TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Sonntag, 30. Januar 2011

Gummirücken-Ethik.

Katholische Ethik ist absolut.

Determiniert von Gott und seinen in der Bibel niedergeschriebenen Worten, liegt es nicht in der Macht seiner Stellvertreter auf Erden die unumstößliche Tatsache zu ändern, daß Frauen irgendwie minderbemittelt und minderwertig sind. Daher kann Ratzinger gar nicht die Frauenordination zulassen - selbst wenn er es wollte.
Wer die Ehe bricht, schwul ist, der Völlerei oder Eitelkeit frönt, wer masturbiert, wer unverheiratet Sex hat oder Schalentiere ißt, begeht nun einmal eine Todsünde und muß in die Hölle. Roma Locuta, Causa Finita.
Allerdings sind nicht alle Sünder gleich.
Man muß schon abwägen und kann nicht jeden gleich exkommunizieren. Nur die wirklich schlimmen Typen trifft der Kirchenbann.

Da ist zum Beispiel die Mutter eines NEUNJÄHRIGEN Mädchens in Brasilien zu nennen.
Die Tochter wurde von ihrem Stiefvater brutal vergewaltigt und in Folge dessen auch schwanger. Eine Schwangerschaft, die ganz abgesehen von moralischen und kriminellen Aspekten sehr wahrscheinlich das Leben des nur 36 Kilo schweren Mädchen gekostet hätte - der liebe Gott sorgte nämlich dafür, daß es Zwillinge geworden wären.

Glücklicherweise konnte dem NEUN JAHRE alten Mädchen das grausame Schicksal erspart werden, indem die Schwangerschaft abgebrochen wurde.

Die christliche Kirche reagierte klar und zackig - indem sie exkommunizierte:

Trotz der Natur des Falls müsse die Kirche an ihrer Ablehnung der Abtreibungen festhalten, sagte Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender Globo. Als Folge dessen war die Mutter der Neunjährigen und das Ärzteteam exkommuniziert worden.

Der Vergewaltiger hingegen wurde NICHT aus der Kirche ausgeschlossen - sein Vergehen wird als minderschwer angesehen.
Die Mutter hätte aber das Leben ihrer 9-Jährigen Tochter nicht retten dürfen.

Weniger schlimm sind hingegen die Sünden eines Adolf Eichmann oder Adolf Hitler - sie wurden nie exkommuniziert. Warum auch? Nur weil sie ein paar kleine nicht ganz moralische Ausrutscher hatten?
Aber sie kämpften nach Ansicht des Papstes gegen das weit größere Übel, nämlich den gottlosen Kommunismus. Beim Hobeln fallen eben Späne - da wollte der Vatikan nicht allzu pingelig sein und hütete sich Hitler zu kritisieren.

Diese Relativierung der Ethik ist für den aktuellen Papst, dessen Hauptthema der Kampf gegen den "intellektuellen und moralischen Relativismus" ist, eine übliche Methode.

In Rom gibt es außer ihm noch einen weiteren Regierungschef - Silvio Berlusconi, der Verbal-Berserker mit den Bunga-Bunga-Parties, Dutzenden minderjährigen Prostituierten und so vielen Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Steuerhinterziehung, daß die Ermittlungsakten schon über 1500 Seiten füllen.

Der Mann, der nahezu alle Medien kontrolliert und sich außerhalb der Gerichtsbarkeit stellt, mag es gar nicht kritisiert zu werden. Als das jetzt dennoch in der Live-TV-Show "L'Infedele" des TV-Kanals La 7 passierte, griff er noch während der Sendung zum Hörer und zeigte sein sattsam bekanntes Gesicht:

Der 74-Jährige, der wegen Begünstigung der Prostitution im Visier der Mailänder Staatsanwälte steht, rastete am späten Montagabend in einer kritischen TV-Show aus und belegte den Moderator mit wüsten Schimpfworten. Er nannte das Programm ein "ekelhaftes Fernsehbordell". Insbesondere Moderator Gad Lerner bekam sein Fett weg. "Ich bin Zeuge einer widerwärtigen Talkshow unter einer verächtlichen, unflätigen und scheußlichen Moderation", wetterte Berlusconi. Der TV-Talker ließ sich nicht lange bitten, nannte den Ministerpräsidenten einen "unerzogenen Proleten" und Rüpel.
(kng/AFP/DPA 25.01.11)

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone mahnte letzte Woche öffentlich, ohne allerdings den Namen „Berlusconi“ auszusprechen: Wer öffentliche Verantwortung trägt, müsse sich standhafterer Moral und Recht und Gesetz verpflichtet fühlen.

Wäre Berlusconi zufällig nicht konservativ, steinreich und stramm katholisch, würde die Kirche über ihn herfallen.
Aber der Vatikan bleibt bemerkenswert undeutlich in der Causa Berlusconi.

Dies erklärt sich Italiens bester Vatikan-Kenner Marco Politi im letzten Europamagazin (ab 09:50) ganz klar mit einer Interessenabwägung. Berlusconis Italien ist von allen westeuropäischen Ländern das einzige, das knallhart bei Patientenverfügung, Schwangerschaftsabbruch, Homoehe und der Förderung nichtehelicher Gemeinschaften die Vatikanlinie vertritt.
(Nur bei seinen eigenen Leidenschaften ist der Ministerpräsident großzügig: In Italien ist Sex mit Prostituierten erlaubt)
Nirgendwo in der alten EU haben es Schwule so schwer wie m Lande des Klerikalfaschismus - Italien.

Zudem versorgt Berlusconi die Kirche auch noch mit Geld - und was hat der Vatikan schon lieber als Geld und Einfluss?

Ethik und Moral relativiert der Anti-Relativierungspapst bis zur Unkenntlichkeit, wenn es um Berlusconi geht.
Daß der Regierungschef Minderjährige für Sex bezahl, wird zwar im Vatikan inzwischen auch kritisiert, aber immerhin sehr euphemistisch verwurbelt als „Berlusconis Schwäche für die Jugend von Schauspielerinnen in der Blüte ihrer Jahre" ausgedrückt.

Das kommt einem sehr bekannt vor - die pädophilen Priester, die kleine Jungs vergewaltigt haben, sind in der Sprache des Vatikans ebenfalls „einer Schwäche erlegen.“

In der Gedankenwelt der Kurie würde offenbar jeder ganz gerne mal ein Kind missbrauchen.
Ein normaler Drang, dem man eben mal nachgibt, wenn man nicht aufpasst.

So wie ein Adipöser, der sich wider besseren Wissens doch noch abends eine Praline gönnt.

Endgültig dem Fass den Boden ausgeschlagen hat für mich hat diesbezüglich 1994 Bischof Degenhardt.
Im SPIEGEL, Heft vom 20.6.1994, erklärte er, daß an dem sexuellen Mißbrauch von Kindern die Frauen schuld seien, wenn diese sich erdreisteten berufstätig zu werden:

„WENN JUNGE MÄNNER STÄRKER MIT DER PFLEGE VON KLEINKINDERN BETRAUT SIND UND DABEI NACKTE ENTBLÖSSTE KÖRPER STÄNDIG SEHEN; SIE BERÜHREN UND SAUBER MACHEN MÜSSEN, IST DIE GEFAHR GROSS, DASS SIE BEGIERDEN NICHT WIDERSTEHEN KÖNNEN. DER VIELE KÖRPERKONTAKT MIT DEM JUNGEN KINDE BEI DER PFLEGE WÜRDE IHNEN SICHER OFT ZUM VERHÄNGNIS WERDEN.
UND DESWEGEN STELLEN WIR FEST; DASS AUCH DIESE KONSEQUENZ; DASS VÄTER HAUSMÄNNER WERDEN, AUCH NEGATIVE ASPEKTE HAT!“

Jeder kann mal fehlen und Berlusconi ist vielleicht kein Idealkatholik, doch immerhin besser als alles andere in Italien. Daher stützt Ratzinger den Ministerpräsident weiterhin.

Was der Papst und sein oberster Politikverantwortlicher sagen, ist mit Sicherheit nur eine Andeutung des Unmuts, der sich im Vatikan und in Italiens Kirche angestaut hat angesichts der erneuten Enthüllungen über den ganz und gar unkatholischen Lebensstil des Premiers. Es hat etwas gedauert, bis der Vatikan Worte gefunden hat zu dem würdelosen Spektakel um Prostituierte und zu dem Verdacht, Berlusconi habe Sex mit einer 17-Jährigen gehabt. Ein erstes Signal der Verstimmung gab die Hauszeitung Osservatore Romano: Sie druckte die Stellungnahme von Italiens Staatspräsidentem. Der spricht von öffentlicher Verstörung und verlangt Klarheit zu allen Vorwürfen. Auch dem hat Bertone sich explizit angeschlossen. Das kann nicht leicht sein für ihn. Bertone hat die Beziehungen gepflegt zu Berlusconi, nun muss er Wege finden im Dilemma des Vatikans zwischen Realpolitik und moralischen Grundsätzen. Die Regierung Berlusconi war immer kirchenfreundlich.
Und auf keine andere Partei konnte der Vatikan so sicher setzen wie auf Berlusconis PDL. Das galt für die Bioethik, bei Fragen der Sterbehilfe und künstlicher Befruchtung. Auch die Stellung nichtehelicher und homosexueller Partnerschaften sind Themen, bei denen PDL und Kirche sich nahestehen. Weder von der sozialdemokratischen PD kann die Kirche da viel Beistand erwarten, noch vom konservativen Berlusconi-Gegner Gianfranco Fini. Doch es geht nicht nur um Moral, sondern auch um Geld. Berlusconis Regierung verhält sich bei der Förderung kirchlicher Schulen großzügig.
(SZ 22.01.2011)

Kommentare:

Homer Simpson hat gesagt…

Mit den Mächtigen, legt sich die RKK nicht an. Das würde nur für Verstimmung sorgen. Und sie muss auch gar nicht wirklich und wahrhaft Rückgrat zeigen.

Denn Moral und Ethik sind längst zur reinen Fassade verkommen. Man braucht sie nur, um auf Feindbilder einzuschießen. Und das sind aus guten Gründen Schwule und Abtreiber. Die Politiker, die unsere Freiheit durch unsere Gesetze ausdrücklich schützt, werden nicht angegriffen.

Nein, man schießt ja lediglich auf das Fussvolk, um sich vor Glaubensfreunden als Gottgerecht darzustellen. Denn so kann man den Gläubigen weiter vormachen, für irgendwas einzustehen.

Wer abtreibt, ist für die RKK ohnehin wertlos. Ohne Nachkommen, würde es nämlich schon bald keine Katholen mehr geben. Und natürlich kann man Schwule aus gleichem Grund nicht tolerieren. Die scheißen eben keine Katholen aus, wenn sie den Samen ihres Partners empfangen haben. Tja, Gott der Katholen, da hast du wohl eine echte Chance verpasst. Gerade Schwule, mögen die RKK!

Vielleicht sollte sich die RKK an den BORG orientieren. Man assimiliert einfach weiterhin mit dem Schwert. Zusätzlich jedoch, investiert man groß in Leihmütter. Die Katholen-Blagen könnte man ggf. genetisch gleich noch aufwerten und fast völlig hirnlos produzieren. So, wie in einer Legehennen-Batterie.

Dann bekäme jeder Priester auch gleich einen Spielkameraden, den er nach Belieben... Und über Nachwuchsprobleme, braucht man sich dann keine Sorgen machen.

TAMMOX hat gesagt…

Sehr viel anders ist es ja in der Praxis nicht - denn die Menschen werden ja „assimiliert“, also im Alter von wenigen Tagen oder Wochen getauft und damit für immer zu Mitgliedern der Kirche gestempelt. Mit freiem Willen hat das ja wohl kaum was zu tun.
Einer meiner US-Verwandten hatte gestern Erstkommunion. Da mußte er auch zum ersten Mal in den Beichtstuhl und seine Sünden beichten. Als Katholik ist man schließlich mit der „original sin“ geboren. Er hat auch wie üblich einen schicken Anzug bekommen.
Fragt sich nur, was der zu beichten hatte. Für den Priester wird es auch nicht so toll gewesen sein; da sei Beichtling mit gerade mal acht Jahren ja wohl kaum über Masturbation sprechen wird - dabei ist das doch das einzige, was die Pfaffen richtig anmacht.

LGT