TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Donnerstag, 25. Dezember 2008

Schlimmer Finger zu Weihnachten

Ein Kalifornier ist noch berühmter als Schwarzenegger:
Rick Warren, ultrakonservativer Pastor der Saddleback Church bepredigt jede Woche Myriaden Menschen. Time listete ihn unter den "15 World Leaders Who Mattered Most in 2004" und den "100 Most Influential People in the World (2005)" auf.
Christianity Today nannte ihn den einflussreichsten Pastor überhaupt, Newsweek schwelgte ihn hoch zu den „15 People Who Make America Great" und so weiter und so fort - devot buckeln die Medien vor seiner ungeheuren Bedeutung.
Marketing ist alles - in der Flut von amerikanischen religiösen Ratgeberbüchern, setzte sich Warrens göttlicher Erguss The Purpose Driven Life (deutsch Leben mit Vision) jahrelang an die Spitze der Bestsellerlisten. Er bietet es inzwischenb praktisch in 4er- 12er- oder 16er Packs an: Irre günstig zum Beispiel: The Purpose Driven Life, Case of 16 Hardback Books für nur 176 Dollar.
Keine ganz einfache Sache in den von religiösen Schreiberlingen heiß umkämpften US-Markt.
Warren aber hat mal ganz was Neues entdeckt - er kann nichts weniger als die ganze Welt retten.
Seine Wunderwaffe gegen Krieg, Hunger und Krankheiten:
Den Herren anbeten und evangelisieren!
Schließlich wissen wir ja alle aus der Bibel, wie es denen ergeht, die Gott loben und lieben, bzw was mit denen geschieht, die Gott nicht tumb und hirnfrei adorieren.
Das ist im Johannes-Evangelium klar gestellt:

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. (Joh 3,18)

Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm. (Joh3,36)

Aha, dann habe ich mir DESWEGEN letzte Woche einen Hexenschuss zugezogen - ich bin Jesus gegenüber einfach zu ungehorsam und nun bleibt der Zorn Gottes auf mir.
So läuft das ja wohl in der Bibel: Anweisungen der Sohnes, die man glauben muß und wer sie nicht glaubt, dem reißt der vor Zorn und Sadismus getriebene Papi den Arsch auf.
Da wir gerade Weihnachten haben, hier noch ein bißchen O-Ton des Geburtstagskindes, von dem Rick Warren so angetan ist:

Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab; ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10, 25-30)

Jesus aber rief aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat, und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am letzten Tag. Denn was ich gesagt habe, habe ich nicht aus mir selbst, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll. (Joh 12, 44-49)

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet. (Joh 15, 5-8)

Meiner Ansicht nach ist Jesus tatsächlich recht eindeutig - man soll gefälligst tun was er will, ansonsten geht es ab in die Hölle.
Rick Warren hat das auch genauso erkannt und fasst 2000 Jahre später die Megaprobleme der Welt (Facing the world's five giants!) kurz und knackig zusammen:
Here are the giant problems, as we see them:

1. The first global giant is spiritual darkness. Here’s a startling truth: Billions of people have never even heard the name of Jesus Christ. Three thousand distinct people groups around our world wouldn’t even know the name of Jesus if they heard it. The greatest giant in our world today is the fact that billions of people do not know Jesus Christ.

Daran mangelt es also der Welt - man hat noch zu wenig von Jesus gehört.

Gut, ich habe da eine leicht andere Auffassung - nachdem die Menschen von Jesus gehört haben, fochten sie 16.000 Kriege aus - die weit überwiegende Mehrzahl aus religiösen Gründen.
Insgesamt hat das Christentum der Menschheit schwer geschadet:
Allein im 30-Jährigen Krieg, dem Mega-Religionskrieg 1618 bis 1648, in dem es lediglich um die Vorherrschaft von zwei verschiedenen christlichen Sekten ging, wurden mehr Homo Sapiens gekillt, als im ersten und zweiten Weltkrieg zusammen.
Ganze Länder wurden komplett entvölkert - in Deutschland überlebte nur ein Drittel der Bewohner.
Es dauerte ein volles Jahrhundert, bis sich Europa einigermaßen wieder aufgrappelt hatte.

Mit Warren kann ich also schon im ersten Punkt so wenig konform gehen, daß ich seine Gigantproblem-Analyse 2 bis 4 gar nicht weiter diskutieren möchte. (lack of servant leaders around the world, poverty, disease, ignorance)

Erst wenn das Christentum überwunden ist und vor allem der missionarische Anspruch, also das Evangelisieren und das sich über andere erheben, überwunden ist, kann die Welt zu einem besseren Ort werden.

Ein nicht ganz unmaßgeblicher Mensch teilt bedauerlicherweise NICHT meine Ansicht:

Barack Obama hat sich den fanatisch gegen Schwule, Lesben und Befürworter der Wahlfreiheit bei Abtreibungen Hetzenden als Prediger für seine Amtseinführung gewünscht.
Warren wird das traditionelle Gebet halten.

So viel zum CHANGE nach 8 Jahren des Einflusses von Evangelikalen auf das Weiße Haus.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oh, Tammox, Du bist also auch auf die grosse Präsidenten-Wahlshow hereingefallen. Für mich war das Ganze wie ein Wrestling-Match, wo der Sieger schon lange vorher feststand und sich der Verlierer von daher jeden Unsinn und jede Dummheit leisten konnte, nur damit das Publikum am Ende froh ist, den anderen Pappkameraden gewählt zu haben.
Obama ist genauso eine Hure des Establishment wie McCain. Der einzige "Machtwechsel" besteht darin, dass sich jetzt mal wieder eine andere Schar an Grosskonzernen vorrangig an Steuergeldern bereichern wird und die nächsten Kriege anstiftet.

"Den Teufel mit Beelzebub austreiben" wäre die klassische Formulierung.

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

Nanana . . . also da muß ich mal vorsichtig - allerdings dreifach - widersprechen:

1.) Ich habe Obama nie bejubelt - im Gegenteil, ich habe ihn für allerlei Unklarheiten und dumme Positionen in der Außenpolitik heftigst kritisiert. Er war auch nicht mein Wunschkandidat.
2.) Ich bin NICHT der Meinung, daß es egal ist, wer gewonnen hat. Bei den diesjährigen Alternativen, war das Reaktionisten-Jähzorn-Fundi-Ticket McPain wirklich eine ganze Dimension übler als Obama.
3.) Der Wahlausgang stand keineswegs fest. Im Gegenteil - für McCain sah es lange zeit sehr gut aus. Ihm hat aber die Finanzkrise, die gerade zum richtigen Zeitpunkt für Obama über die USA herein brach den Gar aus gemacht. Dazu noch die desaströse Entscheidung für Palin als Vize und McCain war erledigt. Ohne diese beiden Faktoren hätte es Obama sicherlich nicht geschafft - nicht aus eigener Kraft.


Unterm Strich bin ich über Obama froh, wenn ich mir ausmale, was in Amerika möglich und realistisch ist. Für USA-Verhältnisse ist der denkbar liberalste und am wenigsten arrogante Kandidat gewählt worden,

Wenn ich allerdings meine Phantasie mal schweifen lasse und mir frei aussuchen dürfte, wer US-Präsident werden sollte, bin ich natürlich schwer enttäuscht.
Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.


LG
T