TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!
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Samstag, 11. Februar 2012

Wo die Welt noch in Ordnung ist.


Königswinter ist ein nettes, zwischen Siegburg und Bonn gelegenes Fleckchen Erde.
Die 41.000 Einwohner leben glücklich und zufrieden um das touristische Wahrzeichen; die Burgruine auf dem Drachenfels herum.

Königswinter ist eine Stadt mit vielen Gesichtern, in der es sich lohnt zu leben, ob am Rhein, an den Hängen des Siebengebirges oder im Oberpleiser Hügelland. Überall besticht die landschaftliche Schönheit verbunden mit historischen Stätten und Bauwerken. Durch eine gut ausgebaute Infrastruktur sind Städte wie Bonn oder Köln mühelos und schnell zu erreichen.

Zur Stadt gehört auch der Petersberg, welcher als Standort des Bundesgästehauses vielfach Stätte von internationalen Konferenzen wurde.
Welcher andere 40.000-Seelen-Ort  kann schon von sich behaupten, daß Queen Elisabeth II., Leonid Breschnew, die Präsidenten Clinton und Jelzin, der japanische Kaiser Akihito und die dänische Königin Margarete II. zum Übernachten vorbei kamen?

Politisch ticken die Königswinterer konservativ; das zeigt auch die Fraktionsstärke der im Stadtrat vertretenen Parteien:
CDU-Fraktion 59, SPD-Fraktion 23, FDP-Fraktion 14, Bündnis 90/DIE GRÜNEN 9, LINKE 8.

Man ist fromm im Rheinland.

Kulturdenkmäler und gleichzeitig Hauptdokumente der historischen Entwicklung der Stadt sind die zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die alten Kirchen, Kapellen und Klosterbauten. Zu ihnen zählt die romanische Propsteikirche in Oberpleis mit Krypta und Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert. Überregionale Bedeutung hat Heisterbach. Hier gründeten um das Jahr 1200 Zisterziensermönche eine Abtei, deren kulturelles und wirtschaftliches Wirken allen umliegenden Ortschaften zu Gute kam.

Zwischen all den Kirchen verwundert es wenig, daß schon die Kleinsten in der Regel christlich erzogen werden.
CDU-Bürgermeister Peter Wirtz hat in der Internetpräsenz seines Herrschaftsgebietes einiges vorzuweisen:


Kath. Kindergarten "St. Remigius" Königswinter (Träger: Kath. Kirchengemeindeverband Königswinter-Tal)

Kath. Kindergarten "St. Michael" Niederdollendorf (Träger: Kath. Kirchengemeindeverband Königswinter-Tal)

Kath. Kindergarten "St. Laurentius" Oberdollendorf (Träger: Kath. Kirchengemeindeverband Königswinter-Tal)

Kath. Kindergarten "St. Margareta" Stieldorf (Träger:  Kath. Kirchengemeinde "St. Margarete" Stieldorf)

Kindergarten "Menschenkinder" (Träger: Christliche Kindertagesstätte e.V. (ChrisTa))

Kath. Kindergarten St. Lukas Ittenbach (Träger: Kath. Kirchengemeinde "Zur schmerzreichen Mutter")

Kath. Kindergarten "St. Pankratius" Oberpleis (Träger: Kath. Kirchengemeinde "St. Pankratius" Oberpleis)

Ev. Kindergarten Oberpleis (Träger: Ev. Kirchengemeinde Oberpleis)

Ev. Kindertagesstätte Dollendorf GmbH (Träger: Ev. Förderverein Probsthof e.V.)

Alles fein in katholischer Hand - bis auf ein paar Protestantische Ausreißer.

Nur auf einen Ort ist ein dunkler Schatten gefallen.  
 Der Kath. Kindergarten "St.Margareta" (Rauschendorfer Straße 81, 53639 Königswinter-Rauschendorf) unter der Leitung von Frau Bernadette Knecht ist leider zu einem Sodom und Gomorrha mutiert. Und das ausgerechnet im Reich des gestrengen Kardinals Meisner, dem Erzbistum Köln!

Der Träger, die Kath. Kirchengemeinde „St. Margareta “ Stieldorf (An der Passionshalle 6, 53639 Königswinter) hat aber glücklicherweise rechtzeitig den moralische Abfall des Nachwuchses erkannt und sofort gehandelt. 

Zum 30. Juni 2012 wird die liederliche Kindergärtnerin Bernadette Knecht gefeuert. 

Anders als bei kleinen irrelevanten Fehlern, wie dem sexuellen Missbrauch durch Pfarrer, denen die Katholische Kirche hilft und verzeiht, hat sich die 47 Jahre alte Pädagogin Knecht einer unverzeihlichen Megasünde schuldig gemacht, die die Pfarreiengemeinschaft Königswinter - Am Oelberg mit aller Härte strafen muß.

Pfarrer Udo Maria Schiffers schlackern immer noch die Ohren ob dieser Schande, die er in seinem Kindergarten miterleben mußte:
Knecht, seit neun Jahren Chefin bei "St. Margareta"  hatte sich letztes Jahr von ihrem Mann getrennt (Scheidung!!!!!! Todsünde!!!!) und wagte es nun auch noch sich ZU VERLIEBEN und mit einem anderen Mann zusammen zu ziehen!!! 

So geht es ja nun nicht!
Es gibt ja einiges, bei dem die katholische Kirche auch mal die Augen zudrückt; zum Beispiel bei Hitler, der Unterstützung der Nazi-Verbrecher oder der Kumpanei mit der Mafia. 
Ja, man segnet auch gerne Waffen und hat Myriaden Kinderschänder protegiert..
Aber eine Frau, die sich in einen zweiten Mann verliebt und mit dem in wilder Ehe leben will - das schlägt nun wirklich dem Fass den Boden aus! 

Ein Mitglied des Kirchenvorstandes sprach von einer "Verletzung der Loyalitätspflicht gegenüber den Grundsätzen der katholischen Kirche" und einem "Bruch des Arbeitsvertrages".    Bei der Kirche handle es sich um einen "Tendenzbetrieb mit eigener Rechtsordnung". Bernadette Knecht hätte mit ihrer Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag diese Ordnung anerkannt. "Ihr Einzug bei ihrem neuen Partner ist ein öffentliches Ärgernis", so der Kirchenvorstand.

Schlimm ist es mit anzusehen, wie sehr durch die Kebse Knecht inzwischen alle Eltern moralisch verlottert sind.
Sie wollen die Ehebrecherin als Leiterin behalten (grusel!) und beschlossen inzwischen einstimmig (sic!) den Kindergarten unter einem anderen Träger als der RKK weiter zu führen, damit Knecht nicht in Schimpf und Schande verjagt werden muß.

Aber das wäre ja noch schöner, wenn die Eltern und die Angestellten allein entscheiden könnten!

"Wenn die Kirche bei ihrer Haltung bleibt, werden wir wohl die Idee eines Trägerwechsels vorantreiben", sagte Peer Jung. Er bestätigte, dass alle Eltern einem solchen Wechsel bereits schriftlich zugestimmt hätten. "Der aktuelle Träger muss einem solchen Wechsel zustimmen. Die Kirche hat abgelehnt.

Danke an dieser Stelle auch an Frau Nahles, Herrn Thierse und Herrn Steinmeier, die so eifrig die Katholische Kirche umwerben. 
Gäbe es diese Spezialdemokraten nicht, käme es womöglich noch soweit, daß eines Tages unschuldige Kinderchen mit satanischen Geschiedenen in Kontakt kommen. 

Pfui Teufel!

Freitag, 16. September 2011

Andrea go home.

Man hat mir schon Schizophrenie unterstellt, weil ich mich einerseits klar für Freiheitsrechte, Säkularismus und sozialen Ausgleich positioniere, aber andererseits SPD-Mitglied bin.

Tatsächlich ist es leicht aufzuzählen was mich alles an der Politik der Genossen im Willy-Brandt-Haus stört. Der Spagat zwischen meinen theoretischen Politik-Idealvorstellungen und der praktischen Verbundenheit zu den Genossen ist sehr weit.
Das tut schon richtig weh im Schritt.

Diese Art Schmerzen sind aber nach meiner Ansicht ein natürlicher Zustand.
Wenn man nicht darunter leidet, sondern sich einem Programm, einer Ideologie oder einer Person 100% verpflichtet, wenn man durch und durch begeistert ist, wenn man keine Kritikpunkte hat, wenn man sich voll und ganz hingibt, dann ist das Fanatismus.
Die „100%igen“ sind mir erst recht suspekt.
Mangelt es da nicht erheblich am kritischen Denken?

Die Amerikaner konnten sich vor zehn Jahren regelrecht für George W. Bush begeistern, obwohl niemand, auch seine größten Fans nicht, behauptet hätte er sei ein Intellektueller oder verfüge über besondere außenpolitische Kenntnisse.
GWB war und ist kein Gebildeter, aber man sah in ihm alle positiven Eigenschaften eines Manichäisten. Einer, der wüßte, was falsch ist und was richtig sei, einer, der sich nicht in Abwägungen und Grautönen verlöre, sondern der klar entscheide.
„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ simple as that.
Hier „Gods own country“ (=USA) und da „die Axe des Bösen“ (=Iran, Irak, Nordkorea, später auch Syrien).
Gute Europäer (=England, Polen, Spanien) und böse Europäer (=Belgien, Frankreich, Deutschland)
Natürlich sehnen sich viele nach diesen Simplifizierungen. Deswegen versuchen es Populisten und schäbige Rattenfänger wie Rösler und Merkel und Wilders und LePen und Haider und Hitler genau mit diesen Methoden.
Ausländer sind alle Sozialschmarotzer, Moslems sind alles Fundamentalisten und Griechen sind generell faul.
Ronald Reagan ist bis heute die größte Ikone der konservativen Amerikaner, weil er mit hochriskanten militärischen Provokationen gegen das „Empire of Evil“ (=Reich des Bösen = Sowjetunion) vorging.

Ich hingegen halte so eine Schwarz-weiß-Politik nicht nur für naiv und dumm, sondern für gefährlich.
Eine ganze Nation kann nicht „böse“ sein. Das ist schlicht und ergreifend bullschit.
Die Sowjetunion war ein gigantischer Vielvölkerstaat mit fast 300 Millionen Einwohner in 15 Unionsrepubliken auf 22 Millionen Quadratkilometern.
Das soll ALLES durch und durch böse gewesen sein?
Jemand, der das behauptet gehört statt ins Oval Office eher in eine Gummizelle.

Um den Bogen zu schlagen: Es ist leicht solche Ansichten zu kritisieren.
Dafür ist viel schwieriger als Dagegen.

Aber nur mit Dagegens kann Politik nun mal nicht funktionieren.
Protestwähler oder Wahl-Boykottierer sind immer die Steigbügelhalter derjenigen, die man erst recht nicht will.
Man hat als Wähler die verdammte Pflicht sich das kleinste Übel rauszusuchen und sollte dabei möglichst aus dem Pool der Parteien schöpfen, die eine einigermaßen realistische Chance haben auch in die Parlamente zu gelangen.
Die Partei, die man unterstützt hat idealerweise eine möglichst hohe Schnittmenge mit den eigenen Grundüberzeugungen.
Zur Not reichen aber 51% aus. Solange mich nicht mehr als 49% an der SPD stören, kann ich also in dem Verein bleiben. Im aktuellen Grundsatzprogramm, dem Hamburger Programm 2007, stehen eigentlich lauter sinnvolle Dinge, denen ich zustimmen kann.

2. […] Zugleich aber prägt den globalen Kapitalismus ein Mangel an Demokratie und Gerechtigkeit.
3. Es gibt keinen Weg zurück in die Ära der alten Industriegesellschaft und der Nationalstaaten des 20. Jahrhunderts.
[…]
4. Wir bestehen auf dem Primat demokratischer Politik und widersprechen der Unterwerfung des Politischen unter das Ökonomische. Politik muss dafür sorgen, dass nicht zur bloßen Ware wird, was nicht zur Ware werden darf: Recht, Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Kultur, natürliche Umwelt.
[…]
6. Die gleiche Würde aller Menschen ist Ausgangspunkt und Ziel unserer Politik.
[…]
9.
[…] Jegliche Form von Angriffs- und Präventivkriegen lehnen wir ab. Krieg darf kein Mittel der Politik sein.
10. Die Unteilbarkeit und universelle Geltung der Menschenrechte ist für uns nicht verhandelbar. Nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts schafft internationale Sicherheit.
[…]
12. Unkontrollierte Kapitalbewegungen auf den Finanzmärkten können ganze Volkswirtschaften gefährden. Wir streben einen wirksamen ordnungspolitischen Rahmen für die Finanzmärkte auf internationaler Ebene an.
[…]
19. Soziale Demokratie erfordert einen handlungsfähigen Staat. Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten.
[…]
30. Einkommen und Vermögen sind in Deutschland ungerecht verteilt. Sozialdemokratische Steuerpolitik soll Ungleichheit begrenzen und gleiche Chancen fördern.
[…]
38. Wer Vollzeit arbeitet, soll mit dem Lohn auch seinen Lebensunterhalt bestreiten können. Wir kämpfen für Existenz sichernde Mindestlöhne in Deutschland und Europa.
(Programmkurzfassung)

Kommen wir aber zur Religion, die mich besonders interessiert.
Da findet man:

Wir wenden uns gegen jede Form von Privilegien oder Benachteiligungen aufgrund der Herkunft, des Standes, der Hautfarbe, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Religion. (s.16)

Unser Grundgesetz bietet Raum für kulturelle Vielfalt. Daher braucht niemand seine Herkunft zu verleugnen. Es setzt aber auch Grenzen, die niemand überschreiten darf, auch nicht unter Hinweis auf Tradition oder Religion. Daher darf niemand Frauen und Mädchen daran hindern, sich frei zu entfalten und zu bilden. (s.36)

Wir bekennen uns zum jüdisch-christlichen und humanistischen Erbe Europas und zur Toleranz in Fragen des Glaubens. Wir verteidigen die Freiheit des Denkens, des Gewissens, des Glaubens und der Verkündigung. Grundlage und Maßstab dafür ist unsere Verfassung. Für uns ist das Wirken der Kirchen, der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften durch nichts zu ersetzen, insbesondere wo sie zur Verantwortung für die Mitmenschen und das Gemeinwohl ermutigen und Tugenden und Werte vermitteln, von denen die Demokratie lebt. Wir suchen das Gespräch mit ihnen und, wo wir gemeinsame Aufgaben sehen, die Zusammenarbeit in freier Partnerschaft. Wir achten ihr Recht, ihre inneren Angelegenheiten im Rahmen der für alle geltenden Gesetze autonom zu regeln. (s.39)

(Hamburger Programm 28.10.2007)

Ich gebe zu, das KLINGT recht kirchenfreundlich.
Aber es ist sorgfältig formuliert.

Ausdrücklich wird das „humanistische Erbe Europas“ gewürdigt, es wird ganz klar gestellt, daß die Religionen nur INNERHALB des Grundgesetzes ausgeübt werden dürfen und daß keine Religion bevorzugt werden darf.

Damit bekommt die deutsche Sozialdemokratie im Moment ein Problem, denn ein Religiöser, nämlich Joseph Ratzinger, wird nächsten Donnerstag besonders bevorzugt.

Er soll vorm Parlament sprechen, wo nie ein anderer Religionsführer sprechen durfte.

Ausgerechnet dieser Religionsführer ist insofern problematisch, da auf seine ausdrückliche Anweisung „innere Angelegenheiten“ eben NICHT „im Rahmen der für alle geltenden Gesetze“ geregelt wurden.
Er bestand vielmehr sogar unter Androhung von Exkommunikation darauf sexuellen Missbrauch geheim zu halten und die Opfer nicht zu schützen.

Der Umgang mit den Missbrauchsfällen durch die Kirche, das gezielte Verstecken der Täter und die Einschüchterung der Opfer zeigen deutlich die Missachtung unseres Staates und unserer Gesetze. Dafür trägt der Papst die Verantwortung. Es ist ein schlimmer Affront für die Opfer dieses verbrecherischen Handelns, aber auch für jeden rechtschaffenen Bürger, wenn der Hauptverantwortliche für dieses kriminelle Verhalten der Kirche jetzt im Deutschen Bundestag reden darf. Wie sollen wir das unseren Kindern erklären, wenn wir sie zu Anstand und Rechtstreue erziehen wollen? Was sollen die vielen Bürger, die gerade wegen dieses Papstes und seiner erschreckenden Moral aus der Kirche ausgetreten sind, von unseren Volksvertretern halten?
(Offener Brief an die Bundestagsabgeordneten des GBS-München)

Ganz klar ist außerdem, daß die RKK keineswegs wie im SPD-Grundsatzprogramm gefordert, „Tugenden und Werte [vermittelt], von denen die Demokratie lebt.“

Im Gegenteil.
Der Papst verurteilt ausdrücklich das sexuelle Selbstbestimmungsrecht und lehnt die gleiche Rechte für Mann und Frau ab.

«Schwule vernichten Gottes Werk» erklärte der „oberste Brückenbauer“ (=Pontifex maximus) im Dezember 2008:

«Die Kirche soll die Menschen auch vor der Selbstzerstörung schützen», erklärte Papst Benedikt XVI. bei seinem traditionellen Jahresrückblick in Rom. Der 81-jährige Pontifex sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, dass es daher genau so wichtig sei, die Menschheit vor homo- und transsexuellen Verhalten zu schützen wie den Regenwald vor der Vernichtung zu bewahren. «Die Regenwälder haben ein Recht auf unseren Schutz. Aber der Mensch als Kreatur hat nicht weniger verdient.» Demnach bedrohe Homosexualität die Menschheit ebenso wie die Zerstörung der Regenwälder. Jedes Verhalten, das über die traditionelle heterosexuelle Beziehung hinausginge, «vernichtet Gottes Werk», erklärte der Papst weiter.
(Baseler Zeitung 23.12.2008)

Das steht in diametralem Gegensatz zum SPD-Programm.

(Wir wenden uns gegen jede Form von Privilegien oder Benachteiligungen aufgrund der Herkunft, des Standes, der Hautfarbe, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Religion.(s.16))

Die Menschenrechte, die der Vatikan so gerne hoch hält, wenn es um „Lebensschutz“ geht, mußten der Kirche in Wahrheit mühsam abgetrotzt werden.

Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Folterverbot, Abschaffung der Sklaverei, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe, Tierrechte, Ächtung von Antisemitismus, Schwulenrechte, Abschaffung des Verbots gemischtrassiger Ehen, Abschaffung des Verbots gemischtkonfessioneller Ehen, Verbot von Vergewaltigungen in der Ehe, etc pp - all das mußte gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden.


Die Kirchen waren dagegen und verschwendeten damit sinnlos über Dekaden ihre Kraft.

Ausgerechnet den Vertreter einer Religion zu ehren, der in einer absoluten Monarchie krass antidemokratisch über einen Staat herrscht, in dem auch noch die Frauen grundsätzlich von jeder Teilhabe an der Macht ausgeschlossen sind, ist für einen Sozialdemokraten also nicht möglich.

Auch die Ethik, die der Papst und der Heilige Stuhl vertreten, entspricht nicht unserer Lebenswirklichkeit und nicht den Grundsätzen unserer Verfassung, nämlich:
- Keine wirkliche Gleichheit aller Menschen vor seinem kirchlichen Gesetz.
- Keine rechtliche und soziale Gleichberechtigung von Mann und Frau.
- Diskriminierung von Geschiedenen, Wiederverheirateten und Homosexuellen.
- Widernatürliche Vorstellungen von Sexualität im säkularen und klerikalen Leben. Das päpstliche Kondomverbot zum Beispiel begünstigt die Verbreitung von schwersten Krankheiten und Seuchen und hat der globalen Volksgesundheit schon jetzt massiv geschadet.
- Die Zölibatspflicht widerspricht in ihrer Konsequenz unseren Guten Sitten.
- Keine individuelle Selbstbestimmung.
- Gehorsam statt Anstand und Gewissen: Ein Pfarrer, der die Mutter seines Kindes heiratet, wird entlassen und verliert seine Lebensgrundlage, aber ein Pfarrer, der Kinder missbraucht hat, wird beschützt und kann weiter Priester bleiben. Eine solche Moral ist schädlich für ein Volk. Und der Hauptvertreter dieser menschenverachtenden Moral darf im Bundestag sprechen?!
(Offener Brief an die Bundestagsabgeordneten des GBS-München)

Als SPD-Mitglied muß ich keinen Spagat machen, wenn ich mich klar auf die Seite der säkularen Gegner einer Papstrede vor dem Bundestag stelle.

Mit dem Papst tritt zum ersten Mal ein Gast an das Rednerpult des Deutschen Bundestages, der die Mehrheit der Deutschen für verdammungswürdig hält. Nach den für unfehlbar gehaltenen Glaubenssätzen der katholischen Kirche sind davon all jene Menschen betroffen, die diesem Glauben wissentlich nicht folgen wollen. Mehr als zwei Drittel der Deutschen werden so, weil sie sich in Freiheit gegen den katholischen Glauben entschieden haben, vom Papst und der von ihm vertretenen katholischen Glaubenslehre stigmatisiert. Auch deshalb ist die Rede des Papstes vor dem deutschen Parlament unangebracht.
(Rolf Schwanitz, SPD MdB)

Aber Andrea Nahles stellt sich außerhalb der Grundsätze ihrer Partei.

Nahles: Wir sollten dem Papst Respekt zollen Es hat noch nie ein Papst im Bundestag geredet. Das ist etwas Besonderes, und ich freue mich, dass der Bundestagspräsident ihn eingeladen hat. […] Es freut mich als Katholikin natürlich, dass Papst Benedikt XVI in seiner Heimat zu Gast ist. […] Genauso wie wir Staatsgästen wie George W. Bush oder Wladimir Putin im Bundestag zugehört haben, sollten wir auch dem Papst den Respekt zollen und ihm zuhören. Diesen Respekt wird die SPD-Fraktion auch erweisen.
(Rhein Zeitung 15.09.2011)

Einer der engsten Vertrauten des Papstes, der berüchtigte Kardinal Meisner, der immer wieder Nazivergleiche bemüht, wenn er gegen deutsche Bürger wettert, unterstellt sogar den SPD-Grundsatztreuen besessen zu sein. "Wir bedürfen wirklich eines Arztes"
Will der Papstberater etwa Exorzisten einsetzen?

domradio.de: Sie haben die die Papst-Proteste einiger Bundestagsabgeordneter deutlich kritisiert. Welche Resonanz haben Sie darauf erhalten?
Meisner: Noch gar nichts. Und ich erwarte auch keine Resonanz. Ich kann immer nur sagen: Ich verstehe das nicht. Ich bin als Bischof ein Mann, der aus der Bibel lebt. Mich erinnert das manchmal daran, wenn Jesus gekommen ist und Besessene waren da. Da fingen die Geister, die die Menschen in Besitz genommen haben, an zu schreien: Was haben wir mit Dir zu schaffen! Und dann hat Jesus die Geister ausgetrieben. Und dann heißt es immer: Es kehrte Ruhe und Frieden ein. Die letzten Reaktionen erinnern mich an eine rational nicht nachvollziehbare Anti-Papst-Besessenheit.
(Domradio 16.09.11)

Besonders unanständig und programmwidrig verhält sich der deutsche Bundestagsvizepräsident Thierse, der sich ausgerechnet im weit rechten Spektrum angesiedelten „Domradio“ des Kölner Kardinals gegen die Mehrheit der Deutschen und gegen das Grundgesetz und gegen das SPD-Parteiprogramm positioniert. Er diffamiert MdB Schwanitz in unsolidarischer Weise.
Der Katholik Thierse geht sogar so weit humanistische Überzeugungen mit DDR-Indoktrinierung zu erklären.

Thierse: Wir sollten doch die Äußerung eines Abgeordneten nicht überbewerten. Es gibt in diesem Land viele Menschen, die nicht katholisch oder nicht Christen sind. Und es gibt viele, die den Papst nicht mögen. Wir leben in einem freien Land - und die Meinungsfreiheit gilt sogar für Abgeordnete, auch für SPD-Abgeordnete. Also: Das ist ein bisschen ein Sturm im Wasserglas. Runterhängen! So wichtig ist Herr Schwanitz nicht.

domradio.de: Wie können Sie sich denn erklären, dass er sich die Rede nicht anhören will?

Thierse: Das müssen Sie ihn selber fragen. Er ist ein leidenschaftlicher, überzeugter Atheist; ist in der DDR aufgewachsen, und das SED-Regime war in keinem Punkt so erfolgreich wie in der konsequenten Entkirchlichung der Menschen. Das wirkt manchmal nach, und da gibt es Vorurteile und Abwehrmechanismen, die sich halt auch gegen den Papst richten.
(Domradio 27.6.2011)

Als Sozialdemokrat schäme ich mich natürlich für solche perfiden Äußerungen eines Topp-Vertreters meiner Partei und lege ihm dringend den Austritt nah.

Montag, 25. Juli 2011

Kulturoptimismus

(Dies ist das 1500ste Posting)

Das ist schon irgendwie unheimlich, wie sagenhaft schnell vorher unbekannte Ortsnamen oder Personennamen weltweit bekannt werden können.
Fukushima, Breivik, Utøya, McVeigh, Columbine, Wako.. sind solche Gruselbegriffe, die jeder kennt und extrem negativ konnotiert.

Und nun „Breiviks Manifest“!
Den Megaanschlag vom Freitag sieht er als eine Art „Marketingaktion“ und es hat geklappt.
Es war sogar ein Marketing-Coup.

Nun stürzen sich die Journalisten weltweit auf die 1500 Seiten Hass und tun ihm den Gefallen „Breiviks Kampf“ in jede Ecke der Erde zu tragen.

„Es ist kaum auszuhalten: Anders Behring Breivik ist seinem Ziel so nahe gekommen! Alle Welt schreibt jetzt über ihn, leuchtet sein Leben, seine Motive aus, und viele, viele klicken sich dieser Tage durch sein krankes, aber professionell layoutetes, in diesem Sinne also gut lesbares Manifest des Rassenhasses. Breivik ist wichtig geworden. Auch seine Selbstporträts als Kreuzritter von eigenen Gnaden haben sich ihren Platz in unserem Gedächtnis bereits erobert. Wie sollte man das auch vermeiden?"
(Ines Kappert, taz, 25.07.11)

Hat Breivik also das erreicht, was er wollte?
Tun wir ihm alle den Gefallen als seine Lautsprecher zu fungieren?
Ich meine, nein. Auch wenn zunächst alles danach aussieht.
Die Alternative NICHT über die Beweggründe so eines Scheusals zu berichten gibt es in einer pluralistischen Welt de facto nicht.
Die sogenannte „Aufarbeitung“ der Gedankenwelt des Massenmörders, läuft allerdings besser, als es zu befürchten war.

Da ist zuallererst die Tatsache, daß all die „Errorexperten“, die nur Minuten nach den ersten Meldungen aus Oslo schon Islamisten und muslimischen Terror als Sündenböcke ausgemacht hatten, einen ordentlich Schlag ins Kontor bekommen haben.

„Medien, TV-Sender wie Nachrichten-Websites, vertrauten gänzlich der eigenen - in diesem Fall aber trügerischen - Urteilsfähigkeit. Sie erklärten kurzerhand Islamisten zu den Tätern. Manche gingen unmittelbar zur Schuldzuweisung über. Die "Fuldaer Zeitung" beispielsweise kritisierte prompt die liberale Ausländerpolitik Norwegens: "Diesem feigen Terrorpack mit Großzügigkeit zu begegnen, hieße, ein Feuer mit Benzin löschen zu wollen." Nicht nur deutsche, auch andere westliche Medien vergalloppierten sich in dies Richtung. Die "Washington Post" schrieb auf ihrer Web-Seite: "Wir wissen nicht, ob al-Qaida unmittelbar verantwortlich war für die heutigen Ereignisse, aber in aller Wahrscheinlichkeit wurde der Angriff von einem Teil der dschihadistischen Hydra begangen."
(Spon 25.07.11)

Der Antiislamismus ist also (bevor der Name Breivik überhaupt bekannt wurde) schon einmal offenbar geworden.
Unsere westliche Hysterie wurde entlarvt.
Denn unter Islamistischen Anschlägen leiden viel mehr Menschen in überwiegend muslimischen Ländern, als „im Westen.“
Hasnain Kazim hält uns bei SPON den Spiegel vor; „Vorurteile machen blind“ erklärt er.

„Wenn wir den Kampf gegen den Terror gewinnen wollen, brauchen wir einen klaren Blick für die Gefahren. Vorschnelle Festlegungen, einseitige Verdächtigungen, verstellen aber die Sicht. Das ist die zweite Falle, in die wir nicht geraten dürfen. Eine Zahl von Europol sollte als Warnung dienen: Die EU hatte im vergangenen Jahr 249 Terroranschläge zu beklagen. Nur drei hatten einen islamistischen Hintergrund.“
(Spon 25.07.11)

Die zweite Frage ist, wie der Terroranschlag Norwegen und die westliche Welt verändert.
Die USA dienen hier als Negativbeispiel.

Am 12. September 2001 gehörte Amerika alle Solidarität der Welt. Sogar George W. Bush wurde mit Sympathie überschüttet. Man dachte, er mache erst einmal alles richtig.
Er besuchte sogar eine Moschee, um deutlich zu sagen, daß nicht „die Moslems“ für 9/11 verantwortlich waren.

Aber wie schnell kippte Amerika!
In beispiellosem Aktionismus trat die Regierung ihre demokratischen Spielregeln in die Tonne.
Setzte offiziell auf Folter, Urteile ohne Gerichtsprozesse und Rache.
Mit dem PATRIOT-Act wurden die Bürgerrechte ausgehebelt, der Militärhaushalt wurde gigantisch aufgeblasen.
Recht schnell ging die kriegerische Brutalität los gegen völlig unschuldige Afghanische Zivilisten und schließlich sogar ein ganzes Land, nämlich dem Irak, der keinerlei Verbindung zu Al Qaida hatte.
Fast die gesamte US-Presse gab gleich vorsorglich ihr Rückgrat ab und übernahm völlig unkritisch die größten Lügen und Absurditäten der kriminellen US-Regierung.
Es dauerte einige Jahre, bis die große und berühmte NYT zerknirscht ein Mea Culpa für ihr Versagen beim Irakkrieg abdruckte.
Da war das Kind aber schon im Brunnen.
Amerika hatte es geschafft sich vom Opfer, mit dem alle mitfühlten, zum unbeliebtesten Staat der Erde zu mausern.

Es sieht bisher so aus, als ob Norwegen nicht diese wahnsinnigen Fehler wiederholen wird.

Natürlich kann man das jetzt noch nicht beurteilen, aber die Stimmen „auf der Straße“ in Oslo sind wohltuend anders als vor zehn Jahren in Amerika.
Es herrscht Trauer, aber kein Geschrei nach Rache, keine Forderungen nach Veränderungen der Politik Norwegens.
Statt amerikanisch-martialischer Töne, geht ein Volk "mit Rosen gegen den Terror" vor.

Der Kronprinz sagte ziemlich richtig das, was auch schon der Ministerpräsident und viele andere Offizielle sinngemäß ausgedrückt hatten.

Kronprinz Haakon legte die sonst übliche royale Zurückhaltung komplett ab: "Nach dem 22. Juli gibt es keine Ausrede mehr für den Kampf um eine freie und offene Gesellschaft." Aber als Antwort auf Gewalt kam vom Prinzen gleich zweimal der Satz, der sonst bei offiziellen royalen Reden selten zu hören sein dürfte: "Heute sind unsere Straßen mit Liebe gefüllt."
[..] Der Prinz gab seinen Zuhörern mit auf den Weg, dass man die schrecklichen Morde nicht ungeschehen machen könne - "aber wir können wählen, was sie mit uns machen".
(SZ 25.07.2011)

Die Königsfamilie und die norwegische Regierung machen bisher einen guten Job.

Nicht so schlecht ist auch die deutsche Mainstreampresse.

Dem mea culpa über die zunächst beschuldigten Islamisten folgt nun eine breite Analyse von Schuld und Verantwortung. Der Tenor ist recht einheitlich der, daß man sich nicht darauf ausruhen dürfe Breivik für einen „einzelnen Irren“, einen Psychopathen zu halten.

Mit Breivik ist der SCHULDIGE zwar gefasst, aber das deckt noch lange nicht den viel größeren Kreis der Verantwortlichen ab.
Dafür ist sein perverses Manifest des Menschenhasses in der Tat eine gute Fundgrube.
Einige Linke klingen darüber schon wieder verzweifelt und pessimistisch:

Diese „neue Rechte“ hasst nicht nur Muslime, sie hasst auch Linke und Liberale, die in ihrem Jargon „Gutmenschen“ sind – ein Begriff, der auch von ihren Vorbildern Broder und Sarrazin gerne benutzt wird. Das 1.500 Seiten starke „Manifest“, mit dem der Terrorist Anders Behring Breivik seine Verbrechen erklären wollte, liest sich wie ein Potpourri aus Artikeln und Kommentaren rechtspopulistischer Blogs wie „Politically Incorrect“. Die Namen Geert Wilders, Theo van Gogh und Henryk M. Broder tauchen an jeweils mehr als einem Dutzend Stellen im Text auf. Unter der Überschrift „Die Vergewaltigung Europas“ bekommt Broder sogar ein ganzes Kapitel, in dem Breivik seiner Argumentation, dass die Westeuropäer sich lieber dem Islam unterwerfen würden, als gegen ihn zu kämpfen, als Mosaikstein in sein Hassgebilde einpasst.
(Jens Berger, Nachdenkseiten, 25.07.11)

Anders als Berger will ich aber ob dieser Ungeheuerlichkeiten nicht die Flinte ins Korn werfen.

Ja, sicher, wenn man unsere Chef-Populisten Merkel und Westerwelle heute im Gala-Dress bei den schon von Hitler so über alle Maßen geliebten Wagner-Festspielen aufmarschieren sieht, wird klar, daß man von diesen Schießbudenfiguren keine ernsthaften Anstrengungen gegen Rechtsradikalismus erwarten kann.

Die VERöffentlichte Meinung ist aber schon drei Schritte weiter.

Dass wir so entsetzt reagieren, hat ja nicht allein mit den vielen Toten zu tun. Sondern auch damit, dass jeder sehen kann, wie anschlussfähig Breiviks Wahnvorstellungen an eine salonfähig gewordene Islamophobie sind. Damit wären wir beim Kern: Breiviks Hetze gegen die Muslime, die angeblich die christliche Kultur zersetzten, ist der Brückenkopf, der seine abseitige Ideologie mit der Mitte der europäischen Gesellschaft verbindet. Und genau für diese Verbindung trägt die europäische Öffentlichkeit Verantwortung. Man muss unterscheiden zwischen dem Terroristen als Person und seinem propagierten Gedankengut. In Versatzstücken findet man es in den gängigen Abgesängen auf die Multikultigesellschaft ebenso wie in der Annahme, der reproduktionsfreudige Muslim schaffe Deutschland ab. Die bürgerliche Mitte adelte beide Diskussionen, oder sagen wir besser, beide Stränge des Ressentiments. Das wissen die meisten natürlich auch, und sei es nur unterschwellig. Daher versuchen sie sich jetzt mit der These vom Einzeltäter doch noch auf die Seite der Guten zu retten.
(Ines Kappert, taz, 25.07.11)

Jeder einigermaßen intelligente Internetuser kann sich nicht ernsthaft über Menschen mit dem kruden Hassweltbild Breiviks wundern.
Wir kennen all diese mordlüsternen Horroransichten, die von Kreuznet, PI, Altermedia und Co jede Minute verbreitet werden.
Wir wissen alle wie einfach es den bekannten rechten publizistischen Populisten (Broder, Baring, Sarrazin) und politischen Populisten (Wilders, van Gogh, Schill, Brunner, von Stahl, René Stadtkewitz, Fortuyn, Haider) gemacht wird ihr Süppchen zu kochen.
Nach Quoten lechzend laden die Wills und Illners diese Hetzer regelmäßig in ihre Talkshows, damit diese dort seelenruhig ihre Gülle ausbreiten können.

Es gibt jetzt jedoch eine leichte Hoffnung, daß nach der Erkenntnis welche Früchte Sarrazinsches Gedankengut trägt, mit mehr Zurückhaltung Podien für Aufhetzter ihres Schlages geschaffen werden.

Es darf dabei auch nicht vergessen werden, daß der Boden für rechte Hassideologen auch von Kirchenleuten geschürt werden, die in höchster Ehrerbietung mit „Eminenz“ und „Exzellenz“ angesprochen in ihrem royalen Rot im Kameraschein sitzen und von „Entartung“ (Kardinal Meisner), „gescheiterten Menschen“ (Kardinal Marx), "Sprungebreiter Aggressivität" (Ratzi) „Kinderholocaust“ (Bischof Müller) und „sündigen Menschen“ (Bischof Overbeck) sprechen, wenn sie gegen Schwule, Schwangere, Atehisten pöbeln.

Jedes Mal wenn sie das tun, wächst nämlich in den Breiviks dieser Welt die Erkenntnis, daß sie berechtigt, wenn nicht gar „verpflichtet“ wären gewaltsam gegen Minderheiten, Linke, Schwule, Atheisten, Muslime usw usf vorzugehen.

Und Ratzinger, der demnächst in allen Ehren von Frau Merkel und Herrn Wulff empfangen wird, streut noch das Salz in die Suppe, in dem er die revanchistische, deutschnationale Fraktion mit seiner Piusbrüder-Politik offensichtlich bestätigt.
Bis heute befinden sich die ultrarechten Antisemiten in den Armen des Papstes.
Bischof Williamson kann hetzen und den Holocaust leugnen so viel er will. Der Papst hat nicht etwa die Kontakte zu dem brauen Pack abgebrochen.
Nein, er hätschelt sie sogar mit seiner antisemitischen Karfreitagsfürbitte.

Nein, ich würde nicht so weit gehen, daß Mixa und Co Taten wie die von Utøya insgeheim befürworten.
Aber sie sollten intelligent genug sein, um zu wissen was sie mit ihrer fortlaufenden Hetze in einigen Köpfen anrichten.
Wenn sie aber intelligent genug sind, dann sind sie auch mitschuldig.

Einige rechte Foren haben weniger Skrupel.

„Abt. Schlimmer Finger: Gewalttätiger Anti-Sozialdemokratenprotest in Norwegen“ ist auf der Seite „Altermedia“ zu lesen, eines der populärsten Internetportale der rechtsextremen Szene in Deutschland. Was dann folgt, soll offenbar witzig sein. „Sozialdemokraten scheinen auch in Norwegen nicht beliebt zu sein, woran das nur liegen kann?“ 76 Jugendliche hat der Attentäter Andre Breivik auf der Insel Utøya erschossen. „Altermedia“ hat nur blanken Hohn für sie übrig. Die Opfer, so der Tenor des Blog-Eintrags, seien selber Schuld. Man müsse, schreibt der Verfasser weiter, dem Attentäter eine Handlung im Affekt zubilligen, „die angesichts der sozialdemokratischen Politik in Norwegen und Europa nachvollziehbar ist“. Die Freude der rechtsextremen Blogger über den Anschlag scheint deutlich durch.
[…] Ersten empörten Reaktionen der Netzgemeinde über dessen offene Verhöhnung der norwegischen Opfer begegnete der rechtsradikale Blog mit folgenden Worten: „Unseren hiesigen Sensibelchen jedoch, die sich gestern ob des angeblichen Zynismusses unserer ersten Betrachtung über den Osloer Anschlag empörten, möchten wir an dieser Stelle sagen, daß wir davon nicht einen Satz zurücknehmen.“ Die „Aktion“ in dem Jugendlager der Sozialdemokraten, so die Blogger weiter, betrachte man stattdessen „mit Gelassenheit und einem Lächeln im Mundwinkel“.
(M. Bewarder und C. Kensche 25.07.11)

Noch wichtiger als die klare Schuldzuweisung an Broder, Mixa, Müller, Sarrazin und Co ist es aber, daß endlich ein Licht auf die widerliche braune Brut im Internet geworfen wird.

Anders Behring Breiviks "Manifest" mag krude sein, es ist aber nicht kruder und aggressiver als das, was auf islamfeindlichen Internetseiten diskutiert wird. Vom virtuellen Kampf im weltweiten Netz zum echten Terror - das ist das beunruhigend Moderne, das sich im Massaker von Oslo offenbart. Deshalb muss man den Hasspredigern dort, im Internet, entgegentreten.
(Matthias Drobinski, SZ, 25.07.11)

Da hat Drobinski völlig Recht.
Viel zu viele Jahre konnte sich die christlich-fundamentalistische-neonazistzische-deutschnationale-misogyne-islamfeindliche-homophobe Pest von Hakenkreuznet und Co im Internet tummeln, ohne daß irgendwer in der Politik auch nur daran dachte etwas dagegen zu unternehmen.

Er [Breivik] war nicht alleine.
Über Jahre hat der Mann aus Norwegen dort mitgeredet, ohne aufzufallen, viele hundert Seiten aus der Begründung seines Kampfes sind geklaut, kopiert von anderen Autoren der anti-islamischen, nationalen, sich als Kreuzritter fühlenden Bloggerszene. Der Mann war ein Einzeltäter, ein Psychopath. Aber er war nicht alleine. Am Sonntag heißt es zum Beispiel im Forum der deutschen Anti-Islam-Seite "politically incorrect" (die sich natürlich von der Gewalt distanziert): "Das Manifest an sich liest sich ausgezeichnet" - mit den Morden aber habe Breivik "mehr Schaden angerichtet, als er sich vorstellen kann". Die Gemeinde ist erschrocken, nicht so sehr darüber, dass da einer virtuellen Hass zu konkreten Morden hat werden lassen, sondern darüber, dass man nun strategisch in der Defensive ist. Vom virtuellen Kampf im weltweiten Netz zum echten Terror, das ist das beunruhigend Moderne, das sich im Massaker von Oslo offenbart. Da hat einer über Jahre sich sein Weltbild aus Versatzstücken aus dem Internet zusammengebaut, es verfeinert, mit anderen diskutiert, als ginge es für oder gegen ein Tempolimit auf Autobahnen. Nach der Tat hat er das Netz als weltweites Propagandainstrument genutzt.

(Matthias Drobinski, SZ, 25.07.11)

Die Zeit der Unschuld ist jetzt aber vorbei.

In Zukunft kann kein politisch Verantwortlicher mehr sagen, er habe nicht gewußt was sich im Netz zusammen braut und welchen Input konservative Bischöfe und rechte Publizisten der gewalttätigen rechten Szene geben.

Viele große Presseerzeugnisse mit überregionaler Reichweite analysieren heute genau das.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Das Rennen ist wieder offen!

Es ist ein harter Titelkampf, um den die vier Favoriten wetteifern.

Wer ist der krasseste M-Bischof Deutschlands?

Schon lange als chancenlos gelten:

Der emeritierte Bischof von Görlitz, Rudolf Müller, 80.

Der Kölner Weihbischof Manfred Melzer, 67. Der aktive Polizeibischof ist bisher noch nicht durch Holocaust-verniedlichende oder scharf homophobe Kommentare aufgefallen und dürfte daher in der katholischen Hierarchie nicht weiter aufrücken.

Der emeritierte Bischof von Regensburg Manfred Müller, 84. Er engagierte sich zwar über Dekaden für katholische Schulen, aber da er keinen einzigen Pädophilenskandal landen konnte, wird auch er bald in Vergessenheit geraten.

Der augenblickliche Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, 60, ist schon seit dem Tod seines Vorgängers Hämmerle (1994) im Amt. Er kritisiert Sparbeschlüsse bei Arbeitslosen und den Libyeneinsatz der NATO. So macht man sich auch nicht im Vatikan beliebt.


Ein ganz anderes Kaliber sind da die karrieregeilen Haudraufs Mixa, Müller, Marx und Meisner, die alle schon durch zotige Vergleiche auffielen.
Meisner und Marx sind schon Kardinäle.
Ludwig Müller von Regensburg wird ziemlich sicher einer werden, wenn eins der nächsten großen Bistümer neu besetzt werden muß.
Nur Mixa, der prügelnde Alkoholiker, hat sich selbst ins Aus geschossen.

Dabei hatte er vom kruden Holocaustvergleich, über Veruntreuung von Geld bis hin zum beherzten Griff unter die Soutanen seiner Priesteramtskandidaten („Bleib hier - ich brauche deine Liebe!“) so ziemlich alles drauf, womit die allerhöchsten Kleriker des Vatikans glänzen.
Noch wichtiger ist natürlich sein hervorragender Draht zum Ratzinger, Joseph, der Mixa äußerst symbolträchtig als erste Amtshandlung seines Pontifikats zum Bischof von Augsburg beförderte.
Ihm fehlte allerdings etwas diplomatisches Geschick im Umgang mit seinen Kleidchen-Kollegen, die er offenbar hinter geschlossenen Türen auch gerne beleidigte und verarschte.
Am Ende liefen dann die Memmen Marx und Zollitsch zu Ratzi, um ausgerechnet seinen Lieblingsbischof zu verpetzen. Kinder zu missbrauchen, oder mit Nazi-Sprüchen um sich zu hauen, ist bekanntlich kein Karriere-Hindernis auf der klerikalen Aufstiegsleiter.
Wenn allerdings die geliebten Bischofs-Brüder anfangen die Sprossen abzusägen, wird es schwer - trotz papaler Protektion.

Ludwig Müller ist als der bekannteste Pädophilie-Vertuscher Deutschlands gut im Rennen.
Sein Aufstieg zum widerlichsten Bischof des deutschen Sprachraums, festigt er durch krude Nazivergleiche am laufenden Band.
Noch wichtiger ist allerdings, daß er im persönlichen Umgang ein extremer Unsympath zu sein scheint, daß er so ziemlich jeden Katholiken seines Bistums Regensburg schon bis aufs Blut gereizt hat.

Der Münchner Oberkatholik Marx hat es schon zum papabilen jüngsten Kardinal der Welt gebracht. Auf den Titel „krassester Bischof Deutschlands“ erhob er vor einem halben Jahr noch einmal eindrucksvoll Anspruch, als er zu den Kinderficker-Geschichten seiner Kirche zu vermelden hatte, dahinter stecke vermutlich eine Botschaft von Jesus.

Da wird er [Kardinal Marx - Tammox] gefragt, ob er denn persönliche Krisen kenne. Und es antwortet der Kirchenfürst - ich zitiere ausführlich und vollständig, damit es nicht heißt, das sei aus dem Zusammenhang gerissen: "Innere Kämpfe kenne ich seit der Studienzeit. Aber die letzten Monate waren die schlimmsten meines Lebens. Was wir da erlebt haben an Auseinandersetzung, auch an Entdeckung, was die Schuld der kirchlichen Institutionen angeht. Der entscheidende Punkt ist für mich: Was will Jesus uns damit sagen?"

Ja, Herr Bischof, was will Jesus uns wohl damit sagen? Aber vor allem: was in Dreiteufelsnamen soll denn daran der "entscheidende Punkt" dieses ungeheuerlichen Skandals sein? Später im Interview teilt uns der Oberhirte gar mit, er wisse "noch nicht genau" (also immerhin ungefähr), was Jesus denn wohl "mit alledem" vorhabe. Tja, was nur hat der Erlöser mit dieser Folter und Quälerei vorgehabt? Offenbar meint der Herr Kardinal tatsächlich, die massenhafte Vergewaltigung und Mißhandlung von Kindern durch katholische Priester sei ein kommunkativer Akt des verstorbenen Heilands. So als ob die klerikalen Kinderschänder auf höhere Weisung gehandelt hätten, sozusagen als Erfüllungsgehilfen einer himmlischen Macht, bloße Werkzeuge des Herrn. ("Wir haben nur Befehle befolgt" - schon früher beliebt...) Vergewaltigung als göttlicher Kollateralschaden, sozusagen. Meine Güte, wie durchgeknallt kann man denn sein!
(Michael Bauer 6. Dezember 2010)

Nur um Kardinal Meisner, den unbeliebtesten Kleriker Kölns war es zuletzt irgendwie ruhiger geworden.

Gewiss, er hat kürzlich David Berger die „missio canonica“ entzogen und sich damit einmal mehr zum Arsch der Öffentlichkeit gemacht, weil keiner versteht, weswegen ein beliebter Lehrer nicht mehr unterrichten darf, nur weil er schwul ist.

(Den eigentlichen Skandal zu verstehen, daß nämlich die Schule überhaupt katholischen Religionsunterricht bezahlt, aber einzig der Kardinal bestimmt, wer unterrichten darf, war schon wieder zu viel für den Urnenpöbel.)

Nun hat sich der Kölner Erzbischof aber wieder aufgerappelt und sich an seine Kernkompetenz erinnert: Perfide Nazi-Vergleiche.

Nach den bekannten Meisnerischen Sprüchen - „Homosexualität muss man AUSCHWITZen“ oder heutige Kunst sei „ENTARTET“ - haute er heute mal wieder einen echten Klopper raus.

Nachdem Kollege Marx in Merkels Reaktor-Ethik-Kommission sein Fachwissen als Nuklearphysiker und Technologiefolgenabschätzer einbrachte, will sich auch Meisner als Atom-Experte in Szene setzen.
Diese sei viel harmloser als Abtreibungen.

Statt aus der Kernkraft auszusteigen, solle Deutschland lieber gegen Abtreibungen und Pränataldiagnostik einschreiten, fordert Kardinal Meisner aus Köln. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat die Abtreibungspraxis in Deutschland scharf kritisiert. Es handele sich um den "täglichen, beschwiegenen Super-Gau", schrieb Meisner in einem Beitrag der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt". Wer um die Zukunft Deutschlands besorgt sei, solle sich mehr um dieses Thema kümmern als um die sogenannte Energiewende.
[…] " Durch Schwangerschaftsabbrüche dagegen würden jeden Tag mehr als zehn Klassenzimmer ausgelöscht.
(dpa/ks 29.06.11)

Da capo, Kardinal Meisner.

Sie sind zurück an der Spitze des Rennens.

Donnerstag, 7. April 2011

Fade away.

Die Pforte des ehemaligen Kapuzinerinnen-Klosters in Appenzell bleibt seit einigen Monaten geschlossen. Wegen Überalterung mussten die letzten fünf betagten Schwestern im Frühling ins Kloster Grimmenstein nach Walzenhausen ziehen. Die dortigen Kapuzinerinnen nahmen ihre Glaubensgenossinnen auf. Kaum besser geht es vielen andern Klöstern im Bistum St.Gallen.
(Tagblatt Online, 30. Juli 2008)

Solche und ähnliche Meldungen liest man in letzter Zeit oft.
Auch im Fernsehen habe ich schon zwei Reportagen über aussterbende Kapuzinerinnen-Klöster gelesen; in denen die jüngste Nonne über 80 war und man seit Dekaden keine Neueintritte zu verzeichnen hatte.

Wenn der Herrgott ruft - Bemühungen der Nonnen, Kloster Maria Opferung...
Noch zwölf Nonnen leben im Kloster Maria Opferung in Zug. Die jüngste ist 79, die älteste 98 Jahre alt. Sie besitzen neben dem Kloster viel Land an schönster Lage. Doch dieser Besitz wird nun zum Problem: Die Schwestern wollen nicht, dass ihr Kloster nach ihrem Tod umfunktioniert, das Land zerstückelt und damit spekuliert wird. Sie möchten es als spirituellen Ort erhalten, in der Gemeinschaft und in ihrem Kloster zusammenbleiben, bis sie sterben. Die Situation des Klosters Maria Opferung steht für viele in der gesamten westlichen Welt
(3Sat 30 Januar 2011)

In diesen Reportagen wird kräftig auf die Tränendrüsen gedrückt; man möchte beinahe selbst Nonne werden, weil diese Geronto-Gläubigen im Pinguin-Dress so traurig und mitleiderregend sind, wie sie und ihre teilweise über 1000 Jahre alten Klöster wegsterben.
Aber weswegen sollte man auch im Zeitalter von Hartz-IV noch ins Kloster gehen?
Die schiere materielle Not muß einen nicht mehr hinter die Mauern treiben.

Aber es wäre auch ein Wunder, wenn Klöster nicht eingehen würden.
Immerhin verwaisen schon geraume Zeit Pfarreien, weil die RKK es nicht schafft genügend Priesternachwuchs zu züchten.
Beim Fußvolk sieht es entsprechend aus - mit seiner Gläubigen-Vertreibungspolitik hat J.R. allein im Jahr 2010 die Kirchenaustrittszahlen in Deutschland um 40% raufgetrieben.

Die Missbrauchsaffäre in der katholischen Kirche hat im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Kirchenaustritte um fast 40 Prozent geführt. Nach Recherchen der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" verließen im Jahr 2010 rund 180.000 Katholiken ihre Kirche. Das sind gut 50.000 Austritte mehr als im Jahr 2009. Damals lag die Zahl bei 128.800.
(nachrichten.t-online.de 06.04.2011)

Das Klostersterben dürfte Oberkatholik Ratzinger allerdings auch mit einem lachenden Auge sehen.
Denn viele Westeuropäische Klöster sind sagenhaft reich, verfügen über riesige Ländereien und großartige pompöse Gebäude.
Jedes Mal, wenn die letzte Methusalem-Nonne den Löffel abgibt, fallen Millionenwerte dem Heiligen Stuhl zu.

Bei den Mönchsklöstern sieht die Situation der Katholischen Kirche genauso grausam aus.
Bis vor kurzen florierten zwar noch von Christlichen Brüdern geführte Elite-Lehranstalten wie das Kloster Ettal, aber seitdem man nun auch offiziell weiß, daß die Priore, Äbte und Hauslehrer nachts in die Schlafsäle pilgern um den Inhalt der Unterhosen der Jungs zu untersuchen, gibt es ein leichtes Imageproblem.

Bejammert wird auch das Ende der Benediktinerabtei Michaelsberg, die zum Erzbistum Köln gehört und nun nach 947 den Löffel abgeben wird.

Die Stadt Siegburg verliert ihr Wahrzeichen. Die Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg wird Mitte des nächsten Jahres aus wirtschaftlichen und personellen Gründen aufgelöst. Die Mönche werden dann fast 950 Jahre nach Klostergründung die Kreisstadt verlassen und in andere Klöster des Ordens umsiedeln.
[… ] Wie die Benediktiner mitteilten, hat der zwölfköpfige Konvent des Siegburger Klosters zum Abschluss der Visitation die Auflösung des Klosters mit Mehrheit in geheimer Abstimmung beschlossen. Pater Christian: "Wir haben entschieden, die rechtlichen Schritte einzuleiten, um das Kloster rechtzeitig schuldenfrei schließen zu können. Die finanziellen Defizite der vergangenen Jahre haben die Rücklagen des Klosters nahezu aufgezehrt. Auch die Suche nach personeller Unterstützung aus anderen Klöstern des Ordens blieb ergebnislos." Denn das Kloster hat nicht nur wirtschaftliche Probleme, auch um die Mönchsgemeinschaft stand es offenbar nicht zum Besten. Der jüngste Mönch ist 25, der älteste 89 Jahre alt.
(Klaus Elsen 09.11.2010)

Schon im Januar 2011 berichtete meine Lieblings Fundi-Webseite Hakenkreuz.net über das zukünftige Schicksal des Klosters:

Nach Angaben der Zeitung haben sich mehrere mögliche Investoren für Hotels oder Wellness-Anlagen gemeldet. Ein Sprecher der Erzdiözese Köln erklärte aber, daß eine kirchliche Nutzung des Gebäudes „nach wie vor oberste Priorität“ habe.
[…] Über der Abtei schwebt das Schicksal des Redemptoristen-Klosters in Hennef-Geistingen. Dort sind Eigentumswohnungen entstanden. Die denkmalgeschützte Klosterkirche soll eine Veranstaltungshalle für Firmenmessen und ähnliche Anlässe werden. Ein ähnliches Schicksal ereilte das einst berühmte Dominikanerkloster Walberberg in Bornheim. Es wurde vor zwei Jahren von der Firma ‘Summit Partners’ aus Köln für fünf Millionen Euro gekauft. Jetzt gibt es dort ein Restaurant, einen katholischern Kindergarten und Wohnungen für die Mitarbeiter eines Freizeitparks.
[…] Das Kloster der Dominikanerinnen von Neusatzeck mit 89 Zimmern im nördlichen Schwarzwald ist für 2,5 Millionen Euro zu haben. Zum Verkauf stehen auch das idyllische Kloster Maria Engelportder Hünfelder Oblaten in der Nähe der Verbandsgemeinde Treis-Karden Rheinland-Pfalz um 2.25 Millionen Euro oder das Kloster „Haus Sankt Josef“ in Sundern im Sauerland für 800.000 Euro.
(Hetznet 28.01.2011)

Inzwischen ist das Ende gekommen. Auch die exklusiven Drähte zum Herrgott von Hardcore-Kardinal Meisner haben nichts genützt.

Pest.net kennt natürlich die Ursache: Die lasche „Konzilskirche“ voller vom wahren katholischen Glauben abgefallener „alt-liberaler Bischöfe“ habe den Niedergang des Katholizismus zu verantworten:

Die reuelose Konzilskirche empfängt gerade den verdienten Lohn für ihr schändliches Treiben. Wann wird sie ihren Konzils-Triumphalismus ablegen und umkehren?
(kotz.net 07.04.11)

Fest steht jedenfalls schon, dass Joachim Kardinal Meisner am Sonntag, 19. Juni, ab 10.30 Uhr ein feierliches Pontifikalamt in der Abteikirche hält. Damit wird wohl der Schlusspunkt unter die 947 Jahre währende Geschichte der Benediktiner auf dem Siegburger Michaelsberg gesetzt.
(Bonner General-Anzeiger 07.04.11)

Nun kann und darf man Hakenkreuznet natürlich nicht ernst nehmen; aber es ist schon außerordentlich ärgerlich, wie Klöster in der normalen Presse konnotiert sind - nämlich in geradezu absurden Maße positiv.
Das Ende der Klöster wird grundsätzlich nur beweint und bedauert.
Ich habe noch keine einzige Stimme gelesen, die mal ein „Gott sei Dank“ ausspricht.
950 Jahre Religiotie, Engstirnigkeit und finanzielles Auspressen der Umgebung haben endlich ein Ende!

Guckt man in das GenWiki der Kreisstadt Siegburg, findet man einige interessante Hinweise darauf, welchen Einfluß das Kloster ganz konkret auf einige Menschenleben hatte:

1522.13. Sept.. Der Siegburger Abt erläßt eine Verfügung an die Stadtschützen von Siegburg, in welcher er für die Folge streng verbot, fahrendes Volk, welches mit Singen und Gaukelspiel viel Unrath und Perturbirung frommer Christenleute anrichte, zu den Schießspielen zuzulassen.

1523. In Siegburg wird in einer besonders berufenen Volksversammlung das Fluchen ausdrücklich verboten (Dr. J.W. Dornbusch: Leben und Treiben in einer alten Siegstadt im 15.,
16. und 17. Jahrhundert, Bonn 1876, S. 64).
[…]

1562. Siegburg. Auflösung des Sankt Annen-Klosters (Hammer: Wege in die Geschichte. Dornbusch schreibt:" Im Jahre 1563 liefen sämtliche Nonnen mit Ausnahme der Oberin aus dem genannten Ordenshause weg, und einzelne jüngere verheiratheten sich nachher auf den umliegenden Dörfern").
[…]

1565. März. Siegburg. Johann Schelten wird wegen Wiedertäuferei verurteilt mit seiner Familie und seinem Gesinde, "so dem Werk anhangig", vor Sonnenaufgang die Stadt zu verlassen, es sei denn, er erklärt schriftlich Reue u. Rückkehr zur rechten christlichen Religion (StA Sbg., A II/16, S. 104).

1573, Abt von Siegb. versucht die Ausweisung aller protestantischer Handwerker (hauptsächlich Lohgerber und Wollenweber) aus Siegburg innerhalb von 24 Stunden. Die Handwerker können jed. eine längere Frist erwirken, um ihr Hab und Gut wegzubringen und ihre Schulden und Außenstände begleichen zu können (Stefan Ehrenpreis: Wir sind mit blutigen Köpfen davongelaufen, S. 176).

[…] 1576 Abt Gottfried von Eyll weist alle protestantischen Bürger aus der Stadt.

[…] 1636.24. Juli. Der Siegburger Bürgermeister Wilh. Kortenbach u. der Wollweber Christian Lindtlar bezichtigen Kündtgen (Kunigunde) Meurer, die Frau eines Siegburger Bäckers, des Schadenzaubers (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte, S. 75).

1636. Sommer bis 1638, Sommer. Siegburger Hexenprozesse (40 Prozesse, von denen 37 mit einem Todesurteil endeten. Hexenkommissare: Franziskus Buirmann und Kaspar Lieblar) (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte, S. 75, Siegburg 1995).

1636. 9. Sept., in Siegburg. Verhaftung der Sibylla Vogelsang, Hermann Kellners Frau (richtig: Knütgen) wegen Hexerei.

1636.16. Sept., Dienstag, Kündtgen Meurer, Trein Leyendecker u. Maria Tücking werden in Siegburg am Brückberg als Hexen durch den Strang hingerichtet. Die Leichen werden anschließend verbrannt (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte).

1636.18. Sept., Donnerstag, Siegburg. Sibilla Vogelsang wird als Hexe zu Tode gefoltert und danach verbrannt.

1636. 5. und 12. Nov., Troisdorf. 10 Frauen erleiden als Hexen den Flammentod.

1637. Siegburg. Streitigkeiten zwischen dem Siegburger Abt und der Siegburger Töpferzunft wegen des Monopols, das gegen den Zunfteid und die Bestimmungen des Kurbuches verstieß.

1637.16. Sept., Dienst., Siegburg. Maria, Bernd Tückinghs Frau, als Hexe verbrannt (Gansen).

1637.26. Sept., Samst., Siegburg. Die als Hexe angeklagte Anna Huetmacher, verwitw. Dahmen, errichtet ihr Testament (Gansen).

1637.28. Sept., Montag, Siegburg. Anna Trommeschläger, Peter Huetmachers Frau, als Hexe erhängt (Gansen).

1637.28. Sept., Montag, Siegburg. Anna Huetmecher, verwitw. Dahmen, Mutter v. 8 Kindern, als Hexe hingerichtet (Gansen).

1637.28. Sept., Montag. Siegburg. Äntgen Trumps, Ludwig Haupts Ehefrau, als Hexe hingerichtet (Gansen).

1637.27. Nov., Siegburg. Verhaftung u. Verhör der Margaretha Kolf, weil sie "vergangener Nacht nicht bei ihrem Mann geschlafen hatte", was sie mit Krankheit (Fieber) entschuldigte, steht sie in Verdacht, an einem nächtlichen Tanzgelage auf einem Hexentanzplatz teilgenommen zu haben (Gansen).

1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung der Tringen, Witwe von Hch. Gammersbach, vorher verwitw. Wischersheim, Mutter von insges. 16 Kindern, als Hexe (Gansen).

1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung von Tringen Vasen, Vaß Beckers Frau, gebürtig aus Lindlar, als Hexe (Gansen).

1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung der Margaretha Kolf, Frau dess Gerichtsschreibers Koltzem, wegen Hexerei (Gansen).

1637. 5. Dez., Samstag, Siegburg. Hinrichtung Wilhelm Kremers, geboren in Honrath, als Zauberer oder Hexer (Gansen).

1637.12. Dez., Samstag, Siegburg. Hinrichtung der Antgen Beckersche, geboren in Düren, Hebamme, Witwe von Hans Nagelschmidt, Mutter von 11 Kindern, als Hexe (Gansen).

1637.14. Dez., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Frau Hüppelsheuser, geboren in Oberwinter, Ehefr. von Johann Hüppelsheuser, vorher verwitw. Wielpütz (genannt: Frauchen von Wintern), Calvinistin, als Hexe (Gansen).

1637.14. Dez., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Margaretha Langenberg, Adam Hillesheimers Frau, geb. zu Wipperfürth, 70 Jahre alt, Mutter v. 8 Kindern, wegen Hexerei (Gansen).

1637.19. Dez., Siegburg. Hinrichtung der Agnes, geboren in Bensberg, 40 Jahre alt, Ehefrau des am 5. Dez. hingerichteten Wilhelm Kremers (Hinken-Kremers), wegen Hexerei (Gansen).

1637.19. Dez., Siegburg. Hinrichtung der Margret Langenberg, Dietrich Wredes Ehefrau, geboren in Wipperfürth, 60 Jahre alt, Mutter von 7 Kindern aus 1. Ehe, von denen etlich an der Pest gestorben sind (Gansen)

1638.21 Jan., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Elß Schwarzendahl, Ehefrau v. Hans Dahmen: sie war 4 mal verheiratet u. hatte zusammen 8 Kinder von denen 7 an der Pest gestorben sind, wegen Hexerei (Gansen).

1638.22. Juli. Siegburg. Hinrichtung des Dieterich (Dederich) Knütgen, ungefähr 40 Jahre alt, wegen Hexerei (Gansen).

(wiki-de.genealogy.net/Siegburg)

Die Benediktiner selbst finde ich Geschichte „altehrwürdig!

In den Jahrhunderten ihrer Geschichte hat die altehrwürdige Abtei über der Sieg viel erlebt:
Blüte und Niedergang, Aufbau und Zerstörung, die Vertreibung der Mönche ebenso wie ihre Rückkehr… Benediktiner in Siegburg heute – das heißt zunächst einmal:
Klosterleben mitten in der Stadt verwirklichen!
Der baumbestandene Michaelsberg liegt im Zentrum der modernen Kreisstadt Siegburg.
40 Meter Höhenunterschied trennen Stadt und Abtei – und neun Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte verbinden sie. Unsere Mönchsgemeinschaft lebt wie die ersten Mönche auf dem Michaelsberg in der Tradition des Heiligen Benedikt, der seine Klosterregel im 6. Jahrhundert schrieb und durch sie zum Vater des Mönchtums in Europa wurde.
Das wichtigste Motiv der Benediktsregel ist die Suche nach Gott.
So soll unsere weithin sichtbare Abtei auf dem Berg über der Stadt eine Einladung an alle Suchenden sein. Klöster sind heute für viele Menschen Orte, an denen sie aufatmen und zur Besinnung kommen können.
(abtei-michaelsberg.de)

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Zeit für die Männer in den weißen Kitteln

Ist das ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom? ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)?
Ist im Kölner Dom das Ritalin ausgegangen?

Ich hatte doch den werten Kardinal Meisner gerade erst gestern mal wieder gewürdigt und nun haut der schon wieder einen raus! Donnerlittchen; Ratzis Top-Leute sind ihr Geld echt wert!

Dabei wollte ich heute dringend was zur deutschen Innenpolitik schreiben. Aber man kommt ja zu nichts mehr, so schnell wie die erratischen Irren auf den Kanzeln wieder neue Giftpfeile abschießen.

In David Bergers Buch „Der Heilige Schein“ wird ein Dozent eines Priesterseminars (in Zaitzkofen oder St Pölten) zitiert.

“Die Frommen, sind dumm und die Intelligenten leider nicht fromm“. So schade er es fände, aber da sei ihm die erste Variante lieber.

Scheinbar wird bei konservativen Geistlichen in ihrer Ausbildung systematisch dafür gesorgt, daß sie keinen Zugang zu Informationen bekommen und durch ein randvoll gefülltes Tagespensum vom Studieren abgehalten werden.
Denn je gebildeter und intelligenter die Alumen werden, desto mehr Fragen stellen sie und kritische Fragen sind kontraproduktiv für die Frömmigkeit.

Um es mal höflich und euphemistisch auszudrücken:

Joachim Kardinal Meisner ist sehr, sehr fromm.


Und diese Frömmigkeit ist völlig ungefährdet, da er mit keinerlei Wissen oder Empathie über das Leben und wissenschaftliche Zusammenhänge belastet ist.

Nun ist es an sich schon etwas fragwürdig ausgerechnet einen 77-Jährigen Junggesellen, der noch nie in seinem Leben Sex hatte und den lieben langen Tag in einem roten Kleidchen umher läuft, für einen kompetenten Berater in Sachen Familienplanung zu halten!
Aber nun hat dieser realitätsentrückte Kölner auch noch moderne medizinische Methoden bewertet.

"Die PID zieht immer Selektion und Tötung nach sich", sagte er in einem Gottesdienst am Dienstagabend im Kölner Dom. Wer PID zulasse, sage Nein zum Leben und Nein zu Gott. „Dieses Nein aber bedingt gleichsam lawinenartig eine weitere Lockerung des Lebensschutzes“, warnte Meisner. Der Mensch habe seine volle Würde, sobald eine Eizelle befruchtet werde, erläuterte Meisner. „Ab dem Moment ist nicht nur neues Leben vorhanden, das sich als Mensch entwickelt. Ab diesem Moment stehen wir vor einer neuen genetischen Identität, das heißt, einem einzigartigen neuen Ebenbild Gottes.“ Niemand habe das Recht, hier eine Auswahl zu treffen, betonte der Kardinal zum Fest der Unschuldigen Kinder, das die Kirche am 28. Dezember begeht. Es erinnert an den Befehl von König Herodes zur Zeit Christi Geburt, alle neugeborenen Jungen töten zu lassen.
Auch Herodes habe damals eine Selektion vorgenommen, sagte Meisner.
Das Evangelium spreche davon, dass er in Bethlehem und Umgebung alle Jungen bis zum Alter von zwei Jahren töten ließ, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Die Kriterien also seien gewesen: Ort, Alter, Geschlecht und Stand der Forschung. Die PID-Befürworter hätten „auch ihre Kriterien und sie machen sich auch den Stand der Forschung zunutze“
(Domradio 29.12.10)

Immerhin hat Meisner mit dem Rückgriff auf Herodes diesmal einen Nazi-Fettnapf ausgelassen, in die er sonst üblicherweise so gern hineintritt.

Vor einem Jahr beispielsweise verglich er Dawkins mit den Nazis.
"Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als 'Verpackung der allein wichtigen Gene', deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei."
(Spon 02.11.09)

Und andere Kulturen sind für den Hassprediger aus Köln „entartet“.
"....es sei eine "Pervertierung" des Menschen, wenn er seine "Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne-Gott oder gar zum Antigott wird, wie wir es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa in grausamster Weise erleben mussten".
[…] Der Kölner Kardinal hatte am Freitag in einer Predigt gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."
(Spon 18.09.07)

Und dem Mann bezahlen wir atheistischen Steuerbürger sein Gehalt (€12.500 pro Monat!)

Zur Erinnerung - bei der PID geht es nicht etwa um irgendwelche Vorgänge im Mutterleib oder um irgendwie lebensfähige Embryonen, sondern um befruchtete Eizellen im Reagenzglas.

Als Präimplantationsdiagnostik (PID) werden zytologische und molekulargenetische Untersuchungen bezeichnet, die dazu dienen, bei einem durch in-vitro-Fertilisation erzeugten Embryo bestimmte Erbkrankheiten und Besonderheiten der Chromosomen vor der Implantation zu erkennen, also bevor der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Zweck der Diagnose ist, eine Hilfe für die Entscheidung zu geben, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder nicht. (Wiki)

Tatsache ist, daß es jede Menge Personen gibt, die mit einem enorm hohen Risiko leben müssen, daß ihre Kinder schwere Erbkrankheiten haben, oder überhaupt nicht lebensfähig geboren würden und daher völlig auf Nachwuchs verzichten.
Mit Hilfe der PID können sie für ihren Nachwuchs eben diese Risiken ausschließend, bevor sie überhaupt schwanger werden.
Die PID ist also eine eindeutige „Pro-Kind-Methode“.

Außerdem ist es bekanntlich erlaubt bei „eugenischer Indikation“ (man spricht in Deutschland „politisch korrekt“ lieber von medizinischer Indikation) eine Schwangerschaft zu unterbrechen.

Was also in der sechsten, achten oder zwölften Schwangerschaftswoche möglich ist, wollen der Kardinal (und Merkel und Klöckner und Kauder…) lange Zeit vorher im Reagenzglas verbieten lassen.
Das ist in sich unlogisch.

Schlimmer finde ich aber die Anmaßung sich dafür überhaupt zuständig zu fühlen!
Meiner Ansicht nach obliegt es zu 100% der Besitzerin der Eizelle was mit dieser geschehen soll.

Wenn ernsthaft höchste Geistliche bestimmen wollen was eine Frau mit einer ihrer Eizellen im Reagenzglas zu tun oder zu lassen hat, sind wir geistig auf dem Niveau einer Teebeutlerin und Senatskandidatin aus Delware, Christine O’Donnell, die sich vehement gegen Masturbation einsetzt.

Die Sünde des Onans! Man darf nämlich keine seiner von Gott gegebenen Fortpflanzungszellen „verschwenden“ - wobei Verschwendung alles ist, bei dem kein Kind gezeugt wird.

Wir Männer stehen dabei allerdings vor extremen Problemen, da üblicherweise unsere Samenzellen durch Ejakulation zu Tage gefördert werden und dabei fällt das Dosieren so fürchterlich schwer.
Hat schon mal jemand eine einzelne Samenzelle ejakuliert?
Oder umgekehrt gefragt; hat schon mal ein Mann bei einem herkömmlichen Geschlechtsverkehr (Missionarsstellung, unterm Kruzifix, vorher und nachher beten, Licht aus, Socken an, gregorianische Choräle als Hintergrundmusik und KEINE WOLLUST dabei empfinden) 20 bis 150 Millionen Nachkommen gezeugt?

Lieber Herr Kardinal, liebe Frau O’Donnell, ich sehe da ein paar technische Probleme, wenn wirklich keine einzige Fortpflanzungszelle verloren gehen darf!
Und für das monogame Modell sehe ich dann auch schwarz - und zwar dunkelschwarz!

Zum Schluß noch der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer:

"Ein Mann, der so argumentiert, sollte sich aus dem Amt zurückziehen", sagte dazu Schorlemmer. Zugleich warf er Meisner Herzensverhärtung und "theologische Demenz" vor. Der biblische Kindermord von Herodes sei ein Genozid an gesunden Kindern, ein Vergleich mit der PID sei daher "geradezu absurd". Meisner diffamiere die Befürworter der PID "auf üble Weise".
(RP-online.de)

Dienstag, 21. September 2010

Wie Scheiße am Schuh - Teil II

Deswegen hasse ich Hunde!
Nicht, weil sie Hunde sind, oder mir grundsätzlich Vierbeiner missfielen, nein - sie sind aber oft nicht Innenstadt-kompatibel.
Natürlich haben die Besitzer in der Regel auch keine Lust mit den Hunden spazieren zu gehen, sondern lassen sie nur einmal am Tag kurz vor die Tür, wo sie dann schnell zwischen die Autos scheißen.
Passt man einen Moment nicht wie ein „Schießhund“ auf, ist man hineingetreten und hat die Kacke schon auf das Gaspedal geschmiert, wenn die olfaktorische Attacke die Nasenschleimhaut erreicht.

Ähnlich wie mit Hundescheiße am Schuh geht es mir mit dem Rheinischem Merkur - dem stramm rechten Wochenblatt, welches (noch) im Besitz einiger katholischer Bistümer ist.
Das reichste Bistum des Planeten; Kardinal Meisners Reich rund um den Kölner Dom, ist der Haupteigentümer des kirchentreuen Blattes.

Von 1993 bis 2002 war ich Abonnent der wirklich hervorragenden Wochenzeitschrift „Die Woche“, jenem Baby Manfred Bissingers, welches in der Ganske-Verlagsgruppe erschien.

DIE WOCHE war ein meinungsfreudiges links-liberales Blatt, das immer wieder mit neuen Geschichten Schlagzeilen machte.
Im März 2002 zog aber Thomas Ganske urplötzlich den finanziellen Stecker und verscherbelte seine 35.000 Abonnenten an den „Rheinischen Merkur“.

Na - DAS war eine Freude, als ich eines schönen Donnerstagmorgens statt der WOCHE den RM hier vor der Tür liegen hatte. Das Bischofssprachrohr bin ich auch gar nicht so schnell wieder losgeworden, obwohl ich natürlich SOFORT an den RM geschrieben hatte, sie mögen mir das Blatt nie mehr liefern - schon allein deshalb, weil es mir einfach viel zu peinlich vor den Nachbarn sei, so ein Katholiken-PR-Blatt zu beziehen.
Das sehe doch schließlich jeder, da meine Zeitungen immer auf die Fußmatte gelegt würden.

Daß ich jemals Abonnent des „Rheinischen Merkurs“ sein würde!

Der RM bezieht Positionen, die weit rechts der politischen Mitte angesiedelt sind.
Nun befürworte ich immer und ausdrücklich eine pluralistische Informationsversorgung, aber wenn die Artikel so plump und vorhersehbar die Meinung der konservativen Bischöfe widerspiegeln, wie es Meisners Hauspostille tut, ist die Qual beim Lesen einfach unverhältnismäßig groß gegenüber dem geringen Erkenntnisgewinn.

Scheidungen, Schwule, berufstätige Frauen, Kondome, Linke, Grüne, SPD, Abtreibung und das Rütteln am Zölibat sind aus RM-Sicht alle gleichermaßen zu verdammen.

Die katholischen Redakteure fressen durchaus mal Kreide, während sie politische Leitartikel verfassen, aber inhaltlich bleibt die Grundhaltung deutlich rechts von der CDU nie verborgen.

Ein Beispiel aus der aktuellen Ausgabe:

Aufgabe einer konservativen Partei ist es nicht, Zeit und Zeitgeist eilfertig vorauszulaufen, sondern immer wieder behutsamen Widerstand entgegenzusetzen. Dies würde sich etwa darin äußern, auf die Provokationen eines Thilo Sarrazin mit grundsätzlichem Nachdenken über Meinungsfreiheit und Integrationsversäumnisse zu antworten; nicht aber, dessen Kopf in einem Moment zu fordern, da das Buch noch gar nicht auf dem Markt ist.
Doch eben jenen Widerspruch auch gegen die Political Correctness wagt die CDU schon lange nicht mehr. Angela Merkel hat die Partei pragmatisch hin zur Mitte ausgerichtet, dabei aber übersehen, dass sich der politische Gegner dort längst tummelt.
An konservativer Grundhaltung lässt es die CDU vor allem in der Familienpolitik fehlen, die sich kaum mehr von der der SPD und den Grünen unterscheidet. Ein klares Bekenntnis zur Ehe kommt nur wenigen CDU-Spitzenpolitikern über die Lippen. Dabei hätte es nach diversen jüngeren Entscheidungen Karlsruhes zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften etwa im Erbrecht viele Gelegenheiten gegeben. Und die unter dem Aspekt des Kindeswohls richtige Beschlusslage von CDU und CSU, den Erziehungseinsatz von Müttern zu Hause finanziell zu würdigen und nicht nur Milliarden in den Krippenausbau zu stecken, wird nicht einmal von der eigenen Familienministerin offensiv vertreten.
Für konservative Wähler ebenso befremdlich ist der Umgang der Partei mit dem „C“.
[…] (M. Gierth. Rheinischer Merkur Nr. 37, 16.09.2010)

Eins muß man Gierth lassen - seine Meinung hat Seltenheitswert.
Er spricht sich also ausdrücklich PRO Herdprämie aus; jenes politische Instrument, das von nahezu allen Experten und Politikern als außerordentlich kontraproduktiv und bildungsfeindlich verdammt wird.
Damit werden prekäre Familien geradezu gezwungen bei ihren Kindern auf frühkindliche Bildung zu verzichten und schon frühzeitig den Weg in eine Hartz-IV-Existenz zu ebnen.

Es braucht eine gehörige Portion ideologischer Verblendung ernsthaft für so eine katastrophale Politik einzutreten.

Die katholischen Bischöfe haben sich so weit von Grundkonsens Deutschlands verabschiedet, daß ihnen der RM immer noch zu liberal ist.

Insbesondere der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte sich immer wieder über die Berichterstattung des "Merkur" geärgert. Es heißt, Meisner habe nicht persönlich, sondern gelegentlich einen Gefolgsmann in der Redaktion anrufen lassen, um seine Kritik anzubringen. Es begann schon vor Jahren, als der Konflikt um die Schwangerschaftsberatung in der Kirche tobte und das Blatt nicht einfach Meisners fundamentalistischen Kurs des Ausstiegs aus der staatlichen Beratung verteidigte, sondern darüber kritisch berichtete. Meisner und etlichen anderen erzkonservativen Bischöfen passte vieles nicht an der von ihnen so hoch subventionierten Zeitung: wie die evangelische Bischöfin Margot Käßmann darin auftauchte, wie das Thema Ökumene stattfand oder dass selbst der Papst mitunter nicht gut weg kam, etwa bei dem Konflikt um die Piusbrüder und den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson. Zuletzt gingen den erzkonservativen Bischöfen die Berichte über sexuelle Missbrauchsfälle auf die Nerven, der Umgang mit dem Fall Walter Mixa und dass der "Merkur" dem von ihn ungeliebten Berliner Canisius-Direktor, dem Jesuitenpater Klaus Mertes, sehr viel Platz widmete. Doch der langjährige Generalvikar des Erzbistums Köln, Norbert Feldhoff, hielt bis zu seinem Abgang 2004 die schützende Hand über das Blatt - weil er Meisners inhaltliche Kritik nicht teilte.
(Peter Wensierski 20.09.10)

Bischofskonferenz goes Hakenkreuznet. Natürlich sehen es die rechtsradikalen antisemitischen Holocaust-leugnenden, misogynen und homophoben Kreuznetler ebenso - der RM wäre zu links:

In den kirchenpolitischen Positionen orientiert sich das Blatt eher an den umstrittenen Positionen der Deutschen Bischofskonferenz als an den Positionen der Kirche.
[…] Naiv kroch der ‘Merkur’ auch jeder antikirchlichen Kampagne der Medienbosse auf den Leim.
Bei der deutschen Holocaust-Hysterie um den britischen Märtyrerbischof Richard Williamson schrie es mit den antikirchlichen Wölfen.
Beim Mißbrauchs-Hoax gegen die Kirche ließ sie immer wieder den dümmlichen Direktor des Berliner Canisius-Colleges, Zivilpater Klaus Mertes, zu Wort kommen.
(Kotz.net 20.09.10)

[Erklärung: Für Kreuznet ist die Bischofskoferenz ebenfalls weit LINKS von der "wahren Kirche"]


Ob zu sehr oder zu wenig konservativ sei dahingestellt.
Tatsache ist, daß dem RM die Leser schreiend weglaufen.
1946 in Koblenz mit einer Auflage von 220.000 Exemplaren gestartet, haben die Bischöfe das kirchentreue Blatt inzwischen auf 12.900 Abonnenten abgewirtschaftet und müssen jährlich mindestens drei Millionen Euro aus den Kirchenkassen zuschießen.

Offenbar misslang der Plan die WOCHE-Abonnenten einfach zu übernehmen ganz gewaltig.
Nicht nur ich habe offenbar wutentbrannt mein Abo aufgelöst; von den weiteren 34.999 Ex-Woche-Abonnenten können auch nicht viele geblieben sein, wenn es jetzt noch insgesamt knapp 13.000 RM-Bezieher gibt.

Ein paar Milliönchen für zweckfreie Prestigeobjekte zu erübrigen, ist für die RKK eigentlich kein Problem.
Die fünf Deutschen Katholischen Banken machen gute Geschäfte mit Rüstungsaktien.

Der Chef der Vatikanbank IOR, Ettore Gotti Tedeschi,verlor heute 23 Millionen Euro, die er illegal gewaschen hatte.
Die Italienische Staatsanwaltschaft beschlagnahme das Geld und ermittelt nun gegen Benedikts Bank - wahrlich nicht das erste mal. Die IOR ist ein mehr oder weniger rechtsfreies schwarzes Loch, in dem Mafiagelder und dubiose Spekulationsgewinne gewaschen werden. So kann sie für den Heiligen Stuhl als immerwährende Geldquelle sprudeln.

Die Millionen der Nonnenikone „Mutter Teresa“ sind übrigens ebenso in der Vatikanbank versickert - und nicht etwa an die Armen in Kalkutta gegangen.

Geld genug, um sich eine bizarre Zeitung zu leisten, hat die RKK allemal.
Aber den Ultrakonservativen in den Diözesen passt die ganze Richtung nicht und so wurde heute bekannt, das chronisch defizitäre Pleiteblatt wird an die Hamburger „ZEIT“ verkauft, wo es abgemagert als gelegentliche Beilage „Christ und Welt“ erscheinen wird.
Was aber will die Hamburger Qualitätswochenzeitung mit dem Blatt?

Immerhin hatte Chefredakteur die Lorenzo erst dieses Jahr die neue Rubrik „Glauben und Zweifeln“ gestartet.

Der Grund dürfte wieder einmal der Abonnentenstamm sein: in der ZEIT hofft man, daß einige bleiben werden.
Die Zahl der Abonnenten bestimmt die Anzeigenpreise und ist daher extrem wichtig.
Da ich schon seit meiner Teenagerzeit ebenfalls Abonnent der „ZEIT“ bin, werde ich nun das zweite mal zum Zwangsabonnenten des RM.

Das Ding klebt wie Scheiße am Schuh.

Sonntag, 31. Januar 2010

Sympathien

Nein, ein Alles-Umarmer ist der Kölner Kardinal Meisner nicht.
Neben den usual suspects - Scheidung, Schwangerschaftsunterbrechung, Frauen in Männerberufen, Kitas, Schwulen, Muslime, Atheisten, Protestanten, Richard Dawkins, Grüne, Jürgen Becker, Lesben, Patientenverfügungen, Masturbation, etc - hasst der Rechtsaußen des Deutschen Episkopats überhaupt fast alles, das ihm modern erscheint.

Legendär seine kunstkritischen Anmerkungen zum von Gerhard Richter entworfenen Fenster im Kölner Dom und dem Kölner Kunstmuseum Kolumba, die er flugs zur „entarteten Kunst“ erklärte.

"Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."

Was sich nicht der bedingungslosen Gottesverehrung unterwirft, beurteilt Meisner gleich mal mit NS-Vokabular.

Ich bin der Geist, der stets verneint! // Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, // Ist wert, daß es zugrunde geht; // Drum besser wär's, daß nichts entstünde. // So ist denn alles, was ihr Sünde, // Zerstörung, kurz das Böse nennt, // Mein eigentliches Element.
(Faust I. Erster Teil, Studierzimmer.)

Unser Kölner Hobby-Mephisto macht allerdings auch gelegentlich Ausnahmen und verkündet überschwängliche Sympathien.

Er „liebt“ Joseph Ratzinger („Kondome verschlimmern das AIDS-Problem.“) und unterstützt den faschistophilen Opus Dei („Schmerz ist heilig und der Schmerz adelt“).

Die ganz besondere Vorliebe des Jesusfreaks („Du sollst nicht töten“) gilt allerdings dem Militär.
Kritik an Waffengewalt und der Sinnhaftigkeit des Afghanistan-Einsatzes, wie sie seine protestantische Kollegin Bizarra Käßmann formuliert, käme ihm nie über die Lippen.

So lud der misogyne Meisner am 21. Januar 2010 zum »33. Internationalen Soldatengottesdienst« in seinen Dom.

Das Waffensegnen ist schließlich eine der ältesten Christlichen Traditionen.

„Deus lo vult“ hieß es bei den meisten Kriegen.
Auf den Hakenkreuz-Gürtelschnallen der deutschen Wehrmacht prangte ein „Gott mit uns“.

Der seinerzeitige US-Verteidigungsminister Dick Cheney fand es im Golfkrieg 1991 angemessen die US-Marschflugkörper, die Hundertausende von Zivilisten im Irak töteten, mit einem „With Love - Dick!“ zu signieren.

Der Kölner Hassprediger sieht das ganz genauso und spendet den Soldaten seinen Segen.

1996 sprach Meisner die Soldaten mit dem Satz »In betenden Händen ist die Waffe vor Missbrauch sicher« von jeglichem Skrupel frei.

Da können die 20 Millionen russischen Toten, die im Zweiten Weltkrieg von den zu 96% Christlichen Deutschen Wehrmachtssoldaten umgebracht wurden, ja noch a posteriori zufrieden sein!

2009 verkündete der Kölner Kardinal beim Soldatengottesdienst:

»Einem gottlobenden Soldaten kann man guten Gewissens die Verantwortung über Leben und Tod anderer übertragen, weil sie bei ihm gleichsam von der Heiligkeit Gottes abgesegnet sind«

Die Allianz zwischen Militär und Katholischer Kirche blüht und gedeiht.

Zum diesjährigen Pontifikalamt mit Erzbischof Joachim Kardinal Meisner erschienen zahlreiche Spitzen der deutschen Politik.
Supergutti wurde von seiner Ehefrau Stephanie zu Guttenberg - einer geborenen „von Bismarck“ vertreten.

Den Worten des waffenfreundlichen Kardinals lauschten unter anderem aber auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, Staatssekretär Rüdiger Wolf und der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde.

Die BILD - Frau Guttenberg betet für unsere Soldaten - ist begeistert und schreibt:

Ernst und ergriffen lauschte Stephanie zu Guttenberg den Worten von Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.
Zu BILD sagte sie: „Mein Mann konnte wegen der Haushaltswoche nicht aus Berlin weg. Ich bin gekommen, weil es mir sehr viel bedeutet, dass wenigstens ein Mitglied unserer Familie bei diesem wichtigen Gottesdienst dabei ist.“