TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Montag, 22. August 2011

Ohnmacht vs Macht.

Wer kennt das nicht: Man sieht irgendwelche ganz ganz schrecklichen Sachen im TV, in der Zeitung oder sonst wo und hat den dringenden Drang mit einem Nudelholz drauf zu hauen.
Dann erinnert man sich an den uralten „serenety-prayer“ und muß sich damit abfinden nichts ausrichten zu können.

God, grant me the serenity
to accept the things I cannot change,
Courage to change the things I can,
And wisdom to know the difference.

Ist ja nicht sehr verwunderlich, daß Gott MIR diesbezüglich nicht hilfreich ist.

Das „accept the things I cannot change” fällt mir doch oft schwer.
Meine Schreibtischplatte ist schon bedenklich geschrumpft, so oft wie ich aus Verzweiflung darein gebissen habe, wenn ich ohnmächtig zusehen mußte, wie Bush, Merkel, Ratzi, Westerwave und Co mit Verve die Zukunft des Planeten zu ruinieren versuchten.

Gott selbst hat es da natürlich viel leichter.

Als allmächtiges Wesen, müßte er sich zwar fragen lassen, wieso solche Typen - zu allem Übel auch noch alles überzeugte Christen - überhaupt jemals aus irgendwelchen Uteri geschlüpft sind.

Aber Gottes Wege sind bekanntlich unergründlich. Er hat eben auch mal schlechte Tage. (Eine Menge sogar!).

Wenn es ihm zu bunt wird, was seine persönliche Schöpfung mal wieder verbockt, kann er aber wenigstens seien Unmut sehr befriedigend kanalisieren, indem er buchstäblich mit der großen Keule draufhaut.
Das geschieht dann gern in Form von Fluten, Tsunamis, Erdbeben oder Orkanen.

Diese göttliche Version von „mors per flatum“ (Tod durch Flatulenz/Abwinde) ist natürlich nicht böse gemeint; Gott kann ja gar nicht böse sein; sondern entspringt nur seiner Barmherzigkeit, um seine kleinen irdischen Ameisen wieder auf den rechten Pfad zu bringen.

Die Bewohner von Sodom und Gomorrha sollen heute noch dankbar sein.

Solche kleinen Schubserchen wendet der liebe Gott auch heute noch regelmäßig an.

Unglücklicherweise erkennen das nicht immer alle, aber dafür haben wir dann ja Geistesgrößen wie Eva Herman oder Weihbischof Laun, die uns erklären, daß die 21 Toten der Loveparade von Duisburg eine Missfallensäußerung des Herrgotts waren.

Oder das Erdbeben von Haiti 2010.

Nachdem Christen die Ureinwohner komplett ausgerottet hatten, war die Insel völlig entvölkert und wurde dann im späten 17. Jahrhundert von den Christen aus Europa wieder besiedelt.
Nicht von ihnen selbst, aber sie schleppten Sklaven aus Afrika an, die sie vor den Toren Amerikas „züchteten“.
Allerdings entglitt den Christlichen Herren später die Kontrolle - die afrikanischen Sklaven taten das, was ihnen Gott verboten hatte: Sie rebellierten und verjagten ab 1791 ihre weißen Herren.

Das hat Gott aber gar nicht gefallen und so überzog er sie mit Unglücken aller Art.

Selbst Schuld - findet zum Beispiel der berühmte amerikanische Prediger Pat Robertson, der sich 1988 um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bemüht hatte:

"It may be a blessing in disguise. ... Something happened a long time ago in Haiti, and people might not want to talk about it. Haitians were originally under the heel of the French. You know, Napoleon the third, or whatever. And they got together and swore a pact to the devil. They said, we will serve you if you will get us free from the French. True story. And so, the devil said, okay it's a deal. Ever since they have been cursed by one thing after the other."

(Das Erdbeben sei die Folge eines haitianischen «Pakts mit dem Teufel». Vor langer Zeit habe sich etwas in Haiti zugetragen, worüber die Menschen nicht sprechen wollten, sagte Robertson im Fernsehen. Die Haitianer seien «unter der Knute Napoleons III.» gewesen, «und sie haben sich zusammengetan und einen Pakt mit dem Teufel geschmiedet und ihm gesagt, wir werden dir dienen, wenn du uns von den Franzosen befreist». Es handle sich dabei, so der Prediger weiter, um «eine wahre Geschichte», und der Teufel – Gottseibeiuns – habe den Deal angenommen.)
–Pat Robertson am 13.01.10 zum Erdbeben auf Haiti.

Oder der Tsunami von Japan.


Vermutlich sind die Schwulen dran schuld.

Andere Theorie:
Der im ultrarechten Holocaust-Leugnersumpf irrlichternde Piusbischof Richard Williamson unterstrich den Anspruch auf die Krone des Unsympathen, indem er die Gottlosigkeit der Japaner für das Erdbeben und den Tsunami verantwortlich machte.

[…] Richard Williamson wertet die Katastrophe in Japan als Strafe und als Warnung Gottes. Das menschliche Leid sei häufig eine Strafe für Sünden, schrieb der 71-Jährige [...] in seiner Internetkolumne und betonte: «Wenn irdisches Leiden bremsend auf die Sünde wirkt und somit helfen kann, Seelen in den Himmel zu führen, dann kann Gott - welcher sicherlich auch Herr über die tektonischen Platten ist - ohne Schwierigkeiten die Leiden einsetzen, um die Sünden zu bestrafen.»
(20min.ch 20.03.2011)

Denn das menschliche Leiden könne auch als Warnung dienen. Gerade jetzt müsse der „ganze gottlose Westen“ seinen eigenen Materialismus und Wohlstand infrage stellen: „Durch die in den letzten Jahren stetig steigende Zahl von Erdbeben und anderen Naturkatastrophen auf der ganzen Welt will Gott sicherlich unser aller Aufmerksamkeit wecken“, betonte der Bischof der Piusbruderschaft.
Vielleicht hoffe Gott auf diese Weise zu erreichen, „dass er nicht jenen ´Feuerregen´ auf uns niedergehen lassen muss, vor welchem seine Mutter Maria im Jahre 1973 im japanischen Akita warnte“. Es spreche alles dafür, „dass die Japaner größeren Nutzen aus ihrer Katastrophe ziehen“ als der ferne Westen, schrieb Williamson weiter: „Tatsächlich könnten jene Länder sogar die glücklichen sein, welche jetzt einen Vorgeschmack auf die drohende Strafe erhalten.“
(Focus 20.03.2011)

Das ist Piusbruderlogik in Reinkultur: Die Japaner haben so ein Glück in Fukushima!

Die Klugheit der Piusbrüder hat inzwischen auch dazu geführt, daß sich der Vatikan so gut wie mit ihnen geeinigt hat.

Oder Flutkatastrophe in New Orleans.

Als der Hurrikan "Katrina" im Jahre 2005 die amerikanische Großstadt New Orleans zerstörte, sah der als extrem Rom-treu beschriebene 2009 kurzzeitig zum Bischof von Linz ernannte Gerhard Maria Wagner dort einen strafenden Gott am Werk.
Gott habe zuschlagen müssen, um die Nachtclubs und Abtreibungskliniken der Stadt wegzufegen.
Daß nebenbei 1.800 Menschen starben und Hunderttausende ihre Existenz verloren, störte den Hurrikan Katrina-begeisterten Wagner nicht.
Nach der Tsunami-Katastrophe 2004 merkte er an, dass die Flutwelle nicht zufällig zu Weihnachten aufgetreten sei, weil dann so schön viele westliche Touristen mit hinweg geschwemmt werden konnten. Purer Satanismus ist für den zukünftigen Linzer Oberhirten die Lektüre von Harry-Potter-Romanen. Wagner warnt Eltern eindringlich davor ihren Kindern das Thema zugänglich zu machen.

Es gibt eigentlich gar keine Naturkatastrophe, bei der nicht erkannt wird, daß Gott dahinter steckt.

Zum vorletzten Mal schlug Gott vor vier Tagen, am 18.08.2011 in Belgien zu und killte beim Pukkelpop-Festival vier Teilnehmer mittels eines Unwetters.

Pukkelpop: Jetzt bleibt den närrischen Atheisten die Spucke weg!
Jahrelang haben sie Gott versucht. Nun hat sie der Allmächtige in seiner unendlichen Barmherzigkeit und kraftvollen Liebe abserviert.
[…] Als sich der Zorn des barmherzigen Gottes entlud, waren rund 65.000 Personen auf dem Gelände anwesend. […] Über dem Anlaß lastete schon letztes Jahr ein sichtbarer Fluch. Der Sänger der nicht mehr existierenden britischen Elektropop-Gruppe „Ou Est le Swimming Pool“, Charles Haddon, verübte nach seinem Auftritt Selbstmord. Er stürzte sich von einem Satellitenmast auf einen Parkplatz.
[…] Eine der immer wieder auftretenden Gruppen ist zum Beispiel „Faith No More“ – keinen Glauben mehr. In einer in Brüssel und Madrid veröffentlichten Botschaft bezeugten die belgischen Bischöfe den Familien der Toten und Verletzten ihre christliche Anteilnahme. Nichts könne deren immense Trauer mindern – meinten die Bischöfe. Mit dieser Aussage wollten sie wohl festhalten, daß die Betroffenen jetzt in der Hölle sind, wo es in der Tat weder Trost noch eine Minderung der Trauer gibt.
(Hakenkreuznet 19.08.2011)

Tja, aber das ist eben Gottes unendliche Barmherzigkeit, daß er sofort und deutlich zeigt, wenn ihm etwas gehörig auf den Senkel geht.

Gestern war es wieder so weit.


Ratzi kann er nämlich offensichtlich auch nicht ab.

Bei einem Unwetter während einer Papst-Ansprache auf dem Weltjugendtag in Madrid sind sieben Menschen verletzt worden.
Wie die Rettungsdienste in der Nacht zum Sonntag mitteilten, war bei einer Gebetswache unter freiem Himmel ein Lichtmast infolge eines plötzlich aufgekommenen Sturms umgestürzt. Der Mast habe zwar keine Teilnehmer der Zeremonie getroffen, aber mehrere Zelte zum Einsturz gebracht. Dabei erlitten sieben Gläubige Knochenbrüche und Prellungen.
[…] Schon Stunden vor der Gebetswache hatten sich Zehntausende auf dem Flughafengelände eingefunden und bei einer Hitze von mehr als 40 Grad auf den Papst gewartet. Sanitäter mussten mehreren hundert jungen Leuten Hilfe leisten. Nach dem Eintreffen Benedikts brachte das Wetter Abkühlung.
(Sueddeutsche.de 21.08.2011)



Bei dem Großtreffen des Weltjugendtags in Madrid hat der staatliche Rettungsdienst Samur nach eigenen Angaben am Samstag bis 17 Uhr 679 Personen medizinisch versorgt.
(RP, 20.08.2011)


Sonntag, 21. August 2011

Tunnelblick.

Wenn man den in Zeitungen kursierenden Zahlen einigermaßen glauben darf, besitzen rund vier Millionen Deutsche Aktien.
Vor dem Platzen der ersten Dotcom-Blase, als mit Gottschalck und Co massiv für Telekom-, Post- und Bahnprivatisierung geworben wurde, sollen es sogar über sieben Millionen Aktienbesitzer gewesen sein. Die meisten verloren eine Menge Geld, was Aktien-Werber Manfred Krug wenigstens sichtlich peinlich war.

"Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind", erklärt Krug in einem Interview mit dem "Stern". Seine Werbespots für die T-Aktie seien sein größter beruflicher Fehler gewesen. Seit seinem Start an der Börse 1996 hat das einst als Volks-Aktie vermarktete Papier eine ziemlich unrühmliche Geschichte geschrieben und Tausenden von Anlegern herbe Verluste beschert.
(Spon 31.01.2007)

Liest man die Zahlen umgekehrt, besitzen von rund 82 in Deutschland Lebenden immerhin 78 Millionen (und damit 95%) KEINE Aktien.
Es stellt sich also die Frage wieso Nachrichtensendungen und Zeitungen so massiv und so ausdauernd und so penetrant über ein absolutes Minderheitenthema berichten.

Die DAX-Konzerne werden in der Presse als Apotheose der Wirtschaft angesehen.

Dabei stellen sie nur relativ wenige Jobs in Deutschland, bauten im Boomjahr 2010 sogar 12.000 Arbeitsplätze ab und verlagerten sie ins Ausland.

Allein im vergangenen Jahr, als in Deutschland die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 550.000 stieg, gingen bei den Dax-Konzernen in Deutschland 11.626 Stellen verloren. Das errechnet sich aus den vorläufigen Firmenbilanzen für 2010 und nach Befragungen in den Unternehmen. Im Ausland dagegen erhöhte sich die Zahl unter dem Strich um 31.771. In nur vier Jahren gingen bei den 30 Dax-Unternehmen rund 80.000 Stellen in Deutschland verloren. Zugleich schufen sie in ihren Auslandsmärkten 120.000 zusätzliche Stellen.
(Spon 07.02.2011)

Das Gros der Jobs in Deutschland wird von Familienunternehmen und nicht börsennotierten Konzernen geschaffen, die sich bewußt nicht den Wild-West-Regeln von Sharholder-Value und Leerverkäufen unterwerfen.

Es wird ganz gern vergessen, daß die meisten Unternehmer aus guten Gründen nichts mit „der Börse“ zu tun haben wollen.
Die Sparkassen, Boehringer Ingelheim, Tschibo, Dr. Oetker, Aldi, Lidl, Bertelsmann, Otto, Rewe, Tengelmann in Deutschland, aber auch sehr bedeutende internationale Unternehmen, wie IKEA, Ferrero oder Vattenfall sind börsenunabhängig.
Mit den 95% Deutschen ohne Aktienbesitz eint sie die Skepsis gegen eine Politik und einen Medienmainstream, der sich ausschließlich auf „die Märkte“ konzentriert und die Realwirtschaft diffamiert.

Die Demokratien haben sich vom neuen Finanzkapitalismus ihr Selbstbewusstsein abkaufen lassen. Der Aufstieg der Demokratie war nicht möglich ohne die soziale und rechtliche Zivilisierung des Kapitalismus, ohne die Zurücksetzung der Macht der ökonomisch Stärkeren. Die alternden Demokratien kapitulieren vor ihr.
(Tissy Bruns 20.08.2011)

Wie aufgescheuchte Häschen hoppeln Sarkozy und Merkel von Gipfel zu Gipfel, blicken sich dann bange um und hoffen die hysterisch aufwallenden Märkte diesmal in Schach gehalten zu haben.
Natürlich klappt das nie, weil sich die Regierungsspitzen nach wie vor treiben lassen.

Sicher ist nur, daß Merkels Aussagen von heute, morgen schon nicht mehr gelten.

Bereits mehrfach hat Merkel in der Euro-Krise Positionen bezogen - um sie kurz darauf zu modifizieren oder gar zu räumen:

- Lange hat sich Deutschland gegen eine "Wirtschaftsregierung" für Europa gewehrt. In den vergangenen Monaten aber hat die Kanzlerin dem französischen Werben immer mehr nachgegeben. Und nun, nach dem Gipfeltreffen mit Sarkozy, ist plötzlich von einer "echten Wirtschaftsregierung" für Europa die Rede, von einer regelmäßigen Runde der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone. Im Merkel-Lager versucht man die Sache zu relativieren, man spricht lieber von wirtschaftspolitischer Steuerung.

- "Eine Verlängerung der jetzigen Rettungsschirme wird es mit Deutschland nicht geben", stellte Merkel im September 2010 klar. Sechs Monate später beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone den neuen, stetigen Krisenmechanismus.

- Im März 2010 ließ die Kanzlerin verkünden: "Es gibt keine Haushaltsmittel für Griechenland." Acht Wochen später beschlossen die Euro-Länder und der IWF das erste Griechen-Rettungspaket. Deutschland liefert seinen Teil der Kredite zwar über die Staatsbank KfW - also nicht direkt aus dem Haushalt -, aber der Bund bürgt.


[….] "Man kann diese Krise nicht lösen, indem man zunächst immer zögert, dann zurückweicht und am Ende doch Dingen zustimmt, die man zuvor abgelehnt hat", sagt Karl Lamers.
(Sebastian Fischer, 19.08.2011)

Sie wagen nicht Zinsen festzusetzen, Leerverkäufe ein für allemal zu verbieten oder die Banken bei der Staatsverschuldung außen vor zu lassen, indem sie das Geld direkt von den Zentralbanken zu holen. Ackermann könnte ja böse werden.

Börsenumsatzsteuer ist zwar kein Tabu mehr, aber von einer einheitlichen Tobin-Steuer sind wir noch Lichtjahre entfernt.

Der Finanzkapitalismus hat den Anspruch paralysiert, auf dem Primat der Politik zu bestehen. Wer glaubt noch daran, dass legitimierte Politik dem Gemeinwohl im Zweifel Vorrang verschaffen kann vor Partikularinteressen aller Art? Schlimmer als die Handlungszwänge sind die Gedankengefängnisse, in die sich die demokratischen Öffentlichkeiten begeben haben. Es wird kaum gedacht und selten gesagt, dass es weiter schieflaufen wird, wenn die Politik ihre Handlungsfreiheit gegenüber den „Märkten“ nicht zurückerobern will. Stattdessen bedient sie mit ihren Gipfeln die medialen Aufmerksamkeitsregeln, obwohl das Volk sich längst nicht mehr davon beeindrucken lässt –, und wartet dann zitternd auf die Reaktion anonymer Heckenschützen. Den Medien ist nicht selten Schadenfreude anzumerken, wenn es wieder heißt: „Weltmärkte reagieren enttäuscht“. So wird die Politik immer wieder auch als der unpopuläre Hauptfeind präsentiert, der einfach zu beschränkt ist, die coolen Märkte zu verstehen. Leitartikel und Wirtschaftsseiten geben vor, die Mechanismen von Leerverkäufen, Derivaten, Hegden oder Outperformen zu verstehen.
(Tissy Bruns 20.08.2011)

Ganz selbstverständlich ist es in Deutschland immer noch so, daß derjenige, der für sein Geld NICHT arbeitet, weil er zufällig zu den Besitzenden gehört und nur Zinsen abkassiert, mit einer Zinsertragssteuer nur 25 Prozent Steuern bezahlt, während der Spitzensteuersatz für normal abhängig Beschäftigte bei 46 % liegt.

Das Resultat dieses Wahns ist die bekannte Tatsache, daß die Reichen immer reicher werden, die Armen immer ärmer und somit die ganze Gesellschaft zerfällt.
Rasant verschärft sich der Trend durch die von Politikern aller Parteien geschaffene „prekäre Jobs“ wie Leiharbeit.

Joachim Möller, Deutschlands Arbeitsmarktforscher Nummer eins, Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) diagnostiziert das fortschreitende Auseinanderklaffen schon lange.

Die Reallöhne von Geringqualifizierten stagnieren auf dem Stand von 1985. Etwa fünf Millionen Menschen und ihre Familien hätten damit 'vom Wohlstandszuwachs null profitiert', sagt der Arbeitsmarktforscher. Zugleich hat sich seit der Wiedervereinigung die Arbeitswelt erheblich verändert. Der sozialversicherungspflichtige und unbefristete Vollzeitjob verliert an Sogkraft. Derzeit liegt der Anteil bei 60 Prozent. Vor 15 Jahren belief er sich noch auf zwei Drittel.
[…] Firmen setzen Leiharbeiter inzwischen jahrelang ein, um ihre Lohnkosten zu drücken. Oder sie gründen ein eigenes Zeitarbeitsunternehmen, um tarifliche Standards in ihrer Branche zu unterlaufen. Das lohnt sich, wie eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Stammkräfte ohne Berufsabschluss verdienen im Durchschnitt 2330 Euro brutto, vergleichbare Arbeitnehmer in der Zeitarbeit um die 1250 Euro.
Einen Boom gibt es auch bei den Solo-Selbständigen ohne Angestellte. 4,1 Millionen gibt es von ihnen in Deutschland. Viele sind 'Kümmerexistenzen', weil sie am Existenzminimum herumkrebsen. Hinzu kommen die fast 7,4 Millionen Mini-Jobber, die nicht mehr als 400 Euro kassieren.
[…] Fast sieben Millionen gelten inzwischen als Niedriglöhner, die ein Einkommen unterhalb des von der OECD festgelegten Schwellenwerts von 9,62 Euro pro Stunde nach Hause bringen. Fast zwei Millionen verdienen sogar weniger als sechs Euro die Stunde.
(SZ 16.08.2011)

[Der selbstständige Tammox mit Null Angestellten dankt für den Neologismus “Kümmerexistenz“]

Das Interessante ist nun, daß diese höchst unbefriedigende Entwicklung nicht etwa den LINKEn hilft, weil diese sich in unnachahmlicher Weise selbst ins Knie schießen.

Zuletzt disqualifizierten sich Ernst und Lötzsch mit einem Jubeltelegramm an Fidel Castro zur Führung einer linken Partei.

Stattdessen sind es zunehmend Konservative, oder besser gesagt Wertkonservative, die sich von der Marktwirtschaft des Typs „Turbokapitalismus“ abwenden.

Sie machen den herkömmlichen konservativen Gesinnungsgenossen des Sharholder-Value-Wahns in den Regierungen Feuer unterm Hintern.

Durch die unverständlichen Tagesdebatten um Euro-Bonds, Rettungsmechanismen, Schuldenbremsen dringen neue Töne. „Tax me“ – „Besteuert mich“ rufen in Frankreich, den USA oder Deutschland die Reichen, die am Steueraufkommen ihrer Länder immer weniger beteiligt sind.
(Tissy Bruns 20.08.2011)

Einer der reichsten Männer des Planeten, Warren Buffett, läßt über die Aktivisten-Website „moveon.org“ eine Petition verbreiten, in der er darum bettelt endlich höher besteuert zu werden.
Für seinen Milliardengewinn aus dem Jahr 2010 mußte er gerade mal 17% Steuern bezahlen.

Buffett schreibt, er habe im vergangenen Jahr 6,9 Millionen Dollar Steuern bezahlt. Das sei zwar auf den ersten Blick viel Geld, tatsächlich seien es aber lediglich 17,4 Prozent seines zu versteuernden Einkommens. Dagegen hätten die 20 Mitarbeiter in seinem Büro alle wesentlich höhere Steuersätze gehabt.
(HHAbla 16.08.2011)

Earlier this week, multi-billionaire investor Warren Buffett published a powerful op-ed in The New York Times with a simple message: Tax me!
Buffett said openly what all of us have been thinking--Washington needs to "stop coddling the super-rich."
The op-ed is already making a huge splash, but we need to make sure Congress can't ignore it. So we're joining with Rebuild the Dream and aiming to get 200,000 people to go on record saying that they stand with Warren Buffett and want the richest Americans to pay their fair share.

(Moveon)

Die Star-Essayistin Tissy Bruns vom Tagesspiegel hat am Wochenende einen wunderbaren Artikel zum Thema veröffentlicht, aus dem ich hier schon einiges zitierte und den ich dringend zu lesen empfehle.

Die Politik wird eingeholt von ihrem Versagen nach 2008. Da war sie zwar gut genug, mit dem Geld der Steuerzahler die Banken zu retten. Aber zu feige, um den Stier bei den Hörnern zu packen. „Too big to fail“? Das sind die großen Banken immer noch. Sie haben aus dem Krisenmanagement von 2008 die antimarktwirtschaftliche Lehre gezogen, dass sie im Zweifel eine Vollkaskoversicherung bei den Staaten haben. Die Bürger lernten das Gegenteil.
(Tissy Bruns 20.08.2011)

Eins der Aushängeschilder des konservativen Deutschlands, F.A.Z.-Herausgeber Frank Schirrmacher leitartikelte gar:

„Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat.“

Eine grandiose Abrechnung mit der derzeitigen Polit-Performance der „Bürgerlichen“ folgte.

Es geht darum, dass die Praxis dieser Politik wie in einem Echtzeitexperiment nicht nur belegt, dass die gegenwärtige „bürgerliche“ Politik falsch ist, sondern, viel erstaunlicher, dass die Annahmen ihrer größten Gegner richtig sind.
[….] „Die Stärke der Analyse der Linken“, so schreibt der erzkonservative Charles Moore im „Daily Telegraph“, „liegt darin, dass sie verstanden haben, wie die Mächtigen sich liberal-konservativer Sprache als Tarnumhang bedient haben, um sich ihre Vorteile zu sichern. ,Globalisierung‘ zum Beispiel sollte ursprünglich nichts anderes bedeuten als weltweiter freier Handel. Jetzt heißt es, dass Banken die Gewinne internationalen Erfolgs an sich reißen und die Verluste auf jeden Steuerzahler in jeder Nation verteilen. Die Banken kommen nur noch, nach Hause‘, wenn sie kein Geld mehr haben. Dann geben unsere Regierungen ihnen neues.“
[…] Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weiter geht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“ Die CDU aber, belehnt mit einem autodidaktischen Ludwig-Erhard-Studium, sieht nicht, wer in diesen schrumpfenden Räumen sitzt: Lehrer und Hochschullehrer und Studenten, Polizisten, Ärzte, Krankenschwestern, gesellschaftliche Gruppen, die in ihrem Leben nicht auf Reichtum spekulierten, sondern in einer Gesellschaft leben wollen, wo eindeutige Standards für alle gelten, für Einzelne, für Unternehmen und für Staaten, Standards von Zuverlässigkeit, Loyalität, Kontrolle.
[…] Ein Bundespräsident aus dem bürgerlichen Lager, von dem man sich ständig fragt, warum er unbedingt Bundespräsident werden wollte, schweigt zur größten Krise Europas, als glaube er selbst schon nicht mehr an die Rede, die er dann halten muss. Eine Ära bürgerlicher Politik sah die Deklassierung geistiger Arbeit, die schleichende Zerstörung der deutschen Universität, die ökonomische Unterhöhlung der Lehrberufe. Frau Schavan ist inexistent. Dass Gesundheit in einer alternden Gesellschaft nicht mehr das letzte Gut sein kann, weil sie nicht mehr finanzierbar sein wird – eine der großen Wertedebatten der Zukunft, die jede einzelne Familie betreffen wird, zu der man eine sich christlich nennende Partei gerne hören würde, ja hören muss –: kein Wort, nichts, niemand.
(FAZ 15.08.2011)

Da zollt sogar die taz Respekt. „Aus Erfahrung klüger“ nennt Robert Misik seinen Schirrmacher-Kommentar.

Erstaunlich sind solche Sätze wie "dass die Reichen immer reicher werden" natürlich vor allem, weil sie diesmal nicht von Jean Ziegler oder Sahra Wagenknecht, sondern von einflussreichen konservativen Autoren kommen. Und weil sie klipp und klar, ja demonstrativ sagen: Wir müssen einsehen, die anderen haben recht. Er und immer mehr im bürgerlichen Lager, so Schirrmacher, müssten zugeben, dass man sich längst frage, "ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang". Solche Texte kommen einem Seitenwechsel sehr nahe.
(taz 20.08.2011)

Noch sind Rösler, Merkel und Seehofer weit davon entfernt auf die „neue Linke“ zu hören.

Aber vielleicht bringt sie die früher mal linkeren Parteien SPD und Grüne wieder an die Macht und flößt ihnen etwas Mut ein.

In Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern könnte das funktionieren.

Für Amerika sehe ich schwarz - und zwar dunkelschwarz.

Samstag, 20. August 2011

Anpassungen

Das mit dem Monotheismus ist so eine Sache.
Monotheistisch muß sich die Katholische Kirche ja nennen, denn schon im ersten Gebot befiehlt der liebe Gott grundgesetzwidrig unter Religionszwang und Androhung von Sippenhaft nur ihn allein anzubeten.

»Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Genera­tion.«

Wäre Gott Mitglied der UNO, würde er also die Menschenrechtscharta keinesfalls unterschreiben.

Aber ein wahrer Katholik schert sich natürlich weit weniger um die Inhalte der Bibel als es Atheisten tun.
Letztere lesen und verstehen die Bibel - deswegen sind sie ja Atheisten.
Christ sein, Katholischer noch dazu, geht nur, wenn man entweder sehr dumm, schizophren oder ein Religiot ist.

Der übliche Katholik mag eigentlich keinen Monotheismus, hat sich daher auch das lästige Erste Gebot bis zur Unkenntlichkeit zu Recht gebogen und damit wieder den vorher üblichen Polytehismus durch die Hintertür erschaffen.

Da ist zunächst einmal die Dreifaltigkeit, die besagt, daß es außer dem einzigen Gott, neben dem es keine anderen Götter geben darf, doch noch zwei andere Götter gibt.
Nämlich zunächst einmal Jesus und schließlich noch den Heiligen Geist, der den Staffelstab auf Erden übernahm, nachdem Gott Junior in den Sack gehauen hatte und mit gerade mal 30 Jahren in Rente ging.
Zum Glück war Franz Müntefering damals noch nicht geboren, als Jesus verkündete, „och, ich hab‘ jetzt genug getan, ich fahr‘ jetzt in den Himmel zum Relaxen und schicke stattdessen einen Zeitarbeiter (Heiliger Geist) um all den Kram fertig zu machen, den ich liegen lassen habe!“

So toll geklappt hat das ja auch nicht.
Wie immer, wenn man unqualifizierte Leiharbeiter einstellt.
Die Bibel wurde erst hunderte Jahre später geschrieben, aber wieder nur von antiken Ein-Eurojobbern, die nicht so richtig wußten worum es geht.
Daher wimmelt es bis heute von Widersprüchen in der Heiligen Schrift. Widersprüche, die so eklatant sind, daß man bis heute darüber streitet und noch mehrere andere Religionen entstanden.

Immerhin waren aufgrund der mangelnden frühchristlichen Arbeitsmoral schon mal drei Götter da, welche sogar bald in die „Heilige Vierfaltigkeit“ erweitert wurden.
Auch Muttern durfte noch im Götterbusiness mitmachen damit die Christliche Produktpalette auch das Hausfrauensegment abdeckte.
Maria stiehlt sogar in vielen Gegenden der Welt ihrem Sohn die Show.
Logisch. Wem gelingt es schon a) geschwängert zu werden und b) ohne Kaiserschnitt ein Kind zu bekommen und dennoch ein intaktes Hymen zu haben?
Durchaus beeindruckend!

Jesus hingegen konnte noch nicht mal schwimmen und war modisch eine Niete.

Nun waren es also schon vier Götter, die der moderne Monotheist anbeten konnte.

Das reichte aber bald auch schon nicht mehr aus - schließlich waren Christen eifrig damit beschäftigt Kriege zu führen und sich gegenseitig zu massakrieren.
Da will man sich ja schon ein bißchen unterscheiden. Ist doch suboptimal, wenn jeder Denselben anbetet.

Aber die Marketingabteilung des Himmels ist geschult in der willkürlichen Erweiterung ihres Angebotes und so wurden die Heiligen peu à peu gewissermaßen als frühchristliche Actionfiguren eingeführt.

Eine tolle Sache, denn anders als die First Family, läßt sich der Kreis der Heiligen beliebig erweitern.

Der Kathole von heute hat daher einen ganzen Supermarkt aus göttlichen Wundertätigen, die er nach Herzenslust kultisch verehren kann.

Im Internet muß der Strenggläubige nur
heiligenlexikon.de
anklicken und kann dort einerseits nach Daten und Orten den passenden Heiligen suchen, oder aber auch ganz zweckführend über die jeweiligen Patronate fündig werden.

Unter den Rubriken Berufe, Bistümer, Gruppen, Krankheiten, Orte, Sachen, Tiere und Widerfahrnisse findet man wie in einer ausgeklügelten Bürokratie für jeden Zweck etwas.

Zuständig für Artillerie und Bergbau ist die heilige Barbara, um den Feierabend kümmert sich der heilige Notburg von Rattenberg.

Für besonders wichtige Dinge gibt es sogar mehrere Heilige.
Die Mission zum Beispiel wird betreut vom heiligen Franz Xaver und der heiligen Thérèse von Lisieux. Die sind aber nur für Weiße (früher „Herrenmenschen“).
Die Mission unter Schwarzen wird in der RKK extern vom heiligen Petrus Claver geregelt.

Zuviel ist aber auch nicht gut, wie wir an den Heiligen für das Wetter - Lukas, Petrus, Theodor von Sitten, Winthir von Neuhausen - sehen.
Viele Köche verderben den Brei und so kommt es dann zu Klimawandel und Aprilwetter.

Ganz besonders differenziert ist das katholische Heiligenwesen für Krankheiten.

Da gibt es von Aids (heiliger Sebastian) über Frostbeulen (die heilige Basilissa) bis zu Zahnschmerzen (Apollonia, Blasius, Christophorus, Ida von Nivelles, Medardus, Romedius von Tavon, Theodorich von St-Hubert, Theodulf von St-Thierry) reichlich Auswahl.

(Besonders effektiv sind die Krankheitsheiligen offenbar nicht, wie man an den Sterbstatistiken ablesen kann. Bei 25 Millionen HIV-Toten und 33 Millionen Infizierten ist der heilige Sebastian hoffnungslos überfordert)

Alpinisten beten den heiligen Uguzo (Lucius) von Cavargna an, Reiter verehren den heiligen Georg den Märtyrer und den heiligen Martin von Tours und arme Seelen im Fegefeuer können sich immerhin noch an den heiligen Nikolaus von Tolentino wenden.
(Nur für Atheisten gibt es nichts)

2004 wurde das Martyrologium Romanum aktualisiert, worin 6650 Heilige und Selige verzeichnet sind, sowie 7400 Märtyrer.

Akkord-Heiligenmacher war bekanntlich ein Pole names Woytila.
Papst Johannes Paul II. hat 1338 Personen selig- und 482 Personen heiliggesprochen.

Das Ganze ist im wahrsten Sinne des Wortes zu einer eigenen Wissenschaft geworden - die Hagiographie beschäftigt sich nur mit den vielen verschiedenen Heiligen und Seligen.

Als Heiliger verehrt zu werden ist übrigens noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Die Top-Heiligen, gewissermaßen das Präsidium der Wundertätigen, zeichnen sich dadurch aus, daß sie päpstlich anerkannte Kirchenlehrer sind.
Derzeit gibt es 33 Kirchenlehrer, darunter drei Frauen. Durchschnittlich alle 60 Jahre wird ein Heiliger zum Kirchenlehrer erhoben.
Das ist also wirklich die Crème de la Crème. Nur ein halbes Prozent der Normalo-Heiligen wird Kirchenlehrer.
Kein Wunder also, daß die konservativen spanischen Kleriker orgiastisch jubelten, als Ratzi ihnen heute mitteilte einen neuen Kirchenlehrer zu ernennen.

Papst Benedikt XVI. will den im 16. Jahrhundert einflussreichen spanischen Heiligen Johannes von Avila mit dem Titel des Kirchenlehrers ehren – einer der höchsten Auszeichnungen der katholischen Kirche. Für seine überraschende Ankündigung während der Messe erntete der Papst anhaltenden Beifall von den in der Kathedrale versammelten Seminaristen, Priestern, Bischöfen und Kardinälen. Benedikt sagte, er werde Johannes von Avila bald zum Kirchenlehrer ernennen, ein genaues Datum dafür nannte er nicht. Der Titel des Kirchenlehrers wird an Theologen verliehen, die mit ihren Schriften in besonderem Maß der Kirche gedient haben.
[…] Zuletzt wurde im Jahr 1997 die Heilige Therese von Lisieux durch Papst Johannes Paul II. mit dem Titel geehrt. Johannes von Avila (1500-1569) ist der Schutzheilige des spanischen Diözesanklerus' und galt als einer der wichtigsten Prediger seiner Zeit.
(Abla 20.08.11)

Johannes von Avila die Kirchenlehrerschaft anzutragen ist allerdings naheliegend für einen Pontifex wie Ratzi.
Denn Avilas Vater war Jude und konvertierte zum Christentum. Damit möchte Benedikt, der auch die Karfreitagsfürbitte gegen die Juden wieder eingeführt hatte und damit zum Held der Antisemiten und Holocaustleugner wurde, unterstreichen, daß man erst zum Katholizismus konvertieren muß, um nicht automatisch in der Hölle zu schmoren.

Der zweite Grund ist Ratzingers Vorliebe für Pädophile, denen er unter allen Umständen weiterhin eine Heimat in der RKK bieten möchte.

Sexuell unreife und paraphile Menschen kann man aber nur in die Priesterseminare ziehen, solange a) der Zölibat und b) der konsequente Ausschluß von Frauen gilt!
Kinderficker unter Protestanten gibt es schließlich kaum und so will ihnen JR eins der letzten Biotope erhalten.

Der Zölibat bringt allerdings auch zwei Probleme für den Vatikan.
Er ist einerseits notorisch unbeliebt beim Kirchenvolk und anderseits auch noch im Neuen Testament ausdrücklich VERBOTEN. Aus dem neutestamentarischen Text 1, Timotheus 3, geht hervor, daß Bischöfe (Priester) Kinder haben und verheiratet sein müssen.

Der Obertheologe und Stellvertreter Gottes auf Erden interpretiert anders.

Ratzinger folgert aus:

2 Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau,……. 4 einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit. 5 Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen?

daß Bischöfe und Priester im Zölibat leben müssen; ehe- und kinderlos.

Und hier kommt nun Kirchenlehrer Johannes von Avila ins Spiel.

Er fand heraus, daß Bischöfe im Zölibat leben müssen.

So schließt sich der Kreis.

Freitag, 19. August 2011

Iberische Lehren.

Als der deutsche Unfehlbare in Rom Anfang 2009 den Holocaustleugner Bischof Williamson samt seiner gesamten fanatisch-reaktionären Hetz-Bruderschaft zurück in die Kirche holte und es einige Menschen wagten diese Entscheidung zu kritisieren, war seine Heiligkeit schwer beleidigt.

Der Mann, der sich Stellvertreter Gottes auf Erden schimpft, über unermessliche Reichtümer verfügt, die absolutistische Gewalt über eine Million Geistliche ausübt und die oberste moralische Instanz für 1,2 Milliarden Gläubige darstellt, reagierte zimperlich und kleingeistig.

Die Klage über die "sprungbereite Feindseligkeit" ihm gegenüber zeigte eindrucksvoll, daß Joseph R. alles andere als eine große geistliche Persönlichkeit ist.

Der Mann in den roten Schühchen und den bunten teuren Kleidern schmollte.

Nach "sprungbereiter Feindseligkeit" ihm gegenüber muß JR allerdings schon sehr tief in die verbale Sudelkiste greifen, um die Anti-Papst-Proteste jetzt in Madrid und in vier Wochen in Berlin adäquat hassverzerrt zu beschreiben.

Spanien ist immerhin noch eins der katholischsten Länder überhaupt.


Noch immer scheint die spanische Kirche ihr Land als jene "von Gott erwählte Nation" zu verstehen, als die sie 1939, nach Francos Sieg im Bürgerkrieg, von Papst Pius XII. bezeichnet wurde.

Neben den iberischen 127 Bischöfen und 26.000 Priestern sieht das deutsche Episkopat wie ein Grünen-Parteitag zu Zeiten Jutta Ditfurths.

In Deutschland sind die Bischöfe so lasch-liberal, daß außer der Handvoll usual suspects (Meisner, Müller, Mixa, Overbeck,…) kaum einer klare Kante gegen die Regierung agitiert.

In Spanien hingegen sind die Kirchenfürsten so stramm rechts-faschistisch, daß sie die Zapatero-Regierung als illegitime kommunistische Machtergreifung betrachten.

Deswegen fährt Ratzi ja auch so gerne nach Spanien - er fühlt sich unter den homophob-misogynen Antisemiten einfach wohl.

Eine Beziehung, die durchaus auf Gegenseitigkeit beruht.
Zu den von spanischen Bischöfen organisierten Anti-Regierungsprotesten (wegen der Legalisierung der Homo-Ehe! Pfui Teufel aber auch), ließ sich der Pontifex schon mal live aus Rom zuschalten, um ordentlich Öl ins Feuer zu gießen.

In Spanien gibt es auch keinen sexuellen Missbrauch an Messdienern durch katholische Geistliche.
Man hat nämlich erkannt, daß in diesen Fällen die Opfer die Schuldigen sind.

In einem Interview hatte Bernardo Álvarez Afonso Homosexualität und Päderastie gleichgestellt und behauptet, dass Minderjährige nicht immer schuldlos an sexuellem Missbrauch seien:

"ES GIBT13-JÄHRIGE KNABEN, DIE DAS SOGAR WÜNSCHEN
WENN DU NICHT AUFPASST, PROVOZIEREN SIE DICH."

El viva Espania.

Im Oktober 2007 sprach der deutsche Papst Ratzinger – in seiner Jugend selbst Hitlerjunge gewesen - 489 spanische Geistliche, die an der Seite des faschistischen Franco kämpften selig - die größte Massenseligsprechung der Geschichte.

Zapateros Vorgänger Aznar, der stramm katholisch-bellizistisch an der Seite George W. Bushs stand und eifrig beim Massakrieren unschuldiger Iraker geholfen hatte, war mehr nach dem Geschmack des Spanischen Episkopats.

Deutlich über 90% der Spanier sind Mitglied der RKK (in Deutschland sind es nur ein Drittel!). Umso schlimmer muß es den Römer mit den Panzerknackeraugenringen treffen, daß nur noch 13 Prozent der Spanier regelmäßig einen Gottesdienst besuchen.

Im einst tief religiösen Spanien ist die Zahl der Einwohner, die sich selbst noch als katholisch bezeichnen, von 82,1 Prozent im Jahr 2001 auf mittlerweile 71,7 Prozent zurückgegangen. Nur noch 13 Prozent von ihnen besuchen am Sonntag die Messe, vor zehn Jahren waren dies noch 19 Prozent. (JW, 18.08.2011)

Tatsächlich erinnern die ersten Bilder vom Papstbesuch bei den Madrileños eher an die Riots von London.
Die Jungend ist stinksauer und protestiert lautstark.
Da sie sozialistische Regierung ähnlich wie die SPD in Deutschland voller Panik knallhart gegen die Demonstranten durchgriff, um nicht in den Ruch der Atheisten-Sympathie zu geraten, brauchte ein geradezu Matussek-artig Papst-fanatischer Chemie-Doktorand gar nicht erst den Breivik machen und sein Sarin-Gas loslassen.

Wie die Papstfans denken, gab er vorher im Internet zu verstehen:
THIS IS MY FIGHT. TO KILL FAGGOTS AND ANY ANTIHUMAN ABERRATION DURING ITS PROTESTS AGAIN THE CATHOLIC CHURCH. I'M A WORKER ON AN IMPORTANT PHARMA INDUSTRY IN MADRID AND I CAN GET ENOUGH CHEMICAL SUBSTANCES TO BOYCOTT THE ANTIPOPE PROTESTS ANYONE WH OWANTS TO JOIN CONTACT ME, (xxxxxxxx) GREETINGS, ME! PD: GO TO "CHINGAR A SU MADRE" (go to fuck your mother) ALL THE FUCKING FAGGOTS, DAMN ABOMINATIONS, ERRORS OF GOD THANKS TO THOSE WHO HAVE EMAILED ME, WANTING TO JOIN MI FIGHT, I TELL YOU, I HAVE OVER 200 LITERS OF CLORHYDRIC ACID, AND 50 BOTTLES OF BENZYL BROMIDE, WITH THIS WE CAN MAKE A GREAT SUFFOCATING MIXTURE, BUT I NEED MORE PEOPLE TO DISTRIBUTE HALF A LITER CONTAINERS ALL OVER THAT SHIT PEOPLE WASTE OF LIFE THAT WILL PROTEST AGAINST THE CHURCH, AND I HOPE TONIGHT GET FROM THE WAREHOUSE SOME KILOS OF CHLORIDE GAS TO SPREAD IT ON 100ML VIALS, COME ON WE HAVE LESS THAN 8 DAYS TO ORGANIZE IT. TO KILL FAGGOTS, IN THE NAME OF GOD.
(Übersetzung vi.reddit.com/)

Ob die Protestler allesamt „fickende Schwuchteln“ (fucking faggots) sind, wie der bisher namenlose mexikanische Möchtegern-Breivik mutmaßt, darf bezweifelt werden.

Tatsächlich stören sie sich offenbar eher an all den Millionen, die der Spanische Staat an den Vatikan zahlt, während 40 % der Jugendlichen arbeitslos sind und die Mittel viel dringender als der unermessliche reiche Papst gebrauchen könnten.

"Von meinen Steuern, an den Papst 0" haben sie auf ihre Banner geschrieben. Sie empören sich, dass der Staat - auch wenn es keine direkten Subventionen für die Großveranstaltung gibt - Sicherheitskräfte und Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Wie viel das einwöchige Event den Steuerzahler kosten wird, dazu schweigt sich Spaniens Regierung bislang aus. Die Veranstalter werden indes nicht müde zu betonen, dass kein Cent der veranschlagten 50 Millionen Euro vom Staat komme.
Der Weltjugendtag in Köln, der insgesamt 120 Millionen Euro verschlang, wurde mit 15 Millionen aus öffentlichen Haushalten unterstützt. Die Leistungen von Polizei und Katastrophenschutz nicht inbegriffen - die Kosten dafür übernimmt, wie bei Fußballspielen, Konzerten und anderen Großveranstaltungen auch, das Land. In welcher Höhe die öffentliche Hand das Großereignis so zusätzlich mitfinanzierte, darüber gibt es beim Innenministerium von Nordrhein-Westfalen keine Angaben. Es sind genau diese verdeckten Zahlungen, die die Aktivisten auf den Plan rufen: Etwa, dass die jugendlichen Pilger aus der ganzen Welt zu stark ermäßigten Preisen Bahn und Bus benutzen können, Arbeitslose dagegen nicht.
(18.08.2011, Lena Jakat)

Dabei ist Madrid vermutlich noch ein Spaziergang gegen das was Ratzinger, den Beschützer der Kindervergewaltiger und Holocaustleugner am 22. September in Berlin erwartet.

Der Mann, der sein mangelndes Gottvertrauen ausdrückt, indem er sich nur hinter Panzerglas der Menge präsentieren läßt, soll möglichst von unangenehmen gay kiss-Ins und sonstigen Protesten ferngehalten werden.


Anders als Johannes Paul II. wird Benedikt XVI. nicht mit dem Papamobil durch Berlin fahren. Das Papamobil war 1996 mit Tomaten beworfen worden. Dass das Bad in der Menge diesmal ausfällt, sei allein dem engen Zeitplan des Hauptstadtbesuchs geschuldet und nicht etwa dem Wunsch, dem Papst unangenehme Szenen zu ersparen, sagte der Berliner Erzbistumssprecher Stefan Förner. Der Papst habe keine Angst vor Protesten.
(Stephan Haselberger, Hannes Heine, Claudia Keller, 19.08.2011)


Erstaunlicherweise soll der viertägige Deutschlandbesuch des Obersten Dressmans der RKK nur schlappe 25 Millionen Euro kosten - getragen von den Bistümern Erfurt, Berlin und Freiburg.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn weitere Kosten werden vom Steuerzahler getragen. Unter anderem kommen Bund und Länder für die Sicherheitsvorkehrungen auf, die entlang der mehr als 30 Programmpunkte der Reise notwendig sind. Für Benedikt XVI. gilt die höchste Sicherheitsstufe, wie für US-Präsident Barack Obama. Tausende Polizisten werden im Einsatz sein, um das Kirchenoberhaupt zu schützen - und die Abertausende Pilger, die erwartet werden. Für diese Planungen sind die Länder zuständig, die Kosten sind daher unüberschaubar. Fest steht, dass mehrere Millionen Euro anfallen werden, um Logistik und Sicherheit zu finanzieren. […] Möglich ist nur eine Annäherung an die genaue Summe: Im Haushalt des Landes Baden-Württemberg ist der Papstbesuch aufgeführt, die Sicherheitsmaßnahmen werden mit fünf Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen noch einmal 300.000 Euro allein in der Stadt Freiburg. In der Gemeinde Gottenheim bei Freiburg wird beispielsweise ein Bahnsteig verlängert, damit mehr Waggons die Pilger in die Breisgau-Metropole bringen können. Nach Schätzungen des Landesverbandes der Gewerkschaft der Polizei dürften etwa 4000 bis 5000 Beamte in Baden-Württemberg zum Einsatz kommen. Das alles kostet.
(Spon 18.08.2011)

Wenn man darüber nachdenkt wie viele der täglich am Horn von Afrika elendig verhungernde Menschen man mit diesen Summen ernähren könnte, muß man sich eigentlich übergegeben.

Aber Protz-Papst Ratzinger ist das Wohl und Wehe von Afrikanern offensichtlich sowieso schon lange egal. Sonst würde er nicht in den Hochburgen des HI-Virus behaupten Kondome verschlimmerten das AIDS-Problem.

So ist das mit Ratzinger.
Er liebt die Menschen nicht und wird auch selbst offenbar nicht von Gott geliebt, denn sonst könnte er nicht so eklatant gegen die Bibel handeln und Milliardenschwere Schätze im Vatikan horten, während jeden Tag Myriaden Kinder verhungern.



Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!
(Markus, 10,21)


Donnerstag, 18. August 2011

In Rom drückt man gerne mal ein paar Augen zu.

Kürzlich hatte ich Gelegenheit mit einem klassischen Hamburger Unternehmer zu sprechen, der seinen kaufmännischen Familienbetrieb in sechster Generation führt.
Mittlerweile hat er in mehreren europäischen Städten Filialen und würde zu gerne, gewissermaßen als Krönung seiner Laufbahn, einen Shop in der Modehauptstadt Mailand oder der ewigen Stadt Rom aufmachen.
Diesen Plan hat er allerdings inzwischen begraben müssen, da er um die entsprechenden Konzessionen der Hersteller zu bekommen, eine ortsansässigen Laden der Branche aufkaufen müßte.
Natürlich gibt es eine Menge italienische Geschäftsinhaber, die ihre Läden verkaufen würden, aber es gibt leider keinen legalen Weg deren Warenlager zu übernehmen, da der Großteil ihres Sortiments nie in den Büchern auftaucht.
Es ist dort absolut üblich das Gros der Geschäfte unter der Theke abzuwickeln und lästige Nebensachen wie Umsatzsteuer und Gewerbesteuer zu umgehen.

Unser korrekter hanseatischer Geschäftsmann, der jedes Jahr von der Steuer geprüft wird und keinen Cent am Fiskus vorbeimogelt, kann sich gar nicht in Italien einkaufen, da er den italienischen Ladenbesitzer zunächst aus irgendwelche schwarzen Kassen auszahlen müßte, um dessen Waren zu übernehmen und dann aber immer noch vor dem Problem stünde die schwarzen Waren wieder legal in seine in Hamburg geführten Bücher zu bekommen.

Kurzum:
Für einen ehrbaren Hamburger Kaufmann, dessen Wort gilt (so was gibt es immer noch!) bleibt Italien verschlossen.
Diese Problematik ist so noch ein keinem anderen westeuropäischen Land aufgetreten.

In ihrem Ministerpräsidenten haben die Italiener das passende Vorbild für das Wirtschaften an der Legalität vorbei.
Ein Treppenwitz, daß es nun ausgerechnet Berlusconi ist, der aufgrund der Euro-Problematik anfängt rigider die Steuern einzutreiben.

Eine Guardia di Finanza, die durchgreift, war bisher im schönsten Land der Erde nicht unbedingt die Regel.

Beispiel Tourismus:

Die zwischen Fregene, Ostia und Nettuno überprüften Strandbäder geben fast die Hälfte ihrer Einkünfte nicht an. Irregulär beschäftigtes Personal, falsche Zahlen über vermietete Schirme und Liegen, fehlende Kassenbons an der Bar - vergangenes Jahr, schätzen die Behörden, sind so an den Stränden im Umkreis Roms fünf Millionen Euro an Steuern nicht entrichtet worden.
(SZ 18.08.11)

Und das meint nur die unmittelbare Umgebung von Rom!

Offiziell beläuft sich das Geschäft mit Strandbädern in ganz Italien jedes Jahr auf zwei Milliarden Euro. 25000 Strandpachten hat der Staat vergeben und bekommt dafür 97Millionen Euro im Jahr - 24,20Euro zahlen die Konzessionäre für jeden Längenmeter Strand. Fast genau so viel müssen Badegäste in Latium und Ligurien durchschnittlich für Schirm und Liegen ausgeben.
(SZ 18.08.11)

Der Guardia di Finanza mag es durchaus möglich sein mit manpower die Strandpächter zu überprüfen und gegebenenfalls abzumahnen.

Andere Brocken sind aber sehr viel größer.

Insbesondere natürlich die Mafia, die allein mit ihren Kerngeschäften Müllentsorgung, Sondermüllverschiffung und Schutzgelderpressung dreistellige Milliarden-Beträge im Jahr verdient.

Der gemeine Mafioso ist aber nicht besondere empfänglich für den Rat doch bitte schön in Zukunft ganz legal und korrekt abzurechnen.
Wer das ernsthaft einfordert, kann sehr schnell im Leichenschauhaus landen.

Allein in Sizilien ermordet die Cosa Nostra pro Tag durchschnittlich drei bis vier Menschen.
Die Camorra (rund um Neapel) oder die 'Ndrangheta (kalabrische Mafia) sind nicht zimperlicher.
Natürlich nicht.
Allein die 'Ndrangheta mit ihren rund 90 Familienclans (~ 7000 Mitglieder) setzt annähernd so viel um wie Italiens größter Konzern FIAT.

Die 'Ndrangheta kontrolliert in Europa das Geschäft mit Kokain und nimmt dabei laut Schätzungen von Experten etwa 44 Milliarden Euro pro Jahr ein, was etwa drei Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung entspricht.
(AFP, Reuters, 10.05.2009)

Es gibt natürlich in Italien Polizisten, Staatsanwälte und Richter, die mutig gegen die kriminellen Großklans vorgehen.
Der Erfolg ist durchwachsen, weil sich die Mafia erstens unglaublich brutal wehrt und immer wieder ihre Verfolger einfach ermordet und andererseits die moralischen Autoritäten Italiens abgestumpft sind.
Politik und Kirchen sind Mafia-indolent.

Der Vatikan ist mit der Massenmord-Organisation sogar vielfach verstrickt.

Die Verbindungen des Vatikan-Finanzinstitutes IOR zu Mafia-Logen sind bekannt und dokumentiert.


"Die Priester waren immer Freunde, und sie halfen, wo sie konnten - gewöhnlichen Kriminellen ebenso wie echten Mafiosi."
(Francesco di Carlo, früherer Cosa Nostra-Boss des sizilianischen Ortes Altofonte)


Da sich die Mörderklans immer besonders katholisch geben, herrscht unter den Bischöfen wenig Lust sich mit ihnen anzulegen.
Wozu auch?
Die Mafia spendet der Kirche großzügig und Moral ist der Ratzinger-Organisation offensichtlich völlig egal, wie man am Umgang der Kurie mit Kinderfickern und Holocaustleugnern und rechtsextremen Revisionisten sehen kann.

Fast alle Mafiafamilien zeigen sich als strenggläubig, lassen sich taufen und besuchen jeden Sonntag die Messe. Manche beten, bevor sie morden. Beim Klerus differenziert Roberto Scarpinato, Generalstaatsanwalt und der bekannteste Mafiajäger Siziliens: "Es gab exponierte Mafia-Priester, wie Agostino Coppola, der im Geheimen den obersten Mafia-Boss Toto Riina und Ninetta Bagarella traute.
(WDR.de)

Die von David A. Yallop in seinem Buch „Im Namen Gottes?“ 1984 dokumentierten Zusammenhänge über die Ermordung Johannes Paul I. (1978), weil er offenbar vorhatte die Zusammenarbeit des Vatikans mit der Mafia (Stichworte Erzbischof Paul Marcinkus, Bankier Roberto Calvi (Banco Ambrosiano), P2-Logen-Chef Licio Gelli, dem Opus Dei und Financier Michele Sindona) offenzulegen, setze ich an dieser Stelle als bekannt voraus.

Wie der Vatikan heute mit der Mafia umgeht, kann mehr sehr schön an Enrico De Pedis (1954 - 1990) sehen.
Er war einer der Bosse der Bosse der Banda della Magliana, der Mafia von Rom.

Er mordete fleißig vor sich hin, war gut bekannt mit dem Christdemokraten Giulio Andreotti und dem Kurienkardinal Ugo Poletti, bevor er schließlich von rivalisierenden Mafiagruppen selbst ermordet wurde.

Aber auch noch nach seinem Tod, zeigte der Vatikan auf abenteuerliche Weise seine enge Verbindung zu Enrico De Pedis.

Der Mafia-Killer erhielt das extrem unübliche Privileg zwischen Kardinälen und Päpsten in der zum Vatikan gehörenden Basilika und Titularkirche Sant'Apollinare alle Terme beerdigt zu werden.



Sein Sarkophag ruht dort noch heute Seit an Seit mit den verstorbenen Stellvertretern Gottes auf Erden.

Im selben Jahr 1990 übergab Papst JP-II die berühmte Kirche aus dem 7. Jahrhundert an den Opus Dei.

Daß der Vatikan jemals einem der Zehntausenden Mordopfern der Mafia das Privileg angeboten hätte in einer Papst-Basilika bestattet zu werden, ist nicht bekannt.

Hier ist die ARD-Reportage

Ein Amen für die Mafia - Paten, Priester und der Vatikan

zu sehen.

Mittwoch, 17. August 2011

Wo wächst eigentlich diese Sorte Beamte?

Fernsehen. Man kann nicht mit, man kann nicht ohne.

Die Kunst ist natürlich sich das rauszusuchen, was einen echten Informationsgehalt hat.
Und eben dazu auch (ausgewählt) ein bißchen Unterhaltung.

Extra3 bietet das beispielsweise.
Die machen sehr schöne Satiren.

Bisher kann ich mich allerdings so gar nicht an den neuen Moderator Christian Ehring gewöhnen und vermisse Tobi Schlegel.

Ehrings Sprüche, .....

im Moment wird ja alles "downgegraded", nicht nur die USA. Als sehr realistisch gilt inzwischen das Szenario, dass die FDP den Status als politische Partei verliert und zum Karnevalsverein herabgestuft wird. Das allerdings wäre ein wirklich fatales Signal. Für den Karneval in Deutschland.

....finde ich maximal mittelwitzig.

Eins ist aber gleich geblieben und damit komme ich zum Thema des heutigen Postings:
Wie kann es nur angehen, daß Politiker des 21. Jahrhunderts so vernagelt und naiv vor Fernsehkameras treten - noch dazu vor die Kameras einer ausgewiesenen Satire-Sendung - und offenbar nicht im Geringsten erahnen, wie sehr sie sich zum Affen machen?

Woher kommen solche Typen wie Thomas Spieker, der Sprecher des Niedersächsischen Sozialministeriums, der voller Ernst im TV erklärt, daß man Photovoltaikanlagen auf dem Dach nicht genehmigen könnte, weil sie die Umwelt belasten?

Es geht um den Hausbesitzer Karl-Heinz Wutkewicz, der in Sibbesse, einer Gemeinde im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen auf dem Dach seines Hauses eine Solarstromanlage installieren wollte und sofort vom Bauamt gestoppt wurde.

„Nur der guten Ordnung halber hatte Wutkewicz die Baubehörde vor gut einem halben Jahr informiert, dass er eine Solaranlage plant. Jährlich will er damit rund 5 500 Kilowattstunden sauberen Strom erzeugen. Wutkewicz hätte nie geglaubt, dass ihm die Behörde einen Strich durch die Rechnung macht. Schließlich gehören in Niedersachsen Solarstromanlagen auf und an Gebäuden zu den „genehmigungsfreien Baumaßnahmen“. So steht es in Paragraf 69 der Landesbauordnung. Eine Genehmigung braucht er trotzdem, belehrte ihn das Bauamt. Weil Wutkewicz den Strom gegen Entgelt ins öffentliche Netz speisen wolle, nutze er die Anlage gewerblich. Sein Vorhaben sei daher mit einer Nutzungsänderung des Gebäudes verbunden – und dafür braucht er nach der Landesbauordnung doch eine Genehmigung. Die gibt ihm die Behörde aber nicht.“
[…] Die Entscheidung der Baubehörde ist kein Alleingang übereifriger Bürokraten. Das Niedersächsische Sozialministerium, die oberste Baubehörde des Bundeslandes, bestätigte uns: Die Auffassung des Landkreises entspreche der Rechtslage.
(www.test.de Feb 2011)

Den Niedersachsen, die bereits eine Photovoltaikanlage auf ihrem Dach installiert haben, droht von der CDU/FDP-Regierung reichlich Ärger.

Gegen einen Nachbarn von Wutkewicz hat der Landkreis Hildesheim bereits ein Verfahren eingeleitet. Im schlimmsten Fall könnte er dazu verdonnert werden, die teure Anlage wieder abzubauen.
(www.test.de Feb 2011)

Thomas Spieker ist seit dem 1. Januar 2006 Sprecher des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit.

Der 36-jährige war seit 2003 Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Zuvor arbeitete Spieker nach Abschluss des Studiums in Politikwissenschaft, Völkerrecht und Soziologie im Deutschen Bundestag in Bonn und Berlin. Spieker ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
(www.ms.niedersachsen.de)

McAllisters Sozialministerin Aygül Özkan, 39, gehört offenbar auch zu der Kategorie „verwaltungsunfähig“, wenn sie solche Fälle, die seit mindestens einem halben Jahr virulent sind, so stümperig behandelt.

Der gute Herr Spieker, ihr speaker, ist völlig schambefreit und erklärt noch im August, daß solche Solaranlagen „Lärmemissionen“ verursachten, weil „an- und abgeliefert“ würde „durch LKWs“, daß „dann auch Gerüche entstehen“ und deswegen keinesfalls in Wohngebiete gehörten.



Jeder blamiert sich so gut er kann.

Dienstag, 16. August 2011

Mal was Unpolitisches.

Helmut Schmidt, dem man nicht immer zustimmen muß, der aber nie langweilig ist und in geradezu unheimlicher Weise der Senilität entgeht, hat, gefragt nach der Hamburger Politik kürzlich wieder so einen echten „Schmidt“ rausgehauen.
Die Senatoren der Hansestadt wären gar keine Politiker, sondern Verwalter. Eine Stadt zu regieren sei nämlich nur eine Frage der Verwaltung.

Nun ja.
Hamburger Bürgermeister spielen über den Bundesrat schon eine politische Rolle.
Voscherau und Runde koordinierten die Finanzpolitik der SPD-Länder, Klose wurde ein bedeutender Außenpolitiker.
Beust und Ahlhaus haben in der Tat bundespolitisch gar keine Rolle gespielt.

Zum Glück haben wir seit Februar 2011 wieder den Sozi Olaf Scholz an der Spitze des Senats.

Scholz war zumindest als SPD-General und Bundesarbeitsminister ein „echter“ Politiker.
Im Moment fällt er bundespolitisch nicht so richtig auf.

Aber was ist mit seiner Verwaltungstätigkeit?

Schlechte Verwaltung kann die Regierten ganz schön auf die Palme bringen wie 100 in diesem Blog unter dem tag „Beust“ veröffentlichte Postings beweisen.
In den zehn schwarzen Jahren ging in Hamburg wirklich alles schief, das eine Regierung anstoßen kann. Die Kriminalität stieg rasant, ätzend-häßliche Ole-von-Beust-Gedächtnis-Bauten wurden hochgezogen, Lehrer und Polizisten wurden entlassen, das Tafelsilber (Elektrizitätswerke, Krankenhäuser) verscheuert, die Finanzen ruiniert, die Schulen kaputt gespart, die Medien-Konzerne vertrieben, der Wohnungsbau kam zum Erliegen und insbesondere seit die Grüne Umweltsenatorin Hajduk ihre Schreckensherrschaft begann (als Erstes genehmigte sie die schlimmste CO2-Drecksschleuder Moorburg) wurden zu allem Übel auch noch die Straßenbäume abhackt.

Olaf Scholz sammelte den SPD-Wahlsieg dann mit dem ebenso simplen wie unkonkreten Versprechen die Stadt „wieder ordentlich zu regieren“ ein.

Das reichte völlig aus.

Die Hamburger von links bis rechts hatten einfach genug von der Un-Professionalität der CDU-Versager.

Und nun?

Die Verwaltungstätigkeit der SPD-Alleinregierung muß man nach einem halben Jahr als durchaus erstaunlich bezeichnen.
Insbesondere im Vergleich zu der Unfähigkeit der CDU-Senatoren.

Im Handstreich schaffte Olaf Scholz unmittelbar nach der Wahl die von Schwarz-Grün durchgepaukte horrende Kita-Gebührenerhöhung wieder ab.
Was hatten die GAL-Senatoren gejammert, daß sie die Gebühren gegen junge Familien gar nicht gerne verteuert hätten, aber es gäbe nun einmal keine finanziellen Spielräume.

Anscheinend gab es sie aber doch.

Gleiches trifft auch auf die Straßen zu, die die CDU völlig verwahrlosen lassen hatte.
Mein Auto kannte die Schlaglöcher auf dem Weg zum grocery-shopping schon auswendig und wich von allein aus.
Die Krater wurden zwar alle paar Wochen mit einem, Klumpen Kaltasphalt gefüllt, waren aber auch eine Woche später wieder da.

Nun fühlt es sich ganz seltsam an wieder auf glatten Straßen zu fahren, die OH WUNDER, auf einmal wieder vernünftig asphaltiert werden können, statt sie nur notdürftig auszubessern.

Nach nur wenigen Wochen im Amt begann die Hamburger Umweltbehörde schon die überfällige Wiederaufforstung und schuf das erfolgreiche Programm „Mein Baum, meine Stadt.“

Was für eine Wohltat, nachdem man ohnmächtig zehn Jahre zusehen mußte, wie Grüne und Schwarze nur abholzten!

Und auch das geht jetzt auf einmal:
Mit Beginn des neuen Schuljahres schuf der Hamburger Senat rund 600 zusätzliche Lehrerstellen, die sich erfahrungsgemäß rund 720 Pädagogen teilen werden.

„Kleinere Klassen, mehr Lehrer“ mußte heute auch das notorisch CDU-freundliche Springersche „Hamburger Abendblatt vermelden.

Heute ist Einschulung in der Hansestadt. Die Klassengrößen liegen erstmals unter dem Bundesdurchschnitt. […] Die Erstklässler an den 195 staatlichen und 17 nicht staatlichen Schulen sind der erste Jahrgang, der mit einer deutlich kleineren Klassengröße beginnt, als es in der Hamburger Schulgeschichte je der Fall gewesen ist. Und: Die Zahl der Lehrerstellen wird um 600 erhöht. In den insgesamt 642 ersten Schulklassen sitzen im Durchschnitt nur noch 21,6 Kinder. In sozial schwachen Regionen sind es sogar nur 18,4 Jungen und Mädchen. An den 23 sogenannten Starterschulen, die sechs Primarschulklassen führen, beträgt die Zahl der Schüler 15 bis 18 pro Klasse. Damit liegt Hamburg bei der Klassengröße erstmals unter dem Bundesdurchschnitt. Und das, obwohl die Zahl der Erstklässler um 900 Kinder höher ist als im Vorjahr.
(Hanna Kastendieck und Peter Ulrich Meyer, 16.08.2011)

Bei einem der Hauptprobleme in dieser Stadt, dem leergefegten Wohnungsmarkt, kroch sogar der zuvor verantwortliche CDU-Ex-Senator zu Kreuze und gab zerknirscht zu versagt zu haben. Man habe „jahrelang geschlampt“. Senatorin Blankau macht jetzt einen guten Job.

Der ehemalige Hamburger Stadtentwicklungssenator Axel Gedaschko (CDU) hat gravierende Fehler früherer Senate bei Investitionen in die Infrastruktur der Stadt eingeräumt. "Der Zwiespalt zwischen Sparen und Erhalt der Infrastruktur ist oft zulasten der öffentlichen Substanz gegangen", sagte Gedaschko, der heute Präsident des Bundesverbandes der Wohnungs- und Immobilienunternehmen ist, im Abendblatt-Interview.
[… ] Gedaschko unterstützt die ehrgeizigen Ziele des SPD-Senats im Wohnungsbau. "Ich halte die Zielzahl von 6000 neuen Wohnungen jährlich für richtig, um einen relativ entspannten Wohnungsmarkt zu haben", sagte der Ex-Senator. Es werde aber einige Jahre dauern, bis die Marge erreicht werde.
(HH Abla 09.08.2011)

Selbst als die neue Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks noch ganz frisch im Amt war und die EHEC-Katastrophe über uns hereinbrach, gelang es der Sozialdemokratin eine ausgesprochen fähige Figur zu machen.
Sie koordinierte zwischen Kliniken, Patienten und Gesundheitsamt und zeigte die Kompetenz, die den Bundes-Ministern Bahr und Aigner völlig abging.
Nur ganz kurz schien sie zu straucheln, als die Spanische Regierung wütend Schadensersatz verlangte, nachdem sich herausstellte, der auf ihren Gurken gefundene Bakterienstamm sei gar nicht für die tödlichen Krankheiten in Norddeutschland verantwortlich.
Undaufgeregt und prägnant griff dann Prüfer-Storcks‘ Chef Scholz ein und beschied in Richtung Madrid „egal. EHEC gehört nicht auf die Gurke!“

Alles nur Verwaltungsfragen?

Vielleicht.

Aber als Hamburger kann ich nur sagen, daß man nach zehn Jahren CDU sehr bescheiden geworden ist.
Es ist extrem angenehm zur Abwechslung mal keinen Senat zu haben, dem man ständig misstrauen muß, sondern mit einem offenbar berechtigten Gefühl des Vertrauens begegnet.

Die Jungs und Mädels wissen schon so einigermaßen was zu tun ist und verstehen ihr (Verwaltungs-) Handwerk.

Wenn jemand weiß was er tut, kommen die Erfolge scheinbar automatisch.
Dementsprechend sieht auch das „Capital Städte-Ranking“ aus.

Hamburg hat die Konkurrenz erneut abgehängt. Die Stadt ist nach einer Studie der Ort mit den besten Wirtschaftsaussichten in Deutschland. Mit kurzem Abstand folgen München und Frankfurt, wie eine Untersuchung des Bad Homburger Wirtschaftsforschungsinstituts Feri im Auftrag des Magazins "Capital" ergab. […] "Hamburg hat eine sehr wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur und zudem eine hohe Kaufkraft", begründet der Feri-Studienleiter Manfred Binsfeld das gute Abschneiden der Hansestadt.
(HH Abla 16.08.11)

Montag, 15. August 2011

Im Tretboot, ins Abendrot.

Arme Angie!
Der erste Tag zurück aus dem Urlaub und gleich zeigt sich die CDU-Welt von der ganz pestigen Seite.
Nun sind nicht nur die nächsten beiden Wahlen - Berlin und Schwerin - schon so gut wie verloren, sondern auch die nachfolgende Schleswig-Holstein-Wahl am 06. Mai 2012 sollte mit hoher Wahrscheinlichkeit Schwarz-Gelb zurück in die Opposition schicken.

Das war nicht ideal, daß CDU-Spitzenkandidat und Parteivorsitzender Christian von Boetticher sich auf Facebook eine 16-jährige Schülerin suchte und sie zu Sexwochenenden in Kölner Hotels traf, während er seinen Parteifreunden erzählte er sei mit der Hamburger CDU-Sprecherin Anna Christina Hinze verlobt.

Offiziell gilt der Christdemokrat als seit vielen Jahren mit einer Mitarbeiterin der Hamburger CDU liiert, am Sonntagabend betonte er allerdings, in dem Zeitraum zwischen März und Mai 2010 keinerlei Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt zu haben. Doch einen Monat später soll er auf der Hochzeit des Hamburger CDU-Politikers Frank Schirra mit seiner Langzeitfreundin aufgetaucht sein und auf die Frage nach eigenen Hochzeitsplänen geantwortet haben: "Ich glaube, wir sind auch bald dran." So berichtet es die "Welt".
(Spon 15.08.11)

Ist natürlich blöd, wenn man so blöd ist an die halbe CDU durchsickern zu lassen, daß man da noch die Kleine aus Köln an der Hand hat.
Ob es in Ordnung ist, wenn ein 40-Jähriger Toppolitiker eine Affäre mit einer 16-Jährigen hat, will ich hier ausdrücklich nicht bewerten.
Es spricht aber extrem gegen das politische Urteilsvermögen von Boettichers zu glauben, er mache sich damit nicht erpressbar. Und genauso kam es dann auch.
Die Kieler CDU-Granden setzten die Daumenschrauben an und am Ende mußte Frau Merkel persönlich die Daumen senken, als der Lolita-Mann hartnäckig auf seinem Posten ausharren wollte.

...In der CDU-Führung steigt die Nervosität, weil der Kreis der "Mitwisser" wächst und von Boetticher nicht erkennen lässt, ob er die Affäre bis zum Ende der Sommerpause am heutigen Montag beichten und wie er die Union unbelastet in den Wahlkampf führen will. Dem Landesvorstand wird es zu bunt. Insbesondere Vize-Parteichefin Angelika Volquartz, einst Kieler Oberbürgermeisterin, drängt auf eine Klärung. Sie schaltet auch eine mächtige Duzfreundin ein: die CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese legt von Boetticher angeblich nahe, Konsequenzen zu ziehen. Am Wochenende eskaliert die Lage. Erste Medien berichten über von Boettichers einstige junge Gefährtin. Der Parteichef zieht die Notbremse, beruft auf Druck des geschäftsführenden Landesvorstands eine Sondersitzung für Sonntagabend ein. "Er will nicht aufgeben", sagt ein CDU-Spitzenfunktionär noch kurz vor dem Krisengipfel. "Er ist politisch tot, will es aber nicht wahrhaben", meint ein anderes Vorstandsmitglied. "Ein Verhältnis mit einer Minderjährigen geht gar nicht." Von Boetticher könne kaum Wahlkampf machen, weder für die CDU als Familienpartei noch für sich als "Landesvater" werben. Gestern Nachmittag stellen sich die ersten CDU-Fürsten gegen ihren Spitzenmann.
(HHAbla 15.08.2011)

Es wird so viel beklagt, daß Merkel alle parteiinternen Konkurrenten weggebissen habe.
Dadurch sei sie tatsächlich „alternativlos“ und könnte die Partei sinnfrei mäandernd auf Irrwege führen.

Streng genommen stimmt das nicht.

Es gibt immer Alternativen.
Wenn Rösler und Merkel heute vom Blitz getroffen würden, fände sich auch ein anderer CDU-Kanzler.
Rein praktisch gibt es aber kein CDU-Schwergewicht, keinen Kronprinz, der wie Wulffs McAllister oder Oettingers Mappus schon mit den Hufen scharrte, um den Job zu übernehmen.
Es gibt keinen natürlichen Nachfolger für Merkel.
Ihre wenigen Vertrauten, wie Pofalla und Schavan sind so extrem ungeeignet die Nummer Eins zu werden, daß sie wohl selbst Lothar Matthäus den Vortritt ließen.

Nicht überzeugend ist aber die Theorie, daß die Kanzlerin alle Konkurrenten systematisch weggebissen habe.
Sicher, anfangs mußte sie, um sich Respekt zu verschaffen Ehrgeizlinge wie Merz in die Schranken weisen.
Ich meine aber, daß es zufällig auch kaum CDU’ler auf Landesebene gab, die das Gerd-Schröderische Terrier-Gen hatten.
Kann man sich etwa vorstellen, daß Franz Joseph Jung oder Thomas de Maizière „ICH WILL HIER REIN“-skandierend an den Gitterstäben des Kanzleramts gerüttelt hätten?

Koch war einer der Wenigen, der erkennbar gerne Kanzler geworden wäre, aber er wird vermutlich selbst gewußt haben, daß er bundesweit unvermittelbar gewesen wäre.
Sein Image und seine persönlichen Sympathiewerte waren so katastrophal, daß es schon einer extrem vernetzten Provinz-Seilschaft und darüber hinaus einer speziell tölpeligen SPD bedurfte, um ihn überhaupt zum Hessen-MP zu machen.

Gleiches gilt für Oettinger, der unabhängig von eventuell vorhandener Fachkompetenz eine so desaströse Provinzialität an den Tag legte, daß die Südwest-CDU ihm noch nicht mal zutraute in Stuttgart eine Wahl zu gewinnen.

Die Ost-MPs der Union sind von Tillich über Haseloff bis zu Lieberknecht so offensichtlich nur dritte Liga, daß es noch nicht mal die kleinsten Spekulationen gibt, es könnte sie in die Bundespolitik ziehen.

Und dann ist da die Phlegma-Truppe aus Wulff, von Beust, Carstensen und Peter Müller, die es zwar zu MPs gebracht haben, aber alle in dem Ruf stehen nicht gerade die fleißigsten Bienchen zu sein.
Sie schätzen ihr Privatleben, fielen nie als Diskutanten bei kontroversen Themen auf und hielten sich immer bei bundespolitischen Scharmützeln raus.
Das waren die Di,Mi,Do-MPs, die lange Wochenenden genossen und ganz bestimmt nicht in der Nacht am Schreibtisch über neuen Steuerkonzeptionen brüteten, sondern stattdessen selig in den Armen ihrer zumeist sehr jugendlichen Geliebten schlummerten.

In diese Kategorie gehört auch von Boetticher, der eigentlich von Alter und Position als aufstrebender Ministerpräsident Schleswig-Holsteins in das bundespolitische CDU-Vakuum drängen könnte, um sich eines Tages als Kanzlerkandidat zu positionieren.

Nur hat er nicht das persönliche Format und schießt sich lieber selbst ins Knie, bevor es überhaupt so weit ist, daß er die Karrierestartrampe Landesregierungschef erreicht.

Merkel muß sich nicht die Mühe machen solche Typen kalt zu stellen, um keine Konkurrenz zu bekommen.

Sie kann einfach zweckfrei im Bundeskanzleramt vor sich hinwurschteln und die Weltwirtschaft im Alleingang ruinieren, während die CDU-Provinzfürsten den Holzhammer rausholen - aber nur, um sich selbst K.O. zu schlagen!

Sonntag, 14. August 2011

Der Vierte im Bunde.

Daß ich nicht der allergrößte Fan von Religionen im Allgemeinen bin, wird der ein oder andere vielleicht schon durch eine zarte Andeutung hier und da zwischen den Zeilen mitbekommen haben.

Ich würde aber nicht behaupten, daß alle Religionen gleich schlimm sind.

Den Pastafarismus finde ich sogar recht sympathisch.
Und die Polytheistischen sind üblicherweise etwas toleranter, weil es in ihnen grundsätzlich angelegt ist, daß es mehrere Sichtweisen gibt.
Besonders übel sind die drei monotheistischen Religionen, da in ihnen der Alleinvertretungsanspruch angelegt ist.

Der bösartigstes Satz überhaupt, den Religionsvertreter sagen können, ist der, den auch ein gewisser Joseph Ratzinger gerne betont:
„Extra ecclesiam nulla salus“ (Kein Heil außerhalb der Kirche).
Das heißt übersetzt nichts anderes, als „Ihr seid alle scheiße und nur wir machen es richtig!"
Unter anderem diese Haltung hat dazu eigetragen, daß es in den letzten 2000 Jahren 16.000 religiös motivierte Kriege und Völkermorde gab.
Das Abwerten anderer ist die Wurzel allen Übels.
Die Abrahamiten fördern dies.

Die toxischste Mischung erreicht man, wenn man diesen „wir sind mehr wert als ihr“-Anspruch mit dem Auftrag zur Missionierung verbindet, wie es insbesondere die Christen tun.

So konnte sich die Religion des Jesus zur tödlichsten Ideologie des Planeten entwickeln.
Das Judentum hat in der Geschichte der Menschheit verglichen zu den anderen beiden monotheistischen Brüderreligionen verschwindend wenig Unheil angerichtet, weil Juden immerhin nicht missionieren.
Betrachtet man heute ultra-ultraorthodoxe jüdische Siedler, käme man nie auf die Idee, sie wären weniger durchgeknallt als ihre Fundi-Kollegen unter den Muslimen und Christen.
Global betrachtet sind sie aber harmlos, weil sie nicht den Antrieb haben jeden Menschen des Planeten zwangszubekehren.

Ein Ureinwohner-Dorf im Amazonas-Dschungel oder auf Borneo muß eben nicht befürchten, daß eines Tages die Rabbis bei ihnen einfallen und sie gewaltsam zwingen mit Gebetsriemen und Schläfenlocken die Thora zu studieren.
Christen hingegen setzten bis heute ungeniert ihr Kulturzerstörungswerk fort und ruinieren die letzten intakten, nicht naturzerstörenden menschlichen Gemeinschaften.

Heute muß ich dem abrahamitischen Triumvirat des Grauens allerdings noch die vierte monotheistische Religion hinzufügen, die ich bisher in diesem Blog sträflich außer Acht gelassen hatte.

In Wirklichkeit handelt es sich nämlich bei den monotheistischen Schreckensreligionen um ein Quadrumvirat aus Juden, Christen, Muslimen und Bahai.

Wer oder was sind die Bahai?

Ausgedacht hat sich das der Perser Mirza Husain-ʿAli Nuri (Mirzā Husain-ʿAli Nuri, ‚Prinz Husain-ʿAli von Nur‘), der später den Ehrentitel Baha'u'llah (Herrlichkeit Gottes‘) trug. Er wurde am 12. November 1817 in Teheran geboren und starb am 29. Mai 1892 in Akkon.

Er gehörte nicht nur zum persischen Hochadel sondern ist auch ein direkter Nachfahre Abrahams, Isais und Zarathustras.
Aus der richtigen Familie zu stammen ist schon mal gut, wenn man eine Weltreligion gründen will!

Daß es Baha'u'llah nach Israel verschlug, ist Ehrensache - wo soll man denn sonst als Prophet eine eigene Ideologie entwickeln?

Mit den Autoritäten in Teheran legte er sich natürlich an, wurde teilweise verbannt, eingekerkert, enteignet, ging erst ins Exil nach Bagdad, dann als Erimit nach Kurdistan, Konstantinopel und wurde schlußendlich ins heutige Israel (damals Teil des Osmanischen Reichs) verschoben.



Heute gibt es rund sieben Millionen Bahai, die im Reich der Ayatollahs die größte religiöse Minderheit bilden und bei den Schiiten nicht viel zu lachen haben.

Bis heute werden Baha’i im Land ihrer Entstehung, im Iran, verfolgt. Sie sind die größte religiöse Minderheit, genießen aber keinerlei Schutz wie Juden oder Christen. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union äußerten sich wiederholt besorgt über die Unterdrückung der Baha’í. So wird der Iran in einer UNO-Resolution vom 21. Dezember 2010 erneut wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen und der Diskriminierung von Bahá’í scharf verurteilt.
(Phoenix.de)

Aber so ergeht es Monotheisten unter einer Mehrheit anderer Monotehisten immer.

Haleh Arbab, Vertreterin der Internationalen Baha’i-Gemeinde in Haifa: "Bei unserer Religion geht es hauptsächlich um die geistige Wandlung des Einzelnen und auch um die gesellschaftliche Neugestaltung - es ist eine Religion, für die beides wichtig ist....Wir als Baha’i entwickeln uns zu geistigen Menschen, indem wir die Heiligen Schriften lesen, meditieren, an uns selbst arbeiten, aber auch, indem wir für die Gesellschaft tätig sind - und das vor allem durch den Dienst an Anderen." In über 900 großangelegten, nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsprojekten in aller Welt, darunter auch 500 Schulen, soll das umgesetzt werden. Die Baha’i sind davon überzeugt, in ihrer Religion den Kern und die Sehnsucht aller Religionen vereint zu haben. Sie verstehen sich als Fortsetzung der bereits vorhandenen Religionen. Vielleicht auch als deren Erfüllung. Und sie glauben, dass die göttliche Offenbarung weitergehen wird. Die "eine Wahrheit" gibt es für sie nicht. Die Aufgabe des Menschen ist es, weiter zu lernen und sich verantwortlich für die Zukunft der Menschheit einzusetzen. Und so arbeiten sie alle für Baha’u’llahs Versprechen: "Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger."
(Phoenix.de)

Mit anderen Worten: Durch den Baha’i-Glauben wird alles besser und der ewige Friede wird herrschen.

Genau wie beim Judentum, Christentum und Islam auch.

Man studiert die diversen Schriften Baha’u’llahs und folgt dessen Geboten, wie Fasten, Askese und Demut.
Täglich muß man zum Schrein des Baha’u’llah in Akkon hin gerichtet beten und zudem mindestens einmal am Tag in den Heiligen Schriften lesen, sowie 95mal den „größten Namen“, BAHA, rezitieren.

Verbote gibt es wie bei den drei Geschwisterreligionen auch; Glückspiel, Drogen, Alkohol, betteln, beichten und Feuerbestattungen zum Beispiel.

Bloß einen Papst gibt es nicht.

Seit 1963 führt das universale Haus der Gerechtigkeit in Haifa die internationale Gemeinde.
Die Mitglieder werden alle vier Jahre neu gewählt.
Aber natürlich dürfen keine Frauen gewählt werden.
Die Bahai-Führer sind alle Männer.
Logisch.

Ist ja auch eine Religion.

Ein berühmter Freund der Baha'i ist Henryk M. Broder.

Samstag, 13. August 2011

Einstein

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
Albert Einstein



Die Einschläge krachen immer näher an der Bundeskanzlerin zu Boden.
Ihre eigene Partei murrt und mosert, die Bayern balgen und die fabelhafte FDP gibt nach 100 Tagen Rösler alles dafür um von den großzügigen 3% in der Sonntagsfrage auf 1% zu springen.

Die einstige Queen der EU wird weitgehend auch im Ausland als krasse Fehlbesetzung im Kanzleramt angesehen.

Nach menschlichem Ermessen kann die Merkel eigentlich keine dritte Amtszeit erreichen.
Ohnehin sind in „normalen“ Zeiten ca acht Jahre die übliche Spanne, die ein Mensch an der Regierungsspitze Deutschlands aushält. Wie Schmidt und Schröder war eigentlich auch Kohl zum Ende seiner zweiten Amtszeit völlig am Ende. Ohne die Maueröffnung hätte man ihn sicherlich 1990 abgewählt.

Eigentlich also an der Zeit, daß die Kanzlerin sich schon mal nach einem netten Post-Kanzler-Job bei einem der vielen Konzerne umsieht, denen sie die Milliarden willfährig zuschaufelte.
Vermutlich ist Brigitte Baumann schon aktiv dabei die BILD-Redakteure abzuklappern, um einen seichten Ghostwriter für die ab 2013 fälligen Kanzlerinnen-Memoiren zu finden.
Legt man Merkels geistigen Output ihrer 16 Jahre Regierung (Ministerin 1990-1998 und Kanzlerin 2005-2013) zu Grunde, reicht für ihre Memoiren sicherlich ein kurzes Faltblatt aus.
Macht ja auch nichts - da ihre besten Freundinnen, Friede Springer und Liz Mohn, beides Milliarden-schwere Verlegerinnen sind, wird ihr Buchhonorar sicher unabhängig vom Inhalt des Werkes üppig genug ausfallen.

Die Opposition hingegen, insbesondere also die (derzeit noch) stärkste Partei, muß sich bereit machen.
Gabriel sollte sein Personal planen, Themen tabellieren und Konzepte konkretisieren.
Es kann eigentlich nach menschlichem Ermessen nichts mehr schief gehen.
Angesichts der schwarzgelben Performance muß die Opposition nur noch das Röckchen lüpfen und die vom Himmel fallenden Taler einsammeln. Dabei gilt es dann sich mit dem Schießen von Eigentoren ein bißchen zurück zu halten und den Drang zum Politselbstmord ausnahmsweise zu unterdrücken.

Wie schwer kann das schon sein?

Leider ziemlich schwer!

Und darin liegt auch immer noch die Hoffnung der CDU. Mag sie auch noch so eine magere Performance abliefern, die Rotrotgrünen sind immer in der Lage sich mit unerwarteten Kontern selbst zu massakrieren.
Beständig halten sie den oberdümmlichen Ausschließeritis-Virus am Leben, leisten sich Gespensterdebatten zu Unzeit und lassen ihre Hofreligioten Thierse und Nahles von der Leine, um ein paar Millionen Wähler vor das Schienbein zu treten.

Am perfektesten beherrscht im Moment die LINKE das Polit-Harakiri.
Freundlich und fleißig legen FDP und CDU ihnen jeden Tag neue Munition vor die Füße, die sie nur aufheben müßten. Welch Schlaraffenland-artige Voraussetzungen für eine richtig linke Partei, wenn eine konservative Bundesregierung durch die Welt tölpelt, aberwitzige Milliarden und Billionen-Summen Bankern und Hedgefonds hinterher wirft und dabei die Bezieher niedriger Löhne immer mehr verarmen.

Eigentlich sollten sogar Schimpansen an der LINKEn-Parteispitze Rekordergebnisse einfahren.
Unglücklicherweise hat die LINKE statt schlauer Primaten nur Herrn Ernst und Frau Lötzsch.

Beides erprobte Politversager, die es in Punkto Unfähigkeit sogar mit Guido Westerwelle aufnehmen können.

Der einzige große Hemmschuh des Wachstums der LINKEn ist immer noch die Vergangenheitsfrage - Stasi, Mauer, kommunistische Plattform etc.

Gerecht ist das zwar nicht, weil es CDU und FDP waren, die gleich vier DDR-Blockparteien wegfusioniert haben und damit jede Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit im Keim erstickten.

Was für ein grotesker Witz, daß ausgerechnet CDU und FDP anderen Parteien vorwerfen sich nicht mit der Vergangenheit zu beschäftigen.
Solche Vorwürfe sollten besonders einfach zu kontern sein, aber in mir bis heute völlig ungeklärter Dummheit fangen SPD’ler (also ausgerechnet diejenigen, die GAR NICHTS aus der DDR zum Fusionieren übernommen haben) sofort an zu weinen, wenn das Stichwort „rote Socken“ fällt.
Dann werfen sich die Sozis in Pawlow‘schem Reflex vor der CDU auf den Boden und präsentieren ihre Kehle, indem sie das Ausschließeritisspiel beginnen.

Ohne Not hat Frau Lötzsch im Januar 2011 das Reizwort „Kommunismus“ in den Ring geworfen und damit den Rechten das Stichwort für Jahre geliefert.

Sie sei von den Veranstaltern der Rosa-Luxemburg-Konferenz gebeten worden, "über Wege zum Kommunismus nachzudenken und dieser Bitte bin ich nachgekommen“.
(DIE WELT 07.01.2011)

Aber schlimmer geht immer.

Zur absoluten, nämliche dreifachen Unzeit, kurz vor den für die Linke extrem wichtigen Wahlen in Berlin, wo sie um ihre Regierungsbeteiligung fürchten müssen, kurz vor den Wahlen in MeckPomm, bei denen sie in die Regierung einziehen könnten und drittens zum emotional hoch aufgeladenen 50sten Jahrestag des Mauerbaus, schießen sich die Linken mit Verve ins eigene Knie.

Plötzlich legen sie die „so schlecht war die Mauer ja nun auch nicht“-Platte auf.
Wirksameres Urnengift könnte Frau Lötzsch noch nicht mal durch eine Fusion mit der FDP generieren.
In Mecklenburg-Vorpommern geht der Wahlkampf in die heiße Phase, die Wahlkämpfer Berlins glühen ebenfalls und ausgerechnet heute, während Berlin dem Mauerbau vor 50 Jahren gedenkt, hält die Linkspartei ihren Landesparteitag in Rostock ab, bei dem sie sich genüsslich zum Polit-Paria wandelt.

Den Anstoß zu der Diskussion gab ein Positionspapier einiger Linker aus eben jenem Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern, wo wie in Berlin im September gewählt wird. "Die Entscheidung über den Mauerbau war 1961 für die Führungen der Sowjetunion und der DDR ohne vernünftige Alternative", heißt es in dem Dokument.
[…] Die Gefahr eines neuen Krieges sei damals real gewesen, sagte Schoenenburg. "Heiligt die Verhinderung eines Krieges nicht die Sicherung einer Staatsgrenze?", fragte der frühere Landtagsabgeordnete. Gleich zu Beginn des Parteitags war es zum Eklat gekommen: Die Tagungspräsidentin forderte die Delegierten am Morgen auf, sich zum Zeichen der Trauer um die Maueropfer für eine Schweigeminute von ihren Stühlen zu erheben. Doch einige blieben demonstrativ sitzen. Dies brachte den Teilnehmern scharfe Kritik vom Vize der Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, ein: "Für die Toten erhebt man sich, ohne Wenn und Aber", rief Bartsch in Rostock. Jeder Tote sei für die Linke ein Grund zu trauern.
(SZ, 13.08.2011)

Mal wieder so ein Fall, bei dem ich sagen möchte „dümmer geht nimmer“, aber die Prognose ist mir schon oft im Hals stecken geblieben.

Als Einstein von der Unendlichkeit der menschlichen Dummheit sprach, dachte er offensichtlich schon an die deutsche Politik.