Sonntag, 10. April 2011
Der Christ des Tages - Teil XLII
Heute ist der Tag des alten Huts. Heute kommen zwei Blog-bekannte Personen in diesem Posting vor.
Zum Einen Evelin Finger, die unrühmlich-unkritische Betreuerin der seit einem Jahr bestehenden ZEIT-Rubrik „Glauben & Zweifeln“.
In der Print-Ausgabe vom 31.03.2011 interviewt sie den zweiten Blog-bekannten Menschen, nämlich den designierten Bischof Heinrich Bedford-Strohm.
Kirchenfreundin Finger, 1971 in Halle (DDR) geboren, beweist wieder einmal ihre klare Unterqualifizierung für den Job eines Redakteurs bei der renommierten ZEIT.
Man kennt natürlich ihre einseitig kirchophilen Ansichten und ihre lausigen journalistischen Qualitäten, aber es erstaunt schon, wie sie in einem ganzseitigen Interview, in dem der Interviewte eine Unwahrheit nach der Nächsten raushaut, nicht ein einziges Mal interveniert.
Obwohl die Überschrift den Eindruck erwecken soll, daß hier zwei Gesprächspartner involviert wären, ......
Macht Glauben glücklich? Ein Gespräch mit Heinrich Bedford-Strohm, der jetzt in Bayern für das Amt des evangelischen Landesbischofs kandidiert.
...handelt es sich eben nicht um einen Dialog, sondern einen Bischof, der seine Allgemeinplätzchen und historischen Unwahrheiten von sich gibt, während sich Frau Finger auf die unwürdige Rolle einer devoten Stichwortgeberin zurück zieht.
Und das ist schon die freundliche Interpretation dieses Totalausfalls.
Möglicherweise konnte Finger gar nicht nachfragen und die offensichtlichen Lügen aufzeigen, weil sie es einfach nicht besser weiß.
Weswegen eine so leichtgläubige, unkritische Person von Giovanni die Lorenzo zur Chefin des Ressorts „Glauben & ZWEIFELN“ ernannt wurde, bleibt rätselhaft.
Die Möglichkeit irgendetwas anzuzweifeln, das ihr der Pfaff auftischt, kommt Finger gar nicht in den Sinn.
Zum Christen des Tages - Teil XLII, ernenne ich aber den Pfarrer, Theologen und Bald-Bischof Bedford-Strohm, den ich vor vier Tagen offensichtlich zu freundlich behandelt habe.
Ein paar Beispiele:
Finger: Wann hat Theologie zuletzt eine entscheidende Zukunftsfrage formuliert?
Bedford-Strohm: Als es um unser Verhältnis zur Schöpfung ging. Lange Zeit dachten wir, der Mensch habe das Recht, sich der Natur zu bemächtigen. Theologie hat mithilfe der Ökologiebewegung herausgearbeitet, dass das, was in der Bibel Herrschaft über die Erde heißt, nichts anderes bedeutet als Pflege der Natur. Das Wort Herrscher ist im Alten Testament nie losgelöst von der Aufgabe des Königs, für die Schwachen zu sorgen und sie zu schützen.
Tammox: In der Bibel lesen wir gleich am Anfang etwas sehr eindeutiges über die Natur.
2 Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben. 3 Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
(Gen. 9)
Offensichtlich haben Theologen das 2000 Jahre genau so gesehen, wie es da steht.
Natur kann und soll ausgebeutet werden. Als der Umweltschutz in die politische Diskussion eingeführt wurde, haben insbesondere die C-Parteien hart dagegen gekämpft.
MSS: Die Religionen haben ihren Gottes-Konstrukten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die einfach nicht in Einklang zu bringen sind mit dem, was wir über die Welt wissen. Die christliche Vorstellung eines allgütigen, allmächtigen, allwissenden Gottes passt beispielsweise nicht zu dem, was wir in der Natur sehen. Denken Sie nur an all die Tiere, die im Verlauf der Evolution gefressen wurden, die kläglich verhungerten, verdursteten, erstickten, ertranken, verbrannten, innerlich verfaulten! Das Leid der Lebewesen schreit seit Jahrmillionen zum Himmel, ohne dass wir jemals irgendwelche göttliche Maßnahmen zur Linderung dieses Elends haben feststellen können.
Finger: Haben so destruktive Aspekte des Christentums wie etwa die sprichwörtliche Strafpredigt letztlich auch zur Kirchenkrise geführt?
Bedford-Strohm: Viele Menschen, die sich der Kirche entfremdet haben, kennen sicher die Erfahrung, dass christlicher Glauben ihnen Lebensquellen verschlossen hat. Sie haben Bilder von Kirche im Kopf, die abschreckend sind. Aber viele entdecken die Kirche auch neu. Vergangenes Jahr hat die Zahl der evangelischen Kircheneintritte in Bayern um 57 Prozent zugenommen.
Tammox: WTF??
Während die Debatte um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen die Öffentlichkeit beherrscht, steigt die Zahl der Kirchenaustritte in einigen Regionen Deutschlands offenbar leicht an. Ein eindeutiger Trend lässt sich allerdings anhand der aktuellen Zahlen nicht belegen. Das ergab am Freitag eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei Standesämtern und Amtsgerichten in der Bundesrepublik. Während in bayerischen Städten höhere Austrittszahlen registriert wurden, zeichnete sich in anderen Regionen kein nennenswerter Anstieg ab.
(Evangelisch. de 12.03.2010)
Die evangelischen Kirchenaustritte in Bayern:
2006: 13 861
2007: 14 880
2008: 19 846
2009: 17 816
(Bayerisches Landesamt für Statistik)
Während die zwei großen Kirchen in Deutschland in ähnlichem Ausmaß von Austritten betroffen sind, geht der demografische Trend stärker zulasten der evangelischen Kirche. Nach Ansicht von Präses Nikolaus Schneider ist dieser für die Krise der Institution Kirche neben den Austritten größtenteils verantwortlich. „Wir begraben mehr als wir taufen“, erklärte der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Schneider äußerte sich bei einer Vorlesung des ehemaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) in der Bonner Universität.
(Salzburger Nachtrichten 06.04.2011)
Bedford-Strohm: Anders als die Philosophie und die Politik erreicht Kirche nicht nur den Kopf, sondern auch die Seele. Jede kirchliche Rede zielt über die Ratio hinaus auf das Herz.
MSS: Vor allem außerhalb Europas richten die Religionen noch immer ungeheuren Schaden an. Denken Sie etwa an den islamischen Fundamentalismus oder an die Hexenverfolgungen, die in den letzten Jahren in Afrika stattgefunden haben. Angestachelt von evangelikalen christlichen Predigern sind in Nigeria in den letzten Jahren viele Tausend Kinder einem neuen Hexenwahn zum Opfer gefallen. Damit sich derartige Formen des Wahns nicht noch weiter ausbreiten, ist Religionskritik unerlässlich. Fakt ist jedenfalls: Wer Wissenschaft, Kunst und Philosophie besitzt, der braucht keine Religion.
Bedford-Strohm: Leben Sie im Hier und Jetzt! Da denkt man gleich an die Vögel in der Bergpredigt, die weder säen noch ernten, aber ihr himmlischer Vater ernährt sie doch. Wenn also die Botschaft des Evangeliums in einer Form vermittelt wird, die den modernen Menschen berührt, dann wird Kirche zur Orientierung für das persönliche Leben heute.
Tammox: Hier verschlägt es mir fast die Sprache ob der Dummerhaftigkeit des Religions-Professors. Glaubt der zukünftige Herr Bischof, daß nur der Mensch fleißig sät und erntet, während andere Tiere locker schmarotzend faul rumliegen und vom lieben Gott ernährt werden?
Offenbar versteht er nicht die simpelsten Zusammenhänge in der Natur.
Zufällig habe ich einen bewohnten Meisenkasten vorm Wohnzimmerfenster.
Der Herr Bischof sollte sich mal einen Tag lang ansehen, was die beiden Altvögel leisten. Die fliegen minütlich hin und her, rackern sich ohne Pause ab.
Bedford-Strohm: Wir müssen lernen, genügsam zu sein. Es gibt in der Bibel immer wieder Geschichten, die die Verabsolutierung des Menschen als Gestalter kritisieren. Die berühmteste handelt vom Turmbau zu Babel und wie die Menschen sich selber schaden, wenn sie ihre eigenen Grenzen nicht anerkennen.
Tammox:
Genügsamkeit ist aber das Gegenteil von der Hauptlehre aus der Bibel:
7 Seid fruchtbar und vermehrt euch; bevölkert die Erde und vermehrt euch auf ihr!
(Gen. 9)
Bedford-Strohm: Aber wer sonntags in den Gottesdienst geht, dort das Bußgebet spricht und es wirklich in seine Seele aufnimmt, der absolviert eine Schule der Demut. Christentum ist nicht zuletzt deswegen ein Zukunftsmodell, weil dort Demut wachsen kann.
Finger: Wenn Gebet aber aus dem Glauben kommt, müsste man erst einmal glauben lernen. Geht das?
Bedford-Strohm: Der Glaube ist ein Werk des Heiligen Geistes, aber der lässt sich auch gerne helfen.
Tammox: Das Christentum steht zunächst einmal für Größenwahn und hat durch den Irranspruch der allein seligmachenden Lehre mehr Leid als alle anderen Ideologien in der Geschichte der Menschheit verursacht.
Auf kein Konto gehen dermaßen viele Tote, wie auf das des Christentums.
Ursächlich ist dafür die Christliche Großmannssucht, die Anmaßung besser und wichtiger als alles andere zu sein und sich daraus das Recht abzuleiten andere Völker zu missionieren und/oder zu massakrieren und/oder zu versklaven.
Finger: Hat Kirche das Thema Werte eigentlich gepachtet? Und wäre es nicht im Sinne von Christen, dass es im säkularen Staat einen selbstbewussten Wertediskurs jenseits der Religion gibt?
Bedford-Strohm: Die Kirche ist keine Bundesagentur für Werte. Denn das Wesen des Christentums besteht darin, das Bestehende infrage zu stellen, anstatt einen ewig gültigen Wertekanon zu formulieren.
Tammox: Insbesondere die protestantische Kirche verkündet seit 500 Jahren ein extremes Obrigkeitsdenken.
Daher standen die Evangelischen Bischöfe auch besonders fest an der Seite Adolf Hitlers.
Sie interpretierten Jesus als Handlungsmaßstab, denn Gottes Sohn hatte selbst gesagt man müsse den Herrscher akzeptieren und eben nicht kritisieren:
Erstattet dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört."
(Mk 12, 13-17)
Mit dem Auftauchen Jesu und dem Neuen Testament, war die Richtschnur gefunden.
Gott will, daß Sklaven und Diener und Leibeigene und andere Rechtlose willig und ohne aufzumucken ihren Besitzern dienen - und wer sich Gott widersetzt, kommt in die Hölle.
Simple as that.
5 Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. 6 Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! 7 Dient freudig, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen. 8 Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann. 9 Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person.
(Brief an die Epheser, Kapitel 6)
Anders als Bedford-Strohm suggerieren will, wird die Erhaltung der Natur nicht mit dem Christentum, sondern nur mit Intelligenz möglich sein:
MSS: Schon lange liegen Konzepte vor, die zeigen, wie wir vernünftiger mit unseren Ressourcen umgehen könnten. Es gibt auch Entwürfe für eine neue Ökonomie, die allen Menschen nützen würde – nicht bloß einigen wenigen Wohlhabenden, die mit ihrem exorbitant gestiegenen Reichtum in der Regel ohnehin nichts mehr anzufangen wissen. Doch werden diese Vorschläge aufgegriffen? Werden sie breit in den Medien und in der Politik diskutiert? Nein, das Gegenteil ist der Fall: Kaum ist eine Krise notdürftig überstanden, machen wir weiter, als sei nichts geschehen. Dass die anwachsenden Müllberge die Umwelt verpesten, dass die Rohstoffe zuneige gehen, dass weltweit Tag für Tag 30.000 Kinder unter fünf Jahren sterben müssen, scheint kaum jemanden zu interessieren. Früher dachte ich, hinter dieser kolossalen menschlichen Verbohrtheit stünden mächtige Interessensgruppen, Lobbyisten, die sich in ominösen Hinterzimmern treffen und für den geheiligten Profit notfalls über Leichen gehen. Doch das ist, wenn überhaupt, nur ein Nebenaspekt eines sehr viel größeren Problems: So anregend und subjektiv entlastend es sein mag, anzunehmen, dass die Geschicke der Menschheit von einem Grüppchen finsterer Verschwörer gelenkt wird, in Wahrheit steckt hinter der ganzen Misere eine einzigartige, gigantische, weltumspannende RIESENBLÖDHEIT!
Tammox: Das Problem des Glaubens ist der Zusammenhang mit dem IQ.
Je dümmer, desto gläubiger lautet der simple Zusammenhang, den unter anderem Professor Richard Lynn belegte.
In der Zeitschrift Intelligence schreibt Lynn, dass es einen starken Zusammenhang zwischen dem IQ und dem Glauben an einen Gott gibt. Man könne sogar vom durchschnittlichen IQ den Anteil der Atheisten in 137 Ländern ablesen.
[…] Während er beispielsweise in anderen Publikationen den Anstieg der Intelligenz wie beim Flynn-Effekt auf eine bessere Ernährung zurückführt, behaupten er und seine Mitautoren nun, dass die in den meisten westlichen Ländern seit Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgehende Religiosität mit der steigenden Intelligenz und Ausbildung der Menschen erklärt werden könnte. Ähnlich sei dies in der Entwicklung der Menschen. So würden die meisten Grundschüler noch an Gott glauben, aber mit zunehmenden Alter und wachsender Intelligenz würden viele skeptisch und schließlich atheistisch werden. Nach einer Umfrage der Royal Society würden so nur 3,3 Prozent der britischen Akademiker, aber 68,5 Prozent der Gesamtbevölkerung an Gott glauben. Ein ähnliches Ergebnis habe eine Umfrage in den neunziger Jahren unter Mitgliedern der American National Academy of Sciences bestätigt. Hier waren nur 7 Prozent religiös.
(Florian Rötzer12.06.2008)
Als Akademiker sollte Prof Heinrich Bedford-Strohm also eigentlich nicht religiös sein.
Theologie ist aber gar keine richtige Wissenschaft, wie Skydaddy kürzlich dankenswerterweise in einem besonders empfehlenswerten Posting heraus arbeitete:
Die sogenannte Wissenschaft „Theologie“ verstößt schon per Definition gleich gegen zwei Grundpfeiler wissenschaftlicher Arbeit: nämlich die Überprüfbarkeit und die Ergebnisoffenheit. Stattdessen wird bei der Theologie vorgegeben – je nach Religion bzw. Konfession unterschiedlich, wohlgemerkt – was zu lehren ist und wer es lehren darf. Siehe z.B. den Fall von Prof. Gerd Lüdemann. Die Doktortitel der Theologie von Nikolaus Schneiders Vorgängern als EKD-Ratsvorsitzender, Dr. Margot Käßmann und Dr. Wolfgang Huber, sollten eigentlich nicht weniger unangebracht erscheinen als der des Verteidigungsministers. (Dass Huber, der es immerhin fertigbrachte, als EKD-Ratsvorsitzender in einem Schreiben für „Pro Reli“ in 11 Sätzen 6 mal die Unwahrheit zu sagen, heute als Redner und Berater (Hubers Homepage: „Vordenker“) zum Thema „Ethik“ unterwegs ist und sich „vor allem der Wertevermittlung in Wirtschaft und Gesellschaft“ widmet, erinnert in seiner Dreistigkeit ebenfalls an den Verteidigungsminister.)
(Steinwürfe aus dem Glashaus 25.02.2011)
Zum Einen Evelin Finger, die unrühmlich-unkritische Betreuerin der seit einem Jahr bestehenden ZEIT-Rubrik „Glauben & Zweifeln“.
In der Print-Ausgabe vom 31.03.2011 interviewt sie den zweiten Blog-bekannten Menschen, nämlich den designierten Bischof Heinrich Bedford-Strohm.
Kirchenfreundin Finger, 1971 in Halle (DDR) geboren, beweist wieder einmal ihre klare Unterqualifizierung für den Job eines Redakteurs bei der renommierten ZEIT.
Man kennt natürlich ihre einseitig kirchophilen Ansichten und ihre lausigen journalistischen Qualitäten, aber es erstaunt schon, wie sie in einem ganzseitigen Interview, in dem der Interviewte eine Unwahrheit nach der Nächsten raushaut, nicht ein einziges Mal interveniert.
Obwohl die Überschrift den Eindruck erwecken soll, daß hier zwei Gesprächspartner involviert wären, ......
Macht Glauben glücklich? Ein Gespräch mit Heinrich Bedford-Strohm, der jetzt in Bayern für das Amt des evangelischen Landesbischofs kandidiert.
...handelt es sich eben nicht um einen Dialog, sondern einen Bischof, der seine Allgemeinplätzchen und historischen Unwahrheiten von sich gibt, während sich Frau Finger auf die unwürdige Rolle einer devoten Stichwortgeberin zurück zieht.
Und das ist schon die freundliche Interpretation dieses Totalausfalls.
Möglicherweise konnte Finger gar nicht nachfragen und die offensichtlichen Lügen aufzeigen, weil sie es einfach nicht besser weiß.
Weswegen eine so leichtgläubige, unkritische Person von Giovanni die Lorenzo zur Chefin des Ressorts „Glauben & ZWEIFELN“ ernannt wurde, bleibt rätselhaft.
Die Möglichkeit irgendetwas anzuzweifeln, das ihr der Pfaff auftischt, kommt Finger gar nicht in den Sinn.
Zum Christen des Tages - Teil XLII, ernenne ich aber den Pfarrer, Theologen und Bald-Bischof Bedford-Strohm, den ich vor vier Tagen offensichtlich zu freundlich behandelt habe.
Ein paar Beispiele:
Finger: Wann hat Theologie zuletzt eine entscheidende Zukunftsfrage formuliert?
Bedford-Strohm: Als es um unser Verhältnis zur Schöpfung ging. Lange Zeit dachten wir, der Mensch habe das Recht, sich der Natur zu bemächtigen. Theologie hat mithilfe der Ökologiebewegung herausgearbeitet, dass das, was in der Bibel Herrschaft über die Erde heißt, nichts anderes bedeutet als Pflege der Natur. Das Wort Herrscher ist im Alten Testament nie losgelöst von der Aufgabe des Königs, für die Schwachen zu sorgen und sie zu schützen.
Tammox: In der Bibel lesen wir gleich am Anfang etwas sehr eindeutiges über die Natur.
2 Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben. 3 Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
(Gen. 9)
Offensichtlich haben Theologen das 2000 Jahre genau so gesehen, wie es da steht.
Natur kann und soll ausgebeutet werden. Als der Umweltschutz in die politische Diskussion eingeführt wurde, haben insbesondere die C-Parteien hart dagegen gekämpft.
MSS: Die Religionen haben ihren Gottes-Konstrukten bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die einfach nicht in Einklang zu bringen sind mit dem, was wir über die Welt wissen. Die christliche Vorstellung eines allgütigen, allmächtigen, allwissenden Gottes passt beispielsweise nicht zu dem, was wir in der Natur sehen. Denken Sie nur an all die Tiere, die im Verlauf der Evolution gefressen wurden, die kläglich verhungerten, verdursteten, erstickten, ertranken, verbrannten, innerlich verfaulten! Das Leid der Lebewesen schreit seit Jahrmillionen zum Himmel, ohne dass wir jemals irgendwelche göttliche Maßnahmen zur Linderung dieses Elends haben feststellen können.
Finger: Haben so destruktive Aspekte des Christentums wie etwa die sprichwörtliche Strafpredigt letztlich auch zur Kirchenkrise geführt?
Bedford-Strohm: Viele Menschen, die sich der Kirche entfremdet haben, kennen sicher die Erfahrung, dass christlicher Glauben ihnen Lebensquellen verschlossen hat. Sie haben Bilder von Kirche im Kopf, die abschreckend sind. Aber viele entdecken die Kirche auch neu. Vergangenes Jahr hat die Zahl der evangelischen Kircheneintritte in Bayern um 57 Prozent zugenommen.
Tammox: WTF??
Während die Debatte um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen die Öffentlichkeit beherrscht, steigt die Zahl der Kirchenaustritte in einigen Regionen Deutschlands offenbar leicht an. Ein eindeutiger Trend lässt sich allerdings anhand der aktuellen Zahlen nicht belegen. Das ergab am Freitag eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei Standesämtern und Amtsgerichten in der Bundesrepublik. Während in bayerischen Städten höhere Austrittszahlen registriert wurden, zeichnete sich in anderen Regionen kein nennenswerter Anstieg ab.
(Evangelisch. de 12.03.2010)
Die evangelischen Kirchenaustritte in Bayern:
2006: 13 861
2007: 14 880
2008: 19 846
2009: 17 816
(Bayerisches Landesamt für Statistik)
Während die zwei großen Kirchen in Deutschland in ähnlichem Ausmaß von Austritten betroffen sind, geht der demografische Trend stärker zulasten der evangelischen Kirche. Nach Ansicht von Präses Nikolaus Schneider ist dieser für die Krise der Institution Kirche neben den Austritten größtenteils verantwortlich. „Wir begraben mehr als wir taufen“, erklärte der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Schneider äußerte sich bei einer Vorlesung des ehemaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) in der Bonner Universität.
(Salzburger Nachtrichten 06.04.2011)
Bedford-Strohm: Anders als die Philosophie und die Politik erreicht Kirche nicht nur den Kopf, sondern auch die Seele. Jede kirchliche Rede zielt über die Ratio hinaus auf das Herz.
MSS: Vor allem außerhalb Europas richten die Religionen noch immer ungeheuren Schaden an. Denken Sie etwa an den islamischen Fundamentalismus oder an die Hexenverfolgungen, die in den letzten Jahren in Afrika stattgefunden haben. Angestachelt von evangelikalen christlichen Predigern sind in Nigeria in den letzten Jahren viele Tausend Kinder einem neuen Hexenwahn zum Opfer gefallen. Damit sich derartige Formen des Wahns nicht noch weiter ausbreiten, ist Religionskritik unerlässlich. Fakt ist jedenfalls: Wer Wissenschaft, Kunst und Philosophie besitzt, der braucht keine Religion.
Bedford-Strohm: Leben Sie im Hier und Jetzt! Da denkt man gleich an die Vögel in der Bergpredigt, die weder säen noch ernten, aber ihr himmlischer Vater ernährt sie doch. Wenn also die Botschaft des Evangeliums in einer Form vermittelt wird, die den modernen Menschen berührt, dann wird Kirche zur Orientierung für das persönliche Leben heute.
Tammox: Hier verschlägt es mir fast die Sprache ob der Dummerhaftigkeit des Religions-Professors. Glaubt der zukünftige Herr Bischof, daß nur der Mensch fleißig sät und erntet, während andere Tiere locker schmarotzend faul rumliegen und vom lieben Gott ernährt werden?
Offenbar versteht er nicht die simpelsten Zusammenhänge in der Natur.
Zufällig habe ich einen bewohnten Meisenkasten vorm Wohnzimmerfenster.
Der Herr Bischof sollte sich mal einen Tag lang ansehen, was die beiden Altvögel leisten. Die fliegen minütlich hin und her, rackern sich ohne Pause ab.
Bedford-Strohm: Wir müssen lernen, genügsam zu sein. Es gibt in der Bibel immer wieder Geschichten, die die Verabsolutierung des Menschen als Gestalter kritisieren. Die berühmteste handelt vom Turmbau zu Babel und wie die Menschen sich selber schaden, wenn sie ihre eigenen Grenzen nicht anerkennen.
Tammox:
Genügsamkeit ist aber das Gegenteil von der Hauptlehre aus der Bibel:
7 Seid fruchtbar und vermehrt euch; bevölkert die Erde und vermehrt euch auf ihr!
(Gen. 9)
Bedford-Strohm: Aber wer sonntags in den Gottesdienst geht, dort das Bußgebet spricht und es wirklich in seine Seele aufnimmt, der absolviert eine Schule der Demut. Christentum ist nicht zuletzt deswegen ein Zukunftsmodell, weil dort Demut wachsen kann.
Finger: Wenn Gebet aber aus dem Glauben kommt, müsste man erst einmal glauben lernen. Geht das?
Bedford-Strohm: Der Glaube ist ein Werk des Heiligen Geistes, aber der lässt sich auch gerne helfen.
Tammox: Das Christentum steht zunächst einmal für Größenwahn und hat durch den Irranspruch der allein seligmachenden Lehre mehr Leid als alle anderen Ideologien in der Geschichte der Menschheit verursacht.
Auf kein Konto gehen dermaßen viele Tote, wie auf das des Christentums.
Ursächlich ist dafür die Christliche Großmannssucht, die Anmaßung besser und wichtiger als alles andere zu sein und sich daraus das Recht abzuleiten andere Völker zu missionieren und/oder zu massakrieren und/oder zu versklaven.
Finger: Hat Kirche das Thema Werte eigentlich gepachtet? Und wäre es nicht im Sinne von Christen, dass es im säkularen Staat einen selbstbewussten Wertediskurs jenseits der Religion gibt?
Bedford-Strohm: Die Kirche ist keine Bundesagentur für Werte. Denn das Wesen des Christentums besteht darin, das Bestehende infrage zu stellen, anstatt einen ewig gültigen Wertekanon zu formulieren.
Tammox: Insbesondere die protestantische Kirche verkündet seit 500 Jahren ein extremes Obrigkeitsdenken.
Daher standen die Evangelischen Bischöfe auch besonders fest an der Seite Adolf Hitlers.
Sie interpretierten Jesus als Handlungsmaßstab, denn Gottes Sohn hatte selbst gesagt man müsse den Herrscher akzeptieren und eben nicht kritisieren:
Erstattet dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört."
(Mk 12, 13-17)
Mit dem Auftauchen Jesu und dem Neuen Testament, war die Richtschnur gefunden.
Gott will, daß Sklaven und Diener und Leibeigene und andere Rechtlose willig und ohne aufzumucken ihren Besitzern dienen - und wer sich Gott widersetzt, kommt in die Hölle.
Simple as that.
5 Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. 6 Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! 7 Dient freudig, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen. 8 Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann. 9 Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person.
(Brief an die Epheser, Kapitel 6)
Anders als Bedford-Strohm suggerieren will, wird die Erhaltung der Natur nicht mit dem Christentum, sondern nur mit Intelligenz möglich sein:
MSS: Schon lange liegen Konzepte vor, die zeigen, wie wir vernünftiger mit unseren Ressourcen umgehen könnten. Es gibt auch Entwürfe für eine neue Ökonomie, die allen Menschen nützen würde – nicht bloß einigen wenigen Wohlhabenden, die mit ihrem exorbitant gestiegenen Reichtum in der Regel ohnehin nichts mehr anzufangen wissen. Doch werden diese Vorschläge aufgegriffen? Werden sie breit in den Medien und in der Politik diskutiert? Nein, das Gegenteil ist der Fall: Kaum ist eine Krise notdürftig überstanden, machen wir weiter, als sei nichts geschehen. Dass die anwachsenden Müllberge die Umwelt verpesten, dass die Rohstoffe zuneige gehen, dass weltweit Tag für Tag 30.000 Kinder unter fünf Jahren sterben müssen, scheint kaum jemanden zu interessieren. Früher dachte ich, hinter dieser kolossalen menschlichen Verbohrtheit stünden mächtige Interessensgruppen, Lobbyisten, die sich in ominösen Hinterzimmern treffen und für den geheiligten Profit notfalls über Leichen gehen. Doch das ist, wenn überhaupt, nur ein Nebenaspekt eines sehr viel größeren Problems: So anregend und subjektiv entlastend es sein mag, anzunehmen, dass die Geschicke der Menschheit von einem Grüppchen finsterer Verschwörer gelenkt wird, in Wahrheit steckt hinter der ganzen Misere eine einzigartige, gigantische, weltumspannende RIESENBLÖDHEIT!
Tammox: Das Problem des Glaubens ist der Zusammenhang mit dem IQ.
Je dümmer, desto gläubiger lautet der simple Zusammenhang, den unter anderem Professor Richard Lynn belegte.
In der Zeitschrift Intelligence schreibt Lynn, dass es einen starken Zusammenhang zwischen dem IQ und dem Glauben an einen Gott gibt. Man könne sogar vom durchschnittlichen IQ den Anteil der Atheisten in 137 Ländern ablesen.
[…] Während er beispielsweise in anderen Publikationen den Anstieg der Intelligenz wie beim Flynn-Effekt auf eine bessere Ernährung zurückführt, behaupten er und seine Mitautoren nun, dass die in den meisten westlichen Ländern seit Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgehende Religiosität mit der steigenden Intelligenz und Ausbildung der Menschen erklärt werden könnte. Ähnlich sei dies in der Entwicklung der Menschen. So würden die meisten Grundschüler noch an Gott glauben, aber mit zunehmenden Alter und wachsender Intelligenz würden viele skeptisch und schließlich atheistisch werden. Nach einer Umfrage der Royal Society würden so nur 3,3 Prozent der britischen Akademiker, aber 68,5 Prozent der Gesamtbevölkerung an Gott glauben. Ein ähnliches Ergebnis habe eine Umfrage in den neunziger Jahren unter Mitgliedern der American National Academy of Sciences bestätigt. Hier waren nur 7 Prozent religiös.
(Florian Rötzer12.06.2008)
Als Akademiker sollte Prof Heinrich Bedford-Strohm also eigentlich nicht religiös sein.
Theologie ist aber gar keine richtige Wissenschaft, wie Skydaddy kürzlich dankenswerterweise in einem besonders empfehlenswerten Posting heraus arbeitete:
Die sogenannte Wissenschaft „Theologie“ verstößt schon per Definition gleich gegen zwei Grundpfeiler wissenschaftlicher Arbeit: nämlich die Überprüfbarkeit und die Ergebnisoffenheit. Stattdessen wird bei der Theologie vorgegeben – je nach Religion bzw. Konfession unterschiedlich, wohlgemerkt – was zu lehren ist und wer es lehren darf. Siehe z.B. den Fall von Prof. Gerd Lüdemann. Die Doktortitel der Theologie von Nikolaus Schneiders Vorgängern als EKD-Ratsvorsitzender, Dr. Margot Käßmann und Dr. Wolfgang Huber, sollten eigentlich nicht weniger unangebracht erscheinen als der des Verteidigungsministers. (Dass Huber, der es immerhin fertigbrachte, als EKD-Ratsvorsitzender in einem Schreiben für „Pro Reli“ in 11 Sätzen 6 mal die Unwahrheit zu sagen, heute als Redner und Berater (Hubers Homepage: „Vordenker“) zum Thema „Ethik“ unterwegs ist und sich „vor allem der Wertevermittlung in Wirtschaft und Gesellschaft“ widmet, erinnert in seiner Dreistigkeit ebenfalls an den Verteidigungsminister.)
(Steinwürfe aus dem Glashaus 25.02.2011)
Samstag, 9. April 2011
Money makes the world go around.
Seehofer und Merkel werden beim Blick in die heutige Presse beide den gleichen Gedanken gehabt haben: “Zum Glück haben wir Karl-Theodor zu Googleberg schon vor einem Monat entsorgt.“
Was hatte sich Guttenberg noch vor ein paar Wochen aufgeblasen, er werde alles zur Aufklärung der Plagiatsvorwürfe tun und habe selber das allergrößte Interesse daran.
Nun, da der Bericht seiner Uni vorliegt, setzt er seine Anwälte an, um das für ihn peinliche Gutachten unter den Teppich zu kehren.
Daß der Lügenbaron erneut hinterlistig mauschelnd versucht die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen ist nur die vordergründige Top-Meldung.
Die Collage aus Plagiaten, die Karl-Theodor zu Guttenberg als Doktorarbeit verkauft hat, war schon unverfroren genug. Kaum weniger dreist ist, wie er in der Affäre mit der Öffentlichkeit umgeht. Anfangs hat er alle Vorwürfe als "abstrus" beiseite gewischt. Später hat er dann "handwerkliche Fehler" eingeräumt und sich entschuldigt. Zu dem Zeitpunkt war seine Abschreiberitis längst dokumentiert und nicht mehr zu leugnen. Jetzt versucht er offenbar zu verhindern, dass die Universität Bayreuth offiziell festhält, was ohnehin alle sagen, die sich mit Plagiaten auskennen: Guttenberg hat keinen Fehler gemacht, der aus Versehen passiert ist. Es war weit mehr als nur Schlampigkeit. Es war bewusste Täuschung.
[…] Guttenberg setzt sein Blendwerk fort. Guttenberg hat stets seinen besonders hohen moralischen Anspruch betont. Eingelöst hat er ihn nicht. Noch in seiner Rücktrittserklärung hat er behauptet, es sei sein "aufrichtiges Anliegen", zur Aufklärung des Falls beizutragen.
(Tanjev Schultz 09.04.11)
Das tiefergehende Problem für die Zickzack-Kanzlerin kristallisiert sich erst allmählich heraus:
Der adelige Ex-Verteidigungsminister hat in seinem Job geschlampt und die Bundeswehr mit seiner koalitionsvertragswidrigen Reform gegen die Wand gefahren.
Die jetzt schon völlig überlastete Armee, die scheinbar schon am Ende ihrer Kräfte ist, wenn sich 9.000 von insgesamt 228.043 aktiven Soldaten im Einsatz befinden, kann keinen Nachwuchs mehr rekrutieren.
Keiner will mehr zum Bund, obwohl das Anforderungsprofil schon deutlich gesenkt wurde. Jungs ohne Schulabschluß und mangelnder physischer Tauglichkeit werden inzwischen auch von de Maizière gecastet.
Wenig überraschend, daß die Bundeswehr auf Jugendliche ungefähr so attraktiv wie ein Fuchsbau auf Hühner wirkt: Miserables Image, lausige Bezahlung und zu allem Überfluss kommt man womöglich auch noch in einem Zink-Sarg aus Kunduz zurück.
Die Armee braucht aber Soldaten: 12.000 Freiwillige pro Jahr müssen angeworben werden. Keine leicht zu gewinnende Schlacht, im Moment sieht es nach einer Niederlage aus: Im ersten Monat hat die Bundeswehr gerade einmal knapp 400 Freiwillige für sich gewinnen können – mehr als doppelt so viele hätten es sein müssen.
(Panorama 30.03.2011)
Zum Gelde drängt, am Gelde hängt, doch alles.
Die miserablen Bedingungen als Soldat könnte man vielleicht verschmerzen, wenn ordentlich bezahlt würde, aber es muß ja gespart werden. Schließlich sind Rekruten keine „notleidenden Banker“ oder Atomlobbyisten.
Gerade 1200 Euro monatlich bekommt man maximal im freiwilligen Dienst. Für das Geld und einen Aufschlag soll man im Ernstfall sein Leben riskieren. Wenig überraschend, dass die Bundeswehr so keine Überflieger bekommt.
O-Ton Reinhold Robbe, ehem. Wehrbeauftragter: „Die Bundeswehr muss sich ganz neu aufstellen, sie muss die jungen Leute heute ködern, wenn man so will, mit attraktiven Angeboten. Und das spielt sich einmal über das Geld ab, das spielt sich aber natürlich auch über die Rahmenbedingungen ab.“
[…] Mehr Geld für die Soldaten ist nicht eingeplant, teilt uns das Verteidigungsministerium mit, man müsse sparen. Für teure Werbung hingegen scheint genug Geld da zu sein.
(aus dem Panorama-Skript)
Eine überwiegend männliche Truppe, mit rechtslastigem Weltbild und bizarren Sex-Ritualen ist auch ein anderer Verein, der mit massivem Mitgliederschwund kämpft:
Die Christliche Kirche.
Anders als das deutsche Verteidigungsministerium, hat eine US-Gemeinde die Zeichen der Zeit erkannt und bietet Bares:
Pastor Randy Moore von der Lindenwald-Baptistengemeinde in Hamilton (Ohio) verlost unter den Besuchern seiner Messe insgesamt 1000 Dollar, um die (nicht so sehr) Gläubigen wieder in Scharen in den Gottesdienst zu locken.
Lindenwald Baptist Church in Hamilton draws names to award $500 each to a member of the congregation and a guest. Pastor Randy Moore says the southwest Ohio church had hoped for 1,000 worshippers last year, when it made the offer for the first time. It packed in 1,140 — more than double the usual Sunday attendance of around 500. Moore says a crew had to direct traffic in the parking lot. Easter falls on April 24 this year. The pastor says given the economy, the church will continue the cash giveaway to provide a financial as well as a spiritual blessing on the holiday.
(AP 3/22/2011)
Eine schöne Idee.
Aber 500 Dollar sind ziemlich mickrig. Man bedenke, daß nur die Hälfte der Deutschen gelegentlich bis regelmäßig Lotto spielen und dabei kommt immerhin ab und an mal ein siebenstelliger Betrag als Gewinnsumme raus.
Da die beiden großen Christlichen Kirchen in Deutschland über ein Vermögen von rund 700 Milliarden Euro verfügen (Frerk), könnten sie also gut und gerne auch mal acht- oder neunstellig Gottesdienstanwesenheits-Prämie verlosen.
Dann wird es bestimmt wieder voll auf den Kirchenbänken.
Was hatte sich Guttenberg noch vor ein paar Wochen aufgeblasen, er werde alles zur Aufklärung der Plagiatsvorwürfe tun und habe selber das allergrößte Interesse daran.
Nun, da der Bericht seiner Uni vorliegt, setzt er seine Anwälte an, um das für ihn peinliche Gutachten unter den Teppich zu kehren.
Daß der Lügenbaron erneut hinterlistig mauschelnd versucht die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen ist nur die vordergründige Top-Meldung.
Die Collage aus Plagiaten, die Karl-Theodor zu Guttenberg als Doktorarbeit verkauft hat, war schon unverfroren genug. Kaum weniger dreist ist, wie er in der Affäre mit der Öffentlichkeit umgeht. Anfangs hat er alle Vorwürfe als "abstrus" beiseite gewischt. Später hat er dann "handwerkliche Fehler" eingeräumt und sich entschuldigt. Zu dem Zeitpunkt war seine Abschreiberitis längst dokumentiert und nicht mehr zu leugnen. Jetzt versucht er offenbar zu verhindern, dass die Universität Bayreuth offiziell festhält, was ohnehin alle sagen, die sich mit Plagiaten auskennen: Guttenberg hat keinen Fehler gemacht, der aus Versehen passiert ist. Es war weit mehr als nur Schlampigkeit. Es war bewusste Täuschung.
[…] Guttenberg setzt sein Blendwerk fort. Guttenberg hat stets seinen besonders hohen moralischen Anspruch betont. Eingelöst hat er ihn nicht. Noch in seiner Rücktrittserklärung hat er behauptet, es sei sein "aufrichtiges Anliegen", zur Aufklärung des Falls beizutragen.
(Tanjev Schultz 09.04.11)
Das tiefergehende Problem für die Zickzack-Kanzlerin kristallisiert sich erst allmählich heraus:
Der adelige Ex-Verteidigungsminister hat in seinem Job geschlampt und die Bundeswehr mit seiner koalitionsvertragswidrigen Reform gegen die Wand gefahren.
Die jetzt schon völlig überlastete Armee, die scheinbar schon am Ende ihrer Kräfte ist, wenn sich 9.000 von insgesamt 228.043 aktiven Soldaten im Einsatz befinden, kann keinen Nachwuchs mehr rekrutieren.
Keiner will mehr zum Bund, obwohl das Anforderungsprofil schon deutlich gesenkt wurde. Jungs ohne Schulabschluß und mangelnder physischer Tauglichkeit werden inzwischen auch von de Maizière gecastet.
Wenig überraschend, daß die Bundeswehr auf Jugendliche ungefähr so attraktiv wie ein Fuchsbau auf Hühner wirkt: Miserables Image, lausige Bezahlung und zu allem Überfluss kommt man womöglich auch noch in einem Zink-Sarg aus Kunduz zurück.
Die Armee braucht aber Soldaten: 12.000 Freiwillige pro Jahr müssen angeworben werden. Keine leicht zu gewinnende Schlacht, im Moment sieht es nach einer Niederlage aus: Im ersten Monat hat die Bundeswehr gerade einmal knapp 400 Freiwillige für sich gewinnen können – mehr als doppelt so viele hätten es sein müssen.
(Panorama 30.03.2011)
Zum Gelde drängt, am Gelde hängt, doch alles.
Die miserablen Bedingungen als Soldat könnte man vielleicht verschmerzen, wenn ordentlich bezahlt würde, aber es muß ja gespart werden. Schließlich sind Rekruten keine „notleidenden Banker“ oder Atomlobbyisten.
Gerade 1200 Euro monatlich bekommt man maximal im freiwilligen Dienst. Für das Geld und einen Aufschlag soll man im Ernstfall sein Leben riskieren. Wenig überraschend, dass die Bundeswehr so keine Überflieger bekommt.
O-Ton Reinhold Robbe, ehem. Wehrbeauftragter: „Die Bundeswehr muss sich ganz neu aufstellen, sie muss die jungen Leute heute ködern, wenn man so will, mit attraktiven Angeboten. Und das spielt sich einmal über das Geld ab, das spielt sich aber natürlich auch über die Rahmenbedingungen ab.“
[…] Mehr Geld für die Soldaten ist nicht eingeplant, teilt uns das Verteidigungsministerium mit, man müsse sparen. Für teure Werbung hingegen scheint genug Geld da zu sein.
(aus dem Panorama-Skript)
Eine überwiegend männliche Truppe, mit rechtslastigem Weltbild und bizarren Sex-Ritualen ist auch ein anderer Verein, der mit massivem Mitgliederschwund kämpft:
Die Christliche Kirche.
Anders als das deutsche Verteidigungsministerium, hat eine US-Gemeinde die Zeichen der Zeit erkannt und bietet Bares:
Pastor Randy Moore von der Lindenwald-Baptistengemeinde in Hamilton (Ohio) verlost unter den Besuchern seiner Messe insgesamt 1000 Dollar, um die (nicht so sehr) Gläubigen wieder in Scharen in den Gottesdienst zu locken.
Lindenwald Baptist Church in Hamilton draws names to award $500 each to a member of the congregation and a guest. Pastor Randy Moore says the southwest Ohio church had hoped for 1,000 worshippers last year, when it made the offer for the first time. It packed in 1,140 — more than double the usual Sunday attendance of around 500. Moore says a crew had to direct traffic in the parking lot. Easter falls on April 24 this year. The pastor says given the economy, the church will continue the cash giveaway to provide a financial as well as a spiritual blessing on the holiday.
(AP 3/22/2011)
Eine schöne Idee.
Aber 500 Dollar sind ziemlich mickrig. Man bedenke, daß nur die Hälfte der Deutschen gelegentlich bis regelmäßig Lotto spielen und dabei kommt immerhin ab und an mal ein siebenstelliger Betrag als Gewinnsumme raus.
Da die beiden großen Christlichen Kirchen in Deutschland über ein Vermögen von rund 700 Milliarden Euro verfügen (Frerk), könnten sie also gut und gerne auch mal acht- oder neunstellig Gottesdienstanwesenheits-Prämie verlosen.
Dann wird es bestimmt wieder voll auf den Kirchenbänken.
Freitag, 8. April 2011
Gefühle
Männer können nicht mit Gefühlen umgehen. Männer haben keine Gefühle. Männer können ihre Gefühle nicht zeigen.
So oder so ähnlich lautet das gängige Geschlechter-Vorurteil.
Ein ziemlicher Blödsinn, wenn man mich fragt. Aber bin ich Psychologe?
Skepsis ist allerdings angebracht, wenn konservative Politiker, die in der Praxis so gar keine Empathie für die Bedürftigen und Benachteiligten entwickeln, öffentlich anfangen zu flennen.
Man kennt das beispielsweise von Helmut Kohl, dem vor Rührung gerne mal die Tränen über seine Pausbacken laufen. Die Tränendrüsen gehen beim „ewigen Kanzler“ immer dann in den Akkord-Modus, wenn Lobeshymnen über ihn gesungen werden, wenn man ihn ehrt und mit wichtigen Preisen bedenkt.
Kohls öffentliche Gefühle sind ein Zeichen von überbordender Eitelkeit, die sich ebenso in Zornesausbrüchen zeigt, wenn er beispielsweise Journalisten bepöbelt, er kenne keinen „Herr Kohl“, er sei schließlich „Herr Dr. Kohl“!
Das sind harmlose Gefühle, die den Wähler belustigen.
Die unangenehmen Gefühle konservativer Politiker, sind die Postulierten.
George W. Bush zum Beispiel hatte sich in seiner Zeit als Texanischer Gouverneur, 1994 -2000 sage und schreibe 152 Todesurteile vollstrecken lassen und sich damit als konservativer Knochen etabliert.
Die Christliche Wählerbasis (Erstes Gebot: „Du sollst nicht töten!“) war begeistert und wählte ihn fast zum Präsidenten.
(Auf den Demokraten Al Gore entfielen bei der US-Präsidentschaftswahl bekanntlich mindestens 550.000 Stimmen mehr, als auf Bush.)
Wie konnte Bush, der so offensichtlich ahnungslos war und zudem auf ein Leben aus Alkoholsucht und einer endlosen Kette beruflichen Versagens zurück blickte, es schaffen dennoch Präsident zu werden?
Er gab den harten Hund und verkaufte sich nach außen als „mitfühlender Konservativer“.
Ein Konzept, das vermutlich Karl Rove ersonnen hatte und das hervorragend funktionierte.
Wie sich das Eigen-Prädikat „MITFÜHLEND“ dann politisch auswirkte, wissen wir heute genau:
Millionen Tote, Verletzte und Vertriebene in Afghanistan und dem Irak, Abu Ghraib, Baghram, Guantanamo, Folterbefehle.
In Deutschland gibt es auch ein stockkonservatives Grüppchen, das sich ausschließlich um die Stärksten und Reichsten kümmert.
Der Noch-Chef dieser obskuren Banken-, Pharma- und Atomlobby ging sogar soweit den Ärmsten dieses Landes, nämlich den Hartz-IV-Empfängern zu unterstellen sie frönten der „spätrömischen Dekadenz“.
Der einseitige Mövenpick-Kurs dieser sogenannten Regierungspartei war demoskopisch betrachtet allerdings kontraproduktiv. Die Wähler rasten um Hilfe schreiend davon und statt der 14,6% vom September 2009, würden heute ganze drei Prozent noch mal ihr Kreuz bei dem Verein machen.
Mit einer Mini-Personalrochade, die schon als „Kuschel-Putsch“ verhöhnt wird, kommt nun ein aus Vietnam importierter Niedersachse an die Parteispitze, welcher aus Panik vor den Demoskopen das Steuer herum reißen soll.
Der Neuanfang wird dadurch sichtbar, daß alle Posten von genau denselben Eumeln besetzt werden, wie vorher. Kein einziger Kopf rollt.
Aber - und nun kommt es - die Gefühle sollen es richten.
Der neue Chef zeigte deutlich, daß ihm die Armen herzlich egal sind, indem er in seinem Ressort gleich einmal den bisherigen Spitzenlobbyisten Christian Weber vom „Verband der Privaten Krankenversicherungen“ zu seinem Abteilungsleiter für Grundsatzfragen ernannte und den Pharma-kritischen obersten deutschen Medizinprüfer, Peter Sawicki, als Vorsitzenden des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) feuerte.
Der Nachfolger von Ulla Schmidt hat ein großes Herz - für die Pharmalobby.
Seine Dreistigkeit kennt dabei keine Grenzen.
Ab jetzt darf der „Gemeinsame Bundesausschuss“ die Zulassung nutzloser, aber extrem teurer Medikamente nur die Zulassung verweigern, wenn er die „Nutzlosigkeit“ beweisen kann.
Das ist eine glatte Umkehrung der Beweislast - vorher mußten Pharmafirmen die Wirksamkeit eines neuen Medikaments beweisen.
Das entfällt inzwischen.
Der Wortlaut des neuen Gesetzes ist wortwörtlich einem Gutachten der Kanzlei „Clifford Chance“ entnommen, welches der wichtigste Lobbyverein, nämlich „der Verband forschender Arzneimittelhersteller“ (VfA) erstellen lassen hatte.
Nach so vielen Bücklingen vor den milliardenschweren Profitinteressen, erfreut Merkels Minister für Krankheiten auch noch eine tolle Nachricht für die Krankenversicherten:
Sie zahlen höhere Versicherungsbeiträge und bekommen obendrein noch eine Extra-Abgabe aufgebrummt.
Es ist dabei nur ein kleiner Trost für die gesetzlich Versicherten, daß die Privatversicherten noch wesentlich schlimmer unter Prämienerhöhungen von bis zu 70 % leiden.
Dieser Lobbyknecht auf dem Stuhl des Gesundheitsministers wird nun bald Parteichef und verkündet als neues Motto den „MITFÜHLENDEN LIBERALISMUS“, das sogleich sein Staatssekretär begeistert nachplappert:
„….sprechen führende FDP-Politiker wie Daniel Bahr, Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, nun von einem „mitfühlenden Liberalismus“. Hier droht allerdings die Gefahr der Beliebigkeit, denn das Thema „Mitgefühl“ im Sinne von Solidarität mit den Schwachen wird bereits von anderen Parteien besetzt.“
(dpa, Christoph Driessen, 06.04.2011)
So schlecht finde ich das neue Begriffspaar noch nicht einmal.
Man muß nur immer bedenken, mit wem die Drei-Prozent-Partei mitfühlt.
Mit Multimilliardären wie Baron von Finck zum Beispiel, oder mit den Pharmamultis.
Man weiß auch wofür diese „mitfühlenden Liberalen“ nicht so sehr mitfühlen, denn einer der ihren sitzt auf dem Stuhl des Entwicklungshilfeministers.
Deutschland liegt bei den Ausgaben für die Entwicklungshilfe weit hinter den selbst gesteckten Zielen zurück. Im vergangenen Jahr gab die Bundesrepublik nach offiziellen Angaben nur 0,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für staatliche Hilfen an ärmere Länder aus. Ursprünglich hätten es im Jahr zuvor 0,51 Prozent sein sollen. Das Vorhaben, bis 2015 mindestens 0,7 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe zu verwenden, liegt nun in fast unerreichbarer Entfernung. Auf dieses Ziel hat sich Berlin verpflichtet.
( dpa 07.04.2011)
Daß täglich an die 100.000 Menschen an Hunger und den Folgen des Hungers krepieren, erregt also offenbar kein Mitgefühl bei den Liberalen.
Aber dafür wurden die Waffenexporte in alle Welt kräftig aufgestockt.
So oder so ähnlich lautet das gängige Geschlechter-Vorurteil.
Ein ziemlicher Blödsinn, wenn man mich fragt. Aber bin ich Psychologe?
Skepsis ist allerdings angebracht, wenn konservative Politiker, die in der Praxis so gar keine Empathie für die Bedürftigen und Benachteiligten entwickeln, öffentlich anfangen zu flennen.
Man kennt das beispielsweise von Helmut Kohl, dem vor Rührung gerne mal die Tränen über seine Pausbacken laufen. Die Tränendrüsen gehen beim „ewigen Kanzler“ immer dann in den Akkord-Modus, wenn Lobeshymnen über ihn gesungen werden, wenn man ihn ehrt und mit wichtigen Preisen bedenkt.
Kohls öffentliche Gefühle sind ein Zeichen von überbordender Eitelkeit, die sich ebenso in Zornesausbrüchen zeigt, wenn er beispielsweise Journalisten bepöbelt, er kenne keinen „Herr Kohl“, er sei schließlich „Herr Dr. Kohl“!
Das sind harmlose Gefühle, die den Wähler belustigen.
Die unangenehmen Gefühle konservativer Politiker, sind die Postulierten.
George W. Bush zum Beispiel hatte sich in seiner Zeit als Texanischer Gouverneur, 1994 -2000 sage und schreibe 152 Todesurteile vollstrecken lassen und sich damit als konservativer Knochen etabliert.
Die Christliche Wählerbasis (Erstes Gebot: „Du sollst nicht töten!“) war begeistert und wählte ihn fast zum Präsidenten.
(Auf den Demokraten Al Gore entfielen bei der US-Präsidentschaftswahl bekanntlich mindestens 550.000 Stimmen mehr, als auf Bush.)
Wie konnte Bush, der so offensichtlich ahnungslos war und zudem auf ein Leben aus Alkoholsucht und einer endlosen Kette beruflichen Versagens zurück blickte, es schaffen dennoch Präsident zu werden?
Er gab den harten Hund und verkaufte sich nach außen als „mitfühlender Konservativer“.
Ein Konzept, das vermutlich Karl Rove ersonnen hatte und das hervorragend funktionierte.
Wie sich das Eigen-Prädikat „MITFÜHLEND“ dann politisch auswirkte, wissen wir heute genau:
Millionen Tote, Verletzte und Vertriebene in Afghanistan und dem Irak, Abu Ghraib, Baghram, Guantanamo, Folterbefehle.
In Deutschland gibt es auch ein stockkonservatives Grüppchen, das sich ausschließlich um die Stärksten und Reichsten kümmert.
Der Noch-Chef dieser obskuren Banken-, Pharma- und Atomlobby ging sogar soweit den Ärmsten dieses Landes, nämlich den Hartz-IV-Empfängern zu unterstellen sie frönten der „spätrömischen Dekadenz“.
Der einseitige Mövenpick-Kurs dieser sogenannten Regierungspartei war demoskopisch betrachtet allerdings kontraproduktiv. Die Wähler rasten um Hilfe schreiend davon und statt der 14,6% vom September 2009, würden heute ganze drei Prozent noch mal ihr Kreuz bei dem Verein machen.
Mit einer Mini-Personalrochade, die schon als „Kuschel-Putsch“ verhöhnt wird, kommt nun ein aus Vietnam importierter Niedersachse an die Parteispitze, welcher aus Panik vor den Demoskopen das Steuer herum reißen soll.
Der Neuanfang wird dadurch sichtbar, daß alle Posten von genau denselben Eumeln besetzt werden, wie vorher. Kein einziger Kopf rollt.
Aber - und nun kommt es - die Gefühle sollen es richten.
Der neue Chef zeigte deutlich, daß ihm die Armen herzlich egal sind, indem er in seinem Ressort gleich einmal den bisherigen Spitzenlobbyisten Christian Weber vom „Verband der Privaten Krankenversicherungen“ zu seinem Abteilungsleiter für Grundsatzfragen ernannte und den Pharma-kritischen obersten deutschen Medizinprüfer, Peter Sawicki, als Vorsitzenden des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) feuerte.
Der Nachfolger von Ulla Schmidt hat ein großes Herz - für die Pharmalobby.
Seine Dreistigkeit kennt dabei keine Grenzen.
Ab jetzt darf der „Gemeinsame Bundesausschuss“ die Zulassung nutzloser, aber extrem teurer Medikamente nur die Zulassung verweigern, wenn er die „Nutzlosigkeit“ beweisen kann.
Das ist eine glatte Umkehrung der Beweislast - vorher mußten Pharmafirmen die Wirksamkeit eines neuen Medikaments beweisen.
Das entfällt inzwischen.
Der Wortlaut des neuen Gesetzes ist wortwörtlich einem Gutachten der Kanzlei „Clifford Chance“ entnommen, welches der wichtigste Lobbyverein, nämlich „der Verband forschender Arzneimittelhersteller“ (VfA) erstellen lassen hatte.
Nach so vielen Bücklingen vor den milliardenschweren Profitinteressen, erfreut Merkels Minister für Krankheiten auch noch eine tolle Nachricht für die Krankenversicherten:
Sie zahlen höhere Versicherungsbeiträge und bekommen obendrein noch eine Extra-Abgabe aufgebrummt.
Es ist dabei nur ein kleiner Trost für die gesetzlich Versicherten, daß die Privatversicherten noch wesentlich schlimmer unter Prämienerhöhungen von bis zu 70 % leiden.
Dieser Lobbyknecht auf dem Stuhl des Gesundheitsministers wird nun bald Parteichef und verkündet als neues Motto den „MITFÜHLENDEN LIBERALISMUS“, das sogleich sein Staatssekretär begeistert nachplappert:
„….sprechen führende FDP-Politiker wie Daniel Bahr, Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, nun von einem „mitfühlenden Liberalismus“. Hier droht allerdings die Gefahr der Beliebigkeit, denn das Thema „Mitgefühl“ im Sinne von Solidarität mit den Schwachen wird bereits von anderen Parteien besetzt.“
(dpa, Christoph Driessen, 06.04.2011)
So schlecht finde ich das neue Begriffspaar noch nicht einmal.
Man muß nur immer bedenken, mit wem die Drei-Prozent-Partei mitfühlt.
Mit Multimilliardären wie Baron von Finck zum Beispiel, oder mit den Pharmamultis.
Man weiß auch wofür diese „mitfühlenden Liberalen“ nicht so sehr mitfühlen, denn einer der ihren sitzt auf dem Stuhl des Entwicklungshilfeministers.
Deutschland liegt bei den Ausgaben für die Entwicklungshilfe weit hinter den selbst gesteckten Zielen zurück. Im vergangenen Jahr gab die Bundesrepublik nach offiziellen Angaben nur 0,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für staatliche Hilfen an ärmere Länder aus. Ursprünglich hätten es im Jahr zuvor 0,51 Prozent sein sollen. Das Vorhaben, bis 2015 mindestens 0,7 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe zu verwenden, liegt nun in fast unerreichbarer Entfernung. Auf dieses Ziel hat sich Berlin verpflichtet.
( dpa 07.04.2011)
[SHAME ON YOU GERMANY!!!]
Daß täglich an die 100.000 Menschen an Hunger und den Folgen des Hungers krepieren, erregt also offenbar kein Mitgefühl bei den Liberalen.
Aber dafür wurden die Waffenexporte in alle Welt kräftig aufgestockt.
Donnerstag, 7. April 2011
Fade away.
Die Pforte des ehemaligen Kapuzinerinnen-Klosters in Appenzell bleibt seit einigen Monaten geschlossen. Wegen Überalterung mussten die letzten fünf betagten Schwestern im Frühling ins Kloster Grimmenstein nach Walzenhausen ziehen. Die dortigen Kapuzinerinnen nahmen ihre Glaubensgenossinnen auf. Kaum besser geht es vielen andern Klöstern im Bistum St.Gallen.
(Tagblatt Online, 30. Juli 2008)
Solche und ähnliche Meldungen liest man in letzter Zeit oft.
Auch im Fernsehen habe ich schon zwei Reportagen über aussterbende Kapuzinerinnen-Klöster gelesen; in denen die jüngste Nonne über 80 war und man seit Dekaden keine Neueintritte zu verzeichnen hatte.
Wenn der Herrgott ruft - Bemühungen der Nonnen, Kloster Maria Opferung...
Noch zwölf Nonnen leben im Kloster Maria Opferung in Zug. Die jüngste ist 79, die älteste 98 Jahre alt. Sie besitzen neben dem Kloster viel Land an schönster Lage. Doch dieser Besitz wird nun zum Problem: Die Schwestern wollen nicht, dass ihr Kloster nach ihrem Tod umfunktioniert, das Land zerstückelt und damit spekuliert wird. Sie möchten es als spirituellen Ort erhalten, in der Gemeinschaft und in ihrem Kloster zusammenbleiben, bis sie sterben. Die Situation des Klosters Maria Opferung steht für viele in der gesamten westlichen Welt
(3Sat 30 Januar 2011)
In diesen Reportagen wird kräftig auf die Tränendrüsen gedrückt; man möchte beinahe selbst Nonne werden, weil diese Geronto-Gläubigen im Pinguin-Dress so traurig und mitleiderregend sind, wie sie und ihre teilweise über 1000 Jahre alten Klöster wegsterben.
Aber weswegen sollte man auch im Zeitalter von Hartz-IV noch ins Kloster gehen?
Die schiere materielle Not muß einen nicht mehr hinter die Mauern treiben.
Aber es wäre auch ein Wunder, wenn Klöster nicht eingehen würden.
Immerhin verwaisen schon geraume Zeit Pfarreien, weil die RKK es nicht schafft genügend Priesternachwuchs zu züchten.
Beim Fußvolk sieht es entsprechend aus - mit seiner Gläubigen-Vertreibungspolitik hat J.R. allein im Jahr 2010 die Kirchenaustrittszahlen in Deutschland um 40% raufgetrieben.
Die Missbrauchsaffäre in der katholischen Kirche hat im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Kirchenaustritte um fast 40 Prozent geführt. Nach Recherchen der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" verließen im Jahr 2010 rund 180.000 Katholiken ihre Kirche. Das sind gut 50.000 Austritte mehr als im Jahr 2009. Damals lag die Zahl bei 128.800.
(nachrichten.t-online.de 06.04.2011)
Das Klostersterben dürfte Oberkatholik Ratzinger allerdings auch mit einem lachenden Auge sehen.
Denn viele Westeuropäische Klöster sind sagenhaft reich, verfügen über riesige Ländereien und großartige pompöse Gebäude.
Jedes Mal, wenn die letzte Methusalem-Nonne den Löffel abgibt, fallen Millionenwerte dem Heiligen Stuhl zu.
Bei den Mönchsklöstern sieht die Situation der Katholischen Kirche genauso grausam aus.
Bis vor kurzen florierten zwar noch von Christlichen Brüdern geführte Elite-Lehranstalten wie das Kloster Ettal, aber seitdem man nun auch offiziell weiß, daß die Priore, Äbte und Hauslehrer nachts in die Schlafsäle pilgern um den Inhalt der Unterhosen der Jungs zu untersuchen, gibt es ein leichtes Imageproblem.
Bejammert wird auch das Ende der Benediktinerabtei Michaelsberg, die zum Erzbistum Köln gehört und nun nach 947 den Löffel abgeben wird.
Die Stadt Siegburg verliert ihr Wahrzeichen. Die Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg wird Mitte des nächsten Jahres aus wirtschaftlichen und personellen Gründen aufgelöst. Die Mönche werden dann fast 950 Jahre nach Klostergründung die Kreisstadt verlassen und in andere Klöster des Ordens umsiedeln.
[… ] Wie die Benediktiner mitteilten, hat der zwölfköpfige Konvent des Siegburger Klosters zum Abschluss der Visitation die Auflösung des Klosters mit Mehrheit in geheimer Abstimmung beschlossen. Pater Christian: "Wir haben entschieden, die rechtlichen Schritte einzuleiten, um das Kloster rechtzeitig schuldenfrei schließen zu können. Die finanziellen Defizite der vergangenen Jahre haben die Rücklagen des Klosters nahezu aufgezehrt. Auch die Suche nach personeller Unterstützung aus anderen Klöstern des Ordens blieb ergebnislos." Denn das Kloster hat nicht nur wirtschaftliche Probleme, auch um die Mönchsgemeinschaft stand es offenbar nicht zum Besten. Der jüngste Mönch ist 25, der älteste 89 Jahre alt.
(Klaus Elsen 09.11.2010)
Schon im Januar 2011 berichtete meine Lieblings Fundi-Webseite Hakenkreuz.net über das zukünftige Schicksal des Klosters:
Nach Angaben der Zeitung haben sich mehrere mögliche Investoren für Hotels oder Wellness-Anlagen gemeldet. Ein Sprecher der Erzdiözese Köln erklärte aber, daß eine kirchliche Nutzung des Gebäudes „nach wie vor oberste Priorität“ habe.
[…] Über der Abtei schwebt das Schicksal des Redemptoristen-Klosters in Hennef-Geistingen. Dort sind Eigentumswohnungen entstanden. Die denkmalgeschützte Klosterkirche soll eine Veranstaltungshalle für Firmenmessen und ähnliche Anlässe werden. Ein ähnliches Schicksal ereilte das einst berühmte Dominikanerkloster Walberberg in Bornheim. Es wurde vor zwei Jahren von der Firma ‘Summit Partners’ aus Köln für fünf Millionen Euro gekauft. Jetzt gibt es dort ein Restaurant, einen katholischern Kindergarten und Wohnungen für die Mitarbeiter eines Freizeitparks.
[…] Das Kloster der Dominikanerinnen von Neusatzeck mit 89 Zimmern im nördlichen Schwarzwald ist für 2,5 Millionen Euro zu haben. Zum Verkauf stehen auch das idyllische Kloster Maria Engelportder Hünfelder Oblaten in der Nähe der Verbandsgemeinde Treis-Karden Rheinland-Pfalz um 2.25 Millionen Euro oder das Kloster „Haus Sankt Josef“ in Sundern im Sauerland für 800.000 Euro.
(Hetznet 28.01.2011)
Inzwischen ist das Ende gekommen. Auch die exklusiven Drähte zum Herrgott von Hardcore-Kardinal Meisner haben nichts genützt.
Pest.net kennt natürlich die Ursache: Die lasche „Konzilskirche“ voller vom wahren katholischen Glauben abgefallener „alt-liberaler Bischöfe“ habe den Niedergang des Katholizismus zu verantworten:
Die reuelose Konzilskirche empfängt gerade den verdienten Lohn für ihr schändliches Treiben. Wann wird sie ihren Konzils-Triumphalismus ablegen und umkehren?
(kotz.net 07.04.11)
Fest steht jedenfalls schon, dass Joachim Kardinal Meisner am Sonntag, 19. Juni, ab 10.30 Uhr ein feierliches Pontifikalamt in der Abteikirche hält. Damit wird wohl der Schlusspunkt unter die 947 Jahre währende Geschichte der Benediktiner auf dem Siegburger Michaelsberg gesetzt.
(Bonner General-Anzeiger 07.04.11)
Nun kann und darf man Hakenkreuznet natürlich nicht ernst nehmen; aber es ist schon außerordentlich ärgerlich, wie Klöster in der normalen Presse konnotiert sind - nämlich in geradezu absurden Maße positiv.
Das Ende der Klöster wird grundsätzlich nur beweint und bedauert.
Ich habe noch keine einzige Stimme gelesen, die mal ein „Gott sei Dank“ ausspricht.
950 Jahre Religiotie, Engstirnigkeit und finanzielles Auspressen der Umgebung haben endlich ein Ende!
Guckt man in das GenWiki der Kreisstadt Siegburg, findet man einige interessante Hinweise darauf, welchen Einfluß das Kloster ganz konkret auf einige Menschenleben hatte:
1522.13. Sept.. Der Siegburger Abt erläßt eine Verfügung an die Stadtschützen von Siegburg, in welcher er für die Folge streng verbot, fahrendes Volk, welches mit Singen und Gaukelspiel viel Unrath und Perturbirung frommer Christenleute anrichte, zu den Schießspielen zuzulassen.
1523. In Siegburg wird in einer besonders berufenen Volksversammlung das Fluchen ausdrücklich verboten (Dr. J.W. Dornbusch: Leben und Treiben in einer alten Siegstadt im 15., 16. und 17. Jahrhundert, Bonn 1876, S. 64).
[…]
1562. Siegburg. Auflösung des Sankt Annen-Klosters (Hammer: Wege in die Geschichte. Dornbusch schreibt:" Im Jahre 1563 liefen sämtliche Nonnen mit Ausnahme der Oberin aus dem genannten Ordenshause weg, und einzelne jüngere verheiratheten sich nachher auf den umliegenden Dörfern").
[…]
1565. März. Siegburg. Johann Schelten wird wegen Wiedertäuferei verurteilt mit seiner Familie und seinem Gesinde, "so dem Werk anhangig", vor Sonnenaufgang die Stadt zu verlassen, es sei denn, er erklärt schriftlich Reue u. Rückkehr zur rechten christlichen Religion (StA Sbg., A II/16, S. 104).
1573, Abt von Siegb. versucht die Ausweisung aller protestantischer Handwerker (hauptsächlich Lohgerber und Wollenweber) aus Siegburg innerhalb von 24 Stunden. Die Handwerker können jed. eine längere Frist erwirken, um ihr Hab und Gut wegzubringen und ihre Schulden und Außenstände begleichen zu können (Stefan Ehrenpreis: Wir sind mit blutigen Köpfen davongelaufen, S. 176).
[…] 1576 Abt Gottfried von Eyll weist alle protestantischen Bürger aus der Stadt.
[…] 1636.24. Juli. Der Siegburger Bürgermeister Wilh. Kortenbach u. der Wollweber Christian Lindtlar bezichtigen Kündtgen (Kunigunde) Meurer, die Frau eines Siegburger Bäckers, des Schadenzaubers (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte, S. 75).
1636. Sommer bis 1638, Sommer. Siegburger Hexenprozesse (40 Prozesse, von denen 37 mit einem Todesurteil endeten. Hexenkommissare: Franziskus Buirmann und Kaspar Lieblar) (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte, S. 75, Siegburg 1995).
1636. 9. Sept., in Siegburg. Verhaftung der Sibylla Vogelsang, Hermann Kellners Frau (richtig: Knütgen) wegen Hexerei.
1636.16. Sept., Dienstag, Kündtgen Meurer, Trein Leyendecker u. Maria Tücking werden in Siegburg am Brückberg als Hexen durch den Strang hingerichtet. Die Leichen werden anschließend verbrannt (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte).
1636.18. Sept., Donnerstag, Siegburg. Sibilla Vogelsang wird als Hexe zu Tode gefoltert und danach verbrannt.
1636. 5. und 12. Nov., Troisdorf. 10 Frauen erleiden als Hexen den Flammentod.
1637. Siegburg. Streitigkeiten zwischen dem Siegburger Abt und der Siegburger Töpferzunft wegen des Monopols, das gegen den Zunfteid und die Bestimmungen des Kurbuches verstieß.
1637.16. Sept., Dienst., Siegburg. Maria, Bernd Tückinghs Frau, als Hexe verbrannt (Gansen).
1637.26. Sept., Samst., Siegburg. Die als Hexe angeklagte Anna Huetmacher, verwitw. Dahmen, errichtet ihr Testament (Gansen).
1637.28. Sept., Montag, Siegburg. Anna Trommeschläger, Peter Huetmachers Frau, als Hexe erhängt (Gansen).
1637.28. Sept., Montag, Siegburg. Anna Huetmecher, verwitw. Dahmen, Mutter v. 8 Kindern, als Hexe hingerichtet (Gansen).
1637.28. Sept., Montag. Siegburg. Äntgen Trumps, Ludwig Haupts Ehefrau, als Hexe hingerichtet (Gansen).
1637.27. Nov., Siegburg. Verhaftung u. Verhör der Margaretha Kolf, weil sie "vergangener Nacht nicht bei ihrem Mann geschlafen hatte", was sie mit Krankheit (Fieber) entschuldigte, steht sie in Verdacht, an einem nächtlichen Tanzgelage auf einem Hexentanzplatz teilgenommen zu haben (Gansen).
1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung der Tringen, Witwe von Hch. Gammersbach, vorher verwitw. Wischersheim, Mutter von insges. 16 Kindern, als Hexe (Gansen).
1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung von Tringen Vasen, Vaß Beckers Frau, gebürtig aus Lindlar, als Hexe (Gansen).
1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung der Margaretha Kolf, Frau dess Gerichtsschreibers Koltzem, wegen Hexerei (Gansen).
1637. 5. Dez., Samstag, Siegburg. Hinrichtung Wilhelm Kremers, geboren in Honrath, als Zauberer oder Hexer (Gansen).
1637.12. Dez., Samstag, Siegburg. Hinrichtung der Antgen Beckersche, geboren in Düren, Hebamme, Witwe von Hans Nagelschmidt, Mutter von 11 Kindern, als Hexe (Gansen).
1637.14. Dez., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Frau Hüppelsheuser, geboren in Oberwinter, Ehefr. von Johann Hüppelsheuser, vorher verwitw. Wielpütz (genannt: Frauchen von Wintern), Calvinistin, als Hexe (Gansen).
1637.14. Dez., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Margaretha Langenberg, Adam Hillesheimers Frau, geb. zu Wipperfürth, 70 Jahre alt, Mutter v. 8 Kindern, wegen Hexerei (Gansen).
1637.19. Dez., Siegburg. Hinrichtung der Agnes, geboren in Bensberg, 40 Jahre alt, Ehefrau des am 5. Dez. hingerichteten Wilhelm Kremers (Hinken-Kremers), wegen Hexerei (Gansen).
1637.19. Dez., Siegburg. Hinrichtung der Margret Langenberg, Dietrich Wredes Ehefrau, geboren in Wipperfürth, 60 Jahre alt, Mutter von 7 Kindern aus 1. Ehe, von denen etlich an der Pest gestorben sind (Gansen)
1638.21 Jan., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Elß Schwarzendahl, Ehefrau v. Hans Dahmen: sie war 4 mal verheiratet u. hatte zusammen 8 Kinder von denen 7 an der Pest gestorben sind, wegen Hexerei (Gansen).
1638.22. Juli. Siegburg. Hinrichtung des Dieterich (Dederich) Knütgen, ungefähr 40 Jahre alt, wegen Hexerei (Gansen).
(wiki-de.genealogy.net/Siegburg)
Die Benediktiner selbst finde ich Geschichte „altehrwürdig!
In den Jahrhunderten ihrer Geschichte hat die altehrwürdige Abtei über der Sieg viel erlebt:
Blüte und Niedergang, Aufbau und Zerstörung, die Vertreibung der Mönche ebenso wie ihre Rückkehr… Benediktiner in Siegburg heute – das heißt zunächst einmal:
Klosterleben mitten in der Stadt verwirklichen!
Der baumbestandene Michaelsberg liegt im Zentrum der modernen Kreisstadt Siegburg.
40 Meter Höhenunterschied trennen Stadt und Abtei – und neun Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte verbinden sie. Unsere Mönchsgemeinschaft lebt wie die ersten Mönche auf dem Michaelsberg in der Tradition des Heiligen Benedikt, der seine Klosterregel im 6. Jahrhundert schrieb und durch sie zum Vater des Mönchtums in Europa wurde.
Das wichtigste Motiv der Benediktsregel ist die Suche nach Gott.
So soll unsere weithin sichtbare Abtei auf dem Berg über der Stadt eine Einladung an alle Suchenden sein. Klöster sind heute für viele Menschen Orte, an denen sie aufatmen und zur Besinnung kommen können.
(abtei-michaelsberg.de)
(Tagblatt Online, 30. Juli 2008)
Solche und ähnliche Meldungen liest man in letzter Zeit oft.
Auch im Fernsehen habe ich schon zwei Reportagen über aussterbende Kapuzinerinnen-Klöster gelesen; in denen die jüngste Nonne über 80 war und man seit Dekaden keine Neueintritte zu verzeichnen hatte.
Wenn der Herrgott ruft - Bemühungen der Nonnen, Kloster Maria Opferung...
Noch zwölf Nonnen leben im Kloster Maria Opferung in Zug. Die jüngste ist 79, die älteste 98 Jahre alt. Sie besitzen neben dem Kloster viel Land an schönster Lage. Doch dieser Besitz wird nun zum Problem: Die Schwestern wollen nicht, dass ihr Kloster nach ihrem Tod umfunktioniert, das Land zerstückelt und damit spekuliert wird. Sie möchten es als spirituellen Ort erhalten, in der Gemeinschaft und in ihrem Kloster zusammenbleiben, bis sie sterben. Die Situation des Klosters Maria Opferung steht für viele in der gesamten westlichen Welt
(3Sat 30 Januar 2011)
In diesen Reportagen wird kräftig auf die Tränendrüsen gedrückt; man möchte beinahe selbst Nonne werden, weil diese Geronto-Gläubigen im Pinguin-Dress so traurig und mitleiderregend sind, wie sie und ihre teilweise über 1000 Jahre alten Klöster wegsterben.
Aber weswegen sollte man auch im Zeitalter von Hartz-IV noch ins Kloster gehen?
Die schiere materielle Not muß einen nicht mehr hinter die Mauern treiben.
Aber es wäre auch ein Wunder, wenn Klöster nicht eingehen würden.
Immerhin verwaisen schon geraume Zeit Pfarreien, weil die RKK es nicht schafft genügend Priesternachwuchs zu züchten.
Beim Fußvolk sieht es entsprechend aus - mit seiner Gläubigen-Vertreibungspolitik hat J.R. allein im Jahr 2010 die Kirchenaustrittszahlen in Deutschland um 40% raufgetrieben.
Die Missbrauchsaffäre in der katholischen Kirche hat im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Kirchenaustritte um fast 40 Prozent geführt. Nach Recherchen der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" verließen im Jahr 2010 rund 180.000 Katholiken ihre Kirche. Das sind gut 50.000 Austritte mehr als im Jahr 2009. Damals lag die Zahl bei 128.800.
(nachrichten.t-online.de 06.04.2011)
Das Klostersterben dürfte Oberkatholik Ratzinger allerdings auch mit einem lachenden Auge sehen.
Denn viele Westeuropäische Klöster sind sagenhaft reich, verfügen über riesige Ländereien und großartige pompöse Gebäude.
Jedes Mal, wenn die letzte Methusalem-Nonne den Löffel abgibt, fallen Millionenwerte dem Heiligen Stuhl zu.
Bei den Mönchsklöstern sieht die Situation der Katholischen Kirche genauso grausam aus.
Bis vor kurzen florierten zwar noch von Christlichen Brüdern geführte Elite-Lehranstalten wie das Kloster Ettal, aber seitdem man nun auch offiziell weiß, daß die Priore, Äbte und Hauslehrer nachts in die Schlafsäle pilgern um den Inhalt der Unterhosen der Jungs zu untersuchen, gibt es ein leichtes Imageproblem.
Bejammert wird auch das Ende der Benediktinerabtei Michaelsberg, die zum Erzbistum Köln gehört und nun nach 947 den Löffel abgeben wird.
Die Stadt Siegburg verliert ihr Wahrzeichen. Die Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg wird Mitte des nächsten Jahres aus wirtschaftlichen und personellen Gründen aufgelöst. Die Mönche werden dann fast 950 Jahre nach Klostergründung die Kreisstadt verlassen und in andere Klöster des Ordens umsiedeln.
[… ] Wie die Benediktiner mitteilten, hat der zwölfköpfige Konvent des Siegburger Klosters zum Abschluss der Visitation die Auflösung des Klosters mit Mehrheit in geheimer Abstimmung beschlossen. Pater Christian: "Wir haben entschieden, die rechtlichen Schritte einzuleiten, um das Kloster rechtzeitig schuldenfrei schließen zu können. Die finanziellen Defizite der vergangenen Jahre haben die Rücklagen des Klosters nahezu aufgezehrt. Auch die Suche nach personeller Unterstützung aus anderen Klöstern des Ordens blieb ergebnislos." Denn das Kloster hat nicht nur wirtschaftliche Probleme, auch um die Mönchsgemeinschaft stand es offenbar nicht zum Besten. Der jüngste Mönch ist 25, der älteste 89 Jahre alt.
(Klaus Elsen 09.11.2010)
Schon im Januar 2011 berichtete meine Lieblings Fundi-Webseite Hakenkreuz.net über das zukünftige Schicksal des Klosters:
Nach Angaben der Zeitung haben sich mehrere mögliche Investoren für Hotels oder Wellness-Anlagen gemeldet. Ein Sprecher der Erzdiözese Köln erklärte aber, daß eine kirchliche Nutzung des Gebäudes „nach wie vor oberste Priorität“ habe.
[…] Über der Abtei schwebt das Schicksal des Redemptoristen-Klosters in Hennef-Geistingen. Dort sind Eigentumswohnungen entstanden. Die denkmalgeschützte Klosterkirche soll eine Veranstaltungshalle für Firmenmessen und ähnliche Anlässe werden. Ein ähnliches Schicksal ereilte das einst berühmte Dominikanerkloster Walberberg in Bornheim. Es wurde vor zwei Jahren von der Firma ‘Summit Partners’ aus Köln für fünf Millionen Euro gekauft. Jetzt gibt es dort ein Restaurant, einen katholischern Kindergarten und Wohnungen für die Mitarbeiter eines Freizeitparks.
[…] Das Kloster der Dominikanerinnen von Neusatzeck mit 89 Zimmern im nördlichen Schwarzwald ist für 2,5 Millionen Euro zu haben. Zum Verkauf stehen auch das idyllische Kloster Maria Engelportder Hünfelder Oblaten in der Nähe der Verbandsgemeinde Treis-Karden Rheinland-Pfalz um 2.25 Millionen Euro oder das Kloster „Haus Sankt Josef“ in Sundern im Sauerland für 800.000 Euro.
(Hetznet 28.01.2011)
Inzwischen ist das Ende gekommen. Auch die exklusiven Drähte zum Herrgott von Hardcore-Kardinal Meisner haben nichts genützt.
Pest.net kennt natürlich die Ursache: Die lasche „Konzilskirche“ voller vom wahren katholischen Glauben abgefallener „alt-liberaler Bischöfe“ habe den Niedergang des Katholizismus zu verantworten:
Die reuelose Konzilskirche empfängt gerade den verdienten Lohn für ihr schändliches Treiben. Wann wird sie ihren Konzils-Triumphalismus ablegen und umkehren?
(kotz.net 07.04.11)
Fest steht jedenfalls schon, dass Joachim Kardinal Meisner am Sonntag, 19. Juni, ab 10.30 Uhr ein feierliches Pontifikalamt in der Abteikirche hält. Damit wird wohl der Schlusspunkt unter die 947 Jahre währende Geschichte der Benediktiner auf dem Siegburger Michaelsberg gesetzt.
(Bonner General-Anzeiger 07.04.11)
Nun kann und darf man Hakenkreuznet natürlich nicht ernst nehmen; aber es ist schon außerordentlich ärgerlich, wie Klöster in der normalen Presse konnotiert sind - nämlich in geradezu absurden Maße positiv.
Das Ende der Klöster wird grundsätzlich nur beweint und bedauert.
Ich habe noch keine einzige Stimme gelesen, die mal ein „Gott sei Dank“ ausspricht.
950 Jahre Religiotie, Engstirnigkeit und finanzielles Auspressen der Umgebung haben endlich ein Ende!
Guckt man in das GenWiki der Kreisstadt Siegburg, findet man einige interessante Hinweise darauf, welchen Einfluß das Kloster ganz konkret auf einige Menschenleben hatte:
1522.13. Sept.. Der Siegburger Abt erläßt eine Verfügung an die Stadtschützen von Siegburg, in welcher er für die Folge streng verbot, fahrendes Volk, welches mit Singen und Gaukelspiel viel Unrath und Perturbirung frommer Christenleute anrichte, zu den Schießspielen zuzulassen.
1523. In Siegburg wird in einer besonders berufenen Volksversammlung das Fluchen ausdrücklich verboten (Dr. J.W. Dornbusch: Leben und Treiben in einer alten Siegstadt im 15., 16. und 17. Jahrhundert, Bonn 1876, S. 64).
[…]
1562. Siegburg. Auflösung des Sankt Annen-Klosters (Hammer: Wege in die Geschichte. Dornbusch schreibt:" Im Jahre 1563 liefen sämtliche Nonnen mit Ausnahme der Oberin aus dem genannten Ordenshause weg, und einzelne jüngere verheiratheten sich nachher auf den umliegenden Dörfern").
[…]
1565. März. Siegburg. Johann Schelten wird wegen Wiedertäuferei verurteilt mit seiner Familie und seinem Gesinde, "so dem Werk anhangig", vor Sonnenaufgang die Stadt zu verlassen, es sei denn, er erklärt schriftlich Reue u. Rückkehr zur rechten christlichen Religion (StA Sbg., A II/16, S. 104).
1573, Abt von Siegb. versucht die Ausweisung aller protestantischer Handwerker (hauptsächlich Lohgerber und Wollenweber) aus Siegburg innerhalb von 24 Stunden. Die Handwerker können jed. eine längere Frist erwirken, um ihr Hab und Gut wegzubringen und ihre Schulden und Außenstände begleichen zu können (Stefan Ehrenpreis: Wir sind mit blutigen Köpfen davongelaufen, S. 176).
[…] 1576 Abt Gottfried von Eyll weist alle protestantischen Bürger aus der Stadt.
[…] 1636.24. Juli. Der Siegburger Bürgermeister Wilh. Kortenbach u. der Wollweber Christian Lindtlar bezichtigen Kündtgen (Kunigunde) Meurer, die Frau eines Siegburger Bäckers, des Schadenzaubers (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte, S. 75).
1636. Sommer bis 1638, Sommer. Siegburger Hexenprozesse (40 Prozesse, von denen 37 mit einem Todesurteil endeten. Hexenkommissare: Franziskus Buirmann und Kaspar Lieblar) (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte, S. 75, Siegburg 1995).
1636. 9. Sept., in Siegburg. Verhaftung der Sibylla Vogelsang, Hermann Kellners Frau (richtig: Knütgen) wegen Hexerei.
1636.16. Sept., Dienstag, Kündtgen Meurer, Trein Leyendecker u. Maria Tücking werden in Siegburg am Brückberg als Hexen durch den Strang hingerichtet. Die Leichen werden anschließend verbrannt (Lothar Hammer: Wege in die Geschichte).
1636.18. Sept., Donnerstag, Siegburg. Sibilla Vogelsang wird als Hexe zu Tode gefoltert und danach verbrannt.
1636. 5. und 12. Nov., Troisdorf. 10 Frauen erleiden als Hexen den Flammentod.
1637. Siegburg. Streitigkeiten zwischen dem Siegburger Abt und der Siegburger Töpferzunft wegen des Monopols, das gegen den Zunfteid und die Bestimmungen des Kurbuches verstieß.
1637.16. Sept., Dienst., Siegburg. Maria, Bernd Tückinghs Frau, als Hexe verbrannt (Gansen).
1637.26. Sept., Samst., Siegburg. Die als Hexe angeklagte Anna Huetmacher, verwitw. Dahmen, errichtet ihr Testament (Gansen).
1637.28. Sept., Montag, Siegburg. Anna Trommeschläger, Peter Huetmachers Frau, als Hexe erhängt (Gansen).
1637.28. Sept., Montag, Siegburg. Anna Huetmecher, verwitw. Dahmen, Mutter v. 8 Kindern, als Hexe hingerichtet (Gansen).
1637.28. Sept., Montag. Siegburg. Äntgen Trumps, Ludwig Haupts Ehefrau, als Hexe hingerichtet (Gansen).
1637.27. Nov., Siegburg. Verhaftung u. Verhör der Margaretha Kolf, weil sie "vergangener Nacht nicht bei ihrem Mann geschlafen hatte", was sie mit Krankheit (Fieber) entschuldigte, steht sie in Verdacht, an einem nächtlichen Tanzgelage auf einem Hexentanzplatz teilgenommen zu haben (Gansen).
1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung der Tringen, Witwe von Hch. Gammersbach, vorher verwitw. Wischersheim, Mutter von insges. 16 Kindern, als Hexe (Gansen).
1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung von Tringen Vasen, Vaß Beckers Frau, gebürtig aus Lindlar, als Hexe (Gansen).
1637. 1. Dez., Dienstag, Siegburg. Hinrichtung der Margaretha Kolf, Frau dess Gerichtsschreibers Koltzem, wegen Hexerei (Gansen).
1637. 5. Dez., Samstag, Siegburg. Hinrichtung Wilhelm Kremers, geboren in Honrath, als Zauberer oder Hexer (Gansen).
1637.12. Dez., Samstag, Siegburg. Hinrichtung der Antgen Beckersche, geboren in Düren, Hebamme, Witwe von Hans Nagelschmidt, Mutter von 11 Kindern, als Hexe (Gansen).
1637.14. Dez., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Frau Hüppelsheuser, geboren in Oberwinter, Ehefr. von Johann Hüppelsheuser, vorher verwitw. Wielpütz (genannt: Frauchen von Wintern), Calvinistin, als Hexe (Gansen).
1637.14. Dez., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Margaretha Langenberg, Adam Hillesheimers Frau, geb. zu Wipperfürth, 70 Jahre alt, Mutter v. 8 Kindern, wegen Hexerei (Gansen).
1637.19. Dez., Siegburg. Hinrichtung der Agnes, geboren in Bensberg, 40 Jahre alt, Ehefrau des am 5. Dez. hingerichteten Wilhelm Kremers (Hinken-Kremers), wegen Hexerei (Gansen).
1637.19. Dez., Siegburg. Hinrichtung der Margret Langenberg, Dietrich Wredes Ehefrau, geboren in Wipperfürth, 60 Jahre alt, Mutter von 7 Kindern aus 1. Ehe, von denen etlich an der Pest gestorben sind (Gansen)
1638.21 Jan., Montag. Siegburg. Hinrichtung der Elß Schwarzendahl, Ehefrau v. Hans Dahmen: sie war 4 mal verheiratet u. hatte zusammen 8 Kinder von denen 7 an der Pest gestorben sind, wegen Hexerei (Gansen).
1638.22. Juli. Siegburg. Hinrichtung des Dieterich (Dederich) Knütgen, ungefähr 40 Jahre alt, wegen Hexerei (Gansen).
(wiki-de.genealogy.net/Siegburg)
Die Benediktiner selbst finde ich Geschichte „altehrwürdig!
In den Jahrhunderten ihrer Geschichte hat die altehrwürdige Abtei über der Sieg viel erlebt:
Blüte und Niedergang, Aufbau und Zerstörung, die Vertreibung der Mönche ebenso wie ihre Rückkehr… Benediktiner in Siegburg heute – das heißt zunächst einmal:
Klosterleben mitten in der Stadt verwirklichen!
Der baumbestandene Michaelsberg liegt im Zentrum der modernen Kreisstadt Siegburg.
40 Meter Höhenunterschied trennen Stadt und Abtei – und neun Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte verbinden sie. Unsere Mönchsgemeinschaft lebt wie die ersten Mönche auf dem Michaelsberg in der Tradition des Heiligen Benedikt, der seine Klosterregel im 6. Jahrhundert schrieb und durch sie zum Vater des Mönchtums in Europa wurde.
Das wichtigste Motiv der Benediktsregel ist die Suche nach Gott.
So soll unsere weithin sichtbare Abtei auf dem Berg über der Stadt eine Einladung an alle Suchenden sein. Klöster sind heute für viele Menschen Orte, an denen sie aufatmen und zur Besinnung kommen können.
(abtei-michaelsberg.de)
Mittwoch, 6. April 2011
Drei Neue in Spitzenjobs und eine gute Idee.
Die Protestanten in Deutschland haben dieses Jahr diverse Bischofs-Jobs neu zu besetzen.
Ein vergleichsweise umständliches Wahlverfahren ist das!
Die Katholo-Brüder haben es einfacher, weil sie ohne die lästige Demokratie auskommen und über den Stellvertreter Gottes in ihren Reihen verfügen, dem der Heilige Geist persönlich morgens bei dem Gebißreinigen zuflüstert, wer auf vakante Bischofsstühle zu heben ist.
Der ultrakonservative Pastor Ulrich Rüß, der Christ des Tages No XXXVIII, gruselt sich heute im Hamburger Abendblatt auf Seite 2 öffentlich, weil jetzt schon feststeht, daß der zurückgetretenen Bischöfin Maria Jepsen wieder eine Frau an der Spitze der Nordelbischen Kirche folgen wird.
Kirsten Fehrs und Petra Bahr sind die einzigen Kandidatinnen.
Aus atheistischer Sicht ist das eine sehr gute Auswahl, denn beide Frauen sind so öde und persönlichkeitsbefreit, daß sie sicherlich den Strom der Kirchenaustritte nicht unnötig abbremsen werden.
Letzte Woche trat der bisherige Berliner Generalsuperintendent Ralf Meister seinen Job als Käßmann-Nachfolger in der größten evangelischen Landeskirche Hannover an.
Hier stand keine Frau zur Debatte.
Auch der Religiot* Meister ist eine gute Wahl.
Selten inhaltsleer und verschwurbelt predigt er die Noch-Kirchenmitglieder in den Schlaf; so wie er es schon sechs Jahre mit dem "Wort zum Sonntag" in der ARD - der einzigen Sendung mit weniger Zuschauern als dem Testbild, getan hatte.
"Es gibt kein Recht auf absolute Sicherheit und deshalb müssen alle menschlichen Gewissheiten vor Gott geprüft werden. Unserer Verantwortung für die Zukunft dieser Erde setzt Gott einen Rahmen." […] Eines seiner Hauptanliegen ist der Kampf gegen den "Gewohnheitsatheismus" [LOL - Anm. Tammox], der ihm vor allem in der Hauptstadt oft entgegenschlug.
(Stern 28. März 2011)
Nachdem Meister schon erfolgreich Berlin zu einer Hochburg des Atheismus gepredigt hat, wünsche ich ihm viel Erfolg auf diesem Weg in Hannover.
In Bayern gibt es mit Heinrich Bedford-Strohm ebenfalls ein neues Gesicht an der Spitze der Evangelen. Der 51-Jährige setzte sich locker gegen seine Konkurrentin Susanne Breit-Keßler durch und wird im Herbst neuer evangelischer Landesbischof Bayerns.
„Bescheidenheit ist eine Zier - weiter kommt man ohne ihr“ lautet das Motto des SPD-Mitgliedes Bedford-Strohm.
Eine Frau als Landesbischöfin hätte er ebenfalls begrüßt, aber er selbst sei natürlich so großartig, daß Frau Breit-Keßler nur eine Chance gehabt hätte gewählt zu werden, wenn er von einer Kandidatur zurück getreten wäre.
„Ich wünsche mir selbst mehr Frauen im Bischofsamt. Deswegen habe ich mir genau überlegt, ob ich kandidiere. Aber ich hätte es als Paternalismus empfunden, wenn ich verzichtet hätte. Damit hätte ich meine Mitkandidatin entwertet.“
(Heinrich Bedford-Strohm in der SZ 06.04.2011)
Den zweiten geistigen Ausfall präsentierte der Bayern-Religiot* mit seiner ultimativen Forderung 'Christen sollen sich in Parteien engagieren'
Na Klasse - mehr Christen in der Politik.
Das brauchen wir nach den grandiosen Erfahrungen, die wir mit den Christen Bush, Blair, Kohl, Merkel, Westerwelle, Berlusconi, Aznar, Kaczyński I, Kaczyński II, Sarah Palin, Soiber, Streibl und Strauß gemacht haben.
Ersterem hatte Jesus damals mitgeteilt es wäre an der Zeit in den Irak einzumarschieren, rund 500.000 Zivilisten umzubringen und 5 Millionen Menschen zu vertreiben.
Auch die Generation zuvor hatte eine Menge Christen in die Politik gebracht, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben:
Man kooperierte wunderbar mit der NSdAP.
Hatten sich doch die meisten Christen offiziell in den Dienst der nationalsozialistischen Judenvernichtung gestellt.
Noch nicht einmal einzelne Massenmörder wie die Mitglieder der katholischen Kirche Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Rudolf Hoess, Julius Streicher, Fritz Thyssen, Klaus Barbie, Leon Degrelle, Emil Hacha, Ante Pavelic, Konrad Henlein, Pierre Laval, Franco, Mussolini, oder Josef Tiso wurden exkommuniziert.
Tiso, fanatischer Judenvernichter, kompromissloser Hitler-Bewunderer, katholischer Priester und Staatspräsident der Slowakai wird noch heute von RKK-Fürsten verehrt.
Man muß sich das mal vorstellen - die Befreier von Ausschwitz, die Rote Armee, verdammt der Vatikan in der drastischsten möglichen Weise, aber der Lagerkommandant Rudolf Hoess, sowie der Megasadist Josef Mengele blieben Mitglieder der RKK.
Sogar nachdem 1945 das Jahrtausendverbrechen der Nazis aufgeklärt wurde, bemühte sich der Vatikan eifrig die Judenkiller vor der Justiz in Sicherheit zu bringen.
Adolf Eichmann, Alois Brunner, Dr. Josef Mengele, Franz Stangl (Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka), Gustav Wagner (Stangls Assistent), Klaus Barbie, Edward Roschmann („Der Schlächter von Riga“), und Aribert Heim (KZ Mauthausen) sind einige der Männer, die auf Veranlassung des Papstes durch Bischof Hudal mit Vatikanischen Papieren ausgestattet vor der alliierten Justiz nach Südamerika flüchteten.
Der frisch gewählte künftige Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm möchte nun aber noch mehr Christen in die Parteien holen:
„Ich bin ein Bischof für alle. Ich wünsche mir mehr Christinnen und Christen, die sich in allen demokratischen Parteien engagieren. Es ist wichtig, dass Christen die Gesellschaft gestalten. Ich freue mich, dass zum Beispiel der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein Synodaler ist.“
(Heinrich Bedford-Strohm in der SZ 06.04.2011)
OK, das war also auch nichts.
Aber aller guten Dinge sind drei.
Tatsächlich hat der neue Bischof auch eine ansatzweise gute Idee; eine Idee, die er schon teilweisen umgesetzt hat, aber leider nicht zu Ende denkt:
Ich bin als Schüler in die SPD eingetreten, habe mir aber nie Scheuklappen aufgesetzt. Ich habe mir die Freiheit genommen, Kritik an meiner Partei zu üben. Aber der Bischof darf nicht im Verdacht stehen, besondere Nähe zu einer Partei zu haben. Deswegen habe ich gestern der SPD mitgeteilt, dass ich meine Mitgliedschaft ruhen lasse. Ich glaube, das ist guter Stil.
(Heinrich Bedford-Strohm in der SZ 06.04.2011)
Recht hat er.
Im Interesse der Trennung von Kirche und Staat sollten Bischöfe ihre Parteimitgliedschaften ruhen lassen.
Aber das ist etwas, das nur die Gläubigen betrifft.
Umgekehrt wird noch ein sehr viel wichtigerer Schuh daraus, der alle Staatsbürger angeht:
Alle hauptberuflichen Politiker sollten ihre Mitgliedschaft in den Kirchen ruhen lassen!
Das wäre guter Stil und - ganz nebenbei bemerkt - auch im Sinne unseres Grundgesetzes.
Parlamentarier sind die Gesetzgeber für alle in Deutschland lebenden Menschen und sollten daher kirchfrei und unbeeinflusst von Religiotie* entscheiden.
Es ist außerordentlich bedauerlich und rückschrittlich, daß ausgerechnet die einzigen beiden politischen Aufsteiger der letzten Zeit - der designierte Vizekanzler und FDP-Chef Rösler, sowie der designierte Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kretschmann Mitglieder des ZK der Katholiken in Deutschland sind.
Wenn ihnen Grundgesetz und das Wohl aller Menschen etwas bedeuten, sollten sie den Akt der politischen Hygiene vollziehen und aus der Kirche austreten, bzw ihre „Mitgliedschaft ruhen lassen“, solange sie Regierungsämter ausüben.
Hier muß dringend entkoppelt werden.
*(Religiotie definiert nach MSS: Darunter verstehe ich eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Religiotie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht – etwa um das Anerkennen der empirischen Belege der Evolutionsbiologie. Religiotie ist sicherlich die am leichtesten zu erkennende Form einer weltanschaulich bedingten, partiellen Denkschwäche.)
Ein vergleichsweise umständliches Wahlverfahren ist das!
Die Katholo-Brüder haben es einfacher, weil sie ohne die lästige Demokratie auskommen und über den Stellvertreter Gottes in ihren Reihen verfügen, dem der Heilige Geist persönlich morgens bei dem Gebißreinigen zuflüstert, wer auf vakante Bischofsstühle zu heben ist.
Der ultrakonservative Pastor Ulrich Rüß, der Christ des Tages No XXXVIII, gruselt sich heute im Hamburger Abendblatt auf Seite 2 öffentlich, weil jetzt schon feststeht, daß der zurückgetretenen Bischöfin Maria Jepsen wieder eine Frau an der Spitze der Nordelbischen Kirche folgen wird.
Kirsten Fehrs und Petra Bahr sind die einzigen Kandidatinnen.
Aus atheistischer Sicht ist das eine sehr gute Auswahl, denn beide Frauen sind so öde und persönlichkeitsbefreit, daß sie sicherlich den Strom der Kirchenaustritte nicht unnötig abbremsen werden.
Letzte Woche trat der bisherige Berliner Generalsuperintendent Ralf Meister seinen Job als Käßmann-Nachfolger in der größten evangelischen Landeskirche Hannover an.
Hier stand keine Frau zur Debatte.
Auch der Religiot* Meister ist eine gute Wahl.
Selten inhaltsleer und verschwurbelt predigt er die Noch-Kirchenmitglieder in den Schlaf; so wie er es schon sechs Jahre mit dem "Wort zum Sonntag" in der ARD - der einzigen Sendung mit weniger Zuschauern als dem Testbild, getan hatte.
"Es gibt kein Recht auf absolute Sicherheit und deshalb müssen alle menschlichen Gewissheiten vor Gott geprüft werden. Unserer Verantwortung für die Zukunft dieser Erde setzt Gott einen Rahmen." […] Eines seiner Hauptanliegen ist der Kampf gegen den "Gewohnheitsatheismus" [LOL - Anm. Tammox], der ihm vor allem in der Hauptstadt oft entgegenschlug.
(Stern 28. März 2011)
Nachdem Meister schon erfolgreich Berlin zu einer Hochburg des Atheismus gepredigt hat, wünsche ich ihm viel Erfolg auf diesem Weg in Hannover.
In Bayern gibt es mit Heinrich Bedford-Strohm ebenfalls ein neues Gesicht an der Spitze der Evangelen. Der 51-Jährige setzte sich locker gegen seine Konkurrentin Susanne Breit-Keßler durch und wird im Herbst neuer evangelischer Landesbischof Bayerns.
„Bescheidenheit ist eine Zier - weiter kommt man ohne ihr“ lautet das Motto des SPD-Mitgliedes Bedford-Strohm.
Eine Frau als Landesbischöfin hätte er ebenfalls begrüßt, aber er selbst sei natürlich so großartig, daß Frau Breit-Keßler nur eine Chance gehabt hätte gewählt zu werden, wenn er von einer Kandidatur zurück getreten wäre.
„Ich wünsche mir selbst mehr Frauen im Bischofsamt. Deswegen habe ich mir genau überlegt, ob ich kandidiere. Aber ich hätte es als Paternalismus empfunden, wenn ich verzichtet hätte. Damit hätte ich meine Mitkandidatin entwertet.“
(Heinrich Bedford-Strohm in der SZ 06.04.2011)
Den zweiten geistigen Ausfall präsentierte der Bayern-Religiot* mit seiner ultimativen Forderung 'Christen sollen sich in Parteien engagieren'
Na Klasse - mehr Christen in der Politik.
Das brauchen wir nach den grandiosen Erfahrungen, die wir mit den Christen Bush, Blair, Kohl, Merkel, Westerwelle, Berlusconi, Aznar, Kaczyński I, Kaczyński II, Sarah Palin, Soiber, Streibl und Strauß gemacht haben.
Ersterem hatte Jesus damals mitgeteilt es wäre an der Zeit in den Irak einzumarschieren, rund 500.000 Zivilisten umzubringen und 5 Millionen Menschen zu vertreiben.
Auch die Generation zuvor hatte eine Menge Christen in die Politik gebracht, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben:
Man kooperierte wunderbar mit der NSdAP.
Hatten sich doch die meisten Christen offiziell in den Dienst der nationalsozialistischen Judenvernichtung gestellt.
Noch nicht einmal einzelne Massenmörder wie die Mitglieder der katholischen Kirche Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich, Rudolf Hoess, Julius Streicher, Fritz Thyssen, Klaus Barbie, Leon Degrelle, Emil Hacha, Ante Pavelic, Konrad Henlein, Pierre Laval, Franco, Mussolini, oder Josef Tiso wurden exkommuniziert.
Tiso, fanatischer Judenvernichter, kompromissloser Hitler-Bewunderer, katholischer Priester und Staatspräsident der Slowakai wird noch heute von RKK-Fürsten verehrt.
Man muß sich das mal vorstellen - die Befreier von Ausschwitz, die Rote Armee, verdammt der Vatikan in der drastischsten möglichen Weise, aber der Lagerkommandant Rudolf Hoess, sowie der Megasadist Josef Mengele blieben Mitglieder der RKK.
Sogar nachdem 1945 das Jahrtausendverbrechen der Nazis aufgeklärt wurde, bemühte sich der Vatikan eifrig die Judenkiller vor der Justiz in Sicherheit zu bringen.
Adolf Eichmann, Alois Brunner, Dr. Josef Mengele, Franz Stangl (Kommandant der Vernichtungslager Sobibór und Treblinka), Gustav Wagner (Stangls Assistent), Klaus Barbie, Edward Roschmann („Der Schlächter von Riga“), und Aribert Heim (KZ Mauthausen) sind einige der Männer, die auf Veranlassung des Papstes durch Bischof Hudal mit Vatikanischen Papieren ausgestattet vor der alliierten Justiz nach Südamerika flüchteten.
Der frisch gewählte künftige Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm möchte nun aber noch mehr Christen in die Parteien holen:
„Ich bin ein Bischof für alle. Ich wünsche mir mehr Christinnen und Christen, die sich in allen demokratischen Parteien engagieren. Es ist wichtig, dass Christen die Gesellschaft gestalten. Ich freue mich, dass zum Beispiel der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein Synodaler ist.“
(Heinrich Bedford-Strohm in der SZ 06.04.2011)
OK, das war also auch nichts.
Aber aller guten Dinge sind drei.
Tatsächlich hat der neue Bischof auch eine ansatzweise gute Idee; eine Idee, die er schon teilweisen umgesetzt hat, aber leider nicht zu Ende denkt:
Ich bin als Schüler in die SPD eingetreten, habe mir aber nie Scheuklappen aufgesetzt. Ich habe mir die Freiheit genommen, Kritik an meiner Partei zu üben. Aber der Bischof darf nicht im Verdacht stehen, besondere Nähe zu einer Partei zu haben. Deswegen habe ich gestern der SPD mitgeteilt, dass ich meine Mitgliedschaft ruhen lasse. Ich glaube, das ist guter Stil.
(Heinrich Bedford-Strohm in der SZ 06.04.2011)
Recht hat er.
Im Interesse der Trennung von Kirche und Staat sollten Bischöfe ihre Parteimitgliedschaften ruhen lassen.
Aber das ist etwas, das nur die Gläubigen betrifft.
Umgekehrt wird noch ein sehr viel wichtigerer Schuh daraus, der alle Staatsbürger angeht:
Alle hauptberuflichen Politiker sollten ihre Mitgliedschaft in den Kirchen ruhen lassen!
Das wäre guter Stil und - ganz nebenbei bemerkt - auch im Sinne unseres Grundgesetzes.
Parlamentarier sind die Gesetzgeber für alle in Deutschland lebenden Menschen und sollten daher kirchfrei und unbeeinflusst von Religiotie* entscheiden.
Es ist außerordentlich bedauerlich und rückschrittlich, daß ausgerechnet die einzigen beiden politischen Aufsteiger der letzten Zeit - der designierte Vizekanzler und FDP-Chef Rösler, sowie der designierte Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kretschmann Mitglieder des ZK der Katholiken in Deutschland sind.
Wenn ihnen Grundgesetz und das Wohl aller Menschen etwas bedeuten, sollten sie den Akt der politischen Hygiene vollziehen und aus der Kirche austreten, bzw ihre „Mitgliedschaft ruhen lassen“, solange sie Regierungsämter ausüben.
Hier muß dringend entkoppelt werden.
*(Religiotie definiert nach MSS: Darunter verstehe ich eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Religiotie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht – etwa um das Anerkennen der empirischen Belege der Evolutionsbiologie. Religiotie ist sicherlich die am leichtesten zu erkennende Form einer weltanschaulich bedingten, partiellen Denkschwäche.)
Dienstag, 5. April 2011
Ganz ohne.
Es ist schwierig FÜR politische Konzepte zu werben, da diese meist über den Horizont der BILD-Leser hinaus gehen.
Kopfpauschalenmodell, Gesundheitsfond und Bürgerversicherung sind solche Konzeptionen, die jeder schon mal gehört hat, die aber 99% der Wähler doch nicht erklären könnten.
Einprägsam sind immer nur ein die möglichen negativen Auswirkungen für den einzelnen; insbesondere, wenn „es“ wieder teurer wird.
Ähnlich ist es bei den Energiekonzepten - wer versteht schon was genau Kraftwärme-Kopplung, Pumpspeicherwerke, Innovationen zur Dekarbonisierung, Emissionszertifikat-Vollversteigerung, Supergrid versus Smart Grid und Smart Metering, Energiepreiskompensationen, Mini-BHKWTechnik oder das Carbon Disclosure Project sind?
Kaum einer ist sich darüber bewußt, wie an der Leipziger Strombörse der Strompreis entsteht.
Für Parteien ist es daher immer einfacher die Wahlzombis GEGEN etwas zu mobilisieren.
Gegen Atomstrom, gegen Steuererhöhungen, gegen Ausländer (wahlweise nur gegen kriminelle A. oder gegen alle A.), gegen Kriegseinsätze, gegen HartzIV, gegen Stuttgart21, gegen Privatisierungen etc pp.
Wer wäre nicht leidenschaftlich GEGEN irgendwas? Ich bekenne mich dazu!
Ich bin auch GEGEN alles Mögliche! Ich bin gegen Erdbeben, gegen Aids, gegen Umweltzerstörung, gegen Stechmücken und Wespen, gegen Volksmusik, gegen die FDP, gegen Schweinegrippe, gegen MRSA, gegen Alterssichtigkeit, gegen Birkenpollen und natürlich leidenschaftlich gegen das Stranden von Minkwalen.
Obwohl dieser Politansatz durchaus erfolgreich ist, wirkt dieses antagonistische Argumentieren negativ und destruktiv.
Politisch korrekter ist es zu verkünden, man gedenke nun OHNE xy auszukommen.
Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz verkündete daher „Ich stehe für eine Politik ohne Bart“, als sie gegen den rundum behaarten Schädel des Amtsinhabers antrat.
Klöckners Idol Helmut Kohl war 1994 mit seinem Anti-Scharping-Slogan „Politik ohne Bart“ allerdings erfolgreicher.
In den nächsten vier Jahren präsentierte Kohl dann seine Politik ohne Reformen, ohne Innovationen und ohne Temperament.
1998 war die SPD mit „Politik ohne Bauch“ erfolgreich und positionierte sich auch noch mit der „Politik ohne Krieg“ goldrichtig, um 2002 wiedergewählt zu werden.
Die CDU-Chefin Merkel verfolgte unterdessen während der Oppositionsjahre hartnäckig das Konzept „Politik ohne Konzeption und Strategie“.
Diese „asymmetrische Demobilisierung“ war deshalb so erfolgreich, weil Schröder unterdessen in den Augen vieler linker Wähler seine Politik ohne Herz durchzog.
Ab 2005 erklärte die Kanzlerin der großen Koalition die Politik ohne Positionierung zum A und O, während die Westerwelle-FDP ihre Politik ohne Anstand durchkämpfte.
Die schwarzgelbe Traumehe von 2009 verschrieb sich von Anfang an dem Konzept Politik ohne Sinn und Verstand.
Mit Fukushima verkündete die Kanzlerin ohne Rückgrat dann eine Atomdiskussion ohne Tabus.
Das neueste „Ohne-Kapitel“ führt diese Woche die FDP auf, die eine Politik ohne Eier betreibt.
Guido, der Schreckliche, der in Rekordzeit 2/3 der Parteianhänger verjagte und als Unsympath Berlins gilt, ist nun nicht mehr gut genug für die FDP und muß weg.
Für Deutschland reicht es allerdings noch und so darf er Außenminister bleiben.
Die drei kleinen Streber in den Maßanzügen, Philipp, Christian und Daniel, betreiben den sogenannten „Westerwelle-Sturz“ mit dem Gesicht im Hintern.
Was ihnen sogar wohlmeinende Konservative wie Herr Nonnenmacher von der F.A.Z. raten, nämlich dringend bei der Gelegenheit auch Westerwelle, Brüderle und Homburger in die Wüste zu schicken, traut sich Rösler mit seinen vollen Hosen nicht.
Philipp „ich würde niemals Guido, dem Großartigen widersprechen“ Rösler ist als FDP-Neuanfang ungefähr so glaubwürdig wie ein Heftpflaster auf der Fukushima-3-Ruine.
„Kuschel-Putsch“ lästert Spiegel-Edelfeder Schwennicke über Lindi und Rösi:
Rösler und Lindner fehlt offenbar der Mumm, ihre Interessen in der eigenen Partei durchzusetzen. Wie soll das erst werden, wenn es gegen Merkel, Seehofer und Co. geht?
[…] Die jungen Milden der FDP aber hätten am liebsten noch den Segen desjenigen, den sie gerade stürzen. Ich kann verstehen, dass ihr mich abräumt, ich bin euch nicht böse deswegen, solange ich das Außenamt behalten darf wie der Altbauer das Austragshäusl. Das möchten sie wohl gerne hören.
[…]Wenn die Söhne nicht den nötigen Mut für klare Verhältnisse aufbringen, müssen die Großväter ran, das Gebotene wenigstens zu benennen. Das in die Jahre gekommene sozialliberale Zwillingspaar Gerhart Baum und Burkhard Hirsch muss das Unaussprechliche aussprechen und klarmachen, dass Westerwelle natürlich nicht das Außenamt als Trostpreis behalten darf. Diese Konzession ebenso wie das bockige Beharrungsvermögen von Rainer Brüderle, die Verschonung von Fraktionschefin Birgit Homburger, all das behindert wirklich schlüssige Modelle einer Neuverteilung der Macht in der FDP. Es ist, bei allem Respekt, Murks, was sich da derzeit als Gesellenstück der neuen Führung abzeichnet.
(Spon 05.04.11)
Auch Nico Fried hat nur Hohn und Spott für die eierlosen U-40er der FDP übrig:
Donnerwetter, da hat sich aber wirklich was verändert in der FDP!
Welch ein umfassender Personalwechsel! Der bisherige Parteichef geht, aber auch nicht so ganz wirklich. Der bisherige Gesundheitsminister wird neuer Parteichef, quasi aus Versehen.
Und sonst? Nichts und sonst. Das war's. Alle anderen verharren auf ihren Plätzen. Alle sind unverzichtbar, außer Guido Westerwelle. Deutlicher hätte die gesamte FDP ihrem scheidenden Chef nicht sagen können: Du allein bist an allem schuld! Und zur Strafe darfst du jetzt Außenminister bleiben. Die Botschaft dieses Revirements, das keines war, lautet: Die FDP bleibt konsequent inkonsequent. Wenn Angela Merkel an diesem Mittwoch ihre Minister im Kabinett um sich schart, wird sie gar nichts merken. Sind alle noch da. Irgendwann im Mai wird dann Philipp Rösler neben ihr Platz nehmen als Vizekanzler. Und Guido Westerwelle sitzt ihr dann womöglich gegenüber. Mehr ändert sich nicht. Diese Regierung wird weiter regieren wie bisher. Das ist eine Kontinuität, die keine Verheißung bedeutet, sondern eine Drohung.
(SZ 05.04.2011)
Hans Peter Schütz ätzt über die „FDP, die Partei der Sitzenbleiber“
Rösler wird Parteichef - sonst bleibt alles beim Alten. Eine riesige Enttäuschung. Die Liberalen haben den Ernst ihrer Lage noch immer nicht begriffen.
(Stern 05.04.11)
Für den neuen FDP-Chef bleibt nur Spott:
Doch schon die Umstände seiner Beförderung lassen die Frage zu, ob er in seiner Partei wirklich was zu sagen hat: weil der Vorgänger, der so versagt hat, dass die FDP in einer Existenzkrise schwebt, bleiben darf, obwohl er Deutschlands unbeliebtester Politiker ist; weil ein Brüderle, der als Landesvorsitzender seine rheinland-pfälzische FDP ins politische Aus geführt hat, im Amt bleiben darf, weil es die deutsche Wirtschaft so wünscht; weil Rösler sich hat abschieben lassen ins Amt des Bundesgesundheitsministers, wo er bisher keinen Erfolg hatte und auch künftig nicht haben wird. Und weil der Beste, den die Liberalen noch haben, Christian Lindner, weiter auf dem risikoarmen Posten des Generalsekretärs versteckt wird. Armer Philipp Rösler. Ehe er auch angefangen hat im neuen Amt, ist er radikal rasiert worden.
[…] Das ist ein Sieg der Strippenzieher und Postenhuber, die offenbar immer noch nicht erkannt haben, in welcher Existenzgefahr sich die FDP befindet. Die artig die Backen zusammenkneifen, wenn der Telefonterror der Wirtschaftsbosse nur massiv genug ist. Die dem Irrglauben anhängen, ihre Partei sei politisch allein wegen Fukushima politisch implodiert. Wann, wenn nicht in diesen Tagen, wäre es möglich und notwendig gewesen, eine überzeugende Neuaufstellung zu erzwingen? Aber auch das Trio der Jungstars - Rösler, Lindner, Bahr - scheint mehr die eigene Karriere zu bedenken als die Zukunft ihrer inhaltlich entleerten Partei und des deutschen Liberalismus.
(Stern 05.04.11)
Total versagt lautet einhellig auch das Urteil von Thorsten Denkler:
„Philipp Rösler verliert seinen ersten Machtkampf als designierter Parteichef gegen einen Problembären. Westerwelle macht das weiter, was er noch weniger kann als Parteichef - und Fraktionschefin Homburger darf weiter das Ansehen der Partei in den Keller treiben. Protokoll eines völlig vermurksten Neustarts.“
(SZ 05.04.2011)
Absolut ohne Rückgrat auch die krasse Fehlentscheidung die tumbe Schwäbin Homburger die Fraktion weiter in die Irre zu führen.
Außer mit abstoßender Physionomie, völliger Talentlosigkeit und einem exzessiven Gebrauch der Lüge ist die Parlamentsspeerspitze der Liberalen noch nie aufgefallen.
Gestern hat sich die 30 Köpfe zählende "Junge Gruppe" getroffen. Zuvor gab es noch Putschgerüchte. Es sollten Abwahlanträge gegen Homburger gestellt werden. Wäre es dazu gekommen, es wäre eng geworden für die Fraktionschefin. Doch es kam nicht dazu. "Wir brauchen die erfahrenen Köpfe", heißt es jetzt. Damit wird ein System fortgesetzt, das bisher schon nicht funktioniert hat. Generalsekretär Christian Lindner verweigert sich jeder billigen Polemik auf Kosten der Opposition. Homburger müsste den Part übernehmen, kann es aber nicht. Ihre Reden im Bundestag sind Zeugnisse ihrer Unfähigkeit, sich pointiert und schlagfertig zu Wort zu melden. "Wir haben ein Problem mit der Abteilung Attacke", sagt ein Fraktionsmitglied. Das müsse sich ändern, etwa indem Homburger nicht mehr in jeder wichtigen Debatte spricht.
(SZ 05.04.2011)
Und so wird es dann weitergehen mit Schwarzgelb und ihrer Politik ohne Erfolg!
Kopfpauschalenmodell, Gesundheitsfond und Bürgerversicherung sind solche Konzeptionen, die jeder schon mal gehört hat, die aber 99% der Wähler doch nicht erklären könnten.
Einprägsam sind immer nur ein die möglichen negativen Auswirkungen für den einzelnen; insbesondere, wenn „es“ wieder teurer wird.
Ähnlich ist es bei den Energiekonzepten - wer versteht schon was genau Kraftwärme-Kopplung, Pumpspeicherwerke, Innovationen zur Dekarbonisierung, Emissionszertifikat-Vollversteigerung, Supergrid versus Smart Grid und Smart Metering, Energiepreiskompensationen, Mini-BHKWTechnik oder das Carbon Disclosure Project sind?
Kaum einer ist sich darüber bewußt, wie an der Leipziger Strombörse der Strompreis entsteht.
Für Parteien ist es daher immer einfacher die Wahlzombis GEGEN etwas zu mobilisieren.
Gegen Atomstrom, gegen Steuererhöhungen, gegen Ausländer (wahlweise nur gegen kriminelle A. oder gegen alle A.), gegen Kriegseinsätze, gegen HartzIV, gegen Stuttgart21, gegen Privatisierungen etc pp.
Wer wäre nicht leidenschaftlich GEGEN irgendwas? Ich bekenne mich dazu!
Ich bin auch GEGEN alles Mögliche! Ich bin gegen Erdbeben, gegen Aids, gegen Umweltzerstörung, gegen Stechmücken und Wespen, gegen Volksmusik, gegen die FDP, gegen Schweinegrippe, gegen MRSA, gegen Alterssichtigkeit, gegen Birkenpollen und natürlich leidenschaftlich gegen das Stranden von Minkwalen.
Obwohl dieser Politansatz durchaus erfolgreich ist, wirkt dieses antagonistische Argumentieren negativ und destruktiv.
Politisch korrekter ist es zu verkünden, man gedenke nun OHNE xy auszukommen.
Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz verkündete daher „Ich stehe für eine Politik ohne Bart“, als sie gegen den rundum behaarten Schädel des Amtsinhabers antrat.
Klöckners Idol Helmut Kohl war 1994 mit seinem Anti-Scharping-Slogan „Politik ohne Bart“ allerdings erfolgreicher.
In den nächsten vier Jahren präsentierte Kohl dann seine Politik ohne Reformen, ohne Innovationen und ohne Temperament.
1998 war die SPD mit „Politik ohne Bauch“ erfolgreich und positionierte sich auch noch mit der „Politik ohne Krieg“ goldrichtig, um 2002 wiedergewählt zu werden.
Die CDU-Chefin Merkel verfolgte unterdessen während der Oppositionsjahre hartnäckig das Konzept „Politik ohne Konzeption und Strategie“.
Diese „asymmetrische Demobilisierung“ war deshalb so erfolgreich, weil Schröder unterdessen in den Augen vieler linker Wähler seine Politik ohne Herz durchzog.
Ab 2005 erklärte die Kanzlerin der großen Koalition die Politik ohne Positionierung zum A und O, während die Westerwelle-FDP ihre Politik ohne Anstand durchkämpfte.
Die schwarzgelbe Traumehe von 2009 verschrieb sich von Anfang an dem Konzept Politik ohne Sinn und Verstand.
Mit Fukushima verkündete die Kanzlerin ohne Rückgrat dann eine Atomdiskussion ohne Tabus.
Das neueste „Ohne-Kapitel“ führt diese Woche die FDP auf, die eine Politik ohne Eier betreibt.
Guido, der Schreckliche, der in Rekordzeit 2/3 der Parteianhänger verjagte und als Unsympath Berlins gilt, ist nun nicht mehr gut genug für die FDP und muß weg.
Für Deutschland reicht es allerdings noch und so darf er Außenminister bleiben.
Die drei kleinen Streber in den Maßanzügen, Philipp, Christian und Daniel, betreiben den sogenannten „Westerwelle-Sturz“ mit dem Gesicht im Hintern.
Was ihnen sogar wohlmeinende Konservative wie Herr Nonnenmacher von der F.A.Z. raten, nämlich dringend bei der Gelegenheit auch Westerwelle, Brüderle und Homburger in die Wüste zu schicken, traut sich Rösler mit seinen vollen Hosen nicht.
Philipp „ich würde niemals Guido, dem Großartigen widersprechen“ Rösler ist als FDP-Neuanfang ungefähr so glaubwürdig wie ein Heftpflaster auf der Fukushima-3-Ruine.
„Kuschel-Putsch“ lästert Spiegel-Edelfeder Schwennicke über Lindi und Rösi:
Rösler und Lindner fehlt offenbar der Mumm, ihre Interessen in der eigenen Partei durchzusetzen. Wie soll das erst werden, wenn es gegen Merkel, Seehofer und Co. geht?
[…] Die jungen Milden der FDP aber hätten am liebsten noch den Segen desjenigen, den sie gerade stürzen. Ich kann verstehen, dass ihr mich abräumt, ich bin euch nicht böse deswegen, solange ich das Außenamt behalten darf wie der Altbauer das Austragshäusl. Das möchten sie wohl gerne hören.
[…]Wenn die Söhne nicht den nötigen Mut für klare Verhältnisse aufbringen, müssen die Großväter ran, das Gebotene wenigstens zu benennen. Das in die Jahre gekommene sozialliberale Zwillingspaar Gerhart Baum und Burkhard Hirsch muss das Unaussprechliche aussprechen und klarmachen, dass Westerwelle natürlich nicht das Außenamt als Trostpreis behalten darf. Diese Konzession ebenso wie das bockige Beharrungsvermögen von Rainer Brüderle, die Verschonung von Fraktionschefin Birgit Homburger, all das behindert wirklich schlüssige Modelle einer Neuverteilung der Macht in der FDP. Es ist, bei allem Respekt, Murks, was sich da derzeit als Gesellenstück der neuen Führung abzeichnet.
(Spon 05.04.11)
Auch Nico Fried hat nur Hohn und Spott für die eierlosen U-40er der FDP übrig:
Donnerwetter, da hat sich aber wirklich was verändert in der FDP!
Welch ein umfassender Personalwechsel! Der bisherige Parteichef geht, aber auch nicht so ganz wirklich. Der bisherige Gesundheitsminister wird neuer Parteichef, quasi aus Versehen.
Und sonst? Nichts und sonst. Das war's. Alle anderen verharren auf ihren Plätzen. Alle sind unverzichtbar, außer Guido Westerwelle. Deutlicher hätte die gesamte FDP ihrem scheidenden Chef nicht sagen können: Du allein bist an allem schuld! Und zur Strafe darfst du jetzt Außenminister bleiben. Die Botschaft dieses Revirements, das keines war, lautet: Die FDP bleibt konsequent inkonsequent. Wenn Angela Merkel an diesem Mittwoch ihre Minister im Kabinett um sich schart, wird sie gar nichts merken. Sind alle noch da. Irgendwann im Mai wird dann Philipp Rösler neben ihr Platz nehmen als Vizekanzler. Und Guido Westerwelle sitzt ihr dann womöglich gegenüber. Mehr ändert sich nicht. Diese Regierung wird weiter regieren wie bisher. Das ist eine Kontinuität, die keine Verheißung bedeutet, sondern eine Drohung.
(SZ 05.04.2011)
Hans Peter Schütz ätzt über die „FDP, die Partei der Sitzenbleiber“
Rösler wird Parteichef - sonst bleibt alles beim Alten. Eine riesige Enttäuschung. Die Liberalen haben den Ernst ihrer Lage noch immer nicht begriffen.
(Stern 05.04.11)
Für den neuen FDP-Chef bleibt nur Spott:
Doch schon die Umstände seiner Beförderung lassen die Frage zu, ob er in seiner Partei wirklich was zu sagen hat: weil der Vorgänger, der so versagt hat, dass die FDP in einer Existenzkrise schwebt, bleiben darf, obwohl er Deutschlands unbeliebtester Politiker ist; weil ein Brüderle, der als Landesvorsitzender seine rheinland-pfälzische FDP ins politische Aus geführt hat, im Amt bleiben darf, weil es die deutsche Wirtschaft so wünscht; weil Rösler sich hat abschieben lassen ins Amt des Bundesgesundheitsministers, wo er bisher keinen Erfolg hatte und auch künftig nicht haben wird. Und weil der Beste, den die Liberalen noch haben, Christian Lindner, weiter auf dem risikoarmen Posten des Generalsekretärs versteckt wird. Armer Philipp Rösler. Ehe er auch angefangen hat im neuen Amt, ist er radikal rasiert worden.
[…] Das ist ein Sieg der Strippenzieher und Postenhuber, die offenbar immer noch nicht erkannt haben, in welcher Existenzgefahr sich die FDP befindet. Die artig die Backen zusammenkneifen, wenn der Telefonterror der Wirtschaftsbosse nur massiv genug ist. Die dem Irrglauben anhängen, ihre Partei sei politisch allein wegen Fukushima politisch implodiert. Wann, wenn nicht in diesen Tagen, wäre es möglich und notwendig gewesen, eine überzeugende Neuaufstellung zu erzwingen? Aber auch das Trio der Jungstars - Rösler, Lindner, Bahr - scheint mehr die eigene Karriere zu bedenken als die Zukunft ihrer inhaltlich entleerten Partei und des deutschen Liberalismus.
(Stern 05.04.11)
Total versagt lautet einhellig auch das Urteil von Thorsten Denkler:
„Philipp Rösler verliert seinen ersten Machtkampf als designierter Parteichef gegen einen Problembären. Westerwelle macht das weiter, was er noch weniger kann als Parteichef - und Fraktionschefin Homburger darf weiter das Ansehen der Partei in den Keller treiben. Protokoll eines völlig vermurksten Neustarts.“
(SZ 05.04.2011)
Absolut ohne Rückgrat auch die krasse Fehlentscheidung die tumbe Schwäbin Homburger die Fraktion weiter in die Irre zu führen.
Außer mit abstoßender Physionomie, völliger Talentlosigkeit und einem exzessiven Gebrauch der Lüge ist die Parlamentsspeerspitze der Liberalen noch nie aufgefallen.
Gestern hat sich die 30 Köpfe zählende "Junge Gruppe" getroffen. Zuvor gab es noch Putschgerüchte. Es sollten Abwahlanträge gegen Homburger gestellt werden. Wäre es dazu gekommen, es wäre eng geworden für die Fraktionschefin. Doch es kam nicht dazu. "Wir brauchen die erfahrenen Köpfe", heißt es jetzt. Damit wird ein System fortgesetzt, das bisher schon nicht funktioniert hat. Generalsekretär Christian Lindner verweigert sich jeder billigen Polemik auf Kosten der Opposition. Homburger müsste den Part übernehmen, kann es aber nicht. Ihre Reden im Bundestag sind Zeugnisse ihrer Unfähigkeit, sich pointiert und schlagfertig zu Wort zu melden. "Wir haben ein Problem mit der Abteilung Attacke", sagt ein Fraktionsmitglied. Das müsse sich ändern, etwa indem Homburger nicht mehr in jeder wichtigen Debatte spricht.
(SZ 05.04.2011)
Und so wird es dann weitergehen mit Schwarzgelb und ihrer Politik ohne Erfolg!
Montag, 4. April 2011
Das klassische Vorgehen.
Wenn man ein Unternehmer ist und bestimmte Interessen durchgesetzt haben möchte, kann man entweder öffentlich dafür werben und hoffen die Volksvertreter zu überzeugen.
Oder aber man findet genau heraus, wer über das eigene Anliegen zu entscheiden hat und besticht denjenigen.
Bestechung hat viele Formen. Es muß nicht immer plump ein schwarzer Koffer voller Geld übergeben werden, wie das zu Helmut Kohls Zeiten in der CDU üblich war.
Nein, man kann auch einfach nett zu den Politikern sein; sich mit ihnen befreunden und dabei großzügig und spendabel auftreten.
Herr Maschmeyer, der AWD-Millionär ist so einer, der besonders nett zu Entscheidungsträgern ist.
Der ranghöchste Politiker Deutschlands, Bundespräsident Wulff, flog passenderweise kurz nach seinem Amtsantritt erst mal in den Urlaub - in die Maschmeyer-Super-Luxus-Villa auf Mallorca.
Politiker machen gerne Urlaub.
Und ganz besonders gerne, wenn sie nichts dafür zahlen müssen.
Einige süddeutsche Ministerpräsidenten, Streibl und Späth beispielsweise, machten exzessiv davon Gebrauch sich ihre Traum-Urlaube von den Amigos bezahlen zu lassen.
Besser ist es natürlich, wenn nie publik wird, wer einem finanziell so großzügig beigestanden hat, aber selbst wenn, muß es nicht unbedingt Konsequenzen geben.
Ein ziemlich dreister Fall von Bestechung des Hamburger Innensenators und späteren Bürgermeisters Ahlhaus, wurde zwar bekannt, aber kein Skandal.
Noch nicht einmal ein Skandälchen.
Über Ahlhaus‘ eigenartige Rechtsauffassung wurde erst gesprochen, als er die nächste Bürgerschaftswahl zu vergeigen drohte.
Gern weisen Parteifreunde in diesen Tagen deshalb auf die vielen Fehltritte des Kandidaten hin und genauso gern auf jene, die sich Ahlhaus bereits als Innensenator leistete. So ließ er sich und seine Gattin im Oktober 2008 zum Privatvergnügen mit Dienstwagen und Chauffeur durch Paris kutschieren. Als die Sache rauskam, musste er der Staatskasse für Privatfahrten rund 1200 Euro erstatten. Auch an eine kaum beachtete Episode aus dem September 2009 wird nun wieder erinnert. Sie weckt in der Tat Zweifel, dass sich Ahlhaus nur dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Als Innensenator legte er damals einen Gesetzentwurf vor, der vorsah, die sogenannte Spielbankabgabe drastisch zu senken. Es ging um den Gewinnanteil, den die Betreiber an den Staat für die Glücksspiellizenz abführen müssen. Davon hätten vor allem die Spielbankbetreiber profitiert, zu denen auch mehrere Mitglieder der Unternehmerfamilie Jahr gehören. Das Ahlhaus-Gesetz hätte ihnen, nach Berechnungen des Senats, in den Jahren 2009 und 2010 etwa 30 Millionen Euro mehr in die Kasse gespült. Der Zufall will es, dass einige Angehörige des Jahr-Clans auch Gesellschafter der Dahler & Company Group GmbH sind. Und die hält 80 Prozent der Immobilienfirma Dahler & Company, bei der die Ahlhaus-Ehefrau Simone schon damals in leitender Stellung arbeitete.
(Spiegel 31.01.2011)
Die Glücksspielmafia weiß wie man es macht und bis heute sind Schwarze und Gelbe sehr empfänglich.
So ließen sich Wichtigen der Niedersächsischen und Schleswig-Holsteinischen Regierungsparteien letzte Woche zur „Sause auf Sylt“ (Spiegel) einladen.
Das Schreiben an die "ausgesuchten Gäste" war von bemerkenswerter Offenheit. Es richtete sich an handverlesene "Top-Entscheider" aus "Sport, Medien, Politik, Sportwetten- und Poker-Industrie". Eingeladen wurde in ein Luxushotel auf Sylt, zu einer diskreten Tagung zum Thema Glücksspiel. "Gemeinsam mit Ihnen", so war zu lesen, "wollen wir in einem sehr exklusiven Kreis die Weichen für die Zeit eines politisch liberalisierten Marktes für Sportwetten und Online-Poker stellen." Bestimmten Branchen biete sich "jetzt die einmalige Möglichkeit, von diesem neuen Milliardenmarkt zu profitieren - und dessen Ausrichtung mit zu gestalten". Auch die Ausrichter waren bemerkenswert. Die Sylter Sause Ende vergangener Woche war von der Zeitschrift "Sponsor's" ("Deutschlands führendes Sportwirtschaftsmagazin") organisiert worden - und stand unter der "Schirmherrschaft" der Chefs der schleswig-holsteinischen Regierungsfraktionen, Christian von Boetticher (CDU) und Wolfgang Kubicki (FDP). Wenige Tage vor der auf Mittwoch terminierten Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten zur Zukunft des staatlichen Lottomonopols präsentierten die Waterkant-Politiker ihren "Gesetzentwurf zum Glücksspiel-Staatsvertrag". Aber wie unabhängig sind Minister und Fraktionsvorsitzende in ihren Entscheidungen, wenn sie sich zuvor von interessierten Kreisen in einem Fünf-Sterne-Haus verwöhnen lassen?
(Der Spiegel 14/2011)
Die Zockerlobby hat allen Grund sich ins Zeug zu legen.
Es geht um zweistellige Milliardenumsätze mit traumhaften Renditen - auf Kosten vieler Spielsüchtigen, die sich dabei vollkommen ruinieren.
Am 1. Januar 2012 tritt der neue Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft und die Fronten sind klar:
Während die meisten SPD-geführten Bundesländer die Zockerei weitgehend staatlich kontrollieren wollen, trommelt das schwarz-gelbe Lager für eine Deregulierung. Besonders marktradikale Positionen vertritt dabei die Kieler Regierungskoalition, deren Akteure sich nun einmal mehr mit dem Vorwurf der Klientelpolitik auseinandersetzen müssen. Ihre Nähe zur privaten Glücksspiel-Branche ist nicht zu übersehen: Hans-Jörn Arp etwa, CDU-Glücksspiel-Experte und Fraktionsvize in Kiel, ließ sich im vergangenen Jahr zu einer Zockerkonferenz nach Malta einladen, wo er mit privaten Wettanbietern schon mal über die "Voraussetzungen einer möglichen Lizenzierung in Schleswig-Holstein" sprach. Und auch auf Sylt, wo Arp natürlich mit von der Partie war, kamen sich Politik und Klientel offenbar nahe.
(Der Spiegel 14/2011)
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner nannte den Vorgang dagegen "unappetitlich" und warnte vor Lobbyeinfluss: "Ich erwarte, dass die Vorgänge im Landtag aufgeklärt werden." Der Grünen-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, sieht das ähnlich. Er sagte dem Abendblatt: "Der Trip auf die Insel wirft die Frage auf, ob hier sachwidriger Einfluss auf maßgebliche Entscheider genommen wird." Mit ihrem Wunsch, die derzeit in Deutschland stark eingeschränkten Möglichkeiten für Sportwetten auszuweiten, nehmen die Koalitionspartner CDU und FDP in Schleswig-Holstein und die FDP als kleinerer Koalitionspartner in Niedersachsen bislang eine Minderheitenposition ein.
(Hamburger Abendblatt, 04.04.11)
Aber wer hört schon auf die SPD, die in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu Gunsten von den Lobby-hörigen Parteien FDP und CDU abgewählt wurde?
Die Wähler stört das bißchen Käuflichkeit nicht.
Da können die Sozis sich so lange beklagen, wie sie wollen.
Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn die gleichen schwarz-gelben Politiker, die sich an vorderster Front fuer die Oeffnung des Gluecksspielmarktes fuer private Anbieter einsetzen, sich genau von diesen in Luxushotels einladen lassen. Insbesondere wenn es in der Einladung laut Bericht des SPIEGEL darum geht, "in einem sehr exklusiven Kreis die Weichen fuer die Zeit eines politisch liberalisierten Marktes fuer Sportwetten und Online-Poker zu stellen". Fuer die Zukunft des Gluecksspielstaatsvertrages und des staatlichen Monopols duerfen Lobbyinteressen der Branche nicht den Ausschlag geben.
[…] Die deutliche Mehrheit der Bevoelkerung unterstuetzt laut Umfragen das staatliche Monopol und die damit verbundene Schutzfunktion. Die schwarz-gelben Koalitionaere muessen sich jetzt entscheiden, fuer wen sie Politik machen - fuer die Gluecksspiellobby oder fuer die Bevoelkerung.
(Die Drogenbeauftragte Angelika Graf in der PM Nr 386 der SPD-Bundestagsfraktion vom 04.04.2011)
Oder aber man findet genau heraus, wer über das eigene Anliegen zu entscheiden hat und besticht denjenigen.
Bestechung hat viele Formen. Es muß nicht immer plump ein schwarzer Koffer voller Geld übergeben werden, wie das zu Helmut Kohls Zeiten in der CDU üblich war.
Nein, man kann auch einfach nett zu den Politikern sein; sich mit ihnen befreunden und dabei großzügig und spendabel auftreten.
Herr Maschmeyer, der AWD-Millionär ist so einer, der besonders nett zu Entscheidungsträgern ist.
Der ranghöchste Politiker Deutschlands, Bundespräsident Wulff, flog passenderweise kurz nach seinem Amtsantritt erst mal in den Urlaub - in die Maschmeyer-Super-Luxus-Villa auf Mallorca.
Politiker machen gerne Urlaub.
Und ganz besonders gerne, wenn sie nichts dafür zahlen müssen.
Einige süddeutsche Ministerpräsidenten, Streibl und Späth beispielsweise, machten exzessiv davon Gebrauch sich ihre Traum-Urlaube von den Amigos bezahlen zu lassen.
Besser ist es natürlich, wenn nie publik wird, wer einem finanziell so großzügig beigestanden hat, aber selbst wenn, muß es nicht unbedingt Konsequenzen geben.
Ein ziemlich dreister Fall von Bestechung des Hamburger Innensenators und späteren Bürgermeisters Ahlhaus, wurde zwar bekannt, aber kein Skandal.
Noch nicht einmal ein Skandälchen.
Über Ahlhaus‘ eigenartige Rechtsauffassung wurde erst gesprochen, als er die nächste Bürgerschaftswahl zu vergeigen drohte.
Gern weisen Parteifreunde in diesen Tagen deshalb auf die vielen Fehltritte des Kandidaten hin und genauso gern auf jene, die sich Ahlhaus bereits als Innensenator leistete. So ließ er sich und seine Gattin im Oktober 2008 zum Privatvergnügen mit Dienstwagen und Chauffeur durch Paris kutschieren. Als die Sache rauskam, musste er der Staatskasse für Privatfahrten rund 1200 Euro erstatten. Auch an eine kaum beachtete Episode aus dem September 2009 wird nun wieder erinnert. Sie weckt in der Tat Zweifel, dass sich Ahlhaus nur dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Als Innensenator legte er damals einen Gesetzentwurf vor, der vorsah, die sogenannte Spielbankabgabe drastisch zu senken. Es ging um den Gewinnanteil, den die Betreiber an den Staat für die Glücksspiellizenz abführen müssen. Davon hätten vor allem die Spielbankbetreiber profitiert, zu denen auch mehrere Mitglieder der Unternehmerfamilie Jahr gehören. Das Ahlhaus-Gesetz hätte ihnen, nach Berechnungen des Senats, in den Jahren 2009 und 2010 etwa 30 Millionen Euro mehr in die Kasse gespült. Der Zufall will es, dass einige Angehörige des Jahr-Clans auch Gesellschafter der Dahler & Company Group GmbH sind. Und die hält 80 Prozent der Immobilienfirma Dahler & Company, bei der die Ahlhaus-Ehefrau Simone schon damals in leitender Stellung arbeitete.
(Spiegel 31.01.2011)
Die Glücksspielmafia weiß wie man es macht und bis heute sind Schwarze und Gelbe sehr empfänglich.
So ließen sich Wichtigen der Niedersächsischen und Schleswig-Holsteinischen Regierungsparteien letzte Woche zur „Sause auf Sylt“ (Spiegel) einladen.
Das Schreiben an die "ausgesuchten Gäste" war von bemerkenswerter Offenheit. Es richtete sich an handverlesene "Top-Entscheider" aus "Sport, Medien, Politik, Sportwetten- und Poker-Industrie". Eingeladen wurde in ein Luxushotel auf Sylt, zu einer diskreten Tagung zum Thema Glücksspiel. "Gemeinsam mit Ihnen", so war zu lesen, "wollen wir in einem sehr exklusiven Kreis die Weichen für die Zeit eines politisch liberalisierten Marktes für Sportwetten und Online-Poker stellen." Bestimmten Branchen biete sich "jetzt die einmalige Möglichkeit, von diesem neuen Milliardenmarkt zu profitieren - und dessen Ausrichtung mit zu gestalten". Auch die Ausrichter waren bemerkenswert. Die Sylter Sause Ende vergangener Woche war von der Zeitschrift "Sponsor's" ("Deutschlands führendes Sportwirtschaftsmagazin") organisiert worden - und stand unter der "Schirmherrschaft" der Chefs der schleswig-holsteinischen Regierungsfraktionen, Christian von Boetticher (CDU) und Wolfgang Kubicki (FDP). Wenige Tage vor der auf Mittwoch terminierten Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten zur Zukunft des staatlichen Lottomonopols präsentierten die Waterkant-Politiker ihren "Gesetzentwurf zum Glücksspiel-Staatsvertrag". Aber wie unabhängig sind Minister und Fraktionsvorsitzende in ihren Entscheidungen, wenn sie sich zuvor von interessierten Kreisen in einem Fünf-Sterne-Haus verwöhnen lassen?
(Der Spiegel 14/2011)
Die Zockerlobby hat allen Grund sich ins Zeug zu legen.
Es geht um zweistellige Milliardenumsätze mit traumhaften Renditen - auf Kosten vieler Spielsüchtigen, die sich dabei vollkommen ruinieren.
Am 1. Januar 2012 tritt der neue Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft und die Fronten sind klar:
Während die meisten SPD-geführten Bundesländer die Zockerei weitgehend staatlich kontrollieren wollen, trommelt das schwarz-gelbe Lager für eine Deregulierung. Besonders marktradikale Positionen vertritt dabei die Kieler Regierungskoalition, deren Akteure sich nun einmal mehr mit dem Vorwurf der Klientelpolitik auseinandersetzen müssen. Ihre Nähe zur privaten Glücksspiel-Branche ist nicht zu übersehen: Hans-Jörn Arp etwa, CDU-Glücksspiel-Experte und Fraktionsvize in Kiel, ließ sich im vergangenen Jahr zu einer Zockerkonferenz nach Malta einladen, wo er mit privaten Wettanbietern schon mal über die "Voraussetzungen einer möglichen Lizenzierung in Schleswig-Holstein" sprach. Und auch auf Sylt, wo Arp natürlich mit von der Partie war, kamen sich Politik und Klientel offenbar nahe.
(Der Spiegel 14/2011)
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner nannte den Vorgang dagegen "unappetitlich" und warnte vor Lobbyeinfluss: "Ich erwarte, dass die Vorgänge im Landtag aufgeklärt werden." Der Grünen-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, sieht das ähnlich. Er sagte dem Abendblatt: "Der Trip auf die Insel wirft die Frage auf, ob hier sachwidriger Einfluss auf maßgebliche Entscheider genommen wird." Mit ihrem Wunsch, die derzeit in Deutschland stark eingeschränkten Möglichkeiten für Sportwetten auszuweiten, nehmen die Koalitionspartner CDU und FDP in Schleswig-Holstein und die FDP als kleinerer Koalitionspartner in Niedersachsen bislang eine Minderheitenposition ein.
(Hamburger Abendblatt, 04.04.11)
Aber wer hört schon auf die SPD, die in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu Gunsten von den Lobby-hörigen Parteien FDP und CDU abgewählt wurde?
Die Wähler stört das bißchen Käuflichkeit nicht.
Da können die Sozis sich so lange beklagen, wie sie wollen.
Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn die gleichen schwarz-gelben Politiker, die sich an vorderster Front fuer die Oeffnung des Gluecksspielmarktes fuer private Anbieter einsetzen, sich genau von diesen in Luxushotels einladen lassen. Insbesondere wenn es in der Einladung laut Bericht des SPIEGEL darum geht, "in einem sehr exklusiven Kreis die Weichen fuer die Zeit eines politisch liberalisierten Marktes fuer Sportwetten und Online-Poker zu stellen". Fuer die Zukunft des Gluecksspielstaatsvertrages und des staatlichen Monopols duerfen Lobbyinteressen der Branche nicht den Ausschlag geben.
[…] Die deutliche Mehrheit der Bevoelkerung unterstuetzt laut Umfragen das staatliche Monopol und die damit verbundene Schutzfunktion. Die schwarz-gelben Koalitionaere muessen sich jetzt entscheiden, fuer wen sie Politik machen - fuer die Gluecksspiellobby oder fuer die Bevoelkerung.
(Die Drogenbeauftragte Angelika Graf in der PM Nr 386 der SPD-Bundestagsfraktion vom 04.04.2011)
Sonntag, 3. April 2011
Nach mir die Sintflut.
Unser crazy Guido ist doch wirklich nach wie vor etwas eigenartig.
Er hat drei Jobs: FDP-Chef, Außenminister und Vize-Kanzler. (Letzterer ist eher eine Formalität und somit zu vernachlässigen.)
Aber als Parteichef ruiniert er die FDP und als Außenamts-Chef ruiniert er das Ansehen Deutschlands. Ein integerer Mann würde sich von allen Posten zurück ziehen; Westerwelle aber will nur einen der beiden wichtigen Jobs abgeben.
Offenbar ist ihm das Ansehen Deutschlands weniger wichtig und so wird er sich weiterhin dem Verderben desselben widmen und lediglich der Partei eine neue Chance geben.
Welch Kleingeist!
Die Welt würde das Aussterben der FDP kaum bemerken, aber das Aufschwingen der drittgrößten Wirtschaftsmacht zum Luftikus der UN ist schon ein erheblich größeres Problem.
Ich bin mir nicht sicher, wie Westerwelle seinen Amtseid verstanden hat, aber sollten die Spitzen der Bundesregierung nicht Schaden von Deutschland ABWENDEN, statt vermehren?
….Er ist ein nutzloser Außenminister. Westerwelle muss raus aus dem Kabinett, er muss die Freiheit zurückgewinnen, die Kanzlerin zu kritisieren. Vielleicht hat sich Guido Westerwelle am Dienstag in London an seine Teenagerzeit am Arndt-Gymnasium in Bonn erinnert gefühlt, als niemand mit ihm gesehen werden wollte. Er war damals uncool, und er ist es heute. Deutschlands aktuelle Schande ist zwar nicht so tief wie unter George Bush junior, als Donald Rumsfeld sich lieber hinter einer Säule versteckte, als Peter Struck die Hand zu schütteln. Nein, Westerwelles Kollegen betreiben immer noch Smalltalk mit ihm. Trotzdem: Für die westlichen Alliierten auf der Libyen-Konferenz war Guido die fleischgewordene deutsche Sonderrolle. Diplomaten in Berlin fragen sich, wie lange sich das Land noch von einem so offensichtlichen Leichtgewicht repräsentieren lassen will.
(Roger Boyes, Korrespondent der britischen Tageszeitung „The Times“. 02.04.2011)
Dann ließ der gleiche Mann die Partei innerhalb von eineinhalb Jahren auf bedeutungslose fünf Prozent schrumpfen. Römische Dekadenz, Hotelsteuer, das nicht eingehaltene, weil nicht einzuhaltende Wahlversprechen von massiven Steuersenkungen - überall hat sich Westerwelle verspekuliert. Es wurde nicht besser, als er in alter Oppositionspolitiker-Manier herumpolterte. Es wurde nicht besser, als er sich ruhig verhielt und nur den Außenminister gab. Im Gegenteil, er hat geschafft, was kein Außenminister vor ihm je hinbekommen hat: unbeliebtester Politiker zu sein. Aus dem liberalen Steuermantra "einfach, niedrig und gerecht" hat Westerwelle ein "peinlich, biestig und verrückt" gemacht. Peinlich, wie Westerwelle verdiente Parteispender mit auf Dienstreise nahm. Biestig, wie er in der Hartz-IV-Debatte Hilfeempfänger anpöbelte. Verrückt, wie er noch von Steuersenkungen schwafelte als längst klar war, dass die Realität ihn überholt hat. Westwelle ist kein Opfer von politischen Meuchelmördern. Er ist - wenn überhaupt - das Opfer seiner Eitelkeit
(Thorsten Denkler, SZ, 03.04.11)
Aber der Vizekanzler ist der Realität offenbar schon seit mindestens einer Dekade entrückt.
Daß er ungefähr so beliebt wie Fußpilz ist und als Repräsentant Deutschlands auch die internationale Sympathie für das Land in den Orkus hinab zieht, ist ihm egal.
„ Nach mir die Sintflut“ war und ist das Motto des Provinz-Anwaltes auf dem zweiten Bildungsweg aus Bad Honnef.
Eine unangenehme Person mit absurden Ansichten, über die man bestenfalls herzlich lachen kann.
"Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt's einen, der die Sache regelt. Und das bin ich." So formulierte Guido Westerwelle vor Jahren die Machtverhältnisse in der FDP.
A propos Absurdes: Passend zum Thema habe ich heute in einem Comedy-Buch über einen anderen berühmt-berüchtigten Kapitän und eine Sintflut gelesen, um mich ein bißchen aufzuheitern.
1 Dann segnete Gott Noach und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, vermehrt euch und bevölkert die Erde! 2 Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben. 3 Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
(Gen. 9)
Tja, die Philosophie des massenhaften menschlichen Vermehrens auf Kosten der Umwelt, ist genauso gescheitert wie Guidos Neoliberalismus.
6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht. 7 Seid fruchtbar und vermehrt euch; bevölkert die Erde und vermehrt euch auf ihr!
(Gen. 9)
Auch das menschliche Blutvergießen, auf das man mit mehr Blutvergießen zu reagieren habe, scheint im Irak, in Afghanistan und anderswo nicht besonders zielführend zu sein.
11 Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
(Gen. 9)
Nach den Tsunamis von Indonesien 2004 und Japan 2011 kann man sagen, daß Gott ganz offensichtlich auch genau lügt wie Guido Westerwelle.
20 Dann baute Noach dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte auf dem Altar Brandopfer dar. 21 Der Herr roch den beruhigenden Duft und der Herr sprach bei sich: Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.
(Gen. 8)
Nun ist Gott offensichtlich völlig gaga, geradezu Guido-mäßig gaga.
20 Noach wurde der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg. 21 Er trank von dem Wein, wurde davon betrunken und lag entblößt in seinem Zelt. 22 Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und erzählte davon draußen seinen Brüdern. 23 Da nahmen Sem und Jafet einen Überwurf; den legten sich beide auf die Schultern, gingen rückwärts und bedeckten die Blöße ihres Vaters. Sie hatten ihr Gesicht abgewandt und konnten die Blöße des Vaters nicht sehen. 24 Als Noach aus seinem Rausch erwachte und erfuhr, was ihm sein zweiter Sohn angetan hatte, 25 sagte er: Verflucht sei Kanaan. / Der niedrigste Knecht sei er seinen Brüdern. 26 Und weiter sagte er: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, / Kanaan aber sei sein Knecht. 27 Raum schaffe Gott für Jafet. / In Sems Zelten wohne er, / Kanaan aber sei sein Knecht. 28 Noach lebte nach der Flut noch dreihundertfünfzig Jahre. 29 Die gesamte Lebenszeit Noachs betrug neunhundertfünfzig Jahre, dann starb er.
(Gen. 9)
Und auch das Ende der Geschichte ist genauso glaubwürdig wie die FDP-Steuersenkungsversprechen und das „liberale Sparbuch“.
Nachtrag:
Ich teile nicht die Sorge, die FDP könnte mit einem Parteichef Rösler oder Lindner urplötzlich wieder so stark werden, daß Schwarz-Gelb wieder erblüht. Als SPD-Mitglied habe ich Erfahrung mit schnellen Wechseln an der Parteispitze und weiß, was das in Umfragen nützt:
NICHTS.
Insofern schließe ich mich Heribert Prantl an, der als einer der wenigen Guido Westerwelle in Schutz nimmt: Er sei immerhin nicht allein Schuld am Absturz der FDP. Immerhin. Auch die anderen FDP-Zampanos sind richtig schlecht!
Für die Westerwelle-FDP gilt, was einst der Rechtsgelehrte und frühere FDP-Innenminister Werner Maihofer über die Große Koalition der Jahre 1966 bis 1969 gesagt hat: "Große Worte überall, aber kleine Taten". Die Führungs- und Personaldebatte der Freidemokraten unterliegt einem error in persona: Das Problem heißt nämlich nicht nur und nicht in erster Linie Guido Westerwelle; es heißt auch Bundestagsfraktion; sie ist matt und unpolitisch. Und viele von denen, die Westerwelle jetzt abserviert haben, gehören mit zum Problem: Haben sie Westerwelles Schwächen erst jetzt entdeckt? Wo waren sie, als die liberalen Bürgerrechtler an den Rand der Partei gedrängt und ihr Heil nicht mehr dort, sondern in Karlsruhe suchen mussten? Wo sind die Liberalen, die sich geschämt haben, als das Bundesverfassungsgericht viel rechtsstaatlicher war als die FDP? Ist die Dürre der Partei erst jetzt urplötzlich ausgebrochen? Hat Westerwelle die Klientelpolitik, die Steuersenkereien, das ganze freidemokratische Schlaraffenlandprogramm allein formuliert und diktiert? War er es ganz allein, der die FDP an die Union gekettet hat? Man kann sich Westerwelle wegdenken, ohne dass die Defizite der Partei entfielen. Die innerparteiliche Kritik an Westerwelle ist daher ebenso zutreffend wie wohlfeil.
(SZ, 03.04.11)
Er hat drei Jobs: FDP-Chef, Außenminister und Vize-Kanzler. (Letzterer ist eher eine Formalität und somit zu vernachlässigen.)
Aber als Parteichef ruiniert er die FDP und als Außenamts-Chef ruiniert er das Ansehen Deutschlands. Ein integerer Mann würde sich von allen Posten zurück ziehen; Westerwelle aber will nur einen der beiden wichtigen Jobs abgeben.
Offenbar ist ihm das Ansehen Deutschlands weniger wichtig und so wird er sich weiterhin dem Verderben desselben widmen und lediglich der Partei eine neue Chance geben.
Welch Kleingeist!
Die Welt würde das Aussterben der FDP kaum bemerken, aber das Aufschwingen der drittgrößten Wirtschaftsmacht zum Luftikus der UN ist schon ein erheblich größeres Problem.
Ich bin mir nicht sicher, wie Westerwelle seinen Amtseid verstanden hat, aber sollten die Spitzen der Bundesregierung nicht Schaden von Deutschland ABWENDEN, statt vermehren?
….Er ist ein nutzloser Außenminister. Westerwelle muss raus aus dem Kabinett, er muss die Freiheit zurückgewinnen, die Kanzlerin zu kritisieren. Vielleicht hat sich Guido Westerwelle am Dienstag in London an seine Teenagerzeit am Arndt-Gymnasium in Bonn erinnert gefühlt, als niemand mit ihm gesehen werden wollte. Er war damals uncool, und er ist es heute. Deutschlands aktuelle Schande ist zwar nicht so tief wie unter George Bush junior, als Donald Rumsfeld sich lieber hinter einer Säule versteckte, als Peter Struck die Hand zu schütteln. Nein, Westerwelles Kollegen betreiben immer noch Smalltalk mit ihm. Trotzdem: Für die westlichen Alliierten auf der Libyen-Konferenz war Guido die fleischgewordene deutsche Sonderrolle. Diplomaten in Berlin fragen sich, wie lange sich das Land noch von einem so offensichtlichen Leichtgewicht repräsentieren lassen will.
(Roger Boyes, Korrespondent der britischen Tageszeitung „The Times“. 02.04.2011)
Dann ließ der gleiche Mann die Partei innerhalb von eineinhalb Jahren auf bedeutungslose fünf Prozent schrumpfen. Römische Dekadenz, Hotelsteuer, das nicht eingehaltene, weil nicht einzuhaltende Wahlversprechen von massiven Steuersenkungen - überall hat sich Westerwelle verspekuliert. Es wurde nicht besser, als er in alter Oppositionspolitiker-Manier herumpolterte. Es wurde nicht besser, als er sich ruhig verhielt und nur den Außenminister gab. Im Gegenteil, er hat geschafft, was kein Außenminister vor ihm je hinbekommen hat: unbeliebtester Politiker zu sein. Aus dem liberalen Steuermantra "einfach, niedrig und gerecht" hat Westerwelle ein "peinlich, biestig und verrückt" gemacht. Peinlich, wie Westerwelle verdiente Parteispender mit auf Dienstreise nahm. Biestig, wie er in der Hartz-IV-Debatte Hilfeempfänger anpöbelte. Verrückt, wie er noch von Steuersenkungen schwafelte als längst klar war, dass die Realität ihn überholt hat. Westwelle ist kein Opfer von politischen Meuchelmördern. Er ist - wenn überhaupt - das Opfer seiner Eitelkeit
(Thorsten Denkler, SZ, 03.04.11)
Aber der Vizekanzler ist der Realität offenbar schon seit mindestens einer Dekade entrückt.
Daß er ungefähr so beliebt wie Fußpilz ist und als Repräsentant Deutschlands auch die internationale Sympathie für das Land in den Orkus hinab zieht, ist ihm egal.
„ Nach mir die Sintflut“ war und ist das Motto des Provinz-Anwaltes auf dem zweiten Bildungsweg aus Bad Honnef.
Eine unangenehme Person mit absurden Ansichten, über die man bestenfalls herzlich lachen kann.
"Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt's einen, der die Sache regelt. Und das bin ich." So formulierte Guido Westerwelle vor Jahren die Machtverhältnisse in der FDP.
A propos Absurdes: Passend zum Thema habe ich heute in einem Comedy-Buch über einen anderen berühmt-berüchtigten Kapitän und eine Sintflut gelesen, um mich ein bißchen aufzuheitern.
1 Dann segnete Gott Noach und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, vermehrt euch und bevölkert die Erde! 2 Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben. 3 Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
(Gen. 9)
Tja, die Philosophie des massenhaften menschlichen Vermehrens auf Kosten der Umwelt, ist genauso gescheitert wie Guidos Neoliberalismus.
6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht. 7 Seid fruchtbar und vermehrt euch; bevölkert die Erde und vermehrt euch auf ihr!
(Gen. 9)
Auch das menschliche Blutvergießen, auf das man mit mehr Blutvergießen zu reagieren habe, scheint im Irak, in Afghanistan und anderswo nicht besonders zielführend zu sein.
11 Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
(Gen. 9)
Nach den Tsunamis von Indonesien 2004 und Japan 2011 kann man sagen, daß Gott ganz offensichtlich auch genau lügt wie Guido Westerwelle.
20 Dann baute Noach dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte auf dem Altar Brandopfer dar. 21 Der Herr roch den beruhigenden Duft und der Herr sprach bei sich: Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.
(Gen. 8)
Nun ist Gott offensichtlich völlig gaga, geradezu Guido-mäßig gaga.
20 Noach wurde der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg. 21 Er trank von dem Wein, wurde davon betrunken und lag entblößt in seinem Zelt. 22 Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und erzählte davon draußen seinen Brüdern. 23 Da nahmen Sem und Jafet einen Überwurf; den legten sich beide auf die Schultern, gingen rückwärts und bedeckten die Blöße ihres Vaters. Sie hatten ihr Gesicht abgewandt und konnten die Blöße des Vaters nicht sehen. 24 Als Noach aus seinem Rausch erwachte und erfuhr, was ihm sein zweiter Sohn angetan hatte, 25 sagte er: Verflucht sei Kanaan. / Der niedrigste Knecht sei er seinen Brüdern. 26 Und weiter sagte er: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, / Kanaan aber sei sein Knecht. 27 Raum schaffe Gott für Jafet. / In Sems Zelten wohne er, / Kanaan aber sei sein Knecht. 28 Noach lebte nach der Flut noch dreihundertfünfzig Jahre. 29 Die gesamte Lebenszeit Noachs betrug neunhundertfünfzig Jahre, dann starb er.
(Gen. 9)
Und auch das Ende der Geschichte ist genauso glaubwürdig wie die FDP-Steuersenkungsversprechen und das „liberale Sparbuch“.
Nachtrag:
Ich teile nicht die Sorge, die FDP könnte mit einem Parteichef Rösler oder Lindner urplötzlich wieder so stark werden, daß Schwarz-Gelb wieder erblüht. Als SPD-Mitglied habe ich Erfahrung mit schnellen Wechseln an der Parteispitze und weiß, was das in Umfragen nützt:
NICHTS.
Insofern schließe ich mich Heribert Prantl an, der als einer der wenigen Guido Westerwelle in Schutz nimmt: Er sei immerhin nicht allein Schuld am Absturz der FDP. Immerhin. Auch die anderen FDP-Zampanos sind richtig schlecht!
Für die Westerwelle-FDP gilt, was einst der Rechtsgelehrte und frühere FDP-Innenminister Werner Maihofer über die Große Koalition der Jahre 1966 bis 1969 gesagt hat: "Große Worte überall, aber kleine Taten". Die Führungs- und Personaldebatte der Freidemokraten unterliegt einem error in persona: Das Problem heißt nämlich nicht nur und nicht in erster Linie Guido Westerwelle; es heißt auch Bundestagsfraktion; sie ist matt und unpolitisch. Und viele von denen, die Westerwelle jetzt abserviert haben, gehören mit zum Problem: Haben sie Westerwelles Schwächen erst jetzt entdeckt? Wo waren sie, als die liberalen Bürgerrechtler an den Rand der Partei gedrängt und ihr Heil nicht mehr dort, sondern in Karlsruhe suchen mussten? Wo sind die Liberalen, die sich geschämt haben, als das Bundesverfassungsgericht viel rechtsstaatlicher war als die FDP? Ist die Dürre der Partei erst jetzt urplötzlich ausgebrochen? Hat Westerwelle die Klientelpolitik, die Steuersenkereien, das ganze freidemokratische Schlaraffenlandprogramm allein formuliert und diktiert? War er es ganz allein, der die FDP an die Union gekettet hat? Man kann sich Westerwelle wegdenken, ohne dass die Defizite der Partei entfielen. Die innerparteiliche Kritik an Westerwelle ist daher ebenso zutreffend wie wohlfeil.
(SZ, 03.04.11)
Samstag, 2. April 2011
Unter Psychos.
“You know the world is going crazy when the best rapper is a white guy, the best golfer is a black guy, the tallest guy in the NBA is Chinese, the Swiss hold the America's Cup, France is accusing the U.S. of arrogance, Germany doesn't want to go to war, and the three most powerful men in America are named 'Bush', 'Dick', and 'Colon.' Need I say more?”
(Chris Rock 2006)
"Ich bin geisteskrank und Ihr seid meine Geisteskrankheit."
(Zitat aus 12 Monkeys)
Kohl hatte vorletzte Woche auf dem CDU-Landesparteitag Rheinland-Pfalz in Bad Dürkheim erklärt, zu Millionen führen die Deutschen in Urlaub, sie kehrten zufrieden heim, fänden dann aber nach wenigen Tagen hier alles ganz schrecklich - "sind wir denn alle verrückt geworden?" Dazu Biedenkopf: "Die Bevölkerung ist nicht verrückt geworden." Die Leute kämen in der Tat zufrieden aus dem Urlaub zurück, den sie sich hart erarbeitet hätten. "Sehr unzufrieden sind sie dann, weil sie mit unserer Arbeit nicht zufrieden sind.". [....] Der Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Klaus Lattmann berichtet: "Beim Friseur, in der Post oder auf der Straße kommen Bürger, die mich kennen, aggressiv auf einen zu und fragen: ''Sind die in Bonn denn komplett verrückt geworden?''"
(DER SPIEGEL 11.07.1988)
(Chris Rock 2006)
"Ich bin geisteskrank und Ihr seid meine Geisteskrankheit."
(Zitat aus 12 Monkeys)
Kohl hatte vorletzte Woche auf dem CDU-Landesparteitag Rheinland-Pfalz in Bad Dürkheim erklärt, zu Millionen führen die Deutschen in Urlaub, sie kehrten zufrieden heim, fänden dann aber nach wenigen Tagen hier alles ganz schrecklich - "sind wir denn alle verrückt geworden?" Dazu Biedenkopf: "Die Bevölkerung ist nicht verrückt geworden." Die Leute kämen in der Tat zufrieden aus dem Urlaub zurück, den sie sich hart erarbeitet hätten. "Sehr unzufrieden sind sie dann, weil sie mit unserer Arbeit nicht zufrieden sind.". [....] Der Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Klaus Lattmann berichtet: "Beim Friseur, in der Post oder auf der Straße kommen Bürger, die mich kennen, aggressiv auf einen zu und fragen: ''Sind die in Bonn denn komplett verrückt geworden?''"
(DER SPIEGEL 11.07.1988)
Das ZDF-Politbarometer April ergab mal wieder, daß die Deutschen deutsch sind.
Während 62 Prozent der Deutschen den internationalen Militäreinsatz in Libyen grundsätzlich richtig finden (nicht richtig: 29 Prozent), finden es auch 70 Prozent richtig, dass Deutschland sich daran nicht beteiligt (nicht richtig: 27 Prozent).
(politbarometer.zdf.de)
Krieg ja, aber ohne uns!
Eine interessante Variante der rückgratlosen Schizophrenie.
An dem Militäreinsatz, dem man immerhin überhaupt irgendeine Sinnhaftigkeit zusprechen kann, nämlich zu verhindern, daß Gaddafi mit dem Know-How und den Waffen aus Deutschland seine eigenen Leute massakriert, nehmen wir nicht teil, obwohl eine deutliche Mehrheit den Einsatz befürwortet.
Stattdessen schickt Deutschland 300 weitere Soldaten in einen Militäreinsatz nach Afghanistan, den niemand gutheißt, der aber auch inhaltlich deswegen nicht zu rechtfertigen ist, weil er schon im zehnten Jahr läuft und sich die Situation vor Ort kontinuierlich verschlimmert.
Die Regierungspolitiker, die uns die Strategie „Deutsche Soldaten nur für die falschen Militäroperationen, aber nicht für die Richtigen“ verkaufen, bilden personell die Spitze der Beliebtheitsskala.
Bei der Einschätzung der zehn wichtigsten Politiker nach Sympathie und Leistung auf einer Skala von +5 bis -5 liegt Karl-Theodor zu Guttenberg auch vier Wochen nach dem Rücktritt von seinen Ämtern weiter knapp an der Spitze der Top Ten. Er verschlechtert sich etwas und erreicht einen Durchschnittswert von 1,2 (Feb. II: 1,4). Auf Platz zwei kommt Frank-Walter Steinmeier mit 1,0 (Feb. II: 1,1). Dann folgt, in Note und Rang nach unten gerutscht, Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 0,9 (Feb. II: 1,4). Mit 0,7 (Feb. II: 0,8) schließt sich auf Platz vier Ursula von der Leyen an, danach Wolfgang Schäuble mit 0,6 (Feb. II: 0,8). Es folgen Horst Seehofer mit 0,3 (Feb. II: 0,4) und Renate Künast mit 0,2 (Feb. II: 0,1)
(politbarometer.zdf.de)
Die Regierungschefin, die generell für den Schwachsinn verantwortlich ist, liegt auf Platz drei.
Derjenige, der (bis vor einem Monat) als Kriegsminister ganz direkt die Marschbefehle gen Hindukusch ausschrieb, ist inzwischen ein überführter dutzendfacher Lügner und Betrüger und liegt in der Wertung des Gaga-Volks der Deutschen somit ganz an der Spitze der Beliebtheit.
Ablehnend stehen die Deutschen hingegen dem einzigen Afghanistankriegs-GEGNER dieser Liste gegenüber:
Im Negativbereich der Skala […] Gregor Gysi mit minus 1,0 (Feb. II: minus 0,8)
(politbarometer.zdf.de)
Die Polit-Schizophrenie siegt also.
Deswegen steht auch die Kanzlerin einsam als beliebteste Politikerin des Landes da.
Sie ist die Meisterin der politischen Irrlichterei.
Einen vom UN-Sicherheitsrat akzeptierten Luftangriff in Libyen, der auch von der Arabischen Liga unterstützt wird und lediglich dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen soll, unterstützt sie nicht - obwohl sie sich damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gegen alle Europäischen Partner und gegen die USA stellt.
Einen extrem gefährlichen, illegalen, von der Weltgemeinschaft abgelehnten und zum Scheitern verurteilten Kriegseinsatz gegen den Irak, der auf Lügen aufgebaut war, unterstütze Merkel hingegen gerade mit dem Argument, Deutschland dürfe sich niemals gegen Amerika stellen.
Unvergessen wie die damalige Oppositionsführerin Merkel im Februar 2003 auf den Knien nach Washington gen GWB-Anus rutschte.
Schon im Vorfeld ihres ultrablamablen Bücklings vor dem Kriegsverbrecher George Bush, war sie in einem Aufsatz für die Washington Post ausdrücklich ihrer eigenen Regierung, die einen Krieg verhindern wollte, in den Rücken gefallen.
Beifall erhielt Merkel auch vom US-Kongressabgeordneten Tom Lantos, der sich "erfreut" über den Beitrag der CDU-Chefin äußerte. Lantos hatte in der vergangenen Woche mit der Bemerkung für Schlagzeilen gesorgt, Deutschland wäre heute eine Sowjetrepublik, wenn es nicht "die heldenhaften Anstrengungen unseres Militärs" gegeben hätte. Auch der Vorsitzende des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Michael Rogowski, sagte, er stehe voll hinter Merkel.
(Spon 21.03.2003)
Schroeder Doesn't Speak for All Germans
By Angela Merkel Thursday, February 20, 2003; Page A39
Niemals dürfe die deutsche Politik aus taktischen Überlegungen sich allein gegen die NATO stellen.
Europe is, on the one hand, assuming new responsibilities around the world, whether in Kosovo or Afghanistan. On the other hand, it is divided, maybe even deeply split. Thus, for example, aid to Turkey, our partner in the alliance, is blocked for days in the NATO Council by France, Belgium and Germany, a situation that undermines the very basis of NATO's legitimacy. The most important lesson of German politics -- never again should Germany go it alone -- is swept aside with seeming ease by a German federal government that has done precisely this, for the sake of electoral tactics.
Was für eine sagenhafte Lügnerin die Kanzlerin doch ist! Denn 2003 stand Deutschland zwar gegen England und Amerika, aber keineswegs allein gegen die NATO.
Schröder agierte eng abgestimmt mit den NATO-Staaten Belgien und Türkei, sowie auch mit unserem Haupt-Partner Frankreich.
Da die CDU-Chefin ohnehin gerade Porzellan zertrümmerte, zog sie auch Frankreich eins über.
Offenbar mag Merkel Frankreich einfach nicht.
Unter ihrer Kanzlerschaft sind die Beziehungen zur Regierung in Paris auf einen absoluten Tiefststand der letzten 50 Jahre eingefroren.
The Eastern European candidate countries for membership in the European Union are attacked by the French government simply because they have declared their commitment to the transatlantic partnership between Europe and the United States.
Obwohl die IAEO – Inspektionen unter Hans Blix nicht den Hauch einer Massenvernichtungswaffe im Irak zu Tage förderten und damit das Bush-Argument für den Irakkrieg als Hirngespinst entlarvt war, wollte Merkel zu den Waffen rufen.
First, the danger from Iraq is not fictitious but real. Second, working not against but jointly with the United States, Europe must take more responsibility for maintaining international pressure on Saddam Hussein. As is argued in the EU summit declaration, this means advocating military force as the last resort in implementing U.N. resolutions.
Beschwörend wirft sich Merkel der USA an den Hals - Deutschland dürfe nicht abseits stehen:
The determination and unity of the free nations will, in the Iraq conflict, have a decisive effect not only on the outcome of the crisis but on the way in which we shape the future of Europe and its relationship with the United States. They will have a decisive effect, too, on how we guarantee peace, freedom and security, and how we find appropriate answers to the new threats of our time. Will it be alone or together, with determination or in despair, with our partners or against them?
Keinesfalls würde sich die CDU, die Partei, der sie vorstehe, jemals gegen Amerika stellen……..
For the party that I lead, our close partnership and friendship with the United States is just as much a fundamental element of Germany's national purpose as European integration. But both will be successful only if it is possible to build new trust and we are able to formulate our own interests. There is no acceptable alternative to this way forward at the beginning of this new epoch.
..….sprachs und stellte sich dann aus niederen taktischen Gründen (zwei Landtagswahlen) nicht nur gegen Amerika, sondern auch gegen die Europäischen Partner.
Die Frau wollten die Deutschen als ihre Kanzlerin.
Zweimal.
Mindestens.
Freitag, 1. April 2011
Impudenz des Monats März 2011
Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.
Und, Tusch, the winner is:
Die Parteizentralen in Berlin, die der Meinung sind alles liefe ganz OK und Ausschläge bei den Landtagswahlergebnissen wären ausschließlich mit den ungewöhnlichen Umständen durch Fukushima zu erklären.
Ich staune!
War da was?
Frau Merkel ist der Ansicht die Koalition insgesamt arbeite „sehr gut“ und auch über ihre K.O.alitionspartner gibt es nur Positives von der Kanzlerin zu vermelden:
Zu Spekulationen über eine Kabinettsumbildung sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sehe "gar keine Veranlassung", sich eine Kabinettsumbildung zu wünschen. Sie arbeite mit allen FDP-Ministern sehr gut zusammen.
(freiepresse.de, 01.04.2011)
Auch der Vizeregierungschef ist voll des Lobes über die Koalition.
Japan-Katastrophe, Libyen-Krise, Euro-Rettung: Dass diese ungewöhnliche Konzentration hochbrisanter Ereignisse die Bürger verunsichert, ist doch nachvollziehbar. Umso ruhiger und entschlossener muss die Regierung sein – und sie ist es auch.
[….] Die Koalition aus Union und FDP hat wegen ihrer spürbaren Leistungen in Baden-Württemberg sehr gute Chancen, bestätigt zu werden. Die Alternative ist ein Bündnis aus SPD und Grünen und womöglich der Linkspartei. Auch die Berliner Koalition arbeitet erfolgreich – sie wird über die gesamte Wahlperiode bis 2013 in vollem Umfang ihre Aufgaben wahrnehmen und kommt dabei gut voran, wie die neuen Arbeitsplätze und die steigenden Nettolöhne zeigen.
(Guido Westerwelle in einer FDP-Pressemitteilung vom 26. 03. 2011)
In welcher Parallelwelt lebt unser schwarz-gelbes Königspaar eigentlich?
Was auch immer die Koalition bisher angepackt hat, ging dramatisch schief.
Die Wähler rennen ihnen schreiend davon und international ist Deutschland inzwischen völlig blamiert.
Die Amerikaner finden Westerwelle als Außenminister absolut ungeeignet, wie wir alle durch Wikileaks wissen.
Auch die Franzosen halten unseren Vizekanzler für eine krasse Fehlbesetzung.
Manche trauen Westerwelle aber nicht das nötige diplomatische Geschick zu, in schwierigen Situationen effektiv für Deutschland zu arbeiten. So etwa in der Libyen-Krise. Am deutlichsten wurde der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. Er wirft Westerwelle in der "Zeit" "Populärpazifismus" vor und fordert von der Bundeskanzlerin dessen sofortige Entlassung.
Die deutsche Enthaltung bei der Uno-Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone in Libyen sei zustande gekommen durch "den unglücklichen Umstand, dass ein mittelmäßiger, inkompetenter, vielleicht sogar ahnungsloser Minister Regie führt, der, wie damals Haider oder heute Berlusconi, dem Weltdesaster nicht gewachsen ist, das Gaddafi heißt". Lévy gilt als Vertrauter und Berater von Präsident Nicolas Sarkozy. Dessen entschieden interventionistische Haltung im Libyeneinsatz soll auf den persönlichen Einsatz Lévys zurückgehen.
(Abla, 01.04.2011)
Nicht nur außenpolitisch, sondern gesamtpolitisch bilden Merkel und Westerwelle die schlechteste Regierung, die Deutschland seit 1945 hatte.
Libyen-Politik, Euro-Rettung, Gesundheitsreform, Pflegeversicherung, Hartz-Gesetze, Energiepolitik, Steuerreform, Mehrwertsteuersätze, Ökologie, Bundeswehr, Afghanistan - was auch immer Merkels Leute anpackten: Es endete im Desaster.
Als kurzen Rückblick zitiere ich dazu eine der Übertreibung völlig unverdächtige Quelle, nämlich das seriöseste Organ der deutschen Printpresse; das Wochenblatt „DIE ZEIT“:
Von der Unverfrorenheit zur Absurdität ist es nur ein kleiner Schritt. Also sprach Angela Merkel am Tag nach dem Debakel in Baden-Württemberg davon, dass dies eine »sehr gut arbeitende Koalition« sei. Gemeint war die schwarz-gelbe in Berlin. Von Fehlern sprach sie nicht.
[…] Vielleicht muss man noch einmal zurückgehen, ganz zum Anfang, um zu verstehen, an welchem Punkt diese Regierung, die eine »Wunschkoalition« war, nun angekommen ist. Bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst 2009 war viel von einem Aufbruch die Rede; Guido Westerwelle versprach eine »geistig-politische Wende«. Doch verhandelt wurde schon damals nicht über große, zukunftsweisende Projekte. Gestritten wurde über eine Frage der Vergangenheit, nämlich darüber, um wie viele Milliarden Euro die Steuern gesenkt werden könnten.
Die ersten Monate der neuen Regierung vergingen damit, der FDP klarzumachen, dass gar kein Geld für Steuerentlastungen da ist. Zum Trost wurden wenigstens die Hoteliers entlastet. Dies war die erste Phase der Regierung Merkel.
Die zweite bestand darin, weitere Entscheidungen vor der Landtagswahl in NRW Anfang Mai zu vermeiden. Sie endete jäh mit der Griechenland-Krise, dem Regierungswechsel in Düsseldorf und dem Rücktritt von Horst Köhler.
Auf Phase drei, einen kurzen Sommer der gegenseitigen Beleidigungen (»Gurkentruppe«, »Wildsau«), folgte Phase vier, der Herbst der Fehlentscheidungen.
Um der schwarz-gelben Koalition einen neuen Daseinszweck zu geben, verlängerte die Kanzlerin die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke und erklärte, fortan seien die Grünen der Hauptgegner der Union. Das Ergebnis ist in Baden-Württemberg zu besichtigen: Erstmals wird ein Grüner Ministerpräsident. Eindrucksvoller ist selten eine Strategie gescheitert.
Eine »sehr gut arbeitende Koalition«? Union und FDP haben schwach angefangen und stark nachgelassen.
Mit dem Scheitern ihres Atomkurses sind sie nun an einem toten Punkt angelangt. Von Schwarz-Gelb ist nichts mehr übrig außer einer rechnerischen Mehrheit – und der Angst der FDP vor dem Verschwinden. Ein schwarz-gelbes Programm hingegen existiert nicht. Die versprochenen Steuersenkungen haben sich als liberaler Fetisch erwiesen. Die Wehrpflicht, im Koalitionsvertrag ausdrücklich bestätigt, ist de facto abgeschafft. Der Minister, der die Bundeswehrreform ins Werk setzen sollte, musste zurücktreten. Der Ausstieg aus der Atomenergie, gestern noch ein rot-grünes Hirngespinst, soll nun forciert und zum schwarz-gelben Projekt werden: Mission »Mondlandung« (FDP-Generalsekretär Lindner). Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, steht mit der Libyen-Debatte ein weiterer Kernbestand bürgerlicher Politik infrage: die außenpolitische Bündnistreue.
(Matthias Krupa, 31.03.2011)
Es ist dies die Stunde der Opposition, die kraftvoll Alternativen aufzeigt, die Personen nach vorne stellt, die es besser können, als die von Peinlichkeit zu Peinlichkeit taumelnden Regierenden.
Es ist an der Zeit, daß die Opposition ein deutliches Signal an die Bevölkerung sendet: Wir sind bereit! Wir haben Konzepte und Personen, wir können von eben auf jetzt übernehmen!
Unglücklicherweise muß man diese Darstellung aber im Konjunktiv schreiben.
Denn die Gabriel-Truppe schnarcht vor sich hin und macht ab und an mal eigene Jauche-Fässer auf, wie zum Beispiel die Hassattacke der Pfälzisch-phlegmatischen Generalsekretärin gegen die SPD-Laizisten.
Wie es die SPD schafft trotz der unterirdischen Negativ-Performance der CDU in Umfragen noch einmal bis zu zehn Prozentpunkte hinter Merkels Loser-Truppe zu verharren, grenzt an ein Wunder.
Auch die Linken, die sich zwei ignorante Randfiguren als Parteichefs ausgesucht haben, fällt als ernstzunehmende programmatische Opposition aus.
Bleiben nur noch die Grünen, die nicht etwa thematisch überzeugen, sondern konsequent als das kleinere Übel wirken.
Sie debakulieren eben nicht ganz so krass wie die anderen Parteien, obwohl auch die Grünen zu Afghanistan, Libyen, der Euro-Krise, der Hartz-IV-Gesetzgebung und der Gesundheitspolitik auch nur ein dickes Fragezeichen zu bieten haben.
Immerhin ist das aber schon mal weitaus mehr, als die FDP-Schlangengrube voller eitler Nichtskönner.
Sollten die Liberalen am Montag keinen Nachfolger für FDP-Chef Westerwelle finden, kann die Partei ihr Ende erklären. Wer nicht einmal seine eigenen Probleme lösen kann, sollte kein Land regieren.
Die FDP will ihren Vorsitzenden Guido Westerwelle loswerden. Das ist an sich keine schlechte Nachricht für die deutsche Politik und die Bundesregierung. Letztere hat bekanntlich allerhand Probleme zu bewältigen, vor allem solche, die sie selbst verschuldet hat. Eine Koalitionspartei, die seit Amtsantritt in immer kürzeren Abständen in immer schrecklichere Führungskämpfe verfällt, kann aber keine Probleme lösen - sie ist selber eines. Ob diese FDP überhaupt noch in der Lage ist, ihr internes Chaos zu beenden und so ihr politisches Überleben zu sichern, ist äußerst ungewiss.
(Susanne Höll, 01.04.2011)
Es ist Deutschland hier.
April 2011, Politik liegt zerschmettert am Boden und die Parteistrategen sind der Meinung es liefe doch ganz gut.
Immer weiter so.
Und, Tusch, the winner is:
Die Parteizentralen in Berlin, die der Meinung sind alles liefe ganz OK und Ausschläge bei den Landtagswahlergebnissen wären ausschließlich mit den ungewöhnlichen Umständen durch Fukushima zu erklären.
Ich staune!
War da was?
Frau Merkel ist der Ansicht die Koalition insgesamt arbeite „sehr gut“ und auch über ihre K.O.alitionspartner gibt es nur Positives von der Kanzlerin zu vermelden:
Zu Spekulationen über eine Kabinettsumbildung sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sehe "gar keine Veranlassung", sich eine Kabinettsumbildung zu wünschen. Sie arbeite mit allen FDP-Ministern sehr gut zusammen.
(freiepresse.de, 01.04.2011)
Auch der Vizeregierungschef ist voll des Lobes über die Koalition.
Japan-Katastrophe, Libyen-Krise, Euro-Rettung: Dass diese ungewöhnliche Konzentration hochbrisanter Ereignisse die Bürger verunsichert, ist doch nachvollziehbar. Umso ruhiger und entschlossener muss die Regierung sein – und sie ist es auch.
[….] Die Koalition aus Union und FDP hat wegen ihrer spürbaren Leistungen in Baden-Württemberg sehr gute Chancen, bestätigt zu werden. Die Alternative ist ein Bündnis aus SPD und Grünen und womöglich der Linkspartei. Auch die Berliner Koalition arbeitet erfolgreich – sie wird über die gesamte Wahlperiode bis 2013 in vollem Umfang ihre Aufgaben wahrnehmen und kommt dabei gut voran, wie die neuen Arbeitsplätze und die steigenden Nettolöhne zeigen.
(Guido Westerwelle in einer FDP-Pressemitteilung vom 26. 03. 2011)
In welcher Parallelwelt lebt unser schwarz-gelbes Königspaar eigentlich?
Was auch immer die Koalition bisher angepackt hat, ging dramatisch schief.
Die Wähler rennen ihnen schreiend davon und international ist Deutschland inzwischen völlig blamiert.
Die Amerikaner finden Westerwelle als Außenminister absolut ungeeignet, wie wir alle durch Wikileaks wissen.
Auch die Franzosen halten unseren Vizekanzler für eine krasse Fehlbesetzung.
Manche trauen Westerwelle aber nicht das nötige diplomatische Geschick zu, in schwierigen Situationen effektiv für Deutschland zu arbeiten. So etwa in der Libyen-Krise. Am deutlichsten wurde der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. Er wirft Westerwelle in der "Zeit" "Populärpazifismus" vor und fordert von der Bundeskanzlerin dessen sofortige Entlassung.
Die deutsche Enthaltung bei der Uno-Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone in Libyen sei zustande gekommen durch "den unglücklichen Umstand, dass ein mittelmäßiger, inkompetenter, vielleicht sogar ahnungsloser Minister Regie führt, der, wie damals Haider oder heute Berlusconi, dem Weltdesaster nicht gewachsen ist, das Gaddafi heißt". Lévy gilt als Vertrauter und Berater von Präsident Nicolas Sarkozy. Dessen entschieden interventionistische Haltung im Libyeneinsatz soll auf den persönlichen Einsatz Lévys zurückgehen.
(Abla, 01.04.2011)
Nicht nur außenpolitisch, sondern gesamtpolitisch bilden Merkel und Westerwelle die schlechteste Regierung, die Deutschland seit 1945 hatte.
Libyen-Politik, Euro-Rettung, Gesundheitsreform, Pflegeversicherung, Hartz-Gesetze, Energiepolitik, Steuerreform, Mehrwertsteuersätze, Ökologie, Bundeswehr, Afghanistan - was auch immer Merkels Leute anpackten: Es endete im Desaster.
Als kurzen Rückblick zitiere ich dazu eine der Übertreibung völlig unverdächtige Quelle, nämlich das seriöseste Organ der deutschen Printpresse; das Wochenblatt „DIE ZEIT“:
Von der Unverfrorenheit zur Absurdität ist es nur ein kleiner Schritt. Also sprach Angela Merkel am Tag nach dem Debakel in Baden-Württemberg davon, dass dies eine »sehr gut arbeitende Koalition« sei. Gemeint war die schwarz-gelbe in Berlin. Von Fehlern sprach sie nicht.
[…] Vielleicht muss man noch einmal zurückgehen, ganz zum Anfang, um zu verstehen, an welchem Punkt diese Regierung, die eine »Wunschkoalition« war, nun angekommen ist. Bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst 2009 war viel von einem Aufbruch die Rede; Guido Westerwelle versprach eine »geistig-politische Wende«. Doch verhandelt wurde schon damals nicht über große, zukunftsweisende Projekte. Gestritten wurde über eine Frage der Vergangenheit, nämlich darüber, um wie viele Milliarden Euro die Steuern gesenkt werden könnten.
Die ersten Monate der neuen Regierung vergingen damit, der FDP klarzumachen, dass gar kein Geld für Steuerentlastungen da ist. Zum Trost wurden wenigstens die Hoteliers entlastet. Dies war die erste Phase der Regierung Merkel.
Die zweite bestand darin, weitere Entscheidungen vor der Landtagswahl in NRW Anfang Mai zu vermeiden. Sie endete jäh mit der Griechenland-Krise, dem Regierungswechsel in Düsseldorf und dem Rücktritt von Horst Köhler.
Auf Phase drei, einen kurzen Sommer der gegenseitigen Beleidigungen (»Gurkentruppe«, »Wildsau«), folgte Phase vier, der Herbst der Fehlentscheidungen.
Um der schwarz-gelben Koalition einen neuen Daseinszweck zu geben, verlängerte die Kanzlerin die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke und erklärte, fortan seien die Grünen der Hauptgegner der Union. Das Ergebnis ist in Baden-Württemberg zu besichtigen: Erstmals wird ein Grüner Ministerpräsident. Eindrucksvoller ist selten eine Strategie gescheitert.
Eine »sehr gut arbeitende Koalition«? Union und FDP haben schwach angefangen und stark nachgelassen.
Mit dem Scheitern ihres Atomkurses sind sie nun an einem toten Punkt angelangt. Von Schwarz-Gelb ist nichts mehr übrig außer einer rechnerischen Mehrheit – und der Angst der FDP vor dem Verschwinden. Ein schwarz-gelbes Programm hingegen existiert nicht. Die versprochenen Steuersenkungen haben sich als liberaler Fetisch erwiesen. Die Wehrpflicht, im Koalitionsvertrag ausdrücklich bestätigt, ist de facto abgeschafft. Der Minister, der die Bundeswehrreform ins Werk setzen sollte, musste zurücktreten. Der Ausstieg aus der Atomenergie, gestern noch ein rot-grünes Hirngespinst, soll nun forciert und zum schwarz-gelben Projekt werden: Mission »Mondlandung« (FDP-Generalsekretär Lindner). Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, steht mit der Libyen-Debatte ein weiterer Kernbestand bürgerlicher Politik infrage: die außenpolitische Bündnistreue.
(Matthias Krupa, 31.03.2011)
Es ist dies die Stunde der Opposition, die kraftvoll Alternativen aufzeigt, die Personen nach vorne stellt, die es besser können, als die von Peinlichkeit zu Peinlichkeit taumelnden Regierenden.
Es ist an der Zeit, daß die Opposition ein deutliches Signal an die Bevölkerung sendet: Wir sind bereit! Wir haben Konzepte und Personen, wir können von eben auf jetzt übernehmen!
Unglücklicherweise muß man diese Darstellung aber im Konjunktiv schreiben.
Denn die Gabriel-Truppe schnarcht vor sich hin und macht ab und an mal eigene Jauche-Fässer auf, wie zum Beispiel die Hassattacke der Pfälzisch-phlegmatischen Generalsekretärin gegen die SPD-Laizisten.
Wie es die SPD schafft trotz der unterirdischen Negativ-Performance der CDU in Umfragen noch einmal bis zu zehn Prozentpunkte hinter Merkels Loser-Truppe zu verharren, grenzt an ein Wunder.
Auch die Linken, die sich zwei ignorante Randfiguren als Parteichefs ausgesucht haben, fällt als ernstzunehmende programmatische Opposition aus.
Bleiben nur noch die Grünen, die nicht etwa thematisch überzeugen, sondern konsequent als das kleinere Übel wirken.
Sie debakulieren eben nicht ganz so krass wie die anderen Parteien, obwohl auch die Grünen zu Afghanistan, Libyen, der Euro-Krise, der Hartz-IV-Gesetzgebung und der Gesundheitspolitik auch nur ein dickes Fragezeichen zu bieten haben.
Immerhin ist das aber schon mal weitaus mehr, als die FDP-Schlangengrube voller eitler Nichtskönner.
Sollten die Liberalen am Montag keinen Nachfolger für FDP-Chef Westerwelle finden, kann die Partei ihr Ende erklären. Wer nicht einmal seine eigenen Probleme lösen kann, sollte kein Land regieren.
Die FDP will ihren Vorsitzenden Guido Westerwelle loswerden. Das ist an sich keine schlechte Nachricht für die deutsche Politik und die Bundesregierung. Letztere hat bekanntlich allerhand Probleme zu bewältigen, vor allem solche, die sie selbst verschuldet hat. Eine Koalitionspartei, die seit Amtsantritt in immer kürzeren Abständen in immer schrecklichere Führungskämpfe verfällt, kann aber keine Probleme lösen - sie ist selber eines. Ob diese FDP überhaupt noch in der Lage ist, ihr internes Chaos zu beenden und so ihr politisches Überleben zu sichern, ist äußerst ungewiss.
(Susanne Höll, 01.04.2011)
Es ist Deutschland hier.
April 2011, Politik liegt zerschmettert am Boden und die Parteistrategen sind der Meinung es liefe doch ganz gut.
Immer weiter so.
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