TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Freitag, 21. Januar 2011

Da sind aber einige Herzinfarkte fällig.

Die katholische Tradi-Szene wächst und wächst seitdem Petrusbrüder, Marienkinder, Aktion „Herz-Jesu-Apostolat“, Gustav-Siewerth-Akademie, Aktion „Wundertätige Medaille“, „Aktion SOS Leben“, Piusbrüder, kreuz.net, Kath.net, Theologisches, „Kinder in Gefahr“, kath.news, Opus Dei, TFP („Gesellschaft von Tradition, Familie und Privateigentum), Institut St. Philipp Neri, Ritterorden von Jasna Gora, Gloria TV und viele andere mehr einen Unterstützer namens Joseph Ratzinger im Vatikan sitzen haben.

All diese Gruppen sind extrem aktiv und das fällt ihnen leicht, da sie natürlicherweise unter Adrenalin stehen.
Sie haben allesamt eine extrem niedrige Toleranzschwelle und gehen permanent in die Luft.

Die sogenannte „journalistische Arbeit“ von erzkatholischen Journalisten und ihren fanatischen Helfershelfern Felizitas Küble, Eva Herman, Gabriele Kuby, Alma von Stockhausen, Paul Badde und Co erinnern mich immer an hyperventilierende Kleinnager, die man aus netten BBC-Tierdokumentationen kennt: Extrem aufgeregte nachtaktive Kerlchen mit rasend schnellem Stoffwechsel, die hektisch schnüffelnd durch ihre Umgebung rasen und in alles ihre Zähne schlagen, das sich bewegt.
Überall Gefahren witternd bevorzugen sie die dunklen Ritzen als Lebensraum und fressen zur Not ihre eigenen Kinder auf, wenn ihr Bau aufzufliegen droht.

Zu so einer Gefahr ist der Renegat David Berger geworden.

Jener „schwule Theologe“, der lange Jahre das gehätschelte Lieblingskind der Tradis von St- Pölten bis Zaitzkofen war und im April 2010 eine Kehrtwende vollzog, nachdem ihm Rechtsradikalismus und Homophobie in der streng katholischen Ecke doch zu viel wurden.

Seitdem hyperventilieren Kreuz.net und Co.

Sage und schreibe 51 Anti-Berger-Hetzartikel hat allein Kreuznet bisher veröffentlicht - jeder einzelne versehen mit hunderten wutschnaubenden Kommentaren von katholischen Ultras, die ihm sämtliche Höllenqualen an den Hals wünschen.

Die übliche Bezeichnung lautet „der ins Homo-Klo geplumpste Ex-Theologe und notorische Lügner David Berger“.

Es gibt aber Variationen; so liest man auch „sodomistischer Ex-Theologe“, „ins Homo-Klo geplumpster deutscher Abfall-Theologe“, „Ex-Theologe mit narzißtischen Störungen“, „der von den Homosexuellen-Medien hochgejubelte warme Bruder mit seinen Dreckkanonen“, „Verleumdungs-Sodomist mit seinem Kirchenhaß-Roman“, „homo-gestörter Kölner Religionslehrer, der dem Sodomismus verfallen ist“, „Karikatur eines verrotteten Höllen-Homos“, „die amoklaufenden Hormone waren stärker als der Verstand des Kölner Noch- Religionslehrers, David Berger“, „seit seinem würdelosen Absturz in die Homo-Kloake prostituiert sich Berger quer durch die HS-Medien“, „Homo-Fanatiker mit homo-perversen Doppelleben“, „der im Homo-Sumpf abgesoffene Kölner Religionslehrer und Homo-Verschwörungstheoretiker David Berger exhibierte sich“, „Unter „Gegenwart“ versteht der Homo-Schmutzfink die Dekadenz, in die er als fette Beute Satans geplumpst ist“, „der abgefallene Katholik und selbstverliebte Sodomist David Berger“, „Berger und sein homo-dekadentes Doppelleben“ und „theologischer Doppelagent.“

Kurzum, die erzkatholischen Medien machen deutlich wie sehr sie der Nächstenliebe, dem Verzeihen und der Vergebung verpflichtet sind.

Langsam aber sicher beginne ich jedoch mir um die körperliche Gesundheit der Katholiban Sorgen zu machen. (Bei der „geistigen Gesundheit“ wären derlei Sorgen allerdings verspätet).

Berger ist immerhin nur EIN Mann, welcher der Mehrheit der Bevölkerung kaum bekannt sein dürfte.
Und schon so ein Anlass reicht offensichtlich dafür aus, Kreuznet und Co über Monate vor Wut, Empörung und Hass eruptiv schäumen zu lassen.

Zum Glück interessieren sich die Katholiban für kaum eins der relevanten Themen der Welt.
Es sind immer nur die vier gleichen Reizworte, die sie zur Weißglut bringen - Zölibat, Frauenordination, Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität.

Berger fügte der Tradiszene nur einen Insektenstich zu im Vergleich zu dem massiven Atomwaffenangriff, der jetzt ausgerechnet aus der CDU kommt!

Das who is who der katholischen Ultras in der CDU wendet sich in einem Offenen Brief an die deutschen Bischöfe sich dafür einzusetzen, den Zölibat „aufzuweichen“.

Verheiratete Katholische Priester sind für Katholiban schlimmer als der Untergang des Abendlandes und kollektiver Suizid aller Katholiken.

Legal kopulierende Pfarrer?
Und dann auch noch mit Frauen?
Wozu hat der liebe Gott denn dunkle Beichtstühle und Messdiener erfunden?
Wo kämen wir denn da hin, wenn jetzt auch Heterosexuelle Priester werden?
Das bringt doch alles durcheinander.
Verträgt sich das überhaupt mit der Antidiskriminierungsrichtlinie?
Immerhin ist die größte transnationale Schwulenorganisation (RKK) ein wichtiges Refugium für Homosexuelle.
Sollte man nicht das Priestertum als streng Frauen-freies Reservat erhalten?
Ich finde es verständlich, daß schwule Männer, die sich gerne Kleider anziehen einen Ort brauchen, in dem sie ganz unter sich sein können.
Und dieser Ort ist eben die Katholische Kirche.

Ausgerechnet aus der Union wird jetzt die Forderung laut, den Zölibat aufzuweichen - und auch verheiratete Männer zu weihen. Prominente deutsche Christdemokraten haben die katholische Kirche zu einem Abschied vom Zölibat aufgerufen. In einem Brief fordern sie die deutschen Bischöfe auf, sich in der Weltkirche, vor allem aber beim Papst in Rom dafür einzusetzen, das Priesteramt für Verheiratete zu öffnen. In dem Brief, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, heißt es: "Wir - ein Kreis politisch engagierter, katholischer Christen (...) - halten es für dringend geboten, die deutschen Bischöfe im Lichte der besorgniserregenden Zunahme des Priestermangels zu bitten, die Zulassung von viri probati zur Priesterweihe zu ihrem eigenen Anliegen zu machen." Damit gemeint sind sogenannte verheiratete, bewährte Männer, denen nach dem Willen der Unterzeichner der Weg zum Priesteramt frei gemacht werden soll. Zu den Unterzeichnern gehören Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Hinzu kommen die früheren Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, Erwin Teufel und Dieter Althaus sowie Familien-Staatssekretär Hermann Kues, der Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg aus Nordrhein-Westfalen und Friedrich Kronenberg, früher Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
(Heribert Prantl 22.01.2011)

Donnerstag, 20. Januar 2011

Hüben und Drüben

Eins der beherrschenden Themen in Amerika ist im Moment der Besuch von Herrn Hu bei Obama.
Den Rechten missfällt es, daß „der Kommunist“ so hofiert wird.

Es frappiert mich dabei immer wieder zu erleben, wie ahnungslos und der Realität entrückt konservative Amerikaner denken, bzw eben nicht denken!
Ob ihnen China gefällt oder missfällt ist herzlich irrelevant. Die USA sind schon lange nicht mehr in der Position Peking großkotzig ignorieren zu können.
Ich staune ernsthaft, daß Amerika, das kaum noch irgendetwas herstellen kann, die Fähigkeit zur Warenproduktion komplett verloren hat, stattdessen alles importiert und sich das Geld für diese Importe leiht, immer noch glaubt in der Position zu sein auf denjenigen, der all die Waren liefert und dem die Schuldscheine gehören, hinab blicken zu können.
14 BILLIONEN Dollar Miese haben sich in den USA angesammelt, weil die maßlosen Konsumenten geliehenes Geld mit vollen Händen zu Wal Mart schleppen.
Umgekehrt gibt es (außer Waffen und Pornos) fast nichts, das auf dem Weltmarkt bestehen könnte.
Wer will schon ein amerikanisches Auto? Die Produktion von Haushaltsgeräten und Gebrauchselektronik hat das ehemalige Land der unbegrenzten Möglichkeiten ohnehin schon aufgegeben.
Und wer einmal in Amerika produzierte Klamotten gekauft hat, tut das nicht wieder.

Aber man soll nicht immer nur das Negative sehen.

Ein paar Bereiche gibt es natürlich, in denen die Amis wirklich gut sind.
Dazu gehören zum Beispiel das Musik-Business und TV-Produktionen.
Es gibt dort mutige Produzenten, sehr intelligente (und gut bezahlte) Autoren und auch noch Talente.

Als Deutscher muß man sich in Grund und Boden schämen angesichts des unterirdischen Niveaus, das die hiesigen TV-Produktionen haben.
Unglücklicherweise sind die deutschen Zuschauer durch die jahrzehntelange systematische Geistlosigkeit deutscher Serien dermaßen in die Verblödung gesendet worden, daß sie intelligentes, komplexes und überhaupt anspruchsvolles Fernsehen à la „Sopranos“ gar nicht mehr verstehen können.

Besonders krass fällt mir die deutsche Provinzialität immer auf, wenn sich die Medienmogule hierzulande daran machen die großen US-shows zu plagiieren und Bambi, Echo und sonstige Verleihungen à la Hollywood inszenieren.

Die „Stars“ sind dann aber eben nicht Robert de Niro und Sean Penn, sondern Mutter Beimer und Janette Biedermann.
Statt Barbra Streisand kommt die Sangeseinlage von Sarah Connor; die Moderation macht nicht Jon Stewart, sondern Oliver Pocher.
Das kann natürlich nur in unfreiwilliger Komik enden.

Dabei sind schon die Originale, also die Oscar-Gala und die Verleihung der Golden Globes kaum an Pathetik zu überbieten.

Die Golden-Globes-Show hat letzte Woche allerdings ein echtes Highlight; das war der Moderator in Gestalt des britischen Komikers Ricky Gervais.
Ein Mann, der sich was traut und genau das tut was die einheitlich freundlich neutralen deutschen TV-Luschen à la Jauch, Beckmann und Kerner nicht können.
Gervais riskierte aber eine so dicke Lippe, daß er seinen Job vermutlich los ist.

Tatsächlich hatte Gervais mit seinen Scherzen da und dort weit unter die Gürtellinie gezielt. Allen voran bei einem Gag, der wohl John Travolta und Tom Cruise gelten sollte: Der Film „I Love You Phillip Morris“ sei nicht nominiert worden: „Jim Carrey und Ewan McGregor, zwei heterosexuelle Schauspieler, die vorgeben, schwul zu sein. Also das komplette Gegenteil zu einigen berühmten Scientologen.“ Vor allem hier war das Raunen im Publikum lauter als das Gelächter. „Meine Anwälte haben mir bei der Formulierung dieses Witzes geholfen“, ergänzte Gervais.
(ORF.at)

Schandmaul Gervais hat sich aber auch alle Mühe gegeben, so ziemlich jede Größe der Filmmetropole tödlich zu beleidigen.
[…] Der Preis der Spezialeffekte müsse an das Plakat für "Sex and the City 2" gehen. "Ich weiß, wie alt ihr seid, Mädels", sagt der Brite über die Hauptdarstellerinnen. "Ich habe eine von euch in 'Bonanza' gesehen." Die Westernserie lief in den 60er-Jahren; den Damen wird es das Herz gewärmt haben. Filmstar Robert Downey jr. ("Chaplin", "Sherlock Holmes", "Iron Man"), der früher drogensüchtig war und mit dem Gesetz in Konflikt geriet, wurde von Gervais mit den liebevollen Worten eingeführt: "Die meisten in diesem Raum kennen ihn am besten aus der Betty-Ford-(Entzugs-)Klinik und dem Los-Angeles-Bezirksgefängnis." Besonders dicke kam es für den deutschen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und seinen Film "The Tourist". Alles sei in diesem Jahr dreidimensional, sagte Gervais mit Blick auf die 3-D-Technik - "nur nicht die Charaktere in 'The Tourist'". Er habe den Film allerdings nicht gesehen, gab der Brite zu, "aber wer hat das schon".
(Abla 20.01.11)



Wegen der kräftigen Tritte unter die Gürtellinie, die Gervais austeilte, mache ich mir eigentlich keine Sorgen um seine zukünftige Karriere.
Ich glaube, gerade die offiziell zu prüden Amerikaner mögen solche Derbheiten.
Gerüchten zu Folge, wurde der spaßige Brite noch während der Sendung von seinen Bossen zusammengestaucht und gebeten sich zu mäßigen. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Tatsache ist aber, daß sein Schlußgag für Amerika dann doch zu viel war.
In gods own nation haute er abschließend dieses Statement raus.



Das dürfte der Karriere in etwa so förderlich sein, wie die Hoffnung eines Priesters Bischof zu werden, nachdem er dem Papst auf die Soutane pinkelt.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Schlanker werden.

Es hat immer was, wenn gemütliche Schwabbel wie Rainer Brüderle, der oft so weinselig ist, daß man seine Nuschelei ohnehin nicht versteht, von „Verschlankung“, „Flexibilität“ und „Dynamik“ sprechen.

Helmuts Kohls Klage darüber, die Deutschen hätten sich „im Wohlstand verfettet“ und nun müsse „der Gürtel enger geschnallt werden“ ist ein ebensolches humoreskes Highlight.

In diese Kategorie fällt nun auch der Hamburger Noch-Bürgermeister Christoph Ahlhaus, der unter der Hand „der älteste 40-Jährige Deutschlands“ genannt wird.
Er ist der klassische konservative Provinz-Pykniker, der sich offenbar um ein paar Dekaden vertan hat.
Phänotypisch ist er ein Fall für die 1950er Jahre.

Wenn ich jemanden erklären sollte, was eigentlich „der häßliche Deutsche“ ist, müßte ich nur ein Bild von Ahlhaus in seinem Ringelleibchen zeigen, zu dem man sich vorstellt, er hätte gerade in einer All-Inclusive-Anlage in Rimini eine Liege mit seinem Handtuch besetzt und stürme nun zum all-you-can-eat-Buffet.
Ahlhaus' Leibchen ersteigerte übrigens der Chef vom Miniaturwunderland - auch das hat so eine Komik der Metaebene; "Miniatur" und "Ahlhaus".

Der Mann ist seine eigene Karikatur, die an Provinzialität nur noch von seiner Ehegattin FILA übertroffen wird.

Was Ahlhaus eigentlich in Hamburg verloren hat, konnte ich bis heute nicht ergründen.
Ich finde aber, daß uns die Baden-Württemberger einiges dafür schulden, daß sie diese zukünftige CDU-Altlast bei uns entsorgt haben.

Der CDU-Spitzenkandidat der Bürgerschaftswahl am 20. Februar ist nicht nur optisch ein Klischee, sondern auch politisch.

Ahlhaus profilierte sich als kompromissloser Law-and-Order-Mann mit einem großen Herzen für die Wünsche der Polizei.
(Mopo 2010)

Und so geht es auch in die heiße Phase des Wahlkampfes. Ahlhaus betont „Law and Order“ wo er geht und steht.
Das Exmitglied der rechten Turnerschaft Ghibellinia gab schon zu Beginn seiner Amtszeit als Chef Hamburgs via Deutschland-Funk bekannt, daß der „Markenkern der CDU“ (=Law and Order) bei ihm in richtigen Händen sei:

Ahlhaus: Wie gesagt, das Entscheidende ist die Frage, ob es inhaltlich passt und funktioniert, und Schwarz-Grün hat in Hamburg gezeigt, dass wir gute Politik für diese Stadt machen können, ohne dass der jeweilige Partner seine Leitlinien der Politik verwischen muss. […] Sicherlich sind Kompromisse nötig, aber meine Aufgabe und auch mein Herzensanliegen liegt darin zu zeigen, dass konservative CDU-Politik eben auch mit anderen Partnern zusammen funktionieren kann. [… ] Ich glaube, die CDU ist als Volkspartei immer gut damit gefahren, wenn sie ihr konservatives Profil auch nach außen deutlich zeigt. Das gilt nicht nur für Hamburg, sondern für den Bund. In der Tat muss die CDU aufpassen, dass sie sich nicht in einer Art und Weise in ihrem Wertesystem verrückt, dass irgendwo Lücken entstehen, die andere füllen können.

Herter: Sie waren Innensenator. Sind Sie ein "Law and Order"-Politiker?

Ahlhaus: Ich bin ein Politiker, der für den Rechtsstaat steht, denn der Rechtsstaat ist in Deutschland demokratisch legitimiert. Das sind Spielregeln für das Zusammenleben der Menschen und die müssen eingehalten werden. Wer das als "Law and Order"-Politik versteht, dem kann ich nur sagen, ja, dann bin ich ein "Law and Order"-Mann.
(Deutschlandfunk 16.09.2010)

Die klassische Perfidie eines Konservativen, der seinen Kritikern gleich unterstellt gegen den „demokratisch legitimierten Rechtsstaat“ zu sein.
Aber geschenkt.

Wie ist das nun mit dem Ex-Polizeisenator Ahlhaus in der praktischen Politik?
Wie steht es um die Durchsetzung der rechtsstaatlichen Spielregeln unter seiner CDU-Führung?

Tatsache ist, daß die CDU den Hamburger Haushalt so nachhaltig durch den Verkauf des Tafelsilbers und die HSH-Milliardenverluste unter der sogenannten „Aufsicht“ der CDU-Senatoren ruiniert hat, daß insbesondere beim Personal ordentlich gespart wurde.

Ahlhaus behauptet der Freund der Polizei zu sein, tönt von Law and Order, aber in der Praxis ist das Gegenteil passiert.
Die Hamburger Polizei hat leider zehn Jahre nach den anderen Bundesländern immer noch keine Computer und Internetanschlüsse und die Stellen wurden gründlich zusammen gestrichen.

Die SPD übt scharfe Kritik an der Ausrüstung der Hamburger Polizei mit moderner IT-Technik. "Von 1982 Computern an den Polizeikommissariaten verfügen lediglich 80 über einen Internetzugang", sagte der Innenexperte Andreas Dressel. Die Quote internetfähiger Rechner liege damit bei nur vier Prozent. Dressel schlussfolgert: "Hamburgs Polizei steht weiter auf dem Standstreifen der Datenautobahn."
Der SPD-Innenpolitiker bezieht sich auf die Antworten der Innenbehörde auf seine Kleine Anfrage. Darin räumt die Behörde von Senator Heino Vahl dieck (CDU) ein, dass seit Anfang 2010 lediglich sieben Internetzugänge an den Kommissariaten neu geschaffen wurden. Dressel sieht die vom Senat an gekündigte Vollausstattung damit gescheitert.
Vor diesem Hintergrund kritisierte der Bürgerschaftsabgeordnete auch die jüngste Forderung von Vahldieck und Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) nach der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung. "Ahlhaus will von eigenen Fehlern ablenken und verschleiern, dass er seine Hausaufgaben in Hamburg nicht gemacht hat." Dazu zählt die SPD auch eine "besorgniserregend geringe" Personalausstattung der Dienststelle IT im Landeskriminalamt.

(SHZ.de 28.12.2010)

Mit Ahlhaus‘ Machtübernahme plante die CDU noch einmal hunderte von Stellen bei der Polizei wegfallen zu lassen.

Polizei soll 400 Stellen streichen.
Im Sicherheitsapparat stehen deutliche Sparmaßnahmen an - Opposition warnt davor.
Der Senat hat der Hamburger Polizei ein außergewöhnlich hohes Sparpaket auferlegt. Bis zu 400 Stellen sollen bei der Polizei wegfallen, lautet die Auflage, die die Polizei bekommen hat, wie aus mehreren Quellen zu erfahren ist. Innerhalb der Polizei werden bereits konkrete Maßnahmen diskutiert. Dazu gehört die Abschaffung von einem der beiden Polizeihubschrauber. Ebenso im Gespräch sind die Reduzierung der Zahl der 72 Verkehrslehrer und die der 230 Bürgernahen Beamten.

(Welt 16.07.2010)

SPD-Innenexperte Andreas Dressel wertete Senatsantworten auf SPD-Anfragen und eine Protokollerklärung des Senats im Innenausschuss aus und kam zu dem Schluß, daß vor zehn Jahren mehr Polizisten auf den Wachen waren als jetzt nach einer Dekade CDU.

Die Zahl der Beamten, die nun an den Wachen ihren Dienst tun, ist laut Dressel aber um 22 niedriger als noch vor neun Jahren. "Die personelle Bilanz des CDU-Senats aus Sicht der bürgernahen Polizeiarbeit vor Ort ist ernüchternd. Seitdem Herr Ahlhaus als Staatsrat 2006 in die Innenbehörde gewechselt ist, gab es an den Polizeikommissariaten deutliche Einschnitte, die sich in der Präsenz in den Stadtteilen auch bemerkbar machen", beklagt Dressel. "Trotz gegenteiliger Beteuerungen zeigen die Zahlen: Die Polizeiarbeit für die Bürger vor Ort wurde in den letzten Jahren nicht gestärkt, sondern geschwächt."
[…] Kritik kommt auch von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Es fehlen nicht nur Beamten an den Wachen", sagt GdP-Landesvorsitzender Uwe Kossel. "Es kommen etwa mit der Bewachung von ehemaligen Sicherungsverwahrten oder der Fahndung nach Autobrandstiftern immer mehr Aufgaben auf die Kollegen zu."
(Abla 18.01.11)

Das CDU-Hausblatt von Springer traut sich schon seit ein paar Jahren darauf hinzuweisen, daß unter CDU-Herrschaft die Kriminalität anstieg.

"Absoluter Notstand" an Hamburgs Polizeiwachen In den vergangenen drei Jahren wurden 226 Stellen abgebaut. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die innere Sicherheit in Gefahr. Schon jetzt fehlten nahezu in allen Revieren Beamte. Die dort Dienst tuenden Polizisten hetzten "von Einsatz zu Einsatz, ohne die Chance zu haben, die Schreibarbeit zu erledigen". Im Vergleich zum Jahr 2006 verrichten heute insgesamt 226 Polizisten weniger ihren Dienst in den Kommissariaten.
(Jan-Eric Lindner, 4. November 2009)

Die Folgen sind wenig überraschend, so kam es unetr CDU-Ägide zu immer mehr Wohnungseinbrüchen.

Im Juli 2009 hießt es in Springers Abendblatt, daß sich die Zahl der Einbrüche gegenüber dem Vorjahr verdoppelt habe:
Und der Trend scheint sich fortzusetzen, sagt Kriminaloberkommissar Heinz-Walter Johanßon, Beauftragter für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Harburg mit Blick auf die Kriminalstatistik. Anfang 2009 wurde eine deutliche Häufung von Einbrüchen festgestellt.

Nichts, das nicht noch zu übertreffen wäre.

Eine Meldung vom 24. Oktober lautet
:
Trauriger Rekord: 182 Einbrüche in einer Woche!
182 Haus- und Wohnungseinbrüche verzeichnete die Polizei in der Woche vom 12. bis 18. Oktober - so viel wie in keiner Woche des bisherigen Jahres. Die neuerliche Steigerung der Fallzahlen - ein Vorbote der dunklen Jahreszeit? Die Ermittler der Soko "Haus- und Wohnungseinbruch" (HWE) registriert seit einigen Tagen einmal mehr eine hohe Zahl von Taten, die von jungen Mädchen begangen werden - Kindern von reisenden Familien, die sich stets nur für wenige Wochen in Hamburg aufhalten und ihren Lebensunterhalt aus Einbrüchen bestreiten.

Daß in Hamburg mitunter mehr als ein Dutzend Autos pro Nacht abgefackelt werden, sei nur am Rande erwähnt:

So schlimm war's noch nie! Es ist die größte Anschlagsserie auf Autos in der Geschichte Hamburgs: Unbekannte haben in der Nacht zu gestern in der Hansestadt und in Norderstedt Autos angezündet. 16 (!) Fahrzeuge gingen in Flammen auf.
MALTE STEINHOFF am 29.10.

Wenn es auch nur ein Viertel dieser Zahlen unter einem SPD-Senat gäbe, würden BILD und ihre Springerschen Schwesterblätter Amok laufen.

Das haben wir erlebt. Der Springersche 90%-Marktanteil bei den Hamburger Tageszeitungen bewirkte im Alleingang 2001 die CDU an die Macht zu bringen.

Von Law and Order wird gern geredet, aber in Wirklichkeit wird der Bürger nicht nur bei Behörden und Ämtern ob der gravierenden Personalnot in den Wahnsinn getrieben, nein, es wird auch steigende Kriminalität in Kauf genommen, weil den Polizeiwachen der Hals zugedrückt wird.

Aber dafür gibt es „auf persönlichen Wunsch des Bürgermeisters“ ein Polieziblasorchester und eine Reiterstaffel, sowie diverse Protzprojekte, wie die vermutlich 500 Mio Euro teure Elbphilharmonie, die grauenhaft entstellte Innenstadt mit dem neu verhässlichten Jungfernstieg und der entsetzlichen Teherani-Europapassage, für die an der Binnenalster gleich elf historisch wunderschöne Kontorhäuser platt gemacht wurden.

Internet für alle und 100 neue Polizisten:
Kurz vor der Wahl wird der Bürgermeister spendabel.
SPD-Innenexperte Andreas Dressel hat die Aussagen von Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) zu 100 zusätzlichen Polizistenstellen und Polizeipräsident Werner Jantosch zu „Internetzugängen für alle“ bei der Hamburger Polizei als „wenig glaubwürdige Last-Minute-Versprechen“ bezeichnet.

Seit Ahlhaus als Staatsrat Verantwortung in der Innenbehörde übernommen habe, sei die Polizei um rund 350 besetzte Stellen geschrumpft. Mit fast 160 unbesetzten Stellen fehle derzeit zudem Personal im Umfang eines mittleren Polizeikommissariats. Die CDU habe zudem vier Hamburger Polizeikommissariate geschlossen. „Vor einigen Wochen hat der Bürgermeister ein angeblich alternativloses Kürzungsprogramm mit weiteren Stellenstreichungen auch für die Polizei vorgelegt. Jetzt soll plötzlich Geld für 100 zusätzliche Stellen da sein. Das glaubt dem Bürgermeister niemand“, sagte Dressel.
Die Darstellung des Polizeipräsidenten zum Thema Internetanschlüsse sei ein „Armutszeugnis“, so Dressel: „Erst verhindert der Polizeipräsident mit den merkwürdigsten Gründen jahrelang den Anschluss an das Internet - und nun soll es plötzlich ganz schnell gehen. Das glauben die Polizisten erst, wenn tatsächlich auch der letzte Rechner am Netz ist“, sagte Dressel. Bisher hinke die Hamburger Polizei am virtuellen Tatort hinterher. „Und die Polizeiführung war informiert: Gemeinsam mit den Polizeigewerkschaften haben wir diesen Mangel immer wieder angesprochen“, sagte Dressel.
SPD-Anfragen hatten vor wenigen Tagen ergeben, dass von 1982 Computern an Hamburgs Polizeikommissariaten lediglich 80 über einen Internetzugang verfügen – eine Quote von gerade vier Prozent. „Wer für Reiterstaffel und Polizeiorchester Geld hat, aber nicht für notwendige Internetzugänge, macht eine Innenpolitik von vorgestern“, sagte Dressel.
(SPD 07.01.2011)

Zusammenfassung: Ahlhaus ist nicht nur hässlich und doof, nein er lügt auch noch.

Dienstag, 18. Januar 2011

Amateure

In Nordafrika und auch im arabischen Raum gehen angesichts der aktuellen Geschehnisse einigen Diktatoren die Ärsche auf Grundeis.
Erfolgreich hatten sich insbesondere Ägypten und Tunesien als beliebte Urlaubsländer etabliert und die lästigen Fragen nach Demokratie und Menschenrechten auf die ganz lange Bank geschoben.
Ja, versucht hatte man es ja schon gelegentlich.
Zum Beispiel in Algerien vor 20 Jahren.
1991 hatte das algerische Militärregime die algerischen Wahlen abgebrochen, als sich ein Sieg der Islamischen Heilsfront (FIS) abzeichnete. Die fundamentalistische FIS forderte einen Gottesstaat und ist in Algerien verboten.
„Tried it once, didn’t like it!“ war dann das einhellige Fazit des Maghreblandes.
Es folgten viele Jahre Bürgerkrieg mit mehr als 100.000 Toten, die auf herzliches Desinteresse des Westens stießen. Die USA, die sonst so lautsprecherisch für Freiheit und Demokratie eintritt, will davon im Fall Algerien nichts wissen.
Zu unangenehme Ergebnisse (für den Westen) würden freie Wahlen bringen.
Da unterstützt man viel lieber einen Gewaltherrscher. Staatspräsident Abd al-Asis Bouteflika wurde bei der Wahl 2009 mit über 90% im Amt bestätigt, aber was heißt das heutzutage schon in einer Diktatur?
Man erinnert sich an die 99%-Ergebnisse aus der DDR und dann kam der Herbst 1989.
In dem riesigen Land, Algerien ist ca sechsmal so groß wie Deutschland, gibt es aufgrund der sozialen Lage und der Willkürherrschaft enorme Sympathie für extreme und extremistische Islamische Bewegungen.
Zensur, Verbot der Opposition und Demonstrationsverbot täuschen die Ruhe nur vor; unter der Oberfläche brodelt es.
In den Nachbarländern sieht es nicht viel besser aus.

Ich bewundere die USA und die EU für ihre übermäßige Fähigkeit zu heucheln - mit aller Macht unterstützen sie die Diktatoren, Potentaten und absoluten Könige gegen den Willen ihrer eigenen Bevölkerung.
Ein Ägypten mit einer vom Volk frei gewählten Regierung wäre das letzte, das Amerika gebrauchen könnte.
Noch viel schlimmer wäre Demokratie in Saudi Arabien, wo eine absolutistische Herrscherfamilie sich Milliarden in die eigenen Taschen stopft und dafür Frauen und Schwule steinigen läßt.
Aber die Saud-Familie ist eng mit der Bush-Familie liiert und wer Öl hat braucht keine Demokratie.

Obwohl ich kein Experte bin, will ich noch anmerken, daß sich die nordafrikanischen und arabischen Herrscher nicht alle gleich ungeschickt benehmen.
Einige Emire, der von Katar beispielsweise, sind durchaus beliebt im Volk und stoßen für arabische Verhältnisse erstaunliche Neuerungen an.

Sogar der hierzulande als besonders bizarr angesehene Oberst Muammar al-Gaddafi, der sein sozialistisch-islamisch-militärisches Gebilde Libyen seit 1969 (!) regiert, sitzt einigermaßen fest im Sattel, da er erstaunlich pragmatisch sein kann und seinem Land einen gewissen Wohlstand verschafft hat. Libyen ist nun laut Vereinten Nationen mit einem Human Development Index von 0,755 der höchstentwickelte Staat des afrikanischen Kontinents.

Schließlich sei der marokkanische König Mohammed VI. erwähnt, der seit 1999 regiert und ein durchaus moderner Monarch ist. Unter seiner Herrschaft gab es recht freie Wahlen, Frauen im Parlament und durchaus ein paar soziale Verbesserungen.
Seine Frau, die Informatik-Ingenieurin Salma Bennani war nie verschleiert, kleidet sich europäisch, ißt mit ihren Angestellten an einem Tisch und wird vom Volk verehrt.

In Tunesien lief das ganz anders.
Die Herrscherfamilie Trabelsi war bis letzte Woche die korrupte Krake der gesamten Wirtschaft. Präsidentengattin Leila Trabelsi kontrollierte nahezu alle Wirtschaftszweige, raffte hemmungslos mindestens fünf Milliarden Dollar an sich und bekam gar nicht mit, daß sie dadurch ein wenig unbeliebt im Volk wurde.

Zu ihren Besitztümern gehören Apartments in den schicksten Vierteln von Paris, ein Chalet im Nobel-Skiort Courchevel, Villen an der Côte d'Azur und Millionenbeträge auf Konten in Frankreich. Astronomische Summen seien nach Dubai und Malta geflossen, berichten Pariser Medien. Auch in Argentinien soll die Herrscherfamilie Immobilien besitzen. Ben Ali und seine Gattin Leila häuften das Vermögen durch ein Netzwerk von Firmen und Holdings an, die in erster Linie wohl einen Zweck hatten: die Habsucht des Präsidentenpaars und des dazugehörigen Clans von Leila Trabelsi zu befriedigen. Seit ihrer Heirat 1992 hatte die ehemalige Friseurin zielstrebig ihre Familienmitglieder in lukrative Jobs manövriert. Banken, Transport, Tourismus, Immobilien - keine Branche war vor dem finanziellen Appetit von Madame sicher, denn immerhin mussten zehn Brüder und Schwestern mit Posten und Pfründen bedient werden. Die Raffgier erreichte bisweilen offen kriminelle Züge: So ließ Imed, ein Neffe Leilas, 2006 drei französische Luxusyachten stehlen - dummerweise gehörte eines der Boote einem Bankerfreund des damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac. Dank der guten Beziehungen wurde Imed jedoch den tunesischen Behörden überstellt - und freigesprochen. Doch im Gegensatz zu seiner Tante konnte er sich jetzt nicht mehr ins Ausland absetzen: Am vergangenen Wochenende wurde Imed Trabelsi von Unbekannten erstochen.
(Spon 18.01.11)

Möglicherweise war es Julian Assange, der dem Trabelsi-Clan den Todesstoß gab.
Während wir hierzulande nur erfuhren, daß Merkel tumb und defensiv regiere, daß Westerwelle arrogant und vollkommen ungeeignet für sein Amt sei, (also nichts Neues) erfuhren die Tunesier dank Wikileaks Details, die das Fass zum Überlaufen brachten.

Der gefrostete Joghurt war aus Saint-Tropez eingeflogen, in einem Käfig spielte ein Tiger. Dies berichtete Amerikas Botschafter in Tunis, Robert Godec, über ein Essen bei dem Milliardär und Schwiegersohn des Präsidenten, Mohammed Sakher el-Materi, der einmal als Nachfolger von Zine el-Abidine Ben Ali im Präsidentensitz Carthago gehandelt wurde. Solche Telegramme, die Wikileaks offen legte, heizten während der letzten Wochen die Wut von Millionen Tunesiern an, die um das Überleben kämpfen. Ein Oppositioneller sagte vor einer Woche, als das Regime noch unerschütterlich erschien: 'Ben Ali in Carthago, das ist wie Al Capone im Weißen Haus.' Aber schon vorher kannten alle Tunesier die grenzenlose Raffgier und die Korrupten der 'Familie'.
(SZ 18.01.11)

Daß Leila Trabelsi kurz vor ihrer Flucht noch extra zur Staatsbank fuhr, um sich 1,5 Tonnen (!) Gold im Wert von rund 49 Millionen Dollar abzuholen, finde ich aber irgendwie demütigend.

Sie persönlich habe die Zentralbank in Tunis aufgesucht, um 1,5 Tonnen Gold abzuholen, berichtet die französische Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Der Chef der Bank wollte das Gold demnach zunächst nicht herausrücken. Erst als die 53-Jährige telefonisch ihren Mann eingeschaltet habe, seien ihr die Barren ausgehändigt worden.
(Spon 17.01.11)

Ist das nicht unter ihre Würde?
Und was ist das für eine Schlepperei die Barren ins Flugzeug zu wuchten und dann in Saudi Arabien umständlich wieder auszuladen?
Und wie weit kommt man überhaupt mit 49 Mio bei ihrem Lebensstil?
Das sind doch peanuts!
Dieser Bayern-LB- Risikomanager Gerhard Gribkowsky hat allein für seinen Ecclestone-Deal 50 Millionen Euro Schmiergeld erhalten und die Summe, wie es sich gehört auf Schmiergeldkonten in den bekannten Steuerhinterzieher-Oasen versteckt.
Da reist es sich doch viel besser.
Gerhard Gribkowsky muß nur eine Kontonummer im Kopf haben, um auf die Moneten zugreifen zu können, anstatt umständlich mit einem Pickup und bewaffneten Dienern die Goldspeicher der Staatsbank auszuräumen.

Die Trabelsi haben hier wirklich amateurhaft gehandelt und sind hoffentlich anderen demnächst zu stürzenden Potentaten abschreckendes Beispiel.
Man kann doch seine Notgroschen auch sinniger aufheben.
Gold wiegt ja auch so elend viel.
Platinbarren, oder noch besser lupenreine Edelsteine machen sich als Reisekasse gut.

Montag, 17. Januar 2011

Herdenverhalten.

2005, als ich mal wieder versuchte bei einer Bundestagswahl einen notorischen Wechselwähler davon zu überzeugen, diesmal die SPD oder die Grünen zu wählen, rief er mich am Morgen der Wahl an und verkündete stolz für Angela Merkel gestimmt zu haben. Die letzten Umfragen deuteten schließlich auf einen schwarzgelben Sieg und er wolle seine Stimme nicht an die Opposition verschenken.

Wahlforscher kennen dieses Phänomen. Viele Wähler möchten gerne dem Siegerlager angehören und lassen sich zumindest unterbewußt davon leiten, welcher Block wohl gewinnen wird.
Das ist generell günstig für das konservative Lager, da die allermeisten Boulevardzeitungen eine eher rechte Agenda verfolgen und vor den Wahlen versuchen die CDU-Kandidaten hochzuschreiben.
Je nach taktischem Geschick und demoskopischer Stimmung „verleihen“ Konservative auch ihre Stimme an die FDP, die letztendlich nie etwas anderes als Klientelpartei und Mehrheitsbeschafferin war.

Die Gebildeten und politisch sehr Interessierten sind unabhängiger von dieser Stimmungsmache und wählen daher - wenig überraschend - in einem stärkeren Maße links.
Unglücklicherweise bilden die Desinteressierten, Phlegmatischen und schlecht Gebildeten einen viel größeren Block.

In Ausnahmefällen kann es aber so sein, daß der SPD-Kandidat so beliebt ist und der CDU-Opponent derartig stümpert, daß sich die Medien auch auf seine Seite schlagen, weil sie befürchten, es könne ein „Loser-Image“ an ihnen hängen bleiben.

Solche Konstellationen gab es beispielsweise Anfang 1998 in Niedersachsen, als der populäre Gerd Schröder gegen den vollkommen blassen Christian Wulff antrat. Die SPD holte die absolute Mehrheit, Wulff ging mit 35,9% ein.

Ähnlich war es im September 1994, als der über alle Maße beliebte Landesvater Stolpe in Brandenburg über 54% für die SPD holte und die CDU mit dem debakulierenden Peter Wagner auf 18,7% wegsackte.

Auch Wowereit war zeitweise so beliebt in Berlin, daß der proletige Frank Steffel mit seinen menschenfeindlichen Sprüchen ("Mongos, Bimbos, Kanaken!") für die CDU keinen Blumentopf gewinnen konnte.

Es könnte sein, daß es im Februar 2011 Olaf Scholz ähnlich geht.

Seine SPD hat derzeit einen Lauf.

Man kennt das als Hamburger gar nicht mehr.

Eigentlich zerfleischen sich die SPD-Flügel der Hansestadt genüßlich gegenseitig und ruinieren die Wahlchancen im Alleingang, so daß die CDU nur zusehen muß und sich die Hände reiben kann.

Zuletzt schaffte es der nahezu unbekannte Danial Ilkhanipour dem Bundestagsabgeordneten Niels Annen einen der bundesweit sichersten SPD-Wahlkreise, Hamburg-Eimsbüttel (WK 21), in einer dubiosen Kampfabstimmung mit 45 zu 44 Stimmen abzujagen.
Der SPD-Kreisverband zerstritt sich anschließend derartig, daß am Ende das Undenkbare eintraf - erstmals holte sich die CDU das Mandat.
Die Erststimmenergebnisse zeigen aufs Vortrefflichste, wie sich das linke Lager selbst blockiert hat:
Danial Ilkhanipour (SPD) = 23,8%, Krista Sager (Grüne) = 25,9 %, Herbert Schulz (Linke) = 9% und Rüdiger Kruse (CDU) = 31,3%.
Fast 60% hatten die drei linkeren Kandidaten zusammen und die CDU holte mit etwas mehr als 30% den Bundestagssitz.

Die extrem peinliche Aktion von 2007, als sich der SPD-Landeschef Petersen mit Frau Stapelfeld zoffte, in eine Urwahl um die Spitzenkandidatur ging, bei der aber auf bis heute ungeklärte Weise viele Petersen-Stimmen aus der Wahlurne gestohlen wurde, so daß der gesamte Landesvorstand und beide Bürgermeisterkandidaten in Schimpf und Schande zurücktraten, will ich gar nicht weiter ausführen.
Am Ende hieß der neue Bürgermeister, wie der Alte: Ole von Beust von der CDU.

Aber plötzlich läuft es!
Man reibt sich ungläubig die Augen, wie der phänotypisch nicht eben Adonis-artige Olaf Scholz den Wahlkampf bisher managed.

Er ist unumstritten, eint die Partei hinter sich und wurde soeben mit sensationellen 97,5 Prozent der Landesvertreterversammlung zum Spitzenkandidaten gekürt.

Dazu kommt nun auch noch ein Händchen für Personal, das selbst bei Springer gehörig Lob produziert.
Gleich zwei in Hamburg sehr bekannte und kompetente Männer aus der Wirtschaft holte der SPD-Chef in sein Team.
Einen Multimillionen-schweren Reeder mit den überaus klangvollen Namen Rickmers und zudem auch noch ausgerechnet den Präses der Handelskammer, Horch, dessen Verband klassisches CDU-Klientel ist.
Die Hamburger CDU hatte ihn immer wieder als Senator anheuern wollen und sich stets Absagen geholt.

Die Hamburger SPD hat die von Parteichef Olaf Scholz angeworbenen Wirtschaftsexperten mit großer Begeisterung aufgenommen. Der als Wirtschaftssenator vorgesehene frühere Handelskammer-Präses Frank Horch (parteilos) wurde auf der Landesvertreterversammlung der Partei mit Jubelrufen empfangen. Der überraschend als Kandidat für die Bürgerschaft präsentierte Reeder Erck Rickmers, der erst kurz vorher in die SPD eingetreten war, erhielt viel Applaus für seine Vorstellung und 93 Prozent der Stimmen für seine Kandidatur.
(HH Abla 17.01.2011)

Die CDU sieht nun ganz fürchterlich alt aus, weil ihre externen Kandidaten, die sie bemüht als „Coup“ darzustellen versuchen, gegen Horch und Rickmers einfach jämmerlich aussehen.

Der derzeitige Wirtschaftssenator Karan
, ist bisher dadurch aufgefallen, daß er zweimal keine Bürgerschaftsrede gehalten hat - einmal, weil er den Einsatz verpennte und einmal, weil er ein falsches Skript dabei hatte und desorientiert zu einem ganz anderen Thema sprach.
Ansonsten ist er als Senator Münchhausen bekannt geworden, weil er gewohnheitsmäßig lügt und allerhand Details aus seinem Lebenslauf gefälscht hat.

Der zweite Mann „aus der Wirtschaft“ auf CDU-Ticket ist der Gucci-Protestler und kik-Anwalt Scheuerl, der es geschafft hatte, die CDU erst in diese miserable Lage zu bringen, indem er den populären von Beust abschoss.

In der SPD herrscht verständlicherweise Optimismus - ein Gefühl, das lange Zeit unter Sozis als ausgestorben galt.

Ganz normale Hamburger Bürger sprechen sich im Internet für Olaf Scholz aus, während Herr Ahlhaus von der CDU bereits als am kürzesten amtierender Bürgermeister Hamburgs angesehen wird.

Scholz ist es mit den Personalien Rickmers und Horch ganz nebenbei gelungen den drallen Heidelberger Ahlhaus mit seiner Fila aus Rheinland-Pfalz an einer empfindlichen Stelle zu treffen.
Er stellt den CDU-Mann als unhamburgisch bloß. Einer „von außen“, dem es eben nicht gelingt die wirklich wichtigen Figuren der Hamburger Wirtschaft anzusprechen.

Heute begann sogar das Hamburger Abendblatt, welches üblicherweise ein reines CDU-Werbeblatt ist und noch zu Weihnachten auf aberwitzige Weise Ahlhaus hochschrieb, sich vom CDU-Amtsinhaber abzusetzen.

Prominent auf der Titelseite prangt ein Artikel über die nahezu arbeitsunfähigen Hamburger Ämter, die durch Sparen an falscher Stelle nicht mehr in der Lage wären, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Hunderte Stellen unbesetzt.
Lange Wartezeiten in den Kundenzentren; Anträge auf Wohn- und Elterngeld, die erst nach Monaten bearbeitet werden; Schlaglöcher, die nicht ausgebessert werden. Die Hamburger Bezirksämter, die einen großen Teil der Dienstleistungen für die Bürger erbringen sollen, arbeiten in vielen Bereichen nur noch schleppend. Jetzt schlagen die Bezirke Alarm: "Massive Personalknappheit führt dazu, dass in vielen Bereichen die Arbeit nicht mehr bewältigt werden kann", sagt Mittes Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD). Schuld an der Misere seien Hunderte unbesetzte Stellen in den Ämtern. Und das sei eine Folge der massiven Einsparforderungen des Senats.

(Abla 17.01.2011)

Selbst die eigenen CDU-Leute sind vom CDU-Senat genervt, weil sie den Ärger der Bürger, die monatelang auf ihre Bescheide warten müssen, direkt abbekommen:

Noch mehr Arbeit haben die Bezirke durch den neuen Personalausweis. Die Mitarbeiter benötigen für die Bearbeitung der Anträge deutlich länger: "Wir brauchen in allen sieben Bezirken für diesen Bereich insgesamt 30 weitere Stellen", sagt Harburgs Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg (CDU). Der Bezirk ist federführend für das Meldewesen. Für Meinberg steht fest: "Wenn der Senat eine bürgernahe Verwaltung möchte, dann geht das nicht mit immer neuen Sparvorgaben."
(Ulrich Gaßdorf, Franziska Coesfeld und Hanna-Lotte Mikuteit 17.01.2011)

Im Kommentar zum Thema heißt es wenig CDU-Wahlkampftauglich:

Die Mitarbeiter sind das Herz der Hamburger Verwaltung. Denn sie sind es, die sich im direkten Bürgerkontakt um die Anliegen der Bevölkerung kümmern. Aber die Sparvorgaben des Senats zwingen die Bezirke nun dazu, Hunderte Stellen nicht zu besetzen. Das ist nicht klug, denn Arbeit gibt es dort genug.
[…] Die Leidtragenden sind die Bürger. Denn das vorhandene Personal kann die Arbeit gar nicht mehr bewältigen. Die Folgen sind jetzt schon sichtbar: Die Schlangen in den Kundenzentren werden immer länger. Es dauert Monate, bis Schlaglöcher ausgebessert werden.
[…] Der Senat sollte nun dringend die Notbremse ziehen.
(Ulrich Gaßdorf, 17.01.2011)

Setzt sich hier eine Zeitung ab, weil sie auch schon die SPD an der Macht sieht und dann nicht als diejenige dastehen will, die unverdrossen bis zum Schluß auf den Verlierer Ahlhaus gesetzt hat?

Sonntag, 16. Januar 2011

Willkommener Redner - Teil III

Ende September 2011 wird der Kondomifex Maximus für ein paar Tage in Deutschland weilen.
Das gefällt nicht jedem und ich gehöre zu den Gegnern einer Papstrede vorm Bundestag.
In loser Folge möchte ich bis September, neben den schon Genannten, weitere Argumente folgen lassen.

Bei aller Kritik an Papst Benedikt XVI. und seinen immer wieder aufs Neue verstörend reaktionäre Positionen, würde ich nicht so weit gehen ihn für so verblendet zu halten, daß er gar nicht in der Lage wäre auch mal etwas der Situation Angemessenes von sich zu geben.

So war sein Besuch in Jerusalem im Mai 2009 extrem heikel, da Ratzi mit der antisemitischen Karfreitagsfürbitte und der Pro-Holocaustleugner-Piusbrüder-Entscheidung ordentlich Öl ins katholisch-jüdische Feuer gegossen hatte.

In Israel sagte der Papst dann einfach gar nichts und inszenierte sich als wackeliger Greis, dem mit seinen damals 82 Jahren, geb 1927, eben nicht allzu viel Kritik zugemutet werden könne.
Zu blöd, daß der neben dem Papst agil, frisch und dynamisch wirkende Israelische Staatschef Peres, geb. 1923, vier Jahre älter ist.

Benedikts fahriger und emotionsloser Yad-Vashem-Besuch reichte, um zufrieden zu sein.
Er hat auch nicht an die Klagemauer uriniert und es immerhin mehrere Tage am Stück geschafft nicht irgendwelche rechtsradikalen Judenfeinde zu loben!

Dabei tat er es seinem geschätzten Vorgänger Pius XII gleich und verschwieg peinlich alle heiklen Punkte.
Kein Wort zur Pius-Bruder-Pest, keine mea culpa zur Causa Williamson, kein Wort zur perfiden antijudaistischen Karfreitagsfürbitte nach Altem Ritus, kein Wort über die bevorstehende Pacelli-Seligsprechung, keine noch so kleine Gefühlsregung als Deutscher, keine Erwähnung der abscheulichen Rolle seiner Organisation als Betreiberin des weltweiten Antisemitismus.

Noch nicht mal das Wort „Mord“ mochte der Pontifex in den Mund nehmen.
Stattdessen schummelte er sich mit dem Hinweis auf seinen Ausschwitzbesuch aus der Affäre, nachdem israelische Zeitungen, wie die auflagenstärkste „Jediot Achronot“ beklagt hatten, daß Benedikt kein Wort der Entschuldigung über seine Lippen bekommen hätte.

Immerhin aber kein Skandal und immerhin kein wirklich falsches Wort.

So viel kann man vom Pontifex auch vorm Berliner Bundestag erwarten.
Er wird irgendein harmloses Blabla von sich geben und ein paar strenge Ermahnungen erklingen lassen, die zum linken Ohgr rein und zum rechten Ohr raus gehen.
Ratzinger wird aber kaum vor Westerwelle, Kahrs und Beck ausspucken und dabei fluchen „ihr dreckigen Schwuchteln kommt alle in die Hölle“.
Möglicherweise wird der Papst sogar verklausuliert in Nebensätzen erwähnen, daß es irgendwie, eventuelle, unter Umständen, vielleicht nicht ganz optimal war, daß Tausende deutsche Kinder von katholischen Geistlichen missbraucht und verprügelt wurden.

Bis zum September wird ohnehin Gras über die Knabenfummler in den Soutanen gewachsen sein. Schon jetzt wurde aus Ratzingers engster Umgebung dafür gesorgt, daß die schlimmsten Vertuscher wie der St. Pöltener Regens, in dessen Priesterseminar 40.000 Schwulenpornobilder UND Pädophilen-Bilder gefunden wurden, wieder in Amt und Würden sind.
Das trifft auch auf die Prügel-Abte von Ettal zu, die zunächst der damalige Erzbischof Marx abgesetzt hatte.

Denn das ist sicher beim Papst - zeigt er sich mal aus politischen Erwägungen ob der Skandale seiner Leute zerknirscht und gelobt Besserung - es folgen doch keine Konsequenzen.

Bei seinem Besuch in Malta (Mai 2010) hatte sich Ratzinger, der so desinteressiert an dem Geschehen war, daß er während seiner eigenen Messe fest einschlief, mit einigen Mißbrauchsopfern getroffen , mit ihnen gebetet und Hilfen zugesagt.

Passiert ist aber rein gar nichts.


Das päpstliche Ehrenwort hat weniger Wert als ein Fliegenschiss.

Die Vertreter der Opfer sind - wie so oft - enttäuscht und empört.
Aber da sich die Aufmerksamkeit der Weltpresse schon längst anderen Dingen zugewendet hat (im Moment sind es die verfolgten Kopten, die Ratzinger wie gerufen kommen, um Christen generell als arme Opfer zu inszenieren) kommt die RKK mit ihren nicht eingehaltenen Versprechen durch.

Benedict XVI is all talk and no action and his pathological lies go on and on. He shed a tear at his few minutes meeting with Maltese victims of pedophile priests but up to today those pedophile priests are free to roam and sodomize little boys in Malta.
(pope-ratz.blogspot.com 12.01.2011)

Kein Wunder, daß Ratzinger bei Schwarz-Gelb in Berlin so schwer willkommen ist - gerade die Kanzlerin ist berühmt dafür, daß sie sich auf internationalen Katastrophen-, Klima- und Entwicklungshilfe-Gipfeln als globale Gutmenschin inszeniert, die großzügige Finanzzusagen macht.
Nur, daß diese Zusagen eben nie eingehalten.

Das Geld fließt nie tatsächlich.

Die von Klerikern molestierten Kinder müssen ebenso auf ihre Entschädigungen und das Schmerzensgeld warten.
Auch in Deutschland hat die RKK noch keinen Cent rausgerückt.

Etwas besser sieht es aufgrund der Rechtslage in den USA aus. Dort haben die pädophilen Priester schon so manche Diözese in die Pleite gepoppt.

Organisationen wie SNAP sei Dank:

If you've been victimized by clergy, please know that you are not alone. You can get better. You can reach out to others who've been hurt just like you have. Together, we can heal one another.
We are SNAP, the Survivors Network of those Abused by Priests.
We are the nation's largest, oldest and most active support group for women and men wounded by religious authority figures (priests, ministers, bishops, deacons, nuns, brothers, monks, and others). We are an independent and confidential organization, with no connections with the church or church officials. And we are here to help.
SNAP was founded by Chicago's Barbara Blaine in 1988. Since then, SNAP has helped thousands of survivors. We offer support in person, (via monthly self-help group meetings in chapters across the country), over the phone, on line, and at twice-a-year national meetings.
We also provide a safe and productive outlet for the passion many survivors feel toward preventing future abuse.
Our web site exists to provide support and knowledge to all victims of clergy abuse, to help educate the public, and to help ensure that in future generations, children will be safe.

Aber auch SNAP hat letztendlich resigniert vor den Beharrngskräften des Vatikan.

This past June, Pope Benedict XVI said the church must promise "to do everything possible" to ensure that the sexual abuse of children by Catholic priests "will never occur again."
But the president of the Survivor Network of those Abused by Priests (SNAP) was not satisfied. She said, "Right now, kids are being assaulted by priests and bishops are concealing the crimes. And the pope continues taking no action to stop this." She said that the pope still ignores the main problem: "the ongoing recklessness, deceit, and callousness of bishops who, even now, protect predators instead of children."
(Randall Hoven 16.01.11)

SNAP kennt das schon
. “For the second time in recent years, carefully chosen clergy sex abuse victims who met with Pope are ending up disappointed.

Zusagen des Papstes sind nichts wert.

Abuse victims complain to pope over lack of sanctions.
SEVEN MALTESE clerical sex abuse victims have written to Pope Benedict XVI to complain about the church’s failure to impose sanctions on the priests accused of abusing them, according to Italian and Maltese media reports last weekend.
The seven victims, who were among a group of survivors who met Pope Benedict in a much publicised private encounter during his pastoral visit to Malta last April, complain that eight years after criminal charges were filed against three priests, neither clerical nor state judicial authorities have yet to impose sanctions.
In October 2003, criminal charges were filed against three priests – Fr Charles Pulis, Fr Conrad Sciberras and Br Joseph Bonnett – accusing them of sexually abusing young boys in their care at the St Joseph’s Home in Santa Venera, Malta, during the 1980s and 1990s. The case, which has not concluded, received huge international attention last April when, on the eve of the pope’s visit, the victims chose to speak out about their ordeal.
In their letter last weekend, the victims accuse both the Maltese judicial authorities and the church of dragging their feet, notwithstanding the fact that the three priests, back in 2003, originally admitted the abuse. Furthermore, they claim, both an archdiocesan response team and the Vatican’s own “promoter of justice” in the Congregation for the Doctrine of the Faith, Malta native Msgr Charles Scicluna, concluded that the victims’ allegations were well founded.
“In Malta, the church, political power and the judiciary are all the same thing. For example, a government minister came into the court to testify on behalf of the priests. Few people, even amongst the opposition, are on our side. People here are very religious and are frightened of accusing priests,” say the victims.
The victims claim that it is unclear whether the Vatican or the Archdiocese of Malta will eventually rule on the accused priests, adding in the letter: “We are very disappointed that these priests are still going about in clerical clothes.”
On the state judicial front, the criminal case against the three priests now risks a further lengthy delay given that last week the accused filed a constitutional application alleging that their right to a fair trial has been undermined by media publicity. When the case originally came before the Maltese courts, defence lawyers successfully requested a ban on the reporting of court proceedings.
(PADDY AGNEW The Irish Times - Monday, January 10, 2011 in Rome)

Samstag, 15. Januar 2011

Der Christ des Tages - Teil XXXVIII

Abgesehen von Bischöfen und Pröbsten, gab es in Hamburg während der letzten Dekaden zwei Pastoren, die auch dem desinteressierten Ungläubigen bekannt waren.

Da ist zum einen Helge Adolphsen, 18 Jahre „Michel-Pastor“ (Hauptpastor des Michels = St Michaelis Kirche = Wahrzeichen Hamburgs), der promigeiler als 100 amerikanische Groupies sich geradezu manisch in alle Zeitungs-Bilder schmuggelte.
Ihm sagt man nach, daß er sogar an roten Ampeln anfängt breit zu grinsen, weil er denkt das sei das Kamera-Rotlicht.
Adolphsen ist sowas wie Udo Waltz, Thomas Gottschalck und Paris Hilton in einer Person: Ohne die geringste Eigenleistung stets im Rampenlicht.

Der zweite extrem bekannte Pastor ist Ulrich Rüß, dessen Namen in Hamburg nicht ganz so sehr strahlt wie „Adolphsen“.
Rüß ist aber dennoch der Christ des Tages No XXXVIII, da ihn vermutlich die meisten Hamburger schon einmal persönlich gesehen haben.
1982 - 2009 stand der Pastor der Hochzeitskirche St. Johannis in Eppendorf vor.
Tatsächlich wollen traditionell alle sich kirchlich trauenden Hochzeitspaare dort vermählt werden, da Promis in dieser Kirche heiraten. Beispielsweise Uwe Seeler und Thomas Helmer heirateten ihre Eheweiber in der bereits 1267 erwähnten Kirche, dessen Fachwerkkirchschiff 1622 errichtet wurde.
Ulrich Rüß hat einen Zwillingsbruder, Andreas, der ebenfalls Pastor (auf Rügen) ist und einen älteren Bruder, Christian, der - dreimal darf geraten werden - auch Pfarrer (Hamburg) ist.

Abgesehen von den eifrigen Lesern der Yellow Press, die sich für Hochzeiten der Promis und Möchtegern-Promis interessieren, kennen Theologiestudenten die drei Rüße, die sich als ultrastrenge Pietisten den Spitznamen „Pietcong“ erwarben.

Insbesondere der Pastor Ulrich Rüß, als Vorsitzender der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis, Vorsitzender der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Deutschland und als Vize dieser Konferenz im europäischen Rahmen, wo auch Katholiken und Orthodoxe mit einbezogen sind, hat knallharte fundamentalistisch-evangelikale Ansichten, mit denen er bei Kreuznet gut aufgehoben wäre.

So gehört Rüß auch zu den Erstunterzeichnern der von Kreuznet hochgelobten "Initiative für Freiheit und Selbstbestimmung“ die „gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“ kämpfe und "Homounzüchtige zu therapieren" gedenke.

Sein persönliches Waterloo erlebte der homophobe und misogyne Konservative am 4. April 1992, als Maria Jepsen in einer Kampfabstimmung gegen Helge Adolphsen (sic!) erste evangelische Bischöfin der Welt wurde.
Die Gebrüder Rüß bebten vor Zorn und überzogen Hamburgs Zeitungen mit den einschlägig bekannten Bibel-Zitaten, die Jepsens Wahl ihrer Meinung nach unmöglich machten.

Wie es in allen Gemeinden der Heiligen üblich ist, 34 sollen die Frauen in der Versammlung schweigen; es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert. 35 Wenn sie etwas wissen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen; denn es gehört sich nicht für eine Frau, vor der Gemeinde zu reden.
(1, Korinther, 14)

9 Auch sollen die Frauen sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, 10 sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen. 11 Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. 12 Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten. 13 Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. 14 Und nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen und übertrat das Gebot. 15 Sie wird aber dadurch gerettet werden, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie in Glaube, Liebe und Heiligkeit ein besonnenes Leben führt.
(1, Timotheus, 2)

Meiner Ansicht nach sollten sich Frauen, die die Bibel als Grundlage des Christentums akzeptieren schleunigst die Christliche Kirche verlassen.

Nach Ansicht des Theologen Rüß sollen Frauen hingegen in der Kirche bleiben, aber für immer die Klappe halten.

Wie alle konservativen Theologen verachtet der Christ des Tages 38 neben Frauen vor allem Schwule.

Eine harte Prüfung für den armen Fundi-Rüß, daß er nach 1992 und der geistlichen Vorgesetzten Jepsen, 2001 den nächsten Schlag hinnehmen mußte, indem der schwule Ole von Beust Hamburger Bürgermeister wurde.
Und es kam immer schlimmer; 2005 eine KanzlerIN und dann 2009 auch noch ein schwuler Vizekanzler.

Der öffentliche Auftritt Ole von Beusts mit seinem Lebenspartner und die Heirat von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ist auf Kritik der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften gestoßen. "Für Menschen, die sich in ihrer Ethik an das Zeugnis der Bibel gebunden wissen, ist das ein negatives Signal", erklärte der Hamburger Pastor Ulrich Rüß, Präsident der Konferenz. Die Heirat sei "ein Rückschritt in eine beliebige, vom allgemeinen Toleranzdiktat bestimmte Zeitgeistethik", fügte er hinzu. Kritisch äußerte sich Rüß auch zu Ole von Beust (55, CDU), der "im Rahmen einer Armani-Modenschau" einen 19-jährigen Medizinstudenten als seinen Lebenspartner vorgestellt habe. "Noch vor nicht langer Zeit war das unvorstellbar gerade bei Menschen mit gewisser ethischer Vorbildfunktion, dazu noch, wenn sie einer "christlichen Partei angehören", sagte Rüß.
(HH Abla 22.09.2010)

Als Rüß’sche Apotheose des weibliche-schwulen Sumpfs entpuppte sich Bischöfin Jepsen auch noch als „homofreundlich.“
2007 hielt Jepsen einen Gedenkgottesdienst für verfolgte Schwule in Hmaburg.

Pastor Ulrich Rüß, Chef der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, nannte die dort getätigten Ausführungen Jepsens "nicht hilfreich". Das berichtet die Nachrichtenagentur idea. Als Bischöfin müsse sie die Sicht der Bibel differenzierter darstellen und dazu raten, Homosexualität nicht auszuleben. Jepsen hatte beim Gottesdienst in der St.-Georgs-Kirche gesagt, in der Bibel gebe es "kein Verbotsschild für Andersdenkende, Anderslebende, für Homosexuelle". Gott habe auch Schwule geschaffen und liebe sie, so die Bischöfin. Der Gedenkgottesdienst fand anlässlich des 50. Jahrestages einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts statt, das 1957 die Nazi-Version des Paragrafen 175 gut hieß und erklärte, dass gleichgeschlechtliche Betätigung "eindeutig gegen das Sittengesetz" verstoße. In diesem Zusammenhang bezweifelte Rüß auch die Darstellung der Bischöfin, dass die Kirche in der Vergangenheit federführend bei der Verfolgung und Ausgrenzung Schwuler gewesen sei.
(Queer.de 2007)

Diese Woche meldeten sich sieben ehemalige norddeutsche Bischöfe mit heftiger Kritik an der EKD zu Wort, da sie künftig auch homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern dulden will.

Kreuznet benutzt seitdem konsequent den Fundi-Neologismus „Protestunten“, wenn es über die evangelischen Kollegen herzieht. Rüß sieht das genauso.

Der Aufruf zeige, "in welch desolater Verfassung die evangelische Kirche ist", erklärte Pastor Ulrich Rüß, Vorsitzender der Konferenz, am Freitag in Hamburg. Die früheren Bischöfe hatten sich gegen das Zusammenleben homosexueller Pastoren mit gleichgeschlechtlichen Partnern im Pfarrhaus ausgesprochen. Unter den Kritikern waren drei frühere Bischöfe aus Niedersachsen. Die Kirche nehme ihre eigene Glaubensgrundlage, die Heilige Schrift, nicht ernst und wisse sich mehr dem ideologischen Zeitgeist als dem Geist Gottes verpflichtet, sagte Rüß. Damit säge sie sich langfristig den Ast ab, auf dem sie sitze: "Den acht Bischöfen ist für ihren mutigen Mahn- und Weckruf zu danken."
(HH Abla 15.01.2011)

Als Rüß 2009 in den Ruhestand ging, lobhudelte Abendblatt-Chef Holger Dohmen, der Pastor sei „außerordentlich beliebt“, seine Kirche „immer voll“ gewesen.

Von Ruhestand also keine Spur, im Gegenteil: Dafür ist ihm seine Kirche auch viel zu wichtig. Und natürlich der Auftrag von Kirche. Rüß spricht in diesem Zusammenhang von "Essentials", den Grundlagen des Glaubens. Die aber sieht der streitbare Lutheraner seit vielen Jahren gefährdet. Der Kirche gelingt es viel zu wenig, "die fröhliche und freudige Sache des Glaubens unter die Menschen zu tragen und die Gottesbeziehung in den Mittelpunkt zu stellen".
(HH Abla 10.01.2009)

Seitdem Herr Rüß Rentner ist, hat er jetzt Zeit neben Frauen und Schwulen auch andere Gruppen zu hassen. Zum Beispiel Muslime und den Islam, den Herr Wulff als zu Deutschland gehörend bezeichnet hatte.

Dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ müsse widersprochen werden, sagte der Bundesvorsitzende und Hamburger Pastor Ulrich Rüß.
[…] Mit seiner Formulierung bestätige und fördere Wulff Befürchtungen einer zunehmenden Islamisierung Deutschlands und Europas, sagte Rüß weiter. Es wäre gut, wenn christliche Politiker deutlicher zu den eigenen Wurzeln stünden, so der Theologe.
[…] Das Christentum habe mit seiner Kultur und Tradition Deutschland geprägt. Diese christliche Kultur sollten auch die in Deutschland lebenden Muslime besser kennenlernen und achten.
(HH Abla 4. Oktober 2010)

Freitag, 14. Januar 2011

Seid umschlungen Millionen!

Es gibt da dieses nette KORSO-Faltblatt
Jetzt reicht’s! Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!“,
das der „Koordinierungsrat säkularer Organisationen“ angefertigt hat.

Kurz und knackig ist da aufgeführt, wie sich die 540 Millionen Euro zusammensetzen, welche die Bundesländer 2009 den beiden Christlichen Kirchen nach Art. 140 GG i.V. mit Art. 138, 1 WRV zuschieben.
Das ist insofern besonders heikel, da die Kirchen mit insgesamt 19,3 Mrd Euro durch den Staat im Jahr alles andere als arm sind und die Leistungen nach der Weimarer Reichsverfassung abgelöst werden sollen.
Die gesamte Politik ignoriert das aber stillschweigend.

Und so wird aus dem allgemeinen Steueraufkommen, das zu einem guten Drittel von Atheisten aufgebracht wird, weiter Mixas Gehalt bezahlt.
Die genannte Broschüre schlüsselt die Zahlungen nach Bundesländern auf und zeigt am Beispiel Bayerns, wie sich 65,2 Mio Euro an die RKK und die 21,4 Mio Euro an die evangelische Kirche in Bayern zusammensetzen.
Inklusive der „Jahresbaulast“ von rund 51 Mio Euro überweist das Bundesland rund 138 Millionen Euro jedes Jahr an seine Kirchen, obwohl die rechtliche Grundlage dafür zumindest sehr zweifelhaft ist.

Die Jahresrenten der sieben bayerischen katholischen Bischöfe läßt sich der Freistaat € 772.500 kosten, die 42 Domvikare bekommen € 2,2 Mio, die 60 Bayerischen Kanoniker € 4,1 Mio. Noch nicht mal die normalen Seelsorger zahlt die Kirche aus eigenen Mitteln - fast 40 Millionen Euro für Katholische und noch einmal 15 Millionen Euro für evangelische Pfarrer zahlt Herr Seehofer.
Einige Posten muten hochgradig absurd an - so zahlt Bayern den gerade mal sieben Mesnern eine „Gehaltsergänzung“ von € 169.000.
Über so eine „Gehaltsergänzung“ freuen sich auch die 15 Leiter der bischöflichen Knabenseminare (€ 674.500).
Da wundert es kaum, daß bei „außerordentlichen Bedürfnissen“ der Pfarreien; wenn also mal ein Glockenklöppel abfällt oder die Kirchturmuhr hakt; auch sofort der Staat einspringt.
Die Kirchen betrachten die Landeshaushalte offensichtlich als Selbstbedienungsladen.

Nur in Hamburg und Bremen gibt es diese Zuschüsse nicht mehr. Das klamme Bundesland Berlin schiebt allerdings den beiden Kirchen immer noch € 10,6 Mio jährlich zu.

Wenn es ums Geld geht, ist die Kirche eindeutig positioniert und die Position lautet:
„Mir das Meiste!“

Bei den vielen Angestellten in kirchlichen Einrichtungen wird kräftig am Lohn gedrückt.
Wir erleben dabei ein absolutes Highlight der Bigotterie.

Wie anders, als pure Heuchelei soll man es verstehen, wenn Kirchenfürsten wie Bischöfin Ilse Junkermann die „soziale Schieflage“ beklagen und den Staat zu Hartz-Erhöhung auffordern, während sie ihre eigenen Diakonie-Mitarbeiter mit Dumpinglöhnen abspeisen.

Wie zum Hohn gegenüber den Gewerkschaften, die dieser Tage wider die Abzocke mit Leiharbeitern mobil machen, positionieren sich die organisierten Christen als häßliche Arbeitgeber.

Mit einem bundesweiten Aktionstag am 24. Februar will der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen Forderungen nach einem allgemeinen Mindestlohn und besserer Bezahlung in der Leiharbeit Nachdruck verleihen.
(Tagesschau 13.01.2011)

"Die miesen Tricks der Diakonie“ nennt der STERN die Kirchenmachenschaften.

Pflegeeinrichtungen der Diakonie drücken nach Recherchen des stern durch Dumpingmethoden die Löhne zehntausender Angestellter. Die Beschäftigten werden unter anderem über eigene Zeitarbeitsfirmen zu niedrigeren als den üblichen Löhnen eingestellt. Durch ein ähnliches Vorgehen war vor einem Jahr die Drogeriemarktkette Schlecker in die Schlagzeilen geraten.
Die Diakonie ist der Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche. Ihre Heime nutzen die unternehmenseigene Leiharbeitsfirma Dia Logistik, um neue Mitarbeiter zu den niedrigen Zeitarbeitstarifen einzustellen. Vor allem bei qualifiziertem Pflegepersonal spart das Unternehmen so kräftig: Nach Informationen des Magazins verdient eine examinierte Altenpflegerin nach zwei Jahren Berufserfahrung bei der Diakonie pro Stunde 14,28 Euro. Bei der Leiharbeitsfirma erhält sie nur in der Stunde nur 10,16 Euro – ein Minus von monatlich 640 Euro. Auch gründeten Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen GmbHs, um gekündigte Beschäftigte zu schlechteren Konditionen wieder neu einzustellen.

(Stern.de 13.01.2011)

Mutmaßlich 75.000 Diakonie-Mitarbeiter werden auf diese Art und Weise mit Dumpinglöhnen im Namen der Barmherzigkeit abgespeist.

Man denkt sofort an die „Diakonie Oldenburger Land“, die im Sommer 2010 in die Schlagzeilen geriet, nachdem der Diakonie-Boss Joachim von der Osten 180 Mitarbeiter dazu erpresste auf ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten und später damit auffiel in die Kassen gegriffen zu haben und für sich persönlich € 100.000 abzweigte.

Was in der Bibel über Nächstenliebe und Gerechtigkeit steht und gerne in Sonntagspredigen wiederholt wird, gilt in der Praxis eben doch nur für die Gehaltsschecks der Kirchenfürsten und Diakonie- und Caritas-Bosse.

Bei ihren Patienten und Klienten, sowie den Angestellten gilt das nicht.

Hier richtet die Leiharbeit ihren wahren Schaden an: beim diakonisch-caritativen Selbstverständnis. Sie ist ungerecht, weil sie Krankenschwestern und Putzfrauen trifft, nicht Ärzte oder Geschäftsführer. Sie trifft Beschäftigte, die sich moralischen Regeln unterwerfen und nicht streiken sollen, weil sie einen besonderen Arbeitgeber haben. Und der sie nun schlecht behandelt.
(Matthias Drobinski, SZ, 14.01.2011)

Bei den Kollegen von der Caritas sieht das auch nicht besser aus.

Die Caritas-Legende“ nennt Carsten Frerk die Machenschaften der RKK in einem gastbeitrag für die FR.

Die „Wohltaten“ der Kirchen werden in Wahrheit vom Staat bezahlt, machen sich aber gut als PR und zwingen dazu noch die Mitarbeiter zur Beibehaltung ihrer Kirchenmitgliedschaft.

Würden sie austreten, verlören sie auf der Stelle ihren Job.

Kirchenmitgliedschaft durch Erpressung also.

Für konfessionelle Kindertagesstätten gaben der Staat und damit alle Steuerzahler 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro aus. Die Finanzierungsregeln sind Sache der Länder, die sie unterschiedlich handhaben. In Hamburg oder Bayern werden christliche Kitas ohne Geld der Kirchen betrieben, in Nordrhein-Westfalen steuern sie zwölf Prozent zu den Etats „ihrer“ Kitas bei. Mehr ist es nicht. Aber die Kirchen werden nicht müde zu beteuern, dass sie die Kirchensteuer für die kirchlichen Krankenhäuser, Kindertagesstätten und weitere soziale Einrichtungen brauchen. Das glauben dann auch die wohlmeinenden Christen.
In einer repräsentativen Umfrage unter Kirchenmitgliedern, ob sie aus der Kirche austreten würden, wenn die Kirchen nur wenig von der Kirchensteuer an ihre sozialen Einrichtungen geben würden, sagten 47 Prozent der Befragten: Wenn das so wäre – wie es ist –, würden sie aus der Kirche austreten. In der Altersgruppe der 14- bis 27-Jährigen sagten das sogar 60 Prozent. Das könnte erklären, warum die Kirchen über die öffentlichen und staatlichen Finanzierungen ihrer Sozial- und Gesundheitseinrichtungen schweigen oder sogar die Unwahrheit schreiben.

(Carsten Frerk 19.12.2010)

Donnerstag, 13. Januar 2011

Dämlichskopie

Die Grünen in Hamburg haben Chuzpe.
Zwei Jahre lang saßen sie mit der CDU im Bett, winkten seelenruhig Abschiebungen, das Abholzen Tausender Bäume und soziale Kürzungen durch, während sich Bürgermeister Beust protzige Denkmäler bauen durfte.
Mit dem Segen der Grünen durfte sich dann der neue Hardliner-Bürgermeister Ahlhaus für Millionen Euro das erfüllen, was sich der Klischee-Konservative aus den 1950er Jahren wünscht:
Ein imposantes Polizeiblasorchester und eine Reiterstaffel! Dinge, die eine moderne Großtadt im Jahr 2011 also unbedingt braucht!
Um das zu bezahlen, wurden die KITA-Gebühren kräftig angehoben.

Nachdem ENDLICH der Weg zu Neuwahlen frei geworden war, erwartete ich eigentlich, daß sich die Politiker der Hamburger GAL in die Ecke stellen und schämen.
Ganz klein mit Hut sollten sie devot den Wähler um Verzeihung bitten für die asoziale und antiökologische Unionspolitik, die sie durch gewunkenhaben.

So etwas wie natürliches Schamgefühl von GAL-Senatoren, oder gar der Parteichefin-Wuchtbrumme Fegebank zu erwarten, war aber außerordentlich naiv von mir.
Die schämen sich kein Stück, sondern reißen ordentlich die Klappe auf.
Hauptgegner ist ihnen die SPD!

Offensichtlich sind die Sozialdemokraten dem CDU-Ableger GAL inzwischen zu links.
Den Wahlkampf begann die einst „alternative Partei“ bezeichnenderweise in der „Bar Rossi“ - für die Nichthamburger: Dabei handelt es sich um ein Edel-Etablissement der Reichen und Schönen Hamburgs. Vor der Tür stehen üblicherweise Porsches und ohne Haute Couture-Bekleidung kommt man nicht am Türsteher vorbei.
Grüne Spitzenkandidatin ist die manische Baumhasserin Hajduk, der ich persönlich übel nehme, daß in meiner unmittelbaren Nachbarschaft in ihrer Amtszeit die Hälfte der Straßenbäume abgehackt wurden und ich überall nur noch Stümpfe sehe.

Aber, wie ich mir sagen lassen habe, freuen sich die Makler ganz enorm, da so viele Wohnungen nun deutlich heller geworden sind damit kräftig an Wert gewannen.
Wohnraum ist knapp in Hamburg, da Grün-Schwarz systematisch den Neubau behindert hat:

Die inzwischen beendete schwarz-grüne Koalition in Hamburg hat den Wohnungsbau nach Einschätzung der privaten Wohnungswirtschaft gebremst. So sei die Zahl neu gebauter Wohnungen auch 2010 noch einmal um knapp zehn Prozent gesunken. Statt der benötigten 6000 seien nur 3160 Wohnungen gebaut worden - obwohl es genügend Interesse von Bauherrn und Baufirmen gibt.
(Hamburger Abendblatt 13.01.2011)

Da wollte die Stadtentwicklungssenatorin Hajduk offenbar wenigstens die bestehenden Immobilien teurer machen, um dem Mieter das Leben noch schwerer zu machen.
Extrapoliert man diese grüne Methode der Immobilienwertsteigerung durch Fällen der Sonnenverhinderungsbäume, sollte man gleich Nägel mit Köpfen machen und Hamburg flächendeckend mit „Agent Orange“ einnebeln.
Wie hell es dann überall würde!
Und außerdem sparte man die Lohnkosten für all die Hamburger Gärtner und Parkpfleger.

Die SPD setzt nun, nach zehn Jahren Sozialabbau mit CDU, Schillpartei, FDP und GAL, stark auf das Thema „soziale Gerechtigkeit.“ Deshalb greift Hajduk SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz auf diesem Feld an.
Dem Tagesspiegel sagte sie:

„Es ist auffällig, wie sehr die SPD nur auf die klassischen Stärken Hamburgs fixiert ist, etwa den Hafen. Wenn Hamburg eine lebendige Metropole mit Lebensqualität bleiben will, muss es neue Stärken entwickeln. Dafür braucht es neue Technologien, frische Ideen und eine vorausschauende Politik, die auch Veränderungen nicht scheut.“ Hajduk schimpft aber auch deshalb auf die SPD, weil sie eine absolute Mehrheit der Sozialdemokraten verhindern will.
(Tagesspiegel 08.01.2011)

Soziales Eiteitei gab es unter Schwarz und Grün nicht.
Als im Dezember die ersten Obdachlosen erfroren, hat Strahlemann Ahlhaus großzügig einen alten Weltkriegsbunker unter dem Hauptbahnhof öffnen lassen.
OK, geheizt ist nicht und sanitäre Anlagen gibt es auch nicht.
Aber es sind ja auch nur Menschen, die dabei draufgehen.
Dieses ganze Heizen wird ohnehin überbewertet, gab die Hamburger Regierung bekannt; die Obdachlosen könnten es ja so machen wie die Kaiserpinguine am Südpol - einfach dicht zusammen pressen.

In einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken erklären die Behörden, dass sich ja im Bunker angesichts der Nutzung durch Menschen die Raumtemperatur erhöhen würde.
Wolfgang Joithe, sozialpolitischer Sprecher der Linken dazu: "Menschen, die auf der Straße leben, müssen sich aufwärmen können. Ein nicht beheizter Erfrierungsschutzraum ist menschenunwürdig. Aber man kann mit unbeheizten Räumen natürlich auch abschrecken. Und das ist hier offenbar gewollt."

(MoPo 30.12.2010)

Daß aber Obdachlose IN Ahlhaus‘ Notunterkunft so miserabel dahinvegetieren, daß womöglich einer stirbt, kann man im Wahlkampf nicht gebrauchen.
Daher wurde der Bunker nun doch zugemacht und eine neue ungeheuer praktikable Lösung gefunden.

Die Hamburger Sozialbehörde schießt den Bunker am Hauptbahnhof als Obdachlosen-Notunterkunft wieder. Es herrschten dort unzumutbare Zustände bei der Unterbringung. Von heute Abend an sollen stattdessen im ehemaligen städtischen Pflegeheim Holstenhof an der Straße Elfsaal in Jenfeld 70 Plätze eingerichtet werden. Ein Shuttle-Bus soll die Obdachlosen vom Hauptbahnhof abends (16 und 22 Uhr) hin- und am Morgen gegen neun Uhr wieder zurückfahren.
(Abla 12.01.2011)

Der Urnenpöbel ist mal wieder irgendwie verwirrt.
Die GAL kann fast mit einer Verdoppelung ihres letzten Ergebnisses auf nun 17% rechnen, wie eine aktuelle Umfrage für den NDR herausfand.
Passenderweise gaben auch 84% (sic!) der Wähler an, nicht genügend über das Wahlrecht informiert zu sein.
Die SPD lässt etwas Federn, die CDU verbessert sich ein wenig.
Dennoch ist der SPD-Herausforderer Scholz in allen Punkten dem Amtsinhaber voraus.
Bei einer Direktwahl gewänne der SPD-Chef mit 59 zu 23 Prozent.
Die Hamburger finden Scholz im Vergleich zu Ahlhaus sympathischer (57% : 22%), daß er eine bessere Figur abgebe (58% : 21%), daß er besser zu Hamburg passe (61% : 19%) und daß Scholz sich stärker für soziale Gerechtigkeit einsetze (63% : 10%).

Mal sehen was diese demoskomischen Stimmungen am 20. Februar in Stimmen umgesetzt bedeuten.

Ich habe eine winzige Hoffnung, daß es unter der Voraussetzung, daß Linke und FDP knapp an der 5%-Hürde scheitern auch für eine SPD-Alleinregierung reichen könnte.
Derzeit ergibt sich ein Patt - CDU und Gal haben mit 26 + 17 Prozent genauso viel, wie die SPD, nämlich 43%.

Ja, das wäre mir ein echtes innerliches Sahnehäubchen, wenn Fegebank, Hajduk und Co in der Opposition landeten.

Also bitte SPD wählen am 20. Februar 2011!

Mittwoch, 12. Januar 2011

Instrumentarium.

Man weiß nicht so genau, nach welchen Kriterien der liebe Gott die Karten des Lebens verteilt.
Aber eins ist sicher - von Gerechtigkeit hält er gar nichts.
Das fängt schon damit an WO man geboren wird.

Nicht besonders einfach dürfte das Leben ausfallen, wenn man zufälligerweise in Gaza, Tschetschenien oder Haiti aus dem Uterus schlüpft.
Ist der erste Blick, den man von seinem Leben erhascht stattdessen eine schön sterile OP-Lampe in Nordeuropa, kann man mit ziemlicher Sicherheit schon mal Hunger, Krieg und Erdbeben ausschließen für die nächsten Jahre.

In Deutschland geboren worden zu sein, hat durchaus Vorteile gegenüber vielen anderen Geburtsorten der Welt.
Diejenigen, die auf teutonischer Erde die ersten Schritte des Lebens zu tun, sind aber noch lange nicht qua Geburt mit gleichen Chancen ausgestattet.
Keineswegs. Die Zukunft sieht natürlich erheblich rosiger aus, wenn einem im Licht des Kreißsaals noch ein fränkischer Adelstitel, ein Familienschloss und ein 400-Millionen-Euroschreck im Hintern stecken.
Findet man als elterliche Mitgift hingegen Marzahn, Hartz-IV und Leberzirrhose vor, wird es vermutlich eher nichts mit dem sorgenfreien Leben.

Und auch das ist noch Gold gegen manch andere Startchance, die sich der liebe Gott in seinem grenzenlosen Sadismus ausgedacht hat.
Viele Kinder werden auch mit inoperablen Herzfehlern, Mukoviszidose und anderen tödlichen Erbkrankheiten ausgestattet ins Leben entlassen.

In Deutschland sind schätzungsweise 22.000 Kinder und Jugendliche von einer lebensverkürzenden Erkrankung betroffen. Jährlich sterben mehr als 3.000 Kinder, davon ca. 520 aufgrund einer Krebserkrankung. Neben Unfällen und dem plötzlichen Kindstod im Säuglingsalter sind angeborene Störungen (kardiovaskuläre, neuromuskuläre und genetische Krankheiten) und Krebserkrankungen die häufigsten Todesursachen bei Kindern.
(kinderaerzte-im-netz.de)

Sich ungerecht behandelt zu fühlen, ist üblicherweise eine enorme Triebfeder für Zornesausbrüche.
Insbesondere wenn sich Ungerechtigkeit mit Hilflosigkeit paart, fällt es der menschlichen Psyche schwer gelassen zu bleiben.
So erinnere ich mich noch heute an eine höchst unangenehme Situation, die ich als Zehnjähriger während eines Französisch-Tests in der Schule erlebte.
Plötzlich riß mir der Lehrer das Blatt aus der Hand, warf mich hinaus und brüllte mir hinterher, ich hätte „abgeguckt“. Erhärtet wurde sein Verdacht durch die Tatsache, daß ich offenbar fast keine Fehler gemacht hatte.
Ich hatte aber NICHT abgeguckt, sondern (ausnahmsweise) am Abend vorher gelernt.
Der Ausgang dieses Tests (Note 6) ist für mein restliches Leben herzlich irrelevant, aber dieses kindliche Gefühl der Ohnmacht und die Wut darüber ungerechtfertigt beschuldigt worden zu sein, ist mir noch nach Dekaden präsent.

Wie kommt es also, daß bei massenhafter und viel schwerwiegenderer Ungerechtigkeit Menschen ihr Schicksal stoisch hinnehmen?
Müßte sich nicht eigentlich ein Mob aus chancenlosen Marzahnern bilden, der sich gen Bayern aufmacht und den reichen Baron aus seinem Schloß treibt?
Ich will solchen Taten gar nicht das Wort reden - schließlich muß man kein Arsch sein, nur weil man mit einem goldenen Löffeln im Selbigen geboren wird.

Es verblüfft aber doch, daß ein Adeliger, der zudem noch einer der reichsten 400 Menschen in Deutschland ist und als Mitglied des schwarzgelben Kabinetts sämtliche Großschweinereien wie Hotelsteuersenkung, Milliardengeschenke an Atom- und Pharmaindustrie, sowie Beitragserhöhungen für alle, abgenickt hat, sich dafür auch noch im demoskopischen Olymp sonnen kann.
80% der von ihm Regierten finden ihn toll.

Offensichtlich ist der Respekt vor der Obrigkeit hierzulande immer noch stark ausgeprägt.

Der Pakt zwischen Adel und Klerus - „du hältst sie dumm; ich halt sie arm!“ - scheint langfristig zu wirken.
Das Christentum lehrt schließlich ganz eindeutig sich nicht aufzulehnen.

Mit dem Auftauchen Jesu und dem Neuen Testament, war die Richtschnur gefunden.
Gott will, daß Sklaven und Diener und Leibeigene und andere Rechtlose willig und ohne aufzumucken ihren Besitzern dienen - und wer sich Gott widersetzt, kommt in die Hölle.
Simple as that.

5 Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. 6 Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! 7 Dient freudig, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen. 8 Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann. 9 Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person.
(Brief an die Epheser, Kapitel 6)

Aufmüpfig war erst der extrem antisemitische christliche Gelehrte Martin Luther, der sich dermaßen mit seiner klerikalen Obrigkeit anlegte, daß es zum Schisma kam.

Die daraufhin anbrechenden Bauernaufstände gegen ihre Herren, schockierten den Kirchenmann allerdings.
Ja, er nahm sich das Recht gegen den Vatikan zu opponieren.
Daß aber völlig rechtlose Leibeigene auch anfingen gegen ihre weltlichen Herren zu rebellieren, stand auf einem ganz anderen Blatt und so lehrte insbesondere die protestantische Kirche unbedingten Gehorsam gegen jede Obrigkeit.
Die christliche Lehre funktioniert genau so: Alle Macht den Oberen und halte die Armen mit dem Argument ruhig, ihr Schicksal sei gottgewollt und die Erlösung käme dann im Jenseits.

Das Diesseits für die Herrscher, das Jenseits für die Beherrschten.

Diese besondere soziale Auffassung haben die Kirchen nie wirklich überwunden.
Sie unterwarfen sich willig einem Reichskanzler Hitler - schließlich sei er der „rechtmäßig gewählte Führer“ (ein Argument, das man auf Kreuznet lesen kann, wenn es darum geht, weshalb die Kirche nichts gegen die Nazis unternommen habe).
Aber auch nach dem WK-II und der UN-Menschenrechtscharta, blieben die Großkirchen fest an der Seite der Herrschenden - sei es beim faschistischem Mörder General Franco in Spanien, oder bei den verschiedenen südamerikanischen Diktatoren.

Es war der aktuelle Papst, der die sogenannten Befreiungstheologen, die sich mit den unterdrückten und hungernden Armen solidarisierten, hart und brutal abstrafte.

Extrem wenig Glauben an Gerechtigkeit auf Erden, dürften derzeit die Bewohner von Haiti aufbringen.

Entdeckt hatte die Insel Hispaniola niemand geringeres als Christoph Kolumbus, in dessen Gefolge Christliche Truppen die Bewohner; die Arawaks (auch Taínos genannt) fast komplett ausrotteten.

Einer der Genozide, für die das Christentum direkt verantwortlich ist!

Die Religion der Liebe eben.

Die völlig entvölkerte Insel wurde dann im späten 17. Jahrhundert von den Christen aus Europa wieder besiedelt.
Nicht von ihnen selbst, aber sie schleppten Sklaven aus Afrika an, die sie vor den Toren Amerikas „züchteten“.
Allerdings entglitt den Christlichen Herren später die Kontrolle - die afrikanischen Sklaven taten das, was ihnen Gott verboten hatte: Sie rebellierten und verjagten ab 1791 ihre weißen Herren.

Das hat Gott aber gar nicht gefallen und so überzog er sie mit Unglücken aller Art.

Selbst Schuld - findet zum Beispiel der berühmte amerikanische Prediger Pat Robertson, der sich 1988 um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bemüht hatte:

"It may be a blessing in disguise. ... Something happened a long time ago in Haiti, and people might not want to talk about it. Haitians were originally under the heel of the French. You know, Napoleon the third, or whatever. And they got together and swore a pact to the devil. They said, we will serve you if you will get us free from the French. True story. And so, the devil said, okay it's a deal. Ever since they have been cursed by one thing after the other."

(Das Erdbeben sei die Folge eines haitianischen «Pakts mit dem Teufel». Vor langer Zeit habe sich etwas in Haiti zugetragen, worüber die Menschen nicht sprechen wollten, sagte Robertson im Fernsehen. Die Haitianer seien «unter der Knute Napoleons III.» gewesen, «und sie haben sich zusammengetan und einen Pakt mit dem Teufel geschmiedet und ihm gesagt, wir werden dir dienen, wenn du uns von den Franzosen befreist». Es handle sich dabei, so der Prediger weiter, um «eine wahre Geschichte», und der Teufel – Gottseibeiuns – habe den Deal angenommen.)
Pat Robertson am 13.01.10 zum Erdbeben auf Haiti.

Drei Millionen Haitianer verließen in der letzten Dekade das ärmste Land der Welt.
Obwohl der Inselstaat gerade einmal knapp so groß wie NRW ist, hat er an Naturkatastrophen wie Erdbeben und Hurrikans mehr zu bieten als ganz Europa.
Hinzu kommen politische Beben aller Art, die dazu führten, daß an die 70% der zehn Millionen Haitianer arbeitslos sind und 50% zeitweilig hungern.

Nach dem großen Beben vor genau einem Jahr, das 250.000 Tote forderte, kamen jede Menge Seuchen und Krankheiten hinzu.

Der liebe Gott hat damit aber immer noch nicht genug und so gibt es Meldungen über dramatische Ausbrüche der Brutalität. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung, wie ein Grusel-Studie von AI belegt.

Allein für die ersten 150 Tage nach dem Beben am 12. Januar 2010 seien in den Zeltstädten in der Hauptstadt Port-au-Prince und im Süden des Landes mehr als 250 Vergewaltigungen registriert worden, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Donnerstag in London anlässlich der Veröffentlichung einer neuen Studie. Nahezu täglich wendeten sich Frauen wegen sexueller Misshandlungen bei Opferschutzstellen, meist nach nächtlichen Übergriffen bewaffneter Männer, erklärte die Organisation. "Frauen, die nach dem Erdbeben bereits mit dem Verlust ihrer Liebsten, ihres Zuhauses und ihrer Existenzgrundlage zurechtkommen müssen, fühlen sich nun zusätzlich von der Gefahr sexueller Übergriffe bedroht", erklärte Wissenschaftler Gerardo Ducos. Für die Studie "Nachbeben: Frauen reden offen über sexuelle Gewalt in Haitis Lagern" führte Amnesty Gespräche mit 50 Opfern von Vergewaltigungen.
[…]"Haitis ohnehin schwaches Rechts- und Ordnungssystem" sei nach dem Beben "vollständig" zusammengebrochen, erklärte Ducos. Zudem seien die Zeltstädte völlig überfüllt und kaum zu überblicken. Dies mache es den Vergewaltigern leicht, sich dort ihre Opfer zu suchen. Hinzu komme die Tatsache, dass sie in der Regel keinerlei Strafen zu befürchten hätten.
(Spon 06.01.11)

4 von 5 Haitianern sind übrigens katholisch.
Aber was soll man schon von einem katholischen Gott halten, der bei dem Beben vor einem Jahr auch den Erzbischof Joseph Serge Miot von Port-au-Prince hinwegraffte?
Ratzi ist ohnehin nicht von der schnellen Truppe - erst nachdem das Land komplett in Agonie und Chaos versunken ist, schickt er heute Nachschub.

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben hat Papst Benedikt XVI. zwei neue Bischöfe für Haiti ernannt. Neuer Erzbischof von Port-au-Prince ist Guire Pulard, bislang Bischof von Les Cayes. Gleichzeitig ernannte der Papst Glandas Marie Erick Touissant zum Weihbischof für Port-au-Prince.
(Radio Vatikan 12.01.11)

Was aber, wenn sich die Verzweiflung und die Aussichtlosigkeit soweit ausgebreitet haben, daß die Wut der Haitianer nicht mehr kontrollierbar ist?
Was wenn sie in die Dominikanische Republik flüchten, was wenn sie internationale Einrichtungen ausrauben, was wenn sie sich womöglich nach Florida aufmachen?

Um das zu verhindern rücken schon geraume Zeit die US-amerikanischen ultrakonservativen Evangelikalen in Haiti an und prügeln ihre Auffassung des Christentums ein.
Daß sie mit Hilfsgütern und Lebensmitteln kommen, nutzen sie aus, um die verelendende Bevölkerung zum evangelikalen Glauben zu zwingen.

"Kreuzzug der Evangelisierung", steht auf Plakaten und Ausweisen, "Croisade" auf Französisch und "Kwazad" auf Kreolisch. Veranstalter sind Franklin Graham und seine Hilfsorganisation "Samaritan's Purse", die vor den Toren mit Millionenspenden Auffanglager versorgt.
[…] Grahams Vater Billy führte jahrzehntelang Kreuzzüge bis in die Dortmunder Westfalenhalle, die Familie Bush gehört zu seinen Freunden. Sohn Franklin brachte kürzlich Sarah Palin mit ins Trümmerfeld, den Islam nannte er einmal "böse und teuflisch".
[…] Längst ist diese Glaubensschlacht gefährlich geworden. Mehr als 50 Voodoo-Priester wurden seit Dezember in Jérémie im Südwesten gelyncht, erschlagen und zerhackt mit Knüppeln und Macheten. Irgendjemand hatte das Gerücht gestreut, sie würden mit einem Zauberpulver diese seltsame Krankheit auslösen. Die Cholera, fast 4000 Haitianer sind der Epidemie erlegen.
[…] Für andere ist der Notfall Haiti eine Eroberung im Namen des Herrn und der eigenen Bilanz. Haitianer sind für fast jeden Glauben empfänglich, Gott und Jesus werden auf jedem zweiten Bus gelobt, was soll in diesem Wahnsinn sonst Halt geben? [Max] Beauvoir, [pensionierter Biochemiker in Port-au-Prince] hat lange in den USA gearbeitet und schätzt manches an dem Land. Doch nun fallen ihm einige US-Missionen besonders unangenehm auf.
[…] "Es gibt viele Sünden in Haiti, Voodoo ist die größte", sagt Luckner Phicilien, Anfang zwanzig. "Gott toleriert keine Sünden", sagt Franklin Graham an der Kanzel, "eine Sünde bricht Gottes Gesetz, er wird euch richten. Ihr seid alle schuldig." Er spricht zu Menschen, von denen viele ihre Mütter verloren haben, ihre Väter, Kinder, Geschwister, ihr Haus sowieso. Frauen werden in Camps vergewaltigt, trotz Aids. "Gott weiß, was es heißt, einen Sohn zu verlieren, er hat euch seinen Sohn am Kreuz gegeben", sagt Graham, Gnade naht. "Kommt nach vorne, Leute. Kommt zu Gott, er vergibt eure Sünden und schenkt das ewige Leben. Das ist ein heiliger Moment, ihr kommt nicht zu Pastor Graham, ihr kommt zu Gott. Denn Gott ist in Port-au-Prince, in diesem Stadion." Dann ist die Predigt vorbei, Broschüren werden verteilt. Die weißen Amerikaner steigen in Busse, die schwarzen Haitianer gehen zurück in die Flüchtlingslager.
(SZ 12.01.11)