TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Dienstag, 5. Oktober 2010

Pech mit dem Namen

Guido Westerwelle, das größte Urnengift der FDP, ist schon durch seinen länglichen viersilbigen Nachnamen benachteiligt.
Anders als adelige Namen, wie de Maizière, Baron von und zu Guttenberg, von der Leyen, sind längliche bürgerliche Namen ein echter Nachteil bei den Wahlchancen.

Regional gefärbte oder komplizierte Doppelnamen können wichtige Wahlstimmen kosten, wie das auf die Entwicklung von Markennamen spezialisierte Unternehmens Endmark in Köln herausfand.
Bei der Analyse sämtlicher Bundes- und Landtagswahlen der vergangenen 30 Jahre hätte sich in den meisten Kopf-an-Kopf-Rennen der Spitzenkandidat mit dem Allerweltsnamen gegenüber schwierigeren Namens-Konstruktionen durchgesetzt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
Für die Popularität von Personennamen in Politik und Wirtschaft würden ähnliche Kriterien gelten wie für Produkt- und Markennamen, erklärte Endmark-Geschäftsführer und Politikwissenschaftler Bernd Samland. Faktoren wie leichte Aussprechbarkeit und vor allem Identifikationspotenzial bestimmten den Erfolg maßgeblich mit.
(Die Welt 2009)

Wissenschaftlich wird das die „Häufig-Geläufig-Vertraut-Regel“ genannt.
Politiker mit Wortungetüm-Nachnamen, werden im Vergleich zu den Allerweltsnamen-Kollegen für weniger kompetent gehalten.
Müller-Piepenkötter, Leutheusser-Schnarrenberger, Däubler-Gmelin und Wieczorek-Zeul sind schon mal schlecht.
Die beiden SPD-Frauen geizen zu allem Übel auch noch mit Vokalen.

Schlimmer geht aber immer, wie eine Namenssammlung von unmoralische.de belegt:

Hanna Rammelt-Gmeiner, Carolin Weiß-Grauschopf, Susanne Stahl-Ungeheuer, Erna Warmedinger-Blank, Edy Fröhlich-Wichser, Kerstin Schlapper-Rammelmann, Med. Rat. Dr. Angelika Vander-Möse, Clemens Große-Macke, Helgard Breitkreuz-Krumm, Dr. Büchsenschütz-Nothdurft, Helmut Popel-Gärtner, Martina Rindfleisch-Junghähnel, Marlen Wurm-Schleimer, Brigitte Speck-Weckesser, Reyner Biermann-Wurzelsepp, Judith Gurfinkel-Hickinbotham, Dorkas Schlotterbeck-Eberspächer, Hildegard Krüpfganz-Kräck.

Ist es nicht vorstellbar, daß einzelne der ohnehin Instinkt-gesteuerten Wähler, jemanden mit so einem Namen weniger zutrauen als einem „Schmidt“?

Tja, wenn nur Thomas Middelhoff die Regel gekannt hätte!
Möglicherweise wäre der jedem geläufige Name „Karstadt“ nie in „Arcandor“ und „Primondo“ (Versandhaussparte) aufgegangen.
Das konnte ja nichts werden. Ging der Konzern womöglich deswegen pleite?

So ganz bin ich aber nicht von der Theorie überzeugt.
Ich trage einen dreisilbigen, sehr seltenen Nachnamen und bin damit sehr zufrieden.
Zweisilber sind mir zu profan und ab vier Silben wird es zu überkandidelt.

Anders als die Endmark-Studie postuliert, gruselt es mich aber erst so richtig bei einsilbigen Politiker-Namen.
Strauß, Späth, Solms, Koch, Kohl, Kiep, Bohl, Blüm, Beck, Beust, Jung, Merz, Vaatz, Geis, Glos, Uhl, Wöhrl, Flach, …also wenn das nicht ausnahmslos üble Typen sind.

Die Theorie der Evil-Einsilber untermalen eindrucksvoll in jüngster Zeit die beiden Hauptgruselfaktoren unter Mappus‘ Ministern; Goll und Rech.

Heribert Rech , CDU, der Rechtsaußen-Innenminister, der jetzt fälschlicherweise den Demonstranten gegen Stuttgart 21 Gewaltbereitschaft vorwarf, ist bekannt dafür erst Lügen und Fehlleistungen zu produzieren und dann feige abzutauchen, wenn er ertappt wird.

Der Minister hat die Begabung, stets seine guten Absichten glaubhaft machen zu können, wenn die Dinge ernst werden. Das zeigte sich beim Amoklauf von Winnenden, als er bei einer Pressekonferenz vor hunderten Journalisten ein angebliches Bekennerschreiben des Täters Tim K. verlas, das in Wirklichkeit von einem Scherzbold stammte. Als, ebenfalls im vergangenen Jahr, die Panne um die mordende "Phantomfrau" von Heilbronn publik wurde, blieb Rech der hochnotpeinlichen Pressekonferenz ganz fern. Er überließ es dem Präsidenten des Landeskriminalamts, Klaus Hiller, zu erklären, dass mit der DNA einer Lagerarbeiterin verunreinigte Laborwattestäbchen den ganzen Polizeiapparat jahrelang in die Irre geführt hatten.
(Rüdiger Bäßler 04.10.10)

FDP-Landesjustizminister Ulrich Goll hatte gleich mal pauschal die Gegner des Gaga-Bahnhofs als linke Gewalttäter identifiziert - allesamt „bequem“ und egoistisch.

"Die Menschen sind in zunehmender Zahl sehr unduldsam und wohlstandsverwöhnt", kritisierte Goll. "Man denkt nicht an die kommende Generation, sondern nur daran, dass einem nichts passiert, was einem selbst lästig ist."
(FTD 03.10.10)

Die FDP in Baden Württemberg, die zwischen CDU und Grünen fast vollständig zerrieben wurde und derzeit mit 5% demoskopisch bewertet wird, soll statt unauffindbar wenigstens wieder unsympathisch sein.

Zur Klarstellung: Goll meint nicht etwa besonders programmtreue Mitglieder seiner Westerwelle-Partei. Baden-Württembergs Justizminister spricht von Gegnern des Bauprojekts Stuttgart 21. Wie schlecht muss es einem FDP-Mann gehen, wenn er dem Protest gegen ein Milliardenprojekt den Egoismus ankreidet, den seine Partei in anderem Zusammenhang jahrelang predigte? Es muss ihm sehr schlecht gehen, und das ist kein Wunder.
[…] „Bürgerliche“ Skepsis gegen allzu schnelle und radikale Veränderung schließt inzwischen auch Zweifel ein an dem technokratischen und ökonomistischen Modernitätsverständnis, das die Kanzlerin, große Teile der CDU und die FDP sowieso bis heute antreibt. Die Demonstranten von Stuttgart, gerade die bürgerlichen, handeln in diesem Sinne nicht egoistisch, sondern aus einem Gefühl der Verantwortung. Sie dafür zu beschimpfen, ist ein Meisterstück. Erst recht von einem, der sich liberal nennt.
(Stephan Hebel 04.10.10)

Goll selbst ist natürlich ein unbequemer Sportgeist, der alles was teuer und technisch ist mit besonderer Vorliebe betrachtet.
Unbeschwert von Fachwissen und Arbeitsfleiß, frönt der Hobbyschauspieler Goll - er wirkte voller Stolz in einem „Tatort“ mit - seinen privaten Interessen.

Voller Begeisterung schwätzt der stellvertretende Ministerpräsident von seinen großkalibrigen Waffen, seiner Harley und seinem feuerroten Ferrari.
Seine 9- Millimeter-Pistole von Heckler & Koch sowie seinen Revolver von Smith & Wesson vom Kaliber 22 trüge er immer bei sich, plauderte der fanatische Waffennarr nach dem Amoklauf von Winnenden heraus.

Nun hat sich Goll als überzeugter Waffenbesitzer geoutet. Doch das Thema ist seit dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen vom März 2009 im Südwesten vermintes Gelände. Die Eltern der Opfer pochen auf ein schärferes Waffenrecht, beißen damit aber ausgerechnet beim Justizminister auf Granit. Der FDP-Politiker hatte die Forderungen vor dem ersten Jahrestag des Amoklaufs mit 16 Toten am 11. März nochmal mit dem Hinweis abgetan, sie seien "Vorschläge fürs Schaufenster". Zwar ist er für verschlossene Schultüren und bessere Alarmsysteme, aber: "Es gilt wie überall im Leben, dass man sich für extreme Einzelfälle eigentlich nicht wirklich rüsten kann." Dass Goll jetzt lang und breit über das Kaliber seiner Schießeisen räsoniert, hat Hardy Schober vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden nach eigenen Worten die Augen geöffnet: "Man sieht, dass die Waffenlobby auch in der Landesregierung sitzt." Das Werben der Regierung dafür, dass möglichst viele Privatleute ihre Waffen abgeben, sei damit so gut wie wirkungslos geworden, meint Schober. "Schließlich hat der Justizminister selbst eine großkalibrige Waffe."
[…] Unverständnis äußerte auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Er finde Golls Haltung "empörend und unsensibel", sagte Klaus Jansen dem Magazin. Der Minister habe "ein fatales Zeichen gesetzt und damit der Waffenlobby in die Hände gespielt". Wie blanker Hohn muss es den Winnenden-Angehörigen vorkommen, dass die baden-württembergische Landesregierung im Bundesrat eine zweite Amnestie für die Besitzer von illegalen Waffen durchsetzen will.
(Handelsblatt 05.05.2010)

Wenn Goll öffentlich wahrgenommen wird, geht es stets nur um seine Privatangelegenheiten, die er liebend gern zu Markte trägt.

Vor zwei Jahren protzte er lautstark von seinem Ferrari 360, den er sich geleistet habe.
Das feuerrote 400-PS-Model habe er sich endlich mal gegönnt - schließlich sei er bisher immer bescheiden gewesen.
Goll verweist bei der Gelegenheit darauf, dass er ja lange einen Porsche 911 Cabrio gefahren sei. Und wenn er mit Familie unterwegs sei, «nehmen wir den Mercedes GL mit sieben Sitzen». (Netzzeitung August 2008)

Wer von der Partei des Besserverdienenden auf einen schönen Posten gehoben wurde, möchte mit Ende 50 natürlich nicht immer noch auf kleinklein machen.
Unzumutbar erschien es ihm sich weiterhin mit Porsche 911 Cabrio und Mercedes GL zu bescheiden.

Im März 2011 ist Landtagswahl…..

Kommentare:

rauskucker hat gesagt…

Habe jetzt nicht alles gelesen, aber ziemlich gelacht. danke.

Was ist mit "Bahnchef Grube"? Bei dem Vornamen natürlich völlig chancenlos, oder?

Dem habe ich übrigens eben meine Meinung gesagt:

http://rauskucker.wordpress.com/2010/10/05/mein-lieber-herr-bahnchef/

QuakediQuak hat gesagt…

@rauskucker: Wenn man schon so offensiv Werbung für das eigene Blog macht (letztes Mal bin ich noch drauf reingefallen, aber wie sagte der Kerl noch so schön:
http://www.youtube.com/watch?v=eKgPY1adc0A)
dann kann man sich wenigstens die Zeit nehmen das posting auch zu lesen.
Aber in einem Punkt hast Du natürlich recht:
Die Auswirkungen von Vornamen sind deutlich gravierender als die von Nachnamen:
@Tammox deine Liste von Einsilbern ist doch relativ selektiv und sooo schlecht fand ich Beck auch gar nicht -dafür fehlt eindeutig Wulff auf der Liste und
den Spiegel-Artikel kennst du sicher schon:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,649421,00.html.
Allerdings sei an dieser Stelle auch auf das wirklich lesenswerte Buch 'Freakonomics' hingewiesen. Dort analysieren die Autoren unter anderem die Vornamen amerikanischer Kinder und kamen zum Ergebnis, dass Vornamen gesellschaftlich 'bergab wandern'.
Anscheinend wünschen sich die Eltern für ihre Kinder gerade den nächsten Schritt nach oben und geben ihnen deshalb den Vornamen, den sie bei erfolgreicheren Eltern aus dem Bekanntenkreis von deren (zu diesem Zeitpunkt also meist schon ein paar Jahre alten) Kindern. Zum Beispiel- so die Autoren- sei das massive Auftreten von 'Britney' keine Folge der Sängerin, sondern vielmehr diese (da aus besserem aber keineswegs Elitärem HAuse kommend) ein Indiz dafür, dass dieser Name sich etwas später auch in breiteren Bevölkerungsteilen einer Beliebtheit erfreuen würde.
Zum Schluss noch ein Wort zu Goll:
Es scheint ja öfter vorzukammen, dass in Interviews erstmal eine Frage zur Auflockerung gestellt wird (mit Grauen erinnere ich mich an ein Interview auf Süddeutsche.de, in dem ich über die musikalischen Vorlieben unseres Bundesgesundheitsministers aufgeklärt wurde- ich WILL sowas nicht wissen) und wenn dann jemand erleichtert drauflosbrabbelt (wie oft wird schon jemand bei Goll um ein Interview anfragen ?) dann sollte man das nicht unbedingt auf die Goldwaage legen, aber nachdem Du, lieber Tammox ja zuletzt auf die Bahnhof-Entscheidung der Kanzlerin hingewiesen hast, kann sich die CDU ja jetzt aussuchen, woran ihre Wahlniederlage gelegen haben wird ;-)

Schöne Grüße

QuakediQuak

TAMMOX hat gesagt…

QuakediQuak

Ja, das mit den Vornamen ist mir bekannt und auch einsichtig. Einsichtiger als die Nachnamen-Ergebnisse.
Bei den „dummen Namen“ wie KEVIN, spielen natürlich mehrere Aspekte hinein; nicht nur, daß Lehrer denken, „Kevins sind dümmer“ (was ungerecht ist), sondern tatsächlich neigen ja offensichtlich auch die bildungsfernere Familien zu solchen Modenamen. Die Akademikerfamilie aus Hamburg-Blankenese nennt mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Kinder NICHT Marlon oder Kevin.

Damit wollte ich aber nur ein bißchen auflockernd zu Goll und Rech überleiten.

Goll hat sich mit seinen jetzigen Aussagen zu Stuttgart 21 und der Waffengeschichte unmöglich gemacht. Daß er einen Ferrari fährt ist völlig irrelevant.
Unglücklicherweise ist Goll als Justizpolitiker aber bisher nicht in Erscheinung getreten - nur mit dümmlichen Sprüchen. Wenn so eine Hohlbirne einen Ferrari fährt, wird ihm das doppelt krumm genommen.
Einem anerkannten sachorientierten Politiker würde man es sicher viel eher durchgehen lassen, wenn er so eine extreme Penis-Kompensation braucht.
Die angesetzten Maßstäbe sind extrem verschieden.
So wie man Schröder noch heute die EINE Photosession für Brioni übelnimmt.
Guttenberg macht das jeden Tag und viel intensiver, aber er wird deswegen gar nicht kritisiert und ist die Nr. 1 jeder Beliebtheitsskala.


http://tammox.blogspot.com/2010/09/sex-sells.html

RS: Gerhard Schröder hat einmal ein Modeshooting gemacht, schon wurde er als „Brioni-Kanzler“ verhöhnt.

JT: Schröders Inszenierung war ja vergleichsweise bescheiden verglichen mit der Selbstinszenierung von Herrn zu Guttenberg. Daran sieht man: Was der alte Adel darf, darf der Aufsteiger noch lange nicht. Schröder wurde doch durch die Klassenbrille angeschaut, und dann hieß es, guckt mal, der Aufsteiger, wie der sich aufführt. Bäh. Beim alten Adel finden wir das ganz normal, da schaut man eben auf und bewundert.


Stimmt, Wulff habe ich in der Liste völlig vergessen. Aber auch einen Herrn Stuth. Aber der kommt noch dran die trage.


LGT