Mittwoch, 20. April 2011
Der Christ des Tages - Teil XLIV
Es gibt keine Christen mehr in Norddeutschland.
- Von wegen!
Das Grocery-shopping is ohnehin eine Qual, aber mir geht das im Moment besonders auf die Nerven, weil der große TOOM-Markt, in den ich leider ab und an muß, gerade ein neues Gebäude hochzieht und während der einjährigen Umbauphase so eine Art Notverkauf auf dem Parkdeck stattfindet. Das Angebot ist trotzdem ziemlich üppig; es ist nur alles enger und voller.
Daß die Fleisch- und Fischtheke pausiert, kommt mir natürlich entgegen; der verdammte Pangasius stinkt immer hundert Meter weit. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Leute das Zeug kaufen.
Heute war es natürlich noch voller, weil sich alle für das lange Osterwochenende präparieren. Da werden Schokoladenhasen und gefärbte Eier Zentnerweise abtransportiert.
Als Lactovegetarier wühle ich natürlich besonders ausführlich an den Kühlregalen mit den Milchprodukten rum. Gerade hatte ich mich besonders lang gestreckt, um aus der hintersten Reihe einen Joghurt mit besserem MHD zu fischen, da piekst mich etwas in die Seite.
Ich befürchtete erst, daß es sich um einen Angestellten handelte, der mir erklären würde die Joghurts vorn wären auch noch gut.
(Herrgott - das ist doch das Konzept der SELBSTBEDIENUNG: Der Laden spart Personal, die Kunden machen die Arbeit selbst, aber dafür kann man sich auch aussuchen was man haben möchte)
Aber nein, es war ein blondierter Schopf einer mittelalterlichen Pyknikerin, der ich schon an der obligatorischen Petrus-Fisch-Brosche ansah, aus welcher Richtung der Wind nun wehen würde.
Was denn „heiba“ wäre.
Heiba? Wie meinen?
Die Fischgeschmückte war offensichtlich der deutschen Sprache nicht besonders mächtig. Freundlich, wie ich bin, werde ich dann ganz geduldig und setze ein Lächeln auf.
„Heiba“ oder „eiba“ stellte sich als „heilbar“ heraus und stammte natürlich von dem großen „Religion ist heilbar“-Button auf dem Revers meines Sakkos.
Wie erklärt man nun vor Heuschnupfen triefend mit einem Grieß-Jogurt in der Hand mal eben am Kühlregal einer Portugiesin, die sich hartnäckig als „gute Katholikin“ bezeichnet, daß ich mit „heiba“ nicht meine Unterstützung für’s Religiöse ausdrücken will?
Verdammt. An den anderen Sakkos habe ich meistens nur die drei Verbote-Buttons, mit dem durchgestrichenen Kreuz, dem durchgestrichenen Wort „Merkel“ und dem durchgestrichenen Wort „Papst“. Das ist irgendwie besser zu verstehen.
Scheinbar konnte ich mich aber doch verständlich machen, denn sofort rückte mir die drei Köpfe kleinere Dame mit beiden Zeigefinger Luftlöcher in meine Richtung pieksend auf den Pelz.
Das Universum sei ein „gross engine“ und das müsse ja wohl jemand mit einem Plan kreiert haben. Und im Übrigen solle ich doch endlich mal anerkennen welche Leistung Jesus, den sie sehr liebe (natürlich…) erbracht habe, indem er allen Kindern einen Vater gegeben habe.
Offensichtlich hatte ich da einige Buttons gepusht, denn nun ging die Bibelgeschichte à la Toom-Kühlregal erst richtig los.
Es sei doch in allen Religionen dasselbe - Männer kümmern sich nicht um ihre Kinder und verschwänden einfach. So sei es Maria, die sie auch ganz besonders liebe (hatte ich mir schon gedacht…), schließlich auch gewesen.
Nichtsnutz Joseph habe sich nicht richtig gekümmert und um den armen Jesus, der sich so vaterlos fühlte zu trösten, habe Maria ihm gesagt, Gott sei sein Vater.
Als Erwachsener sei Jesus dann Politiker geworden und habe das Gesetz erlassen, alle Kinder hätten einen Vater - nämlich Gott.
Das Evangelium von der nonkonformistischen Maria als alleinerziehende Mutter kenne ich leider nicht so gut, aber ich konnte es doch nicht lassen ihrem im Zweiminutentakt fallenden Satz „ich bin eine gute Katholikin“ zu widersprechen.
Höflich lächelte ich ihr zu und unterstützte sie in ihrer Interpretationsfreiheit - auch ich bin schließlich der Meinung, daß jeder das glauben kann, was er will.
Mit Joseph Ratzinger, der letztendlich bestimmt wer ein guter Katholik ist, bekäme sie allerdings Probleme.
Die Flexibilität der Religioten ist doch immer wieder beeindruckend:
Einerseits pochte die kajalumrahmte Toom-Agitatorin darauf, ich MÜSSE einsehen, es gäbe eine Gott, denn sonst gäbe s ja auch kein Universum und ich müsse anerkennen welch Großartiges Jesus und Maria geleistet hätten!
Aber andererseits kam auch ein herzliches „ist mir doch ganz egal“, als ich den Katholischen Katechismus oder Ratzinger ins Spiel brachte.
Darauf bohrte sie mir noch energischer ihre beiden Zeigefinger in die Brust - pah Ratzinger.
Sie glaube an Gott und Maria.
Soweit ich es aus meinen verbirkenpollten Augenwinkeln noch erkennen konnte, waren einige der uns umkreisenden Zuschauer ganz entzückt davon, wie es so eine kleine engagierte Christin dem großen bösen Atheisten zeigte.
Denn es ist ja Kar-Woche.
Im Unterschied zu den gläubigen Christen wissen Atheisten besser über die Jesus-Basics Bescheid. Was war am Karfreitag, was an Himmelfahrt, was zu Ostern?
If you are not sure, ask an atheist!
Verblüffend finde ich mit welcher Emsigkeit Fernsehmagazine und Lokalzeitungen zu jedem Pfingstfest und jedem Osterfest erklären, welche Christlichen Ursprünge diese Feiertage haben, obwohl sich die Erkenntnis nie verbreitet.
Was ist Pfingsten? ist die jährliche Standardfrage, die aber hartnäckig 90% der Christlichen Bevölkerung nicht beantworten können.
Irgendwie dringt die Kirche wirklich nicht mehr durch. Die immer wieder als Gastschreiber und Gastredner geladenen Kirchenvertreter, denen Zeitungen und Fernsehsender devot kostbare Sendezeit überlassen, verpuffen völlig wirkungslos.
Damit komme ich endlich zum Christen des Tages No 44. Es handelt sich um Pastor Hinrich C. Westphal, der im gestrigen Hamburger Abendblatt gleich auf Seite 2 erklären durfte, wieso sich die Menschen nach Gott sehnen.
Ebenso erfolgversprechend könnte der Pfaff erklären weswegen ich zwei Köpfe habe und der Schwerkraft trotze.
Eine ordentliche geistige Degeneration, die MSS dem Gottgläubigen attestiert, ist tatsächlich Voraussetzung, um Westphal zu folgen:
Wir verstehen die Ungerechtigkeit der Welt nicht und beklagen die Untätigkeit Gottes. Die Karwoche vor Ostern liefert jedem Antworten.
??? Dreimal nein, Herr Pfarrer.
1.) Die Ungerechtigkeit der Welt verstehe ich sehr gut. Um das zu erklären schreibe ich unter anderem diesen Blog.
2.) Auf die Idee große Schlaglöcher, Malaria oder das Aussterben der sibirischen Tiger mit der Untätigkeit Gottes zu erklären bin ich nie gekommen.
3.) Und ganz bestimmt erwarte ich keine Erkenntnisse von der Karwoche.
So einem Pfaff zahlt man als Steuerzahler die Ausbildung und mit meinem Abla-Abo zahle ich auch noch seine Werbeplattform.
DAS ist eine echte Ungerechtigkeit Gottes - wenn man an ihn glaubt.
Vor das lichthelle Auferstehungsfest hat die christliche Tradition "Karwoche" in unsere Kalender geschrieben, den Namen jener stillen Woche der Klage. Sieben Tage in Moll - muss das heute immer noch sein? Haben wir mit Unfällen und Krankheit, Fukushima und Kriegswirren nicht schon genug zu tragen? Täte uns nicht mehr Leichtigkeit gut? Seien wir realistisch: Das Leben ist kein Rosengarten und kein Streichelzoo. Es kann auch hart, schmerzhaft, bedrohlich und traurig sein. Das alles hat seine Zeit. Darum können wir nicht ganzjährig Weihnachtsbäume schmücken oder Eier bemalen, als nähmen wir die Probleme der Welt nicht zur Kenntnis. Wir können nicht pausenlos shoppen, feiern und Schweres verdrängen, das wäre kurzsichtig und ungesund. Stattdessen ist es sinnvoll und heilsam, sich einmal im Jahr der Leidensgeschichte Jesu zuzuwenden, wie sie in der Karwoche bedacht und begangen wird.
???
Es ist erstaunlich wie weit sich der Hamburger Pastor von der Lebensrealität entfernt hat.
Sieben Tage Moll? Mal abgesehen davon, daß Moll meine bevorzugte Tonart ist, sollte der Pfaff einsehen, daß sich 99 von 100 Menschen in Deutschland nicht aufgrund der Karwoche vorschreiben lassen deprimiert zu sein.
Wie sollte das auch gehen; es weiß ja kaum einer, was „Karwoche“ ist!
Dafür, daß niemand das Leben als „Streichelzoo oder Rosengarten“ missversteht, war die Kirche allerdings in den letzten 2000 Jahren sehr aktiv.
All die von Christen Massakrierten bei Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Missionierung, Inquisition und Judenpogromen haben ebenso wie all die von katholischen Geistlichen missbrauchten Kinder durchaus gelernt, daß das Leben kein Ponyhof ist.
Angesichts all der Todesopfer, die das Christentum verursacht hat, dahin zu plappern es sei „sinnvoll und heilsam“ sich reinzuziehen, wie der Lattenhansel abgemurxt wurde, schlägt allerdings dem Faß den Boden aus.
Offenbar ist an diesem leidenden Jesus, an den Texten und Gesängen von Liebe und Schmerz etwas dran, was viele Menschen im Innersten berührt. Offenbar fasziniert es sie, dass es hier nicht um eine Majestät geht, die in ferner Höhe über uns thront, sondern um einen Menschen, der wie wir leidet und uns zu einem glaubwürdigen Bruder in der Tiefe wird.
In welcher Welt leben Sie eigentlich Herr Pfarrer?
Ich würde Ihnen dringend vorschlagen einen Psychiater aufzusuchen. Offenbar fasziniert die Ostergeschichte eben NICHT, denn sonst würden nicht Europaweit Millionenfach die Menschen aus der Kirche austreten.
Die Christliche Grundkonzeption, daß ein allmächtiger Schöpfer die Menschen so fehlerhaft konstruierte, daß er aus Ärger über seinen eigenen Fauxpas seinen Sohn elendig krepieren ließ und wir uns zur Erinnerung an diesen Akt des Sadismus‘ für ewig den malträtierten und geschundenen Körper als so eine Art frühzeitliche Splatter-Actionfigur angucken sollen, ist doch mehr als fragwürdig.
Der Sohn scheint mir keinen allzu schlechten Deal gemacht zu haben - was macht es schon groß aus am Kreuz zu sterben, wenn man eh danach wiederaufersteht, so als ob nichts gewesen wäre?
Das ist doch ein Schnäppchenpreis für die Sünden der ganzen Welt.
Natürlich kann es sich auf Westphal, wie fast jeder Pfaff, nicht verkneifen auf Kranke und Sterbende hinzuweisen.
Die Texte und Melodien der Karwoche sind etwas, was die Angst und das Leiden vieler Menschen anspricht und auffängt, sie können an Krankenbetten und in Hospizen auch heute aktuell und tröstend sein.
Eine ausgesprochene Frechheit! Was maßt sich dieser Mensch an?
Das erinnert mich immer an die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg, die mit Hilfe Roger Kuschs Selbstmord beging und dann von Bizarra Käßmann verleumdet wurde.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Käßmann im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
Und wem die Karwoche allzu traurig ist, der sollte nicht vergessen: Sie ist der unerlässliche Auftakt für eine nachhaltige Osterfreude. Ostern wird alles anders und das Kreuz zum Siegeszeichen über den Tod.
Das soll Herr Westphal besser nicht den Müttern auf der Kinderkrebsstation erzählen, die über Monate und Jahre ihren Kleinen beim Sterben unter grausamen Schmerzen zusehen müssen.
Siegeszeichen über den Tod - ich glaube es hackt.
- Von wegen!
Das Grocery-shopping is ohnehin eine Qual, aber mir geht das im Moment besonders auf die Nerven, weil der große TOOM-Markt, in den ich leider ab und an muß, gerade ein neues Gebäude hochzieht und während der einjährigen Umbauphase so eine Art Notverkauf auf dem Parkdeck stattfindet. Das Angebot ist trotzdem ziemlich üppig; es ist nur alles enger und voller.
Daß die Fleisch- und Fischtheke pausiert, kommt mir natürlich entgegen; der verdammte Pangasius stinkt immer hundert Meter weit. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Leute das Zeug kaufen.
Heute war es natürlich noch voller, weil sich alle für das lange Osterwochenende präparieren. Da werden Schokoladenhasen und gefärbte Eier Zentnerweise abtransportiert.
Als Lactovegetarier wühle ich natürlich besonders ausführlich an den Kühlregalen mit den Milchprodukten rum. Gerade hatte ich mich besonders lang gestreckt, um aus der hintersten Reihe einen Joghurt mit besserem MHD zu fischen, da piekst mich etwas in die Seite.
Ich befürchtete erst, daß es sich um einen Angestellten handelte, der mir erklären würde die Joghurts vorn wären auch noch gut.
(Herrgott - das ist doch das Konzept der SELBSTBEDIENUNG: Der Laden spart Personal, die Kunden machen die Arbeit selbst, aber dafür kann man sich auch aussuchen was man haben möchte)
Aber nein, es war ein blondierter Schopf einer mittelalterlichen Pyknikerin, der ich schon an der obligatorischen Petrus-Fisch-Brosche ansah, aus welcher Richtung der Wind nun wehen würde.
Was denn „heiba“ wäre.
Heiba? Wie meinen?
Die Fischgeschmückte war offensichtlich der deutschen Sprache nicht besonders mächtig. Freundlich, wie ich bin, werde ich dann ganz geduldig und setze ein Lächeln auf.
„Heiba“ oder „eiba“ stellte sich als „heilbar“ heraus und stammte natürlich von dem großen „Religion ist heilbar“-Button auf dem Revers meines Sakkos.
Wie erklärt man nun vor Heuschnupfen triefend mit einem Grieß-Jogurt in der Hand mal eben am Kühlregal einer Portugiesin, die sich hartnäckig als „gute Katholikin“ bezeichnet, daß ich mit „heiba“ nicht meine Unterstützung für’s Religiöse ausdrücken will?
Verdammt. An den anderen Sakkos habe ich meistens nur die drei Verbote-Buttons, mit dem durchgestrichenen Kreuz, dem durchgestrichenen Wort „Merkel“ und dem durchgestrichenen Wort „Papst“. Das ist irgendwie besser zu verstehen.
Scheinbar konnte ich mich aber doch verständlich machen, denn sofort rückte mir die drei Köpfe kleinere Dame mit beiden Zeigefinger Luftlöcher in meine Richtung pieksend auf den Pelz.
Das Universum sei ein „gross engine“ und das müsse ja wohl jemand mit einem Plan kreiert haben. Und im Übrigen solle ich doch endlich mal anerkennen welche Leistung Jesus, den sie sehr liebe (natürlich…) erbracht habe, indem er allen Kindern einen Vater gegeben habe.
Offensichtlich hatte ich da einige Buttons gepusht, denn nun ging die Bibelgeschichte à la Toom-Kühlregal erst richtig los.
Es sei doch in allen Religionen dasselbe - Männer kümmern sich nicht um ihre Kinder und verschwänden einfach. So sei es Maria, die sie auch ganz besonders liebe (hatte ich mir schon gedacht…), schließlich auch gewesen.
Nichtsnutz Joseph habe sich nicht richtig gekümmert und um den armen Jesus, der sich so vaterlos fühlte zu trösten, habe Maria ihm gesagt, Gott sei sein Vater.
Als Erwachsener sei Jesus dann Politiker geworden und habe das Gesetz erlassen, alle Kinder hätten einen Vater - nämlich Gott.
Das Evangelium von der nonkonformistischen Maria als alleinerziehende Mutter kenne ich leider nicht so gut, aber ich konnte es doch nicht lassen ihrem im Zweiminutentakt fallenden Satz „ich bin eine gute Katholikin“ zu widersprechen.
Höflich lächelte ich ihr zu und unterstützte sie in ihrer Interpretationsfreiheit - auch ich bin schließlich der Meinung, daß jeder das glauben kann, was er will.
Mit Joseph Ratzinger, der letztendlich bestimmt wer ein guter Katholik ist, bekäme sie allerdings Probleme.
Die Flexibilität der Religioten ist doch immer wieder beeindruckend:
Einerseits pochte die kajalumrahmte Toom-Agitatorin darauf, ich MÜSSE einsehen, es gäbe eine Gott, denn sonst gäbe s ja auch kein Universum und ich müsse anerkennen welch Großartiges Jesus und Maria geleistet hätten!
Aber andererseits kam auch ein herzliches „ist mir doch ganz egal“, als ich den Katholischen Katechismus oder Ratzinger ins Spiel brachte.
Darauf bohrte sie mir noch energischer ihre beiden Zeigefinger in die Brust - pah Ratzinger.
Sie glaube an Gott und Maria.
Soweit ich es aus meinen verbirkenpollten Augenwinkeln noch erkennen konnte, waren einige der uns umkreisenden Zuschauer ganz entzückt davon, wie es so eine kleine engagierte Christin dem großen bösen Atheisten zeigte.
Denn es ist ja Kar-Woche.
Im Unterschied zu den gläubigen Christen wissen Atheisten besser über die Jesus-Basics Bescheid. Was war am Karfreitag, was an Himmelfahrt, was zu Ostern?
If you are not sure, ask an atheist!
Verblüffend finde ich mit welcher Emsigkeit Fernsehmagazine und Lokalzeitungen zu jedem Pfingstfest und jedem Osterfest erklären, welche Christlichen Ursprünge diese Feiertage haben, obwohl sich die Erkenntnis nie verbreitet.
Was ist Pfingsten? ist die jährliche Standardfrage, die aber hartnäckig 90% der Christlichen Bevölkerung nicht beantworten können.
Irgendwie dringt die Kirche wirklich nicht mehr durch. Die immer wieder als Gastschreiber und Gastredner geladenen Kirchenvertreter, denen Zeitungen und Fernsehsender devot kostbare Sendezeit überlassen, verpuffen völlig wirkungslos.
Damit komme ich endlich zum Christen des Tages No 44. Es handelt sich um Pastor Hinrich C. Westphal, der im gestrigen Hamburger Abendblatt gleich auf Seite 2 erklären durfte, wieso sich die Menschen nach Gott sehnen.
Ebenso erfolgversprechend könnte der Pfaff erklären weswegen ich zwei Köpfe habe und der Schwerkraft trotze.
Eine ordentliche geistige Degeneration, die MSS dem Gottgläubigen attestiert, ist tatsächlich Voraussetzung, um Westphal zu folgen:
Wir verstehen die Ungerechtigkeit der Welt nicht und beklagen die Untätigkeit Gottes. Die Karwoche vor Ostern liefert jedem Antworten.
??? Dreimal nein, Herr Pfarrer.
1.) Die Ungerechtigkeit der Welt verstehe ich sehr gut. Um das zu erklären schreibe ich unter anderem diesen Blog.
2.) Auf die Idee große Schlaglöcher, Malaria oder das Aussterben der sibirischen Tiger mit der Untätigkeit Gottes zu erklären bin ich nie gekommen.
3.) Und ganz bestimmt erwarte ich keine Erkenntnisse von der Karwoche.
So einem Pfaff zahlt man als Steuerzahler die Ausbildung und mit meinem Abla-Abo zahle ich auch noch seine Werbeplattform.
DAS ist eine echte Ungerechtigkeit Gottes - wenn man an ihn glaubt.
Vor das lichthelle Auferstehungsfest hat die christliche Tradition "Karwoche" in unsere Kalender geschrieben, den Namen jener stillen Woche der Klage. Sieben Tage in Moll - muss das heute immer noch sein? Haben wir mit Unfällen und Krankheit, Fukushima und Kriegswirren nicht schon genug zu tragen? Täte uns nicht mehr Leichtigkeit gut? Seien wir realistisch: Das Leben ist kein Rosengarten und kein Streichelzoo. Es kann auch hart, schmerzhaft, bedrohlich und traurig sein. Das alles hat seine Zeit. Darum können wir nicht ganzjährig Weihnachtsbäume schmücken oder Eier bemalen, als nähmen wir die Probleme der Welt nicht zur Kenntnis. Wir können nicht pausenlos shoppen, feiern und Schweres verdrängen, das wäre kurzsichtig und ungesund. Stattdessen ist es sinnvoll und heilsam, sich einmal im Jahr der Leidensgeschichte Jesu zuzuwenden, wie sie in der Karwoche bedacht und begangen wird.
???
Es ist erstaunlich wie weit sich der Hamburger Pastor von der Lebensrealität entfernt hat.
Sieben Tage Moll? Mal abgesehen davon, daß Moll meine bevorzugte Tonart ist, sollte der Pfaff einsehen, daß sich 99 von 100 Menschen in Deutschland nicht aufgrund der Karwoche vorschreiben lassen deprimiert zu sein.
Wie sollte das auch gehen; es weiß ja kaum einer, was „Karwoche“ ist!
Dafür, daß niemand das Leben als „Streichelzoo oder Rosengarten“ missversteht, war die Kirche allerdings in den letzten 2000 Jahren sehr aktiv.
All die von Christen Massakrierten bei Kreuzzügen, Hexenverbrennungen, Missionierung, Inquisition und Judenpogromen haben ebenso wie all die von katholischen Geistlichen missbrauchten Kinder durchaus gelernt, daß das Leben kein Ponyhof ist.
Angesichts all der Todesopfer, die das Christentum verursacht hat, dahin zu plappern es sei „sinnvoll und heilsam“ sich reinzuziehen, wie der Lattenhansel abgemurxt wurde, schlägt allerdings dem Faß den Boden aus.
Offenbar ist an diesem leidenden Jesus, an den Texten und Gesängen von Liebe und Schmerz etwas dran, was viele Menschen im Innersten berührt. Offenbar fasziniert es sie, dass es hier nicht um eine Majestät geht, die in ferner Höhe über uns thront, sondern um einen Menschen, der wie wir leidet und uns zu einem glaubwürdigen Bruder in der Tiefe wird.
In welcher Welt leben Sie eigentlich Herr Pfarrer?
Ich würde Ihnen dringend vorschlagen einen Psychiater aufzusuchen. Offenbar fasziniert die Ostergeschichte eben NICHT, denn sonst würden nicht Europaweit Millionenfach die Menschen aus der Kirche austreten.
Die Christliche Grundkonzeption, daß ein allmächtiger Schöpfer die Menschen so fehlerhaft konstruierte, daß er aus Ärger über seinen eigenen Fauxpas seinen Sohn elendig krepieren ließ und wir uns zur Erinnerung an diesen Akt des Sadismus‘ für ewig den malträtierten und geschundenen Körper als so eine Art frühzeitliche Splatter-Actionfigur angucken sollen, ist doch mehr als fragwürdig.
Der Sohn scheint mir keinen allzu schlechten Deal gemacht zu haben - was macht es schon groß aus am Kreuz zu sterben, wenn man eh danach wiederaufersteht, so als ob nichts gewesen wäre?
Das ist doch ein Schnäppchenpreis für die Sünden der ganzen Welt.
Natürlich kann es sich auf Westphal, wie fast jeder Pfaff, nicht verkneifen auf Kranke und Sterbende hinzuweisen.
Die Texte und Melodien der Karwoche sind etwas, was die Angst und das Leiden vieler Menschen anspricht und auffängt, sie können an Krankenbetten und in Hospizen auch heute aktuell und tröstend sein.
Eine ausgesprochene Frechheit! Was maßt sich dieser Mensch an?
Das erinnert mich immer an die 79-Jährige Bettina Schardt aus Würzburg, die mit Hilfe Roger Kuschs Selbstmord beging und dann von Bizarra Käßmann verleumdet wurde.
Dabei hatte sie sich insbesondere bei der Vorstellung gegruselt, daß eine Person wie Bizarra Käßmann sie im Heim besuchen würde.
Sie mit Bibelversen zu zuschwafeln würde und man hätte nicht die Möglichkeit die Bischöfin „abzuschalten“.
Käßmann im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
Und wem die Karwoche allzu traurig ist, der sollte nicht vergessen: Sie ist der unerlässliche Auftakt für eine nachhaltige Osterfreude. Ostern wird alles anders und das Kreuz zum Siegeszeichen über den Tod.
Das soll Herr Westphal besser nicht den Müttern auf der Kinderkrebsstation erzählen, die über Monate und Jahre ihren Kleinen beim Sterben unter grausamen Schmerzen zusehen müssen.
Siegeszeichen über den Tod - ich glaube es hackt.
Dienstag, 19. April 2011
Freiheit für Freitag
„Die Gläubigen sind selten Denker und die Denker selten gläubig.“
(Hans Daiber)
(Hans Daiber)
Die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Maria Flachsbarth ist sauer.
Eigentlich robbt ihre Partei ob der akuten FDP-Schwindsucht an die Grünen heran, aber was diese „Ökostalinisten“ nun wieder gemacht haben, bringt die fromme Frau Flachsbarth so richtig in Rage; immerhin geht es um das höchste Kirchliche Fest, Ostern.
Einige dieser frechen Grünen fordern nun die Ruhe-Regelungen für den Karfreitag aufzuheben. Nicht konfessionell Gebundene sollen demnach auch am heiligen Karfreitag tanzen gehen dürfen.
SKANDAL!
Für „öffentliche Sportveranstaltungen, Tanz, Theater oder andere Großereignisse“ gebe es in unserer Gesellschaft „nun wirklich ausreichend Gelegenheit.“ Der Karfreitag sei „ein Tag der Stille und der Besinnung“, der allen Menschen zugutekomme. „Gerade ein Tag, an dem Sterben und Trauer im Vordergrund stehen, wirft jeden Menschen – ganz gleich, ob er an Jesus Christus glaubt oder nicht - auf das Wesentliche zurück. Abschied von einem geliebten Menschen nehmen zu müssen, ist die schmerzlichste Erfahrung, die jeder von uns im Lauf seines Lebens machen muss.
(Kath.net 19. April 2011)
Daß die Sterberei ganz großer Mist ist, habe ich bisher allerdings schon sehr genau miterlebt.
Frau Flachsbarth könnte ich so einiges über Palliativstationen und Pflegeheime erzählen.
Was das ganze aber mit Karfreitag zu tun haben soll, ist mir völlig rätselhaft.
Da ist es wieder; das Grundproblem mit Religioten: Sie sind anmaßend und wollen ihre geistig eingeschränkte Sichtweise anderen aufoktroyieren.
Helmut Schmidt schreibt in seinem neuesten Buch:
Ich habe damals verstanden, dass wir alle aufgefordert sind, die Aufklärung im Bereich unserer eigenen Kultur fortzusetzen. Zugleich habe ich das Übel des Missionsgedankens begriffen. Wer Andersgläubigen seine eigene Religion aufdrängen will, der ruft zwangsläufig Konflikte und in manchen Fällen Kriege hervor. Hans Küngs Initiative, aus den Religionen ein »Weltethos« zu entwickeln, ist deshalb begrüßenswert, wenngleich ich mir keine Illusionen über den Erfolg mache.
(zitiert nach der „Zeit“ 17.4.2011)
Dem ZEIT-Magazin verdanken wir eine hübsche Graphik, welche die regelmäßigen Gottesdienstbesucher nach Bundesländern aufschlüsselt.
Als Nordlicht kann ich mit Fug und Recht sagen, daß sonntags nicht gerade Massen in die Kirchen strömen: [Anteil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher unter den Protestanten]
Hamburg: 2,8%
Schleswig-Holstein: 2,5%
Bremen: 2,6%
Berlin: 2,5%
MeckPomm: 4,0%
Niedersachsen: 3,3%
Brandenburg: 4,1%
Bedenkt man, daß in den nördlichen Bundesländern eine Majorität ohnehin nicht Mitglied der Kirche ist und selbst von den Kirchenmitglieder über 95% lieber sonntags ausschlafen, statt der homilektischen Übung des örtlichen Pfaffs zu folgen, kann man wohl kaum davon sprechen, es sei demokratisch zu rechtfertigen, daß so eine verschwindende Minderheit dem ganzen Volk vorschreiben könnte was man am Karfreitag zu tun oder zu lassen hätte.
Karfreitag tanzen gehen könnte dieses Jahr problematisch werden. Eigentlich sind öffentliche Tanzveranstaltungen an den Ostertagen verboten. Doch lange hat das niemanden interessiert. Nun drängen die Kirchen auf die Durchsetzung des Verbots. Discolichter sollen über Karfreitag ausgeschaltet bleiben.
Die katholische Kirche fordert strengere Kontrollen in Hessen zum Tanzverbot an Karfreitag und den Ostertagen. Die gesetzlichen Regelungen seien in der Vergangenheit zu lax gehandhabt worden, sagte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Samstag im Interview der dapd. Die evangelische Kirche in Hessen und Nassau erklärte, es tue einer Gesellschaft gut, verschiedene Rhythmen innerhalb einer Woche oder des Jahres zu haben.Algermissen beklagte mit Blick auf Forderungen nach einer Lockerung des Hessischen Feiertagsgesetzes, das unter anderem Partys zwischen Gründonnerstag und Karsamstag untersagt: „Das ist ganz schlimm, wenn Selbstverständlichkeiten unter Rechtfertigungsdruck geraten.“ Damit sei ein Kulturgut zur Disposition gestellt. „Die Ruhe am Karfreitag überhaupt rechtfertigen zu müssen, ist für mich eine Zumutung.“
(FR 17.04.2011)
Frankfurts FDP-Ordnungsdezernent Volker Stein will das Tanzverbot jetzt "hart durchsetzen."
Die Karfreitagsdiskussion zeigt exemplarisch das Grundübel der grundgesetzwidrigen Verquickung von Staat und Kirche in Deutschland.
Die Kircheninteressen sind weit überproportional berücksichtigt und erstrecken sich auch auf viele Bereiche, in denen sie absolut nichts zu suchen haben.
Geradezu grotesk deutlich wird das bei der PID-Diskussion, die wesentlich von Religioten mitbestimmt wird.
Als "höchst problematisch" bewertete der Philosoph, "dass insbesondere die theologischen Mitglieder des Ethikrats, die geschlossen für ein Verbot der PID votierten, ihre weltanschaulichen Vorbehalte über die Prinzipien des liberalen Rechtsstaates stellten." Diesem Beispiel folgend würden die Parlamentarier nun ebenfalls "ihre subjektiven Glaubensüberzeugungen zum Maßstab staatlicher Gesetzgebung" machen, "was mit den Grundanforderungen an eine rationale Ethik und Politik nicht zu vereinbaren ist".
Schmidt-Salomon erinnerte daran, dass der Staat sich "weltanschaulich neutral" zu verhalten habe:
"Natürlich steht es gläubigen Politikern frei, empfindungslose Zellformationen als ,vollwertige Personen' zu erachten und PID für sich persönlich abzulehnen. Diese religiöse Privatmeinung darf aber andersdenkenden Bürgern nicht aufgezwungen werden! Der Ethikrat hätte klarstellen müssen, dass die subjektiven Glaubensüberzeugungen der Politiker die Entscheidungsfreiheit mündiger Bürger nicht begrenzen dürfen. Er hätte verdeutlichen müssen, dass es das elementare Recht der betroffenen Paare ist, sich nach eigenem Ermessen für oder gegen PID zu entscheiden. Stattdessen hat sich der Ethikrat als ,Moralwächterrat' aufgespielt und rechtsstaatliche Prinzipien verraten."
Angesichts der "weltanschaulichen Befangenheit des Ethikrates" forderte Schmidt-Salomon eine Neubesetzung des Gremiums. Dabei sollten "Philosophen, die sich mit Fragen der Ethik im säkularen Staat beschäftigen, Vorrang haben vor Theologen, die sich offenkundig schwer damit tun, die eigenen Präferenzen mit gebührendem Abstand zu betrachten". Ohnehin sei "die starke Präsenz von Kirchenvertretern im Ethikrat nicht mehr zeitgemäß, da die Kirchen ihren weltanschaulichen Kredit in der Bevölkerung weitgehend verspielt haben."
Wie Schmidt-Salomon berichtete, hat die Giordano-Bruno-Stiftung in der vergangenen Woche sämtlichen Bundestagsabgeordneten eine alternative Stellungnahme zur PID zugesandt, an der führende deutsche Bioethiker mitgewirkt haben. Mittlerweile seien auf das Gutachten der "gbs-Ethikkommission" zahlreiche Reaktionen aus der Politik eingegangen. Bis auf wenige Ausnahmen sei die Argumentation der Bundestagsabgeordneten "erschreckend naiv" ausgefallen, meinte Schmidt-Salomon:
"Viele Politiker schrieben, dass sie als Christen an eine Beseelung der Embryonen glaubten - als ob dies ein guter Grund sein könnte, konfessionsfreien Menschen zu verbieten, mithilfe von PID ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen! Andere meinten, dass die bewusste Reduktion von Behinderungen zur Diskriminierung von Behinderten führen würde, obwohl dies in keinem Land geschah, in dem PID erlaubt ist. Einige schienen sogar den einfachen Sachverhalt nicht zu begreifen, dass es darum gehen muss, Kranke und Behinderte zu unterstützen - nicht aber Krankheit und Behinderung! Ich muss zugeben, dass mich die logischen Schnitzer in diesen Politikerschreiben beunruhigt haben."
(GBS)
Feige und richtungslos mäandernd holen sich Politiker sogar aktiv Vertreter der Pädophilenschutzorganisation RKK in die sogenannten „Ethikkommissionen“, um selbst nicht entscheiden zu müssen.
Dabei wäre die Lösung für all die Probleme, wie von mir vor zwei Monaten skizziert, so einfach:
Mir schwebt eine christlich/atheistische Entkoppelung vor:
Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.
Für die Menschen, die nicht in den Mitgliederlisten des real existierenden Kirchismus geführt werden, entfallen alle diese Einschränkungen.
Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.
Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.
Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!
Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.
Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.
Montag, 18. April 2011
Immer feste druff.
Neulich las ich beim Durchblättern der Fernsehzeitschrift einen kleinen Infokasten über die Entwicklung des Zuschauerinteresses der „Jackass“-Filme, die 2003, 2006 und 2010 erschienen.
Leider habe ich die Zahlen vergessen; aber ich kann immerhin noch sagen, daß sie rasant anstiegen. Jackass-III hatte schon in einer Woche so viele Zuschauer wie Jackass-II insgesamt und der hatte seinerseits Jackass-I locker übertrumpft.
No 1 spielte 79 Millionen Dollar ein, Nr. 2 brachte es auf 85 Mio und der dritte Teil hat bisher 170 Millionen Dollar eingebracht.
Für diejenigen, die wie ich keine Cineasten sind, sollte ich noch kurz erklären, worum es bei „Jackass“ geht und wieso diese Reihe es geschafft hat bei all dem Schund, der schon produziert wurde, einhellig als das Übelste und Niveauloseste, das es je gegeben hat, tituliert zu werden.
Das muß man erst mal angesichts der deutschen Heimatfilme der 50er Jahre schaffen!
Ein paar schlimme Proleten um Johnny Knoxville filmen sich gegenseitig dabei, wie sie gedemütigt und gefoltert werden. Besonders gern geht es dabei exkrementell zu. Ausscheidungen aller Art werden bevorzugt als Requisiten benutzt.
Ziel ist es möglichst effektiv verletzt zu werden, wobei es aber nicht genügt Schmerzen zuzufügen, sondern es ist unbedingt erforderlich diese mit einem möglichst hohen Ekelfaktor zu kombinieren.
Basis der Jackass-Sketche sind üblicherweise das Testen und Überstrapazieren von Helmen, Genitalschützern und anderer Polsterungen.
Mit großen Vergnügen werfen sich die Jackass-Protagonisten dann Billardkugeln in den Schritt oder schlagen sich mit Keulen auf den Kopf.
Offensichtlich ist das Konzept (finanziell) erfolgreich.
Die Frage ist, warum.
Scheinbar gibt es eine generelle menschliche Lust der Grenzüberschreitung.
So wie kleine Gorillas ausprobieren den Silberrücken zu nerven, um zu lernen wie weit sie in der Hierarchie gehen können, liebt auch der Homo Sapiens Mutproben, um seinen gesellschaftlichen Status zu vergrößern.
Das Eingehen von Risiken wird eigentümlicherweise auch in zivilisierten Gesellschaften generell sehr positiv konnotiert - auch wenn der Sinn solcher Gefahren längst nicht mehr mit dem biologischen Wohl der Spezies zu tun hat.
Überdurchschnittlicher Mut eines Neandertalers konnte durchaus belohnt werden, indem er mit einem erlegten Mammut seine Sippe ernähren konnte.
Heute beklatschen Medien die modernen Mutigen so wie einst die Neandertalerfrauen in den Höhlen die heimkehrenden Jäger.
Ein Arved Fuchs bringt natürlich kein erlegtes Wild nach Hause. Dafür geht er aber ins Fernsehstudio und zeigt im regionalen Nachmittagsprogramm stolz seine abgefrorenen Zehen, die er beim Rückwärts durch die Arktis kriechen verloren hat.
Künstliche Erschwernisse wie zum Beispiel das Besteigen eines Achttausenders ohne Sauerstoffgerät oder das Nackt-Krabbentauchen ausgerechnet im Polarmeer erkennt der moderne Homo Televisionis dankbar an.
Risiken können auch abstrahiert werden.
Männer oder Frauen, die enorme finanzielle Risiken eingehen, oder beispielsweise einer anderen nuklearen Supermacht mit Atomraketen in der Schweinebucht drohen, werden ebenfalls bewundert.
Das „auf Nummer sicher gehen“ wird hingegen verachtet.
Private Risiken, die lediglich eine Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit darstellen, wie „Russisch Roulette“, S-Bahnsurfen oder Pamplonisches Stierrennen, sind meiner Ansicht nach hochgradig idiotisch, sollten aber Erwachsenen nicht verboten werden.
Solange sie nur ihr Leben gefährden, ist es ihre persönliche Freiheit.
Beispielsweise bei Bergsteigern, die sinnfrei in Gletscherspalten rumkriechen oder Skifahrern, die bei Lawinengefahr unterwegs sind, sieht es schon ganz anders aus. Wenn sie auf die Nase fallen, müssen andere zwangsweise ihr Leben riskieren, um ihr zermatschten Knochen wieder zu finden.
Das gilt auch für dämliche Touristen oder selbsternannte christliche Missionare, die mit einem Rucksack voller Bibeln im Jemen herum steppen. Am Ende blockiert das nur Ressourcen des Außenamts und man muß womöglich Gaga-Guido dabei zusehen, wie er in Teheran schachert.
Die unverantwortlichste Form der Risikobereitschaft liegt natürlich dann vor, wenn einzelne Personen aus ihrer innenwohnenden Doofheit ganze Landstriche oder Nationen gefährden.
Zu nennen wäre GWBs Risikokalkulation über den Irakkrieg oder Angie Merkels unrühmliches Lavieren bei der "Eurorettung", das dem Steuerzahler vermutlich mehrere hundert Milliarden mehr als nötig kostet.
Tepco ging unverhältnismäßige Risiken ein.
Ebenso wie die amerikanischen Betreiber des AKWs „San Onofre“ welches strategisch geschickt genau auf dem extrem erdbebengefährdeten kalifornischen St.-Andreas-Graben gebaut wurde.
In diese Kategorie passt auch das Verhalten amerikanischer und deutscher Kampfjetpiloten, die ausgerechnet Kernkraftwerke als Wendepunkte benutzen und genau über den nuklearen Zeitbomben ihrer riskantesten Mannöver fliegen.
Kein Witz, sondern Realität in Deutschland, wie unter anderem MONITOR berichtete:
Es war Abend, als am 13. Dezember über dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Unterfranken der Luftkampf geübt wurde. Zuvor waren in Spangdahlem in der Eifel vier US-Kampflugzeuge vom Typ A-10 Richtung Grafenrheinfeld gestartet. Ihr Auftrag - so die US-Luftwaffe - mit Übungsmunition, den Luftkampf trainieren. Die deutschen Behörden bestätigen, die Kampfjets sind dabei um das Atomkraftwerk gekreist, eine dreiviertel Stunde lang. Es war nicht das erste Luft-Manöver, hier am Himmel über dem AKW. Das erzählt uns auch Oskar Heck.
Reporter: "Haben Sie die zunächst nur gehört, die Flugzeuge?"
Oskar Heck: "Ja, ja."
Erst vor wenigen Tagen sei wieder ein Kampfjet am Kraftwerk vorbei geschossen. Doch im Dezember, da sei es besonders extrem gewesen.
Oskar Heck: "Ich hab wirklich gedacht, das ist ein Ernstfall, da haut einer rein. Hab ich wirklich gedacht. Ich hab direkt darin so gezittert."
(wdr.de/tv/monitor)
Hans Fischer, der Bürgermeister des Ortes Schwebheim hat an die Bundeskanzlerin geschrieben und darum gebeten in Zukunft doch bitte die Luftkampfübungen nicht ausgerechnet über Atomkraftwerken zu fliegen.
Frau Merkel hat nie geantwortet.
Leider habe ich die Zahlen vergessen; aber ich kann immerhin noch sagen, daß sie rasant anstiegen. Jackass-III hatte schon in einer Woche so viele Zuschauer wie Jackass-II insgesamt und der hatte seinerseits Jackass-I locker übertrumpft.
No 1 spielte 79 Millionen Dollar ein, Nr. 2 brachte es auf 85 Mio und der dritte Teil hat bisher 170 Millionen Dollar eingebracht.
Für diejenigen, die wie ich keine Cineasten sind, sollte ich noch kurz erklären, worum es bei „Jackass“ geht und wieso diese Reihe es geschafft hat bei all dem Schund, der schon produziert wurde, einhellig als das Übelste und Niveauloseste, das es je gegeben hat, tituliert zu werden.
Das muß man erst mal angesichts der deutschen Heimatfilme der 50er Jahre schaffen!
Ein paar schlimme Proleten um Johnny Knoxville filmen sich gegenseitig dabei, wie sie gedemütigt und gefoltert werden. Besonders gern geht es dabei exkrementell zu. Ausscheidungen aller Art werden bevorzugt als Requisiten benutzt.
Ziel ist es möglichst effektiv verletzt zu werden, wobei es aber nicht genügt Schmerzen zuzufügen, sondern es ist unbedingt erforderlich diese mit einem möglichst hohen Ekelfaktor zu kombinieren.
Basis der Jackass-Sketche sind üblicherweise das Testen und Überstrapazieren von Helmen, Genitalschützern und anderer Polsterungen.
Mit großen Vergnügen werfen sich die Jackass-Protagonisten dann Billardkugeln in den Schritt oder schlagen sich mit Keulen auf den Kopf.
Offensichtlich ist das Konzept (finanziell) erfolgreich.
Die Frage ist, warum.
Scheinbar gibt es eine generelle menschliche Lust der Grenzüberschreitung.
So wie kleine Gorillas ausprobieren den Silberrücken zu nerven, um zu lernen wie weit sie in der Hierarchie gehen können, liebt auch der Homo Sapiens Mutproben, um seinen gesellschaftlichen Status zu vergrößern.
Das Eingehen von Risiken wird eigentümlicherweise auch in zivilisierten Gesellschaften generell sehr positiv konnotiert - auch wenn der Sinn solcher Gefahren längst nicht mehr mit dem biologischen Wohl der Spezies zu tun hat.
Überdurchschnittlicher Mut eines Neandertalers konnte durchaus belohnt werden, indem er mit einem erlegten Mammut seine Sippe ernähren konnte.
Heute beklatschen Medien die modernen Mutigen so wie einst die Neandertalerfrauen in den Höhlen die heimkehrenden Jäger.
Ein Arved Fuchs bringt natürlich kein erlegtes Wild nach Hause. Dafür geht er aber ins Fernsehstudio und zeigt im regionalen Nachmittagsprogramm stolz seine abgefrorenen Zehen, die er beim Rückwärts durch die Arktis kriechen verloren hat.
Künstliche Erschwernisse wie zum Beispiel das Besteigen eines Achttausenders ohne Sauerstoffgerät oder das Nackt-Krabbentauchen ausgerechnet im Polarmeer erkennt der moderne Homo Televisionis dankbar an.
Risiken können auch abstrahiert werden.
Männer oder Frauen, die enorme finanzielle Risiken eingehen, oder beispielsweise einer anderen nuklearen Supermacht mit Atomraketen in der Schweinebucht drohen, werden ebenfalls bewundert.
Das „auf Nummer sicher gehen“ wird hingegen verachtet.
Private Risiken, die lediglich eine Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit darstellen, wie „Russisch Roulette“, S-Bahnsurfen oder Pamplonisches Stierrennen, sind meiner Ansicht nach hochgradig idiotisch, sollten aber Erwachsenen nicht verboten werden.
Solange sie nur ihr Leben gefährden, ist es ihre persönliche Freiheit.
Beispielsweise bei Bergsteigern, die sinnfrei in Gletscherspalten rumkriechen oder Skifahrern, die bei Lawinengefahr unterwegs sind, sieht es schon ganz anders aus. Wenn sie auf die Nase fallen, müssen andere zwangsweise ihr Leben riskieren, um ihr zermatschten Knochen wieder zu finden.
Das gilt auch für dämliche Touristen oder selbsternannte christliche Missionare, die mit einem Rucksack voller Bibeln im Jemen herum steppen. Am Ende blockiert das nur Ressourcen des Außenamts und man muß womöglich Gaga-Guido dabei zusehen, wie er in Teheran schachert.
Die unverantwortlichste Form der Risikobereitschaft liegt natürlich dann vor, wenn einzelne Personen aus ihrer innenwohnenden Doofheit ganze Landstriche oder Nationen gefährden.
Zu nennen wäre GWBs Risikokalkulation über den Irakkrieg oder Angie Merkels unrühmliches Lavieren bei der "Eurorettung", das dem Steuerzahler vermutlich mehrere hundert Milliarden mehr als nötig kostet.
Tepco ging unverhältnismäßige Risiken ein.
Ebenso wie die amerikanischen Betreiber des AKWs „San Onofre“ welches strategisch geschickt genau auf dem extrem erdbebengefährdeten kalifornischen St.-Andreas-Graben gebaut wurde.
In diese Kategorie passt auch das Verhalten amerikanischer und deutscher Kampfjetpiloten, die ausgerechnet Kernkraftwerke als Wendepunkte benutzen und genau über den nuklearen Zeitbomben ihrer riskantesten Mannöver fliegen.
Kein Witz, sondern Realität in Deutschland, wie unter anderem MONITOR berichtete:
Es war Abend, als am 13. Dezember über dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Unterfranken der Luftkampf geübt wurde. Zuvor waren in Spangdahlem in der Eifel vier US-Kampflugzeuge vom Typ A-10 Richtung Grafenrheinfeld gestartet. Ihr Auftrag - so die US-Luftwaffe - mit Übungsmunition, den Luftkampf trainieren. Die deutschen Behörden bestätigen, die Kampfjets sind dabei um das Atomkraftwerk gekreist, eine dreiviertel Stunde lang. Es war nicht das erste Luft-Manöver, hier am Himmel über dem AKW. Das erzählt uns auch Oskar Heck.
Reporter: "Haben Sie die zunächst nur gehört, die Flugzeuge?"
Oskar Heck: "Ja, ja."
Erst vor wenigen Tagen sei wieder ein Kampfjet am Kraftwerk vorbei geschossen. Doch im Dezember, da sei es besonders extrem gewesen.
Oskar Heck: "Ich hab wirklich gedacht, das ist ein Ernstfall, da haut einer rein. Hab ich wirklich gedacht. Ich hab direkt darin so gezittert."
(wdr.de/tv/monitor)
Hans Fischer, der Bürgermeister des Ortes Schwebheim hat an die Bundeskanzlerin geschrieben und darum gebeten in Zukunft doch bitte die Luftkampfübungen nicht ausgerechnet über Atomkraftwerken zu fliegen.
Frau Merkel hat nie geantwortet.
Sonntag, 17. April 2011
Morgen-Bruxismus
Das Morgen-GRAUEN macht sich bei mir akustisch bemerkbar, weil meine Schlafzimmerfenster noch lichtdicht verpackt sind. Ein enormes Gepiepse setzt an, als wollten sich die kleinen gefiederten Freunde gegenseitig klar machen „ich bin als erster wach!“.
Gegen sechs Uhr höre ich aus der Ferne ein richtig fieses Geräusch. Knirschen von Metall auf Stein. Dieses Krrrrk Krrrrrk nähert sich langsam und das bedeutet für mich den Beginn des politischen Tages.
Krrrrk Krrrrrk macht nämlich der übervoll bepackte Uralt-Hackenporsche jenes wettergegerbten gebeugten und doch fröhlich pfeifenden Mannes, der mir morgens die Zeitungen vor die Tür wirft.
Penibel hält er Uhrzeit und Murphys Law ein, indem er die eine peinliche Zeitung, die ich abonniert habe (das Hamburger Abendblatt) in 90% der Fälle oben auf dem Stapel platziert.
Schon das ist ein Grund sich des Packens aus Papier und Druckerschwärze schnell zu bemächtigen.
Soll ja keiner sehen, was ich so lese.
Konservativ wie ich bin, habe ich gerne die Tagesmeldungen und Kommentare in gedruckter Form vor mir.
Gestern allerdings unterlief dem morgendlichen Pfeifer ein Irrtum, indem er in meinen Pressepacken ein Exemplar der „WELT“ statt der „SZ“ steckte. Aua.
Aber man soll das beste aus seiner Situation machen und so versuchte ich mich in einen Konservativen zu versetzen, stellte mir vor ich sei ein Schwarzgelb-Anhänger, der so deutlich rechts der Mitte stünde, daß er Springers rechtestes Organ, „die Welt“ abonniert hätte.
Ich würde also nicht auf die „Nachdenkseiten“, in die „taz“ oder Boulevard-Blätter wie die Hamburger „MoPo“ gucken, die gestern über Freund Gaga-Guido schlagzeilte: „Zickzack-Guido nervt die ganze NATO“.
Vielleicht erinnert sich ein WELT-Leser ja noch gerne daran, wie sein Idol Westerwelle triumphiert hatte, als im Oktober 2009 der K.O.alitionsvertrag unterzeichnet wurde:
In seiner Rede vor den Delegierten verteidigte Westerwelle den in der Nacht zu Samstag ausgehandelten Koalitionsvertrag gegen den Vorwurf der sozialen Kälte. Der designierte Vizekanzler verwies auf die geplanten Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen und insbesondere für Familien. "Wer das als kalte Politik bezeichnet, dem ist in seiner Hirnverbranntheit nicht mehr zu helfen", sagte er. Westerwelle betonte, der Koalitionsvertrag trage in allen Politikfeldern eine klare liberale Handschrift. Die FDP habe alle 20 Kernforderungen durchsetzen können. "Versprochen, gehalten: Das ist die Devise der Freien Demokratischen Partei." Am Samstag hatten bereits die Fraktionen von Union und FDP das gemeinsame Vertragswerk abgesegnet. Dieses enthält Steuerentlastungen von 24 Milliarden Euro.
(Reuters 25.10.10)
Von den „20 Kernforderungen“ ist heute nicht mehr die Rede.
Man entdeckt sie gar nicht mehr.
Nur mit viel Mühe findet man bei der NRW-FDP noch eine online-Version ihrer großspurigen Forderungen, die sie bereits als „durchgesetzt“ feierte:
Beispiele:
„Teil eines innovativen Konzeptes ist dabei auch die Verlängerung der Laufzeiten von sicheren und leistungsfähigen Kernenergieanlagen, bei gleichzeitigem früherem Abschalten störungsanfälliger Meiler, auch und gerade weil sich die anspruchsvollen CO2-Minderungsziele nur mit einer sicheren Kernenergie erreichen lassen. Vorher aber muss mit der deutschen Energiewirtschaft verbindlich vereinbart werden, die aus einer Laufzeitverlängerung entstehenden Gewinne zu einem erheblichen Teil in eine umfassende Modernisierung der deutschen Kraftwerke sowie in eine deutliche Ausweitung der Energieforschung zu reinvestieren.“
„Die maßgeblich aus der FDP-NRW entwickelte Liberale Steuerreform für einfache, niedrige und gerechte Steuern ist und bleibt daher vorrangiges Ziel.“
„Wir wollen Hartz IV durch ein Bürgergeld ersetzen, das möglichst alle Transferzahlungen des Staates bündelt und für die Menschen transparent und erreichbar macht.“
„Die FDP-NRW setzt sich dafür ein, dass besonders Familien mit Kindern entlastet werden, denn: Familienbedingte finanzielle Lasten werden im geltenden Steuerrecht nicht angemessen berücksichtigt.“
„Die Hemmnisse der jetzigen Unternehmensteuerreform müssen fallen.“
Immerhin, eine von 20 Forderungen wurde tatsächlich umgesetzt:
„Die FDP-NRW fordert daher einen von 19 auf 7 % ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Gastronomie und Hotellerie.“ - Die Wähler waren begeistert.
Erstaunlich prophetisch wurde direkt nach dem Koalitionsvertrag von der Majorität der seriösen Journalisten erkannt, daß Merkel und Westerwelle nur heiße Luft produziert hatten und diese Versprechen nicht umsetzen würden.
Selten hat eine deutsche Regierung einen konfuseren Start hingelegt. Eigentlich sollte der Koalitionsvertrag die Arbeitsgrundlage der neuen Regierung bilden, doch das 133-seitige Dokument mit dem Titel "Wachstum.Bildung.Zusammenhalt.", auf das sich die Koalitionäre geeinigt haben, ist ein Dokument der Uneinigkeit. Es löst die Probleme des Landes nicht, es vertagt sie bestenfalls. Sieben Kommissionen hat die neue Koalition eingesetzt, 84 Prüfaufträge hat sie erteilt. Konsens erreichten Union und FDP immer dann, wenn es galt, Konflikte zu verschieben. So bleibt Schwarz-Gelb etwa die Antwort schuldig, wie das marode deutsche Gesundheitswesen umgebaut werden soll. Was Merkel und Westerwelle versprechen, sind Steuersenkungen; was sie sich vorerst sparen, ist die Antwort auf die Frage, wie all das finanziert werden soll. Wie die neue Koalition ans Werk geht, erinnert an einen Club der Hütchenspieler. Nirgendwo offenbart sich dieser Anschein des Unseriösen deutlicher als in der Steuerpolitik. Die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden ächzen unter einer Rekordverschuldung, dennoch verspricht die neue Regierung Steuergeschenke in Höhe von 24 Milliarden Euro.
(SPIEGEL 02.11.2009)
Vielleicht ist aber „DER SPIEGEL“ unserem imaginären WELT-Leser viel zu links.
Er hat die Warnungen möglicherweise nicht gelesen und inzwischen verdrängt was Guido, der Große von 2009 Mantra-artig in jede Kamera kreischte: „ohne ein einfacheres und gerechteres Steuersystem wird die FDP keinem Vertrag zustimmen.“
Steuer- , Finanz-, Wirtschafts-, Sozial- und Energiepolitik mag unser WELT-Leser vergessen haben; immerhin ist Westerwelle de facto schon als Parteichef abgesetzt.
Nun ist Guido nur noch Außenminister und da der Punkt im Koalitionsvertrag ausgeklammert wurde, kann er wenigstens hier keine Versprechen brechen.
Wie liest sich also die Einschätzung der gelben Außenpolitik aus konservativer WELT-Sicht?
Nun, die Zeiten, als bedeutenden Außenpolitiker aus Deutschland - Bahr, Brandt, Scheel, Schmidt oder zuletzt Schröder beim Irakkriegskurs international richtungsweisend agierten, sind vorbei.
Westerwelle darf beim rein zufällig in Berlin stattfindenden NATO-Gipfel bestenfalls den Grüßaugust spielen.
Wie es um das Ansehen Deutschlands bei diesen drei Bündnispartnern tatsächlich steht, konnte Westerwelle am Freitagmorgen nachlesen. Die Berliner Konferenz ignorierend, hatten der amerikanische Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron einen gemeinsamen Artikel in vier internationalen Zeitungen veröffentlicht. Das Thema: Libyen. Der Tenor: Der Westen werde mit seinen Luftangriffen nicht nachlassen, bis Gaddafi seinen Posten räume. […] Aus deutscher Sicht besonders peinlich ist die Passage des Artikels, in dem Obama, Sarkozy und Cameron die Gründe für die Militärintervention in Erinnerung rufen. […] Westerwelle quittierte diese diplomatische Ohrfeige mit der Floskel, er unterstütze das Ziel der USA, Großbritanniens und Frankreichs, "dass Libyen eine friedliche und freiheitliche Zukunft braucht. […] Am Freitagnachmittag gab dann auch US-Außenministerin Clinton ihre Zurückhaltung auf […] - um dann auf Libyen zu sprechen zu kommen. Sie verglich das von Gaddafi angekündigte Massaker in Bengasi mit dem von serbischen Soldaten im bosnischen Srebrenica während des Balkankriegs tatsächlich verübten. Die meisten Zuhörer verstanden das als kaum noch verbrämte Kritik an Deutschlands Enthaltung im UN-Sicherheitsrat.
(Welt 16.04.2011)
Westerwelles Meinung hat international nicht das geringste Gewicht. Auch der WELT-Kommentator Richard Herzinger kann sein Entsetzen über den außenpolitischen Kurs dieser Bundesregierung nicht verbergen und versucht es auch nicht.
Es gebe "keine militärische Lösung" der libyschen Krise, wird Außenminister Guido Westerwelle seit der deutschen Enthaltung bei der Abstimmung der Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat nicht müde zu betonen. Damit hofft er, dieser fatalen Fehlentscheidung nachträglich eine pseudorationale Begründung verschaffen zu können, die dazu nach abgeklärter Prinzipientreue klingt. Bei der Erfüllung ihrer eigenen Prophezeiung, die Militärintervention in Libyen führe in die Sackgasse, hilft die deutsche Außenpolitik derzeit freilich kräftig nach, indem sie sich in der Nato als Bremser der von Franzosen und Briten geforderten, dringend notwendigen Intensivierung der Lufteinsätze gegen die Truppen des Gaddafi-Regimes betätigt. […] Dabei ist die Feststellung, dass es für politische Konflikte wie den in Libyen keine militärische Lösung gebe, sondern militärische Aktionen allenfalls die Voraussetzung für eine politische Lösung sein können, letztlich nichts als eine Binsenwahrheit. Tatsächlich hat niemand je das Gegenteil behauptet, schon nicht unsere engsten westlichen Verbündeten, denen Westerwelle von der sicheren Seitenlinie des Geschehens aus hochnäsige Belehrungen erteilen will. Die konkrete Wahrheit jenseits solcher wohlfeilen Abstraktionen lautet jedoch, dass es ohne westliches militärisches Eingreifen in Libyen längst eine "Lösung" des Konflikts gegeben hätte: nämlich den blutigen Triumph Gaddafis über die Reste der libyschen Freiheitsbewegung. […] Es ist eine seltsame Konstellation, dass sich Deutschland mit bockiger Konsequenz jede Beteiligung an den militärischen Anstrengungen der Nato verweigert, als wichtiges Mitglied der Atlantischen Allianz jedoch die strategische Richtung der Kriegsführung wesentlich mit beeinflussen kann.
(WELT, Richard Herzinger| 16.04.2011)
Zustimmung ist anders
Gegen sechs Uhr höre ich aus der Ferne ein richtig fieses Geräusch. Knirschen von Metall auf Stein. Dieses Krrrrk Krrrrrk nähert sich langsam und das bedeutet für mich den Beginn des politischen Tages.
Krrrrk Krrrrrk macht nämlich der übervoll bepackte Uralt-Hackenporsche jenes wettergegerbten gebeugten und doch fröhlich pfeifenden Mannes, der mir morgens die Zeitungen vor die Tür wirft.
Penibel hält er Uhrzeit und Murphys Law ein, indem er die eine peinliche Zeitung, die ich abonniert habe (das Hamburger Abendblatt) in 90% der Fälle oben auf dem Stapel platziert.
Schon das ist ein Grund sich des Packens aus Papier und Druckerschwärze schnell zu bemächtigen.
Soll ja keiner sehen, was ich so lese.
Konservativ wie ich bin, habe ich gerne die Tagesmeldungen und Kommentare in gedruckter Form vor mir.
Gestern allerdings unterlief dem morgendlichen Pfeifer ein Irrtum, indem er in meinen Pressepacken ein Exemplar der „WELT“ statt der „SZ“ steckte. Aua.
Aber man soll das beste aus seiner Situation machen und so versuchte ich mich in einen Konservativen zu versetzen, stellte mir vor ich sei ein Schwarzgelb-Anhänger, der so deutlich rechts der Mitte stünde, daß er Springers rechtestes Organ, „die Welt“ abonniert hätte.
Ich würde also nicht auf die „Nachdenkseiten“, in die „taz“ oder Boulevard-Blätter wie die Hamburger „MoPo“ gucken, die gestern über Freund Gaga-Guido schlagzeilte: „Zickzack-Guido nervt die ganze NATO“.
Vielleicht erinnert sich ein WELT-Leser ja noch gerne daran, wie sein Idol Westerwelle triumphiert hatte, als im Oktober 2009 der K.O.alitionsvertrag unterzeichnet wurde:
In seiner Rede vor den Delegierten verteidigte Westerwelle den in der Nacht zu Samstag ausgehandelten Koalitionsvertrag gegen den Vorwurf der sozialen Kälte. Der designierte Vizekanzler verwies auf die geplanten Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen und insbesondere für Familien. "Wer das als kalte Politik bezeichnet, dem ist in seiner Hirnverbranntheit nicht mehr zu helfen", sagte er. Westerwelle betonte, der Koalitionsvertrag trage in allen Politikfeldern eine klare liberale Handschrift. Die FDP habe alle 20 Kernforderungen durchsetzen können. "Versprochen, gehalten: Das ist die Devise der Freien Demokratischen Partei." Am Samstag hatten bereits die Fraktionen von Union und FDP das gemeinsame Vertragswerk abgesegnet. Dieses enthält Steuerentlastungen von 24 Milliarden Euro.
(Reuters 25.10.10)
Von den „20 Kernforderungen“ ist heute nicht mehr die Rede.
Man entdeckt sie gar nicht mehr.
Nur mit viel Mühe findet man bei der NRW-FDP noch eine online-Version ihrer großspurigen Forderungen, die sie bereits als „durchgesetzt“ feierte:
Beispiele:
„Teil eines innovativen Konzeptes ist dabei auch die Verlängerung der Laufzeiten von sicheren und leistungsfähigen Kernenergieanlagen, bei gleichzeitigem früherem Abschalten störungsanfälliger Meiler, auch und gerade weil sich die anspruchsvollen CO2-Minderungsziele nur mit einer sicheren Kernenergie erreichen lassen. Vorher aber muss mit der deutschen Energiewirtschaft verbindlich vereinbart werden, die aus einer Laufzeitverlängerung entstehenden Gewinne zu einem erheblichen Teil in eine umfassende Modernisierung der deutschen Kraftwerke sowie in eine deutliche Ausweitung der Energieforschung zu reinvestieren.“
„Die maßgeblich aus der FDP-NRW entwickelte Liberale Steuerreform für einfache, niedrige und gerechte Steuern ist und bleibt daher vorrangiges Ziel.“
„Wir wollen Hartz IV durch ein Bürgergeld ersetzen, das möglichst alle Transferzahlungen des Staates bündelt und für die Menschen transparent und erreichbar macht.“
„Die FDP-NRW setzt sich dafür ein, dass besonders Familien mit Kindern entlastet werden, denn: Familienbedingte finanzielle Lasten werden im geltenden Steuerrecht nicht angemessen berücksichtigt.“
„Die Hemmnisse der jetzigen Unternehmensteuerreform müssen fallen.“
Immerhin, eine von 20 Forderungen wurde tatsächlich umgesetzt:
„Die FDP-NRW fordert daher einen von 19 auf 7 % ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Gastronomie und Hotellerie.“ - Die Wähler waren begeistert.
Erstaunlich prophetisch wurde direkt nach dem Koalitionsvertrag von der Majorität der seriösen Journalisten erkannt, daß Merkel und Westerwelle nur heiße Luft produziert hatten und diese Versprechen nicht umsetzen würden.
Selten hat eine deutsche Regierung einen konfuseren Start hingelegt. Eigentlich sollte der Koalitionsvertrag die Arbeitsgrundlage der neuen Regierung bilden, doch das 133-seitige Dokument mit dem Titel "Wachstum.Bildung.Zusammenhalt.", auf das sich die Koalitionäre geeinigt haben, ist ein Dokument der Uneinigkeit. Es löst die Probleme des Landes nicht, es vertagt sie bestenfalls. Sieben Kommissionen hat die neue Koalition eingesetzt, 84 Prüfaufträge hat sie erteilt. Konsens erreichten Union und FDP immer dann, wenn es galt, Konflikte zu verschieben. So bleibt Schwarz-Gelb etwa die Antwort schuldig, wie das marode deutsche Gesundheitswesen umgebaut werden soll. Was Merkel und Westerwelle versprechen, sind Steuersenkungen; was sie sich vorerst sparen, ist die Antwort auf die Frage, wie all das finanziert werden soll. Wie die neue Koalition ans Werk geht, erinnert an einen Club der Hütchenspieler. Nirgendwo offenbart sich dieser Anschein des Unseriösen deutlicher als in der Steuerpolitik. Die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden ächzen unter einer Rekordverschuldung, dennoch verspricht die neue Regierung Steuergeschenke in Höhe von 24 Milliarden Euro.
(SPIEGEL 02.11.2009)
Vielleicht ist aber „DER SPIEGEL“ unserem imaginären WELT-Leser viel zu links.
Er hat die Warnungen möglicherweise nicht gelesen und inzwischen verdrängt was Guido, der Große von 2009 Mantra-artig in jede Kamera kreischte: „ohne ein einfacheres und gerechteres Steuersystem wird die FDP keinem Vertrag zustimmen.“
Steuer- , Finanz-, Wirtschafts-, Sozial- und Energiepolitik mag unser WELT-Leser vergessen haben; immerhin ist Westerwelle de facto schon als Parteichef abgesetzt.
Nun ist Guido nur noch Außenminister und da der Punkt im Koalitionsvertrag ausgeklammert wurde, kann er wenigstens hier keine Versprechen brechen.
Wie liest sich also die Einschätzung der gelben Außenpolitik aus konservativer WELT-Sicht?
Nun, die Zeiten, als bedeutenden Außenpolitiker aus Deutschland - Bahr, Brandt, Scheel, Schmidt oder zuletzt Schröder beim Irakkriegskurs international richtungsweisend agierten, sind vorbei.
Westerwelle darf beim rein zufällig in Berlin stattfindenden NATO-Gipfel bestenfalls den Grüßaugust spielen.
Wie es um das Ansehen Deutschlands bei diesen drei Bündnispartnern tatsächlich steht, konnte Westerwelle am Freitagmorgen nachlesen. Die Berliner Konferenz ignorierend, hatten der amerikanische Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron einen gemeinsamen Artikel in vier internationalen Zeitungen veröffentlicht. Das Thema: Libyen. Der Tenor: Der Westen werde mit seinen Luftangriffen nicht nachlassen, bis Gaddafi seinen Posten räume. […] Aus deutscher Sicht besonders peinlich ist die Passage des Artikels, in dem Obama, Sarkozy und Cameron die Gründe für die Militärintervention in Erinnerung rufen. […] Westerwelle quittierte diese diplomatische Ohrfeige mit der Floskel, er unterstütze das Ziel der USA, Großbritanniens und Frankreichs, "dass Libyen eine friedliche und freiheitliche Zukunft braucht. […] Am Freitagnachmittag gab dann auch US-Außenministerin Clinton ihre Zurückhaltung auf […] - um dann auf Libyen zu sprechen zu kommen. Sie verglich das von Gaddafi angekündigte Massaker in Bengasi mit dem von serbischen Soldaten im bosnischen Srebrenica während des Balkankriegs tatsächlich verübten. Die meisten Zuhörer verstanden das als kaum noch verbrämte Kritik an Deutschlands Enthaltung im UN-Sicherheitsrat.
(Welt 16.04.2011)
Westerwelles Meinung hat international nicht das geringste Gewicht. Auch der WELT-Kommentator Richard Herzinger kann sein Entsetzen über den außenpolitischen Kurs dieser Bundesregierung nicht verbergen und versucht es auch nicht.
Es gebe "keine militärische Lösung" der libyschen Krise, wird Außenminister Guido Westerwelle seit der deutschen Enthaltung bei der Abstimmung der Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat nicht müde zu betonen. Damit hofft er, dieser fatalen Fehlentscheidung nachträglich eine pseudorationale Begründung verschaffen zu können, die dazu nach abgeklärter Prinzipientreue klingt. Bei der Erfüllung ihrer eigenen Prophezeiung, die Militärintervention in Libyen führe in die Sackgasse, hilft die deutsche Außenpolitik derzeit freilich kräftig nach, indem sie sich in der Nato als Bremser der von Franzosen und Briten geforderten, dringend notwendigen Intensivierung der Lufteinsätze gegen die Truppen des Gaddafi-Regimes betätigt. […] Dabei ist die Feststellung, dass es für politische Konflikte wie den in Libyen keine militärische Lösung gebe, sondern militärische Aktionen allenfalls die Voraussetzung für eine politische Lösung sein können, letztlich nichts als eine Binsenwahrheit. Tatsächlich hat niemand je das Gegenteil behauptet, schon nicht unsere engsten westlichen Verbündeten, denen Westerwelle von der sicheren Seitenlinie des Geschehens aus hochnäsige Belehrungen erteilen will. Die konkrete Wahrheit jenseits solcher wohlfeilen Abstraktionen lautet jedoch, dass es ohne westliches militärisches Eingreifen in Libyen längst eine "Lösung" des Konflikts gegeben hätte: nämlich den blutigen Triumph Gaddafis über die Reste der libyschen Freiheitsbewegung. […] Es ist eine seltsame Konstellation, dass sich Deutschland mit bockiger Konsequenz jede Beteiligung an den militärischen Anstrengungen der Nato verweigert, als wichtiges Mitglied der Atlantischen Allianz jedoch die strategische Richtung der Kriegsführung wesentlich mit beeinflussen kann.
(WELT, Richard Herzinger| 16.04.2011)
Zustimmung ist anders
Samstag, 16. April 2011
Der Christ des Tages - Teil XLIII
Als Atheist gehe ich doch zu touristischen Zwecken gerne in Kirchen.
Die gotische Liebfrauenkirche in Brügge ist eine meiner Lieblingskirchen.
Sehr ansprechende klerikale Kunst findet man in ihrem Inneren:
Ja, ich weiß, es ist etwas lahm, aber ich bin auch einer dieser Gent- und Brügge-Fans.
Weniger begeistert bin ich von dem Mann, der in der Kathedrale Sankt Salvator von 1984 bis 2010 als Bischof des Bistums Brügge die Fäden der Katholiken in Westflandern in der Hand hielt.

Der 74-Jährige Roger Joseph Vangheluwe ist der Christ des Tages Nr XLIII und flog genau während des Mixa-Skandals unter dem Radar aus seinem Amt.
Lapidar teilte er J.R. in Rom mit, zwischen 1973 und 1986 seinen kleinen Neffen sexuell belästigt zu haben. Innerhalb von nur einer Stunde nahm Ratzi den Rücktritt an - das dürfte einen Vatikanischen Geschwindigkeits-Rekord darstellen. Sonst kann es schon mal das ein oder andere Jahrhundert dauern, bis Rom etwas unternimmt.
Roma locuta, aber causa ist doch noch nicht finita.
Denn der Junge, den Vangheluwe über viele Jahre vergewaltigt hatte, inzwischen 42 Jahre alt, war zum Chef der Belgischen Katholen gegangen, um sich die Qualen, die ihm sein priesterlicher Onkel volle 13 Jahre zugefügt hatte, von der Seele zu reden.
Es ist also keineswegs so, daß Bischof Vangheluwe von sich aus die Wahrheit gesagt hätte. Aber auch sein unmittelbarer Chef, Kardinal Danneels, reagierte typisch klerikal.
Das Opfer war ihm egal. Er sorgte sich nur um den Ruf seiner Pädophilenorganisation.
Da der Missbrauchte offenbar genau dieses Verhalten erwartet hatte, nahm der 42-Jährige das Gespräch auf.
Die Verschriftung besagter Unterredung wirft ein zweifelhaftes Licht auf den Kardinal. Das Opfer gibt zu verstehen, dass es den Rücktritt seines Peinigers wünscht. Darauf gibt Danneels zu bedenken, dass Vangheluwe ohnehin im kommenden Jahr das Pensionsalter erreichen und damit abtreten würde. Danneels ist offensichtlich, laut dem ominösen Gesprächsprotokoll, vor allem besorgt wegen des drohenden Imageschadens für den Bischof und die Kirche insgesamt. Zitat: “Ich weiß nicht, ob es vorteilhaft wäre, die Sache an die große Glocke zu hängen, weder für Sie, noch für den Bischof”, wendet sich Danneels an seinen Gesprächspartner. Besagter Mitschnitt ist inzwischen in den Händen der Justiz.
(BRF.de 1. September 2010)
Auch der Vatikan reagierte, wie der Vatikan üblicherweise reagiert.
Der Kinderquälerbischof mußte nicht etwa irgendwelche kirchenrechtlichen oder strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Die Anregung seines Nachfolgers auf dem Bischofsstuhl von Brügge, Jozef De Kesel, sich doch bitte wieder in den Laienstand versetzen zu lassen und auf seine bischöflichen Rechte zu verzichten, lehnte Vangheluwe ab.
Auch J.R. lässt ihn gewähren. Der Papst empfahl im lediglich sich in eins der schönsten Kloster Europas im Loire-Tal zu begeben.
Leben wie Gott in Frankreich als Strafe für 13 Jahre Kindesmissbrauch.
Ich bin überhaupt kein Freund des Rache - oder Vergeltungsgedanken. Drakonische Strafen haben bekanntlich sogar einen negativen Effekt auf die Kriminalitätsrate. Resozialisierung ist das überlegenere Konzept.
Aber:
Wenn jemand, der das nicht eben geringfügige Verbrechen begangen hat über viele Jahre ein Kind sexuell zu mißbrauchen und nach Aufdeckung der Tat so gar keine Konsequenzen zu spüren bekommt, mangelt es dem Delinquenten dann offensichtlich doch manchmal an Einsicht.
Insbesondere wenn es sich um einen Religioten handelt, der zutiefst davon überzeugt ist, einer höheren Moral zu frönen und Ethikexperte zu sein.
Kinderficker Vangheluwe ist sich auch ein Jahr nach seinem erzwungenen Rücktritt gar keiner Schuld bewußt.
Er hält sich noch nicht einmal für pädophil und plauderte vorgestern der staunenden Belgischen Öffentlichkeit aus (so ganz nebenbei, als ob es keine große Sache wäre), daß er noch ein weiteres Kind regelmäßig sexuell belästigt hätte.
Er verstehe gar nicht, was sich seine Neffen so aufregten, es wäre doch alles nur „eine Art Spiel“ gewesen. Und im Übrigen habe er schließlich anschließend jedes Mal gebeichtet. Eine Versetzung in den Laienstand käme für ihn daher nicht in Frage.
In dem am Donnerstagabend im privaten flämischen Fernsehsender VT4 ausgestrahlten Gespräch bestätigte der heute 74-Jährige, ab 1973 einen Neffen über 13 Jahre hinweg und einen weiteren über ein Jahr missbraucht zu haben. Er habe sich dabei nie als Pädophiler gefühlt. Vielmehr habe sich im Laufe der Zeit eine Intimität eingestellt. Er habe nicht das Gefühl gehabt, sein Neffe widersetze sich dem Geschehen. Alles habe „als Spiel“ begonnen, so Vangheluwe. Die Übergriffe hätten sich regelmäßig wiederholt, wenn die Familie des Neffen mehrmals im Jahr zu Besuch gekommen sei.
(Welt 15.04.2011)
Daß Opferorganisation in Belgien, dem Land, welches nach dem Fall Dutroux extrem sensibilisiert ist, über den milden Umgang des Papstes mit Vangheluwe beschweren, erregt die konservativen Missbrauchsbeschöniger von Hetz.net.
Sie halten die Pädopohilie-Vorwürfe gegen katholische Würdenträger grundsätzlich für aufgebauschte Petitessen („Missbrauchs-Hoax“), die nur dazu dienten sich auf Kosten der RKK zu bereichern.
Indes hetzen belgische Kirchenhasser gegen die Suspendierung. Die Kirchenstrafe genüge nicht – schimpften geldgierige Anwälte angeblicher Mißbrauchsopfer. Der Bischof bekomme statt einer Strafe einen „Urlaub im Kloster“. Die Kirche hat rechtlich keine Möglichkeit, Leute einzusperren oder hinzurichten.
Neokonservativer Bischof heizt Mißbrauchs-Hoax an.
Der neokonservative Bischof Johann Bonny von Antwerpen beteuerte, daß das vorläufige Urteil keinesfalls „zu mild“ ausgefallen sei. Gleichzeitig kritisierte er den Vatikan. Er jammerte darüber, daß die Nuntiatur in Brüssel in einer Stellungnahme kein Kriech-Vokabular benutzt und „kein Wort des Bedauerns“ für die angeblichen Opfer ausgesprochen habe.
(Kreuznet 13. April 2011)
Daß der ehemalige Chef-Katholik von Brügge inzwischen einen weiteren Missbrachsfall zugab, stört die katholischen Ultras ebenfalls nicht. Im Gegenteil; sie ärgern sich über die Kritik an dem Pädo-Geistlichen.
Auf einen harmlosen Grapscher-Bischof prügelt die ganze heuchlerische Welt ein.
[…] Der Bischof trat vor einem Jahr wegen simplen homosexuellen Grenzüberschreitungen bei einem ersten Neffen zurück. Die relativ harmlosen Taten fanden in den Jahren 1973 bis 1986 statt. Dem zweiten Neffen soll er ein Jahr lang zu nahe getreten sein. […] Nach dem Fernsehinterview fielen verschiedene belgische Feiglinge über den Bischof her. Der opportunistische belgische Justizminister Stefaan de Clerck bezeichnete das Interview großmäulig als „Schande“ und Hohn gegenüber den Opfern. Der Bischof spiele seine Taten herunter – fauchte er. Bischof Guy Harpigny (63) von Tournai hieb todesmutig auf den sterbenden Esel ein. Er bezeichnete das Verhalten seines Mitbruders als „inakzeptabel“. Dieser habe immer noch nicht verstanden, was er angerichtet hat – spielte Mons. Harpigny den Pharisäer.
(Kreuz.net 15.04.2011)
Nun ist es keineswegs überraschend, daß der Vatikan unter der Leitung Ratzis immer noch kein Gefühl für die Opfer ihrer Pädo-Priester entwickelt hat, Missbrauchsfälle weiter herunterspielt und kaum ahndet.
Es liegt in der Natur der Katholischen Sache.
Die Beichte, mit der sich die Sextäter in den Lila-farbenden Kleidern immer ganz schnell wieder reinwaschen können, fungiert letztendlich als Kinderficker-Katalysator.
Ein Knabenbefummler muß sich schließlich nicht so sehr anstrengen seine Triebe unter Kontrolle bekommen, wenn er schlechtes Gewissen und Reue in ein paar Minute im Beichtstuhl ablegen kann.
Wenn Geistliche untereinander sind, heißt es offenbar sehr schnell „vergeben und vergessen“ - manch ein Pädophiler mag das als ein „Weiter so!“ verstehen.
In einer Beichte gesteht eine Person einem Priester unter bestimmten formellen Voraussetzungen Taten und Gedanken, welche die katholische Kirche als Verfehlungen betrachtet. Anschließend werden dem Beichtenden "Reuegebete" auferlegt und er wird von seinen Sünden losgesprochen. Von dieser Lossprechung sind zwar Delikte wie Hostienschändung und Häresie ausgenommen, nicht jedoch Kindsmissbrauch. Der Priester, der solch ein Bußsakrament durchführt, ist danach auch gegenüber Behörden zum Schweigen verpflichtet.
(Peter Mühlbauer für Telepolis 15.04.2011)
Die gotische Liebfrauenkirche in Brügge ist eine meiner Lieblingskirchen.
Sehr ansprechende klerikale Kunst findet man in ihrem Inneren:
Ja, ich weiß, es ist etwas lahm, aber ich bin auch einer dieser Gent- und Brügge-Fans. Weniger begeistert bin ich von dem Mann, der in der Kathedrale Sankt Salvator von 1984 bis 2010 als Bischof des Bistums Brügge die Fäden der Katholiken in Westflandern in der Hand hielt.

Der 74-Jährige Roger Joseph Vangheluwe ist der Christ des Tages Nr XLIII und flog genau während des Mixa-Skandals unter dem Radar aus seinem Amt.
Lapidar teilte er J.R. in Rom mit, zwischen 1973 und 1986 seinen kleinen Neffen sexuell belästigt zu haben. Innerhalb von nur einer Stunde nahm Ratzi den Rücktritt an - das dürfte einen Vatikanischen Geschwindigkeits-Rekord darstellen. Sonst kann es schon mal das ein oder andere Jahrhundert dauern, bis Rom etwas unternimmt.
Roma locuta, aber causa ist doch noch nicht finita.
Denn der Junge, den Vangheluwe über viele Jahre vergewaltigt hatte, inzwischen 42 Jahre alt, war zum Chef der Belgischen Katholen gegangen, um sich die Qualen, die ihm sein priesterlicher Onkel volle 13 Jahre zugefügt hatte, von der Seele zu reden.
Es ist also keineswegs so, daß Bischof Vangheluwe von sich aus die Wahrheit gesagt hätte. Aber auch sein unmittelbarer Chef, Kardinal Danneels, reagierte typisch klerikal.
Das Opfer war ihm egal. Er sorgte sich nur um den Ruf seiner Pädophilenorganisation.
Da der Missbrauchte offenbar genau dieses Verhalten erwartet hatte, nahm der 42-Jährige das Gespräch auf.
Die Verschriftung besagter Unterredung wirft ein zweifelhaftes Licht auf den Kardinal. Das Opfer gibt zu verstehen, dass es den Rücktritt seines Peinigers wünscht. Darauf gibt Danneels zu bedenken, dass Vangheluwe ohnehin im kommenden Jahr das Pensionsalter erreichen und damit abtreten würde. Danneels ist offensichtlich, laut dem ominösen Gesprächsprotokoll, vor allem besorgt wegen des drohenden Imageschadens für den Bischof und die Kirche insgesamt. Zitat: “Ich weiß nicht, ob es vorteilhaft wäre, die Sache an die große Glocke zu hängen, weder für Sie, noch für den Bischof”, wendet sich Danneels an seinen Gesprächspartner. Besagter Mitschnitt ist inzwischen in den Händen der Justiz.
(BRF.de 1. September 2010)
Auch der Vatikan reagierte, wie der Vatikan üblicherweise reagiert.
Der Kinderquälerbischof mußte nicht etwa irgendwelche kirchenrechtlichen oder strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Die Anregung seines Nachfolgers auf dem Bischofsstuhl von Brügge, Jozef De Kesel, sich doch bitte wieder in den Laienstand versetzen zu lassen und auf seine bischöflichen Rechte zu verzichten, lehnte Vangheluwe ab.
Auch J.R. lässt ihn gewähren. Der Papst empfahl im lediglich sich in eins der schönsten Kloster Europas im Loire-Tal zu begeben.
Leben wie Gott in Frankreich als Strafe für 13 Jahre Kindesmissbrauch.
Ich bin überhaupt kein Freund des Rache - oder Vergeltungsgedanken. Drakonische Strafen haben bekanntlich sogar einen negativen Effekt auf die Kriminalitätsrate. Resozialisierung ist das überlegenere Konzept.
Aber:
Wenn jemand, der das nicht eben geringfügige Verbrechen begangen hat über viele Jahre ein Kind sexuell zu mißbrauchen und nach Aufdeckung der Tat so gar keine Konsequenzen zu spüren bekommt, mangelt es dem Delinquenten dann offensichtlich doch manchmal an Einsicht.
Insbesondere wenn es sich um einen Religioten handelt, der zutiefst davon überzeugt ist, einer höheren Moral zu frönen und Ethikexperte zu sein.
Kinderficker Vangheluwe ist sich auch ein Jahr nach seinem erzwungenen Rücktritt gar keiner Schuld bewußt.
Er hält sich noch nicht einmal für pädophil und plauderte vorgestern der staunenden Belgischen Öffentlichkeit aus (so ganz nebenbei, als ob es keine große Sache wäre), daß er noch ein weiteres Kind regelmäßig sexuell belästigt hätte.
Er verstehe gar nicht, was sich seine Neffen so aufregten, es wäre doch alles nur „eine Art Spiel“ gewesen. Und im Übrigen habe er schließlich anschließend jedes Mal gebeichtet. Eine Versetzung in den Laienstand käme für ihn daher nicht in Frage.
In dem am Donnerstagabend im privaten flämischen Fernsehsender VT4 ausgestrahlten Gespräch bestätigte der heute 74-Jährige, ab 1973 einen Neffen über 13 Jahre hinweg und einen weiteren über ein Jahr missbraucht zu haben. Er habe sich dabei nie als Pädophiler gefühlt. Vielmehr habe sich im Laufe der Zeit eine Intimität eingestellt. Er habe nicht das Gefühl gehabt, sein Neffe widersetze sich dem Geschehen. Alles habe „als Spiel“ begonnen, so Vangheluwe. Die Übergriffe hätten sich regelmäßig wiederholt, wenn die Familie des Neffen mehrmals im Jahr zu Besuch gekommen sei.
(Welt 15.04.2011)
Daß Opferorganisation in Belgien, dem Land, welches nach dem Fall Dutroux extrem sensibilisiert ist, über den milden Umgang des Papstes mit Vangheluwe beschweren, erregt die konservativen Missbrauchsbeschöniger von Hetz.net.
Sie halten die Pädopohilie-Vorwürfe gegen katholische Würdenträger grundsätzlich für aufgebauschte Petitessen („Missbrauchs-Hoax“), die nur dazu dienten sich auf Kosten der RKK zu bereichern.
Indes hetzen belgische Kirchenhasser gegen die Suspendierung. Die Kirchenstrafe genüge nicht – schimpften geldgierige Anwälte angeblicher Mißbrauchsopfer. Der Bischof bekomme statt einer Strafe einen „Urlaub im Kloster“. Die Kirche hat rechtlich keine Möglichkeit, Leute einzusperren oder hinzurichten.
Neokonservativer Bischof heizt Mißbrauchs-Hoax an.
Der neokonservative Bischof Johann Bonny von Antwerpen beteuerte, daß das vorläufige Urteil keinesfalls „zu mild“ ausgefallen sei. Gleichzeitig kritisierte er den Vatikan. Er jammerte darüber, daß die Nuntiatur in Brüssel in einer Stellungnahme kein Kriech-Vokabular benutzt und „kein Wort des Bedauerns“ für die angeblichen Opfer ausgesprochen habe.
(Kreuznet 13. April 2011)
Daß der ehemalige Chef-Katholik von Brügge inzwischen einen weiteren Missbrachsfall zugab, stört die katholischen Ultras ebenfalls nicht. Im Gegenteil; sie ärgern sich über die Kritik an dem Pädo-Geistlichen.
Auf einen harmlosen Grapscher-Bischof prügelt die ganze heuchlerische Welt ein.
[…] Der Bischof trat vor einem Jahr wegen simplen homosexuellen Grenzüberschreitungen bei einem ersten Neffen zurück. Die relativ harmlosen Taten fanden in den Jahren 1973 bis 1986 statt. Dem zweiten Neffen soll er ein Jahr lang zu nahe getreten sein. […] Nach dem Fernsehinterview fielen verschiedene belgische Feiglinge über den Bischof her. Der opportunistische belgische Justizminister Stefaan de Clerck bezeichnete das Interview großmäulig als „Schande“ und Hohn gegenüber den Opfern. Der Bischof spiele seine Taten herunter – fauchte er. Bischof Guy Harpigny (63) von Tournai hieb todesmutig auf den sterbenden Esel ein. Er bezeichnete das Verhalten seines Mitbruders als „inakzeptabel“. Dieser habe immer noch nicht verstanden, was er angerichtet hat – spielte Mons. Harpigny den Pharisäer.
(Kreuz.net 15.04.2011)
Nun ist es keineswegs überraschend, daß der Vatikan unter der Leitung Ratzis immer noch kein Gefühl für die Opfer ihrer Pädo-Priester entwickelt hat, Missbrauchsfälle weiter herunterspielt und kaum ahndet.
Es liegt in der Natur der Katholischen Sache.
Die Beichte, mit der sich die Sextäter in den Lila-farbenden Kleidern immer ganz schnell wieder reinwaschen können, fungiert letztendlich als Kinderficker-Katalysator.
Ein Knabenbefummler muß sich schließlich nicht so sehr anstrengen seine Triebe unter Kontrolle bekommen, wenn er schlechtes Gewissen und Reue in ein paar Minute im Beichtstuhl ablegen kann.
Wenn Geistliche untereinander sind, heißt es offenbar sehr schnell „vergeben und vergessen“ - manch ein Pädophiler mag das als ein „Weiter so!“ verstehen.
In einer Beichte gesteht eine Person einem Priester unter bestimmten formellen Voraussetzungen Taten und Gedanken, welche die katholische Kirche als Verfehlungen betrachtet. Anschließend werden dem Beichtenden "Reuegebete" auferlegt und er wird von seinen Sünden losgesprochen. Von dieser Lossprechung sind zwar Delikte wie Hostienschändung und Häresie ausgenommen, nicht jedoch Kindsmissbrauch. Der Priester, der solch ein Bußsakrament durchführt, ist danach auch gegenüber Behörden zum Schweigen verpflichtet.
(Peter Mühlbauer für Telepolis 15.04.2011)
Freitag, 15. April 2011
Die schlechten alten Zeiten.
Wenn man sich tagtäglich mit Kasper-Bischöfen wie Walter Mixa oder Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, Hardcore Katholen wie Overbeck, Müller, Marx und Meisner beschäftigt, wirkt der Chef des Epikopats noch vergleichsweise harmlos.
Herr Zollitsch ist selbstverständlich konservativ und hat wie so viele seiner Kollegen auch schon alle Augen inkl. Hühneraugen zugedrückt, wenn es darum ging pädophile Priester vor der Öffentlichkeit und der Staatsanwaltschaft zu schützen.
Aber das ist nur normal, nachdem ein inzwischen recht bekannt gewordener Kardinal names Joseph Ratzinger 2001 bei Androhung der schlimmsten Kirchenstrafen von den Bischöfen „ewiges Stillschweigen“ über die Kinderfickereien verlangte.
Der gemütliche Donauschwabe Robert Zollitsch, der während seiner gesamten klerikalen Karriere nie aus Freiburg rauskam, kann sich immerhin im Zaum halten, wenn er Interviews gibt. Anders als seine nervös mit den Hufen scharrenden Kollegen Tebartz-van Elst und Overbeck träumt er nicht rund um die Uhr vom roten Kardinalshut und muß sich daher auch nicht mit homophob-rechtsradikalen Sprüchen beim Vatikan einschleimen.
Der Freiburger kann durchaus einige Sätze über katholische Laienorganisationen, den Zölibat, die Protestanten oder Frauen formulieren, ohne daß auf der Stelle wieder 1000 Mitglieder aus der Kirche austreten.
Kaum zu glauben, aber Zollitsch verzichtet sogar auf dreiste Holokaust-Vergleiche, die seine Kleidchen-Kollegen immer wieder gerne auftischen.
In der Realität lebt der deutsche Oberhirte deswegen noch lange nicht. Obwohl seine Organisation so viel Unheil über fast alle Kontinente mit Abermillionen Todesopfern brachte, obwohl seine Kirche unter Hitlers Rockschöße kroch und anschließend die extremsten Nazis vor der alliierten Justiz nach Südamerika schleuste, obwohl seine Kirche in Säuglingsheimen Hunderttausende Kleinkinder brutal mißhandelte und noch viel mehr Kinder in Heimen verprügelte und als Zwangsarbeiter ausbeutete, obwohl seine Kirche über Dekaden systematisch sexuelle Gestörte ihre Perversionen an Kindern ausleben ließ, beklagt sich der Bischof nun es gäbe zu wenig Religion.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, hat vor einer Verdrängung des Religiösen aus der Öffentlichkeit gewarnt. „Es gibt eine große Sehnsucht nach Hoffnung“, so Zollitsch. Hier habe die Kirche eine bleibende Aufgabe.
(erzbistum-freiburg.de)
Herr Zollitsch, da muß man doch wohl einiges klarstellen.
Das Gegenteil ihrer Beobachtung ist der Fall. In geradezu aberwitziger Weise unterstützt die Politik weit über das grundgesetzlich erlaubte Maß hinaus die beiden Christlichen Kirchen.
Das „Religiöse“ ist weit überproportional in öffentlichen Gremien, Rundfunkräten und Ethikkommissionen vertreten - während die größere Gruppe der Konfessionslosen, Humanisten und Atheisten tatsächlich aus der Öffentlichkeit verdrängt ist.
Die deutsche Bundesregierung beispielsweise besteht zu 100% aus Christen, alle schworen „so wahr mir Gott helfe“ bei ihrem Amtseid.
Aber, Herr Zollitisch, wir haben das 21. Jahrhundert und auch wenn es Ihnen furchtbar Leid tut - die Kirche hat nicht mehr die Macht willkürlich Menschen auf den Scheiterhaufen und in Bischöfliche Folterkeller zu werfen, wenn sie nicht religiös genug sind.
Obwohl die Kirche Jahrhunderte massiv gegen die verschiedenen Menschenrechte ankämpfte, sind doch diese Kämpfe alle verloren gegangen. Soviel zu der Mächtigkeit Ihres Gottes, den Sie auf Ihrer Seite wähnen. Der Liebe Gott hat auf ganzer Linie verloren.
Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Aufhebung der Sklaverei, Folterverbot, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Schwulenrechte, Tierrechte, Aufhebung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Aufhebung des Verbots gemischtkonfessionellen Ehen, gleiches Wahlrecht für alle, Selbstbestimmungsrecht der Frauen, Verbot der Kinderarbeit und des Schlagens von Kindern in der Schule etc - all das wurde gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen von Humanisten erkämpft.
Nun ist es aber so und das bedeutet für Sie, Herr Zollitsch, daß Ihr Verein nur noch einer unter vielen ist.
Und in Konkurrenz mit dem „World-of-Warcraft“-Verein, attac und den Wannsee-Nudisten sind die beiden Kirchen ganz offensichtlich zu unattraktiv und zu unglaubwürdig.
Ihr Angebot hat sich als realitätsuntauglich erwiesen.
Erzbischof Zollitsch bekräftigte, dass der von der Kirche angestrebte Gesprächsprozess grundsätzlich offen für alle Themen sei. „Dialog darf nicht von vorneherein auf bestimmte Themen beschränkt bleiben und auch nicht möglicherweise sensible Fragestellungen außer Acht lassen“, sagte Erzbischof Zollitsch bei einem Vortrag im Wilhelm-Böhler-Club am Mittwochabend in Bonn.
(erzbistum-freiburg.de)
Hier spricht ein Bischof, denn wahr ist das natürlich nicht.
Gerade diese Woche konnten wir erleben, wie die Kirche auf die Fragen nach den 260.000 in ihren Säuglingsheimen malträtierten Babys reagiert: Gar nicht.
Keine Stellungnahme, keine Entschuldigung und erst recht kein Dialog.
Mit der totalen Dialogverweigerungen treiben insbesondere Bischof Müller, Kardinal Meisner und Bischof Tebartz-van Elst die Gläubigen aus der Kirche. Mit einer gehörigen Portion Sadismus sabotieren sie die Bemühungen aller Katholischen Laienorganisationen. Dialog à la Bischof bedeutet: „Wir geben Anweisungen, ihr hört zu!“
Erzbischof Zollitsch forderte weiter, die Kirche „wieder neu erkennbar und erfahrbar“ zu machen „als Ort, an dem Menschen Zugang finden zu einer Wahrheit, die sie beglückt und frei macht, die sie ihr ganzes, zugleich so buntes wie auch gefährdetes Leben verstehen lässt. Menschen vertrauen der Kirche, wenn sie den Glauben tatsächlich glaubwürdig an sie heranträgt und lebt.“
(erzbistum-freiburg.de)
Glaubwürdigkeit ist kein Begriff, den ich Ihnen, Herr Zollitsch, empfehlen würde.
Schließlich hat die Kirche sich systematisch an den Schwächsten vergriffen und die Sextäter geschützt.
Nun will sie die teilweise in den Selbstmord, zumindest aber in Psychosen getriebenen Opfer mit maximal 5000 Euro, also einer knappen Hälfte eines bischöflichen Monatsgehalt abspeisen.
Glaubwürdig wäre die katholische Kirche in dem Punkt, wenn sie einsähe, daß es bei den Protestanten nicht in dieser Häufung Mißbrauch an kleinen Jungs gibt.
Es ist offensichtlich, daß mit der Bibel-widrigen Praxis des Zwangszölibats, der Homophobie und der Frauenordinierungs-Panik, genau die unreifen und komplexbeladenen Typen in die Priesterseminare gelockt werden, die nachher den Ministranten in die Hose fassen.
Eine glaubwürde Kirche würde das ändern.
Dazu gehört Ihr Verein nicht, Herr Zollitsch.
Herr Zollitsch ist selbstverständlich konservativ und hat wie so viele seiner Kollegen auch schon alle Augen inkl. Hühneraugen zugedrückt, wenn es darum ging pädophile Priester vor der Öffentlichkeit und der Staatsanwaltschaft zu schützen.
Aber das ist nur normal, nachdem ein inzwischen recht bekannt gewordener Kardinal names Joseph Ratzinger 2001 bei Androhung der schlimmsten Kirchenstrafen von den Bischöfen „ewiges Stillschweigen“ über die Kinderfickereien verlangte.
Der gemütliche Donauschwabe Robert Zollitsch, der während seiner gesamten klerikalen Karriere nie aus Freiburg rauskam, kann sich immerhin im Zaum halten, wenn er Interviews gibt. Anders als seine nervös mit den Hufen scharrenden Kollegen Tebartz-van Elst und Overbeck träumt er nicht rund um die Uhr vom roten Kardinalshut und muß sich daher auch nicht mit homophob-rechtsradikalen Sprüchen beim Vatikan einschleimen.
Der Freiburger kann durchaus einige Sätze über katholische Laienorganisationen, den Zölibat, die Protestanten oder Frauen formulieren, ohne daß auf der Stelle wieder 1000 Mitglieder aus der Kirche austreten.
Kaum zu glauben, aber Zollitsch verzichtet sogar auf dreiste Holokaust-Vergleiche, die seine Kleidchen-Kollegen immer wieder gerne auftischen.
In der Realität lebt der deutsche Oberhirte deswegen noch lange nicht. Obwohl seine Organisation so viel Unheil über fast alle Kontinente mit Abermillionen Todesopfern brachte, obwohl seine Kirche unter Hitlers Rockschöße kroch und anschließend die extremsten Nazis vor der alliierten Justiz nach Südamerika schleuste, obwohl seine Kirche in Säuglingsheimen Hunderttausende Kleinkinder brutal mißhandelte und noch viel mehr Kinder in Heimen verprügelte und als Zwangsarbeiter ausbeutete, obwohl seine Kirche über Dekaden systematisch sexuelle Gestörte ihre Perversionen an Kindern ausleben ließ, beklagt sich der Bischof nun es gäbe zu wenig Religion.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, hat vor einer Verdrängung des Religiösen aus der Öffentlichkeit gewarnt. „Es gibt eine große Sehnsucht nach Hoffnung“, so Zollitsch. Hier habe die Kirche eine bleibende Aufgabe.
(erzbistum-freiburg.de)
Herr Zollitsch, da muß man doch wohl einiges klarstellen.
Das Gegenteil ihrer Beobachtung ist der Fall. In geradezu aberwitziger Weise unterstützt die Politik weit über das grundgesetzlich erlaubte Maß hinaus die beiden Christlichen Kirchen.
Das „Religiöse“ ist weit überproportional in öffentlichen Gremien, Rundfunkräten und Ethikkommissionen vertreten - während die größere Gruppe der Konfessionslosen, Humanisten und Atheisten tatsächlich aus der Öffentlichkeit verdrängt ist.
Die deutsche Bundesregierung beispielsweise besteht zu 100% aus Christen, alle schworen „so wahr mir Gott helfe“ bei ihrem Amtseid.
Aber, Herr Zollitisch, wir haben das 21. Jahrhundert und auch wenn es Ihnen furchtbar Leid tut - die Kirche hat nicht mehr die Macht willkürlich Menschen auf den Scheiterhaufen und in Bischöfliche Folterkeller zu werfen, wenn sie nicht religiös genug sind.
Obwohl die Kirche Jahrhunderte massiv gegen die verschiedenen Menschenrechte ankämpfte, sind doch diese Kämpfe alle verloren gegangen. Soviel zu der Mächtigkeit Ihres Gottes, den Sie auf Ihrer Seite wähnen. Der Liebe Gott hat auf ganzer Linie verloren.
Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Aufhebung der Sklaverei, Folterverbot, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Schwulenrechte, Tierrechte, Aufhebung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Aufhebung des Verbots gemischtkonfessionellen Ehen, gleiches Wahlrecht für alle, Selbstbestimmungsrecht der Frauen, Verbot der Kinderarbeit und des Schlagens von Kindern in der Schule etc - all das wurde gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen von Humanisten erkämpft.
Nun ist es aber so und das bedeutet für Sie, Herr Zollitsch, daß Ihr Verein nur noch einer unter vielen ist.Und in Konkurrenz mit dem „World-of-Warcraft“-Verein, attac und den Wannsee-Nudisten sind die beiden Kirchen ganz offensichtlich zu unattraktiv und zu unglaubwürdig.
Ihr Angebot hat sich als realitätsuntauglich erwiesen.
Erzbischof Zollitsch bekräftigte, dass der von der Kirche angestrebte Gesprächsprozess grundsätzlich offen für alle Themen sei. „Dialog darf nicht von vorneherein auf bestimmte Themen beschränkt bleiben und auch nicht möglicherweise sensible Fragestellungen außer Acht lassen“, sagte Erzbischof Zollitsch bei einem Vortrag im Wilhelm-Böhler-Club am Mittwochabend in Bonn.
(erzbistum-freiburg.de)
Hier spricht ein Bischof, denn wahr ist das natürlich nicht.
Gerade diese Woche konnten wir erleben, wie die Kirche auf die Fragen nach den 260.000 in ihren Säuglingsheimen malträtierten Babys reagiert: Gar nicht.
Keine Stellungnahme, keine Entschuldigung und erst recht kein Dialog.
Mit der totalen Dialogverweigerungen treiben insbesondere Bischof Müller, Kardinal Meisner und Bischof Tebartz-van Elst die Gläubigen aus der Kirche. Mit einer gehörigen Portion Sadismus sabotieren sie die Bemühungen aller Katholischen Laienorganisationen. Dialog à la Bischof bedeutet: „Wir geben Anweisungen, ihr hört zu!“
Erzbischof Zollitsch forderte weiter, die Kirche „wieder neu erkennbar und erfahrbar“ zu machen „als Ort, an dem Menschen Zugang finden zu einer Wahrheit, die sie beglückt und frei macht, die sie ihr ganzes, zugleich so buntes wie auch gefährdetes Leben verstehen lässt. Menschen vertrauen der Kirche, wenn sie den Glauben tatsächlich glaubwürdig an sie heranträgt und lebt.“
(erzbistum-freiburg.de)
Glaubwürdigkeit ist kein Begriff, den ich Ihnen, Herr Zollitsch, empfehlen würde.
Schließlich hat die Kirche sich systematisch an den Schwächsten vergriffen und die Sextäter geschützt.
Nun will sie die teilweise in den Selbstmord, zumindest aber in Psychosen getriebenen Opfer mit maximal 5000 Euro, also einer knappen Hälfte eines bischöflichen Monatsgehalt abspeisen.
Glaubwürdig wäre die katholische Kirche in dem Punkt, wenn sie einsähe, daß es bei den Protestanten nicht in dieser Häufung Mißbrauch an kleinen Jungs gibt.
Es ist offensichtlich, daß mit der Bibel-widrigen Praxis des Zwangszölibats, der Homophobie und der Frauenordinierungs-Panik, genau die unreifen und komplexbeladenen Typen in die Priesterseminare gelockt werden, die nachher den Ministranten in die Hose fassen.
Eine glaubwürde Kirche würde das ändern.
Dazu gehört Ihr Verein nicht, Herr Zollitsch.
Donnerstag, 14. April 2011
Opfer obenauf.
Manchmal hat man das Gefühl Angela Merkel wäre schon tot.
Nicht nur wegen ihrer politischen Tatenlosigkeit, sondern weil in journalistischen Kommentaren oft eine rückblickartige Schau auf das Gesamtwirken der noch amtierenden Kanzlerin mitschwingt. So sicher wie das Amen in der Kirche werden dabei auch raunend und staunend all die innerparteilichen Gegner erwähnt, die Merkel „erledigt“ hat.
Köhler, Koch, Merz, Wulff, Müller, - lang ist die Liste der Unionsgrößen, die ihr Merkel-Antagonismus direkt in den politischen Tod führte.
Sie ist ein regelrechter Ein-Frau-Heuschreckenschwarm: Mögen auch noch so hoffnungsvolle Polittalente sprießen - wenn Merkel darüber zieht, wächst kein Gras mehr.
Aber wie das so ist, wenn man auf dem politischen Misthaufen landet; manch einer gedeiht auf dem Humus erst richtig.
Der Paradefall dafür dürfte Friedrich Merz sein. Jener Kurzzeit CDU-Fraktionsvorsitzende, der geradezu bemitleidenswert versuchte sich selbst als Kanzlerkandidaten ins Spiel zu bringen.
Leider hatte er nie verstanden, daß er sich mit seinen rechten Positionen zwar bei der Unions-Basis enorm beliebt machte, daß ihm diese Begeisterung aber gleichzeitig aus dem Kanzleramt fernhielt.
In Deutschland schafft es kein Polarisierer in die Berliner Waschmaschine.
Merz aber war der Vorkämpfer für Deregulieren, freie Fahrt für Finanzkapital und Privatisierung von Allem. Er schrieb das Antizeitgeist-Buch "Mehr Kapitalismus wagen" und sang damit als Letzter das Mantra des Neoliberalismus.
Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung sah er als Teufelszeug an.
Die Sozialleistungen wollte er radikal zusammenstreichen, den Katholizismus fördern und eine verpflichtende „deutsche Leitkultur“ postulieren.
Er war der Jünger des Kirchhof-Steuergedankens und klagte sich bis zum Bundesverfassungsgericht durch, um seine üppigen Nebeneinnahmen vor dem Bundestag geheim zu halten.
Als Erstunterzeichner des sogenannten „Energiepolitischen Appells“ mit dem Jürgen Grossmann und Co die Kanzlerin erpressen wollten, setzte sich Merz für Atomkraft ohne Ende ein.
Schon im Jahr 2005, als Merz noch Bundestagsfraktionsvize war, verschrieb er sich ganz den Interessen der TCI-Megaheuschrecke.
Merz war über seine Anwaltspraxis als Berater für den englischen Hedge-Fonds TCI tätig, der den Kampf um die Führung der Deutschen Börse AG gewonnen und den Rücktritt des Börsenchefs Werner Seifert erreicht hatte. Anschließend hatte sich Merz mit Aussagen gegenüber der "Wirtschaftswoche" für den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse ins Gespräch gebracht. TCI soll Merz sogar für den Vorsitz des Gremiums vorgeschlagen haben. Die Nebentätigkeit des CDU-Bundestagsabgeordneten Merz für einen hochspekulativen Hedge-Fonds werde auch in den Reihen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als "heikler Vorgang" eingeschätzt, berichtet die "Neue Presse" unter Berufung auf Unions-Kreise. Als "fast verantwortungslos" kritisiert die hessische SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Hauer die Nebentätigkeit von Merz: "Das Verhalten von Hedge-Fonds ist das eines skrupellosen Finanzhais. Das passt nicht zu einem verantwortungsbewussten Volksvertreter", betonte sie.
(Spon 12.05.2005)
Dabei ist TCI nur eins unter den vielen Pferdchen, das der Ex-CDU-Hoffnungsträger reitet:
Er gehört den Aufsichtsräten der AXA Konzern AG, der DBV-Winterthur Holding AG, der Deutsche Börse AG, der IVG Immobilien AG und der WEPA Industrieholding SE als Vorsitzender an.
Er sitzt in den Verwaltungsräten von der Commerzbank, BASF, der Bank HSBC Trinkaus, Borussia Dortmund und der Stadler Rail AG.
Ins Kanzleramt einziehen wird der Rechtsaußen aus dem Sauerland zwar nicht mehr, aber dafür muß er sich auch nicht mehr mit so einem lumpigen Peanuts-Gehalt wie Angela Merkel bescheiden.
Neben all seinen Pöstchen wirft insbesondere seine Partnerschaft in der Anwaltskanzlei Mayer-Brown ordentlich was ab.
Nachdem NRW-CDU-Politnulpen die West-LB in eine beispiellose Krise taumeln lassen hatte, beschloss die NRW-CDU-Regierung Rüttgers den NRW-CDU-Politiker Merz mit dem Verkauf der West-LB zu beauftragen.
Der nimmt 5000 Euro - PRO TAG!
Der Soffin sowie die Alteigentümer der nordrhein-westfälischen Landesbank, darunter die Landesregierung und die örtlichen Sparkassenverbände, hatten Merz im Juni 2010 beauftragt, einen Käufer für das Institut zu finden. Der vom Bund kontrollierte Soffin hatte die WestLB vor einem Jahr mit einer Stillen Einlage über drei Milliarden Euro gestützt.
(Handelsblatt 12.04.2011)
Das Merz-Honorar bezahlt - wie sollte es auch anders sein - der Steuerzahler.
Bisher hat Mayer Brown der West-LB für „Rechtsberatungsleistungen“ seit dem August 2009 die Kleinigkeit von 10.990.000 Euro in Rechnung gestellt.
Eine Entlohnung, die Merz als „branchenüblich“ darstellt. Die Ergebnisse, die Merz‘ Expertise beim West-LB-Verkauf erbracht haben, sind Politiker-typisch; nämlich NULL.
Mayer Brown hat keinen einzigen Kunden gefunden. Die West LBV liegt immer noch wie Blei in den Regalen des inzwischen rotgrün regierten NRW.
Seit Sommer 2010 sucht der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz einen Käufer für die marode Landesbank - und bezieht dafür ein Tageshonorar in Höhe von 5000 Euro. Grüne und SPD - zum Zeitpunkt der Beauftragung Oppositionsparteien in NRW, jetzt in der Regierungsverantwortung - fordern nun Aufklärung über das Merz-Honorar und kritisieren dessen Höhe: "Man muss nicht den Maximalgewinn machen, wenn man öffentliche Einrichtungen berät, bei denen der Staat mit einem großen Risiko reingeht. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl ist da sicher möglich", zitiert stern.de den SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider. Sein Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Martin Börschel, erhob Filzvorwürfe: "Wenn die hohen Tagessätze stimmen, riecht das nach Amigo-Konditionen." Dies wäre umso unbefriedigender, da "die Ergebnisse bisher alles andere als überzeugend sind". Die NRW-Grünen forderten Aufklärung über das Honorar von Merz. Es müsse zum Beispiel geklärt werden, ob Merz lukrative Unteraufträge an seine Kanzlei vergeben habe, sagte der Grünen-Finanzexperte Mehrdad Mostofizadeh. "Was hat Merz überhaupt geleistet?", fragte Mostofizadeh.
(Spon 12.04.2011)
Von CDU-Politikern und SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) profitiert nicht nur Friedrich Merz‘ Kanzlei.
Nach einer Soffin-Aufstellung vom 28.02.2011 für Herrn Schäuble wurden bisher mehr als 70 Millionen Euro für externe Berater bei der Bankenrettung ausgegeben.
Die 30.000 Fachleute im Finanzministerium reichen Herrn Schäuble entweder nicht aus, oder er möchte Freunden wie Merz ein bißchen unter die Arme greifen.
Nach einem Bericht aus dem STERN (15/2011) kassierte die Prüfungsgesellschaft PWC 15 Millionen Euro für „diverse Beratungen“ bei der mit einer dreistelligen Milliardensumme bezuschussten HRE und weitere 7,2 Millionen Euro für Verkaufsberatungen der West-LB.
Auch der SoFFin selbst ließ sich extern beraten und bezahlte der Kanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer schlappe 14 Millionen Euro.
Darüber hinaus kassierte Freshfield Bruckhaus Deringer weitere 9,7 Millionen Euro von der bundeseigenen Hypo Real Estate - ebenfalls mit dem bekannten Ergebnis: Gar Keinem.
Wieso bin ich nicht Finanzberater geworden?
Das Resultat "kein Käufer gefunden" hätte ich auch erbringen können.
Ich würde sogar für lumpige 4000 Euro am Tag bereit sein kein Ergebnis zu erzielen.
Nicht nur wegen ihrer politischen Tatenlosigkeit, sondern weil in journalistischen Kommentaren oft eine rückblickartige Schau auf das Gesamtwirken der noch amtierenden Kanzlerin mitschwingt. So sicher wie das Amen in der Kirche werden dabei auch raunend und staunend all die innerparteilichen Gegner erwähnt, die Merkel „erledigt“ hat.
Köhler, Koch, Merz, Wulff, Müller, - lang ist die Liste der Unionsgrößen, die ihr Merkel-Antagonismus direkt in den politischen Tod führte.
Sie ist ein regelrechter Ein-Frau-Heuschreckenschwarm: Mögen auch noch so hoffnungsvolle Polittalente sprießen - wenn Merkel darüber zieht, wächst kein Gras mehr.
Aber wie das so ist, wenn man auf dem politischen Misthaufen landet; manch einer gedeiht auf dem Humus erst richtig.
Der Paradefall dafür dürfte Friedrich Merz sein. Jener Kurzzeit CDU-Fraktionsvorsitzende, der geradezu bemitleidenswert versuchte sich selbst als Kanzlerkandidaten ins Spiel zu bringen.
Leider hatte er nie verstanden, daß er sich mit seinen rechten Positionen zwar bei der Unions-Basis enorm beliebt machte, daß ihm diese Begeisterung aber gleichzeitig aus dem Kanzleramt fernhielt.
In Deutschland schafft es kein Polarisierer in die Berliner Waschmaschine.
Merz aber war der Vorkämpfer für Deregulieren, freie Fahrt für Finanzkapital und Privatisierung von Allem. Er schrieb das Antizeitgeist-Buch "Mehr Kapitalismus wagen" und sang damit als Letzter das Mantra des Neoliberalismus.
Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung sah er als Teufelszeug an.
Die Sozialleistungen wollte er radikal zusammenstreichen, den Katholizismus fördern und eine verpflichtende „deutsche Leitkultur“ postulieren.
Er war der Jünger des Kirchhof-Steuergedankens und klagte sich bis zum Bundesverfassungsgericht durch, um seine üppigen Nebeneinnahmen vor dem Bundestag geheim zu halten.
Als Erstunterzeichner des sogenannten „Energiepolitischen Appells“ mit dem Jürgen Grossmann und Co die Kanzlerin erpressen wollten, setzte sich Merz für Atomkraft ohne Ende ein.
Schon im Jahr 2005, als Merz noch Bundestagsfraktionsvize war, verschrieb er sich ganz den Interessen der TCI-Megaheuschrecke.
Merz war über seine Anwaltspraxis als Berater für den englischen Hedge-Fonds TCI tätig, der den Kampf um die Führung der Deutschen Börse AG gewonnen und den Rücktritt des Börsenchefs Werner Seifert erreicht hatte. Anschließend hatte sich Merz mit Aussagen gegenüber der "Wirtschaftswoche" für den Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse ins Gespräch gebracht. TCI soll Merz sogar für den Vorsitz des Gremiums vorgeschlagen haben. Die Nebentätigkeit des CDU-Bundestagsabgeordneten Merz für einen hochspekulativen Hedge-Fonds werde auch in den Reihen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als "heikler Vorgang" eingeschätzt, berichtet die "Neue Presse" unter Berufung auf Unions-Kreise. Als "fast verantwortungslos" kritisiert die hessische SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Hauer die Nebentätigkeit von Merz: "Das Verhalten von Hedge-Fonds ist das eines skrupellosen Finanzhais. Das passt nicht zu einem verantwortungsbewussten Volksvertreter", betonte sie.
(Spon 12.05.2005)
Dabei ist TCI nur eins unter den vielen Pferdchen, das der Ex-CDU-Hoffnungsträger reitet:
Er gehört den Aufsichtsräten der AXA Konzern AG, der DBV-Winterthur Holding AG, der Deutsche Börse AG, der IVG Immobilien AG und der WEPA Industrieholding SE als Vorsitzender an.
Er sitzt in den Verwaltungsräten von der Commerzbank, BASF, der Bank HSBC Trinkaus, Borussia Dortmund und der Stadler Rail AG.
Ins Kanzleramt einziehen wird der Rechtsaußen aus dem Sauerland zwar nicht mehr, aber dafür muß er sich auch nicht mehr mit so einem lumpigen Peanuts-Gehalt wie Angela Merkel bescheiden.
Neben all seinen Pöstchen wirft insbesondere seine Partnerschaft in der Anwaltskanzlei Mayer-Brown ordentlich was ab.
Nachdem NRW-CDU-Politnulpen die West-LB in eine beispiellose Krise taumeln lassen hatte, beschloss die NRW-CDU-Regierung Rüttgers den NRW-CDU-Politiker Merz mit dem Verkauf der West-LB zu beauftragen.
Der nimmt 5000 Euro - PRO TAG!
Der Soffin sowie die Alteigentümer der nordrhein-westfälischen Landesbank, darunter die Landesregierung und die örtlichen Sparkassenverbände, hatten Merz im Juni 2010 beauftragt, einen Käufer für das Institut zu finden. Der vom Bund kontrollierte Soffin hatte die WestLB vor einem Jahr mit einer Stillen Einlage über drei Milliarden Euro gestützt.
(Handelsblatt 12.04.2011)
Das Merz-Honorar bezahlt - wie sollte es auch anders sein - der Steuerzahler.
Bisher hat Mayer Brown der West-LB für „Rechtsberatungsleistungen“ seit dem August 2009 die Kleinigkeit von 10.990.000 Euro in Rechnung gestellt.
Eine Entlohnung, die Merz als „branchenüblich“ darstellt. Die Ergebnisse, die Merz‘ Expertise beim West-LB-Verkauf erbracht haben, sind Politiker-typisch; nämlich NULL.
Mayer Brown hat keinen einzigen Kunden gefunden. Die West LBV liegt immer noch wie Blei in den Regalen des inzwischen rotgrün regierten NRW.
Seit Sommer 2010 sucht der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz einen Käufer für die marode Landesbank - und bezieht dafür ein Tageshonorar in Höhe von 5000 Euro. Grüne und SPD - zum Zeitpunkt der Beauftragung Oppositionsparteien in NRW, jetzt in der Regierungsverantwortung - fordern nun Aufklärung über das Merz-Honorar und kritisieren dessen Höhe: "Man muss nicht den Maximalgewinn machen, wenn man öffentliche Einrichtungen berät, bei denen der Staat mit einem großen Risiko reingeht. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl ist da sicher möglich", zitiert stern.de den SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider. Sein Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Martin Börschel, erhob Filzvorwürfe: "Wenn die hohen Tagessätze stimmen, riecht das nach Amigo-Konditionen." Dies wäre umso unbefriedigender, da "die Ergebnisse bisher alles andere als überzeugend sind". Die NRW-Grünen forderten Aufklärung über das Honorar von Merz. Es müsse zum Beispiel geklärt werden, ob Merz lukrative Unteraufträge an seine Kanzlei vergeben habe, sagte der Grünen-Finanzexperte Mehrdad Mostofizadeh. "Was hat Merz überhaupt geleistet?", fragte Mostofizadeh.
(Spon 12.04.2011)
Von CDU-Politikern und SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) profitiert nicht nur Friedrich Merz‘ Kanzlei.
Nach einer Soffin-Aufstellung vom 28.02.2011 für Herrn Schäuble wurden bisher mehr als 70 Millionen Euro für externe Berater bei der Bankenrettung ausgegeben.
Die 30.000 Fachleute im Finanzministerium reichen Herrn Schäuble entweder nicht aus, oder er möchte Freunden wie Merz ein bißchen unter die Arme greifen.
Nach einem Bericht aus dem STERN (15/2011) kassierte die Prüfungsgesellschaft PWC 15 Millionen Euro für „diverse Beratungen“ bei der mit einer dreistelligen Milliardensumme bezuschussten HRE und weitere 7,2 Millionen Euro für Verkaufsberatungen der West-LB.
Auch der SoFFin selbst ließ sich extern beraten und bezahlte der Kanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer schlappe 14 Millionen Euro.
Darüber hinaus kassierte Freshfield Bruckhaus Deringer weitere 9,7 Millionen Euro von der bundeseigenen Hypo Real Estate - ebenfalls mit dem bekannten Ergebnis: Gar Keinem.
Wieso bin ich nicht Finanzberater geworden?
Das Resultat "kein Käufer gefunden" hätte ich auch erbringen können.
Ich würde sogar für lumpige 4000 Euro am Tag bereit sein kein Ergebnis zu erzielen.
Mittwoch, 13. April 2011
Ich mach mir die Welt, widiwidiwitt, wie sie mir gefällt.
„Ihr mit Eurem SPIEGEL-Fimmel“; den Spruch mußte ich mir heute wieder anhören und er hängt mir zu den Ohren raus.
Ja, klar, natürlich kann man auch einen Montag ohne den neuen SPIEGEL ertragen. Ja, klar, ist das Hamburger Magazin nicht mehr so outstanding wie früher. Die Federn sind nicht mehr so spitz und die Themen nicht mehr so heiß.
Aber der arme SPIEGEL mit seinem wöchentlichen Rhythmus erkämpft sich immerhin einen Platz in der Medienwelt der minütlichen Meldungen.
Heute bin ich scheinbar milde gestimmt und gucke großzügig darüber hinweg wie das Berliner Büro und Gabor Steingarts Leitung einst pure neoliberale PR schrieb. Merkel und Westerwelle-huldigend drosch man damals wie von Sinnen auf Rot/Grün ein.
Aber auch wenn mir permanent die Ohren schlackern und sich alle Fußnägel hochbiegen, werde ich mal bei meinem Abo bleiben. Genau wie bei meiner Parteimitgliedschaft, die auch kein Ruhmesblatt ist.
Die aktuelle Ausgabe (DER SPIEGEL15/2011) ist jedenfalls ganz lustig.
Outside-minister Westerwave kriegt so richtig eins auf den Deckel - und zwar insbesondere wegen seiner miserablen Außenpolitik.
Kläglich dilettierend schafft er es immerhin keinen Fettnapf auszulassen.
Er ist quasi das reziproke Trüffelschwein des diplomatischen Dienstes und steckt immer da seine Nase rein, wo es ekelig und billig ist.
Aber das war nur die Ouvertüre.
Richtig vom Leder zieht dann SPIEGEL-Urgestein Dirk Kurbjuweit mit seinem zweiseitigen Essay „Ritt auf dem Reh - Warum Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder umfällt.“
Die armen Spiegelleute. Wie sollen sie auch noch auffallen in einer Zeit, in der selbst Unternehmerverbände und Industrielobbyisten unverhohlen ausplaudern die schwarzgelbe Regierung sei zweifellos die Schlechteste, die Deutschland je gehabt hat?
Es ist schon schwer für die aktuelle Besatzung des „Sturmgeschützes der Demokratie“ noch Treffer zu setzen, während in den TV-Talkrunden die konservativen Pressevertreter von Handelsblatt, Welt, FAZ und Focus augenrollend zustimmen, wenn taz-Journalisten über die Kanzlerin vom Leder ziehen.
Kurbjuweit versucht der journalistischen Aufgabe nun mit einer Art realistischem Zynismus gerecht zu werden.
Seine Grundthese lautet, daß mit Angela Merkel die direkte Demokratie à la Griechenland im Jahr 500 v.Chr. ins Kanzleramt eingezogen sei.
Merkel verfüge über keinerlei Überzeugungen und sei derart flexibel, daß sie immer das täte, das zufällig gerade populär wäre.
Er nennt das „weiche Kanzlerschaft“, da die Kanzlerin niemals fest zu einem Vorhaben stehe.
In einer Demokratie sollte es immer eine Alternative geben, was niemand so gut weiß wie die Kanzlerin. Die Alternative zu Merkels Politik kommt meistens von Merkel. Sie ist die Frau ohne Fundament, ein Wunder der Beweglichkeit.
(Spiegel 15/2011)
Sie habe keinen inneren Kompass und dementsprechend wären alle Ansätze ihrem Handeln -christliche, wissenschaftliche, weibliche, konservative oder was auch immer für welche - Maßstäbe zuzuordnen gescheitert.
Als sie die Nachrichten aus Fukushima hörte, verabschiedete sie sich in Windeseile vom Atomstrom, ohne das in klaren Sätzen öffentlich zu sagen. Ähnlich wie im Fall Libyen war es die entschiedene Unentschiedenheit. Sie setzte ein Moratorium für sieben ältere Kernkraftwerke durch und berief eine Ethikkommission, die über den Ausstieg beraten und für Merkel klare Sätze absichern soll. Auch das geschah rechtzeitig vor den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Deutschen, dachte die Populistin in ihr, können die Atomkraft nicht mehr aushalten.
(Spiegel 15/2011)
Als guter Journalist will Kurbjuweit auch beschreiben, weswegen Merkel eigentlich so puddingartig und bar jeder Kontur regiert.
Sie wolle eben unbedingt Bundeskanzlerin sein und bleiben.
Ganz im Gegensatz zu Schröder der für eine politische Überzeugung gewissermaßen 2005 sein Amt opferte, werfe Merkel lieber Überzeugungen über Bord, um ihren Job zu behalten.
Für sie ist das Regieren der Bundesrepublik nicht der Ritt auf dem Tiger, sondern der Ritt auf dem Reh. Für Merkel sind wir ein nervöses, ängstliches Volk, das dauernd beruhigt werden muss. Aus ihrer Sicht haben wir Angst vor Krieg, Angst vor Kernkraft, Angst vor Steuererhöhungen, Angst vor Sozialkürzungen, Angst vor hohen Energiepreisen. Die Frage ist, ob das stimmt. Durch die vielen Krisen des jungen Jahrtausends sind wir doch recht gelassen gekommen.
(Spiegel 15/2011)
Dieser Essay hat wirklich Charme.
Ein von Merkel frustrierter Journalist versetzt ihr den ultimativen Tiefschlag, indem er ihr abspricht das ureigen Kanzler-artige zu tun, nämlich die Richtlinien der Politik zu bestimmen.
Sie regiert gewissermaßen durch "Nichtregieren". Sie reagiert.
Sie gibt die Richtung vor, indem sie anderen hinterherläuft.
Einen netten Schuß Perfidie rührt Kurbjuweit in seinen Essay, indem er ausgerechnet der konservativen Parteiführerin attestiert APO-artig Basisdemokratie eingeführt zu haben.
Tatsächlich sind einige Punkte dieser Analyse kaum zu bestreiten:
Auch im Jahr 6 der Merkelschen Kanzlerschaft weiß man nicht welche Meinungen sie eigentlich vertritt. Sie läßt sich nicht festlegen, wartet ab.
Mit ihrer „asymmetrischen Demobilisierungen“ lutschte sie die K.O.alitionspartner SPD und FDP zu winzigen Kieseln rund.
Ganz offensichtlich interessiert die Kanzlerin nur eins: Kanzlerin zu sein.
Daß die CDU-Obermutter so rückgratfrei regiert, hat in Wahrheit aber einen anderen Grund.
Merkel ist lernfähig und hat erkannt wie es um ihre Entscheidungskraft aussieht.
Mit sicherem Griff ins Klo entscheidet sie sich bei politischen Positionen stets für die falsche Seite.
Sie kann es einfach nicht besser, da ihre Instinkte verkümmert sind.
Sie erinnert an eine Eiskunstläuferin, die keinen Spin beim Dreh um die Längsachse entwickeln kann. Alle ihre Rittberger, Toeloops und Salchows landete sie immer mit dem blanken Hintern auf der Eisbahn. Nachdem sie sich das zehnte mal das Steißbein sehr schmerzhaft angeknackst hatte, tat sie das was jeder Eiskunstläufer tun würde.
Sie verzichtete auf die eigentlich Kür-entscheidenden Sprünge und verwirrt die Zuschauer mit komplizierten Schrittfolgen, Pirouetten und ständigen Tempi-Wechseln.
Merkel ist seit 1990 in der vordersten Reihe der bundesrepublikanischen Politik. Acht Jahre Mitglied der Kohl-Regierung, acht Jahre Ministerin, gute zehn Jahre Parteichefin, sieben Jahre Oppositionsführerin und seit 2005 Kanzlerin.
Ich halte daher die These von ihrem DDR-bedingten Fremdeln in der Spitzenpolitik für schwachsinnig.
Es hat seit 1945 immer wieder Menschen gegeben, die quasi über Nacht in politische Spitzenämter katapultiert wurden.
Das ging mal gut, wie bei Prof. Dr. Dr. Karl Wilhelm Lauterbach, den es 2005 in den Bundestag verschlug und der dort inzwischen eine Schlüsselrolle in der SPD-Fraktion spielt.
Das ging mal schief, wie bei Ian Karan, Rudolf Augstein oder Konrad Schily, die nach kurzen Intermezzi sang- und klanglos aus der Politik ausschieden.
Merkel gehörte offenbar zu der flexiblen Sorte und konnte amöbenartig recht schnell die jeweiligen Anforderungsprofile ausfüllen.
In den letzten 21 Jahren hat die Nordvorpommerin im Hosenanzug durchaus auch mal politische Entscheidungen getroffen, die richtungsweisend sein sollten.
Aber sie hat ausnahmslos auf das falsche Pferd gesetzt.
Mit geradezu unheimlicher Sicherheit setzte sich Merkel für den Weg in die Sackgasse ein.
Und sie ist eben doch klug genug, um inzwischen an den politischen Weg-Gabeln nicht mehr von allein eine Richtung einzuschlagen.
Ein kurzer Rückblick:
Merkel entschied als Umweltministerin, daß die Asse ein wunderbar geeigneter Ort wäre, um den Atommüll endzulagern.
Sie setzte 1998 auf Freiwilligkeit der Getränkehersteller beim Dosenpfand, verkomplizierte die alte Töpferische Lösung in absurder Weise und sprach sich 2003 generell gegen eine Pfandlösung aus - wie in Österreich.
Merkel rutschte 2003 schleimspurziehend auf den Knien nach Washington, um George W. Bush zu versichern, daß Schröder nicht für alle Deutschen spreche und Deutschland unter ihrer Führung an der Seite der USA im Irak wäre.
Im Herbst 2003 auf dem legendären Leipziger Parteitag ließ sich Merkel als Radikalreformerin bejubeln und kämpfte für eine 264 Euro-Kopfpauschale im Gesundheitssystem.
Arbeitgeber und Reiche sollten entlastet werden.
Im Wahlkampf 2005 propagierte die CDU-Kanzlerkandidatin für die Kirchhof‘sche Flat Tax von 25 Prozent auf alle Einkommen.
Um Schröder zu beschädigen, nahm sie es in Kauf die Position Deutschlands zu unterminieren und mauschelte 2004 mit allen Tricks den konservativen José Manuel Durão Barroso an die Spitze der EU. Inzwischen ist der Portugiese ihr größtes Ärgernis bei der Euro-Politik.
Bei der OPEL-Krise setzte die Kanzlerin gegen ihren Wirtschaftsminister Guttenberg die staatliche Auffanglösung wider alle wirtschaftliche Vernunft durch.
Einseitig protegierte sie dabei zudem den Russisch-österreichischen Konzern Magna- nur um letztendlich von GM vorgeführt zu werden.
Im „Herbst der Entscheidungen“ zertrümmerte die Atomkanzlerin gegen alle Vernunft den alten Atomausstiegskonsens und sagte eine Laufzeitverlängerung um 15 Jahre zu.
Ebenfalls im „Herbst der Entscheidungen“ erkor sie die Grünen zum Hauptgegner, erhob das Bekenntnis zu Stuttgart 21 zur Schicksalsfrage und wertete die BW-Wahl zum Plebiszit über ihre Regierung auf. Eindrucksvoller ist wohl kaum jemals eine Strategie gescheitert.
In der Googleberg-Affäre gab sie dem Lügenminister Rückendeckung und wischte die fortlaufenden Unwahrheiten und Windungen des Verteidigungsministers als Petitessen vom Tisch. (SZ, 13.04.11: Hier wird gleich jemand richtig sauer: Angela Merkel hat Karl-Theodor zu Guttenberg nichts mehr zu sagen, tut es aber trotzdem. Denn der Kredit, den sie ihm gewährte, wird toxisch - Nico Fried)
Libyen-Zickzack 2011.
Geradezu legendär katastrophal sind Merkels Personalentscheidungen.
Sie kann es einfach nicht.
Merkel entscheidet selten etwas, in dem sie voran geht.
Wenn sie sich aber frühzeitig festlegt, ist es immer Murx.
Nur logisch, daß sie Entscheidungen möglichst unterlässt.
Ja, klar, natürlich kann man auch einen Montag ohne den neuen SPIEGEL ertragen. Ja, klar, ist das Hamburger Magazin nicht mehr so outstanding wie früher. Die Federn sind nicht mehr so spitz und die Themen nicht mehr so heiß.
Aber der arme SPIEGEL mit seinem wöchentlichen Rhythmus erkämpft sich immerhin einen Platz in der Medienwelt der minütlichen Meldungen.
Heute bin ich scheinbar milde gestimmt und gucke großzügig darüber hinweg wie das Berliner Büro und Gabor Steingarts Leitung einst pure neoliberale PR schrieb. Merkel und Westerwelle-huldigend drosch man damals wie von Sinnen auf Rot/Grün ein.
Aber auch wenn mir permanent die Ohren schlackern und sich alle Fußnägel hochbiegen, werde ich mal bei meinem Abo bleiben. Genau wie bei meiner Parteimitgliedschaft, die auch kein Ruhmesblatt ist.
Die aktuelle Ausgabe (DER SPIEGEL15/2011) ist jedenfalls ganz lustig.
Outside-minister Westerwave kriegt so richtig eins auf den Deckel - und zwar insbesondere wegen seiner miserablen Außenpolitik.
Kläglich dilettierend schafft er es immerhin keinen Fettnapf auszulassen.
Er ist quasi das reziproke Trüffelschwein des diplomatischen Dienstes und steckt immer da seine Nase rein, wo es ekelig und billig ist.
Aber das war nur die Ouvertüre.
Richtig vom Leder zieht dann SPIEGEL-Urgestein Dirk Kurbjuweit mit seinem zweiseitigen Essay „Ritt auf dem Reh - Warum Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder umfällt.“
Die armen Spiegelleute. Wie sollen sie auch noch auffallen in einer Zeit, in der selbst Unternehmerverbände und Industrielobbyisten unverhohlen ausplaudern die schwarzgelbe Regierung sei zweifellos die Schlechteste, die Deutschland je gehabt hat?
Es ist schon schwer für die aktuelle Besatzung des „Sturmgeschützes der Demokratie“ noch Treffer zu setzen, während in den TV-Talkrunden die konservativen Pressevertreter von Handelsblatt, Welt, FAZ und Focus augenrollend zustimmen, wenn taz-Journalisten über die Kanzlerin vom Leder ziehen.
Kurbjuweit versucht der journalistischen Aufgabe nun mit einer Art realistischem Zynismus gerecht zu werden.
Seine Grundthese lautet, daß mit Angela Merkel die direkte Demokratie à la Griechenland im Jahr 500 v.Chr. ins Kanzleramt eingezogen sei.
Merkel verfüge über keinerlei Überzeugungen und sei derart flexibel, daß sie immer das täte, das zufällig gerade populär wäre.
Er nennt das „weiche Kanzlerschaft“, da die Kanzlerin niemals fest zu einem Vorhaben stehe.
In einer Demokratie sollte es immer eine Alternative geben, was niemand so gut weiß wie die Kanzlerin. Die Alternative zu Merkels Politik kommt meistens von Merkel. Sie ist die Frau ohne Fundament, ein Wunder der Beweglichkeit.
(Spiegel 15/2011)
Sie habe keinen inneren Kompass und dementsprechend wären alle Ansätze ihrem Handeln -christliche, wissenschaftliche, weibliche, konservative oder was auch immer für welche - Maßstäbe zuzuordnen gescheitert.
Als sie die Nachrichten aus Fukushima hörte, verabschiedete sie sich in Windeseile vom Atomstrom, ohne das in klaren Sätzen öffentlich zu sagen. Ähnlich wie im Fall Libyen war es die entschiedene Unentschiedenheit. Sie setzte ein Moratorium für sieben ältere Kernkraftwerke durch und berief eine Ethikkommission, die über den Ausstieg beraten und für Merkel klare Sätze absichern soll. Auch das geschah rechtzeitig vor den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Deutschen, dachte die Populistin in ihr, können die Atomkraft nicht mehr aushalten.
(Spiegel 15/2011)
Als guter Journalist will Kurbjuweit auch beschreiben, weswegen Merkel eigentlich so puddingartig und bar jeder Kontur regiert.
Sie wolle eben unbedingt Bundeskanzlerin sein und bleiben.
Ganz im Gegensatz zu Schröder der für eine politische Überzeugung gewissermaßen 2005 sein Amt opferte, werfe Merkel lieber Überzeugungen über Bord, um ihren Job zu behalten.
Für sie ist das Regieren der Bundesrepublik nicht der Ritt auf dem Tiger, sondern der Ritt auf dem Reh. Für Merkel sind wir ein nervöses, ängstliches Volk, das dauernd beruhigt werden muss. Aus ihrer Sicht haben wir Angst vor Krieg, Angst vor Kernkraft, Angst vor Steuererhöhungen, Angst vor Sozialkürzungen, Angst vor hohen Energiepreisen. Die Frage ist, ob das stimmt. Durch die vielen Krisen des jungen Jahrtausends sind wir doch recht gelassen gekommen.
(Spiegel 15/2011)
Dieser Essay hat wirklich Charme.
Ein von Merkel frustrierter Journalist versetzt ihr den ultimativen Tiefschlag, indem er ihr abspricht das ureigen Kanzler-artige zu tun, nämlich die Richtlinien der Politik zu bestimmen.
Sie regiert gewissermaßen durch "Nichtregieren". Sie reagiert.
Sie gibt die Richtung vor, indem sie anderen hinterherläuft.
Einen netten Schuß Perfidie rührt Kurbjuweit in seinen Essay, indem er ausgerechnet der konservativen Parteiführerin attestiert APO-artig Basisdemokratie eingeführt zu haben.
Tatsächlich sind einige Punkte dieser Analyse kaum zu bestreiten:
Auch im Jahr 6 der Merkelschen Kanzlerschaft weiß man nicht welche Meinungen sie eigentlich vertritt. Sie läßt sich nicht festlegen, wartet ab.
Mit ihrer „asymmetrischen Demobilisierungen“ lutschte sie die K.O.alitionspartner SPD und FDP zu winzigen Kieseln rund.
Ganz offensichtlich interessiert die Kanzlerin nur eins: Kanzlerin zu sein.
Daß die CDU-Obermutter so rückgratfrei regiert, hat in Wahrheit aber einen anderen Grund.
Merkel ist lernfähig und hat erkannt wie es um ihre Entscheidungskraft aussieht.
Mit sicherem Griff ins Klo entscheidet sie sich bei politischen Positionen stets für die falsche Seite.
Sie kann es einfach nicht besser, da ihre Instinkte verkümmert sind.
Sie erinnert an eine Eiskunstläuferin, die keinen Spin beim Dreh um die Längsachse entwickeln kann. Alle ihre Rittberger, Toeloops und Salchows landete sie immer mit dem blanken Hintern auf der Eisbahn. Nachdem sie sich das zehnte mal das Steißbein sehr schmerzhaft angeknackst hatte, tat sie das was jeder Eiskunstläufer tun würde.
Sie verzichtete auf die eigentlich Kür-entscheidenden Sprünge und verwirrt die Zuschauer mit komplizierten Schrittfolgen, Pirouetten und ständigen Tempi-Wechseln.
Merkel ist seit 1990 in der vordersten Reihe der bundesrepublikanischen Politik. Acht Jahre Mitglied der Kohl-Regierung, acht Jahre Ministerin, gute zehn Jahre Parteichefin, sieben Jahre Oppositionsführerin und seit 2005 Kanzlerin.
Ich halte daher die These von ihrem DDR-bedingten Fremdeln in der Spitzenpolitik für schwachsinnig.
Es hat seit 1945 immer wieder Menschen gegeben, die quasi über Nacht in politische Spitzenämter katapultiert wurden.
Das ging mal gut, wie bei Prof. Dr. Dr. Karl Wilhelm Lauterbach, den es 2005 in den Bundestag verschlug und der dort inzwischen eine Schlüsselrolle in der SPD-Fraktion spielt.
Das ging mal schief, wie bei Ian Karan, Rudolf Augstein oder Konrad Schily, die nach kurzen Intermezzi sang- und klanglos aus der Politik ausschieden.
Merkel gehörte offenbar zu der flexiblen Sorte und konnte amöbenartig recht schnell die jeweiligen Anforderungsprofile ausfüllen.
In den letzten 21 Jahren hat die Nordvorpommerin im Hosenanzug durchaus auch mal politische Entscheidungen getroffen, die richtungsweisend sein sollten.
Aber sie hat ausnahmslos auf das falsche Pferd gesetzt.
Mit geradezu unheimlicher Sicherheit setzte sich Merkel für den Weg in die Sackgasse ein.
Und sie ist eben doch klug genug, um inzwischen an den politischen Weg-Gabeln nicht mehr von allein eine Richtung einzuschlagen.
Ein kurzer Rückblick:
Merkel entschied als Umweltministerin, daß die Asse ein wunderbar geeigneter Ort wäre, um den Atommüll endzulagern.
Sie setzte 1998 auf Freiwilligkeit der Getränkehersteller beim Dosenpfand, verkomplizierte die alte Töpferische Lösung in absurder Weise und sprach sich 2003 generell gegen eine Pfandlösung aus - wie in Österreich.
Merkel rutschte 2003 schleimspurziehend auf den Knien nach Washington, um George W. Bush zu versichern, daß Schröder nicht für alle Deutschen spreche und Deutschland unter ihrer Führung an der Seite der USA im Irak wäre.
Im Herbst 2003 auf dem legendären Leipziger Parteitag ließ sich Merkel als Radikalreformerin bejubeln und kämpfte für eine 264 Euro-Kopfpauschale im Gesundheitssystem.
Arbeitgeber und Reiche sollten entlastet werden.
Im Wahlkampf 2005 propagierte die CDU-Kanzlerkandidatin für die Kirchhof‘sche Flat Tax von 25 Prozent auf alle Einkommen.
Um Schröder zu beschädigen, nahm sie es in Kauf die Position Deutschlands zu unterminieren und mauschelte 2004 mit allen Tricks den konservativen José Manuel Durão Barroso an die Spitze der EU. Inzwischen ist der Portugiese ihr größtes Ärgernis bei der Euro-Politik.
Bei der OPEL-Krise setzte die Kanzlerin gegen ihren Wirtschaftsminister Guttenberg die staatliche Auffanglösung wider alle wirtschaftliche Vernunft durch.
Einseitig protegierte sie dabei zudem den Russisch-österreichischen Konzern Magna- nur um letztendlich von GM vorgeführt zu werden.
Im „Herbst der Entscheidungen“ zertrümmerte die Atomkanzlerin gegen alle Vernunft den alten Atomausstiegskonsens und sagte eine Laufzeitverlängerung um 15 Jahre zu.
Ebenfalls im „Herbst der Entscheidungen“ erkor sie die Grünen zum Hauptgegner, erhob das Bekenntnis zu Stuttgart 21 zur Schicksalsfrage und wertete die BW-Wahl zum Plebiszit über ihre Regierung auf. Eindrucksvoller ist wohl kaum jemals eine Strategie gescheitert.
In der Googleberg-Affäre gab sie dem Lügenminister Rückendeckung und wischte die fortlaufenden Unwahrheiten und Windungen des Verteidigungsministers als Petitessen vom Tisch. (SZ, 13.04.11: Hier wird gleich jemand richtig sauer: Angela Merkel hat Karl-Theodor zu Guttenberg nichts mehr zu sagen, tut es aber trotzdem. Denn der Kredit, den sie ihm gewährte, wird toxisch - Nico Fried)
Libyen-Zickzack 2011.
Geradezu legendär katastrophal sind Merkels Personalentscheidungen.
Sie kann es einfach nicht.
Merkel entscheidet selten etwas, in dem sie voran geht.
Wenn sie sich aber frühzeitig festlegt, ist es immer Murx.
Nur logisch, daß sie Entscheidungen möglichst unterlässt.
Dienstag, 12. April 2011
Bastarde / Kinder der Sünde.
Zu den Begriffen „Caritas“ und „Diakonie“ konnotiere ich Dumpinglöhne, Tendenzbetriebe und Kirchen-PR.
All die kirchlichen Kindergärten und konfessionellen Altenheime führen Religioten jeglicher Couleur auf, wenn es gilt die positiven Seiten des Christentums zu belegen.
Ich kann nur hoffen, daß vielen Deutschen auch Artikel wie „Die Caritas-Legende“ (von Carsten Frerk) einfallen, die eindrucksvoll darlegen welch dreisten Etikettenschwindel die Kirchen betreiben.
Während die Bischöfe für sich üppige Gehälter von bis zu 11.500 Euro monatlich VOM STEUERZAHLER kassieren, geben sie aus ihren eigenen Mitteln (bischöfliche schwarze Kassen, Kirchensteuern, Vermögenszinsen und Spenden) wenig bis nichts ab, um die kirchlichen Einrichtungen zu finanzieren.
Für konfessionelle Kindertagesstätten gaben der Staat und damit alle Steuerzahler 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro aus. Die Finanzierungsregeln sind Sache der Länder, die sie unterschiedlich handhaben. In Hamburg oder Bayern werden christliche Kitas ohne Geld der Kirchen betrieben, in Nordrhein-Westfalen steuern sie zwölf Prozent zu den Etats „ihrer“ Kitas bei. Mehr ist es nicht. Aber die Kirchen werden nicht müde zu beteuern, dass sie die Kirchensteuer für die kirchlichen Krankenhäuser, Kindertagesstätten und weitere soziale Einrichtungen brauchen. Das glauben dann auch die wohlmeinenden Christen.
(FR 19.12.2010)
Daß sich Katholen und Protestanten in großem Stil mit fremden Federn schmücken, macht ihre öffentlichen Lügen zu einer Art Giga-Guttenberg-Affäre.
Das ist ärgerlich.
Das ist aber keineswegs der größte Caritas/Diakonie-Skandal.
Die ganze Christliche Menschenverachtung wird erst offenbar, wenn man sich damit beschäftigt, auf welch grausame und sadistische Weise die Kirchen Heiminsassen quälten.
Es gibt den „Runden Tisch Heimerziehung“ und spätestens seit Ulrike Meinhof weiß man, welch abartige Brutalität in den kirchlichen Kinderheimen herrschte.
Bisher keine besondere Erwähnung fanden die rund 260.000 Opfer, die bis in die späten 1970er Jahre in Säuglingsheimen der Caritas und Diakonie gefoltert wurden.
Viele leiden bis heute man den Spätfolgen.
Das Recht Babys ihren Müttern wegzunehmen und sie fortan anzubinden, zu schlagen, wegzusperren und systematisch zu brechen, nahmen sich die Herren Bischöfe aus der Bibel.
Es handelte sich nämlich überwiegend um „Bastarde“, also um „Kinder der Sünde.“
Soll heißen: Ihr Mütter waren nicht kirchlich verheiratet.
Die Christenkirchen ließen die Kinder dafür einen hohen Preis zahlen, wie gestern das Politmagazin „Report Mainz“ berichtete:
"Die Hände, die Arme, die Beine wurden an die Gitterstäbe der Betten angebunden und es wurden unruhige Kinder auch mit Medikamenten ruhiggestellt, mit sedierenden Medikamenten, völlig ohne Problembewusstsein. Hauptsache sie waren ruhig", berichtete der Sozialpädagoge Professor Manfred Kappeler in "Report Mainz". Dies sei "generelle Praxis" gewesen.
(Spon 11.04.11)
Dieser Bericht ist nur etwas für starke Nerven.
Um Zeit zu sparen bekam jedes Kind sein Fläschchen ins Bett gelegt. Wer nicht alleine trinken konnte, oder seine Flasche verlor, musste warten, oft stundenlang. Die meiste Zeit waren die Kinder sich selbst überlassen. Alleine. Tag für Tag. Viele stumpften ab, blieben in ihrer Entwicklung zurück. Sie fingen nicht an zu sprechen. Sie lachten nicht. Verkümmerten seelisch. Wer häufig störte, wurde ruhig gestellt.
[…] Die Kinder kamen nie nach draußen. Man wusste, dass sich so ihre Blutwerte verschlechterten. Deshalb wurden sie unter Höhensonnen mit UV-Licht bestrahlt.
(swr.de/report)
Weder die Katholische, noch die Evangelische Kirche sind bereit sich zu dem Thema zu äußern.
Auch im Jahr 2011 halten sie ihre Moral für so überlegen, daß sie es nicht nötig haben ein Wort an ihre Opfer zu richten.
Selbstverständlich behalten sie auch ihre 700 Milliarden Vermögen für sich und kassieren Jahr für Jahr weitere Milliarden vom Steuerzahler.
Die katholischen Bischöfe auf dem Weg zum Bußgottesdienst im Dom zu Paderborn. Sie wollen beten um Vergebung. Vergebung für die Sünden der Kirche, begangen an Heimkindern. Mit ihnen sprechen wollen die Bischöfe aber nicht.
[…] Heute sagen uns die Kirchen: Sie hätten sich schon mit der Heimerziehung auseinandergesetzt. Ein Interview zu den Säuglingsheimen geben sie allerdings nicht. Die Evangelische Kirche Deutschlands schreibt uns, sie sehe keinen Spielraum für eine separate Stellungnahme der EKD zu diesem speziellen Aspekt. Die katholische Kirche verweist an die Caritas. Doch auch die Caritas lehnt ein Interview ab. Aufgearbeitet haben die Kirchen das Unrecht der Säuglingsheime bislang nicht.
(swr.de/report)
Für heute empfehle ich mich mit einem kleinen Liedchen, dessen Refrain ich an die Herren und Damen Bischöfe richten möchte.
All die kirchlichen Kindergärten und konfessionellen Altenheime führen Religioten jeglicher Couleur auf, wenn es gilt die positiven Seiten des Christentums zu belegen.
Ich kann nur hoffen, daß vielen Deutschen auch Artikel wie „Die Caritas-Legende“ (von Carsten Frerk) einfallen, die eindrucksvoll darlegen welch dreisten Etikettenschwindel die Kirchen betreiben.
Während die Bischöfe für sich üppige Gehälter von bis zu 11.500 Euro monatlich VOM STEUERZAHLER kassieren, geben sie aus ihren eigenen Mitteln (bischöfliche schwarze Kassen, Kirchensteuern, Vermögenszinsen und Spenden) wenig bis nichts ab, um die kirchlichen Einrichtungen zu finanzieren.
Für konfessionelle Kindertagesstätten gaben der Staat und damit alle Steuerzahler 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro aus. Die Finanzierungsregeln sind Sache der Länder, die sie unterschiedlich handhaben. In Hamburg oder Bayern werden christliche Kitas ohne Geld der Kirchen betrieben, in Nordrhein-Westfalen steuern sie zwölf Prozent zu den Etats „ihrer“ Kitas bei. Mehr ist es nicht. Aber die Kirchen werden nicht müde zu beteuern, dass sie die Kirchensteuer für die kirchlichen Krankenhäuser, Kindertagesstätten und weitere soziale Einrichtungen brauchen. Das glauben dann auch die wohlmeinenden Christen.
(FR 19.12.2010)
Daß sich Katholen und Protestanten in großem Stil mit fremden Federn schmücken, macht ihre öffentlichen Lügen zu einer Art Giga-Guttenberg-Affäre.
Das ist ärgerlich.
Das ist aber keineswegs der größte Caritas/Diakonie-Skandal.
Die ganze Christliche Menschenverachtung wird erst offenbar, wenn man sich damit beschäftigt, auf welch grausame und sadistische Weise die Kirchen Heiminsassen quälten.
Es gibt den „Runden Tisch Heimerziehung“ und spätestens seit Ulrike Meinhof weiß man, welch abartige Brutalität in den kirchlichen Kinderheimen herrschte.
Bisher keine besondere Erwähnung fanden die rund 260.000 Opfer, die bis in die späten 1970er Jahre in Säuglingsheimen der Caritas und Diakonie gefoltert wurden.
Viele leiden bis heute man den Spätfolgen.
Das Recht Babys ihren Müttern wegzunehmen und sie fortan anzubinden, zu schlagen, wegzusperren und systematisch zu brechen, nahmen sich die Herren Bischöfe aus der Bibel.
Es handelte sich nämlich überwiegend um „Bastarde“, also um „Kinder der Sünde.“
Soll heißen: Ihr Mütter waren nicht kirchlich verheiratet.
Die Christenkirchen ließen die Kinder dafür einen hohen Preis zahlen, wie gestern das Politmagazin „Report Mainz“ berichtete:
"Die Hände, die Arme, die Beine wurden an die Gitterstäbe der Betten angebunden und es wurden unruhige Kinder auch mit Medikamenten ruhiggestellt, mit sedierenden Medikamenten, völlig ohne Problembewusstsein. Hauptsache sie waren ruhig", berichtete der Sozialpädagoge Professor Manfred Kappeler in "Report Mainz". Dies sei "generelle Praxis" gewesen.
(Spon 11.04.11)
Dieser Bericht ist nur etwas für starke Nerven.
Um Zeit zu sparen bekam jedes Kind sein Fläschchen ins Bett gelegt. Wer nicht alleine trinken konnte, oder seine Flasche verlor, musste warten, oft stundenlang. Die meiste Zeit waren die Kinder sich selbst überlassen. Alleine. Tag für Tag. Viele stumpften ab, blieben in ihrer Entwicklung zurück. Sie fingen nicht an zu sprechen. Sie lachten nicht. Verkümmerten seelisch. Wer häufig störte, wurde ruhig gestellt.
[…] Die Kinder kamen nie nach draußen. Man wusste, dass sich so ihre Blutwerte verschlechterten. Deshalb wurden sie unter Höhensonnen mit UV-Licht bestrahlt.
(swr.de/report)
Weder die Katholische, noch die Evangelische Kirche sind bereit sich zu dem Thema zu äußern.
Auch im Jahr 2011 halten sie ihre Moral für so überlegen, daß sie es nicht nötig haben ein Wort an ihre Opfer zu richten.
Selbstverständlich behalten sie auch ihre 700 Milliarden Vermögen für sich und kassieren Jahr für Jahr weitere Milliarden vom Steuerzahler.
Die katholischen Bischöfe auf dem Weg zum Bußgottesdienst im Dom zu Paderborn. Sie wollen beten um Vergebung. Vergebung für die Sünden der Kirche, begangen an Heimkindern. Mit ihnen sprechen wollen die Bischöfe aber nicht.
[…] Heute sagen uns die Kirchen: Sie hätten sich schon mit der Heimerziehung auseinandergesetzt. Ein Interview zu den Säuglingsheimen geben sie allerdings nicht. Die Evangelische Kirche Deutschlands schreibt uns, sie sehe keinen Spielraum für eine separate Stellungnahme der EKD zu diesem speziellen Aspekt. Die katholische Kirche verweist an die Caritas. Doch auch die Caritas lehnt ein Interview ab. Aufgearbeitet haben die Kirchen das Unrecht der Säuglingsheime bislang nicht.
(swr.de/report)
Für heute empfehle ich mich mit einem kleinen Liedchen, dessen Refrain ich an die Herren und Damen Bischöfe richten möchte.
Montag, 11. April 2011
Glaubensfreiheit.
Die Menschen sind frei alles zu glauben, was sie wollen.
Glauben ist das Gegenteil von Wissen; daher ist es prinzipiell zum Scheitern verurteilt Glaubensinhalte mit Plausibilität zu korrelieren.
In der Wissenschaft gilt entsprechend das gegenteilige Prinzip. Theorien werden ständig überprüft und sofort verworfen, wenn es eine exaktere Theorie gibt, die die Natur besser beschreibt.
Glaube hingegen ist der Ratio entkoppelt. Daher sind Gläubige und Naturwissenschaftler wie von anderen Planeten. Diese Venusianer und Marsianer können nicht miteinander kommunizieren, weil sie beide nicht abstrahieren.
Beispiel Creationismus:
Der Venus-Mensch glaubt die Erde sei 6000 Jahre alt und zu Zeiten des Pharao Ramses des Großen hätten Menschen und Dinosaurier friedlich zusammen gelebt.
Der Mars-Mensch sieht diese Theorie durch eine Fülle von Fakten widerlegt und erwartet daher der Venusianer müsse sich nun automatisch von dem Modell verabschieden. Er nimmt damit aber an, der Venusianer dächte wie ein Marsianer.
Ein Irrtum!
Der Venusianer unterliegt aber einem analogen Irrtum, indem er die präsentierten Widerlegungsfakten als „Glaube“ interpretiert.
Du glaubst das, ich glaube dies.
Ein Glaube widerlegt aber eben keinen anderen (entgegengesetzten) Glauben, sondern stärkt ihn sogar.
Erstaunlicherweise können Menschen zugleich Venusianer und Marsianer sein.
Die menschliche Psyche macht es möglich sich mit dieser Schizophrenie zu arrangieren.
Ein atheistischer Mathematiker kann beispielsweise voller Hoffnung Globuli essen, obwohl er weiß, daß von den homöopathischen Inhaltsstoffen
(Bspw. Acidum formicium - natürliche Ameisensäure, Ambra - Ausscheidungsprodukt des Pottwals, Aranea diadema - Tinktur der ganzen Kreuzspinne, Carbo animalis - Tierkohle, Kohle von Rindskernleder, Coccus cacti - Cochenille-Laus, Formica rufa - Rote Waldameise, Latrodectus mactans - Schwarze Witwe, Mephitis putorius - Stinktier. Sekret aus den Afterdrüsen, Spongia - Badeschwamm, Tarantula - Tarantel, Thyreoidinum - Schilddrüse von Kälbern und Schafen, Vipera berus - Kreuzotter, Eierstockextrakt von Kühen, Hornissen, Kakerlaken, Kellerasseln, Krötengift, Quecksilber, Speichel tollwütiger Hunde, Coca-Cola, faules Rindfleisch, Hundekot, Kondomgummi, menschlicher Hodenextrakt und Pferdehaar)
kein einziges Molekül in dem Mittelchen enthalten ist, das er schluckt.*
Obwohl nicht einen einzige Studie irgendeinen Nutzen der Homöopathie zeigen konnte.
Menschen glauben daran, daß eine schwarze Katze Unglück bringt, sie klopfen dreimal auf Holz, um Pech abzuwenden, sie schleppen Glücksbringer mit sich herum, sie kaufen versifftes Badewannenwasser, in dem eine offensichtlich durchgeknallte Uriella mit einem Kochlöffel herum rührte, sie sind überzeugt, eine vor 2000 in einem Betlehemer Stall kreißende Handwerksfrau sei noch nach der Geburt ihres Sohnes Jungfrau gewesen, wobei ihr Baby bizarrerweise eigentlich in Nazareth zur Welt kam.
Einigen Menschen glauben fest daran von Außerirdischen in Ufos entführt worden zu sein, andere meinen auf einer Wolke mit 72 Jungfrauen kopulieren zu können, wenn sie sich vorher in die Luft sprengen und wieder andere meinen zu wissen, daß der Mossad das Word Trade Center sprengte.
Es ist sinnlos aus wissenschaftlicher Sicht Wahrscheinlichkeiten für den Wahrheitsgehalt solcher Glaubensinhalte zu berechnen, da Ratio auf einer ganz anderen Ebene funktioniert.
Das ist als wolle man einen Waldbrand mit Lärm löschen. Als ob man mit Origami gegen Flatulenz kämpft.
Ja, für einen nicht religiösen Menschen erscheint es absurd unwahrscheinlich, daß wir alle Teil eines göttlichen Plans sind.
Realistischerweise sollten wir davon ausgehen, dass sich hinter dem Auf und Ab der Evolution kein göttlicher Heilsplan verbirgt, sondern nur das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit. Wenn der Mensch tatsächlich von Anfang an von Gott als “Krone der Schöpfung” geplant gewesen wäre, wie der Papst meint, so müsste man sich doch fragen, warum “Gott” zum Erreichen dieses Ziels einen so verrückten Weg eingeschlagen hat: Warum, bitteschön, erschuf er zunächst a.) eine unglaubliche Vielfalt an Dinosauriern, die über Jahrmillionen die Erde beherrschten, dann b.) einen Riesen-Asteroiden, den er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen ließ, damit c.) die Dinosaurier wieder aussterben, um so d.) einigen rattengroßen Säugetieren Platz zu machen, aus denen sich e.) einige Millionen Jahre später die aufrecht gehende Affenart Homo sapiens entwickeln konnte? Ein Gott, der sich so seltsam verhalten würde, würde eher einem intergalaktischen Mister Bean gleichen als einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen Wesen. Kein Unternehmen dieser Welt würde einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen.
(Schmidt-Salomon)
Andererseits würde ich mich dafür einsetzen, daß jeder seinem Glauben nachgehen darf so viel er will.
Wenn ein rechtlich gesehen mündiger Mensch eine Blinddarmentzündung hat und statt einer OP lieber aus Hundescheiße fabrizierte Globuli essen möchte, soll er das tun dürfen.
Es richtet keinerlei Schaden an ZU GLAUBEN die Erde sei eine Scheibe, Joseph Smith wäre vor 190 Jahren der Erzengel Moroni erschienen und habe ihm befohlen Anti-Masturbationsunterwäsche zu schneidern.
Es ist absolut demokratieverträglich, wenn im Bible-belt Gottesdienste inmitten hochtoxischer Vipern abgehalten werden, um die Heilkraft des Glaubens „zu beweisen.“
Ein ganz dickes Problem tritt allerdings auf, wenn Glaubende ihre imaginäre Welt verlassen und sich anmaßen auch für Nicht-Glaubende Regeln aufzustellen.
Niemals darf man es zulassen, daß beispielsweise Christliche Kirchen auf die Gesetzgebung Einfluß nehmen und somit durch ihre eigene Religiotie Unschuldige gefährden.
Das ist in den letzten 2000 Jahren leider überall auf der Welt geschehen.
Religioten urteilten über geistig normal entwickelte Menschen, die zufällig den Heliozentrismus entdeckten, der homosexuellen Liebe frönten oder für Menschenrechte kämpften.
Als Atheist bekämpfe ich nicht den Glauben und nicht die Kirchen.
Ich bekämpfe aber umso stärker den Einfluß der Religiotie auf das Leben der nicht an jener Form der geistigen Behinderung Leidenden, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird und zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen führt.
Ein Kardinal Marx kann den ganzen Tag in seiner Kirche den größten Unsinn über Jesu‘ tiefere Absichten der klerikalen Kinderfickereien erzählen und es dürfen gerne alle Menschen zu ihm gehen und ihm jedes Wort glauben.
Ein Kardinal Marx soll aber gefälligst nicht in einer Merkel‘schen Ethikkommission hocken und politische Dinge beeinflussen.
Des Kardinals „Glaube an einen Gott mit multipler Persönlichkeitsstörung (Dreifaltigkeit), dessen erster Teil (Gottvater) sich mit seinen Geschöpfen verkrachte, worauf er den zweiten Teil seiner selbst (Heiliger Geist) aussandte, um eine Jungfrau auf nichtsexuelle Weise zu schwängern, wodurch der dritte Teil seiner selbst (Jesus Christus) als aufrechtgehender Trockennasenaffe geboren wurde, um von einer historischen Besatzungsmacht hingerichtet zu werden und – ätsch – am dritten Tag wieder von den Toten aufzuerstehen“ (MSS) ist sein gutes Recht.
Aber er soll diejenigen in Ruhe lassen, die diese geistigen Verrenkungen ihren Hirnen nicht zumuten wollen.
*Glaubt man einer Allensbach-Umfrage haben 57 Prozent der Bevölkerung schon mal homöopathische Mittel geschluckt. 25 Prozent gelten sogar als "überzeugte Verwender".
[…] Wie wenig Wirkstoff in einem homöopathischen Mittel nach der Verdünnung am Ende tatsächlich noch enthalten ist, kann man sich kaum vorstellen. So kommt bereits bei D9 etwa ein Tropfen Wirkstoff auf den Inhalt eines Tanklasters. D23 entspricht bereits einem Tropfen Wirkstoff im gesamten Mittelmeer. Und D78 bedeutet, dass wenige Wirkstoffmoleküle auf alle Moleküle des Universums kommen. Daneben stellt die DHU auch Potenzen wie D200 und sogar D1000 her. "Daran sieht man, wie viel Handarbeit in der Herstellung von homöopathischen Mitteln steckt", sagt Geschäftsführer Stempfle. Solche hochverdünnten Mittel sind in der Apotheke deshalb auch die teuersten. Eine Packung Tabletten von DHU kann bis zu 120 Euro kosten. Globuli in niedrigen Potenzen gibt es dagegen schon für 7,40 Euro.
(DER SPIEGEL 28/2010)
Glauben ist das Gegenteil von Wissen; daher ist es prinzipiell zum Scheitern verurteilt Glaubensinhalte mit Plausibilität zu korrelieren.
In der Wissenschaft gilt entsprechend das gegenteilige Prinzip. Theorien werden ständig überprüft und sofort verworfen, wenn es eine exaktere Theorie gibt, die die Natur besser beschreibt.
Glaube hingegen ist der Ratio entkoppelt. Daher sind Gläubige und Naturwissenschaftler wie von anderen Planeten. Diese Venusianer und Marsianer können nicht miteinander kommunizieren, weil sie beide nicht abstrahieren.
Beispiel Creationismus:
Der Venus-Mensch glaubt die Erde sei 6000 Jahre alt und zu Zeiten des Pharao Ramses des Großen hätten Menschen und Dinosaurier friedlich zusammen gelebt.
Der Mars-Mensch sieht diese Theorie durch eine Fülle von Fakten widerlegt und erwartet daher der Venusianer müsse sich nun automatisch von dem Modell verabschieden. Er nimmt damit aber an, der Venusianer dächte wie ein Marsianer.
Ein Irrtum!
Der Venusianer unterliegt aber einem analogen Irrtum, indem er die präsentierten Widerlegungsfakten als „Glaube“ interpretiert.
Du glaubst das, ich glaube dies.
Ein Glaube widerlegt aber eben keinen anderen (entgegengesetzten) Glauben, sondern stärkt ihn sogar.
Erstaunlicherweise können Menschen zugleich Venusianer und Marsianer sein.
Die menschliche Psyche macht es möglich sich mit dieser Schizophrenie zu arrangieren.
Ein atheistischer Mathematiker kann beispielsweise voller Hoffnung Globuli essen, obwohl er weiß, daß von den homöopathischen Inhaltsstoffen
(Bspw. Acidum formicium - natürliche Ameisensäure, Ambra - Ausscheidungsprodukt des Pottwals, Aranea diadema - Tinktur der ganzen Kreuzspinne, Carbo animalis - Tierkohle, Kohle von Rindskernleder, Coccus cacti - Cochenille-Laus, Formica rufa - Rote Waldameise, Latrodectus mactans - Schwarze Witwe, Mephitis putorius - Stinktier. Sekret aus den Afterdrüsen, Spongia - Badeschwamm, Tarantula - Tarantel, Thyreoidinum - Schilddrüse von Kälbern und Schafen, Vipera berus - Kreuzotter, Eierstockextrakt von Kühen, Hornissen, Kakerlaken, Kellerasseln, Krötengift, Quecksilber, Speichel tollwütiger Hunde, Coca-Cola, faules Rindfleisch, Hundekot, Kondomgummi, menschlicher Hodenextrakt und Pferdehaar)
kein einziges Molekül in dem Mittelchen enthalten ist, das er schluckt.*
Obwohl nicht einen einzige Studie irgendeinen Nutzen der Homöopathie zeigen konnte.
Menschen glauben daran, daß eine schwarze Katze Unglück bringt, sie klopfen dreimal auf Holz, um Pech abzuwenden, sie schleppen Glücksbringer mit sich herum, sie kaufen versifftes Badewannenwasser, in dem eine offensichtlich durchgeknallte Uriella mit einem Kochlöffel herum rührte, sie sind überzeugt, eine vor 2000 in einem Betlehemer Stall kreißende Handwerksfrau sei noch nach der Geburt ihres Sohnes Jungfrau gewesen, wobei ihr Baby bizarrerweise eigentlich in Nazareth zur Welt kam.
Einigen Menschen glauben fest daran von Außerirdischen in Ufos entführt worden zu sein, andere meinen auf einer Wolke mit 72 Jungfrauen kopulieren zu können, wenn sie sich vorher in die Luft sprengen und wieder andere meinen zu wissen, daß der Mossad das Word Trade Center sprengte.
Es ist sinnlos aus wissenschaftlicher Sicht Wahrscheinlichkeiten für den Wahrheitsgehalt solcher Glaubensinhalte zu berechnen, da Ratio auf einer ganz anderen Ebene funktioniert.
Das ist als wolle man einen Waldbrand mit Lärm löschen. Als ob man mit Origami gegen Flatulenz kämpft.
Ja, für einen nicht religiösen Menschen erscheint es absurd unwahrscheinlich, daß wir alle Teil eines göttlichen Plans sind.
Realistischerweise sollten wir davon ausgehen, dass sich hinter dem Auf und Ab der Evolution kein göttlicher Heilsplan verbirgt, sondern nur das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit. Wenn der Mensch tatsächlich von Anfang an von Gott als “Krone der Schöpfung” geplant gewesen wäre, wie der Papst meint, so müsste man sich doch fragen, warum “Gott” zum Erreichen dieses Ziels einen so verrückten Weg eingeschlagen hat: Warum, bitteschön, erschuf er zunächst a.) eine unglaubliche Vielfalt an Dinosauriern, die über Jahrmillionen die Erde beherrschten, dann b.) einen Riesen-Asteroiden, den er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen ließ, damit c.) die Dinosaurier wieder aussterben, um so d.) einigen rattengroßen Säugetieren Platz zu machen, aus denen sich e.) einige Millionen Jahre später die aufrecht gehende Affenart Homo sapiens entwickeln konnte? Ein Gott, der sich so seltsam verhalten würde, würde eher einem intergalaktischen Mister Bean gleichen als einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen Wesen. Kein Unternehmen dieser Welt würde einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen.
(Schmidt-Salomon)
Andererseits würde ich mich dafür einsetzen, daß jeder seinem Glauben nachgehen darf so viel er will.
Wenn ein rechtlich gesehen mündiger Mensch eine Blinddarmentzündung hat und statt einer OP lieber aus Hundescheiße fabrizierte Globuli essen möchte, soll er das tun dürfen.
Es richtet keinerlei Schaden an ZU GLAUBEN die Erde sei eine Scheibe, Joseph Smith wäre vor 190 Jahren der Erzengel Moroni erschienen und habe ihm befohlen Anti-Masturbationsunterwäsche zu schneidern.
Es ist absolut demokratieverträglich, wenn im Bible-belt Gottesdienste inmitten hochtoxischer Vipern abgehalten werden, um die Heilkraft des Glaubens „zu beweisen.“
Ein ganz dickes Problem tritt allerdings auf, wenn Glaubende ihre imaginäre Welt verlassen und sich anmaßen auch für Nicht-Glaubende Regeln aufzustellen.
Niemals darf man es zulassen, daß beispielsweise Christliche Kirchen auf die Gesetzgebung Einfluß nehmen und somit durch ihre eigene Religiotie Unschuldige gefährden.
Das ist in den letzten 2000 Jahren leider überall auf der Welt geschehen.
Religioten urteilten über geistig normal entwickelte Menschen, die zufällig den Heliozentrismus entdeckten, der homosexuellen Liebe frönten oder für Menschenrechte kämpften.
Als Atheist bekämpfe ich nicht den Glauben und nicht die Kirchen.
Ich bekämpfe aber umso stärker den Einfluß der Religiotie auf das Leben der nicht an jener Form der geistigen Behinderung Leidenden, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird und zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen führt.
Ein Kardinal Marx kann den ganzen Tag in seiner Kirche den größten Unsinn über Jesu‘ tiefere Absichten der klerikalen Kinderfickereien erzählen und es dürfen gerne alle Menschen zu ihm gehen und ihm jedes Wort glauben.
Ein Kardinal Marx soll aber gefälligst nicht in einer Merkel‘schen Ethikkommission hocken und politische Dinge beeinflussen.
Des Kardinals „Glaube an einen Gott mit multipler Persönlichkeitsstörung (Dreifaltigkeit), dessen erster Teil (Gottvater) sich mit seinen Geschöpfen verkrachte, worauf er den zweiten Teil seiner selbst (Heiliger Geist) aussandte, um eine Jungfrau auf nichtsexuelle Weise zu schwängern, wodurch der dritte Teil seiner selbst (Jesus Christus) als aufrechtgehender Trockennasenaffe geboren wurde, um von einer historischen Besatzungsmacht hingerichtet zu werden und – ätsch – am dritten Tag wieder von den Toten aufzuerstehen“ (MSS) ist sein gutes Recht.
Aber er soll diejenigen in Ruhe lassen, die diese geistigen Verrenkungen ihren Hirnen nicht zumuten wollen.
*Glaubt man einer Allensbach-Umfrage haben 57 Prozent der Bevölkerung schon mal homöopathische Mittel geschluckt. 25 Prozent gelten sogar als "überzeugte Verwender".
[…] Wie wenig Wirkstoff in einem homöopathischen Mittel nach der Verdünnung am Ende tatsächlich noch enthalten ist, kann man sich kaum vorstellen. So kommt bereits bei D9 etwa ein Tropfen Wirkstoff auf den Inhalt eines Tanklasters. D23 entspricht bereits einem Tropfen Wirkstoff im gesamten Mittelmeer. Und D78 bedeutet, dass wenige Wirkstoffmoleküle auf alle Moleküle des Universums kommen. Daneben stellt die DHU auch Potenzen wie D200 und sogar D1000 her. "Daran sieht man, wie viel Handarbeit in der Herstellung von homöopathischen Mitteln steckt", sagt Geschäftsführer Stempfle. Solche hochverdünnten Mittel sind in der Apotheke deshalb auch die teuersten. Eine Packung Tabletten von DHU kann bis zu 120 Euro kosten. Globuli in niedrigen Potenzen gibt es dagegen schon für 7,40 Euro.
(DER SPIEGEL 28/2010)
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