TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Dienstag, 23. November 2010

Die armen Katholiban.

Moralinsaure Sedisvakantisten und prächtig gewandete Piusbrüder hatten es gleichermaßen schwer mit Karol Woytila.
Wie sollte man sich öffentlichkeitswirksam gegen einen extrem populären Papst positionieren, der unzweifelhaft eine erzkonservative Agenda, tiefe Marienfrömmigkeit, Schutz der kirchlichen Kinderficker vor der Justiz und scharfen Antikommunismus verkörperte?
So ein Pontifex Maximus sollte eigentlich ganz nach dem Geschmack der katholischen Rechtsausleger sein.
Wenn er doch nur ein bißchen mehr wie sein Vorgänger Pacelli gewesen wäre - unnahbar, adelig, distanziert und ritualversessen das gemeine Volk verachtend.

Der Pole war aber eine schillerndere Gestalt - obwohl er knallhart Befreiungstheologen und Hoffnungsträger wie Küng, Gaillot und Drewermann maßregelte, kannte er wenig Dünkel und konnte einfach gut mit dem Fußvolk.
Seine bunt besetzten Tischrunden sind legendär.
Besonderen Ärger verursachte der Unfehlbare vor allem durch seinen freundlichen Umgangston mit anderen Religionen. Johannes-Paul-II hatte eine echte ökumenische Ader.

Mit Ratzinger versprach die Sache der reaktionären, homophoben, antisemitischen und misogynen Fundis einfacher zu werden.

Der Bayer ist so gar kein Menschenfischer und legte wieder mehr Wert auf Prachtentfaltung - inklusive Hermelinmützchen und Goldbrokat-Robe.

Von Anfang an sorgte er für freudige Erregung bei den Konservativen, indem er Juden vor den Kopf schlug, Aids-Aktivisten vors Schienbein trat, Muslimen den Kopf wusch und Protestanten ohrfeigte.
Mit dem Motu Proprio für die Lateinische Messe 2007, der Ex-Exkommunizierung des FSSPX-Bischofs und Holocaustleugners Williamson und der Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte an die ("treulosen") Juden, befanden sich die Rechten in kollektiver orgiastischer Verzückung.

Daß Millionen Europäische Katholiken daraufhin die RKK verließen, ist in den Augen der Konservativen geradezu ein Beleg für die Richtigkeit der päpstlichen Linie.

Mochten doch Kanzlerin, Medien und Liberale murren so viel sie wollten - auf der Seite eines Unfehlbaren ist man immer in der Gewinnerposition.

Und nun das Kondomdesaster!

Wie konnte ein moralischer Fels in der Brandung aus ätzendem „Relativismus“ nur so schnell gebrochen werden?
Homo-Stricher mit päpstlichen Segen auf Präservative pochend?

Kreuznet und Co sind entsetzt und sprechen von „päpstlichen Irrlehren“, dem „Kondom-Papst“ , „der vom Papst abgelehnten katholischen Moral“ und „verantwortungslosen Kondom-Aussagen des Papstes“.

„Benedikt XVI. behauptet, daß der Gebrauch gummi-verpackter männlicher Geschlechtsorgane – zum Beispiel bei einem Homo-Prostituierten – „ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein“ könne.“


In der Welt der KKK-Fanatiker ist ein Geschlechtsakt nur innerhalb der Ehe und nur in der Absicht Kinder zu zeugen erlaubt. Alles andere sei gar kein Sex, sondern Masturbation, die selbstverständlich eine Todsünde wäre:

„Ein Geschlechtsakt hinter Gummiwänden ist – mit oder ohne Aids – nur ein simulierter Geschlechtsakt, der in Wahrheit eine gegenseitige Masturbation ist.“

Offensichtlich merken die Autoren solcher Formulierungen gar nicht, in welche Widersprüche sie sich verstricken, indem sie einen eben noch grundsätzlich Unfehlbaren nun vorwerfen sich schwer zu irren.
Gestern noch waren inhaltliche Widersprüche zur Papstlehre grundsätzlich irrelevant, da die Unfehlbarkeit als Totschlagargumentation gegen jede Fakten-orientierte Kritik eingesetzt werden konnte.
Heute stellen sie dieses Denkmodell von den Füßen auf den Kopf - ein inhaltlicher Einwand, hebelt die Unfehlbarkeit aus.

Dabei hätten die Barbacker vorher wissen können, daß Joseph Ratzinger durchaus seine Meinungen wechselt - und das vollkommen unabhängig von der Richtigkeit derselben.

So gibt es beispielsweise eine Untersuchung über die sozialen Aktivitäten von Internetusern.
Das Internet mache nicht etwa einsamer, sondern ganz im Gegenteil gesellig. Die Vorstellung vom abgekapselten Nerd sei falsch.

"Klischeevorstellungen" nennen das in einer neuen Studie des ifo-Instituts, Bereich Humankapital und Innovation, die Wissenschaftler Ludger Wößmann, Stefan Bauernschuster und Oliver Falck.
[…] Was sie fanden, stellt die Mär vom einsam machenden Web regelrecht auf den Kopf: Internetzugang führe unter anderem dazu, dass Menschen sich politisch und ehrenamtlich mehr engagieren, mehr Freunde haben und messbar häufiger Theater, Kino, Konzerte, Bars und Sportveranstaltungen besuchen. Für Web-Nutzer ist das eine Binsenweisheit: Onliner sind eben vernetzter und oft auch informierter - und sie sind Kommunikationsjunkies.
(Frank Patalong 15.11.10)

Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, haben die über Facebook und Co Vernetzten ein Mehr an „Miteinander“ - ganz im Sinne der Christlichen Lehre.
Nun hat der Papst mit dem Internet offenbar genauso viel praktischer Erfahrungen, wie mit Verhütungsmitteln und redet dementsprechend ziemlichen Unsinn.

So ganz geheuer ist [der Kirche] das vermeintlich neue Medium auch nach 20 Jahren noch nicht. Immer wieder sendet der Papst höchst unterschiedliche Signale der Bewertung. Wenn man genau hinsieht, erkennt man jedoch schnell die Linie, die die Kirche mit vielen Institutionen einschließlich des Staates teilt: Wo das Web als Kommunikationsmittel im Dienste der eigenen Sache genutzt wird, ist es gut. Wo Menschen sich dort mit anderen Dingen beschäftigen, ist es zumindest gefährlich, wenn nicht sogar böse.
Dass Benedikt XVI. seine Priester im Januar 2010 zum fleißigen Bloggen aufrief, auf dass junge Menschen via Web mit dem "Leben der Kirche" bekannt gemacht würden und "das Gesicht Christi" entdeckten, steht also nicht wirklich im Widerspruch dazu, dass er Ende April dann erklärte, das Internet führe zur "Verschmutzung des Geistes".
Im September war das Web dann wieder "ein wahres Geschenk für die Menschheit", das die Chance für "eine neue Kultur des Respekts, des Dialogs und der Freundschaft" biete. Es ist eben der Zweck, der die Mittel heiligt.
Am Wochenende schlug Benedikt einmal mehr in die Skepsis-Kerbe und warnte davor, dass die "unbegrenzten Möglichkeiten des Internets und anderer moderner Technologien" die jungen Menschen "betäuben" und nicht zu einem "Wachstum an Menschlichkeit" beitrügen. Sie liefen Gefahr, zu vereinsamen und die Orientierung zu verlieren.
(Frank Patalong 15.11.10)

Man sollte eben den Papst nehmen, als das was er ist - ein Kurien-N.E.R.D., der vom Rest der Welt so viel versteht, wie Helmut Kohl vom Diäthalten.

Sonntag, 21. November 2010

Die Kirche und der Sex.

Ein unerschöpfliches Thema, das schon allein deswegen so brisant ist, weil ein Buch als Inbegriff aller Moral betrachtet wird, in dem schon der Stammvater aller Christen der Polygamie und dem Inzest frönt.
Die oberste Sexualinstanz der größten Glaubensgemeinschaft der Erde ist ein sexloser alter Mann, der rund um die Uhr Kleider trägt und dabei von 203 ebenfalls asexuellen Wackelköpfen unterstützt wird, die in purpurnen Roben, bestickten weißen Unterröckchen und mit lustigen Pink-farbenden Kopfschmuck rumlaufen.

Diese zum großen Teil schwulen Kardinäle erklären der Welt tagein, tagaus, daß Homosexualität die schlimmste Sünde sei.

Der im rechts-konservativen Kirchenmilieu bestens vernetzte Theologe Dr. David Berger hat die Homophobie der Homophilen über Dekaden ertragen.

Dabei gehe "die größte Schwulenfeindlichkeit in der katholischen Kirche von homophilen Geistlichen aus, die ihre Sexualität krampfhaft verdrängen", meint der inzwischen von seinen Ämtern zurückgetretene Berger. "Offensichtlich werden diejenigen, die ihren Trieben nachgehen, besonders heftig abgelehnt, wenn man die Veranlagung bei sich selbst so schmerzhaft unterdrückt."
(Spon 21.11.10)

Dr. Bergers ehemalige Freunde schmollen jetzt und werfen ihre verbalen Dreckschleudern gegen den Renegaten an:

Ein homo-gestörter Kölner Religionslehrer dreht vor antikirchlichen Revolvermagazinen durch. […] Der in den Sodomismus abgestürzte Ex-Thomist David Berger trägt seine Homo-Seuchenhaut weiterhin zum Markt.
In der morgigen Ausgabe des antikatholischen Kirchenkampf-Magazins ‘Spiegel’ wird der Homo-Gestörte seine widernatürlichen Phantasien auf die Kirche projizieren.
[…] Der Gomorrhist – der im Erzbistum Köln als Religionslehrer wütet – sagt erneut, daß er mit einem anderen Widernatürlichen homosexuelle Brechreiz-Turnübungen durchführt.
(Kreuznet 21.11.10)

Getroffene Hunde bellen.

Es wundert tatsächlich nicht, wie wenig souverän der Umgang der Papstkirche mit dem zutiefst natürlichen Thema Sexualität ist. Ständig unterdrückte Triebe führen zu einer geradezu manischen Beschäftigung der Kurienklerikalen mit allen Praktiken rund um den Geschlechtsverkehr.

Es erinnert mich ein bißchen an meine Teenagerzeit, als man das Thema für sich entdeckte.
Es gab immer die postpubertierenden Jungs, die rund um die Uhr prahlten wie viele Frauen sie schon „flachgelegt“ hätten und sich ihrer Qualitäten im Bett rühmten.
Das waren die, von denen man ziemlich sicher wissen konnte, daß bei ihnen in Wahrheit gar nichts lief. Wer tatsächlich Sex hatte, war damit genug beschäftigt und hatte es gar nicht nötig unablässig davon zu reden.
Ratzi und Co sind in dieser Phase stecken geblieben.
Statt das zu tun, wonach ihnen ist und sich des Nächtens ein paar schöne Stunden mit ihren Prälaten zu machen - immerhin haben sie sich ja eine 100%-frauenfreie Welt selbst ausgesucht - kanalisieren sie ihren sexuelle Befriedigungslosigkeit damit auch allen anderen das Leben untenrum zu vermiesen.

Erschwerend kommt hinzu, daß die meisten katholischen Geistlichen es ohnehin nicht schaffen den Zölibat einzuhalten.
Zuweilen hat man den Eindruck, der ganze Petersdom sei wie zu früheren Jahrhunderten üblich ohnehin eine einzige Callboy-Börse - ähnlich den Republikaner in den USA, deren Spitzenvertreter massiv gegen die same-sex-marriage vorgehen und gleichzeitig dermaßen viele Gay-sex-Skandale produzieren, daß man sie satt "Grand old party" nur noch "Gay old party" nennt.

"Tutti perversi?" fragt das italienische politische Wochenmagazin "Panorama" angesichts des vatikanischen Stricherrings, der im März 2010 aufflog.

Chinedu Thomas Ehiem, der vatikanische Chorsänger, organisiert für die Herren in den Soutanen neben den gesanglichen auch andere orale Freuden.
Pfaffen lieben es oral.
Ehiem vermittelt Callboys.
"Im Vergleich zu dem bin ich bloß normal ausgestattet, er hat einen unglaublichen Körper. Ab zehn Uhr hat er Zeit, er ist ein Freund von mir und tut, was ich ihm sage." Solche Mitschnitte aus Telefonaten, aus sehr delikaten Telefonaten, haben dem Vatikan einen deftigen Skandal um Sex und Prostitution beschert.

Angehende Priester wurden ebenfalls von dem Vatikanischen Chorsänger als Lustknaben an den höheren Klerus vermittelt:

Und Ehiem ist äußerst rührig: "Ich habe da einen aus Neapel, einen Kubaner, einen Deutschen, gerade aus Deutschland eingetroffen, zwei Schwarze, einen Fußballer, einen Tänzer der RAI", heißt es laut der Tageszeitung "Libero" in einem Mitschnitt. Einmal wird der Kuppler konkret und bietet einen Prostituierten an, "zwei Meter groß, 97 Kilogramm schwer, 33 Jahre alt." Auch Priester-Seminaristen sollen zu den jungen Männern gehört haben, die Ehiem an Balducci weiterreichte; in einem Gespräch jedenfalls kommt die Frage auf, wann denn der Jüngling "wieder im Seminar" sein müsse.

Als Zuhälter für schwule sexuelle Dienstleistungen im Vatikan fungierte hauptsächlich Angelo Balducci; "Gentiluomini di Sua Santità" ("Ehrenmänner Seiner Heiligkeit") des Papstes und Präsident des Obersten Rates für Öffentliche Arbeiten.

Die "Gentiluomini di Sua Santità" hatte Papst Paul VI. im Jahr 1968 statt des früheren Hofstaates eingesetzt. Um einer der 147 "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit" zu werden, muß man ganz besondere Verdienste gegenüber dem Heiligen Stuhl erworben haben - eine Voraussetzung, die Baldulucci offensichtlich erfüllte.

Sexuelle Dienstleistungen durch junge hübsche Männer sind im Staat der Zölibatären heiß begehrt.
Sich die Stricher selbst in einer der vielen Schwulenbars rund um den Vatikan aufzugreifen, ist erstens umständlich, zweitens zeitaufreibend, drittens indiskret und viertens mitunter auch gefährlich, wie das Schicksal des adeligen Herrn Luzi beweist.

Auch Luzi, a Roman nobleman, war einer der "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit"; ein Kollege Angelo Balduccis.

The Vatican yearbook notes that Mr. Sini Luzi began service as a Gentleman of His Holiness in April 1989, and today national newspapers published photographs of him, a smiling, bespectacled man, with Pope John Paul II, or standing in the Vatican clad in the black cutaway and decorations of his office.

Der Kammerherr des Papstes, Enrico Sini Luzi, ist 1998 in einer Vatikanwohnung bei schwulen SM-Spielchen umgekommen.
Der in den römischen Schwulenbars stadtbekannte Papst-Freund hatte sich einen Stricher aufgegabelt und wurde dann in Reizwäsche mit einem Kerzenleuchter erschlagen gefunden – der Videorekorder mit den Homopornos lief noch.

Und nun die Sensation. Nach „Pillen-Paule“ versucht ein weiterer Papst mit einem Verhütungsmittel-Präfix in die Geschichte einzugehen.
Ausgerechnet der unfehlbare Ratzinger, der noch 2009 erklärt hatte, daß Kondome AIDS verschlimmerten, ist nun der Meinung, daß homosexuelle Stricher doch ein Kondom benutzen dürften.

Die Nachricht wird allgemein als riesengroße Sensation gefeiert. Aber die Konservativen sind entsetzt und gruseln sich ob dieses „Dammbruchs“ (sic!).

Der alte Mann ist vor dem Druck zusammengeklappt.
[…] Dafür wird Benedikt XVI. als Kondom-Papst in die Geschichte eingehen. Papst Benedikt XVI. hat den „ausnahmsweisen“ Gebrauch von Gummi-Isolatoren für männliche Geschlechtsorgane gerechtfertigt.
Damit hat er in der dekadenten Konzilskirche einen bisher unvorstellbaren Dammbruch provoziert.
Die vom Papst mit viel Wenn und Aber legitimierten Kondome werden für die Masturbation zu zweit verwendet. Dabei wird der menschliche Geschlechtsakt simuliert. Seine törichten Thesen äußerte der Heilige Vater in dem Interviewbuch „Licht der Welt“ mit dem Münchner Publizisten Peter Seewald (56).
(Kreuznet 20.11.10)

„Kondom-Papst“?
Klingt irgendwie unpersönlich. Wie wäre es mit Präser-Benni? Pariser-Sepp?

Was sogar der SPIEGEL als „Quantensprung gegenüber der bisherigen Position des Vatikans“ lobt, ist in Wahrheit natürlich ein lächerliches Nichts.

Ein Blog beschreibt das Verhalten Ratzingers zutreffend:

Er wartet, bis ein Journalist daher kommt, um ihn in seiner Sommerresidenz zu interviewen.
Während sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation täglich 7.400 Menschen mit dem HIV infizieren, wartet der Papst in aller Seelenruhe (!) monatelang ab, damit diese Sensation pünktlich zum Erscheinen seines Buches an die Öffentlichkeit gelangt.
Allein dafür gehörte der Papst abgesetzt und – Herr Wulff! – ausgeladen!
Benedikt kann ja gerne weiter mit der Geschwindigkeit einer Kontinentalplatte Vernunft und Humanität hinterher kriechen. Er sollte bloß nicht hoffen, dass jemand auf ihn wartet.
(Skydaddy‘s blog 21.11.10)

Der beste Spruch des Tages:

Vatikan erlaubt Kondomgebrauch in ganz bestimmten Ausnahmefällen.
Sie müssen aber von der Marke „FROMM“ sein."

Sonntag, 6. Juni 2010

Der Christ des Tages Teil XXV

Untertitel: Das HUK-Problem.

Das Schöne am Dasein als Parteimitglied ist es regelmäßig kostenlos die Parteizeitung zu bekommen. Im meinem Fall also der traditionsreiche „Vorwärts“.
Erstmals erschienen am 1. Oktober 1876 undmehrfach zwischendurch verboten, zum Beispiel die Vorgänger der Bürgerlichen gerade mal wieder einen rechtsradikalen Diktator ermächtigt hatten.

Die Lektüre ist zwar in Details ab und an ganz interessant, aber generell ist die Aussage in den 20 Jahren, die ich das Blatt lese immer gleich geblieben.

Wir, die SPD machen alles richtig, sind auf dem richtigen Weg, gewinnen alle Wahlen und stehen vor einer rosigen Zukunft. Die anderen sind alle doof, machen alles falsch und werden sowieso bald abgewählt.

Offensichtlich hat die Autosuggestionskraft doch ihre Grenzen.

In der aktuellen Ausgabe findet sich ein ausführlicher Artikel, „Die Netzbauerin“, über die Düsseldorfer EX-Abgeordnete Karin Kortmann, die beim Desaster vom 27.09.2009 aus dem Bundestag geschleudert wurde.

Kortmann, 50, ist SPD-Chefin von Düsseldorf, war 1998 bis 2009 war Mitglied des Deutschen Bundestages, gehörte dem Fraktionsvorstand an.
Kortmann war sogar Mitglied der Bundesregierung, nämlich von 2005 bis 2009 Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Zwei Dinge werden in diesem Portrait von Susanne Dohrn herausgestellt.

Zum Einen Kortmanns Mitleid für die armen darbenden Ex-Kollegen, die ebenfalls ihr Bundestagsmandat verloren hatten. Ihr Übergangsgeld sei schon aufgebraucht und nun drohten schwere Existenzsorgen!
Dieses wären die eigentlichen Schwachen der Gesellschaft, um die sich ihre Partei kümmern sollte. Sie ruft zu Pöstchenschacherei auf. Die aktiven Bundespolitiker sollten den Ex-Abgeordneten mal ein paar gutbezahlte Versorgungsjobs zumauscheln.

„Es wäre schön, wenn Fraktion und Partei die Notwendigkeit erkennen, sich um diese ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zu kümmern.“

Zum Anderen hadert die NRW-Genossin mit der Katholischen Kirche.
Die Vatikan-Politik behagt ihr nicht.

„Frauen sind sehr wohl befähigt, in der Gemeinde aktiv zu sein und Gottesdienste abzuhalten, genauso wie Männer die Möglichkeit haben sollten, in einer Lebensgemeinschaft, in einer Ehe, in einer Familie zu leben und trotzdem ihren Dienst als Priester zu tun. Wenn lieben zu dürfen, geliebt zu werden, eine Familie zu gründen ausgeschlossen wird, kann das nicht im Sinne der frohen Botschaft sein.“

Ratzingers Ansicht, daß Kondome AIDS erst verbreiten, teilt Kortmann ebenfalls nicht.


„Wer den Menschen in Afrika das Kondom verweigert, macht sich schuldig am Tod von Menschen!“

Nun, soweit hat Frau Kortmann sicherlich recht.

Wenn sie nur sich so sagenhaft dämlich wäre, ausgerechnet der RKK jetzt fast ihre ganze Arbeitszeit zu widmen!

Sie ist Vizepräsidentin des ZdK (das ZdK steht für die katholischen Frauen und Männer, die sich in den Laienräten, in Verbänden, Bewegungen, Initiativen und Organisationen aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft und der Kirche in Deutschland beteiligen.)

Dort hockt sie zusammen mit Rechten wie dem Prälaten Dr. Karl Jüsten, CDU-Landesministerin Monika Stolz, CDU-Landesminister Minister Armin Laschet, Brigadegeneral Josef Blotz, dem CSU-Mann Alois Glück, dem CDU-Ex-MP von Thüringen Althaus, Minister Philipp Rösler, CDU-Rechtsaußen-Frau Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer MdB, CSU-Landtags-Präsidentin Barbara Stamm, dem CDU-Mann Markus Grübel MdB, CDU-Landesminister Bernd Busemann, Stabsfeldwebel Ralf Eisenhardt, dem Deutsche Bank-Zampano Prof. Dr. Norbert Walter, CSU-Staatsminister Georg Fahrenschon, CDU Frau Ingrid Fischbach MdB, dem CDU-Europaabgeordneten Hans-Peter Liese, ZDF-Chefchrist Dr. Peter Frey, Oberst Karl-Jürgen Klein, CDU-Staatsekretärin Julia Klöckner MdB, ZDF-Mann Klaus Prömpers, CDU-Mann Peter Weiß MdB und CDU-Mann Dr. Hermann Kues MdB.

Bei Frau Kortmann hat es Tradition tief in der Organisation der Katholischen Kirche zu stecken.

Nach dem Studium an der Katholischen Fachhochschule Mainz, leitete sie von 1985 bis 1988 die Fachstelle für Arbeiterjugendliche des Römisch-katholischen Bistums Limburg. Von 1988 bis 1991 war sie hauptamtliche Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Limburg und von 1990 bis 1997 hauptamtliche BDKJ-Bundesvorsitzende mit Sitz in Düsseldorf.

Wenn Frau Kortmann ein Problem mit Zölibat und Kondomen und Frauenpriestertum hat, gibt es dafür eine einfache Lösung:


AUSTRETEN!

Verlassen Sie die RKK!

Zack - da hätten sich alle Ihre Probleme schlagartig erledigt!
Und wenn es schon Christentum sein muß, dann gehen sie doch rüber in Frau Käßmanns Verein.

Aber die Ratio ist wohl nicht so ganz ihre Sache - denn sonst würde sie nicht GG-widrig für den Lattenhansel in öffentlichen, also SÄKULAREN Gebäuden kämpfen, wie sie es sogar stolz auf ihrer homepage erwähnt:

Für die Düsseldorfer SPD-Chefin Karin Kortmann, die auch Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist, hat "ein Staat, der sich im Grundgesetz auf seine Verantwortung vor Gott und den Menschen beruft, alles Recht der Welt, in öffentlichen Räumen Kreuze aufzuhängen". Kortmann will als Christin und Politikerin für das Aufhängen der Kruzifixe streiten.

Auf Wiedersehen Frau Kortmann - als Sozialdemokrat vermisse ich Sie nicht im Budnestag!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Handelt endlich

Die Abgabenordnung (AO) ist gewissermaßen das Steuergrundgesetz in Deutschland.

Vereine unterliegen einer besonderen Besteuerung, die in den §§ 51 - 68 geregelt ist.
Ein Verein ist eine praktische Sache - ist er als „gemeinnützig“ anerkannt, muß er möglicherweise gar keine Steuern zahlen; auch wenn er Milliarden einnimmt.

§ 52 regelt die Gemeinnützigkeit eines Vereins:

(1) Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern. Eine Förderung der Allgemeinheit ist nicht gegeben, wenn der Kreis der Personen, dem die Förderung zugute kommt, fest abgeschlossen ist, zum Beispiel Zugehörigkeit zu einer Familie oder zur Belegschaft eines Unternehmens, oder infolge seiner Abgrenzung, insbesondere nach räumlichen oder beruflichen Merkmalen, dauernd nur klein sein kann. Eine Förderung der Allgemeinheit liegt nicht allein deswegen vor, weil eine Körperschaft ihre Mittel einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuführt.

Unter Absatz 2 wird als mögliches Ziel der Gemeinnützigkeit unter anderem konkret aufgeführt:

die Förderung der Religion.

Kirchen fördern offensichtlich nicht nur die Religion; nein, sie haben sogar einen eigenen Paragraph in der AO:

§ 54 - Kirchliche Zwecke

(1) Eine Körperschaft verfolgt kirchliche Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, eine Religionsgemeinschaft, die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, selbstlos zu fördern.
(2) Zu diesen Zwecken gehören insbesondere die Errichtung, Ausschmückung und Unterhaltung von Gotteshäusern und kirchlichen Gemeindehäusern, die Abhaltung von Gottesdiensten, die Ausbildung von Geistlichen, die Erteilung von Religionsunterricht, die Beerdigung und die Pflege des Andenkens der Toten, ferner die Verwaltung des Kirchenvermögens, die Besoldung der Geistlichen, Kirchenbeamten und Kirchendiener, die Alters- und Behindertenversorgung für diese Personen und die Versorgung ihrer Witwen und Waisen.

Nein, ich bin KEIN Jurist.
Insofern muß ich diese Regelungen nicht verstehen.

§ 54, Absatz 2 erscheint mir moralisch fragwürdig, aber immerhin deutlich formuliert.
So will es also unsere Verfassung, daß die Kirchen dafür steuerbefreit werden, damit sie ihr Milliardenvermögen hegen und pflegen können.
Es scheint mir frappierend ehrlich, daß als „kirchlicher Zweck“ die Verwaltung des Kirchenvermögens genannt wird.
In diesem Punkt ist der real existierende Kirchismus besonders aktiv, wie wir wissen.

Nach Laienverständnis widerspricht aber der §54 dann dem § 52, der definiert, was „Gemeinnützigkeit“ ist; nämlich

die „Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern“


Diese Definition ist beim besten Willen zumindest nicht für die RKK zutreffend.

1.) Wie so oft sind Ursache und Wirkung geradezu auf den Kopf gestellt.
Die Kirche fördert nicht die Allgemeinheit materiell, sondern die Allgemeinheit fördert materiell die Kirche - und zwar mit rund 20 Milliarden Euro - NEBEN der sogenannten „Kirchensteuer“.

2.) „selbstlos“ ist die RKK zumindest beim Thema „Kindersexskandale“ gewiss nicht; ganz offensichtlich ging und geht es den Kirchenfürsten um den Schutz ihrer eigenen Organisation.
Die Vatikanische Regelung "Crimine Solicitationies", 2001 von KardinalRatzinger bekräftigt, macht ausdrücklich nicht Selbstlosigkeit, sondern Eigennutz zum Maßstab:

„solche Vergehen seien „mit größter Geheimhaltung" innerkirchlich zu verfolgen, […] die Opfer des Missbrauchs sollten unter der Drohung der Exkommunizierung zum Stillschweigen verpflichtet werden.

Mauscheln und vertuschen - ohne Rücksicht auf die Opfer; das ist auch 2010 die Devise der RKK.

Peter Wensierski:
Das Versagen der Kirche - wie in Amerika und Irland -, das Wegschauen, Verschweigen und Vertuschen, das die Bischöfe in Deutschland nicht wahrhaben wollten, ist mit den Vorgängen an den Jesuitenschulen in Hamburg, Bonn oder Berlin nun auch hierzulande sichtbar geworden. Das deutsche Katholikenoberhaupt, Robert Zollitsch, schweigt dazu seit 14 Tagen, er will sich erst nächste Woche, nach Absprache mit seinen Brüdern, dazu äußern. Auch der deutsche Papst hat nicht direkt zur Situation in Deutschland Stellung genommen. Dafür machen das andere, der Augsburger Bischof Mixa etwa, der den wahren Schuldigen am Missbrauch ermittelt hat: "Die sogenannte sexuelle Revolution" sei "daran nicht unschuldig", meint er - als ob es vor 1968 besser gewesen sei. Bischof Mixa: Zurück zur "Darüber-spricht-man-nicht"-Moral

3.) Für die Förderung der Allgemeinheit auf „sittlichem Gebiet“ erscheint mir die RKK besonders ungeeignet zu sein.
Kaum eine Organisation fällt derzeit so durch moralische Inkompetenz auf, wie die antidemokratisch organisierten Katholiken, die eklatant den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzten, Frauen aus Führungspositionen ausschließen, durch ihre christlichen Scheingewerkschaften die Mitarbeiter in Dumpinglohnverträge zwingen und zudem systematisch der Lüge frönen.
Herausragende Vertreter dieser leider immer noch als „gemeinnützig“ geführten Organisation richten sich nach der Omerta und fallen regelmäßig mit Hetztiraden und Beleidigungen auf.

Mixa zum Beispiel ist ein notorischer Hetzer; Matthias Drobinski nennt ihn heute „Erregungserreger“.

Meldungen über den Augsburger Bischof Walter Mixa beginnen mittlerweile mit Floskeln wie: "Wieder einmal sorgt ..." oder: "Erneut hat ..." Also: Erneut empört Bischof Walter Mixa viele Menschen; diesmal, weil er gesagt hat, "die sogenannte sexuelle Revolution" sei "sicher nicht unschuldig" daran, dass sexueller Missbrauch "ein verbreitetes gesellschaftliches Übel" sei. So, wie er vorher Empörung hervorrief, weil er sagte, die "Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus" habe sich in Nationalsozialismus und Kommunismus erwiesen. Und davor, weil er Holocaust und Abtreibung in einem Atemzug nannte; davor wiederum, weil er sagte, der Kinderkrippen-Ausbau degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen". Und der Niedergang droht, wenn Frauen arbeiten gehen, statt zu Hause Kinder zu erziehen, wenn Abtreibung nicht mehr als Todsünde gilt, sexuelle Freizügigkeit herrscht und die Gottlosigkeit wächst - ohne christlichen Glauben, gerade in seiner katholischen Form, ist für Mixa wahre Menschlichkeit nicht möglich.

Menschlichkeit à la Mixa sieht so aus, daß er die inzwischen 115 aktenkundigen Sex-Opfer der notgeilen Padres der Jesuitenschulen, die sich bei der von dem Orden beauftragten Anwältin Ursula Raue gemeldet haben, kollektiv verhöhnt.

Noch höher in der Hierarchie sitzt Kardinal Carlo Caffarra von Bologna, der ebenfalls der Lüge frönt und dabei der Volksverhetzung Vorschub leistet.
Er mißgönnt Homosexuellen ihre Kinder und phantasiert schlimmste und längst widerlegte Szenarien zusammen:

Die Möglichkeiten, die heute von der künstlichen Fortpflanzungstechnik geschaffen werden, ändern – abgesehen davon, daß sie schwere Verletzungen der Menschenwürde beinhalten – im Wesentlichen nichts an der Unfähigkeit homosexueller Paare, Leben hervorzubringen. Im Übrigen wurde gezeigt, daß die Abwesenheit der sexuellen Bipolarität für die Entwicklung des eventuell von diesen Paaren adoptierten Kindes ein schweres Hindernis darstellen kann. Das würde eine auf Kosten des Kleinsten und Schwächsten ausgeübt Art von Gewalt darstellen. Das Kind würde in diesem Fall in ein Umfeld eingefügt, das für seine harmonische Entwicklung ungeeignet wäre.

Ganz oben in der antidemokratischen Monarchie der Kirche thront Papst Benedikt XVI, der angesichts von zig Millionen Aids-Toten ex cathedra verkündet, daß Kondome das Aids-Problem verschlimmerten.

Statt also die Kirche mehr oder weniger lautstark zu kritisieren, fordere ich hiermit die Bundestagsabgeordneten auf sich dafür einzusetzen, daß der gemeinnützige Status der RKK überprüft wird.

Angesichts der Haushaltslöcher wäre eine steuerliche Veranlagung des Multimilliardenunternehmens mehr als begrüßenswert.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Aktive Katholiken!

Der bekannte Kölner Hassprediger Meisner hielt am 17. Januar 2010 beim Neujahrsempfang des Diözesanrates im Maternushaus eine entlarvende Predigt, mit der er unfreiwillig dokumentierte, daß er sich Lichtjahre von der Realität entfernt hat.

Die rechtskonservativen Macher der Website Kath.net, die anders als ihre nazistischen Kollegen von Kreuz.net die Unterstützung der RKK haben und nicht kriminell agieren, dokumentieren dankbar die jüngsten Gaga-Eruptionen des Hardcore-Kardinals.

Kardinal Joachim Meisner hielt am Sonntag eine aufrüttelnde Predigt vor dem Diözesanrat und zeigt sich bestürzt über den offensichtlichen Eifer, mit dem Journalisten und Redakteure unbegründete feindselige Kritik an der Kirche und ihrer Führung üben. Die Passivität, mit der die Christen auf diese Angriffe reagieren, ohne Gewissensbisse zu haben, ist alarmierend.

Der vollständige Redetext Meisners beweist klar, daß er unter einer schweren Wahrnehmungsstörung leidet.
Katholiken wie er würden unschuldig und ungerechtfertigt verfolgt, diskriminiert und angegriffen; die von Gott Verlassenen agitierten aus purer Bosheit.

Es sei hohe Zeit, so der soziopathische Erzbischof, sich aktiv gegen Atheisten zur Wehr zu setzen. Als klassischer Hassprediger fordert er zum Handeln auf:

„Das Gebet ist zweifellos der erste Schritt, den wir tun müssen, aber wir dürfen es nicht beim Knien belassen. Wir müssen handeln“

Von Übel sei auch die Demokratie, da Katholiban immer Recht hätten - auch wenn sie sich in einer Minderheit befänden. Der schwer Schizoide wähnt sich aber von der Mehrheit verfolgt und sieht sich aus allen Richtungen von Feinden bedrängt.

„Auch Mehrheiten können blind oder ungerecht sein. Die Geschichte zeigt es überdeutlich. Wenn eine noch so große Mehrheit eine Minderheit, etwa eine religiöse oder rassische, durch oppressive Gesetze unterdrückt, kann man da noch von Gerechtigkeit, von Recht überhaupt, sprechen?..... Gläubige sehen sich bedrängt von Säkularismen aller Art, von neuen Formen vagabundierender Religiosität, von als fremd empfundenen Glaubenssystemen und Religionen. Hinzu kommt ein fatal verdrehter Toleranzbegriff, der uns nahezulegen scheint, Kreuze in Klassenzimmern abzuhängen und christliche Symbole in der Weihnachtsbeleuchtung abzuschalten. Das ganze wird schließlich befeuert von einer Medienwelt, die mangels eigener gründlicher Orientierung der Produktion immer neuer Vorurteile kaum Einhalt gebieten kann".

Der homophobe, frauenfeindliche und antidemokratische Kardinal empört sich also darüber, daß man ihm gegenüber Vorurteile habe.
Er scheut sich nicht schwerste Lügen und ahistorische Behauptungen zu wiederholen und beschwört mal wieder in Mixa-Manier, daß der Atheismus Hitler hervorgebracht habe.

Wahr ist daran natürlich gar nichts - Hitler war Katholik und die Bischöfe standen weitüberwiegend zum Nationalsozialismus.
Den Kölner Hassprediger kümmert es nicht:

Besonders, wer im Deutschland des 20. Jahrhunderts aufgewachsen ist, weiß, dass atheistische Denksysteme keineswegs nur eine harmlose weltanschauliche Alternative zum Christentum sind. Wir haben das am Bespiel von Diktatoren und Parteiführern erlebt, die sich nur ihrer Rasse oder ihrer Klasse, letztlich jedoch wohl nur sich selbst verantwortlich fühlten.

Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse lehnt der Kardinal in toto ab - Argumente und Belege hat er nicht, sondern fabuliert sinnentleert:

Das ist jedem klar, der den Menschen in seiner Würde als Geschöpf Gottes bekennt.

Im Gegensatz zu ihm, Meisner, wären Naturwissenschaftler nicht seriös:

Den Naturwissenschaften fehlt es hier vielfach an der sauberen, wissenschaftlich exakten Beachtung ihres Forschungsgegenstandes. Entsprechend haben sie den Menschen nur noch als sich selbst konstruierende und durch Selektion weiterentwickelnde biologische Maschine im Blick. Um es mit dem Katechismus der Katholischen Kirche zu formulieren: „Wissenschaft und Technik sind … nicht imstande, aus sich selbst heraus den Sinn des Daseins und des menschlichen Fortschritts anzugeben.“ (KKK 2293).

Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu negieren, ist für den Hassprediger so normal, daß er es gar nicht versteht, daß anständige Menschen sich darüber ärgern:

Wenn ich diese Dinge öffentlich darstelle, erfahre ich immer wieder Kritik, manchmal gepaart mit übelsten Vorwürfen; besonders dann, wenn ich an bitterste geschichtliche Erfahrungen unseres Volkes erinnere.

Meisner schließt mit einem umfassenden Appell an alle Katholiken gegen die Atheisten aktiv zu werden:

Es geht darum, bei allen sich bietenden Gelegenheiten – in Katechese und Predigt, in Religionsunterricht und Erwachsenenbildung, in öffentlichen Diskussionen und über die Medien – überzeugend das Wissen über unseren Glauben zu vermitteln. Ziel eines jeden Christen muss letztendlich sein, Zeugnis geben zu können „von der Hoffnung, die uns erfüllt“ (vgl. 1.Petr 3,15).

Hier zeigt sich übrigens exemplarisch, wieso „der Atheismus“ keine spezielle Form einer Religion ist, als die er immer mal wieder diskreditiert wird.
Ein Atheist wie ich, hat nach meinem Verständnis einen diametral gegenteiligen Anspruch.
Ich will nicht missionieren und lasse jeden Christ gerne Christ sein.
Ich möchte lediglich von Christen in Ruhe gelassen werden und unter staatlichen Gesetzen leben, die nicht von christlichen Lehren durchdrungen sind.

Alle Ansichten, die ein Meisner in gesellschaftlichen Themen vertritt - Schwule sind Sünder, Frauen sollen an den Herd, Onanie ist verwerflich, Verhütung ist Todsünde, Geschiedene dürfen nicht an Schulen unterrichten oder in Krankenhäusern pflegen, HIV-Infizierte dürfen keine Kondome benutzen, Sex nur in der Ehe, Abtreibungen und Scheidungen müssen verboten werden, etc pp - an all die Regeln darf sich jeder Katholik gerne sklavisch halten!

Kein Katholik MUSS gleichgeschlechtlich heiraten, abtreiben oder sich scheiden lassen.

Aber ob ICH masturbiere, einen Mann heirate, dann abtreibe und mich wieder scheiden lasse, geht die Katholische Kirche nichts an.

Deswegen möchte ich auch in Zukunft nicht mehr das Gehalt von Kardinal Meisner bezahlen; das sollten doch bitteschön die Katholiken selbst aufbringen und nicht allen Steuerzahlern aufs Auge drücken.

Und, Herr Meisner, bevor Sie sich über „feindselige“ Berichte über Ihren Verein beschweren, sollten Sie sich fragen, ob Ihre Performance immer so werbewirksam rüberkommt.

Auch wenn Sie es so sehr bedauern - aber noch herrscht hier Demokratie und der aufgeklärte deutsche Demokrat des 21. Jahrhunderts hat es in der Mehrheit nun einmal nicht so gerne, daß immer wieder Priester aus Ihren Reihen nicht nur Kinder sexuell belästigen und mißbrauchen, sondern daß dieses Verhalten auch noch von den Kirchenfürsten Ihres Schlages gedeckt wird.

Immer nach dem Motto „kirchlicher Schutz für die Täter, Häme für die Opfer“.

Das tagesaktuelle Beispiel - und solche Fälle gibt es tatsächlich TÄGLICH, wie der Abuse Tracker dokumentiert - handelt vom katholischem Elitegymnasium Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten, welches von Jesuiten betriebenen wird.

Der amtierende Rektor Pater Klaus Mertes gab jetzt sexuelle Übergriffe durch katholische Pater auf die Schüler zu und ruft weitere Opfer dazu auf sich zu melden.

Es sei klar, dass es eben nicht mehr um Einzelfälle gehe, sondern ein systematischer und jahrzehntelanger Missbrauch vorliege.
Sieben Fälle sexuell mißbrauchter Jungen sind bisher dokumentiert.

Hinweise gab es schon in den 80er Jahren, ehemalige Schüler berichten, daß stets darüber gemunkelt wurde - aber nach nur 30 Jahren, also quasi PLÖTZLICH, entschließt sich die katholische Schulleitung dazu, aufzuklären.


What else is new?

Samstag, 21. November 2009

Gesetzmäßigkeiten

Antoine Laurent de Lavoisier formulierte 1772 das Gesetz der Masseerhaltung.
Wegweisende Überlegungen dahingehend hatte vorher schon das russische Universalgenie Michail Wassiljewitsch Lomonossow angestellt.

Was in der Physik und Chemie so vortrefflich funktioniert, hat in anderen Disziplinen allerdings nur bedingt Gültigkeit.
In den Geistesdisziplinen scheint manchmal sogar ein reziprokes Lavoisier-Lomonossow zu gelten.

Daher möchte ich an dieser Stelle beginnen
die Tammoxschen Axiome des Widersinns
zu formulieren

1. Tammoxsches Axiom:
Je mehr Erkenntnis deutsche Medien erlangen und diese veröffentlichen, desto weniger bleibt in den Hirnen der deutschen Wähler hängen.

2. Tammoxsches Axiom

Je eindrucksvoller die neoliberale antikeynsianische Investmentbanker-Mentalität in der Realität ihr komplettes Scheitern beweist, desto verbissener wählt der deutsche Urnenpöbel die Vertreter dieser gescheiterten Ideologie in die Regierung.

3. Tammoxsches Axiom

Je mehr FDP-Politiker sich einer Hirnektomie unterziehen und damit die Gesamtseriösität der Partei gen Null fahren, desto besser werden ihre Wahlergebnisse.

4. Tammoxsches Axiom

Je offensichtlicher die sich massiv abzeichnende Klimakatastrophe wird, desto mehr schieben die zuständigen Entscheider das Thema auf die lange Bank. So verkündet ein Minister Brüderle an einem 21 °C warmen Tag ENDE NOVEMBER in Deutschland, daß das Klima hinter den Wirtschaftsinteressen zurück stehen müsse. „Daher ist es entscheidend, dass Klimaschutz keine unnötigen Belastungen für unsere Arbeitsplätze bewirkt.

5. Tammoxsches Axiom

Je offensichtlicher der Vatikan sein politisches Gewicht verliert, desto mehr stellt er sein Gaga-tum unter Beweis. Nachdem der Pontifex Ratzimus in all seiner Unfehlbarkeit 2009 verkündete, daß Kondome das Aids-Problem verschlimmerten, ließ man gestern verkünden wo die WAHREN Gefahren lauerten: Der Kurinale Franco Perazzolo warnte im päpstlichen Auftrag vor dem schlimmen, schlimmen "Twilight - New Moon".
"Vampirfilme sind eine Mischung aus Exzessen, die immer mehr junge Generationen anziehen", beklagt der Cineast im Namen des Herrn. Die Saga um die Liebe eines Vampirs zur schönen Bella sei "eine explosive Mischung aus Bildern, die eine totale Leere verbergen", meint der Bischof.

6. Tammoxsches Axiom

Je mehr Afghanistan durch Besatzungstruppen destabilisiert wird und je mehr Afghanen durch Terror der Natotruppen in die Arme der Taliban getrieben werden, desto mehr Soldaten meint man in den Kommandozentralen der Militärs dorthin schicken zu müssen.

7. Tammoxsches Axiom

Je klarer der Zusammenhang zwischen Ernährung, Gesundheit und Intelligenz wird, weil tagtäglich Fernsehköche und Ratgebersendungen frischen Zutaten und Gemüse preisen, desto tauber werden die Deutschen dafür: Das hat inzwischen dazu geführt, dass in Deutschland zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig sind - und die Deutschen damit Europameister im Übergewicht sind.


8. Tammoxsches Axiom

Je mehr Bücher man liest, desto weniger hat man gelesen, weil einem immer neue Türen aufgeschlossen werden. Wer 10.000 Bücher gelesen hat, grämt sich um 100.000, die er noch nicht kennt. Wer nicht liest, vermisst nichts.

Donnerstag, 19. November 2009

Die natürliche Ordnung!

Am 23. Oktober 2009 erklärte die bayerische Justizministerin Beate Merk voller Empörung, daß es auch Grenzen geben müsse!

"Es kann nicht sein, dass eine homosexuelles Paar ein Kind adoptiert.
Da ist der Rubikon überschritten!"

Das bizarre Alpenvolk hat nämlich noch im Jahr 2009 eine Regierung, die ein Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht anzettelte, um die böse Homoehe zu verhindern.
"Insbesondere eine Volladoption durch Lebenspartner wird es mit mir nicht geben", kündigte Merk an.

Homos sind nämlich bähbäh weiß die CSU.
In eine Koalition mit der FDP gezwungen, mußte Justizchefin Merk die in Karlsruhe anhängige Klage zwar widerstrebend zurückziehen, aber die Christsozialen vergaßen nicht klarzustellen, wie sie die Causa sehen:

“Ich glaube, dass die Ehe zwischen Vater und Mutter, dass die Familie mit Vater und Mutter die Zukunft ist, nicht etwas anderes, das ist die Moderne, und nicht eine Fehlentwicklung, die sich hoffentlich bald wieder legen wird.”
(Unions-Bundestags-Fraktionsjustizexperte Norbert Geis)

Schwule und Lesben sind eine „Fehlentwicklung“, also unnatürlich - soweit der K.O.alitionspartner von Guido Westerwelle.

Man möchte den Bayern einen in Blick in den Brockhaus empfehlen – das immerhin anerkannteste Lexikon-Werk der Welt – in dem es dazu heißt:

In der Sexualforschung geht man davon aus, dass die HOMOSEXUELLE ORIENTIERUNG EBENSO WIE DIE HETEROSEXUELLE tief und UNABÄNDERLICH mit der Persönlichkeit verknüpft ist. Die Homosexualität wird inzwischen VON ALLEN MIT IHR BEFASSTEN WISSENSCHAFTLICHEN DISZIPLINEN als ein häufig vorkommendes sexuelles NORMALPHÄNOMEN angesehen.

Wenn Christen anfangen die Dinge in „natürlich“ und „unnatürlich“ zu sortieren, kommen dabei immer bizarre Dinge heraus.

Andere Positionen, die der moderne Kirchismus hart bekämpfte, wie das Frauenwahlrecht, gemischtrassige Ehen, gewaltfreie Kindererziehung, das Verbot gemischtkonfessioneller Ehen, Abschaffung der Sklaverei, etc wurden allerdings inzwischen geräumt.
Plötzlich keine Sünde mehr - offenbar.

Andere groteskatholische Positionen werden zur Zeit noch aufrecht erhalten.
Die Absurdesten dürften der Zölibat, die Verdammung der Homosexualität und die Ächtung von Verhütungsmitteln, sowie der Aids-Prophylaxe sein, die mit Verweis auf „die natürliche Ordnung“ nach wie vor hochgehalten werden.

Zur NATUR und dem Vorbild, das diese bei der Kindererziehung gibt, fand ich heute einige nette Beispiele in einem längeren Gespräch der Anthropologin Sarah Hrdy mit dem Biophysiker und Autoren Stefan Klein im ZEIT-Magazin.

Hrdy gibt spannende Einblicke in das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Kind.

Das Vorbild der Natur - also die Natürlichkeit ist dabei nur bedingt tauglich für den modernen homo sapiens:

Beispiel Spinne:

Hrdy: Denken Sie an Dinea ergandros. Sobald die Jungen dieser australischen Art geschlüpft sind, überfällt die Mutter eine merkwürdige Lähmung. Sie sondert dann ein Sekret ab, mit dem sie ihren eigenen Körper verflüssigt. So verwandelt sich die Mutter in einen essbaren Schleim – die erste Nahrung ihrer Brut.

Beispiel Languren:

Klein: Stattdessen gingen Sie im Jahr 1971 nach Indien, um Tempelaffen zu erforschen, die Languren. Was lockte Sie dorthin?

Hrdy: Ich hatte gehört, dass die Männchen mitunter Babys ihrer eigenen Art umbringen. Angeblich lag es daran, dass es in den Tempeln sehr eng zugeht. Naiv hoffte ich, ein Beispiel dafür gefunden zu haben, wie Überbevölkerung völlig perverses Verhalten hervorrufen kann. Doch bald entdeckte ich den wahren Grund: Die Horden bestehen aus weiblichen Tieren, in deren Mitte ein einziges Männchen weilt. Die anderen Männchen lauern darauf, den Harem zu übernehmen. Wenn das einem gelingt, beißt er die Kinder seines Vorgängers tot – damit die Weibchen wieder empfängnisfähig werden und der Neue sich ohne Verzögerung fortpflanzen kann.

Klein: Die Mütter der Babys...

Hrdy: ...sehen zu. Dann fordern sie den Mörder zum Sex auf, um möglichst bald neue Kinder zu haben. Wer sich fortpflanzen will, muss Opportunist sein.

Beispiel Menschenmann:

Hrdy: Vorletztes Jahr bat mich das Time Magazine um einen kurzen Beitrag zum Vatertag. Ich schrieb, dass es ein gewaltiges Potenzial an ungenutzter väterlicher Fürsorge gibt. Auch nannte ich Daten eines großen amerikanischen Kinderhilfswerks, wonach fast 50 Prozent der getrennt lebenden Väter gelegentlich eine Unterhaltszahlung, aber nur 3 Prozent eine Kreditrate für ihre Autos ausfallen lassen. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele wütende E-Mails ich bekam. Einige richteten sogar eine eigene Protestwebsite gegen mich ein.

Beispiel Menschenfrau:

Hrdy: Seit es die Pille gibt, können die Frauen mit den Eierstöcken abstimmen, wenn ihre Umgebung sie nicht genug unterstützt. Dann bekommen sie eben keine Kinder.

Klein: Was ein enormer Fortschritt ist: Früher haben Frauen, die sich nicht anders zu helfen wussten, ihre Kinder ausgesetzt.

Hrdy: Solches Verhalten war viel häufiger, als die Geschichtsschreibung zugeben will. In der Toskana etwa wurden zwischen 1500 und 1700 mindestens zwölf Prozent aller Kinder in Waisenhäusern abgegeben. Allein das größte Waisenhaus in Florenz nahm bis zu 5000 Kinder im Jahr auf. Und die Frauen kannten die Aussichten eines Findelkinds genau: In Sizilien etwa überlebten noch im 19. Jahrhundert ganze 20 Prozent der ausgesetzten Babys. Bürger der norditalienischen Stadt Brescia schlugen vor, man möge über den Toren des Waisenhauses eingravieren: "Hier werden Kinder auf Kosten der Öffentlichkeit getötet."

Der schönste Satz des Gespräches ist Hrdys Antwort auf die Frage „Haben Ihre Kinder Sie glücklich gemacht?“

Hrdy: Im Moment geht es ihnen gut, also ja. Aber ist Ihnen schon aufgefallen, dass eine Mutter nur so glücklich sein kann wie ihr unglücklichstes Kind?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Bischöfliche Sicht.

Wenn die lästige Realität dabei stört, die eigenen Pfründe zu erhalten, gehen Kirchenfürsten massiv gegen die Wahrheit vor.

Letzte Woche gab es in der ARD einen informativen Bericht über den südafrikanischen Bischof Kevin Dowling, der sich tatsächlich bewundernswert für AIDS-Kranke engagiert.

Das halbstündige Video aus der Reihe „Gott und die Welt“ ist hier zu sehen:
Zwischen Rom und Kondom

Der katholische Oberhirte kann dies mit Hilfe einiger Ordensschwestern so intensiv tun, weil er ungehorsam ist und sich diametral der afrikanischen Bischofssynode und vor allem dem Papst entgegen stellt.
Der Pontifex Maximus und nahezu alle Kardinäle vertreten beim Thema AIDS eine Strategie, die auf einer gigantischen Lüge beruht:
Im Kampf gegen Aids in Afrika helfe es nicht, Kondome zu verteilen, das richte sogar Schaden an.
Der Papst nimmt billigend in Kauf, daß Millionen Kinder und Erwachsene elendig durch den HI-Virus sterben, anstatt sich für das Leben und die Gesundheit der Menschen einzusetzen

Ratzinger ist ein Apologet des Todes; oder wie es der NDR formuliert:
Der Vatikan lehnt Kondome seit der Enzyklika "Humanae vitae" (1968) lehramtlich ab, weil sie ein künstliches Mittel zur Empfängnisverhütung sind. Damit ist deren Gebrauch aber auch tabu als Schutz vor einer Aidsinfektion.
Der Bischof von Rom lügt - zum Schaden der Menschen.


Das Deutsche Episkopat fürchtet um seine Kirchensteuergelder - 19 Milliarden waren es im 2008.
Insbesondere zittern sie nach dem erstinstanzlichen Erfolg des Kirchenrechtlers Hartmut Zapp wider des Automatismus zwischen einem schlichten weltlichen Verwaltungsakt - nämlich dem Nichtbezahlen des „Mitgliedsbeitrages“ - und der höchsten kirchlichen Strafe - nämlich dem Bann, der Exkommunikation gibt.
Nach wie vor gibt es auch unter den Kirchenmitglieder ein gehöriges Maß des Unwissens was eigentlich von den Kirchensteuern bezahlt wird und was nicht.

Carsten Frerk nennt auf hpd eine Studie, die fatale Unkenntnis der Zahler belegt:

In einer nationalen Umfrage sind vor wenigen Jahren Kirchenmitglieder gefragt worden, ob sie aus der Kirche austreten würden, wenn die Kirchen nur wenig oder fast gar nichts aus der Kirchensteuer für soziale Ausgaben verwenden würde – was ja der Realität entspricht. Knapp die Hälfte aller Befragten sagten dazu, dass sie dann aus der Kirche austreten würden. Und je jünger die Befragten, desto größer ist dann der Anteil derjenigen, die aus der Kirche austreten würden. Wenn sie es denn wissen würden

Tatsächlich sind es 4 Prozent der Kirchensteuer, die in die Finanzierung von sozialen Dienstleistungen fließen.
Um zu verhindern, daß womöglich massenhaft Kirchenmitgliedsbeitragbezahler austreten, dürfen sie also niemals die Wahrheit erfahren.
Hier tut sich einer meiner absoluten Lieblingsbischöfe, der Pädophilie-Förderer Gerhard Ludwig Müller hervor, indem er dreist das Blaue vom Himmel herunter lügt, wie Frerk eindrucksvoll zeigt.


Überhaupt der Mammon.
Als die Börsen zusammen brachen und Billionenwerte pulverisiert wurden, waren die moralischen Zeigefinger der Kleriker hoch erhoben.
Sie schalten die Manager ob ihrer Unmoral und forderten sie auf der Gier zu entsagen.
Die Bördenzocker frönten dem „Götzendienst“.
Spon rekapituliert:

Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers vor einem Jahr bezeichnete der Erzbischof von York, John Sentamu, die Banker wenig subtil als "Bankräuber". Der Markt scheine "nach den Regeln von Alice im Wunderland" zu funktionieren, schimpfte der Würdenträger. Auch der Rest der Gesellschaft hatte in seinen Augen schwere Schuld auf sich geladen. "Wir sind alle in den Tempel des Geldes gegangen", sagte der empörte Bischof und zitierte einen Bibelspruch: "Die Liebe zum Geld ist die Wurzel alles Bösen." Vor zwei Wochen wiederholte sein Kollege Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, die Kritik der Kirche am Finanzunwesen. Er warf den Bankern vor, keine Lehren aus der Krise gezogen zu haben. "Es fehlt, was ich als Christ Reue nennen würde", sagte er der BBC. Erneut kritisierte er den "Götzendienst" gegenüber dem Geld.

Episkopat um Episkopat entdeckte seine fiskal-ökonomische Kompetenz und forderte strengere Regeln und effektivere Finanzaufsicht ein. Forderungen, die zwar von anderer Stelle (bsp Helmut Schmidt) schon seit Dekaden erhoben werden, denen sich die Kirchenspitzen als letzte anschlossen, nachdem das globale Geldkind in den Mariannengraben-Brunnen gefallen war.

Dafür sind es jetzt ebenfalls Bischöfe, die als erstes von den strengeren Finanzmarktregeln abrücken.
Nachdem sie nämlich gemerkt haben, daß sie ihre eigenen Milliardenvermögen nicht mehr asozial in Hedgefonds in der Welt umher schieben können, um zu ihrem eigenen finanziellen Wohl Arbeitnehmer auszupressen.

19,5 Milliarden Pfund ( ~ 32 Milliarden US-Dollar) nennen die Britischen Bischöfe ihr Eigen.
Daß sie mit diesem Geldbatzen nach den derzeit in Brüssel diskutierten Hedgefonds-Regeln womöglich nicht mehr ganz so locker zocken könnten, gefällt ihnen gar nicht.

Die Kirchenoberen handeln nach ihrem alten Wahlspruch „was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern!“ und erklären:
"Um unsere Profite zu maximieren, brauchen wir die Freiheit, die besten Investmentmanager und Fonds auszusuchen."
Kein Grund sich zu wundern, stellt SPON süffisant fest - wenn es um ihre eigenen Profite geht, kennt die Kirche, die anderen predigt „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel kommt“, keinerlei Moral:

Für Kirchenkenner kommt das Renditedenken der Bischöfe nicht wirklich überraschend - denn in Geldfragen legen die Kleriker seit Jahrtausenden eine Doppelmoral an den Tag. Die breitere Öffentlichkeit dürfte sich über die flammende Verteidigung der Hedgefonds dennoch wundern. Denn damit stellt sich die Anglikanische Kirche an die Seite der mächtigen Finanzlobbyisten, die sie sonst so gern verteufelt.

Nichts Neues also an der Kirchenfront.
Wasser predigen, Wein saufen und dabei lügen, daß sich die Balken biegen.

Im morgen erscheinenden STERN tituliert Prof Hans Küng das Ratzinger-Pontifikat nicht gerade positiv:
"Die gegenwärtige Politik des Vatikans wird ein Fiasko. Der Versuch, die Kirche wieder zurück ins Mittelalter zu zwingen, leert sie. Man kann die alte Zeit nicht zurückholen!"

Na, ich weiß ja nicht Herr Küng - bei aller Liebe:
Der RKK gehören immer noch 1,2 Milliarden Menschen an.
In Deutschland sind es noch 25 Millionen, die als brave Schafe Mitgliedsbeiträge zahlen und sogar 82 Millionen, die sich eine Regierung wählen, die mit einer weiteren zweistelligen Milliardensumme den Klerikern das Leben in Saus und Braus finanziert.

Ein Aufstand gegen diese haarsträubenden und verfassungsrechtlich nicht haltbaren Zustände (Kirche und Staat sind getrennt!) ist nicht in Sicht.

Montag, 28. September 2009

Rechter Vorteil

Jens Berger schrieb kürzlich in seiner Begründung für den Wahlaufruf zugunsten der LINKEn, daß er den Grünen „Hartz-IV und den Kosovokrieg noch immer nicht verziehen“ habe.

Daß hier also ein Ex-Grünenwähler volle elf Jahre später immer noch grollt, ist symptomatisch für die Misere des „linken Lagers“.

Vergleicht man den Bürgerlichen und den Linken zugeneigte Wählerschichten, sind Erwartungshaltung, Aufmerksamkeit und Kritikfreude fundamental unterschiedlich.

Ich wage die These, daß diese tiefsitzenden soziokulturellen Differenzen der Hauptgrund für die Dominanz der konservativen Kräfte in den westlichen Demokratien sind.

Die veröffentlichte Meinung spottet seit einem halben Jahrhundert über den „Kanzlerwahlverein“ CDU, deren Mitglieder unkritisch stets die Wünsche der Parteiführung abnicken, während Sozis und Grüne auf ihren Parteitagen mit Vorliebe endlose Diskussionen starten.

Was für die Parteichefs der Rechten bei internen Wahlen lediglich ein praktisches Element ist, entwickelt die eigentliche Wirkung erst zwischen den Wahlen.

Konservative Parteianhänger möchten, daß „ihre Leute“ die wichtigen Ämter im Staate besetzen und nicht die verhassten Sozen.
Ist dieser Zustand erst einmal erreicht, verfallen sie in intellektuelle Bescheidenheit, respektieren die Spitzen und vertrauen der Obrigkeit.
CDU/FDP-Regierungen können dann mit freiem Rücken schalten und walten.

Im linken Lager verhält es sich genau umgekehrt - wird auf Parteitagen oder auch einfach im Distriktsverein nach ewiger Diskussion ein Kompromiss erzielt, sind die Mandatsträger keineswegs vom Haken.
Ihre Unterstützer verfolgen ihr Tun außerordentlich kritisch und erwarten nichts weniger als ein totales Umkrempeln alle Missstände der Welt, quasi die Weltrevolution.
Sie sind dabei voller Ungeduld und entziehen ein einmal gegebenes Vertrauen in atemberaubendem Tempo.

Das erlebt Barack Obama derzeit - obwohl jedem schon vor seiner Wahl klar war, daß er vor so gigantischen Problemen stehen würde, daß eine Präsidentschaft von vier Jahren gar nicht ausreichen wird, alles anzupacken, haben sie nun bereits nach sechs Monaten die Geduld verloren und lassen ihren Potus in Umfragen auf Bush-Niveau abstürzen.

Eine andere Seite derselben Medaille ist die gewaltig große Lügentoleranz auf der konservativen Seite.
Ich halte das für ein Christliches Erbe.

Wer a priori davon überzeugt ist auf dem höchsten moralischen Ross zu sitzen, indem er beispielsweise die Zehn Gebote immer wieder hochhält, braucht es mit der Befolgung Derselben nicht so eng zu sehen.

Während ein sozialdemokratischer Ministerpräsident wie Björn Engholm schon wegen einer geradezu lächerlichen Petitesse zurück treten muß - er hatte lediglich nicht rechtzeitig öffentlich bekannt seit wann er von den Barschel-Machenschaften wußte - sind dreiste und perfide Lügen für einen CDU-Regierungschef fast gar kein Hindernis.

Roland Koch log immer wieder, daß sich die Balken bogen und ist bis heute MP.

Auch der gemütliche dicke Hohlkopf von der Waterkant, CDU-MP Carstensen, ist noch vor ein paar Wochen einer ganzen Kaskade von Lügen überführt worden.
Seine Wähler störte es nicht - er grinst schon wieder über sämtliche Pausbacken, weil er gestern wiedergewählt wurde.

Dies ist kein neues Phänomen - Bundeskanzler Kohl und sein Innenminister „Old Schwurhand“ Zimmermann taten sich schon vor einem Vierteljahrhundert mit Falschaussagen und Eid hervor und wurden brav immer wieder gewählt.

Kohl fiel bei zentralen Versprechen („keine Steuererhöhungen für die Deutsche Einheit“) in jede Richtung um - seine Wähler verziehen ihm alles. Unnötig zu erwähnen, daß Derjenige, der als Kanzlerkandidat 1990 ehrlich die Zukunft skizzierte, vom Wähler abgestraft wurde.

Das achte Gebot gilt nur für die andern.

Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
2. Mose 20,16

Auf dem höchsten moralischen Ross sitzt traditionell der Papst.
Als Stellvertreter Gottes hält er sich für die Inkarnation der Moral und ist genau deswegen gefeit vor der Anwendung von Gottes Geboten.

Bis ins 20 Jahrhundert tat sich der Vatikan mit dem Ersinnen von Foltergeräten und Kriegssegnungen hervor; keine Organisation dürfte so viele Tote auf dem Gewissen haben, wie die RKK, die von anderen verlangt „Du sollst nicht töten“.

Im 21. Jahrhundert gelten immer noch Bischöfe als moralische Autorität, obwohl sie fortwährend faustdicke Lügen verbreiten.

Als Beispiel sei Mixas Erkenntnis genannt, daß der Atheismus die Nazis hervorgebracht hätte, sei Ratzingers Erkenntnis genannt, daß Kondome die Ausbreitung von HIV förderten und sei Kreuznets Erkenntnis genannt, daß „Sozialisten den Kindermord befürworteten“.

Ein anderer Vertreter der „moral majority“, der von seiner Mutter „the chosen one“, genannt wurde, ist George W. Bush.

Seine Administration hat schon in der ersten Amtszeit die Amerikaner und die Welt fast eintausend mal belogen:

Wissenschaftler um den Gründer des Center for Public Integrity, Charles Lewis, wiesen in einer Studie acht US-Spitzenbeamten 935 "unwahre Behauptungen" in den zwei Jahren vor dem Waffengang nach.
Bush und Powell seien mit 260 und 254 bewussten Falschaussagen die Spitzenreiter dieser unrühmlichen Riege, besagt die Studie.

Der Dank: Wiederwahl im Jahr 2004 mit besserem Ergebnis.

Ich vermute sehr stark, daß einem liberalerem potus dieses Kunststück nicht gelungen wäre.


Wie kommt es nun also, daß grade auf konservativer politischer Seite besonders viel gelogen und betrogen wird, ohne daß die Wähler das übel nehmen?

Ist es nicht auffällig, daß es die Republikaner in den USA sind, die mit einem Sexskandal nach dem nächsten Schlagzeilen machen?
Ausgerechnet?
Hunderte rechte Heuchler listen Blogs auf.

Wieso sind es gerade die katholischen Priester, die permanent und weltweit mit Sexskandalen auffallen?

Warum gerade erklärte Moralisten oft zu sexuellen Eskapaden, Rassismus und Betrug neigen“ Erklärt SZ-Journalist Sebastian Herrmann in seinem Artikel „Die Lizenz zur Sünde“.

Das Phänomen sei Psychologen schon lange bekannt:

„So zeigt sich in zahlreichen Studien, dass Menschen, die sich öffentlich als moralisch besonders integer profilieren, eher dazu neigen, gegen genau diese Normen zu verstoßen. Ganz so, als brauchten sie den Kitzel einer besonderen Fallhöhe”

Der Hintergrund scheint zu sein, daß die sich selbst als besonders moralisch verstehende Menschen annehmen, sich aus ihrem „Bessersein“ das Recht für ein paar Ausrutscher ableiten:

Der Psychologe Benoît Monin von der Universität Stanford hat dafür den Begriff "Moral Credentials" geprägt. Zusammen mit Dale Miller zeigte er schon 2001 in einer Studie im Journal of Personality and Social Psychology, dass Menschen eher sexistische oder rassistische Ansichten vertreten, wenn ihnen zuvor die Gelegenheit gegeben worden war, sich als vorurteilsfreie Menschen zu gerieren.

Es genügt sich selbst für besonders moralisch zu halten, um in der Realität weniger moralisch zu sein.
Ein Beispiel:

Kürzlich berichteten Sonya Sachdeva und ihre Kollegen von der Northwestern University in Chicago, dass Menschen, die sich selbst als moralische Wesen betrachten, weniger Geld spenden als andere, die ein tendenziell negatives Selbstbild haben (Psychological Science, Bd.20, S. 523, 2009). […] Diejenigen, die sich zuvor als moralisch integere Menschen beschrieben hatten, spendeten lediglich ein Fünftel dessen, was die Vergleichsgruppe gab.

Um zu meiner Ausgangsthese zurück zu kommen, daß diese tiefsitzenden soziokulturellen Differenzen der Hauptgrund für die Dominanz der konservativen Kräfte in den westlichen Demokratien sind:

Was mir als eher Linkem befremdlich vorkommt, daß jemand, der sooft und so dreist gelogen hat wie Westerwelle und dem offenbar auch von seinen eigenen Wählern 70 % nicht seine Versprechen abnehmen, dennoch mit einem derartigen Rekordwahlergebnis gesegnet wurde, liegt an dem glücklichen Umstand, daß sich seine rechten Wähler so überlegen fühlen, daß sie für sich selbst keine tatsächlich moralischen Maßstäbe ansetzen.

Man konnte diesen Zusammenhang auch schon bei dem „Pro-Reli“-Volksbegehren in Berlin erkennen.
Nachdem klar erwiesen war, daß die Pro-Reli-Front durchgängig Lügen als Argumentation bedienten, sprangen CDU und FDP auf den Zug.

Moralisch zu ERSCHEINEN ist den rechten Parteien wichtiger, als tatsächlich moralisch zu sein.

Insofern sieht auch die Zukunft für die FDP einigermaßen rosig aus.

Natürlich wird sie ihre Versprechen nicht halten, natürlich wird sie umfallen - wie es die FDP immer tut.

Glücklicherweise hat sie aber Claqueure, die es ihr nicht übel nehmen.

Daß ein enttäuschter FDP-Wähler wie Jens Berger gegenüber den Grünen auch noch Dekaden später grollt, ist nicht anzunehmen.

Pech für die Linke - ihnen werden Fehler ewig anhängen.

Rechte können aufgrund ihrer sich selbst gewährten "Moral Credentials" Nazisprüche klopfen, bei Lügen ertappt werden und Versprechen brechen, wie sie wollen.

Ihnen verzeiht man alles.

Dienstag, 4. August 2009

Ehrlichkeit?

Gestern in der Mopo beschrieb Jessica Kröll einige Homo-Christen.
Es gibt für mich hunderte Gründe kein Christ zu sein - aber als Schwuler hätte ich noch einen Grund mehr.
Wieso will jemand in einer Organisation sein, die ihn prinzipiell ablehnt?
Dabei ist „ablehnen“ noch ein euphemistischer Ausdruck.
Einige Katholiken wie die Irren von der Piusbruderschaft, respektive Kreuznet, haben es sogar zu ihrer Hauptaufgabe erkoren Schwule zu diffamieren, zu verfolgen und sie in die Hölle zu wünschen.
Andere Katholiken, wie beispielsweise ein gewisser Joseph Ratzinger, gehen mit weit geöffneten Armen auf die Piusbrüder zu, wollen sie integrieren und hetzen selbst nach Herzenslust gegen Nichtheterosexuelle.
Katholische Priester dürfen und können nicht schwul sein - so die offizielle Linie des Vatikans.

Sind dann also Homo-Christen schizophren?
Dazu die Mopo:

Mark Terence Jones (40) aus St. Georg ist gläubiger Katholik und schwul. Seit seinem zehnten Lebensjahr wollte der gebürtige Nordrhein-Westfale Priester werden. Seinen Eltern zuliebe macht er zunächst eine kaufmännische Ausbildung, geht als 22-Jähriger in eine Schule für Priesteranwärter. In dieser Zeit lernt er seinen ersten Freund kennen und verlässt die Schule. "Da wir uns verliebt hatten, konnten wir ja nicht mehr Priester werden", so Jones. Doch der Glaube ist so stark, dass es ihn ein paar Jahre später in ein Männerkloster bei Regensburg zieht. Als er sich dem dortigen Generalpropst (Klostervorsteher) anvertraut, rät der ihm, das Kloster zu verlassen. "Ich war zwar enttäuscht, aber heute bin ich ihm dankbar. Ein Doppelleben wäre für mich nie in Frage gekommen." Genauso wenig wie aus der Kirche auszutreten. "Es gibt doch in jeder Kirche Probleme. Und ich fühle mich sehr wohl in der katholischen Kirche, finde toll, wie sie sich engagiert. Außerdem lehnt sie mich nicht als Menschen ab, sondern mein Sexualleben. Und ich definiere mich ja nicht nur darüber." Dennoch würde er sich freuen, wenn der Papst ein Zeichen setzt: "Ich erwarte nicht, dass er sich morgen auf den Balkon stellt und ruft: ,Ihr Homosexuellen seid toll.` Aber ich erwarte, dass er mit uns in den Dialog tritt."

Aha, da haben wir schon das Problem; Herr Jones hat offenbar nicht alle Nadeln an der Tanne:

„Und ich fühle mich sehr wohl in der katholischen Kirche, finde toll, wie sie sich engagiert. Außerdem lehnt sie mich nicht als Menschen ab, sondern mein Sexualleben.“

Meine Assoziation zum „Wohlfühlen“ erspare ich mir aus Höflichkeit - wobei es allerdings für Schwule zum Wohlbefinden beitragen mag, daß die RKK vor allem so sehr der Misogynie frönt, daß prinzipiell Frauen als unrein und daher als ungeeignet für geistliche Ämter gelten.
Die Frauenquote in schwulen Darkrooms dürfte nur noch von der im katholischen Klerus unterschritten werden.
(Daß Frauen Mitglieder der RKK sind, halte ich schon deswegen für genauso absurd)

Welches Engagement Herr Jones wohl so „toll“ findet, frage ich mich natürlich auch.
Mixas und Meisners regelmäßige rechtsradikale Ausraster?
Die permanenten Sex-Skandale der Priester?
Das vehemente Verurteilen der menschlichen Freiheit bei den Themen Patientenverfügung, Abtreibung und Sexualaufklärung?
Das rechtswidrige Bereichern an Staatseigentum?
Daß Kinder von Priestern unschuldig bestraft werden, indem sie nicht mit ihrem Vater zusammen leben dürfen?
Das Auspressen von kirchlichen Mitarbeitern durch untertarifliche Löhne?
Das Verbieten von Kondomen auch bei HIV-Infektion?
Das Schweigen zur ungeheuerlichen Blutspur, die die RKK in den letzten 2000 Jahren angerichtet hat?
Das Feuern von Angestellten, wenn sie sich scheiden lassen?

Grotesk auch die Differenzierung zwischen der angeblich nicht vorhandenen Ablehnung des Menschen Jones im Gegensatz zu seiner Sexualität.
Sollte nicht gerade jemand, der sich angeblich NICHT über seine Sexualität definiert, besonders empfindlich reagieren, wenn er deswegen als „Sünder“ gebrandmarkt wird?

Nein, Herr Jones - auch wenn ich versuche zu tolerieren, daß Sie an diesem genetischen Defekt der Spiritualität leiden - aber Ihre Erklärungen sind nicht kausal.

Ich denke mal, daß es doch andere Gründe geben mag, die Herrn Jones in die RKK ziehen.

Die Katholische Kirche ist nun einmal die größte transnationale Schwulenorganisation der Welt. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber wie ich schon ausführte, gehen Experten von 40 - 50 % Schwulen in der Priesterschaft aus.
Laut Eugen Drewermann „züchtet“ sich die RKK die Homosexuellen regelrecht heran.
Die Startheologin Prof Uta Ranke-Heinemann schätzt den Anteil der Schwulen im Vatikan auf 60%.
Ranke-Heinemann: Durch die Begünstigung der homosexuell Veranlagten verwechselt mancher junge Mann - in aller Unschuld - seine homosexuelle Veranlagung mit göttlicher Berufung. In keinem Beruf ist der Anteil der Homosexuellen so hoch wie im katholischen Klerus - und da wiederum: je höher in der Hierarchie, desto größer der Prozentsatz. 60 % des Vatikans sind homosexuell.

Daß frauenfeindliche Religionen, die ihre Priester in bunte Kleider stecken eine enorme Anziehungskraft auf Schwule haben, ist nicht nur ein Phänomen des real existierenden Katholizismus.

Dazu gab es einen hübschen Beitrag im letzten Weltspiegel.

Das Video dazu kann man hier sehen.

Mindestens ein Viertel der Thailändischen Mönche sind schwul und laufen inzwischen auch gerne mal gepudert mit Wimperntusche und rosa Handtaschen umher.

Die hohe Anziehungskraft auf Schwule erklärt Nathee Terarojanapong:
"Für Homosexuelle gibt es drei gute Gründe, ins Kloster zu fliehen: Sie kommen raus aus ihren Dörfern und müssen nicht heiraten. Sie entgehen auch der harten Feldarbeit, für die manche vielleicht nicht geeignet sind. Und natürlich haben viele Schwule die Hoffnung, in einem Kloster leichter einen Partner zu finden."
Voilà - das gilt sicher für viele schwule Katholiken ganz genauso.

Wäre schön, wenn die Homo-Priester das wenigstens auch zugäben, anstatt sich darum herum zu mogeln, indem sie behaupten TROTZ ihrer Homosexualität in der Kirche zu sein und andere „Vorzüge“ der Kirche preisen.

Nun ist Ehrlichkeit bekanntlich keine hochangesehene Tugend der Römischen Organisation, die noch Jahrhunderte am Geozentrismus festhielt, nachdem sie Aufmüpfige wie Giordano Bruno für seine Thesen, daß die Sonne im Zentrum stünde schwersten folterte und auf dem Scheiterhaufen hinrichtete.

Es wäre aber ein Anfang, wenn der Papst zugäbe der Chef der homosexuellsten Organisation der Welt zu sein. Er könnte ganz beruhigt sein - ich wäre weiterhin ein ebenso scharfer Kritiker seines Vereins wie zuvor!

Sonntag, 19. Juli 2009

Penis-Begeisterung.

Als eifriger Kreuznet-Leser weiß ich inzwischen um das immerwährende Faszinosum „Penis“.
Nichts scheint die Homophoben so nachhaltig zu beschäftigen, wie die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der männlichen Genitalien.
Darin sind die Rechts-Außen der Katholischen Kirche mit ihrem Papst einig.
Fast das gesamte Moralgebäude kreist um Masturbation, Analverkehr und Kondome.
Die eifrigen Neologisten bereichern den Wortschatz ihrer Leser dabei mit Ausdrücken wie "notorischer Sodomist", "Schokostecher" oder "Homo-Auflauf".
Bezeichnenderweise ignorieren die Männer in den Kleidern weibliche Genitalien fast vollkommen - offensichtlich können die auf untenrum fixierten Lustgreise ihre Phantasie nicht so weitgehend einsetzen.
Wie der Teufel das Weihwasser fürchten sie, daß auch mal eine Frau Priester werden könnte,
Ihre Imaginationskraft erschöpft sich im schwulen Geschlechtsakt.

Vermutlich werde ich die größte transnationale Schwulenorganisation der Erde (=RKK) nie verstehen.

Man(n und Frau) kann sich doch auch auf andere Weise mit Penissen beschäftigen, wenn man es unbedingt will.
Da gibt es beispielsweise das berühmte Penismuseum in der isländischen Stadt Húsavík.HIÐ ÍSLENZKA REÐASAFN, Héðinsbraut 3a, IS-640 Húsavík, Telefon 00354 5668668.

Dort hat der Pimmellophile die Gelegenheit 55 Phallen von 17 Walarten, Eisbären, 36 Dödel von 7 Robbenarten und knapp 114 Geräte von 20 weiteren Tierarten zu sehen.

Neben allerlei Kitsch sind die Präparate aber das Highlight des Bildungshauses.
Prachtstück ist ein Pottwalpenis, der fast 70 Kilo wiegt und 1,70m lang ist.
Wem das alles zu theoretisch ist, dem sei ein Trip nach Peking empfohlen.
Dort gibt es einen Kulturtempel für die eher am Felliatioaspekt Interessierten.

Das Penis-Restaurant Guo Li Zhuang (鍋裡壯). 1A Dongyan, Xihai (South of Deshengmen Qiao), Xicheng District.Tel: 6405 5966

Hier kann man sich Pimmel aller Art - vom Ochsen bis zum Seehund - schmecken lassen.

Die Köche scheinen sehr freundlich und auskunftsfreudig zu sein; so berichtet Stefan Gates in der Times:

I ask a chef to show us the preparation of a penis first, so that I can get a feel for the process. He enters holding aloft an eye-wateringly large yak’s knob. It’s about 45cm long, but thin, so thin. It’s been boiled gently and - I can’t believe I’m writing this - peeled, except for a hunk of foreskin still clinging on to the end. He cuts the thing in half lengthways with a pair of scissors. As he chops through the very tip of this impressive member, I feel an undeniable empathy twitch in my own penis and a bizarre feeling of nausea in my groin. (I didn’t think groins could experience nausea.) I can’t help yelping in sympathy. He then uses a knife to make hundreds of little snips along the side of the penis and chops the strips into 5cm pieces. When these are dropped into boiling stock, they curl up into little flower shapes that are so incongruous, I can barely believe my eyes. I ask the chef if he thinks it strange to deal exclusively in genitalia, but he shrugs and doesn’t know what to say. He’s just happy to have a good job, really.

Frau Zhu Yan, die Restaurant-eigene Ernährungsspezialistin berät bei der Auswahl. Verschiedene Pimmel haben verscheidene Wirkungen; wie die freundliche Dame geduldig - auch in englisch - erklärt:

Donkey – Good for the skin
Snake – Makes you hot and potent
Sheep, Horse and Ox – Helps the circulation of the blood
Dog – Boosting sex drive and treating all sorts of ailments.

Für Hartz-IV-Empfänger ist der Tempel des guten Gemächts allerdings nicht unbedingt geeignet.
Ein sehr einfaches Gericht, wie der in Streifen geschnittene und in Mehl panierte Ziegenbockpenis in Sojasoße kostet 300 Euro und bei seltenen Tieren geht es preislich noch deutlich aufwärts.
Bei einem Tiger-Penis-Fondue muß man schon an die 5000 Euro hinblättern.

Laut des (wirklich dilettantisch lektorierten und miserabel gestalteten) Buchs „Küsse, Kämpfe, Kapriolen - Sex im Tierreich“ (von Mario Ludwig und Harald Gebhard) verfügen Blauwale über die größten Penisse überhaupt:
So ein Ding ist drei Meter lang bei einem Durchmesser von eher mageren 30 Zentimeter.

Ob das Guo Li Zhuang auch Blauwaldödel-Ragout offeriert, habe ich leider nicht heraus finden können.

Donnerstag, 9. April 2009

Sexstrategie

Das Schöne daran in einem Land zu leben, das in seiner Geschichte sowohl auf Gestapo, als auch auf Stasi zurück blicken kann, ist der Zugriff auf unendliche Datenmengen des Destatis (Statistisches Bundesamt). Dort wird permanent Zahlensalat produziert, der im Gegensatz zu den selbst gefälschten Daten der Institute à la Allensbach und Emnid im Allgemeinen kaum angezweifelt wird.

Ich mag Zahlen.

Das weniger Schöne daran in einem Land zu leben, das in seiner Geschichte sowohl auf Gestapo, als auch auf Stasi zurück blicken kann, ist das der Lüge überführt werden, wenn man soeben als CDU-Minister mal wieder dummdreist das Volk belogen hat.

Diese Erfahrung macht derzeit die ultrapopuläre Familienministerin von der Leyen.
Wie bei anderen extrem beliebten Politikern und Parteien ist das Geheimnis ihres Erfolges ebenfalls ihre tumbe Tatenlosigkeit in politischen Dingen, die sie durch umso mehr Homestories, Talkshowauftritte und Rezept-Tipps kompensiert.
Die Polit-Kompensationsstrategie wird die Frau Ministerin mit dem hepta-produktiven Uterus in Zukunft noch ausbauen.
Im Februar hatte sie den Fehler begangen sich dazu verleiten zu lassen konkrete Zahlen zu nennen.
Von 690.000 Geburten im Jahr 2008 jubelte die Ministerin vor zwei Monaten - die „Trendwende“ sei selbstverständlich alles eine Folge ihrer brillanten Familienpolitik.

Nachdem gestern die endgültigen Zahlen erschienen, die das Gegenteil beweisen, nämlich daß die Geburten auf einen nie dagewesenen Tiefstand absackten, ist Frau Ministerin ganz still.

Nur 675 187 Kinder im vergangenen Jahr zur Welt kamen - 7526 oder 1,1 Prozent weniger als 2007.
Die Starministerin, die den vermeidlichen ERFOLG der Geburtenzunahme, sofort als Resultat IHRER Politik verkauft hatte, weiß nun, da sich der Erfolg als MISSerfolg herausstellt, genauso sicher, daß das natürlich nichts mit ihrer Politik zu tun hat.
Logisch.
Den "ungewöhnlichen Einbruch" der Geburtenzahl im letzten Quartal 2008 habe niemand voraussehen können, sagte von der Leyen.

Herwig Birg, der lange einen Lehrstuhl für Bevölkerungswissenschaft an der Universität Bielefeld, kann sich über soviel Dummheit der Ministerin nur wundern:

Denn nicht auf die Geburtenzahl komme es an, erklärt Birg, sondern auf die Geburtenrate. Und die lasse sich durch die gegenwärtige Familienpolitik nicht ändern. Birg im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt: "Die nicht geborenen Kinder der letzten dreißig Jahre fehlen als Eltern. Und wer nicht da ist, kann auch nicht auf neue familienpolitische Maßnahmen reagieren." Das, so Birg, müsse der Ministerin eigentlich klar sein. "Weil es so simpel ist wie nur irgendetwas." Die Geburtenrate liege in Deutschland seit dreißig Jahren zwischen 1,3 und 1,4 Prozent. Für eine Trendumkehr brauche man mindestens zwei Generationen, "weil die mehr geborenen Kinder ihrerseits erst wieder Kinder haben müssen, bevor sich etwas ändern kann". Selbst wenn sich die Geburtenrate jetzt auf 2,1 Prozent steigern lassen würde, rechnet der Wissenschaftler vor, hätte Deutschland bis zum Jahr 2060 ein Geburtendefizit.

Unterm Strich sieht es für 2008 so aus, daß 168 406 mehr Menschen in Deutschland gestorben sind, als neu geboren wurden.

Mit der Fruchtbarkeit haben wir es hier also nicht so.

Ich verstehe auch gar nicht, weshalb das erstrebenswert sein sollte - stehen nicht jetzt schon die Ratgeberregale in den Buchhandlungen voll mit Titeln wie:

Der kleine Tyrann, Kinder dürfen aggressiv sein, Nein aus Liebe. Klare Eltern - starke Kinder, Wenn Eltern die Wut packt: Alltägliche Streßsituationen mit Kindern bewältigen, Kinder brauchen Grenzen, Ohne Chaos geht es nicht: 13 Überlebenstipps für Familien, Das kleine Wutmonster, Tyrannen müssen nicht sein: Warum Erziehung nicht reicht - Auswege, Kindern Grenzen setzen - wann und wie?, Mit Liebe konsequent sein, Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit“?

Von TV-Shows à la „Teenager außer Kontrolle“ will ich erst gar nicht reden - das animiert jedenfalls nicht dazu das Kondom wegzulassen.

Kann man das nicht endlich mal akzeptieren und Konsequenzen ziehen?

In einem sind sich schließlich alle Wissenschaftler einig - das größte Problem des Planeten ist die Überbevölkerung. 35.000 Kinder verhungern jetzt schon TÄGLICH!

Die Bevölkerungsexplosion ist eine Tatsache, die zum Beispiel auch Helmut Schmidt immer wieder als größte Gefahr für die Zukunft brandmarkt.

Statt also EU-Millionen dafür auszugeben Flüchtlinge, die nach Europa kommen wollen von Berlusconi vor Lampedusa ins Meer zu jagen, sollte Frau von der Leyen ein paar von denen herholen.

Wenn Frau von der Leyen aber partout weißhäutige Kinder will, bliebe ihr als Christin, die schon zusammen mit Bischöfin Käßmann öffentlich empfahl, daß Eltern mehr mit ihren Kindern beten sollten, noch die amerikanische Methode.

Dort ist das christliche Bewußtsein so stark in konkrete Politik übergegangen, daß man 176 Millionen Dollar Bundesmittel jährlich für "abstinence only programs" ausgibt.
Eine schulische Sexualaufklärung mit beeindruckenden Resultaten!
In keinem anderen westlichen Industriestaat werden Teenager so leicht schwanger wie in den USA. Laut neuesten Zahlen des National Center of Health Statistics ist die Rate von Teenager-Müttern in den Jahren 2006 und 2007 deutlich angestiegen. Von 1000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren erleben 43 eine ungewollte Schwangerschaft, in Kanada dagegen sind es nur 13, in Deutschland 10. Mit jährlich rund zehn Milliarden Dollar belasten Fürsorgeleistungen und Steuerausfälle infolge früher Mutterschaften die staatlichen Kassen.

Erwachsene sind eben von der Bundespolitik schwerlich zum poppen zu animieren - aber Teenager verfügen über diese grandiose Kombination aus Triebsteuerung und nicht an Konsequenzen denken.

Wenn von der Leyen da noch ein bißchen christliche Verdummungsarbeitet leistete und mehr Bischöfe in TV-Sendern mit mürrischem Gesicht „Sex ist schlecht und Kondome sind Sünde“ verkündeten, wären die Kreißsäle bald wieder voller.