TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Montag, 8. März 2010

Doch mal aufgewacht?

Als Merkel zum zweiten mal Bundeskanzlerin wurde und noch nicht JEDER wußte was für eine katastrophale Chaostruppe sich demnächst „Bundesregierung“ nennen würde, rätselten Gutmeinende über ministertaugliche Personen in der Union.

Die SPD-Amtsvorgänger hatten große Schuhe hinterlassen, während fast alle Unionsminister der großen Koalition blass bis nichtssagend blieben.

Der stets so gut informierte SPIEGEL überschrieb im Heft 41 vom 5.10. 2009 den Hauptartikel über den Fortgang der Koalitionsverhandlungen „Wie Angela Merkel den Start der schwarz-gelben Regierung dominiert“.
Die Kanzlerin, stark wie nie, habe alles im Griff. Geradezu mühelos könne sie CSU und FDP im Zaum halten.
Selbstverständlich würde sie nun auch auf besonders durchsetzungsstarke CDU-Persönlichkeiten im Kabinett setzen, da nun „aus einem Guß“, unbehindert von der SPD, regiert würde.
Sicher sei, daß die beiden schwächsten Minister der großen Koalition in Rente gehen müßten - im Power-Kabinett Schwarz-Gelb sei kein Platz mehr für solche trägen Gestalten, die in vier Jahren keinerlei Fußabdrücke hinterlassen hätten.
Die Rede war von Franz-Josef Jung und Anette Schavan.

Ein insgesamt rundes und stimmiges Bild, das der SPIEGEL von Anfang Oktober zeichnete.
Auf dem Titelbild prangte ein trauriger kleiner roter Frosch unter der Überschrift „Wer erlöst die SPD?“.
Neben der erwarteten Kraft-Koalition aus Merkel und Westerwelle schien es angebracht das Totenglöckchen für die Sozis zu läuten.

So überzeugend das vom Spiegel gezeichnete Bild Deutschlands in der Legislaturperiode 2009 bis 2013 auch aussah - REAL war es nicht.

Das Gegenteil fand statt - während Gabriel es schaffte seine Partei mitzureißen und umjubelt gewählt zu werden, versank Schwarz-Gelb im Morast.
Merkel hatte die Koalitionsverhandlungen nicht nur nicht dominiert, sondern unbegreiflich desinteressiert und devot jedes noch so krude Vorhaben der kleinen Partner abgenickt.
Sie verschlief die Verhandlungen und beließ die Kabinetts-Pfeifen Jung und Schavan in ihrer Regierung.

Wie wir nun wissen, sollten beide CDU-Altkader nicht lange aktiv bleiben.
Jung mußte schon nach wenigen Wochen zurücktreten und Schavan war unmittelbar nach ihrer Wiedervereidigung erneut in Kataplexie verfallen - wie schon die vier Jahre zuvor.
Komatös schlummerte sie auf ihrem Ministersessel einen neuen Vierjahres-Winterschlaf.

Während im Bildungssektor die Zustände Tag für Tag schlimmer werden, ist der Sessel des zuständigen Ministers faktisch vakant.
Die Hauptschulen verrotten zu Resterampen, in Realschulen und Gymnasien bröckelt der Putz, 50.000 Lehrerstellen sind nicht besetzt.
12 % der männlichen Jugendlichen verlassen in Deutschland jedes Jahr ganz ohne Abschluß die Schule; bei den Mädchen sind es immerhin noch 6 %.
Insgesamt rund 100.000 Kinder gehen ganz und gar ohne Abschluß von der Schule und weitere 450.000 Schüler sind sogar noch von den Verwahrungsanstalten „Hauptschule“ auf Hilfsschulen ausgesondert worden.

Hunderttausende Lehrstellen können nicht besetzt werden, obwohl es Hunderttausende Lehrstellensuchende gibt. Dazu leistet sich Deutschland vier Millionen Analphabeten. Bildung hat einen derartig schlechten Ruf bekommen, daß deutsche Jungendliche diesen Weg gar nicht erst versuchen wollen.

Schon vor Jahren diagnostizierte die OECD:

Als „verblüffend“ und „besorgniserregend“ bezeichnete es der Pariser OECD-Generalsekretär Angel Gurría, dass in Deutschland nur 21 Prozent der 15-Jährigen für sich ein Studium überhaupt in Betracht ziehen. Im OECD-Schnitt sind dies 57 Prozent.

Tumba Schavan, verharrt seit vier Jahren im Mikado-Modus: Bloß nicht bewegen.

Die Ministerin ohne Qualifikation dämmert desinteressiert vor sich hin.
Sie ruiniert zwar im Alleingang die Zukunft unserer Nation - aber who cares?
Als eine der engsten Vertrauten der Kanzlerin weiß sie, daß man sich generell aus politischen Dingen rauszuhalten hat, um in der CDU Karriere zu machen.

Die CEPS-Studie klagt an:
Fast nirgendwo in Europa seien so wenige Arbeitskräfte in Kindergärten, Schulen und Universitäten beschäftigt wie in Deutschland. Mit einer Quote von sechs Prozent liege Deutschland weit hinter Großbritannien mit neun und Polen mit sieben Prozent. Jeder fünfte Jugendliche komme nicht über das Hauptschulniveau hinaus. Laut Studie gibt es im deutschen Bildungssektor zu viele Schulabbrecher und zu wenige Uni-Absolventen. Das werde Deutschland in der nächsten Generation "zum Land der Hilfsarbeiter" machen, sagte Gros.

Fast jeder zweite Schulabgänger eines Jahrganges ist „nicht ausbildungsreif“.
„Nach wie vor erreicht eine große Zahl junger Menschen weder den Schulabschluss noch eine voll qualifizierende Ausbildung,“ erklärt das Ministerium. Wegen der geburtenschwachen Schulabgängerjahrgänge werde die deutsche Wirtschaft aber „schon bald jeden jungen Menschen brauchen“. [...] Zunehmend klagten Unternehmen über Schwierigkeiten, für ihre angebotenen Ausbildungsplätze geeignete Bewerber zu finden, heißt es in der Darstellung. Als Hauptursache werde bei Betriebsumfragen „mangelndes Leistungsvermögen und die unzureichende schulische Qualifikation der Bewerber“ genannt.

Alle diese außerordentlich schockierenden Entwicklungen reißen eine Schavan nicht aus ihrer tiefen Lethargie.
Vollkommen apathisch geworden, findet die Baden-Württembergerin im politischen Berlin nicht statt.

Ich vermute schon seit Jahren, daß Anette Schavan sich heimlich abgesetzt hat, irgendwo in der Karibik ausspannt und von einer Madame Tussauds-Wachsfigur vertreten wird.

Am Wochenende mußte ich nun feststellen, daß ich mich mit dieser Theorie doch geirrt habe.

Schavan ist doch noch in Berlin und O Wunder, sie hat sogar noch einen Puls.
Urplötzlich taucht sie in der Presse auf.
Huch?

Wie konnte das geschehen? Hat sie womöglich eingesehen, daß Handlungsbedarf in ihrem Sprengel herrscht?
Nein, soweit in den utopischen Bereich ging es dann doch nicht.
Zur Bildungspolitik direkt hatte die Bildungsministerin auch im Jahre fünf ihrer Amtsokkupation nichts zu vermelden.

Der Ministernebenjob tritt in Schavans Leben ohnehin hinter ihrem Hauptberuf als Katholen-Lobbyisten zurück.
Die „ledige“ Frau unterstützt leidenschaftlich die Ledigenorganisation RKK, sitzt im Zentralrat der deutschen Katholiken und macht allenthalben auf extrem gläubig.

Daß es nun freche Ministerkolleginnen von der FDP wagen von der katholischen Kirche zu verlangen, daß sie sich an deutschen Gesetze halten sollen, ließ die Bildungsministerin wie von der Tarantel gestochen aus ihrer Lethargie hochschnellen!

Was fällt der denn ein?
Nur weil die Kirche über Dekaden und weltweit Pädophile, Päderasten und Sadisten Hunderttausende Kinder quälen ließ und die Täter vor der Justiz beschütze, darf man noch nicht an den Soutanenträgern rumkritisieren.
Denn eins steht für Anette Schavan fest - die Römisch-Katholischen verhalten sich vorbildlich!

Die Runder-Tisch-Protagonistinnen Leutheusser-Schnarrenberger und Schröder sollten gefälligst still sein.

Radio Vatikan ist zufrieden:
„Ich finde, die letzten Tage und Wochen haben gezeigt, dass die Kirche in Deutschland sehr entschlossen ist, alles lückenlos aufzuklären und natürlich auch mit dem Staat zusammenzuarbeiten... Ich glaube, mit Blick auf Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist jetzt wichtig, alles zu tun, um Vertrauen wiederherzustellen.“
Aus der Sicht der CDU-Ministerin ist die Art und Weise, wie die katholische Kirche mittlerweile mit den Missbrauchs-Skandalen umgeht, geradezu beispielhaft.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Kirche selbst den Weg wählen wird, der ihrer Glaubwürdigkeit am meisten hilft. Das ist der zentrale Punkt mit Blick auf die Opfer. Natürlich ist die Kirche auch in den letzten Tagen längst die Institution geworden, die weit über kirchliche Kreise hinaus Opfern die Möglichkeit gibt, sich zu melden: Wir haben es nicht mit einem Kirchenthema zu tun, sondern mit einem Thema, das pädagogische Einrichtungen weit über den kirchlichen Raum hinaus betrifft.“

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Wer sich bewegt, hat verloren!"

Herzlichen Glückwunsch, Tammox, Du hast die Frau Schavan verstanden!

Als Süddeutscher kann ich Dir aus erster Hand versichern: diese und andere Karteileichen mit CDU-Parteibuch sind TYPISCH für alle Hinterbänkler in Gemeinderäten und Landtägen!

Die Frau Schavan hatte ihre 15 Minuten Ruhm als Ex-MP Teufel durch Ex-MP Billigbier, äh, Oettinger, ersetzt werden sollte.

Damals wollte sich Baden-Württembergs CDU den Schein der Demokratie verleihen indem man behauptete es gäbe doch tatsächlich noch einen zweiten Kandidaten.

Keine Angst, Frau Schavan ist nicht zur Salzsäule erstarrt, das ist sie schon, seitdem sie ihren Fuss in die Politik gesetzt hat.

Die Österreicher hatten in ihrer letzten Regierung eine Frau Gehrer als Bildungsministerin. Deren Spitzname war "Strickliesl", weil sie ausser brav ja sagen und konservativ sein so ziemlich überhaupt keine Ahnung hatte.

Im Vergleich zur Stille der Frau Schavan kann man diese Frau Gehrer schon fast als vorbildliche konservative Bildungspolitikern bezeichnen.

Also inkl. der Bestrebungen, Bildung für alle unmöglich zu machen, Studiengebühren einzuführen und möglichst viel Geld in "Elitenförderung" und -Hochschulen umzuleiten.

Frau Schavan wiederum lässt sich das alles nur gehorsam vorgeben. Stillschweigend.

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

Ja, Frau Schavan ist die ideale Ministerdarstellerin in unserer Lobbykratie.
Sie wird niemals durch eigenes Handeln die bestehenden Strukturen und ihre traditionell davon Profitierenden gefährden.

Und was ihre berühmten 15 Minuten betrifft:
Ist dir aufgefallen wie vorbildlich ich ausgeklammert habe mit welcher Argumentation sie der braune Oetti damals von der Macht ferngehalten hat?
OK, eine ganz kleine Anspielung war in meinem Text - aber das mußte man nicht verstehen…

Vielleicht ist hierin allerdings auch ein Grund für ihre totale Starre zu sehen.
Eine Pfründedenkerin wie sie ist froh so ein Ministeramt zu haben und möchte sich nun nicht weiter exponieren.
Es könnten ja mal wieder Gerüchte aufkommen…

LGT

Anonym hat gesagt…

Nun, von allen Laiendarstellern in hohen politischen Ämtern gibt es einen, der sogar die Frau Schavan in den Schatten stellt!

Das Bundespräservativ.

Ein Besenstiel mit dem IWF-Logo drauf würde wohl mehr sagen, wie dieser Herr in einem ganzen Jahr.

Ich warte immer auf eine Aufnahme von der Seite, wo man den grossen Schlüssel in seinem Rücken sieht, mit dem er aufgezogen wird.

Die Frau Schavan ist im Gegenzug dazu nur ein Produkt ihrer christlich-konservativen Erziehung.

Und Frau Merkel wäre es im Westen wohl ganz genauso ergangen!

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

Gerade habe ich zufällig die Phoenix-Runde von gestern gesehen:

"Spenden, sponsern, spitzeln - Skandalrepublik Deutschland?"
Michael Hirz diskutiert mit Ulrich Wickert, Autor und Publizist und Hans-Ulrich Jörges, Mitglied Chefredaktion "stern"



Gibt es noch im www, wenn Du mal draufgucken willst:


http://www.phoenix.de/sixcms/detail.php?id=291802&template=d_ph_videostream_popup&format=4&transfer=2

Die meinten, daß Deutschland durch und durch korrupt wäre - eine echte Bananenrepublik.
Wickert hat sich besonders darüber aufgeregt, daß sich die Ministerien alle sponsern lassen müßten - also ob Deutschland zu arm wäre, den Betrieb der Regierung ohne Lobbyisten aufrecht zu erhalten.
Ausdrücklich ist er über Köhler hergezogen, daß es eine schade sei, daß der Bundespräsident noch nicht mal ein Gartenfest abhalten kann, ohne dafür von der Industrie - seinen alten Bankkumpel zum Beispiel - bezahlt zu werden.

Bundeswitzrepublik Deutschland

LGT