TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Mittwoch, 3. Februar 2010

100 Tage um, der Lack ab, willkommen im Wahnsinn.

Was soll ich, der ich seit Jahren Westerwelle und Merkel aufs Schärfste kritisiere und eine schwarzgelbe Regierungsübernahme in düstersten Farben ausmalte, nun zum 100-Tage-Jubiläum angesichts der realen Irrsinnsperformance noch schreiben?
Ist nicht alles gesagt?
Bestechlichkeit, Klientelbedienung, Bananenrepublik, Voodoo-economics, steuerpolitischer Amoklauf - all die ganz groben Verbalhammer, die man eigentlich nur am Stammtisch nach den ersten sechs Bieren erwartet - sind bei der Beschreibung von Schwarz-Gelb zur alltäglichen Journalistensprache geworden.

Insbesondere der Mövenpick-Parteichef („Es ist Deutschland hier!“) verstand es sich binnen kurzer Zeit lächerlich zu machen.

"Wir wollen eine geistig-politische Wende."
Außenminister Guido Westerwelle am Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart über Pläne der Regierung für die Zukunft Deutschlands.

"Ich bin hier nicht als Tourist in kurzen Hosen unterwegs, sondern als Außenminister.
Und was ich hier sage, das zählt."
Außenminister Guido Westerwelle bei seinem Arbeitsbesuch in der Türkei am 7. Januar 2010.

Auf Kritik reagiert der außenpolitische Laie derart hysterisch, daß eine gemütliche Andrea Nahles mit einiger Berechtigung ob seiner Brunnenvergifter-Attacke (gegen Gabriel) dem AA-Chef seine Eignung pauschal absprach:

«Ist ein Mann, der sich so im Ton vergreift, seinem Amt gewachsen? Kann jemand, der so schnell die Nerven verliert, Deutschland auf dem diplomatischen Parkett vertreten?» Hier sei «schleunigst eine Entschuldigung fällig«.

Die Urteile der seriösen Presse sind unisono vernichtend.

[Die FDP] ist damit bislang überfordert. Sie bedient den Verdacht auf Klientelpolitik vortrefflich. Damit verspielt sie nachhaltig die Chance, sich über ihre Stammklientel hinaus zu etablieren.
FR

"Die FDP hat es in hundert Tagen fertig gebracht, die alten Vorurteile gegen sie wiederzubeleben. Westerwelle (...) reagiert mimosenhaft.
Süddeutsche Zeitung

"Die können das nicht. Die sind nicht regierungsfähig. Mit denen hat sich Angela Merkel eine unberechenbare Chaostruppe ins Kabinett geholt. Der kleine Koalitionspartner ist mit sich nicht im Reinen und macht nach der Wahl fast alles anders, als vor der Wahl angekündigt. (...) Angela Merkel regiert mit Leuten, die in der politischen Pubertät stecken.
Berliner Zeitung

Angie, Horst und Guido im Nebel Was haben wir Bürger denn da zusammengewählt? Nach 100 Tagen ist klar: kein Profil, keine Führung, und das mitten in der Krise. Gute Nacht!
(Stern)

Sogar auf der ganz rechten Seite des Politspektrums, bei den klerikal konservativen Schreiberlingen von „FreieWelt.net“ schlackern die Autoren nur noch mit den Ohren.
Albrecht Prinz von Croy schreibt dort:

Kann man schlechter regiert werden? Es ist unfassbar: wir hatten die goldene Zitrone für die schlechtesten hundert Tage ein für allemal an Gerhard Schröder und Joschka Fischer vergeben. Deren Start in das Abenteuer rot-grün war ja nun wahrlich denkwürdig unterirdisch. Und nun unterbietet die Dame Kanzlerin und der Herr Außenminister diese seltene Leistung auch noch. […] Die Art und Weise, wie der Bürger, der Souverän vorgeführt wird, ist an Schamlosigkeit und Chuzpe nicht zu überbieten. […] Das Maß an Heuchelei ist erschütternd! Nein, ich lege mich fest: schlechter kann man nicht regiert werden. Offenbar herrscht das Prinzip Sonthofen des großen FJS: es muss alles erst noch schlechter werden, bevor es besser wird! Herr Schröder, rücken Sie goldene Zitrone wieder raus!

Angesichts dieser selten Einmütigkeit, die Angela Merkel mit ihrer grottigen Performance unter der gesamten Journaille hergestellt hat, werde ich mich heute eigener Formulierungen enthalten.

Eine Frage stellte sich mir aber, als ich heute über folgende Meldung stolperte.

Die Krankheiten von Mitarbeitern sorgten letztes Jahr für rund 75 Milliarden „Verlust an Bruttowertschöpfung“. Dabei ist eine rasante Zunahme der psychischen Erkrankungen zu verzeichnen.
Der Anteil der psychisch bedingten Fehlzeiten bei Berufstätigen in den letzten zwei Jahren stiegt um 20 Prozent an.
Den größten Prozentsatz Geisteskranker hat das Bundesland Hamburg (Eine Tatsache, die ich nach meinem heutigen Großeinkaufstag sofort bestätige!).
Seelische Erkrankungen führen immer häufiger zur kompletten Arbeitsunfähigkeit.
Jeder dritte anerkannte Frührentner muss den Job wegen Seelenleids quittieren.

Ob da nicht ein Zusammenhang mit der Regierung besteht?

Die zitierten Zahlen gelten für 2009 und es ist nur zu verständlich, daß hohe Prozentsätze der Deutschen psychisch krank sein müssen, wenn allein die Mövenpick-Partei auf fast 15% kam.
Wie wird sich aber die Schwarz-gelbe Regierungsrealität auf den psychischen Zustand der Gesamtbevölkerung auswirken?

Mir schwant da nichts Gutes.

Ich rechne damit, daß Philip Rösler nächstes Jahr statt Schweingrippe-Impfdosen für mehrere Milliarden Euro Trevilor, Cipralex, Risperdal, Zyprexa, Tavor und ähnliche Psychopharmaka horten wird.
Schon heute werden von den Toppräparaten in Deutschland jeweils über eine Million Packungen pro Jahr verschrieben.
Für die Pharmaindustrie ist da sicherlich noch einiges drin, wenn Merkel, Westerwelle und Co so weiter machen.



Mehr Zitate:
"Dieser Koalitionsvertrag kommt mir vor wie der Fehldruck eines Romans. Immer wenn es spannend wird, fehlt eine Seite."
Wolfgang Jüttner, Fraktionschef der SPD im niedersächsischen Landtag, am 28. Oktober zu den Vereinbarungen von FDP und Union.

"Das ist ein Klientel-Bedienungsgesetz und kein Wachstumsbeschleunigungsgesetz."
Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, am 10. November über die Pläne der Bundesregierung.

"Sind wir wieder zurück in der Bimbesrepublik?"
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier spielt auf einen von Altkanzler Helmut Kohl geprägten Begriff an. Bei der Generaldebatte am 20. Januar kritisiert er so die Finanzpolitik der Regierung.

"Dieser Haushalt drückt eines aus: Nicht Wort gehalten, sondern Hand aufgehalten."
Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, bei der Generaldebatte am 20. Januar zu den bisherigen Leistungen der Bundesregierung.

"Wenn es nicht gelingen kann, ein vernünftiges Gesundheitsversicherungssystem auf den Weg zu bringen, dann will mich keiner mehr als Gesundheitsminister haben."
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in der Talksendung Beckmann am 1. Februar 2010.

Kommentare:

jakebaby hat gesagt…

6 Bier?!! ... Danke,
Jetzt weis ich wenigstens, warum ich nur schreibe wenn ich besoffen bin.

Jetzt koennen ja gerade dich, als Abgehaerteten, komische Auesserungen von komischen Menschen kaum mehr bewegen.

Nichts desto Trotz hat der Guido heute folgendes gesagt:
"Ich lege nicht nur auf Rechtsstaatlichkeit Wert, ......" http://www.welt.de/politik/ausland/article6240383/Westerwelle-sorgt-sich-um-Beziehung-zur-Schweiz.html

Waer ja auch bitter, wenn herauskaeme, dass ein Grossteil der GeheimkontenInhaber auch ein gelbes Parteibuch besitzen.

Nach, fuer Guido schockierend, Merkels Vorstoss, kann man davon ausgehen, dass Merkel nicht in der Schweiz anlegt.

Schau dir nur mal ihr kaymanisches Grinsen an. :-)

Gruss
Jake

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Oha - DAS Photo auf dem von Dir verlinkten Welt-Artikel führt ja schon zur Gehirnerweichung, BEVOR mal liest was Gaga-Guido überhaupt sagt.
Wie kann man nur soooooooooooo häßlich sein?

Aber davon mal abgesehen.
Sehr lustig ja auch Guidos Spruch:

Dazu gehöre auch, „dass wir alles tun, um Steuerhinterziehung konsequent zu bekämpfen“.

Sagt der Typ, dessen Partei alles tut, um zum Beispiel in Hessen die Steuerfahnder wegzumobben und davon abzuhalten ihre Arbeit zu tun.

Westerwelle tut alles, um Steuerhinterziehung konsequent zu ermöglichen.

Jetzt ist mir wieder schlecht.
;(
T

jakebaby hat gesagt…

Sorry fuer das provozierte Unwohlsein.
Ich wusste das du 'Es magst'.

Was ich unter anderem noch als wesentlich ekelerregender empfinde, da es den Grossteil der Menschen in Deutschland betrifft und treffen wird, ist das Roesler.

Grundsaetzlich gaebe es in meinem Land nicht auch nur einen Grund fuer eine 'Krankenversicherung'.
Dieser Art Versorgung waere grund(ge)saetzlich gewaehrleistet, inklusive ihrer sueffisanten Finanzierung. Nennt sich (soziales) Gesundheitssystem ... Basta!

Was im krass'unmenschlichen Gegensatz dieses Roesler mit
"Gesundheits'versicherung'ssystem" meint, muss wohl kaum mehr erlauetert werden.
Davor dann noch "ein vernuenftiges" zu plazieren, treibt mich schon wieder Richtung Sandsack.

Wo hat man denn die Grundgesetze verbuddelt, die einem vor Verbrechern dieser Art schuetzen sollen.
Die Trennung zwischen Staat/Industrien..etc. ist klar markiert.
Als Was man wohl die jetzige Fusion bezeichnen koennte??

Gruss
Jake

Tammo Oxhoft hat gesagt…

Ich denke ja auch, daß Rösler gewissermaßen „gefährlicher“ ist, weil er an einer wesentlicheren Schaltstelle sitzt.
Bei Westerwelle ist einfach der phänotypische Eindruck so verheerend.
Da mag man sich gar nicht vorstellen, was so hinter den Kulissen gedacht wird, wenn auf höchster internationaler Ebene die Journalisten ausgeschlossen werden und man untereinander Klartext redet.
Da wird Deutschland ja jetzt ein Totalausfall sein; ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß irgendjemand den schrillen Politclown Guido ernst nimmt.

Gar nicht auszumalen, was man wohl unter Top-Außenpolitikern über EU-Aushängeschild Öttinger denkt („Everything hangs together!“ siehe:
http://www.youtube.com/watch?v=MhSUrJiU560 )

Rösler bekommt inzwischen wenigstens auch ordentlich Gegenwind. Sogar die wirklich kopfpauschalophilen Leute von Spon haben sich ein bißchen auf ihn eingeschossen!


http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,675785,00.html

Der Job des Bundesgesundheitsministers - egal in welcher Regierung - ist alles andere als prädestiniert für Glanz und Gloria. An der Kopfpauschale hat sich Angela Merkel im wütenden CDU-Reformjahr 2003 höchstselbst schon einmal die Finger verbrannt, als der damalige Unionsfraktionsvize Horst Seehofer (CSU) auf die Barrikaden ging, am Ende sogar seinen Job im Bundestag hinschmiss. Heute ist Seehofer mächtiger denn je - und Röslers Ideen bezeichnet er als "völligen Nonsens".

LG
T