TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Montag, 10. Januar 2011

Wie Christen so reden.

"Ich habe es immer geahnt.
Der nächste US-Bürgerkrieg wird in Arizona ausbrechen."
(Bestseller-Autorin Alisa Valdes)


OK; es ist sicher unfair gleich die Großkeule Fred Phelps auszupacken.
Der WBC-Hassfanatiker ist selbst für evangelikale Waffennarren ein extremistischer Sonderling. Aber so ist das mit der Bibel und den darin befindlichen Rachegedanken, sowie dem streng strafenden Gott des Alten Testaments: Sie ist das perfekte Handwerkszeug für Hassfanatiker.



Amerika ist ein besonders guter Boden für solche Fanatiker, da es in der von bewaffneten Konflikten strotzenden US-Geschichte an der Aufklärung fehlt.

Zoomt man etwas näher heran, ist Arizona von allen Bundesstaaten wiederum einer der Problematischsten.
Der Grand Canyon State im Südwesten der USA geriert sich seit jeher besonders radikal.
Obgleich mit knapp 300.000 qkm fast so groß wie Polen, bewohnen nur sechs Millionen Menschen den Staat des John McCain.
Das Wüstenklima hat offenbar die Hirne der aus Mormonen, Katholiken und vielfach zersplitterten Protestanten nachhaltig ausgetrocknet.

Traditionell herrscht hier auch das größte Misstrauen gegen Fremde im Allgemeinen und Washington im Besonderen.

Schließlich ereignete sich die Bluttat in einem aufgeheizten US-Politklima, in dem Hass, Wut und radikale Aktionen immer lauter propagiert werden. Und wenn es für diesen landesweiten Trend einen Brennpunkt gibt, eine nationale Hochburg der ausrastenden Eiferer, dann ist es Arizona.
[…] Arizona gilt seit jeher als "Pulverfass des Zorns" (ABC News). "Wir sind zum Mekka der Vorurteile und der Intoleranz geworden", klagte der Tucsoner Bezirkssheriff Clarence Dupnik am Samstag. Arizona sei längst "eine Art Hauptstadt" wütend-engstirniger Fanatiker. Erst recht in den letzten Monaten: Da hatten sich die Politgegner in dem Canyon-Staat immer brutalere Wortgefechte geliefert. Allen voran die Tea Party, deren Parolen in Arizona noch radikaler daherkamen als sonst - flankiert vom traditionellen Wildwest-Waffengefuchtel.
[…] Die Lage spitzte sich im Kongresswahlkampf 2009 spürbar zu. "Die Nation bewaffnet sich", orakelte die erfolglose Tea-Party-Kandidatin Sharron Angle da. "Wenn wir an der Wahlurne nicht gewinnen - was ist der nächste Schritt?"
[…] So verabschiedete Arizona voriges Jahr das strengste Einwanderungsgesetz der USA. Demnach darf die Polizei bei Straßenkontrollen jeden nach seinen Papieren fragen, der wie ein illegaler Einwanderer "aussieht" - sprich: bevorzugt Latinos. Firmen werden bestraft, wenn sie "illegal aliens" beschäftigen. Teile des Gesetzes sind landesweit derart kontrovers, dass der Oberste US-Gerichtshof sie jetzt auf eine mögliche Verfassungswidrigkeit überprüft. Zugleich trat in Arizona das lockerste Waffengesetz der USA in Kraft: Erwachsene dürfen Schusswaffen jederzeit mit sich führen, ohne Waffenschein oder Background-Check. Gouverneurin Jan Brewer, eine Republikanerin, findet das toll: "Dieses Gesetz wahrt die Verfassungsrechte."
[…] Gouverneurin Brewer lässt auch sonst nicht mit sich spaßen. Um schlappe 1,2 Millionen Dollar aus dem Haushalt zu sparen, strich sie jetzt die Finanzierung von Organtransplantationen für finanziell Bedürftige. Seither sind bereits zwei Patienten gestorben, weil ihnen bereits zugesagte Transplantationen plötzlich versagt wurden; geschätzte 100 Betroffene haben keine Hoffnung mehr. "Tod durch Etatkürzungen", resümierte die "New York Times" bitter. Zielscheibe des politischen Zorns in Arizona sind dieser Tage dennoch fast ausschließlich die Vertreter der US-Demokraten.
(Marc Pitzke, 09.01.11)

Rev. Steven L. Anderson aus der Universitätsstadt Tempe, Arizona schaffte es schon letztes Jahr in die weltweiten Meiden als er öffentlich vor Journalisten auf der Kanzel seiner Kirche für den Tod Obamas betete.

„Ich hasse Obama, Gott hasst Barack Obama. Ich beweise euch heute anhand der Bibel warum Gott Obama hasst. Warum Gott möchte, dass wir alle Obama hassen: Ich will Barack Obama tot. Er soll natürlich sterben. Wir brauchen keine neuen Märtyrer. Ich will, dass er wie Ted Kennedy an Gehirnkrebs verendet. […] Deutsche verstehen es doch was es bedeutet unter einem Tyrannen zu leben. Gegen Hass ist nichts einzuwenden. Die Bibel ist voller Hass. Ich predige nur, was in der Bibel steht. Gott will seine Feinde wie Obama tot. Obama ist ein Massenmörder, weil er für Abtreibung ist; er hat Unmengen ungeborener Kinder auf dem Gewissen. Er hat Unmengen toter Iraker auf dem Gewissen. […] Ich spreche nur aus, was die Leute denken.“
(zitiert nach STERN 44/2010 s. 108)

Let me tell you something: Barack Obama has wrought lewdness in America. America has become lewd. What does lewd mean? L-E-W-D? [Pause] Obscene. Right? Dirty. Filthy. Homosexuality. Promiscuity. All of the -- everything that's on the billboard, the TV. Sensuality. Lewdness! We don't even know what lewdness means anymore! We're just surrounded by it, inundated with it! ... And yet you're going to tell me that I'm supposed to pray for the socialist devil, murderer, infanticide, who wants to see young children and he wants to see babies killed through abortion and partial-birth abortion and all these different things -- you're gonna tell me I'm supposed to pray for God to give him a good lunch tomorrow while he's in Phoenix, Arizona. Nope. I'm not gonna pray for his good. I'm going to pray that he dies and goes to hell. When I go to bed tonight, that's what I'm going to pray. And you say, 'Are you just saying that?' No. When I go to bed tonight, Steven L. Anderson is going to pray for Barack Obama to die and go to hell.
(Pastor Anderson, zitiert nach examiner.com 24. 08.09)

Überflüssig zu erwähnen, daß weiße, evangelikale Ultrakonservative neben dem schwarzen Präsidenten insbesondere Schwule hassen wie die Pest.
Auch das stellte der erst 29-Jährige Pastor, der mit seiner deutschen Frau bereits fünf Kinder fabriziert hat kürzlich unmissverständlich fest.

This time, controversy broke out following news that Anderson and his Word of Faith Baptist Church had made the Southern Poverty Law Center's recent list of antigay hate groups. In a radio interview Anderson agreed that he hates gay people, thinks they should be executed, and that vigilante machine gunning might be ok:

Signorile: You want all gay people to be executed, correct?

Anderson: That is correct.

Signorile: Yes. And that, you would like to see as the law of the land. So, under the American law right now, if somebody were to go out with a machine gun and spray down a crowd of gay and lesbian people, would you think that was okay?

Anderson: No, I would not think it's okay because I believe in due process.

Signorile: Would that person be a murderer?

Anderson: I would not judge them as a murderer, no.
(Frederick Clarkson 03.12.2010)

In dieses Klima des lodernden Hasses goß die Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008 und heutige Ikone der Konservativen eifrig Öl.
Die Stimmung ist schon lange so aufgeheizt, daß Demokraten und Liberale um ihr Leben fürchten.

'Gabby' Giffords hat ihre Sorge ausgesprochen. Vor knapp einem Jahr, exakt am 25. März 2010, trat die 40-jährige Demokratin aus Arizona vor die Kameras des Senders MSNBC und warnte, die fortwährende Verrohung des politischen Kampfes in den USA könne sich in echter Gewalt entladen. Tage zuvor hatte sie für Obamas umstrittene Gesundheitsreform votiert, und Unbekannte hatten nachts drauf ihr Wahlkreisbüro in Tucson verwüstet. Giffords sah sich im Visier: 'Wir stehen zum Beispiel auf der Liste von Sarah Palin', berichtete Giffords, 'und die Art, wie sie das darstellt, ist so: Wir sind im Fadenkreuz eines Zielfernrohres, das auf unseren Wahlkreis gerichtet ist.' Dann schob die Abgeordnete einen Satz nach, der heute schrecklich prophetisch klingt: 'Wenn Leute dies tun, müssen sie gewahr sein, dass solche Taten Konsequenzen haben.'
(Christian Wernicke in der SZ 10.01.11)



Die Konsequenzen traten gestern ein.


Happy yet? fragt Justin “filthy liberal scum” Rosario: “ Was the body count high enough for you? You got a federal judge, a Congresswoman, a little girl and four other people. I mean, sure, Giffords isn’t dead but she might not pull through. Would that be the icing on the cake for you?”

Der frühere demokratische Abgeordnete für Pennsylvania, Chris Carney, warf Palin vor, sie verstecke sich: "Es wäre sehr hilfreich wenn sie (Sarah Palin) endlich aus der Deckung kommen würde", zitiert ihn die "New York Times". "Sie muss zugeben, dass es falsch war, ein solches Symbol in einer politischen Kampagne zu verwenden."
(Annett Meiritz 10.01.11)

In der New York Times beklagt Nobelpreisträger Paul Krugman ein "Klima des Hasses" in der amerikanischen Politik, ausgehend von den Republikanern. Die "giftige Rhetorik" komme "in überwältigendem Maße von der Rechten", schreibt Krugman und verweist auf Michele Bachmann, eine republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, die ihre Unterstützer in Minnesota aufforderte, "bewaffnet und gefährlich" zu sein. Krugman gibt auch den konservativen Medien eine Teilschuld an dem Attentat - Witze über das Erschießen von Regierungsbeamten oder Enthaupten von liberalen Journalisten seien bei TV-Scharfmachern wie Glenn Beck oder Bill O'Reilly (Fox News) sehr verbreitet. Demokratische Blogger griffen den Vorwurf auf und zeigten eine Archivaufnahme einer Sendung von Glenn Beck, in der sich der Moderator über die Demokratin Nancy Pelosi lustig macht, weil diese sich besorgt über die scharfe Rhetorik im Wahlkampf geäußert hatte.
(W. Jaschensky und M. König 10.01.11)

Palins fanatische Anhänger steuern aber bereits gegen und starteten Verteidigungsinitiativen - ebenfalls auf Facebook.
Sie attackieren die Demokraten. Sie würden die Tragödie schamlos zu Anti-Palin-PR umfunktionieren.

Dabei ist es mehr als offensichtlich, daß die Teebeutler das Klima vergiftet haben. Ein naheliegender Gedanke, daß die gestern überall gezeigte Zielscheibengraphik gewalttätigen Irren den letzten Anstoß gegeben haben könnte.
Viele wollen das gerne auch Sarah Palin direkt auf facebook mitteilen - aber da ist der Konzern vor und löscht alle kritischen Kommentare.

Ein Londoner Blog von Obama-Anhängern veröffentlichte Screenshots von Palins Facebook-Seite, die den Verdacht auf Zensur nahelegen. Kommentare wie "du bist verantwortlich, du böse Hexe" - gepostet 17.19 Uhr, entfernt 17.21 Uhr - oder "ihr Blut klebt an deinen Händen - gepostet 17.28 Uhr, entfernt 17.29 Uhr am Sonntagabend MEZ - wurden sofort gelöscht. Allerdings fielen auch eindeutig harmlose Kommentare ("Ich beschuldige sie nicht, aber ist es wirklich klug, eine Karte mit Fadenkreuzen zu veröffentlichen?") dem Löschknopf zum Opfer, so die Blogger - ein anderer Kommentar, der die Schüsse von Arizona mit einem Attentat auf Hitler verglich, blieb der Seite zufolge über Stunden ungestört stehen.
(Annett Meiritz 10.01.11)

Kommentare:

Homer Simpson hat gesagt…

Eine öffentliche Hetz-Kampagne gegen Politiker, setzt die psychologische Hemmschwelle von gewaltbereiten Menschen herab. Vor allem dann, wenn es sich um politische Prominenz wie Sarah Palin handelt, deren radikal-rechte Anhängerschaft stetig wächst. FoxNews / Glenn Beck, ist ebenfalls kein unbekannter in den USA.

Da man schon im Fernsehen und auf öffentlichen Veranstaltungen, so wenig Respekt vor Personen oder Ämtern zeigt, was soll man da von gewaltbereiten Wirrköpfen wie Jared L. Loughner erwarten?

Es ist merkwürdig, wie unsensibel die Medien in den USA auf offene Hetze reagieren. McCarthy lässt grüßen!

jakebaby hat gesagt…

Ich hatte auf meinem letzten Post auf ""Mission Accomplished , Sarah"
schon resumiert: "Man stelle sich mal grob vor welch Hoelle gerade losbraeche, haette ein Obama-Fan vergleichbares Verbrechen unter vergleichbaren Vorgaben begangen."

In dem Fall waere "Ich habe es immer geahnt.
Der nächste US-Bürgerkrieg wird in Arizona ausbrechen." durchaus im Bereich des Moeglichen.

Gruss
Jake

Homer Simpson hat gesagt…

@jake: Wenn die Angst vor der Rechten schon so verbreitet ist, dass die Demokraten sich nicht mehr zu wehren trauen, ist auch das Feld für eine Diktatur bereitet.

Und Obama, gibt Geld für soziale Zwecke aus. Ein No-Go für amerikanische Erzkapitalisten. Das löst sicher eine wahre "Bescherung" für Republikaner aus. Geld macht stark.

Das republikanische Lager fordert offenbar schon rotzfrech heraus und ist zu Allem bereit. Wartet man vielleicht nur noch auf den Führer? Oder gehe ich mit meiner Fantasie doch zu weit?

jakebaby hat gesagt…

@ Homer

Diktatur/Fuehrer kommt immer so unzeitgemaess krass rueber.

Demokratie und die damit vermarkteten Eigenschaften wie Freiheit und Frieden sind ehh nur abgenutzte Schlagwoerter.
Frieden kommt weiterhin mit den ueblichen Oppressionen, variant undiplomatischen Provokationen und den darauffolgend allso beliebten Kriegen.
Freiheit wird mit 'notwendiger Sicherheit konfusioniert und mit einem fortschreitend bewusst'totalen Kontrollwahn verwaessert. ..etc.

Und Demokratie?
Da erzaehlt mir andauernd irgendjemand, dass ich fuer Die kaempfen muss. Gegen Wen? Na zumeist gegen Regierungen als auch ihre regierungsgeilen Oppositionen.
Jetzt spring ich dann selbstgrundgerecht mit diesem veralteten Grundgesetz kreuz und quer und jedesmal wenn ichs aufschlagen moechte, drischt es mir zumeist der sogenannte Gesetzgeber aus der Hand.

Ich muss/soll jetzt also meine Demokratie/Frieden/Freiheit gegen den hoechsten, demokratisch gewaehlten Vertreter von Demokratie/Frieden/Freiheit .. verteidigen? wobei mir nicht mal mehr ein Anlaufpunkt zwischen Legislative/Exekutive/Judikative zur Verfuegung steht, da eine Gewaltenteilung kaum bis gar nicht mehr existiert. ....

Was ich eigentlich sagen wollte :-)
Was mich am alleruebelsten Ankotzt, sind die umfangreichen, rein alles beherrschenden, sueffisant'willkuerlichen DoppelStandards.

Den 'Regeln von Demokratie/Frieden/Freiheit, dem Grundgesetz, MenschenVoelkerrechte, .. bla bla .. Strafgesetz, ist "Jeder" verpflichtet!
Ausser, der GesetzgeberApparat und natuerlich verknotet'Andere, selbstherrlich abgehoben celebrierende Institutonen wie zB. allerlei Industrien'Kirchen'Medien und sonstige M-Fuckers, welche den Stuff haben that makes the World go (G)round. Money/Power .. more Money/Power .......
Mit dieser verkackten Minderheit werden weiterhin und zunehmend verschaerft Milliarden von Menschen/'Andere's Kaputtgefickt. Viel Zuviel ist nie Genug!!
..
Diktatur? .. Die westlich'nationalglobale Diktatur befindet sich gerade jenseits deines Schliessmuskels. No Choke(yet)

Fuehrer?? .. Ja die gibts doch in der westlich'nationalglobalen Diktatur im Dutzend. Die sitzen jetzt doch allerweil und andauernd gemeinsam/unter4Augen beisammen, und loben sich dauergrinsend'umarmend gegenseit und selbsttriefend ihrer fantastischen 'Worldleader'-Eigenschaften.
Die gaafern weiterhin vollkommen irrelevant ueber die globale Weiterverbreitung ihres, gerade mal wieder, total zusammengebrochen,verkackten Systems. .. und reden andauern von irgendwelchen wirtschaftlichen, finanziellen, militanten und ganz sicherlich verstaerkt aufkommend, friedlich'christlich'demokratisch'liberalisierenden (altneuen) 'WorldOrders'.

Wie weit das noch gehen soll, habe ich mich damals, (schon:-)) noch vollkommen verdummt'jungfrauelich, bei Kohl gefragt.
Wer sich heute diese Frage stellt, sollte sich zu 100% an der Geschichte orientieren. "As far as it Gets" ... Ausnahmslos

In Bezug auf die jetzige Gegenwart bin ich mir sicher, dass wir den 'Point of no Return' wiedermal ueberschritten haben.
If the Day after Tomorrow proofes me wrong, I'll be one of many happy People in the World.

Gruss
Jake

PS. Deine Fantasie ist realiv Real.

TAMMOX hat gesagt…

@ Jake - ja, wenn es umgekehrt wäre, würden vermutlich schon Straßenschlachten toben.
Tatsächlich ist es aber nun mal ziemlich unwahrscheinlich, daß Liberale auf einmal anfangen auf Ultrarechte zu schießen. Dazu ist Gewalttätigkeit und paramilitärisches Geprotze zu sehr typisch für Rechte.

Jake, Homer, Gestern habe ich eine längere Zeit CNN geglotzt (andere US-Sender bekomme ich hier leider nicht) und war doch erstaunt wie breit dort die „rhetorische Aufrüstung“ diskutiert wurde. Es hat fast den Eindruck, daß man doch darüber erschrocken ist, wem da ein Boden bereitet wurde.
Natürlich wurden auch eifrig martialische Töne von Linkeren ausgegraben, um bloß nicht allein der Teaparty den schwarzen Peter zuzuschieben; geschenkt.

Mehr verblüfft haben mich Reaktionen auf eine von mir auf Facebook verlinkte Geschichte der Huffington Post.

http://www.huffingtonpost.com/2010/03/24/sarah-palins-pac-puts-gun_n_511433.html?ref=fb&src=sp

Da wurde der Zusammenhang, den ich herstellte glatt abgestritten.
Palin sei ganz irrelevant in Amerika und nur die Europäer könnten sich sowas Blödes zu recht reimen.
Und überhaupt wäre das nicht passiert, wenn ALLE Leute bewaffnet wären - dann hätte man den Loughner schneller gestoppt.
Das Standardargument der NRA nach jedem school-shoting.

Ich zitiere ein paar Kommentare:


XY: Are you saying the Ms. Palin is happy or somehow responsible for this tragedy?

XY: Putting a "Gun Site" upon anything that needs to be addressed is a common , yet uninspired way of making a point. I think "uninspired" describes Ms. Palin well. There are people that love this woman, no doubt. That group is a small , yet vocal minority that are willing to spend their money to see her & buy her books.

XY: The only people I hear talking about Ms. Palin are from anywhere but America. Stop placing blame on Bush & Palin!!!!

XY: Mr. Loughner is a psychopath. He is responsible for this. Where were his parents? This is what you reared ?

XY: Too bad that the "Open Carry" Laws, enabling a responsible Arizonan to carry a loaded firearm at all times , wasn't embraced. This tragedy may have ended sooner with less harm. AN ARMED SOCIETY IS A POLITE SOCIETY....


LGT

Anonym hat gesagt…

Der Fall des US-Amerikanischen Reiches.

Die Republik gegründet und erkämpft von Sklavenhaltern und Rassisten. Die Demokratie schon lange (de facto) abgeschafft. Das Gemeinwohl geplündert und die Wirtschaft ruiniert. Alles fest in der Hand von einer Handvoll Patrizierfamilien und mit einem Dummy an der Spitze, dem Wahl-Kaiser.

Korruption, Aberglaube, Gewalt und Rassismus immer stärker auf dem Vormarsch.

Klassisch eigentlich. Wenn sie nur nicht auf einem Berg aus Waffen sitzen würden. Das macht dieses Land für die ganze Menschheit gemeingefährlich.

TAMMOX hat gesagt…

...das gilt sowohl für das Militär, als auch für die Amerikaner privat.
Und zwar jetzt mehr denn je:

http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-attentat-von-arizona-bewaffne-sich-wer-kann-1.1045511


LGT

jakebaby hat gesagt…

Und siehste, alles schon wieder vorbei.
Palin hat ihr kleines Redchen gehalten, Obama das Seine und schon ist alles wieder GUUUT.
No Harm Done.
Reps/Teabags sind fein raus und Obama ist ein Arschloch ... Period!!

Homer Simpson hat gesagt…

Wieder hat er gefordert, keine Schuldzuweisungen vorzunehmen. Der Mann setzt bei seinen Gegnern die Fähigkeit voraus. Abstand zu ihrem Verhalten zu haben. Im eigenen Lager, fordert er Demut und damit den Hinhalt der rechten Wange.

Entweder er ist saublöd oder so genial, dass ich es nicht erkennen kann. Ich glaube, er schätzt seine Landsleute falsch ein. Ja, Toleranz ist gut. Aber demonstrative, angeordnete Toleranz wirkt doch etwas befremdlich auf mich - um nicht zu sagen unpassend. Die Reps und Teebeutler haben einen dicken Tritt verdient. Man kann nicht nut mit Liebe erziehen. Hier sind Menschen zu schaden gekommen!

TAMMOX - ist er nicht die personifizierte SPD ?

TAMMOX hat gesagt…

@Jake - ja Palin ganz in Staatsmann-Pose, die weise doziert was Amerika bedeutet. Das war selbst für Palin-Verhältnisse ein Gipfelpunkt der Brechreizerregung.


@ Homer. Gute Frage. Ich denke natürlich auch oft, daß Obama taktisch falsch vorgeht. Offensichtlich will er es Clinton nachmachen und in der Mitte beliebt werden. Ich denke aber, daß die Situation 1994 und 2010 NICHT vergleichbar sind. Und im Gegensatz zu Clinton bleibt Obama auch schwarz. Das werden die Rechten nie akzeptieren.
Die Parteilinken der Dems sehen das wohl auch so und finden Obama sollte sich viel klarer positionieren - nach europäischen Maßstäben ist er ja ohnehin keineswegs links! Er ist ja auch fromm, spricht sich für Waffen, Todesstrafe und Drohnenangriffe auf Pakistan aus.

Andererseits - mal ganz Ironie-frei: Wer bin ich schon hier weit weg in Hamburg hockend? Sollte man nicht annehmen, daß Obamas Leute im White House auch ein BISSCHEN Ahnung von Amerika haben?

Die Republikaner, wie auch die CDU haben natürlich den großen Vorteil, daß sie am rechten Rand nicht besonders stark ausfleddern. Daher können sie ständig so rechts reden, wie sie nur wollen.
SPD und Demokraten haben es da schwerer. Die Linken in den USA sind schnell mal enttäuscht und gehen nicht mehr zur Wahl und die SPD hat zudem auch noch Grüne und Linke, an die sie abgeben muß.

Ich glaube sowieso, daß es der Rechte generell leichter hat. Da reichen im Grunde ein paar handfeste Feindbilder. So wie Westerwelle doch TATSÄCHLICH im Januar 2011 seine Dreikönigsrede darum baut vor dem rot-rot-grünen Chaos zu warnen, das drohe, wenn die FDP nicht mehr an der Regierung wäre.
Das klang so, als ob sich Deutschland 1998-2005 blitzartig in ein chaotisches Dritte-Welt-Land verwandelt hätte.

Linke haben es viel schwerer, weil sie immer formulieren müssen WOFÜR sie sind und wenn man das konkretisiert, wird das gleich zerpflückt.
Merkel hingegen ist zwei Mal Kanzlerin geworden ganz ohne jemals zu sagen WOFÜR sie eigentlich ist.

Den Teabaggern reichte es ja auch zu einem Riesenwahlerfolg zu sagen „Obama ist scheiße!“ Ach ja - und Palin kann Russland von ihrem Haus aus sehen.



LGT

Homer Simpson hat gesagt…

Das mit der Linken ist tatsächlich so. Grund ist der Kapitalismus als natürlicher Feind des Kommunismus. Und der - sowie sein kleiner Bruder, der Sozialismus - werden von politischen Größen aus dem rechten Lager permanent angegriffen. Schon, weil man den Bonzen verpflichtet ist.

In den USA umso mehr, weil der Kommunismus dort, von der etablierten Oberschicht schon immer verteufelt wurde. Kommunismus uns Sozialwesen kosten Geld. Sie bringen keines ein. Damit, ist man der natürliche Feind der Hochfinanz. Und die Hochfinanz, kann sich eine Lobby leisten!

TAMMOX hat gesagt…

...in Amerika kommt noch eine bemerkenswerte historische Unwissenheit hinzu.

Das sieht man schon allein daran, daß Obama gleichzeitig "Faschist", "Nazi", "Sozialist" und "Kummunist" genannt wird.

Das ist für die Teebeutler alles das Gleiche, also "links" - ergo verwerflich.

LGT

Homer Simpson hat gesagt…

Für die Amerikaner ist der Kommunismus ohnehin eine Reinform der Diktatur.

Genau genommen gibt es ja auch Parallelen. Der Name war ja teilweise bloßes Etikett. Hatte man erst die Macht, holte man die Keule raus und hat Menschen verfolgt und ermordet, politische Gegner abgeräumt oder die geistige Elite eingekerkert etc.

Also ist der Kapitalismus, weil er eben (beinahe) rein wirtschaftliche Interessen bedient, noch die humanste Form der Unterdrückung.

DANKE also liebes GELD, dass du uns ja den AUSBEUTER erhältst! :D

TAMMOX hat gesagt…

.....außer man lebt in irgendeinem DritteWeltland, dem durch Kreditwucher und Landwirtschaftssubventionen die Existenzgrundlage entzogen wird.

Für die rund 100.000 Menschen, die weltweit jeden Tag an den Folgen des Hungers sterben, ist das mit dem Kapitalismus vermutlich nicht so der Hit.

LGT