TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Montag, 28. Februar 2011

Kopf-Fuß-Koordination.

Die römisch-katholische Kirche ist eine hierarchische Zweiklassengesellschaft.
Alle Frauen und alle Laien sind gewissermaßen Fußvolk und haben keinerlei Befugnis in Glaubensfragen ein Wort mitzureden. Sie, rund 1,2 Milliarden Ratzi-Epigonen, sind die Paria des Vatikans. Sie dürfen brav „Ja und Amen“ sagen, Mitgliedsbeiträge und Spenden entrichten und das tun, was man ihnen befiehlt.

Daneben gibt es die Herrscherklasse aus rund 400.000 Geistlichen, die aber ihrerseits straff hierarchisch gegliedert ist.
Der Kopf des ganzen, der Pontifex Maximus, ist Gottes Stellvertreter und hat die absolute Macht über seinen Apparat. Er ist Regierung, oberster Richter und Parlament in einer Person. Exekutive, Legislative und Judikative sind alle Papst. J.R muß sich auch nicht um seine Wiederwahl sorgen und kann daher frei von Rücksichtnahme auf sein Fußvolk schalten und walten wie er will.

Wie so ein Tripel-Chef tickt, kann man gut an seinen Personalentscheidungen ablesen.
Der gegenwärtige Bischof von Rom beispielsweise, liebt es rechtsradikal.
Seine Freundlichkeiten gegenüber der Piussekte und einzelnen rechtsradikalen antisemitischen Personen, wie Philippe Laguérie zeigen dies überdeutlich.

Selbstlose Philanthropen wie Jacques Jean Edmond Georges Gaillot, um Mitmenschen Besorgte wie Eugen Drewermann und Intellektuelle wie Uta Ranke-Heinemann oder Hans Küng kann Ratzi nicht leiden.

In der RKK gibt es aber viele Opfer Ratzingers.
Gerne senkte er als Panzerkardinal seinen Daumen und jagte systematisch die moralisch integeren Theologen davon.

Der Berühmteste ist sicherlich Leonardo Boff (* 1938), der ausgerechnet in dem Kontinent, wo die Amtskirche massiv Massenmörder, Autokraten und andere rechtsradikale Diktatoren unterstützt, die Befreiungstheologie entwickelte.

Er hat die absurde Ansicht die RKK solle die Menschenrechte verteidigen und den Armen helfen!

So geht’s natürlich nicht.
1985 belegte ihn Ratzinger mit einem Rede- und Lehrverbot. Er befahl Boff anschließend die Leitung der katholischen Zeitung Revista Vozes nieder zu legen und seinen Wohnsitz in Petrópolis zu verlassen.

Ebenso wie Boff trägt auch der spanisch-stämmige Jesuit Jon Sobrino zahlreiche Ehrentitel und Preise, die ihm für seinen Einsatz für die sozial Schwachen und die Achtung der Menschenrechte verliehen wurden.
Der in El Salvador lebende Befreiungstheologe Sobrino wurde 2007 mit einer „öffentlichen Notifikation“ des Vatikans zum Schweigen gebracht.

Der berühmte belgische Dominikaner und Teilnehmer am Zweiten vatikanischen Konzil, Prof. Dr. Edward Schillebeeckx O.P. (1914-2009), wurde ebenfalls in den 1980ern von J. R.s Glaubenskongregation mit „Vatikanischen Notifikationen“ überzogen.
Schillebeeckx hatte es unter anderem gewagt zu bezweifeln, daß sich aus der Bibel ein Zölibat zwingend ableitet.

Joseph R. möchte offensichtlich mit aller Macht verhindern, daß sich unter Theologen und Geistlichen sympathische Typen einschleichen, die es nicht den Irdenbürgern schwerer machen wollen.

Das Fußvolk der Kirche ist not amused und interessanterweise erreicht der Vatikan mit seinen drakonischen Schreib- und Sprechverboten eher das Gegenteil. So ein Komunikationsbann wirkt eben besser, wenn man den Beschuldigten anschließend auch wie Giordano Bruno verbrennt. Da J.R. das auch weißt, macht es ihn sicher ganz fuchsig, daß er seine Opfer heutzutage am Leben lassen muß.

Küng, Boff, Gaillot, Drewermann und Co sind, nachdem der Vatikan sie gemaßregelt hatte, noch viel berühmter und weltweit bekannt geworden.

Offensichtlich denkt das Fußvolk nicht so wie der Kopf des Vatikans.

Es ist aber auch nicht gefragt.

Es kann nur mit den Füßen abstimmen und dies geschieht auch. Zum Beispiel im Erzbistum des jüngsten Kardinals der Erde, der angesichts der Tausenden Mißbrauchsfälle katholischer Geistlicher im ZEIT-Interview erklärte, man solle sich fragen „was Jesus uns damit sagen will“.

Missbrauch, Prügel, Untreue: Die Skandale des vergangenen Jahres haben der katholischen Kirche schwerer geschadet, als bisher bekannt war. Alleine das Erzbistum München und Freising registrierte 2010 mehr als 23200 Austritte - gegenüber dem Vorjahr ein sprunghafter Anstieg um 30 Prozent.
[…] Die Austrittszahlen hat die Nachrichtenagentur dapd recherchiert. Bei einer Umfrage kamen allerdings nur sechs der sieben bayerischen Bistümer der Bitte um eine Auskunft nach. Diesen Angaben zufolge kehrten 53663 Christen der katholischen Kirche vergangenes Jahr den Rücken - ein Anstieg um satte 48,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Bistum Regensburg verweigerte die Auskunft; die Auswertung für 2010 liege noch nicht vollständig vor, hieß es. Schätzt man die Regensburger Zahlen allerdings anhand der durchschnittlichen Entwicklung in den übrigen Bistümern, dann dürfte es bayernweit um die 65000 Austritte gegeben haben - das wäre knapp ein Prozent der rund sieben Millionen Katholiken im Freistaat.
(SZ 28.02.2011)

SZ-Mann Andreas Roß, der den Exodus von einem Prozent der Bayerischen Katholiken eines Jahres offensichtlich beklagt, wundert sich über die Passivität der Bischöfe; er schreibt:

Umso mehr ist es erstaunlich, dass Bayerns Bischöfe dem Verlust von 65 000 Gläubigen nicht mehr entgegenzusetzen haben als ihr anhaltendes Schweigen.
(SZ 28.02.2011)

Herr Roß ist offensichtlich verwirrt.

Glaubt er, die Gläubigen blieben, wenn die Bischöfe mehr unternähmen?

Nein, die Bischöfe haben - aus ihrer Perspektive - endlich mal eine richtige Erkenntnis gewonnen: Sie sind derart unangenehme an-den-Menschen-vorbei-Redner, daß sie mit jedem öffentlichen Statement die Gläubigen aus der Kirche treiben.

Mit ihrem Dauerschweigen verlangsamen sie Austrittswelle auf die geringste Geschwindigkeit.

Wenn die Eminenzen und Exzellenzen öffentlich die Klappe aufreißen, wie es Mixa, Müller, Meisner, Marx und Overbeck getan haben, rasen ihre Mitglieder nur noch zahlreicher in die Ortsämter und erklären ihren Kirchenaustritt.

Bischöfe sind die Westerwelles der Kirche - mit jeder Rede werden sie unsympathischer.
Ihre öffentliche Akzeptanz kann nur mit konsequenter Öffentlichkeitsabstinenz gesteigert werden.

In diesem Sinne freue ich mich über jeden TV-Auftritt eines dieser bizarren alten Männer im roten Kleidchen.

Kommentare:

Wolfgang Brosche hat gesagt…

Bester Tammox,

in allem, was Du schreibst, gebe ich Dir Recht. Viele Menschen wenden sich angewidert von der Menschenverachtung und dem Hokuspokus der kaholischen Kirche ab. - Aber das sind die wenigen Denkenden, um es einmal ganz deutlich zu sagen.
Noch immer gibt es genügend Kirchenvolk, das meint, man brauche eine autokratische Institution, die fürs Jenseits sorgt bei Beerdigungen und fürs Diesseits mit Moralvorschriften.
Darüber lachen sich Ratzinger und seine Karmarilla noch kaputt.
Genauso wollen sie ie Menschen, unkritisch und devot!
aber Ratzinger ist kein seniler alter Mann - er weiß, daß seine Jahre gezählt sind und deshalb bestellt er mit ungeheuerer Schnelligkeit sein Haus: er beruft kriecherische Kardinäle wie Marx und holt sich mit Bischof Williamson und seiner Piusbruderschaft, sowie anderen extremen Organisationen seine Nachfolgergeneration in den Vatikan.
Wahrscheinlich kennst Du David Bergers Buch "Der heilige Schein" - Berger beschreibt darin eine erzkatholische Gegenwelt mit ungeheurem Einfluß und mit Geld!
Ratzinger will nicht nur seine reaktionäre Kirche wahren - er will auch nicht vom totalen Herrschaftsanspruch der katholischen Kirche über alles und jeden ablassen.
Wenn er von der "Dikatur des Relativismus" und von der "Kultur des Todes" faselt, dann meint er damit die Moderne, die Aufklärung, die Demokratie und die Menschenrechte. Die Vatikanische Mafia will noch immer die Weltherrschaft, spuckt auf Menschenrechte, hat sich bereits neue Sündenböcke ausgesucht - die Schwulen. Solange es noch lebende Zeitzeugen des Holocaust gibt, wird es schwerfallen, die Juden erneut als Zielscheibe zu nehmen. Aber in ein paar Jahren, wenn diese wenigen Überlebenden auch gestorben sind, dann kommen auch die Juden wieder dran, die Freimaurer usw. - der europäich Antisemitismus ist ja eine Erfindung der katholischen Kirche!
Dankbar hat sie mit den Faschisten paktiert, die den Antisemitismus zu perversen Endgültigkeit etrieben haben.
Ratzinger hat ein extrem mieses Menschenbild, kann sich nur Sünden vorstellen (und hauptsächlich natürlich sexuelle Verfehlungen), die extrem bestraft werden müssen. Auch im aktuellen Katechismus, den Ratzinger zu verantworten hat, wird noch der Todesstrafe das Wort geredet und eine onanierende Frau ist schlimmer als ein Mörder.
Ratzinger ist ebenso gefährlich wie Adolf Hitler - und bisher hat das noch kaum einer bemerkt. Er nähert sich nicht anderern christlichen Kirchen an, sondern hat freundliche Worte für die Scharia-Staaten der islamischen Welt.
Er ist sogar einig mit Evangelikalen, wenn es nur gegen Schwulen- und Frauenrechte geht.
Wir müssen diesem widerlichen Mann, wenn er im Herbst nach Deutschland kommt, zeigen, was wir über ihn denken!

Homer Simpson hat gesagt…

Das wäre schön. Aber die werden vorher genau die Lage peilen und J.R. nur dort auftreten lassen, wo handverlesene Christenbrüder alle Plätze eingenommen haben. Proteste, werden sicher auch von der Regierung behindert.

Das ist das Problem in unserer Gesellschaft. Die Christen, haben Kredit bei den Leuten. Weil so viele Christen hier leben. Und die jahrzehntelange Imagekampagne wirkt ja auch. Punk und Gloria. Außen hui und Innen pfui! Ich habe selbst bis vor wenigen Jahren nicht schlecht über diese Sekte gedacht. Die sind wie meine Eltern: Solange es nur um Worte und Vorsätze geht, sind das die Edlen der Welt. Was für ein gestörtes Selbstbild!

Gut, bei der RKK gibt es ja einen klaren Auftrag: Man will den ganzen Planeten zu einem Gottesstaat machen. Das das verfassungsfeindlich ist, daran stört hier aber niemand. Die sind ja soooooo guuuuut, die netten Chisten. Und der Papst, ehrt die Politiker jetzt mir seiner Aufwartung im Bundestag. Da werden alle ganz andächtig schweigen und hinterher ganz "bewegt" tun. Das bringt Wählerstimmen!

Den sollte man wie einen reudigen Köter außer Landes jagen. Besser noch, gar nicht erst einreisen lassen.

Hey Pope! Wenn du diesen Blog liest, nimm uns mal beim Wort. Wir wollen dich und deine Lügen hier nicht!

TAMMOX hat gesagt…

@ Wolfgang Brosche, Homer Simpson,
sorry for being late; die letzten Tage war ich extreme busy und konnte mich kaum jemals an den PC setzen.

Ja klar, habe ich David Berger gelesen: Das Buch habe ich in diesem Blog auch schon mehrfach erwähnt. Ratzinger aht schon ein paarhundertmal was von mir auf die Mütze bekommen. Ich teile zwar Deine Analyse des IST-Zustandes der RKK vollkommen, aber nicht die Konsequenz.

Wenn Du Dich an das Schlußkapitel aus Bergers Buch erinnerst: Dort malt er zwei mögliche Zukunftsversionen für die RKK aus:

1) die weitere Verhärtung der Positionen, das Abdriften ins Rechtsradikale, die miefige Restauration, die die RKK letztlich zu einer extremistischen Sekte schrumpfen ließe, aus der die Gläubigen massenhaft austreten.
Das hält DB für wahrscheinlich und das befürchtet er.

2.) Unter einem zukünftigen Papst könnte sich die Kirche extrem reformieren, sich öffnen, auf die Menschen zugehen und wieder in die Mitte der Gesellschaft rücken, ergo attraktiver werden. Das hofft DB, weil er immer noch von „Großartigkeit der Katholizismus“ überzeugt ist.

Ich hingegen wünsche mir die erste Version, weil ich mir erhoffe, daß die RKK marginalisiert und somit irrelevant wird. Denn in dem Fall würde sie ihren Einfluß auf den Staat, die Gesetzgebung (und somit auf die Atheisten) peu à peu verlieren. Die RKK sollte aussterben. Und dazu ist ein Unsympath wie Ratzinger der richtige Mann! Dank ihm werden die Gläubigen massenhaft aus der RKK getrieben.
Möge er also 100 Jahre werden!

Homer, ich denke, daß Ratzi unterschiedlich empfangen wird. In Erfurt, das klein genug ist, können seine fanatischen Unterstützer sicherlich genügend Busladungen von Hardcore-Katholikan ankarren, die ihm zujubeln.
In Berlin wird das aber eher nichts. Die Stadt ist zu groß, die Wege zu lang und zu wenig katholisiert.
Als JP im Juni 1996 in Berlin war, ging da schon die Post ab und Kohl schämte sich in Grund und Boden für die Protestveranstaltungen, die gegen den Papst stattfanden.
Aber J.R. ist noch wesentlich unbeliebter als JP und hinzu kommen nun die Missbrauchsskandale, Canisius ist in Berlin und das mit den Piushanseln und Williamson ist auch nicht vergessen.
Das wird schon unerfreulich für JR. Vermutlich hat es seinen Grund, daß Kardinal Sterzinsky vorsorglich ins Koma gefallen ist und seinen Chef nicht persönlich empfangen wird….

LGT