TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Samstag, 14. März 2009

Selektive Geschichte.

Die Steinbach’sche reckt jetzt schon wieder ihr braunes Köpfchen und will doch nicht
ausschließen in den Stiftungsrat des in Berlin geplanten Vertriebenenmuseums zu gelangen.

Einige tiefschwarze Unionspolitiker setzen sich immer noch für das rote Tuch Polens ein.
So unternahm Bundestagspräsident Lammert - der zweite Mann in der Hierarchie Deutschlands (nach Köhler) - gestützt auf ein gefälschtes Zitat eine weitere Attacke auf Polen und schrieb einen offenen Brief an den ehemalige Auschwitz-Häftling Wladyslaw Bartoszewski.

Mal wieder ein Grund sich zutiefst für einen CDU-Politiker zu schämen.

Wladyslaw Bartoszewski ist fassungslos.

"Als Europäer kann ich die von Frau Steinbach öffentlich forcierte falsche Geschichtsinterpretation nicht akzeptieren", schrieb der 87-Jährige. Einer Aussage Steinbachs in der Welt am Sonntag vom 8. März zufolge hätten die Polen den Vertreibungsprozess der Deutschen lange vor der Potsdamer Konferenz geplant und realisiert. "Dies ist eine Geschichtslüge, eine aus dem Ursache-Wirkung-Zusammenhang gerissene Darstellung", so der Exaußenminister. "Dieser Interpretation zufolge wäre die Barbarei Hitlers nur ein Vorwand für die Polen gewesen, mit den Deutschen abzurechnen."

Aber die schwarz-braunen Unionsmänner legen nach. Seehofer, die Inkarnation des Querulantentums, lud als CSU-Chef die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, zur Vorstandsklausur Anfang April ins oberfränkische Kloster Banz ein. Parteichef Horst Seehofer wolle damit ein Zeichen der Verbundenheit mit Steinbach setzen.

Seehofer und Lammert und Steinbach sind da ganz auf der Linie der NDP, die über ihre Fraktion in Sachsen verlauten läßt:

Die NPD-Fraktion befürwortet eine spätere Nominierung Steinbachs für den Stiftungsrat als auch die Errichtung eines unter Federführung des BdV stehenden „Zentrums gegen Vertreibungen“ …. Der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel bedauerte in seinem Debattenbeitrag, daß der Streit um Steinbachs Nominierung für den Stiftungsrat des „Zentrums gegen Vertreibungen“ in gewohnter Weise beendet worden sei, „indem den Erpressungen aus Polen und Erpressungen der SPD einmal mehr nachgegeben wurde“. Im Kampf gegen Frau Steinbach hätten die polnischen Medien „schon immer nur die peinlichsten Klischees“ bemüht, hier werde Steinbach „regelmäßig als blonde Bestie oder als mit Siegrunen und Hakenkreuzen geschmückte SS-Domina dargestellt“. Solche Äußerungen seien deutscherseits dann noch von der Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Bundesregierung und SPD-Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan bekräftigt worden, die in einem Interview kürzlich sogar noch stolz auf ihre Erziehung im „antideutschen Geist“ verwiesen hatte. Apfel äußerte dazu: „Eine antideutsche Gesinnung zu pflegen, ist wirklich eine kolossale Empfehlung für das höchste Amt in der BRD. Nun ja, wenngleich auch die Alternative nicht sonderlich attraktiv ist, darf ich Ihnen versichern, daß mir als Mitglied der Bundesversammlung wohl eher eine Hand abfaulen würde, als mit meiner Stimme dieser antideutschen Polen-Lobbiystin zur Bundespräsidentin zu wählen.

Die Deutsch-Nationalen bestechen in ihrem Polen-Hass abgesehen von ihrer abstrusen Sicht auf die Geschichte übrigens auch durch Defizite in Grammatik und Orthographie.
(Es fehlt ein „sowohl“, das Wort Lobbyistin schreibt sich anders, etc..)

Aber wie soll man von Jemand, der derart hirnlos ist, daß er Mitglied der NPD ist auch erwarten, korrektes Deutsch zu sprechen?



Sachsen regierte dankenswerterweise offiziell auf die schmierigen Nazi-Abgeordneten:
Sachsen hat sich bei Polen wegen verbaler Ausfälle der rechtsextremen NPD im Landtag entschuldigt. Damit beendete Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) am Freitag eine von der NPD beantragte Debatte zum geplanten Zentrum gegen Vertreibung. Der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel hatte mit Blick auf die Vertreibung infolge des Zweiten Weltkriegs von einen „Holocaust am deutschen Volk“ gesprochen, sein Kollege Jürgen Gansel von „frechen polnischen Einmischungsversuchen“. Nach mehreren Ordnungsrufen aus dem Präsidium wurde Gansel schließlich der Ton abgedreht.

Die BdV-Chefin wird bei ihren NPD-Claqueuren kaum Probleme haben ihren sogenannten „Anspruch“ zu begründen, aber diejenigen, die mehr als drei Gehirnzellen haben, fragen sich schon, wieso die braune Freundin Merkels überhaupt für ehemalige Heimatvertriebene spricht.

Polnische Gebiete als Steinbachs Heimat anzusehen, gelingt nur mit einem Höchstmaß an Rabulistik:
Ihr Vater Wilhelm Karl Hermann ist ein in Hanau (Hessen) geborener Feldwebel der Nazideutschen Luftwaffe.
Ihre Mutter, Erika Hermann stammt aus Bremen.
Ins seit dem deutschen Angriff auf Polen 1939 westpreußische und seit 1945 wieder polnische Rahmel, gelangt Feldwebel Hermann 1941 als Soldat Hitlers.
Dort wird Erika Steinbach 25. Juli 1943 geboren und verläßt Ihre Heimat, der sie 64 Jahre später noch nachweint, im Januar 1945 als 18 Monate altes Baby, da die Rote Armee die Konzentrationslager befreiend gen Westen vorrückt.

18 Monate in Polen als Teil der Hitler-Armee soll nun Maßstab sein?

Wieso fixiert sich der BdV eigentlich auf das Jahr 1943?
Polen ist schließlich schon einen Tick älter. Der Wawelhügel mitsamt Grotte in Krakau wurde schon vor 20.000 Jahren bewohnt. In der Bronze- und Eisenzeit dominierte die Lausitzer Kultur. Als bekanntestes Beispiel gilt die Pfahlbausiedlung in Biskupin, die um 700 v. Chr. gegründet wurde. Zur Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert kamen Slawen nach Polen. Um 960 gründete der westslawische Katholik Herzog Mieszko I. den Staat.

Tausende Jahre Geschichte interessieren Frau Steinbach aber offenbar einen Dreck - sie orientiert sich wie die NPD an einem anderen „1000-Jährigem Reich“.

1943 scheint ihr Lieblings-Status-quo zu sein.

Steinbach braune Kollegen von der Revanchisten-Truppe bemühen oft das „Deutschland in den Grenzen von 1937“.
1937 war Deutschland immerhin deutlich kleiner als 1941 zum Beispiel, aber Neonazis haben offensichtlich nicht die Eier, um so ein Gebiet zu fordern.

1937 ist für deutsche Großmachtsphantasien aber auch ein ordentlicher Brocken. Pommern, Niederschlesien, Oberschlesien und Ostpreußen waren schon vor der den weiteren „Anschlüssen“ unter Hitler Teil des Deutschen Reiches.

Traditionalisten könnten in der jahrtausendealten europäischen Geschichte durchaus auch weiter zurück greifen.

Wieso fordert eigentlich niemand ein Deutschland in den Grenzen von 1100?
Ottonen und Salier dominierten damals, "Deutschland" war wesentlich kleiner und westlicher. Also kein Vorbild für den BdV - die waren nämlich noch gar nicht dort eingefallen, von wo aus sie später mal vertrieben werden sollten.

Gehen wir mal weiter zurück ins Jahr 800. Da war hier ein gigantisches einheitliches Reich. Wäre das nichts, was sich Holger Apfel wünschen könnte?
Natürlich nicht, denn damals war das alles französisch - unter Karl, dem Großen und die Teutonen hatten gar nichts zu melden.

Gehen wir also lieber wieder ein paar Jahrhunderte in die andere Richtung:

1789 (französische Revolution) ist nichts für Nationalisten von 2009 - ein einziges Chaos aus Mikro-Staaten. Obwohl Friedrich der Große bereits wie die wilde Wurst Eroberungskriege angezettelt hatte.

Deutschland in den Grenzen vom Wiener Kongress (1815) wäre für NPD und Erika Steinbach auch eher ungeeignet. Die schlimmste Kleinstaaterei war zwar vorbei, aber dennoch waren es noch lauter eigenständige Staaten, die sich hier tummelten. 39 eigenständige Einheiten gab es noch - und wir sprechen heute mit 16 Bundesländern noch von föderaler Unregierbarkeit.

Eine schöne staatliche Einheit, auf die man sich bei dem BdV berufen könnte, war Deutschland aber wenige Jahre vorher: 1806.
Welch beeindruckend riesiges politisch einheitliches Gebilde findet man da in Europa! Aber davon lassen BdV-Tradis schön die Finger - denn das war damals ALLES Frankreich. Schon wieder.

Gar nicht so leicht sich einen passenden Deutschlandzeitpunkt auszusuchen, wenn man ein rechtsradikaler Revanchist ist.
Vollendes absurd wird das historische Phantasieren von Riesengebieten, die einst deutsch waren, wenn man in diese Überlegungen einbezieht, daß andere Nationen womöglich ähnliche abstruse Gedanken haben.
Da gibt es dann einige Überschneidungen.
Vielleicht gibt es Franzosen, die auch gerne ein Frankreich zur Zeit seiner größten Ausdehnung zurück hätten.
Das britische Empire war auch mal wesentlich größer.
Und ob Frau Palin einverstanden wäre, wenn Russland Alaska zurück will?

Für solche retro-territorialen Wunschkonzerte reicht leider der Platz auf dem Planeten nichts aus.

Ein letztes Wort zum Bund der Vertriebenen:
Gerne tun Frau Braunbach und ihre Bejubler so, als ob die einen Alleinvertretungsanspruch hätten, als ob nur sie stellvertretend für all diejenigen sprächen, die irgendwann mal woanders gesiedelt hatten und in Folge von Kriegsgeschehnissen nun nicht mehr dort sind.
Tatsächlich haben sich aber die allermeisten von Ihnen längst gruselnd vom geifernden, Trachten-tragenden und NPD-beklatschten Vertriebenen-Dasein des Stils Steinbach abgewendet.

Dazu schrieb Basil Kerski kürzlich:
Weitgehend in Vergessenheit geraten ist, dass die Ablehnung der Oder-Neiße-Grenze durch den BdV seit den 1960er Jahren zu einer Abkehr vieler deutscher Ostflüchtlinge, unter ihnen Marion Dönhoff, Klaus von Bismarck oder Siegfried Lenz, vom Vertriebenenverband geführt hat. Die meisten Deutschen mit kulturellen Wurzeln in Polen haben den Verlust ihrer Heimat lange vor der Wende 1989 akzeptiert und außerhalb der Vertriebenenverbände den direkten Kontakt zu ihren polnischen Heimatgemeinden gesucht: Sie und ihre Nachkommen zählen seit Jahrzehnten zur personellen Stammbesetzung des deutsch-polnischen Dialogs.

Da hier der Name „Dönhoff“ fiel:
Die Dönhoffs zum Beispiel haben im Gegensatz zu den Steinbach-Vorfahren nicht 18 Monate in Polen gelebt, sondern waren 800 Jahre in Ostpreußen. Sie bildeten dort einen integrierten Teil der Gesellschaft. Die Dönhoffs waren liberale Menschen, die nicht auf Kosten ihrer Umwelt gelebt haben. Marion Dönhoff hat von Anfang an gegen Hitler gekämpft und im Zuge des Attentats vom 20.Juli 1944 fast ihren gesamten Freundeskreis verloren. Daß sie selbst als Koordinatorin des Widerstands gegen Hitler in Ostpreußen nicht hingerichtet wurde, ist purer Zufall. Schließlich ist da noch ein Unterschied zu Erika Steinbachs Vater: Der Feldwebel Hitlers hatte kaum Landbesitz in Polen.
Das Dönhoff’sche Schloß „Friedrichstein“ war dagegen eins der Größten und Schönsten überhaupt in Europa. Es beherbergte eine unschätzbare wertvolle Bibliothek. Gerne hielt sich die preußische Kaiserin dort auf, deren Hofdame Marion Dönhoffs Mutter war. Ihnen gehörten riesige Ländereien. Großvater Dönhoff war schon ein Intellektueller, der als liberaler Abgeordneter in der Revolution von 1848 in der Frankfurter Paulskirche dabei war.

Ja, Marion Dönhoff hatte wirklich was verloren in Ostpreußen und zwar im Gegensatz zum Nazi-Vater der Steinbach vollkommen unschuldig, da sie gegen Hitler engagiert war.

Statt aber ihren PERSÖNLICHEN Verlusten hinterher zu jammern, akzeptierte sie die Folgen des Krieges und setzte sich nachdrücklich und vorbildlich für eine Aussöhnung mit Polen ein.
Ihre kämpferische publizistische Begleitung der Ostverträge Anfang der 1970er Jahre war maßgeblich.

Die CDU agitierte lauthals dagegen und noch 40 Jahre später zeigt die BdV-Chefin Arm in Arm mit Lammert, der NPD und Seehofer ihre ganze moralische Verderbtheit.

Pfui Teufel.

Kommentare:

Jakester hat gesagt…

Ich frag mich immer wieder, woher solch *haessliche Charaktaere ihre Ambitionen/Motivationen haben.

*Frage beantwortet!

Das Lammert nicht alle Tassen im Schrank hat wird im Banalen schon klar.

"FC Bayern vs Parlament .. ja sowas bloedes."
http://jakester-express.blogspot.com/2008/01/us-bundesstaat-deutschland.html

"Vor allem der FC Bayern hat nach Ansicht von Norbert Lammert jegliche Gehaltsmaßstäbe verloren. Politiker verdienten dagegen zu wenig, klagte der Bundestagspräsident."

"Politiker dagegen verdienten «im Vergleich zu anderen Tätigkeiten sicher» zu wenig, sagte der Parlamentspräsident. Wenn man «die Besten auch für die Politik gewinnen will, darf sich die Bezahlung nicht beliebig weit von den übrigen Standards entfernen»."

http://www.netzeitung.de/deutschland/856230.html

Und dann sollen sich die verdooften Deutschen, wie im Fussball, demnaechst nur noch ueber die enormen Transfersummen, Skandale, Titten und Aersche und anders ausschlaggebendes der politisch/unternehmerischen UnterhaltungsEliten versteifen.

Ist doch ehh schon so.

Gruss
J

TAMMOX hat gesagt…

Also da könnte man doch wunderbar drei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

Lammert schult um auf Fußballer!

Dann kann er ja mal sehen, was er dann beim FC Bayern verdienen würde (Marktwert testen), müßte nicht mehr sein mageres Politikergehalt beweinen und wir wären ihn los!



LG

Tammox