Mittwoch, 12. Dezember 2007
Heucheln im Besonderen.
Ich sehe da zwei Hauptursachen – zum einen zog ob der rotgrünen Reformen und der erheblich günstigeren Weltkonjunktur die deutsche Wirtschaft wieder an. Nicht sehr verwunderlich, daß sich die untersten Einkommensschichten in Deutschland wesentlich widerwilliger die Parolen vom „Gürtel enger schnallen“ und „Sozialstaatshängematte“ anhören, wenn sich die Meldungen über Rekordgewinne, Rekordumsätze und Rekord-Managergehälter täglich überschlagen.
Der zweite Grund ist paradoxerweise die CDU im Kanzleramt. Frau Merkel agiert eben ohne den allerkleinsten Knorpel Rückgrat und bedient alle Begehrlichkeiten, ganz wie es gerade in den Umfragen günstig erscheint.
Machtworte, Basta, Führung gibt es nicht mehr.
CDU-Mitglieder in den Gewerkschaftsspitzen – wie Manfred Schell – haben dadurch natürlich Oberwasser.
Sozial ist nun wieder populär und es lag ausgerechnet an Sozialdemokraten wie Müntefering die ökonomische Wunschtüte verschlossen zu halten, während die CDU schon alle Wählern das Blaue vom Himmel herunter versprochen hatte.
Besonders populär ist es natürlich auf die Managergehälter einzudreschen – benehmen sie sich doch geradezu tolldreist und schrauben ihre Bezüge in ungeahnte Höhen. Wie man dieser Tage lesen konnte, haben die Vorstände der Staatskonzerne, wie Post, Bahn und Telekom dabei die üppigsten Gehaltssteigerungen erlebt.
Sagenhaft ist aber insbesondere mal wieder die Fähigkeit von den CDU-Großkopferten Köhler und Merkel zu schleimen und lügen.
Köhler, der noch just den Untergang Deutschlands voraus sah, eine Staatskrise* ausmachte, um damit die Verfassung so zu verbiegen, daß er Neuwahlen ansetzen konnte, schimpft auf einmal rohrspatzig gegen Raffkes in den Chefetagen. "Die Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft müssen begreifen, dass ihr Verhalten Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gesellschaft hat." Die Wirtschaft habe die Pflicht, der Entfremdung entgegenzuwirken.
(*dabei ließ sich das nicht mehr regieren können von Rot/Grün nicht im geringsten belegen – rot / grün hatte noch unmittelbar vor der Neuwahlentscheidung Dutzende Gesetze ohne Probleme mit der absoluten Mehrheit der Sitze beschlossen).
Was hat aber schon ein Bundespräsident mit der deutschen Verfassung zu tun? Man weiß es nicht – das scheint ihm verglichen mit seiner Merkel-Loyalität nur marginal zu berühren.
Es muß sich um einen Fall von Leiharbeit handeln – offenbar haben Angie und Horsti mal kurz Lafontaines Redenschreiber ausgeliehen. Denn auf dem CDU-Parteitag in Hannover sprach aus ihr Gysi-pur: Keiner könne ihr erzählen, daß ein Manager das Tausendfache eines Arbeiters verdienen müsse – insbesondere, wenn sie soeben grob versagt hätten. Voller Emphase tönte sie: „Warum wird wer mit Geld überschüttet, der auf ganzer Linie versagt hat???“ Sozial ist schick und man applaudierte gar heftig.
NUR: Wie üblich ist es bei Merkel reine Anbiederei.
Heiße Luft.
Zum einen sind verfassungsrechtlich Gehaltsobergrenzen von Aktiengesellschaften so gut wie nicht durchzusetzen und zum anderen geht Merkel die ihr möglichen Wege eben nicht:
Die staatseigenen Betriebschefs kassieren besonders üppig.
Machbar wäre der Vorschlag der SPD, den ich auch stark befürworte: Wenn sich schon die Nieten in Nadelstreifen gegenseitig dicke Millionenabfindungen zuschanzen, soll das zumindest auf Kosten des Konzerns gehen und nicht auch noch von der Steuer abgesetzt werden – so daß diese Unsummen dann auch noch von der sprichwörtlichen Krankenschwester mit dem wespentaillenenggeschnürten Gürtel aufgebracht werden muß.
Aber hier tut sich nichts. CDU eben: Populistisch dahinplappern, sich in den Umfragen sonnen und letztendlich doch den Arsch nicht hochkriegen und alles liegen lassen.
Man wundert sich, daß Merkel nicht noch nachträglich die Bibel auf den Kopf fällt, auf die sie so schön „so wahr mir Gott helfe“ schwor – hieß es doch keine Woche später nach ihrer Manager-Attacke aus dem Kanzleramt:
«Die Bundeskanzlerin selbst lehnt ausdrücklich gesetzliche Obergrenzen bei Managervergütungen ab», sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Montag. Die Höhe der Bezüge sei allein Sache der Unternehmen und der Aufsichtsräte.
So schafft man es an die Spitze der Umfragen – Merkel ist immer noch der Deutschen liebste Politikerin.
Fragt sich nur WIESO?
Dienstag, 11. Dezember 2007
Heucheln bis der Schleim trieft
Wir sind so enorm fortgeschritten und tolerant, daß man umso lieber beobachtet, wie Merkel bei Mugabe und Putin auf den Busch klopft.
Und die Chinesen erst – 1,3 Milliarden irgendwie kulturlose Unterentwickelte, die nicht recht wissen, was der gemeine Teutone in den ersten Artikeln der Verfassung stehen hat.
Haben die eigentlich überhaupt eine kulturelle Geschichte?
Also WIR Deutschen jedenfalls können ja mit stolz geschwellter Brust, ob unserer Heldentaten in der Vergangenheit umher laufen und sind überhaupt die allerwichtigsten.
Daran sollten die sich auch ausrichten und wenn Peking das nicht will, sind wir eben beleidigt!
Homos finden wir auch ganz toll – daran sollen sich bitte schön auch alle anderen Länder ein Beispiel nehmen – mit Ausnahme von Amerika - dagegen kann Angie nichts sagen, weil ihre Stimme aus dem Inneren von GWB’s Mastdarms immer überhört wird.
Aber sonst sind Lesben und Schwule toll.
Pech haben sie allerdings, wenn sie nicht prominente TV-Größen sind – reich gutaussehend und weiß.
Da gibt es zum Beispiel eine lesbische Iranerin und dort ist die Gesetzeslage recht eindeutig:
§ 110: Die Strafe für homosexuelle Handlungen ist die Todesstrafe. Die Tötungsart steht in Ermessen des religiösen Richters.
§ 111: Der homosexuelle Verkehr wird dann mit dem Tode bestraft, wenn der aktive und der passive Täter mündig und geistig gesund sind und aus freiem Willen gehandelt haben.
§ 129: Die Strafe für die lesbische Liebe sind 100 Peitschenhiebe für jede.
§ 131: Wenn die lesbische Liebe drei Mal wiederholt und jedes Mal mit Peitschenhieben bestraft worden ist, ist die Strafe beim vierten Mal die Todesstrafe.
Aber ist das etwa ein Grund eine lesbische Iranerin nicht abzuschieben?
Das können deutsche Behörden nicht einsehen – die vier Paragraphen sind doch locker auszuhalten, oder?
Und überhaupt – woher solle man schon wissen, daß jemand lesbisch ist?
Bei einer Berliner Kundgebung gegen diese Vorgänge wurde das absurde Vorgehen der Behörden scharf kritisiert, einen Nachweis über die Homosexualität der Asylsuchenden zu erlangen:
Sie riefen die Mutter der Frau im Iran an und fragten sie, ob ihre Tochter lesbisch sei; diese verneinte.
Da auf Homosexualität im Iran die Todesstrafe stehe und zudem auch die Familien Homosexueller gefährdet seien, sei die Antwort nicht weiter verwunderlich.
Die deutschen Behörden aber haben die Antwort der Mutter als Begründung herangezogen, die Iranerin abzuschieben. Ihre Homosexualität sei nicht bewiesen.
Also Abschiebehaft.
Das ist eine Haft ohne daß man ein verbrechen begangen hätte und ohne daß man Rechtsmittel einlegen kann.
Da die Zustände außerordentlich brutal und regelmäßig auch tödlich sind, rücken deutsche Behörden nur sehr zögerlich Zahlen darüber raus.
Nach WSWS-Zahlen von 2003 sieht es wohl ungefähr so aus:
Jährlich werden über 50.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben, die meisten von ihnen per Flugzeug. Jeden Tag werden 130 bis 140 Menschen zur Rückkehr in die Verhältnisse gezwungen, vor denen sie geflohen sind: Bürgerkrieg, ethnische oder sexistische Unterdrückung, politische Verfolgung, fehlende Lebensgrundlagen und -perspektiven. Abschiebungen werden häufig durch BGS-Beamte oder private Sicherheitsdienste begleitet, die auch bereit sind, Gewalt anzuwenden. Wer sich wehrt, wird geschlagen, geknebelt und mit Psychopharmaka ruhiggespritzt. Dabei sind bereits mehrere Menschen getötet worden. Die Täter und die zuständigen Behörden wurden bisher nicht belangt, das Abschiebesystem nicht in Frage gestellt. Die toten und misshandelten Flüchtlinge und Migranten sind bewusst in Kauf genommene Opfer einer brutalen Abschiebepraxis. Seit 1993 haben sich 99 Menschen angesichts ihrer drohendenAbschiebung aus Deutschland das Leben genommen oder starben beidem Versuch, vor der Abschiebung zu fliehen, davon 45 in Abschiebehaft.
Die Gründe, weswegen eine Mensch in seiner Heimat verfolgt wird, sind sehr unterschiedlich. In jedem Fall aber gehen die deutschen Behörden immer ablehnend vor und denken nicht in erster Linie an das Wohl der Betroffenen.
Terre des Hommes lenkt den Blick auf die besonders grausamen Schicksale der Kindersoldaten:
Mindestens 500 ehemalige Kindersoldaten leben Schätzungen zufolge derzeit in Deutschland. Sie müssen komplizierte und belastende Asylverfahren durchlaufen. Kinderspezifische Fluchtgründe wie Zwangsrekrutierung, Missbrauch oder die Ermordung der Eltern spielen dabei asylrechtlich keine Rolle. „Der Umgang mit ehemaligen Kindersoldaten in Deutschland ist unmenschlich und völkerrechtswidrig. Obwohl sie schlimmste körperliche und seelische Verletzungen erlitten haben, werden sie bis auf wenige Ausnahmen nicht als politische Flüchtlinge anerkannt und leben in Deutschland nur mit einer Duldung – einer ausgesetzten Abschiebung“, erklärte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte bei terre des hommes.
Aber egal – so sieht das eben im konkreten Fall aus und das interessiert nicht.
Die sollen alle weg und da überbieten sich die Unions-Innenminister gegenseitig mit Scharfmachersprüchen.
Köhler, auch so ein CDU’ler, der gerne schöne Sonntagsreden hält, fand nun, daß es schön wäre sich im Glanz von Christel Seiler zu sonnen.
Die 70-Jährige Hamburgerin ist seit 20 Jahren aktiv in der Flüchtlingshilfe und kümmert sich um genau solche Menschen, auf denen der Staat mit den Füßen trampelt.
Köhler als oberster Repräsentant des Staates verlieh ihr nun das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Frau Seiler tat das einzig richtige – sie gab ihm einen Korb!
"Gesetze wurden immer weiter verschärft, die EU schottet sich immer mehr gegen Flüchtlinge ab. Die soziale Ungerechtigkeit wird immer schlimmer. Menschen verschwinden von einem Tag auf den anderen, weil sie abgeschoben wurden." Sie könne das nicht mit ansehen und dann in Berlin auf ein Podest steigen und sich über eine Ehrung derer freuen, die diese Situation mitverschuldet haben.
OB es Köhler gestört hat, daß inmitten allen Prunkes am Wochenende Christel Seiler im Schloss Bellvue fehlte, ist nicht bekannt.
Montag, 10. Dezember 2007
Deutschland, Deutschland....
Nachtaktiv ist nur die beige Mercedes-Flotte mit den penetrant leuchtenden gelben Schildern auf dem Dach – selbst die blenden jetzt. Es ist, als ob in einer Parallelwelt eine andere Spezies herrschen würde.
Ich geselle mich zu ihnen, da meine halbe Mischpoke ausfliegt – direkt an das andere Ende der Welt, möglichst weit weg von der deutschen allweihnachtlichen materialistischen Materialschlacht.
Die kleinen Kinder scheinen schon in der neuen – also nicht meinen – Zeitzone angekommen zu sein und sind auf morbide Art aufgekratzt und tatendurstig.
Daß ein 26-Stundenflug ansteht, erfassen sie noch nicht in Gänze.
Der nunmehr mit atmenden Warmblütern bewohnte Familien-Van beschlägt jetzt auch von innen; mein innerliches Ächzen verbündet sich heimlich mit dem Stöhnen des Motors – doppelblind geht es weiter durch die Nacht.
Hamburg-Airport; die Terminals sind jedes Mal anders anzufahren, der Moloch lebt und erbaut sich wie eine Amöbe ständig neue Wucherungen, die inzwischen derart ausgeufert sind, daß man immerhin durch das Dunkel direkt delegiert wird – Parkplätze vor den großen Einlassdrehschleusen, die Gepäckstücke, Mann und Maus wie gigantische Turbinen ansaugen.
In der Abflughalle dämpft die enorme Höhe jedes Geräusch – die Schallwellen haben so viel Auslauf, daß sich kaum noch eine an mein Innenohr verirrt. Ich betrete die Trancewelt.
Wie paradox – nun sind wir inmitten von Menschen, aber das Plappern ist ganz sanft und abgepuffert.
Diese Menschen sind undeutsch – so die Lieblingsvokabel einer EX-Freundin, die mich so titulierte, als wir 1999 um Kochs Antiausländerkampagne stritten.
Ich habe auch keinen deutschen Pass – fühle mich aber deutsch. SIE fand mich hingegen „undeutsch“; ein Wort, das ich nie recht begriff.
Aber hier im Terminal 2 am First-Class-Check-in ist es tatsächlich undeutsch und selbst die Durchsagen, die anderenorts dazu führten, daß ich Pipe-down beitreten musste, klingen hier angenehm säuselnd.
Ich fühle mich wie in der Zukunft: GATTACA-artig lullen mich unglaublich sanfte bemüht menschliche Computerstimmen ein. Was bei Orwell als Grauen prognostiziert wurde, manifestiert sich hier seelenstreichelnd: Nachts auf dem Flughafen ist es wie in Abrahams Schoß.
Menschlich bin ich aber immer noch – wie mir mein immer lauter knurrender Magen verrät. Welch unangebrachte Ruhestörung der primitiven biologischen Art! Ich beame mich im Geiste nach unten zum Ankunftterminal – dort gibt es für die wartenden Verlorenen Nahrung.
Immer stärker wird der Sog nach unten; ich male mir ein frisches mit Salat und Tomaten belegtes Käse-Baguette aus wie reinstes Manna.
Leider sind die Damen am Check-Counter nicht die flottesten und es dauert und dauert.
So viele Kinder, Karren, Koffer, Knäule von Bettdecken und Taschen sind zu verstauen und durch diverse Nationen zu buchen, daß der Überblick schwer zu behalten ist. Erst um 6.45 Uhr ist es endlich geschafft und eigenartig abrupt werde ich aus dem Familienmodus in den Hungermodus geschleudert.
Ein kurzer Wink und ich verschwinde durch die immer mehr anschwellenden Körperströme gen Ausgang.
Die Durchsagestimmen werden schriller, die Menschen hässlicher, die Töne schärfer. Begleitet von einem gewaltigen Entgegenknurren meines Magens schlüpfe ich in einen futuristischen Glaskubus, der mich in die Unterwelt hinabsenkt.
Ich drücke Knöpfe, rüttele und springe aus dem Lift, laufe zum Bistrostand.
Und dort liegen sie – die Manifestationen meiner Träume: Knackige Baguettebrötchen in allen Variationen, Ich sehe Romanablätter, Endivien und Rucula-Blätter.
Nach fast drei Stunden in einer schwebenden Langsamkeit werde ich rasend hungrig – ungeduldig.
Der Typ, der hinter der Theke steht, guckt mich gelangweilt an, trinkt einen Kaffee. Er ist nur eine ausgestreckte Armlänge entfernt – dazwischen ungreifbar eingeglast die Objekte meiner Begierde.
Ich lasse meine Contenance fallen und spreche ihn an . ...“darf ich bitte ein.....“ Er reagiert nicht.
Vielleicht trägt er Innenohrkopfhörer und ist zufällig blind?
Ich drängele, mein Magen rebelliert geradezu und klopfe auf den Tresen.
Er guckt mich wieder an – zeigt mir seine Uhr – 6.53 Uhr.
„IN ZEHN MIUTEN“ Aha.
Kein Verkauf vor 7.00 Uhr. So ist das nun mal hier.
Ich solle in zehn Minuten wieder kommen.
ZEHN Minuten?
Hat der eine Ahnung, wie lange das für einen Verhungernden ist?
Zu lange – und ich weiß ich bin in Deutschland – das einzige westliche Land, das sich konsequent dem Servicegedanken widersetzt.
Zehn Minuten kann ich nicht mehr warten und entkomme der Szenerie mit einem Sprung hinaus in die Nacht.
Hungrig.
Sonntag, 9. Dezember 2007
Ist der Ruf erst ruiniert....
Es wundert sich kaum jemand in der Welt noch über die neusten Washingtoner Kapriolen – etwa daß the shrub im großen Stil über das angebliche iranische Atomwaffenprogramm log oder daß jetzt plötzlich die Folter-Videos der amerikanischen Geheimdienste alle verschwunden sind und Bush davon auch mal wieder nicht gewusst haben will.
Bei Koch ist es ganz ähnlich – so las ich heute in der Boulevardpresse (Mopo) wie selbstverständlich die Sätze „dass der Politiker keine Skrupel kennt, hat er in der Vergangenheit bewiesen“, daß er gewählt wurde, gelang mit einer unappetitlichen Kampagne“ und „diesmal versucht Koch das Ruder mit Bestechung herum zu reißen“
(Nebenbei bemerkt liebe MOPO, so besonders gut recherchiert ist der Artikel nicht – Ihr schiebt Roland die „Kinder statt Inder“-Kampagne in die Schuhe. Das hat aber Rüttgers in NRW plakatiert und erfunden. Koch 1999 startete die noch ekeligere „Wo kann man hier gegen Ausländer unterschreiben?“ – Unterschriftenaktion mit massiver Unterstützung der neuen CDU-Generalsekretärin Angela Merkel. Aber die HHMoPo ist eben auch Boulevard.)
Mit „Bestechung“ ist es aber schon ganz richtig – so wurde erstmals in der Geschichte Hessens noch unmittelbar vor der Wahl noch schnell 50.000 Landesangestellten per Gesetz eine Gehaltserhöhung um 2,4 % ermöglicht und zudem eine fette Einmalzahlung offeriert.
Mit dem Griff in die Kasse kennt er sich ja aus – so wie er auch schon zu den letzten Kommunalwahlen die konkurrierenden Freien Wählergruppen mit dicken Schecks aus der Landeskasse zum Kandidaturrückzug bewegen wollte.
Obwohl laut SPD-Informationen die Arbeitslosigkeit in Hessen sich schlechter als in allen anderen Bundesländern entwickelte – allein in den letzten vier Jahren gingen 49.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren. Im Landesdienst vernichtete Koch 11.000 Stellen – warnt Koch doch tatsächlich vor der kommunistischen Gefahr.
Auch die Süddeutsche ist über diese Absurditäten des Hässlichsten aller hessischen Hackfressen auch nicht verblüfft und betitelt den entsprechenden Artikel mit „Koch setzt auf die alten Feindbilder“
Die Kochsche Politagenda reise „Munter durch Schreckensbilder“
Die Pressekonferenz vom Freitag dürfte, erst recht nach dieser Umfrage, nur ein milder Vorgeschmack auf das gewesen sein, was kommt: Die Roten wollen an den Stützen der Wirtschaft herumsägen, Arbeitsplätze vernichten und uns allen den Strom abdrehen, weil sie ja gegen Atomkraftwerke sind. Das wird so lange gehen, bis auch der letzte halbwegs bürgerlich Gesinnte begriffen hat, dass er mit seiner Stimme helfen muss, den real drohenden Sozialismus zu verhindern - zumal hessische Landtagswahlen stets knapp ausgehen und die absolute Mehrheit Kochs eine absolute Ausnahme war.
Meine Fragen sind aber wie immer nur die:
Liebe Hessenwähler – wieso habt Ihr so einen Typ schon zwei mal gewählt?
Wieso ist die CDU immer noch in Umfragen deutlich vor der SPD?
Wieso findet Ihr es sinnig die SPD zu schwächen und Koch zu stärken, indem Ihr die Linke wählen wollt?
Täten es die Grünen nicht auch, wenn Ihr schon nicht für die Sozen stimmen wollt?
Und wie zu Henker kann es angehen, daß in der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen heraus kommt, daß 45 Prozent lieber Koch als Regierungschef sähen und nur 32 Prozent sich Ypsilanti in der Staatskanzlei wünschen?
Samstag, 8. Dezember 2007
Idiosynkratie
Diesen Vorgang schildert heute Bernd Graff in einem flammenden Plädoyer wider das Internet 2.0.
Das Internet verkäme zu einem Debattierclub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten.
Duplizität der Fälle – genau der Gedanke trieb mich auch die letzten Tage um. Da hatte ich mich doch endlich geistig von meinem Kreuznet-Abenteuer abgenabelt und mir fest vorgenommen nie wieder bei solchen extrem bornierten Ultrarechten meine Energie zu verschwenden, da diese im eigenen Saft schmorenden anaeroben Fanatiker eine bemerkenswerte Fähigkeit haben sich von der Realität abzukoppeln. Deren hochselektive und geradezu invers verzerrte Wahrnehmung ist komplett wirklichkeitsabweisend. Manche theologische Dinge sind bekanntlich nicht mathematisch exakt zu beschreiben, aber Randbemerkungen, wie zum Beispiel die, daß „der Jude“ Friedmann“ im NDR-Rundfunkrat säße und für den Herman-Rausschmiß gesorgt habe, dachte ich leicht richtig stellen zu können. Friedmann hatte damit nun wirklich nichts zu tun, war nie im Rundfunkrat des NDRs.
Offenbar haben Kreuznetler aber alle implantierte Kortexzerrspiegel – so daß alle Informationen über die tatsächliche Zusammensetzung des Rundfunkrats oder der Text des Rundfunkgesetztes nicht synaptisch weiter geleitet werden.
Man könnte also meinen, daß Graff Kreuznet-Protaginisten wie die vernagelten „Bruder Theophil“ oder „Dr Heger“ vor Augen hatte, als er schrieb, daß sie jedes Thema zerfledderten. „Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.“
Der Informationsstand so eines Netzdiskutanten sei miserabel, „ein Wissen ist es oftmals sogar gar nicht. Gemeint ist ja nicht nur die flirrende Suchmaschinenbildung, mit der man seinen Hausarzt demütigt. Gemeint ist auch pures Meinungswissen: Unüberprüfbar, kühn, behauptend, flatterhaft, und vor allem: Anonym in die Welt gesetzt, was Spaßvögeln und aber auch Denunzianten besonders entgegenkommt.“
Wieso mir diese Gräte nun wieder im Hals steckt?
Verdammt, es ist mir schon wieder passiert!
Zwar mache ich immer noch einen Bogen um die stramm rechten Katholiban, aber ich habe nicht dran gedacht, daß die Verhaltensmuster auf der ganz linken Seite identisch sind, als ich mich beim Politblog einmischte.
So viel déjà vu war nie:
Unbelastet von Sachkenntnis und historischem Überblick wird dort mit ergoogelten Schnipseln um sich geworfen und ernsthaft auf Telephonumfragen von FOX-TV verwiesen. Ihre eigene Meinung entwickelt sich daraus umso felsenfester und wird mit „Warste schonmal auf MySpace, FaceBook, MeetUp oder gar auf Ron’s YouTube-Seite?“ unterstrichen.
Mir fällt mein Mathelehrer Herr Einbeck ein, der uns vor vielen Dekaden erklärte, daß eine Gerade ein Kreis mit unendlich großem Radius sei.
Die Strecke zwischen Kreuznet- und Piolitblog-Kommentatoren (ganz rechts und
ganz links) ist offenbar so lang, daß sich der Kreis schon wieder geschlossen hat. Hier wie dort, wird vehement jeder inhaltliche Einwand mit dem Totschlagargument „Mainstreammedien“ niedergemacht.
Akzeptiert werden nur die eigenen hochwillkürlichen und streng selektierten Quellen. Der Maßstab ist stets nur die eigene Nasenspitze.
(„Die deutschen Mainstreamartikel zu Ron Paul die Du zitierst kenn ich. Aber die sind ja das Problem dass viele hier haben. Was da drin steht ist entweder schlecht recherchiert oder direkte Lüge um uns einzulullen.“, „unsere “demokratischen” Propagandamedien ala Spiegel, Focus, ARD, ZDF usw.“)
Bei Graff heißt es dazu:
„Obwohl etablierte Formen der Informationsbildung, zum Beispiel aus Tageszeitungen und Magazinen, als "Mainstream Media" verspottet werden (sie gelten als korrumpiert, hierarchisch, hirngewaschen, langsam und überaltert), obwohl der Schwarmgeist also triumphieren möchte, darf erinnert werden: Es macht immer noch den Unterschied, wer etwas sagt. Und wo er es tut.“
Er verweist dann auf Nicholas Carr. Der Journalist habe versucht, die Professionalität gegen die Me-Volution zu verteidigen: "Die ekstatischen Visionen des Web 2.0 setzen die Hegemonie des Amateurs voraus. Ich kann mir nichts vorstellen, was furchterregender wäre", schreibt er: "Das Internet vermindert unsere Wahlmöglichkeiten, anstatt sie zu erweitern. Die Wikipedia mag neben der Encyclopaedia Britannica verblassen, aber weil sie von Amateuren gemacht wird und nicht von Profis, ist sie gratis. Und gratis siegt stets über Qualität."
Mich hat vor allem beeindruckt, wie sehr sich die diametral entgegen gesetzten politische Pole „links“ und „rechts“ sich aber inzwischen auch inhaltlich gleichen.
Besonders augenfällig ist da der pathologische Hass auf Israel – bei den Kreuznetlern ist der Antisemitismus mitunter so extrem und ungeniert, daß auch Hitler gelobt und KZ’s a posteriori für notwendig erklärt werden.
Es ist ein Antisemitismus der schlimmsten, ideologischsten, eliminatorischsten und menschenverachtendsten Form. Da ist Holocaustleugnung geradezu üblich („So gesehen wären „Mythen“ wie die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, die Erschaffung des Menschen aus Lehm usw. durchaus akzeptabel, keinesfalls aber moderne
Mythen à la „Juden“-„Shoa“/„Holocaust“ (die jeder Erkenntnis unabhängier Wissenschaft widersprechen)…!“)
Auch die regulären Artikel gehen ungeniert vor; so heißt es unter der Überschrift Juden sind Gutmenschen schlechthin
Natürlich sind die Juden völlig unschuldig, immer zu Unrecht verfolgt und grundlos geschlagen worden. Wo aber steckt der Schuldige? Von Leo G. Schüchter.
In den Kommentaren liest man dann vollkommen enthirnten Hass à la „meine Auffassung ist, dass Gott die Juden leiden lässt, damit sie eben darin auch das Leid Jesu nachempfinden und Teil haben am christlichen Mysterium, wenn auch widerwillig und dadurch auch Rechtfertigung erlangen.“
Bolitblogger kommen da politischer daher, aber der Hinweis auf „DIE ISRAELLOBBY“ fehlt in kaum einem Post. Es wird EXAKT wie bei den Kreuznetlern ein umfassender jüdischer Einfluss auf alle politischen Entscheidungsträger einfach voraus gesetzt.
Hinzu kommen aber auch gesellschaftspolitische Extreme, die absolut kongruent sind.
Waffenverliebtheit
Beim Politblog: „habe ich nichts gegen die Waffen. Sie sind einzig für den Fall, dass der Staat die Überhand über mein Leben nimmt.“, „Ist dir klar dass man Amokläufer auch stoppen kann, zum Beispiel wenn die Studenten einfach nachdem der Typ beginnt ihre Waffen aus dem Auto holen und ihn stellen und er sich ergibt?“ „Seit wann muss man alle anderen Formen der Konfliktbeilegung vergessen, nur weil es privaten Waffenbesitz gibt? Befürworter von privatem Waffenbesitz lassen alle Möglichkeiten zur Konflikteindämmung offen, während Waffenverteufeler die Optionen einschränken.“
Etwas drastischer bei Kreuznet: „Wir sollten uns treffen. Ich bring meine Schrotflinte Kaliber 12/20 mit. Das verkürzt die Prozedur (14. Juli 2007 20:19)“
Fremdenfeindlichkeit:
Beim Politblog: Speziell unter den Migranten aus Lateinamerika ist die Geburtenrate bis zu 4x höher als in der Normalbevölkerung, was nichts anderes bedeutet, als das die Bevölkerung in den USA in den nächsten 10 Jahren rasant ansteigen wird. Sollte das Gesetz doch noch durch den Senat kommen würden zusätzlich noch mehrere Dutzend Millionen Leute in die USA gehen! ein Großteil der US-Amerikaner und auch Europäer sich der Brisanz dieser Thematik nicht wirklich bewusst ist. Es häufen sich in letzter Zeit Fälle, wo US-Fahnen von öffentlichen Gebäuden heruntergerissen und durch die mexikanische Fahne ersetzt werden.
Bei Kreuznet schleicht man sich gleich an die NPD:
Wenn die NPD sich gegen die – mit dem wirtschaftlichen Zwang – durchzusetzende Fremdbetreuung von Kleinkindern wendet, sollte das gerade von ausländischen Familien dankbar begrüßt werden. Denn es ist offensichtlich, daß es einer der Zwecke dieser Zwangs-Fremdbetreuung ist, die ausländischen Kinder zwecks besserer „Integration“ aus ihren Familien zu lösen.
Schocking.
Nun ist das Aufstellen von politisch/historischen Vergleichen so eine Sache, die bei näherer Betrachtung nie standhält.
Natürlich ist Kreuznet eine sehr viel schlimmere Angelegenheit, als der Bolitblog, da bei letzterem doch prinzipiell gute Ansichten zu unterstellen sind.
Die lange Erfahrung bei Kreuznet hat mich hingegen gelehrt, daß die Macher dort tatsächlich bösartig sind. Erstaunlich eigentlich, daß man erst bei selbst ernannten strenggläubigen Christen eintauchen muß, um an das Böse an sich zu glauben.
So fundamental unterschiedlich ist es dann doch – aber der Tunnelblick, das Negieren anderer Meinungen, das verdrängen von Realitäten und die hohe Überzeugung, daß nur die eigene Moral richtig ist, gleichen sich.
Zu schade, daß sich die Linke generell - und das hat sich tatsächlich in der Geschichte immer wieder wiederholt – mit solcher Verve gegen Leute aus dem eigenen Umfeld vorgeht, Menschen mit ganz ähnlichen Zielen mit aller Macht bekämpft und mehr auf das Einhalten der eigenen reinen Lehre setzt, statt sich auf den eigentlichen politischen Gegner zu konzentrieren. Da ist die Rechte dann immer wieder der Gewinner, während man sich auf der anderen Seite nur zu gerne selbst zerlegt.
Aufspaltung SPD – USPD – KPD: Gewinner ist Hitler
Nader nimmt Kerry drei Millionen Stimmen: Gewinner ist Bush
Lafo und Gysi hacken an die 10 % aus der SPD raus: Gewinner ist die CDU
Nebenbei bemerkt ist auch die Rechtschreibung in beiden Lagern Stiefkind.
Freitag, 7. Dezember 2007
So’n Pech!
Merkel ist immerhin derzeit (gemeinsam mit Steinmeier) laut dem gestrigen Deutschlandtrend mit 66% Zustimmung Deutschlands beliebteste Politikerin.
Koch dagegen kraucht am anderen Ende der Skala umher, wie der hessische SPD-Generalsekretär heute die Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen kommentiert: Mit einer Bewertung von 0.1 auf der Notenskala von -5 bis +5 erreiche er einen im Bundesvergleich katastrophalen Wert für einen langjährigen Regierungschef. "Koch ist und bleibt der unbeliebteste Ministerpräsident Deutschlands. Andrea Ypsilanti hat schon heute eine bessere Bewertung als Koch", so Schmitt.
Da kommt ja diesmal in der Wiesbadener Unionsküche einiges zusammen:

Koch ist als Multilügner überführt, Angie hat ihm die bundspolitischen Eier abgebissen und dann ist auch noch die landespolitische Leistungsbilanz miserabel.
Die Möglichkeiten alles mit Persönlichkeit, Amtsbonus und Charakter zu überstrahlen dürften ebenso minimal sein – ist Roland doch ganz offenbar der charakterlich verdorbenste Politiker Deutschlands und zudem auch noch mit Sicherheit der hässlichste Ministerpräsident.
Seine ureigene Methode – lügen bis sich die Balken biegen – ist auch irgendwie ermattet, erwiderte Koch doch im Morgenmagazin auf die Präsentation der Zahlen, nach denen die CDU derzeit bei 40 Prozent und die FDP bei 7 Prozent liegen, daß er „wohlgemut sei. (CDU 2003: 48,8 Prozent) Roländchen – das muß aber noch besser werden.
Du vernachlässigst Deine fundamentalsten Axiome, wie z.B.:
"Der beste Lügner ist der, der mit den wenigsten Lügen am längsten auskommt." (Samuel Butler d.J., Der Weg allen Fleisches, 1903, 3).
Lügen sollten schon klarer und knackiger daherkommen: "Die Stärke des Irrtums und der Lüge liegt gerade darin, dass sie ebenso klar sein können wie Wahrheiten, weshalb das Falsche ebenso einleuchtend sein mag wie das Richtige." - Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte. Ein Wörter-Buch für Zeitgenossen
Der Fehler ist der, daß Du Dich für einen geeigneten Ministerpräsidenten hältst und das kriegt man nicht hingebogen: "Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen." - Aristoteles
"Jeder Griff ist erlaubt. Je übler, um so besser. Lügen, Betrug - alles … Ich tat mein Bestes, um auf diesem Wege auch das älteste Ziel unserer psychologischen Kriegführung zu fördern: Deutsche gegen Deutsche aufzuhetzen." - Sefton Delmer, Die Deutschen und ich, Hamburg, 1961, S. 617
Oder bist Du etwa geläutert und willst die Leute à la Neuss sogar zur Wahrheit führen? "Man muss die Leute belügen, damit sie die Wahrheit herausfinden." - Wolfgang Neuss, Der totale Neuss, Hamburg 1997, S. 281
"Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher." - Bertolt Brecht
Donnerstag, 6. Dezember 2007
Unnormal
Daß nun seine Begründung für den Waffengang mal nebenbei von den 16 eigenen Geheimdiensten pulverisiert wurde, wäre unter normalen Umständen auch leicht peinlich für den bekanntesten Menschen der Welt, der von sich selbst sagt seine Eingebungen direkt von Jesus zu bekommen und dessen Mutter ihn „the chosen one“ nennt.
Es ist aber soweit gekommen unter Buch, daß die Weltöffentlichkeit nichts anderes mehr vom leader of the free world, erwartet als stets zu lügen wie gedruckt.
Insbesondere wenn es um Petitessen, wie das Anzetteln von völkerrechtswidrigen Angriffskriegen mit Hunderttausenden Toten geht sind Pinocchio Bushs Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt.
Bush behauptet, er kenne die Einzelheiten des neuen Geheimdienstberichts erst seit vergangener Woche. Geheimdienstkoordinator Mike McConnell habe ihn zwar schon im August darüber informiert, dass es "ein paar neue Informationen" zu Iran gebe.
Naja, warum denn auch?
Spielt der Iran denn überhaupt irgendeine Rolle? Wozu sich mit unnötigen Fakten belasten, wenn man genauso gut den erlesensten Organen der Welt das Blaue vom Himmel runter lügen kann und dennoch die laut time mächtigste Frau der Welt freundlich grinsend auf seiner Farm auftaucht und den Iran-Kurs der USA ausdrücklich unterstützt.
Mit veränderten Vorzeichen wiederholt sich nun eine alte Geschichte – das skeptische Russland behält offenbar Recht mit seinem Iran-Kurs, nur daß Deutschland leider inzwischen eine Lieblingskanzlerin gewählt hat, die wattigweich und wolkig lieber auf Bushs Ranch im 20-Liter saufenden SUV umhercruised, anstatt mal Position zu beziehen.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden sagte, er könne einfach nicht glauben, dass Bush monatelang nichts von der neuen Einschätzung seiner Geheimdienste wusste. "Wollen Sie mir erzählen, dass ein Präsident, der auf Iran fixiert ist, nicht schon mindestens seit August davon wusste? Das kann ich nicht glauben. Falls es wahr wäre, dann hat Bush den inkompetentesten Stab der modernen amerikanischen Geschichte und er selbst wäre einer der inkompetentesten Präsidenten."
Da sich the shrub aber schon längst das Etikett „worst president ever“ redlich verdient hat, mangelt es nun ein wenig an Superlativen, um das Maß an Lügerei und Unfähigkeit verbal zu fassen.
Da könnte man ebenso gut anfangen den Mount Everest mit einem Teelöffel abzutragen. Da halte ich mich schon eher an seine Freunde – wenig genug sind es ja, nachdem nun auch noch die Australier das besonders hartnäckig im US-Präsidentalen Mastdarm festgeankerte Zäpfchen Howard rausgezerrt haben.
Außer Merkel ist da nicht mehr viel.
Also Angie – Du hast ja selbst eine ganze Zeit hinter der Mauer gehockt und vielleicht einiges nicht recht mitbekommen, daher mal ganz kurz in Stichworten wie das so war mit dem Iran und der USA:
Die Grundlagen des iranischen Atomprogramms wurden ausgerechnet mit amerikanischer Hilfe gelegt. 1959 lieferten die USA einen ersten Forschungsreaktor, 1967 eine zweite, leistungsfähigere Anlage. 1975 unterzeichnete US-Außenminister Henry Kissinger ein Memorandum über die amerikanisch-iranische Nuklear-Kooperation. Westdeutsche Konzerne schlossen 1974 ein Abkommen über den Bau des ersten iranischen Atomkraftwerks in Buschehr.
Unterbrochen durch ein paar Kriege, versucht sich nun die iranische Regierung diesbezüglich wieder zu berappeln:
Zweifellos betreibt sie regionale Großmachtpolitik, wofür die besagte Kampfrhetorik ebenso Mittel zum Zweck ist wie die stete Erinnerung an den 54 Jahre zurückliegenden Sturz der gewählten Regierung Mossadegh durch die CIA und die US-Waffenhilfe für Saddam Hussein vor erst 25 Jahren. Und wie die sehr aktuelle Anschauung des gegenwärtigen Chaos im Irak.
Das können die Amis wirklich auf bemerkenswerte Weise:
Selbst die Grundlagen legen für die Scheiße, die dann Jahre späte laut jammernd beklagt wird, wie zum Beispiel auch die Aufrüstung der Taliban.
Das Land, welches selbst am gröbsten in vielerlei Hinsicht gegen den Atomwaffensperrvertrag verstößt, verlangt aber dennoch umso massiver von einigen willkürlich ausgesuchten Staaten sich pingeligst an die Buchstaben zu halten, während andere Staaten, die heimlich sogar schon ganz bestimmt Atomwaffen gebaut haben – Indien, Pakistan und Israel – sogar dazu beglückwünscht werden.
Oder wie im Falle Nordkoreas, trotz des exklusiven Platzes auf der Bush’schen Achse des Bösen nicht in Kriegsplanungen einbezogen werden.
Ach, ich kann es mir einfach nicht verkneifen mal wieder eins meiner Lieblingszitates des shrubs zu bringen:
"See, free nations are peaceful nations. Free nations don't attack each other. Free nations don't develop weapons of mass destruction."
LOL, iimmer wieder zu toll - st doch ein gutes Indiz für die Freiheit des größen Entwicklers von Massenvernichtungswaffen – nämlich der USA!
Bei dem Irren ist also Hopfen und Malz verloren.
Ich schließe mich Karl Grobe an, der zu bedenken gibt:
Dann war der mit dem Eilt-Stempel versehene Plan, in Polen und Tschechien eine Raketenabwehrstellung zu installieren, nicht rational begründbar, sondern ideologisch motiviert. Wobei der ideologische Cocktail - außer dem vorgeschobenen Grund - noch zwei Zutaten hatte: die Absicht, es den Russen mal richtig zu zeigen, und den Wunsch, Europa in böse Alte und gute Neue zu zerlegen. Vielleicht war der Hinweis auf Teheran gar das Mittel zu jenem Zweck. Gleich ob er auf Nichtwissen - am Ende Leichtsinn - beruhte oder wider besseres Wissen erfolgte, also verlogen war.
Der höchst umstrittene Wunsch der USA mal mitten in Europa ordentlich Raketen aufzustellen und Putin bis aufs Blut zu reizen, fiel ja in Angela Merkels Amtszeit als EU und G8-Präsidentin; sie erledigte es nach Kohl’schem Vorbild und ließ das Topic einfach bei allen Versammlungen streichen.
Man redete eben NICHT darüber, so gab es keinen Streit, Angie kam in der Bevölkerung gut an und die Probleme konnten bequem weiter im Untergrund gären, gedeihen und wuchern.
Geradezu potenziert hat es sich inzwischen: Russland ist brüskiert und Bush ist mal wieder als der lügende größenwahnsinnige Vollidiot in Erscheinung getreten.Nur eins wissen wir immer noch nicht – hat Merkel eigentlich irgendeine Meinung zu dem Raketenthema?
Vermutlich ist selbst Merkel nicht so geisteskrank die Aufstellung zu bejahen, denn dafür spricht kein einziges rationales Argument, außer Bösartigkeit und die Russen zu piesacken.

Aber es würde eben auch ein kleines winziges Quäntchen Rückgrat erfordern so eine Entscheidung ihrem Busenfreund GWB zu erklären – und wenn es eines gibt, von dem Merkel vollkommen frei und unbeschwert ist – dann ist es Rückgrat!
Mittwoch, 5. Dezember 2007
Von den Freuden der Selbstständigkeit
Daß es weihnachtet, merkt man vor allem daran, daß der Briefkasten von Bettelbriefen überquillt, die tatsächlich immer noch zu großen Teil von Kirchenorganisationen stammen.
Als ich mich selbstständig machte und auf dem Gewerbeamt die letzten Unterlagen ausfüllte, fragte mich die Dame am Schreibtisch gegenüber, wie denn mein Firmenname lauten solle. Eine Sache, die ich eigenartigerweise noch nicht genau überlegt hatte und mir nebensächlich erschien.
Ich dachte mir aber ad hoc etwas aus, weil ich den Vorgang abschließen wollte und nicht noch einmal zu dem Amt fahren mochte.
Innerhalb weniger Wochen begann es dann, daß ich an eben diesen just meiner Phantasie entsprungenen Namen adressiert Werbebroschüren ohne Ende erhielt. Man ahnt ja gar nicht was es alles gibt! Neben normalen Supermärkten noch die METRO (deren Sinn mir bisher nicht klar geworden ist – der Eintritt dort ist beschränkt, aber dafür sind die Waren deutlich gammeliger als beispielsweise bei Karstadt UND teurer...) und neben OTTO gibt es OTTO-Office, die auch von Keksen über Blaumänner bis zu Kugelschreibern alles anbieten.
Man muß allerdings auch erst mal den Gewerbeschein faxen.
Hier schienen allerdings tatsächlich die Preise ein Stück moderater zu sein, so daß ich gleich ein paar Toner bestellte.
Die Abrechnung war aber ein wenig enttäuschend – denn genau wie die Metro listet OttoOffice die Preise ohne Mehrwertsteuer auf, die dann aber auf der Rechnung doch draufgeschlagen werden.
So’n Toner kostet also 69 € bei Otto. Auch prinzipieller NICHTSMARTSHOPPER fiel mir auf, daß da doch weniger als die 76 € bei Saturn ist, die ich dort zuletzt bezahlte und ließ mich EINMAL IM LEBEN dazu hinreißen aus Preisgründen zuzuschlagen.
69 € + 19 % Merkelsteuer sind dann allerdings am Ende 82,11 Euro - da klingt das Schnäppchen schon nicht mehr ganz so billigheimerisch.
Geschieht mir Recht.
Man soll sich nicht vom Geiz leiten lassen.
(Nicht wahr Herr Dr....? SIE In Berlin wissen schon wer gemeint ist!)
Offenbar bin ich also doof genug mir als Selbstständiger ordentlich Geld abzapfen zu lassen.
Aber – bevor ich jetzt gleich noch zehn Kataloge kriege – es gibt Grenzen!
Die war eindeutig erreicht, als ich auf einem Briefkopf das fromme Haupt von Pater Schalück entdeckte.
Seines Zeichens Misso-Präsident. Auch die Katholiken von heute nutzen also die unergründlichen Datenbörsen, um an die Kohle anderer Leute zu kommen.

Als Leitgedanken geben gibt der Mann mit den tiefen Taschen an:
Als das Internationale Katholische Missionswerk der Kirche in Deutschland sind wir Teil der weltweiten Gemeinschaft der päpstlichen Missionswerke. Wir sind eine Mitgliederbewegung und verwirklichen den missionarischen Grundauftrag der Kirche als Lern-, Gebets- und Solidargemeinschaft: · Wir machen die Vielfalt des christlichen Glaubens in der einen Welt erfahrbar; · wir fördern Kirche als Netzwerk weltkirchlicher Spiritualität; · wir unterstützen partnerschaftlich die Ortskirchen in Afrika, Asien und Ozeanien.
Muß ich das noch kommentieren?
Schlimmer geht’s nimmer!
Nichts ist jemals so anmaßend und schädlich gewesen, wie die Missionare.
Ganze Völker und Kulturen haben sie ausgerottet, krank gemacht und ins Unglück gestürzt. Missionare sind die Ausgeburt der christlichen Anmaßung und der aggressiven Bösartigkeit der Kirche.
Unglaublich, daß es heute noch möglich ist ausgerechnet mit so einer Botschaft zu werben, satt mit gesenktem Haupte und Schande in der Ecke zu stehen und stille zu schweigen.
Sie spekulieren offenbar immer noch darauf, daß man die „Kirche im Kopf“ hat und positiv konnotiert werden.
Statt also zu spenden, rufe ich hiermit alle auf 18,00 Euro für das großartige Buch „Kirche im Kopf“ zu investieren.

Darin legen Carsten Frerk und Michael Schmidt-Salomon dar, wie Begriffe, Komplexe, Redewendungen, die oftmals erst auf den zweiten Blick ihre religiöse Herkunft verraten, in unserer Birne umher spuken.
Das Lexikon erklärt, warum im christlichen Kulturkreis angeblich „alles Gute von oben kommt“, warum insbesondere süddeutsche Artgenossen im Ärger zur „Kreuzigung der Türken“ aufrufen („Kruzitürken!“) und weshalb „Gott immer bei den stärksten Bataillonen ist“ („Heiliges Kanonenrohr!“).
Das Vorwort ist online auf Michael Schmidt-Salomons homepage. Bitte lesen und dann das Buch bestellen!
Achtung! Dieses Lexikon dient der Gehirnwäsche! Doch schrecken Sie nicht gleich zurück! Das böse Wort „Gehirnwäsche“, für viele automatisch mit destruktiver Manipulation oder gar Folter verknüpft, hat seinen schlechten Ruf bei genauerer Betrachtung gar nicht verdient! Denn: Waschen wir uns nicht täglich Arme, Hände, Füße, Gesicht oder Haare? Von Kopf bis Fuß unterziehen wir uns einer gründlichen Reinigung – und ausgerechnet unser wertvollstes Organ (das Gehirn!) soll eine solche Pflege nicht verdient haben?........
Dienstag, 4. Dezember 2007
Super
Zweifellos halte ich auch den hanseatischen Urnenpöbel für wenig blitzbirnig – überschütten sie doch den Faulpelz im Bürgermeisterzimmer mit ihren Sympathien.
Wie auch bei der Merkel können sie ihre Wahlentscheidungen zwar nicht begründen und geben allenfalls ein vage-wolkiges „aber der ist doch so sympathisch“ von sich.
So sehr ich also die Hamburger Wähler für kleinkortexig und unreif halte, so sehr muß ich doch den Verdacht von mir weisen die Stadt insgesamt nicht zu mögen!
Hamburg ist natürlich die schönste Stadt Deutschlands, was sage ich: Die schönste Stadt Europas.... DER WELT!
Nun sind die Geschmäcker der Publikümmer bekanntlich verschieden und es mag nicht viel helfen darauf hin zu weisen, daß ich natürlich den besten Geschmack habe. Um mir aus der Klemme zu helfen, hier mal ein paar Fakten – die geschmacksunabhängig und überprüfbar sind:
- 90,2 % der Hamburger leben gern in der Hansestadt (Umfrage Statistikamt Nord 2006)
- 4,2 Mio Leute leben in der Metropolregion HH (Berlin = 3,4 Mio)
- 2496 Brücken gibt es in Hamburg; das sind mehr als in Amsterdam, London und Venedig zusammen.
- Über 1000 gemeinnützige Stiftungen existieren hier – mehr als in jeder anderen deutschen Stadt
- 30.380 Euro verdient ein Hamburger im Jahr (Bundesschnitt = 25.425 Euro)
- 41.300 Cabrios sind zugelassen. Das entspricht einem Cabrioanteil von 5 %; der höchste Deutschlands
- 3,5 Millionäre kommen auf 100.000 Einwohner. Die höchste Millionärsdichte Deutschlands.
- Von den 55 deutschen Milliardären leben 9 in Hamburg – mehr als in jeder anderen Stadt Deutschlands
- Hamburg hat die höchste Kneipendichte der Welt – statistisch gesehen alle hundert Meter eine.
- Hamburg hat das imposanteste Rathaus: Der Turm ist 110 m hoch, das Gebäude ist 112 m lang, 70 m breit und hat 647 Räume. (Der Buckingham Palace hat 600 Räume)
- Hamburg ist mit 755 qKm so groß wie München, Frankfurt und Düsseldorf zusammen.
- Hamburg hat mit 36 qm pro Person die größte Wohnfläche Europas
- Hamburg ist mit 99 Konsulaten der größte Konsularplatz Europas
- Der Hamburger Friedhof Ohlsdorf ist der größte Friedhof der Welt und gleichzeitig Parkanlage
- Die Bertelsmannstudie ergab, daß Hamburg von allen Bundesländern das erfolgreichste ist – vor Bayern.
- Hamburg hat 400.000 Singlehaushalte – 52 %, Spitzenwert!
- Von den 20 größten Publikumszeitschriften Deutschlands erscheinen 14 in Hamburg.
Sssso!
Montag, 3. Dezember 2007
Gutgutgut
Heute ist nämlich auch Matthias Matussek gegangen worden, der rabiate Kulturchef des SPIEGEL. Der Neokonservative und neonationale Haudegen, der spätestens mit seinem Buch nach ganz rechts gerutscht war und sich zudem auch noch benahm wie die Axt im Walde, entfremdelte sich den SPIEGEL-Mitarbeitern.
Daß er als der meistgehasste Redakteur innerhalb des Blattes galt, amüsierte ihn, aber ohne Papa Stefan A. fehlte ihm wohl doch das Rückgrat, um seinen stramm teutonischen Kurs durchzustehen. Matussek gibt in seinem Buch den Linken und politisch Korrekten Schuld, dass es immer wieder ums Dritte Reich geht, wenn von deutscher Geschichte die Rede ist. Auf Seite 14 schreibt er: „(…) keiner wagte auch nur den Gedanken, dass Hitler ein Freak-Unfall der Deutschen war (…)“.
Politisch verwirrt sind zwar noch andere Redakteure, aber ich erinnere mich mit Schaudern daran, daß er zudem auch noch furchtbar schlecht schreibt.
Ich stimme auch kaum jemals mit Henryk Broder überein – aber seine Beiträge sind immer lesenswert und geistreich. Schon deshalb eine Freude.
Matussek kriegt es aber hin eine ganze Titelstory (wie die über Romy Schneider – eine immerhin interessante Schauspielerin) vollkommen lahm zu verhunzen – das hätte jeder Redakteur des Käseblattes Buxtehude flüssiger geschrieben.
Seine Auftritte im TV sind dementsprechend gewürzt, um seine mangelnden Schreiberfähigkeiten überzukompensieren.
So z.B. im Mai 2006 bei Beckmann, als Matthias Matussek fragte: „Was sollen wir machen: Sollen wir die erste Strophe wieder singen?“
Wenn dem Mann, der mit seinem großkotzig-restaurativen Schlichtnationalismus immer mehr der Realität entschwebt, nicht einer seiner Kumpels von FAZ oder WamS aufnehmen sollte (sein letztes Buch erschien dort in Auszügen), würde ich empfehlen eine Wrestling-Karriere ins Auge zu fassen.
Hatte er doch kurz nach seinem Beckmann-Auftritt im Juni 2006 im Presseclub auch handgreiflich argumentiert und versucht Handelsblatt-Vize-Chef Tichy zu würgen, während er zappelnd und zornend zeterte: „Sie sind ein ganz linker Finger! Sie mache ich fertig! Sie merke ich mir!".
Eine Szene, die der zuständige WDR-Redakteur in einem Parade-Euphemismus zusammen fasste:
"Das war eher eine Frage der Kinderstube. Herr Matussek hat ein sehr hohes Erregungspotential." Künftig werde man mit temperamentvollen Gästen vor der Sendung ein Gespräch über das "erforderliche Mindestmaß an bürgerlichen Umgangsformen" führen, so WDR-Mann Hirz.
Sonntag, 2. Dezember 2007
30 000 Internetpolizisten
Gerade daher erlebt das Internet im mit 1,3 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichsten Land der Erde derzeit einen Boom. Mehr als 160 Millionen Chinesen nutzen das Internet, 19 Prozent davon unterhalten eigene Weblogs. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass damit ein freier Meinungsaustausch gewährleistet ist. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht eines chinesischen Technikers beschreibt unter dem Titel "Eine Reise ins Herz der Internetzensur" die fast schon grotesken Ausmaße der staatlichen Kontrolle.
Daß der Blog einfach abgeschaltet wird, ist da noch eine freundliche Variante. Schlechter erging es:
19 April 2007 - Zhu Yufu, militant démocrate
17 April 2007 - Ablikim Abdiriyim, cyber-dissident
23 December 2005 - Xu Wanping, freelance writer
30 May 2002 - Hu Mingjun, cyber-dissident
12 October 2006 - Zhang Jianhong (Li Hong), writer
17 October 2006 - Chen Shuqing, writer
14 September 2006 - Yang Maodong (Guo Feixiong), lawyer
12 May 2006 - Guo Qizhen, cyber-dissident
10 May 2005 - Ren Zhiyuan, teacher
1 September 2002 - Wang Xiaoning, cyberdissident
25 January 2006 - Li Changqing, journalist for the Fuzhou Daily
23 December 2005 - Yang Tianshui, online journalist
28 May 2005 - Li Jianping , freelance journalist, entrepreneur
29 January 2005 - Zhang Lin, pro-democracy activist
29 December 2004 - Zheng Yichun , poet, professor and freelance writer
2 December 2004 - Liao Yuanhua, former civil servant, member of Falun Gong movement
13 December 2003 - Kong Youping, dissident
13 September 2003 - Huang Jinqiu (Qing Shuijun), former journalist, cyberdissident
8 August 2003 - Li Zhi, civil servant
9 July 2003 - Tao Haidong, dissident
27 March 2003 - Zheng ("Sini"), pupil
November 2003 - Lu Zengqi, executive in a technology company
November 2003 - Chen Shumin, head of a technology firm
November 2003 - Yin Yan
November 2003 - Li Jian
November 2003 - Yan Qiuyan
4 November 2002 - He Depu, dissident
October 2002 - Han Lifa, dissident
5 September 2002 - Liang Changying, teacher, member of Falun Gong movement
1 April 2002 - Li Dawei, dissident
November 2002 - Tan Qiu, former hospital worker
November 2002 - Fang Guokun, railroad worker, member of Falun Gong movement
1 June 2001 - Li Hongmin, dissident
30 April 2001 - Wang Sen, dissident
13 March 2001 - Yang Zili, creator of the website www.lib.126.com
13 March 2001 - Jin Haike, dissident
13 March 2001 - Xu Wei, journalist for the Consumer daily
13 March 2001 - Zhang Honghai, writer
November 2000 - Zhang Yuhui, businessman
October 2000 - Li Yanfang, student
October 2000 - Jiang Yuxia, student
October 2000 - Li Chunyan, student
October 2000 - Huang Kui, student
October 2000 - Ma Yan, student
October 2000 - Lin Yang, student
29 July 2000 - Zhang Haitao, creator of the only China-based Web site on Falun Gong
7 July 1999 - Liu Xianbin
19 June 1999 - Wu Yilong, dissident
19 June 1999 - Mao Qingxiang, journalist
Die sitzen nämlich alle gerade im KNAST, weil wagten, ihre eigene Meinung zu veröffentlichen.
Ob Änschi das auch schon angesprochen hat? Hier ist nämlich mal wieder ihr besonders biegsamer und vollkommen rückgratloser Gummirücken gefragt:
Die Technologie des Filterns, die chinesische Obrigkeit braucht, um das Netz mit 30.000 Online-Schnüfflern zu überwachen wird großzügig aus dem Westen geliefert.
In einem offenen Brief an das Bundeswolkenangela schrieb ROG, daß US-amerikanische Firmen wie Yahoo, Microsoft und Google die chinesische Führung bei den Maßnahmen unterstützten. So habe Yahoo in China bei der Festnahme von mindestens vier Internet-Dissidenten mitgewirkt und stelle, ebenso wie Google, eine zensierte Suchmaschine zur Verfügung. Während Yahoo bereitwillig Daten chinesischer Nutzer an die Behörden weitergab, sollen Techniker des Netzwerkausrüsters zu seiner nach China exportierten Hardware gleich noch die gewünschte Filtertechnologie mitgeliefert haben. Neben der weltberühmten Steinmauer verfügt das asiatische Riesenreich nun über ein informationstechnisches Pendant: die "große Firewall".
Das dürfte doch wohl auch entfernt etwas mit Menschenrechten zu tun haben, oder?
Hier kann man allerdings nicht auf die Hilfe der Bundeskanzlerin zählen – denn wie sollte sich das für die PR-mäßig auszahlen? So ist nicht bekannt, daß sie jemals derartiges bei ihrem Lieblingsfreund GWB dazu gesagt hat.
Wer oder was zensiert wird, macht die OpenNetInitiative öffentlich.
Samstag, 1. Dezember 2007
Die Monats-Impudenz.
Es ist KARIN WOLFF, die creationistische Hessen-Lesbe und Koch-Vizin.
2006 war vermutlich ihr schönstes Jahr, weil die fanatischen hardcore-Christen vom Verband Deutscher Evangelikaler zur „Christin des Jahres“ gekürt wurde, weil sie in Sachen Schöpfungslehre „tapfer für die Meinungsfreiheit gekämpft“ habe. Unlängst bezeichnete Wolff in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die Behandlung der biblischen Schöpfungslehre im Biologie-Unterricht als „modern“.
Bedauerlicherweise wird dies wohl die einzige Auszeichnung des Verbandes an die stellvertretende Ministerpräsidentin Hessen bleiben, da sie sich zwischenzeitlich geoutet hat und Evangelikale hassen nun mal nur ein noch mehr als Realität, Vernunft und die Wahrheit: Homosexuelle!
Arme Karin.
Aber dafür kommt eben von mir zum Ende des Jahres 2007 die Auszeichnung als „Monats-Impudenz“, denn sie als für die Schulen zuständige Ministerin hat sich jetzt an noch eine Uralt-Tradition erinnert, die ebenfalls aus finsteren Zeiten stammt – genau wie die ID-Absurdo-Theorie.
In der Bibel, im zweiten Buch Samuel, kann man lesen, wie der spätere König David reagierte, als er vom Tod König Sauls in der Schlacht am Berg Gilboa erfuhr: Er ließ den Berichtenden kurzerhand von einem seiner Männer erschlagen. Die Überbringer schlechter Nachrichten zu töten war generell eine Zeit lang recht beliebt. Entsprechende Berichte finden sich in der griechischen Antike und auch der Aztekenherrscher Montezuma soll, als ihm das Nahen des Spaniers Cortez gemeldet wurde, die Hinrichtung der Boten angeordnet haben.
Ähnlich erging es just dem sogenannten Mr. Pisa,
Andreas Schleicher.
Als Chef der Abteilung für Indikatoren und Analysen bei der OECD in Paris leitet er die Pisa-Studien und legte sich in den letzten Jahren immer wieder mit deutschen Bildungspolitikern an. Für die 16 deutschen Kultusminister ist Andreas Schleicher ein alter Bekannter - einer, vom den sie nicht gern hören.
Denn wann immer es eine neue PISA-Studie gibt, kommt das gleiche raus:
Deutschland ist am Ende der Skala und ruht sich auf dem ungerechtesten, ineffektivsten Schulsystem aus.
Deutsche Schüler sind einige Jahre hinter den europäischen Nachbran zurück, brauchen dennoch am längsten für die Schule, haben die höchste Abbrecherquote und zudem hängt es in keinem Land der Welt so sehr vom Wohlstand der Eltern ab, welche Chancen das Kind bekommt.
Und nun IGLU – da sieht es doch auf den ersten Blick so aus, als ob Deutschland mal nicht auf dem angestammten Platz Nummer letzt gelandet ist, sondern sich auf dem grandiosen Platz 13 (von 57) gesetzt hat.
Daß deutsche Grundschüler nun doch mal besser abschnitten, als die 9-Jährigen in Rumänien, Montenegro, Mexiko, Indonesien, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Tunesien, Aserbaidschan, Katar und Kirgisien, veranlasste die untätigen Unions-Wuchtbrummen Wolff und Annette Schavan zu orgiastischen Jubelgesängen.
Gar nicht gerne sehen sie die Kommentare der Lehrerverbände, daß man sich auf der Studie nicht ausruhen dürfe, weil diesmal insbesondere Umweltfragen gecheckt wurden, die traditionellerweise in Deutschland viel präsenter sind als in Kirgisien und Kasachstan. Am Mittwochabend betonte Schleicher auf Tagesschau.de, die jüngsten Ergebnisse
bedeuteten keine Verbesserung Deutschlands, weil die Tests von 2003 und 2006 wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht vergleichbar seien.
Das jüngste Testverfahren habe bestimmte Stärken von deutschen Schülern begünstigt Ähnlich äußerte sich auch Matthias Rumpf, Pressesprecher des Berlin Centre der OECD: Aus den neuen Ergebnissen der deutschen Schüler dürfe man nicht den Schluss einer Verbesserung ziehen. "In den vergangenen Jahren wurden Naturwissenschaften nur eingeschränkt abgeprüft", sagte Rumpf.
Grrrrrrrrrr dachte sich da die Wolff’sche und forderte für die CDU-Kultusminister nun mal echte Konsequenzen:
Andreas Schleicher solle zurück treten! Bote weg, Problem gelöst! Vielen Dank Frau Wolff – daß man auch nicht in früher auf den tollen Plan gekommen ist – da hätten wir und ausufernde Feuilletondebatten über die teutonische Verdummung sparen können!
Wolff forderte, Schleicher müsse von seinen Aufgaben bei der OECD entbunden werden. Die Minister seien "grob verärgert" über die Vorabveröffentlichung und die Kommentierung durch Schleicher. Aus ideologischen Gründen könne er es wohl nicht ertragen, wenn Deutschland durch erhebliche pädagogische Reformen besser geworden sei und sich nicht auf das Gleis der Schulstrukturdebatte begeben habe, warf die hessische Kultusministerin Schleicher vor.
Jaja – das ist wirklich wahr.
Keine Satire!
Die Presse reibt sich langsam auch verwundert sie Augen und so schreibt CHRISTIAN FÜLLER:
Verteidigung der Klassenunterschiede - Was in den letzten beiden Tagen mit "Mr. Pisa" geschehen ist, kann einen schon verwundern. Man wusste gar nicht, wie viel Schmutz der feine Lehrerpräsident Josef Kraus in seiner Aktentasche herum trägt, um den Koordinator der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, damit zu bewerfen. Und was die Vizeministerpräsidentin aus Hessen, Karin Wolff, an Unwahrheiten verbreiten kann. Gar kein gutes Vorbild, das die beiden LehrerInnen Kraus und Wolff, da für junge Leute abgeben. Du sollst nicht falsch Zeugnis gegen deinen Nächsten ablegen - das ist eine der wichtigsten abendländischen Regeln. Also, nicht lügen!
Eine Frage Herr Füller:
Den Vorwurf der LÜGE verstehe ich allerdings nicht so recht – denn das ist es doch, was Evangelikale professionell tun – kann man da anderes von der Christin des Jahres 2006 erwarten?
Freitag, 30. November 2007
Deutsche Irrealitäten
Das was die CDU und vor allem die CSU familienpolitisch vorhaben, ist der Vernunft diametral entgegen gesetzt. Es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen dem geringen Prozentsatz berufstätiger Mütter und dem hohen Anteil von Kindern in Armut in Deutschland, sagte OECD-Experte Willem Adema.
Nichts Neues also aus der Richtung – so regiert eben Angie: Hauptsache ihre Umfragen sind gut, da wird eben gerne auch auf das Wohl des Landes geschissen.
Irgendwie muß sie ja als Vierfachquotierte die konservativen Partei-Knochen mit den geriatrischen Ansichten ruhig stellen. Ansonsten müsste sie sich ja auch dezidiert selbst äußern, oder gar von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch machen und das ist noch unwahrscheinlicher, als das in der zugefrorenen Hölle GWB den Papst heiratet und Osama adoptiert.
Das Änschi hält sich strikt an Kohls Maxime „Die Wirklichkeit ist anders als die Realität“.
Man hält sich in der Union verbissen an das traditionelle Familienbild, obwohl just gerade das Statistische Bundesamt mal wieder mit Zahlen aus dem neusten Mikrozensus beeindruckte:
In Deutschland gibt es immer weniger traditionelle Familien, so die Ergebnisse des jüngsten Mikrozensus. Nur noch 39 Prozent der Bevölkerung lebten 2006 in der klassischen Lebensgemeinschaft, sagte Walter Radermacher, Präsident des Statistischen Bundesamts.
Demnach gibt es bloß noch 6,5 Millionen Ehepaare in Deutschland, die mit mindestens einem Kind zusammen leben. In Ostdeutschland leben außer den Singlen noch weitere
42 % der „Familien“ nicht mehr nach dem klassischen „Mutter-Vater-Kinder“-Modell.
Familien sind generell auf dem Rückzug – statt 9,4 Millionen im Jahr 1996 sind es heute nur noch 8,8 Millionen und selbst die haben durchschnittlich nur noch 1,61 Blagen.
(Hamburg ist etwas unterdurchschnittlich mit 1,55 Bägern. Dumm nur, daß davon offensichtlich fast alle auf dem betreuten Kinderspielplatz bei mir gegenüber versammelt sind – man könnte das jedenfalls anhand der Phonstärke annehmen)
Aber WER sagt es der CDU?
Dort ist die Erkenntnis offenbar immer noch nicht angekommen.
Donnerstag, 29. November 2007
Verzögerungen
Nennenswertes hat sie in den vier Jahren nicht vollbracht – aber das Thema interessiert sie ja bis heute nicht.
Am 16. Oktober 1994 wird sie Umweltministerin, verabschiedet eine unumsetzbare Dosenpfandregelung und fängt nach eigenen Angaben an zu heulen, als man im Kabinett nicht ihr Ökosteuerkonzept akzeptiert. Ökosteuer befürwortet sie dennoch genauso hartnäckig und konsequent, wie sie eben diese ablehnt, als Rot/Grün das nach 1998 einführte.
Ab dem November 1998 fragte man sich zwar im dunklen Kämmerchen, ob sie nun nicht doch irgendwelche konzeptionellen Dinge zu sagen hätte.
Aber sie war ja eine FRAU und GESCHIEDEN und AUS DEM OSTEN und EVANGELISCH. Vierfachquote – da braucht man nicht noch intellektuell zu überzeugen. Da auch noch das CDU-interne Schwarzgeldsystem auffliegt und ihr im April 90 der CDU-Vorsitz in den Schoß fällt, erinnert sie sich an Ziehvater Helmut Tumb und sitzt jede Diskussion einfach aus.
Zur Tagespolitik reicht ihr ein einziges Wort: „NJET“.
Ein Njet gibt es von ihr zu allen, was Rot/Grün macht. Seien es Steuersenkungen oder sonstige Wirtschaftsreformen.
Von 1990 bis 2007 hat sie genau drei mal selbstständig eine Meinung geäußert. Das sind also ca alle fünf bis sechs Jahre einmal.
1.) Ökosteuer = gut, aber das selbe Konzept ist abzulehnen, wenn es Rot/Grün einbringt
2.) Irakkrieg und Bush sind ganz prima – da sollten wir mitmachen.
3.) Kopfpauschale, um das Gesundheitssystem möglichst zu verkomplizieren.
Da insbesondere Nr 2 und Nr 3 totale Flopps waren, kann man nun mit einem längeren Intervall des Cortex-Komas der Kanzlerin rechnen.
Außer „Da müssen wir zu einer gemeinsamen Lösungen kommen“ und „es ist wichtig, daß alle an einem Strang ziehen“ kommt wohl nichts mehr.
Da der gemeine Teutone aber intellektuell retardiert ist, sich überwiegend mit BILD und Sat1 begnügt, es ohnehin zu anstrengend findet zu Wahlen zu gehen und sich generell darum bemüht komplett zu verdummen, trug politisch Passivität der Rügener Kanzlerdarstellerin ungeahnte Popularität ein.
Der Urnenpöbel hat geistig abgeschaltet und die Kabarettisten sind resigniert.
Da freut es mich doch schon sehr, daß inzwischen mehr und mehr Kommentatoren der seriösen Presse recht deutliche Worte finden. So zum Beispiel Jens Schneider als Top-Kommentator der heutigen Ausgabe der SZ.
Den unterirdisch desaströsen Auftritt der Merkel in der Bundestagsgeneraldebatte beschönigt er nicht. Derart lahm war es, daß sich Herr Schneider schon fragt:
In welchem Land lebt diese Bundeskanzlerin eigentlich? Nach ihrem trostlosen Auftritt in der Generaldebatte des Bundestags, der wurschtig und inhaltsarm war, muss man sagen: nicht hier - nicht in dem Land, das von ihr endlich regiert werden müsste. Da war weder konkretes Interesse noch gar ein Gefühl zu spüren für die Probleme im Land. Stattdessen präsentierte sich Angela Wolke: eine abgehobene Politikerin, die in die Außenpolitik flieht und selbst dort im Ungefähren bleibt.
Mich wundert zwar, wieso sich nicht längst alle Wähler vor Wut über die Arbeitsverweigerung der Kanzlerin in die Schreibtischplatte beißen, aber auch die Süddeutsche Zeitung sieht man den Rubikon überschritten:
Allmählich unerträglich wird ihre Methode, nichts zu sagen, indem sie nur Fragen stellt. So beklagt Merkel das Schicksal der vernachlässigten Lea-Sophie aus Schwerin, warnt aber, es könne keine schnellen Antworten geben. Nein, schnell müssen die wirklich nicht kommen, aber Antworten müssen es wenigstens sein. Nicht nur hier wäre das die Aufgabe der Kanzlerin.
Statt dessen wird diagnostiziert, daß „Merkels Koalition zermürbt und konzeptionell am Ende“ sei und „von ihr nichts mehr zu erwarten“ wäre.
Dem kann man nicht widersprechen
– RECHT HABT IHR MÜNCHNER.
Mittwoch, 28. November 2007
UUPS! - ET ORBI
Das geht so: Der Dalai Lama ist hierzulande ungeheuer beliebt – beliebter als der Papst und der ist immerhin Deutscher. Da macht es sich doch sehr gut neben diesem heiligen Mann, Friedensnobelpreisträger und Megasympathieträge im heimischen Kanzleramt zu grinsen und das Lob der devoten und kurzatmigen Presse einzuholen.
Ausgerechnet die CDU, die sonst eine Tradition hat sich stets mit den blutigsten Diktatoren besonders gut zu verstehen.
Eine wirklich mutige Tibet-Kennerin wie Ante Vollmer, die seit Dekaden alles dafür tut, um dem Dalai Lama zu helfen, ist daher auch entsetzt.
Sie war schon Expertin und Aktivistin in einer Person, als Angela Merkel noch bräsig und duckmäuserig bei Kohl im Kabinett saß und für die nächsten zehn Jahre keine andere außenpolitische Agenda hatte, als eines Tages schleimspurziehend quer durch den Oval Office in George Bushs Rektum zu kriechen, mit unerbetenen Analysen von Washington aus die rot/grüne Irakkrieg-Ablehnung zu konterkarieren und sich für den Fall eines CDU-Wahlsieges devot dem Willen des Weißen Hauses zu unterwerfen.
Besonnen aber beständig und konsequent fordernd setzte sich hingegen Antje Vollmer für tibetische belange ein.
Die ZEIT schrieb schon vor neun Jahren voller Bewunderung über die Geheimdiplomatie der Bundestagsvizepräsidentin:
Vor ihr war es bislang keinem westlichen Politiker gelungen, die Religionsfrage in Peking derart systematisch zu diskutieren. "Ich suche das Nadelöhr, durch das der Dalai-Lama zurück aus dem Exil in seine Heimat kehren kann", sagt die Theologin.
Merkels Chinapolitik kritisiert die frühere Bundestagsvizepräsidentin hart, da das Brüskieren Chinas das Anliegen Tibets weit zurück geworfen habe.
Ebenso zeigt sich Steinmeier zerknirscht, da der mühsam über Jahre aufgebaute Rechtsstaatsdialog nun stockt.
Helmut Schmidt, ein China-Experte seit Dekaden, gibt ebenfalls zu verstehen, daß die westliche Arroganz für Chinesen schwer erträglich ist:
Wer China vor 30 Jahren erlebt hat und es mit dem heutigen China vergleicht, der wird einen beträchtlichen Zuwachs an Spielräumen, auch an Freiheiten und Rechten des einzelnen Bürgers, beobachten. Zu dieser Entwicklung haben vielerlei Faktoren beigetragen. An der Spitze wohl die ökonomische Öffnung in Richtung auf den Markt, auf privates Eigentum, private Betriebe und Unternehmen und auf das Ausland. Aber eine einmalige »Einführung der Demokratie« wird in China kaum jemals funktionieren, so wenig wie in Russland, im Mittleren Osten, in Ägypten oder in Algerien. Ich weiß nicht, woher einem Deutschen die Vorstellung kommt, dass die ganze Welt an einer Regierungsform genesen soll, die in Deutschland noch nicht einmal 100 Jahre auf dem Buckel hat. Wir tun so, als ob wir schon immer demokratisch gewesen wären. Ich halte jedenfalls das Prinzip der Nichteinmischung für ein fundamentales Prinzip des internationalen Zusammenlebens. Frau Merkel fühlt sich in Moskau bemüßigt zu erklären, dass sie gegen den tschetschenischen Krieg ist, in China hat sie sich über die Menschenrechtslage beschwert. Als ob das irgendetwas ändern würde und als ob die Chinesen ehrfurchtsvoll den Blick senken, weil Frau Merkel, Herr Blair oder Herr Chirac gesagt haben, die Chinesen sollten sich besser an unsere Wertvorstellungen halten. Einmischung ist in meinen Augen von Übel.
Müßig ist es außerdem – gestern bekam dafür eben Sarkozy Aufträge im Wert von 20 Milliarden Euro aus China. Hunderte Jets und zwei Atomkraftwerke bestellte Peking direkt in Frankreich.
Angeschissen ist also der deutsche Export und der chinesisch-tibetische Dialog. China kann es vollkommen egal sein, solange selbst engste Verbündete von Deutschland (wie Paris) fröhlich einspringen.
Wäre Merkel eine einigermaßen gute Politikerin, hätte sie ihre China-Politik wenigstens in der EU abgesprochen. Aber es ist zu vermuten, daß es ihr schlicht wurscht ist. Sie hat ihre netten Bilder bekommen und sonnt sich in guten Umfragewerten. Dafür lässt sie die 20 Milliarden auch gerne Frankreich.
Man kennt das ja.
Verblüffend ist da schon eher, daß B-Sixteen so gar keine Eier in der Hose hat. Dabei hat er doch wohl kaum den Verlust von Rüstungs-Aufträgen zu befürchten. Hier hat mal wieder eine bizarre Rochade statt gefunden.
Hatte sich JP-Two immer wieder mit dem Dalai Lama getroffen, während der tumbe Kohl sogar Tibet besuchte und dort eine chinesische Militärparade beklatschte, knickt nun im Jahr 2007 der bayerische Oberbischof ein und macht den Kotau vor China.
Das Treffen von Papst und Dalai Lama sollte am 13. Dezember stattfinden und wurde nun kleinlaut vom Vatikan wieder abgesagt – man wolle China nicht verärgern.
