TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Samstag, 5. November 2011

Persönliche Probleme.

Eigentlich will ich ja ein rein politischer Blog sein und Informationen verbreiten.
Aber das steht auch nirgendwo in Stein gemeißelt; daher heute ausnahmsweise mal wieder eine intimere Litanei.

Mein Pass läuft noch im November 2011 ab!
Sich darum zu kümmern, gehört zu den unangenehmsten Dingen meines Lebens.
Nicht zu fassen; es ist schon zehn Jahre her, als ich das letzte Mal im US-Konsulat und bei der Ausländerbehörde vorstellig wurde.
Leider kann man sich auf diese Aktion nie einstellen, weil sich die Anlaufstellen immer ändern.

2001 hatte ich zum Beispiel die größten Probleme damit ins Konsulat zu kommen, weil es kurz nach den WTC-Anschlägen war und die Amis sich an der Hamburger Außenalster total verbarrikadiert hatten.
Am folgenden Tag wurde ich nur bei zwei verschiedenen Außenstellen der Ortsämter abgewiesen, um zu erfahren welches Bezirksamt meine neue Aufenthaltsgenehmigung ausstellen würde.
Schließlich landete ich gegenüber vom Hauptbahnhof in einer nahezu menschenleeren Abteilung und kam nach nur etwa zehn Minuten Wartezeit an die Reihe.
Dort erklärte man mir, daß ich da natürlich auch völlig verkehrt sei und die Akten zu meinem Fall gar nicht vor Ort wären. Die Deutschen waren aber scheinbar gerade in diese Bürger-Service-Points ausgelagert worden und die zuständige Sachbearbeiterin hatte nicht recht was zu tun, so daß sie freundlicherweise „mal rumtelephonieren“ wollte.
Nach kurzer Zeit geschah dann das Unglaubliche - auf welchem Wege auch immer, hatte sie erfahren, daß meine Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden soll und zack zack hatte ich das Ding in meinem nagelneuen Pass.

Beim Pass von 1991 war es genau umgekehrt: Da funktionierte es im US-Generalkonsulat wie am Schnürchen. Ich mußte noch nicht mal irgendwas mitbringen; weil die sogar einen Photoautomaten für die eigenartige Passphotogröße der Amis kostenlos zur Verfügung stellten.
Das war nett. Der Konsul kam sogar selbst plötzlich aus einer Geheimtür und überreichte mir meine neuen Papiere. Und das muß man den Amis lassen: Sie sind immer so höflich. Sogar die Wachsoldaten im Konsulat mit ihren bunten Kaiser-Bokassa-Uniformen grüßten und lächelten.

Aber dann ging das Drama mit der Aufenthaltsgenehmigung los.
Die war damals zentral im Biberhaus; zwischen Straßenstrich und Hauptbahnhof, untergebracht.
Wenn ich mich recht erinnere, wurden ab 7.00 Uhr am Haupteingang die Wartemarken ausgegeben. In Eiseskälte habe ich mich ca drei Stunden früher, mitten in der Nacht in eine sich endlos um das Gebäude mäandernde Schlange eingereiht.
Da stand man dann zwischen den verschiedensten Menschen sinnlos rum, bis man komplett eingefroren war. Dann kam es zu einem kurzen Handgemenge und um ca 7.05 Uhr hieß es die Wartemarken wären schon alle.
Erst nach der dritten Nacht (sic!) ergatterte ich auch eine der wertvollen Papiernummern und durfte das Biberhaus betreten.
Es herrschte ein unfassbares Chaos, weil die Wartenden nach den Anfangs-Buchstaben ihrer Nachnamen sortiert wurden.
Der Sachbearbeiter, der für meinen Buchstaben zuständig war, hatte also die ganze Bandbreite der Anfragen zu erledigen. Wenn man Pech hatte, war also vor einem einen ganze Familie ohne die geringsten Deutschkenntnisse an der Reihe, die einen Asylantrag stellten, so daß ein stundenlanges Verfahren ansetzte.
Wenn man Glück hatte, waren nur ein paar EU-Bürger vor einem, die eine schon bestehende Aufenthaltsgenehmigung übertragen lassen wollten - eine Sache von Minuten.

Wurde man endlich aufgerufen, verlangte die Amtsperson nach diversen Formularen und Gebührenwertmarken, von denen man aber erst in der Sekunde erfuhr, daß sie benötigt wurden.
Die Ausgabe der Antragsbögen fand auch nicht etwa dort statt, sondern unten im Foyer, so daß man seinen Warteplatz verlor.
In meinem Fall war es so, daß der Büromensch vorher eine ca 80-Jährige Dame aus der Kaukasusgegend so angebrüllt hatte, daß er schon einen ganz roten Kopf hatte.
Verblüffenderweise denken ja immer noch einige, daß jemand, der GAR KEIN Deutsch versteht, doch ein bißchen verstehen kann, wenn man nur laut genug brüllt.
Selbst rudimentärste Höflichkeits-Umstände kamen dabei unter die Räder.
Die Dame, die seine Großmutter hätte sein können, wurde selbstverständlich nicht gesiezt und die Grammatik reduzierte sich auf den Infinitiv.
„Du sitzen da!“ „Du holen Papiere!“, „DU RUHE JETZT!“

Auch ich erfuhr dieses rüpelige Behördensprech „DU HIERHER!“
Obwohl ich 1991 seit einigen Jahren studierte, mußte ich jede Menge Schulzeugnisse vorlegen. Offenbar weil ich den Status eines „Bildungsinländers“ hatte.
Ein außerordentlich sinnloses Prozedere, denn diesbezüglich hatte mich schon Jahre vorher das „Akademische Auslandsamt“ und das Arbeitsamt, welches mir eine befristete „Arbeitsgenehmigung für nichtselbstständige Tätigkeiten“ ausgestellt hatte, durch die Mangel gedreht.
Außerdem könnte man davon ausgehen, daß jemand mit einem deutschen Abiturzeugnis offensichtlich auch früher Schulzeugnisse bekommen hat.

Es war wieder einer dieser Schilda-Momente, mit jemanden in alte Zeugnisse zu gucken, die Noten noch mal vor Augen zu haben und dabei aber hartnäckig in dem „DU KÖNNEN KEIN DEUTSCH!“-Sprech angeredet zu werden.
Nicht, daß das neu gewesen wäre - schon bei der Immatrikulation mußte ich zum Deutschtest erscheinen und stieß mit meiner Frage, ob mein Abi-Zeugnis mit Leistungskurs Deutsch und einer hervorragenden Noten nicht als Beweis genüge, daß ich offensichtlich etwas deutsch kann, auf krasses Unverständnis.
Aber nein, so einfach ist das alles nicht.


Was blüht mir nun 2011?
Immerhin weiß ich, daß alles wieder anders ist.
Diese netten Service-Points der Meldeämter, die ich inzwischen auch von meinen Umzügen kannte, sind offensichtlich nicht mehr zuständig für Ausländerangelegenheiten.
Stattdessen muß ich nun in ein Bezirksamt - aber nicht etwa das in Hamburg-Mitte von 2001, sondern in ein ganz anderes, das ich aber zufällig auch kenne, weil ich dort meinen Gewerbeschein beantragt habe.

Viel schlimmer:
Das US-Konsulat in Hamburg hat aber seine Funktion sehr eingeschränkt - Amerika ist bekanntlich PLEITE - für einen neuen Pass muß man nun in die US-Botschaft nach Berlin oder das Generalkonsulat in Frankfurt.
Offenbar gibt es aber kurze Ausnahmen in Hamburg.
Wenn ich nur genug Bürkokraten-Englisch verstünde!

Hamburg: The American Citizen Services unit will hold an ACS Outreach Day on November 17, 2011 at the Consulate General in Hamburg. We will be accepting passport applications, reports of birth abroad and notarial services. You must register in advance, and services will be offered between 1030-1330. Please carefully read all the details.
(http://germany.usembassy.gov/acs/)

Aha - also gibt es hier vor Ort also tatsächlich ganze drei Stunden pro Jahr auch einen Passport-Service.
Aber was mag denn „ACS Outreach“ sein?

Renewals:

Adult In-Person Passport Renewals

In order to renew your passport, please submit the following:

Adult passport routine renewal fee:
  • $110.00 (payments also accepted in EURO)
Additional Visa Pages
  • $82.00 (payments also accepted in EURO)

Passport Cards

Adult First Time Passport Card

  • U.S. $55.00 (payments also accepted in EURO)
(US-Botschaft Berlin)

Pass-Karten gibt es jetzt auch? Wat dat denn?

Ich bin überfordert.
Scheinbar kann man dieses DS-82-Formular auch schon mal per Post einschicken.

You must sign and date Form DS-82 on page 1 of the application.

[...]

STEP 3: Submit Completed Form + Additional Documents

Mail Form DS-82 in a padded envelope to the address listed on the form, along with:

  • Your most recent U.S. Passport (book or card)
  • One Passport Photo that is stapled to the application within the space provided using four vertical staples, one in each corner
  • Current Passport Fees
  • A marriage certificate or court order (only if your current name is different from what was recorded in your most recent U.S. passport)

NOTES:

  • We strongly encourage you to mail your passport application and any personal documents using a traceable delivery method.
  • In order to protect the contents of your mailing from the elements throughout the delivery process, it is strongly recommended that you mail your passport application and personal documents in an envelope large enough to fit the application without folding. Please do not use a standard letter-size #10 (4 1/8" x 9 1/2") envelope.
  • For more information, please see Helpful Hints for Submitting Form DS-82.

If You Wish to Expedite Your Passport Application:

  • Include a check or money order for $60.00 made payable to the U.S. Department of State. Do not send cash in the mail (See Passport Fees)
  • Clearly mark ‘EXPEDITE’ on the outside of the padded envelope
  • We recommend using an overnight delivery service for delivery to and from the Passport Agency

See Application Processing Times and How to Get a Passport in a Hurry for more information.

NEED A U.S. PASSPORT IMMEDIATELY?

You should make an appointment to be seen at a Regional Passport Agency only if:

  • The U.S. passport is needed in less than 2 weeks for international travel
  • The U.S. passport is needed within 4 weeks to obtain a foreign visa

Contact the National Passport Information Center to make an appointment or locate a Passport Agency.

(US-Botschaft by mail)

Da mich das alles DIE PEST nervt, habe ich kurz entschlossen beschlossen, nun doch mal langsam Deutscher zu werden.

Laut Wolfgang Schäuble ist die Nationalität ja eine zutiefst emotionale Angelegenheit, weswegen man auch keine zwei Staatsbürgerschaften haben darf - das könnte dann zu Schizophrenie führen.

Muß ich also zuerst einmal tief in mich hören und „empfinden“, ob ich mehr Deutscher oder Amerikaner bin?
Aber so leid es mir tut - ich bin diesbezüglich total unterentwickelt.
Ich kann weder patriotische Gefühle für das eine noch das andere Land empfinden.

Es gibt eigentlich gar nichts, das mir fremder als Nationalstolz ist.
Im Gegenteil, bei Hymnen und Flaggen wird mir sofort übel.
Nie im Leben würde ich mir irgendwelche Nationalfarben ans Revers heften - dabei finde ich schwarzrotgold ganz genauso absurd wie stars and stripes.
Wenn ich zu entscheiden hätte, würde ich mir lieber eine ganz andere Staatsbürgerschaft aussuchen.
Irgendwas Kleines und Bescheidenes, das in der Geschichte ein bißchen weniger Unheil angerichtet hat und sich nicht notorisch als den Nabel der Welt betrachtet.

Für „das Volk“ kann ich nichts empfinden, weil es sich dabei um viele Individuen handelt, die nicht über einen Kamm zu scheren sind.
Logischerweise gibt es in Amerika Arschlöcher und Nette. Genau wie in Deutschland.

Beide haben landschaftlich schöne Ecken - aber das ist ja wohl kaum ein Verdienst der derzeitigen Bewohner.

Und die Kultur?
Na ja. Dabei muß ich immer an eine grölende Crowd aus Skinheads in der Sächsischen Schweiz denken, die von einem TV-Reporter gefragt wurden WAS genau sie denn so stolz auf Deutschland mache.
Antwort: Schiller, Goethe, Mozart und Beethoven.

„Mozart“ ist tatsächlich eine ganz gewitzte Antwort, muß ich zugeben. Ist aber sicherlich nur aus Versehen aufgezählt worden.
Und ob der gemeine Skinhead üblicherweise abends Goethe und Schiller liest, wage ich auch mal zu bezweifeln.

Vermutlich rotieren die genannten Herren ohnehin in Lichtgeschwindigkeit in ihren Gräbern, wenn sie mitbekommen, wer sich alles auf sie bezieht und ihretwegen stolz auf Deutschland ist.

Am besten kann ich meine „Gefühle“ für eine Nation noch mit meinen Ansichten über die Regierungen verbinden - immerhin wurden die von einer Mehrheit gewählt.

Da wechseln sich die Grauen allerdings ab.
Schröder ist 1000 mal besser als Bush, Clinton cooler als Kohl und Obama finde ich netter als Westerwelle.
Aber das kann sich ja morgen schon ändern.

Es gibt für mich nur zwei echte Vorteile Deutscher zu sein - solange ich hier lebe, fällt das Theater mit den Passport-renewal/Aufenthaltsgenehmigung weg und ich darf endlich wählen.

Nachteil: Ich kann nicht mehr in den USA wählen und habe viel mehr Komplikationen, wenn ich mal in die USA reise.

Der Unterschied zu 1991 ist der, daß man heutzutage durch das Internet besser vorbereitet zu Behörden geht.

So habe ich mir mal den Antrag auf Einbürgerung (SIEBEN Seiten) ausgedruckt und ausgefüllt.

Damit spare ich mir die Fahrt nach Berlin - dachte ich.
War aber falsch gedacht - denn ich kann erst nach der offiziellen Entlassung als der alten Staatsbürgerschaft einen Deutschen Pass bekommen!

Also doch noch zur US-Botschaft?

1. Antrag
Zuerst müssen Sie einen Antrag auf Einbürgerung stellen. Bei der Einbürgerungsabteilung bekommen Sie Antragsformulare und ein Merkblatt. Das Antragsformular müssen Sie ausfüllen und mit den erforderlichen Unterlagen bei der Einbürgerungsbehörde abgeben. Bei Antragstellung wird die Gebühr sofort fällig (bis zu 255 Euro pro Person). [Das kann zu einem finanziellen Problem werden, wenn ein Familie mit vier Kindern eingebpürgert werden will! -T.] Nun prüft die Behörde Ihre Unterlagen.

2. Einbürgerungszusicherung
Wenn die Behörde Ihrem Antrag zustimmt, dann erhalten Sie zunächst eine schriftliche Einbürgerungszusicherung.

3. Entlassung aus der bisherigen Staatsangehörigkeit
Nun erst können Sie sich um die Entlassung aus Ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit kümmern. Das müssen Sie selber tun und alle Formalitäten, die Ihr Herkunftsland verlangt, selber erledigen. Sehr wichtig: Wir empfehlen Ihnen, sich alle drei Monate über den Fortgang dieses Verfahrens bei Ihrem Konsulat/ Botschaft zu erkundigen. Machen Sie dies schriftlich und heben Sie bitte alle Kopien des Entlassungsverfahrens auf.

4. Einbürgerungsurkunde
Sobald Sie aus Ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit entlassen worden sind, erhalten Sie Ihre Einbürgerungsurkunde. Mit der Urkunde wird Ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.

5. Beantragung und Erhalt des deutschen Passes
Gehen Sie nun mit Ihrer Einbürgerungsurkunde zu Ihrem Bezirks- oder Ortsamt und beantragen Sie dort Ihren deutschen Pass. Ihren Pass erhalten Sie dann ein paar Wochen später.
(Hamburg.de)

Den Antrag habe ich dennoch ausgefüllt und kann nun beginnen folgende Unterlagen zusammen zu suchen:

I.

  • Schriftlicher Antrag mit Begründung, ggf. von beiden Eheleuten mit der Angabe, auf welche Kinder sich die Einbürgerung erstrecken soll.

  • (Der Antrag kann ab dem 16. Geburtstag ohne Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten gestellt werden)

  • Handgeschriebener Lebenslauf mit Angaben über

    • Schul- und Berufsbildung
    • Aufenthalts- und Arbeitsverhältnisse
    • bisherige Staatsangehörigkeit
  • Lebenslauf des Ehegatten (falls deutsch verheiratet: nur tabellarisch)

  • Pass (Reiseausweis, Fremdenpass) mit Nachweis der Aufenthaltserlaubnis bzw. Freizügigkeitsbescheinigung und Anmeldebestätigung

II.

  • Geburtsurkunde

  • Geburts- oder Heirats- oder Sterbeurkunde der Eltern

  • Heiratsurkunden und Unterlagen über die Auflösung früherer Ehen

  • Geburts- oder Heirats- oder Sterbeurkunden der Eltern des Ehegatten

  • (evtl. Staatsangehörigkeitsausweis des Ehegatten)

  • Geburtsurkunden der minderjährigen sowie unterhaltsberechtigten volljährigen Kinder

  • Sorgerechtsbeschluss oder Vormundsbestallung

III.

  • Schulzeugnisse, Integrationsbescheinigung, Deutsch-Zertifikat

  • Ausbildungsnachweise, z. B. Urkunden über Berufsabschlüsse

  • Versicherungsnachweise der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung oder Nachweis sonstiger Altersvorsorge (z. B. Lebensversicherungsschein)

  • Nachweis der gegenwärtigen Erwerbstätigkeit und des Einkommens (Brutto), z. B.

    • Arbeitsvertrag

    • Gehaltsabrechnung

    • Gewerbeanmeldung

    • Gesellschaftervertrag

    • Handelsregisterauszug

    • Jahresabschluss

    • letzter Einkommenssteuerbescheid

    • Rentenbescheid

  • Nachweis der Erwerbstätigkeit und des Einkommens des Ehegatten

IV.

  • Gebührenvorschuss (Staatsangehörigkeitsgebührenverordnung vom 28.03.1974 mit Änderungen vom 18.06.1975, BGBl. I S.809/S. 1436)
  • Nachweis über die Höhe der Miete

  • Sonstiges


(Hamburg.de/antragsformular)

Ob ich dann Deutscher werden darf?

Vermutlich klappt der Plan aber ohnehin nicht, wenn in dem Verfahren meine finanzielle Situation überprüft wird.
Natürlich muß ich auch den Einbürgerungstest und den Deutschtest absolvieren - aber ich habe da so eine Ahnung, als ob mein rudimentäres Deutsch inzwischen ausreichen könnte.
Geldmäßig ist das aber schon schlechter, da ich ja nun mal selbstständig bin und wenig verdiene. Die wollen aber die Garantie haben, daß ich zukünftig nicht den deutschen Sozialsystemen zur Last falle.
Mein Plus ist, daß ich das bisher noch nie getan habe, aber theoretisch könnte ich ja morgen Hartz IV beantragen. Wenn man eine hochdotierte Festanstellung und Familie hat, ist das viel unwahrscheinlicher.
Aber wie soll ICH das beweisen?
Ich bin ja mal gespannt, ob ich aufgrund meiner mickrigen Einkommensverhältnisse überhaupt zugelassen werde in das Einbürgerungsverfahren zu kommen.

Wie mir eine Freundin 1999 so unnachahmlich klar sagte:
„ Du bist undeutsch. Das sieht man dir ja schon an, während ich eine typische Deutsche bin!“

Ob sie Recht behält??

Vielleicht sollte ich das Einbürgerungsverfahren nicht so kritisieren, sonst bin ich noch undeutscher.
Ich fühle mich auch schon ganz undeutsch.

Aber meinen US-Pass abzugeben, stört mich nicht.

Hmmm, vielleicht bin ich also auch noch UN-amerikanisch?


Nachtrag:

Ich schicke den Antrag nun doch noch nicht ab.
Neuerdings lese ich wieder von Gabriel und Trittin, daß sie sich für die Doppelte Staatsbürgerschaft einsetzen.
Die CDU und die CSU sind zwar STRIKT dagegen, aber die waren ja auch gegen eine Berufsarmee, den Mindestlohn und den Atomausstieg.
Das würde mich ja nun doch die Pest ärgern, wenn kurz nachdem ich den Amipass los bin, plötzlich zwei Staatsbürgerschaften in Deutschland legal werden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Deswegen beschäftigen die jeweiligen Regierungen mehr Leute als die Industrie: Dieser ganze Bürokraten Wahnsinn muss ja irgendwie, eher schlecht als recht, durchgezogen werden.

Bleiben Sie so cool wie möglich und vermeiden Sie zu hohen Blutdruck. Wenn es unerträglich zu werden scheint, unternehmen Sie einen Spaziergang um die Alster: je nach Schwere Innen- oder Aussen Alster. Danach ein Glas Rotwein. Nappa Valley und andere Sorten in den USA produzieren ausgezeichnete Qualitäten, jedoch sind auch die deutschen Sorten inzwischen durchaus trinkbar.

Wie immer Sie sich entscheiden werden, möge es das Richtige für Sie sein und ich wünsche Ihnen die Kraft, den damit verbundenen Bürokratismus unbeschädigt durchzustehen.

jakebaby hat gesagt…

Erstmal an Anonym ... danke fuer den Calmdown. :-)

Ansonsten wurde mir gerade kotzuebel, da meine Greencard im kommenden Maerz das erste Mal auslaueft und ich mich staendig mit Grauen darauf konzentriere diese Konfrontation zu vermeiden, indem ich Sie, bewusst verdraengend und vor mir herschiebend ignoriere.

Im Gegensatz zum Tammox habe ich nicht auch nur die geringste Ahnung was auf mich zukommt.

Ich lebe hier seit 16 Jahren('95), habe '98 eine GreenCard beantragt, diese 2002 erhalten und seither keinerlei negativen Recorde produziert. Ich hab in diesem Jahrtausen nicht mal 'n Traffic-Ticket, bin verheiratet mit einem 12jaehrigen Sohn, zahle meine Steuern und verzichte diesbezueglich auf jeglichst, bis auf gesetzlich befohlene, Abschreibungen, um ja nichts anbrennen zu lassen.
Ich bin so dermassen unbescholten, dass ich schon ein nahezu zu perfekter Ami bin, und diesbezueglich schon als excellenter "Sleeper" beschrieben wurde.

Waehrend meines Umzug('02) Texas/Florida kamen mir, bis auf meine Greencard, saemtliche Immigrationducuments abhanden.
Die brauch/te ich zum alltaeglichen, als auch globalen Leben, in allerkeinster Weise.(ich habe Reisepass, SS-Number, Driverslicense, ....etc.)
Und das wir jetzt in Frage gestellt!!? .. WERDEN

Was deutsche Konsulate angeht, wird mir Mund&Knoechel bitter.
Vor 2 Jahre zB. hat mich das Konsulat-Miami gezwungen nach Deutschland zu reisen, um meinen Reisepass zu verlaengern.

Schon '98 klebte ich, ueber eine Lapalie, am Panzerglas des Houston-Konsulats und hauchte dem beohrringten Yuppie-Konsul entgegen, dass er uebergluecklich sein sollte die Glasscheibe zwischen uns Beiden zu haben. ...

Ich werde dich im Gegenzug ueber weitere Entwicklungen am laufenden halten, und bei naechster Gelegenheit (vielleicht) meine Erfahrungen mit amerikanischen 'Naturalisations' verauessern.
Mit denen ist naemlich kaum zu spassen, da die dir generell und groebstens klarmachen, dass Du was von Ihnen willst. Recht ham Se!!

Gruss
Jake

TAMMOX hat gesagt…

Danke „anonym“ für den guten Rat.

Tatsächlich werde ich auch geduldig sein und nicht irgendwo laut werden. Aber ich muß schon sagen, daß eine kindliche Bockigkeit in mir bei diesen Themen entsteht.
Da kommt ganz tief in mir drin ein extremes Ungerechtigkeitsgefühl in mir hoch.
Wieso stehe ich als Bittsteller auf der einen Seite des Tresens, während mir das Gegenüber Bedingungen diktiert. Dabei geht es um eine Angelegenheit, für die wirklich niemand etwas kann - nämlich mit welcher Staatsangehörigkeit man zufällig geboren wird.


Jake, vielen Dank für die spiegelbildliche Sicht der Dinge.
An Deiner Stelle würde ich auch kotzen. Interessiert mich wie das ausgeht.

Jetzt überlege ich, ob ich mich optisch ein bißchen an Dich anpassen sollte. (Dazu bräuchte ich allerdings wesentlich mehr Haare im Gesicht). Dann könnten wir einfach unsere Pässe tauschen und wären viele Probleme auf einen Schlag los!
OK, auf Meinem ist der TÜV fast ganz abgelaufen, während Deiner noch frischer ist.
Zum Ausgleich gebe ich Dir dann noch irgendwas extra Deutsches dazu. Ein paar Pakete Schwarzbrot oder eine Kuckucksuhr. Oder Lübecker Marzipan - das schicke ich immer in rauen Mengen an meine Amiverwandten zu Weihnachten, weil die das so geil finden.

Einen deutschen Pass zu verlängern ist ja kein Ding, wenn man in Deutschland lebt und den US-Pass bekommst Du in den USA sicher auch leichter.

Das ist überhaupt eine ausbaufähige Idee. Es gibt doch im Internet lauter Tauschbörsen. Sollte man nicht, wenn man in ein anderes Land reist oder auch für länger dahin geht, einfach die Papiere mit jemand austauschen? Allein in Hamburg leben 20.000 Amerikaner dauerhaft. Die brauchen doch ihren Pass nicht…..
Oder man stelle sich vor, ich wollte jetzt meinen persischen Schulfreund besuchen. Mit dem Ami-Pass werde ich doch an jedem Check-In in der Muslimischen Welt blöd angeguckt. Wäre doch nett wenn ich vorher mit einem netten Teheraner meine Papiere tausche und der kann dann solange in den USA Urlaub machen, ohne sich am JFK von den Zöllnern frisken und schikanieren zu lassen…


LGT