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Freitag, 26. Juni 2009
Der Christ des Tages - Teil III
Wer sich schon in einem ähnlich greisen Alter wie ich befindet, wird sich vermutlich an die ersten monothematischen Talkshows erinnern, die es in den deutschen dritten Fernsehprogrammen gab.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.
Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.
Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.
Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:
„Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"
Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.
Die Pfarrersfrau war damals eine omnimedienpräsente Stahlhelm-Konservative, die von der Sorge getrieben wurde, daß die CDU nach links abdriften könne, wenn radikale Kommunistinnen wie Rita Süßmuth Einfluß bekämen.
1991 schrieb sie:
Darum ist es notwendig, daß den „Reformern“ der CDU aus den eigenen Reihen widersprochen wird.
Daß die Bundestagspräsidentin auch noch Bedenken gegen die Verschärfung des Asylrechtes formulierte, brachte Motschmann zur Weißglut - man solle lieber auf die rechtsradikalen potentiellen Wähler der CDU Rücksicht nehmen und der Xenophobie frönen:
Man kann sich über die Basisferne beider Politiker [ S. und Ulf Fink - T.] nur wundern. Der Asylmißbrauch und die hohe Beteiligung von Ausländern an der (Drogen)Kriminalität haben zu einem besorgniserregenden Ausländerhaß geführt. Hinzu kommt das wachsende Mißtrauen und die Angst der sozial Schwachen, daß ihnen durch die zunehmende Zahl von Asylanten und Asylbewerbern etwas genommen werden könnte.
Ausländerhass ist laut der christlichen Elisabeth am sinnvollsten zu bekämpfen, indem man die Ausländer los wird:
Wer hingegen dafür eintritt, daß weiterhin Tor und Tür der Bundesrepublik offen stehen, auch für Asylbewerber aus Ländern, in denen es keine politische, rassische und religiöse Verfolgung (mehr) gibt, fördert - ob er es wahrhaben will oder nicht - den Ausländerhaß, der sich nicht nur gegen Asylanten oder Asylbewerber, sondern schließlich gegen alle Ausländer richtet. Wie dies mit der „christlichen Gesellschaftslehre“ in Einklang zu bringen ist, wird der engagierte Sozialpolitiker Fink ebenso erklären müssen wie Rita Süssmuth.
Vollends das Motschmannsche Faß zum Überlaufen brachte die damalige Bundestagspräsidentin Süßmuth mit ihren Andeutungen Homosexuelle tolerieren zu wollen - Pfui bäh, wie konnte sie nur:
Rita Süssmuth hat einen weiteren Diskussionsgegenstand auf die politische Tagesordnung der Sommerpause gesetzt: die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Die Bundestagspräsidentin sagt zwar: „Eine Eheschließung wie zwischen Mann und Frau kann es für homosexuelle Paare nicht geben.“ Gleichzeitig fordert sie: „Wenn ein gleichgeschlechtliches Paar ein Leben lang füreinander sorgt, dann muß der Staat dies zum Beispiel im Hinterbliebenenrecht, bei der Rente und auch bei der Besteuerung berücksichtigen.“
Unerhört! Selbst unter Pfarrern gibt es diese linkssektiererischen Abweichler - Motschmann goes crazy:
Das bedeutet eine endgültige Absage an den „besonderen“ Schutz von Ehe und Familie. Das bedeutet außerdem eine Abkehr von der christlichen Ethik. Auch wenn einzelne evangelische Pfarrer bereits homosexuelle Paare „trauen“ oder segnen, so entbehren diese spektakulären und medienwirksamen Amtshandlungen jeder biblischen Grundlage.
Es war mir immer eine Freude die CDU-rechts-außen Frau öffentlich reden zu hören; mit ihren hetzerischen und demagogischen Betonansichten, entblößte und entblödete sich die Alttestamentarische auf vorbildliche Weise.
Zwischenzeitlich war es allerdings still geworden, um das bibeltreue CDU-Frauchen.
Ich nahm schon an, daß sie möglicherweise der Jungfrau Maria gleichend in den Himmel gefahren sei und Harfe-spielend bei den dort herrschenden Temperaturen von -70°C Petrus von seinen linksabweichlerischen Positionen bekehrt.
In Wirklichkeit ist die Gute aber in der Bremer Bürgerschaft aktiv, war dort lange Vizefraktionsvorsitzende und ist derzeit Vorsitzende des Petitionsauschusses.
Inzwischen ist sie 56 Jahre alt (*13. Oktober 1952), was im seltsamen Widerspruch zu ihrem vorsintflutlichen Auftreten vor 20 und 30 Jahren steht.
(Hat Gott sie womöglich zwischendurch verjüngt?)
Erfreulich ist aber, daß Frau Motschmann an ihren grellen Gaga-Positionen festgehalten hat und nun wieder bundesweit den Politclown gibt.
Neuestes Opfer ihrer Attacken ist Charlotte Roche, die neue Moderatorin der Bremer Talkshow „II nach 9“ werden soll.
Feuchtgebiete hin oder her - als Interviewerin ist Roche Spitzenklasse - in diesem Fall hat die Grimmepreisjury mal richtig gelegen.
Die Hardcore-Christin Motschmann schäumt:
In ihrer Wut wandte sich die stellvertretende Vorsitzende des Fernsehausschusses im Rundfunkrat nun an Programmdirektor Dirk Hansen und schrieb ihm einen Brief, welcher der "Bild" vorliegt.
Pöbel-Elisabeth holt richtig aus und nennt Roche "öbszön" und "pervers" und "erbärmlich", sie sei eine "umstrittene" und "niveaulose" Moderatorin.
Wie bei echten Christen üblich hat Motschmann rasendes Interesse an Schlüpfrigkeiten und las „Feuchtgebiete“ von der ersten bis zur letzten Seite:
„Es war eine Strapaze das zu lesen, ich musste mich zwingen“.
Eine bezeichnende Wortwahl - ich hätte ohnehin gefragt, wer sie denn dazu gezwungen hätte das Buch zu lesen - aber sie war es selbst.
Die Hobbyliteraturkritikerin meldet sich über ihren ehemaligen Arbeitgeber SPRINGER mit einer Analyse bei der BZ zu Wort.
Dieses Springersche Tittenblatt fragt besorgt:
Charlotte Roche zu versaut für's TV?
Motschmann ist sich sicher, daß Roche im Gegensatz zu ihren Kinder-molestierenden Christenfreunden nicht ins Fernsehen gehört - informiert hat sie sich bei „Wikipedia“ und rekapituliert schaudernd:
"Sie fügte sich selbst Wunden zu, probierte verschiedene Drogen oder rasierte sich eine Glatze".
Nein, bäh, GLATZE!
So jemand gehört doch eingesperrt und an den Pranger.
Das nennt man dann wohl Christliche Nächstenliebe in der praktizierten Form.
Meiner Ansicht nach sind die besten religionskritischen Sendungen überhaupt Lea Roshs „Freitagnacht“-Ausgaben (ab 1988 auf SFB) gewesen.
Interessanterweise übernahmen den Part der Kirchen-basher die Religiösen selbst, die in ihrem bräsigen Allmachtswahn gar nicht merkten, wie sie sich lächerlich machten.
Damals lernte ich Medienikonen wie Kurt Krenn kennen.
Für immer in Erinnerung wird mir bleiben, daß sich Jutta Dithfurth einst zurücklehnte und sinngemäß sagte:
„Lieber Bischof, so wie sie reden fügen sie der Kirche schweren Schaden zu und vertreiben die Mitglieder. Ich möchte dazu gar nichts weiter sagen, da mir das sehr recht ist!"
Eine besonders oft auftauchende Gästin war eine damals phänotypisch 79-Jährige verhärmte Hardcore-Protestantin namens Elisabeth Motschmann mit Topffrisur und Sprachfehler.
Die Pfarrersfrau war damals eine omnimedienpräsente Stahlhelm-Konservative, die von der Sorge getrieben wurde, daß die CDU nach links abdriften könne, wenn radikale Kommunistinnen wie Rita Süßmuth Einfluß bekämen.
1991 schrieb sie:
Darum ist es notwendig, daß den „Reformern“ der CDU aus den eigenen Reihen widersprochen wird.
Daß die Bundestagspräsidentin auch noch Bedenken gegen die Verschärfung des Asylrechtes formulierte, brachte Motschmann zur Weißglut - man solle lieber auf die rechtsradikalen potentiellen Wähler der CDU Rücksicht nehmen und der Xenophobie frönen:
Man kann sich über die Basisferne beider Politiker [ S. und Ulf Fink - T.] nur wundern. Der Asylmißbrauch und die hohe Beteiligung von Ausländern an der (Drogen)Kriminalität haben zu einem besorgniserregenden Ausländerhaß geführt. Hinzu kommt das wachsende Mißtrauen und die Angst der sozial Schwachen, daß ihnen durch die zunehmende Zahl von Asylanten und Asylbewerbern etwas genommen werden könnte.
Ausländerhass ist laut der christlichen Elisabeth am sinnvollsten zu bekämpfen, indem man die Ausländer los wird:
Wer hingegen dafür eintritt, daß weiterhin Tor und Tür der Bundesrepublik offen stehen, auch für Asylbewerber aus Ländern, in denen es keine politische, rassische und religiöse Verfolgung (mehr) gibt, fördert - ob er es wahrhaben will oder nicht - den Ausländerhaß, der sich nicht nur gegen Asylanten oder Asylbewerber, sondern schließlich gegen alle Ausländer richtet. Wie dies mit der „christlichen Gesellschaftslehre“ in Einklang zu bringen ist, wird der engagierte Sozialpolitiker Fink ebenso erklären müssen wie Rita Süssmuth.
Vollends das Motschmannsche Faß zum Überlaufen brachte die damalige Bundestagspräsidentin Süßmuth mit ihren Andeutungen Homosexuelle tolerieren zu wollen - Pfui bäh, wie konnte sie nur:
Rita Süssmuth hat einen weiteren Diskussionsgegenstand auf die politische Tagesordnung der Sommerpause gesetzt: die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Die Bundestagspräsidentin sagt zwar: „Eine Eheschließung wie zwischen Mann und Frau kann es für homosexuelle Paare nicht geben.“ Gleichzeitig fordert sie: „Wenn ein gleichgeschlechtliches Paar ein Leben lang füreinander sorgt, dann muß der Staat dies zum Beispiel im Hinterbliebenenrecht, bei der Rente und auch bei der Besteuerung berücksichtigen.“
Unerhört! Selbst unter Pfarrern gibt es diese linkssektiererischen Abweichler - Motschmann goes crazy:
Das bedeutet eine endgültige Absage an den „besonderen“ Schutz von Ehe und Familie. Das bedeutet außerdem eine Abkehr von der christlichen Ethik. Auch wenn einzelne evangelische Pfarrer bereits homosexuelle Paare „trauen“ oder segnen, so entbehren diese spektakulären und medienwirksamen Amtshandlungen jeder biblischen Grundlage.
Es war mir immer eine Freude die CDU-rechts-außen Frau öffentlich reden zu hören; mit ihren hetzerischen und demagogischen Betonansichten, entblößte und entblödete sich die Alttestamentarische auf vorbildliche Weise.
Zwischenzeitlich war es allerdings still geworden, um das bibeltreue CDU-Frauchen.
Ich nahm schon an, daß sie möglicherweise der Jungfrau Maria gleichend in den Himmel gefahren sei und Harfe-spielend bei den dort herrschenden Temperaturen von -70°C Petrus von seinen linksabweichlerischen Positionen bekehrt.
In Wirklichkeit ist die Gute aber in der Bremer Bürgerschaft aktiv, war dort lange Vizefraktionsvorsitzende und ist derzeit Vorsitzende des Petitionsauschusses.
Inzwischen ist sie 56 Jahre alt (*13. Oktober 1952), was im seltsamen Widerspruch zu ihrem vorsintflutlichen Auftreten vor 20 und 30 Jahren steht.
(Hat Gott sie womöglich zwischendurch verjüngt?)
Erfreulich ist aber, daß Frau Motschmann an ihren grellen Gaga-Positionen festgehalten hat und nun wieder bundesweit den Politclown gibt.
Neuestes Opfer ihrer Attacken ist Charlotte Roche, die neue Moderatorin der Bremer Talkshow „II nach 9“ werden soll.
Feuchtgebiete hin oder her - als Interviewerin ist Roche Spitzenklasse - in diesem Fall hat die Grimmepreisjury mal richtig gelegen.
Die Hardcore-Christin Motschmann schäumt:
In ihrer Wut wandte sich die stellvertretende Vorsitzende des Fernsehausschusses im Rundfunkrat nun an Programmdirektor Dirk Hansen und schrieb ihm einen Brief, welcher der "Bild" vorliegt.
Pöbel-Elisabeth holt richtig aus und nennt Roche "öbszön" und "pervers" und "erbärmlich", sie sei eine "umstrittene" und "niveaulose" Moderatorin.
Wie bei echten Christen üblich hat Motschmann rasendes Interesse an Schlüpfrigkeiten und las „Feuchtgebiete“ von der ersten bis zur letzten Seite:
„Es war eine Strapaze das zu lesen, ich musste mich zwingen“.
Eine bezeichnende Wortwahl - ich hätte ohnehin gefragt, wer sie denn dazu gezwungen hätte das Buch zu lesen - aber sie war es selbst.
Die Hobbyliteraturkritikerin meldet sich über ihren ehemaligen Arbeitgeber SPRINGER mit einer Analyse bei der BZ zu Wort.
Dieses Springersche Tittenblatt fragt besorgt:
Charlotte Roche zu versaut für's TV?
Motschmann ist sich sicher, daß Roche im Gegensatz zu ihren Kinder-molestierenden Christenfreunden nicht ins Fernsehen gehört - informiert hat sie sich bei „Wikipedia“ und rekapituliert schaudernd:
"Sie fügte sich selbst Wunden zu, probierte verschiedene Drogen oder rasierte sich eine Glatze".
Nein, bäh, GLATZE!
So jemand gehört doch eingesperrt und an den Pranger.
Das nennt man dann wohl Christliche Nächstenliebe in der praktizierten Form.
Dienstag, 24. Juni 2008
Quarante raisons de ne pas avoir d'enfant
Heute blogge ich das erste mal über ein Buch, das ich selbst noch gar nicht gelesen habe – außer der 19-seitigen Leseprobe. Aber es ist so wunderschön inkorrekt:
„ No Kid : 40 Gründe, keine Kinder zu haben“ von Corinne Maier. Dt. von Kerstin Krolak Rowohlt-Taschenbuch-Verl., ISBN: 978-3-499-62387-5, EUR 12.00
Rowohlt ahnt offenbar, daß auch hierzulande jeder Tabubruch willkommen ist. Nach gefühlten 10.000 detaillierten Leitartikeln über die verschieden müffelnden Duftnoten der Vaginalausflüsse Charlotte Roches, könnte doch mal wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden.
Wie lange sind die Feuchtgebiete jetzt eigentlich schon auf Platz EINS der Bestsellerliste einbetoniert?
Fußball und Analsekrete – das sind die Topp-Themen der deutschen Massen im Sommer 08.
Es ist eigenartig – bei Frauen, die über Frauenthemen sprechen, ist stets der ordnungsgemäße und erwiesene Funktionstüchtigkeit des Uterus‘ entscheidend.
Ein Kind ist dabei schon eher wenig. Was wurden wir nicht damit behelligt wie das Verhältnis von Leibesfrüchten zu Ehemännern beispielsweise bei Eva Herman ist.
Kann eine Frau mit einer 4:1-Quote überhaupt Mutter-Kind-Themen beurteilen?
Und darf eine freche Französin über die nicht zu bestreitenden Nachteile des Daseins mit Kindern schreiben, ohne daß sie selbst geworfen hätte?
Tja Pech, meine Damen. Das sind die Kategorien, die zählen.
Weiß Angie Merkel überhaupt über gesellschaftliche Dinge Bescheid?
Und qualifiziert die Heptamutterschaft einer Von der Leyen sie gleich zur Familienministerin?
Da haben es Männer leichter – die können all diese Dinge auch ohne Erfahrungen „am eigenen Leibe“ beurteilen. Auch Eva Herman trat ja gerne bei den Katholiken auf und wurde von Bischöfen, wie auch von der rechtsradikalen Hetzplattform kreuznet in den Himmel gehoben.
Zölibatäre, eunuchartige Katholenmänner wissen nämlich am allerbesten und mit der höchsten moralischen Autorität über die die Hystera betreffenden Vorgänge Bescheid.
Ich bin gespannt, wie weit es mit der deutschen Tabubrecherfreude her ist.
Wird „No kids“ auch die TV-Laberrunden dominieren?
Werden sich empörte Berufsmütter aus der Windelwelt bei Plasberg mit Mutterkreuzuntüchtigen Karriereweibern fetzen?
Wird Kardinal Meisner die „Kultur des trockenen Uterus“ verdammen und dafür von linken Lesben die erwartete Retour-Verbalkeule erhalten?
Werden aufgeregte Springerjournalisten, die im Privatleben gegen den lärmenden Kindergarten nebenan klagen, das Aussterben Deutschlands beschreien?
Das könnte doch ein netter Sommerlochfüller werden – wenn nicht wieder irgendein CSU-Hinterbänkler fordert Mallorca als 17tes Bundesland zu kaufen.
Der Meier’sche Ansatz ist schließlich nicht zu verachten – auch nur das leiseste Bezweifeln, ob Kinder ein Segen sind, wird schon mit Pranger bestraft.
Zitat: Es gibt nun einmal bestimmte Dinge, die will man aus dem Mund einer gestandenen Mutter nicht hören, weil sie dann wirkt wie ein Monster. Der Standardsatz ist eben : « Ich bin stolz auf meine Kinder, und wenn es in meinem Leben etwas gibt, das ich nicht bereue, so ist es, sie in die Welt gesetzt zu haben.
Was könnte richtiger sein!!!
Zudem erfährt man Spannendes aus anderen Ländern:
Also Florida ist mir zu heiß und zu Bush-lastig, aber über Schottland denke ich nach.
«Nichts ist so unerträglich wie das Geschwätz von Eltern, die völlig baff sind, dass es ihnen gelungen ist, einen Menschen zu erschaffen.
– Verfallen Sie nicht in die Idiotensprache, die man mit Kindern spricht.
– Eltern-Kind-Dialoge sind wie Dinner für Spinner – und das siebenmal die Woche.
– Warum sich für eine zukünftige Randgestalt der Gesellschaft den Arsch aufreißen?
– Ein Kind ist nicht immer nur Liebestöter, sondern oft auch Lusttöter.
– Wenn ich das Wort Pädaogik höre, hole ich gleich die Knarre raus (oder meinen Kugelschreiber). Pädagogik ist die Kunst, jemanden übers Ohr zu hauen, ohne dass er es merkt …
Die 12 Euro sind sicherlich gut investiert.
NACHTRAG:
Wie lange Frau Roche auf Platz 1 der Spiegelbestsellerliste steht, weiß ich übrigens schon:
Im Moment (30.Juni 08) sind es 14 Wochen.
Über 650.000 Exemplare hat sie verkauft.
Ihr Verlag Du Mont hat Lizenzen in 16 Länder verkauft - die Übersetzer in Korea, Taiwan und USA brüten schon über dem Text mit so lyrischen Stellen wie:
"Einmal rund um die Rosette sind jetzt wolkenförmige Hautlappen, die so aussehen wie die Fangarme einer Seeanemone"
Allerliebst - SOOOO macht man richtig Geld!
„ No Kid : 40 Gründe, keine Kinder zu haben“ von Corinne Maier. Dt. von Kerstin Krolak Rowohlt-Taschenbuch-Verl., ISBN: 978-3-499-62387-5, EUR 12.00
Rowohlt ahnt offenbar, daß auch hierzulande jeder Tabubruch willkommen ist. Nach gefühlten 10.000 detaillierten Leitartikeln über die verschieden müffelnden Duftnoten der Vaginalausflüsse Charlotte Roches, könnte doch mal wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden.
Wie lange sind die Feuchtgebiete jetzt eigentlich schon auf Platz EINS der Bestsellerliste einbetoniert?
Fußball und Analsekrete – das sind die Topp-Themen der deutschen Massen im Sommer 08.
Halleluja!
Schade, daß sich Rowohlt bei der Veröffentlichung so sehr beeilt zu versichern, daß die französische Autorin selbst Mutter zweier Kinder ist und damit sofort etwas Brisanz reduziert.Es ist eigenartig – bei Frauen, die über Frauenthemen sprechen, ist stets der ordnungsgemäße und erwiesene Funktionstüchtigkeit des Uterus‘ entscheidend.
Ein Kind ist dabei schon eher wenig. Was wurden wir nicht damit behelligt wie das Verhältnis von Leibesfrüchten zu Ehemännern beispielsweise bei Eva Herman ist.
Kann eine Frau mit einer 4:1-Quote überhaupt Mutter-Kind-Themen beurteilen?
Und darf eine freche Französin über die nicht zu bestreitenden Nachteile des Daseins mit Kindern schreiben, ohne daß sie selbst geworfen hätte?
Tja Pech, meine Damen. Das sind die Kategorien, die zählen.
Weiß Angie Merkel überhaupt über gesellschaftliche Dinge Bescheid?
Und qualifiziert die Heptamutterschaft einer Von der Leyen sie gleich zur Familienministerin?
Da haben es Männer leichter – die können all diese Dinge auch ohne Erfahrungen „am eigenen Leibe“ beurteilen. Auch Eva Herman trat ja gerne bei den Katholiken auf und wurde von Bischöfen, wie auch von der rechtsradikalen Hetzplattform kreuznet in den Himmel gehoben.
Zölibatäre, eunuchartige Katholenmänner wissen nämlich am allerbesten und mit der höchsten moralischen Autorität über die die Hystera betreffenden Vorgänge Bescheid.
Ich bin gespannt, wie weit es mit der deutschen Tabubrecherfreude her ist.
Wird „No kids“ auch die TV-Laberrunden dominieren?
Werden sich empörte Berufsmütter aus der Windelwelt bei Plasberg mit Mutterkreuzuntüchtigen Karriereweibern fetzen?
Wird Kardinal Meisner die „Kultur des trockenen Uterus“ verdammen und dafür von linken Lesben die erwartete Retour-Verbalkeule erhalten?
Werden aufgeregte Springerjournalisten, die im Privatleben gegen den lärmenden Kindergarten nebenan klagen, das Aussterben Deutschlands beschreien?
Das könnte doch ein netter Sommerlochfüller werden – wenn nicht wieder irgendein CSU-Hinterbänkler fordert Mallorca als 17tes Bundesland zu kaufen.
Der Meier’sche Ansatz ist schließlich nicht zu verachten – auch nur das leiseste Bezweifeln, ob Kinder ein Segen sind, wird schon mit Pranger bestraft.
Zitat: Es gibt nun einmal bestimmte Dinge, die will man aus dem Mund einer gestandenen Mutter nicht hören, weil sie dann wirkt wie ein Monster. Der Standardsatz ist eben : « Ich bin stolz auf meine Kinder, und wenn es in meinem Leben etwas gibt, das ich nicht bereue, so ist es, sie in die Welt gesetzt zu haben.
Was könnte richtiger sein!!!
Zudem erfährt man Spannendes aus anderen Ländern:
Also Florida ist mir zu heiß und zu Bush-lastig, aber über Schottland denke ich nach.
«Nichts ist so unerträglich wie das Geschwätz von Eltern, die völlig baff sind, dass es ihnen gelungen ist, einen Menschen zu erschaffen.
– Verfallen Sie nicht in die Idiotensprache, die man mit Kindern spricht.
– Eltern-Kind-Dialoge sind wie Dinner für Spinner – und das siebenmal die Woche.
– Warum sich für eine zukünftige Randgestalt der Gesellschaft den Arsch aufreißen?
– Ein Kind ist nicht immer nur Liebestöter, sondern oft auch Lusttöter.
– Wenn ich das Wort Pädaogik höre, hole ich gleich die Knarre raus (oder meinen Kugelschreiber). Pädagogik ist die Kunst, jemanden übers Ohr zu hauen, ohne dass er es merkt …
Die 12 Euro sind sicherlich gut investiert.
NACHTRAG:
Wie lange Frau Roche auf Platz 1 der Spiegelbestsellerliste steht, weiß ich übrigens schon:
Im Moment (30.Juni 08) sind es 14 Wochen.
Über 650.000 Exemplare hat sie verkauft.
Ihr Verlag Du Mont hat Lizenzen in 16 Länder verkauft - die Übersetzer in Korea, Taiwan und USA brüten schon über dem Text mit so lyrischen Stellen wie:
"Einmal rund um die Rosette sind jetzt wolkenförmige Hautlappen, die so aussehen wie die Fangarme einer Seeanemone"
Allerliebst - SOOOO macht man richtig Geld!
Dienstag, 11. März 2008
Wird schwer in Zukunft!
Das beste Erfolgsrezept in der bundesdeutschen Medienwelt ist offenbar immer noch ein Tabu zu brechen – am liebsten irgendwas mit besonders schmuddeligen Sex.
Prä-sexisch schaffte es noch der Schriftsteller Rainald Goetz 1983 durch einen Aufsehen erregenden Auftritt beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt: Vor laufenden Fernsehkameras ritzte er sich während einer Lesung mit einer Rasierklinge die Stirn auf, ließ das Blut über seine Hände und sein Manuskript laufen und beendete die Lesung schließlich blutüberströmt.
Beim gleichen Wettbewerb in Klagenfurt im Jahr 1991 gab es wieder einen einprägsamen Skandal – ich gebe zu, daß sich sowas ins Hirn brennt.
So erinnere ich mich noch wörtlich an einige Sätze, die der Hobby-Juror, damalige Spiegel-Kulturchef, hauptberufliche Widerling und professionelle schmutzige alte Mann Hellmuth Karasek zum Siegertext, „Babyficker“ von Urs Allemann absonderte:
Muß man einen solchen Text wie den von Urs Allemann, darf man einen Text mit dem Titel "Babyficker" preiskrönen? Ich war in Klagenfurt einer der Juroren, der von Anfang an für Allemanns Text gestimmt hat. Ich gestehe, ich hätte dem Text sogar den ersten Preis, den Bachmann-Preis, gewünscht.
Bedauerlicherweise gehörte ich damals zu den armen geschundenen Kreaturen, die den Wettbewerb auf 3Sat im TV verfolgten und Urs Allemanns (Puh – ganz schön deutsch der Name für einen Schweizer!) Auftritt mit erlebten.
Es handelte sich um eine endlose Aufreihung von adjektivfreien Kurzsätzen, die hauptsächlich aussagten, daß Allemann mit Babys kopuliere. Die Zeit fasste es neutral wie folgt zusammen:
Um ein Bett stehen wie eine Versuchsanordnung vier Waschkörbe voll Babys, alle zur freien Verfügung. Sie wachsen nicht, sie schreien nicht, sie lassen alles mit sich anstellen, was man sich vorstellen, was man formulieren kann. Also kann der Sprechende sie schließlich auch, drei Seiten lang, wachsen lassen, bis er in ihrem Fleisch erstickt. Oder sie ahern lassen, ohne zu wachsen, bis sie nach zweieinhalb Seiten zerfallen zu Staub. Oder es wachsen ihm, so stellt er sich vor, so formuliert er, aus allen Gliedern, Körperteilen Babys, so daß er sie wäre und sie wären er: „Bin aus Babys. Sind aus mir. Sollten wir zu uns sagen." So verwandelt sich launisch und ruck, zuck das Sadoparadies zum Masoidyll oder zum Ichkollektiv. Alles ist möglich, sprachlich. Drinnen und draußen, Subjekt und Objekt, Wörtlichkeit und Wirklichkeit verwischen sich. Alles eins. alles wüst und null und nichtig. Das hört sich, so übertrieben logisch und entschieden zusammengerafft, womöglich interessanter, folgerichtiger und auch komischer an, als es sich liest. Etwas Verbissenes und Beflissenes in der Durchführung hemmt und verkrampft die Radikalität und die Spielmöglichkeiten dieses Textes. Auch, weil Allemann, scheinbar konsequent, seinem Probe-Ich eine allzu zügig stilisierte Rumpfsprache anerfunden hat. Deren Sätze, oft subjekt- und prädikatlos, dürfen selten über vier, fünf Worte hinaus: „Mit geschlossenen Augen. Durchs übers Aug geklappte Lid seh ich hinaus. Den ganzen lichtlosen Tag lang. Kleines Mißverständnis vielleicht. Nicht blind. Nicht schwarz. Schwarzer Dämmer. Grauer lichtloser Dämmer. Kleines Mißverständnis vielleicht. Grauer lichtlos lichter Dämmer. Taglang. Nachtlang. Während des Schlafs. Versteh ich nicht. Während des Fickens. Des Fickens der Babys."
Hellmuth Karasek also war begeistert – er rechtfertigte sein Urteil in weiteren Aufsätzen des Spiegels; überhaupt noch ein Tabu gefunden zu haben, war in den Augen von Dirty Hellmuth schon preiswürdig:
Allemanns Text ist als Provokation gedacht, konsequent gedacht und ebenso geschrieben. Literatur muß die Grenze, an die sie mit ihren Phantasien und Erfahrungen stößt, immer wieder suchen, sie darf nicht da stehenbleiben, wo sie schon zu Hause ist. In einer Zeit, die so gut wie kein Tabu mehr kennt, in einer Zeit, in der unter dem tolerierenden Applaus des Hamburger Publikums in Turrinis "Tod und Teufel" am Schauspielhaus gezeigt wird, wie ein Mann dem andern vor Voyeuren einer Peep-Show einen "bläst" und dann das Ejakulat von sich spuckt, in dieser Zeit sucht Allemann das letzte Tabu.
Halleluhja!
Das war allerdings 1991 und offenbar war das Spiegel-Publikum noch nicht ganz so Tabu-resistent, wie der Kulturjuror; es hagelte Leserbriefe, die Karasek vermutlich weniger begeistert haben als beispielsweise seine Schilderung über Hellmut Bergers völligen Verlust der Peristaltik in einer hellbeigen Hose beim Galadiner. (Auch darüber schrieb Karasek mit sichtlichen Entzücken):
Die Kloake von Allemann beleidigt Ihr Magazin. Wie konnte solch eine schwachsinnige Darstellung von einem Geistesgestörten Ihr Haus verlassen?
In meinem ganzen Leben habe ich nichts Ekelhafteres, Widerlicheres gelesen als diesen Text von Urs Allemann. Dieser Mensch muß krank sein.
Der Hamburger BERND VOGEL brachte es mit den gegebenen Waffen auf den Punkt:
Ich ficke Karaseks. Ich ficke Allemanns. Es wimmelt von Karaseks und Allemanns. Alle da. Seit jeher. Für immer. Karaseks. Allemanns. Wie ich. Fisch mir einen. Fick ihn. Mal erwisch ich ein Karasek, mal ein Allemännchen. O es kommt nicht drauf an. Die Karaseks schlafen. Die Allemanns auch. Auch tagsüber. Wenn ich sie ficke. Obszönitäten. Rohe Tabuverletzungen. Verbrechen der Phantasie. Ich ficke Karaseks zum "Spaß". Ich ficke Allemännchen zum "Spaß". Poloch. Fontanelle. Schleimig speichelnder Mund. Wo dring ich ein. Literaturmarkt. Literaturbetrieb. Publikum egal. Publikum scheißegal. Überflüssige Wortgebilde für Wettbewerb. Blöde Juroren treff ich immer. Fick sie. Sie prämieren''s. Blöd wie sie sind. Kritiker sprechen''s heilig. "Bekennerhafte, durch keine Scheu gebremste ,Ich'' des Satzes, Tatbestand des abscheulichsten sexuellen Mißbrauchs, die Wehrlosigkeit der Opfer - all das macht diesen Kurz-Satz zum gewiß unverschämtesten Auftakt, den sich ein literarischer Text, gleichsam als grell mißtönende Fanfare, wählen kann. Ein Ich, das sich zu einem solchen Satz bekennt, muß ein Monstrum sein." O diese Karaseks. Fick sie, und sie sprechen dein Ejakulat heilig. Menschenverachtung. Geil. Gewalt. Geil. Publikum. Egal. Kohle. Geil. Ich könnt kotzen. Sie stinken, die Karaseks. Sie stinken, die Allemännchen. Ja, durch den Gestank könnt ich genötigt werden zu kotzen. O es würde gar nichts nützen, das Fenster aufzureißen. Wie oft reiß ich das Fenster auf. Ohne jeden Erfolg. Die Frischluft weigert sich in meine Mansarde hineinzuströmen. Die Altluft weigert sich aus meiner Mansarde herauszuströmen. Altkammerfürze aus vollstem Sommerloch gestrunzt. Schweinegeld verdient. Thema egal. Hauptsache ficken.
Nach diesem Tabu-Reset konnte mich erst mal nicht so viel zum Thema Sex richtig aufregen, wo bei ich gestehe, daß ich schon außerordentlich mit den Augen rollte, als im Januar 2001 die hohlbirnige und atom-tittige Angetraute des Depps von Mallorca (Jürgen Drews), schwangererweise coram publico und vor RTL-Kameras blank zog und aus ihren Drüsen mit Muttermilch durchs Studio ejakulierte.
(JA – das gibt es auch auf Youtube – aber ich stelle den Link nicht hier rein!)
Die armen Spanier.
Müßte Deutschland nicht eigentlich eine Art kulturelle Entschädigung an die spanische Regierung zahlen, dafür, daß wir unseren totalen menschlichen Abschaum, das vakuumköpfige Kroppzeug auf der iberischen Insel zwischenlagern?????
Die Gerade des Grauens – Goetz-Allemann-Drews – ließ sich aber tatsächlich noch extrapolieren, die neue Koordinate der Unterschreitung aller Ekelgrenzen setzte Grimmepreisträgerin Charlotte Roche mit ihrem Buch „Feuchtgebiete“.
Kuturnews beschreibt den Inhalt kurz und knackig:
Nach einer missglückten Arschrasur liegt die 18-jährige Helen mit einer Analfissur im Krankenhaus. Sie nutzt die Tage auf der Station, um einen Plan zu schmieden, der ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenbringen soll. Vor allem aber experimentiert sie mit allen Körperöffnungen, lebt ihre ganz eigenen Vorstellungen von Sexualität und Hygiene und irritiert damit den Krankenpfleger Robin. Hämorrhoiden, Analverkehr, Toilettenexperimente, ausgefallenere Masturbationsvarianten: Atemlos und mit schmuckloser, sehr direkter Sprache hetzt Roche von Tabu zu Tabu. Manchmal müssen Neologismen her, wenn dem Duden bei Roches Detailverliebtheit die Worte ausgehen. Für verkrustete Spermareste unterm Fingernagel etwa führt sie das Wort Sexandenkenkaubonbon ein.
Ist das nicht prima?
Der Leser erfährt Weisheiten wie zum Beispiel:
„Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder.“
Nun ja, es soll ja ale möglichen bizarren sexuellen Pädophilien geben und es würde mich kaum wundern, wenn die grottig-morbiden Sex-Shops in den billigen Bahnhofsgegenden solche Texte unter dem Ladentisch hätten.
Die große Frage ist aber doch immer wieder, wie es möglich ist, daß die schmutzigen alten Männer in den seriösen Kultur-Redaktionen noch so eine Macht haben, daß sie „Feuchtgebiete“ breitesten Raum bieten und in epischer Ausuferung sabbernd und detailversessen das Buch besprechen.
Der Spiegel druckte gleich ein DREISEITIGES Interview mit Frau Roche, in dem man weiter erhellt wurde:
Roche: Eine Grundidee war: Hass auf Parfums, Hass auf Deos. Als Menschen sind wir ursprünglich darauf angelegt, im Geruch des anderen den potentiellen Sexualpartner zu suchen und zu erkennen. Indem wir uns künstlich parfümieren, nehmen wir uns eine Quelle der Lust. Ich möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen. …….Ich bin für mehr Sex - mehr Schweinereien, keine Tabus. Ich glaube, dass es vom echten Sex, dem Sex, der riecht und schmeckt und schmutzige Geräusche macht, nie genug geben kann.
Und ES KLAPPT immer noch so schön.
Mein letztes Zitat zu dem Thema:
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Prä-sexisch schaffte es noch der Schriftsteller Rainald Goetz 1983 durch einen Aufsehen erregenden Auftritt beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt: Vor laufenden Fernsehkameras ritzte er sich während einer Lesung mit einer Rasierklinge die Stirn auf, ließ das Blut über seine Hände und sein Manuskript laufen und beendete die Lesung schließlich blutüberströmt.
Beim gleichen Wettbewerb in Klagenfurt im Jahr 1991 gab es wieder einen einprägsamen Skandal – ich gebe zu, daß sich sowas ins Hirn brennt.
So erinnere ich mich noch wörtlich an einige Sätze, die der Hobby-Juror, damalige Spiegel-Kulturchef, hauptberufliche Widerling und professionelle schmutzige alte Mann Hellmuth Karasek zum Siegertext, „Babyficker“ von Urs Allemann absonderte:
Muß man einen solchen Text wie den von Urs Allemann, darf man einen Text mit dem Titel "Babyficker" preiskrönen? Ich war in Klagenfurt einer der Juroren, der von Anfang an für Allemanns Text gestimmt hat. Ich gestehe, ich hätte dem Text sogar den ersten Preis, den Bachmann-Preis, gewünscht.
Bedauerlicherweise gehörte ich damals zu den armen geschundenen Kreaturen, die den Wettbewerb auf 3Sat im TV verfolgten und Urs Allemanns (Puh – ganz schön deutsch der Name für einen Schweizer!) Auftritt mit erlebten.
Es handelte sich um eine endlose Aufreihung von adjektivfreien Kurzsätzen, die hauptsächlich aussagten, daß Allemann mit Babys kopuliere. Die Zeit fasste es neutral wie folgt zusammen:
Um ein Bett stehen wie eine Versuchsanordnung vier Waschkörbe voll Babys, alle zur freien Verfügung. Sie wachsen nicht, sie schreien nicht, sie lassen alles mit sich anstellen, was man sich vorstellen, was man formulieren kann. Also kann der Sprechende sie schließlich auch, drei Seiten lang, wachsen lassen, bis er in ihrem Fleisch erstickt. Oder sie ahern lassen, ohne zu wachsen, bis sie nach zweieinhalb Seiten zerfallen zu Staub. Oder es wachsen ihm, so stellt er sich vor, so formuliert er, aus allen Gliedern, Körperteilen Babys, so daß er sie wäre und sie wären er: „Bin aus Babys. Sind aus mir. Sollten wir zu uns sagen." So verwandelt sich launisch und ruck, zuck das Sadoparadies zum Masoidyll oder zum Ichkollektiv. Alles ist möglich, sprachlich. Drinnen und draußen, Subjekt und Objekt, Wörtlichkeit und Wirklichkeit verwischen sich. Alles eins. alles wüst und null und nichtig. Das hört sich, so übertrieben logisch und entschieden zusammengerafft, womöglich interessanter, folgerichtiger und auch komischer an, als es sich liest. Etwas Verbissenes und Beflissenes in der Durchführung hemmt und verkrampft die Radikalität und die Spielmöglichkeiten dieses Textes. Auch, weil Allemann, scheinbar konsequent, seinem Probe-Ich eine allzu zügig stilisierte Rumpfsprache anerfunden hat. Deren Sätze, oft subjekt- und prädikatlos, dürfen selten über vier, fünf Worte hinaus: „Mit geschlossenen Augen. Durchs übers Aug geklappte Lid seh ich hinaus. Den ganzen lichtlosen Tag lang. Kleines Mißverständnis vielleicht. Nicht blind. Nicht schwarz. Schwarzer Dämmer. Grauer lichtloser Dämmer. Kleines Mißverständnis vielleicht. Grauer lichtlos lichter Dämmer. Taglang. Nachtlang. Während des Schlafs. Versteh ich nicht. Während des Fickens. Des Fickens der Babys."
Hellmuth Karasek also war begeistert – er rechtfertigte sein Urteil in weiteren Aufsätzen des Spiegels; überhaupt noch ein Tabu gefunden zu haben, war in den Augen von Dirty Hellmuth schon preiswürdig:
Allemanns Text ist als Provokation gedacht, konsequent gedacht und ebenso geschrieben. Literatur muß die Grenze, an die sie mit ihren Phantasien und Erfahrungen stößt, immer wieder suchen, sie darf nicht da stehenbleiben, wo sie schon zu Hause ist. In einer Zeit, die so gut wie kein Tabu mehr kennt, in einer Zeit, in der unter dem tolerierenden Applaus des Hamburger Publikums in Turrinis "Tod und Teufel" am Schauspielhaus gezeigt wird, wie ein Mann dem andern vor Voyeuren einer Peep-Show einen "bläst" und dann das Ejakulat von sich spuckt, in dieser Zeit sucht Allemann das letzte Tabu.
Halleluhja!
Das war allerdings 1991 und offenbar war das Spiegel-Publikum noch nicht ganz so Tabu-resistent, wie der Kulturjuror; es hagelte Leserbriefe, die Karasek vermutlich weniger begeistert haben als beispielsweise seine Schilderung über Hellmut Bergers völligen Verlust der Peristaltik in einer hellbeigen Hose beim Galadiner. (Auch darüber schrieb Karasek mit sichtlichen Entzücken):
Die Kloake von Allemann beleidigt Ihr Magazin. Wie konnte solch eine schwachsinnige Darstellung von einem Geistesgestörten Ihr Haus verlassen?
In meinem ganzen Leben habe ich nichts Ekelhafteres, Widerlicheres gelesen als diesen Text von Urs Allemann. Dieser Mensch muß krank sein.
Der Hamburger BERND VOGEL brachte es mit den gegebenen Waffen auf den Punkt:
Ich ficke Karaseks. Ich ficke Allemanns. Es wimmelt von Karaseks und Allemanns. Alle da. Seit jeher. Für immer. Karaseks. Allemanns. Wie ich. Fisch mir einen. Fick ihn. Mal erwisch ich ein Karasek, mal ein Allemännchen. O es kommt nicht drauf an. Die Karaseks schlafen. Die Allemanns auch. Auch tagsüber. Wenn ich sie ficke. Obszönitäten. Rohe Tabuverletzungen. Verbrechen der Phantasie. Ich ficke Karaseks zum "Spaß". Ich ficke Allemännchen zum "Spaß". Poloch. Fontanelle. Schleimig speichelnder Mund. Wo dring ich ein. Literaturmarkt. Literaturbetrieb. Publikum egal. Publikum scheißegal. Überflüssige Wortgebilde für Wettbewerb. Blöde Juroren treff ich immer. Fick sie. Sie prämieren''s. Blöd wie sie sind. Kritiker sprechen''s heilig. "Bekennerhafte, durch keine Scheu gebremste ,Ich'' des Satzes, Tatbestand des abscheulichsten sexuellen Mißbrauchs, die Wehrlosigkeit der Opfer - all das macht diesen Kurz-Satz zum gewiß unverschämtesten Auftakt, den sich ein literarischer Text, gleichsam als grell mißtönende Fanfare, wählen kann. Ein Ich, das sich zu einem solchen Satz bekennt, muß ein Monstrum sein." O diese Karaseks. Fick sie, und sie sprechen dein Ejakulat heilig. Menschenverachtung. Geil. Gewalt. Geil. Publikum. Egal. Kohle. Geil. Ich könnt kotzen. Sie stinken, die Karaseks. Sie stinken, die Allemännchen. Ja, durch den Gestank könnt ich genötigt werden zu kotzen. O es würde gar nichts nützen, das Fenster aufzureißen. Wie oft reiß ich das Fenster auf. Ohne jeden Erfolg. Die Frischluft weigert sich in meine Mansarde hineinzuströmen. Die Altluft weigert sich aus meiner Mansarde herauszuströmen. Altkammerfürze aus vollstem Sommerloch gestrunzt. Schweinegeld verdient. Thema egal. Hauptsache ficken.
Nach diesem Tabu-Reset konnte mich erst mal nicht so viel zum Thema Sex richtig aufregen, wo bei ich gestehe, daß ich schon außerordentlich mit den Augen rollte, als im Januar 2001 die hohlbirnige und atom-tittige Angetraute des Depps von Mallorca (Jürgen Drews), schwangererweise coram publico und vor RTL-Kameras blank zog und aus ihren Drüsen mit Muttermilch durchs Studio ejakulierte.
(JA – das gibt es auch auf Youtube – aber ich stelle den Link nicht hier rein!)
Die armen Spanier.
Müßte Deutschland nicht eigentlich eine Art kulturelle Entschädigung an die spanische Regierung zahlen, dafür, daß wir unseren totalen menschlichen Abschaum, das vakuumköpfige Kroppzeug auf der iberischen Insel zwischenlagern?????
Die Gerade des Grauens – Goetz-Allemann-Drews – ließ sich aber tatsächlich noch extrapolieren, die neue Koordinate der Unterschreitung aller Ekelgrenzen setzte Grimmepreisträgerin Charlotte Roche mit ihrem Buch „Feuchtgebiete“.
Kuturnews beschreibt den Inhalt kurz und knackig:
Nach einer missglückten Arschrasur liegt die 18-jährige Helen mit einer Analfissur im Krankenhaus. Sie nutzt die Tage auf der Station, um einen Plan zu schmieden, der ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenbringen soll. Vor allem aber experimentiert sie mit allen Körperöffnungen, lebt ihre ganz eigenen Vorstellungen von Sexualität und Hygiene und irritiert damit den Krankenpfleger Robin. Hämorrhoiden, Analverkehr, Toilettenexperimente, ausgefallenere Masturbationsvarianten: Atemlos und mit schmuckloser, sehr direkter Sprache hetzt Roche von Tabu zu Tabu. Manchmal müssen Neologismen her, wenn dem Duden bei Roches Detailverliebtheit die Worte ausgehen. Für verkrustete Spermareste unterm Fingernagel etwa führt sie das Wort Sexandenkenkaubonbon ein.
Ist das nicht prima?
Der Leser erfährt Weisheiten wie zum Beispiel:
„Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder.“
Nun ja, es soll ja ale möglichen bizarren sexuellen Pädophilien geben und es würde mich kaum wundern, wenn die grottig-morbiden Sex-Shops in den billigen Bahnhofsgegenden solche Texte unter dem Ladentisch hätten.
Die große Frage ist aber doch immer wieder, wie es möglich ist, daß die schmutzigen alten Männer in den seriösen Kultur-Redaktionen noch so eine Macht haben, daß sie „Feuchtgebiete“ breitesten Raum bieten und in epischer Ausuferung sabbernd und detailversessen das Buch besprechen.
Der Spiegel druckte gleich ein DREISEITIGES Interview mit Frau Roche, in dem man weiter erhellt wurde:
Roche: Eine Grundidee war: Hass auf Parfums, Hass auf Deos. Als Menschen sind wir ursprünglich darauf angelegt, im Geruch des anderen den potentiellen Sexualpartner zu suchen und zu erkennen. Indem wir uns künstlich parfümieren, nehmen wir uns eine Quelle der Lust. Ich möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen. …….Ich bin für mehr Sex - mehr Schweinereien, keine Tabus. Ich glaube, dass es vom echten Sex, dem Sex, der riecht und schmeckt und schmutzige Geräusche macht, nie genug geben kann.
Und ES KLAPPT immer noch so schön.
Mein letztes Zitat zu dem Thema:
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