TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Renegat-I

Peter Voß, 68, bärtiger und konservativer TV-Journalist ist dem deutschen Polit-interessierten Fernsehkonsumenten seit vielen Dekaden bekannt.

Er arbeitete beim rechten BR-Magazin „Report München“, moderierte das ZDF-„Heute-Journal“, war lange Zeit SWR-Vorsitzender und moderierte unter anderem auch einige Jahre lang den „Presseclub“.

Obwohl das schwarze TV-Urgestein ein gebürtiger Fischkopp ist, assoziiert man ihn immer mit Süddeutschland, da er im Parteienproporzsystem stets den CDU-Kandidaten gab.

Das geschah nicht ohne Grund, denn Voß trat bereits 1974 in die CDU ein - man fragt sich wie ein gebildeter Mann in der Ära Brandt/Schmidt mitten während der Ostpolitik auf die Idee verfallen konnte.

Phänotypisch erschien mir Voß nie TV-geeignet - der Zottelvollbart und das dazu passende stets grimmige Gesicht sind so gar nicht das, was man gerne als Tele-Gast in seinem Wohnzimmer haben will.

Als bekennender TV-Polit-Junkie war ich von der Voß-Performance im "Presseclub" allerdings positiv überrascht. Die Rolle als neutraler, das Gespräch voranbringender Moderator erfüllte er gekonnt. Er ist ein tausend mal fähigerer Polit-Moderator, als die üblichen hirnbefreiten Grinseplattköpfe der weiblichen Spezies Illner, Will und Christiansen.

Als bekennender TV-Literatur-Junkie war ich erst recht verblüfft Voß in der Gesprächsreihe „Lauter schwierige Patienten“ mit MRR zu erleben. Das waren 12 jeweils einstündige monokausale und nicht-triviale Zwiegespräche, in denen Reich-Ranicki nicht der einzige Literatur-Experte war.
Wer hätte gedacht, daß ein konservativer Süddeutscher intensiv mit Bertolt Brecht oder Thomas Bernhard vertraut ist?

Ähnlich empfehlenswert ist die von Voß seit 1996 moderierte 3Sat-Reihe „Bühler Begegnungen“.
Hier parliert der CDU-Mann mit Wiebke Bruhns über die Männer des 20. Juli, mit dem Staatsrechter Horst Dreier über den Kern des Grundgesetzes, befragte Stammzellenforscher Daniel Besser zur Embryonenzell-Wissenschaft oder nahm sich Josef Ackermann zur Brust.

Bleibt also die Frage, wieso ein kluger Mensch 35 Jahre Mitglied in der Koch-Merkel-Kohl-CDU ist.

Eine Antwort habe ich nicht.

Aber immerhin ist jetzt Schluß damit, denn Peter Voß gab sein CDU-Parteibuch aus Protest gegen die Koch-Stoiber-Merkelschen Anti-Brender-Machenschaften zurück.

Im Interview mit der Welt erklärt der Ex-Intendant seine Beweggründe:

„Unter anderem, dass die Partei bis in die Bundesführung hinein einen Anschlag auf die Rundfunkfreiheit begangen hat, indem sie einen Chefredakteur eben nicht wegen irgendwelcher Fehlleistungen, sondern wegen seiner Unabhängigkeit abservierte…….. Bisher haben die Parteien eben nicht die Sender beherrschen können. Sie haben eine Mitsprachemöglichkeit, sind aber in den meisten Gremien in der Minderheitenposition, sodass es immer argumentativ und sachlich zuging – jedenfalls dort, wo ich beteiligt war. Das war hier aufgrund einiger Bestimmungen des ZDF-Staatsvertrags, die meines Erachtens nicht verfassungskonform sind, anders. Man braucht 60 Prozent Zustimmung für einen Vorschlag des Intendanten. Das führt dann zu so einer absurden Erklärung wie: Der Intendant hat unser Vertrauen, und demselben Intendant traut man nicht zu, zu beurteilen, ob sein Chefredakteur qualifiziert ist.“

Richtig so, Herr Voß.

Besser spät, als nie.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Prima Beitrag, wie immer.

Der Voss gehört einer aussterbenden Spezies an - Rechter aus Überzeugung.

Dass er zwischenzeitlich als "angenehm" empfunden wird, liegt an dem Umstand, dass es nur noch sehr wenige Exemplare seiner Spezies gibt (nicht dass es je viele davon gegeben hätte - schon gar nicht mit DEM Parteibuch).

Neben den völlig Wirbel- und Hirnlosen (Christiansen & Co.) und den Schreihälsen und Dummköpfen (sämtliches Gesindel auf den Privatsendern) sticht so einer dann umso deutlicher hervor.

Andererseits sollte man ihm jetzt keinen Roman Herzog andichten - der hat genug Propaganda für und im Sinne seiner Partei/Gesinnung betrieben und nur aus dem Grund durfte er auch diese Positionen einnehmen.

Aus diesem Saulus würde auch folglich niemals ein
überzeugender Paulus werden. (Der Geisler stösst in einem in dem Kontext immer besonders sauer auf und hat z.B. 1984 dem Kohl den Vergleich zwischen Gorbatschow und Goebbels in seine Rede geschrieben).

Insofern würde ich die plötzliche "Kritikfähigkeit" Voss' zwar durchaus anerkennen, aber nicht unter den Tisch fallen lassen, wie er in den letzten Jahrzehnten - immer völlig ohne Reibungswiderstand - durch seine Karriere "geglitten" ist.

Fröhliche Weihnachten,
Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

Danke Nordstern!

Ich kann Dir nur zustimmen und wollte auch keinesfalls so klingen, als ob ich jetzt Voß zu Füßen liege.
Natürlich ist er ein Konservativer, der über Dekaden gut auf der Schiene gefahren ist.
Aber - man wird ja bescheiden - also sage ich ein „IMMERHIN“.

Das gilt auch für den neuen Journalismus-Helden Nikolaus Brender.

Gerne wird jetzt so getan, als ob er ein wer weiß wie mutiger Widerstandskämpfer wäre, der heldenhaft und allein die Ehre des Journalismus verteidigt.

Das ist natürlich extrem übertrieben. Brender ist auch Dekaden im CDU/SPD-kontrollierten Geschäft der öffentlichen Sender und hat nun lediglich das getan, was für JEDEN Journalisten eine Selbstverständlichkeit sein sollte - nämlich versucht sich der direkten parteipolitischen Einflussnahme zu verweigern und stattdessen sachlich und unabhängig zu sein.
Das sollte aber natürlich für ALLE Journalisten gelten.
Brender fällt nur deswegen auf, weil bedauerlicherweise so viele Hintergrundgesprächs-Wichtigtuer-Journalisten liebesdienerisch oder auch plump desinformierend Propaganda betreiben.

Die Plapperrunden bei Will überhaupt als „Informationssendung“ zu bezeichnen, ist natürlich ohnehin nur ein schlechter Scherz.
Da rollt man den Sprechblasenproduzenten den roten Teppich aus, die sich dafür umso selbstverständlicher den Antworten verweigern, wenn Panorama, Monitor oder ZAPP um Interviews und Stellungsnahmen anfragen.

Meiner Ansicht nach hat die bloße Quantität der sogenannten Journalisten den Politikern generell einen großen Gefallen getan.
Vor 20 oder 30 Jahren war das Verhältnis noch ausgeglichener und da jeder Politiker notgedrungen ein Interesse daran hat in den Medien „vorzukommen“, konnte er natürlich nicht allzu viele Erzeugnisse boykottieren.

Heute ist es kein Problem mehr reihenweise Anfragen von seriösen Journalisten Absagen zu erteilen und dennoch dauerpräsent zu sein.
Guttenberg ist beispielsweise auf dem Titel der aktuellen BUNTEn - als „Mann des Jahres“.
Da wird devot kriechend über seine Eloquenz und tolle Garderobe berichtet.
Damit kommt er auf 75 % Bleibtheitsraten.

Was sollte er also auch zu „Panorama“ oder „Zapp“ gehen und sich dort hartnäckigen Fragen aussetzen, wenn er stattdessen bei Burda oder CDU-Mitglied Reinhold Beckmann ohne lästige Zwischenfragen parlieren kann?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,668699,00.html

LG
Tammox

Anonym hat gesagt…

Ein Blick nach Italien macht deutlich, wohin die Reise geht. Und diese Zustände sind gewollt!

Dem jetzigen Grad an systematischer Volksverdummung sind schon seit Jahrzehnten ähnliche Absichten vorausgegangen.

Der einzige Unterschied besteht darin, dass es früher - zumindest rudimentär - mehr Variation innerhalb der Medienlandschaft gegeben hat. D.h. der Grossteil der Zeitungen und Sender hat nicht nur 3-4 Medienkonzernen gehört und in den Öffentlich-Rechtlichen Gremien sassen nicht nur die Vertreter der vier deckungsgleichen Volksparteien, sondern gelegentlich auch mal ein richtiger Journalist.

Wohl konnte man sich bei uns als Demokrat aber nie fühlen. Das ZDF wurde systematisch als Adenauers Gegensender zur "linksgefährdeten" ARD aufgezogen und dort wiederum fielen dann stets die schwarzen Propagandasender NDR und BR besonders unangenehm auf. Der HR und MDR sind zwischenzeitlich genauso "auf Linie", etwas moderater, aber nicht weniger schwarz, der SWR. Einzig der WDR fällt noch etwas aus der Reihe, aber das scheint wohl in gewisser Hinsicht sein Markenzeichen zu sein.

Einzig etwas positiver kann man den Deutschlandfunk sehen (nicht zu verwechseln mit dem "C"DF-Ableger Deutschlandradio!). Nachdem dort früher vor allem diverse Restposten der CDUgeparkt wurden, um auch auf dem Äther die Lufthoheit zu erhalten, findet sich immer wieder mal ein guter Beitrag. Wobei das sofort wieder relativiert werden muss, insofern als dass man dort z.B. auch jetzt keinerlei Berichterstattung über den Krieg im Jemen finden wird.

Auf das Privatsender-Elend wiederum muss man eigentlich nicht eingehen. Kohl, der Enkel Adenauers (wir erinnern uns: "C"DF), wollte damit vor allem sicherstellen, dass seine Freunde aus der Wirtschaft möglichst viel Propaganda in seinem Sinne verbreiten können - und dieser Agenda sind die Volksverblödungs-Dreckschleudern bisher auch allesamt gerecht geworden.

Kein Wunder also, dass die "Blogosphäre" (Unwort 2010?) von einigen Kreisen zwischenzeitlich als gefährlich empfunden wird.

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

@Nordstern.

D.h. der Grossteil der Zeitungen und Sender hat nicht nur 3-4 Medienkonzernen gehört und in den Öffentlich-Rechtlichen Gremien sassen nicht nur die Vertreter der vier deckungsgleichen Volksparteien, sondern gelegentlich auch mal ein richtiger Journalist.


Da sprichst Du was an, das mir echt Bauchschmerzen bereitet.
Alles schlüpft bei Konzernen unter und zunächst wird versichert, daß natürlich keinesfalls irgendwas an den Inhalten geändert wird, aber wer’s glaubt……

Ob die Bertelsmänner sich tatsächlich NIE beim Spiegel einmischen?
Ich fände es schon netter, wenn das Ding noch in Familienhand wäre.

Die ZEIT ist seit einigen Jahren bei Holtzbrinck und zu allem Übel ist auch noch letztes Jahr die SZ ihre alten unabhängigen Eigentümerfamilien losgeworden und gehört nun auf einmal zur Südwestdeutsche Medien Holding, die für den Kauf angeblich 100 Mio Euro leihen mußten und das Geld jetzt aus der SZ rauspressen.

Sehr unangenehm.

Ja klar, früher wußte man bei SPRINGER-Blättern immer woran man war - aber es gab auch ein paar Gegenpole. Davon ist aber keiner mehr frei das zu tun und zu schreiben was er will.

Bis auf ein paar winzige Blätter natürlich - aber die „taz“ hat eben auch nur ein Promille der Auflage. Das kann man ja wohl nicht als echten Pluralismus bezeichnen.

LGT