TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Samstag, 26. Juni 2010

Staatliche Regeln

In diesem schönen Land haben wir Bürger allerlei Freiheiten.
Das ist nett.
Alle Freiheiten gibt es natürlich nicht.
Keine Freiheit darf so weit gehen, daß sie beliebig andere Wesen oder die Umwelt beeinträchtigt.

Wo genau die Trennlinie zwischen akzeptablen Freiheiten und gefährlichen Freiheiten liegt, bestimmt der Staat. Das ist zunächst einmal zu begrüßen - welche übergeordnete Instanz käme sonst dafür in Frage?
Der Verlauf der Trennline ist in einigen Bereichen unumstritten.

Ich darf mir zuhause mit dem Hammer auf den Fuß hauen, kann aber nicht raus gehen und einem beliebigen Passanten auf den Kopf schlagen.

Ich darf Kastenweise häßliche Geranien in den Garten stellen; ich darf aber kein Faß mit Giftmüll auskippen.

Das Prinzip klingt einfach und notwendig.

Unglücklicherweise ist die notwendige Neutralität, auf die der Staat beim Setzen der Grenzen fußt, nicht immer gegeben.

Manchmal mäandert der Grat zwischen Legal und Illegal im Nebel umher.

Ich darf unbehelligt eine Stange Zigaretten und ein Fass Rum konsumieren. Bei anderen Genußmitteln, die womöglich sogar harmloser sind, sieht das schon anders aus.
Nehme ich statt Rum einen Joint, gibt es Ärger mit der Polizei.
Dabei hängt der Umfang des Ärgers auch noch davon ab, wo ich mich zufällig befinde.
Berlin hat eine Haschisch-Eigenkonsum-Grenze von 15 g - so viel kann man dabei haben, ohne in den Knast zu müssen. In Bayern werden 15 g schon streng verfolgt.

Besonders eigenartig wird die Differenzierung zwischen Erlaubten und Unerlaubten, wenn es ausschließlich um die Gefährdung der eigenen Person geht.

Das Leben ist eine ausschließlich auf sexuellem Wege
übertragene Krankheit, die in 100% der Fälle tödlich endet.


So viel steht unverrückbar fest. In grotesker Weise setzt nun der Staat Standards, ob und wie man dieses tödliche Ende vorverlegen darf.

Viele todbringende, oder zumindest stark gesundheitsschädigende Aktivitäten sind völlig akzeptiert und werden massenhaft praktiziert.

Dazu zählen Reiten, Boxen, Wein trinken, Zigarre rauchen, Extrembergsteigen, Sonnen, Schlaftabletten nehmen, Fastfood-Ernährung, Skiurlaub, Motorradfahren oder Haare-färben (steigert das Blasenkrebsrisiko).

Andere Methoden sind streng verboten, wie zum Beispiel: Magensonde verweigern, Beatmungsmaschine abstellen, Kokain schnupfen oder Zyankali essen.

Was für den einen objektiv die Gesundheit beeinträchtigt, kann darüber hinaus für den anderen gerade "die Rettung" sein:

Man darf sich nicht ein gesundes Bein abhacken lassen. Basta. Auch nicht in dem Fall, daß man MIT dem Bein so unglücklich ist, daß einem nur der Suizid als Ausweg bleibt.

Unter dem Begriff „Apotemnophilie“ machte spätestens die berühmte BBC-Doku von 2000 dieses Leiden bekannt.
Zwei Fälle in Schottland haben eine Diskussion darüber ausgelöst, wie weit Selbstbestimmung gehen darf. Der Arzt Robert Smith aus Filkirk hatte 1997 und 1999 zwei Männern ihre gesunden Beine amputiert, einer der beiden war Deutscher.

Inzwischen wird statt des Begriffs „Apotemnophilie“, Body Integrity Identity Disorder, Kurzform BIID gesagt.
Menschen mit BIID haben den überwältigenden Wunsch sich Gliedmaßen zu amputieren, oder einen der Sinne, bzw die Beweglichkeit (Durchtrennung der Rückgrats) zu verlieren.
Offensichtlich empfinden sie sich selbst als so deutlich erblindet, querschnittsgelähmt, oder einbeinig, daß sie den tatsächlichen (vollständigen) Körper nicht ertragen können.


Einige gar nicht gesundheitsgefährdende Praktiken sind willkürlich verboten.

So dürfen zum Beispiel zwei (über 18-Jährige) Brüder, genauso wie zwei Schwestern miteinander Sex haben.
Nicht erlaubt ist aber Sex zwischen Schwester und Bruder.

Dahinter steckt neben altmodischen Moralvorstellungen die Sorge um den Nachwuchs, der ein höheres Erbkrankheitsrisiko hat.
Aber was ist mit einem Geschwisterpaar jenseits der Menopause? Oder mit einer sterilisierten Person, oder einem Hetero-Geschwisterpaar, das ausschließlich Analverkehr betreiben möchte?

Sie sind tatsächlich in ihren Freiheiten in Relation zu den homosexuellen Geschwistern benachteiligt.

Bei den offensichtlich willkürlichen genehmigten Methoden und Praktiken verwirrt darüber hinaus, daß sich diese Grenzen gelegentlich verschieben.

Sex zwischen zwei Männern ist jetzt straffrei; wurde einst schwer bestraft.

Bis gestern war passive Sterbehilfe nicht erlaubt.
Die Patientenverfügung hat nicht die juristische Durchschlagskraft, daß ein sterbewilliger Komapateint an der Beatmungsmaschine erlöst werden konnte.
Kein Arzt durfte das legal tun.
(Natürlich „tut man“ das dennoch im Krankenhaus - es gibt genügend verschleiernde Methoden. Ein „aus Versehen“ in einer kalten Nacht offen gelassenes Fenster neben einem Intensivpatienten kann schnell eine Lungenentzündung auslösen, die dann den letzten Rest gibt.)

Das BGH ist gestern bei seiner Grundsatzentscheidung weiter gegangen als man dachte - hat sich aber natürlich nicht getraut Sterbehilfe einfach zu erlauben.
„Aktiv“ ist gar nichts möglich und „passiv“ gibt es auch Grauzonen.

Wer nur noch von der Magensonde ernährt wird und dies aber vorher schriftlich ausdrücklich abgelehnt hatte, darf darauf hoffen, daß man ihm die Sonde entfernt.
Der Tod kommt dann durch Verhungern und ist erlaubt.
Nicht erlaubt ist der humanere Weg - beispielsweise Morphium letal zu dosieren.
Ein bißchen Quälerei hätten die Richter schon gerne noch.

Wenn man eine sehr schwere Krankheit hat; das eigene Leben nur noch an lebenserhaltenen Maßnahmen hängt, dürfen diese nur aufgrund einer Patientenverfügung eingestellt werden, wenn die Krankheit irreversibel ist.
Wenn man also ohnehin sterben würde, kann das Leiden verkürzt werden.
Bei nicht tödlichen Krankheiten muß man sich allerdings gefallen lassen gegen den eigenen Willen an der Beatmungsmaschine zu hängen.

Die BGH-Richter setzen also voraus, daß eine medizinische Unterscheidung zwischen irreversibel tödlich verlaufender Krankheit und möglicherweise reversibel verlaufender Krankheit zu treffen ist.

In der Praxis mit all den multimorbiden Patienten ist das natürlich großer Unfug, wie ich leider aus eigener bitterer Erfahrung weiß.


„Staatlich erlaubt“ bedeutet nicht - um das Chaos perfekt zu machen - „für jeden erlaubt“.

Ich darf beispielsweise nicht aus niederen Motiven ein Wirbeltier töten.
Hühnerzüchter dürfen das aber schon.
Es lohnt sich für sie aus rein finanziellen Erwägungen nicht männliche Küken groß zu ziehen; es ist sogar zu teuer frühzeitig das Geschlecht zu bestimmen.
Also werden jedes Jahr Millionen Hahn-Küken „geschreddert“.
Unfassbare 40 Millionen Hahn-Küken werden pro Jahr in Deutschland „vernichtet“ – insgesamt sind es in Europa jährlich sogar 300 Millionen.
Und weil es so häßlich klingt, haben wir dafür einen ganz besonders perfiden Euphemismus; Hähne kommen lebendig in den »Homogenisator«, einer Maschine mit rotierenden Messern, die sie zu Brei zermatscht. Die Hahnenküken sind für die Brütereien schlicht Abfall – diejenigen, die dem „Homogenisator“ entgehen, werden mit Kohlendioxid vergast.

Nach dem Tierschutzgesetz ist das illegal - aber da alle so gerne billiges Huhn fressen, werden alle Hühneraugen zugedrückt.

Ähnliche Grauzonen gibt es bei der Bewertung von tierischem Leben in der Pharma- und Kosmetikforschung.

Wie eingangs gesagt, darf ich keine Eimer mit Giftmüll rauswerfen.
Ich darf auch nicht runter zum Fleet gehen und da Chemikalien einleiten.

Andere dürfen das schon.
Die RWE, EnBW, E.on und Vattenfall-Herren beispielsweise haben nicht den geringsten Schimmer wo sie mit ihrem Myriaden Jahre tödlich strahlendem Müll abbleiben sollen.
Aber ihre Freundin Merkel läßt sie dennoch machen.

Atomkraftwerke dürfen auch Flüsse mit ihrem Kühlwasser soweit aufheizen, daß die Fauna abstirbt, während ich keinesfalls die Alster aufkochen darf, um zu sehen, wie die Schwäne verenden.

Die besten Sonderregelungen haben aber die sogenannten „Tendenzbetriebe“ wie die CDU, oder die Römisch-Katholische Kirche.
Sie unterliegen nicht normalem Arbeitsrecht und können sich allerlei rausnehmen.

Verkündungsnah arbeiten, menschenfeindlich bezahlen.

Das ist die Zauberregel. Wenn ein Kindergarten katholisch ist, kann man die Kindergärtnerin untertariflich bezahlen und sogar feuern, weil sie sich scheiden läßt, konvertiert, oder womöglich lesbisch wird.

Diese kirchlichen Extrawürste zuungunsten der Beschäftigten sind keineswegs nur gewohnheitsmäßig akzeptiert sondern immer wieder juristisch determiniert:

Kindergärtner und Sozialarbeiter im Dienst der Kirche haben außerdem weitreichende Loyalitätspflichten: Sie müssen die christlichen Glaubensgrundsätze auch in ihrem Privatleben beachten. Andernfalls droht ihnen die Entlassung. "Ein Kirchenaustritt zum Beispiel ist ein Kündigungsgrund", sagt Prof. Ulrich Hammer, Arbeitsrechtler aus Hildesheim. Er verweist auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz in Mainz (Az.: 7 Sa 250/08).
Darin erklärten die Richter es für zulässig, dass ein kirchliches Altenheim eine Pflegerin entlassen darf, wenn sie aus der Kirche austritt. Dies stehe weder im Widerspruch zur Glaubensfreiheit, noch verstoße es gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Die Kirchen hätten vielmehr das Recht, von Mitarbeitern "ein loyales und aufrichtiges Verhalten" im Sinne ihres eigenen Selbstverständnisses zu verlangen. Ärzte in einem Krankenhaus der Caritas oder der Diakonie riskierten außerdem ihren Job, wenn sie sich öffentlich für Abtreibungen aussprechen, ergänzt Kirchenrechtsexperte Hammer. Im Streit um dieses Thema hatte das Bundesverfassungsgericht 1985 im Sinne der Kirche entschieden (Az.: 2 BvR 1703/83).
Seitdem folgen auch die Arbeitsgerichte dieser Linie. "Das wäre also auch heute noch ein Grund für eine Entlassung", sagt Hammer. Denn Ärzte seien als Autoritätspersonen zu den "verkündungsnahen" Personen zu zählen. Letztlich müsse sich aber selbst der Pförtner oder Archivar einer kirchlichen Einrichtung mit solchen Äußerungen vorsehen. "Er kann sich zumindest nicht sicher sein, dass es ihm keinen Ärger bringt." Auch erneut zu heiraten, kann kirchlich Beschäftigten den Job kosten, wie das Bundesarbeitsgericht 2004 entschieden hat. In dem Fall war die zweite Ehe eines katholischen Kirchenmusikers erst nach seiner Einstellung bekanntgeworden. Prompt wurde ihm gekündigt - zu Recht, wie die Richter urteilten. Denn nach den Regeln der Kirche sei es ein schwerwiegender Verstoß, eine Ehe einzugehen, die nach dem Verständnis der Kirche ungültig ist (Az.: 2 AZR 447/03).
(SZ)

Es gibt also kein gleiches Recht für alle und es gibt auch kein vernünftiges Recht.

Freitag, 26. März 2010

Laatstewilpil

Das Leben ist eine beim Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit,
die zu 100 % tödlich endet.

Oder wie es der Amerikaner sagt:

Life sucks, and then you die!

Der einfache Satz “Wir alle müssen sterben” ist nach wie vor ein riesiges Tabu.
Mehrheitlich lügen sich die Menschen über ihre Sterblichkeit in die eigene Tasche.
Kaum einer schließt rechtzeitig Bestattungsverträge ab, läßt Patientenvollmachten aufsetzen, oder guckt sich Pflegeheime an.

Wenn dann mal einer rechtzeitig an den eigenen Lebensabend denkt, rational handelt und in ein Altersheim zieht, BEVOR es zu spät ist, hält man ihn für sonderlich.
Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, 84, war Anfang 2006 gemeinsam mit seiner Frau Liselotte in ein Altersheim gezogen.
Das Ehepaar fühlt sich jetzt „pudelwohl“ und hat mehr Zeit das Leben zu genießen, da sie nicht mehr selbst den Haushalt führen müssen.

So einen rechtzeitigen Absprung schaffen die wenigsten.
Mal ganz abgesehen davon, daß es aus finanziellen Gründen für die meisten Menschen viel schwieriger ist einen solchen Platz zu finden, verdrängt man das eigene Ende.

Mutmaßlich ist man dabei nicht frisch und voll leistungsfähig, so daß man autark für sich sorgen kann.
Überwiegend endet das Leben an Schläuchen angeschlossen im Krankenhaus auf der Station für „Präfinale“.
Wenn man „Glück“ hat, läßt dann eine mitfühlende Krankenschwester in einer kalten Nacht „aus Versehen“ das Fenster offen, so daß eine hinzukommende Lungenentzündung das eigene Ableben beschleunigt.

Das Erstaunliche ist nun, daß sich zwar fast alle - außer Kirchenfanatikern wie Ex-Bischöfin Käßmann oder den umnachteten „Christdemokraten für das Leben“ - einig sind, genauso NICHT enden zu wollen, daß aber andererseits kaum einer etwas unternimmt, um dem vorzubeugen.

Erschwerend kommt hinzu, daß man zu krank sein kann, um das Sterben noch in die eigene Hand zu nehmen.
Wie soll man sich da etwas Entsprechendes organisieren, wenn man schon bettlägerig ist?
Dann ist man auf Hilfe angewiesen und damit in dem Dilemma dem Helfenden etwas Illegales abzuverlangen.

Die „üblichen Todesarten“ scheinen alle nicht besonders heiter zu sein.

(Es gibt aber auch weniger widerwärtige Methoden, über die ich aus rechtlichen Gründen nichts schreiben werde. Dazu möge man sich an die DGHS wenden.)

Wieso ist es aber so ein ungeheures Tabu?
Wieso stellt niemand eine humane Sterbepille her, die jeder legal erwerben kann und nach eigenem Ermessen benutzt?
Neben der besonderen deutschen Geschichte ist hierzu mal wieder der destruktive Einfluss der Kirchen zu nennen, die sich in Dinge einmischen, die sie nicht angehen.

Die RKK hat das Verbot in der Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre zur Euthanasie angeordnet. Punkt.

(Diese Erklärung, welche in der ordentlichen Versammlung dieser Kongregation verabschiedet wurde, hat Papst Johannes Paul II. in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz gebilligt und ihre Veröffentlichung angeordnet. Rom, am Sitz der Glaubenskongregation, den 5. Mai 1980. Franjo Kardinal Seper)

So what Vatikan? Es müßte sich ja schließlich niemand selbst umbringen und alle Kirchenmitglieder könnten gerne von dem Erwerb so einer Todespille ausgeschlossen werden.

Der Rest der Deutschen möge doch aber bitte SELBST über das eigene Schicksal entscheiden dürfen.

Die Niederlande sind trotz Wilders in vielen Dingen immer noch ein liberales Land.
Hier ist passive Sterbehilfe erlaubt und es wird bereits über AKTIVE Sterbehilfe diskutiert.
Die Chancen stehen gut, daß nach der nächsten Wahl so ein Gesetz verabschiedet wird und es dann eine "Laatstewilpil" (Letzter Wille - Pille) geben wird.

Siggi Weidemann schreibt heute über Petra de Jong, die Direktorin der Niederländischen Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende (NVVE):

"Es sind die Forderung und der berechtigte Wunsch nach einem würdigen Tod", sagt de Jong, Ärztin und Spezialistin für Lungenkrankheiten. Für sie ist der Tod nicht etwas Abschreckendes, sondern der natürliche Schlusspunkt eines erfüllten Lebens. Es gehe ihr um einen Tod in Würde und in Freiheit, in der der Einzelne selbst bestimmen kann, wann er genug gelebt habe. De Jong erfährt viel Unterstützung für ihr Anliegen: Ihre einflussreiche Organisation hat inzwischen mehr als 110 000 Mitglieder, und in einer Umfrage im Februar befürworteten fast 70 Prozent der Niederländer die Letzte-Wille-Pille für Menschen über 70 Jahre.
[…] "Die Umfrage zeigt, dass die meisten Menschen zu Hause sterben möchten und nicht in einem Pflegeheim dahindämmern", sagt Petra de Jong. Der Wunsch, selbst den Zeitpunkt seines Todes zu bestimmen, sei dabei kein elitäres, sondern ein allgemeines gesellschaftliches Problem. So habe die Angst vor dem Sterben viel mit der Einsamkeit im Alter zu tun, mit den oft katastrophalen Zuständen in Alters-und Pflegeheimen, aber auch mit Krankheit.
Beim NVVE glaubt man, dass zwischen 75 000 und 200 000 Menschen über 75 Jahre den "ständigen Wunsch" haben, würdig zu sterben, weil "sie mit ihrem Leben abgeschlossen haben". Fast 22 Prozent aller Heiminsassen von 28 untersuchten Anstalten hätten in den vergangenen drei Jahren einen Suizid versucht, jeder zehnte ihn vollendet - mit teils grausamen Methoden", sagt de Jong. Menschen steckten sich vor Verzweiflung in Brand, rennen mit dem Kopf gegen die Wand. Das Gesetz verwehre ihnen einen würdigen Tod.

Es ist ein Fortschritt, daß so eine Pille nun auch unabhängig von tödlichen Krankheiten diskutiert wird.
Schließlich ist das Leben selbst tödlich - wir sterben alle - und zwar garantiert.

As unter 70-Jähirger fühle ich mich allerdings diskriminiert und würde mir ebenfalls wünschen so eine Pille kaufen zu können.

Dazu müßte man allerdings Niederländer sein.

Von der Deutschen Regierung ist dabei keinerlei Hilfe zu erwarten.

Merkel und Co lassen alte Menschen mit ihren Ängsten im Stich - das nennt sich dann „christliches Menschenbild“!

Sonntag, 21. Juni 2009

Leid? Find ich gut!

Die große Theodizee-Frage [ˌteodiˈt͜seː] (frz. théodicée, v. altgriech. θεός theós „Gott“ und δίκη díke „Gerechtigkeit“) wird immer wieder gestellt - seit Jahrtausenden, seit Epicur.

Sextus Empiricus, der Arzt und Philosoph des 2. Jahrhunderts, formulierte das Dilemma folgendermaßen:
Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

Ich persönlich halte mich da an die Antwort des Ausschwitzüberlebenden Yehuda Bauers- die ich logisch einfach bestechend finde.
„In letzter Zeit war die Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade überwältigend." Er könne nicht zugleich allmächtig und gerecht sein - denn wäre er es, hätte er Ausschwitz nicht zugelassen. Doch offensichtlich konnte er es nicht verhindern.
Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber nicht konnte?
Auch dazu hat Bauer eine einfache Antwort: „Ein armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß - einen solchen Gott brauche ich nicht!“

Offensichtlich gibt es da aber das kleine Grüppchen von zwei Milliarden Menschen, die sich dieser Kausalität nicht anschließen mögen und immer noch Anhänger der christlichen Sekten sind.

Wie kommt’s?

Dazu gibt es eine simple Erklärung:

Das Leiden an sich ist in den Augen der Christlichen Geistlichen eine super Sache!

Die Masochistenfraktion der Soutanenträger sieht explizit darin eine Wertschätzung des Sadisten (vulgo: Gott), der das alles verursacht.
Immerhin hat er schon seinen eigenen geliebten Sohn bestialisch foltern und töten lassen - natürlich nur AUS LIEBE zu den Menschen.
Wenn es dem heutigen Homo Sapiens ähnlich ergeht, soll man dankbar sein.

Insbesondere die körperlichen Qualen, die ein Mensch erLEIDen kann - Schmerzen - sind den Christenexperten hochwillkommen.
Unter Schmerzen wurdest du geboren, unter Schmerzen musst du sterben“ - das erklärte schon Gott persönlich in Gen, 3:

16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen.
17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens.
18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes musst du essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

"Gesegnet sei der Schmerz" erklärte der Heilige Josemaria Escriva (1902-1975. Gründer des Opus Dei)
Unter den Traumbedingungen der Diktatur Francos konnte der Perverse seinen Privatfolterclub aufbauen und seine Anhänger sich nach Herzenslust geißeln lassen.

Der Rest der Kirche empfand das auch als eine bombige Methode - und so setzten sich für dessen schnelle Seligsprechung 1992 immerhin 69 Kardinäle und nahezu 1300 Bischöfe (mehr als ein Drittel des Weltepiskopates!) in Briefen an den Papst ausdrücklich ein.

Der Papst bemühte eigens eine neue, gestraffte Verfahrensordnung der Kongregation für die Heiligsprechungen“, so daß der Mann, der so leidenschaftlich peitschte, im Rapidtempo heilig wurde.

Die katholische Welt war über die Maßen entzückt - das zeigte die ungewöhnlich großen Teilnehmerzahl von Menschen aus aller Welt bei der Seligsprechungsfeier 17. Mai 1992 und bei der Heiligsprechung am 6. Oktober 2002.

In Escrivas Hauptwerk "Der Weg" wird begeistert dem Foltern und Schmerzempfinden gehuldigt:

"Gesegnet sei der Schmerz. - Geliebt sei der Schmerz. - Geheiligt sei der Schmerz ... Verherrlicht sei der Schmerz!" (Nr. 208)
"Sage deinem Leib: Lieber will ich mir einen Sklaven halten als selber dein Sklave sein." (Nr. 214)
"Dein größter Feind bist du selbst." (Nr. 225)
"Behandle deinen Körper sorglich; aber schone ihn nicht mehr, als es einem verräterischen Feind zusteht." (Nr. 226)
"Wenn du begriffen hast, daß der Leib dein Feind und Feind der Verherrlichung Gottes ist, weil er deine Heiligung bedroht, warum faßt Du ihn dann so weich an?"; (Nr. 227)

Das muß einfach gut ankommen in einer Religion, die als Symbol einen angenagelten, zu Tode gefolterten und gemarterten Rabbiner erkor und bis heute dessen Schmerzen und Leiden bewundernd adoriert.

Johannes Paul II, der Große, stellte schon zu einer frühen Phase seines Pontifikats klar, daß Leid generell zu begrüßen sei.
Im

heißt es:

Paulus: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage«.(2)
………Die Kirche, die aus dem Geheimnis der Erlösung im Kreuz Christi geboren wird, muß die Begegnung mit dem Menschen vor allem auf dem Weg seines Leidens suchen.
…..6. Die Heilige Schrift ist ein großes Buch über das Leiden………
.Der Gott der Offenbarung ist ja vor allem Schöpfer, von dem, zusammen mit der Existenz, die wesentliche Gutheit der Schöpfung kommt. Darum ist auch die bewußte und freiwillige Verletzung dieses Gutes von seiten des Menschen nicht nur eine Übertretung des Gesetzes, sondern zugleich eine Beleidigung des Schöpfers, des obersten Gesetzgebers. ……Von hierher leitet sich dann auch eine der grundlegenden Wahrheiten des religiösen Glaubens ab, die sich gleichermaßen auf die Offenbarung stützen kann: Gott ist ein gerechter Richter, der das Gute belohnt und das Böse bestraft.
…. Das Leiden soll der Bekehrung dienen, das heißt, der Wiederherstellung des Guten im Menschen, der in diesem Ruf zur Buße die göttliche Barmherzigkeit erkennen kann.
… Man kann auch sagen, daß sich die Schrift erfüllt hat, daß sich die Worte des genannten Liedes vom leidenden Gottesknecht endgültig erfüllt haben: »Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht«.(51) Im Leiden Christi hat das menschliche Leiden seinen Höhepunkt erreicht. Zugleich ist es in eine völlig neue Dimension und Ordnung eingetreten: Es ist mit der Liebe verbunden worden, mit jener Liebe, von der Christus zu Nikodemus sprach, mit jener Liebe, die das Gute schafft, indem sie es sogar aus dem Bösen wirkt, und zwar durch das Leiden, so wie das höchste Gut der Erlösung der Welt vom Kreuz Christi ausgegangen ist und noch ständig von dort ausgeht.
…. Wenn ein Mensch an den Leiden Christi teilhat, dann deshalb, weil Christus sein Leiden dem Menschen geöffnet hat; weil er in seinem Erlöserleiden gewissermaßen selbst an allen menschlichen Leiden teilhat. Wenn der Mensch im Glauben das Erlöserleiden Christi entdeckt, findet er darin zugleich seine eigenen Leiden; im Glauben sieht er sie nun bereichert durch einen neuen Inhalt und eine neue Bedeutung.

Abschnitt VI ist gar mit der Überschrift „DAS EVANGELIUM VOM LEIDEN“ versehen.

Ein anderer berühmter Katholik - Mel Gibson - verfasste den Film zum Thema.
„The passion of Christ“ ist nicht nur eine unvorstellbar grausame, blutige Splatterversion des Christustod, sondern eben deswegen auch so enorm erfolgreich an den Kinokassen im Biblebelt.

Schmerzen, Krebs, Tumore, Unfälle und Knochenbrüche sind also eine wirklich tolle Sache - da kommt man Jesus so nah!

Leiden ist nach Christlicher Vorstellung wünschenswert und so ist es verständlich, daß die Kirche eins allerdings niemals tolerieren kann - wenn nämlich ein extrem Leidender im Angesicht des Todes diese Marterprozedur abkürzen will und ein selbstbestimmtes Lebensende anstrebt.

Das geht natürlich nicht - die schlimmsten Schmerzen am Lebensende soll man genießen.

Pfarrer Schwartz benutze in einer just wiederholten TV-Sendung gar den Ausdruck „auskosten“.
Der Geistliche erklärt in „Schwartz für die Seele“ (BR-2007):
„Ich möchte meinen eigenen Tod irgendwann mal sehr bewußt erleben, denn das ist etwas, was ja für uns Christen letztlich auch Christus vorgelebt hat. Er hat sich auch nicht irgendwie aus dem Leid rausgehalten. Er ist nicht einfach in den Himmel aufgefahren, nein, er hat auch den Tod auf sich genommen, er hat das Leben bis zu seinem letzten Leiden ausgekostet.“
Da muß man dem gebührenfinanzierten TV dankbar sein - toller Beitrag zur Abstimmung über die Patientenverfügungen im Bundestag.

Die Politiker sollen sich gefälligst kirchentreu verhalten.

Das heißt nun einmal maximales Leiden für jeden - inklusive Magensonden, Beatmungsmaschinen und Tracheotomie.
Selbst zu entscheiden, wann Schluß ist, sollte aus kirchlicher Sicht niemanden und niemals erlaubt sein.
Davon zeugt schon unser Sprachgebrauch mit dem Wort „Selbst-MÖRDER“.

Folter, Tod und Krieg sind kein Problem für Christenkirchen - aber eben nicht Selbstbestimmung:
Im Konzil von Orleans verfügte die Kirche 533 die Begräbnisverweigerung für Gefängnis-Suizidenten, im Konzil von Braga wurde 562 ein allgemeines Begräbnisverbot diktiert, das Konzil von Toledo bestimmte 693 für den Suizidversuch die Exkommunikation.
(Bei besonders lieben Christen wie einem gewissen Adolf Hitler oder einem Joseph Goebbels wurden allerdings Ausnahmen gemacht - sie sind bis heute nicht exkommuniziert)
Das Vermögen von Suizidenten wurde bis in die Neuzeit von den Kirchen eingezogen - eine Sippenstrafe, da die Hinterbliebenen zu Gunsten der Kirche leer auszugehen hatten!

Heute gilt das SALVIFICI DOLORIS, wonach Leiden „eine Gnade“ ist und von der „Heilbringenden Kraft des Leidens“ geschwärmt wird.

Mit dem Vermögen einziehen klappt es zwar nicht mehr so, aber dafür arbeitet sich die Kirche an der DGHS ab, die sie hasst wie die Pest.

Deswegen bin ich Mitglied in der DGHS
und kann nur jedem empfehlen dort auch beizutreten.

Denn wie heißt es so schön:

Das Leben ist eine sexuell übertragene Krankheit, die zu 100% tödlich endet.

Christen und CDU-Abgeordnete (aber auch Renate Künast, Wolfgang Thierse oder Volker Beck) tun alles dafür uns das Ende möglichst pervers und schmerzhaft zu machen.

Dagegen hilft nur rechtzeitiges Handeln.
Am einfachsten geht das mit einem DGHS-Eintritt - die erklären und organisieren alle erdenklichen Fragen.

Sonntag, 15. Februar 2009

Übung in Toleranz.

Die Abrahamitisachen Religionen sind auch heute noch ein geeignetes Anschauungsbeispiel dafür in welch archaische Finsternis es führt, wenn man sich der eigenen Intoleranz hingibt.

Da kämpft zum Beispiel der Vatikan Arm in Arm mit islamischen Fundi-Staaten und afrikanischen Despoten in der UN gegen Menschenrechtskonventionen, die endlich die Diskriminierung Homosexueller verurteilen wollen.
Ratzinger und die seinen sind als mindestens ein Jahrhundert hinter dem allgemeinen Erkenntnisstand hinterher.
Dabei müßten sie nur mal in einen Brockhaus sehen; der nicht gerade als Organ der unseriösen sozialistischen Umtriebe bekannt ist.
Im „Brockhaus Psychologie“ (Ausgabe 2001) heißt es dazu auf Seite 247f:

„In der Sexualforschung geht man heute davon aus, dass die homosexuelle Orientierung ebenso wie die heterosexuelle tief und unabänderlich (Hören Sie Bischof Wagner? „unabänderlich“) mit der Persönlichkeit verknüpft ist. ..Die Homosexualität wird inzwischen von allen mit ihr befassten Disziplinen als ein häufig vorkommendes sexuelles Normalphänomen angesehen.“

Nun ist der Vatikan bekanntlich generell mit Fakten und Erkenntnissen auf Kriegsfuß, bekämpfte bis in das 19. Jahrhundert das heliozentrische System und so warten Galileo Galilei und Giordano Bruno noch Jahrhunderte nach ihrem Tod auf ein „mea culpa“ aus dem Vatikan.

Ein besonders tolldreistes Beispiel der päpstlichen Unmoral lieferte 2008 Erzbischof Gianfranco Ravasi, der just mit den Prozessakten Galileis beschäftigt ist.
Der Vatikan habe gar nichts zurück zu nehmen, da Papst Urban VIII das Urteil gegen Galilei nicht unterzeichnet hätte, befand der Mann im roten Kleid.
Daß dieses Urteil auch nicht notwendig war, da der Gescholtene vor Angst schlotternd widerrief, nachdem man ihn in die Folterkammer führte, steht auf einem anderen Blatt.

Heute können wir glücklicherweise über den Papst lachen und müssen seine abstrusen Ansichten zur Homosexualität nicht mehr ernst nehmen, da der frühere Chef der Inquisitionsbehörde auch als Stellvertreter Gottes auf Erden zu seinem großen Bedauern die von seiner Lehre abweichenden Personen nicht mehr in die vatikanischen Folterkammern stecken kann, bis die gewünschte Gefügigkeit erreicht ist.

Dieser Emanzipierungsprozess von der einst allmächtigen kirchlichen Autorität sollte uns dazu befähigt haben unsere Toleranz weiter zu entwickeln.

Im Westeuropa des Jahres 2009 ist es relativ leicht sich mit Schwulen zu arrangieren. Sie sind eben ein „häufig vorkommendes sexuelles Normalphänomen“ und auch wenn man noch so heterosexuell ist, wird man sich dieser Tatsache nicht mehr ernsthaft verschließen können.

Ich plädiere aber dafür den Toleranzbegriff wirklich auf alle Spielarten des menschlichen Daseins auszuweiten - wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
Wir sprechen 1.) nur über Erwachsene und diese sollen 2.) niemand anderem schaden oder Zwang ausüben.

Ob man ein Verhalten persönlich „versteht“, darf allerdings keine Rolle spielen.
Ich kann beispielsweise überhaupt und gar nicht verstehen, wie man als Mann auf die Idee verfallen kann Angela Merkel heiraten zu wollen und mit ihr dann womöglich auch noch intim sein zu wollen. I gitt. Dennoch sollte Kanzlergatte Joachim Sauer unbedingt straffrei bleiben.

Was kommt aber als Nächstes?

In diesem Blog wurden schon Sterbehilfe und Inzest angesprochen, daher nur ganz kurz zusammen gefasst:

Ja, wer unbedingt sterben möchte, sollte das dürfen und können - unabhängig davon, ob irgendeine christliche Lebensschützerin à la Bizarra Käßmann die Gründe dafür akzeptiert oder nicht.

Ja, (erwachsene) Geschwister dürfen Sex haben. Allerdings mit der Einschränkung, daß sie sich möglichst nicht fortpflanzen; denn dadurch würde eventuelle ein Dritter - nämlich das Kind - (genetisch) geschädigt werden.

Ebenso bejahe ich grundsätzlich das Recht eines jeden Menschen sein Geschlecht zu wechseln.

Es sollte aber dementsprechend verboten werden Säuglinge, die mit männlichen und weiblichen Genitalien geboren werden, geschlechtsbestimmend zu operieren, so wie es heute noch fast immer gemacht wird. So eine Entscheidung - ob man als Mann, als Frau, oder als Hermaphrodit leben möchte, steht nur dem Betroffenen selbst - als Erwachsenem - zu.

Inakzeptabel ist es Säuglinge zu taufen und damit zwangsweise zu Mitgliedern von Religionsgemeinschaften zu machen. Es steht ihnen frei sich jeder erdenklichen Religion zuzuwenden, wenn sie erwachsen sind.

Ganz entsprechend lehne ich grundsätzlich die Beschneidung von Jungs - und erst recht Mädchen - ab. Wer lieber beschnitten sein will, kann das recht unproblematisch mit 18 durchführen lassen - aber den umgekehrten Weg gibt es nun einmal nicht.

Im Zusammenhang mit dem in Frankreich für gleichgeschlechtliche Partner eingeführten PACS (Pact civile de solidarité); eine Co-Form der Ehe, wurden die üblichen Stimmen laut, daß damit Tür und Tor geöffnet würden. Dann könnten womöglich bald auch drei Leute oder Geschwister heiraten.
Dazu sage ich: Und warum nicht?
Der Pacs beinhaltet Rechte und Pflichten - wieso sollte so ein Bündnis nicht allen denkbaren Konstellationen offen stehen?

Meinetwegen kann jemand auch eine Liebesbeziehung mit seinem Toaster führen.

Letztes Beispiel für heute:
Unter dem Begriff „Apotemnophilie“ machte spätestens die berühmte BBC-Doku von 2000 dieses Leiden bekannt.
Zwei Fälle in Schottland haben eine Diskussion darüber ausgelöst, wie weit Selbstbestimmung gehen darf. Der Arzt Robert Smith aus Filkirk hatte 1997 und 1999 zwei Männern ihre gesunden Beine amputiert, einer der beiden war Deutscher.

Inzwischen wird statt des Begriffs „Apotemnophilie“, Body Integrity Identity Disorder, Kurzform BIID gesagt.
Menschen mit BIID haben den überwältigenden Wunsch sich Gliedmaßen zu amputieren, oder einen der Sinne, bzw die Beweglichkeit (Durchtrennung der Rückgrats) zu verlieren.
Offensichtlich empfinden sie sich selbst als so deutlich erblindet, querschnittsgelähmt, oder einbeinig, daß sie den tatsächlichen (vollständigen) Körper nicht ertragen können.
Die Störung hat bislang keinen Einzug in das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders gefunden; dies soll aber 2013 geschehen.
Viele Forscher beschäftigen sich inzwischen mit dem überaus seltenen Phänomen.
So untersuchte 2004 der New Yorker Arzt und Psychiater Michael First 52 Personen mit BIID und kam zu folgendem Schluß:

Results. Seventeen per cent (n=9) had an arm or leg amputated with two-thirds using methods that put the subject at risk of death and one-third enlisting a surgeon to amputate their healthy limb. The most common reported reason for wanting an amputation was the subject’s feeling that it would correct a mismatch between the person’s anatomy and sense of his or her ‘true ’ self (identity). None were delusional. For all but one subject age at onset was during childhood or early adolescence. For those who had psychotherapy or medication there was no change in the intensity of the desire for amputation. The six subjects who had an amputation at their desired site reported that following the amputation they felt better than they ever had and no longer had a desire for an amputation.

Auch Aglaja Stirn, Leiterin der Psychosomatik an der Uniklinik Frankfurt, erforscht BIID. Darüber berichtete letzten Monat die SZ unter der Überschrift Sehnsucht nach dem idealen Schnitt.
Soweit bisher bekannt ist, gibt es analog zur Transsexualität keine Therapiemöglichkeit außer einer angelichenden Operation.
Tatsächlich empfinden sich die BIID’ler nach der gewünschten Verstümmelung als „geheilt“ und glücklicher.
Es gibt also noch keinen Aufschluß über die Ursachen, aber immerhin eine „Heilung“.

Peter Brugger, Leiter der Neuropsychologie an der Uniklinik Zürich, glaubt nicht, dass BIID eine psychologische Ursache hat. Der Neurobiologe vermutet eine Fehlfunktion im Gehirn. Der Körper werde im Gehirn eines BIID-Betroffenen falsch repräsentiert. Brugger hat zu Phantomschmerzen geforscht. BIID könnte das Spiegelbild sein: "Beim Phantomschmerz ist kein Fleisch da, aber die Glieder sind im Gehirn präsent." Bei BIID ist es andersherum. "Es ist Fleisch vorhanden, aber es ist nicht beseelt", sagt der Neurobiologe.

Menschen mit Amputationswünschen sind aber von der Medizin de facto allein gelassen - außer dem erwähnten schottischem Arzt ist kein Mediziner bekannt, der gesunde Gliedmaßen amputiert oder auf Wunsch Querschnittslähmungen herbei führt.

Das ist schlecht.

BIID-Betroffenen muß geholfen werden und ihr Zustand muß akzeptiert werden - und wenn wir es auch noch so schwer nachvollziehen können.

Auch da ist Toleranz gefordert.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Menschenverachtung

Wenn man die Labels meines Blogs durchgeht, ist ein gewisses Übermaß an CDU-Politikern (129) nicht zu übersehen.
Eins meiner Haupthassobjekte ist dabei Roger Kusch, der nun schon 14 Postings als Thema zur Verfügung stand.
Insbesondere seine Zeit als Justizsenator 2001-2006 ist eine einzige Kette von Abartigkeiten.
Ole von Beust hat der Stadt Hamburg wirklich mit dieser Personalie sehr schweren Schaden zugefügt.
Unter dem Imageverlust leiden wir bis heute.
Man sollte aber nicht vergessen, daß Kusch von 1995 bis 2000 Ministerialrat und Leiter des Referats Innere Sicherheit im Bundeskanzleramt war.
ER war es, der für sein Idol Helmut Kohl alle Daten löschte, respektive die Akten schredderte, als Gerhard Schröder an die Tür klopfte und so die Aufdeckung und Analyse der kriminellen CDU-Spendenmachenschaften torpedierte.

Nach 2006 schien sich Kusch mehr und mehr an seine Promotionsarbeit zu erinnern (Thema „Der Vollrausch“) - anders sind seine rechtsradikalen Parolen („Das Boot ist voll“) und seine deutschtümelnde Parteineugründung nicht zu erklären.

Bei der Bürgerschaftswahl 2008 bekam seine Einmannpartei „Rechte Mitte HeimatHamburg“ ordentlich auf den Sack - knapp 0,5% der Stimmen.

Glücklicherweise spielt der Rechte mit den debilen Augen seit dem keine politische Rolle mehr und versteht sich nun als oberster Sterbehelfer Deutschlands.

Das hat Vor- und Nachteile.
Ein Vorteil ist, daß die Floskel „dann bleibt mir nur noch bei Kusch anzurufen“ ein running gag geworden ist. Jede Peinlichkeit kann man damit beschreiben.

Nachteil ist natürlich, daß eine sehr ernsthafte und notwendige Sache nun durch den Verein "Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e.V." in Misskredit geraten ist und nun weniger Chancen denn je haben wird politisch legitimiert zu werden.

Ein Nachteil ist auch, daß ich nun nach all den Jahren gezwungen bin ZÄHNEKNIRSCHEND Roger Kusch ab und an Recht zu geben.

Das kam zum Beispiel heute bei der morgendlichen Zeitungs-Lektüre vor.
Was war geschehen?
Nun, nachdem der ehemalige Justizsenator den fünften assistierten Selbstmord abgewickelt hatte, schritt die Justiz mit einer Razzia ein. Zunächst ließ die Staatsanwaltschaft Hamburg Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchen.
Dort wie auch im Büro des Vereins "Roger Kusch Sterbehilfe" wurden Unterlagen und Datenmaterial beschlagnahmt.
Was anschließend unter dem Stichwort „Gefahrenabwehr“ passierte, verschlägt mir glatt die Sprache. Ich zitiere die nicht eben linke „WELT“:

Die Polizei und die Gesundheitsbehörde Hamburgs haben an Regierungsstellen anderer Bundesländer sensible Personaldaten weitergegeben, die am vergangenen Donnerstag bei der Durchsuchung des Sterbehilfevereins von Ex-Justizsenator Roger Kusch beschlagnahmt worden waren. Dabei handelt es sich unter anderem um Adressen von Sterbewilligen, die daraufhin offenbar von Polizisten besucht und befragt wurden. Man habe diese Daten aufgrund der Gefahrenabwehr übermittelt, sagte der Sprecher der Polizei, Ralf Meyer, am Dienstag der WELT. "Es ging um die Gefahr, dass die betroffenen Personen nicht in freier Willensentscheidung die Dienste von Herrn Kusch in Anspruch genommen haben."

Sensibelste und intimste Daten - nämlich Briefe und Adressen von Menschen, die nicht mehr leben möchten wurden beschlagnahmt und fröhlich an andere Bundesländer weitergegeben.
Laut Kusch drangen mehrere Polizisten und eine Ärztin einen Tag später in die Wohnung einer 89-Jährigen Dame ein und durchsuchten in Überfallkommando-artiger Manier ihre persönlichen Sachen.
Insbesondere auf Medikamente hatte man es abgesehen.
Sofern diese Frau irgendwelche Selbstmord-tauglichen Pillen im Hause gehabt hätte, wollte die Polizei ihr wegnehmen und zu damit zu einem ungewollten Leben und Leiden verurteilen.

DAS behördliche und polizeiliche Vorgehen nenne ich eine bodenlose Menschenverachtung - amoralisch und pervers.
Kusch kritisierte: "Diese Polizeiaktion atmet nicht den Geist des Rechtsstaats, sondern den der Geringschätzung menschlicher Selbstbestimmung"

UND WO ER RECHT HAT, HAT ER RECHT!
Kusch äußerte am Dienstag heftige Kritik am Vorgehen der Polizei. "Was ich fürchterlich finde, ist der Umgang mit den Sterbewilligen", sagte der ehemalige Justizsenator.

Auch da muß ich - LEIDER - voll und ganz zustimmen.

Voller Entsetzen mußte ich auch noch lesen, daß die Hamburger Opposition so einem Vorgehen auch noch ihr Plazet gibt:
Der SPD-Rechtsexperte Rolf-Dieter Klooß äußerte Verständnis für die Vorgehensweise der Polizei und der Gesundheitsbehörde. Er habe bereits früher den Senat in Parlamentarischen Anfragen darauf hingewiesen, dass man das Treiben Kuschs möglicherweise mithilfe des Polizeigesetzes unterbinden könne.

SCHÄMEN SIE SICH HERR KLOOß!

Montag, 7. Juli 2008

Unerbetene Ratschläge zum Tod.

Sagenhaft, wirklich kaum zu glauben wie viel überheblichen Schwachsinn ich dieses Wochenende zur Causa Kusch und Sterbehilfe gelesen habe.
Natürlich sind da die Heuchler der Christenfraktion unübertrefflich - so sagte doch Bizarra Käßmann tatsächlich im Interview mit der „Neuen Presse“:
"Diese selbstherrliche Inszenierung finde ich einfach abstoßend. Er hätte der älteren Dame, die nicht krank war, sondern Angst vor dem Pflegeheim hatte, einfach sagen können, ich nehme sie bei mir auf, ich pflege und kümmere mich um sie."
Ach, wie realitätstauglich - alte Leute, die nicht mehr leben wollen, sollen alle privat in Kuschs Wohnung unterkommen. Und dann?
Was wenn jemand dennoch nicht mehr leben will (oder gerade deswegen?)
Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte, wenn ich all die selbsternannten Moralapostel über die Beweggründe eines Menschen, der den Suizid wählt, richten höre.
Die Dame hatte ja „NUR Angst vorm Pflegeheim“ und war doch noch „einigermaßen gesund“. NUR. Schande über sie! Das Weichei! Und immer feste druff!
Angst dürfte ja wohl IMMER eine zentrale Rolle spielen, wenn man sich das Leben nehmen möchte und ob die Angst in den Augen von irgendjemand anders begründet ist, oder nicht, ist irrelevant.
Ich persönlich finde den Grund „Angst vorm Pflegeheim“ übrigens extrem überzeugend - was daran liegen mag, daß ich schon sehr viele Pflegeheime von innen gesehen habe.
Ich habe sehr wohl den Urin-Geruch in der Nase, der dort üblicherweise auf den Fluren herrscht, weil die Leute eingenässt in ihren Windeln liegen gelassen werden.
Ich habe die vollkommen durchgelegen Körperteile gesehen, wo der Dekubitus nur noch rohes Fleisch hinterlässt, so daß die Menschen sich vor Schmerzen gar nicht mehr bewegen können.
Ich habe auch das Geschwafel von der Palliativmedizin gehört - als ob das ein neues Problem wäre - von dem netten schmerzfreien Tod wird schon lange viel geredet - aber Frau Käßmann, wie oft sind sie denn schon gestorben, um das beurteilen zu können?
In den Pflegeheimen ist größtenteils jedenfalls noch keine algesiologische Versorgung üblich.
Das würde ja auch Geld und Personal kosten - das brauchen wir aber für andere Dinge wie Steuergeschenke für Mc Donalds.
Wenn die CSU mal nur ein Prozent des Geschreis für Personalaufstockungen in staatlichen Pflegeheimen anstellen würde, das sie jetzt für die Pendlerpauschale veranstaltet!
Aber Demente und schwerst Pflegebedürftige gehen schließlich nicht wählen - da kann man sie auch buchstäblich in ihrer eigenen Scheiße verrotten lassen.
Bei der Suizidentscheidung ist moralisch betrachtet dabei die konkrete Versorgung im Pflegeheim ohnehin irrelevant - ich bin ausdrücklich der Meinung, daß JEDER das Recht haben sollte Selbstmord zu begehen und daß er die Hilfe bekommen kann, wenn er nicht weiß wie er es anstellen soll.
Und WENN man topgesund, in der Blüte seines Lebens und steinreich ist!
Das geht den Staat und erst Recht Frau Käßmann gar nichts an!
Wem die christliche Moral zu dem Thema wichtig ist, der kann sich ja gerne danach richten und braucht sich nie und nimmer umzubringen.
Aber lasst verdammt noch mal diejenigen in Ruhe, die sich nicht der Christenkeule unterwerfen wollen.
Wenn man Leserbriefe zum Thema liest, bemerkt man eine enorme Diskrepanz zur veröffentlichten politisch korrekten Allgemein-Meinung à la Merkel, die - ÜBERRASCHUNG - Sterbehilfe kategorisch ablehnt.
Nur sehr wenige Journalisten schreiben mit weniger Scheuklappen.
Sehr bedauerlich ist insbesondere, daß der große SZ-Leitartikel vom Samstag, der normalerweise immer ein Genuss ist, diesmal auch komplett missraten ist.
Nina von Hardenberg schreibt unter dem pompösen Titel „Die Kunst des Sterbens“ recht banal geratene pseudomoralische Allgemeinplätzchen, die davon zeugen, daß sie offenbar noch nicht persönlich in so einer Situation steckte.
Es ist geradezu ärgerlich abgehoben und wolkig, was dem Leser da zugemutet wird:
„Schmerz allein ist aber selten der Grund, warum ein Mensch den Lebensmut verliert. Schwerer wiegen die soziale Isolation und die Angst, im Alter abhängig und wehrlos zu werden. Es sind die gleichen Gründe, die auch Bettina S. genannt hat. Hier müsste die Kunst des Sterbens ansetzen. Nicht erst bei den Todkranken, sondern mitten im Leben.“
Frau Hardenberg kennt also die jeweils individuellen Gründe und kann sie auch noch in eine Moralskala von wichtig bis unwichtig einordnen ???????????????
Damit dann nie mehr irgendjemand Selbstmord begeht, fangen wir „Mitten im Leben an“ das zu ändern.
Ach ja? Wie? Wann? Womit?
„Die Länder wollen nun die organisierte Hilfe zum Suizid unter Strafe stellen.“ fährt Frau von H. fort und bezeichnet dies als „ehrenwert“.
EHRE - der Begriff fehlte gerade noch, wenn es darum geht Menschen ihren freien Willen zu verweigern.
Für nicht zielführend hält sie so ein hypothetisches Gesetz aber dennoch: „Wer beschlossen hat, seinem Leben ein Ende zu setzen, wird dafür einen Weg finden.“
Womit endgültig bewiesen wäre, daß von Hardenberg nicht weiß wovon sie spricht - denn das diametrale Gegenteil ist der Fall - genau DESWEGEN fürchten sich die Menschen ja so vorm Dahinvegetieren an Schläuchen, weil die meisten eben NICHT WISSEN, wie man sich sicher umbringt.
Den praktischen Giftcocktail kann man nun mal EBEN NICHT um die Ecke beim Bäcker bekommen.
In diesem Wolkenkuckucksheim-Stil geht es weiter: „Ansätze für eine neue Kunst des Sterbens gibt es schon heute. So hat es die Palliativmedizin geschafft, dass schwerkranke Menschen in der Regel keine unerträglichen Schmerzen aushalten müssen.“
Das palliativ-Wissen müsse nur noch den Sprung zu den Hausärzten schaffen, „denn die meisten Menschen wollen die letzten Tage zu Hause im Kreis der Familie verbringen.“

Frau von Hardenberg !!!! - an dieser Stelle mußte ich laut aufschreien vor Ärger - es ist wirklich kaum auszuhalten, wie Sie als Blinde von der Farbe sprechen.
Es gibt zwei Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland - davon an die 700.000 Bettlägerige in rund 11.000 Pflegeheimen.
Ich weiß nicht genau wie viele Pflegeplätze es bundesweit gibt, aber wenn ich mal die Meldung aus dem größten Krankenhaus (6000 Mitarbeiter) der Stadt Hamburg (1, 75 Mio Einwohner) - dem UKE - ansehe, befürchte ich, daß da was nicht ganz hinkommt: Vier neue Plätze in Hamburger Palliativstation: Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat eine Palliativstation mit zunächst vier Plätzen eröffnet. Eine Erweiterung auf zwölf Plätze ist noch 2008 geplant.
Donnerschlach - ganze 12 Plätze sollen es also noch dieses Jahr werden - da ist ja dann sicher ganz schnell für alle 700.000 Patienten in Deutschland gesorgt!
Außerdem, Frau v. H., lebt in Ihnen offenbar auch noch eine idealisierte Familienvorstellung aus den 50er Jahren fort.
Vater, Mutter Kinder und dazu noch mehrere andere Generationen unter einem Dach.
Und in dieses Idyll wünscht sich die sterbende Oma - na klar, dort wird sie hingebungsvoll umsorgt, alle Enkel, Urenkel und Kinder hegen und pflegen sie liebevoll. Wenn der Tod da nicht ein wahres Vergnügen ist!
Möglicherweise wünscht sich das tatsächlich der ein oder andere Sterbenskranke - NUR LEIDER EXISTIEREN DIESE FAMILIEN MEISTENS NICHT!
Wir sind eine Singlegesellschaft geworden - in Hamburg sind schon über 50 % der Haushalte Singlewohnungen.
Frau H. - merken Sie noch was?
DAS ist ja gerade der Grund weshalb all die Leute in Heime abgeschoben werden und weswegen sie sich auch davor fürchten!
Wenn es das Hardenbergsche Traumfamilienidyll gäbe, hätten wir ja wohl kaum 2 Millionen Alte, die in Heime abgeschoben worden sind - Tendenz sehr stark steigend.
So mäandert von H. weiter durch ihre schöne, aber leider irreale Welt und empfiehlt uns zum Schluß gar Papst JP-II als Beispiel:
Er hat der Welt vorgelebt, dass man auch in schwerer Krankheit bis zuletzt würdevoll und selbstbestimmt leben kann. Man muss nicht religiös sein, um sich den Mann zum Beispiel zu nehmen.
Ach sooooo, die finanziellen Mittel und die medizinische Versorgung, die der Papst hatte, sind ja auch üblich bei den hunderttausenden in Pflegeheimen!
Und wie der gute Mann gelitten hat, finden wir auch alle so toll, daß wir das unbedingt durchmachen wollen!
Besonders ärgerlich ist, daß Hardenberg auch noch falsch informiert ist - denn Johannes Paul II wurde zum Schluß nicht mehr künstlich ernährt - selbst ihm reichte es irgendwann - obwohl er damit gegen seine eigenen Regeln verstieß.
Natürlich nehme ICH ihm das keineswegs übel - aber den verlogenen Kurienleuten dient das als Argument seine schnelle Heiligsprechung zu torpedieren.

(Das war also die schöne liberale SZ - für das Abo zahle ich übrigens 460 Euro im Jahr + 60 Euro Aufschlag für das E-Paper. Was soll’s - die SZ ist dennoch die beste überregionale Tageszeitung in Deutschland)

Abschließend kann ich nur jedem empfehlen sich nicht um die weisen publizierten Worte zur Sterberei zu kümmern und gleich bei der Gesellschaft für Humanes Sterben das Eintrittsformular auszufüllen.
Die kümmern sich um alles und helfen einem womöglich auch dabei das Admiraal-Buch zu bekommen, das uns Normalos verboten ist.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Zack Zack!

Wer erinnert sich nicht an einen der übelsten Wahlkämpfe in Deutschland?
Da gab es ja nicht nur die Koch-Tiefschläge von 1999 und 2008, sondern auch noch die extrem unappetitliche Hamburg-Wahl von 2001, als die Springerblätter den grotesken korrupten Schwätzer Ronald Schill hochschrieben.
Schills rechtsradikales Geschwafel ohne Sinn brachte ihm fast 20% der Stimmen und mit dieser menschlichen Peinlichkeit hüpfte Ole sogleich freudig ins politische Wochenbett.
Noch immer schäme ich mich in Grund und Boden, wenn ich daran denke, wie dieser zweite Bürgermeister Hamburgs unsere schöne Stadt in Grund und Boden blamiert hat, als er am 29. August 2002 im Bundestag sprach und feststellte, daß an der ostdeutschen Flutkatastrophe die Ausländer schuld wären.
Schlimmer geht’s nimmer – und auch an anderen Erblasten der Beust/Schill-Zeit haben wir bis heute zu leiden, wie zum Beispiel der Aufstachelung der bis dahin vollkommen friedlichen Bambule-Bauwagensiedlung, die durch das rabiate Räumungsvorgehen immer noch auf 180 sind. Dadurch sind nun zur Weihnachtszeit regelmäßig riesige Autonomen-Demos, die den Hamburger Einzelhändlern komplett das Geschäft ruinieren – nur weil der Beust-Senat wie die Axt im Walde agierte.
Daß es auch vollkommen anders ging, zeigte das umsichtige Beispiel Klaus von Dohnanyis mit der Hafenstraße. Statt sich mit Anstand der Schill’schen rechtsextremen Dummdreistigkeit entgegen zu stellen, versuchte Ole von Beust ganz tumb und Roland-Koch-artig diesen noch rechts zu übertrumpfen, indem er seinen Busenfreund und Bewohner seiner Wohnung Roger Kusch als Hardcore-Ultra-Schäuble in den Senat holte.
Beide Senatoren – Schill und Kusch – Gewächse Ole von Beusts, die er in die Ämter brachte sind inzwischen über Peinlichkeiten und Skandale gestolpert – wie es zu erwarten war. Kusch tat es seinem politischen Kumpel Schill gleich und gründete inzwischen eine eigene Partei – zieht mit Sterbehilfe-Perfusoren durch die Altersheime und grinst debil unter der Überschrift „Das Boot ist voll“ überall in Hamburg von den Wahlplakaten.
Wirklich ganz klasse Freiherr von Beust, was sie uns da eingebrockt haben.
Auch die Erblasten Kuschs beschäftigen uns in Hamburg zuweilen noch – jüngst zum Beispiel seine überragende Personalpolitik:
Herr Kusch holte einen neuen Sozialgerichtspräsidenten aus Mainz: Michael Ruppelt. Der sollte mal ordentlich durchgreifen. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob er lasch oder weniger lasch urteilte als sein Vorgänger, aber nun ist wohl erst mal Schluß mit der Karriere für ihn, da gegen ihn wegen des Besitzes von Kinderpornographie
Den Rechner mit den 40 Kinderporno-Dateien beschlagnahmten Ermittler in einer Mainzer Wohnung, die der Jurist mit seiner Lebensgefährtin bewohnt. Die Bilder befanden sich in einem getrennten Bereich mit der Bezeichnung "Michael".
Der Richter war 2003 vom damaligen Justizsenator Roger Kusch nach Hamburg geholt worden. Kusch schlug ihn auch zum vertretenden Mitglied des Hamburgischen Verfassungsgerichts vor. R. gehört diesem Gremium seit 2004 als stellvertretender Richter an.

Wie sieht es denn nun mit dem Kernthema des CDU-Senats aus – der Kriminalitätsbekämpfung?
Man weiß es nicht – denn es ist ja schon geradezu ein Markenzeichen von Innen – und Justizbehörde geworden, daß in großem Maßstab die Statistiken gefälscht, verschlampt und fehlinterpretiert werden – ohne daß jemand aus der in Hamburg dominierenden Springerpresse mal nachfragen würde.
Umso verblüffender, daß nun noch vor der Wahl am 24.Februar sowohl BILD und Hamburger Abendblatt – wenn auch natürlich klein und im hinteren Teil der Zeitung – vom exorbitanten Anstieg der Wohnungseinbrüche in Hamburg berichten:
Die Zahl der Einbrüche in Hamburg ist laut "Bild" um 20,7 Prozent auf 5712 gestiegen. Das sind 979 mehr Einbrüche als noch im Jahr 2006. Demnach haben Einbrecher mehr als 15-mal am Tag in Wohnungen und Häusern zugeschlagen. Besonders schlimm sei es im Dezember gewesen. Allein in diesem Monat habe die Polizei 695 Einbrüche gezählt. Unter anderem war der Hamburger Westen durch organisierte Banden betroffen.
Eine „nette“ Geschichte zum allgegenwärtigen Thema Jugendkriminalität durch Ausländer hätte ich auch noch:
Ob es wohl im Sinne des schwarz-weiß-weichgezeichneten und in ganz Hamburg dicht an dicht plakatierten Ole von Beust ist, was im Jahr 6 seiner Regentschaft Elsa S. passierte?
Sie war am 28. August 2007 durch den Volkspark geradelt und von einem 18-Jährigen Briten überfallen worden. Dieser schlug sie fast tot – es grenzt an ein Wunder, daß sie schwer verletzt entkommen konnte:
Die 70-Jährige Frau S. erlitt schwerste Schädelverletzungen. Rippen und Hände waren gebrochen. Ein Teil ihres Ohres war abgerissen, zwei Zähne ausgeschlagen und ihr ganzer Körper war bedeckt mit Platzwunden und Prellungen.
Die Polizei konnte aber den Täter schnell fassen und er wurde vor ein Jugendschöffengericht gestellt. Er wurde nach einem Geständnis gleich wieder entlassen mit einem warmen Händedruck und der Bitte sich doch in seiner Heimat England einer Therapie zu unterziehen.
Thomas Hirschbiegel kommentiert in der MOPO:

Man muss weder Roland-Koch-Fan noch erzkonservativ sein, um diese Entscheidung einfach nur für skandalös zu halten. Die schweren Verletzungen der 70-jährigen alten Dame füllen eine ganze Aktenseite. Sie lag wochenlang im Krankenhaus, hat immer noch Schmerzen. Interessiert eigentlich den Richter das Leid des Opfers in irgendeiner Weise? Der schwer verletzten Rentnerin muss die Entscheidung der Hamburger Justiz wie Hohn vorkommen. Und fast schlimmer noch: Sie kann nur als eine Ermunterung jugendlicher Gewalttäter verstanden werden. Nach dem Motto: In Deutschland kannst du machen was du willst, passiert eh nichts.

Daher noch mal meine Bitte an alle Hamburger - bitte NICHT DIE CDU WÄHLEN!