TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Freitag, 15. Januar 2010

Gib dem Kind einen Namen.

Ausnahmsweise war „Hart aber Fair“ diese Woche mal ganz lustig.
Dieter Hallervorden, Alice Schwarzer, Hans-Ulrich Jörges, Arnulf Baring, Klaus Bednarz und Schülerin Miriam Böhm hatten sich vor 100 Tagen schon an selbiger Stelle getroffen und ihre Hoffnungen über Schwarz-Gelb geäußert.
Nur Bednarz war skeptisch.
Wie sieht ihre Einschätzung jetzt aus?
Bednarz ist verwundert - daß es so chaotisch käme, hatte selbst er nicht gedacht.

Natürlich ist war da nicht gerade die geistige Elite versammelt; aber es hatte eben eine gewisse Komik die Schlauköpfe mit ihren eigenen Prognosen zu konfrontieren.

Hans-Ulrich Jörges, derzeit ein Merkel-Kritiker hielt gleich einmal fest, daß zu Guttenberg und Rösler „sehr gute Männer“ wären.
Der ultrakonservative Baring wies darauf hin Außenpolitiker Westerwelle noch nie Paris oder Washington war. ("Undenkbar"!)
Die angebliche ultrafeministische Alice Schwarzer findet „das Bashing der Kanzlerin“ ganz und gar unangebracht.
Aber daß durch die FDP die Internetsperrungen à la Leyen zurück genommen wurden, gefällt ihr nicht.

Kurzum; eine lustige Comedy-Show, die man sich im Internet immer noch ansehen kann.

Lacher sind garantiert.
Warum aber regiert Merkel nun so gar nicht?

Positionen hat sie noch nie bezogen; so viel weiß man.
Auch nach Dekaden wissen Politexperten immer noch nichts über ihre wirklichen Überzeugungen.

(Meine Ansicht ist, daß Merkel gar keine Positionen hat. Sie gibt sich den Lobbyisten hin in dem einzigen Interesse an der Macht zu bleiben)

Wozu aber sich in das Minenfeld der Sachpolitik begeben, wenn der Urnenpöbel Politiker viel mehr goutiert, die sich wabernd-wolkig aus Allem raushält.
Jens Berger hat kürzlich die vollkommen substanzlosen Plattitüden der Ministerin Leyen dargestellt.
So wird man aber eine beliebte Arbeitsministerin!

Kristina Köhler, ebenfalls Bundesministerin, wird auch gelobt.
Sie ist so jung und frisch und gutaussehend.
Was will man mehr? - so macht man Karriere.
Seit ihrer Ernennung vor sieben Wochen, ist Köhler abgetaucht und hält sich komplett aus der Politik raus.
Nach fast zwei Monaten Arbeitsverweigerung tritt sie nun erstmals vor die Öffentlichkeit und promt gibt es Ärger, die CSU kündigt ihr einen „harten Kampf“ an.
Hätte sie mal lieber weiter geschwiegen.

Die Lehre lautet also:

Sage nichts, halte dich schön bedeckt und beziehe nie Position
- so steigt man in der Beliebtheit.

Die Label „Arbeitsverweigerung“ oder „Lethargie“ klingen allerdings nicht so recht positiv.
Zu der Strategie will man sich nicht gerne öffentlich bekennen.

Merkels persönlicher Demoskopie-Guru und Neologismen-Experte Matthias Jung, der Geschäftsführer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen, findet daher schönere Etiketten.

Die CDU-Wahlkampf-Strategie nennt er „asymmetrisch Demobilisierung“; vulgo:
Wenn man selber kein Programm hat, kann einen der Gegner auch nicht angreifen.
Die politischen Mitbewerber werden systematisch eingeschläfert, bis die Wahlbeteiligung so zurück geht, daß „relativ“ immer noch genügend Stimmen bei der allseits beliebten Amtsinhaberin bleiben.

Spon zitiert Jung weiterhin mit dem wunderbaren Begriff "bewusste ideologische Diffusität".

"Zum Wahlkampfkurs der CDU gab es unter den gegebenen Voraussetzungen keine realistische Alternative", sagt Jung und lobt, was die Kritiker als Profillosigkeit geißeln. "Eine Volkspartei kann heute nur erfolgreich sein, wenn sie sich nicht nur für eine Klientel stark macht, sondern unterschiedlichste Gruppen anspricht."

Solange der Wähler solchen Typen mit Mehrheiten ausstattet, dürfte die "bewusste ideologische Diffusität" die Politik der Zukunft sein.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die von Dir so treffend bemängelten politischen Zustände sind nur eine Übergangsphase fürchte ich.

Im Endeffekt steht ein massiver Umbruch unserer Gesellschaft bevor und diese Generation soll noch narkotisieren, während im Hintergrund schon die Gesetze und Grundlagen geschaffen werden, um die Bevölkerung mit Gewalt unter Kontrolle zu bekommen, wenn sie jemals aufmucken sollte.

Und selbst die Deutschen sind nicht so unendlich geduldig, dass sie auch dann noch stillhalten, wenn erste Schritte in die Richtung wie z.B. Hartz IV noch relativ harmlos sind im Vergleich zu den anvisierten Plänen mancher Neocon-Soziopathen (samt Think Tanks).

Das vielbeschworene und längst stattfindende Ende der Demokratie konnte man eigentlich schon mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung erleben.

Ein ungeheuerlicher, systematischer Betrug an der Bevölkerung (beider deutschen Staaten) und den Prinzipien unseres freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates (leider nie sonderlich sattelfest aufgrund der Befangenheit seiner Repräsentaten).

Mögen manche davon "Realpolitik" und "Machtpragmatismus" reden, aber schon der Umstand (neben den Billionen an DM/Euro, um die der Steuerzahler betrogen wurde), dass uns mit miesen Tricks der Winkeladvokaten aus dem Kanzleramt sogar eine neue Verfassung - eigentlich zwingend für die Vollendung der Vereinigung - verweigert wurde, hätte zu einem Aufschrei jedes normal-denkenden und fühlenden Demokraten führen müssen. Stattdessen nur Schweigen von einer ebenso besoffen-narkotisierten, wie belogenen Bevölkerung, die gar nicht merkte, wie sie da um die Zukunft beschissen wurde.

Welche Existenzberechtigung aber hatte die BRD und ihr Grundgesetz sonst als den Zeitraum bis zur Wiedervereinigung zu einem neuen Staat zu überbrücken?

Stattdessen wurden die alten Verhältnisse und schlimmsten Fehler dieses Provisoriums systematisch zementiert.

Allein schon auf der parlamentarischen Ebene waren dies massive Defizite - u.a. was die Kontrolle der Parlamentarier bzgl. ihres Einkommens angeht, die strengere Überwachung von Korruption und den Missbrauch von Steuergeldern betreffend.

Andere Bereiche wie die Justiz und Exekutive wurden ebenso in diesem grossen Coup der Demokratiefeinde in ihrer Fehlerhaftigkeit festgeschrieben. So muss man sich auch nicht wundern, dass z.B. das BKA (gegründet und geführt von Altnazis) immer wieder durch Forderungen nach antidemokratischen Massnahmen unangenehm auffällt. Man muss sich da manchmal ernsthaft fragen, ob das Personal überhaupt jemals auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingeschworen wird bzw. das Verständnis dieser Grundordnung auch bei den Weisungsbefugten überprüft wird.

Wie auch immer.

Als Frank Herbert 1964 (!) seinen Roman DUNE (Der Wüstenplanet) veröffentlichte, gab es von der linken Seite der Kritik Vorwürfe, dass er scheinbar unvoreingenommen eine ferne Zukunft beschreiben (implizit verherrlichen?) würde, in der die Demokratie und ihre Ideale schon lange durch ein barbarisches und gewalttätiges Feudalsystem ersetzt worden wären.

Nun, es scheint als ob wir nicht erst ein paar Tausend Jahre warten müssten, um diese Entwicklung selber erleben zu dürfen.

Der Nordstern.

Domonique hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
TAMMOX hat gesagt…

Mögen manche davon "Realpolitik" und "Machtpragmatismus" reden, aber schon der Umstand (neben den Billionen an DM/Euro, um die der Steuerzahler betrogen wurde), dass uns mit miesen Tricks der Winkeladvokaten aus dem Kanzleramt sogar eine neue Verfassung - eigentlich zwingend für die Vollendung der Vereinigung - verweigert wurde, hätte zu einem Aufschrei jedes normal-denkenden und fühlenden Demokraten führen müssen.


Das Thema „neue Verfassung“ habe ich damals recht genau verfolgt und eine Menge Leute waren sich vollkommen sicher, daß es dazu kommen würde.

Als das Thema dann letztendlich beerdigt wurde und stattdessen die DDR einfach „angeschlossen“ wurde, gab es durchaus den Aufschrei, den Du vermisst.
Die ZEIT beispielsweise hat große Debatten entfacht und die damals noch aktive und hoch anerkannte FDP-Frau Hamm-Brücher hat das ständig auf’s Tablett gelegt.

Das war aber eben die sogenannte VERöffentlichte Meinung, die in diesem Fall ganz im Gegensatz zu der ÖFFENTLICHEN Meinung Recht hatte.
Die tumben schwarz-rot-gold-trunkenen „Wir sind EIN Volk“- (Nicht mehr „wir sind DAS Volk“) brüllenden Massen waren aber in keinster Weise für kritische und nachdenkliche Töne empfänglich - obwohl so ziemlich alles, was damals KATASTROPHAL falsch lief - Treuhand, Rückgabe vor Entschädigung, 1:1-Devistenwechsel, keine Steuererhöhungen für die Einheit, Finanzierung über Lohnnebenkosten etc pp - auch als falsch erkannt wurde und sogar deutlich ausgesprochen wurde.
Aber die Warner wie Pöhl oder Lafontaine blieben Kassandras.
DAS VOLK warf sich lieber dem dicken Kohl an den Hals und überschüttete ihn mit parlamentarischen Mehrheiten.

Ich möchte also in diesem Fall nicht ganz so klar wie Du den radikalen neoliberalen Kräften „da oben“ die Schuld geben.
Nein, es hat Alternativen gegeben und die sind auch genügend aufgezeigt worden.
Das deutsche Volk ist aber lieber in die selbstverschuldete Unmündigkeit eingegangen, hat das eigene Hirn abgeschaltet und sich den konservativen Blabla-Sprechern an den Hals geworfen.
Nun bekommen wir die Quittung - die Verdiente.

LGT

Anonym hat gesagt…

"Das deutsche Volk ist aber lieber in die selbstverschuldete Unmündigkeit eingegangen, hat das eigene Hirn abgeschaltet und sich den konservativen Blabla-Sprechern an den Hals geworfen.
Nun bekommen wir die Quittung - die Verdiente."

Lieber Tammox, die allergrösste Gefahr besteht in Resignation und Vorurteilen.

In den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine ganze Reihe von Intellektuellen, die meinten, der Karren müsse eben an die Wand gefahren werden und solche Spinner wie Hitler & Co. und die (scheinbare) Idiotie des "gesamten" deutschen Volkes müssten wie eine Grippeinfektion "ausgestanden" werden.

(Im gleichen Masse - und ebenso fatal - fordern manche amerikanerische Systemkritiker, dass 2012 Palin (oder ein vergleichbarer nützlicher Idiot) Präsident werden muss, damit der Hirnfrass der Rechten auch noch beim letzten Wähler ankommt. Und Hitler hatte übrigens noch keine Atombomben.)

100 Millionen Tote und ein Auschwitz später sollte man begriffen haben, dass das definitiv die falsche Einstellung war.

Die Narkotisierung unserer Bevölkerung ist nicht deren Schuld, sondern wurde systematisch herbeigeführt. Dagegen muss etwas unternommen werden. Kritische Medien helfen und führen zu einer Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die durchaus reagiert.

Die Politik wiederum, die zwischenzeitlich in erster Linie als Handlanger gemeinwohlfeindlicher Interessen dient, hat die politischen Blogs (und das Internet an sich) erst letztes Jahr offiziell zum Feind erklärt, das spricht Bände!

Insofern dienen auch gerade solche Blogs wie Deiner dazu, die Misstände aufzudecken und aufzurütteln.

Unterschätze niemals die Macht der Wahrheit - und wundere Dich entsprechend auch nicht, wenn früher oder später die gleichen angeheuerten Störer, Extremisten und Lügner auftauchen wie auf Heise/Telepolis, Mein-Parteibuch usw.

(Wobei auf Telepolis die Schlacht offenbar schon entschieden ist, denn dort haben Soziopathen, Rechtsextreme und Rassisten weitgehend ihre Ruhe und die Moderation reagiert offenbar nur dann, wenn jemand diesem Gesindel die Meinung sagt und sie als das bezeichnet, was sie sind. Der "Wortfilter" funktioniert wohl nur bei Kraftausdrücken.)

Der Nordstern.

TAMMOX hat gesagt…

@Nordstern

Dazu fällt mir jetzt - ETWAS offtopic der alte Thoreau ein.
*“nor did I wish to practise resignation, unless it was quite necessary.”

Also im Grunde stimme ich Dir ja zu - deswegen schreibe ich ja in einer Tour „DIE DA verarschen Euch!“ und „geht wählen, mischt euch ein!“

Da ich mir aber auch einbilde meine Ansichten mit Fakten zu untermauern und nicht bloß schreibe, daß mir Merkels Frisur oder Westerwelles Teint missfallen, ist es dann doch irgendwie frustrierend die Wahlentscheidungen mit anzusehen.

In dem Zwiespalt bin ich ganz oft, wenn ich an die Probleme der Zukunft denke: Da stelle ich mir das regieren so unangenehm vor, daß ich meiner Partei den Tort gar nicht antun will. Soll doch Schwarz-Gelb die Suppe auslöffeln und sich prügeln lassen.

Aber das ist eben immer nur so ein Impuls, den ich dann auch schnell wieder abstreife.
Es ist einfach zu gefährlich und zu destruktiv, was CDUCSUFDP anrichten.
Auf das Experiment darf man sich nicht einlassen.

LG
Tammox

*"I went to the woods because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived. I did not wish to live what was not life, living is so dear; nor did I wish to practise resignation, unless it was quite necessary. I wanted to live deep and suck out all the marrow of life, to live so sturdily and Spartan-like as to put to rout all that was not life, to cut a broad swath and shave close, to drive life into a corner, and reduce it to its lowest terms."
Henry David Thoreau