr er beispielsweise einmal in einem der notorisch überfüllten Busse und hatte einen Sitzplatz ergattert.
Als eine schwer bepackte Greisin zustieg die so entkräftet war, daß sie sich kaum auf den Beinen halten konnte, stand er selbstverständlich auf, um ihr Platz zu machen.
Bevor er sich versah, war aber ein junger Kerl auf den freien Sitz gesprungen.
Alten Menschen Platz zu machen, ist dort unbekannt.
Wenn Greise zu langsam humpeln und im Weg stehen, kriegen sie einen Tritt in den Arsch und gut is.
Auch wenn ich nicht für die Allgemeingültigkeit dieser Geschichte bürgen kann; das gefällt mir nicht.
Es gefällt aber den Ökonomen.
Ganz zweifellos ist das ein (kurzfristiger) wirtschaftlicher Vorteil, wenn ein Land auf keine Sozialgesetzgebung, auf keine Rechte Einzelner Rücksicht nehmen muß.
Natürlich geht es schneller voran, wenn man keine Genehmigungsverfahren, Ausschreibungen, ökologische Ausweichflächen und Umweltschutz-Standards erfüllen muß.
Steht einem Bauvorhaben ein kleines Haus in Privatbesitz im Wege, wird der Besitzer eben weggejagt.
Und zwar ohne umständliche Fristen oder anschließend Entschädigungen.
Da steht morgens mit roter Farbe an Tür Bitte ausziehen, ihr Haus wird morgen abgerissen und dann heißt es „Koffer packen - und zwar schnell.“
Als Deutsche rümpfen wir da die Nasen.
Vielleicht schwarzer Humor Gottes, daß mit Guido Westerwelle ausgerechnet derjenige die Menschenrechtslage in China kritisiert, der von den 80 Millionen Deutschen am meisten Sympathien für die Chinesischen Methoden hat!
Die Chinesische Binnenwirtschaft mit komplett rechtlosen Billigarbeitern, keinen Sozialleistungen, Turbokapitalismus und Korruption ist schließlich der feuchte Traum eines echten FDP’ler der Generation Lindner, C. und Lindner, M.
Ich bin aber in dieser Frage eins mit Helmut Schmidt und sage: Das geht uns nichts an!
Wer sind wir eigentlich?
Deutschland mit seiner Geschichte.
Zwei Weltkriege angezettelt, jeder mit zig Millionen Todesopfern.
Nun haben wir gerade mal 60 Jahre Frieden und die Demokratie mußte uns erst gegen unseren Willen aufgezwungen werden.
Von genuin Europäischen Werten wie Imperialismus, Inquisition, Kolonialismus, Sklaverei, Conquista, faschistischen Diktatoren, Umweltzerstörung und Ausbeutung der Dritten Welt will ich mal gar nicht erst anfangen.
Und wir bilden uns ein einem Milliardenvolk mit Jahrtausende alter Geschichte sagen zu müssen, daß sie bitte schön auch die Demokratie, so wie wir sie jetzt gerade augenblicklich verstehen, einzuführen haben?
Die Vehemenz mit der europäische Politiker bei anderen Nationen auf die Einhaltung der Menschenrechte dringen, nimmt proportional zu deren ökonomischer Bedeutung ab.
Deswegen müssen auch riesige Länder wie Russland oder China nie tatsächlich Sanktionen fürchten.
Und wenn eine Nation zufälligerweise auf genügend Erdöl sitzt, wie zum Beispiel Saudi Arabien, kann es auch nach Herzenslust ehebrechende oder gar unverschleierte Frauen steinigen und Schwule köpfen.
Wir heucheln ohnehin nur.
Ich bin sehr für die westliche Ausprägung der Menschenrechte.
Unsere europäischen Politiker sollten auch darauf dringen, daß sie durchgesetzt werden - aber bitte zuerst einmal bei uns. IM WESTEN!
Dazu zwei Beispiele.
1.) Dazu gehörte, daß als erstes mal der Vatikan geächtet werden müßte wegen der grundsätzlichen Rechtlosigkeit von Frauen.
Den Papst oder Kurienkardinäle sollte man in EU-Ländern zu unerwünschten Personen erklären und wie einst Geert Wilders beim britischen Zoll an den Grenzen aufhalten.
2.) Todesstrafe.
139 Länder weltweit haben diese barbarische Unsitte der Staatsmacht abgeschafft.
Laut AI haben im Jahr 2009 aber 18 Länder Hinrichtungen durchgeführt.
Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International in Österreich, weist darauf hin, daß der Trend gegenläufig ist, zuletzt hatten sogar Burundi und Togo die Todesstrafe aus ihren Gesetzbüchern gestrichen.
"Die Todesstrafe wird zunehmend wie Sklaverei und Apartheid als Schande der Menschheit gesehen", betonte Patzelt. In Europa gab es 2009 erstmals seit Amnesty Aufzeichnungen macht keine Hinrichtungen. Nur Weißrussland (Belarus) vollstreckte jüngst wieder die Todesstrafe.
Gucken wir uns aber die Top-Ten-Liste der Hinrichtungen an:
1.China (714)
2. Iran (388)
3. Irak (120)
4. Saudi Arabien (69)
5. USA (52)
6. Jemen (30)
7. Sudan, Vietnam (9)
9.Syrien (8)
10. Japan (7)
Wer tummelt sich da so schön inmitten all der Diktaturen?
Unser Hauptverbündeter USA mit dem everybodys darling-Präsident Obama.
Und wer spricht mal mit dem?
Zum Beispiel Angela Merkel.
Die ist gerade in den USA.
Offizielle Rügen wegen der prekären und beschämenden Menschrechtssituation in US-Gefängnissen wird der US-Präsident nicht zu hören bekommen.
Frau Merkel hatte sich dafür aber ordentlich auf Schröder eingeschossen, weil der mit Putin befreundet war.
Als sie selbst Kanzlerin wurde, hat sich das Verhältnis zu Russland sofort abgekühlt - wegen der Menschrechtssituation!
Stattdessen robbte sie an den Menschenrechtsfreund George W. Bush heran.
Russland hat die Todesstrafe übrigens 1996 abgeschafft.
Der Tenor:
Die Deutschen mögen nicht wie kreischig er bei den Themen Sozialpolitik und Steuern auftritt. Darüber wird aber übersehen, daß seine Performance als Außenminister auch außerordentlich mies ist.
Er hat einfach keine Lust zu den komplizierten diplomatischen Fragen.
Akten lesen war noch nie sein Ding. Wenn Guido mit angeblichen „Fakten“ um sich wirft, wie bei der armen Kellnerin, die weniger als ein Hartzler verdiene, hat er sie der BILD-Zeitung entnommen und dementsprechend falsch ist die Chose auch.
Außenpolitik ist dummerweise noch erheblich komplizierter und erfordert enormes Hintergrundwissen.
Für einen wie Westerwelle, der sich noch nie mit solchen Fragen beschäftigt hat, ist dieses Amt also denkbar ungeeignet.
Als Großsprecher, der darüber hinaus auch noch stinkendfaul ist, kann man nur peinlich auffallen.
Dazu der Spiegel:
Das passte zu dem Westerwelle, den man als Oppositionsführer kannte, stets zu laut und oft an der Grenze zum Unseriösen. […] Er ist nicht nur der unbeliebteste Außenminister seit Jahrzehnten, er ist der unbeliebteste Spitzenpolitiker überhaupt. In einer Umfrage der vergangenen Woche landete er noch hinter Linken-Fraktionschef Gregor Gysi auf dem letzten Platz einer Beliebtheitsrangliste. Westerwelle erweckt bislang nicht den Eindruck, dass er sich seinem Amt voll und ganz verschrieben habe. Bisweilen scheint es, als verstehe er es mehr als Nebentätigkeit, als nette Ergänzung zum Parteivorsitz. Vielleicht sollte er endlich mal zeigen, dass er auch die Kunst der Diplomatie beherrscht, dass er auch still kann, nicht nur schrill.
Auch off-camera ist unser Guido einfach nur eine Fehlbesetzung.
Zum Beispiel während der Afrikareise im April 2010:
Westerwelle steht in einem Besprechungsraum des Ocean Road Hospital von Daressalam und soll ein paar Worte zur Begrüßung sagen. In dem deutschen Kolonialbau hat Robert Koch vor rund hundert Jahren an Malaria geforscht. Es war für lange Zeit das einzige Krebskrankenhaus in Ostafrika.
Westerwelle könnte jetzt einiges zur interessanten Geschichte des Hospitals sagen, aber er legt ein fast aufreizendes Desinteresse an den Tag. Er habe über das Krankenhaus gelesen, sagt er und murmelt etwas von Respekt und harter Arbeit. Westerwelle weiß offenbar wenig über das Haus. Es ist heiß und schwül. Er will schnell weg. […]
Westerwelle liebt seinen Status, er schätzt es, von Staatschefs und Ministern empfangen zu werden. Leider hat man selten den Eindruck, er interessiere sich für das, was seine Aufgabe ist. […]
"Ich will mir nicht ein paar schöne Jahre im Auswärtigen Amt machen und die Welt kennenlernen", hat Westerwelle auf dem Höhepunkt des innenpolitischen Streits um Hartz IV gesagt. Ein paar schöne Jahre, das ist Westerwelles Idee von Außenpolitik. Im Auswärtigen Amt kam das nicht gut an.
Die Beamten haben registriert, dass Westerwelle sich selten länger für ein Thema interessiert. Er will nur Dinge wissen, die ihm über das nächste Gespräch, die nächste Pressekonferenz hinweghelfen: Wo sind Streitpunkte, was ist die deutsche Position, die offensichtlichen Fragen eben. Im Amt heißt es, dass er auf dem Flug nach Peking im Januar zum zuständigen Referenten gesagt habe: "Sie haben sieben Minuten Zeit, mir China zu erklären."
China ist für den Mövenpickparteichef ein unwichtiges Land mit nur 1,3 Milliarden Menschen, einer gerade mal 6000 Jahren alten Geschichte.
Es ist ja auch nur eine Atommacht, eine UN-Sicherheitsrat-Vetomacht und der Exportweltmeister.
Guido weiß aber nur, daß da irgendwas mit den Menschrechten zu sagen ist.
Nicht, weil das irgendeinen Chinesen interessierte, was der groteske deutsche Vizekanzler dazu zu sagen hat, sondern weil das zuhause als Gradmesser dafür dient, ob man Eier hat.
Und weil er Westerwelle ist, weiß er nicht welcher Tonfall angebracht ist.
Er kann nur schrill und immer eine Umdrehung zu viel.
So wie in Ankara, als er bereits deutlich gesagt hatte, daß er im Gegensatz zu Merkel für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei ist. Jeder hatte verstanden.
Er kann sich aber nicht zügeln und schob dann zunächst ein „Was ich hier sage, zählt!“ nach und als alle schon peinlich berührt waren, kam dann noch sein „Ich bin schließlich nicht als Tourist in kurzen Hosen hier!“
Es gibt einen richtigen Weg der Diplomatie und es gibt das diametrale Gegenteil davon - Westerwelles Methode.
So also auch in Peking.
Eier will Guido unbedingt haben - also haut er dem chinesischen Amtskollegen bei der Abschlußpressekonferenz das Thema Menschenrechte und Tibet gleich um die Ohren.
Aber Westerwelle schafft es selten, die Dinge im rechten Moment gut sein zu lassen. Also sprach er noch einmal Menschenrechte und Minderheitenschutz an, und damit es auch der Letzte begriff, noch ein drittes Mal. Die Kritik an der chinesischen Menschenrechtspraxis wirkte plötzlich wie ein Ritual. Man kann eine Botschaft auch durch Wiederholung schwächen.
(Spiegel)
Soweit Westerwelle.
Mein inhaltliche Anmerkung dazu:
Ja, ich finde die chinesischen Methoden mit sogenannten Dissidenten umzugehen auch grauenvoll. Es widert mich an, daß dort vielerorts offenbar das Wohl und die Würde des Einzelnen nichts gelten.
Es ist eine herzlose Gesellschaft, die kein soziales Netz kennt und kapitalistischer agiert, als alles was sich Marx in seinen schlimmsten Träumen ausdenken konnte.
Ein Bekannter, der lange in China lebte, erzählte mir jede Menge „Anekdoten“ aus dem dortigen Alltag, die vehement unserem europäischen Sozialgefühl widersprechen.
So fuhr er beispielsweise einmal in einem der notorisch überfüllten Busse und hatte einen Sitzplatz ergattert.
Als eine schwer bepackte Greisin zustieg die so entkräftet war, daß sie sich kaum auf den Beinen halten konnte, stand er selbstverständlich auf, um ihr Platz zu machen.
Bevor er sich versah, war aber ein junger Kerl auf den freien Sitz gesprungen.
Alten Menschen Platz zu machen, ist dort unbekannt.
Wenn Greise zu langsam humpeln und im Weg stehen, kriegen sie einen Tritt in den Arsch und gut is.
Auch wenn ich nicht für die Allgemeingültigkeit dieser Geschichte bürgen kann; das gefällt mir nicht.
Es gefällt aber den Ökonomen.
Ganz zweifellos ist das ein (kurzfristiger) wirtschaftlicher Vorteil, wenn ein Land auf keine Sozialgesetzgebung, auf keine Rechte Einzelner Rücksicht nehmen muß.
Natürlich geht es schneller voran, wenn man keine Genehmigungsverfahren, Ausschreibungen, ökologische Ausweichflächen und Umweltschutz-Standards erfüllen muß.
Steht einem Bauvorhaben ein kleines Haus in Privatbesitz im Wege, wird der Besitzer eben weggejagt.
Und zwar ohne umständliche Fristen oder anschließend Entschädigungen.
Da steht morgens mit roter Farbe an Tür Bitte ausziehen, ihr Haus wird morgen abgerissen und dann heißt es „Koffer packen - und zwar schnell.“
Als Deutsche rümpfen wir da die Nasen.
Vielleicht schwarzer Humor Gottes, daß mit Guido Westerwelle ausgerechnet derjenige die Menschenrechtslage in China kritisiert, der von den 80 Millionen Deutschen am meisten Sympathien für die Chinesischen Methoden hat!
Die Chinesische Binnenwirtschaft mit komplett rechtlosen Billigarbeitern, keinen Sozialleistungen, Turbokapitalismus und Korruption ist schließlich der feuchte Traum eines echten FDP’ler der Generation Lindner, C. und Lindner, M.
Ich bin aber in dieser Frage eins mit Helmut Schmidt und sage: Das geht uns nichts an!
Wer sind wir eigentlich?
Deutschland mit seiner Geschichte.
Zwei Weltkriege angezettelt, jeder mit zig Millionen Todesopfern.
Nun haben wir gerade mal 60 Jahre Frieden und die Demokratie mußte uns erst gegen unseren Willen aufgezwungen werden.
Von genuin Europäischen Werten wie Imperialismus, Inquisition, Kolonialismus, Sklaverei, Conquista, faschistischen Diktatoren, Umweltzerstörung und Ausbeutung der Dritten Welt will ich mal gar nicht erst anfangen.
Und wir bilden uns ein einem Milliardenvolk mit Jahrtausende alter Geschichte sagen zu müssen, daß sie bitte schön auch die Demokratie, so wie wir sie jetzt gerade augenblicklich verstehen, einzuführen haben?
Die Vehemenz mit der europäische Politiker bei anderen Nationen auf die Einhaltung der Menschenrechte dringen, nimmt proportional zu deren ökonomischer Bedeutung ab.
Deswegen müssen auch riesige Länder wie Russland oder China nie tatsächlich Sanktionen fürchten.
Und wenn eine Nation zufälligerweise auf genügend Erdöl sitzt, wie zum Beispiel Saudi Arabien, kann es auch nach Herzenslust ehebrechende oder gar unverschleierte Frauen steinigen und Schwule köpfen.
Wir heucheln ohnehin nur.
Ich bin sehr für die westliche Ausprägung der Menschenrechte.
Unsere europäischen Politiker sollten auch darauf dringen, daß sie durchgesetzt werden - aber bitte zuerst einmal bei uns. IM WESTEN!
Dazu zwei Beispiele.
1.) Dazu gehörte, daß als erstes mal der Vatikan geächtet werden müßte wegen der grundsätzlichen Rechtlosigkeit von Frauen.
Den Papst oder Kurienkardinäle sollte man in EU-Ländern zu unerwünschten Personen erklären und wie einst Geert Wilders beim britischen Zoll an den Grenzen aufhalten.
2.) Todesstrafe.
139 Länder weltweit haben diese barbarische Unsitte der Staatsmacht abgeschafft.
Laut AI haben im Jahr 2009 aber 18 Länder Hinrichtungen durchgeführt.
Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International in Österreich, weist darauf hin, daß der Trend gegenläufig ist, zuletzt hatten sogar Burundi und Togo die Todesstrafe aus ihren Gesetzbüchern gestrichen.
"Die Todesstrafe wird zunehmend wie Sklaverei und Apartheid als Schande der Menschheit gesehen", betonte Patzelt. In Europa gab es 2009 erstmals seit Amnesty Aufzeichnungen macht keine Hinrichtungen. Nur Weißrussland (Belarus) vollstreckte jüngst wieder die Todesstrafe.
Gucken wir uns aber die Top-Ten-Liste der Hinrichtungen an:
1.China (714)
2. Iran (388)
3. Irak (120)
4. Saudi Arabien (69)
5. USA (52)
6. Jemen (30)
7. Sudan, Vietnam (9)
9.Syrien (8)
10. Japan (7)
Wer tummelt sich da so schön inmitten all der Diktaturen?
Unser Hauptverbündeter USA mit dem everybodys darling-Präsident Obama.
Und wer spricht mal mit dem?
Zum Beispiel Angela Merkel.
Die ist gerade in den USA.
Offizielle Rügen wegen der prekären und beschämenden Menschrechtssituation in US-Gefängnissen wird der US-Präsident nicht zu hören bekommen.
Frau Merkel hatte sich dafür aber ordentlich auf Schröder eingeschossen, weil der mit Putin befreundet war.
Als sie selbst Kanzlerin wurde, hat sich das Verhältnis zu Russland sofort abgekühlt - wegen der Menschrechtssituation!
Stattdessen robbte sie an den Menschenrechtsfreund George W. Bush heran.
Russland hat die Todesstrafe übrigens 1996 abgeschafft.
Samstag, 23. Januar 2010
Pay Policy
Früher, in den guten alten Zeiten, gab es zwei öffentliche TV-Sender.
Sie wurden über Gebühren finanziert, waren unabhängig von Werbung und fühlten sich verpflichtet zum Wohl der gesamten Öffentlichkeit ihr Programm zu gestalten.
Das schöne Wort „Bildungsauftrag“ wurde ersonnen.
Ein Sender war einen Tick mehr links und der andere sollte das eher rechte Gegengewicht darstellen.
Für Partikularinteressen kamen schließlich noch die Dritten Programme hinzu, die auch mal spezielle und anspruchsvolle Dinge sendeten.
Zwei Große und ein Kleiner.
Dieses System spiegelte sich auch in der Parteienlandschaft wider.
Zwei Große und die quirlige FDP.
In den 80er Jahren geriet die sorgsam austarierte Programmlandschaft aus den Fugen.
Das Zeitalter der Partikularinteressen begann; neue kleine privat finanzierte Sender schossen aus dem Boden.
Sie erschlossen sich neue Geldquellen, legten den „Bildungsauftrag“ ad acta und bedienten jeder ein bestimmtes Klientel. Die ehemals großen Sender ließen Federn und schrumpften so sehr, daß sie nun auch das „Gemeinwohl“ aus den Augen verloren.
Sie kappten ihre Wurzeln und kopierten nun das, was Geld und Quote brachte.
Der Bildungsauftrag erwies sich nun als hinderlich im Kampf um den größten Zuspruch.
Stattdessen kristallisierte sich immer mehr heraus, daß man mit gezielter Verdummung kurzfristig erfolgreich sein konnte.
Dennoch war der Kampf nicht zu gewinnen, da immer mehr und immer neue kleine Sender-Geier auf den Markt drängten und sich ein Stück Quote aus dem geistigen Leichnam der Zuschauer pickten.
Die alt eingesessenen Sender schrien bei jedem neuen Konkurrenten auf, aber so hysterisch ihr Protest war, so ineffektiv verhallte er.
Die neuen TV-Anstalten wie Grüne, Linke, Schill, Statt-Partei oder DVU verschwanden nicht, so sehr man sich die alten Alleinvertretungszeiten auch zurück sehnte.
Die Grenzen fielen und schließlich begann man sogar munter die Intendanten und Programmchefs zu tauschen.
Ein Lafontaine wechselte vom SPD- auf den Linke-Chefsessel; Oswald Metzger und Vera, die Barbusige wechselten von den Grünen zur CDU; Otto Schily kam zur SPD.
Da aber der Kuchen nie größer wurde, aus dem die Sender sich ihren Zuschauerpöbel rekrutieren konnten, mußte ein ganz neues Konzept her.
Sich um das Allgemeinwohl des Volkes zu bemühen hatte endgültig ausgedient.
Das Zeitalter des PAY-TV brach an. Premiere, heute SKY, gab den Takt vor.
Nun sollte der Zuschauerpöbel ERST bezahlen und nur dann eine Leistung erbracht bekommen.
Was zunächst einmal teuer und unfair wirkt, hat aber den enormen Vorteil, daß die Programminhalte gegen Bares dafür auch maßgeschneidert sind.
Wer es sich leisten kann, bekommt nun genau das was er sich wünscht - unabhängig davon, ob der Rest der Bevölkerung dann in die Röhre guckt und gar nicht mehr unterhalten wird.
Den Übergang vom einst am Gemeinwohl orientierten Vollprogramm zum reinen Pay-TV, das nur noch Partikularinteressen bedient, haben FDP, CDU und CSU inzwischen abgeschlossen.
Gegen eine kleine Aufwendung vom Hotelbesitzer Baron Finck („rechts vom Gustl steht nur noch Dschingis Khan“) an die FDP, genehmigte man großzügig Milliardensteuervorteile für Hoteliers.
Milliardär Finck, der auch ein großer Immobilienmogul ist - ihm gehören unter anderem die Clair Immobilien Deutschland GmbH und die Mercantor Verwaltungs GmbH - hatte sich mit Spenden an die CSU (2,4 Millionen Euro seit 2000) auch Freundlichkeiten für die Immobilienwirtschaft erkauft.
Thorsten Denkler:
Ganz im Sinne des Immobilienmoguls dürfte sein, dass die Koalition etwa so genannte Real Estate Investment Trusts (REITs) stärken will. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu, hier seien "überflüssige Hemmschwellen für den deutschen Markt abzubauen". Das entspricht ziemlich genau einer Forderung des Immobilien Verbandes Deutschland (IVB). "Schnellstmöglich sollten Reits eingeführt werden, damit den Anlegern eine international konkurrenzfähige Form der indirekten Immobilienanlage auch in Deutschland zur Verfügung steht", heißt es in einem Verbandspapier. Reits sollen dabei "möglichst wenig reguliert werden".
Im Klartext: Geldgeber sollen leichter als bisher auch mit Wohnimmobilien zocken dürfen.
Und es gab noch mehr Grund zu jubeln für die Immobilienwirtschaft.
"Im Bereich des Mietrechts greift der Koalitionsvertrag alle Forderungen von Haus & Grund Deutschland auf und übernimmt sie", frohlockte der Hauseigentümerverband in einer Stellungnahme zum Koalitionsvertrag.
Wichtigster Punkt: das Ende der "asymmetrischen Kündigungsfristen". In Zukunft sollen für Mieter und Vermieter gleich lange Kündigungsfristen gelten. So können ungewollte Mieter schneller vor die Tür gesetzt werden. Ausgehebelt werden soll auch das Recht auf Mietminderung, etwa während einer Gebäudesanierung.
12 weitere Lobbyforderungen - 1:1 umgesetzt von den Pay-Policy-Parteien der schwarzgelben Regierung - listet allein die SZ auf.
Die Pharmalobby machte sich ihren Hauptverband FDP so gefügig, daß gestern tatsächlich Deutschlands oberster Pharmakontrolleur Sawicki geschasst wurde.
Seine am Patientenwohl orientierte Position war zu wenig Pharma-freundlich.
Der private Krankenversicherung DKV räumt FDP-Mitgliedern Sonderrabatte ein und schon bekommt einer der wichtigsten PKV-Lobbyisten, Christian Weber, einen Job in zentraler Stelle des FDP-geführten Gesundheitsministeriums.
Großzügige Spenden der Energiekonzerne an die CDU und FDP und was zu erwarten war, passierte heute:
Es ist das vorläufige Ende des Atomausstiegs: Bei einem Treffen mit den Energiekonzernen im Kanzleramt hat sich die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen darauf festgelegt, vorerst alle 17 deutschen Atommeiler am Netz zu halten. Auch die Uraltmeiler Neckarwestheim 1 und Biblis A, die nach dem rot-grünen Atomkonsens bald abgeschaltet werden müssten, sollen so lange weiterbetrieben werden, bis sich die schwarz-gelbe Regierung auf ein neues Energiekonzept verständigt hat.
(SPON)
Die Atommafia kann DANK FDP und CDU und CSU mit einem gigantischen Geldberg rechnen:
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet damit, dass die vier großen Energieversorger bei einer Laufzeitverlängerung um 25 Jahre und einem Strompreis von 80 Euro pro Megawattstunde gut 233 Milliarden Euro einstreichen würden. ..... Das Bremer Energie-Institut kommt auf ähnliche Summen: Je nachdem, wie viele Jahre die Meiler zusätzlich laufen und wie hoch der Strompreis steht, wären Gewinne von bis zu 339 Milliarden Euro möglich.Die 200 - 300 Milliarden Euro werden übrigens nicht frisch gedruckt, sondern aus den Portemonnaies der Steuerzahler von Schwarz-Gelb in die Konzernkassen gelenkt.
Noch nicht eingerechnet sind die anfallenden Unsummen durch Atommüll, die ebenfalls der Steuerzahler trägt - Dank Merkel.
Etwas eleganter hat es die Solarindustrie gemacht, indem sie schon vor der Regierungsbeteiligung der FDP einen Solar-feindliche Passus aus dem Parteiprogramm heraus kauften.
Die notorisch zukunftsfeindlichen „Liberalen“ hatten eine Reduzierung der Fördermittel für Photovoltaikanlagen um 30 Prozent gefordert.
Das passte der Firma Solarworld natürlich gar nicht und so veranstaltete sie im September 2009 unmittelbar vor der Bundestagswahl eine FDP-Spendengala, an der auch Voodoo-Economic Hermann Otto Prinz Solms, sowie Mövenpick-Parteichef Westerwelle teilnahmen. Solms, im Nebenjob auch FDP-Schatzmeister konnte frohlockend eine "Rekordsumme" verbuchen.
Die Ausgaben von Solarworld haben sich gelohnt - im K.O.alitionsvertrag verschwand die unerfreuliche Kürzung der Fördermittel für Photovoltaikanlagen; plötzlich strich die FDP den Passus und setzte stattdessen die Formulierung "Dialog mit der Solarbranche" durch.
Wahlkampfversprechen à la FDP - nach der Wahl sind sie sofort vergessen und es wird das Gegenteil getan - insbesodnere, wenn jemand dafür bezahlt.
SPON nennt ein weiteres Beispiel:
Nur wenige Tage nach der Bundestagswahl haben außerdem die BMW-Großaktionäre Johanna Quandt und ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten der CDU am 1. Oktober je 150.000 Euro gespendet. Bevor die Zahlungen am 17. November 2009 vom Bundestag veröffentlicht wurden, hatten Union und FDP einen neuen Rabatt bei der Besteuerung von Jahreswagen für Mitarbeiter und einen weiteren Steuerrabatt für die Privatnutzung von Firmenwagen vereinbart.
Wie schön es doch ist, wenn man das nötige Kleingeld hat, um selbst für die politischen Gefälligkeiten zu sorgen.
Die Kehrseite der Medaille erleben derzeit die Hartz-IV-Empfänger, die eher selten sechs- und siebenstellige Summen an FDP, CSU oder CDU spenden.
Ohne Geld gibt es statt Wohlwollen aber nur Arschtritte.
Auf Arbeitslose wird nun Roland Koch losgelassen, der androht sie „ sollten als Gegenleistung arbeiten und "auch niederwertige Arbeiten" verrichten, damit nur ja kein einziger Bezieher staatlicher Leistungen sein Leben als angenehm empfinde.“
Was ist nun von einer Kanzlerin zu halten, die sich ganz offensichtlich vom Gedanken „dem ganzen Deutschem Volk“ zu dienen verabschiedet hat und nur noch gegen Bares Wohltaten verteilt?
Darauf gibt es eine Antwort.
Unter großem Jubel der BILD, immerhin Europas auflagenstärkste Zeitung, kann sich „die Gewinnerin des Tages“ über den von Media Control verliehenen „Medienpreis 2009“ freuen.
Die Kanzlerin habe den Preis wirklich verdient - weil sie „mit Berechenbarkeit und Verlässlichkeit“ für Menschenrechte, die Wahrung der Schöpfung und für eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung“ kämpft, so die Jury.
Früher, zu den guten Zeiten, als es nur ARD und ZDF gab, galt „Bananenrepublik“ als schlimmes Schimpfwort.
Inzwischen ist es ein durchaus euphemistischer Ausdruck.
Sie wurden über Gebühren finanziert, waren unabhängig von Werbung und fühlten sich verpflichtet zum Wohl der gesamten Öffentlichkeit ihr Programm zu gestalten.
Das schöne Wort „Bildungsauftrag“ wurde ersonnen.
Ein Sender war einen Tick mehr links und der andere sollte das eher rechte Gegengewicht darstellen.
Für Partikularinteressen kamen schließlich noch die Dritten Programme hinzu, die auch mal spezielle und anspruchsvolle Dinge sendeten.
Zwei Große und ein Kleiner.
Dieses System spiegelte sich auch in der Parteienlandschaft wider.
Zwei Große und die quirlige FDP.
In den 80er Jahren geriet die sorgsam austarierte Programmlandschaft aus den Fugen.
Das Zeitalter der Partikularinteressen begann; neue kleine privat finanzierte Sender schossen aus dem Boden.
Sie erschlossen sich neue Geldquellen, legten den „Bildungsauftrag“ ad acta und bedienten jeder ein bestimmtes Klientel. Die ehemals großen Sender ließen Federn und schrumpften so sehr, daß sie nun auch das „Gemeinwohl“ aus den Augen verloren.
Sie kappten ihre Wurzeln und kopierten nun das, was Geld und Quote brachte.
Der Bildungsauftrag erwies sich nun als hinderlich im Kampf um den größten Zuspruch.
Stattdessen kristallisierte sich immer mehr heraus, daß man mit gezielter Verdummung kurzfristig erfolgreich sein konnte.
Dennoch war der Kampf nicht zu gewinnen, da immer mehr und immer neue kleine Sender-Geier auf den Markt drängten und sich ein Stück Quote aus dem geistigen Leichnam der Zuschauer pickten.
Die alt eingesessenen Sender schrien bei jedem neuen Konkurrenten auf, aber so hysterisch ihr Protest war, so ineffektiv verhallte er.
Die neuen TV-Anstalten wie Grüne, Linke, Schill, Statt-Partei oder DVU verschwanden nicht, so sehr man sich die alten Alleinvertretungszeiten auch zurück sehnte.
Die Grenzen fielen und schließlich begann man sogar munter die Intendanten und Programmchefs zu tauschen.
Ein Lafontaine wechselte vom SPD- auf den Linke-Chefsessel; Oswald Metzger und Vera, die Barbusige wechselten von den Grünen zur CDU; Otto Schily kam zur SPD.
Da aber der Kuchen nie größer wurde, aus dem die Sender sich ihren Zuschauerpöbel rekrutieren konnten, mußte ein ganz neues Konzept her.
Sich um das Allgemeinwohl des Volkes zu bemühen hatte endgültig ausgedient.
Das Zeitalter des PAY-TV brach an. Premiere, heute SKY, gab den Takt vor.
Nun sollte der Zuschauerpöbel ERST bezahlen und nur dann eine Leistung erbracht bekommen.
Was zunächst einmal teuer und unfair wirkt, hat aber den enormen Vorteil, daß die Programminhalte gegen Bares dafür auch maßgeschneidert sind.
Wer es sich leisten kann, bekommt nun genau das was er sich wünscht - unabhängig davon, ob der Rest der Bevölkerung dann in die Röhre guckt und gar nicht mehr unterhalten wird.
Den Übergang vom einst am Gemeinwohl orientierten Vollprogramm zum reinen Pay-TV, das nur noch Partikularinteressen bedient, haben FDP, CDU und CSU inzwischen abgeschlossen.
Gegen eine kleine Aufwendung vom Hotelbesitzer Baron Finck („rechts vom Gustl steht nur noch Dschingis Khan“) an die FDP, genehmigte man großzügig Milliardensteuervorteile für Hoteliers.
Milliardär Finck, der auch ein großer Immobilienmogul ist - ihm gehören unter anderem die Clair Immobilien Deutschland GmbH und die Mercantor Verwaltungs GmbH - hatte sich mit Spenden an die CSU (2,4 Millionen Euro seit 2000) auch Freundlichkeiten für die Immobilienwirtschaft erkauft.
Thorsten Denkler:
Ganz im Sinne des Immobilienmoguls dürfte sein, dass die Koalition etwa so genannte Real Estate Investment Trusts (REITs) stärken will. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu, hier seien "überflüssige Hemmschwellen für den deutschen Markt abzubauen". Das entspricht ziemlich genau einer Forderung des Immobilien Verbandes Deutschland (IVB). "Schnellstmöglich sollten Reits eingeführt werden, damit den Anlegern eine international konkurrenzfähige Form der indirekten Immobilienanlage auch in Deutschland zur Verfügung steht", heißt es in einem Verbandspapier. Reits sollen dabei "möglichst wenig reguliert werden".
Im Klartext: Geldgeber sollen leichter als bisher auch mit Wohnimmobilien zocken dürfen.
Und es gab noch mehr Grund zu jubeln für die Immobilienwirtschaft.
"Im Bereich des Mietrechts greift der Koalitionsvertrag alle Forderungen von Haus & Grund Deutschland auf und übernimmt sie", frohlockte der Hauseigentümerverband in einer Stellungnahme zum Koalitionsvertrag.
Wichtigster Punkt: das Ende der "asymmetrischen Kündigungsfristen". In Zukunft sollen für Mieter und Vermieter gleich lange Kündigungsfristen gelten. So können ungewollte Mieter schneller vor die Tür gesetzt werden. Ausgehebelt werden soll auch das Recht auf Mietminderung, etwa während einer Gebäudesanierung.
12 weitere Lobbyforderungen - 1:1 umgesetzt von den Pay-Policy-Parteien der schwarzgelben Regierung - listet allein die SZ auf.
Die Pharmalobby machte sich ihren Hauptverband FDP so gefügig, daß gestern tatsächlich Deutschlands oberster Pharmakontrolleur Sawicki geschasst wurde.
Seine am Patientenwohl orientierte Position war zu wenig Pharma-freundlich.
Der private Krankenversicherung DKV räumt FDP-Mitgliedern Sonderrabatte ein und schon bekommt einer der wichtigsten PKV-Lobbyisten, Christian Weber, einen Job in zentraler Stelle des FDP-geführten Gesundheitsministeriums.
Großzügige Spenden der Energiekonzerne an die CDU und FDP und was zu erwarten war, passierte heute:
Es ist das vorläufige Ende des Atomausstiegs: Bei einem Treffen mit den Energiekonzernen im Kanzleramt hat sich die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen darauf festgelegt, vorerst alle 17 deutschen Atommeiler am Netz zu halten. Auch die Uraltmeiler Neckarwestheim 1 und Biblis A, die nach dem rot-grünen Atomkonsens bald abgeschaltet werden müssten, sollen so lange weiterbetrieben werden, bis sich die schwarz-gelbe Regierung auf ein neues Energiekonzept verständigt hat.
(SPON)
Die Atommafia kann DANK FDP und CDU und CSU mit einem gigantischen Geldberg rechnen:
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet damit, dass die vier großen Energieversorger bei einer Laufzeitverlängerung um 25 Jahre und einem Strompreis von 80 Euro pro Megawattstunde gut 233 Milliarden Euro einstreichen würden. ..... Das Bremer Energie-Institut kommt auf ähnliche Summen: Je nachdem, wie viele Jahre die Meiler zusätzlich laufen und wie hoch der Strompreis steht, wären Gewinne von bis zu 339 Milliarden Euro möglich.Die 200 - 300 Milliarden Euro werden übrigens nicht frisch gedruckt, sondern aus den Portemonnaies der Steuerzahler von Schwarz-Gelb in die Konzernkassen gelenkt.
Noch nicht eingerechnet sind die anfallenden Unsummen durch Atommüll, die ebenfalls der Steuerzahler trägt - Dank Merkel.
Etwas eleganter hat es die Solarindustrie gemacht, indem sie schon vor der Regierungsbeteiligung der FDP einen Solar-feindliche Passus aus dem Parteiprogramm heraus kauften.
Die notorisch zukunftsfeindlichen „Liberalen“ hatten eine Reduzierung der Fördermittel für Photovoltaikanlagen um 30 Prozent gefordert.
Das passte der Firma Solarworld natürlich gar nicht und so veranstaltete sie im September 2009 unmittelbar vor der Bundestagswahl eine FDP-Spendengala, an der auch Voodoo-Economic Hermann Otto Prinz Solms, sowie Mövenpick-Parteichef Westerwelle teilnahmen. Solms, im Nebenjob auch FDP-Schatzmeister konnte frohlockend eine "Rekordsumme" verbuchen.
Die Ausgaben von Solarworld haben sich gelohnt - im K.O.alitionsvertrag verschwand die unerfreuliche Kürzung der Fördermittel für Photovoltaikanlagen; plötzlich strich die FDP den Passus und setzte stattdessen die Formulierung "Dialog mit der Solarbranche" durch.
Wahlkampfversprechen à la FDP - nach der Wahl sind sie sofort vergessen und es wird das Gegenteil getan - insbesodnere, wenn jemand dafür bezahlt.
SPON nennt ein weiteres Beispiel:
Nur wenige Tage nach der Bundestagswahl haben außerdem die BMW-Großaktionäre Johanna Quandt und ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten der CDU am 1. Oktober je 150.000 Euro gespendet. Bevor die Zahlungen am 17. November 2009 vom Bundestag veröffentlicht wurden, hatten Union und FDP einen neuen Rabatt bei der Besteuerung von Jahreswagen für Mitarbeiter und einen weiteren Steuerrabatt für die Privatnutzung von Firmenwagen vereinbart.
Wie schön es doch ist, wenn man das nötige Kleingeld hat, um selbst für die politischen Gefälligkeiten zu sorgen.
Die Kehrseite der Medaille erleben derzeit die Hartz-IV-Empfänger, die eher selten sechs- und siebenstellige Summen an FDP, CSU oder CDU spenden.
Ohne Geld gibt es statt Wohlwollen aber nur Arschtritte.
Auf Arbeitslose wird nun Roland Koch losgelassen, der androht sie „ sollten als Gegenleistung arbeiten und "auch niederwertige Arbeiten" verrichten, damit nur ja kein einziger Bezieher staatlicher Leistungen sein Leben als angenehm empfinde.“
Was ist nun von einer Kanzlerin zu halten, die sich ganz offensichtlich vom Gedanken „dem ganzen Deutschem Volk“ zu dienen verabschiedet hat und nur noch gegen Bares Wohltaten verteilt?
Darauf gibt es eine Antwort.
Unter großem Jubel der BILD, immerhin Europas auflagenstärkste Zeitung, kann sich „die Gewinnerin des Tages“ über den von Media Control verliehenen „Medienpreis 2009“ freuen.
Die Kanzlerin habe den Preis wirklich verdient - weil sie „mit Berechenbarkeit und Verlässlichkeit“ für Menschenrechte, die Wahrung der Schöpfung und für eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung“ kämpft, so die Jury.
Früher, zu den guten Zeiten, als es nur ARD und ZDF gab, galt „Bananenrepublik“ als schlimmes Schimpfwort.
Inzwischen ist es ein durchaus euphemistischer Ausdruck.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Alle irre.
Klar verfallen die Lemminge der westlichen Welt derzeit in ihren Weihnachtsgagaismus.
Wie besessen rasen sie prassend durch die Einkaufszentren, während sie lauthals beklagen noch nicht alle Geschenke zu haben.
Weihnachten kommt nämlich immer völlig überraschend.
Offenbar kann niemand vorher wissen, wann das ist und gerät ob des überfallartig anrückenden Termins in höchste Zeitnot.
Überhaupt ist das „Christfest“ die Inkarnation der Paradoxie.
Christen reklamieren es als „ihr Fest“ - den höchsten Feiertag, an dem sogar Nichtchristen in die Messen und Metten wanken.
Nichtchristen demonstrieren ihre verzweifelte Inkonsequenz und wagen es nicht sich dem Wahn zu entziehen, während die Kirchenmitglieder offenbar grundlegende Gewissheiten ihrer eigenen Lehre nicht kennen.
Natürlich ist Weihnachten keineswegs der höchste christliche Feiertag, sondern Ostern.
Lustig auch die „Christbäume“, die zu zig Millionen in den Zeiten von Klimawandel abgehackt und gekillt werden.
Einen brennenden Baum anzubeten, bzw diesen hereinzuholen und mit Schmuck als Götze aufzustellen, ist in Wahrheit der Inbegriff des Heidentums.
Rudimente aus vorchristlichen Zeiten, derer sich das organisierte Christentum bedient.
Müßig die schizophrenen Verhaltensweisen der Cristmas-smart-shopper zu beschrieben, die immer hektischer und hysterischer werden, je mehr sie von „Friede und Besinnlichkeit“ faseln.
Ein alter Hut, daß es zum Fest der Liebe die meisten Tätlichkeiten im Familienkreis gibt.
An keinem Tag des Jahres ist die Selbstmordrate so hoch wie während des Festes der Liebe.
Nun hätte die Welt derzeit auch andere Themen, die es sich zu durchdenken lohnte.
Merkel debakuliert die deutsche Wirtschaft gegen die Wand während auch der CDU-freundlichste „Wirtschaftsweise“ ob des Dilettantismus‘ der Schwarz-Gelben mit den Ohren schlackernd um Hilfe schreit.
Deutschlands beliebtester Minister verstrickt sich in einem Meer aus Lügen, während anderenorts deutsche Pastoren ihre Kinderpornolager auffüllen.
International dasselbe Bild des fortgeschrittenen Wahnsinns:
Der Friedensnobelpreisträger 2009, der das Landminen-Herstellen nicht zu unterlassen gedenkt, schickt noch mal Myriaden US-Soldaten in einen bereits verlorenen Krieg.
Ein Krieg, der mit teuren Waffen und sehr billigen Menschenleben geführt wird.
(Drei Millionen Euro sollen die Kundus-Opfer der deutschen Hybris am Hindukusch nun bekommen: Dies sind 16.850 Euro für jedes der 178 zivilen Opfer, der Gegenwert eines VW-Golfs – Peanuts für das Verteidigungsministerium, das im letzten Jahr 360.000 Euro ausgegeben hat, um das Camp in Kundus von mongolischen Rennmäusen zu befreien. Die Flurschäden, die deutsche Panzer früher Jahr für Jahr bei Manövern in der Lüneburger Heide angerichtet haben, waren um einiges höher. Aber in Deutschland gibt es schließlich für jeden Sachschaden einen entsprechenden Katalog, und so kommt es, dass ein toter Afghane die Bundeswehr so teuer zu stehen kommt wie eine längere Buchsbaumhecke, die von einem unachtsamen Panzerfahrer überrollt wurde.)
In Kopenhagen wird unterdessen der Untergang der Erde, wie wir sie jetzt kennen, besiegelt.
Die ausschließlich am Mammon interessierten Plattköppe der großen Nationen, geben wieder einmal ihr „nach mir die Sintflut“-Schauspiel.
Diesmal ist es wörtlich zu nehmen.
Das Highlight des Tages-Wahnsinns ist für mich allerdings der Blick in die Hamburger Zeitungen gewesen:
Es gab nur ein Thema, überall dieselben Bilder und voneinander abkopierte reißerische Sprache.
Gegenstand war allerdings nicht eins der von mir genannten WICHTIGEN Themen, sondern der Tigerbiss in Hagenbeck.
Jedes Blatt möchte das Dramatischste sein.
Mopo (mit Video!):
Dramatische Szenen bei Hagenbeck: Während einer Raubkatzen-Vorführung haben drei Tiger den Dompteur Christian Walliser angegriffen. Der 28-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt.
Abendblatt:
Zirkusunfall Hamburg Dompteur nach Tiger-Attacke im Koma - linke Hand amputiert. Der Tigerangriff auf Dompteur Christian Walliser bei einer Dinner-Party in Hamburg hat Entsetzen und Erschütterung ausgelöst.
BLÖD:
So brutal greifen Tiger an.
WELT:
Dompteur fast zerfleischt!
Blutiges Ende eines Luxus-Dinners mit Zirkus-Nummer: Drei Tiger haben im Hamburger Tierpark Hagenbeck vor rund 200 Zuschauern ihren Dompteur fast zerfleischt.
Öh? Wat loas?
Für die Ortsfremden sei erklärt:“Hagenbeck“ ist der Hamburger Zoo.
Zwischen dem 19. November und Silvester wird dort der sogenannte "Dinner Zirkus" abgehalten.
Die Gäste zahlen ein geringes Eintrittsgeld (Tickets zwischen 79 und 210 Euro) und fressen dann beispielsweise "Boeuf à la Mode auf Rotweinzwiebeln" und "Cremesuppe von Zuckerschoten mit Kresse und Champignons", während sie sich des Anblicks von eingekerkerten gequälten Tieren erfreuen.
„Dompteur“ Walliser strauchelte aber und wurde daraufhin angegriffen und schwer verletzt.
Das Entsetzen ist nun groß. Mehrere der anwesenden Möchtegern-V.I.P.s mit den großen Brieftaschen erlitten Schocks, womöglich wurde sogar das ein oder andere "Filet vom Zander auf Ratatouille" nicht aufgegessen.
"Dinner-Zirkus" macht schon mal auf tierfreundlich und versichert, daß sie den Tigern nicht grollen:
Die Tiere sind getränkt, die Gehege gereinigt, frische Einstreu ist eingebracht, die Fütterung vorbereitet. Die Tiere sind wohlauf.
Großartig! Sie haben den Tigern Wasser gegeben - was für feine Menschen!
Tout Hamburg rollte heute flüsternd die Augen - „ist das nicht schrecklich?“ hörte ich heute alle drei Minuten.
Gemeint waren nicht etwa die 25.000 Kinder, die jeden Tag auf der Welt verhungern, oder das Zerstören des Weltklimas oder das Massakrieren von Irakischen und Afghanischen Zivilisten.
Nein, man fühlte mit den Tigerglotzern, denen auf ihrem 210-Euro-Ticket der Zander nicht mundete.
Bin ich der einzige, der das PERVERS findet?
Es gibt fast keine Tiger mehr - einige Unterarten haben wir Homo Sapiens durch Jagd, Zerstörung der Lebensräume und durch den Glauben, daß Tigerpenisse die Potenz förderten schon ausgerottet.
Bali-Tiger (Panthera tigris balica), Java-Tiger (Panthera tigris sondaica) und Kaspische Tiger (Panthera tigris virgata) sind für immer vom Planeten vertrieben.
Die letzten paar hundert Tiger leben ins Zoos und Zirkussen, wo sie zur Belustigung der Gaffer zusammengepfercht und dressiert werden.
Der Dompteur, der jetzt im Koma liegt, tut mir nicht leid.
Sein Schicksal finde ich nicht schrecklich.
Das ist ein klassischer Fall von „selbst schuld“.
Ähnlich wie diese geisteskranken Bergsteiger und Gletscherspaltenkriecher, die stümperig straucheln und dann unter Millionenteuren Suchaufwand geborgen werden müssen.
Der Fall „Raubtierdompteur" ist nur noch perverser, weil der Leidtragende kein Berg, sondern ein Tier ist.
Was mir leid tut, ist nur eins:
Daß die vier Tiger nicht aus dem Käfig sprangen und ein paar von den sie konzentrisch umfressenden Edel-Dinierenden erledigten.
Das wäre nur ausgleichende Gerechtigkeit.
Wie besessen rasen sie prassend durch die Einkaufszentren, während sie lauthals beklagen noch nicht alle Geschenke zu haben.
Weihnachten kommt nämlich immer völlig überraschend.
Offenbar kann niemand vorher wissen, wann das ist und gerät ob des überfallartig anrückenden Termins in höchste Zeitnot.
Überhaupt ist das „Christfest“ die Inkarnation der Paradoxie.
Christen reklamieren es als „ihr Fest“ - den höchsten Feiertag, an dem sogar Nichtchristen in die Messen und Metten wanken.
Nichtchristen demonstrieren ihre verzweifelte Inkonsequenz und wagen es nicht sich dem Wahn zu entziehen, während die Kirchenmitglieder offenbar grundlegende Gewissheiten ihrer eigenen Lehre nicht kennen.
Natürlich ist Weihnachten keineswegs der höchste christliche Feiertag, sondern Ostern.
Lustig auch die „Christbäume“, die zu zig Millionen in den Zeiten von Klimawandel abgehackt und gekillt werden.
Einen brennenden Baum anzubeten, bzw diesen hereinzuholen und mit Schmuck als Götze aufzustellen, ist in Wahrheit der Inbegriff des Heidentums.
Rudimente aus vorchristlichen Zeiten, derer sich das organisierte Christentum bedient.
Müßig die schizophrenen Verhaltensweisen der Cristmas-smart-shopper zu beschrieben, die immer hektischer und hysterischer werden, je mehr sie von „Friede und Besinnlichkeit“ faseln.
Ein alter Hut, daß es zum Fest der Liebe die meisten Tätlichkeiten im Familienkreis gibt.
An keinem Tag des Jahres ist die Selbstmordrate so hoch wie während des Festes der Liebe.
Nun hätte die Welt derzeit auch andere Themen, die es sich zu durchdenken lohnte.
Merkel debakuliert die deutsche Wirtschaft gegen die Wand während auch der CDU-freundlichste „Wirtschaftsweise“ ob des Dilettantismus‘ der Schwarz-Gelben mit den Ohren schlackernd um Hilfe schreit.
Deutschlands beliebtester Minister verstrickt sich in einem Meer aus Lügen, während anderenorts deutsche Pastoren ihre Kinderpornolager auffüllen.
International dasselbe Bild des fortgeschrittenen Wahnsinns:
Der Friedensnobelpreisträger 2009, der das Landminen-Herstellen nicht zu unterlassen gedenkt, schickt noch mal Myriaden US-Soldaten in einen bereits verlorenen Krieg.
Ein Krieg, der mit teuren Waffen und sehr billigen Menschenleben geführt wird.
(Drei Millionen Euro sollen die Kundus-Opfer der deutschen Hybris am Hindukusch nun bekommen: Dies sind 16.850 Euro für jedes der 178 zivilen Opfer, der Gegenwert eines VW-Golfs – Peanuts für das Verteidigungsministerium, das im letzten Jahr 360.000 Euro ausgegeben hat, um das Camp in Kundus von mongolischen Rennmäusen zu befreien. Die Flurschäden, die deutsche Panzer früher Jahr für Jahr bei Manövern in der Lüneburger Heide angerichtet haben, waren um einiges höher. Aber in Deutschland gibt es schließlich für jeden Sachschaden einen entsprechenden Katalog, und so kommt es, dass ein toter Afghane die Bundeswehr so teuer zu stehen kommt wie eine längere Buchsbaumhecke, die von einem unachtsamen Panzerfahrer überrollt wurde.)
In Kopenhagen wird unterdessen der Untergang der Erde, wie wir sie jetzt kennen, besiegelt.
Die ausschließlich am Mammon interessierten Plattköppe der großen Nationen, geben wieder einmal ihr „nach mir die Sintflut“-Schauspiel.
Diesmal ist es wörtlich zu nehmen.
Das Highlight des Tages-Wahnsinns ist für mich allerdings der Blick in die Hamburger Zeitungen gewesen:
Es gab nur ein Thema, überall dieselben Bilder und voneinander abkopierte reißerische Sprache.
Gegenstand war allerdings nicht eins der von mir genannten WICHTIGEN Themen, sondern der Tigerbiss in Hagenbeck.
Jedes Blatt möchte das Dramatischste sein.
Mopo (mit Video!):
Dramatische Szenen bei Hagenbeck: Während einer Raubkatzen-Vorführung haben drei Tiger den Dompteur Christian Walliser angegriffen. Der 28-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt.
Abendblatt:
Zirkusunfall Hamburg Dompteur nach Tiger-Attacke im Koma - linke Hand amputiert. Der Tigerangriff auf Dompteur Christian Walliser bei einer Dinner-Party in Hamburg hat Entsetzen und Erschütterung ausgelöst.
BLÖD:
So brutal greifen Tiger an.
WELT:
Dompteur fast zerfleischt!
Blutiges Ende eines Luxus-Dinners mit Zirkus-Nummer: Drei Tiger haben im Hamburger Tierpark Hagenbeck vor rund 200 Zuschauern ihren Dompteur fast zerfleischt.
Öh? Wat loas?
Für die Ortsfremden sei erklärt:“Hagenbeck“ ist der Hamburger Zoo.
Zwischen dem 19. November und Silvester wird dort der sogenannte "Dinner Zirkus" abgehalten.
Die Gäste zahlen ein geringes Eintrittsgeld (Tickets zwischen 79 und 210 Euro) und fressen dann beispielsweise "Boeuf à la Mode auf Rotweinzwiebeln" und "Cremesuppe von Zuckerschoten mit Kresse und Champignons", während sie sich des Anblicks von eingekerkerten gequälten Tieren erfreuen.
„Dompteur“ Walliser strauchelte aber und wurde daraufhin angegriffen und schwer verletzt.
Das Entsetzen ist nun groß. Mehrere der anwesenden Möchtegern-V.I.P.s mit den großen Brieftaschen erlitten Schocks, womöglich wurde sogar das ein oder andere "Filet vom Zander auf Ratatouille" nicht aufgegessen.
"Dinner-Zirkus" macht schon mal auf tierfreundlich und versichert, daß sie den Tigern nicht grollen:
Die Tiere sind getränkt, die Gehege gereinigt, frische Einstreu ist eingebracht, die Fütterung vorbereitet. Die Tiere sind wohlauf.
Großartig! Sie haben den Tigern Wasser gegeben - was für feine Menschen!
Tout Hamburg rollte heute flüsternd die Augen - „ist das nicht schrecklich?“ hörte ich heute alle drei Minuten.
Gemeint waren nicht etwa die 25.000 Kinder, die jeden Tag auf der Welt verhungern, oder das Zerstören des Weltklimas oder das Massakrieren von Irakischen und Afghanischen Zivilisten.
Nein, man fühlte mit den Tigerglotzern, denen auf ihrem 210-Euro-Ticket der Zander nicht mundete.
Bin ich der einzige, der das PERVERS findet?
Es gibt fast keine Tiger mehr - einige Unterarten haben wir Homo Sapiens durch Jagd, Zerstörung der Lebensräume und durch den Glauben, daß Tigerpenisse die Potenz förderten schon ausgerottet.
Bali-Tiger (Panthera tigris balica), Java-Tiger (Panthera tigris sondaica) und Kaspische Tiger (Panthera tigris virgata) sind für immer vom Planeten vertrieben.
Die letzten paar hundert Tiger leben ins Zoos und Zirkussen, wo sie zur Belustigung der Gaffer zusammengepfercht und dressiert werden.
Der Dompteur, der jetzt im Koma liegt, tut mir nicht leid.
Sein Schicksal finde ich nicht schrecklich.
Das ist ein klassischer Fall von „selbst schuld“.
Ähnlich wie diese geisteskranken Bergsteiger und Gletscherspaltenkriecher, die stümperig straucheln und dann unter Millionenteuren Suchaufwand geborgen werden müssen.
Der Fall „Raubtierdompteur" ist nur noch perverser, weil der Leidtragende kein Berg, sondern ein Tier ist.
Was mir leid tut, ist nur eins:
Daß die vier Tiger nicht aus dem Käfig sprangen und ein paar von den sie konzentrisch umfressenden Edel-Dinierenden erledigten.
Das wäre nur ausgleichende Gerechtigkeit.
Montag, 16. November 2009
Idioten
Es ist ein rätselhaftes Phänomen, daß sich Millionen Deutsche ausführlich und intensiv Fußballspiele anglotzen und diese anschließend auch noch diskutieren, während sie sich für tatsächlich wichtige Dinge so gar nicht erwärmen können.
Bundestagsdebatten über die Gesundheitsreform sind keine Straßenfeger.
Auf den Schulhöfen werden nicht die Vor- und Nachteile von Kopfpauschale und Bürgerversicherung diskutiert.
10 Millionen Deutsche verschlingen jeden Tag die BILD-Zeitung - dabei könnten sie genauso gut zu SZ, FR und co greifen und hätten damit die unendlich viel bessere Zeitung in der Hand.
Der Grund für dieses scheinbar paradoxe Verhalten ist die allgemeine totale Verdummung.
Ob dafür angeborene Hirnschrumpfung, chronische Unterforderung oder tiefsitzende Denkfaulheit ursächlich sind, kann ich nicht beantworten.
Im Endeffekt erklärt es aber die täglich millionenfach stattfindenden Fußballgespräche und die nicht stattfindende Auseinandersetzung mit zum Beispiel Parteiprogrammen.
Fußball ist hinreichend primitiv, daß sich JEDER darüber unterhalten kann.
An dem altbackenen Spruch von den 80 Millionen Bundestrainern ist etwas dran.
Hier hält sich jeder für kompetent, die Regeln sind simpel und das Vermögen bis drei zählen zu können reicht meistens aus.
Tennis beispielsweise erfordert schon ganz andere mathematische Grundkenntnisse - da hagelt es nur so Punkte, dauernd ist von „15“, „30“, oder gar „40“ die Rede.
Man muß sich auch keine komplizierten Namen merken - alle, die zu einer Mannschaft gehören sind üblicherweise farblich einheitlich gekennzeichnet.
Individualität ist irrelevant.
Besonders angenehm ist das deutliche Punkte-Erzielen; was ein „Tor“ ist, begreift schon ein Zweijähriger. Wie ich immer bei WM’s feststelle, kann man dem Spielstand auch problemlos folgen, ohne das Spiel zu sehen - die Gröl-Kulisse in der Nachbarschaft ist ausreichend.
Sollten einmal besonders viele Tore fallen (>3) und dadurch das Mitzählen schwerfallen, kann man anhand des anschließenden Autocorsos feststellen, ob Deutschland gewonnen hat.
Es erscheint mir folgerichtig, daß ein solcher Sport auch entsprechend schrumpfgehirnige Spieler anlockt, die dann mit Weisheiten à la Lothar Matthäus auffallen.
Sich ewig einen schweren Ball auf die Birne zu kloppen, ist nicht Intelligenz-fördernd.
Ach ja - den Vatikan wird es betrüben:
Die Hoden schrumpfen auch noch, wie der SPIEGEL schon 1998 berichtete:
Wissenschaftler haben herausgefunden:
Zuviel Arbeit mit dem Ball kann zu Störungen in Hirn und Hoden führen.
Wissenschaftler fanden heraus, daß Kicken Vergeßlichkeit heraufbeschwört. Schlimmer gar: Sie mindert auch die männliche Potenz. Es betrifft nicht allein Alt-Herren-Kicker, denen diese Phänome im Herbst des Lebens ohnehin geläufig sind. Selbst jugendlichen Körpern setzt der Kampf ums Leder zu - an Kopf und Hoden.
Völlig irreführend, so dräut es nun, ist das Bild des zeugungsfreudigen Musterprofis, der stets einer vielköpfigen Familie vorzustehen scheint. Ausgerechnet aus Italien, dem Land der Machos und der hemmungslosen Leidenschaft, kommt die böse Kunde: Forscher der Universität zu Pavia haben die Geschlechtsorgane von 198 Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren eingehend begutachtet.
Ein Drittel der Kinder, die wöchentlich zehn Stunden und mehr kickten, hatte Krampfadern und Krampfaderbrüche in den Blutgefäßen der Testikel. In einer Vergleichsgruppe von unsportlichen Knaben trat indes kein einziger dieser Krankheitsfälle auf; auch waren die Nachwuchsathleten im Gegensatz zu den Sportmuffeln nur mit mäßiger Hodengröße bestückt.
Wenn Fußballer sich verbal verbreiten, wird mitunter überdeutlich, daß sie ein paar Schläge zu viel auf den Hinterkopf hatten.
„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“ (Andy Möller)
„Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert“ (Olaf Thon)
„Ich fliege in den Süden – vielleicht nach Kanada“ (Mehmet Scholl)
„Ich bin körperlich und physisch topfit“ (Thomas Häßler)
“Keiner liebt mich – da können sie meine Frau fragen!“ (Hans Meyer)
Fußball ist also das El Dorado für Proleten und Hooligans.
Feingeister sind hier völlig fehl am Platze.
Sensibilität ist in der Kickerwelt das ultimative Manko.
Die völlige geistige Umnachtung der Fußballerwelt zeigte die gestrige Enke-Trauerfeier.
Wie könnte noch mehr Heuchelei möglich sein?
„Die“ Fans und „die“ Aktiven und „die“ Funktionäre sind es schließlich, die die Welt des Fußballs prägen; ein Umfeld, das Robert Enke in den Tod treiben mußte.
Er hatte keine Chance bei dem elenden Fußballer-Pack auf Mitleid und Verständnis zu hoffen.
Dies erklärt auch in bemerkenswerter Offenheit der Hannoveraner Sportsoziologe Gunter Pilz im Deutschlandradio; die „Beißhemmung“ gegenüber Schwächeren sei im Fußball nicht vorhanden.
Wenn ich mir vorstelle, ein Enke hätte sich geoutet, dass er solche Probleme hat, dann wäre das vielleicht nicht nur von seinen Gegnern gnadenlos ausgenutzt worden, sondern noch viel brutaler und gnadenloser von den Fans, die jetzt weinend durch die Straßen ziehen.
Über Krankheit und Schwäche offen zu reden, sei im Leistungssport ebenso undenkbar wie sich als Homosexueller zu bekennen. Die Fans hätten auf Schwächebekenntnis von Enke brutal und gnadenlos reagiert.
Das ist ein Problem unserer heutigen Gesellschaft: Dass wir nicht nur diese Beißmentalität haben und auf Schwächen rumtrampeln, sondern, wenn dann jemand betroffen ist und wirklich darunter leidet, wir uns nicht mehr ein Stück der Sensibilität bewahrt haben, das wahr zu nehmen und dann vielleicht noch zu korrigieren."
Enke ist keinesfalls der erste Fußballer, der von dieser Primitivität und Brutalität der Anhänger in den Suizid getrieben wurde:
Adam Ledwon (Juni 2008): Bayer Leverkusens früherer Mittelfeldspieler (34) begeht während der Fußball-EM 2008 Selbstmord.
Edgar Geenen (Sep. 2007): Der frühere 1860-Manager (53) erhängt sich in seiner Wohnung.
Sergi Lopez (November 2006): Der ehemalige Fußball-Star (39) des FC Barcelona wirft sich vor einen Zug.
Guido Erhard (Februar 2002): Der frühere Bundesliga-Profi (32, 1860 München) wirft sich in Offenbach vor einen ICE.
Justin Fashanu (Mai 1998): In einer Garage erhängt sich der englische Fußballer (37), der sich 1990 als erster Profi als homosexuell outete.
Ramiro Castillo (Okt. 1997): Boliviens Fußballstar erhängt sich in seiner Wohnung. Nach dem Tod seines neunjährigen Sohnes litt er unter Depressionen.
Hubert Schöll (November 1992): Der frühere HSV-Profi (46) erschießt sich auf einem Kinderspielplatz in Fürth.
Daß sich nach diesem xten Fußballerselbstmord Myriaden von Fans weinend zur Trauerfeier zusammenrotten, ist an Verlogenheit und Peinlichkeit nicht zu überbieten.
Bundestagsdebatten über die Gesundheitsreform sind keine Straßenfeger.
Auf den Schulhöfen werden nicht die Vor- und Nachteile von Kopfpauschale und Bürgerversicherung diskutiert.
10 Millionen Deutsche verschlingen jeden Tag die BILD-Zeitung - dabei könnten sie genauso gut zu SZ, FR und co greifen und hätten damit die unendlich viel bessere Zeitung in der Hand.
Der Grund für dieses scheinbar paradoxe Verhalten ist die allgemeine totale Verdummung.
Ob dafür angeborene Hirnschrumpfung, chronische Unterforderung oder tiefsitzende Denkfaulheit ursächlich sind, kann ich nicht beantworten.
Im Endeffekt erklärt es aber die täglich millionenfach stattfindenden Fußballgespräche und die nicht stattfindende Auseinandersetzung mit zum Beispiel Parteiprogrammen.
Fußball ist hinreichend primitiv, daß sich JEDER darüber unterhalten kann.
An dem altbackenen Spruch von den 80 Millionen Bundestrainern ist etwas dran.
Hier hält sich jeder für kompetent, die Regeln sind simpel und das Vermögen bis drei zählen zu können reicht meistens aus.
Tennis beispielsweise erfordert schon ganz andere mathematische Grundkenntnisse - da hagelt es nur so Punkte, dauernd ist von „15“, „30“, oder gar „40“ die Rede.
Man muß sich auch keine komplizierten Namen merken - alle, die zu einer Mannschaft gehören sind üblicherweise farblich einheitlich gekennzeichnet.
Individualität ist irrelevant.
Besonders angenehm ist das deutliche Punkte-Erzielen; was ein „Tor“ ist, begreift schon ein Zweijähriger. Wie ich immer bei WM’s feststelle, kann man dem Spielstand auch problemlos folgen, ohne das Spiel zu sehen - die Gröl-Kulisse in der Nachbarschaft ist ausreichend.
Sollten einmal besonders viele Tore fallen (>3) und dadurch das Mitzählen schwerfallen, kann man anhand des anschließenden Autocorsos feststellen, ob Deutschland gewonnen hat.
Es erscheint mir folgerichtig, daß ein solcher Sport auch entsprechend schrumpfgehirnige Spieler anlockt, die dann mit Weisheiten à la Lothar Matthäus auffallen.
Sich ewig einen schweren Ball auf die Birne zu kloppen, ist nicht Intelligenz-fördernd.
Ach ja - den Vatikan wird es betrüben:
Die Hoden schrumpfen auch noch, wie der SPIEGEL schon 1998 berichtete:
Wissenschaftler haben herausgefunden:
Zuviel Arbeit mit dem Ball kann zu Störungen in Hirn und Hoden führen.
Wissenschaftler fanden heraus, daß Kicken Vergeßlichkeit heraufbeschwört. Schlimmer gar: Sie mindert auch die männliche Potenz. Es betrifft nicht allein Alt-Herren-Kicker, denen diese Phänome im Herbst des Lebens ohnehin geläufig sind. Selbst jugendlichen Körpern setzt der Kampf ums Leder zu - an Kopf und Hoden.
Völlig irreführend, so dräut es nun, ist das Bild des zeugungsfreudigen Musterprofis, der stets einer vielköpfigen Familie vorzustehen scheint. Ausgerechnet aus Italien, dem Land der Machos und der hemmungslosen Leidenschaft, kommt die böse Kunde: Forscher der Universität zu Pavia haben die Geschlechtsorgane von 198 Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren eingehend begutachtet.
Ein Drittel der Kinder, die wöchentlich zehn Stunden und mehr kickten, hatte Krampfadern und Krampfaderbrüche in den Blutgefäßen der Testikel. In einer Vergleichsgruppe von unsportlichen Knaben trat indes kein einziger dieser Krankheitsfälle auf; auch waren die Nachwuchsathleten im Gegensatz zu den Sportmuffeln nur mit mäßiger Hodengröße bestückt.
Wenn Fußballer sich verbal verbreiten, wird mitunter überdeutlich, daß sie ein paar Schläge zu viel auf den Hinterkopf hatten.
„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“ (Andy Möller)
„Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert“ (Olaf Thon)
„Ich fliege in den Süden – vielleicht nach Kanada“ (Mehmet Scholl)
„Ich bin körperlich und physisch topfit“ (Thomas Häßler)
“Keiner liebt mich – da können sie meine Frau fragen!“ (Hans Meyer)
Fußball ist also das El Dorado für Proleten und Hooligans.
Feingeister sind hier völlig fehl am Platze.
Sensibilität ist in der Kickerwelt das ultimative Manko.
Die völlige geistige Umnachtung der Fußballerwelt zeigte die gestrige Enke-Trauerfeier.
Wie könnte noch mehr Heuchelei möglich sein?
„Die“ Fans und „die“ Aktiven und „die“ Funktionäre sind es schließlich, die die Welt des Fußballs prägen; ein Umfeld, das Robert Enke in den Tod treiben mußte.
Er hatte keine Chance bei dem elenden Fußballer-Pack auf Mitleid und Verständnis zu hoffen.
Dies erklärt auch in bemerkenswerter Offenheit der Hannoveraner Sportsoziologe Gunter Pilz im Deutschlandradio; die „Beißhemmung“ gegenüber Schwächeren sei im Fußball nicht vorhanden.
Wenn ich mir vorstelle, ein Enke hätte sich geoutet, dass er solche Probleme hat, dann wäre das vielleicht nicht nur von seinen Gegnern gnadenlos ausgenutzt worden, sondern noch viel brutaler und gnadenloser von den Fans, die jetzt weinend durch die Straßen ziehen.
Über Krankheit und Schwäche offen zu reden, sei im Leistungssport ebenso undenkbar wie sich als Homosexueller zu bekennen. Die Fans hätten auf Schwächebekenntnis von Enke brutal und gnadenlos reagiert.
Das ist ein Problem unserer heutigen Gesellschaft: Dass wir nicht nur diese Beißmentalität haben und auf Schwächen rumtrampeln, sondern, wenn dann jemand betroffen ist und wirklich darunter leidet, wir uns nicht mehr ein Stück der Sensibilität bewahrt haben, das wahr zu nehmen und dann vielleicht noch zu korrigieren."
Enke ist keinesfalls der erste Fußballer, der von dieser Primitivität und Brutalität der Anhänger in den Suizid getrieben wurde:
Adam Ledwon (Juni 2008): Bayer Leverkusens früherer Mittelfeldspieler (34) begeht während der Fußball-EM 2008 Selbstmord.
Edgar Geenen (Sep. 2007): Der frühere 1860-Manager (53) erhängt sich in seiner Wohnung.
Sergi Lopez (November 2006): Der ehemalige Fußball-Star (39) des FC Barcelona wirft sich vor einen Zug.
Guido Erhard (Februar 2002): Der frühere Bundesliga-Profi (32, 1860 München) wirft sich in Offenbach vor einen ICE.
Justin Fashanu (Mai 1998): In einer Garage erhängt sich der englische Fußballer (37), der sich 1990 als erster Profi als homosexuell outete.
Ramiro Castillo (Okt. 1997): Boliviens Fußballstar erhängt sich in seiner Wohnung. Nach dem Tod seines neunjährigen Sohnes litt er unter Depressionen.
Hubert Schöll (November 1992): Der frühere HSV-Profi (46) erschießt sich auf einem Kinderspielplatz in Fürth.
Daß sich nach diesem xten Fußballerselbstmord Myriaden von Fans weinend zur Trauerfeier zusammenrotten, ist an Verlogenheit und Peinlichkeit nicht zu überbieten.
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