TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

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Dienstag, 23. August 2011

Zuviel Geld ist auch nicht gut!

Nur noch mal eine kleine Anmerkung zum Thema „Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer“.

Früher hat man in der Populärökonomie darüber diskutiert, ob man mehr auf Nachfrage oder Angebot achten sollte.

Die Argumente sind einfach:

Die Keynsianer sagen man müsse den „kleinen Leuten“ mehr Geld in die Hand geben, da sie annähernd ihr ganzes Einkommen in den Konsum stecken und somit die Nachfrage ordentlich ankurbelten. Den Reichen mehr Geld zu geben nütze hingegen nichts, da diese mit zusätzlichem Geld auch nicht mehr im täglichen Leben konsumieren könnten.
Sie essen ja nicht mehr oder kaufen mehr Oberhemden als vorher, wenn sie vorher schon reich genug waren.

Die Neoliberalen hingegen sagen; nein ganz falsch, denn nur die Unternehmer schüfen Arbeitsplätze. Nur indem man ihnen mehr Geld in die Hand drücke und diese damit das Angebot an Waren vergrößerten, käme die Wirtschaft in Gang, weil dann auch mehr Menschen zur Produktion der Waren eingestellt würden.

Viele Jahre war Keynes das absolute Buhmann-Wort.
Es galt als völlig überholt; die Wirtschaft könne nur florieren, wenn man „den Markt“ komplett dereguliere und die Sozialausgaben radikal zusammenstreiche, wie Reagan und Thatcher es getan hatten.
Ein bißchen war Rot/Grün ab 1998 auch noch von dieser Ideologie angefixt.
Es war schwer sich der Argumentation zu entziehen, da nahezu alle Wirtschaftsweisen und alle Journalisten genau dieses propagierten.
Die dreieinhalb Keynsianer in Deutschland wurden einfach ausgelacht. Hoffnungslos altmodisch sei das. Konjunkturprogramme waren ja so 70er!

Tatsächlich wurden die Ratschläge der Sinns und Walters und Steingarts befolgt.
Der Spitzensteuersatz wurde gewaltig gestutzt, andere Wohltaten für die Unternehmer wurden erdacht. Die Ökonomie-Intelligentia frohlockte.

Die prognostizierten Konsequenzen blieben eigenartigerweise aus.

„Die Märkte“ verhielten sich nicht so, wie sie es in der Theorie sollten.
Statt Arbeitsplätze zu schaffen, wurde ausgelagert und in Billiglohnländern investiert.
Die enormen zusätzlichen Gewinne kamen eben nicht auf Umwegen den Arbeitnehmern zu Gute sondern verschwanden in Finanzsektor.

Nach 2008 hatte das Steuernsenkensteuernsenkensteuernsenken eigentlich nur noch bei der FDP Konjunktur. Nun ist „Deregulierung“ zum toxischen Wort geworden, an das niemand mehr erinnert werden will.

Daß die Binnenkonjunktur lahmt, weil die vielen Niedriglöhner Deutschlands immer weniger Geld in der Tasche haben, wird uns insbesondere in dieser Wirtschaftskrise bewußt.

Wie stolz waren deutsche Politiker immer auf die enormen Exportüberschüsse Deutschlands, die den Aufschwung ganz allein trugen.

Inzwischen fällt aber sogar manchem CDU’ler ein, daß die Kehrseite eines Exportüberschusses eine enorme Importschwäche ist.
Deutsche Verbraucher haben kein Geld, um den Import anzukurbeln und der Export von beispielsweise 400 Panzern nach Griechenland ging auch nur, indem man den Griechen vorher Kredite gab.
Daß dieser Weg in eine Sackgasse führen mußte, dämmert inzwischen auch bürgerlichen Parteien.

Noch nicht mal die bisher stets als extrem wirtschaftsfeindlich gebrandmarkten „Mindestlöhne“ sind mehr tabu.

Es fällt richtig auf, wenn ein Rechter noch offensiv darauf besteht, Arbeiter sollten möglichst wenig verdienen.

John Kordes ist einer dieser Dinosaurier.

W. Kordes’ Söhne ist ein berühmtes seit 1887 bestehendes Familienunternehmen aus der Nähe von Pinneberg bei Hamburg.
Der Rosenspezialist züchtet und verkauft Millionen der dornigen Blumen und hat rund 150 Angestellte.
Stolz verweist das Unternehmen auf seiner Webseite auf seine Tradition.

W. KORDES' SÖHNE ist einer der weltweit bedeutendsten Rosenzüchter für Garten- und Schnittrosen. Der Vertrieb unserer Sorten erfolgt über die ganze Welt.
[…] Schon 1974 wird in Holland die Kordes-Tochter ’Interrose’ gegründet, die sich mit Sortentestung und dem professionellen Anbau von Schnittrosen schon bald einen guten Namen macht. Seit 20 Jahren hat nun die 4. Generation von Kordes mit Tim-Hermann Kordes, Bernd Helms-Kordes und Wilhelm Kordes die Leitung des Unternehmens übernommen. Mit ihrem Eintritt wurde die Züchtung von Schnitt-, Garten- und Topfrosen weiter ausgebaut und die Produktion von Gartenrosen gesteigert. Bei den Gartenrosen setzt diese Generation seit dem Beginn der 90er auf eine neue Züchtungsphilosophie, um widerstandfähigere und gesündere Sorten einzuführen. In der Praxis bedeutet das, dass die Testfelder, auf denen die neuen Sorten vor ihrer Markteinführung lange Jahre begutachtet werden, nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.
(gartenrosen.de/wkordes)

Klingt alles sehr schön, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Diese Erkenntnis verdanken wir mal wieder der grandiosen Anja Reschke und ihrem PANORAMA-Team.

Anja Reschke:
Wenn man dieser Tage von Kenia hört, dann sieht man sie vor sich: Die endlosen Flüchtlingsströme, die ausgedörrten Menschen, die sich mit letzter Kraft in die Flüchtlingslager in Dadaab schleppen. Die Dürre, die Wasserknappheit in Afrika. Unvorstellbar, dass im gleichen Land, ein paar hundert Kilometer weiter, die Landschaften blühen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie blühen nicht für Afrika, sondern für Europa. Auf riesigen Farmen werden Millionen von Rosen gezüchtet. Billigrosen, wie Sie sie auch in Deutschland in vielen Supermärkten kaufen können. Unter welchen Bedingungen diese Rosen produziert werden zeigt Michael Richter. Jeder kann sie finden, doch filmen dürfen wir sie nicht: Unübersehbar die Billigrosen beim Discounter, grob 10 Cent pro Stück, 1 Euro 99 das Bund. Wie können Rosen so billig produziert werden? Schon die Frage scheint verboten - jedenfalls keine Antwort von Discountern wie Lidl. Und die Kunden sind zufrieden.
(daserste.ndr.de/panorama)

Tatsächlich produziert Kordes Billig-Rosen in Kenia, wo die Arbeiter unter in Deutschland undenkbaren Bedingungen ohne Schutzkleidung in Giftwolken Akkord arbeiten müssen.

Nur auf den Rücken der ausgebeuteten Afrikanern sind Stückpreise von 10 Cent möglich, zu denen Rosen dann bei Lidl und Co angeboten werden - und vom deutschen Billigheimer begeistert gekauft werden.

Die Gesundheit und das finanzielle Auskommen der Arbeiter sind dem Endkunden in Deutschland offensichtlich egal.
Sie werden mit umgerechnet 30 Euro MONATSLOHN abgespeist.

John Kordes, angesprochen auf den Hungerlöhne auf dem Hungerkontinent, hatte eine ganz eigene wirtschaftstheoretische Begründung weswegen die Firma Kordes nicht mehr zu zahlen bereit wäre.
Nicht etwa, weil sie gierig auf den Gewinn wären, sondern weil der dumme Afrikaner ja gar nicht wüßte, was er mit mehr Geld anfangen sollte!

Rosenzüchter Kordes verteidigt niedrige Löhne.
O-Ton John Kordes, Kordes Rosen:

„Man kann nicht einfach die Löhne verdoppeln, die Kosten die würden dann so stark steigen und die Leute, die würden auch nicht, sag ich mal dieses Geld nehmen, um das zur Seite zu packen, das würden sie auch ausgeben.“
(daserste.ndr.de/panorama)

Donnerschlach.
Das ist mal eine neue Qualität der neoliberalen Verachtung der Angebots-orientierten Ökonomie: Man darf den Arbeitern kein zusätzliches Geld in die Hand geben, weil sie zu doof wären damit umzugehen und neben den bereits üppigen 30 Euro im Monat noch mehr Geld einfach verprassten.

Falls Philipp Rösler mal keinen Bock mehr hat, könnte ich mir John Kordes als guten Wirtschaftsminister oder Außenminister - oder am besten als Superminister für beides vorstellen.

So ein sympathisches Kerlchen!





PS:

Programm-Tipp:

ARD-exclusiv: Der Preis der Rose

Zu diesem Thema zeigt die ARD am 18.9.2011, um 13:15 Uhr die Reportage "Der Preis der Rose - Spurensuche in Kenia".

Kommentare:

alexander wolf hat gesagt…

Tammox,

es ist schon richtig, daß die Reichen ab einem gewissen Niveau auch nicht mehr konsumieren - abgesehen davon, konsumieren sie teurer. Aber das nur nebenbei.
Auch die Reichen wissen, daß sie nichts mehr anfangen können mit 500 Hemden oder 20 Autos (obwohl es ja Leute gibt, die das befriedigt).
Daß die Reichen noch mehr Geld brauchen liegt vor allem daran, daß Geld ja nicht nur Konsum bedeutet, sondern vor allem Einfluß: als Halbamerikaner weißt Du doch, daß man sich mit genügend Geld Präsidenten mit ihrer Regierung kaufen kann.
Geld ist eben nicht nur ein Mittel der Ökonomie, sondern vor allem der Macht - als Gaddhafi immer mehr Ölquellen/Einnahen verlor, verlor er auch mehr Macht. Die Potentaten in Arabien brauchten die Unsummen, um sich Parlamente, Heere und sogar das ganze Volk zu kaufen.
Wenn Du willst, ist das natürlich auch eine Art von Konsum, aber eine, die man mal psychologisch genauer untersuchen sollte...
Was nicht heißt, daß der Konsumismus, die westliche Ersatzreligion (denn an den lieben Gott nebst Sohn und Mama Maria kann ja nun kaum einer mehr glauben) nicht auch dringend einer psychosozialen Einordnung bedürfte.
Besten Dank für die wieder hervorragend zusammengestellten Fakten.
Übrigens gab es genau heute im Deutschlandfunk eine Radio-Reportage zum internationalen Blumenhandel, der für die Beschäftigten zu einer neuen Art der Sklaverei geworden ist.

TAMMOX hat gesagt…

Alexander Wolf - Danke für den Kommentar.
Natürlich hatte ich stark vereinfacht.
Die Wirtschaft ist ja deswegen so kompliziert, weil sie eben nie so funktioniert, wie es ein Modell voraussagt und eben doch alles mit allem zusammenhängt.

Zum Beispiel ist es ja so, daß „die Schulden“ nicht nur „DEN BANKEN“, die damit riesige Zinsgewinne machen, zu Gute kommen, sondern auch jeder Menge Kleinsparer, die so wie ich jeden Monat einen lächerlichen zweistelligen Betrag für den Riester- oder Rürupvertrag einzahlen, damit später mal ein kleines Extra da ist, wenn man nicht mehr arbeiten kann. Davon werden natürlich auch deutsche Staatsanleihen gekauft. Oder Lebensversicherungen funktionieren auch so. Wo soll man denn als Mini-Anleger sein Geld hintun, wenn man nicht die staatlich garantierten Staatsanleihen hat aber andererseits auch keine Risiken eingehen will, weil man a) keine Ahnung von dem Thema hat und b) so wenig Geld hat, daß man es sich auch nicht leisten kann das aufs Spiel zu setzen.

Aber das mit den Blumen ist natürlich etwas anderes - hier geht es darum, daß mal aufgeklärt wird, wie solche Preise zustanden kommen und daß der Normalo im Supermarkt sowas eben NICHT kauft.
Ich finde es auch absolut richtig und notwendig, daß spezielle Firmen, wie Kordes angeprangert werden, so daß der Verbraucher sie meiden kann.
(Was natürlich den aufgeklärten Konsumenten voraussetzt, den es aber nicht gibt)
Bekannt machen muß man solche Praktiken aber auf jeden Fall.

Amerika ist da natürlich verloren, weil die Menschen da noch viel viel ungebildeterer sind.

Kleine Anekdote dazu:

Kürzlich habe ich mit einem Typ in Californien gesprochen, dessen Vater bei Boeing arbeitet und es entspann sich so ein kleines Geplänkel darüber, ob nun Airbus oder Boeing besser ist. Die Kalifornier sind natürlich total unter Schock, daß nun sogar eine amerikanische Airline erstmals Airbusse bestellt hat. Ich meinte dann „selbst schuld - hättet ihr mal mehr Innovation gezeigt. Nun hat Airbus das eindeutig bessere und modernere Flugzeug“
Daraufhin wurde er natürlich stinksauer und klagte, das läge alles nur an Obama und den verdammten Demokraten, die viel zu hohe Steuern erheben würden und damit die Unternehmer ruinierten.
Die Teaparty hätte eben recht. Es müßten drastisch die Steuern gesenkt werden, damit die Firmen wieder investieren und Arbeitsplätze schaffen könnten.

Da mußte ICH - aus dem fernen Europa ihn erst mal darüber aufklären, daß Boeing seit mehreren Jahren schon GAR KEINE STEUERN mehr bezahlt und mit Subventionen zugeschissen wird.
Das die Steuern jetzt unter Obama niedriger denn je sind - viel niedriger als zu Zeiten seines Idols Ronald Reagan.

Aber das wußte er nicht und glaube er auch nicht. FOX sagt jedenfalls was anderes.
Dabei kann man den Typ noch nicht mal als Redneck klassischen Typs bezeichnen. Der hat studiert und Papa ist seit Jahrzehnten als Ingenieur bei Boeing angestellt.
Aber selbst solche Leute haben KEINE AHNUNG.

Bei Amerika sehe ich echt schwarz.

Übrigens bin ich kein halber, sondern ein „Ganzer“ Amerikaner. Halbe Sachen gibt es in Deutschland nicht. Doppelte Staatsbürgerschaft ist hier dank Frau Merkel und Roland Koch verboten.

LGT

alexander wolf hat gesagt…

Bester Tammox,

die Sache mit den Blumen war mir schon bekannt, welche Ausmaße dieser Schindluder allerdings hat, ist zutiefst beschämend. Ich kenne auch kleine Familienbetriebe/Gärtnereien, die gar nicht gegen diese Importware anstinken können. Das ist doch völlig verrückt, daß diese Rosen tagelang fast tiefgekühlt um die halbe Welt gekarrt werden, obwohl es hier doch auch genügend Gärtnereien gibt, die oft genug auch am Rande der Selbstausbeutung malochen.
Noch absurder ist es in der Möbelindustrie - ich lebe in Bielefeld, ringsum gab´s früher viele mittelständische Möbel- und Küchenfirmen, Flötotto etc.! Die lassen das Holz noch immer in den Forsten des Teutoburger Waldes fällen, verschicken es dann aber per Schiff meistens nach China, von wo sie die Möbel fertig wieder zurückerhalten - die werden hier nur noch von Rumpfbelegschaften poliert. Es ist billiger, Holz und ganze Küchen einmal um die Welt zu schicken, als sie hier fertigen zu lassen. Und natürlich könnten sich die chinesischen Arbeiter die Küchen nicht leisten...
Man kriegt wirklich einen dicken Hals...
Aber es gibt ja andererseits ganze Industriezweige, die von den HartzIVern existieren, da die alles bis auf den letzten Cent ausgeben müssen, da ja nix übrig bleibt. Aldi, Penny und die ganzen 1-Euro-Klitschen werden ja quasi durch HartzIV subventioniert.

Und was die Bildung angeht, naja, in Ermangelung eigener Kinder habe ich mich auf die drei meiner Schwester gestürzt. Die wurden jetzt durch die acht Gymnasialjahre gejagt und zwei von ihnen hetzen durch das Batchelor-Studium... Da ist nix mit Bildung - nur für Prüfungen abrufbares Wissen. Das Schlimme ist, die haben das inzwischen auch selbst erkannt und fühlen sich ohne solide wissenschaftliche Basis und fehlende Allgemeinbildung. Die fühlen sich auch immer wieder halbgebildet, wenn sie merken, wie ich verschiedene Disziplinen verlinken kann; naa, ich hab ja auch 20 Jahre mehr auf dem Buckel, aber ich hatte nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar eine gewisse Pflicht im Studium mal hier und da reinzuriechen. Und je komplexer die gesellschaftlichen Probleme werden, desto notwendiger wird eine breitangelegte Bildung. So muß man ja z.B. Naturwissenschaft, Ökonomie, Soziales und Ökologie verbinden, wenn´s um Klimaprobleme geht...usw.usf. Aber das ist politisch ja nicht mehr erwünscht - und dann kommen da so Volltrottel wie Westerwelle und seine Gurkentruppe heraus, die sind ja Prototypen der Halbbildung.
Da kriege ich manchmal regelrecht "Heimweh" nach meinem alten Lateinlehrer (viele andere Lehrer waren furchtbar reaktionäre Knochen), aber der mußte als 20jähriger nach Nordafrika, unter Rommel die Rübe hinhalten. Davon hat der uns oft erzählt, und konnte seine Kriegserlebnisse richtig einordnen, menschlich und politisch; das ermutigte dann z.B. Zivildienst zu machen. Der Typ sprach sechs Sprachen, unterrichtete nebenan auch noch Geschichte und Philosophie und wenn einer Interesse für Shakespeare oder die Brontes zeigte, dann schleppte der Material aus seiner Privatbibliothek an und konnte einem auch den Zugang zur Literatur eröffnen. Woooo sind solche Leute?
Tja, alles traurig, Tante Elly...

TAMMOX hat gesagt…

Die Transportkosten einer Ware von Shanghai nach Hamburg betragen im Moment unter 1 %.
Containerboom sei Dank. (Inzwischen ist übrigens der Klimagasausstoß durch Schifffahrt größer als die von allen Autos des gesamten Planeten).
Wenn man also für einen Euro eine Zahnbürste made in China kauft, kostete der Transport einmal um die halbe Welt gerade mal ein Cent.

Total gaga.

Bei Gemüse ist es noch viel schlimmer, weil das ja per Flugzeug kommt.

Als Vegetarier kaufe ich natürlich sehr viel Obst und Gemüse und rede eigentlich jede Woche mit den Leuten aus meinem Gemüseladen darüber, wie absurd es ist, daß hier in Hamburg mit großer Selbstverständlichkeit Äpfel aus Neuseeland und Blaubeeren aus Kolumbien angeboten werden - während wie unmittelbar neben dem größten deutschen Obstanbaugebiet (das „alte Land“ südlich der Elbe) hocken und diese Art Früchte auch gerade jetzt im August Saison haben!

Die Ladenbesitzer sehen das übrigens genauso wie ich und essen privat eigentlich auch nur die saisonale Ware aus der Umgebung. Aber da in unmittelbarer Nähe auch ein Lidl und ein Penny ist, wo es ohnehin alles billiger gibt, können sie nicht darauf verzichten all die schicken Flugmangos und Co anzubieten.

Ich versuche mich natürlich einigermaßen ökologisch und ökonomisch gerecht zu verhalten - deswegen gehe ich ja konsequent zu einem kleinen Familien-geführten Einzelhändler.
Aber ich halte das auch nicht durch und habe dann schon mal zu Off-Season-Zeit Boch auf Spargel oder Aprikosen, die um die halbe Welt geflogen sind.
Und die dann frischen Äpfel von der Südhalbkugel schmecken irgendwie schon besser als die schrumpeligen Eingelagerten von hier.

Viel teurer ist das noch nicht mal.

Da müßte man politisch heftig gegensteuern und die Umweltschädigung und die ganzen Landwirtschaftssubventionen auf den Verbraucher abwälzen. Wenn ein Braeburn aus Neuseeland dann pro Stück 15 Euro kostet, nimmt man vielleicht doch lieber einen säuerlichen mürben Herbstapfel aus dem Alten Land.

Und bei Blumen gilt das natürlich erst Recht.
Man kann wohl nicht auf die Einsicht der Verbraucher bauen.
Und die richtig guten Rosen aus der Umgebung von Hamburg sind eben sehr viel teurer als die Pestizid-verseuchten Kordes-Rosen aus Kenia.

So kann das nicht bleiben…


LGT

Oberclown hat gesagt…

Inzwischen ist übrigens der Klimagasausstoß durch Schifffahrt größer als die von allen Autos des gesamten Planeten. Dazu noch als kleine Ergänzung, Frachtschiffe fahren noch dazu nicht mit Diesel oder sowas, sondern mit Schweröl. Das ist Dreck und die Abgase davon sind dementsprechend ziemlich giftig, selbst im Vergleich zu anderen Abgasen sind die ein stückchen scheußlicher.

TAMMOX hat gesagt…

@Oberclown.

Ja stimmt.
In HH erleben wir auch manchmal Proteste, weil die Monsterstinker ja auch als Kreuzfahrtschiffe hier liegen und dann weiter ihre Schwerölrumpelmaschinen benutzen, anstatt saubereren Strom über Kabel von Land zu beziehen.
Politisch traut sich aber keiner einzugreifen aus Schiss die Riesenschiffe könnten den Hafen meiden und in Zukunft nicht mehr Hamburg anlaufen, wenn man ihnen ganz normale Umweltschutzrichtlinien aufs Auge drückt.

Daher verpesten sie eben weiter die Luft….


http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13564179/Nabu-protestiert-gegen-Luftverpestung.html


LGT

Anonym hat gesagt…

Den Bericht habe ich jetztt gesehen. ABer mal ehrlich... Habt Ihr den Bericht wirklich genau angeschaut?
Kordes produziert die Billig-Rosen doch garnicht selbst. Sie kreuzen und entwickeln die Sorten für die Plantagen... Habe ich so verstanden.