TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Donnerstag, 14. August 2008

Die gute Idee.

Jeder von uns begegnet tagtäglich der Amts- und Bürokratensprache, die ganz offensichtlich den Zweck erfüllt maximal wichtig zu klingen bei gleichzeitig garantierter höchstmöglicher Unverständlichkeit.
Hier geht es offenbar um ein Stück Daseinsberechtigung von Amtspersonen - klänge ihr Deutsch klar und verständlich, wäre es wohl zu profan.
Kürzlich hatte ich ein Problem mit dem KFZ-Schein.
Die Stichwortsuche bei den Landesbetrieben Verkehr (LBV) ergibt aber gar keine Treffer mehr.
Offensichtlich hat sich das Wort KFZ-Schein inzwischen so weit verfestigt, daß jeder ihn von einem KFZ-Brief unterschieden kann.
Also mußte sich die Behörde dringend wieder neue Unklarheiten einfallen lassen.
Statt eines Fahrzeugscheins mußte ich also ein Formblatt zur Verlusterklärung der Zulassungsbescheinigung Teil I („erhalten Sie in der Zulassungsstelle“) beantragen.
Vermutlich ist der Sinn dieser Verwirrung der, daß die Antragssteller möglichst schikaniert und ferngehalten werden.
Allerdings haben die Damen und Herren der LBV mit Zitronen gehandelt, denn irgendwann braucht ja doch jeder diesen Schein - egal wie er nun heißt.
Eigenartig.
Dieser Tage sieht man eine Menge Berichte über den zwanzigsten Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas.
Wie ich finde, tatsächlich eine irre Geschichte, die viele unfreiwillige Einblicke in das deutsche Wesen erlaubt.
Ich kann mich nicht erinnern jemals in Deutschland von so eklatantem Versagen der Polizei gehört zu haben - wie in einem schlechten Sketch debakulierten die Provinz-Schutzmänner von einem Fettnapf in den Nächsten.
Dummerweise starben dabei einige Unschuldige.
Kommentare abzugeben, ist keine angenehme Aufgabe für die Einsatzleiter von damals - in diesem Fall ist die behördensprachliche Ausdrucksweise natürlich ein guter Schutzschild.
Da klingt es dann nicht mehr ganz so schlimm.
Lassen wir also der Polizei ihr Rotwelsch, wenn es darum geht a posteriori ihre Gaga-Aktionen zu rechtfertigen.

Wird man hingegen als Ottonormalbürger mit simplen behördlichen Anliegen konfrontiert, wäre es hingegen nicht allzu abwegig, wenn man verstünde was von einem gewollt ist.
Darum bemühen sich Germanisten mit dem Projekt Idema; gestartet an der Universität Bochum als Versuch zur Entbürokratisierung der deutschen Sprache.
Die Sprachwissenschaftler haben alle Verwaltungsbehörden im Visier:
Sie senden uns Ihre Schreiben; wir überarbeiten sie so, dass sie verständlicher werden. Auf Wunsch stimmen wir jede einzelne Formulierung genau mit Ihnen ab - so lange, bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.
Immerhin haben sich 22 von 700 angeschriebenen Ämtern zur Mitarbeit an Idema erklärt.
(Die Hamburger LBV offenbar noch nicht….)
Zunächst einmal wird dann versucht einige hippopotomosterosesquipedalophile Worte auszumerzen; wie zum Beispiel "Restmüllbehältervolumenminderung".
Selbst die Wissenschaftler des Projekts, wie Frau Blaha, sind aber manchmal überfordert:
Erst neulich wieder musste ich ein Schreiben übersetzen, in dem eine Versickerungsgrube "tagwasserdicht" abgedeckt werden musste. Ich wusste beim besten Willen nicht, was damit gemeint sein sollte. Also habe ich den Beamten angerufen. Er wusste es selbst nicht.

Andere behördliche Ausdrucksformen wurden aber inzwischen entschlüsselt:
RAUHFUTTERVERZEHRENDE GROSSVIEHEINHEIT = Kuh

FERNMÜNDLICH = telefonisch

BEDARFSGESTEUERTE FUSSGÄNGERFURT = Fußgängerampel

RAUMÜBERGREIFENDES GROSSGRÜN = Baum

KINDSMUTTER = Mutter

LAUTRAUM = Disko

Etc.
Idema baut anschließend auch ganze Sätze um und schlägt die Änderungen den Behörden vor:
So besser nicht:
Die Abfallberatung der XY GmbH hat Sie mit Schreiben vom ((Datum)) auf diesen Missstand aufmerksam gemacht und hat Sie gebeten, das Restmüllbehältervolumen entsprechend der Menge des tatsächlich regelmäßig anfallenden Abfalls von bisher X l auf X l Gesamtvolumen zu erhöhen.
Eher so:
Die Abfallberatung der XY GmbH hat Sie deshalb gebeten, größere/zusätzliche Restmüllbehälter zu bestellen (Schreiben vom ...).
So besser nicht:
Das Amtsgericht XY hat mich als zuständige Betreuungsbehörde zu einer erneuten Stellungnahme in Ihrer Betreuungssache aufgefordert.
Eher so:
Ich bin für Ihre Betreuung zuständig. Das Amtsgericht XY hat mich jetzt aufgefordert, zu Ihrer Angelegenheit erneut Stellung zu nehmen.
Falls das Gesundheitsministerium jemals auf die Idee verfallen sollte, die 600 Seiten Gesetzestext und 250 Seiten Änderungsvorschläge zur letzten Gesundheitsreform mit den Großneologismen wie „Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich“ einzureichen, dürften die Germanisten der Uni Bochum bis ins Jahr 3008 beschäftigt sein.

Mittwoch, 13. August 2008

Leben mit Natur

Wenn es die Grünen nicht gäbe und inzwischen rund um mich herum alles hübsch zubetoniert wäre, hätte ich das folgende Problem nicht:
Nach den mehrmaligen Eichorn-Attacken, die durch das Fliegennetz angriffen, hat sich kürzlich EINE RATTE (!) durch den Lüftungsschacht in meinem Badezimmer gebissen!
Es tat einen großen Krach und dieses kleine Gitter an der Decke rummste runter, bzw hing aber so ca 10 cm unter der Decke noch an einer Srippe fest.
ZUFÄLLIG war ich gerade genau vorm Bad und sah noch einen Rattenfuß am Rand.
Was tut man da bloß?
Da ich meinen Flammenwerfer und Morgenstern gerade nicht zur Hand hatte, erinnerte ich mich instinktiv daran, wie sich Taucher gegenüber angreifenden Haien verhalten sollen und BRÜLLTE den Eindringling an.
Als zweite Verteidigungsmaßnahme, ging ich zum Gegenangriff über, holte einen Hammer und bollerte von meiner Seite ebenfalls an die Decke- in der Hoffnung das Vieh zu vertreiben.
Dieses Gitter ist aber so gründlich da raus gefressen, daß ich es nicht wieder zurück schlagen konnte. 25 krumme Nägel sollten mir die Felltorpedos vom Leib halten - aber hauptsächlich kam mir nur der Putz entgegen gebröselt. Und massenhaft DRECK, der in diesem Schacht lagert.
Ist vielleicht das Rattenklo. Lecker.
Ich müßte mal dringend den Hausmeister anrufen - aber der hat ja nur von 9.00 bis 9.30 Telephonsprechstunde - viel zu früh.

Zwei Tage später hatte ich den Hausmeister immer noch nicht angerufen - aber Rumburak, die Ratte wird immer dreister, wirft Dreck in meine Badewanne. Rumburak hat nämlich schon wieder das Gitter fast rausgerissen - außerdem hat er mich geweckt, indem er vormittags in einer Tour direkt über meine Birne hin und her raste. Der hat sie ja wohl nicht alle.
Zwischenzeitlich habe ich mir eingebildet, daß er vielleicht gar keine Ratte ist.
Klingt irgendwie groß und ich habe ja nur die Fußspitzen gesehen.
Vielleicht ist er auch ein Eichorn, oder ein Wiesel, oder ein Iltis oder ein Frettchen.
Oder ein BÄR?
Ist zwar eine einerseits beruhigende Vorstellung, weil das irgendwie weniger aggressiv klingt - aber andererseits will ich überhaupt keine Damen und Herren aus der Marder-Familie im Bad haben.
Die kommen ja nicht mehr raus, wenn sie erst mal durch die Decke gefallen sind.
Wer weiß wie groß deren Familien sind?
Ich VERMUTE, daß Rächer Rumburak mir nur die Nacht davor heimzahlen wollte - da habe ich nämlich einige Räucherstäbchen ins Badezimmer gestellt und schnell von außen abgeschlossen - in der Hoffnung, daß ihn das vertreibt oder betäubt.
Sind Ratten da so wie Bienen?
Aber dann habe ich Angst bekommen, daß jemand über mir die Feuerwehr holt, wenn die stinkig-parfümierten Rauchschwaden durch das Klo kriechen.
Also mußte ich hustend in das Qualmbad und die Dinger löschen.
Jetzt fühle ich mich wie in den 70ern in einer Sannyasin-Bude. Ommmmmm.
Erst einmal habe ich weitere lange Nägel an dem Gitter krummgehauen, bis ich den halben Putz der Decke in den Augen hatte. Boh - da kommt ein DRECK raus!
Vielleicht ist Rumburak ja auch einfach in den Schacht gefallen - könnte insbesondere sein, wenn er tatsächlich ein Eichhorn ist - die klettern ja andauernd die Regenrinnen rauf bis zum Dach und sitzen zwischendurch tumb vor Balkontüren randalierend hier rum.
Dann kommt er einfach nicht mehr raus und muß verhungern.
WAS suboptimal wäre - ausgerechnet in MEINEM Frischluftschacht will ich keine verwesenden Tierkadaver haben.
Ein Kammerjäger kriegt da wohl ein Problem - wie sollen die bloß an den Ekelschacht voller Tierscheiße, Asseln und schwarzer Witwen rankommen???
Vermutlich ja wohl DURCH MEINE WOHNUNG. Ich bin dagegen!
Scheiß Natur - Tiere raus!

Inzwischen habe ich doch den Hausmeister angerufen. Er vertritt auch die Theorie, daß Rumburak ein Eichhorn ist - die kommen eher von oben, während Ratten den Weg „von unten“ durch Wasserleitungen bevorzugen.
Was ja auch irgendwie eine unsexy Vorstellung ist, daß man gemütlich auf dem Klo hockt und dann beißt einem eine Ratte in den Sack. Besser gar nicht dran denken.
Ich vertraue mal der Theorie; immerhin hat Rumburak wirklich rabiat von innen auf diesem Lüftungsgitter rumgetrampelt. Genau wie sein Kollege letztes Jahr, der berserkend in meinem Fliegengitter hing.
Sind Ratten nicht eher vorsichtiger und von der Schnüffelfraktion?
Außerdem ist Rumburak tagaktiv. Ratten assoziiere ich eher mit Vampiren, die kommen doch auch erst Nachts hervor gekrochen.
Bald kommt eine Schädlingsbekämpfungsfirma, die dann von meinem Bad aus in diesen Lüftungsschacht vordringen und versuchen werden den Übertäter dingfest zu machen.
Wie ÄTZEND - denn schon jetzt rieselt ja andauernd Drecks aus Insektenkadavern und was weiß ich raus.
Wenn man nun den Verschluß ganz abreißt und da drin rumrockert…..IH GITT - das will ich nicht in meinem Badezimmer haben, wo ich überlicherweise im Adamskostüm verkehre und Körperpflege betreibe.

Woran liegt es wohl, daß man Ratten prinzipiell für ekelig hält und Eichhörner für niedlich?
Sind doch beides kleine Nager und Ratten sind immerhin zähmbar und wohnen sehr friedlich und zutraulich in den Klamotten von Punkern.
Die Floh-verseuchten Rotjacken sind da doch viel ungezogener.

Liegt wohl tatsächlich daran, daß man Ratten mit Wasser assoziiert.
Wie macht das wohl diese Schädlingsbekämpfungsfirma?
Hoffentlich gehen die nicht ZU ökologisch korrekt vor und stecken eine Viper oder eine Kobra in den Schacht.

Nu‘ es mal gut mit Natur.


NACHTRAG:

Inzwischen war die Firma KALFF bei mir.
Sogar der Chef persönlich - den Mann kann ich nur empfehlen!
Nicht so toll ging es allerdings für Rumburak aus.
Er ist tatsächlich ein Eichhörnchen - GEWESEN; muß man sagen.
Denn die Tage in meinem Badezimmerschacht haben ihm den Rest gegeben.
Er lag als tote gestorbene Leiche auf meinem Lüftungsgitter und wurde inzwischen in einem Eimer entsorgt.
Herr Kalff hat ihn Schornsteinfeger genannt.
In der Tat hat Rumburak wenigstens diesen Lüftungsschacht noch schön sauber gefegt.
Von der Natur ist er auch geradezu prädestiniert dazu - mit dem buschigen Schwanz.


Aber ich schäme mich jetzt - hätte ich nicht in der Annahme, daß er eine Ratte wäre den Zugang zu meinem Bad zugenagelt, hätte er überleben können.
Unabsichtlich habe ich ihn also indirekt getötet, indem ich ihn nicht hier raus ließ.

Andererseits war Rumburak auch ein bißchen dämlich; denn wer außen an einer Häuserwand raufklettern kann, sollte doch auch wieder so einen engen Schacht hochkommen, oder nicht?
Es war wohl Panik.
Warum erklimmt er überhaupt meine Häuserwand und läßt sich dann schnurstracks vom Dach aus in den Lüftungstunnel fallen - Erbsenhirn!
Ach der arme Rumburak……..

Dienstag, 12. August 2008

Rudimentärkonzept zur Rettung des Gesundheitssystems.

Unser Gesundheitssystem verschlingt Unsummen - nach der USA und der Schweiz haben wir die weltweit höchsten Kosten pro Kopf.
Auf jeden Einwohner entfielen 2004 für die Gesundheitsvorsorge rund 2730 Euro, wie das statistische Bundesamt mitteilte. Die Pro-Kopf-Kosten der Frauen von 3.110 Euro lagen über denen der Männer (2.320 Euro). Wie teuer wir sind, woher all das Geld kommt und wohin es fließt, ist kaum zu ergründen.
Eine einigermaßen seriöse Quelle ist das Statistische Bundesamt:
Im Jahr 2004 wurden in Deutschland insgesamt 234,0 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben, das heißt 0,2% mehr als im Jahr 2003 (2002/2003: + 2,5%). Das waren 10,6% des Bruttoinlandsprodukts. Seit dem Jahr 1995 sind die Gesundheits­ausgaben bis 2004 um 47,5 Milliarden Euro angestiegen (+ 25,5%).
Was soll das Pfennigfuchsertum - ob es nun ein paar Milliärdchen mehr oder weniger sind - offensichtlich haut Deutschland für Gesundheit so viel raus, wie kaum ein anderes Land - aber dennoch sind die Ergebnisse alles andere als zufriedenstellend.
Wie laufend Umfragen und Studien zeigen, gibt es eine eklatante Ungleichheit zwischen Kassen - und Privatpatienten.
Wer reich ist, wird besser behandelt, bekommt schneller Termine, genießt Komfort.
Möglicherweise muß das so sein, möglicherweise kann man das auch einfach nicht ändern - das ist eine andere Diskussion.
Allerdings ist es ärgerlich, daß jeder Gesundheitspolitiker das Gegenteil behauptet und mit Abscheu und Empörung von sich weist, daß es eine Zweiklassenmedizin gäbe.
Eine Spitzenposition nimmt die Bundesrepublik bei der Versorgung mit Ärzten, Langzeit- und Akutbetten ein, während die deutsche Versorgungsdichte mit Zahnärzten, Krankenschwestern und Apothekern nur im europäischen Durchschnitt liegt.
Einige Fragen stellen sich:
Was ist also los; wie kann es sein, daß die Patienten alle unzufrieden sind, Krankenhausärzte in Scharen aus Deutschland flüchten, weil überall in Europa die Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Mediziner viel besser ist?
Wie kann es sein, daß hierzulande 40.000 Patienten pro Jahr durch Ärztepfusch sterben?
Wie kann es sein, daß die Kliniken so verrottet sind, daß sich 400.000 bis 600.000 Patienten PRO JAHR mit den superresistenten Krankenhauskeimen MRSA (Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus)anstecken?
Wie kann es sein, daß bei all Milliarden im Gesundheitssystem nicht genügend übrig ist, um die OPs und Krankenzimmer wenigstens so sauber zu halten, daß nicht mehr 15.000 Patienten pro Jahr (!!) an nosokomialen Infektionen STERBEN müssen?
Würde es sich etwa nicht „lohnen“ in jedem Krankenhaus Hygieniker einzustellen, die dafür sorgen, daß nicht TÄGLICH weit über 1000 deutsche Patienten mit diesen Superstaphylokokken infiziert werden?
Wie kann es eigentlich sein, daß in Pflegeheimen gerade mal eine ungelernte Pflegekraft für 40 Bettlägerige da ist, so daß Dekubitus und Austrocknung üblich sind?
Wie kann es sein, daß bei Millionen Arbeitslosen keine Pflegekräfte einstellbar sind?
Wie kann es sein, daß die Kliniken in den letzten zehn Jahren ein SIEBTEL des Personals entlassen haben, bei steigender Patientenzahl und bei weiter explodierenden Kosten?
Fragen dieser Art ließen sich stundenlang weiter aufschreiben.
Kommen wir nun zum Antwortteil, der natürlich keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Zunächst einmal möchte ich dabei der Maxime widersprechen, daß unbedingt gespart werden muß, daß also „das System“ unbedingt billiger werden sollte.
Man kann das Gesundheitssystem ja nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als Jobmaschine und ökonomischen Motor betrachten.
Hier sind enorme Fortschritte und Entwicklungen zu erwarten, die international vermarktet werden könnten. Wieso sollte Deutschland da nicht eine Chance sehen und beispielsweise in der Diagnostik forschen und entwickeln?
Wieso sollte man Gesundheit nicht als Dienstleistung vermarkten?
Lasst doch ruhig all die Reichen der Welt herkommen und ihre Geld in unser System pumpen, indem sie sich hier auf Spitzeniveau heilen, pflegen und behandeln lassen.
Von dem medizinischen Fortschritt und dem zusätzlichen Geld in der Kasse, könnten doch alle profitieren.
Ich bin also keinesfalls gegen einen großen finanziellen Aufwand. Nur: WO landet all das Geld und wie wird es verteilt? Da hapert es doch offensichtlich enorm.

Die Kardinalfehler des Systems sind:

1.) Bei der Vergütung liegt ein enormes Übergewicht auf der Technik. Je aufwendiger die Apparatediagnostik, desto lohnender. Auf der anderen Seite wird die Arbeitszeit extrem gering geschätzt. Das betrifft sowohl die Zeit, die sich ein Arzt mit dem Patienten beschäftigt, als auch generell die Zeit, die die Pflegekräfte aufwenden. Sie sind hoffnungslos unterbezahlt und überbelastet. Dabei ist die ausführliche Beschäftigung von Ärzten und Pflegern absolut wesentlich für den Heilungserfolg. Je höher der ärztliche Zeitaufwand, desto schlechter seine Bezahlung: Ärztliche Hausbesuche werden nach der Gebührenordnung mit 320 Punkten (einfacher Satz: 18,65 €) vergütet; nach dem für Kassenpatienten gültigen Bewertungsmaßstab mit 400 Punkten (bei derzeitigem Punktwert ca. 8 €). Man nenne mir einen Handwerker, der für 18 Euro ins Haus käme! Reich werden hingegen Radiologen und Chefärzte.

2.) Bürokratie. Bürokratie, Bürokratie. Das Geld landet in der Verwaltung. Statt daß wie anderswo in der Welt die Mediziner direkt mit den Krankenkassen abrechnen, haben wir den zwecklosen Bürokratiemultiplikator KV (Kassenärztliche Vereinigung) dazwischengeschaltet. Davon gibt es 17 Stück + Bundesverband + die entsprechende Anzahl KassenZAHNärztlichen Vereinigungen (KZV). Die Ärzte sind Zwangsmitglieder in diesen Verwaltungsmonstern. Mit einem Jahreseinkommen von 260 000 Euro ist der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, einer der Spitzenverdiener unter den Gesundheitsfunktionären. Zu seinem Gehalt kommt noch eine Altersversorgung nach Regeln des Beamtenrechts. Die übrigen 17 KV-Chefs verdienen zwischen 240 000 und 162 000 Euro jährlich. Das ist für jeden einzelnen mehr als beispielsweise die Gesundheitsministerin verdient (brutto in etwa 170.000 Euro jährlich)

Verblüffend ist nun, wie die Politik reagiert, obwohl doch alle Missstände myriadenfach diskutiert und angeprangert wurden.
Trotz Großer Koalition und breiten Mehrheiten in beiden Parlamentskammern, haben sich die Lobbyisten so massiv durchgesetzt wie eh und je - die Gesetzentwürfe stammen teilweise direkt von den Vertretern der Gesundheitslobby, die sogar in den Ministerien arbeiten und deren Papiere sogar mit denselben Rechtschreibfehlern und Schriftarten im Bundestag landen.
So diktierte die Tabakindustrie den Text für das Nichtrauchergesetz und ganz selbstverständlich empfingen Merkel und Zöller noch am Morgen der Abstimmung über die Gesundheitsreform die Cheflobbyisten der Privatkrankenkassen in ihren Büros.
Die großen Profiteure des Systems - Pharmakonzerne, Verbände, Organisationen, Apotheken, etc bleiben allessamt von Einsparungen verschont - dafür steigen die Sätze der Beitragszahler.
Daß die Merkel/Schmidt’sche Gesundheitsreform ein totaler Murx ist, den man am freundlichsten noch als Verschlimmbesserung bezeichnen kann, ist schon so oft geschrieben worden, daß ich das an dieser Stelle nicht weiter ausführe.
Ein Aspekt, der in der letzten PANORAMA-Sendung erörtert wurde, möchte ich aber kurz erwähnen:
Je kränker, desto besser – Die absurde Logik der neuen Gesundheitsreform.
CDU und SPD haben offenbar erkannt, daß wir derzeit ein bißchen wenig Bürokratie haben und ersannen daher eine neue zusätzliche Megainstitution, die den bürokratischen Aufwand vervielfältigt.
Die Rede ist vom Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen nur dann Geld bekommen, wenn ihre Versicherten möglichst krank sind.
Hat eine Kasse also beispielsweise unterdurchschnittliche viele Versicherte mit Bandscheibenvorfällen, wird der Geldhahn zugedreht und die Kasse sollte tunlichst in ihren Billionen Daten suchen, ob nicht doch noch ein paar Versicherte zu finden sind, die schon mal Rückenschmerzen hatten und die man als behandlungsbedürftig deklarieren könnte.
Dieses neue System heißt im Fachjargon „Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich“, kurz Morbi-RSA.
Der eingeführte Morbi-RSA zwingt uns also alle zum Wohle der Kassen und der Ärzte möglichst krank zu sein und um Gottes Willen nicht geheilt zu werden - da wird sich doch was machen lassen, oder?
Uwe Seybold von der Audi BKK: „Als Mensch finde ich das System pervers. Denn die Anreize sind völlig falsch gelegt.
Christoph Straub, Vorstand Techniker Krankenkasse, erklärt: „Nur ein kranker Versicherter ist im neuen System ein guter Versicherter.
Gesundheitsvorsorge und die Heilung der Kranken wird zukünftig bestraft:
Die Kassen, die versuchen ihre Versicherten gesund zu erhalten, werden durch die Zuweisung der Verwaltungskosten (70% nach Morbidität und zu 30 % auf Basis der Anzahl der Versicherten) um die finanziellen Mittel gebracht die notwendig wären , um diese Präventionsarbeit zu leisten.
SCHILDA HOCH DREI.
Na gut, es ist auch schildbürgermäßig das Gesundheitssystem in einem Blogposting aufzudröseln - aber trotzdem:
Jetzt kommt der konstruktive Teil dieses Postings - wie rettet man das deutsche Volk vor der Implosion des Gesundheitssystems?

1.) Alle KV-Vorstände und KZV-Vorstände werden entlassen und öffentlich gesteinigt

2.) Alle KVen werden niedergebrannt und vergessen.

3.) Merkel, Zöller, etc, die auf den Payrolls der Privatkassen stehen, werden verbannt.

4.) Lobbyismus wird generell verboten, Bundestagsabgeordnete, die für die Pharmaindustrie arbeiten, müssen für den Rest ihres Lebens ein Schild mit der Aufschrift „Ich bin der dumme August“ tragen.

5.) Die Ausarbeitung von Gesetzen in der Gesundheitspolitik wird nicht mehr der Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, sondern das Ministerium wird selbst tätig.

6.) Das Chefarztsystem, nach dem nur der Boss zu Porsche und Rolex kommt, weil er allein die Rechnungen für die Privatpatienten schreibt - egal ob er auch behandelt, oder nicht, wird ausgehebelt.

7.) Pflegekräfte werden besser bezahlt und vermehrt eingestellt.

8.) Bisher nicht obligatorische Fachrichtungen wie Algesiologie, Palliativmedizin und Hygiene werden für das Medizinstudium obligatorisch.

9.) Die letzte Gesundheitsreform wird gestrichen, Filialverbot für Apotheken und Reimportverbot von Medikamenten wird aufgehoben - und wenn die FDP noch so verbissen an ihren plansozialistischen Modell festhält.

10.) Die Bezahlung der Ärzte wird danach ausgerichtet, wie hoch ihr Zeitaufwand ist.

Montag, 11. August 2008

Rudimentärkonzept zur Rettung Deutschlands.

Meckern ist bekanntlich immer leicht, besonders leicht meckert es sich über „die da oben“, die „abgehobenen Politiker“, die nur an sich selbst denken und sich einen Dreck um das Volk scheren.
Diese Klage führen gerade die, die am meisten von staatlichen Leistungen abhängig sind, am liebsten.
Tunnelgeblickte Anklagen dieser Art kontere ich gerne mit dem Satz: „Wenn dir DIE POLITIKER so gar nicht gefallen, werd‘ doch selbst Bundeskanzler.“
Das Beispiel Gerhard Schröder hat schließlich gezeigt, daß man es aus wirklich alleruntersten Verhältnissen so weit bringen kann.
Der Nachteil ist nur, daß das passiv-phlegmatische Leben festgewachsen vor dem Sat-1-Programm dann vorbei ist.
Die „Ochsentour“ heißt nicht ohne Grund so. Zwar freuen sich ALLE Parteien über jedes Mitglied, das aktiv werden möchte und sich in Distrikten, kommunalen Delegiertenausschüssen und bei Info-Ständen engagiert, aber es ist mit Arbeit verbunden.
Dafür bekommt man zunächst mal nicht nur kein Geld, sondern auch noch Nervenzusammenbrüche.
Einige Myriaden Stunden ehrenamtliche Arbeit; möglicherweise über Dekaden muß man investieren bis man es in ein Landesparlament bringt. Der Sprung von hinterbänklerischen Unwichtling zum Politpromi ist dann erst recht mit Fleiß verbunden - wobei offensichtlich noch persönliche Beziehungen, Familie und Gesundheit auch noch auf der Strecke bleiben.
Eigenartigerweise führt dieses Aussieben aber nicht dazu, daß nur altrusitische Gutmenschen mit hoher Intelligenz in Spitzenpositionen kommen, sondern offenbar schwimmen auch plattköpfige Unfähige wie Fettaugen auf der Suppe nach oben.

Wie kann es eigentlich angehen, daß hartnäckig an gescheiterten Konzepten festgehalten wird - auch wenn eine Studie nach der nächsten die Note „6“ ausstellt und man aus dem Ausland weiß, wie es besser gehen kann.
Die Rede ist von der deutschen Bildungspolitik, die nicht nur versagt hat, sondern auch den Karren zielstrebig immer mehr in den Dreck scheibt - als ob wir ein Land wären, das sich nicht um die Ausbildung seiner Jugend kümmern müßte, weil hier Ölquellen sprudelten oder die Äcker voller Diamanten lägen.
Aber deutsche Bildungspolitiker schaffen es, daß Hunderttausende Lehrstellen nicht besetzt werden können, obwohl es Hunderttausende Lehrstellensuchende gibt - aber was hier aus der Schule kommt, ist zum großen Teil leider zu verblödet, um eine normale Handwerkslehre zu beginnen.
70.000 Jugendliche verlassen jedes Jahr sogar ganz ohne Abschluß die Schule, Hauptschulabschluß ist quasi sinnlos und über 4 Millionen Analphabeten haben sich zusätzlich in Deutschland angesammelt.
Ingenieure müssen mühselig im Ausland angeworben werden, weil Deutschland eine der niedrigsten Studierendenquoten Europas hat und wer es dennoch auf eine Hochschule schafft, muß dann zum Beispiel in der Uni Hamburg in derart verrotteten Gebäuden auf der Suche nach den nur in homöopathischen Dosen vorhandenen Professoren irrlichtern, daß so ein Studium nur abschreckt und zu gigantischen Abbrecherraten führt.

Als ich vor über 20 Jahren in der reichsten Stadt Europas (Hamburg) ein Studium begann, erfuhr ich als erstes von meinem Tutor, daß ich möglichst nach dem Vordiplom an eine andere Uni wechseln solle, weil die Bedingungen in Hamburg bekanntermaßen dermaßen schlecht wären, daß kein Topforscher freiwillig hierher käme.
Mein Tutor war damals Direktor eines Instituts und konnte seit vielen Semestern zwei C4-Stellen nicht besetzten, weil kein anerkannter Professor freiwillig in so einen rückständigen Drecksladen wechseln würde.
Wir haben damals über Monate für bessere Studienbedingungen gestreikt.
------Passiert ist gar nichts. ------
Zwei Dekaden später ist Hamburg zwar nicht mehr die reichste Stadt Europas, aber immerhin noch Nummer vier.
Die Uni hat man einfach sehenden Auges weiter verfallen lassen, Studiengebühren eingeführt und kommt nun, 2008, zu dem erstaunlichen Schluß, daß die Gebäude derart verrottet sind, daß sich noch nicht mal mehr eine Sanierung lohnt.
Der Senat plant nun alles platt zu machen und die Uni mit ihren 40.000 Studenten an anderer Stelle wieder aufzubauen.
Also am Sanktnimmerleinstag.
In der Zwischenzeit können dann ja noch mal zehn oder zwanzig Schulabgängerjahrgänge gemütlich verblöden.
Als Frau Merkel 2005 mit ihrer großen Mehrheit in beiden Parlamentskammern antrat, gab es zunächst einmal die Neuauflage der Föderalismuskommission.
Gut so, der Föderalismus ist vollkommen ausgeartet.
Das Ergebnis war dann - man glaubt es kaum - eine weitere Verschlechterung der Situation. CDU-Landespolitiker konnten sich auf ganzer Linie durchsetzen und die Bildungshoheit der Länder festschreiben.
Diejenigen, die also bewiesenermaßen komplett versagt hatten, bekamen das Plazet „weiter so“.
2008 sieht es schlimmer aus denn je - der Spartrieb hat die Restschulen (Hauptschulen) endgültig als vergammelte Müllhalden enden lassen und das ALLERWICHTIGSTE - mehr qualifizierte Lehrer - wurde in Gegenteil verkehrt:
Nach Angaben des Deutschen Philologenverbandes fehlen
20 000 Pädagogen an den Schulen.
Bis 2013 könnten bis zu 40 000 Lehrer fehlen. Bis 2015 scheidet rund die Hälfte der im internationalen Vergleich völlig überalterten deutschen Lehrerschaft aus.
Von den Hochschulen kommt aber selbst nach überholten Prognosen der Kultusministerkonferenz (KMK) von 2003 maximal die Hälfte dessen, was nötig wäre, um die Lücke zu füllen.
Noch schlimmer: Die Misere an den Schulen ist so groß, daß viele der Lehramtsstudenten in die Wirtschaft wechseln.
Es gibt deutliche Mehrheiten in der Bevölkerung (60 %), die für eine Reform des dreigliedrigen Schulsystems und eine längere Grundschulzeit votieren. Eine Umfrage der Bertelsmannstiftung führt weiter aus:
Fast die Hälfte der Deutschen hält das aktuelle Bildungssystem für ungerecht (45 Prozent der Befragten insgesamt; 48 Prozent der Eltern). In Ostdeutschland sagen sogar 60 Prozent der Befragten, dass sie das Bildungssystem für nicht gerecht halten. Besonders skeptisch äußern sich die Menschen in Deutschland zur Chancengleichheit: Drei Viertel der Bevölkerung und sogar 86 Prozent der Eltern sind der Ansicht, dass Jugendliche aus allen Schichten beziehungsweise aus allen Kulturkreisen nicht die gleichen beruflichen Chancen haben.
Anstatt aber mal ihrer Hintern in Bewegung zu setzen, beschäftigte sich die in der Verfassung gar nicht vorgesehene KMK aber mit Sinnlosigkeiten à la Rechtschreibreform, die ungewollt, unnötig und teuer war.

Jetzt kommt der konstruktive Teil dieses Postings - wie rettet man das deutsche Volk vor der endgültigen Verdummung?

1.) Bundestag und Bundesrat werden mit Waffengewalt dazu gezwungen sich erneut zusammen zu setzen, um die zweckfreien Föderalismuskommissionsergebnisse zu kassieren.

2.) Die 16 Bildungsminister der Länder werden mit Daumenschrauben versehen und dazu verurteilt für immer und ewig ihre eigene Doofheit als Kandidaten in nächtlichen 9Live-Quizsendungen zu demonstrieren. Ihre Ministerien werden aufgelöst.

3.) Frau Schavan muß mit einer Eselsmütze versehen vor dem Reichstag in Berlin 500.000 mal aufschreiben „ich darf nie wieder für Bildung in Deutschland verantwortlich sein!“

4.) Ein durchschnittlich begabter Redakteur einer mittelmäßigen Zeitung wird beauftragt all die Studien zusammenzutragen, die en detail in den letzten Jahren aufgelistet haben, was in der deutschen Bildungspolitik alles schief ging.

5.) Jedes Wahlkampfversprechen, das irgendeinem Politiker rausrutscht, wird einkassiert und die versprochenen Summen (Pendlerpauschale, Billigstrom,…) werden stattdessen zur Sanierung von Schulen benutzt.

6.) Hauptschulen werden abgeschafft.

7.) Alle Förder-, Sonder- und Spezialschulen, die dazu dienen lästige Schüler aus dem Blickfeld zu schieben, werden ebenfalls abgeschafft. In Zukunft haben sich die Schulen SELBST um ihre Problemschüler zu kümmern.

8.) Ein allmächtiges Bundesschul- und Bundeshochschulministerium = Omniministerium wird geschaffen, das vom Finanzminister zuerst berücksichtigt werden muß. Es kann direkt an den Landesregierungen vorbei Entscheidungen treffen, Unterrichtsinhalte festlegen, Prüfungen zentralisieren und Gelder und Materialien zur Verfügung stellen. Das Fach „Allgemeine Lebenskunde“ wird Pflicht. Hier werden Fertigkeiten gelehrt, die offenbar nicht mehr selbstverständlich sind: Welche Nahrung ist gesund? Brauche ich tägliche neue Handyringtonabos? Wozu „Danke“ und „Bitte“? Hygiene, Umgangsformen, Pünktlichkeit, Verhütung, etc.

9.) Neben 50.000 neuen Lehrern, werden sie Schulen außerdem mit ganzen Kohorten von Pädagogen, Sozialarbeitern und Psychologen ausgestattet, die bei Bedarf auch die Schüler zu hause abholen, die Familien beraten, für Lehrmittel sorgen und Problemschüler gegebenenfalls rund um die Uhr betreuen.

10.) Personalvorschlag für das Omniministerium: Minister Sarrazin, Staatssekretäre Buschkowsky, Clement und andere, die sich nicht umpusten lassen, wenn die zu erwartenden Proteste einsetzen.


NACHTRAG:

Meine Zahlen kann ich noch ein bißchen aktualisieren:


Tausende Schüler scheitern an Barrieren im deutschen Bildungssystem. Fast 80 000 junge Menschen verlassen die Schule jedes Jahr ohne einen Abschluss, das sind fast acht Prozent eines Jahrgangs. Jeder fünfte 15-Jährige kapituliert vor einfachen Lese- und Mathematikaufgaben. Migrantenkinder stehen auf allen Bildungsstufen schlechter da - auch wenn sie gute Leistungen bringen. Schulabbrecher und Hauptschüler haben große Mühe, eine Ausbildung zu beginnen. Die Länder wollen beim Bildungsgipfel zum wiederholten Mal versprechen, die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren und die Durchlässigkeit zwischen den Bildungswegen zu verbessern. Bisher blieb das jedoch folgenlos. Auch ist es nicht gelungen, die Ausbildung der Lehrer bundesweit zu vereinheitlichen und genügend Nachwuchs zu gewinnen. Die Hälfte der Lehrer ist bereits älter als 50 Jahre.


Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.195, Freitag, den 22. August 2008 , Seite 6

Sonntag, 10. August 2008

Wichtiges und Unwichtiges

Was ich schon das ein oder andere mal andeutete - nämlich daß Profisportler alles Hohlhirne sind, die aus unerfindlichen Gründen meinen, es sei von Wichtigkeit was sie täten, bestätigte nun Eric Shanteau, ein 24-Jähriger Schwimmer aus Georgia, USA.
Er soll nun auf die 200m-Bruststrecke gehen.
Findet er.
14 Jahre hätte er sich auf Olympia vorbereitet.
Eine Medaille bedeutet ihm alles.
Jedenfalls mehr als seine Gesundheit.
Gut, das ist wohl bei vielen Sportlern so, die sich mit allerlei Chemiekeulen aufblasen, bis sie aussehen, als ob man das Michelinmännchen unter Anabolika gesetzt hätte.
Es ist ja schon bizarr was die richtige Mischung von chemischen Stärkungsmitteln so für Metamorphosen auslösen kann. Man denke an einst zierlicher Schwimmerinnen, die auf einmal mit Vollbart und Schwarzeneggerschem Kreuz durch das Becken pflügen - man denke aber auch an Frauen, die eigenartigerweise immer schöner wurden.
So war Florence Griffith-Joyner („Flo-Jo“) bei der Olympiade 1984 in L.A. eine normale unscheinbare Frau.
Aber 1988 in Seoul - Abracadabra - neben 50 kg Muskeln mehr, war ihr Antlitz absolut Model-tauglich.
Ich würde sagen, eine Mischung aus Iman und Nofretete, die in eine Makeup-Fabrik gefallen sind.
Sehr cool - einige Goldene gewann sie übrigens und ihre Weltrekorde gelten nun nach 20 Jahren immer noch.
Gut, sie hatte nicht gerade sehr lange was davon, weil der Anabolikakörper dann in den 90ern irgendwann zusammenbrach und zur Zeit tot ist - aber sie war sicher eine schöne Leiche.
So ein Ende bleibt Herrn Shanteau möglicherweise erspart, weil er bis dahin schon an Krebs gestorben sein könnte.
Die Diagnose bekam er im Juni - verbunden mit dem dringenden ärztlichen Rat sich auf der Stelle operieren zu lassen.
Aber für den 24-Jährigen aus Georgia gibt es offensichtlich auch wichtigeres als die eigene Gesundheit und das eigene Leben - nämlich in Peking ein paar Sekunden durch ein Wasserbecken zu schwimmen.
Da gab es doch spektakuläre Fälle, bei denen Eltern die Kinder weggenommen wurden, wenn sie nicht gegen Krebs behandelt wurden.
Aber diesen Schwimmerling feiern sie nun in der Presse dafür, daß er sich keiner Krebstherapie unterzieht und stattdessen in Peking startet.
Na denn.
Ob es am Fan Nummer 1 liegt, der jubelnd und mit der Fahne schwenkend im Publikum sitzt?
Jeder setzt seine eigenen Prioritäten und wenn man Sportler ist, bleibt wohl auch nicht mehr so viel Platz für Hirnzellen vor lauter Muskeln.


NACHTRAG:

Wie war es denn nun mit der 200-m-Bruststrecke in Peking?
Die Vorläufe waren am 12. August 08:
Shanteau lag im sechsten Vorlauf mit der Zeit von 2:10.29 genau 45 hinter dem Kanadier Mike Brown.
Er schaffte es somit gerade noch ins Semifinale am nächsten Tag.
Am 13.08. belegte er im Semifinallauf 2 allerdings nur Platz 6 (von 8) mit einer Zeit von 2:10.10. und erreichte noch nicht einmal das Finale, welches der Japaner Kitajima heute mit 2:07.64 gewann.
Schon im vorherigen Lauf hatte Kitajima eine 2:08.61 geschwommen und lag ziemlich weit vom amerikanischen Hodenkrebsler entfernt.

Also so wirklich sinnig war der Plan wohl nicht sich statt zu einer Krebsbehandlung nach Peking zu begeben.

Samstag, 9. August 2008

Je frommer, desto dommer.

Heute hat McCain wieder gepunktet gegen Obama, indem er den harten Hund bei der Süossetienfrage gab - McCain nannte die Lage "sehr gefährlich", forderte "diplomatischen Druck auf Russland" und verlangte eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats.
Na gut, sachlich war das zweckfrei, da zu der Causa schon längst eine Sicherheitsratssitzung im Gang war - aber welcher Amerikaner läßt sich schon von Fakten verwirren - Hauptsache man wirkt eisern und martialisch.
Obama flog gerade in den Urlaub gen Hawaii - das war natürlich Pech - als er es mit grimmigen Tönen versuchte, war das Momentum schon entfleucht.
Insgeheim wird Obama wohl gerade Stoßgebete gen Himmel schicken (sollte er tatsächlich so fromm sein, wie er behauptet), weil er noch keinen Vize nominiert hat.
Der Typ mit den allerbesten Aussichten (Südstaatler, SEHR fromm, Predigertyp, weiß, klar gegen samesexmarriage positioniert und über viele Delegiertenstimmen verfügend), hat sich nämlich soeben selbst zerrockert.
John Edwards hat fremdgevögelt. Das ist bekanntlich selbst unter den Konservativen in Deutschland eine Marginalie - schossen doch just die Ministerpräsidenten Öttinger und Wulf ihre Eheweiber aufs Abstellgleis, um sich eine Jüngere zu nehmen.
In der noch frommeren CSU gibt es die Variante à la Söder und Seehofer:
Nebenher Kinder zeugen, aber dennoch bei der Ehefrau zu bleiben.
Bevor das jetzt jemand falsch versteht:
Diese vier Männer halte ich alle für selten verlogene Negativbeispiele des Homo politicus - aber ihr Privatleben hat damit nichts zu tun; das ist mir egal und sollte auch allgemein irrelevant sein.
In Amerika ist das allerdings anders - da der durchschnittliche Wähler jenseits des Atlantiks noch wesentlich verblödeter ist als in Europa, kann man natürlich nicht mit Sachthemen punkten.


Jedes Thema, das ein bißchen Bildung voraussetzt ist somit ungeeignet zum Wahlkampf.
Aber es gibt eine Sache, die den Allgemein-Amerikaner so brennend interessiert wie nichts anderes:
Wo steckt ein Politiker seinen Penis hinein?
Natürlich sind dabei die Penisse am interessantesten, die den religiösesten Typen gehören.
Den Status als christlichster Demokrat hat sich John Edwards mühsam erworben - hört man ihm zu, wähnt man sich in einer der typischen megachurches.

Hier beginnt auch das Rätsel des Edward-Sturzes:
Der Focus des Wählers hat klare Prioritäten.

Wenn beispielsweise ein Präsident - ich will ja keine Namen nennen - widerrechtliche Kriege anzettelt, hundertfach das amerikanische Volk belügt, verantwortlich ist für tausende amerikanische Tote, Myriaden Verstümmelte, möglicherweise 500.000 nicht amerikanische (=halb so wild) Tote, den totalen Ansehenszusammenbruch der Nation, wirtschaftliche Rezension und rund 4 Billionen Dollar neue Schulden, ist das eine Petitesse - so einer kann durchaus ein Ehrenmann sein, den man mit größerer Mehrheit als zuvor noch einmal ins Amt wählt.

Wenn aber beispielsweise ein Präsident - ich nenne wieder keinen Namen - durch Intelligenz beeindruckt, das Land in eine nie gewesene ökonomische Blüte führt, auch noch einen dicken Haushaltsüberschuß erwirtschaftet, sich aber im Oval Office einen blasen läßt, ist das natürlich ganz und gar unverzeihlich.
Da wird ein Amtsenthebungsverfahren gestartet und Sonderermittler des Kongresses von der Leine gelassen.

Wer könnte das besser wissen, als Senator John Edwards, der beide Seiten der Medaille kennt: Er vertrat Bill Clinton 1999 als Anwalt vor dem Untersuchungsausschuß beim Impeachmentverfahren.
Edwards kandidierte 2004 und 2008 selbst für das Präsidentenamt, war 2004 als Vizepräsident unter Kerry nominiert.
Edwards betrog aber auch seine Frau mit der 43-jährigen Video-Produzentin Rielle Hunter - wie er jetzt tränenreich und zerknirscht einräumen mußte.
Zu allem Übel ist Elizabeth Edwards wegen ihres mutigen Kampfs gegen ihren Krebs in den USA auch noch sehr beliebt. Das Paar hat drei Kinder, ein weiterer Sohn kam im Alter von 16 Jahren bei einem Autounfall ums Leben.
Damit ist die politische Katastrophe für ihn nur noch größer. Selbst seine engsten Weggefährten beben nun vor Wut über ihn.
Heuchler allüberall - aber man fragt sich schon wie man DERARTIG DUMM sein kann?
Abgesehen davon, daß Edwards selbst nun natürlich politisch tot ist, hätte er womöglich damit auch noch den blöden GOPsen die Präsidentschaft auf dem Silberteller serviert, wenn er selbst Kandidat geworden wäre, oder von Obama als Vize nominiert worden wäre.

Und DAS finde sogar ich unverzeihlich.

Freitag, 8. August 2008

Knick in der Linse

08.08.08, 8.08 Uhr und los geht’s mit Olympia - man könnte auch sagen:
Los geht’s mit der Propagandashow, dem Reibachmachen der Funktionäre und der Leistungsschau der pharmazeutischen Industrie.

Ärgerlich ist die ungeheuerliche Naivität mit der Presse und Publikum den Inkarnationen der Korruption vom IOC vertrauen und den schönen guten ehrlichen Leibesübungen-Wettkampf erwarten, der gleich noch nebenbei China in eine Musterdemokratie verwandelt.

Schön ist allerdings, daß man heute eine der seltenen Gelegenheiten hat mit Henryk M. Broder einer Meinung zu sein, wenn er seine ätzenden Erkenntnisse in dem Artikel „Olympia der Heuchler“ ausgießt.
Grandios, dem ist nichts hinzuzufügen.
Eigentlich.
Uneigentlich mache ich mich bei der Gelegenheit gleich doppelt unbeliebt:
Sportmuffel ist ja schon schlimm, aber jetzt haue ich gleich noch mal dem Dalai Lama eins auf die Glocke.
Deutschlands beliebtesten Gott will ich persönlich ja gar nichts unterstellen, aber daß die Herrschaft der Mönche vor der Flucht des Dalai Lama für die Tibeter so ein Zuckerschlecken war, kann man auch nicht gerade behaupten.
Die Bauern waren Leibeigene, es wurde feudal-monarchistisch regiert und wer nicht ordentlich an den Dalai glaubte, bekam es mit der Mönchspolizei und drakonischen Strafen zu tun:
Wenn ein Bauer nicht das tat, was die Klöster ihm vorschrieben, wurden ihm zum Beispiel einfach die Augen ausgestochen oder Ohren und Nasen abgeschnitten.
Zu Regierungszeiten des Dalai Lama war es üblich, daß als Strafen Verstümmelungen, (Arme abhacken beispielsweise) vollzogen wurden – extreme Prügel sowieso.

Keine Religionsfreiheit nirgends, unter Herrn Lama.

Es ist schon sehr ärgerlich, wie unkritisch und monothematisch über die Causa Menschenrechte in China berichtet wird. Auf die klassischen Medien kann man dabei nicht zählen und daher empfehle ich eine relativ neue Webseite - Gottkönig.
Hier sind keine Eiferer am Werk, sondern es werden einfach Informationen gesammelt, die andere Medien in ihrer Dalai-Verehrung schlicht ignorieren.

Donnerstag, 7. August 2008

Beinfreiheit JETZT!

Es ist doch immer schön zu hören, daß auch in den USA noch nicht der letzte Funken von Liberalität ausgetrieben wurde.
Folter, Kriege anzetteln, Patriot-Act, totale Überwachung, Todesstrafe und Waffenwahn stören das amerikanische Volk zwar nicht so besonders - jedenfalls nicht so sehr, als daß klar wäre, daß nicht NOCH EINMAL einer von den GOPsen ins Weiße Haus gewählt werden wird.
Aber Dean Peterson aus Seattle führt nun die amerikanische Tradition des Freiheitskampfes weiter.
Er ist Briefträger und sorgt sich um das mangelnde Freischwingen seiner Hoden.
In der Tat ist ja nicht zu bestreiten, daß sich eine übliche Hose an einer wenig ideale Stelle gabelt - da wo es die Herren der Schöpfung ihren soft spot haben.
Die Lösung dieses testikelophoben Dilemmas sieht Mr Peterson in Postuniform-Kilts - oder wie er es nennt:
An 'unbifurcated garment'.
Die 220.000 Mitglieder der US-Postgewerkschaft scheinen aber derzeit noch mehrheitlich von der Genitalquetschungs-Lobby durchdrungen zu sein und so schmetterte der Gewerkschaftskongress im Juli Petersons Antrag auf Zulassung von Kilts bei der Arbeit ab.
Dabei hatten seine Werbebriefe doch so überzeugend geklungen:
"Unbifurcated Garments are far more comfortable and suitable to male anatomy than trousers or shorts because they don't confine the legs or cramp the male genitals the way that trousers or shorts do!”
Die armen Peterson’schen Eier müssen sich nun leider noch bis mindestens zum nächsten Gewerkschaftskongress in 2010 in Anaheim, Kalifornien, unfrei zusammenpressen lassen.
Aber der Kilt-Propanagdist kämpft weiter.
Wünschen wir ihm und damit dem letzten Rudiment der amerikanischen Freiheitsbewegung ALLES GUTE.

Mittwoch, 6. August 2008

Doppelmoral

Katharina Beriger aus Niederhasli tut eigentlich etwas, das man bewundern sollte - sie setzt sich für den Tierschutz ein.
Als Sprecherin der Schweizer Stiftung „Vier Pfoten“ macht sie ordentlich Wind.
Nun hat sie sich allerdings lächerlich gemacht, indem sie emotional-eruptiv ihre bizarren Privatmaßstäbe offenbarte.
Die nicht gerade neue Erkenntnis, daß in Teilen der Schweiz ganz gerne mal Katzen gegessen werden, empörte sie gar sehr: «Wir finden das ganz schlimm und grausig! Es ist einfach nur fürchterlich, wenn Haustiere verspeist werden.»
Diese menschlichen Maßstäbe - orientiert am eigenen Bauchnabel - offenbaren ihre ganze Borniertheit: «Ich selber halte auch eine Katze. Sie ist für mich ein Familienmitglied, zu dem ich eine innige Beziehung habe.»
Frau Beriger; es gibt 1,3 Millionen Hauskatzen allein in der Schweiz.
Sind das alles Vegetarierkatzen?
Was meinen Sie wohl woraus Katzen - oder Hundefutter hergestellt wird?
Schwein? Pferd? Rind?
Offensichtlich alles Verwertungstiere, die eben weniger süß sind und nach denen kein Hahn kräht, wenn sie zu Millionen in der Futtermittelindustrie abgeschlachtet und als Tierfutter eingedost werden.
A propos Hahn - das Thema hatten wir ja auch schon.
Frau Beriger, könnten Sie bei Gelegenheit mal erklären, wieso ein Huhn weniger Rechte als eine Katze hat? Weil es ein Vogel ist?
Darf man es deswegen quälen?
Oder liegt es an der Intelligenz einer Katze?
Schweine sind sicher noch intelligenter und die werden auch tagtäglich zerstückelt, zu Tode gefoltert und gefressen.
Ein Gedanke, den auch die Schweizer Zeitung BLICK indirekt ansprach, als sie beschrieb, wie Herr D. aus Versehen Katze aß:
«Ich war zum Essen eingeladen. Es gab Eintopf mit einer Tomatensauce, Rüebli und Härdöpfeln.» Martin D. wusste zunächst nicht, dass er Katzenfleisch aß. «Es hat mir aber so gut geschmeckt, dass ich den Bauern fragte, was das für Fleisch sei.» Als er erfuhr, was da auf seinem Teller lag, erschrak er. «Doch dann fand ich das nicht mehr schlimm. Wir essen ja auch kleine süsse Lämmlein.»

Tja, das Lämmlein hat noch Glück - es gilt als süß - da mögen einige Fleischesser noch Skrupel haben, aber wenn ein Tier nach rein menschlichen Schönheitsidealen zufällig nicht süß aussieht, ist es schon schlecht.
Das ist das Dilemma der Haie: Die Mundwinkel sitzen verkehrt - aus menschlicher Sicht sehen sie grimmig aus - daher werden sie auch ohne großen öffentlichen Aufschrei zu Millionen qualvoll abgeschlachtet - den meisten werden lebendig die Flossen abgeschnitten und dann wirft man sie zurück ins Meer, wo sie elendig zu Grunde gehen.
Ein Delfin hingegen hat die Mundwinkel „richtig“ angeordnet - den lieben alle Menschen und wenn ein paar Delfine als Beifang beim Thunfisch landen, wird gleich die ganze Thunfischindustrie boykottiert - wegen „der armen Delfine“
Und die Thunfische?
Wer zieht denn diese Grenzen?
Thunfisch kann man abschlachten und essen - ist OK.
Haie kann man einfach so abschlachten - macht auch nichts.
Wehe wenn aber ein Delfin stirbt.

Rinder kann man züchten und schlachten.
Schweine sowieso.
Schafe auch - aber die Lämmer sind süß, die dann eher doch nicht.
Und Katzen sind Tabu.

Ich sage dazu: SCHWACHSINN!
Es gibt nur zwei Lösungen: Vegetarier sein. Und dann kann man auch keine Haustiere halten, die täglich Fleischfutter brauchen.

Oder man schert sich nicht drum und ißt alles.

Aber das Selektieren in süße und weniger süße Tiere ist absurd.

Dienstag, 5. August 2008

Ich werde alt

Wenn sich in einer Gesellschaft mühsam ein Erkenntnisprozess abspielt und nach Dekaden des Bohrens von dicksten Brettern endlich ein allgemeiner Wissenstand durchgesetzt hat, darf man es nicht schleifen lassen.
Manches bleibt hängen - wie zum Beispiel das von Kirche und Konservativen hart bekämpfte Frauenwahlrecht. Es steht inzwischen nicht mehr zur Disposition.

Andere Einsichten stehen auch nach Jahrzehnten noch auf der Kippe - zum Beispiel der Umweltschutz, der ebenfalls von der CDU und der Wirtschaft hart attackiert wurde, als die Grünen in den Bundestag kamen.
Das waren die Schmuddelkinder und Ökologie war einfach kein Thema für ernste Politik.
Heute haben alle Parteien die Ökologie auf der Agenda und niemand würde mehr öffentlich davon abrücken.
Besonders fest sitzen diese Überzeugungen aber nicht - kollidieren die Interessen der Industrie mit der Ökologie, sind die Umweltschutzbekenntnisse auch schnell mal zur Seite geschoben - da wird im Watt gebaggert, Flüsse werden begradigt und ausgehoben und mit der Autolobby legt sich auch niemand an - kein Tempolimit nirgends.
Nur als Beispiel eine Meldung aus Hamburg von heute; das Abendblatt schreibt:
Dem Hamburger Senat geht das Geld für sein Klimaschutzkonzept aus. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) muss die Fördergelder für Solaranlagen und Heizungssanierungen um 50 Prozent und mehr kürzen.
Die reichste Stadt Deutschland hat es nicht mehr so üppig und obwohl die Grünen an der Regierung sind, wird als erstes bei einer Umweltschutzmaßnahme gestrichen.

Richtig schlimm ist es aber beim Thema Atomkraft.
Es scheint, als ob jemand auf den großen „Reset“-Knopf der Gesellschaft gedrückt hätte und nun alle Argumente aus dem kollektiven Hirn der Deutschen entfleucht sind.
Kaum wird das Benzin ein bißchen teurer, kann die Atomlobby wieder den größten Unfug unter die Leute bringen, die das offensichtlich arglos und devot alles schlucken.
Negativbeispiel ist hier - mal wieder - Erwin Huber; sorry liebe Bayern.
Dieser niederbayerische Olm, der den Mund nicht zum Artikulieren aufmacht und offenbar bildungsmäßig nicht über den Abschluß der Realschule in Dingolfing (1963) hinauskam, haut zu der causa derzeit einen Klopfer nach dem nächsten raus.
Da biegen sich einem die Zehennägel hoch.
Im Interview mit dem Intelligenzblatt BILD am Sonntag jammerte er erst:
„Für mich ist es fast körperlich ein Schmerz, dass die Menschen nur noch so wenig Vertrauen in die Politik haben. Wir müssen wieder einen Vertrauensschatz aufbauen“
um dann sofort anschließend klar zu machen, wieso man IHM schon mal nicht vertrauen kann:
„Die Risiken der Kernkraft sind beherrschbar. Das ist CO2-freier Strom aus einer heimischen Energiequelle. Und Strom aus Kernkraftwerken ist der preisgünstigste, den es auf der Welt gibt.“
Selbst der atomfreudige SPIEGEL stürzte sich auf diesen Satz und vergab dafür Stufe 3 (Widersprüche und erhebliche faktische Fehler) auf der Münchhausen-Skala für den CSU-Vorsitzenden Erwin Huber.
Weder ist der Strom CO2-frei, noch bekommt man das Uran aus heimischer Produktion.
Beim Bau und Betrieb von Atomkraftwerken wird mehr Kohlendioxid produziert als bei Anlagen für Sonne oder Wind. Atomstrom ist also keineswegs CO2-frei. Beim Reaktoren-Rohstoff Uran ist Deutschland nicht weniger vom Ausland abhängig als bei Gas oder Öl.
Der erhebliche Energie - und CO2-Aufwand bei der Gewinnung von Uran-235 wurde erst gar nicht berücksichtigt und außerdem hat der Spiegel beide Augen und sämtliche Hühneraugen bei der angeblichen Beherrschbarkeit der Risiken zugedrückt.
Gleich noch mal willkürlich ins Springersche Abendblatt von heute gesehen:
In der Nacht zum Sonntag ist es in einem Labor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Österreich zum Austritt hochgiftigen Plutoniums gekommen.
Also die oberste Atomenergiekontrollbehörde der Welt hat mal eben selbst ein bißchen von dem tödlichsten Gift des Planeten freigesetzt.
Beherrschbar?
Angeblich hatte ja auch mal Schweden die sichersten Atomkraftwerke der Welt.
Der Staatskonzern Vattenfall sorgte dafür. Und vor zwei Jahren sind wir im Fall Forsmark haarscharf - es ging um 20 Minuten - an einem Gau wie in Tschernobyl vorbeigerauscht.
Vattenfall betreibt inzwischen auch im Norden Deutschlands Atomkraftwerke - leider stolpern Krümmel und Brunsbüttel von einer Panne zur nächsten und liegen still.
Dann haben wirmomentan die Zwischenfälle in Frankreich, am Dienstag schon den fünften in nur einem Monat.
Ein Platz für den Abfall ist auch noch nicht ansatzweise in Sichtweite.
Nach dem Fund von radioaktiver Salzlauge im Atommüllendlager Asse bei Wolfenbüttel im Juni hat isch auch dieses Forschungsbergwerk erledigt.
Huber predigt übrigens auch noch das St Floriansprinzip - obwohl immer schwarz regiert, Atomenergie-versessen und über die größte Fläche aller Bundesländer verfügend, will er in Bayern keinesfalls Atommüll endlagern.
Dazu sagt Bayerns SPD-Chef Stiegler:
"Typisch CSU. Mist produzieren, aber in Nachbars Gartenentsorgen. Wer seinen Mist nicht selber entsorgen will, der soll auch keinen machen.“

Ich kann hier nicht die endlose Kette von Argumenten gegen die Kernenergie (Tschernobyl, Terrorgefahr, ..) wiederholen - das kann man aber leicht überall nachlesen.
Aber da Huber von „preisgünstig“ spricht, lasse ich dazu Frau Höhn zu Wort kommen, die in dem Interview auch die angebliche „Stromlücke“ als Lüge entlarvt:
Innerhalb Deutschlands haben Sie in Baden-Württemberg den höchsten Anteil an Atomstrom – und mit die höchsten Stromkosten. Atomstrom ist doch nicht billiger! Da sind - nach Studien von Greenpeace - rund 80 bis 100 Milliarden Euro an Subventionen reingeflossen. Dazu kommt, dass die großen Konzerne ihre Rücklagen für die Endlagerung bis heute nicht versteuern müssen, das macht jährlich ungefähr 800 Millionen Euro aus. Und wenn sie die Meiler versichern müssten, könnten sie das gar nicht bezahlen. Die E.on, RWE, EnBW und Vattenfall bekommen über 80 Prozent ihrer Verschmutzungsrechte umsonst, rechnen die Emissionszertifikate jedoch ein und verlangen sie vom Verbraucher. Da kommen jedes Jahr sieben Milliarden Euro zusammen! Anstatt die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, sollten wir lieber zusehen, dass wir dieses Geld, das den Konzernen gar nicht zusteht, zurückholen. Wenn Sie die Atomkraftwerke länger am Netz lassen, stärken Sie die Marktmacht der vier Großen nur noch weiter und erhöhen damit die Preise.

Es ist doch unfassbar wie verblödet die Deutschen sind - statt Erwin Huber für seine dreisten Lügen zu lynchen, wird bei den Wahlen in zwei Monaten eine absolute Mehrheit der Partei, der er vorsteht, erwartet.

Herr, wirf Hirn vom Himmel.

Montag, 4. August 2008

Propagandistische Unterstützung

Religiöse gibt es in entspannter und in unentspannter Version.
Je verkrampfter, desto dogmatischer und desto unangenehmer werden sie.
Extrapoliert man die Skala bis zum Ende, kommt man irgendwann bei sogenannten Katholiken à la Kreuznet heraus, die es längst aufgegeben haben an ihrem Glauben noch irgendetwas positives zu sehen oder einer Diskussion zugänglich sind.
Dann wird nur noch verdammt, gehetzt und gehasst.
Die Leser der „Guten Nachricht“ ergehen sich ausschließlich darin „schlechte Nachrichten“ zu verbreiten.
Frömmigkeit verkommt dann ganz und gar zur Intoleranz und Toleranz erscheint ihnen zumindest satanisch.
Das Gehirn eines rechten Katholiken, eines FSSPX’lers oder eines Sedivakantisten funktioniert als Umpolungs-Matrix: Mit dem Spruch „Gott ist Liebe“ auf den Lippen, wird Hass gesät und gesehen.
Typische Opfer der Kreuznetredaktion sind Minderheiten aller Art - Juden, Schwule, Freimaurer - am besten alles zusammen.
Friedliches Verhalten deuten die invers geschalteten Hirnsynapsen der Frommen als Gewalt.
Typisches Beispiel hierfür sind die jährlichen CSD-Umzüge, die von allen politischen Demonstrationen und Partyumzügen die freundlichsten und fröhlichsten sind.
In der Kreuznetsprache wird das dann wie folgt beschrieben:
Um den Teufel aus der Homo-Küche herauszulocken, genügt es, vor ihr den Rosenkranz zu beten: Der Hang zur Widernatur erzeugt einen Haß auf die Übernatur. Ein widernatürlicher und sittengefährdender Homo-Marsch in Stuttgart, der sich ‘CSD’ nennt, wird Ende Juli unter dem Motto „Ich glaube…“ durchgeführt.
(über Stuttgart)
Militante Sodomisten wollen Anfang Juli, anläßlich eines Kölner Homo-Auflaufs, tausende familien- und kirchenfeindliche Plakate an Bäumen und Laternen anbringen. Mit Hilfe dieser perversen Propaganda-Aktion sollen Menschen schlechtgemacht werden, welche die Ehe verteidigen und um ihre Bedeutung wissen.
(über Köln).
Ein Kommentator namens „Tapir“, der mir REIN ZUFÄLLIG stilistisch ein bißchen ähnelt, gab sich große Mühe die Welt auch so zu sehen, witterte überall Unzucht und Blasphemie, hielt also die Augen auf.
Tapir wurde fündig und entdeckte widernatürliche Umtriebe in Schleswig Holstein, genauer gesagt in Wacken am letzten Wochenende.
Dieses lasterhafte Treiben der zu Myriaden zusammengerotteten Heavy Metal-Fraktion konnte Tapir nicht unbeschimpft mit ansehen und veröffentlichte sogleich seine Sicht der Dinge in der Kreuznet-Leserzeitung.
Die allmächtige und Zensur-freudige Redaktion ließ die rechtmäßige moralische Empörung allerdings nur einen halben Tag online und schoß den Text dann in die ewig wachsende Entropie des Netzes.
Mir ist das unverständlich und so möchte ich den kurzen Text nun gerne nachträglich noch einmal veröffentlichen.
Tapir:
„Das Dorf Wacken in Schleswig-Holstein war an diesem Wochenende wieder mal die Aufmarschstelle von 75.000 Heterounzüchtigen.
Für ein paar Tage Anfang August besetzt ein ganzes Volk von notorisch den satanischen Gruß zeigenden Sauberkeitshassern die Wiesen vor dem Dörfchen.
Einst gottesfürchtige Dörfler sind inzwischen auch dem Liberalismus verfallen und stimmen in die kirchfeindliche Handkommunikation ein, indem sie die Hand zur Faust ballen und den kleinen Finger und Zeigefinger abspreizen.
Gut 1800 Menschen leben hier ansonsten - auf jeden Bewohner kommen also etwa 42 Hetero-Aktivisten, die sich mit zerrissener Lederkleidung und Brunftgeschrei gegen die modischen Errungenschaften ganzer Generationen von Schwulen zur Wehr setzen. Ihre perverse anale Fixierung zeigen diese sogenannten Musikliebhaber durch Zurschaustellung ihrer nackten Gesäße.
So muß es dereinst auch in der Hölle zugehen, mag sich da mancher anständige Atheist denken, wenn die Myriaden Langhaarigen Heteros die Mähnen kreisen lassen.
Den Perversen hält keine Kirche den Spiegel vor und so sind die Anzeichen der Verdammnis überall zu spüren: Ein Festivalbesucher, der das Shirt der aufgelösten amerikanischen Thrash-Band "Sacred Reich" trägt, wird mehrfach zu seinem exquisiten Geschmack beglückwünscht.
Wie konnte es soweit kommen, daß die katholische Amtskirche schwach, devot und phlegmatisch nicht mehr ihre Stimme gegen die heterosexuellen Ausschweifungen erhebt, das Suhlen im Schlamm und das öffentliche Kopulieren scheinbar widerstandslos hinnimmt?
Herr erbarme Dich Schleswig-Holsteins.

Sonntag, 3. August 2008

Vorurteilscheck - Teil II

Vorurteile sind nicht auf Fakten basierende wenig reflektierte Allgemeinmeinungen, die ob der fehlenden empirischen Basis nicht bewiesen sind. Eine Widerlegung scheint mir daher auch irrelevant - vielmehr suche ich ähnlich griffige aber nicht verallgemeinerungsfähige Fäktchen.

Vorurteil:

Deutsche haben keine Ahnung von Sex, als „deutsch“ gilt in der Sexsprache die Missionarsstellung, mehr haben die Deutschen nicht drauf - vermutlich sind sie auch deswegen als einziges Volk außer den Japanern just dabei auszusterben. Japan hat allerdings einen Vorsprung, denn erstens sind sie derzeit rund anderthalb mal so viele und außerdem ernähren sie sich so gesund, daß sie fürchterlich langlebig sind, während die deutschen immer mehr Junk fressen, fett werden und früher sterben.

Vorkommen:

Überall außerhalb Deutschlands, insbesondere in Spanien und Italien.

Beweise:

Durex-Umfrage nach der gerade mal 5 % der Deutschen von sich selbst sagen schon einmal exotische Liebespraktiken versucht zu haben.



Gegenbeweis:

Na gut, ich habe keinen - aber wenn man mal Fünfe gerade sein lässt und davon ausgeht, daß Österreich irgendwie so ähnlich ist wie Deutschland (puh, gut, daß ich anonym bin - sonst gäbe es jetzt sicher Klassenkloppe von Deutschen und Österreichern!), kann man mal durchs Glossar der Internetsexmagazins klicken und findet dort allerlei offensichtlich im deutschen Sprachraum gebräuchliche Ausdrücke für Sexualpraktiken, von denen ich als Ausländer zugeben muß, daß ich für allesamt noch nicht probiert habe und es wohl auch nicht mehr tun werde.

Donnerknittel, was die Deutschen da so alles benennen können!

Bastonade (=Schläge auf die Füße) macht mich ebenso wenig scharf wie Mysophilie (=Sexuell motivierte Liebe zum Schmutz) oder Hierophilie (Als hierophil bezeichnet man Menschen, die durch religiöse oder kirchliche Gegenstände erregt werden). Beim Essen greife ich gerne zu vegetarischer Kost ohne dem Picacismus (Appetit auf Speisen mit sexueller Bedeutung; z.B. ein Nachtisch in Penisform) zu frönen. Ich behalte das essen auch bei mir, ganz ohne an Vomit-games zu denken (Eine besondere Fetisch-Art sind so genannte Vomit-Games, also Kotzspiele. Hier dreht sich alles um das eigene Erbrochene und/oder das des Partners) und beim anschließenden Verdauungsspaziergang habe ich niemals den Drang mit Bäumen zu kopulieren (Dendrophilie). Sehe ich dabei eine Schwangere, rümpfe ich eher die Nase, statt in Graviditäts-Fetischismus (Die Befriedigung der Lust ausschließlich durch schwangere Frauen.) zu machen, aber generell habe ich GAR NICHTS gegen Frauen, so daß ich auch nicht der Missogynie (Die starke Abneigung eines Mannes gegen das weibliche Geschlecht.) zu bezichtigen bin. Öffentliche Toiletten meide ich eh, da ich einen Hygienetick habe - so fällt auch ein Dasein als Renifleur (Geruchsfetischist. Der Renifleur ist ein Mann, der in der Nähe von Damentoiletten, dem Geruch von Kot und Urin nachjagt) weg und an Koprophagie (Essen von Kot) oder gar Koprolagnie (Kot-Fetischismus - das sexuelle Interesse konzentriert sich auf den Anus.) ist gar nicht zu denken. Hunde gehören an die Leine (Ein Zooerast steht auf Sex zwischen Menschen und Tieren) und generell finde ich Zoomimik (Nachahmung tierischer Verhaltensweisen vor oder während des Geschlechtsverkehrs) grenzdebil. Ich habe eine empfindliche Nase, die ich oft rümpfe, wenn Raucher, verschwitze Jogger oder extrem parfümierte Frauen an mir vorbei gehen - aber sexuell reizt das ja nun gar nicht - also auch keine Osphresiolagnie (Geruchswollust, einseitige Steigerung der Riechlust, Geruchsfetischismus). Gewisse Praktiken widerstreben auch schlicht und ergreifend meinem Anstandsgefühl, wie die Seliromanie (Besudelungstrieb, vom franz. salir: beschmutzen. Manche Männer verspüren den Drang, Frauen mit Kot, Schmutz, Farbe, Säure zu bespritzen) - meine Herren! So geht man doch mit keiner Dame um. Mein Schönheitsideal ist zwar ein bißchen mainstreamig, statt auf Steatopygnie (Steatopygnie = Fettarsch Für den einen Betrachter ein hässliches Zerrbild eines herrlich runden und knackigen Pos, für den anderen die Verkörperung von wahrer Sinnlichkeit) zu stehen, aber ich bin auch tolerant und würde niemals eine Infibulation (Infibulation bedeutet das Vernähen oder Verheften der männlichen oder weiblichen Genitalien, um den Beischlaf oder die Masturbation zu verhindern) verlangen.

Samstag, 2. August 2008

Vorurteilscheck - Teil I

Vorurteile sind nicht auf Fakten basierende wenig reflektierte Allgemeinmeinungen, die ob der fehlenden empirischen Basis nicht bewiesen sind.

Vorbemerkung:

Eine Widerlegung scheint mir daher auch irrelevant - vielmehr suche ich ähnlich griffige aber nicht verallgemeinerungsfähige Fäktchen.
Ein anschauliches Beispiel für so ein Denken erlebte ich vor 20 Jahren, als wir die Sandoz-Katastrophe erlebten:
Mit dem Löschwasser zur Brandbekämpfung waren bei dem Unfall am 1. November 1986 in Schweizerhalle bei Basel etwa 20 Tonnen giftiger Chemikalien (Phosphorsäureester und Quecksilberverbindungen) in den Rhein gelangt. Die akute Vergiftung führte zu einem massiven Fischsterben über Hunderte von Kilometern.
Willy Brandt sprach vom „Bhopal am Rhein“, der Fluß war derartig kontaminiert, daß die Holländer das ganze Rhein-Maas-Delta ausbaggern mußten. In einem Gemüseladen geriet ich in ein Streitgespräch darüber, wie die Folgekosten verteilt werden sollten und erhielt von dem Chef dort die interessante Aussage, er gönne den Holländern den Schlamassel im Rhein-Maas-Delta, da er nämlich zu Weihnachten erstmals eine holländische, statt einer deutschen Gans gegessen habe und die sei ja sowas von zäh gewesen…..


Vorurteil:

Kanadier sind wahnsinnig höflich - viel freundlicher als US-Amerikaner.

Vorkommen:

Breit gestreut - unter anderem als Basis-Idee manifestiert in der recht netten US-kanadische-Drama-Serie „Ein Mountie in Chicago/Ausgerechnet Chicago“ (Originaltitel: Due South )1994-1998.
Benton Fraser ist der Inbegriff eines kanadischen Mounties: ehrlich, aufrichtig, von hoher Moral. Sein Partner Ray Vecchio ist ein zynischer Großstadtpolizist aus Chicago, der allerlei Mafiosi kennt.

Beweise:

Die waffenvernarrte Nation USA gilt als kriminellster westlicher Staat überhaupt. Die Mordrate beträgt ~ 6,4 Morde pro Jahr und pro 100.000 Einwohner ( ~ 19.000 pro Jahr), zum Vergleich EU = 1,4.
In Kanada wird die Anzahl der Morde 2001 mit 554 angegeben (nimmt man für das Jahr 2001 eine Bevölkerungszahl von 32 Millionen an, kommt man auf einen Mordrate von 1,7)

Gegenbeweis:

Der 22-jährige Tim McLean dachte vielleicht wie seine rund 40 Mitfahrer auf der Busreise von Edmonton nach Manitoba auch, daß die Kanadier ein gar freundlich Volk wären.
Er wollte heim zu Mama und Papa nach Winnipeg, nachdem er auf einer Messe gejobbt hatte. Das Benehmen seines Sitznachbars Vince Weiguang Li kann man jedoch nicht als die freundliche englische Art bezeichnen.
Dieser nämlich verfiel auf den recht unkanadischen Gedanken Mr McLean mal ebenso zwischendurch den Kopf abzuschneiden.
Was ja eher nicht unter die Kategorie „höflich“ fällt.
Eine Augenzeuge erzählt, der Bus habe angehalten, und die Fahrgäste hätten in panischer Angst versucht, das Fahrzeug zu verlassen. In dieser Zeit habe der Mörder die Leiche systematisch aufgeschnitten und den Kopf abgetrennt. Er habe den Kopf dann aus der Bustür gehalten, um ihn den Fahrgästen zu zeigen.“
Ein weiterer Passagier sagte, der Mann habe die Polizisten verhöhnt, die später den Bus umstellt hätten, und ihnen den Kopf seines Opfers vor die Füße geworfen.
Ich finde, daß es sich nicht gehört sowas im Bus zu tun und kann dem Kanadischen Minister Stockwell Day nur zustimmen, der die Tat als „grauenhaft“ bezeichnete.
Die inzwischen bekanntgewordenen Mitschnitte des Polizeifunks - "Der Mörder ist im Heck des Busses, hackt Fleisch-Stücke heraus und isst sie" - lassen auch auf eigentümliche Essensvorlieben Li's schließen. Mag der Arbeitgeber des mutmaßlichen Täters Li ihn auch menschlich noch so sehr loben - er sei ein "Modellangestellter" gewesen, einer seiner zuverlässigsten Zeitungsausträger in Edmonton - "Er war immer pünktlich und sauber gekleidet", sagte Vincent Augert. "Er war ein sehr netter, höflicher Bursche." - ich finde dennoch, daß sich so ein Benehmen nicht gehört.

Ja, doch, als Imagekampagne für kanadische Überlandbusse ist dieses Vorkommen ungeeignet.

Freitag, 1. August 2008

Impudenz des Monats Juli

Diesmal trifft es eine Menge - und zwar die Hälfte aller Bayern!
Mein Bannstrahl beamt also gleich 6 Millionen Menschen auf den Gaga-Thron der Impudenz.
Wobei, Menschen…naja…, OK, wollen wir das mal durchgehen lassen.
Diese Lederhosen-fanatischen Voralpler mit dem Ohrenbluten verursachenden Akzent widersetzen sich mal wieder den allgemeinen Trends und wollen laut Umfragen am 28.September 2008 schon wieder die regierende Gaga-Partei mit einer absoluten Mehrheit beschenken.
Infratest Dimap sagt: CSU = 48 Prozent. SPD = 22%, Grüne = 9 %, FDP = 8% Während die Freien Wähler mit 5 Prozent gerade den Sprung in den Landtag schaffen würden, bliebe die Linke mit 4 Prozent draußen.
Das Unions-freundliche Emnid-Institut ermittelte für die BamS: CSU = 51%, SPD = 19 %, Grüne = 9 %, FDP = 7%, Linke = 5 % .
Wie kann nun sowas angehen?
Das Duo Huber und Beckstein debakuliert von einem Fettnapf in den nächsten, belügt das Volk, verprasst 4 Milliarden Euro auf Nimmerwiedersehen mit den Bayerischen Landesbank, fällt beim Rauchverbot erst um und dann noch mal auf den Kopf und schreibt unterdessen ihre Politrezeptur bei Lafontaines Linken ab.
Neben diesem irrlichternden Kurs in Bayern schaffen sie es auch noch die ganze Bundespolitik in Mitleidenschaft zu ziehen, indem sich ihre Berliner Minister zu altkeynsianischen Deppen machen, die sich in Wohltaten versprechen ergehen.
Scheiß auf kommenden Generationen, scheiß auf Deutschland, scheiß auf Haushaltskonsolidierung - Hauptsache Pöstchen in der freistaatlichen Provinz sichern.
Derweil fällt Deutschlands häßlichster und dümmster Politiker mit debilbayuwarischer Enthirnung auf.
So forderte doch Markus Söder tatsächlich Außenminister Steinmeier auf eine bilaterale Posse zu beginnen und in London wegen der Platzierung des wächsernen größten Korruptling der Bundesrepublik Deutschland in der Berliner Tussaud-Austellung, zu intervenieren.
Markus Blöder, der weder die Ausstellung, noch den Wachs-FJS gesehen hatte, blubberte aber schon mal tumb auf alle Pauken schlagend los:
„Es stünde dem Bundesaußenminister gut an, in London gegen die Verunglimpfung von Franz Josef Strauß sofort vorzugehen.“
Was könnte man da tun, Herr Europaminister?
Ein EU-Ausschlußverfahren gegen Großbritannien anstrengen?
Tja, das hat man nun davon - hätten wir nur früher auf die CSU gehört!
Bayern hatte ja bekanntlich schon am 20. Mai 1949 das Grundgesetz abgelehnt und wenn wir die von Strauß immer wieder vehement geforderten Atomwaffen hätten, könnten wir jetzt mal locker ein paar Raketen nach London schicken - ungehindert von lästigen humanitären Regeln und verfassungsrechtlichen Einschränkungen.

Meiner Meinung nach wäre ein CSU-Ergebnis von irgendwo zwischen 0 % und 4,9 % im Herbst bei der Landtagswahl sehr angemessen.

Absolute Mehrheit ist aber selbst bei größtmöglichem Verständnis für die Eigenarten eines von Starkbier und Schuhplattlern gematerten Südvolkes nicht akzeptabel.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Zeter und Mordio.

John McSame macht nun das, was er vorher vehement bestritt:
Dreckigen Wahlkampf.
Nicht unbedingt überraschend - sind doch Schmutzkampagnen DAS Mittel der Wahl bei den GOPsen.
McShame hat das 1999 als Opfer von Bush’s Unrat kübelnden Diffamierungskampagne selbst erleben müssen. Hat ihm vermutlich nicht gefallen, aber offenbar hat er auch gelernt, daß mit Lügen und Scheiße um sich zu werfen, beim amerikanischen Wähler gut ankommt.
Immerhin ist Bush ein bis zwei mal zum Präsident gewählt worden, obwohl er für jedermann erkennbar geistig völlig unterbelichtet ist, lügt wie gedruckt und mit einem extrem abstoßenden Charakter gesegnet ist.
Nun also the same: GOP-Wahlkampfspots berichten nun nicht mehr über McCaines Programmatik, sondern ergehen sich in negative campaining der perfideren Art:
McCain behauptete, Obama “would rather lose a war in order to win a political campaign,” tarred him as “Dr. No” on energy policy and run advertisements calling him responsible for high gas prices.
Besonders wahr ist das natürlich alles nicht, aber auch nicht besonders überraschend. Verblüffend finde ich schon eher, daß McShame nun auch noch anfängt zu jammern:
Er beklagt sich über die Medien, die Obama hochjazzten und stellt den Senator aus Illinois in eine Reihe mit Gehirnfreien Pop-Gestalten.
So geht ein Werbespot: „Er ist der größte Star der Welt", säuselt die Sprecherin spitz, dazu schnell geschnittene Szenen: Barack Obamas Berlin-Rede, Blitzlichtgewitter, Britney Spears, Paris Hilton. "Aber … ist er in der Lage, zu führen?"
Ein anderer Spot macht seinen Berlin-Auftritt lächerlich und stellt Vergleiche mit David Hasselhoff und Che an.
Obama, der Liebling der Massenmedien - so stellt es McCain dar und gibt sich schwer beleidigt. Abgesehen davon, daß es fraglich ist, ob ein schlecht gelaunter Opi, der auf beleidigte Leberwurst macht, besonders wählerwirksam sein mag, ist McCaines Darstellung auch noch glatt gelogen.
Das Center for Media and Public Affairs der George Mason University untersuchte die Berichterstattung der großen US-Medien und kamen zu folgendem Ergebnis:
Kommentare über Obama, so ermittelte das Institut, seien seit Juni nur zu 28 Prozent "positiv" gewesen - und zu 72 Prozent "negativ". Bei McCain habe das Verhältnis vorteilhafter gelegen: 43 Prozent "positiv", 57 Prozent "negativ". Besonders stach die Fox-News-Sendung "Special Report With Brit Hume" heraus: 79 Prozent aller Statements über die Demokraten seien dort "negativ" gewesen (61 Prozent bei den Republikanern). Beispiel: CBS-News-Anchorfrau Katie Couric nahm Obama während seiner Nahost- und Europareise auffallend hart ins Kreuzverhör - und interviewte McCain am selben Tag relativ weich. "Obamas Befragung war viel aggressiver", sagt Ex-Präsidentenberater David Gergen, der den Eindruck einer Bevorteilung Obamas durch die Medien darauf zurückführt, dass dessen Wahlkampf "aufregender" sei.
Die GOP-Verbindungen sind nicht zu unterschätzen!
Wenn es wirklich so wäre, daß mit McCain kritischer umgegangen würde, könnte er wohl mit seinen fortlaufenden sinnfreien Fehlleistungen wohl nicht Kopf an Kopf mit Obama liegen.
Schon amüsierte sich die Daily Show mit Jon Stewart gar köstlich über die von McShame postulierte "Irak-Pakistan-Grenze".
Der republikaner sprach von der "Tschechoslowakei", faselte davon, daß die US-Armee Al Kaida aus dem Irak vertrieben hätte, verwechselte Sunniten mit Schiiten, bekam die jüngere Geschichte des Iraks nicht ordentlich auf die Reihe.

Wieso macht sich jemand eigentlich überhaupt so dermaßen zum Großgomulk, um amerikanischer Präsident zu werden?
Mal abgesehen von den weltweiten quasi unlösbaren Megaproblemen (Irak, Iran, Palästina, Afghanistan, Klima, Öl,..), sieht es auch Zuhause mehr als trüb aus.
Klassische Politik können weder Obama noch McSame anfangen, daß der shrub die Amiwritschaft so derart ruiniert hat, daß man nur mit den Ohren schlackern kann.
Man muß in diesem Zusammenhang noch mal daran erinnern, was das für eine Titanen-Leistung das von GWB war - immerhin hat er von seinem Vorgänger eine boomende und vor Kraft strotzende Nation übernommen - inklusive dickem Haushaltsüberschuss.
Nach acht Jahren Bush’scher Voodoo-Ökonomie (Geld mit vollen Händen für befreundete Konzerne, und Waffenindustrie raus prassen, während man gleichzeitig den Megareichen der USA pausenlos Steuergeschenke macht), hat der schlechte Mann eine 13-Stellige Summe Miese aufgestapelt.
Insgesamt wird Bush den Amerikanern zusätzliche Schulden von 3900 Milliarden Dollar hinterlassen. 3.900.000.000.000 Dollar. Da muß man schon ordentlich in der Welt betteln gehen, um sich das Geld zusammen zu leihen.

Die reichste Nation der Erde wird allein in 2009 über 600 Milliarden Dollar neuer Staatskredite aufnehmen müssen.
(Offiziell sind es 482 Milliarden, aber die Kriegskosten sind noch nicht dabei).

Derweil rauscht eine Bank nach der nächsten in die Krise:
90 amerikanische Institute sind in ihrer Existenz bedroht und die Immobilien verlieren schneller an Wert, als man aus den Häusern flüchten kann!
Letztes Jahr gab es 2,2 Millionen Haus-Zwangsversteigerungen, weil die Eigentümer die Kredite nicht mehr abbezahlen konnten - natürlich fallen da die Immobilienpreise in den Keller:
In den 20 größten Städten Amerikas fielen sie im letzten Jahr durchschnittlich um 15,8 Prozent. Den Rekord halten die Hausbesitzer in Las Vegas: Ihre Immobilien verloren in diesem Zeitraum um 28,4 Prozent an Wert. Das führt zu massenhaften Klagen der Banken und zu misslichen Zwangsversteigerungen; Anwälte und Gerichte beherrschen die von zu spendabel agierenden Banken verwüstete Szene.

Das Wohltaten verteilen wird für den 44. Präsident schon aus dem Grund schwierig.

Fast wünsche ich mir, daß doch John McSame gewinnt - soll der doch die Suppe auslöffeln.