TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Sonntag, 20. Juni 2010

Psssst! Nichts der FDP verraten!

Manchmal scheint Gott echt Humor zu haben.

Da müht man sich Dekade um Dekade um Aufklärung, redet sich den Mund fusselig, schreibt sich die Finger wund, um den Menschen die Augen über Parasiten-Organisationen wie der Kirche oder der FDP zu öffnen, aber es interessiert einfach niemanden.

Da will man sich gerade in die innere Immigration zurück ziehen, genüßlich der Resignation frönen und dann begehen sowohl Kirche als auch FDP von allein Harakiri.

Hundert atheistische Blogs zusammen haben nicht so viel kirchliche Sprengkraft, wie ein Walter Mixa - wenn er denn in den Focus der Öffentlichkeit gerät.
Da sieht dann auch der treueste allsonntäglich Kniende Fassetten, die zu Schnappatmung und kalten Schweißausbrüchen führen.
Mixa schlug mit Teppichklopfern auf arme Waisenkinder ein, während er deren Unterhaltsgeld versoff. Mixa zerrte kleine Mädchen an ihren Haaren durch Treppenhäuser, um ihnen den Teufel auszutreiben. Mixa begrappscht seine Seminaristen, nennt sie anzüglich „meine kleinen Lustmolche“ und macht dann auf Mietnomade, etc pp.

Dasselbe Bild bei der FDP - welche Mühe habe ich mir gegeben und drastisch gewarnt vor einem Vizekanzler Westerwelle.

Aber seit der ehemalige Spaßparteichef tatsächlich im zweithöchsten Regierungsamt ist, gibt er das Polit-Pendant des realitätsentrückten Augsburger Ex-Bischofs.
Selber dem Luxus frönen, sich die Taschen füllen, im Amt versagen und andere beschimpfen.

Niemand, der nicht von dem Ausmaß des Niedergangs der FDP überrascht ist:
Von fast 15% im September 2009 auf demoskopische 3 %-Stimmung im Juni und dazu ein Parteichef, der der unbeliebteste Außenminister aller Zeiten ist.

Inzwischen sind Guidos Parteisoldaten so sehr in Panik vor dem politischen Exitus, daß sie das Undenkbare denken:
Guido muß weg!

T. Jungholt und J. Wiedemann beschreiben in Springers konservativer „Welt“ wie überlastet Gu-ido mit Parteivorsitz und Regierungsamt ist. Er müsse den Vorsitz abgeben, sich auf das Außenamt konzentrieren und eine neue FDP-Führung würde den Ausweg aus der politischen Eindimensionalität - Steuersenkungensteuersenkungesteuersenkungensteuersenkungen - suchen.
Der Mövenpickparteichef indes denkt offenbar nicht daran sich politisch kastrieren zu lassen; er würde damit zu viel Einfluß in der K.O.alition verlieren:
Er räumt freimütig ein, Fehler gemacht und sich das Regieren weniger belastend vorgestellt zu haben. Ein Aufgeben aber kommt für ihn nicht infrage, und auch eine Trennung von Parteivorsitz und Ministeramt schließt Westerwelle kategorisch aus. Dann wäre er in der Koalition gegenüber Angela Merkel und Horst Seehofer, die beide ebenfalls Regierungs- und Parteiamt in sich vereinen, gar nicht mehr durchsetzungsfähig, argumentiert er.

Westerwelles vorläufige Lösung: Abwarten und sich tot stellen.
Statt der „18“ hat er nur noch Scheiße am Schuh - was auch immer er sagte; er kann nichts mehr reißen.

Das immerhin sieht er ein.
Polit-Entfant Terrible Kubicki nennt das „Westerwelle findet im Augenblick nicht statt“.

Thematisch, programmatisch sei alles wunderbar - wenn nur Westerwelle nicht wäre.

Kubicki: Die FDP muss sich eigentlich nicht verändern. Wir sind in diesen Bereichen hervorragend aufgestellt. Aber die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere. Die Auftritte einiger liberaler Spitzenpolitiker sind nicht dazu geeignet, den Eindruck des kalten Neoliberalismus zu verändern. […]

Abendblatt:
Sollte Westerwelle wenigstens Parteivorsitz und Ministeramt trennen?

Kubicki: Das Problem ist nicht, dass Guido Westerwelle zu wenig als Außenminister oder zu wenig als Parteivorsitzender stattfindet. Das Problem ist, dass Guido Westerwelle im Augenblick gar nicht stattfindet. Er scheint eine neue Rolle zu suchen.

Ähnliche Überlegungen stellt der SPIEGEL in seiner Ausgabe von morgen an - wie kann man Guido möglichst bald aus dem Parteiamt kegeln? Er könne die Mehrfachbelastung ganz offensichtlich nicht schultern, analysierten inzwischen auch viele FDP-Parteigrößen:
"Westerwelle hat seine drei Ämter Parteivorsitzender, Minister und Vizekanzler noch nicht unter einen Hut bekommen", findet auch Alexander Pokorny, Mitglied im FDP-Bundesvorstand. […]
Westerwelle wird in der Partei angelastet, dass er die FDP in der Öffentlichkeit auf ein einziges Thema reduziert hat, die Steuersenkung. Mit seiner Politik, trotz rekordhoher Staatsschulden niedrigere Abgaben zu fordern, hat er die Liberalen ins Abseits befördert. Der Trend, so glaubt die FDP-Spitze, sei mit Westerwelle nicht mehr umzukehren. Er ist ein Parteichef auf Abruf.
Eine politisch komplett gescheiterte FDP, die sich nun auch noch eine Führungsdebatte leistet und am Vorsitzenden herummäkelt, ohne daß aber jemand mit offenen Visier kämpft, dürfte sich demoskopisch gegen Null Prozent entwickeln.

Ich bin zufrieden.

Dabei wäre es gar nicht so schwer die FDP „zu retten“.
Die noch vor ein paar Monaten so kraftstrotzenden Liberalen mit ihren sagenhaften 93 Bundestagsabgeordneten (148 in der Bundesversammlung!) sind in Wahrheit natürlich nicht nur wegen Westerwelle auf die gefühlte Bedeutung einer Splitterpartei gestürzt.

Nein, sie haben erstens tatsächlich kein Programm und zweitens noch jede Menge mehr Personalprobleme.
Da ist eine Justizministerin - von der die „Welt“ schon als Guido-Nachfolgerin orakelt („Die fähigste Ministerin der FDP, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, solle als Übergangslösung den Parteivorsitz übernehmen.“), die ein Totalausfall ist.

Zu den urliberalen Themen, zu den Justizthemen „Swift“-Abkommen oder „Ankauf von illegal erworbenen Steuerdaten-CDs“ schwieg sie eisern.
Die echten Aufregerthemen im Bereich liberaler Rechtssaat - nämlich die Datensuche von Google-Streetview in den privaten Vorgärten oder die Ausspähung der Mitglieder von Facebook überläßt Leutheusser-Schnarrenberger komplett der CSU-Kollegin Aigner.
Ein einziges Mal äußerte sie sich zum möglicherweise größten rechtlichen Skandal dieser Legislatur - den Sex-Tätern in der RKK.
Aber nach einem Rüffel von Zollitsch knickte sie sofort ein, ließ von einer eigenen Bewertung der Causa durch ihr Ministerium ab und überließ die Aufklärung der Neuministerin Schröder, sowie der ultrakatholischen Schavan.
Entschädigungen, rechtliche Konsequenzen, staatliche Kirchenfinanzierung? Hier wäre jetzt eine Jutizministerin gefragt - Leutheusser-Schnarrenberger aber betreibt Arbeitsverweigerung total.

Das nenne ich KOMPLETTAUSFALL - für die WELT ist es die „fähigste Ministerin“.
Nun ja, da mag die Welt ob der Performance von Niebel, Brüderle, Rösler und Westerwelle sogar Recht haben.
Das FDP-Personal ist ein Alptraum.
Damit sind eben keinesfalls nur die alten Wackelköppe gemeint, die wie Brüderle zwar keine Ahnung von dem Job haben aber mit der Begründung, daß sie es sich ja schon sooooo lange gewünscht hatten, dennoch zum Minister wurden.
Da sind nämlich auch erratische Betonköpfe wie Gerhard Papke, 39, der außer seiner Rotzbremse wirklich nichts im oder am Kopf hat, das wähleranziehend wirken könnte.
Von Martin Lindner, 35, der unterdessen Guidos Stammplatz bei Anne Will subsituiert hat, will ich erst gar nicht reden.

Das Problem „Außendarstellung der FDP“ geht tiefer.

Um aus dem Schlamassel rauszukommen, braucht die FDP einen überdimensionalen Sündenbock.
Einen absoluten Buhmann, dem man alles in die Schuhe schieben kann, der wie ein schwarzes Loch allen Groll auf sich projizieren kann.

Dafür bietet sich natürlich nur Westerwelle an - der aber nicht halbherzig um ein Drittel schrumpfen darf, sondern der komplett abgeschafft werden muß.

Würde Westerwelle seiner FDP einen Gefallen tun wollen; läge ihm tatsächlich etwas am politischen Liberalismus, müßte er jetzt sofort entweder den Möllemann, oder den Lafontaine machen.

Ein Abgang à la Möllemann oder Adolf Merkle hätte natürlich den besten Knalleffekt, aber so weit will ich nicht gehen.

Bliebe die Methode Lafontaine.
Warum eigentlich nicht.

Ich weiß ja nicht wie die Grundstückspreise in Bad Honnef sind, aber angesichts der 38 anzeigepflichtigen Nebentätigkeiten Westerwelles allein in der letzten Legislatur, angesichts der geradezu krakenartigen Verstrickungen seiner Familie in dubiose Firmen, die er auch als Außenamtschef fleißig protegiert und angesichts der Karrieresprünge, die „Herr Mronz“ mit seiner Hilfe erleben durfte, kann man davon ausgehen, daß Westerwelle sich eine mindestens so große Villa wie Lafontaine bauen könnte.



Eine wöchentliche Kolumne in der BILD, hochbezahlt natürlich, in der Guido über seine Nachfolger herzöge, ist ebenso sicher wie der ein oder andere bestens bezahlte Beraterjob in der Atomenergiebranche.
Damit wäre eigentlich allen geholfen.

Guido und Herr Mronz könnten ein Kind bekommen, welches der Hausherr ab und an triumphierend frech wie Oskar der Presse entgegen stemmt, er könnte seine eigene Anne Will bei RTL-II werden und vor allem würde unser garstig-greller Guido nicht mehr von den Fesseln der Diplomatie beklemmt sein.

Er könnte nach Herzenslust täglich über das faule arbeitsscheue Hartz-Pack herziehen, jene unverschämten Blutsauger, die den Geldadel auspressen und nichts leisten wollen.
Er könnte wieder der klassische „Guido außer Rand und Band“* werden, den Stefan Gärtner und Oliver Nagel so treffend beschrieben haben.



Die FDP würde Hoyer zum Außenminister machen und Parteichef Christian Lindner könnte sich als geläuterter „Liberaler mit Herz“ ab und an empört von seinem ehemaligen Chef abgrenzen.

Wollen wir für Rot/Grün hoffen, daß Westerwelle nicht die menschliche Größe hat von allen Ämtern zurück zu treten - das wäre ein echter Aufschwung für Schwarz/Gelb.


*Das Buch ist wirklich amüsant; ich habe es vor ein paar Wochen durchgelesen; wunderte mich allerdings teilweise wie nah an der Realität sich diese angebliche Satire befand.

Kommentare:

berndnh hat gesagt…

Zitat:
Statt der „18“ hat er nur noch Scheiße am Schuh - was auch immer er sagte; er kann nichts mehr reißen.
Fällt mir gerade auf: ist die 18 nicht das Nazisymbol für A. H. ?

Anonym hat gesagt…

"Kirchliche Sprengkraft"?

Wir die in "Kilononnen" und "Meganonnen" angegeben?

Anonym hat gesagt…

Herrlicher Kommentar! :)

Ja, die Spasspartei hat es WIRKLICH geschafft! In Rekordzeit abgewirtschaftet.

Und wenn manche immer noch meinen, das würde sich bis zum nächsten Wahltermin bestimmt wieder ändern, dann hätte ich auch gern so eine Tablette wie die!

Ich persönlich drücke Guido die Daumen, denn auf ihn wartet nach seiner politischen Karriere bestimmt schon irgendwo ein bequemer Posten in einem Aufsichtsrat. Ruhe sanft!

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

@ BerndNH - das stimmt. Auf DIE Bedeutung der „18“ hat kürzlich auch irgendein Satiriker bei „Neues aus der Anstalt“ oder so hingewiesen.
Es gab (und gibt?) Nazi-Kneipen, die so heißen und jeder schlechtere Skinhead trägt „18“-Buttons.
In der Antifa-Szene ist die „18“ daher ein echtes Reizwort.
Ob Westerwelle das wußte? Das wage ich zu bezweifeln.

@ Skydaddy - nein, die Sprengkraft wird wie bei herkömmlichen Sprengstoff ebenfalls in „Tonnen TNT“ angeben. (= Tonnen Tri-Nonno-Toluol“)
„I am TNT; I am Dynamite“ wußten schon AC/DC.


@Nordstern - danke schön. (Da ich schon im Halbschlaf war, als ich das schrieb, sind mir einige Fehler in den Text gerutscht. Die sind jetzt aber entfernt.)

Ich weiß ja nicht, ob ich Guido ein Ende der Karriere wünschen soll. Für Deutschland wäre das natürlich sehr gut - gerade wenn man ungewöhnlicherweise noch darauf achtet, was „das Ausland“ über einen denkt.
Parteipolitisch betrachtet hoffe ich allerdings auf einen Verbleib Guidos bis zur nächsten Bundestagswahl - und möge er bis dahin noch ordentlich Metaphorik à la „spätrömische Dekadenz“ raushauen!

LGT

jakebaby hat gesagt…

Zu Guidos 18' hatte ich hier: http://jakester-express.blogspot.com/2010/03/kwo-wadis-guido-deutschland.html (Links)
ein paar gesammelte Ansichten.

'... dann hättest du auch gern so eine Tablette wie die!?'
Hast du was geraucht? :-)

Und nochmal zur 18'.
"Ob Westerwelle das wußte?"
Ich halte den Guido ja auch fuer total 想像能做什麼.

Aber ich denke schon, dass er das weis.
Sein Gedanken'Gut' tendiert doch durchaus in diese Richtung.
Seine 'Dekadenz war doch angesichts des jetzigen Sparprogramms fruchtbar und er hat ja auch unverzueglich das BVG'H-IV Urteil angegriffen.
Solange er noch 3Jahre unterwegs ist(sein darf), ist Fatalitaet an der Tagesordnung.

Genau da stellt sich die Frage, ob
Guido nur bekloppt 'besessen ist, oder unter einem selten solo'schizophrenen Syndrom leidet.
Er ist ganz sicherlich einer der Wenigen, Die ueberhaupt nicht wissen(wollen?), wer Er denn eigentlich ist.
Weis Er wer Er ist? .. Weis Er was Er will und tut? .. Ist das Alles Sein 'wahres streben? .. Ist Er wirklich nur ein schaebigster Opportunist? .. Wie weit wuerde Er damit gehen? .. wenn auch noch so fuerchterlich laecherlich, wie gefaehrlich ist Er? .... Und letztendlich, wie hoch waere die Suizid-Gefahr, wenn Er eines Morgen aufwacht und realisiert, welch fuerchterliches Mensch Er doch wirklich ist??

So viele Fragen.
Und Guido ist nicht alleine!!

Gruss
Jake

TAMMOX hat gesagt…

@ Jake - das finde ich ja irgendwie ganz rührend, was Du Guido alles zutraust.

Aber, daß sein Erbsenhirn in der Lage sein könnte auch nur zu erahnen welch grauenvolles Brechmittel er in den Augen der meisten anderen Menschen ist, halte ich nun doch für übertrieben.

Dafür müßte er ja zumindest Rudimente von Anstand und Schamgefühl haben und die hat er sicherlich NICHT!

Hätte er Schamgefühl, würde er sich längst in einem Loch à la Saddam vergraben haben und würde nie mehr raus kommen.

q.e.d.

LGT