TAMMOX IST UMGEZOGEN / AUS TAMMOX WURDE "TAMMOX-II"

Um die beklagte Seitenaufbaugeschwindigkeit zu verbessern, bin ich auf einen zweiten Blog umgezogen. Und zwar hierhin. Ich bin dankbar für ein Feedback!

Dienstag, 18. Mai 2010

Der Christ des Tages Teil XXII

Gegen Prostitution ist prinzipiell eigentlich nicht viel einzuwenden.

Die strafrechtliche Verfolgung hat ganz offensichtlich - es handelt sich schließlich um das älteste Gewerbe der Welt - nicht dazu geführt, daß niemand mehr seinen Körper verkauft.

Und was ist schon genau genommen Prostitution?

Neben der klassischen Variante „Geld gegen Geschlechtsverkehr“ funktionieren ein Großteil der menschlichen Interaktionen nach dem Muster „sinnliche Gefälligkeit gegen materielle Gaben“.
Ist eine Besetzungscouch etwa keine Prostitution? Und was ist mir der Hausfrau, die vor dem Gespräch mit dem Sachbearbeiter in der Bank noch zwei Blusenknöpfe öffnet? Was ist mit einer FDP, die wider besseres Wissens eine Hotelsteuerermäßigung durchdrückt und dafür 1,1 Millionen Euro vom Baron von Finck kassiert, dem zufällig die Mövenpick-Hotelkette gehört? Wer hat bei einer Uni-Prüfung noch nicht Interesse für ein Thema geheuchelt, das das bekannte Steckenpferd des prüfenden Professors ist?

Sollte man das Geschäftsmodell „körperliche Nähe gegen Bezahlung“ nicht positiv sehen?
Findet da nicht tagtäglich eine enorme therapeutische Leistung statt?
Triebabbau ist für das soziale Zusammenleben sicherlich relevant.
Es gibt inzwischen genügend Studien, die weltweit belegen, daß mit der Verfügbarkeit von Pornographie die Sexualstraftaten relevant zurück gehen.
Das ist nicht schön für Frau Schwarzer - aber in der Logik bestechend.

Wären die Ehefrauen von all den Freiern wirklich besser dran, wenn der Göttergatte nicht woanders das bekäme was er haben will?
Was ist mit all den Singles und Einsamen, die keinen Partner haben?

Wann immer ich etwas über das Thema gelesen und im TV gesehen habe, fielen mir Prostituierte auf, die erzählten, daß viele ihrer Freier vor allem reden wollten und sie mit ihren Problemen zuquatschen, die sie sonst nicht loswerden.

Daß mit der Prostitution so viel Elend verbunden ist, liegt hauptsächlich an der gesellschaftlichen Ächtung und der Illegalität.
Durch unsinnige Kriminalisierung bekommen Zuhälter, bestechliche Polizisten und wucherische Vermieter erst ihre Macht.
In Deutschland soll es 250.000 bis 300.000 Huren geben; viele von ihnen sind „nebenberuflich“ tätig und verdienen sich etwas dazu.
Dennoch sind „Nutte“ und „Hure“ nach wie vor recht derbe Schimpfworte.

Von den TÄGLICH RUND EINE MILLION FREIERN in Deutschland spricht dagegen niemand.

Wenn im Monat also rund 30 Million Deutsche die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen, 360 Millionen im Jahr; kann man nicht unbedingt von einem Randphänomen sprechen.

Dennoch treibt es republikweit die Bürgerlichen und die Kirchen auf die Barrikaden, wenn irgendwo ein Edel-Bordell errichtet werden soll.

Dabei ist doch ein gesellschaftlich akzeptiertes, nicht verstecktes und legales Bordell die einzige Möglichkeit die miesen Seiten der Prostitution - Zwangsprostitution, Elends-Prostitution, Beschaffungs-Prostitution - zu verhindern.

Ich rede hier also nicht jeglicher Prostitution das Wort, sondern plädiere für einen realistischen Umgang mit dem Thema.

Wenn eine Frau, oder ein Mann, die VOLLJÄHRIG sind, sich freiwillig zu dem Job entschließen, sollten sie das unbedingt tun können.

Es ist wünschenswert, daß ein jeder in diesem Berufsfeld auf seine Arbeitnehmerrechte pochen können sollte.
Krankenversicherung, Sozialversicherung und Rentenversicherung, sowie rechtlicher Schutz vor sittenwidriger Entlohnung sollte garantiert sein.

Wäre Prostitution ähnlich akzeptiert, wie Tanzunterricht, Haareschneiden oder Gärtnern, hätten nur noch die Doppel- und Trippelmoralisten ein Problem.
Aber denen seien ihre Probleme gegönnt.

Die rund um den Vatikan angesiedelten Callboys, die auf Bischöfe spezialisiert sind, sollten sich stolz zu ihrem Job bekennen.
Dann haben eben die Kleriker, die tagsüber die Homosexualität verdammen und abends in den Gaybars rumhängen den schwarzen Peter.

Ein schönes Beispiel für so einen Megaheuchler ist mein Christ des Tages XXII.

Es handelt sich um Prof. George Alan Rekers.

In den USA ist er bekannt als Mitbegründer des schwulenfeindlichen 'Family Research Council', sowie als Mitbegründer der 'National Association for Research and Therapy of Homosexuality' (Narth), die sich der 'Heilung' Homosexueller verschrieben hat.

Seit Jahrzehnten ist George Alan Rekers ein General im Kulturkrieg, auch wenn seine Arbeit meist hinter den Kulissen stattfand. 1983 gründet er mit James Dobson, dem bekanntesten Homophoben Amerikas, den Familienforschungsrat, eine in Washington D.C. situierte, fanatisch christliche und vehement antischwule Lobbygrupe, die zum Bannerträger der extremen Rechten der Nation wurde. Ihr jährlich stattfindendes Werte-Gipfeltreffen wird als Bewährungsprobe für Hoffnungsträger der republikanischen Präsidentschaftsanwärter angesehen.
Er beeinflusste auch die US-Regierung, indem er eine Beraterrolle beim Kongress, dem Weißen Haus und dem Bundesministerium für Gesundheit einnahm und sich als Kronzeuge für das Adoptionsverbot für Homosexuelle in Florida aussprach. Als ehemaliger Forscher der Harvard University und angesehener Professor für Neuropsychiatrie an der University of South Carolina, hat Rekers Hunderte von Papieren und Büchern publiziert, die Titel tragen wie „Wer bin ich? Der Herr und heterosexuell aufwachsen: Was Familien über Homosexualität wissen sollten.“
(hpd)

Ihm ging es wie so vielen, homophoben GOP-Politikern („Gay Old Party“) und prominenten evangelikalen Moral-Aposteln: Er flog damit auf, daß er genau das, was er am meisten bekämpfte selbst am eifrigsten betrieb.

Beispiele für diesen Typus sind Apologeten des Hasses wie Senator Larry Craig, der auf Flughafentoiletten versuchte die Dödel von den kackenden Nachbarn zu befummeln.
"Als die Nachricht von Senator Craig die Runde machte, forderten manche Republikaner seinen Rücktritt — andere wollten seine Telefonummer haben", spottete der Late-Night-Talker Dave Letterman. Ein typischer GOP'ler eben.
Da gab es den Abgeordneten Mark Foley, der männlichen Pagen schlüpfrige Pimmel-E-Mails sandte, Ted Haggard, der Vorstand der National Association of Evangelicals, der sich von einem männlichen Prostituierten bedienen ließ, Bob Allen, republikanischer Abgeordneter in Florida, der bei der Bitte nach Oralsex versehentlich an einen Polizisten geriet, und James Guckert alias Jeff Gannon, der einen "Begleit-Service" für Männer betrieb und vom Weißen Haus einen Presseausweis bekam, weil er immer so nette Fragen an George W. Bush stellte. Glenn Murphy Jr., der Vorsitzende der GOP-Jugendorganisation Young Republicans, trat von allen Ämtern zurück, nachdem er einen 22-jährigen Mann sexuell genötigt hatte.

Rekers wurde auf Rentboy.com fündig und mietete einen 20-Jährigen für einen zehn-Tage-Trip nach Europa. (Andere Quellen berichten von einer Reise auf die Bermudas.)

Wo auch immer sie waren - sein Begleiter macht optisch wirklich etwas her:

Das Profil wirbt für seinen „glatten, süßen, festen Arsch“ und „perfekt gebauten 8-Zoll Schwanz (unbeschnitten)“ und erklärt, er sei „sinnlich“, „wild“ und „für alles zu gebrauchen“ – so lange du danach verlangst. Und solange du dafür zahlst.

Zahlen konnte Rekers und so wurde man sich einig.

Zu dumm, daß er auf dem Flughafen Miami bei der Rückkehr von dem lüstern Trieb-Trip in die alte Welt erkannt und photographiert wurde.

Das Schöne an Typen wie Rekers sind ihre humorvollen Erklärungen für ihre Taten.



Er habe kürzlich eine Operation gehabt und benötigte lediglich Hilfe beim Koffer-heben. Das Koffer-heben schildert der Callboy detailliert:

The male escort hired by anti-gay activist George Alan Rekers has told Miami New Times the Baptist minister is a homosexual who paid him to provide body rubs once a day in the nude, during their ten-day vacation in Europe.
Rekers allegedly named his favorite maneuver the "long stroke" -- a complicated caress "across his penis, thigh... and his anus over the butt cheeks," as the escort puts it. "Rekers liked to be rubbed down there," he says.

In den auf Rekers' Homepage veröffentlichten Worten des frommen anti-schwulen Aktivisten klingt das freilich etwas euphemistischer:

In the past 24 hours, Rekers, a board member at the National Association for Research & Therapy of Homosexuality (NARTH) and cofounder of the Family Research Council, has claimed he took Lucien to Europe to inspire him to accept Jesus into his heart and renounce his homosexuality.

Wörtlich:

Um Missverständnissen keinen Raum zu lassen: 'Wir sind uns einig, dass mein Reiseassistent mein Gepäck hob, wann immer es nötig war, dass ich nie mein Gepäck hob, und dass mein Reiseassistent das ganze Heben übernahm.'

Dem Ausdruck 'Gepäck heben' verhalf Rekers zu einer Karriere als neues Synonym für „poppen“.

Immerhin ist auf Rekers Freunde von der hardcore-Christen-Front Verlass; sie stehen zu ihm:

"While we are extremely disappointed when any Christian leader engages in the very activities that they 'preach' against, it is not surprising. The Scriptures clearly teach the fallen nature of all people. We each have a choice to act upon that nature or accept the forgiveness offered by grace through faith in Jesus Christ and do our best to ensure our actions, both public and private match our professed positions," he added.

David Pruden, a member of the board of the National Association for Research and Therapy of Homosexuality, said in an e-mail that Rekers "is a dear, kind man who has had poor health as he has aged and often finds it impossible [alone] to travel to professional conferences or meetings." He added that he has attended conferences where Rekers needed another psychologist or academic to travel with him. "It is hard to imagine that he knowingly traveled off with a questionable companion with the full knowledge and support of his family," Pruden said.


Keine Kommentare: